Finanzwesir

Für Leute, die ihr Geld selbst anlegen

Meine Finanz-Bibliothek

Alte Blogger-Weisheit: Wer gut schreiben will, muss viel lesen. Darf ich Sie zu einem Rundgang durch meine Finanz-Bibliothek einladen? Ich habe alle diese Bücher selbst gelesen und kann sie deshalb guten Gewissens empfehlen.
Hinweis: Alle Links zu Amazon sind Affiliate-Links.


Passives Investieren

The Little Book of Common Sense Investing: The Only Way to Guarantee Your Fair Share of Stock Market Returns (Little Books. Big Profits)

John C. Bogle

In diesem schmalen Büchlein erklärt die Index-Legende (Mr. Bogle hat den weltgrößten Indexfonds Vanguard gegründet) in leicht verständlichem Englisch, wie Privatanleger am besten anlegen sollen.
Sein Mantra: Investieren Sie mit gesundem Menschenverstand. Kaufen Sie einen breit diversifizierten Aktienkorb und halten Sie ihn so lange wie möglich. Dann werden Sie zu den Gewinnern gehören.
Der Aktienmarkt ist ein Nullsummen-Spiel. Für den Gewinner muss es einen Verlierer geben. Nach Abzug der Kosten werden die meisten Gewinner ebenfalls zu Verlierern.
Die simpelste und kostengünstigste Anlagestrategie produziert langfristig die besten Ergebnisse, und das ist nun mal passives Indexing. Und zwar egal, ob die Märkte effizient sind oder nicht.
John C. Bogle ist zu alt und zu erfolgreich, um noch irgendwem irgendwas beweisen zu müssen. In diesem Buch hat der Mann, der als Vater des Indexing gilt, seine Lebenserfahrung ehrlich und eloquent zusammengefasst. Was immer Sie über Indexing wissen wollen, finden Sie auf diesen 200 Seiten.

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Winning the Loser's Game: Zeitlose Strategien für Ihre erfolgreiche Geldanlage

Charles D. Ellis

Ein weiterer Klassiker der Investment-Literatur. Mr. Ellis war 16 Jahre lang Mitglied im Investment-Ausschuss der Universität Yale. Seine Antwort auf die Frage: "Wie kann ich mein Geld sicher und gewinnbringend investieren?" lautet:" Machen Sie weniger Fehler als andere."
Dann wechseln Sie von der Verlierer-Seite auf die Seite der Gewinner.
Wie vermeide ich Fehler? Indem ich die Füße stillhalte, also als langfristiger Buy-and-hold-Anleger auftrete. Das Rezept kennen Sie vom Finanzwesir: Passiv investieren, gelassen bleiben, die Zeit für sich arbeiten lassen.
Mr. Ellis geht alle Punkte durch, die für einen Privatanleger wichtig sind: Diversifikation, Risiko, Portfolioaufbau und Anlagepolitik. Mein Lieblingskapitel ist das sechste. Hier geht es um den "unlauteren Wettbewerbsvorteil" des Privatanlegers. Anders als die Profis dürfen Sie einfach nichts tun und Dinge aussitzen. Ein Profi ist zur Tätigkeit verdammt und produziert damit garantiert Kosten, aber nur vielleicht eine bessere Rendite.
Fazit: Ein gutes Einsteigerbuch. Qualitativ anspruchsvoll und trotzdem verständlich.

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The Intelligent Investor

Benjamin Graham

Vom Mann, der das Value Investing erfand. Ein Standardwerk seit 1949. Ich habe die von Jason Zweig überarbeitete Version. Es gibt auch mehrere deutsche Übersetzungen, die auf den einschlägigen Websites angeboten werden. Ich empfehle aber trotzdem das englische Original, denn der Übersetzer dieses hervorragenden Buches hatte absolut keine Ahnung, was er da tut. Dieses Buch wurde kaputtübersetzt.
Kaufen Sie die englische Version oder lassen Sie es ganz bleiben.
In 20 Kapiteln führt und Benjamin Graham durch die Welt des Value Investing. Er beginnt mit "Investieren versus Spekulieren" und erläutert dann, wie man als Anleger sein Portfolio am besten aufbaut, wie man die passenden Aktien findet und sie innerhalb des Portfolios gewichtet. Ein ganzes Kapitel widmet Graham "dem Anleger und seinen Beratern". Es hilft, wenn man weiß, wie die ganzen Berater, Broker und Analysten ticken.
Benjamin Graham liefert die zeitlosen Wahrheiten des Value Investings. Jason Zweig schlägt mit seinen Kommentaren und Anmerkungen die Brücke zur Gegenwart.
Fazit: Wer sich für das Thema Value Investing interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Warren Buffet hat dieses Werk mit 19 gelesen und ist seitdem der Meinung: "Das ist das beste Buch, das jemals zum Thema Geldanlage geschrieben wurde."

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Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen

Gerd Kommer

Die Passiv-Bibel ‒ mittlerweile in der vierten Auflage erschienen. Wenn Sie nur ein Buch über passives Investieren lesen wollen, lesen Sie "den Kommer". Ohne dieses Buch würde es den Finanzwesir nicht geben.
Gerd Kommer setzt nichts voraus, fängt bei Adam und Eva an und nimmt Sie mit auf die Reise vom Nichtswisser zum souveränen Anleger.
Erst die Diagnose: "Warum sind 90 % der aktiven Fonds langfristig schlechter als der Markt?", dann die Therapie: "Breit diversifiziertes Welt-Portfolio, realisiert über kostengünstige ETFs und Indexfonds." Der Weg führt über die 18 verhängnisvollen Anlegerfehler und die Grundprinzipien des Indexing zum persönlichen Welt-Portfolio.
Kommer beleuchtet nicht nur Aktien und Anleihen, sondern auch die Anlageklassen Immobilien und Rohstoffe.
Was mir gut gefällt: Er bettet die ganze Vermögensplanerei in den Gesamtkontext der persönlichen Lebenssituation ein. Ihre Arbeitskraft (Humankapital) ist das bei Weitem wichtigste Asset und muss bei der Vermögensplanung unbedingt berücksichtigt werden.
An der Börse scheint nicht immer die Sonne. Deshalb heißt ein Kapitel des Buches: "Was tun im Crash."
Wer von diesem Buch einen konkreten Einkaufszettel erwartet, wird enttäuscht. Zwar liefert Kommer im Kapitel "Das Weltportfolio ‒ Umsetzung mit konkreten Produkten" einen einzigen! Umsetzungsvorschlag, sagt aber selbst: "Rein zu didaktischen Zwecken."
Ich habe damit kein Problem. Der ETF-Markt ist permanent im Fluss. Wozu seitenweise veraltete Informationen abdrucken. Stattdessen liefert Herr Kommer sehr gute Faustregeln für die Auswahl und die Bewertung von ETFs.
Fazit: Ein über die Jahre gereiftes Werk, das in keinem Bücherschrank eines passiven Anlegers fehlen darf.

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Die Optimierung von Quellensteuerbelastungen bei Aktienindexfonds aus Sicht eines Privatanlegers in Deutschland

Gerd Kommer

Sperriger Titel, wichtiger Inhalt. In diesem Buch beschäftigt sich der Passiv-Advokat Kommer mit den Schattenseiten der ETFs. Wer einen international diversifizierten ETF kauft, hat sein Risiko minimiert und den Grundstein für den Börsenerfolg gelegt.
Leider hat man sich damit auch eine internationale Quellensteuerpflicht ans Bein gebunden.
Zwar gibt es Doppelbesteuerungsabkommen, aber da alle in Deutschland angebotenen ETFs den die Netto-Return-Variante ihres Index tracken, kümmert sich das Fonds-Management nicht sonderlich um steuerliche Rückerstattungen. Das muß man selbst tun.
Netto-Return-Variante bedeutet: Der Index berücksichtigt Kurssteigerungen und Ausschüttungen (Dividenden, Zinsen) nach Steuern. Je nach Situation kann die effektive Steuerbelastung bis zu 60% betragen.
Was tun?
Gerd Kommer quantifiziert die Probleme und sagt, was wir als Privatanleger tun können. Beispielsweise einen ETF kaufen, der sein Domizil in Irland und nicht in Luxemburg hat, denn Irland hat mehr Doppelbesteuerungsabkommen als Luxemburg.
Fazit: Ein fachlich wasserdichtes Buch, das dem erfahrenen Selbstentscheider bei der Auswahl der richtigen ETFs hilft. Anfänger sind mit der Materie überfordert. Meine Kritik: Ein besseres Lektorat hätte dem Buch gut getan. Manchmal nehmen die Abkzgn. doch überhand und machen den Text schwer lesbar.

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Die große Fondslüge

Michael Ritzau

Lassen Sie sich von dem plärrigen Titel nicht abschrecken, der ist bloß Marketing. Das Buch selbst ist intelligent und verständlich geschrieben und einer weiterer Beweis dafür, dass Ingenieure und Naturwissenschaftler die besseren Ökonomen sind. Doc Ritzau ist Chemiker und tut das, was Chemiker von der Pike auf lernen: analysieren, destillieren und synthetisieren.
Er behauptet: Wir werden von Finanztest, Sparkassen, Banken und Finanzdienstleistern falsch beraten. Dann tritt er - wie man das als Naturwissenschaftler so macht - auf gut 230 Buchseiten den Beweis an. Wir lernen wer, bei der Fondslüge mitmacht und warum, welch Aufgabe die Herolde der Qualitätsmedien in diesem unrühmlichen Spiel haben und warum wir so leicht und gerne Opfer sind und werden. Selbst die Finanztest (laut Eigenwerbung: "Der Helfer in Geldfragen") macht bei diesem Finanz-Voodoo mit.
Das Buch ist eine sehr gelungene Mischung aus Lernen (der Autor unterfüttert seine Thesen mit jeder Menge Zahlen) und Lachen (die Anekdote von Aufstieg und Fall des Fondsmanagers Felix Durchschnittlich).
Beim Thema "aktive Fonds - ein Spiel für Verlierer" - zückt der Autor nicht selbst das Messer, sondern interviewt die Nobelpreisträger Eugene Fama und William Sharpe und lässt sie die Arbeit erledigen.
Der Autor zerpflückt die ganzen Fonds-Ratings erbarmungslos und entlarvt das Geschreibsel von Morningstar, Feri und Finanztest als das was es ist: Eine Momentaufnahme und keine fundierte Vorhersage für die Zukunft.
Das große Finale: Der drittgrößte deutsche Aktienfonds verliert seit sieben Jahren 3,8% pro Jahr, der größte Publikumsfonds Deutschlands vernichtet seit 2009 das Geld seiner Anleger und: "Schlechte Ergebnisse in Konstanz: Der UniEuroRenta".
Wer dann noch immer an das ganze Fonds-Marketing glaubt, kauft auch 72h-Deos.
Was sind die Lehren aus der Fondslüge für Privatanleger? Nun, dass was ich hier auch immer predige: Durchschauen Sie das Provisionssystem, drücken Sie die Kosten und diversifizieren Sie.
Fazit: Die Zufallsgewinner von heute sind die Loser von morgen.

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Genial einfach investieren: Mehr müssen Sie nicht wissen ‒ das aber unbedingt!

Martin Weber

Achtung, das gedruckte Buch müssen Sie kaufen, aber wenn ihnen ein kostenloser PDF-Download direkt von der Arero-Web-Site reicht, den gibt es hier.
Das Buch zum Fonds. Prof. Weber hat mit seinem Team den Arero-Fonds konzipiert und in diesem Buch die Strategie aufgeschrieben, die hinter diesem Fonds-Konzept steht.
Es ist die schon bekannte passive, langfristige Buy-and-hold-Strategie. Das "mehr müssen Sie nicht wissen" des Buchtitels bezieht sich auf die ganzen Chart-Artisten und Stock-Picker. Nur die Basics sind wichtig: Langfristig anlegen, breit anlegen, kontinuierlich anlegen. Aktientipps oder Tricks, wie Sie den Markt schlagen, finden Sie in diesem Buch nicht.
Als Professor für Behavioral Finance hat er es weniger mit dem Homo oeconomicis, sondern packt ein gerütteltes Maß an Börsenpsychologie ins Buch. Das Kapitel "Was ich weiß, macht mich heiß" behandelt das Problem der aufmerksamkeitsgesteuerten Aktienkäufe (wenn der Arbeitskollege mal wieder den ganz heißen Tipp hatte). Auch im Hauptkapitel "Risikowahrnehmung und Risikoeinstellung" menschelt es sehr.
Im Buch geht es ausdrücklich nicht um Aktien ‒ jedenfalls nicht nur ‒, sondern um das Thema Vermögen. Dazu gehören die eigene Arbeitskraft, Immobilien und die eigene Firma. Alle diese Komponenten müssen Sie bei der Portfolio-Optimierung beachten.
Wenn Sie als absoluter Anfänger auf 200 Seiten eine gut geschriebene und verständliche Einführung ins passive Investieren lesen möchten, ist dieses Buch für Sie.

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Vermögensbildung

Renditeperlen aus dem Scherbenhaufen: Bankhybridkapital in der Finanzkrise: Wie Investoren von Sondersituationen profitieren konnten

Nicolas Schmidlin, Marc Profitlich, Malte Daniels, Matthias Rubisch, Philipp Steinhauer, Alfred T. Renffo

"Renditeperlen aus dem Scherbenhaufen" ist mit Sicherheit eines der besten Bücher, die je über die Finanzkrise des Jahres 2008 geschrieben wurden. Die sechs Autoren Nicolas Schmidlin, Marc Profitlich, Malte Daniels, Matthias Rubisch, Philipp Steinhauer und Alfred T. Renffo beschreiben, wie kühne Anleger von der Sondersituation an den Finanzmärkten profitieren konnten.
Vordergründig geht es um Bankenhybridkapital, um Tier-1-, Lower-Tier2-Anleihen und Genussrechte. Sämtliche Spekulation, die in dem Buch beschrieben werden, sind längst Schnee von gestern. Da die Regierungen als Reaktion auf die Finanzkrise die Regeln verschärft haben, werden diese Deals in dieser Form auch nie mehr möglich sein.
Warum dann Zeit auf ein veraltetes Buch verschwenden?

Wer in einer Krisensituation Geld verdienen will, muss genau wissen, was er tut. Dazu ist es hilfreich, ganz genau zu verstehen, wie der Hase läuft. Die sechs Autoren kennen ihre Krise in- und auswendig und können deshalb viel kompetenter über das, was wirklich geschah, schreiben als die ganzen Journalisten. Journalisten sind nicht vom Fach und stets unter Zeitdruck.
Die Autoren leuchten das Bermudadreieck Politik, Juristerei und Kapitalmarkt hervorragend aus. Es ist sehr erhellend zu sehen, wie unterschiedlich die drei Gruppen in der Krise agieren.

Das Buch zeigt, wie Spekulanten wirklich sind. Das romantisierende Bild des Wolfs von der Wall Street ist zwar telegen, aber meist falsch. Spekulant zu sein bedeutet, sich extrem diszipliniert durch das Kleingedruckte der Verkaufsprospekte zu wühlen, Juristendeutsch zu verstehen und das dort Gelesene auf die aktuelle Situation des Kapitalmarktes zu übertragen.
Das Gold liegt in den Nebensätzen. Wenn dort lapidar erwähnt wird "es besteht ein Beherrschungsvertrag nach §17a des Schmörks-Gesetzes in der Fassung von 1949", dann muss es beim Investor klingeln. Beherrschungsvertrag bedeutet: Die beherrschende Mutter muss alle Verluste der Tochter ausgleichen. Die Politik hat gesagt, die Muttergesellschaft wird gestützt, egal, was kommt.
Dann bedeutet das für den Anleger: Kaufen, was das Zeug hält, denn die Mutter muss und wird die Anleihe zu 100 % zurückzahlen. Wenn der Kurs aktuell bei 20 % steht, ein gutes Geschäft. Meist gab‘s dann noch Zinszahlungen obendrauf. So geht das seitenweise in dem Buch. Faszinierend zu lesen. Denn das, was ich hier so knapp beschrieben habe, muss man aus dem Dokumentenwust erst einmal herauslesen.
Für mich als überzeugten Passiv-Anleger bedeutet das: Sie und ich legen passiv an, warten und verlassen sich auf den Zinseszins. Profis können mit einem aktiven Ansatz Sondersituationen ausbeuten und sehr schnell sehr große Vermögen anhäufen.
Wenn Sie einmal in eine Situation kommen, in der Ihnen Ihre Spezialkenntnisse einen Vorteil verschaffen, dann werden Sie aktiv, ansonsten widersteht man den Verlockungen besser.

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Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden: ... und welche Rolle der Staat und unser Papiergeld dabei spielen

Andreas Marquart, Philipp Bagus

Wo kommt eigentlich das Geld her? Aus dem Nichts.
In diesem Buch zeigen die Autoren, wie das Papiergeldsystem funktioniert und warum es gutes und schlechtes Geld gibt.
Wer jetzt ein verschwörungstheoretisches Buch oder eine trockene Ökonomie-Abhandlung erwartet, wird angenehm enttäuscht. Im Buch wimmelt es von anschaulichen Beispielen ‒ Fischer bauen Boote, Bauern produzieren Milch und ein König reguliert alles ins Desaster. In diese Rahmenhandlung betten die Autoren eine exzellente Einführung in die Geldtheorie der "Wiener Schule der Ökonomie" ein.
Ganz schön raffiniert.
In den den ersten Kapiteln geht es um das gute Geld, das sich ganz zwanglos durchsetzte, weil es den Menschen nutzte. Anschließend werden die Entstehung sowie die Funktionsweise des modernen Bankensystems erläutert. Hier betritt das schlechte Geld die Szene ‒ Giralgeld, geschaffen aus dem Nichts.
Von dieser Geldschwemme profitieren die Erstbezieher: Banken, Staaten oder Versicherungen. Wenn das Geld die Kaskaden bis zum Bürger heruntergeflossen ist, sind die Preise schon derart hoch, dass sich für die kleinen Sparer eine Investition meist schon nicht mehr lohnt.
Dazu kommt die psychologische Komponente: Die Geldschwemme belohnt schuldengetriebenes, kurzfristiges Verhalten. Das macht die Wirtschaft anfällig für Zyklen, die sich immer weiter aufschauklen. Dieses ständige Auf und Ab hat erhebliche negative Folgen für den Wohlstand der Menschen und ihre Lebenszufriedenheit.
Ich empfehle dieses Buch, weil es geldtheoretische Prinzipien einfach und anschaulich erklärt. Und Geld ist schließlich eine der Basis-Zutaten menschlichen Wirtschaftens.

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Der Finanz-Code: Die Erfolgsphilosophie des letzten großen Investors

Howard Marks

Eins gleich vorweg: Der Titel des Buches ist Murks. Howard Marks liefert keinen Finanz-Code, den Sie lernen und dann abspulen, um Erfolg zu haben, sondern er stellt in 20 Kapiteln seine in 40 Jahren aufgebaute Investment-Philosophie vor. Konkrete Tipps, wie Sie denn nun eine unterbewertete Aktie finden, gibt der Autor nicht.
Sein Motto: "Erfahrung bekommt man, wenn man nicht das erhält, was man wollte." Deshalb widmet er den Risiken und ihrer Begrenzung mehr Aufmerksamkeit als der Erzielung von Renditen.
Howard Marks ist ein Mann der Praxis. Die von ihm 1995 gegründete Oaktree Capital verwaltet aktuell (2015) 100 Milliarden Dollar an Anlegergeldern. Angeblich liest selbst Warren Buffett seine Memos an die Anleger.
So ist das Buch auch aufgebaut: Jedes Kapitel basiert auf einem Memo an die Anleger und behandelt einen Aspekt des Geldanlegens. Keine dieser Regeln darf vernachlässigt werden, das gefährdet den Anlageerfolg. Als da wären Regel Nr. 3: "Den Wert beachten", Regel Nr. 13: "Geduldigen Opportunismus zeigen" oder auch Regel Nr. 16: "Die Rolle des Glücks zu schätzen wissen". Klingt alles sehr nach Glückskeks, ist aber eine solide Mischung aus angewandter Menschenkenntnis und jahrzehntelanger Börsenpraxis.
Sowohl aktive als auch passive Anleger lesen dieses Buch mit Gewinn, wenn sie grundlegend über das Thema Börse nachdenken möchten. Allein die drei Risiko-Kapitel sind den Kauf wert. Eine Perle: "Die Ansicht, das Risiko sei gering, trägt wesentlich zur Entstehung von Risiken bei." Dann nimmt der Autor das "Märchen der globalen Risikoreduzierung" auseinander.

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Kümmer Dich um Dein Geld, sonst tun es andere: In nur 15 Minuten pro Woche zum Geldprofi

Matthias Kröner, Stephan Czajkowski

Leider wurde dieses Buch erst 2013 veröffentlicht. Hätte ich dieses Buch früher kennengelernt, ein Platz neben dem Kommer wäre ihm sicher gewesen. "Kümmer Dich um Dein Geld, sonst tun es andere" von Matthias Kröner und Stephan Czajkowski ist vom Stil her das finanzwesirigste Buch, das ich je gelesen habe. Gut strukturiert und flott geschrieben nimmt es kein Blatt vor den Mund und wendet sich an den absoluten Anfänger in Geldfragen. Produktempfehlungen, konkrete Handelsstrategien und Patentrezepte werden Sie in diesem Buch vergeblich suchen. Die beiden Autoren möchten erreichen, dass Sie über Geld und Ihre Finanzen nachdenken. Andere Rezensenten finden das enttäuschend, ich finde es gut, dass Körner und Czajkowski "nur" die grundlegenden Prinzipien erläutern, die teilweise schon banal wirken (geordnete Finanzen sind die Basis für den Vermögensaufbau) und ansonsten von Ihnen als Leser verlangen, selbst über Geld nachzudenken und zu reden.
Geldthemen sind nicht schwierig, aber oft mühsam, deshalb reden die meisten Menschen nicht so gerne über Geld. Bei diesem mühsamen Prozess der Selbsterkenntnis möchten Ihnen die Autoren helfen, aber gehen müssen Sie diesen Weg schon selbst.

Herr Kröner hat mit der DAB und der Fidor Bank zwei Direktbanken gegründet. Er streut immer wieder Anekdoten ein, wie er von traditionellen Bankern als Spalter und Provisionskiller angefeindet wurde. Das Buch endet mit dem Kapitel: "Der Weg, es selbst besser zu machen ‒ wie ein individuelles Wertpapier-Depot entsteht". Hier geht es darum, wie man ein Depot sinnvoll bestückt. Kritik: Für meinen Geschmack wird das Thema Social Media überbewertet. Aber wer nicht will, muss seine Zeit ja nicht mit der Community verbringen. Und ja, die Fidor Bank ist bestimmt eine tolle Bank, aber das hätte man auch zwei-, dreimal weniger erwähnen können. Dass auf der Seite 126 unter "empfehlenswerte Finanzforen" die Fidor-Community gelistet wird, geschenkt. Aber was gutefrage.net und Wallstreet Online dort verloren haben, ist mir schleierhaft, zumal das Wertpapier-Forum fehlt. Bonus: Zu jedem Kapitel gibt es ein Video. Da können Sie sich Herrn Kröner mal anschauen. Er ist definitiv der Lebhaftere. Herr Czajkowski beschränkt sich meist aufs Kompetent-Gucken. Zur YouTube-Playliste. Fazit: Die Substanz stimmt, das Buch ist mit Herzblut geschrieben und die Kritik kann man weggoogeln. Der Analyst sagt: Kaufempfehlung.

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Jetzt rocke ich meine Finanzen selbst!

Daniel Korth

Mein Podcast-Kumpan Daniel (Finanzrocker) Korth hat sein erstes Buch veröffentlicht.
Ein klassisches Damaskus-Erlebnis: Daniel schreibt, wie er vom finanziellen Nullchecker zum Finanzrocker wurde. Sehr ermutigend, denn dieses Buch zeigt: Man kann sich das alles selbst beibringen, und es ist auch nicht so schwer.
Seine finanzielle Bildung war nicht besonders ausgeprägt. Er hatte weder Interesse an der noch Wissen über die Vermögensbildung, sondern hat sein Geld "Profis" anvertraut. Erst nachdem er fast die Hälfte seines Vermögens an die provisionsgetriebenen Anlageverkäufer verloren hatte, fing er an, eigenständig ein Vermögen zu bilden. Seit dem klappt’s auch mit den Finanzen.
Daniel startet bei "seinem Verhältnis zum Geld", erzählt, wie ihn sein Erbe von 40.000 Euro komplett überforderte, stopft dann diverse Versorgungslücken und geht anschließend an die Börse.
Jedes Kapitel schließt der Rocker mit dem Soundcheck ab. Er listet die Learnings des Kapitels kurz und knapp auf und sagt, was zu tun ist.
Fazit: Ein locker und kompetent geschriebenes Buch, von dem jeder Anfänger profitiert. Die 79 Seiten sind schnell gelesen, und dann weiß man als junger Mensch, was zu tun ist. In diesem Buch geht es um die 20 % an finanzieller Bildung, die man braucht, um in 80 % der Fälle das Richtige zu tun.

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Kaufen oder mieten? Wie Sie für sich die richtige Entscheidung treffen

Gerd Kommer

Der Kauf einer Immobilie ist für die meisten Menschen die größte Investition ihres Lebens. Kommer räumt mit den gängigen Mythen auf (eine Immobilie ist eine Geldanlage) und zeigt, worauf Sie beim Immo-Kauf achten sollten. Dieses Buch ist nicht Anti-Immo, wie man manchmal lesen kann. Der Autor will nur, dass Sie sich aus den richtigen Gründen für eine Immobilie entscheiden. Deshalb rechnet er vor, dass es in den vergangenen 50 Jahren vom finanziellen Standpunkt aus bessere Investitionsmöglichkeiten gegeben hätte. Aber er sieht das Eigenheim in seiner Dualität: Investment und Lebensstilentscheidung, beide sind untrennbar miteinander verknüpft. Wer sich für ein Häuschen im Grünen entscheidet, soll das tun, aber nicht denken, er hätte automatisch eine profitable Investition gemacht. Herr Kommer stellt die zwanzig größten Mythen über Kauf oder Miete vor und entlarvt damit so manches Makler Blah-Blah.
Im Kapitel "Was uns die Immobilienbranche verschweigt" untersucht der Autor die historischen Renditen von Immobilien in den letzten 100 Jahren, die sehr ernüchternd ausfallen.
Kommer zeigt fundiert und verständlich auf, welche Auswirkungen Inflation, Kreditfinanzierung, Nebenkosten, Instandhaltungen und Wertsteigerungen auf die zu erwartende Gesamtrendite haben.
Dann berechnet er, welche Kosten bei einem Mieter anfallen würden, beziehungsweise welche Beträge diesem für die Geldanlage zur Verfügung ständen. Es folgen nachvollziehbare konkrete Vergleichsberechnungen, wobei als Alternative jeweils die Wohnung zur Miete und die gleichzeitige Anlage in verschiedene alternative Vermögensklassen herangezogen werden.
Konkrete Infos für Immobilienkäufer gibt es im Kapitel "Expertenrat für Ihren Immobilienkauf und dessen Finanzierung". Die Fragen wie viel Eigenkapital ist sinnvoll, was ist die beste Zinsbindungsdauer und lohnt sich ein Bausparvertrag, werden ‒ unter anderem ‒ in diesem Kapitel besprochen. Ich empfehle dieses Buch, weil Herr Kommer nicht einfach Vermutungen anstellt, sondern anhand von Vergangenheitsdaten detaillierte Berechnungen präsentiert, wie sich ganz real in Deutschland und anderen Industrieländern Eigenheime und Eigentumswohnungen gerechnet haben, und die Entscheidung dann dem Leser überlässt.

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Investing Without Wall Street: The Five Essentials of Financial Freedom

Sheldon Jacobs

Sheldon Jacobs gründete 1979 einen Newsletter, der sich nur mit Fonds beschäftigte. Dieses - kurz vor seinem Tod geschriebene - Buch ist sein Vermächtnis. Hier hat Mr. Jacobs die fünf Punkte zusammengefaßt, die ein erfolgreicher Selbstentscheider beachten muß.

  1. Die richtigen Anlageklassen wählen und im passenden Verhältnis mischen
  2. Innerhalb der Anlageklassen korrekt diversifizieren
  3. Das Risiko verstehen und kontrollieren
  4. Kosten runter
  5. Die richtige Medien-Diät halten. Es ist wenig sinnvoll, der hysterisierenden Mainstream-Presse zu folgen.

Im zweiten Teil zeigt der Autor, wie Sie diese fünf Punkte in die Praxis umsetzen. Wie es sich für ein Alterswerk gehört, tut er das in weisen und einfachen Worten. Er will niemanden mehr beeindrucken, sondern verstanden werden. Im dritten Teil macht Sheldon Sie zum "Geld-Spezi". In den letzten sieben Kapiteln beschäftigt er sich mit Themen wie Integrität (bzw. dem Mangel der selben), der Sinnhaftigkeit von Sammelei (ich lege mein Geld in Whisky und Ü-Eiern an) und Frauen & Finanzen.
Fazit: Wollten Sie nicht schon immer mal ihr Englisch auf Vordermann bringen? Kombinieren Sie das Nützliche mit dem noch Nützlicheren und lesen Sie dieses in gut verständlichem Englisch geschriebene Einsteigerbuch. Das Buch wird seinem Untertitel "The five essentials of financial freedom" gerecht.

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Die intelligente Asset Allocation: Wie man profitable und abgesicherte Portfolios erstellt

William Bernstein

Dieses Buch baut auf Grahams Buch "The Intelligent Investor" auf. Der Autor ist der angelsächsischen Lehrtradition verpflichtet. Es gibt viel Mathe, aber eine klare Ausdrucksweise und viele sehr anschauliche Beispiele machen das Buch trotzdem verständlich. Ziel des Buches ist es zu zeigen, wie man seine Anlageklassen kombinieren muss, um das Portfolio auf ein bestimmtes Risiko einzustellen. Die dabei gewonnen Erkenntnisse sind zeitlos und werden vom reichen aber etwas exzentrischen Onkel Fred vermittelt. Dieser Onkel sorgt dafür, dass die Mathematik real wird.
Der Autor arbeitet sich durch jede Menge Assetklassen (Aktien kleiner, bzw. großer Firmen, inländische versus auslädische Aktien, kurzlaufende Anleihen, langlaufende Anleihen) und zeigt, wie sie mit einander korrelieren. Immer auf der Suche nach der optimalen Asset-Mischung. Im achten und letzten Kapitel geht Mr. Bernstein darauf ein, wie man denn nun ein sinnvolles Portfolio in der Praxis aufbaut.
Meine Empfehlung: Ingenieure und Naturwissenschaftler werden das Buch lieben, alle anderen suchen sich lieber ein anderes Werk.

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Börsenpsychologie

Narren des Zufalls: Die unterschätzte Rolle des Zufalls in unserem Leben

Nassim Nicholas Taleb

Ich empfehle hier ein aus dem "Bauch heraus geschriebenes Essay", dass zum "Spaß geschrieben" wurde und "zum und mit Vergnügen gelesen werden sollte" ‒ soweit der Autor im Vorwort.
Erwarten Sie also keine wissenschaftliche Lektüre, sondern den wilden Ritt eines Levantiners quer durch den Börsensaal. Taleb hat die Mathematik, die Psychologie, levantinische Lebensweisheiten und auch philosophische Erkenntnisse im Gepäck.
Taleb will mit seinem Buch vermitteln, wie sehr wir die Rolle des Zufalls unterschätzen. Die meisten gefeierten Börsenstars waren einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mit Kompetenz hat ihr Erfolg nichts zu tun. Taleb geht sehr scharf ins Gericht mit denen, die glauben, sie könnten den Zufall berechnen und so austricksen (die ganzen Risiko-Manager). Er zeigt an vielen Beispielen, dass wir uns sehr oft nicht rational verhalten, wenn wir unter Unsicherheit entscheiden müssen. Vor allem haben wir immer wieder Schwierigkeiten, wenn es darum geht, Wahrscheinlichkeiten zu verstehen.
Was ich sympathisch finde: Er nimmt sich selbst nicht aus: "Ich bin gerade intelligent genug, um zu verstehen, dass ich dazu neige, mich vom Zufall an der Nase herumführen zu lassen." Mit anderen Worten: Wir sind alle Narren des Zufalls und können recht wenig dagegen tun.
Aber: Der Zufall muss ja nun nicht unbedingt immer negativ sein. Deshalb ein versöhnliches Schlusswort: "Glück ist demokratisch und kann jeden treffen".

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Genial einfach entscheiden: Besser denken, handeln und investieren im täglichen Entscheidungsdschungel

Christin Stock, Joachim Goldberg

Nicht nur an der Börse, dort aber besonders, macht uns unser Gehirn, dieser verlogene und steinzeitlich-korrupte Geselle, das moderne Leben schwer. Christin Stock und Joachim Goldberg verabschieden sich vom stets rationalen Homo oeconomicus und schauen börsenpsychologisch auf das Tier im Menschen.
Wir lernen, warum wir als Menschen harmoniesüchtig und kontrollwütig sind und warum wir die meiste Zeit auf Autopilot laufen. Ohne Schubladendenken und Vorurteile würden wird nicht durchs Leben kommen.
Besonders teuflisch: Wir bewerten Dinge nicht nach einem absoluten, sondern nach einem relativen Maßstab. Eine Auswirkung dieser Denke: Wir bewerten Verluste und Gewinne in identischer Höhe vollkommen unterschiedlich.
Im Kapitel "Nicht immer war die Schlange schuld" geht es um die moralische Komponente. Wann und warum kommen Menschen vom rechten Weg ab und was kann man dagegen tun (außer drakonische Strafen zu verhängen)?
Im Abschlusskapitel führen die beiden Autoren alle Erkenntnisse zusammen und zeigen, wie man als "Bauchentscheider mit Köpfchen" als Privatanleger seine Geldgeschäfte (egal ob an der Börse oder nicht) erfolgreich managt.
Mein Fazit: Wenn an der Börse sowieso 90 % Psychologie ist, warum dann nicht mit einem flott geschriebenen Buch über Behavioral Finance anfangen.

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Where Are the Customers' Yachts?: or A Good Hard Look at Wall Street (Wiley Investment Classic Series)

Fred Schwed Jr.

Wer den Stil des Finanzwesirs mag, wird auch dieses Buch lieben. Mit fröhlicher Bosheit zerrupft Mr. Schwed die ganzen Mythen über mehrwissende Finanzprofis, aufgeblasene Banker und die Art und Weise, wie an der Wall Street "Geld gemacht" wird.
Der Buchtitel kondensiert im Haiku-Stil die Essenz des Buches.
Ein Landei kommt nach New York. Er wird herumgeführt, und irgendwann landet man auch im Hafen. Er fragt, wem denn die ganzen tollen Jachten gehören, und bekommt zur Antwort: "Die gehören Bankern, Fonds-Managern und Wall-Street-Tradern". Seine naive Frage "Where are the customers‘ yachts?" geht im schallenden Gelächter der New Yorker unter.
Fazit: Seit 1940 nichts Neues an der Finanzfront. All das, was Mr. Schwed in seinem Buch beschreibt, kennen wir auch heute. Ein echter Klassiker mit einem kleinen Wermutstropfen: Da das Buch zu einem guten Teil von seinem Sprachwitz lebt, sollten Sie das englische Original lesen. "Where are the customers‘ yachts" ist kein Fachbuch, sondern ein spitzzüngiges Sittengemälde der Finanzindustrie. Finanzwesir-Style eben.

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Philosophie

Antifragilität ‒ Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen

Nassim Nicholas Taleb

Die Kernaussage des Buches: „Für Zufälligkeiten, Ungewissheit und Chaos gilt dasselbe: Ich will von ihnen profitieren und mich nicht vor ihnen verstecken.“ Wie kann ich das erreichen?
Indem ich es aufgebe, die Zukunft festzuzurren. Wir sollen keine langfristigen Pläne am grünen Tisch machen, sondern uns durch "Bastelei" iterativ dem besten Ergebnis nähern. Laut Taleb ist eine Serie von kleinen Fehlern die beste Methode, um ein großes Desaster zu verhindern.
Fehler, Rückschläge, Zufall und Unordnung sind für unsere Entwicklung extrem wichtig.
Ist das nicht das bekannte: "Was mich nicht umbringt, macht mich stärker"?
Genau! Laut Taleb brauchen wir keine komplexen Erklärungen, um unsere komplexe Welt zu verstehen. Eine Handvoll einfacher Heuristiken und Leitsätze seien viel besser.
Wir brauchen weder einen großen Plan noch perfekte Prognosen. Lernen und Entwicklung laufen besser nach Versuch und Irrtum ab. Ganz zentral für Taleb: Wir sollen prüfen, wie anfällig unser Leben/unsere finanzielle Situation für Zufälle ist und dabei unser Verständnis nichtlinearer Effekte verbessern.
Was ist ein nichtlinearer Effekt?
Nehmen Sie eine Kaffeetasse und klopfen Sie fünf Mal mit ihr auf den Tisch. Was passiert? Nichts, die Tasse bleibt heil. Hauen Sie die Tasse jetzt einmal mit der fünffachen Kraft auf den Tisch. Was passiert? Die Tasse zerspringt in ein Dutzend Teile.
Das ist Nichtlinearität. Ursache und Wirkung hängen nicht linear voneinander ab. Laut Taleb sollten Sie Ihr Leben so einrichten, dass Sie von einem kräftigen Rumms auf den Kaffeetisch profitieren und nicht zerspringen.
Taleb sagt: Probier’s aus, mach kleine Fehler und habe das Selbstvertrauen, dass diese Fehler und der damit verbundene Stress deiner Entwicklung förderlich sind. Das gefällt mir als altem Start-up-Menschen, und deshalb empfehle ich dieses Buch.

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Die Ökonomie von Gut und Böse

Tomas Sedlacek

Jahrhundertelang lebte die Ökonomie "ganz zufrieden im Schoße der Philosophie". Irgendwann wollte sie dann aber dahin, wo die Natur- und Ingenieurwissenschaften leben und verkaufte dafür ihre Seele. Sie durfte nun die Mathematik benutzen und blickte voller Verachtung auf die "weichen", nicht exakten Wissenschaften herab.
Der Autor führt die Ökonomie wieder dahin, wo sie hingehört ‒ zu den Geisteswissenschaften. Die "Ökonomie von Gut und Böse" ist ein reines Philosophiebuch. Ein Flanieren durch die Menschheitsgeschichte und durchs Himmelreich.
Der Autor fängt beim 5.000 Jahre alten Gilgamesch-Epos an und arbeitet sich dann über den Talmud, die Bibel, die alten Griechen (Sokrates, Platon), den Moralphilosophen Adam Smith, Rene Descartes und Konsorten bis zur Finanzkrise 2009 vor.
Der Autor füllt knapp 450 Seiten mit Philosophie, Religion, Moral und Geschichte. Sie werden nichts Nutzwertiges finden. Keinen einzigen heißen Aktientipp, keine Top-Liste à la "Das Sokrates-Prinzip: 7 Tricks, die Sie kennen müssen". Der Autor geht der Frage nach: Was treibt den Menschen an bei seinen ökonomischen Entscheidungen?
Warum geben wir Trinkgeld, obwohl wir auf der Durchreise sind und dort nie mehr einkehren werden? Warum helfen wir jemandem ohne Gegenleistung? Warum sind die Dinge am wertvollsten, die man nicht kaufen kann? Warum sind Sie beleidigt, wenn ich Ihnen für Ihre Hilfe beim Umzug 20 € in die Hand drücken will, aber ein Bier plus Schnittchen im Wert von 5 € sind als Dankeschön ok?
Als vor 500.000 Jahren der erste Homo heidelbergensis den Deal Fleisch gegen Faustkeil vorschlug, begann das Wirtschaften. Seit dieser Zeit schlagen wir uns mit der Frage: "War das jetzt Gut oder Böse?" herum.
Ich empfehle dieses Buch allen, die einen Autor schätzen, der verschiedene methodische Ansätze verknüpft und sehr breit denkt. Und die bereit sind, beim Lesen "die Ärmel hochzukrempeln". Das Buch ist gut geschrieben, verlangt aber vom Leser Konzentration und den Willen mitzudenken.

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Die Schuld der Ökonomen

Frank Riedel

Die Finanzmathematik ist eine der größten wissenschaftlichen Errungenschaften der letzten 70 Jahre. Richtig erklärt, ist sie weder mystisch noch kompliziert.
Finanzmathematik und falsche Regulierung sind brandgefährlich, Marktmacht und Finanzmathematik zusammen führen direkt in die Katastrophe. Der Autor ist Professor an der Uni Bielefeld und zeigt, wie falsch angewandte Mathematik in die Krise führt. 200 Seiten interessant und verständlich geschrieben, gewürzt mit der einen oder anderen Anekdote helfen die Rolle der Mathematik in dem ganzen Schlamassel besser zu verstehen.
Grundsätzlich sehr hilfreich und brauchbar wurde die Finanzmathematik soweit überdehnt und auf Dinge angewendet, zu denen sie nichts zu sagen hatte.
Ziatat:

"Wenn Sie ein komplexes Versicherungsproblem haben, kann die Finanzmathematik sehr gut versichern. Falls Sie kein Versicherungsproblem haben und einfach nur Geld verdienen wollen, kann Mathematik nicht helfen."

Eine unheilige Allianz aus theoretischen Wissenschaftlern (wir stellen nur die Werkzeuge zur Verfügung), dummen Chefs (verschont mich mit den Details), gierigen Tradern (ich will meinen Bonus) und unfähigen Regulierern (rein politische Entscheidungen reichen nicht immer aus, ab und zu ist eine Prise Fachkenntnis ganz hilfreich) führte uns in die Subprime- und Griechenlandkrise.
Besonderes Husarenstückchen ist die Kennzahl Value at Risk, VaR (wieviel Geld ist im Risiko): Diese Zahl soll das Risiko erfaßbar und damit behrschbar machen, statt dessen befördert und belohnt VaR riskantes Verhalten, da sie den Bock zum Gärtner macht. Banken dürfen das Risikoniveau und die damit verbundenen Wahrscheinlichkeiten selbst bestimmen.
Wer soll das Buch lesen? Leute, die bereit sind sich auf ein zwar gut lesbares aber nicht einfach zu lesendes Buch (dazu ist der behandelte Stoff zu komplex) einzulassen. Der Lohn: Eine fundierte Erklärung, warum die Finanzmärkte so funktionieren, wie sie funktionieren.

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Unter Bankern - eine Spezies wird besichtigt

Joris Luyendijk

Was macht ein Ethnologe, der die Sitten und Gebräuche eines unbekannten Stammes kennenlernen möchte? Er bewirbt sich um Aufnahme in den Stamm. genau das hat Joris Luyendijk getan. Der niederländische Journalist ist nach Lodon gezogen, um in der Londoner City für den Guardian den Stamm der Banker zu erforschen.
Er wollte wissen: Wie ticken die Banker, was treibt sie an, wovor haben sie Angst, was sind die Tabus, welche Fetische beten sie an?
Also hat er sich angepirscht, auf seinem Blog provokanten Thesen als Leimruten ausgelegt und dann die Banker in den Kommentaren in eine Diskussion verwickelt. Sein Ziel. So vertrauenserweckend zu wirken, dass er ein echtes Live-Date bekommt.
Denn das war seine erste Erkenntnis: Einen Banker ohne PR-Wau-Wau zu sprechen ist unmöglich. Also hat Herr Luyendijk sich per E-Mail zu konspirativen Gesprächen verabredet und seine Gesprächspartner dann in kleinen Cafes oder Dönerbuden getroffen. Seine Gesprächspartner wollten dabei immer den Eingang im Auge behalten. Peinlich, peinlich, wenn plötzlich ein Kollege auftauchen würde.
Eine weitere ethnologische Erkenntnis: Es gibt ihn nicht, den Banker. Es gibt Trader, Risiko_Manager, PR-Leute, die Vertreter der Compliance, Produktdesigner, Juristen… Die Bankenwelt ist vielgestaltig und jeder trägt auf seine Art und Weise zum Chaos bei. Aber schuldig ist eigentlich keiner. Ja, manchmal werden Gesetze etwas zu sehr gedehnt, aber Schuld im Sinne der griechischen Tragödie, das gibt es nicht. Die Finanzwelt ist vollkommen amoralisch. Begriffe wie Schuld und Sühne finden in diesem Koordinatensystem einfach nicht statt.
Das System ist, wie es ist und Caveat emptor (lateinisch "Möge der Käufer sich in Acht nehmen") ist der Rechtsgrundsatz nach dem es funktioniert.
Dieses Buch verbindet die besten Elemente des Journalismus (erzähle eine spannende Geschichte) mit dem Besten aus den Naturwissenschaften (gehe unideologisch an die Fakten heran).
Wenn Sie sich für ein ehrliches und realistisches Sittengemälde des modernen Bankwesens interessieren: Lesen Sie dieses Buch.

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Superforcasting

Dan Gardner

Untertitel: "Die Kunst der richtigen Prognose" und von Daniel Kahneman als "Handbuch für klares Denken" geadelt. Philip Tetlock und Dan Gardner zeigen, dass gute Prognosen kein Hexenwerk sind, sondern Handwerk, dass jeder erlernen kann.
Was man dazu braucht: Nicht viel. Sie müssen vielseitig interessiert sein, dürfen nicht ideologisch verblendet sein, ein bisschen Demut schadet auch nicht und natürlich sollten Sie jederzeit bereit sein, Ihre Prognose an die aktuelle Faktenlage anzupassen.
Damit ist schon mal klar, warum die ganzen Prognoseprofis so eine lausige Performance abliefern. Wenn das Parteibuch die Prognose bestimmt geht das selten gut.
Was haben die Autoren auf gut 300 Seiten zu bieten?

  1. Wählen Sie geeignete Fragen. Verschwenden Sie Ihre Zeit nicht mit Trivialitäten (soll der Schwellenlandanteil bei 25% oder bei 30% liegen) oder auf Fragen, die sich selbst mit komplexen statistischen Funktionen nicht beantworten lassen (wie werde ich in 40 Jahren entsparen).
  2. Zerkleinern Sie "unlösbare" Probleme so lange, bis die Brösel lösbar werden.
  3. Nichts ist wirklich einmalig auf dieser Welt. Superprognostiker erkennen Parallelen zwischen der Jagd auf Topterroristen und der griechischen Finanzkrise und wenden die Jagd-Erkenntnisse an, um den Kurs griechische Staatsanleihen zu prognostizieren.
  4. Aktualisieren Sie Ihre Prognose und gewichten Sie dabei die Fakten neu. Gute Aktualisierungen sind nicht einfach zu haben. Sie müssen aus dem ganzen Rauschen der Nachrichten die relevanten Signale herausfiltern und dabei gleichzeitig dem eigenen Wunschdenken widerstehen nur das zu hören, was Ihnen in den Kram passt.
  5. Seien Sie Ihr eigener Advocatus diaboli. Wenn Sie als überzeugter Pazifist nicht an den Sinn von Militäreinsätzen glauben, müssen Sie trotzdem die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass ein kraftvoller Militäreinsatz in Syrien sinnvoll sein könnte.
  6. Stufen Sie die Wahrscheinlichkeiten ab, aber bewahren Sie Augenmaß. Manche Wahrscheinlichkeiten lassen sich auf plus minus 5 Prozent schätzen, andere dagegen nur über den dicken Daumen. In der "Dicke-Daumen"-Klasse brauchen Sie keine Nachkommastellen.
  7. Finden sie die die Balance zwischen einem (zu) schnellen Urteil und ewiger Zauderei.
  8. Fehlprognose? Macht nichts. Arbeiten Sie den Fehler auf, aber hüten Sie sich vor dem Rückschaufehler.
  9. Arbeiten Sie im Team. Zwei Prognostiker, die gut zusammenarbeiten können zu Superprognostikern werden, deren Erfolgsquote signifikant über der Quote eines Einzelkämpfers liegt.
  10. Übung macht den Meister. Fangen Sie mit Ihrer Orakel-Karriere heute an. Die Praxis entscheidet, ob man ein guter Prognostiker wird.

Fazit: Wenn Sie ernsthaft in das aktive Aktiengeschäft einsteigen wollen, brauchen Sie dieses Buch. Entscheiden Sie nach der Lektüre, ob der mögliche Erfolg den Aufwand lohnt. Denn Prognose ist Handwerk und Handwerk macht Arbeit.

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