03. November 2016


Zinsjäger: Mit Autopilot ins Unglück

Die Zinspiloten haben mir diese Pressemeldung zugeschickt:

"In den vergangenen 13 Monaten haben unsere Kunden mehr als 1 Milliarde Euro in Tages- und Festgeld über Zinspilot investiert. Weltweit hat es kein anderes Fintech-Unternehmen aus dem Geldanlagebereich in derart kurzer Zeit geschafft, diese magische Marke zu erreichen. Zinspilot verhilft seinen aktuell rund 35.000 Kunden zu deutlich höheren Zinserträgen auf ihre Tages- und Festgeldeinlagen. So profitieren Sparer bei Zinspilot im laufenden Jahr bisher von einem durchschnittlichen Tagesgeldzinssatz von 1,26 Prozent. Das entspricht einem deutlichen Plus von exakt 100 Basispunkten gegenüber dem Marktdurchschnitt in Deutschland, der aktuell lediglich bei 0,26 Prozent liegt."

Die Quintessenz dieser Meldung: Zinspilot hat 35.000 Menschen erfolgreich auf den Pfad des "Weiter so" gelockt und verhindert, dass sie sich finanziell bilden.

Nachtrag: Und jeden Monat kommen weitere 100 Millionen Euro hinzu. (Quelle)

Wie komme ich dazu, mein Geld auf einem Zinsportal anzulegen?

Weil ich faul bin und keinen Bock habe, mich aus der selbst verschuldeten finanziellen Unmündigkeit zu befreien. Stattdessen wird gejammert: Früher war alles besser! Da gab es noch Zinsen. Jetzt werde ich enteignet. Ganz schlimm ist das. Ich fühle mich gemobbt.

Die Lösung: Recherche im Neuland. Eintippen der Worte "Tagesgeldvergleich" und "beste Zinsen" in die Suchmaschine. Fündig werden, beim Zinsportal aufschlagen, jubeln (es gibt sie noch, die tapferen Robin Hoods, die Retter des geknechteten deutschen Sparers) und dann das ganze Geld flink nach Malta zum Zinssieger transferiert.

Die Analyse im Detail

Eine Milliarde Euro geteilt durch 35.000 Anleger bedeutet: Jeder Anleger hat im Schnitt 28.571,43 € angelegt. Das ist der Mittelwert. Aus Gesprächen weiß ich, dass es Leute gibt, die 50.000 Euro ‒ in Einzelfällen bis zu 70.000 Euro ‒ bei diesen Zinsportalen anlegen.
Ist das viel? Ich habe zwei Zahlen für Sie:

  • Das Pro-Kopf-Geldvermögen in Deutschland im Jahr 2015: 47.681 Euro, Quelle
  • Die Struktur des Geldvermögens der privaten Haushalte in Deutschland im Jahr 2015: 36,5 % sind in Spar-, Sicht- und Termineinlagen angelegt, Quelle

Das bedeutet, die Deutschen legen pro Kopf rund 17.400 Euro in Tags- und Festgeld an. Erste Erkenntnis: Die gut 28.000 Zinsland-Euro sind mehr als das 1,6-Fache der durchschnittlichen Pro-Kopf-Sparsumme.

Jetzt kommt der Sparerkompass 2014 der Bank of Scotland ins Spiel. Die BoS hat gefragt:

"Wenn Sie einmal Ihre Bargeldreserven zu Hause und die Ersparnisse aus Ihren Geldanlagen grob zusammenrechnen (ohne selbst genutzte Immobilien und ohne Lebens- und Rentenversicherungen): Welcher Kategorie würden Sie sich am ehesten zurechnen?"

Hier die drei Top-Kategorien. Diese Leute können es sich leisten gut 28.000 Euro in Richtung Zinsportal zu schicken.

Kategorie Anteil
25.000 bis unter 50.000 € 10 %
50.000 bis unter 100.000 € 6 %
100.000 € und mehr 5 %

Diese Zahlen kombinieren wir mit einer sehr bezeichnenden Frage von der "So-geht’s"-Seite der Zinspiloten:

"Kann ich als Anleger in beliebiger Höhe anlegen?
Ihre gesamte Anlagesumme auf Zinspilot ist natürlich nicht beschränkt. Doch bitte beachten Sie, dass je Anlagebank möglicherweise ein Höchstbetrag von 1 Mio. € pro Anleger gelten kann. Wenn die Anlagesumme pro Anlagebank begrenzt ist, darf der Gesamtbetrag aller Anlagen bei dieser Bank 1 Mio. € nicht übersteigen, auch wenn er auf mehrere Anlagen verteilt ist. Möchten Sie in so einem Fall über diese Summe hinaus Geldbeträge anlegen, sollten Sie eine Aufteilung auf weitere Anlagebanken bei Zinspilot vornehmen."

Eine Frage nach der Mindestanlagesumme gibt es nicht. Statt dessen die Frage: "Kann ich die Anlagesumme für ein Angebot erhöhen". Da suppt die Gier doch durch jede Ritze.

Zinspilot Typische Konsumenten-Werbung: Die niedrigsten Instinkte werden angesprochen.

Ey, isch geb’ Dich Tankgutschein, Digger! Wer ist denn so wahnsinnig, eine Anlageentscheidung im Wert von knapp 30.000 Euro von einem 25€-Tankgutschein abhängig zu machen?

Das mit den Jubiläumszinsen kenne ich eher vom örtlichen Möbelhändler. Die ziehen auch immer irgendwelche irrelevanten Jubiläen an den Haaren herbei, wenn sie mal wieder ihre Werbekanonen abfeuern wollen.
Was ich nicht verstehe: Was hat das Alter eines Vertriebspartners mit der Höhe der Zinsen zu tun, die eine maltesische Bank zahlt? Wie kalkulieren die das eigentlich?

Für mich sieht das nach einem fetten Klumpenrisiko aus. Gierige und unwissende Sparer schieben einen Großteil ihrer Anlagen ins vermeintliche Zins-Eldorado und sagen: "Zurück in die Zukunft", denn:

Früher gab es noch Zinsen

Ja, früher, da war alles besser, da konnte man sein Geld noch via Sparbuch vermehren. Ich habe mich als Zinsarchäologe betätigt und Ihnen diese historischen Zahlen aus den Untiefen des Internets mitgebracht.

Jahr 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015
Sparbuchzinsen 4,4% 4,6% 2,9% 2,8% 2,0% 1,3% 2,1% 1,4% 0,5%
Inflationsrate [1], [2] 6,0% 5,4% 2,0% 2,6% 1,8% 1,4% 1,6% 1,1% 0,3%
Realzinsen -1,6% -0,8% 0,9% 0,2% 0,2% -0,1% 0,5% 0,3% 0,2%

Inflationsrate versus Sparzins Quellen [1], [2]

Realzins 1992‒2015

Excel hilf! Was sagt man dazu?
Wie wär’s damit: Finanzungebildete aller Länder, nehmt die rote Pille und hört auf zu wimmern.
Das legendäre "Früher", in dem die Einhörner lebten, die sich den Feenstaub der Rendite aus der Mähne schüttelten, hat nie existiert. Es war noch nie möglich, als Sparer auf einen grünen Zweig zu kommen.
Das ist aber auch gar nicht die Aufgabe von Festgeld. Festgeld hat nur eine Aufgabe: Fest zu sein. Nicht zu schwanken und berechenbar zu sein. Festgeld ist die Verteidigung und die schießt auch keine Tore.
Die Rendite macht der Angriff, und das sind die Aktien. Wer einen Verteidiger zum Torjäger drillen will, wird bestenfalls Mittelmaß erreichen. Sie wissen schon: Stärken stärken, statt Schwächen schwächen.

Ok, keine Einhörner, was dann?

Das Zins-Eldorado wird bevölkert von Banken wie der Fimbank oder der Austrian Anadi Bank.

Austrian Anadi Bank

Die Austrian Anadi Bank ist eine kleine Bank, die der indische Geschäftsmann Dr. Sanjeev Kanoria aus der Konkursmasse der Hypo Alpe Adria herausgekauft hat. Die Hypo Alpe Adria steht im Verdacht, seit 1999 an zahlreichen Finanz- und Korruptionsaffären in Österreich und Kroatien maßgeblich beteiligt gewesen zu sein. Dann kam die Subprime-Krise und brach der Hypo Alpe das Genick.

Ok, was will ein indischer Geschäftsmann mit einer österreichischen Bank? Ich vermute: Er braucht einen Euro-Staubsauger, um seine Geschäfte in Indien zu finanzieren. Zumindest würde ich das Geschwurbel auf der Web-Site der Bank so interpretieren:

"Durch die strategische Kooperation mit SREI Infrastructure Finance Ltd. nimmt die Bank mit neuen Finanzprodukten eine Diversifikation der Produktschienen vor und kann das Potential im internationalen Geschäftsfeld ausschöpfen.
Die Partnerschaft bietet die erforderliche lokale Expertise für Unternehmen, die sich international von Europa nach Asien oder umgekehrt ausrichten wollen. Die Bank kann damit eine Brückenfunktion einnehmen.

Wer noch ein klitzekleines bisschen weiter gräbt, findet das hier:

"In "Das erste HETA-Opfer" berichtete das Wirtschaftsmagazin trend letzte Woche (Ausgabe 15/2016) über eine schwierige Eigenkapital-Situation bei der AUSTRIAN ANADI BANK AG, weshalb die Erstellung der 2015er Bilanz ohne Kapitalspritze nicht möglich sein könnte. Die Bank hatte das Filialgeschäft der ehemaligen Hypo-Alpe-Adria-Bank International AG übernommen und hängt über ihre anteilige Haftung an der Pfandbriefstelle der österreichischen Landes-Hypothekenbanken mit im HETA-Debakel. Die 16 Pfandbriefstellen-Institute und Gewährträger mussten nach dem FMA-Zahlungsmoratorium für 1,2 Mrd. Euro Verbindlichkeiten der HETA Asset Resolution AG einspringen. Für ANADI macht das eine Rechnung von 77 Mio. Euro.
Quelle

Fimbank

Diese Bank gehört zu 80% den beiden Banken Burgan Bank und United Gulf Bank, die wiederum zur kuwaitischen KIPCO Group gehören. Die Fimbank verdient ihr Geld mit der Finanzierung von Handelsgeschäften.
Das Fitch-Rating ist B (siehe Fimbank at a Glance). B bedeutet nichts weiter als: Ramsch. Fitch selbst drückt es etwas gewählter aus:

"Highly Speculative ‒ Hochspekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Lage sind Ausfälle wahrscheinlich"
Quelle

Da nützt es auch nichts, wenn Zinspilot das maltesische Länderrating hochhält. Denn soo toll ist A nun auch nicht, denn nach A kommt B und das ist Ramsch. Ein AA wäre besser, am besten wäre der Goldstandard AAA. Wie oben bereits angesprochen: Es geht doch hier um den sicheren Anteil des Depots.
Wenn ich Rendite will, dann lasse ich mich nicht mit mickrigen 1,26 % abspeisen. Dann will ich die langjährige Aktienrendite von rund 8 % haben.

Ein A-Rating bedeutet:

"Upper Medium grade ‒ Sichere Anlage, sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse die Gesamtwirtschaft oder die Branche beeinträchtigen."

Die Fimbank ist eine Handelsbank und damit abhängig vom Auf- und Ab des Welthandels.

  1. Wie viel Bruttosozialprodukt können die gut 400.000 Malteser wohl aufbringen, wenn die Bank Probleme bekommt?
  2. Sind Sie sicher, dass keine unvorhergesehenen Ereignisse die maltesische Gesamtwirtschaft beeinträchtigen?
  3. Wo Sie gerade schon recherchieren: Was wissen Sie über die Burgan Bank, die United Gulf Bank und die KIPCO Group?

Nun frage ich Sie

Das hier war keine Recherche, sondern ein bisschen Rumgeklicke. Google hat mir diese Ergebnisse mehr oder minder vor die Füße geworfen. Trotzdem: Glauben Sie, dass das auch nur einer der Zinsjäger gemacht hat?

Zinspilot schreibt:

"Das entspricht einem deutlichen Plus von exakt 100 Basispunkten …

Deutlich, vielleicht. Aber ausreichend? Wie viel Geld gibt es denn mehr?

Anlagesumme Zinspilot-Vorteil
28.571 € 285 €
50.000 € 500 €
70.000 € 700 €

Für den aktienfreien deutschen Sparer bedeutet das: Er lässt sich für eine Handvoll Euro auf Risiken ein, die um ein vielfaches höher sind, als die des Aktienmarktes und fühlt sich dabei noch sicher. Die Bibel nennt diese Deals: Seine Erstgeburt um ein Linsengericht verkaufen.

Fazit

Die Zinsportale sind eine typisch deutsche Erfolgsstory: Vermögen kombiniert mit finanziellem Unwissen und panischer Risikoscheu.
Für mich sind Zinsportale genau so schlimm wie die Angebote des grauen Kapitalmarktes, denn sie gaukeln den Menschen vor, ein "Weiter so" wäre möglich. Diese Illusion nimmt den Leidensdruck und verhindert, dass die Menschen den Tatsachen ins Auge sehen und anfangen, sich um ihre Finanzen zu kümmern.
Letztendlich verstärken die Betreiber dieser Portale das Problem der Altersarmut. Mit Zinsen konnte man noch nie ein Vermögen aufbauen. Jeder Euro, der in ein Zinsportal fließt, kann nicht an der Börse angelegt werden.
Wer mit 40 meint, er sei ein schlauer Zinsjäger, wird mit 67 Flaschen sammeln.

Manchmal ist der Weg des leichtesten Widerstands der falsche und es muss eben Udo Bölts’ unsterbliches: "Quäl dich, du Sau!" sein.

(awa)

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Kommentare

Covacoro sagt am 03. November 2016

Bravo! Hervorragend auf den Punkt gebracht.

Ergänzend: Die privaten Ersparnisse / Geldvermögen der Deutschen befinden sich auf Rekordniveau (siehe z.B. dieser Artikel mit Grafik zur Aufteilung: https://bankenverband.de/newsroom/presse-infos/ersparnisse-auf-rekordniveau/ und steigen immer weiter.
Es herrscht ein gigantischer Ersparnisüberhang, der nicht sinnvoll investiert wird. Viel Angebot = niedrige Preise (Zinsen für Kapital). Das Inflationsgespenst wird hier und da an die Wand gemalt, aber vor allem dann, wenn man an das Geld der Sparer will. Ähnlich dem Einhorn mit dem Feenstaub ist es derzeit im Langzeiturlaub.


T. sagt am 03. November 2016

@finanzwesir: Danke für den lehrreichen und amüsanten Artikel. So etwas kann einen Tag retten :-))
Gruss,
T.


Coxeroni sagt am 03. November 2016

Klasse Beitrag! Unterhaltsam und informativ zugleich. Ich gebe zu auch mal mit dem Gedanken gespielt zu haben, mir solch ein Tages- oder Festgeldkonto zu eröffnen, habe es jedoch schnell wieder verworfen. Ich hoffe das deine Beiträge mehr Leute erreichen als die, die eh schon wissen wie es geht 😉


Sabinchen sagt am 03. November 2016

Du wirst aus dem Pressemitteilungsverteiler gelöscht, Du Ketzer!

;-)


Peter P. sagt am 03. November 2016

Feste Zinszahlungen, keine Schwankungen und staatliche Garantien. Kein Wunder, dass Festgeld des Deutschen liebste Anlageform ist. Wäre da nicht die Sorge um die Stabilität der Bank und der Solvenz des Einlagensicherungsfonds. Ist mir alles sowas von egal, ich habe einfach einen ETF auf Unternehmsanleihen gekauft und damit diese Risiken wegdiversifiziert. Ob mir eine Bank nun Geld (und Zinsen) für eine Anleihe oder für Festgeld schuldet, macht nicht wirklich einen großen Unterschied.

Als Beispiel sei hier mal der iShares Core Euro Corporate Bond genannt. 1958 Positionen, alle Investment Grade. Der größte Emittent ist die Cooperative Rabobank mit 2,2%. Der ETF hat eine Effektivverzinsung von 0,77% bei jährlichen Kosten von 0,2%. Mehr bekommt man bei einer soliden Bank (mit solidem Einlagensicherungsfonds) auch nicht.

Will man mehr Rendite, dann greift man halt zum iShares Global Corporate Bond EUR Hedged. 2,32% Effektivverzinsung, 0,25% Kosten und 5.352 Positionen, wobei J.P. Morgan Chase 1,38% ausmacht.
Man bekommt also das weltweite Zinsniveau für Unternehmensanleihen mit Investment Grade ohne Währungsrisiko. Kein Festgeld kann mit diesem Rendite/Risiko-Verhältnis mithalten.


Matze sagt am 04. November 2016

Moin Albert,

you saved my day. Great work!!! Der Artikel wird denke ich den ein oder anderen Zins-Trophy-Hunter wieder auf die Spur bringen....hopefully :)


easydividend sagt am 04. November 2016

Sehr guter Artikel!
für mich der beste Satz im ganzen Text:

"Er lässt sich für eine Handvoll Euro auf Risiken ein, die um ein vielfaches höher sind, als die des Aktienmarktes und fühlt sich dabei noch sicher."

Leider ist es wirklich so, dass der gemeine Deutsche sowieso auch der gemeine Österreicher aus Faulheit allen anderen die Schuld an ihrem finanziellen Umgang gibt.

Der Gipfel ist wirklich, dass dieser Zinspilot oder wie der heißt (hatte vorher noch nie davon gehört) eine vermeintlich sichere Geldanlage suggeriert. Die Sparer werden auf eine falsche Fährte gelockt, und denken Sie tun das richtige. Eine Schweinerei sondergleichen.

Ich werde diesen Artikel in meinem Bekanntenkreis weiterempfehlen.

mfG Chri

Auf dem Blog von easydividend gibt es hierzu diesen Artikel: easydividend


Finanzwesir sagt am 04. November 2016

Hallo Sabinchen,
na ja, ich hatte mich auch nie eingetragen.
Jemand, der in der PR-branche arbeitet hat mal gesagt, dass der Finantzwesir so ist, wie der Spiegel unter Augstein war (damals war der Spiegel als Stumgeschütz der Demokratie bekannt): Man will als Firma nicht unbedingt in dieser Publikation auftauchen. ;-)

Gruß
Finanzwesir


Gurki sagt am 04. November 2016

Habe gerade gesehen, dass der Online-Broker "FlatEx" auch so einen Zinspiloten bereit hält, mit den selben Banken. Das gibt dem Broker ja wieder einen faden Beigeschmack.

Bei welchem Broker bzw. welcher Bank hat denn der Finanzwesir sein Depot?


Finanzwesir sagt am 04. November 2016

Hallo Gurki,
bei Consors, schon set ewigen Zeiten. Aber nicht, weil Consors so wahnsinnig gut ist, sondern weil es echt egal ist, wo man ist. Hauptsache BaFin-reguliert. Es gab einfach keinen Grund zu wechseln.

Gruß
Finanzwesir


Manfred Hennig sagt am 04. November 2016

Hallo Finanzwesir,
ich habe wieder geschmunzelt! Dein Artikel ist diesmal besonders gut gelungen, liegt bestimmt auch am Thema. Ich freue mich immer auf Deine Lektüre.
Danke und mache weiter so...
Gruß Manfred


Thorsten sagt am 04. November 2016

Ja, der Artikel liest sich gut und bringt einen zum Schmunzeln...aber dann nehme ich hier mal eine differenziertere Gegenposition ein:

Gleich vorweg, ich bin ein Anleger über Zinspilot - 1/5tel meines Festgeldanteils für 1 Jahr. Warum habe ich das gemacht?

Ich habe mich nicht blind auf irgendwelche Empfehlungen und Werbung verlassen...das habe ich zuletzt zum Berufsstart vor 10 Jahren gemacht und räume immer einzelne Sachen davon auf, zB mein Riester-Vertrag - anderes Thema. Also warum trotz Recherche zu Zinspilot und der FIMBank in Malta diese Anlage?

Mein Ziel für den Festgeldanteil im Depot ist: Möglichst risikolose Anlage zu mindestens Kapitalerhalt!

Also 2 Bestandteile:

  1. "möglichst risikolos", denn ohne Risiko gibt es keine Zinsen, und
  2. "mindestens Kapitalerhalt", also es muss eine gewisse Mindestrendite abwerfen, sonst verliere ich Geld

Beim Aufbau einer Zinsleiter über 5 Jahre muss ich also für die erste Stufe von einem Jahr etwas "passendes" finden, denn auf dem Tagesgeldkonto (das ich für Notfälle auch noch habe) bekomme ich in Deutschland ca 0,3% Zinsen, wohingegen die Inflation zuletzt etwas anzieht und 0,4% beträgt - das verstößt gegen meine 2) Vorgabe.

Ich muss also an Stellschraube 1) drehen, um etwas mehr zu erhalten...und etwas finden, bei dem ich für 1 Jahr ruhig schlafen kann. Ich habe keine Glaskugel, kann also die zukünftige Entwicklung nur versuchen nach bisherigem Geschehen in Europa zu beurteilen. Und da hatten wir ja schon mal ein Problem mit Staaten bzw deren Banken - und Sie haben (fast) alle überlebt.

Ich bin also bereit mit 1/5tel meines Festgeldanteils für 1 Jahr ein etwas höheres Risiko einzugehen um die Inflation im Zaum zu halten.

Fazit: Nicht alle Anlagen/ Anleger bei so einem Angebot kann man meiner Meinung nach über einen Kamm scheren. Bei Anlagesummen von 10.000 und mehr Euro, als einzige Anlageform oder für einen längeren Zeitraum wäre es mir aber auch nicht geheuer...

Bin gespannt, ob ich damit bei Euch "durchkomme" ;-)


Onkel Dagobert sagt am 04. November 2016

Ganz heisser Tip: die Rabodirect gibt 25 Euro "Praemie" bei Einlage von 5.000 E ... zusaetzlich zum Tagesgeldzins von 0,4 % , allerdings muss man das Geld 1 Monat liegenlassen, also eher Festgeld. Rendite/ Monat: 25+1,66 = 26,66 E, macht 0,53 %... Wer zuviel Zeit hat kann es ja machen. Diese Aktion der Rabo passt in das vom Wesir zu recht angeprangerte (Finanz-) Marktschreierwesen.


Chesterton sagt am 04. November 2016

Nicht falsch, aber auch nicht vollständig nachvollziehbar, für mich zumindest. Denn, alles in Aktien anlegen ist ein selten gehörter Rat, es darf schon auch noch ein Anleihen-/Festgeld-/Tagesgeldanteil sein.
Nun kann man dafür zwar einen ETF, weei den in Kommentaren genannten "iShares Core Euro Corporate Bond" kaufen,. Nur hat der eine Effektivverzinsung von 0,77 % bei einer Duration von 5,37 Jahren.
Heißt, wenn die Zinsen hochgehen, ist der Kurs dieses ETF im Eimer. Das ist aber nicht der Sinn des sicheren Anteils eines Depots. Davon sind Tagesgeldkonten per Definition unberührt.
Dort gibt es zwar auch passable Angebote mit deutscher Einlagensicherung, und von Malta würde ich da die Finger lassen, was aber spricht gegen Österreich? Oder habe ich da im Fall der Insolvenz dieser Anadi Bank etwas übersehen?


Onkel Dagobert sagt am 04. November 2016

Erratum: zur Ehre der Rabodirect muss ich mich korregieren:
der Tagesgeldzins betraegt dort 0,5 % und nicht 0,4 %. Durch die Praemienaktion "erhoeht" sich die Monatsrendite entsprechend leicht - aber das wird bestimmt jetzt viele auf den Zug springen lassen...


Finanzwesir sagt am 04. November 2016

@Chesterton

"Denn, alles in Aktien anlegen ist ein selten gehörter Rat, es darf schon auch noch ein Anleihen-/Festgeld-/Tagesgeldanteil sein."

Das habe ich auch nie gesagt. Meinen Standpunkt habe ich hier http://www.finanzwesir.com/blog/passive-anlagestrategie niedergelegt. Auf jeden Fall muss ein risikoarmer Teil dabei sein. Aber dabei darf man nichtr fragil werden: http://www.finanzwesir.com/blog/depot-fragil Ich habe nichts gegen TG und/oder eine FG-Leiter. Aber es muss eine Bank in einem Land sein, das genug BIP erwirtschaftet, damit im Notfall die Steuerzahler einspringen können.

"Oder habe ich da im Fall der Insolvenz dieser Anadi Bank etwas übersehen?"
Das weiß ich nicht. Keine Ahnung ob und wie diese Bank noch in die Nachwehen der Insolvenz der Hypo Alpe verwickelt ist und ob und wenn ja uin welchem Umfang die österreichische Bankensicherung greift. Das herauszufinden ist der Job des Anlegers.

@Thorsten

"mindestens Kapitalerhalt", also es muss eine gewisse Mindestrendite abwerfen, sonst verliere ich Geld

Welche Kriterien Du anlegst, entscheidest Du. Aber es ist zumindest interesant zu sehen, das die Profis das anders sehen. Die sind bereit "Geld zu verlieren".

Mein Vorwurf an Dich: Subkontenbildung.
Du betrachtest Deine einzelnen Positionen separat und nicht das ganze Depot als Mannschaft. Wenn Löw so drauf wäre wie du, hätte er Boateng während der WM 2014 nach Hause geschickt. Begründung: Der Loser schießt keine Tore und Tore schießen (Rendite einfahren) ist nun mal das Ziel beim Kicken.
Das ganze Team macht die Rendite - es bringt nix einzelne Spieler so lange zu foltern, bis sie Blut spucken. Das motiviert den Rest nicht zu mehr Toren.
Das einzige was zählt: Passt das Rendite/Risiko-Verhältnis für das gesamte Depot?

Der zweite Punkt: Profis suchen immer nach schiefen Risikoverteilungen. Will sagen: Wenn's bergauf geht wollen sie voll dabei sein, wenn es Probleme gibt nur wenig verlieren.
Die Frage, die zu klären ist: Passt eine maltesische Bank in dieses Schema? Was sind ein fünftel in absoluten Zahlen? Du sagst:

"Bei Anlagesummen von 10.000 und mehr Euro, als einzige Anlageform oder für einen längeren Zeitraum wäre es mir aber auch nicht geheuer..." Bei der Fimbank gibt's 1,65%, Du bekommst bei Deiner Bank 0,3%, macht ein Delta von 135 € für 10.000 €. Wenn Du das noch versteuern musst, dann bleiben Dir knapp 100 €.
Um "kein Geld zu verlieren" bist Du bereit 10.000 € nach Malta zu überweisen und wirst dafür mit maximal 135 € entschädigt. Wie steht das im Vergleich zu Deinen anderen Anlagen?

  • Wenn Du 30.000 in ETFs/Aktien hast, dann darf der Kurs nur um 0,45% schwanken, sonst sind die 135 € "weg".
  • Wenn die Ausschüttungsrendite dieses Depots zwischen 2,5% und 3% schwankt, bedeutet das ein Delta von 150 €.

Mit anderen Worten: Wenn Du bereit bist Deine Aktienquute einen Hauch nach oben zu fahren, kannst Du Dir eine seriöse Bank leisten. Und senkst gleichzeitig das Risiko, denn Du schaltest das Klumpenrisiko "unbekannte Bank" aus.

Gruß
Finanzwesir

PS: ChrisS & Dummerchen wo bleibt ihr ;-)


Dummerchen sagt am 04. November 2016

@Peter P.: Eine Anleihe ist nicht mit Festgeld vergleichbar. Chesterton hat es schon angesprochen. Bei Anleihen gibt es ein Kursrisiko, das man nur aussitzen kann, wenn man die Anleihe bis zur Endfälligkeit hält. Bei einem Anleihen-ETF sollte man also das Kleingedruckte lesen, wenn man "Risiken wegdiversifiziert". Sollten die Zinsen wider jeder Erwartung doch mal wieder steigen, werden die Kurse Deiner Unternehmensanleihen sinken. Hält dann der ETF die Anleihen nicht bis zur Endfälligkeit, wird mit Verlust verkauft.

@Onkel Dagobert: Ob dieses oder jenes Tagesgeld jetzt 0,1% oder 0,2% mehr Zinsen bringt, macht den Braten nicht fett. Pro 1000€ Anlagebetrag steigt der Ertrag um 1€. Dafür fange ich nicht an, mein Geld durch die Gegend zu schieben. Als Anlageneuling habe ich noch Tagesgeldkonten-Hopping betrieben und heute noch immer rund 5-10 (leere) Konten irgendwo rumliegen. Heute habe ich erkannt: Das lohnt einfach nicht. Der Hebel liegt in der Asset-Allokation.

@Albert: Schöner Artikel.


Christian sagt am 04. November 2016

Ja, ja, der arme deutsche Sparer hat es nicht leicht wegen diesem Italiener...:-)))

Ich wundere mich auch immer wieder, dass das Thema "Realzins" so ziemlich von niemanden verstanden wird und man so Nomalzinshörig ist.

So ist dann für den armen deutschen Sparer Daimler, Siemens & Co. viel gefährlicher als indische Kaufleute, die maltesische Banken führen...letztere geben einem wenigstens eine GARANTIE auf 1%, während man bei Daimler & Co ja immer einen Börsenabsturz einkalkulieren muss...
Es ist unglaublich, dass es wirklich Leute gibt, die für eine Handvoll Dollars solche Risiken eingehen, obwohl sie sich von "Risiko" (sprich Teufelszeug Aktien etc.) ja fernhalten wollen! Und dies, nachdem es diese Finanzkrise gegeben hat!

Der Artikel war wie immer super zu lesen! Einzig den Vorwurf "Letztendlich verstärken die Betreiber dieser Portale das Problem der Altersarmut." würde ich so nicht unterschreiben, denn die Betreiber geben dem Affen nur Zucker. Verantwortlich sind meiner Meinung nach immer und ausnahmslos die Anleger, sofern nicht ein sehr difiziler Betrug vorliegt...


Dummerchen sagt am 04. November 2016

@Finanzwesir: Mach was draus, ich kann mich nicht um alles kümmern :-)! (Olaf Schubert)

Ein wenig darfst auch Du nachkommentieren ;-). ChrisS (zuletzt vor allem er!) und ich unterstützen ja gerne.
Ich "kämpfe" ja bereits im Nachbarthread den unendlichen Kampf gegen den Mythos der überlegenen Dividenden. Dass ich überhaupt so töricht war, mich darauf mal wieder einzulassen, ärgert mich jetzt schon. Es gibt so Diskussionen, da weiß man schon beim ersten Kommentar, dass bestimmte Positionen unverrückbar sind: Dividenden oder Kursgewinne, Immobilien oder Aktien, Pepsi oder Cola, Atari oder Amiga, vi oder emacs.


Chesterton sagt am 04. November 2016

Persönlich habe ich gerade die Depots (i.W: Aktien-ETFs) der ganzen Familie (d.h., 5) teils zur Consorsbank, teils zu Targobank übertragen.
Bei Consorsbank bekommt man dann, wenn das bisherige Depot aufgelöst wird, auf bis zu 20.000.- EUR Tagesgeld 2,5 p.a. auf ein Jahr (befristet), bei Targobank auf bis zu 40.000.- EUR 2% p.a. auf ein Jahr befristet.
Bei Consors muß auf dem Depot mind. 6 TEUR gelegen haben, bei Targobank mind. 7.000 €. Der mit dem Vorzugszinssatz verzinste Betrag ist bei Targobank begrenzt durch die Höhe des Depotübertrags und beträgt max. 40.000 € pro Kunde. Geht ein Jahr, und dann kann man immer noch schauen, ob es ähnliche Angebote noch gibt, und von Consors- zu Targobank und umgekehrt wieder wechseln.
Bringt Aufwand, aber der Stundenlohn ist o.k.


Longus sagt am 04. November 2016

Was die deutsche Seele noch nicht begriffen hat ist, dass aus dem risikolosen Zins ein zinsloses Risiko geworden ist.
Banken in Malta mit einer Einlagensicherung wie in Island/Zypern (Ausländer zuerst beim Bail-In... ) ,Filialen aus der Heta Konkursmasse... Herrlich.

Man könnte meinen, dass aus der allseits präsenten Bankenkrise die richtigen Schlüsse gezogen werden, aber Pustekuchen. Normalerweise sollte auf der Homepage des Zinspiloten stehen:

"Bitte denken Sie daran, dass im Falle von Zahlungsschwierigkeiten die ausländischen Anleger zuerst rasiert werden" oder "Bitte beachten Sie, dass Österreich lieber die rechtlichen Grundlagen ändert als Sie auszuzahlen"

Meinetwegen auch etwas deutlicher "Denken Sie wirklich, dass der Staat Malta innere Unruhen riskiert, eine kuwaitische Bank rettet und damit ausländische Spekulanten vor Verlusten geschützt werden?"

"Ende Juni 2014 kam es aufgrund von Gerüchten zu einem Bank Run, bei dem die Kunden innerhalb weniger Stunden rund 800 Millionen Lewa (mehr als 400 Millionen Euro) von ihren Konten bei der Fibank abgezogen haben sollen. Ähnliches geschah zuvor auch bei anderen bulgarischen Banken, sodass die Zentralbank des Landes von gesteuerten Destabilisierungsversuchen im Vorfeld der vorgezogenen Parlamentswahlen im Oktober 2014 ausging."
Wikipedia

Das erklärt auch das Länderrating "A".


Thorsten sagt am 04. November 2016

@Albert - danke für das Feedback, interessante Ansicht...

"Mein Vorwurf an Dich: Subkontenbildung."

Zurückkommend auf Deine Analogie der Fussballmannschaft - dem kann ich nur zustimmen, die Mannschaft muss stimmen! Also zur Mannschaftsaufstellung:

  1. Angreifer: Wertpapier-Depot (überwiegend ETF Welt-Verteilung) - im Schnitt mehr Risiko
  2. Verteidiger: Tagesgeld, Festgeld, Immo (REITs) - im Schnitt weniger Risiko

Wie auch im Fußball, darf dann aber auch innerhalb der beiden Gruppen etwas Dynamik im Risko-Rendite-Verhältnis vorhanden sein. Schließlich schießen ab und zu auch mal die Verteidiger ein Tor bzw rücken in den Sturm mit auf, oder?

Und bei der Aufstellung in der Verteidigung - hier im Festgeldanteil finde ich (für mich) eine akzeptable Risiko-Rendite-Aufteilung in folgender Anlage = Festgeldleiter

  • 10k Euro Tagesgeld - dt. bank zu 0,3%
  • 5k Euro Festgeld 1 Jahr - FIM Bank (Malta) zu 1,65%
  • 5k Euro Festgeld 2 Jahre - Credit Agricole (Frankreich) zu 1,36%
  • 5k Euro Festgeld 3 Jahre - HKB (Deutschland) zu 1,10%
  • 5k Euro Festgeld 4 Jahre - Credit Agricole (Frankreich) zu 1,61%
  • 5k Euro Festgeld 5 Jahre - PBB (Deutschland) zu 1,40%

Macht im Festgeldbereich einen Mix aus super-sicher (DE), sicher (FR) und risiko-reicher (Malta) zu im Schnitt 1,33% pa - passt für mich!

" ...die Profis das anders sehen..."

Sorry, aber das Argument finde ich hier nicht passend...die "Profis" haben keine Chance auf eine Anlage als Fest- oder Tagesgeld - bei deren Beträgen geht das nicht bei solchen Banken und auch nicht bei Deutschen Instituten.


Finanzwesir sagt am 04. November 2016

Hallo Dummerchen,
du hast ja recht, es gibt keine Verpflichtung für Euch hier irgendetwas zu machen. Ich bin einfach nur dankbar, dass Du und ChrisS hier so kompetent kommentiert. Deshalb hier noch mal ein Danke an ChrisS!
Bei Dir bedanke ich mich morgen in Frankfurt persönlich.

Gruss
Finanzwesir.


Couponschneider sagt am 04. November 2016

Dass die Inflation früher sehr hoch war und das Sparbücher, Kapitallebensversicherung und Festgeld auch schon damals nichts brachten, wollen viele nicht wahrhaben.


Finanzwesir sagt am 04. November 2016

Hallo Thorsten,
Dich sehe ich auch nicht als "gefährdet" an. Mir geht es wie Kostolany es ausrückte darum, dass meine Leser "Gedanken haben".
Ob und wie sich die Gedanken dann entwickeln, wenn sie mit der Realität zusammenprallen ist eine ganz andere Sache. Auch meine Gedanken sind nicht immer aufgegangen. Wenn Du das für Dich so überlegt hast, dann ist das so und fertig.

Wes die Profis angeht: Stimmt, die können kein Tagesgeldkonto eröffnen aber sie könnten Geldmarkt-Fonds kaufen, das Tagesgeld der großen Jungs. Trotzdem kaufen sie deutsche Staatsanleihen.
Klar es wird auch noch andere Gründe geben, warum sie das machen. Aber wie gesagt: Du hast ja einen Plan und um mehr geht es mir nicht.

Gruß
Finanzwesir


Couponschneider sagt am 04. November 2016

@Onkel Dagobert:
Zins ist auf Jahresbasis.
Statt 5000 € * 1,005 muss 5000 € * 1,005 ^ (1/12) gerechnet werden, wenn man das Geld einen Monat liegen lässt.
Das macht 5002,07 €.
Dann kommt die Prämie von 25 €: 5027,07 €. 5027,07/5000 = 1,0054157.
Obacht: Das ist die Monatsrendite, man muss wieder potentiezieren: 1,0054157^12 = 1,066959542, also 6,69 % Rendite pro Jahr.
Das ist aber nur auf den ersten Blick eine gute Rendite ich würde es auch nicht machen, weil mit Aktien drüber bin.
Der Aufwand wäre mir auch zu groß: Erst Konto eröffnen, dann Konto schließen. Die Rendite sinkt mit dem Anlagebetrag. Wer mehr als die notwendigen 5000 € investiert, bekommt so gesehen weniger Rendite.


Tino sagt am 04. November 2016

@Longus
Ich glaube, du verwechselst hier die bulgarische Fibank mit der maltesischen Fimbank.


Michael sagt am 04. November 2016

Hart und fair,

so sollte ein Beitrag aussehen. Die Fakten sind geklärt und doch investiert wahrscheinlich in dieser Minute wieder jemand in den Zinspilotenschmarn.

Ein toller Beitrag lieber Finanzwesen und ich hoffe, dass dieser auch gehörig Anklang findet und sich verbreitet. Ich bin auf jeden Fall fleißig am verteilen ;-)

Liebe Grüße,
Michael

Auf dem Blog von Michael gibt es hierzu diesen Artikel: Hart und fair


Peter P. sagt am 04. November 2016

@Chesterton & Dummerchen:

Stimmt, auf die Duration und das Kursrisiko bin ich nicht eingegangen. Ist meiner Meinung nach aber halb so wild, sofern man die Anleihe bis zum Ende bzw. den Fonds einen entsprechend langen Zeitraum hält.
Man sollte auch nicht vergessen, dass ein steigendes Zinsniveau auch zur Ausgabe von Anleihen mit einem höheren Coupon führt. Die bestehenden Anleihen in einem Fonds sind weniger wert, die neu hinzukommenden zahlen dafür aber mehr Zinsen.

Es ist nun ja auch nicht so, als sei Festgeld von einem steigenden Zinsniveau nicht negativ betroffen. Der Wertverlust tritt halt durch Opportunitätskosten auf, nur sieht diese der Kleinsparer nicht.

Ich kann verstehen, dass einige Leute eine Anlage nur als sicher ansehen, wenn negative Kursentwicklungen ausgeschlossen sind. Kann man so sehen, muss man aber nicht. Ich lebe lieber mit einem (temporären) Wertverlust bei steigenden Zinsen, als mit dem Risiko einer Bankenpleite.


ChrisS sagt am 05. November 2016

Guter Artikel, ja man kann sich manchmal nur wundern wie Leute (und es sind oft genau die selben), die Aktien ja nichtmal mit der Kneifzange anfassen würden (weil total unsicher, Börse ist ein Casino, alles nur Abzocke), anscheinend ohne weitere Bedenken bereit sind, wesentliche Geldbeträge auf irgendwelche nie-gehörten, kleinen ausländischen Junk-Banken zu schicken, nur um daraus in Absoluta ein paar krümelige Eurobeträge mehr rauszukitzeln, während man die Risiko-Asymmetrie (für +0,X% höhere Zinsen ein -XX% höheres Risiko bei der nächsten Krise) meist garnicht erst erkennt.
Ich meine, wer das bewußt macht, von mir aus, kein Problem, nur sollen eben nicht wieder die ahnungslosen Omis hinterher jammern "wir haben doch von nichts gewußt...!".
Klar, klingt vllt erstmal komisch wenn man vor Eröffnung eines Kontos bei einer Bank erstmal deren Bilanzen studieren müsste, aber die Zeiten in denen man in finanziellen Dingen sich eben noch einfach so gedankenlos durchs Leben schlafwandeln konnte sind leider vorbei.

Zum allgemeinen Thema, historische Zinsen & Inflation und Betrachtung der Lage, hatte ich auch mal einen Artikel geschrieben, wenn ich vorstellen darf: http://finanziell-umdenken.info/zinsen-und-inflation-im-historischen-zeitverlauf


Ex-Studentin sagt am 05. November 2016

Ich würde lügen, wenn ich sage, dass mir meine Tagesgeldzinsen egal sind.
Allerdings ist mir Flexibilät wichtiger. Sollte ich morgen die Diagnose "unheilbarer Krebs" erhalten, würde ich mein Geld schnappen und die Welt bereisen.
Die meisten Festgeldanbieter würden dann wohl sagen: "Vertrag ist Vertrag, Ihre gesetzlichen Erben können dann in 4 Jahren stattdessen schön Urlaub machen". Vielleicht denke ich mal anders, wenn ich mal 1 Milliomen auf dem Konto haben sollte, die ich eh irgendwie verteilen muss. Aber wenn um alle Ersparnisse geht, die man sich in jungen Jahren mühsam erarbeitet hat, bin ich etwas vorsichtiger.


Hans Koller sagt am 05. November 2016

Der Zinspilot ist super!
Schauen Sie sich doch auch einmal OneCoin (Webseite) an.
Ist noch viel superer.
Ich wollte eine Bekannte vor dem Mitmachen bewahren und habe sie zu einem Info-Abend begleitet. War sehr schlau aufgemacht, hat wahrscheinlich viele neue Mitglieder ("Schneeballsystem") gefunden. Meine Bekannte hat glücklicherweise mir geglaubt und OneCoin fahren lassen


Zinskraft sagt am 06. November 2016

Von ner anderen Sichtweise her ist es irgendwie auch seltsam, sein Geld wegen ein paar Talern mehr zu fragwürdigen Banken zu transferieren, anstatt einfach mal komplett risikolos mehr Geld einzusparen, zum Beispiel durch Wechsel des Stromanbieters oder des Handytarifs.

Ich wette bei diesen Dingen besteht bei vielen aufs Jahr hochgerechnet mehr "Gewinnpotential", als das was sie durch den Zinspiloten am Jahresende evtl herausbekommen. Sowas wird glaub einfach oft nicht gesehen oder gegengerechnet. Befasse mich derzeit viel mit dem Thema "Sparen" bzw. "was brauche ich wirklich".. Deshalb kam mir gerade dieser Gedanke...

Auf dem Blog von Zinskraft gibt es hierzu diesen Artikel: Geld einsparen durch Senkung der Fixkosten


PIBE350 sagt am 06. November 2016

Finanzwesir: ,,Letztendlich verstärken die Betreiber dieser Portale das Problem der Altersarmut. Mit Zinsen konnte man noch nie ein Vermögen aufbauen. Jeder Euro, der in ein Zinsportal fließt, kann nicht an der Börse angelegt werden.

"Wer mit 40 meint, er sei ein schlauer Zinsjäger, wird mit 67 Flaschen sammeln."

So hart es klingt, aber mir ist es mittlerweile komplett egal geworden, dass zunehmend mehr Leute in Altersarmut enden werden. Viele wollen weder sparen noch investieren, leben lieber heute. Ich hatte diesbezüglich schon zu viele Diskussionen im Bekanntenkreis. Am Ende kosteten sie mich nur Zeit und Nerven. ;-)


Matthias sagt am 08. November 2016

@Ex-Studentin:
Die Aussage "Sollte ich morgen die Diagnose "unheilbarer Krebs" erhalten, würde ich mein Geld schnappen und die Welt bereisen." deutet daraufhin, dass du wirklich den falschen Lebensansatz gewählt hast. Du hast sicher bereits genug Geld angelegt, um eine Weltreise machen zu können. Nimm davon 10.000 Euro, bereise die Welt und verschiebe die finanzielle Freiheit um ein Jahr nach hinten, dann hast du dein offensichtlich vorhandenes großes Ziel, die Welt zu bereisen, glücklich und gesund erreicht.

Auf eine tödliche Krankheit zu warten, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen, ist aus meiner Sicht ziemlich unsinnig (nicht böse gemeint).
Alles Gute!
Matthias


ChrisS sagt am 11. November 2016

@ PIBE350

"So hart es klingt, aber mir ist es mittlerweile komplett egal geworden, dass zunehmend mehr Leute in Altersarmut enden werden. Viele wollen weder sparen noch investieren, leben lieber heute. "

Naja, auch aus 'eigennützigen' Gründen ist zunehmende Altersarmut nicht unbedingt etwas, was einem unbeteiligt egal sein kann - nämlich, wenn die Leute auch dann noch wählen gehen, und tja... für was wohl ? ;-)
Man kann zwar vielleicht lang und klug analysieren, ob und wie jemand selbst für seine Altersarmut verantwortlich ist, fakt ist aber dass die meisten Leute wohl sicher nicht die Schuld bei sich selbst, sondern immer bei "den Anderen" (dem "System", den "Reichen", whatever) suchen werden - und dann auch darauf bestehen, diese sollten doch (aus Gründen der "Gerechtigkeit" und so) mehr und mehr davon wieder abgeben, um den eigenen Mangel zu beheben.
Und je größer der Mangel, umso mehr wachsen die Höhe der Forderungen. Das Angebot von "Umverteilung", und den Parteien, die das anbieten wird halt immer attraktiver für die, je mehr Leute auf der Empfängerseite der Wohltaten stehen.


PIBE350 sagt am 11. November 2016

An Chris: Ich spende gern und regelmäßig für wirklich Hilfsbedürftige, aber irgendwo ist jeder (Schwerkranke und Behinderte ausgenommen) seines Glückes Schmied. Gerade in einem Land wie Deutschland. Wer sich nicht um seine Altersvorsorge kümmert oder kümmern möchte, muss halt mit den Konsequenzen leben. Man wird nicht von heute auf morgen über 60. ;-)

Wenn es in Deutschland politisch zu radikal werden sollte, würde ich meinen Hauptwohnsitz ins Ausland verlegen. Genug Möglichkeiten hätte ich jedenfalls.


Finanzielle Freiheit sagt am 12. November 2016

Wie wahr, wie wahr, lieber Finanzwesir!

Ich denke, dass hier zwei üble Kräfte an der Arbeit sind:

  1. Anchoring - in Zeitung, Funk und Fernsehen liest man vom Niedrigzins-Umfeld, Null- und Negativzinsen. Wie erfrischend mag es da doch wirken 1,X% vor Steuer, nominelle ;-) zu bekommen. Klingt nach einem guten Deal - zumindest wenn man mit dem "Anker" 0%-Zinsen vergleicht. Wäre der Anker 7% - was ja ca. dem langfristigen Durchschnitt bei Aktieninvestments entspricht - würden viele Sparer gleich verstehen, auf welch falschem Pfad sie sind...

  2. Tradition des Sparbuch-Sparens - in Deutschland/Österreich wird das Sparen am Sparbuch schon Kindern in die Wiege gelegt - das erste Sparbuch für den Neugeborenen, Weltspartag, am Sparbuch bei der Sparkasse ist das Geld sicher, etc. Die zweifelsfrei wichtige Funktion für das Funktionieren des Kreditwesens (Einlagen sind eine billige, sehr willkommene Funding-Quelle für Banken!) sollte allerdings nicht den Ausschlag für Investment-Entscheidungen geben.

Daher: Viel Erfolg den Investoren, die mitdenken und einen Bogen um Festgeld machen!

Auf dem Blog von Finanzielle Freiheit gibt es hierzu diesen Artikel: Spart Du noch oder investierst Du schon?


Problembär sagt am 12. November 2016

Eine angestellte Arbeitskraft im Sozialbereich (Erzieherin / Pflegekraft usw.) verdient so um die 1.600-1.800 Euro brutto. Zum Leben in einer mittelgroßen bis großen Stadt reicht das nicht mehr. Zur ausreichenden Altersvorsorge schon gar nicht. Und trotz lebenslanger Einzahlung in die Rentenkasse reichen die 1.600-1.800 Euro brutto zukünftig nur noch für eine Rente auf Hartz IV NIveau.

Privat angespartes Kapital wird darauf angerechnet.

Ob das immer nur "Dumme", "Faule" und "finanziell Ungebildete" sind, die im Alter Armut und Hunger erleiden werden, stelle ich mal in Frage.


djs sagt am 13. November 2016

also im Studium habe ich von 660€ gelebt und zwar gefühlt wie die Made im Speck. Z.Zt. mit halber Stelle neben Promotion - 1500 - mit Kind und Frau in Therapeutenausbildung (=kosten) fehlt es mir an nichts.
Meinen Singlemalt bekomme ich zum Geburtstag geschenkt, ich koche täglich, die Kinderchen bekommen persönliche Aufmerksamkeit mit Fahrradtour im Wald statt Plastikberge, die sie nicht brauchen.
Ganz ehrlich, wer mit 1600 nicht klarkommt, hat es nicht gelernt. Ich glaube, das Hauptproblem ist es, wenn die Perspektive nicht stimmt. Wer 1600 hat und Mitte 50 und sich drauf eingestellt hat, dass es das war - ja, der kann durchaus nicht gut leben...


Jens sagt am 15. November 2016

Einziger Einwand zum ansonsten vollkommen zustimmungswürdigen Text: Zwischen all dem Ramsch verstecken sich beim Zinspilot auch ein paar Institute, die ich als seriös einstufen würde. Die werden aber natürlich in der reißerischen Werbung nicht erwähnt.

Z.B. besteht eine Sprosse meiner Festgeld-Leiter z.Zt. aus einer Euro-Festgeldanlage via Zinspilot bei Close Brothers: 1,4% für 3 Jahre. Der britischen Einlagensicherung vertraue ich trotz Brexit auch nicht weniger als der in Frankreich, Holland oder Deutschland (und meine Anlagesumme ist nicht einmal ein Zehntel des Höchst-Haftungsbetrags), und die Rating-Agenturen bewerten das Institut selbst auch noch mit A bzw. Aa3 und damit im Mittelfeld des "Investment Grade"-Bereichs.
(Und damit deutlich besser als etwa die Commerzbank oder die Deutsche Bank) Außerdem halte ich es es im Falle des Falles auch für eine Art von Risikostreuung, nicht alles Geld unter dem Dach desselben Einlagensicherungssystems anzulegen.

Habe aber trotz allem, wie gesagt, bewusst nur einen relativ kleinen Teil meiner Anlagen dort. Und von den im Artikel genannten Banken würde ich ganz klar die Finger lassen – aus genau den angegebenen Gründen.


Johannes S sagt am 06. Dezember 2016

| Nette Analyse, dennoch denke ich schon, dass Gelder auch bei den vermeindlich schlechten Bankhäusern bis 100.000€ sicher ist, weil die €-Union das garantiert.
Mehr würde ich dort auch niemals investieren.
Also sicher ist das Geld schon vermute ich.
Bei Aktien ist halt noch das Volatilitätsrisiko.
Dennoch passen die Relationen nicht.
Tagesgeld bei Finbank bringt 0,75%, während z.B. der SDAX-Titel Zeal Network über 8% Dividende ausschüttet.
Oder Daimler über 5% Dividende.
Da macht Festgeld nur für die Banken Sinn ;)


Schwachzocker sagt am 06. Dezember 2016

Hallo Johannes,

ich bin mir nicht sicher, ob Du hier auf dem "richtigen Dampfer" bist.
Nach meinem Kenntnisstand gibt es weder eine EU-Einlagensicherung noch garantiert die EU irgendetwas. Vielmehr hat die EU eine Richtlinie herausgegeben, die die einzelnen Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, in ihrem jeweiligen Land etwas zu garantieren. Und da hat die Garantie von Malta nun einmal eine deutlich andere Qualität als die von Deutschland.
Man kann natürlich hoffen, dass Malta im Ernstfall von anderen Ländern herausgehauen wird. Das geht aber nur wenn die das auch können.