09. September 2014


Smart-Beta-ETFs: Das Trojaner-Problem

Leider sind ETFs auch nicht mehr das, was sie mal waren. Wie jede Industrie versucht auch die Finanzindustrie, jeden Trend maximal auszubeuten. Zum einen, um möglichst viel Umsatz zu generieren und zum anderen, um der Konkurrenz Paroli zu bieten.
Kennt man ja vom Kaufmann: Henkel will möglichst viele Regalmeter belegen. Deshalb bieten sie nicht nur Vollwaschmittel, sondern Waschmittel für Schwarzes, Buntes, Wolle und Feines sowie Waschmittel für 30 °C, 40 °C und 60 °C an. Und das ganze als Pulver und in flüssig. Damit ist das Regal voll und die Konkurrenz verdrängt.
Die ETF-Industrie macht es nicht anders. Irgendwo wird eine neue Investmentstrategie ausgerufen, zack gibt‘s den passenden Smart-Beta-ETF dazu. Keine Nische ist zu klein, um nicht mit einem ETF bedacht zu werden.
Der First Trust NASDAQ CEA Smartphone Index spezialisiert sich auf die Smartphone-Branche und der Nashville-ETF investiert nur in Firmen aus Nashville, Tennessee. So geht das endlos weiter. Als besonders verkaufsfördernd haben sich die Label "Smart Beta" und "Alternative Beta" erwiesen.

Das Trojaner-Problem

Dieser Konkurrenzdruck und die Tatsache, dass das aktive Fonds-Management in den letzten Jahren viel Prügel bezogen hat, "Zu teuer, unterirdische Performance", bringt die Finanzindustrie nun dazu, jedem Fonds, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, das Label "ETF" anzuhängen. ETFs werden in der Presse gelobt und genießen deshalb beim Publikum einen Vertrauensvorschuss.
Das erleichtert den Verkauf. Wenn man genau hinschaut, erkennt man: Smart-Beta-ETFs sind keine ETFs, sondern Trojaner.

Rekapitulation: Was war noch mal der Sinn von ETFs?

Um nicht in diesen Strudel aus neuen Produkten hineingerissen zu werden, hilft es, einmal zurückzutreten und sich darüber klar zu werden:

ETFs haben keinen Wert an sich, sondern sind Bausteine einer Strategie

Ich muss mir das auch immer wieder vor Augen halten, denn die tollen neuen ETFs schillern sehr verführerisch.

Da gibt es den Direxion iBillionaire Index ETF, der die Engagements von Finanzgrößen wie Warren Buffett, Carl Icahn, George Soros oder David Einhorn nachäfft.
Frauenpower gibt‘s im Pax Ellevate Global Women’s Index Fund. Dieser ETF investiert nur in Firmen, bei denen besonders viele Frauen in Führungspositionen sitzen.
Bei knapp 1.300 ETFs muss man sich eben etwas einfallen lassen, um das werte Publikum zu beeindrucken.

Persönliche Meinung: Der ETF-Markt ist produktmäßig ausgereizt. Alle für Privatanleger sinnvollen Produkte sind zu vernünftigen Kosten erhältlich. Jetzt kommt die Zeit der Sumpfblüten-ETFs.

So ist‘s richtig

Erst kommt die Anlagepolitik und dann die konkrete Produktauswahl. Das Problem: Die Anlagepolitik ist ein graues Mäuslein. Die Anlagepolitik sitzt still und schüchtern im Hintergrund auf ihrem Stuhl und wartet darauf, angesprochen zu werden.
Die Produkte dagegen sind heiße Feger (oder charmante Gigolos für die Leserinnen dieses Blogs). Die Produkte sehen sehr gut aus und umgarnen uns aktiv: "Hallo Süßer, wie wär‘s mit uns?".
Wer kann da schon widerstehen? Und schon ist wieder ein Produkt ins Depot gehüpft, das man da eigentlich gar nicht drin haben wollte.
Die Anlagepolitik sieht‘s und seufzt.

Wie lautet die Strategie?

Die strategische Entscheidung heißt: Indexing, also das passive Abbilden eines marktbreiten Index. Verschiedene Indizes in unterschiedlicher Gewichtung bilden dann das eigene Portfolio.
Um diese Strategie umzusetzen, braucht man Indexfonds. Indexfonds gibt es in zwei Varianten

  1. ETF = börsengehandelte Indexfonds
  2. klassischer Fonds, der von der Fondsgesellschaft ausgegeben und zurückgenommen wird.

ETFs haben sich auf dem deutschen Markt durchgesetzt, da sie kostengünstig sind und man sie jederzeit handeln kann.
Das bedeutet aber nicht, dass die ETFs jetzt frech werden dürfen. Sie sind nach wie vor nur Mittel zum Zweck. Zuerst kommt der Index (strategische Entscheidung), dann kommt die Auswahl des ETFs (taktische Entscheidung).

Auf welchen Index soll ich bauen?

Sinnvoll sind nur marktbreite Indizes, die mehrere Hundert Firmen umfassen.

Persönliche Meinung: Jeden Index, der weniger als 100 Positionen umfasst, sortiere ich aus.

Warum? Weil es beim Indexing darum geht "den Markt zu kaufen". Ich als Anleger will die Marktperformance abzüglich Kosten erwirtschaften.
"Der Markt", das sind alle Transaktionen. Alle Käufe und Verkäufe zählen. Dabei ist es unerheblich, ob ein großes Paket Coca-Cola-Aktien den Besitzer wechselt oder einige Aktien der Mini AG gehandelt werden.
Ein Index, der nicht mindestens 85 % der Transaktionen dieses Marktes abbildet, repräsentiert diesen Markt nicht und ist deshalb nicht geeignet, die Strategie des passiven Indexing umzusetzen.

Typische Vertreter sind die Indizes:

  • MSCI World
  • MSCI Emerging Markets (Schwellenländer)
  • MSCI ACWI (World plus EM)
  • S&P 500 (US Standardaktien)
  • Stoxx Europe 600 (europäische Aktien)
  • Nikkei 225 (japanische Aktien)
  • Für Nebenwerte: MSCI Small Cap USA, S&P SmallCap 600, Russel 2000

Das bedeutet: Gut 80 % der angebotenen Aktien-ETFs sind für ein passives Investment nicht zu gebrauchen.

Die Trojaner-ETFs: Auf welche ETFs sollte ich besser verzichten?

Strategie-ETFs, auch Smart-Beta-ETFs genannt

Egal, ob Hedge-Fonds, Minimum-Varianz-Strategie oder Volatilitätsindex: Diese ETF setzen eine aktive Strategie um. Mit einem klassisch-passiven Ansatz hat das nichts mehr zu tun.
Ist das schlecht?
Nein. Nicht, wenn man sich

  • zum einen bewusst für eine bestimmte Strategie entschieden hat und sich
  • zum anderen bewusst für ETFs als Vehikel entschieden hat, um diese Strategie umzusetzen.

Smart-Beta-Strategien bieten Ihnen die Möglichkeit, bestimmte Risikofaktoren wie beispielsweise Volatilität oder Währungsschwankungen gezielt zu steuern. Das bedeutet: Sie müssen wissen, was Sie steuern wollen und wohin Sie es steuern wollen.
Außerdem sollten Sie beurteilen können, ob Smart-Beta-Selektionskriterien wie die Höhe der Dividendenausschüttungen oder die Korrelation der Titel untereinander für Sie persönlich sinnvoll sind.
Mit anderen Worten: Sie sind aufgerufen, sich die Gedanken eines aktiven Anlegers zu machen.

Der Geburtsfehler der Smart-Beta-ETFs

Ein Smart-Beta-ETF ist ein aktives Produkt, das in einer Zwangsjacke namens Index steckt. Auch ein "alternativer" Index ist ein Index, und diesem Index hat der ETF zu folgen. Das Management kann nicht eigenständig die verschiedenen Risikofaktoren neu gewichten, sondern hat sich sklavisch an den Index zu halten.
Was soll das? Entweder ich glaube an die Überlegenheit meines Fonds-Managers, dann lasse ich ihm freie Hand und erwarte von ihm, dass er die ausgetretenen Pfade verlässt, die Trüffel im Unterholz findet und mein Geld möglichst indexfern anlegt. Oder ich glaube nicht an seine Überlegenheit, dann eliminiere ich ihn ganz und lege im indexbreiten Standard an. Aber ich kette mein Trüffelschwein doch nicht an und beschwere mich dann, dass es nichts findet.
Im übrigen frage ich Sie: Wie intelligent ist es zu glauben, dass ein allgemein bekannter Index den Markt langfristig schlägt?

Dazu kommt: Smart Beta ist teuer. Nehmen wir den S&P500-Index als Beispiel:

Der smarte db x-trackers S&P 500 Equal Weight ETF (WKN DBX0KM) hat eine Kostenquote von 0,3 %.
Der 08/15-ETF von der UBS, der S&P 500 SF ETF (WKN A1CTPT) hat eine TER von 0,05 %.
Das bedeutet: Smart Beta ist 600 Prozent teurer als das Standardprodukt. Dieser Kostenunterschied ist Ihnen sicher, ob die Performance genauso abhebt wie die Kosten, muss die Zukunft erst noch zeigen. Der smarte ETF wurde am 16. November 2011 aufgelegt, er ist damit gerade mal gut drei Jahre alt. Zu früh für eine abschließende Beurteilung der Intelligenz. Wir sehen uns dann nach der Pubertät in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts wieder.

Kastrierte ETFs

Damit sind schwankungsberuhigte und währungsabgesicherte ETFs gemeint.
Diese sedierten ETFs sind nicht empfehlenswert. Sie konterkarieren die passive Idee und produzieren nur unnötige Kosten. Die Banken lassen sich den Mehraufwand natürlich bezahlen.

Aktienmärkte schwanken nun einmal. Das ist ganz normal und liegt in der Natur der Sache. Schwellenmärkte schwanken stärker als die Märkte der entwickelten Nationen. Die Aktien kleiner Firmen schwanken stärker als die Aktien der Dickschiffe.
Niemand würde auf die Idee kommen, ein Boot auf hoher See fest zu verankern, wenn ein Sturm kommt. Die Besatzung ist viel sicherer, wenn das Schiff frei über die Wellen reiten kann.

Ein entfesselter ETF bringt langfristig die besten Ergebnisse. Nicht nur, weil die Kosten gering sind, sondern weil ein entfesselter ETF auch richtig Gas geben kann, wenn die Märkte steigen. Im Guten wie im Bösen: Er bildet den Markt ab.
Dieses "Verluste vermeiden" geht oft einher mit "bei Gewinnen nicht dabei sein". Verluste vermeiden ist das Verkaufsargument. Dass man bei den Gewinnen nicht dabei ist, fällt oft nicht auf, da man dazu die Performance des eigenen ETFs mit dem Standard-Index vergleichen müsste.

Nadelspitze Nischen-ETFs

Ein ETF, der so spitz ist, dass er die Nische in der Nische bedient, ist sinnlos. In diesem Fall sucht man sich die gewünschten Firmen heraus und legt sein Geld direkt an. Damit spart man sich die Verwaltungskosten des ETF und verliert nicht viel im Bereich Diversifikation.

Fazit

Auch für Finanzprodukte gilt:

  1. Immer das Unverfälschte kaufen.
  2. Die Dosis macht das Gift. Wenn 30 % Schwellenmärkte Ihnen zu riskant sind: Reduzieren Sie auf 20 % oder 10 %.

Ein echter Passiv-Anleger sucht sich den passenden Index heraus und nimmt dann den kostengünstigsten ETF, den er finden kann. Dieser ETF wird dann auf etwaige Steuerprobleme geprüft und ob die Konstruktion gefällt (replizierend oder swappend). Wenn es da Probleme gibt, nimmt man den nächst teureren ETF.

Lassen Sie sich nichts aufschwatzen, was Sie nicht brauchen. Die meisten Spezial-ETFs spielen mit der Angst oder der Gier der Anleger. Die Konstrukteure dieser ETFs versprechen entweder Sicherheit oder besonders gute Renditen. Das geht meist schief oder bringt zumindest nicht die gewünschte Überrendite.

(awa)

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Kommentare

Sebastian sagt am 05. Mai 2015

Hallo Finanzwesir,

ist aus deiner Sicht 0,3%-TER vergleichsweise teuer? Welche TER zahlst du für deine ishares Konfiguration?

Es gibt wohl leider für den S&P 500 viel günstigere ETF als für den MSCI World.

Grüße, Sebastian


Thomas sagt am 29. Dezember 2016

Die Frage von Sebastian würde mich auch interessieren. Wenn 0,3% schon teuer ist, dürfte man ja kaum einen marktbreiten ETF kaufen :-) Hier gibt es natürlich auch günstigere, aber z.B. der Ausschüttende auf den MSCI World von Ishares steht meines Wissens auch bei einer TER von 0,5%. Ich denke hier ging es nur um den Vergleich mit den Smart-Betas, aber vielleicht kann dies der Finanzwesir noch mal kurz klar stellen.


Sonny sagt am 24. März 2017

Liebe Community,

Ich schreibe aktuell meine Bachelorarbeit zum thema Smart Beta Strategien. Hauptsächlich werde ich mich auf die Equal weight, low volatility/minimum varianz und Dividendenstrategien beziehen.

Habt ihr diesbezüglich Vor- und Nachteile die Ihr mir nennen könnt ? Oder interessante Artikel die ihr empfehlen könnt?

Ich würde mich über jede Antwort freuen.

Vielen Dank


ChrisS sagt am 24. März 2017

@ Sonny

Wenn du für deine Bachelor-Arbeit ein paar seriöse Quellen willst (also jetzt weniger einfach so Blogposts von Laien), kannst du zum Beispiel bei den Anbietern von Smart Beta Indizes direkt einen guten Anfang finden. Die haben alle irgendwo eine Abteilung für publizierte research papers und entsprechende Studien, wo sie professionell darlegen was genau sie so tun und warum eigentlich (ist ja auch zu erwarten, wollen sie ja mit ihren Produkten hpts professionelle/institutionelle Investoren ansprechen).

Beispiel MSCI

https://www.msci.com/research-archive
dann einfach nach den entsprechenden Stichworten ("smart beta", "factor investing", etc und deine gewünschten Einzelfaktoren) suchen. Einen guten Einstieg ins Thema bietet beispielsweise die Reihe "Foundations of Factor Investing"

Weitere lesenswerte Sachen über Faktoren /Smart Beta werden zB auch von Research Affiliates (RAFI) und AQR Capital Management publiziert, etc. und viele andere, und natürlich kann man auch einfach die allgemeinen akademische Bibliotheken wie SSRN nach den gewünschten Stichworten durchsuchen und findet dort endlos Papers.

Ansonsten haja, deine Frage ist so allgemein formuliert dass ich auch nicht wüsste was ich noch selbst dazu groß schreiben soll (wenn ich mich hier jetzt ernsthaft mit den "Vor- und Nachteilen" verschiedener Faktorkonzepte in der nötigen Tiefe auseinandersetzen würde, käme dabei selbst schon ne Bachelorarbeit raus :-D )


Sonny sagt am 24. März 2017

@ChrisS

Vielen Dank schonmal für deinen Tipp. Werde mir die Sachen mal ansehen.
Mit Vor- und Nachteilen wollte ich nur einen Denkanstoß von euch um diesen weiter auszuarbeiten..


chaostrader sagt am 24. März 2017

Hallo Sonny,
Gary Antonacci hat in seinem Buch "Dual Momentum Investing" ein ganzes Kapitel über Smart Beta drin und nimmt das ziemlich auseinander, mit Schaubildern, Fußnoten, Literaturverweisen usw. Unbedingt mal reinschauen!
Im Prinzip wäre das schon fast eine Bachelorarbeit, wenn man die 10 Seiten noch etwas aufblähen würde.


ChrisS sagt am 24. März 2017

@ chaostrader / Sonny

wenn man schon ein richtiges eigenes Buch zu diesem ganzen speziellen Thema will, würde ich vor allem erst "Your Complete Guide to Factor-Based Investing" von Larry Swedroe empfehlen. Sehr gut verständliche Erklärungen über das was, wie, warum (und was man auch kritisch beachten muss) der verschiedenen tragfähigen Faktoransätze, entsprechende Quellen für weiter Interessierte, gut wenn man einen vollständigen Überblick in Buchform und eine seriöse Zusammenfassung von Vor- und Nachteilen der relevanten Konzepte haben will.

Ansonsten haja, Sonny, wenn dir das alles noch irgendwie zu allgemein ist, weiß ich ja auch nicht was du nun speziell besprochen haben willst. Wie willst du denn deine Bachelorarbeit überhaupt gestalten - einfach nur eine copypaste Wiederholung der Literatur bereits bekannter Erkenntnisse, oder hast du auch darüber hinaus noch eigene Ideen über die du forschen willst, zB eine bestimmte These, die es zu beweisen oder zu widerlegen gilt ?


Sonny sagt am 25. März 2017

@chaostrader

Vielen Dank für den Tipp. Habe die deutsche Version jetzt mal direkt bestellt. kostet leider aber 79 Euro. Hoffe es lohnt sich.

@ChrisS

gibt es die research papers auch auf deutsch?


ChrisS sagt am 27. März 2017

@ Sonny

"gibt es die research papers auch auf deutsch?"

Natürlich gibt es auch einige deutschsprachige Papers - aber da die meiste research nunmal aus Amerika kommt, findet sich in englisch ein viel größeres Angebot (erkennt man ja auch nicht zuletzt daran, dass die deutschen Autoren auch nur alle die relevanten englischen Originalquellen zitieren). Für jemanden, der den Anspruch hat eine akademische Arbeit im Bereich Finanzwirtschaft zu schreiben, sollten Englischkenntnisse ja keine Hindernisse, sondern Grundvoraussetzung sein :-)

"Habe die deutsche Version jetzt mal direkt bestellt. kostet leider aber 79 Euro. Hoffe es lohnt sich."

Mir ist nicht bekannt dass es überhaupt eine deutsche Ausgabe von "Dual Momentum Investing" gibt. Das Geld hättest du dir im Prinzip auch sparen können, da es alle Erkenntnisse (also über die DM-Investmentstrategie) auch frei verfügbar im Internet in den kostenlosen research papers von Antonacci (und anderen, die ähnliche Trendsysteme untersuchen) gibt, und es eigentlich ja garnicht dein Hauptthema (smart beta) betraf. Die wenigen 10 Seiten, wo er sich kritischer mit Faktoren auseinandersetzt, gibt es auch kostenlos schon auf seiner Seite:

http://www.dualmomentum.net/2016/09/factor-investing-buyer-beware.html

Ist im Endeffekt auch nichts allzu weltbewegendes, sondern weist nur darauf hin, dass es diverse vernünftige Einschränkungen gibt (stichworte: publication effect, limits to arbitrage, trade friction) warum man nicht erwarten sollte die Vergangenheitsergebnisse von akademischen Faktor-Untersuchungen auch im "praktischen" Live-Einsatz für die Zukunft so bekommen zu können, sondern lieber etwas herunterkorrigiert.


sonny sagt am 27. März 2017

@ChrisS

also meine Bachelorarbeit wird eine reine Literaturarbeit ohne jegliche These die widerlegt werden muss oder soll :D es soll allerdings eine kritische Analyse sein..

mein Prof möchte gerne das ich mir 3 Strategien rauspicke und diese dann erläutere .. Ich habe mich für die LowVola , Dividendenstrategie und Equal Weighted entschieden

Kannst du mir ggf. privat schreiben an meine Email Adresse ? suekruekaydak@live.de

Ich hätte noch einige Fragen dich aber ich denke das sprengt hier im Forum den Rahmen .. Ich wäre dir sehr dankbar ..

VG


ChrisS sagt am 27. März 2017

@sonny

"also meine Bachelorarbeit wird eine reine Literaturarbeit ohne jegliche These die widerlegt werden muss oder soll :D es soll allerdings eine kritische Analyse sein.."

ah ok, verstehe.
Hier ist ein noch längerer Artikel, da findest du sicher viele mögliche Ansatzpunkte für eine kritische Auseinandersetzung mit den Faktoren http://www.dualmomentum.net/2017/02/factor-zoo-or-unicorn-ranch.html

Achja, ich würde mich natürlich ehrlicherweise auch selbst nicht als Experten oder so bezeichnen wollen, bin auch nur ein Laie der die selben Expertenstudien liest, also danke fürs Vertrauen aber ich wüßte auch nicht wie ich dir groß weiterhelfen kann wenns besonders in die Tiefe geht. :-D Also belassen wirs dabei erstmal und ich wünsch dir viel Erfolg bei deiner Arbeit :-)


Joerg sagt am 27. März 2017

Meb Faber schreibt und trackt viel zu Faktoren (tilts) Schau dich Mal auf seinen Seiten um (Englisch)
http://mebfaber.com/2016/12/16/best-investment-writing-2016/
Gibt auch Podcasts dazu von Meb
Mich interessiert es intellektuel, setze es persoenlich aber nur indirekt um: Momentum steckt indirekt in jedem Index-ETF. SmallCaps-ETF hab' ich auch 25%.


Sonny sagt am 30. März 2017

Liebe community,

Gibt es bei gleichgewichteten etfs den nachteil das die kurse bzw preise der niedrig kapitalisierten Unternehmen künstlich steigt? Es würden ja bei bspw. Bei einem gleichgewichteten Dax lufthansa genauso viel nachgefragt wie Sap.

Wie könnte ich das besser formulieren für die Abschlussarbeit?

Vielen Dank für eure Tipps


zeta sagt am 04. Mai 2017

Hallo Sonny,

eine Bachelorarbeit ist doch eine wissenschaftliche Arbeit, in der Du zeigen sollst, dass Du Dich selb(st)ständig mit einem Thema eingehender beschäftigen kannst. Du hast hier bereits einige Anregungen und ausführliche Antworten erhalten.

Meinst Du nicht, dass es bei einer einfachen Literaturrecherche Dein eigener Anspruch sein sollte, das gefühlte Manko der zu geringen Anzahl an Vorteilen einer Volatilitätsstrategie durch weitere Recherche zu beseitigen? Vielleicht ist das aber auch eines Deiner Ergebnisse: es gibt mehr Nach- als Vorteile? Wie sieht Deine qualitative Bewertung hierbei aus?

Da ich mehrere Studien-/Diplom-/Bachelor- und Masterarbeiten betreut habe, hat es mir bei Deiner Frage einfach in den Fingern gejuckt. Nichtsdestotrotz wünsche Dir natürlich viel Erfolg mit der Arbeit!


ChrisS sagt am 04. Mai 2017

@ Sonny

Mhm ich weiß ja nicht aber vielleicht würdest du bessere Reaktionen bekommen wenn deine Fragen nicht sooo offensichtlich nach "hey, könnt ihr mal bitte für mich meine Hausaufgaben machen?" klingen :-D

Ne mal im Ernst - wir sind ja alle hier keine Finanzakademiker, und würden dir doch auch nur unser irgendwoanders im Internet mal gelesenes Wissen widerkäuen, also es ginge schneller wenn du gleich selbst googelst (andere Quellen haben wir ja auch nicht) so musst du nicht erst auf Kommentare warten, die dir auch keine neuen Antworten geben können.

"Gibt es bei gleichgewichteten etfs den nachteil das die kurse bzw preise der niedrig kapitalisierten Unternehmen künstlich steigt? Es würden ja bei bspw. Bei einem gleichgewichteten Dax lufthansa genauso viel nachgefragt wie Sap."

Ich würde schon intellektuell etwas Abstand von der Formulierung "künstlich" nehmen - jeder Index ist "künstlich" (oder hast du schon mal einen draussen in der Natur rumlaufen sehen?), dh. von Menschen gemacht, zu einem bestimmten Zweck konstruiert und mit Eigenschaften ausgestattet um eben diesen Zweck zu erfüllen.

Dass zB bei einem gleichgewichteten Index eine kleine Firma genauso "nachgefragt" wird wie eine große, ist also kein "Nachteil" im eigentlichen Sinne, sondern gerade der Zweck, weswegen der Indexanbieter das so geregelt hatte und die Investoren bewußt darin investieren (also gerade weil sie in jede Firma gleichermaßen investieren wollen).

Man kann natürlich hinterher lang und breit akademisch ausdiskutieren, was das bringen könnte (wer in Gleichgewichtung statt zB Marktkapitalisierungsgewichtung investiert, macht das ja weil er sich irgendwelche Vorteile davon erhofft), ob die erwarteten Vorteile auch tatsächlich eintreten, was die eigentliche Quelle der Vorteile sein könnten (bei Gleichgewichtung zb der Size-Tilt und durch antizyklisches Rebalancing ein gewisser Value-Tilt), ob sie dauerhaft sind, oder welche nachteiligen Effekte sie auf der anderen Seite auch mit sich bringen können, und so weiter...

"Ich habe allerdings das Gefühl bei der Volatilitätsstrategie zu wenig Vorteile genannt zu haben. Könnt ihr mir ggf. mal einige nennen die euch spontan einfallen ? Ich habe die Volatilitätsanomalie genannt und das in Krisenjahren weniger Verlust gemacht wird als beim Ursprungsindex..."

Geringere Volatilität hat eben für viele Anleger schon für sich selbst einen Nutzen an sich - nicht jeder will/kann nur die wilde Achterbahnfahrt bei heißen Wachstumsaktien mitmachen, sondern fühlt sich lieber mit den ruhigen, beständigen "Langweiler"-Firmen wohler. Am Ende hat davon viel also eigentlich mehr mit Anlegerpsychologie als nur mit reiner Finanztheorie zu tun, wenn manche eben bewußt den Trade-Off "weniger Verluste in Krisenjahren" vs "weniger Gewinne in Aufwärtsjahren" eingehen wollen.
Wenn mal wieder Krise ist, und der Markt um 50% fällt, wird auch der Fondsmanager, der stattdessen "nur" 15% Verlust hatte, schon als Genie gefeiert - dass man damit aber auch nicht gleichzeitig die dickste Rendite in Aufwärtsphasen einfahren kann, ist auch klar.


Sonny sagt am 05. Mai 2017

@ChrisS

Vielen Dank!!


Sonny sagt am 05. Mai 2017

@ChrisS

"dass man damit aber auch nicht gleichzeitig die dickste Rendite in Aufwärtsphasen einfahren kann, ist auch klar."

also ganz so klar ist das jetzt auch nicht. Siehe:https://www.msci.com/documents/10199/4d26c754-8cb9-4fa8-84e6-a51930901367

in einigen Aufschwungjahren hat der MSCI World Minimum Vol Index eine höhere Rendite als der MSCI World erzielt.


Schwachzocker sagt am 05. Mai 2017

@Sonny:

Was sagt solch ein Chart nun aus, und was möchtest Du beweisen? Die Feststellung, dass irgendein alternativer Index gelegentlich eine höhere Rendite p.a. erzielen kann, ist trivial. Das musst Du nicht beweisen!
Du kannst irgendeinen Index nehmen und wirst feststellen, dass dieser in irgendwelchen Jahren besser war als der MSCI World. Interessant wäre es zu wissen, ob das Zufall war oder nicht!!!

Ohne es nachgerechnet zu haben, würde ich mal behaupten, dass der Minimum Vol seine entscheidende Überrendite im Jahr 2008 (dem Krisenjahr) gemacht hat. Hätte es diese Krise nicht gegeben, dann hätte der Minimum Vol über den gesamten abgebildeten Zeitraum schlechter abgeschnitten als der MSCI World.
Vielleicht kannst Du es ja mal nachrechnen.

Der Minimum Vol hat also genau das getan, was er soll: In der Abwärtsbewegung Stabilität bringen.
Unangenehm nur, wenn es eine solche Abwärtsbewegung lange Zeit nicht gibt oder diese Abwärtsbewegung deutlich kleiner ausfällt. Dann sieht die Sache plötzlich anders aus.


ChrisS sagt am 05. Mai 2017

@ Sonny

doch, die allgemeine Tendenz ist langfristig und im Durchschnitt relativ eindeutig.
Statt nur einige Ausnahmejahre zu betrachten, mal die Übung und berechne das allgemeine Upside-Downside Capture Verhältnis. Hol dir dazu eine Liste aller historischen Jahres- (oder Monats-, für mehr Granularität) Renditen des MSCI World und des World-LowVol seit beginn und untersuche folgendes: In Jahren/Monaten, in denen der MSCI World stieg, wie stark stieg der LowVol mit ihm ? Und in Jahren/Monaten in denen der MSCI World fiel, wie stark fiel der LowVol dazu im Verhältnis?
Im langfristigen Durchschnitt kommen da auf Jahresbasis zB Werte von 80%/50% raus (dh. der LowVol nimmt in guten World-Jahren nur etwa zu 80% am Anstieg des World teil, in schlechten World Jahren aber durchschnittlich nur an etwa 50% des Abschwungs - und ja, nicht vergessen das sind nur grobe Durchschnittswerte, die sich aus vielen einzelnen Vergangenheitswerten zusammensetzen (da können auch zB mal positive Ausnahmen drin sein, in dem der LowVol stärker stieg als der World, aber es sind eben allgemein Ausnahmen), die sind nicht dazu da exakte Versprechungen für die Zukunft abzugeben sondern nur die Tendenz des Verhaltens der Vergangenheit zu beschreiben).


Sonny sagt am 05. Mai 2017

@ChrisS

wo finde ich denn alle historischen Jahresrenditen des MSCI World? Auf der MSCI seite leider nur bis 2002..


ChrisS sagt am 05. Mai 2017

"wo finde ich denn alle historischen Jahresrenditen des MSCI World?"

bei Google :-D

https://www.msci.com/end-of-day-data-search

auf gewünschten Index klicken, es öffnet sich ein neues Fenster in dem du weitere Konfigurationen auswählen kannst (zB Zeitraum, Währung, Preis- oder Totalreturn Variante, etc.) und die täglichen/monatlichen/jährlichen Punktestände lassen sich als Excel herunterladen (musst du danach nur noch in Prozentrenditen umrechnen).


Dummerchen sagt am 06. Mai 2017

Hallo Sonny,

hmm, was war nochmal 2002? Richtig, der Euro wurde eingeführt. Vermutlich sollte man daher auf der MSCI Seite als Währung USD und nicht Euro einstellen. Nur mal so ins Blaue geraten... ;-)

Liebe Grüße
Dummerchen


Sonny_D sagt am 09. Mai 2017

Hey,
ich habe die Jahresrenditen jetzt mal ausgewertet und komme auf ein Verhältnis von ca. 95/70. D.h der Minimum vola nimmt in guten World Jahren zu 95% zu und in schlechten nur zu 70 %. Wie seid ihr auf die 80/50 gekommen ?

Hier sind die Bruttojahresrenditen ab 1989

Jahr Min.Vola MSCI World
1889 27,84% 17,19
1990 -14,76% -16,52
1991 18,51 18,97
1992 -2,64 -4,66
1993 23,5 23,13
1994 2,92 5,58
1995 22,83 21,32
1996 13,32 14
1997 15,16 16,23
1998 17,26 24,8
1999 8,62 25,34
2000 1,24 -12,92
2001 -14,14 -16,52
2002 -9,57 -19,54
2003 26,03 33,76
2004 20,76 15,25
2005 8,34 10,02
2006 21,2 20,65
2007 6,13 9,57
2008 -29,23 -40,33
2009 17,18 30,79
2010 12,76 12,34
2011 8,04 -5,02
2012 8,87 16,54
2013 19,41 27,37
2014 12,06 5,5
2015 5,82 -0,32
2016 8,18 8,15

ChrisS sagt am 09. Mai 2017

| @ Sonny

"ich habe die Jahresrenditen jetzt mal ausgewertet und komme auf ein Verhältnis von ca. 95/70. D.h der Minimum vola nimmt in guten World Jahren zu 95% zu und in schlechten nur zu 70 %. Wie seid ihr auf die 80/50 gekommen ?"

Also erstmal nur zur Klarstellung, die 80/50 habe ich nur als grobes Beispiel zur Erklärung der generellen Tendenz (also dass die Vol-Variante im Durchschnitt (aller Jahre, trotz einiger Ausnahmen-Jahre, deshalb reden wir ja überhaupt erst darüber) in positiven World-Jahren etwas weniger Gewinn als der normale World macht, und in negativen World-Jahren auch weniger Verlust) in den Raum geworfen, es ging mir nicht darum dass nun exakt 80/50 schon die tatsächlichen finalen Zahlen wären ;-)

Aber gut, wenn wir halt etwas exakter werden wollen, nehmen wir einfach mal deine Tabelle.
Wenn man diese aufteilt in zwei Untertabellen (a) "Jahre, in denen der MSCI World positiv war" und (b) "Jahre in denen der MSCI World negativ war" (wichtig, nicht den Vola-Index selbst auch schon einteilen), schaut man sich danach an, was der Vola-Index in denselben Jahren für eine Rendite gebracht hatte und zieht aus beidem Durchschnitte, die man dann miteinander vergleicht.

Mal fix drübergelinzt, ergibt sich da folgende: Die durchschnittliche Rendite des MSCI World in positiven Jahren betrug 19,09% (Summe aller positiven Jahresrenditen geteilt durch deren Anzahl). Die durchschnittliche Vola-Index Rendite in diesen selben Jahren betrug 15,97%.
Ergo 83,67% Partizipation an der Upside.

Die Durchschnittsrendite des World in Jahren, wo er negativ war, betrug -12,87%. Der Vola-Index hatte in den selben Jahren eine durchschnittliche Rendite von -6,14%. Downside-Verhältnis also 47,69%.

Die "grobe Richtung", abseits aller Feilscherei um Nachkommastellen, passt also schon irgendwie. Mehr soll die ganze Übung auch nicht aussagen, kann sie auch nicht (also niemand soll erwarten, dass zukünftige Gewinne/Verluste auch immer exakt diesem Durchschnittsverhältnis entsprechen werden, so funktioniert das nicht), sondern nur das Prinzip von "der Vola-Index hinkt im allgemeinen Durchschnitt dem normalen Index in guten Jahren ein bischen hinterher, und macht dafür in schlechten Jahren etwas weniger Verluste" demonstrieren.

Wie du auf 95/70 gekommen bist, weiß ich nicht. Vielleicht hast du die positiven/negativen Jahre des Vola-Index selbst genommen, so wie's eigentlich nicht gerechnet wird.


Sonny sagt am 09. Mai 2017

@ChrisS

Danke! Hatte kurz einen Denkfehler aber nach deiner Rechnung komme ich beim MSCI World auf eine Durchschnittsrendite (bei den positiven Jahren) auf 17,83 % beim Min Vola auf 15,54 %

Bei den negativen Jahren beim MSCI World auf -14,48 und beim Min vola auf -6,91


Markus sagt am 23. Oktober 2018

Ehrlich gesagt, verstehe ich die ständige Kritik an Faktoransätzen nicht ganz. Die Gewichtung von Indizes nach Marktkapitalisierung ist ja kein Naturgesetz. Einige Faktorstrategien sind schon uralt - schon Benjamin Graham hat in unterbewertete (Value) und qualitativ hochwertige (Quality) Unternehmen investiert.
Einige bekannte Faktoren haben sich seit Jahrzehnten bewährt. Ihre Überrendite lässt sich wissenschaftlich - sowohl aus Sicht von Risikoprämien als auch aus verhaltensökonomischer Perspektive - gut begründen. Es spricht vieles dafür, dass diese Faktoren ihre Überrenditen halten werden, auch wenn sie sich vielleicht aufgrund zunehmender Bekanntheit abschwächen werden.
Faktorindizes werden stark regelbasiert erstellt und sind daher und aufgrund der immer noch hohen Diversifikation durchaus als Basis für ETFs geeignet. Ja, Faktor-ETFs sind etwas teurer, aber im Vergleich zu ihrem Renditevorteil spielt das kaum eine Rolle. Von den Kostenquoten von aktiven Fonds sind Faktor-ETFs weit entfernt und es ist davon auszugehen, dass ihre Kosten weiter sinken werden.
Natürlich kann man auch in marktbreite Indizes investieren, tue ich auch. Aber die Vorteile von wohlerprobten Faktoren haben durchaus auch ihren Reiz.


CarstenP sagt am 24. Oktober 2018

@Markus

"Die Gewichtung von Indizes nach Marktkapitalisierung ist ja kein Naturgesetz."

Ja, ein Naturgesetz ist es nicht Indizes nach Marktkapitalisierung zu gewichten, allerdings ist diese Gewichtung eine besondere Gewichtung, da der Markt selbst so gewichtet ist. Häuser senkrecht zu bauen, ist auch kein Naturgesetz, man kann auch einen schiefen Turm bauen, trotzdem ist die senkrechte Bauweise eine besonders sinnvolle.

Natürlich kann man eine andere Gewichtung wählen, wenn man einen guten Grund dafür hat. Für einen "Renditevorteil", der "wissenschaftlich" in Backtests gefunden wurde, gibt es in der Zukunft allerdings keine Garantie.


Smartinvestor sagt am 07. November 2018

@Markus

"Ehrlich gesagt, verstehe ich die ständige Kritik an Faktoransätzen nicht ganz."

Danke für die schöne Steilvorlage. ;-) An der lassen sich einige typische Trugschlüsse aufgrund paradoxer Zusammenhänge höherer Ordnung im reflexiven Finanzmarkt gut aufzeigen. Die Antwort hast du dir eigentlich schon selber gegeben, wenn folgendes vom selben Markus stammt(?):

"Aktives anlegen und das erzielen von Outperformance ist NACH Abzug von Kosten für den durchschnittlichen Anleger unmöglich"

Folgende Aussagen widersprechen dem jedoch teilweise:

"Einige Faktorstrategien sind schon uralt - schon Benjamin Graham hat in unterbewertete (Value) und qualitativ hochwertige (Quality) Unternehmen investiert. Einige bekannte Faktoren haben sich seit Jahrzehnten bewährt."

...ja, so ist es. Aber das kann, wie du ansprichst, nur von einer Minderheit aktiver Investoren durch fundamentales Value Investing oder durch unterschiedliche quantitative Trading-Strategien erfolgreich genutzt werden, um aktiv Überrendite (Alpha) dauerhaft gegen den Markt zu erbeuten.

"Ihre Überrendite lässt sich wissenschaftlich - sowohl aus Sicht von Risikoprämien als auch aus verhaltensökonomischer Perspektive - gut begründen..."

Das wäre zu schön, um wahr zu sein, dass Faktoren -- wohl von sich aus -- zukünftig eine Überrendite liefern sollen.
Vor gut 10 Jahren wurde vom Mainstream des Finanzestablishments schon ähnlich dummdreist behauptet, dass passiv gehaltene, ertragslose Rohstoff-ETFs zukünftig zur ertragreichen Portfoliodiversifikation taugen sollen.
Weißt du, wie das ausgegangen ist? In "Souverän investieren" von 2018 kannst das von Kommer, dem bis zur vorletzten Auflage von 2015 "rein evidenzbasierten" Befürworter, nachlesen.

"Faktorindizes werden stark regelbasiert erstellt und sind daher und aufgrund der immer noch hohen Diversifikation durchaus als Basis für ETFs geeignet. Ja, Faktor-ETFs sind etwas teurer, aber im Vergleich zu ihrem Renditevorteil spielt das kaum eine Rolle."

Hierin liegt also ein großer Trugschluss. Der wird derzeit als größte Irrlehre fast von der gesamten Finanzbranche mit Unterstützung u.a. (wieder) von Swedroe, Kommer und Konsorten -- z.B. in "Souverän Investieren" von 2018 als "Passiv anlegen mit Turbo" -- primär zur profitmaximierenden Umsatzsteigerung marktschreierisch angepriesen, als ob es den ähnlich gelagerten Reinfall mit den passiv gehaltenen Rohstoff-ETFs nie gegeben hätte. Denn wie der Wesir hier schon völlig richtig fragte:

"Wie intelligent ist es zu glauben, dass ein allgemein bekannter Index den Markt langfristig schlägt?"??

Vor allem wenn jetzt schon rund 1 Billion USD (1.000.000.000.000 !) in vom Wesir treffend tituliertes "Very Dumb Alpha" allein in den USA investiert und 2017 +160 Mrd. USD mit stark steigender Tendenz weltweit reingeflossen sind. Indizes sind ein Durchschnitt.
Wie soll man mit einem Durchschnitt aus einem umfassenderen Durchschnitt letzteren langfristig passiv schlagen können? Vermutlich wegen dem bekannten "Authority Bias", weil es z.B. der "Kommer" -- wieder "rein evidenzbasiert" -- sagt, oder? ;-)

Hat Graham das etwa auch so gesagt??
NEIN!!
Erfolgreiches Factor Investing funktioniert ausschließlich aktiv, betrieben mit hoher Kompetenz und hohem Aufwand besonders rationaler Alpha-Jäger. Die können der Zyklizität der Faktoren und den effizienzsteigernden Marktrückwirkungen durch deren Ausbeutung aktiv entgegenwirken, um die Verluste einer sich massenhaft gleichförmig irrational verhaltenden Mehrheit auszubeuten.
Der "Authority Bias" und somit der aktuell vom Finanzestablishment verbreitete Irrglaube an sogenanntes Smart Beta aka "Dumb Alpha" ist dafür u.a. eine willkommene (smarte) Alpha-Quelle.

Tiefe Einblicke in diese lustige Alpha-Jagd nach echter Überrendite bietet das hochkarätige Interview vom Gründer Nigol Koulajian der Trading-Firma Quest Partners durch die Trading-Experten Kathryn Kaminski und Niels Kaastrup-Larsen in "Best of TTU – The Problems with Smart Beta & is Filtering the Holy Grail?", 10/17/2018:

(A): "You want to short smart beta and go long everything around it."... "Effectively trade against... Whatever feels good, do the opposite. (Laughter)" :-D

(B): "...universities don't teach you what you need to know; they teach you what recruiters want you to know in order to go sell their products."... "First, education is not ideal. It's intentional; it's not pure knowledge. Second, they are cyclical, and science [insbes. die "rein evidenzbasierte"] will not understand markets."

Damit wird klar, wie (A) die erfolgreiche Alpha-Jagd von der anderen Seite beständig versorgt wird.
Nämlich durch (B) die nie versiegende Massenverblödungsmaschinerie des Mainstreams der Finanzbranche. Der verdummt also selbst seine eigenen zukünftigen Mitarbeiter mittels der interessengesteuert bezahlten Pseudo-Finanzwissenschaft samt höriger IYI-Publizisten.
Dieses eingenistete Finanzestablishment bedient dabei in bewährter Manier die seit Urzeiten angeborenen Denk- und Verhaltensfehler und bestärkt diese für seine Gebührenschinderei nach neuesten Erkenntnissen der Verhaltensökonomie!
Eigentlich könnte ich mich als passionierter Alpha-Jäger ja darüber freuen und die Klappe halten. Aber wer beutet schon gern seine Freunde aus?

Für fortgeschrittene Privatanleger bewährte Überrendite-Ansätze sind daher nach wie vor das erwähnte fundamentale Value Investing nach Graham und Buffett oder die quantitativen Trading-Strategien mittels Allokation in wettbewerbsfähige Managed Futures Fonds, z.B. von David Harding bzw. Winton.
Diese seltenen wahren Könner beuten alle sehr aktiv verschiedene Markt-Faktoren bzw. -Effekte nach proprietären Strategien bzw. Algorithmen profitabel aus und begrenzen dabei Marktrückwirkungen.
Damit erzeugen sie nicht nur für sich selber sondern sogar für Investoren dauerhaft wertvolles unkorreliertes Alpha, siehe Alpha-Thread. Um diese seltenen aktiven Fonds zu finden, braucht man daher "nur" mit gutem Verständnis für den reflexiven Finanzmarkt alle Lug & Trug Produkte mittels Negativauswahl auszusortieren.

Alle Managed Futures haben ein Gesamtvolumen von zurzeit nur rund 300 Mrd. USD an den Terminmärkten. Das ist völlig unkritisch und sorgt für zukünftige Überrendite, da diese Märkte vielfach größer und liquider sind als die Aktienmärkte. Letztere sollen hingegen für Billionen USD Invest in allgemein bekannte Faktorindizes ebenfalls üppige Prämien dauerhaft liefern! "Wie intelligent ist es zu glauben...?"!?

Dass die Finanz-Marktschreier das als beliebig skalierbares Nonplusultra langfristigen, passiven Anlegens mit Überrendite-Turbo hochjubeln und ohne jegliche, bei seriösen aktiven Fonds üblicher Volumenbegrenzung massenhaft verbreiten, als ob es ein ewig unveränderliches Naturgesetz wäre,...

"...ist ein schwerer Vertrauensbruch“!!!

Denn z.B. nach "Smart Beta Is Making This Strategist SICK" gilt somit, was hier bereits gepostet und diskutiert wurde, 3.August 2018:

„Aufaddiert sind die Fakten Lügen“!!!

„Die ursprünglichen Smart-Beta-Faktoren funktionieren nicht, und die dahinterstehende Wissenschaft ist bekanntlich fehlerhaft. Aber niemand sagt das dem durchschnittlichen Investor, weil da kein Profit drin ist.“!!!

Dieser hinterlistige Betrug an ahnungslosen Anlegern durch Verrat an der guten Sache echt passiven Anlegens nach Bogle ist es m.E., der zum Glück für viele unbedarfte Anleger "ständige Kritik an Faktoransätzen" hervorruft.

David Harding zeigt seit Jahrzehnten bis jetzt, wie es für private und institutionelle Investoren deutlich besser geht und weist auf die fragwürdige pseudowissenschaftliche Grundlage dieses schamlos offenen Vertrauensbruchs hin:

“The track record of firms such as Winton and AHL over the last 30 years is a living refutation of the efficient market hypothesis put forward by Fama and French,” he says. “Seeing your hypothesis falsified and then trying to defend it by retrospectively introducing extra variables and fitting the data to them is hardly the height of good scientific practice.” Im Vanguard-Artikel Joined at the hip: ETF and index development und in der hochgevoteten kritischen Kommer-Rezension können weitere Zusammenhänge dazu noch detaillierter fundiert nachgelesen werden. Außerdem wurde dort abgeschätzt, wann diese Modewelle voraussichtlich wieder verlustreich abklingen wird, wie beim ganz ähnlichen, vom Finanzestablishment auch schon irrsinnig hochgepushten Rohstoff-Scam.

Zurück zu deinem Unverständnis: Welcher verantwortungsvolle Finanzblogger und aufgeklärte Leser kann dieses schändliche Treiben kritiklos mit ansehen? Nassim Taleb meint sogar zu Recht in Antifragile, dass jeder, der von Betrug wisse und darauf nicht aufmerksam mache, selber ein Betrüger sei! Das will ich nicht sein ;-)

Ich hoffe, diese zwielichtige Faktorwelt damit noch etwas besser durchleuchtet zu haben als es die "ständige Kritik an Faktoransätzen" bisher vermochte. Also diese Kritik bitte weiterhin aufrecht halten. Denn damit kann den ständig zunehmenden Versuchungen der raffgierigen Finanzbranche weiterhin am besten entgegengewirkt werden.

Danke auch, dass du nachgefragt hast. Und mit deinem Interesse an Überrendite: Welcome im Club der Alpha-Jäger, der erfreulich weiter wächst... ;-)


BF sagt am 07. November 2018

@Smartinvestor. Ich fände es toll, wenn Du zum Thema "Alpha für alle" einen eigenen Blog aufmachen würdest, und einfach alles, was Du sagen möchtest, da reinschreiben würdest.
Oder schreibe ein e-Book. Zeit genug hast Du ja scheinbar. Arbeitstitel: "Alphatier". Das reimt sich sogar auf "Finanzwesir".


Markus sagt am 08. November 2018

@Smartinvestor

Vielen Dank für Deinen ausführlichen Text. Leider habe ich nicht so viel Zeit in ähnlicher Länge zu antworten. Dennoch, ein paar Punkte seien gestattet.

Grundsätzlich gefällt mir Dein Text, da es natürlich sinnvoll ist, die Überlegenheit der Faktoren zu hinterfragen; denn einen Beweis, dass etwas funktioniert gibt es in der Wissenschaft nunmal nicht.
Es deutet aber vieles daraufhin, dass Faktoren funktionieren. Sie sind robust, in verschiedenen Zeitperioden, verschiedenen Ländern und Regionen sowie anhand verschiedener ähnlicher Kriterien; außerdem gibt es logische Erklärungen, warum sie funktionieren, z.B. aufgrund verhaltensökonomischer Erkenntnisse.

Mit Rohstoffen sind Faktoren eindeutig nicht vergleichbar, da Rohstoffpreise selbst keinen Ertrag bringen können. Es ist eine reine Spekulation auf die Preisentwicklung. Faktoren hingegen nutzen eben bestimmte Kriterien um Aktien (Investitionskapital) auszuwählen. Das ist per se ein Unterschied.

Faktoren funktionieren wahrscheinlich, weil hier weitere Risikoprämien vereinnahmt werden können sowie Anlegerfehler ausgenutzt werden können. Graham hat die Alphajagd auch überwiegend rein kennzahlorientiert betrieben. Das lässt sich einfach nachbilden.

Die Alphajagd von sehr fähigen Investoren kann durchaus gerade aufgrund der zahlreichen passiven Anlagevehikel in Zukunft besser funktionieren. Man muss aber davon ausgehen, dass dies den meisten Investoren NICHT gelingen wird. Und auch die Investoren, die über Jahre den Markt schlagen, haben eben meist nur Glück gehabt - lässt sich statistisch recht leicht zeigen.

Wichtig zu verstehen ist, dass der verhaltensökonomisch durch Irrationalität begründbare Teil der Überrendite bei ausreichender Bekanntheit durchaus verschwinden kann. Dies gilt aber nicht für den Teil, der durch die Risikoprämie determiniert wird. Dass die Faktoren einigermaßen erhalten bleiben ist also zunächst mal wahrscheinlich.

Danke für Deinen Beitrag. Es ist immer schön, die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen. Aus meiner Sicht spricht im Moment aber einfach mehr für das Funktionieren von einigen Faktoren als dagegen.


Smartinvestor sagt am 10. November 2018

@ Markus

"Mit Rohstoffen sind Faktoren eindeutig nicht vergleichbar, da Rohstoffpreise selbst keinen Ertrag bringen können. Es ist eine reine Spekulation auf die Preisentwicklung."

Richtig. Es geht dabei jedoch NICHT um Rohstoffe sondern um Rohstoff-E T Fs! Und genau die hatte Kommer noch bis 2015 in "Souverän investieren" auf S. 231 -- trotz der leichten Einschränkung "eine weniger "eindeutige" Investentstory als die anderen" zu sein -- der Modewelle der Mehrheitsmeinung folgend mit systematischen "Vorteilen als Diversifikationsbausteine" angepriesen, so als ob das -- wie auch bei den Faktoren -- ein dauerhaft unveränderliches Naturgesetz wäre:

"Sie weisen eine attraktiv niedrige Korrelation zu Aktien und langfristigen Anleihen auf und können somit das Gesamtportfoliorisiko reduzieren und einen Rebalancing-Bonus im Portfolio erzeugen".

Außerdem schrieb er noch 2015: "Die Renditen von cash-besicherten Rohstoff-Futures liegen langfristig zwischen denjenigen mittelfristiger Staatsanleihen und jenen von Industrieländer-Standardwerteaktien." Natürlich alles untermauert von (inferessengesteuert bezahlter Pseudo-)Wissenschaft UND "logischen Erklärungen."

Diese Rechnung hat Kommer jedoch ohne die zwangsläufig -- durch die von blendenden Versprechungen von Rendite und Rebalancing-Bonus -- ausgelösten Marktrückwirkungen gemacht.
Denn die ließen die zugrundeliegende Markt-Ineffizienz samt Erträgen praktisch verschwinden und die Korrelationen genau dann stark ansteigen, wenn man die niedrigen Korrelationen in der Krise am meisten zur Diversifikation gebraucht hätte.
Folglich votiert Kommer jetzt (erst) dafür, "auf Commodities bzw. Commodity-Futures in der Zukunft zu verzichten", weil es seit wenigen Jahren "keinen starken Konsens in der Wissenschaft" mehr gebe, als ob der je eine Voraussetzung für "souveränes Investieren" gewesen wäre. Was die unberücksichtigte Marktrückwirkung betriftt, ist dieser Rohstoff-Hype also sehr wohl mit dem passiven Faktor-Hype vergleichbar und von mir argumentiert!

"Wichtig zu verstehen ist, dass der verhaltensökonomisch durch Irrationalität begründbare Teil der Überrendite bei ausreichender Bekanntheit durchaus verschwinden kann. Dies gilt aber nicht für den Teil, der durch die Risikoprämie determiniert wird."

Aber dazu muss man sich doch diese unnötige Verkomplizierung des eigenen Portfolios mit dem ganzen aufgeblasenen Faktor-Gedöns nicht antun. Es ist sogar besser, dazu einfach den Anteil an Aktien im Portfolio mit marktbreiten Index-ETFs zu erhöhen und ungerechtfertigt höhere Faktor-Gebühren zu sparen.
Damit bekommt man ehrlich aber fair erzitterte Mehrrendite für mehr Risiko ganz ohne Kostenaufschlag. Bei Einzelanlagen mit höherem Risiko ist es darüberhinaus sogar häufig so, dass höheres Risiko nicht mal adäquat durch höhere Rendite kompensiert wird.
Denn die Markt-Effizienzkurve flacht bzgl. Renditen (y-Achse) zu höherem Risiko (x-Achse) hin ab, genau weil zu viele Investoren diese "Risikoprämie" einstreichen wollen. Und wieder macht die Marktrückwirkung mehr oder weniger einen Strich durch diese ganze Milchmädchenrechnung, die ja von vorn herein schon auf einem total unwissenschaftlichen Vorgehen von Fama beruht. Die EMH mit dem Ur-CAPM ohne weitere Faktor-Verschlimmbesserung war sein großer Wurf.
Aber aus einfachen Dingen lässt sich halt lange nicht soviel machen, wie aus unnötiger Verkomplizierung...

Dass das mit der Wissensschaft in der reflexiven Finanzwelt sehr problematisch ist, hast du schon gut erkannt. Aber auch "logische Erklärungen... aufgrund verhaltensökonomischer Erkenntnisse" helfen erst dann weiter, wenn sie i.d.R. auf höherer Ordnung mit allen Marktrückwirkungen zu Ende gedacht werden.
Also (nicht interessengesteuerte) Wissenschaft, Logik UND pragmatisch gesunder Menschenverstand sprechen vereint gegen den aktuellen Faktorhype, aber das gesamte Mainstream-Finanzestablishment und die Bewegung des Dumb Money dafür. Da klingeln bei mir alle Alarmglocken. Bei dir (noch) nicht?

Also was bleibt dann noch übrig vom passiven Faktor-Luftschloss?? Das taugt weder für Alpha noch zur Risikosteuerung im Portfolio. Ist zwar sehr schmerzlich für deine Überzeugungen aber leider wahr.
Daher empfehle ich dir unter uns Finanzwesiren in deinem Interesse, das als "Very Dumb Alpha" endgültig abzuhaken. Wenn du das anders siehst und machst, dann herzlichen Dank für deinen willkommenen Beitrag zu meinem Alpha... ;-D


Smartinvestor sagt am 11. November 2018

@BP
Danke für deine sehr guten Vorschläge. Die sind tatsächlich beide schon in Vorbereitung. :-)

Außerdem will ich ergänzend meine Strategie live über eine Social Trading Plattform zum Folgen veröffentlichen. Die Passende suche ich allerdings noch. Sie müsste mit DAB als Depotbank arbeiten. Denn nur darüber sind alle ausgewählten Alpha-Fonds verfügbar. Würde mich über passende Vorschläge dafür sehr freuen.

Wer sonst noch Ideen dazu hat oder mitmachen will, bitte hier posten bzw. sich über Albert melden. Je verrückter, wie "Alphatier", umso besser. Es soll natürlich was "disruptiv Innovatives" werden, was denn sonst von mir? ;-)

Und sorry für die evtl. Überforderung durch meine konzentrierten Alpha-Beiträge, die ich in letzter Zeit bei jedem erkennbaren Interesse daran zum besten gab.
Ich wollte schon mal mit Gleichgesinnten üben und Anregungen gewinnen. Das konnte ich auch reichlich aus vielen konstruktiv kritischen Kommentaren einiger Leser. Dafür hat sich meine natürlich auch begrenzte Zeit sehr gelohnt.

Herzlichen Dank dafür! :-)))


CarstenP sagt am 12. November 2018

Die Masche ist immer die Gleiche:
Irgendeine Strategie, die in der Vergangenheit (im Backtest) toll funktioniert hat, wird in irgendein Fonds verpackt und mit dieser tollen Vergangenheitsperformance und einer netten Geschichte dazu vermarktet.
Wenn der Fonds nicht läuft, weil z.B. die Strategie in der Praxis nach Kosten versagt, dann wird er liquidiert und man hört nie wieder was davon. Übrig bleiben nur ein paar zufällige Gewinner-Fonds, die man im Voraus nicht sicher identifizieren konnte (Survivorship Bias), und die an die Verlierer-Fonds bezahlten Gebühren sind natürlich weg.

Faktoren wurden ursprünglich von Akademikern (Fama) eingeführt um die Rendite von Aktien-Portfolios besser zu erfassen, weil CAPM empirisch unzureichend ist und man die EMH nicht aufgeben will.
Die EMH kann nicht bewiesen oder widerlegt werden, da sie immer nur im Zusammenhang mit einem Preismodell Sinn ergibt und das Preismodell kann geändert werden, daher haben wir heute neben CAPM noch einen Haufen Faktor-Preismodelle.
Die Finanzwissenschaft ist nun mal keine Naturwissenschaft sondern eine Sozialwissenschaft, die "Finanzgesetze" können sich ändern und kontrollierbare/wiederholbare Experimente sind quasi unmöglich.

Die Ursprungsidee hinter Faktoren war also nicht, damit den Markt zu schlagen, das hat erst die Finanzindustrie (Smart-Beta) suggeriert.
Wenn es einen inhärenten und dauerhaften Rendite/Risiko-Vorteil von z.B. Value gegenüber Growth gäbe, warum schmeißen die Fonds-Gesellschaften dann sowohl Value- als auch Growth-Fonds auf den Markt, wer ist so blöd und kauft Growth???
Ganz einfach, denen ist das völlig wurscht, Hauptsache sie sammeln mehr Gebühren ein, die Zukunft wird zeigen ob Value oder Growth besser als der Markt läuft. Letztendlich ist das Geschmacksache, die einen mögen lieber Value-Aktien, die anderen lieber Growth-Aktien, und wieder andere mögen den ganzen Aktienmarkt.

Ironischerweise gesellt sich zum Rohstoff-Hype und Faktor-Hype auch der CTA/Managed-Futures-Hype:
Managed Futures Fonds

13 Seiten lang verblendetes und sehr smartes Gequassel, warum und welche CTAs/MFFs Teil eines Portfolios sein sollten, ab Seite 14 kommt dann die Desillusionsphase inkl. Fondsliquidierungen. Naja, wer aus der Geschichte nicht lernen will, muss sie halt wiederholen...


Smartinvestor sagt am 13. November 2018

@CarstenP

"Die EMH kann nicht bewiesen oder widerlegt werden"

M.E. ist es völlig hinreichend und praktisch sehr brauchbar, dass die EMH langfristig streng gültig ist. D.h. die Märkte werden langfristig immer effizienter.
Denn neue Informationen haben dann genügend Zeit, überall vollständig empfangen und gleich korrekt interpretiert zu werden. Damit stellt die EMH ein zur aktuellen Zeit natürlich nie erreichbares Grenzszenario in der langfristigen Zukunft dar.

Sie ist m.E. das von Fama genial entdecke "True North", dem alle Märkte grundsätzlich mit mehr oder weniger großen Schwankungen langfristig zustreben. Das ist praktisch sehr hilfreich, um ein tiefes Verständnis für das Marktverhalten zu erlangen.

Daher verstehe ich überhaupt nicht, warum Fama meinte, CAPM und EMH in deren Urform aufgeben zu müssen, nur weil die kurz- und mittelfristig nicht gelten, und mit dieser unwissenschaftlichen Verschlimmbesserung seiner genialen Ur-Hypothesen angefangen hat.
Besser wäre es gewesen, er hätte reines Beta und reines Alpha als solches akzeptiert und das beides sowie dessen Zusammenwirken zusammen mit Robert Shiller und dessen Verhaltenswissenschaft streng wissenschaftlich untermauert.

Wahrscheinlich war Fama das Hemd näher als die Hose, und er wollte mit dem Herumdoktorn am und mit dem Aufrechterhalten des EMH-Dogma einfach weiterhin in Lohn und Brot bleiben.
Das ist m.E. entfernt vergleichbar mit dem Herumdoktorn von Einstein an der Weltformel, die seine Relativitätstheorie und die Quantentheorie zusammenführen sollte.
Der große Unterschied ist halt, dass Fama diesen Unsinn von der Lug&Trug-Branche reichlich vergoldet bekommt, während sich Einstein weiterhin streng wissenschaftlich abgemüht hat.

Das eigentliche Übel sind natürlich die riesigen Geldmengen, die mit dieser aufgeblasenen Pseudowissenschaft unredlich abgezockt und in die von Interessen gesteuert bezahlte Wissenschaft investiert werden. Bin gespannt, wie lange sich diese widerlichen mafiösen Strukturen noch halten können.

"Die Ursprungsidee hinter Faktoren war also nicht, damit den Markt zu schlagen, das hat erst die Finanzindustrie (Smart-Beta) suggeriert."

Fama hat aber leider auch nichts dagegen unternommen. Er berät mit seinem eigenen Ideenmissbrauch m.W. sogar diesen sektenähnlichen Dreibuchstabenverein DFA. Wie kann sich ein angesehener nobelpreisgekrönter Wissenschaftler nur so prostituieren?!?

Mit den echten wissenschaftlichen Erkenntnissen ist jedoch konsistent, dass die Märkte kurzfristig nicht oder kaum vorhersagbar chaotisch und daher auch sehr effizient in der schwächsten Form sind.
Mittelfristig wirkt sich das Wechselspiel zwischen massenspychologisch begründeten gleichartigen Markt-Ineffizienzen -- siehe "Value and Momentum Everywhere" -- und deren ebenfalls gleichartige Rückkehr zur langfristig rationalen Markteffizienz bzw. Mean Reversion zur EMH aus.
Daraus entsteht die Vorhersagbarkeit der breiten mittelfristigen Preisentwicklungen, für deren Nachweis es den Wirtschaftsnobelpreis 2013 u.a. an Fama und Shiller gab. Könnte eigentlich eine schöne runde Sache werden, wenn die beiden sich endlich zusammenraufen würden...


BF sagt am 13. November 2018

Außerdem will ich ergänzend meine Strategie live über eine Social Trading Plattform zum Folgen veröffentlichen.

Sehr schön, ein neues Wikifolio wo ich nicht mitmachen muss.
Einen Philosophieblog fände ich aber interessanter. Wo jemand beispielsweise erklärt, wozu er "Überrendite" braucht, obwohl er finanziell ausgesorgt hat.
Den Blog würde ich sogar abonnieren (aus soziologischem Interesse).


Smartinvestor sagt am 15. November 2018

@BF

Nein, ein Wikifolio wird es bestimmt nicht, weil diese Abzocker-Plattform überhaupt nicht passt. Wer kennt besser geeignete Social Trading Plattformen? Welche Erfahrungen liegen hier mit solchen Plattformen vor? Ich suche dringend, damit ich noch vor dem drohenden nächsten Crash damit live gehen kann.

Danke auch für dein Hinweis auf (hier unerwartetes) Interesse an Philosophie und Soziologie. Ist der ernst gemeint und haben andere ähnliche Interessen?
Und geht mein letzter Beitrag vom 14.11.2018 mit meiner "Philosophie" in die richtige Richtung?

Ich erlebe es tatsächlich oft, dass viele Zeitgenossen sie live so interessant finden, dass ich bislang für jeden "Spaß" immer schnell genügend Mitspieler finden konnte, die zum Erfolg auch notwendig waren und das gemeinsame Erfolgserlebnis toll verstärkt haben. Das nutze ich als Metrik, ob ich mich in die richtige Richtung weiterentwickle und mich nicht aus dem Spiel katapultiere..

Aber können Missverständnisse die Online-Diskussionen solcher persönlichen Themen nicht zu sehr stören? Jedenfalls bei meiner begrenzten Schreibkunst? :-(
Denn Online kann man m.E. nur ein Bruchteil der eigenen Persönlichkeit rüberbringen.
Die ist aber von großer Bedeutung, um persönliche Aussagen richtig interpretieren zu können. Das zeigt mir jedenfalls die Alpha-Diskussion, die auch schon sehr von der persönlichen Philosophie beeinflusst wird; daher sicher auch deine gute Frage. Online ist kaum Begeisterung zu erkennen. Live hingegen unglaublich viel. Wie siehst du diese Frage?


CarstenP sagt am 16. November 2018

Der im Artikel erwähnte "Direxion iBillionaire Index ETF" liegt inzwischen auf dem ETF-Friedhof, Ruhe in Frieden IBLN: ETF Closures

Egal ob Nobelpreis oder nicht, in der Finanzwelt geht es um Geld, da entstehen leicht Interessenkonflikte.
Wie der Name schon sagt, ist die EMH nur eine Hypothese und keine Theorie.
Da die EMH nur im Zusammenhang mit einem Asset-Preismodell getestet werden kann, können Marktanomalien einfach durch Faktoren weginterpretiert werden statt die EMH zu verwerfen, dadurch ist die EMH nicht widerlegbar.
Entweder man glaubt dran oder nicht.
Empirische Marktforschung deutet jedenfalls darauf hin, dass der reale Kapitalmarkt sehr effizient ist und man als Privatanleger kaum eine Chance hat ihn dauerhaft zu schlagen.
Daher ergibt es Sinn so zu investieren als ob die EMH wahr wäre, d.h. passiv die Marktrendite einsammeln statt aktiv nach Überrendite zu streben. Außerdem ist aktives Investieren (Trading, Faktor-Investing usw.) ein Nullsummenspiel, sodass nach Kosten passives Investieren im Durchschnitt besser abschneidet als aktives Investieren, das ist reine Arithmetik (Sharpe).

Die EMH und die Verhaltensökonomik liefern Erklärmodelle für das reale Marktverhalten.
Doch nur weil die Erklärungen plausibel klingen oder für eine schöne Geschichte sorgen (Menschen lieben Geschichten), heißt das nicht, dass sie der Wahrheit entsprechen müssen.
Bei manch einer Risko- oder Verhaltens-basierten Erklärung für Faktorprämien kann man durchaus skeptisch sein, weil manch ein Faktor und auch die Erklärung ersetzt oder geändert werden kann.
Letztendlich ist Faktor-Investing bzw. Smart-Beta nur eine einfache Form von Quant-Investing, was gerade für Mathe/Computer-Nerds reizvoll klingt, damit muss sich doch der Markt systematisch schlagen lassen bei all den mathematischen Analphabeten da draußen.
Das ist ein Trugschluss, weil es evtl. noch schlauere Quants mit schnelleren Computern gibt und letztendlich alle Marktteilnehmer gleichermaßen im Dunkeln stochern und nicht wissen, was die Zukunft bringen wird, selbst der größte Dummkopf kann per Zufall den Markt schlagen.

Die Finanzwissenschaft ist eine Sozialwissenschaft, auch wenn all die verwendeten Zahlen, Statistiken und Algorithmen den Eindruck erwecken, dass man wie in einer Natur- oder Ingenieurswissenschaft mit beliebiger Präzision irgendwas berechnen und vorhersagen kann, wird ein Großteil des Marktgeschehens einfach durch unberechenbare menschliche Dummheit bewirkt und nicht durch Naturgesetze.
Viele Finanz-Forschungsergebnisse sind zwar interessant und lehrreich, aber für den praktischen Privatanleger-Investmentgebrauch meistens unnütz und werden evtl. dazu missbraucht den Investoren mittels teurer Hokuspokus-Fonds noch nen Euro extra aus der Tasche zu luchsen...


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