03. Juli 2020


Das haben die anderen diese Woche geschrieben (KW 27 / 2020)

In eigener Sache

FdFw - Frag den Finanzwesir

Das neue Video-Format aus dem Hause Finanzwesir. Die Fortsetzung der legendären Corona-Updates.
Eine Stunde - einmal pro Monat - so viele Fragen, wie wir schaffen. Stellen Sie Ihre Frage entweder live oder vorab (Link zum Fragenformular finden Sie in der Ticket-Mail, die wir Ihnen nach den Anmeldung zusenden)
Premiere Mittwoch, 8. Juli 2020 um 19:30 Uhr.
Tickets hier

Diese Artikel sind mir in dieser Woche in der deutschsprachigen Finanzblogosphäre aufgefallen.

Warum es so eminent wichtig ist, bis 50 sein Fuck-you-money zusammen zu haben.

"„Ich werde immer abgelehnt“ heißt also richtiger: „Ich kann mich mit meinen Gegebenheiten in den Bewerberfeldern, in denen ich auftrete, am Markt nicht durchsetzen.“ Da geht es Ihnen in der Marktwirtschaft wie den Anbietern von Produkten, die keinen Käufer finden – weil die Kunden unbedingt etwas anderes wollen. Unternehmen sind nicht dazu da, Menschen zu beschäftigen."

Heavy on the wire

10.500 Zeichen: Wirecard und wir im Spiegel

Fazit:

"Die Kunst ist also nicht die "richtige Meinung" zu haben, die Kunst ist keine Meinung zu haben, wo man keinerlei Einblick hat! Und die Kunst ist, das zu erkennen!"

52.000 Zeichen: Halbe Rolle rückwärts; Boulevardesk und schlimmer war nur Wirecard

Tenor dieses Artikels: Der X hat aber dann und dann das und das über Wirecard gesagt und dann hat der Y so darauf geantwortet und das war nicht nett und dann hat der sich der Z wie folgt dazu geäußert. Und man hätte das doch wissen müssen oder eher nicht und das ist doch alles so verwirrend und die Ethik kommt auch unter die Räder.
Und die ähm … und die Verwirrung wird all jene verwirren, die nicht wissen; niemand wird wirklich genau wissen, wo diese kleinen Dinge zu finden sind, die verknüpft sind mit einer Art von Handarbeitszeug, das durch die Verknüpfung verknüpft ist; und zu der Zeit soll ein Freund seines Freundes Hammer verlieren und die Jungen sollen nicht wissen, wo die Dinge die jene Väter erst um 8 Uhr am vorhergehenden Abend dorthin gelegt hatten, kurz vor Glockenschlag.

Der Finanzwesir meint: Wer seinen Sokrates nicht kennt, muss den Schierlingsbecher des Totalverlustes bis zur Neige leeren.

Tim Schäfer hat gesprochen. Howgh! Wirecard-Pleite: Wirtschaftsprüfer EY, Bafin, Staatsanwalt tragen Verantwortung für das verlorene Geld der Kleinanleger. Überspringen Sie den Artikel, gehen Sie gleich zu den Kommentaren. Da tobt das Leben.

Video-Interview: Der Mann, der Wirecard zu Fall brachte. Keiner glaubt ihm, statt dessen wird er verdächtigt und von einem libyschen Geheimdienstmitarbeiter observiert.
Die Wirtschaftsprüfer nimmt er in Schutz.

"Ich hatte mit einem "Whitewashing" gerechnet. Oder wieder dem alten Erklärungsmuster, dass das alles kompliziert sei. Und dann kommt ein Bericht, in dem KPMG keine Nachweise für bestimmte Geschäfte findet und obendrein die Existenz von 1 Mrd. Euro letztlich mit einem Blatt Papier eines Treuhänders nachgewiesen werden sollte."

Der Finanzwesir meint: Freuen wir uns auf eine Netflix-Verfilmung.

Funktioniert nur, wenn die Sonne scheint

Viereinhalb Jahre Recherche, viereinhalb Jahre Transaktionsgebühren zahlen und dann haut Corona alles weg.

Die Levermannstrategie deklassiert die 2-ETF-Strategie in den Jahren 2016 bis Ende 2018 gnadenlos. Dann kommt Corona und Levermann stürzt genauso ab, wie die ETFs. Die ETFs erholen sich V-förmig, Levermann bleibt schmollend am Boden liegen.
Scheint mir eine ziemliche Schönwetterstrategie zu sein. Achterbahn ist ok, aber dann bitte auch wieder mit Boost nach oben.

Münchhauseneffekt – Am Inflationsschopf aus dem Schuldensumpf? Wie klug ist es in der heutigen Zeit Gläubiger zu sein?

"Ein besonders plakatives Beispiel ist die Entledigung der durch den Ersten Weltkrieg verursachten deutschen Staatsschulden im Rahmen der 1923 ausgelaufenen Hyperinflation angeführt. Seinerzeit betrugen die Staatsschulden am Ende dieses ersten globalen Waffengangs nominell 164 Milliarden Mark, was im November 1923 einem 1918er Gegenwert von 16 Pfennigen entsprach.
Wenn der Staat Pleite macht, geht natürlich nicht der Staat pleite, sondern der Bürger."

LEO oder DIY?

Podcast: Im Finanzdienstleistungsmarkt sucht man Transparenz und Fairness vergebens – Interview mit Prof. Dr. Hartmut Walz.

"Den LeO habe ich in meiner Banklehre kennengelernt. Das heißt „Leicht erreichbares Opfer“. Und wenn die Bankberater unter sich sind, dann nennen sie die Kunden gerne LeOs. Das sind idealerweise Leute, die viel Geld haben, aber keine Ahnung bei diesem Thema. Und das ist der ideale Kunde für einen Finanzberater, der seine eigene Provision maximieren möchte."

Dreamteam 2020: Inflation & Minuszinsen

Berliner Sparda-Bank: Minus 0,5% Zinsen für fast alle. Wer mehr als 25.000 Euro auf dem Girokonto oder mehr als 50.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto bunkert zahlt die Strafzinsen.

Der Finanzwesir rät: Jammern Sie kräftig, fühlen Sie sich enteignet, erwägen Sie den Wechsel zu einer anderen Bank, aber geben Sie das Geld auf keinen Fall an die Zockerbude, die man Börse nennt. Ich sach’ nur Wirecard! Und Telekom!

Pöses Facepook

Harte Zeiten für die Sozialen Medien - endlich

"Die Kultur der einseitigen Information, die die Algorithmen der Sozialen Netzwerke fördern, die Verrohung der Sprache, die gnadenlose Missachtung von Datenschutzanliegen und nicht zuletzt die Verweigerung von Steuerzahlungen haben unsere Gesellschaft nicht nach vorne gebracht."

Soweit die Sicht von Finanzjournalisten. Was sagt jemand, der sein Geld in der Branche verdient?

"Es ist bemerkenswert, wie ansonsten hyperkritische und alles hinterfragende Menschen sich derzeit über den Boykott von Werbetreibenden gegenüber Facebook freuen. Das Vorgehen zeigt, dass die alte Schulhofmanier von dem einen, den man ruhig verprügeln darf, weil ihn sowieso keiner mag, selbst bei intelligenten, ja intellektuellen Menschen verankert ist."

Und der Anleger fragt sich:

  1. Haben die Finanzjournalisten den scharfen Blick von außen oder sind sie politisch motivierte Hysteriker?
  2. Ist Herr Knüwer der Frosch, der seinen Sumpf verteidigt oder hat er wertvolle "Insights"?
  3. Muss ich mir das bei diesem schönen Sommerwetter antun oder greife ich nicht einfach zum ETF? Kann ja auch ein ethischer ETF sein. Delegiert man diese Fragen eben für 0,x% ans Fonds-Management.

Das ist das F&F-Dilemma aktiver Anleger.

  • F wie in Finanzen. Ohne die entsprechenden Kennzahlen & Bilanzen geht nichts. Die kriegt man relativ schnell auf den einschlägigen Seiten.
  • F wie in Fachwissen. Was sagen die Leute, die in der Branche arbeiten? Wussten Sie von der Existenz des Herrn Knüwer und das seine Aussagen relevant sind? Das ist das große Problem: Wem folge ich im Bereich KI, wer ist der Robotik-Papst und wessen Meinung zu ethischen Anlagen ist erst zu nehmen? Oft genug sind das nicht die lautstarken Twitter-Plärrer, sondern Leute, die unter "komische-Sub-Domain.wordpress.com" bloggen. Ein Layout, dass es der Sau graust und eher für die Peergroup als für den interessierten Investor verfasst. Ich habe hier etliche Blogs in Feedly, die maximal unseriös aussehen, aber inhaltlich über jeden Zweifel erhaben sind.

Auf englisch

In den letzten 20 Jahren: Anleihen plus 428%, Aktien plus 194%. Also auf in die Anleihe.
Nicht so schnell, denn

"Markets tell different stories depending on the time frame selected."

Das nächste Mal, wenn man Ihnen einen makellosen Chart vorlegt, bitten Sie darum das Startdatum um fünf Jahre zu verschieben. Schieben Sie den Zeitraum erst um fünf Jahre nach hinten und dann um fünf Jahre nach vorne.
Jetzt haben Sie drei Charts:

  1. vertriebsoptimal minus 5 Jahre
  2. vertriebsoptimal
  3. vertriebsoptimal plus 5 Jahre

Und?

Wenn "vertriebsoptimal plus fünf Jahre" bedeutet: "Kommen Sie 2022 wieder" nehmen Sie Abstand von diesem Abenteuer. Lassen Sie dieses Investment erst mal ein bisschen lindy werden.
Mehr zum Lindy-Effekt hier. Die Grundaussage:

"Every additional period of survival implies a longer remaining life expectancy."

(awa)

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Kommentare

Niko sagt am 03. Juli 2020

Berliner Sparda-Bank: Minus 0,5% Zinsen für fast alle. Wer mehr als 25.00 Euro auf dem Girokonto oder mehr als 50.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto bunkert zahlt die Strafzinsen.

Bei den 25.00 Euro fehlt eine Null, es sind laut Link 25.000 Euro.


Dennis sagt am 03. Juli 2020

Bei den Minuszinsen fehlt eine 0. Minuszinsen ab 25,00€ wären schon heftig. Wer 25.000€ auf dem Girokonto hat, dem ist eh nicht mehr zu helfen ;)


RSSfan sagt am 03. Juli 2020

Mich würde interessieren welche RSS feeds in deinem feedly abonniert sind.
Würdest du die mit uns teilen?


Al Bundy sagt am 04. Juli 2020

@Dennis

Langsam mit jungen Pferden. 25.000 € ist nicht so viel.
Wenn man einen Notgroschen hat, für die anstehende Reise Urlaubsgeld zurück gelegt hat und Fahrschule für die Kinder plus eine kleine Summe, um ein altes Auto zu ersetzen, sind 25.000 € ein Klecks.


Thomas sagt am 04. Juli 2020

Wie schön, endlich ein Link zum legendären Heiko Mell! Wie der Finanzwesir (und andere Blogger) seit einigen Jahren die finanzielle Bildung in Deutschland verbessern, kommuniziert und erklärt Herr Mell seit Jahrzehnten für die (unsichtbaren) Spielregeln in Unternehmen / für die Karriere. Auf beide trifft man nur nach etwas Suche / Leidensdruck, aber eine Lektüre wird für viele augendöffnend sein...

Ich bin vor zwei Jahren nach der Promotion in einen Großkonzern gewechselt und hatte zunächst einen richtigen Kulturschock. Das Buch "Spielregeln für Beruf und Karriere" hat mir extrem dabei geholfen, Verhaltensweisen anderer richtig zu deuten und mich letztlich auch ein Stück anzupassen... ein wenig Durchsetzungsfähigkeit und strategisches Denken schadet den wenigsten, lernt man aber nur selten an der Uni ;)


Joachim sagt am 04. Juli 2020

Im Abschnitt "Pöses Facebook" fehlt wohl ein Link bei "Was sagt jemand, der sein Geld in der Branche verdient?".

Als Ergebnis einer Google-Suche vermute ich, es handelt sich um


Finanzwesir sagt am 07. Juli 2020

Hallo Joachim,
Du hast recht. Ist gefixt.

@Niko & Dennis: Und die Null ist auch da.

Danke Finanzwesir


Finanzwesir sagt am 07. Juli 2020

Hallo Thomas,
ja, der Mell. Recht hat er. Noch. Ich bin mal gespannt, wie das aussieht, wenn meine Töchter ins Berufsleben gehen. Die finden das was Herr Mell sagt einfach nur furchbar. Da

  1. viele in dieser Generation so denken
  2. diese Alterskohorte nicht übermäßig groß ist

könnte es sein, dass die Konzerne gezwungen sein werden sich deutlich un-melliger zu verhalten. Sonst wollen zu wenige Leute dort anfangen.
Was auf jeden Fall jetzt schon nicht mehr geht. Unbegründete Anordnungen nach dem Motto: Ich Chef, Du nix". Wenn das Warum nicht konveniert, läuft da nix.
Das hebelt einen der zentralen Sätze Mells aus: "Stelle Deinen Chef zufrieden. Immer."
Na ja, das wird noch spannend. Ich bin zum Glück an der Seitenlinie. ;-)

Gruß
Finanzwesir


Thomas sagt am 09. Juli 2020

Hallo Albert,

mal abwarten. Ich arbeite wie geschrieben in einem deutschen Konzern, der sich vor einiger Zeit ein bewusst junges Image gegeben hat. Kickertisch in der Lounge, pastellfarbenes Corporate Design, alle per Du.
Aber das ist nur die Oberfläche - darunter ist das meiste so wie von Mell beschrieben. Gerade wenn man im Haus irgendwas erreichen will, passt man sich besser heute als morgen an.
Das will sicher nicht jeder und auf Arbeitsebene gibt es schon positive Entwicklungen (z.B. Akzeptanz von Home Office und Elternzeit) - aber bis hier die Generation Z tonangebend wird, gehen noch ein paar Jahrzehnte ins Land.
Bis dahin ködert man die Einsteiger mit dem externen Image und hält sie durch Gehälter, die kein Mittelständler in der Umgebung mitgehen kann...

Grüße
Thomas


ChrisS sagt am 09. Juli 2020

Ohje, na das wird bestimmt lustige Kommentare provozieren:

Gerd Kommer startet eigenen Robo-Advisor

Hier schonmal die Webseite , ist noch alles ein bischen barebones im prelaunch, aber reicht ja schonmal um grob abzustecken was dann dort eigentlich passieren wird.

Ihr bringt dem Gerd 10k € Mindestanlagesumme mit und bezahlt 0,70 % pa. dafür, dass er euch dann ein Depot nach "Kommer-Philosophie" zusammenstellt und "verwaltet" (ie. ab und zu mal rebalanced, dass ist ja nach der Depoterstellung die eigentlich einzige "Arbeit" die danach noch anfallen würde, da hier keine großartig aktiv umschichtende Handelsstrategie verfolgt wird, sondern danach eigentlich nur noch weiterhin klassisch-langweiliges B&H wie man es von den meisten anderen Robo-Anbietern auch schon kennt).

Je nachdem was man beim typischen Anmeldefragebogen so ausgefüllt hat, wird man dann in eins von 11 Musterportfolios eingeordnet, die hpts. nach der "Risikokategorie" (konkret damit gemeint natürlich hpts "der Aktienanteil", also der unterschiedet sich zwischen den Portfolios in 10%-Schritten) gestaffelt sind. Mit was für konkreten ETFs die Portfolien speziell bestückt sind, steht jetzt noch nicht da (wird man wohl ab richtigem Start im Oktober dann sehen können), aber es fällt ja nicht schwer, darüber relativ sichere Mutmaßungen zu treffen.

Zuerstensmal, ganz einfach weil ja Kommer seine präferierten idealen Allokationsempfehlungen schon in seinen Büchern gibt. Wer die kennt, weiß also schon ungefähr, was einen dann hier so erwarten wird. Und wer dazu auch noch ugf. das verfügbare ETF-Produktangebot für die jeweiligen benutzten Assetsegmente kennt, kann sich also auch schon relativ gut vorstellen, welche konkreten ETFs dabei wahrscheinlich zum Einsatz kommen werden.

Zwotens, Kommer hatte selbst vor einiger Zeit mal die Webseite weltportfolio.net aufgelegt, was irgendwie so ein komischer erster Versuch war, ein Zusatzangebot zum Buch "Souverän Investieren..." zu etablieren, das Lesern->Anlegern bei der praktischen Umsetzung helfen sollte. Konkret konnte man da rudimentär Watchlisten anlegen und sich für die Kommer-Musterportfolios aus dem Buch verschiedene ETFs-"Vorschläge" anzeigen lassen. Scheint aber mittlerweile in Schließung / eingestellt worden zu sein, kann man sich auch denken warum, erstens weil das halt keinen Mehrwert für Leute hatte die schon selbst so kostenlos verfügbare Plattformen wie JustETF oder ExtraFunds bedienen können, und zwotens haja weil jetzt eben halt versucht werden soll mit der "richtigen" digitalen Vermögensverwaltung stattdessen mehr Geld zu verdienen.

Die konkreten ETF-Vorschläge die damals bei Kommers "Weltportfolio"-Webseite u.a. auftauchten, hatte ich jedenfalls z.B. schon mal in diesem Kommentarbeitrag festgehalten, es wäre also nicht sehr überraschend wenn dann in seinen Robo-Portfolios auch dieselben oder zumindest die meisten / ähnliche wieder mit auftauchen.

Die Tatsache, dass in der Leistungsbeschreibung erwähnt wird, dass "ausschließlich ETFs" eingesetzt werden, wird wohl bedeuten, dass man auch keine DFA-Fonds mehr verwendet. Smart Beta / Faktoren kommen aber natürlich vor, halt eben über entsprechende dazu bekannte ETF-Produkte umgesetzt. War ja nicht anders zu erwarten, Kommers Faktorpräferenzen sind ja bekannt und irgendeinen Unique Selling Point (wobei der Einsatz von Faktor- statt Breitmarkt-Produkten auch nicht mehr so unique ist bei den Robos heutzutage) muss man ja zur Differenzierung haben, oder andersrum gesagt, "einfach nur" ein 1-2 "Standard"- ETF Portfolio anlegen könnte ja jeder schon selbst, dafür muss dann auch niemand erst zu Kommer gehen.

Gibts nochwas zu sagen? Nö eigentlich nicht. Die technische Infrastruktur wird von Scalable Capital im Hintergrund ausgeführt (hilft wohl, dass beide Münchner sind) und als Depotbank fungiert die Baader. Ansonsten irgendwas interessantes fällt mir auch nicht weiter dazu ein. Also machen wir stattdessen mal eine vorläufige Zwischenbewertung...

Was ist von dem neuen Kommer-Robo zu halten? Ehrlich gesagt, eigentlich nicht besonders viel.
Warum? Macht nichts wirklich neues eigenes, sondern im Grunde auch nur das selbe altbekannte B&H von ETFs, was man erstens selber für umsonst machen kann oder zweitens wenn schon an einen Robo abgeben will dann gibts dafür auch genauso schon billigere (z.B. Weltsparen, Quirion, etc.). Aberaber Faktor-ETFs?! Kann man sich wie gesagt auch selber kaufen wenn man unbedingt will, oder eben wird auch bei manchen anderen Robos schon eingesetzt.

Ich frage mich sowieso, wer eigentlich der typische "Zielkunde" sein soll, na das kann ja nochmal lustig werden. Denn woher kennt man Kommer? Natürlich vor allem aus seinen Büchern. Jetzt ist es aber so, dass in seinen Büchern auch eigentlich schon alles drinsteht und so beschrieben wird, dass man danach selbst alles in DIY-Anlage umsetzen kann, und garkeinen Robo (ja, auch nicht von Kommer, zumal er ja selbst auch immer wieder darauf hinweist wie wichtig es ist unnötige Kosten zu sparen) braucht. Ich weiß also nicht, wieviele Leute genau in der potentiellen Interessentengruppe liegen - also einerseits Leute die überhaupt schonmal was von Kommer gehört haben (warum würden sie auch sonst "bei ihm" anlegen wollen?), ie. seine Bücher gelesen haben weil sie sich ja mit selbstbestimmter Anlage auseinandersetzen wollen und nicht einfach nur weiter treudoof in die nächste Bankfiliale mehr dackeln - auf der anderen Seite dann aber auch wieder noch so bequemlich und/oder ängstlich sind, dass sie ihr ETF-Portfolio (egal ob nun "nach Kommer" (Faktoren) oder "Standard") eben nicht selbst betreiben, sondern das immer noch an einen Robo abgeben wollen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Schnittmenge allzu groß sein wird, entweder sind die Leute doch meistens eben komplette Selbermacher oder eben komplette Fremdbleiber (ie. bleiben bei der Bankfiliale o.ä., beschäftigen sich nicht weiter mit Anlage etc.). Naja, Herr Kommer wird schon selber besser wissen warum er meint hier eine Marktlücke gefunden zu haben, vielleicht kriegt er ja doch so viele Anfragen dazu dass sich das lohnen würde, wer weiß.

Meine Prognose wäre jedenfalls etwas pessimistischer. Die Robo-Branche allgemein reißt ja schon wachstumsmäßig nicht die erwarteten Bäume aus, und da wird sich Kommers Robo, der ja eigentlich im Grunde auch nichts neues/anderes macht als schon zwei dutzend Robos genauso vor ihm, wohl langfristig auch nicht besonders etablieren, sondern sich von den Assetvolumen im gleichen hinteren Bereich einordnen in dem auch die zwei anderen dutzend Robos schon lange rumkrebsen, also im unprofitablen sub 100 Mio AUM Bereich, den bisher eh nur eine handvoll überhaupt überschritten haben.

Eine gewisse "Wildcard" könnte vielleicht noch Kommer selbst sein, also dass er aufgrund seiner gewissen bereits vorhandenen allgemeinen Bekanntheit vielleicht nochmal einen kleinen Werbevorteil ggü den anderen kleinen Robostartups hat (die ja noch keiner kennt und daher erstmal viel in Reputationsaufbau stecken müssen), also da er eben wie gesagt viele Leser hat, von denen vielleicht auch einige eher zu seinem Robo gelockt werden könnten als es andere schaffen, aber wie gesagt, aufgrund des "Zielkonflikts" (Kommers Bücher geben eigentlich alles nötige zur kostenlosen Selbstanlage schon mit, warum sollten seine Leser dann also noch zu einem teureren Robo, ja auch wenns seiner ist, überhaupt gehen?) glaube ich nicht, dass dieser Effekt allzugroß ausfällt, aber hey, wenn Kommer schlanke interne Kostenstrukturen hat, müssen es ja nichtmal allzuviele Anleger sein, damit das ganze schon einigermaßen profitabel für ihn wird. Na mal sehen, es ist jedenfalls alles schon irgendwie amüsant, was so passiert :-)


Timo sagt am 10. Juli 2020

@Chris

die Überlegungen von dir habe ich verkürzt auch angestellt, als ich gestern von dem Gerd Kommer Robo gelesen habe. (Ich bin auf weltportfolio.net angemeldet und habe die Ankündigung als Infomail bekommen).

Die Frage, warum man ihm sein Geld anvertrauen sollte (als Vermögensverwalter), wo er doch ein super simples System zum selberbauen empfiehlt hatten wir ja auch schon. Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht ein paar von seinen "Bestandskunden" auf den Robo wechseln und evtl. auch welche den Robo nutzen, solange ihr Vermögen noch zu klein für einen persönichen Vermögensverwalter ist..


ChrisS sagt am 11. Juli 2020

@ Timo

wenn du dich bei weltportfolio.net noch einloggen kannst und die Funktionalität der Seite noch nicht vollends eingestampft wurde, kannst du ja mal reinkopieren, was da grad die aktuellen Asset-Allokations- und konkreten ETF-Vorschläge für die verschiedenen Musterportfolios sind. Wie gesagt, damit wir mal so einen aktuellen Eindruck bekommen wie Kommer grad so drauf ist und was einem dann in seinen Robo-Portfolios wohl am wahrscheinlichsten erwarten wird.

Ich hatte mich da ja vor nem Jahr oder so mal mit ner zufällig generierten Wegwerf-Adresse angemeldet, die ich aber natürlich längst wieder verloren/vergessen hatte, deswegen komme ich da selber jetzt nicht mehr rein, also ein bischen was zu den damals vorgestellten Portfolios habe ich ja in dem Kommentarlink schon gepostet. Wäre nur mal interessant zu sehen ob sich da inzwischen schon wieder was substantiell geändert hat oder ob das im wesentlichen noch so alles gleich/ähnlich geblieben ist (bzw. wenn du wegen dem Close der Webseite auch selber nicht mehr zu den Portfolios kommt, bleibt uns ja erstmal nix anderes übrig als anzunehmen dass die Bestückung weiter so geblieben ist, also zumindest bis wir dann zum Robo-Launch im Oktober auch wirklich konkret die ETF-Positionen dort dabei wieder sehen können... aber hey das klingt nun auch wieder spannender gemacht als es eigentlich ist, also mehr als mit Wasser kochen werden die ja wohl auch nicht können :-D)


Timo sagt am 13. Juli 2020

Bei mir ging das zum Glück mit dem Passwort raten. So viele Standardpassworte habe ich nicht für solche Seiten :)

Auf Weltportfolio.net gibt es vier Portfolios zur Auswahl:
1.Integriertes Multi-Factor Weltportfolio 2018

  1. Einfaches Multi-Factor Weltportfolio 2018
  2. Weltportfolio Einsteiger 2019
  3. Weltportfolio 2015/BIP-Basis

Dazu gibt es die Möglichkeit jeweils Immobilien, Rohstoffe und Gold als Beimischung zu nutzen, voreingestellt sind hier je 5% vom risikobehafteten Anteil.

Die Portfolios werden mit folgenden ETFs abgebildet.

  • Risikofreie Anlage, Anteil frei wählbar: iShares eb.rexx Money Market UCITS ETF

Integriertes Multifaktor Portfolio:

  • Multifaktor Emerging Markets, 25% risikobehafteter Anteil: Franklin LibertyQ Emerging Markets UCITS ETF
  • Multifaktor Developed Markets, 75% risikobehafteter Anteil: Invesco Goldman Sachs Equity Factor Index World UCITS ETF

Einfaches Multifaktor Portfolio:

  • Smallcaps, 20% risikobehafteter Anteil: SPDR MSCI World Small Cap UCITS ETF
  • Value, 20% risikobehafteter Anteil: Xtrackers MSCI World Value Factor UCITS ETF 1C
  • Quality, 20% risikobehafteter Anteil: Xtrackers MSCI World Quality Factor UCITS ETF 1C
  • Momentum, 20% risikobehafteter Anteil: Xtrackers MSCI World Momentum Factor UCITS ETF 1C
  • Political Risk, 20% risikobehafteter Anteil: iShares Core MSCI Emerging Markets IMI UCITS ETF Dis

Weltportfolio:

  • Weltaktienmarkt, 100% risikobehafteter Anteil: Vanguard FTSE All-World UCITS ETF

BIP-Portfolio:

  • Schwellenländer, 25% risikobehafteter Anteil: iShares MSCI Emerging Markets Small Cap UCITS ETF
  • Pazific Small Caps, 6% risikobehafteter Anteil: iShares MSCI AC Far East ex-Japan Small Cap UCITS ETF
  • Pazific Large+Mid Caps (Value), 6% risikobehafteter Anteil: SPDR S&P Pan Asia Dividend Aristocrats UCITS ETF
  • Westeuropa Small Caps, 16,5% risikobehafteter Anteil: iShares EURO STOXX Small UCITS ETF
  • Westeuropa Large + Mid Caps (Value), 16,5% risikobehafteter Anteil: iShares MSCI Europe Value Factor UCITS ETF
  • Nordamerika Small Caps, 15% risikobehafteter Anteil: iShares MSCI USA Small Cap UCITS ETF
  • Nordamerika Large + Mid Caps (Value), 15% risikobehafteter Anteil: UBS (Irl) ETF plc - MSCI USA Value UCITS ETF (USD)

Beimischungen:

  • Immobilien: iShares Developed Markets Property Yield UCITS ETF
  • Rohstoffe: WisdomTree Enhanced Commodity UCITS ETF USD
  • Gold: XETRA-Gold

ChrisS sagt am 14. Juli 2020

@ Timo

alles klar, danke! :-)

Bis auf ein paar wenige Produktauswechselungen, hat sich also nicht wirklich großartig was geändert, sondern ist im wesentlichen noch so geblieben wie ichs vor nem Jahr kommentiert hab.

Wie gesagt, als Mutmaßung was dann später konkret beim Kommer-Robo für eine Allokation gefahren wird, kann man sich wohl denken, dass es jedenfalls sicher nicht die "simplen" Einstiegsvorschläge (1 gesamtglobaler ETFs, oder max. 2 (World/EM)) vom Anfang sein werden, denn da würde ja schon selbst der naivste Kunde merken "och na das kann ich ja auch noch selber, da lohnt es sich ja nicht ihm noch extra Verwaltungsgebühren dafür zu bezahlen", sondern eher die etwas komplexeren Kombis mit einem halben dutzend oder zehn ETFs gefahren werden, weil das ja "mehr Eindruck" erzeugt, bzw. damit ja auch irgendwie implizit "mehr Rendite" versprochen wird (denn, andersrum gesagt, würde man sich von einer komplexeren Kombi eben nicht mehr Rendite erwarten als von einer einfachen, macht es ja keinen Sinn sie zu betreiben).

Naja, wenn irgendwann mal das "Whitepaper" dazu hochgeladen wird, erfährt man vielleicht mehr, ansonsten halt spätestens bei Betriebsstart im Oktober - aber so sehr interessiert uns das ja auch wieder nicht, weil wir etwa glauben da würde etwas ganz tolles bei rauskommen, sondern eher weils halt spaß macht sowas kritisch zu zerpflücken :-D


Matthias K sagt am 16. Juli 2020

@ChrisS

weils Spaß macht: Ich bin mir sehr sicher, das dieser Roboadvisor seinen Benchmark (simple World oder World/EM Kombi in Eigenregie, inkl. 2 Arbeitsstunden für Auswahl der Fonds und Einrichtung der Sparpläne und 2x im Jahr Rebalancing nach Swedroe 5/25) nach Kosten nicht schlagen wird.

Du hast ja gut gezeigt, das diese Robos teilweise schon richtige eigene Fondstrategien fahren, und wie Kommer gezeigt hat, kann ein Fond den Markt dauerhaft nicht zuverlässig schlagen.
Auch wenn der Robo nur Simpel Buy and Hold mit einem Dutzend Fonds macht, wird er den Markt nach Kosten nicht schlagen. Die theoretischen Zusatzeffekte der „Faktoren“ sind im Promillebereich, das wird durch die Kosten vollständig aufgefressen.

Wir sind aber auch nicht die Zielgruppe. Zielgruppe ist, wer einmal die 40€ für das Buch und die 50 Stunden für Einarbeitung und Umsetzung scheut und dafür lieber hohe Gebühren bezahlt. Dafür aber die Katze im Sack kauft und überhaupt keine Ahnung hat, was sein Geld so treibt.

(Zu den Faktoren sag ich jetzt mal nichts, will die Diskussion nicht wieder aufwärmen).

Damit es nicht heißt, ich hätte was gegen den Kommer: Hab mir gerade eins seiner Bücher bestellt (Immobilienfinanzierung für Selbstnutzer).


ChrisS sagt am 16. Juli 2020

@ Matthias K

Ich bin mir sehr sicher, das dieser Roboadvisor seinen Benchmark nach Kosten nicht schlagen wird.

Das sehe ich ähnlich, ich würde sogar, wenn ich wettlustig wär, mich noch weiter aus dem Fenster lehnen und noch einen Schritt weitergehen und sagen, dass der Robo eine einfache Benchmark sogar vor Kosten langfristig nicht schlagen wird. Warum? Weil ich mich grad unter nem anderem Artikel in nem langen Kommentar mit der bisherigen Performance von den ganzen Robo-Anbietern insgesamt hierzulande auseinandergesetzt habe, und dabei zu sehen ist, dass die bisher alle "langfristig" eine einfache Benchmark unterperformten, und zwar um einen Betrag der eh schon weit größer ist als allein nur ihre Kosten - die "Erklärung" dafür also nicht einfach nur rein bei ihren Kosten liegen kann, sondern schon grundlegender was mit ihren Portfolioallokationen zu tun hat, die sich eben bisher (also für diesen Zeitraum, im Nachhinein) soweit nur als "suboptimal" herausgestellt haben (und ob das auch mal wieder irgendwann signifikant "besser" wird, tja, das ist halt was woran eben nur die Robo-Anleger "glauben müssen", nicht ich, weil ich ja nicht da anlege).

Meine "niedrigen Erwartungen" an den Kommer-Robo sind also nicht, weil ich den Kommer speziell so scheiße finden würde, oder nur allein sein Anlagekonzept so kritisch sehe, oder ausgerechnet der die höchsten Kosten hätte, nein im Gegenteil, sondern gerade weil der Kommer-Robo eben ja "auch nur" ein eher typischer Robo ist, und man aus der Betrachtung der Performance der anderen "typischen" Robos seiner Vergleichsgruppe (gemeint sind damit halt vor allem die "üblichen" ETF-B&H Robos) ja schon ablesen kann, dass die bisher genauso signifikant unterperformten, ist es nicht unvernünftig zu erwarten, dass sich der Kommer-Robo sich dazu eben wahrscheinlich genauso mit "einreiht" in die übliche (Unter)Performance der Branchengruppe, weil er ja auch nicht selber noch irgendwas besonders anderes macht als die anderen und daher ähnlichen Problemen und Wertentwicklungen mitlaufen wird. Oder wer weiß, vielleicht kommt im nächsten Zyklus mal wieder die Phase wo BIP-Gewichtung etc. wieder so abgehen wie noch bis damals vor 2008 (der letzte Zyklus, aus dem ja die letzten Empfehlungen für BIP und Co. gemacht und verbreitet wurden), tja das ist jedem selbst überlassen...

Wir sind aber auch nicht die Zielgruppe. Zielgruppe ist, wer einmal die 40€ für das Buch und die 50 Stunden für Einarbeitung und Umsetzung scheut und dafür lieber hohe Gebühren bezahlt. Dafür aber die Katze im Sack kauft und überhaupt keine Ahnung hat, was sein Geld so treibt.

Naja, gerade da liegt für mich ein bischen der Widerspruch in der eigentlichen "Zielgruppe", gerade für den "Kommer"-Robo. Denn warum sollte man denn überhaupt ausgerechnet bei dem Kommer-Robo anlegen wollen, und nicht genauso stattdessen bei irgendwelchen Mitbewerbern (z.B. Quirion, Growney, Ginmon und wie sie alle heißen), die ja auch alle irgendwie das gleiche (oder zumindest ähnlich genug) machen, also allgemein das übliche B&H eines mehr oder weniger ähnlich aussehenden ETF-Weltportfolios (von mir aus auch halt mit etwas Faktor-Einschlag, wenn mans denn unbedingt so will, das gibts ja auch nicht nur erst beim Kommer)? Da denk ich mir doch, ok die Leute die sich davon (also den Mitbewerbern am Markt) dann halt noch gezielt für den Kommer-Robo entscheiden, machen das ja wahrscheinlich wohl, weil sie irgendwie dem Kommer (also der Person) speziell mehr "vertrauen" (im Sinne von, schreiben ihm viel Kompetenz zu, finden seine Investmentideen besonders gut, etc.) - und woher haben sie diesen Eindruck gewonnen? Na höchstwahrscheinlich doch, weil sie mal zuerst seine Bücher gelesen haben und gut fanden was da so drinstand. Jetzt ist es aber so, dass in den Büchern eigentlich auch schon alles nötige drinsteht, was einen Leser nach der Lektüre zum Selbstanleger befähigt, die Leute also (bei ernsthafter Verinnerlichung und Anwendung des Geschriebenen) alles in Eigenregie umsetzen könnten und einen Robo (egal von wem) eigentlich garnicht mehr bräuchten.

Also wie gesagt - wer Kommers Bücher gelesen hat, hat Kommers Robo eigentlich garnicht mehr nötig - und wer Kommers Bücher nicht gelesen hat, wird höchstwahrscheinlich auch garnicht erst auf die Idee kommen, bei Kommers Robo anzulegen (denn warum auch, die kennen den ja garnicht). Denn was für eine "Arbeit" nimmt der einem denn dann noch konkret ab? Die "Risikokategorisierung", womit in der Praxis ja eigentlich nur gemeint ist dass nach Durchlaufens eines Schema-F-Fragebogens einem eine "passende" Aktien/Anleihen-Verteilung vorgeschlagen wird (und das ist auch was, was im Kommerbuch schon längst zur Selbstmach-Umsetzung erklärt wurde). Dann noch die konkrete ETF-Auswahl, mit dem man dann die Assetklassen auch praktisch "befüllt", auch das wurde im Buch eigentlich schon gut genug erklärt dass sich jeder Leser/Anleger bei den entsprechenden Fonds/ETF-Plattformdatenbanken im Netz kostenlos selbst bedienen kann. Und schließlich im "laufenden Betrieb" vielleicht halt noch das Rebalancing ab und zu mal, was genauso auch keine hochkomplexe Hürde ist, dass man sie nicht selber machen könnte und unbedingt an jemanden delegieren muss der sich dafür noch seine (laufenden!) Gebührenprozente mit abknabbert - aber haja, das sag ich ja auch "nur" als eingeübter Selbstanleger.

Oder mit einer Analogie ausgedrückt, ich würds auch erstmal für genauso "komisch" halten, wenn jetzt ein erfolgreicher Kochbuch-Autor (ie.seine Leser sind doch eigentlich Selberkocher) auf einmal nun noch ein Restaurant aufmachen würde - und ja klar, das ganze ist natürlich nur scheinbar ein "Widerspruch", wenn man nicht einfach nur die "offensichtlichste Lösung" einnimmt, also dass es hier auch "nur" wieder ums mehr Geldverdienen und größeren potentiellen Kundenkreis erschließen geht. Ich hab ja genausowenig auch kein Problem damit, dass Leute z.B. dem Finanzwesir noch freiwillig aus eigenem Willen mehrere hunderte Euros für Seminare geben wollen um dort im Grunde auch "nur" Infos zu erhalten die sie sich eigentlich auch schon für kostenlos hier auf dem Blog zusammenlesen könnten.

Naja, also schauen wir mal ob der Kommer damit noch großartig Geld verdienen wird. Was ich so bisher an Reaktionen aus Finanzforen etc. gelesen hab, waren die Reaktionen bisher eher bestenfalls schulterzuckend bis halt eben eher ablehnend. Erstmal natürlich, weil halt ein einfach nur "neuer Robo" generell niemanden mehr wirklich hinterm Ofen hervorholt, sondern da nun mittlerweile genug Zeit vergangen ist um sich eine Meinung zur Branche und ihrer Performance zu bilden da auch immer mehr die Ernüchterung einsetzt. Und zweitens halt, weil auch der Kommer selbst schon nicht mehr so den absoluten Nimbus als "die Autoritätsperson" hat, was Anlage angeht, wie vielleicht noch vor einigen Jahren, auch und gerade weil er sich von seiner früheren relativ einfachen und klaren Passiv-Linie (wobei, bei genauerem Hinsehen hatte er schon immer einige gewisse Abweichungen vom rein passivem MK-Portfolio dabei, so von wegen BIP, Value und Smallcap, aber das hat man damals wohl halt noch nicht so kritisch wahrgenommen weil halt auch die meisten Anleger wohl selber noch genauso dran geglaubt hatten) abweicht und hintenrum wieder noch einen draufsetzen will mit immer mehr neuen Faktoren etc. was den meisten dann doch wieder zu weit geht und sich dadurch bei den Kritischeren wieder einiges an Reputation verspielt hat, aber haja.

Fürs Geldverdienen spricht ja, dass sich der Kostenaufwand (also bei Kommer intern) für die digitale Online-Vermögensverwaltung relativ in Grenzen hält, die technische Abwicklung im Hintergrund ist ja auch an Scalable outgesourced (welche sich natürlich dafür auch wieder einen guten Teil von den eigentlichen 0,70% Verwaltungsgebühren abnehmen), es könnte also schon mit einer "nur" vierstelligen Kundenzahl profitabel sein, und alles was darüber hinausgeht, "skaliert" (hihi) das Onlinekonzept ja gut (also dass es, im Ggs zur persönlichen Filialbetreuung, keinen Kostenaufwandsunterschied macht, egal ob ich tausend Kunden oder zehntausend Kunden verwalte). Während andere Robos, die halt noch keiner kennt, erstmal zu anfang den Großteil ihres Geldes mit Marketing usw. verbrennen, kann der Kommer da auch theoretisch schon auf eine bestehende "Bekanntheits-Masse" von, keine Ahnung wie oft seine Bücher verkauft wurden, vielleicht hunderttausend und mehr Lesern ansetzen und aufbauen, wenn er halt den Verweis auf seine Dienstleistungen in der nächsten Souverän-Ausgabe deutlich genug platziert - aber wie gesagt, siehe oben, dann ist natürlich die Frage wieviel Prozent seiner Leser nach der Lektüre des Buches wo eigentlich schon alles zum Selbermachen drinsteht dann auch noch wirklich sagen, och nö ich will aber trotzdem noch den Kommer bezahlen damit der das für mich macht.

Dafür aber die Katze im Sack kauft und überhaupt keine Ahnung hat, was sein Geld so treibt.

Naja, mein "Haupt"-Vorwurf an die Robos (gerade eben die "typischen" von denen wir hier hpts. reden, also die eigentlich alle gleichermaßen auch nur simples Weltportfolio-ETF-B&H betreiben) wäre eben nicht unbedingt, dass sie so schrecklich intransparent seien und man nicht wissen würde was in derem inneren so vor sich geht.

Sondern eher, im Gegenteil, gerade weil man so gut sehen kann was die mit dem angelegten Kapital eigentlich machen - nämlich auch "nur" das simple B&H eines relativ standardmäßigen ETF-Portfolios - wäre mein "Vorwurf" eher dass das eine so primitive Dienstleistung ist, dass die fast schon keine Existenzberechtigung hätte (bevor sich jemand aufregt, nein ich wills natürlich nicht verbieten, jeder soll selber entscheiden wofür er sein Geld ausgeben will, ich red nur von mir der darin keinen Mehrwert sieht), denn da ist absolut nichts zu finden was man nicht auch selbst machen könnte, und zwar wahrscheinlich "besser" (ie. so bleibt man wenigstens von den tendenziell unterperformenden Anlagevorschlägen der Robos verschont), auf jeden fall aber auch "billiger" (weil man sich eben diese unnötige zusätzliche Kosten-Zwischenschicht erspart).

Den Vorwurf der "Black Box" würde ich dahingehend wenn überhaupt eher an die Minderheit der Robos richten, die eben kein simples B&H mit starren Allokationen machen, sondern "aktivere" Konzepte fahren, wie eben z.B. Scalable wo ein Algo zum "Risikomanagement" munter hin und her tradet. Das simple B&H der anderen Robos verstehen ja noch die meisten und können nachvollziehen, warum man grad wie positioniert ist (deshalb ist da auch eher der "Vorwurf", dass man sich das ganze auch gleich sparen und selber umsetzen kann), aber ich unterstelle z.B. mal dass ein Großteil der Scalable-Anleger im Gegensatz dazu wohl nicht wirklich so ganz begründen könnten warum jetzt wie bestimmte Transaktionen gemacht wurden (außer halt relativ oberflächlich so ala "öh haja irgendwas wegen Risiko oder so..."), das ganze also mehr oder weniger ein Blindflug ist, und tja irgendwann kommt dann halt mal spätestens mit der sprichwörtlichen "Crashlandung" die Enttäuschung dabei raus.


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