28. Januar 2015


Lohnarbeit: Klumpenrisiko und versiegende Quelle

Normalerweise ist mein Metier die Wühlarbeit – vornehm das Reverse-Engineering von Produkten. Was genau steht in den AGB, wie hoch sind die Kosten, soll ich mich nach der 50€-Prämie strecken …

Ich hatte aber schon immer den Verdacht, dass diese Vorgehensweise nur einen sehr kleinen Teil der Realität abbildet. Eng am Produkt ist sicher nutzwertig, aber "The big picture" sieht man so nicht.
Doch dann lief mir die Analyse "Lebensverdienst nach Qualifikation" über den Weg und ich hatte meinen Helikopter-Artikel.

Lebensverdienst nach Qualifikation IAB-Studie

Bildung lohnt sich: Quelle

Man kann trefflich über die Studie streiten, denn die Verfasser gehen von ungebrochenen Erwerbsbiografien aus.

"Zusätzlich wurde angenommen, dass Personen ohne Abitur vom 19. bis zum 65. Lebensjahr durchgängig in Vollzeit beschäftigt sind, während dies für Abiturienten vom 21. bis zum 65. Lebensjahr und für Akademiker vom 26. bis zum 65. Lebensjahr gilt."

Außerdem werden Bruttolöhne verglichen. Die Steuerprogression wird das Netto etwas nivellieren.

Bildungsabschluss Brutto-Lebensverdienst Jahres-Brutto
ungelernt 1.083.000 € 23.543 €
Berufsausbildung 1.325.000 € 28.804 €
Abitur 1.561.000 € 35.477 €
Fachhochschulabschluss 2.002.000 € 51.333 €
Hochschulabschluss 2.320.000 € 59.487 €

Was bedeutet das?

  1. Egal, ob ein Ungelernter jetzt "nur" 800.000 Euro verdient oder doch 1.200.000 Euro, es handelt sich in jedem Fall um erhebliche Summen.
  2. Es handelt sich um "Potenziale". Ein ungelernter 19Jähriger hat die realistische Chance, in seinem Leben gut eine Million Euro zu verdienen. Ein 26jähriger Akademiker hat das Potenzial, im Laufe seines Lebens knapp zweieinhalb Millionen Euro zu verdienen.
  3. Das Potenzial des Ungelernten schrumpft jedes Jahr um 23.543 Euro, das des Uni-Absolventen um 59.487 Euro.

Um die folgende Humankapital-Tabelle zu zeichnen, habe ich extrem vereinfacht.

  1. Die Potenzialkurve fällt linear ab.
  2. Das Erwerbspotenzial eines 65Jährigen ist gleich Null. Das steht zwar im Widerspruch zur Rente mit 67, aber da die Verfasser der Studie so rechnen, mache ich das auch.
Alter Ungelernt Berufsausbildung Abitur FH-Abschluss Uni-Abschluss
19 1.083.000 € 1.325.000 € 0 € 0 € 0 €
26 918.195 € 1.123.369 € 1.383.613 € 2.002.000 € 2.320.000 €
30 824.021 € 1.008.152 € 1.241.704 € 1.796.666 € 2.082.051 €
40 588.586 € 720.108 € 886.931 € 1.283.333 € 1.487.179 €
50 353.152 € 432.065 € 532.159 € 770.000 € 892.307 €
60 117.717 € 144.021 € 177.386 € 256.666 € 297.435 €
65 0 € 0 € 0 € 0 € 0 €

Was bedeutet das für die Geldanlage?

Ein sinnvoll aufgebautes Portfolio arbeitet mit Anlageklassen. Aktien, Anleihen, Immobilien und Rohstoffe, das sind Anlageklassen, die man kennt. Die bei weitem wichtigste Assetklasse wird dabei gerne übersehen. Sie selbst. Sie und Ihre Arbeitskraft sind der Hauptvermögenswert, den Sie besitzen. Das einzig Unschöne: Dieser Vermögenswert hat ein eingebautes Verfallsdatum.

Die durch Arbeit aktiv erwirtschafteten Jahresbruttos liegen zwischen 25.000 Euro und 60.000 Euro.

Wenn Sie diese Summe passiv mit Dividenden und Zinsen bestreiten möchten, dann brauchen Sie ein Vermögen von

Ausschüttung nach Steuern Ausschüttung vor Steuern Rendite Vermögen
25.000 € 33.955 € 4 % 848.896 €
60.000 € 81.494 € 4 % 2.037.351 €

Das entspricht in etwa dem Lebensbrutto.

Vollends irrsinnig wird es, wenn die Leute in Verzückung verfallen, weil sie Tagesgeld zu 1,2 % statt 1 % ergattert haben. Mehrere Stunden Arbeit für 10 Euro pro Jahr mehr, bei einer Anlagesumme von 5.000 Euro.

Der Vermögenshebel ist Ihr Wert auf dem Arbeitsmarkt. Rechnen Sie aus, was es bedeutet, wenn Sie von Ihrem jetzigen Einkommen auf Hartz IV abstürzen (ab 2015 beträgt der Hartz-IV-Regelsatz 399 Euro pro Monat).
Das dürfte Sie härter treffen, als nicht ganz so tolle Zinsen oder eine mittelmäßige Aktienperformance.

Ihre Aufgabe

Bevor Sie darüber nachdenken, ob es lieber ein MSCI World ETF oder ein ETF auf den S&P 500-Index sein soll, beantworten Sie lieber diese Fragen:

  1. Sitzen Sie beruflich fest im Sattel? Geht es der Firma soweit gut, sind die Löhne sicher oder zeichnen sich am Horizont (der gerne noch zwei Jahre entfernt sein kann) Probleme ab? Sie wissen es nicht => Was sagt der Flurfunk?
  2. Wie geht es Ihnen gesundheitlich? Fit oder fett? Was macht der Rücken?

Die Sicherung Ihres Einkommenspotenzials ist absolut vorrangig.

Ein Beispiel

  • Ein 40jähriger Akademiker mit Uni-Abschluss hat laut obiger Tabelle ein merkantiles Restpotenzial von 1.487.179 Euro.
  • Selbiger Akademiker hat 100.000 Euro gespart.
  • Die Ersparnisse sind ausgewogen angelegt. 50 % in ETFs (RK3-Anteil) und 50 % in Tages- und Festgeld (RK1-Anteil).

Diese 100.000 Euro sollen jetzt ertragsoptimiert werden.

  • Der RK1-Anteil soll statt 1,5 % jetzt 2 % bringen.
  • Der RK3-Anteil soll statt 5 % jetzt 8 % bringen.
Anteil Brutto-Delta
RK1 250 €
RK3 1.500 €
Summe 1.750 €

Das sind 0,12 % des merkantilen Restpotenzials oder knapp 3 % des jährlichen Potenzials. Natürlich sind 1.750 Euro eine Menge Geld, die man nicht auf dem Tisch liegen lassen sollte. Aber dafür haben Sie erst Zeit, wenn jobmäßig alles im grünen Bereich ist.

Aber man wird ja nicht jünger, und das Einkommenspotenzial wird jedes Jahr weniger, deshalb stellt sich die Frage:

Wo kommt das Geld her?

Es gibt vier legale Geldquellen:

  1. Arbeitslohn aus abhängiger Beschäftigung
  2. Gewinne aus selbstständiger Tätigkeit
  3. Passives Einkommen aus Vermögen (Dividenden, Zinsen, Kursgewinne, Rentenanwartschaften)
  4. Erbschaft, Lottogewinn und andere Zufallsgewinne

Punkt vier interessiert nicht, weil einmalig und nicht vorhersehbar. Schön, wenn man davon profitieren kann, aber nichts, worauf man eine Strategie aufbaut.
Ebenfalls uninteressant: Eine staatliche Rente.
Die Rente habe ich nicht berücksichtigt, weil ich davon ausgehe, dass die Rente in Zukunft eine Grundsicherung sein wird. Niemand wird unter der Brücke schlafen müssen, aber das Frequent-Flyer-Leben der heutigen Rentner wird nicht mehr drin sein.

Die meisten von uns werden mit Punkt eins starten. Kein Vermögen, keine selbstständige Tätigkeit, nur ein millionenschweres Potenzial. Dieses gilt es zu nutzen.

Auch hier wenden wir das Schema F der Finanzanalyse an. Unsere Stichwörter sind die üblichen drei Verdächtigen: Rendite/Risiko-Verhältnis, Klumpenrisiko und Diversifikation.

Wir stellen fest: Sie sind ein Klumpenrisiko, denn es gibt nur einen Einnahmestrom und das ist Ihr Arbeitslohn. Dieses Klumpenrisiko kann und muss beseitigt werden.

  1. Defensiv: Absicherung Ihrer Arbeitskraft durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung.
  2. Offensiv: Durch Diversifikation. Sie brauchen zusätzliche Erlösquellen.

Sie stehen unter Zeitdruck, denn der Lohn-See, aus dem Sie Ihr Potenzial schöpfen ist wie der Aral-See: Er trocknet jedes Jahr ein bisschen mehr aus. Das Fatale: Das Potenzial verdunstet unabhängig davon, ob Sie es ausschöpfen oder nicht. Einem 50Jährigen, der sich nicht beizeiten neue Erlösquellen erschlossen hat, läuft die Zeit davon, egal, wie gut er aktuell verdient.

Passives Einkommen aus Vermögen

Die klassische Umverteilung. Versteuerter Arbeitslohn wird eingesetzt, um passiv Zinsen, Dividenden und Kursgewinne zu erzielen. Langfristiger Horizont und möglichst pflegeleichte Umsetzung. So wie ich das hier im Blog seitenweise beschreibe.

Gewinne aus selbstständiger Tätigkeit

Finanzwesir, das Leben ist doch nicht nur Arbeit! Soll ich jetzt noch zusätzlich zu meinem Job abends und am Wochenende arbeiten?
Nein, ich würde mich nur nicht darauf verlassen, bis ans Ende meiner Tage als abhängig Beschäftigter durchzukommen.
Ich finde es erschreckend, wenn ich im Wertpapier-Forum lese:

"Ich bin 26 und möchte etwas für meine Altersvorsorge tun. Mein Zeithorizont: Rente ab 67."

Warum diesen ausgetretenen Pfaden folgen? Die Rente mit 67 ist doch nur ein politisches Konstrukt. Wir hatten schon die Rente mit 63 und 65, nun die Rente mit 60, die Rente mit 70 wurde schon diskutiert und in den goldenen Jahren der Frühverrentung gab‘s die Rente mit 55. Warum nicht ein maßgeschneidertes Rentenalter anstreben? Auf den klassischen Trott "Ausbildung - Erwerbstätigkeit - Rente" ist doch sowieso kein Verlass mehr.

Die Zeiten, in denen man als Lehrling bei Siemens anfing und mit 65 als verdienter Siemensianer in den Ruhestand entlassen wurde und dazwischen ein auskömmliches Leben hatte, sind vorbei. Selbst im öffentlichen Dienst überleben die jungen Leute heute von Elternzeitvertretung zu Elternzeitvertretung. Früher konnte man das Arbeitgeber/Arbeitnehmer-Verhältnis vielleicht als Lehnsherr/Vasall-Verhältnis beschreiben. Treue und Gehorsam gegen Treue und Lehen. Heutzutage ist jeder Angestellte Söldner in eigener Sache.

Einkommen durch Selbstständigkeit erfordert Kreativität und ist eine sehr individuelle Angelegenheit.

  • Der eine vermietet ein Zimmer bei AirBnB.
  • Die andere verkauft selbst gemachten Schmuck über Etsy.
  • Wieder einer züchtet Enten und Gänse und verkauft die an Martini.
  • Der nächste "macht was mit Medien" und betreibt einen Blog, den er mit Anzeigen monetarisiert.
  • Eine weitere verdient sich als Tennislehrerin etwas dazu.
  • Und noch eine arbeitet als Fotografin.

Es geht darum, sich aus diesen drei Bausteinen im Laufe der Zeit einen sinnvollen Einkommens-Mix zusammenzustellen.

Deshalb mein Vorschlag: Betrachten Sie emotionslos die drei Ihnen zur Verfügung stehenden Erlöstöpfe und treten Sie in einen Prozess ein, den ich "qualifiziertes Verwerfen" nenne.

Qualifiziertes Verwerfen, nie gehört?

Natürlich nicht, ist ja auch Qualifiziertes Verwerfen™ by Finanzwesir.
Qualifiziertes Verwerfen geht so:

  1. Erst einmal kommen alle Optionen auf den Tisch. Alle bedeutet alle! Egal, wie irrsinnig die Geschichte sich auch anhört.
  2. Dann wird jede Option ausführlich begutachtet und ganz gründlich von allen Seiten geprüft und en détail beschnuppert – so wie es die Preisrichter bei der Pudel-Show machen. Die Prüfung ist ideologiefrei – jede Option hat eine faire Chance. Tipp: Excel und Word sind dabei unverzichtbar.
  3. Nun wird qualifiziert verworfen. Diese Option ist nicht gut, weil … Jene Option will ich nicht umsetzen, weil …

Diese Sieberei ist ziemlich aufwendig, dafür ist die Lösung sehr robust. Das zahlt sich aus, wenn die gewählte Strategie unter Druck gerät. Und das wird sie. Bis jetzt hat noch kein Plan den Kontakt mit der Realität unbeschadet überstanden.
Wenn man seine Optionen dem Assessment Center des qualifizierten Verwerfens unterzieht, kennt man die Stärken und Schwächen und weiß: "Die Alternativen würden jetzt noch schlechter dastehen."
Das erhöht die Sturheit, am Plan festzuhalten.

Rebalancing auf der Meta-Ebene

So, wie man innerhalb des Wertpapier-Portfolios eine bestimmte Zusammensetzung pflegt und diese durch Rebalancing über die Zeit konstant hält, so kann man die drei Einkommensformen mischen. Nicht jede Kombi ist für jeden gleich gut geeignet. Genau so, wie nicht jeder Rohstoffe in seinem Depot hat, wird nicht jeder alle drei Einkommensformen nutzen wollen. Das ist auch ok, solange Sie qualifiziert verwerfen.
Die Mischung macht‘s. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu überlegen, wie man seine Zeit investiert. Ist es wirklich sinnvoll, das Tagesgeld zu optimieren? Wäre es nicht besser, spazieren zu gehen, im Garten zu buddeln, ein Buch zu lesen oder an der Modelleisenbahn zu basteln, um am Montag wieder fit zu sein für den Brotjob?
Eins sollte klar sein: Maloche rund um die Uhr ist sinnlos.
Nehmen wir diesen Blog: Die Rohbauten fast aller Artikel entstehen während meiner morgendlichen Jogging-Touren und der abschließenden Dusche. Das ist nichts, was ein Arbeitgeber als Arbeitszeit durchgehen lassen würde.
Ein anderes Beispiel: Immer wieder finden Leute eine neue Stelle, weil sie beim Grillen mit Kumpels in einem Nebensatz angemerkt haben, das sie bereit wären für "eine neue Herausforderung".
Es geht nicht darum, eine 40-Stunden-Woche Angestelltendasein mit einer 20-Stunden-Woche der Selbstständigkeit abzurunden, sondern zu überlegen: Wie kann ich die mir zu Verfügung stehende Zeit sinnvoll nutzen?

Einatmen (arbeiten) und ausatmen (entspannen) - so läuft‘s!

Ist dieses Rebalancing einfach umzusetzen?

Nein. Die die meisten Arbeitgeber sind nicht sonderlich flexibel, und auch die meisten Chefs haben ein starkes Stromberg-Gen und sind nur glücklich, wenn sie ihre Untergebenen sehen können. Löhne sind ein Stück weit einfach eine Anwesenheitsprämie.
Sollte man es trotzdem probieren? Definitiv. Eine "Karriere" kann man dann zwar vergessen, aber "Karriere machen" widerspricht dem Prinzip der Diversifikation. Wer Karriere macht, ist wie ein Hochleistungssportler, der alles auf eine Karte setzt. Wenn es klappt, dann winkt das große Geld, wer aber aussortiert wird, hat nichts. An der Spitze der Pyramide sind wenige Plätze – die Chance aussortiert zu werden, steigt mit jedem Karriereschritt.
Das Äquivalent zum "Karriere machen" ist das Stockpicking. Google-Aktien haben ihre Besitzer sehr wohlhabend gemacht, wer auf Enron gesetzt hat, hat alles verloren. Wer drei Tage die Woche bei Firma A gute Arbeit macht und an zwei Tagen sein eigenes Geschäft pflegt und dazu noch einige Euros auf der Bank hat, ist das Äquivalent zum ETF. Langweilig, kein Sozialprestige aber sehr solide und krisenfest aufgestellt.
Dieser Weg ist sehr ungewöhnlich und deshalb mit Sicherheit kein leichter.

Trotzdem gilt

"Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe."

Was ich Ihnen mit diesem Artikel nahebringen möchte, ist

Der Vorteil der Diversifikation

Wer zu hundert Prozent auf seinen Arbeitslohn angewiesen ist und womöglich noch Schulden hat (Haus muss abgezahlt werden), ist ein Spielball seines Arbeitgebers. Mit solchen Leuten kann man machen, was man will, denn sie sind wehrlos.

Ein Arbeitnehmer hat nur eine einzige Waffe, und das ist der Satz: "Ich kündige".

Wer darauf verzichtet, hat nichts mehr. Das sage nicht ich, sondern der Personalberater Heiko Mell, der seit 1969 im Geschäft ist. Er schreibt:

"Daher ist der eigene Werdegang stets so auszurichten, dass eine Kündigung jederzeit ins Auge gefasst werden könnte."
Quelle

Wer mehrere Eisen im Feuer hat, reagiert gelassener und ist nicht erpressbar.

Ich habe es immer so gehalten: Family & Friends: Nibelungentreue – meine Arbeitgeber konnten mit meiner professionellen Loyalität rechnen, aber wenn sich etwas Besseres ergab, war ich weg. Ich war nie vom Wohlwollen eines Arbeitgebers abhängig und bin damit gut gefahren. Das war nicht immer einfach und man muss dafür auch einen Preis bezahlen, wie beispielsweise einen Umzug von München nach Hamburg.

Bonus-Diversifikation: Heiraten

Heiraten? Ja, ich weiß, heutzutage wird viel geschieden, aber ein Paar, das gut zusammenarbeitet und ähnliche Wertvorstellungen hat, profitiert in mehrfacher Hinsicht:

  1. Die Lebenshaltungskosten sind geringer. Jeder finanziert nur eine halbe Wohnung und die halbe Einrichtung. Wenn beide sich ein Auto teilen können, senkt das die Grundkosten noch einmal.
  2. Diversifikation der Einkommen. Wenn jeder Partner genug verdient, um den anderen mit zu versorgen, ist keiner von beiden auf Gedeih und Verderb seinem Arbeitgeber ausgeliefert.
  3. Eine höhere Sparrate bedeutet: Der Zinseszinseffekt setzt schneller ein.

Die Amis sind mal wieder weiter als wir: "Smart couples finish rich"

Zwei sind eine Gruppe und eine Gruppe schultert Lasten leichter als ein Single.

Fazit

  1. Mit einem Einkommen aus nicht selbstständiger Arbeit beginnt alles. Je höher das Einkommen ist, umso besser.
  2. Dieses Einkommen ist Klumpenrisiko und versiegende Quelle zugleich. Diversifikation schafft Abhilfe. Entweder durch Umverteilung (aus Sparleistung wird passives Einkommen) oder durch Einkommen aus selbstständiger Arbeit.
  3. Unkonventionelle Überlegungen plus qualifiziertes Verwerfen führt zu robusten Lösungen.

(awa)

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Soll ich Ihnen eine E-Mail schicken, wenn ich einen neuen Artikel veröffentliche?

Ja, ich bin dabei!

kostenlos, kein Spam, keine Weitergabe der E-Mail-Adresse, jederzeit kündbar, Archiv | Datenschutz

Abgelegt unter Strategie, Altersvorsorge, Bildung, sparen



Das könnte Sie auch interessieren

  1. Leserfrage: Wenn Häuslebauer auf Kredit spekulieren
  2. Blogparade: Was kommt nach der finanziellen Freiheit?
  3. Vom Padawan zum Finanz-Jedi: Die fünf Ebenen der Geldanlage
  4. Niedrigzinsen sind kein Grund, an die Börse zu gehen

Kommentare

Gerhard sagt am 28. Januar 2015

Wahrhaftig, "Helikopter"-Artikel, das trifft die Sache ganz genau! Denn nur so erhält man eine "Draufsicht" und gewinnt den so wichtigen Überblick. Das ist das bis jetzt Beste, was ich in diesem Zusammenhang gelesen habe und dann noch so knapp zusammengefasst!

Respekt und großes Lob von Gerhard


Stefan sagt am 28. Januar 2015

Hallo Finanzwesir,

toller Artikel! Feste Rentendaten leuchten mir auf gesamtgesellschaftlicher Ebene ein, aber auf individueller Ebene macht es überhaupt keinen Sinn. Warum soll JEDER mit X Jahren nichts mehr machen? Ist jeder Mensch gleich in Bezug auf Lebensenergie und Gesundheit? Sicher nicht! Wenn man nicht gerade in Berufen ist, wo man zu spezifischen Zeitpunkten die Tätigkeit beenden MUSS, (z.B. Notar in Bayern), so sollte glaube ich jeder automatisch selber nachdenken wie lange er arbeiten möchte. Im Idealfall macht man vllt. sogar etwas, was einem Spaß macht? :-)

Den Titel finde ich auch gut. Die wenigsten sind sich bewusst dass Arbeitnehmer Einkommen eben ein extremes Klumpenrisiko darstellt. Ein Kontrahent (=AG) kann einen um die Existenz bringen, wenn das ganze Leben von dem Gehalt abhängig ist. Man kann zwar die Arbeitskraft einem anderen AG anbieten, aber wenn es z.B. einer ganzen Branche schlecht geht und man zu spezialisiert ist, dann kann das Finden eines neuen Jobs so leicht sein wie einen Mietnomaden aus dem Mietshaus rauszuprozessieren :-)!

viele Grüße Stefan


Alex von Reich-mit-Plan.de sagt am 29. Januar 2015

Gefällt mir auch sehr gut dein Artikel! Hab ihn gleich mal geteilt. Mit einfachen Worten kann man damit "Betroffene" aufwecken ... :-)

Gruß Alex

Auf dem Blog von Alex von Reich-mit-Plan.de gibt es hierzu diesen Artikel: Mein Blog bei Facebook


Couponschneider sagt am 30. Januar 2015

Ein sehr guter Artikel ist das. Das Potential von jungen Leuten, selbst von Geringverdienern, erinnert an meine Beispiele zum Berserkersparen: http://couponschneider.blogspot.com/2014/01/in-jungen-jahren-gilt-sparen-wie-ein.html

"Warum diesen ausgetretenen Pfaden folgen? Die Rente mit 67 ist doch nur ein politisches Konstrukt. Wir hatten schon die Rente mit 63 und 65, nun die Rente mit 60, die Rente mit 70 wurde schon diskutiert und in den goldenen Jahren der Frühverrentung gab´s die Rente mit 55. Warum nicht ein maßgeschneidertes Rentenalter anstreben? Auf den klassischen Trott “Ausbildung - Erwerbstätigkeit - Rente” ist doch sowieso kein Verlass mehr. "

Und dieser Absatz hat bei mir eine offene Tür eingetreten. Ich reagiere mich Abscheu dagegen, dass die Menschen diese 08/15-Modell verfolgen. Irgendwann gibt's Rente und dann ist endgültig Feierabend.

Ich sage vorweg: Ich betreibe nicht Altersvorsorge, sondern Vermögensaufbau. Mein Vermögen ist meine Altersvorsorge, aber mehr als das. Das Vermögen dient auch zur Absicherung im jungen und mittleren Alter. (Ich sehe mich mit Mitte 30 noch als jung an. :-)) und als Ergänzung des Erwerbseinkommens. Es gibt saftige Dividenden. Im letzten Jahr konnte ich ein Sechstel meiner Konsumausgaben durch die Dividendeneinnahmen stemmen.

Ich möchte eigentlich niemals in Rente gehe, also auf Arbeit verzichten, weil mir meine Arbeit Spaß macht und weil sie geistig fit hält. Und damit es dabei bleibt, dass die Arbeit Spaß macht, darf ich nicht von ihr abhängig werden. Wer sein komplettes Gehalt verballert, gar Konsumschulden hat, der ist total abhängig von seiner Arbeitsstelle. Gegen eine solche Situation muss man ankämpfen.

Auf dem Blog von Couponschneider gibt es hierzu diesen Artikel: In jungen Jahren gilt: Sparen wie ein Berserker


Andreas sagt am 30. Januar 2015

Danke für die ehrlichen Zeilen. Es ist mal wieder der Fall: "Ich weiß das alles selbst, aber hier hat sich einer die Mühe gemacht, es ehrlich auf "Papier" zu bringen.

Zitat: "Chefs... sind nur glücklich, wenn sie ihre Untergeben sehen können. Löhne sind ein Stück weit einfach eine Anwesenheitsprämie." Wie wahr, Demütigungen können nur ertragen werden, wenn man sie an Untergebene weitergeben kann. Machtspielchen sind viel wichtiger im Unternehmen als Gewinnmaximierung o.ä.

Ein motivierender und demotivierender Blogpost zugleich. Bitte weiterduschen ;-)

Auf dem Blog von Andreas gibt es hierzu diesen Artikel: Petersell


Buechermaus sagt am 30. Januar 2015

Lauter junge Männer die hier schreiben - ich bin weder das Eine noch das Andere und kann aus der anderen Perspektive zu diesem Artikel sagen: Recht hat er! Und sehr schön komprimiert und verständlich zu Papier gebracht. Ich werde den Artikel weitergeben um Denkanstöße zu geben und auch mal Gespräche anzustossen, denn über Geld scheint man auch in jungen Kreisen immer noch nicht zu reden. Ist ja auch in Ordnung, ich binde auch keinem auf die Nase was ich verdiene und wie viel ich auf dem Konto habe, aber Gespräche über Vermögensaufbau, Lebensplanung, Erwerb von Qualifikationen scheinen auch nicht so üblich zu sein.
Zwei Einschränkungen:

  1. "past performance is not indicative of future results" - das gilt fuer alle Anlagen UND fuer die ETF/high yield bond Strategie plus Selbstständigkeit mit der ich seit vielen Jahren gut fahre.
  2. wenn du keine schlimmeren Opfer bringen musst als in Hamburg zu leben........

Joerg sagt am 30. Januar 2015

zu schnell kommentiert... Heiraten kam ja noch... kann'ste alles wieder loeschen...


Joerg sagt am 30. Januar 2015

Was meint Ihr zu einer 5ten legalen Einkommensquelle bzw mehr eine Hilfe bei der Risikostreuung (sozusagen Diversifikation des eigenen Verdienstpotentials):

  • eine Partnerschaft (Ehe)

Also bei uns hat's soweit gut funktioniert...


möchtegern sagt am 31. Januar 2015

Hallo Finanzwesir, Deine Artikel sind eine solche Bereicherung und ich hoffe, dass du deine kreativen Inspirationen und fundierten Erkenntnisse noch lange mit uns teilen wirst, wo auch immer diese entstehen! Da mein Mann und ich mit Mitte Ende 50 schon zum älteren Eisen im Berufsleben gehören und sich unser Einkommen im Laufe der Jahre trotz akademischer Abschlüsse reduziert hat (Kündigung wegen "Umstrukturierungen", dann neue Jobs, mit wesentlich geringerem Gehaltsniveau), ist es umso ärgerlicher, dass wir nicht früher den von dir propagierten strukturierten passiven Vermögensaufbau betrieben haben. Bleibt uns, unsere Kinder zu motivieren, dies zu tun! Wir haben zwar ein abbezahltes Haus, aber auch ein Sammelsurium an eher schlechteren Anlagen sowie einem kleinen Batzen Geld, das auf einem Tagesgeldkonto vor sich hindümpelt. Wir haben Angst, es zu investieren, weil wir nicht mehr die Zeit haben, große Verluste an der Börse "auszusitzen"..... Außerdem wird nächstes Jahr eine Lebensversicherung fällig, die auch angelegt werden will und nun macht sich ein gewisse Ratlosigkeit breit... Jetzt noch ETFs auch vor dem Hintergrund, das wir ein rechts hohes Börsenniveau haben und wir nicht mehr 30 sind? Aus Möchtegern wird Weißnichtwie...

Herzliche Grüße aus weniger als 10 km Entfernung Möchtegern


Rico sagt am 31. Januar 2015

Sehr guter Artikel, am Anfang etwas zu "technisch" mit deiner Herleitung des Arbeitswertes. Ansonsten stimme ich dem Resultat uneingeschränkt zu: Als Arbeitnehmer startet man und dann gilt es von dieser Position möglichst schnell Erfahrungen und Know How zu sammeln, um damit seine möglichen Einkommensquellen zu erweitern. Ich verstehe bis heute nicht die Leute, die davon reden, dass Selbständigkeit und Aktien zu riskant sind, gleichzeitig aber auf Gedeih und Verderben vom Wohlwollen des Chefs abhängen.

Auf dem Blog von Rico gibt es hierzu diesen Artikel: Erfolgreich Sparen und Vermögen bilden


Gerhard sagt am 01. Februar 2015

@möchtegern

Was wollte ich erst dazu sagen (über 60)! Trotzdem investierte ich immer noch in (weltweit anlegende) Aktien-Etfs. Wenn sie einen Rat möchten: Für eine strukturierte Finanzplanung ist es nie zu spät und Sie sollten sich darum selber kümmern! Beim Finanzwesier und bei "zendepot" gibt es dafür hervorragende Hilfen, um sich in diese Materie einzuarbeiten. Lassen Sie sich ruhig Zeit. Die freiwerdenden Summen können Sie fürs Erste als Tagesgeld anlegen. Das "Sammelsurium" sollten Sie aufräumen. Was hohe laufende Kosten verursacht, sollten Sie auflösen, bzw. nicht weiter bedienen.

Zum idealen "Einstieg" (Markttiming), den es nicht gibt, ist hier auf diesem Blog schon viel gesagt worden. Dem möchte ich Nichts hinzufügen, nur so viel: Dem Einsteiger fehlt es vielfach daran, das als richtig erkannte auch tatsächlich umzusetzen. Genau so erging es mir auch einmal!

Mein Tipp: Ändern Sie einfach Ihren Nicknamen von "möchtegern" in "ichtraumichschon"

Mit aufmunternden Grüßen

Gerhard


ich-weiß-was sagt am 01. Februar 2015

Hallo Finanzwesir,

"ein schöner Artikel", dass war meine erste Reaktion. Dann bin ich ein Schritt zurück gegangen und denke: "immer noch ein schöner Artikel, aber über ein paar Punkte sollten wir diskutieren."

Vielleicht etwas vorweg: die Ausführung beziehen sich auf Erfahrungen in Unternehmen der Hightech Branche und des Automobilsektors. Andere Bereiche wie Medien oder öffentlicher Dienst können völlig andere Optimioerungsstrategien nötig machen - von denen ich keine Ahnung habe.

Erster Punkt: Karriere machen ja/nein Finanzwesir schreibt: "Eine “Karriere” kann man dann zwar vergessen, aber “Karriere machen” widerspricht dem Prinzip der Diversifikation. Wer Karriere macht, ist wie ein Hochleistungssportler, der alles auf eine Karte setzt. Wenn es klappt, dann winkt das große Geld, wer aber aussortiert wird, hat nichts. An der Spitze der Pyramide sind wenige Plätze - die Chance aussortiert zu werden steigt mit jedem Karriereschritt."

Dem stimme ich so erstmal nicht zu. Karriere machen heißt, dass man zumindest im besseren Drittel der Arbeitnehmerschaft einer bestimmten Hierarchieebene befindet und auserkoren wird auf die nächste zu hüpfen. Das hat eine ganze Menge Vorteile.

  1. Es verringert das "Klumpenrisiko", wenn man/frau in dem besseren Teil der Belegschaft verortet wird. Etwaige Entlassungswellen gehen mit höherer Wahrscheinlichkeit an einem vorüber.
  2. Lebensalter und Positionen passen bei Beförderungen (wieder) besser zueinander. Ein Technischer Bereichsleiter kann sich mit Anfang 50 auf eine andere Führungsposition bewerben. Ein Technischer Sachbearbeiter hat größere Probleme, eine Anstellung zu bekommen im selben Lebensalter. Da wird dann gern der Jüngere genommen.
  3. Beförderungen bedeuteten mehr Geld. Gar nicht mal so oft im allerersten Moment (das sind dann vielleicht mal 5% Brutto), aber mit den Jahren doch immer mehr. Mehr Geld bedeutet höheres Kapital, welches sich in ETFs anlegen läßt 8-). Der Kapital-See vergrößert sich trotz höheren Lebensalters. Das ist erstmal prima.
  4. Entgegen vielen Vorurteilen macht der Job des Chefs Spaß, speziell in technisch orientierten Unternehmen. Und es gibt da auch immer weniger "Stromberg-Chefs" - ist dort auch absolut kontraproduktiv, da die Kreativität der Belegschaft leidet. Spaß ist wichtig im Berufsleben.
  5. Wenn's nicht mehr weiter nach oben geht, wird man in 90% der Fälle nicht "aussortiert" , sondern es winkt halt nun keine weitere Beförderung mehr. Damit läßt es sich gut leben.
  6. ich sehe eine große Gefahr einen sogenannten "Brot Job" nur mit halber Kraft zu machen. Das hat nichts mit Teilzeit oder Vollzeit zu tun, wohl aber mit der Einstellung zum Brot Job. Wenn die Einstellung vorherrscht, "ich mach' dass weil ich z. Zt. mit dem von mir entwickelten Power Ikebana noch nicht voll leben kann", dann ist das vielleicht ok mit 30, auch noch mit 40, aber es kann ein Problem geben wenn wir über 50 werden. Der Stempel auf der Stirn "Kollege Müller reißt sich kein Bein aus" ist ein gefährliches Attribut, denn: über 50 rostet das Kündigungsschwert, einfach weil die nächste Stelle schwerer zu finden ist als mit 32.

Was tun? Die Kunst ist nun sich nur so weit befördern zu lassen, dass der Job einen nicht überfordert. Sonst bekommt man ein Problem mit Punkt 1. Ich selbst bin immer gut gefahren mit der Maxime " ich lasse mich befördern" - das gibt eine Grundlässigkeit, die extrem wichtig ist.

  1. Thema: Arbeitsplatzwechsel Ich stimme zu, dass es das Klumpenrisiko signifikant erhöht länger als 15 Jahre bei ein und demselben Arbeitgeber zu bleiben. Man ist dann schwer vermittelbar, wenn Firma A ins Strudeln gerät. Einige Wechsel, idealerweise kombiniert mit Karriereschritten, bringt Flexibilität in den Ansichten und in den Lebenslauf. Übertreiben sollte man es aber nicht:
  2. Es macht keinen Sinn sich den Lebenslauf zu zerschießen und alle 2 Jahre den Arbeitgeber zu wechseln. Damit handelt man auch gemäß dem auch von mir geschätzten Heiko Mell: "Die Schwert des Arbeitnehmers ist die Kündigung" Um es scharf zu halten, sollte man kein Job Hopping betreiben...
  3. Mögliche Betriebsrentenansprüche starten in Deutschland nach 5 Jahren Betriebszugehörigkeit, da kann es Sinn machen bei 4.5 Jahren mal tief durchzuatmen... - die Beträge sind typischerweise keine "Peanuts" um die's da geht...

  4. Thema: Gehaltsverteilung über Lebensalter Meines Erachtens ist es dann doch zu einfach, eine linear abfallende Potentialkurve über das Lebensalter anzunehmen. Irgendwo hab ich mal gelesen, dass 2/3 der Bezüge in der zweiten Hälfte des Berufslebens anfallen. Wenn das so ist, sollte man auch besonderes darauf achten, dass in der 2. Hälfte (Erntezeit!) nichts anbrennt. Also: ein Image wie Donnerhall im Brotjob hilft, auch beim Ernten....

Bin mal gespannt auf Deine Antwort...

Viele Grüße M


Horstenberg sagt am 01. Februar 2015

Drei Anmerkungen:

  1. Eine gleichgesinnte Partnerschaft mag im Einzelfall wirtschaftlich von Vorteil für die eigene Vermögensbildung sein (wenn man etwa ohne Ehevertrag in eine sehr wohlhabende Familie einheiratet). Im Normalfall ist Heiraten allerdings nichts als ein wirtschaftliches Risiko. Bei einer Großstadt-Scheidungsquote von über 50% ist es Glücksache, ob die eigene Ehe hält (oder soll hier wirklich der Grundsatz "Bei uns ist alles anders" gelten??). Eine Scheidung ist nicht nur eine Art emotionales Insolvenzverfahren, sondern auch ein wirtschaftliches Großklumpenrisiko. Die Kombination z.B. der fremdfinanzierten Immobilie mit Scheidung zur Unzeit (mit der Folge der hohen Vorfälligkeitsentschädigung, möglichem Wertverlust beim Verkauf usw.) hat in (ansonsten) geordneten familiären Verhältnissen echtes Privatinsolvenz-Risiko. Die teilweise zwingenden gesetzlichen Regelungen zu Zugewinnausgleich, Versorgungsausgleich und nachehelichem Unterhalt sind in vielen Fällen ungerecht. Hierzu kann man nicht ernsthaft raten!

  2. Dein Gedanke, dass Finanzanlage und Vermögensberatung eng an die Berufsaussichten zu koppeln sind, ist sehr richtig und gut dargestellt. Man kann das noch deutlich zuspitzen, z.B. anhand der Frage, was ein 30-Jährige mit 10.000 Euro machen soll. Der 30-jährige Akademiker, der gerade als Lehrer mit A12 oder A13 verbeamtet worden ist, darf das Geld getrost ausgeben, er ist anderweitig abgesichert. Der Akademiker in den Geldverdien-Berufen (Arzt, Jurist, Ingenieur usw.), der promoviert ist und mit seinen Abschlüssen in den Top-5-% liegt, darf das Geld vertrost versaufen, wenn er den beruflichen Einsatz nicht scheut und statt der Angestellten-Hängematte die Selbständigkeit sucht (mit Verdienstmöglichkeiten im sechs- oder sogar siebenstelligen Bereich p.a.). Akademiker und Angestellte mit abgeschlossener Berufsausbildung, die das etwas bequemere Angestellten-Dasein anstreben, sollten das Geld aber lieber sparen, weil die Verdienstmöglichkeiten begrenzter sind und die Altersabsicherung über die BfA keinen Wohlstand im Alter garantiert.

Finanzwesir sagt am 02. Februar 2015

Hallo ich-weiß-was,
das was Du sagst, stimmt alles im Regelbetrieb. Wenn die Firma gut wirtschaftet, die Produkte am Markt gut ankommen und der Laden nicht in die Hände eines Finanzhais gerät, sondern von Menschen geführt wird, denen es um das Produkt und die langfristige Rentabilität der Firma geht.
Das ist leider heute immer weniger der Fall. Die spektakulärsten Fälle sind sicher die Werksschließungen von Opel und Nokia in Bochum. Die Mitarbeiter haben hier mit Sicherheit keine schlechte Arbeit geleistet. Darauf wollte ich mit meinem Artikel hinaus. Durch gute und anständige Arbeit erwirbt ein Arbeitnehmer keinen Anspruch auf faire Behandlung seitens des Arbeitgebers. Dessen sollte man sich bewusst sein.

Zu Punkt 4 Deiner ersten Liste: Ich hatte nie einen Stromberg-Chef, aber ich habe auch nie in normalen Firmen gearbeitet, sondern immer in Start-Ups. Und wie heißt es so schön "Special Forces erhalten keine Befehle, sondern man gibt Ihnen Ziele." Entwickler in der Automobilbranche gehören dazu. Ein guter Entwickler ist nicht so einfach austauschbar, wie beispielsweise der Kollege in der Buchhaltung. Die Masse der Menschen arbeitet aber auf austauschbaren Positionen.

Das führt uns zu Punkt 6: Halbe Kraft geht nicht. Das habe ich in meinem Artikel aber auch nie gesagt. Bestes Beispiel: teilzeitarbeitende Mütter. Die schaffen von morgens bis zur Mittagspause oft 3/4 von dem, was die Vollzeitkollegen so bringen. Als Vollzeitkräfte können die es sich ja leisten mal eine halbe Stunde in der Kaffeeküche zu verdaddeln.

Was die zweite Liste betrifft: Auch hier Zustimmung. Du sagst: "Leute achtet auf Euren Lebenslauf, nehmt Vorteile mit". Ich sage:"Jeder ist Söldner in eigner Sache." Wir sagen beide: "Denkt unternehmerisch, seit selbständig, kümmert Euch."

Zu Punkt 4: Gehaltsverteilung über das Lebensalter: Wenn Du Dir die Seite drei der Studie ansiehst, dann erkennt man: Für FH- und Hochschulabsolventen haben die fetten Jahre zwischen 40 und 50, dann geht´s bergab mit den Jahresgehältern.
Ungelernte und Menschen mit einer Berufsausbildung haben einen eher linearen Verlauf der Jahresgehälter.

Was das Image wie Donnerhall angeht: Absolut korrekt, natürlich ist es mein Ziel der Thor der Finanzblogger zu werden ;-)

Jetzt noch mal ein Sprung auf die Meta-Ebene: Als Blogger bin ich nicht nur den Fakten verpflichtet, sondern auch Geschichtenerzähler. All´ das, was Du gesagt hast, hätte ich auch in meinen Artikel aufnehmen können. Das Ergebnis wäre ein wohlausgewogener, alles bedenkender und todlangweiliger Text geworden. Ein Artikel mit einem pointiert gespannten roten Faden liest sich einfach besser.

Jetzt haben die Leser dieses Beitrags das beste aus beiden Welten: Einen klar geschriebenen Artikel plus kompetenter Kommentare. Das ist einfacher zu verdauen als ein Monsterartikel, der alles und jedes genau ausleuchten will. Das ist auch das, was ich an anderen Blogs schätze und hier auch haben will.

Gruß
Finanzwesir


Finanzwesir sagt am 02. Februar 2015

Hallo Horstenberg,
dann also lieber als Single oder Ehe mit Gütertrennung? Was das

"Bei uns ist alles anders"

angeht: Warum nicht? Das ist doch ein aktives Investment, kein passives. Ich finde, hier kann man realistisch versuchen, "den Markt zu schlagen". ;-) Das macht Arbeit und man muss mit dem Partner, der Partnerin auch über Geldthemen reden. Das ist lästig. Aber das Erfolgsrezept gegen Streit in der Beziehung heißt nun mal: "Schatz, wir müssen reden." Wer frühzeitig bespricht, wie man als Paar finanzielle Dinge handhaben will, vermeidet Missverständnisse und Unmut.
Außerdem bin ich ein hoffnungsloser Romantiker, der auf die Silberhochzeit zusteuert ;-)

Zu 2: So mutig wäre ich nicht. Auch nicht als frisch verbeamteter Lehrer. Was ist eine Verbeamtung wert, wenn die Babyboomer in 15 - 20 Jahren in Rente gehen? Das Geld muss ja irgendwo herkommen. Entweder es wird

  • gedruckt oder
  • erwirtschaftet.

Mich voll und ganz auf die Wirtschaftskraft von Deutschland im Jahre 2054 zu verlassen wäre mir zu riskant. Die Ausschüttungen eines Wertpapier-Depots erhalte ich unabhängig vom Wohnsitz. Eine Beamtenpension kann der Staat an einen Wohnsitz in Deutschland binden. Wer als 30jähriger so verfährt, wie Du es vorschlägst, wettet darauf, dass der Deutsche Staat die nächsten 60 Jahre fähig ist, ihm ein auskömmliches Leben zu bescheren.
Diese Wette wäre mir persönlich zu groß.

Gruß
Finanzwesir


Andreas sagt am 03. Februar 2015

Hallo Finanzwesir,

sehr schöner Artikel. Du weitest in letzter Zeit den Horizont deiner Artikel etwas aus, finde ich gut.

Das Thema Klumpenrisiko finde ich sehr wichtig. Viele Leute sind sich dessen gar nicht bewusst. Trotz oftmals niedriger Risikotoleranz (Stichwort „Aktien sind mir zu riskant“) existieren hier enorme, leider oft unbewusste, Risiken. Da lebt dann beispielsweise eine Familie von einem Einkommen, finanziert derweil noch ein Haus, aber die proklamierte Risikotoleranz tendiert gegen 0. Dabei wäre wahrscheinlich sogar ein Investment in einen einzelnen DAX 30 Wert weniger riskant, als den Kombinationsklumpen aus einem Einkommen plus finanziertem Haus zu stemmen.

Ich finde es auch enorm wichtig, früh Vermögen zu bilden, um seine eigene Unabhängigkeit Schritt für Schritt sicherzustellen. Was ist meine derzeitige Arbeitskraft in Zukunft wert? Wird es in Zukunft noch eine Rente in Deutschland geben? Wie sieht die Wirtschaftsleistung in Deutschland an sich aus? Alles Probleme, die man weder selbst ändern, noch vernünftig einschätzen kann. Hier ist es wichtig an zwei Fronten zu agieren: differenzieren der Einkommensströme über Vermögen oder zusätzliche „Jobs“ und auch dadurch, die eigene Flexibilität zu erhalten. Man darf sich nicht z.B. an seinem akademischen Titel festhalten. Wenn die Qualifikation nicht mehr gefragt ist, muss man in der Lage sein umzusatteln. Entweder durch konstante Weiterbildung oder auch durch Ausbau der vorher nur als Zubrot genutzten „Jobs“. So bleibt man geistig und finanziell flexibel.

Ein Vermögen mit passivem Einkommen ermöglicht einem aber auch eine deutlich entspanntere Herangehensweise an die alltäglichen Probleme. Wie du geschrieben hast. Dadurch wird kündigen zur tatsächlich ausübbaren Drohung und verbessert die eigene Verhandlungsposition deutlich. Auf der anderen Seite ist eine arbeitgeberseitige Kündigung keine Katastrophe mehr, sondern eine Chance mal etwas Neues zu machen.

Viele Grüße Andreas

Auf dem Blog von Andreas gibt es hierzu diesen Artikel: Freisparen - Früher Freier Leben


Luke sagt am 06. Januar 2017

Kleine Ergänzung: Deswegen Belegschaftsaktien so schnell wie möglich abstoßen, sonst ist man noch abhängiger vom Arbeitgeber.


KM sagt am 10. Januar 2017

Ich habe im Handwerk gelernt und dort lange gearbeitet. Nach einem Arbeitsplatzwechsel habe ich mein Hobby als Nebengewerbe angemeldet. Das war mit 25 Jahren. Im Nachhinein hätte ich das schon viel früher machen müssen.
Es folgten wegen Auftragsmangel verschiedene Arbeitsstellen. Beim letzten Arbeitgeber hatte ich mit dem Chef eine Vereinbarung getroffen. Ich bekam die Schlüssel, fing um 6 Uhr an und arbeitete bis 13 Uhr (35 Wochenstunden)
Um 14 Uhr war ich dann daheim und machte mein eigenes Ding. Da war ich 29. In der Zeit baute ich eine Garage zum Büro um. Ein Jahr später gab es wieder eine Flaute. Ich wurde ausgestellt. Woche für Woche verging. Ich ging zum Gründerzentrum und erstellte einen Businessplan der auch genehmigt wurde. Es gab noch 10 Monate Übergangsgeld das ich zu 100% beiseite legte. Mit 33 kaufte ich ein altes Wohnhaus an einer vielbefahrenen Straße. Ich entkernte es komplett und renovierte es Schritt für Schritt. Nach drei Jahren eröffnete ich meinen neuen Laden darin. Nach weiten drei Jahren war ich fertig mit dem Wohn- und Geschäftshaus. In eine Wohnung bin ich selbst eingezogen. Die andere habe ich vermietet. Demnächst werden es 10 Jahre Vollzeit Selbstständig. Nun geht es darum die Darlehen zu tilgen und Vermögen für die Altersvorsorge aufzubauen. Ich kann sagen das ich etwa 80% vom Einkommen beiseite lege. Davon die Hälfte jeweils in Tilgung und Investitionen. Anfang Januar habe ich es geschafft dass das Vermögen größer als die Darlehensschulden sind. Rechnerisch wäre das Haus nun abbezahlt.
Ich habe nun Einnahmen aus eigener Selbstständigkeit. Sowie Mieteinnahmen. Und Erträge aus dem bisher investierten Geld.
Ich lege nun monatlich etwas beiseite für größere Geldanlagen und seit kurzen habe ich auch ein paar ETF-Sparpläne laufen.
Ich wünschte ich hätte mit 18 das finanzielle Wissen und Weitblick von heute gehabt. Damit hat man viel mehr Möglichkeiten. Mit meinem Berufsabschluss schaffe ich wohl nun auch so viel wie der mit dem Uni-Abschluss dank meiner Entscheidungen die ich nicht bereut habe. Das einzige was ich vielleicht ein wenig bereue ist nicht alles schon eher getan zu haben.