25. Februar 2014


Was ist eine Aktie?

Aktie

Eine Aktie ist ein Anteilsschein an einer Firma. Wer eine Aktie besitzt, besitzt einen Teil dieser Firma. Wenn es der Firma gut geht, steigt der Aktienkurs und die Anleger erhalten Ausschüttungen. Wenn es der Firma schlecht geht, droht bei Insolvenz der Totalverlust.
Ein Beispiel: Ich möchte die Finanz Wesir AG gründen, weil ich daran glaube, dass dieser Blog eine große Zukunft hat. Dazu brauche ich aber Leute, die weitere Texte schreiben, einen ordentlichen Server, der den Besucheransturm verkraftet und natürlich auch Leute, die sich um den Vertrieb kümmern. Alles in allem brauche ich 100.000 Euro. Um dieses Geld aufzutreiben, gründe ich eine Aktiengesellschaft (AG). Um möglichst viele Leute zu erreichen, stückele ich die benötigten 100.000 Euro in 100-Euro-Pakete. Jedes dieser 100-Euro-Pakete nenne ich Aktie. Ich habe also 1.000 Aktien zu je 100 Euro im Angebot.

Wer will welche?

Es gibt Leute, die meine Geschäftsidee realistisch finden und 20 Aktien kaufen, also 2.000 Euro investieren. Dann gibt es einen Fan, der total begeistert ist und 30 % des Kapitals übernimmt, also 30.000 Euro investiert und dafür 300 Aktien erhält. Andere wiederum sind sehr skeptisch und sehen die Finanz Wesir AG nur als spekulative Beimischung, schließlich ist Geldverdienen im Internet nicht so einfach und ein Totalverlust nicht ausgeschlossen. Diese Leute nehmen nur 2 Aktien, investieren also 200 Euro. So geht das dann dahin mit der Platzierung des Kapitals und am Ende haben ‒ reine Beispielzahl von mir ‒ 500 Leute investiert. Diese 500 Leute haben ‒ jeder in der ihm genehmen Größenordnung ‒ zusammen die 100.000 Euro aufgebracht.

Einschub: Eine kleine Runde Begriffsklärung

  1. Die 100.000 Euro nennt man das Stammkapital der Finanz Wesir Aktiengesellschaft
  2. Die 500 Leute sind die Aktionäre.
  3. Die 100 Euro, für die ich jede Aktie ausgegeben habe, heißt Nennwert. Früher, als Aktien noch echte Wertpapiere waren ‒ also wie Geldscheine gedruckt wurden ‒, war das die Zahl, die man auf die Aktie gedruckt hat.

Wie geht’s weiter?

Die Finanzwesir AG nimmt ihren Geschäftsbetrieb auf. Alles läuft gut an, die Website wird gut angenommen, die ersten Umsätze werden getätigt. Die Geschäfte laufen zufriedenstellend, aber unspektakulär. Der Börsenkurs pendelt sich bei 95,67 Euro ein.
Die Zeit vergeht und die Finanz Wesir AG nimmt langsam Fahrt auf. Umsätze und Kurse steigen. Nach Abzug der Ausgaben steht fest: Es ist soviel Geld in der Kasse, dass ein Teil davon an die Anteilseigner ausgeschüttet werden kann. Pro Aktie können 0,47 Euro ausgeschüttet werden. Die Investoren sind zufrieden. Der Kurs steht bei 105,50 Euro und eine Ausschüttung gab es auch. Ein echtes L& L-Investment (lukrativ & langweilig) ‒ Herz, was willst du mehr!

Mehr Drama bitte!

Dann kommt das Gerücht auf: Man hat gesehen, wie ich und Hubert Burda zur gleichen Zeit ein hochpreisiges Speiselokal betreten haben.
Die Spekulation schießt ins Kraut. Der Finanzwesir mit der geballten Burdapower im Rücken …
Unendliche Möglichkeiten tun sich auf ‒ die Weltherrschaft ist noch die geringste der diskutierten Möglichkeiten. Und der Kurs der Finanz Wesir Aktie geht durch die Decke. Statt 105,50 Euro soll jede Aktie jetzt 434,34 Euro kosten.
Die Menge rast, die Chance auf sofortigen Reichtum erscheint am Horizont. Leute, für die bisher ein Bausparvertrag das riskanteste Investment ihres Lebens war, kommen aus ihren Löchern und wollen dabei sein. Alle Investoren, die die Finanz Wesir AG sowieso nur als Beimischung im Depot hatten, verkaufen und auch der Großinvestor reduziert seine Bestände.
Irgendwann fängt jemand an zu rechnen und lässt die Luft aus dem Hysterie-Soufflé. Der Kurs fällt aus der Stratosphäre und landet wieder da, wo er hingehört.
Derweil hat die Finanz Wesir AG genauso gewirtschaftet wie immer.

Merke: Kurzfristig gesehen müssen Aktienkurs und Geschäftsmodell einer Firma nicht immer korrelieren.

Drama Deluxe

Der letzte Akt ist das Geheule der Spekulanten, die zu Höchstkursen eingestiegen sind.
Die Zeitschriften und Magazine, die gestern noch voller Optimismus über die Wunderwelt Börse berichteten, schreiben heute über abgezockte Anleger und wünschen sich schärfere Regulierungen gegen den Kasino-Kapitalismus.

Merke: Die Regel erst prüfen, dann kaufen, gilt nicht nur für Hosen, sondern auch für Firmenbeteiligungen.
Oder, um es mit Balu dem Bären zu sagen

"Du musst nicht gierig im Leben sein, sonst tust Du Dir weh, Du bist verletzt und zahlst nur drauf".

Einschub 2: Noch eine kleine Runde Begriffsklärung

  1. Marktkapitalisierung: Die Finanz Wesir AG hat 1.000 Aktien ausgegeben. Jede Aktie war auf dem Höhepunkt des Booms 434,34 Euro wert. Damit ergibt sich eine Marktkapitalisierung von 1.000 Aktien * 434,34 Euro = 434.340 Euro. Die Marktkapitalisierung schwankt also mit jedem Börsentag. Langfristig orientiert sich die Marktkapitalisierung an der wirtschaftlichen Situation einer Firma. Wirtschaftet eine Firma gut, dann steigt die Marktkapitalisierung. Ist sie auf dem absteigenden Ast, sinkt die Marktkapitalisierung. Kurzfristig schwankt die Marktkapitalisierung im Rhythmus der gerade an der Börse umgehenden Gerüchte.
  2. Die Ausschüttung von 0,47 Euro, die die Aktionäre im obigen Beispiel erhalten haben, nennt man Dividende.
  3. Jemand, der vor einem Aktienkauf die betreffende Firma genau unter die Lupe nimmt, weil er die Aktie langfristig behalten möchte, nennt man einen Investor. Investoren sehen die Firma hinter der Aktie. Sie suchen gesunde Firmen, da sie von einer stetig steigenden Marktkapitalisierung und soliden Dividendenausschüttungen profitieren wollen.
  4. Jemand, der eine Aktie nur deshalb kauft, weil er sie schnellstmöglich teurer wieder verkaufen will, nennt man einen Spekulanten oder Trader (klingt cooler als Händler, meint aber das gleiche). Spekulanten interessieren sich nicht für die Firma hinter der Aktie, sondern nur dafür, ob es eine Chance gibt, die Aktie schnellstmöglich mit einem satten Aufschlag zu verhökern.

Das Problem mit Investoren und Spekulanten

Investoren sind langweilige Leute. Sie wälzen viel Papier, denken nach und dann klicken sie ein paar Mal mit der Maus und kaufen oder verkaufen Aktien. Das gibt keine guten Bilder fürs Fernsehen. Spekulanten dagegen sind die Hysteriker. Sie flippen herum, schreien, wedeln mit dem Armen und gucken dramatisch, wenn wieder wieder mal ein Handel schief gegangen ist. Mit anderen Worten: Der Spekulant ist fotogen. Deshalb serviert uns das Fernsehen in seinen Börsengeschichten immer nur Trader und Spekulanten, und so verfestigt sich das Bild in unseren Köpfen: Aktien sind etwas f?r Irre.

Würde ich in die Finanz Wesir AG investieren?

Nein. Warum nicht? Weil ich grundsätzlich nicht in Einzeltitel investiere. Aus Gründen der Risikostreuung stecke ich mein Geld in Fonds. Damit ist die elegante Überleitung zum nächsten Teil dieser Serie gelungen. Wer wissen möchte, was ein Fonds ist: Bitte hier entlang.

(awa)

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Kommentare

Ruben sagt am 05. Juni 2015

Hallo, wer bezahlt denn den Aktionär bei Verkauf seiner Aktie? Auch, so wie bei der Dividende, die Aktengesellschaft?


Finanzwesir sagt am 05. Juni 2015

Hallo Ruben,
die Firmen haben mit dem Aktienhandel nichts zu tun. Nehmen wir an, Du hast eine BWM-Aktie. Du möchest diese Aktie verkaufen, weil Du Geld brauchst. Du schaust Dir den Kurs an und stellst fest: Aktuell wird die Aktie zu 98 Euro gehandelt.
Das heißt: Es gibt Menschen, die bereit sind sich für 98 Euro von einer BMW-Aktie zu trennen und es gibt Menschen, die bereit sind 98 Euro für eine BMW-Aktie zu handeln.
Wenn Du Deinem Broker den Auftrag erteilst: "Verkauf die Aktie.", dann nimmt er die Aktie stellt sich an der Börse hin und ruft "Eine BMW zu verkaufen, wer will sie haben."
Der erste, der "Hier" schreit bekommt sie. Der Broker kriegt 98 Euro, zieht seineSpesen ab und überweist Dir den Rest. Derweil bauen sie in Bayern weiter ihre Autos und haben nichts davon mitbekommen, dass eine Aktie den Besitzer gewechselt hat.
Die Aktiengesellschaft hat mit dem Handel nichts zu tun. Das ist eine Sache von Käufer, Verkäufer und Bank.
Soweit der grob vereinfachte Ablauf der Transaktion.

Der Job der Börse ist es, Käufer und Verkäufer zusammenzuführen und dafür zu sorgen, dass auch Transaktionen stattfinden können. Wenn das alles über die Aktiengesellschaft gehen würde, käme der Handel zum erliegen. Und die Liquidität ist ja einer der Vorteile der Aktie.

Gruß
Finanzwesir


JLL.Kerouac sagt am 09. Juni 2015

Hallo Finanzwesir

Erstmal herzlichen Dank für deinen Blog! An dieser Stelle habe ich gleich mehrere grundlegende Fragen, bei denen ich jeweils meine Gedankengänge hinzugefügt habe.

1) Profitiert das Unternehmen von einer steigenden Marktkapitalisierung?

Eigentlich nicht, oder? Da die Schwankungen der Marktkapitalisierung ja nur aufgrund dem Handeln der Käufer und Verkäufer zustande kommen. Diejenigen, welche bei diesem Unternehmen arbeiten und auch Aktien davon haben, profitieren natürlich als privat Person davon (steigender Kurs).

2) Kann man sagen, dass den Aktionären die Firma "gehört"?

Ja?

3) Im Artikel hast du Folgendes geschrieben: Es ist soviel Geld in der Kasse, dass ein Teil davon an die Anteilseigner ausgeschüttet werden kann. Pro Aktie können 0,47 Euro ausgeschüttet werden.

Wer bestimmt, ob eine Dividende (sowie die Betragshöhe) ausgeschüttet wird?

Ich schätze Mal, das entscheidet der Verwaltungsrat?

4) Wird der Verwaltungsrat über die Aktionäre gewählt?

Ja?

Vielen Dank!


Pin Gu sagt am 09. Juni 2015

@JLL.Kerouac: bei solchen Basics ist es empfehlenswert ein wenig zu googlen. Dann landet man auf die einschlägigen Seiten wie Wikipedia, DAI, Börsen. Dort findet man gut aufbereitete Infos, auch zum Downloaden. Dann beginnt die eigentliche Arbeit: nämlich sich das Ganze zu Gemüte zu führen. Börse und Geldanlage ist ein Lebensaufgabe und wenn einmal die Leidenschaft in dir entfacht ist, dann kommst du für den Rest deines Lebens nicht mehr davon los. Viel Spaß!


Finanzwesir sagt am 10. Juni 2015

Hallo JLL.Kerouac,

zu 1: Nicht direkt, aber indirekt. Je teurer ein Unternehmen ist, umso schwerer fällt es Finanz-Raidern und anderen Nekromanten die Mehrheit zu übernehmen und die Firma dann auszuschlachten, bzw. aufzuteilen und die Stücke zu verkaufen.
Außerdem sieht ein hoher Aktienkurs einfach besser aus. Deshalb ist die Marktkapitalisierung manchmal Teil der Zielvorgaben des Vorstandes.
Langfristig ist es genau andersherum: Nicht die Firma profitiert von der steigenden Marktkapitalisierung, sondern die Marktkapitalisierung steigt, weil die Firma erfolgreich wirtschaftet. Schon der große Benjamin Graham wusste:

"In the short term, the stock market behaves like a voting machine, but in the long term it acts like a weighing machine."

zu 2: In der Theorie ja. Oft genug benehmen sich die Vorstände - die auch nichts anderes sind als Angestellte - aber so, als ob ihnen der Laden gehören würde. Siehe Deutsche Bank.

zu 3: Die Höhe der Dividende wird vom Vorstand vorgeschlagen und von der Hauptversammlung mit einfacher Mehrheit beschlossen (§ 174 Abs. 1 AktG).

zu 4: AGs haben keinen Verwaltungsrat, sondern einen Aufsichtsrat. Leider benehmen sich viele Aufsichtsräte wie Verwaltungsräte. Sie sind passiv, anstatt dem Vorstand auf die Finger zu sehen. Aufgabe des Aufsichtsrats ist es, die Geschäftsführung – also den Vorstand – zu überwachen (§ 111 AktG).
Rechtsgrundlage der Arbeit des Aufsichtsrats bilden die §§ 95 bis § 116 Aktiengesetz (AktG). Dieses schreibt die Bildung eines Aufsichtsrates für Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien zwingend vor.
Die Aufsichtsratsmitglieder, die Vertreter der Anteilseigner sind, werden von der Hauptversammlung gewählt.

Wenn es sich um einen mitbestimmten Aufsichtsrat handelt werden die Vertreter der Arbeitnehmer von den Mitarbeitern der Gesellschaft gewählt, getrennt nach Vertretern der Arbeitnehmer, der leitenden Angestellten und der Vertreter von Gewerkschaften.

Das war´s erst mal im Groben.

Ansonsten hat Pin Gu recht. ;-)

Gruß
Finanzwesir


JLL.Kerouac sagt am 13. Juni 2015

In der Tat, hätte ich die eine oder andere Frage auch googeln können. Ich habe halt deinen Artikel gelesen und gedacht, dass dann andere Newbies auch gerade von meinen Fragen profitieren können. Besten Dank für deine Antworten/ Zeit.
Ich habe nun eine Folgefrage bzw. eine Frage zum "ausschlachten". Szenario:
Jemand arbeitet in einer AG und besitzt eine Mehrheit der Aktien. Entscheidet sich dann diese Person noch Dividenden auszuschütten (die anderen Aktionäre würden dann ja auch profitieren)?
Was hindert ihn daran, 0 Dividenden auszuschütten und sich selber einen extrem hohen "Lohn" auszuzahlen?
Hoffe meine Frage ist verständlich und dass ich keinen krassen Denkfehler habe...
Beste Grüsse


Finanzwesir sagt am 19. Juni 2015

Hallo JLL.Kerouac,
jemand, der die Mehrheit der Aktien besitzt, dem gehört der Laden. Er kann als Besitzer schalten und walten, wie es ihm beliebt. Deshalb hindert niemand ihn daran genau das zu tun, was Du gesagt hast.

Was bedeutet das für uns als Anleger?
Wir investieren nur in Firmen, mit einem breiten Anteil an Streubesitz. Sobald es einen übermächtigen Einzelinvestor gibt, kann der seine Interessen durchsetzen. Bei BMW passiert nichts ohne die Zustimmung der Familie Quandt, den die hält 46,7% der Aktien des Autobauers.
Besonders schlimm wird es, wenn bei kleineren Firmen ein Großinvestor einsteigt und die Mehrheit übernimmt. Wenn der ein De-Listing wünscht (also ein Ende der Börsennotierung), dann werden die lästigen Kleinaktionäre einfach herausgedrängt.

Gruß
Finanzwesir


Varg sagt am 11. März 2016

Ist eine Konzern Aktie nicht auch eine Streuung innerhalb einer Aktie. Procter and Gamble besteht z.B. aus mehreren Firmen (u.a. Braun) , Siemens hat auch mehrere Sparten. Sind solche Konzerne strenggenommen noch Einzeltitel ?


RS sagt am 01. August 2016

Wann werden Dividenden verteilt bzw. beschlossen das keine Dividenden ausgeschüttet werden? Sind das festgeschriebene regelmässige Abstände oder sind das willkürliche Aktionen?

Gruß,
RS


Finanzwesir sagt am 02. August 2016

Hallo RS,
die Höhe der Dividende wird vom Vorstand vorgeschlagen und von der Hauptversammlung mit einfacher Mehrheit beschlossen (§ 174 Abs. 1 AktG). Die Dividendenzahlung erfolgt meist am Tag nach der Hauptversammlung. Es vesteht kein Anspruch auf Dividende. Zu jedem Dividendentermin wird neu geprüft, ob eine Dividende gezahlt werden kann und wenn ja, wie hoch sie ausfallen soll.
Soweit das Aktiengesetz.
Aber natürlich ist eine Dividende immer auch ein politisches Instrument, es heißt ja nicht umsonst Dividendenpolitik.
Ganz naiv könnte mand davon ausgehen: Die Dividende korreliert mit den Gewinnen.
Gute Geschäfte = hohe Gewinne => hohe Dividende
Das muss aber nicht immer so sein. Apple hat jahreland keine Dividende gezahlt, die haben alles in reinvestiert, um die Weltherrschaft zu erlangen. Warren Buffets Laden zahlt auch keine Dividende, weil der alte Herr der Meinung ist, er könne das Geld besser vermehren, als die Anleger. Bis jetzt hat er Wort gehalten.
Dann gibt es auf der anderen Seite die Dividendenaristokraten, die stolz darauf sind, seit Jahezehnten jedes Jahr nicht nur Dividenden zu zahlen, sondern diese auch jedes Jahr zu erhöhen.
Diese Firmen sitzen irgendwann in der Dividendenfalle, denn ihre Aktinäre verlangen die Dividende, wie die Junkies den Schuß. Und institutionelle Anleger auf Entzug können sehr ungnädig werden. Deshalb müssen diese Firmen Dividende zahlen - und wenn es aus den Rücklagen ist.

Deshalb gilt es genau hinzusehen, warum eine Firma eine / keine / eine fette / eine magere Dividende zahlt.

  • Eine dicke Dividende kann ein Warnsignal sein, wenn sie aus der Substanz gezahlt wird.
  • Eine magere Dividende kann ein Grund zur Freude sein, wenn das Management das Geld dazu nutzt, neue Geschäftsfelder aufzubauen und dadurch noch viel mehr Geld in die Kasse kommt.

Gruß
Finanzwesir


Matthias sagt am 02. August 2016

Hallo zusammen,

schon interessant, welche Meinungen es zu Dividenden und zu Dividendenstratgien gibt.
Am Ende kommt es doch nur auf die langfristige Gesamtperformance an, und die setzt sich aus Dividende und Kursentwicklung zusammen. Weiterhin muss doch festgestellt werden, dass jemand, der Einzelaktien kauft - egal, ob wegen der Dividende oder aus anderen Gründen - erstens nicht (genug) diversifiziert und zweitens durch den Kauf der Einzelaktie das Statement abgibt, dass er schlauer ist als der Markt.
Und zu diesem Thema "(fast) niemand ist auf lange Sicht besser (schlauer) als der Markt" wurde ja auch schon alles gesagt. Daher ist der Kauf von Einzelaktien gerade für Einsteiger nach meinem Verständnis überhaupt nicht zu empfehlen.
Das Thema "Reinvestition der Dividende" verursacht zusätzliche Transaktionskosten als Gegenargument zu einer Dividendenstratgie ist jedoch kernfalsch, denn wenn ich mich in der Ansparphase befinde, dann spare ich ohnehin monatlich oder jedes Quartal.
In diesem Zusammenhang kann ich die gezahlten Dividenden ohne zusätzliche Kosten zusammen mit dem ohnehin vorgesehenen Sparbetrag reinvestieren. Sobald ich mich in der Entnahmephase befinde, sind gerade Dividenden nicht mit Transaktionskosten verbunden, allerdings verursacht der Verkauf von Aktien bzw. ETFs Transaktionskosten.

Zuletzt habe ich noch eine Vermutung:

Wenn ich mir 3 Dividenden-ETFs (DIV 30) aus

  • "Asien, Pazifik, Japan, Australien",
  • "USA" und
  • "Europa"

zulege, dann werden sehr viele dieser 90 Unternehemen auch im MSCI World sein, oder?

Ich mag diese Webseite. :-)

Viele Grüße
Matthias


Finanzwesir sagt am 02. August 2016

Hallo Matthias,
oh, da wäre ich gaaaanz vorsichtig. Wie definerst Du Dividenden-ETF?

  1. Dividendenaristokrat = Firma, die ein sehr starkes Geschäft hat und es sich deshalb leisten kann, dauerhaft hohe Dividenden zu zahlen. Diese Firma kann eine lausige Dividendenrendite haben. Hohe Dividende geteilt durch hohen Kurs = miese Prozente ;-) Aber Du bekommst bei jedem Ausschüttungstermin eine ordentliche Summe überwiesen.
  2. Du schaust nur auf die Dividendenrendite. Dann reicht es, wenn der Kurs hinreichend niedrig ist. Eine Halbleiche von einer Firma, die ein letztes Mal vor dem Verrecken ordentlich Dividende zahlt hat bei einem runter geprügelten Kurs eine Top-Dividendenrendite.

Die Frage ist: Wie sind die angebotenen ETFs konstruiert? Hier muss man ganz genau auf die Indexdefinition schauen, sonst kann man ganz schön Schiffbruch erleiden. Ich vermute, dass ein ETF des Typs 2 auch ein ganz schönes Turnover hat => hohe Transaktionskosten. Entweder die Firma sirbt ganz oder der Kurs berappelt sich und dann ist es aus mit der Dividendenrendite ;-)

Ich habe mir geschwind bei iShares 3 Dividenden-ETFs angeschaut: Was ich sagen kann: Die Top-Holdings kamen mir als MSCI World-Besitzer nicht gerade sehr bekannt vor.

Gruß
Finanzwesir


ChrisS sagt am 02. August 2016

@Matthias:

"Wenn ich mir 3 Dividenden-ETFs (DIV 30) zulege, dann werden sehr viele dieser 90 Unternehemen auch im MSCI World sein, oder?"

Prinzipiell ja, wenn die Mindest-Marketcap und Liquiditätsanforderungen der beiden Indizes einigermaßen vergleichbar sind, werden die meisten/alle dieser Firmen auch im MSCI World sein. Wen das genauer interessiert kann ansonsten die Bestandsliste gern mit strg+suchen durchforsten.
Was allerdings auch stimmt ist dass die Gewichtungen (der individuellen Firmen, und Branchen allgemein) der Dividenden-Indizes und des MSCI World unterschiedlich sind (wäre ja auch komisch wenn nicht, es sind eben Spezial-Indizes mit einem anderen "Auftrag" als der Breitmarkt-Benchmark).
Die Top-Bestandteile der Dividendenindizes bestehen zumeist aus Unternehmen , die im normalen MSCI World eher in den "hinteren Reihen" eine untergeordente Rolle abseits der sonst größerkapitalisierten Firmen spielen - simple Folge der Auswahl und Gewichtung die vor allem auf Dividendenrendite abzielt (welche eben meist nicht bei den größten Firmen auch gleichzeitig am höchsten ist).
Das ganze ist nun an sich erstmal weder gut noch schlecht, aber es ist halt eine Abweichung vom Breitmarkt (welche sich dann auch in teilweise unterschiedlichen Wertentwicklungen im Vgl zum Breitmarkt auswirkt), der man sich schon vorher bewußt sein sollte wenn und warum man sie eingeht.
Wer damit nicht umgehen kann, und zB. seine Dividenden-ETFs nur ständig mit dem MSCI World vergleichen würde, der ist wohl besser dran beraten, einfach von anfang an gleich nur beim MSCI World zu bleiben.

"Das Thema "Reinvestition der Dividende" verursacht zusätzliche Transaktionskosten als Gegenargument zu einer Dividendenstratgie ist jedoch kernfalsch, denn wenn ich mich in der Ansparphase befinde, dann spare ich ohnehin monatlich oder jedes Quartal."

Wer bei seinen Reinvestitionen wirtschaftlich effizient vorgeht, dem sollten eigentlich keine wesentlichen Kostennachteile bei der Wiederanlage von Dividenden und der "normalen" Anlage von Spar-Raten entstehen, da wie gesagt man auch gleich beides einfach zusammenlegen kann.
Die Diskussion ist dreht sich aber meistens schon etwas "grundsatz-philosophischer" darum, ob es überhaupt für die Anleger sinnvoll ist, dass Unternehmen Dividenden ausschütten statt ihre Gewinne gleich selbst komplett in der Firma (und damit im Aktienkurs) zu "thesaurieren". Man könnte das akademisch untersuchen, indem man zB. die Wertentwicklung eines Portfolios aus "Nichtdividendenzahler-Unternehmen" eines Index (im Vgl zu den Dividendenzahlern und dem allgemeinen Markt) historisch verfolgt, um zu schauen ob es dadurch, ceteris paribus, einen wesentlichen Vorteil (bzw ob die Dividendenzahler nur dadurch schon einen Nachteil haben) gibt.
Die meisten Studien dazu gehen aber eher in die gegenteilige Richtung. Wäre trotzdem interessant, das Konzept mal praktisch auszuprobieren. Ich kenne zB. noch keinen ETF, der sich explizit zur Aufgabe gemacht hat, nur Unternehmen zu beinhalten, die keine Dividende zahlen - natürlich gibt es branchen- und regionenbedingt Unterschiede in der Ausschüttungshöhe, aber ein ETF der schon von vorneherein alle Ausschütter kategorisch ausschließen will, ist mir noch nicht untergekommen.
Da müsste sich die Marketingabteilung der Anbieter wohl auch anstrengen, so ein Konzept erstmal zu popularisieren :-D

@Albert: Der Turnover der iShares Dividenden-ETFs lag (als ich das letzte Mal vor einiger Zeit nachgeschaut habe) so etwa im 25% Bereich, plus minus. (Etwas komplexer als "nur die höchste Dividendenrendite" sind ihre Auswahlkriterien auch schon, ein paar Mindestanforderungen an Nebenkriterien wie Dividendenwachstum bzw Kürzungstoleranz und Ausschüttungsquote gibts da noch, aber die sind im allgemeinen nicht so streng wie sie jetzt anspruchsvollere Einzelaktien-Dividendeninvestoren sie meist anlegen würden, und im wesentlichen spielt die Dividendenrendite nach diesen Filtern die wichtigste Rolle).
Die "Aristocrats" Indizes von S&P, die stattdessen eher auf Dividendenlänge achten, haben trotzdem mit ca 20% plusminus einen auch nur unwesentlich niedrigeren Turnover.
Zum Vergleich, die "normalen" Breitmarktindizes haben meist Turnover so im 5%-Bereich und weniger.