07. Mai 2014


Was tun mit einer Million?

Blogger Dimitri vom Moosparade-Blog stellt die Frage: "Was würdest Du mit 1.000.000 Million Euro machen?"
Zuerst sicher ein Furcht einflößender Gedanke. Was mache ich mit dem vielen Geld? Wie sorge ich dafür, dass mir nicht wieder alles durch die Lappen geht? Wie gewonnen, so zerronnen. Man will ja nicht so enden, wie der legendäre Lotto-Lothar.

Deshalb kommt das Geld ‒ Besonnenheit ist erste Bürgerpflicht ‒ erst ein mal aufs Tagesgeldkonto. So wird wenigstens der Inflationsverlust halbwegs ausgeglichen. Übereilte Investitionsentscheidungen vernichten mit Sicherheit mehr Kapital als drei Monate Parken im Tagesgeld.
Dann würde ich Excel auspacken und einige Berechnungen anstellen. Ich habe festgestellt, dass ein Tabellenkalkulationsprogramm oder sein kleiner Bruder, der Taschenrechner, in Finanzdingen die besten Ratgeber sind. Egal, ob es um 100, 1.000, 10.000 Euro oder ‒ wie hier ‒ um 1 Million Euro geht.

Ich würde zwei Grenzwertbetrachtungen durchführen:

  1. Welche lebenslange Rente werfen 1.000.000 Euro ab, wenn ich nach Steuern und Inflation (Realrendite) mit 2 %, 3 %, 4 % rechnen kann? Der Kapitalstock wird dabei nicht angetastet, deshalb muss die Summe jedes Jahr steigen, um den Kaufkraftverlust auszugleichen. Die erwartete Realrendite liegt langfristig bei einer Investition in Standardaktien bei 4 %. Mehr sind realistisch nicht drin. Die beiden anderen Renditen dienen der Abschätzung nach unten. Damit stehen pro Jahr zwischen 20.000 Euro und 40.000 Euro zur Verfügung.

  2. Wen ich unverzüglich kündige: Wie lange dauert es, bis die Million bei meiner heutigen Burnrate verbraucht ist? Unter der Annahme, dass ich wie oben angesprochen zwischen 2 % und 4 % Realrendite erziele. Dazu muss ich wissen, wie viel Geld ich aktuell monatlich brauche und wie sich mein Geldbedarf wohl in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Diese beiden Zahlen bilden die Eckpunkte meiner Kalkulation. Nun ist Philosophiestunde angesagt. Wer bin ich, was will ich vom Leben und wie möchte ich mich entwickeln? Möchte ich beruflich kürzertreten, eine Immobilie bewohnen, in ein südliches Land umziehen, viel reisen oder wenig reisen, weil ich mit meinem Resthof in Meck-Vorpomm genug zu tun habe? Was sagen die Menschen, die mir wichtig sind, zu meinen Plänen?

Aus meiner Lebensplanung ergibt sich ein bestimmter monatlicher Geldbedarf. Dieser Geldbedarf wird ganz oder teilweise durch die mit der Million erwirtschaftete Rendite gedeckt. Das gibt mir die Freiheit, weniger zu arbeiten oder bei der Arbeit größere Risiken einzugehen. Ich muss nicht immer brav dieselbe Meinung wie der Chef haben, sondern kann mir eine eigene leisten. Sollte es darüber zum Bruch kommen, habe ich genügend Reserven, um eine Jobsuche zu überleben.

Erst wenn diese lebensphilosophischen Fragen geklärt sind, würde ich darüber nachdenken, in welche Investmentvehikel ich konkret investiere.

Worin konkret investieren?

Ich würde eine passive Anlagestrategie wählen und in einen Mix aus Aktien-ETFs und Anleihen investieren so wie ich es in diesem Artikel beschrieben habe.

(awa)

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Kommentare

Neugieriger sagt am 26. Dezember 2016

Hallo Finanzwesir,

dieser Blog hat mir sehr geholfen Klarheit in den Dschungel der möglichen Geldanlagen zu bringen. Vielen Dank dafür! Ich würde gerne Ihre Meinung zu dem Thema: "welche Strategie soll man verfolgen, wenn man eine wirklich grosse Summe mit einem mal zu investieren hat" erfahren. Ist es wirklich sinnvoll, dann für den risikobehafteten Teil des Depots bei einer 2 ETF Lösung aus MSCI World und Emerging Markets zu bleiben ?

Gerd Kommer bildet in seinem Muster Portfolio https://www.justetf.com/de/public-portfolio-profile.html?publicPortfolioId=15439511 den Aktienanteil über 7 verschiedene Fonds ab. Ist der Mehraufwand nicht berechtigt, wenn der Anlagebetrag hoch genug ist? Das Rebalancing sollte dann ja kein Problem sein.
Zuerst mal mit einer 2 ETF Lösung anfangen, um dann nach einer Lernphase umzustellen ist ja nicht empfehlenswert, wenn zum Startzeitpunkt schon mit hohen Beträgen investiert ist.

Gruß, Neugieriger


ChrisS sagt am 27. Dezember 2016

@ Neugieriger

"welche Strategie soll man verfolgen, wenn man eine wirklich grosse Summe mit einem mal zu investieren hat"

Meist ist mit der Frage ja eigentlich eher die allgemeine altbekannte Diskussion "ist es sinnvoller eine große Summe auf einen Schlag sofort zu investieren, oder lieber nach und nach in Raten (cost-average)?" gemeint. Die Antwort auf mathematischer Ebene ist eigentlich meist ersteres, allerdings gibt es eben noch die psychologische Ebene, die da auch noch reinwirkt. Na, brauchen wir jedenfalls erstmal nicht hier nochmal wieder aufwärmen.

"Ist es wirklich sinnvoll, dann für den risikobehafteten Teil des Depots bei einer 2 ETF Lösung aus MSCI World und Emerging Markets zu bleiben ?"

Andersherum gefragt, warum sollte es denn nicht sinnvoll sein ?

"Gerd Kommer bildet in seinem Muster Portfolio den Aktienanteil über 7 verschiedene Fonds ab. Ist der Mehraufwand nicht berechtigt, wenn der Anlagebetrag hoch genug ist? Das Rebalancing sollte dann ja kein Problem sein."

Ob der Mehrwaufwand "berechtigt" ist kann man ja nicht pauschal für alle, sondern nur im Einzelfall sagen - denn wir unterscheiden uns alle in dem, was wir überhaupt als "Aufwand" empfinden. Der Eine hat kein Problem damit, zwei dutzend Positionen im Handumdrehen zu jonglieren, der Andere tut sich schon schwer damit ein einfaches Überweisungsformular auszufüllen.

Wenn wir es mal von der Kostenseite betrachten wollen (die es zu minimieren gilt), ist ja klar wo ein "Problem" entsteht - bei zu kleinem Anlagevolumen und zu vielen Positionen kommt man schnell an eine Grenze, wo man beim Rebalancing eigentlich nur Mickerbeträge hin-und-her schiebt, bei denen unverhältnismäßig viele Gebühren abgehen.

Wo allerdings diese Sinngrenze nun genau liegt, ist wieder Ermessenssache für jeden Einzelnen. Dem kann man sich aber mit ein paar individuellen Grundannahmen und Regeln annähern. Zum Beispiel wenn man sagt, wir tätigen keine Transaktion, bei denen die Kosten über 1% ausmachen würden. Wenn man jetzt weiß was die Ordergebühren bei seinem Broker ist, kommt man ja mit einfachem Dreisatz auf ein Mindestvolumen einer Transaktion. Bei den bekannten deutschen Standardbrokern, die zB etwa 10€ pro Order nehmen, wären das 1000€. Jetzt kann man schauen, ob die Rebalancing-Abweichung überhaupt verhältnismäßig dem Mindestvolumen entspricht. Ums an einem Beispiel zu verdeutlichen - im vorgestellten "Kommer-Portfolio" sind die kleinsten Positionen zwei mickrige 3-Prozent ETFs (AsPac Smallcap, AsPac Dividend). Erst ab einem 33.333€-Portfoliovolumen kommen die ja überhaupt auf eine Einzelgröße von jeweils 1000€, und selbst das reicht ja noch nicht aus um sie auch sinnvoll beim Rebalancing zu berücksichtigen (da deren normale Abweichungen, darüber und darunter, ja wiederrum auch lange nicht im Tausender-Bereich liegen werden, und somit unsere 1%-Kostenregel nicht erreicht). Erst wenn wir nochmal um den Faktor 10 hochgehen, also ein 333.333€ Portfolio, hätten diese kleinsten Positionen auch ein Volumen von 10.000€, dann entsprechen auch deren mögliche jährliche Schwankungen (größer als +/- 10%) einer Rebalancing-Umschichtung von größer als 1.000€, wo es also der allgemeinen Kostenregel entspricht.
Weiteres zur Theorie und Praxis des Rebalancing findest du zB auch in diesen Artikeln:
http://www.finanzwesir.com/blog/rebalancing
http://www.finanzwesir.com/blog/finanzen-im-griff-mit-excel-teil4
Was die Sinngrenzen und Kostensensitivität angeht muss halt jeder seine zu ihm selbst passende Vorgehensweise finden, zB welches Gebührenverhältnis man hat, welche "Toleranzen" man in den Rebalancing-Wertabständen hat, kurz gesagt wie penibel und auf die dritte Nachkommastelle korrekt man sein will versus eigentlich nur das Allgemeinverhältnis einigermaßen auf Kurs halten will.

Wenn man erstmal eine für sich passende Strategie festgelegt hat (also weiß in welche ETFs man investieren will, in welcher Aufteilung, und vor allem -warum- man das überhaupt so macht und das die beste Lösung wäre) ist das auch relativ unabhängig vom jeweiligen Anlagevolumen (abgesehen eben jener angesprochenen Sinngrenzen nach unten, wo die Kosten prohibitiv würden) - wenn ich zB für mich eine 2 ETF-Strategie als die richtige entschieden habe, bleibt sie das im Prinzip auch, egal ob ich nun 20.000€ oder 200.000€ zum Anlegen habe. (Natürlich, wer irgendwann mal soviel Geld hat, dass man damit den kompletten ETF als Einzelner aufkaufen würde, sollte sich vielleicht wieder etwas zügeln ;-). Klar, mit dem Geld wachsen natürlich auch die Möglichkeiten, in was man so alles investieren kann, aber auch hier gilt es ja einfach nur weiter, ganz unabhängig davon Passendes und Unpassendes anhand seiner jeweiligen Anlagepolitik zu trennen und eben nur in die Sachen zu investieren von denen man wirklich begründet überzeugt ist, dass man sie so braucht.

Also nochmal allgemein sollte man sich eher die Frage klären, warum man überhaupt "mehr als nötig" Positionen haben will. Klar, was man für "nötig" hält, empfindet wieder jeder anders, aber nehmen wir mal als Basis das einfache World/EM-Portfolio.
Bei Kommer zum Beispiel wird das nochmal aufgesplittet in 4 Regionen und 2 Faktoren.
Der World zum Beispiel besteht ja aus den entwickelten Ländern der Regionen Nordamerika, Europa und Asien-Pazifik. Die sollen dann jeweils möglichst nach ihrem BIP-Anteil gewichtet werden. Desweiteren werden auch nicht einfach die Standard-Breitmarktindizes verwendet, sondern es wird auf das Value- und Size-Premium abgezielt indem hälftig in jeweils dazu vorhandene Spezial-ETFs investiert wird.
Warum überhaupt dieser Aufwand ? Nun, dahinter steht halt die allgemeine Überzeugung, dass sich ein solches Vorgehen langfristig in einer gewissen Überrendite ggü dem Basisportfolio auswirkt. Ich spare mir mal hier die lange alte Diskussion über das ob und wie, genauso wie man sich auch Debatten über das Restporfolio (kurzl. dt. Staatsanleihen, Rohstoffe, REIT-ETF) hinfällig schenken kann.

Jedenfalls erkennt man halt schon an der Auswahl der Aktien-ETFs dass eben nicht alles aus der schönen Theorie auch so leicht in der Praxis umsetzbar ist, da einfach die konkrete Produktauswahl noch nicht den Wunsch-Indizes entspricht. Mangels Value- und Smallcap ETFs auf den MSCI North America wird hier erstmal nur auf MSCI USA zurückgegriffen (ist sicher nicht kriegsentscheidend, aber wer so penibel veranlagt ist, eine solche Strategie möglichst "perfekt" durchzuziehen, wird eben immer solche Kompromisse eingehen müssen), genauso wie auch keine Value- und Smallcap ETFs für den MSCI Pacific zur Verfügung stehen und man sich so notgedrungen mit dem DJ Asia Pacific Select Dividend 30 und dem AC Far East ex Japan Small Cap aushelfen muss, was beides auch nicht unbedingt dem Ideal entspricht. Bei den Emerging Markets hat man wiederum diese Unterscheidung garnicht erst getroffen (könnte man ja auch, EM SC-ETFs gibts einige, genauso wie Pseudo-Value Proxies per EM-Dividenden) und gleich auf einen kompletten Breitmarkt-ETF gesetzt.

Naja, lange Rede, kurzer Sinn - worauf ich hinauswill kommt ja eben darauf an worauf du eigentlich hinauswillst. Wenn es dir darum geht, wissen zu wollen, in welches Portfolio du nun investieren "sollst" ... keine Ahnung. Das weiß weder ich noch der Finanzwesir, sondern dass ist allein deine Aufgabe und Entscheidung (denn nur du musst ja auch am Ende dann mit den Konsequenzen davon leben).
Vergleiche also doch einfach für dich die verschiedenen Pro und Contra Argumente der verschiedenen Ansätze. Was der Wesir von der Simplizität und Bequemlichkeit eines Basisportfolios hält, wurde ja schon in vielen Artikeln dazu gutverständlich dargelegt. Und wenn dich dagegen ein etwas komplexerer Ansatz ala Kommer mehr überzeugt (d.h. du auch für dich selbst die Frage beantworten kannst, warum das nun besser sein soll - und das musst du auch verstanden haben um es langfristig durchzuziehen) kannst du ja gern mal in justETF (oder heimischen Excel) versuchen dir eine Allokation zusammenzubasteln die deinen Wünschen näher kommt (und zB auch bei einem Demo-Broker das Rebalancing durchspielen, um für dich einzuschätzen ob du das als Aufwand empfindest). Am Ende wird es, nach ein paar Jahrzehnten, grundsätzlich ja weniger wichtig sein in wieviel ETFs du nun genau investiert hast und in welcher Aufteilung, sondern dass du überhaupt allgemein so lange investiert gewesen bist.

Da sich wie gesagt der Finanzwesir auch schon oft mit solchen Themen auseinandergesetzt hat, kann man dazu auf die entsprechenden Artikel verweisen. Wenn du dir die durchgelesen hast, wird dir die Meinung auch klarer ohne nochmal groß zu wiederholen.
http://www.finanzwesir.com/blog/etf-mischung-egal
http://www.finanzwesir.com/blog/optimale-zusammenstellung-der-assetklassen-fuers-depot
http://www.finanzwesir.com/blog/etf-index-rendite-vergleich
http://www.finanzwesir.com/blog/etf-depot-geld-anlegen-vermoegensaufbau


Neugieriger sagt am 14. Januar 2017

@ChrisS

Ich sehe deine Antwort (vielen dank dafür) erst jetzt, obwohl ich bis in die erste Januarwoche täglich hier reingeschaut habe. Ich habe inzwischen die verwiesenen Artikel gelesen und mich nun für die verbreitete Mischung (30% USA,NA/30% Europa/30% EM/10% Pacific) entschieden und bin erleichtert das Thema fürs erste zumindest erledigt zu haben.

Ich hätte gerne a la Kommer den Fokus mehr auf Small Caps / Value Aktien gelegt, aber wie du ja sagst, ist der Schritt von der Theorie in die Praxis hier nicht so einfach. Und wenn die infrage kommenden Fonds, sofern sie verfügbar sind, deutlich höhere Verwaltungskosten haben, dann fühle ich mich doch wohler mit einem relativ simplen Depot.
Ich erwarte keinen großen Vorteil gegenüber einer 70/30 Mischung von World/EM, halte aber den Zusatzaufwand für überschaubar und hoffe auf der anderen Seite etwas besser diversifiziert zu sein. Wenn man aber den radikalen Weg geht und in nur einen breit aufgestellten Fonds z. B. auf MS World investiert, verschenkt man die Möglichkeit zu Rebalanzieren, was soweit ich es verstanden habe, auf die Dauer eine Zusatzperformance ergeben sollte.