14. April 2015


Können Bankgebühren zu niedrig sein?

Mein Credo: Runter mit den Gebühren, sparen Sie, wo Sie können. Jeder Euro, den Sie nicht als Gebühr ausgeben, arbeitet für Sie und erzeugt Zinseszins.

Trotzdem stellt sich mir die Frage: Gibt es auch ein zu viel des Guten? Ist es möglich, dass geringe Gebühren mir schaden und nicht nützen?

Um diese Frage zu klären, müssen wir uns in die Rolle der Bank versetzen und fragen:

Wie verdient die Bank Geld?

  1. Eigenhandel
  2. Zinsgeschäfte
  3. Gebühren und Provisionen

Eigenhandel

Der Eigenhandel (auch Nostrogeschäft genannt) war für viele Jahre eine wichtige Einnahmequelle der Banken. Die Banken haben sich zu niedrigen Zinsen Geld geliehen und dann damit an den Börsen spekuliert.
Vor der Finanzmarktkrise im Jahr 2008 betrug der Eigenhandel rund 15 Prozent am Geschäftsvolumen der Banken. Mittlerweile sind die Banken vorsichtiger geworden. Die Eigengeschäfte gingen während der Finanzkrise reihenweise in die Grütze und bescherten den Bankern hohe Verluste. Deshalb fing die EU an, diese Geschäfte zu reglementieren.

Fazit

Mit Eigengeschäften wird zurzeit nicht das große Geld verdient.

Zinsgeschäfte

Das klassische Sparkassengeschäft. Für Einlagen einen kleinen Zins zahlen, dann als Kredit teuer ausreichen und von der Differenz leben. Das ging jahrelang gut, bis sich das Zinsdelta in Nichts auflöste.

Fazit

Mit Kreditgeschäften Geld zu verdienen, ist hartes Brot. Internet-Anbieter wie Bondora, Auxmoney oder Zencap, die einen Teil des Kreditgeschäfts an sich ziehen, sind jetzt noch nicht groß genug, werden den Banken aber in den nächsten fünf bis zehn Jahren ordentlich Kunden abjagen.

Gebühren und Provisionen

Bankers Liebling. Ziemlich unsexy, aber eine solide und verlässliche Einnahmequelle. Man weiß schon im Januar, welche Einnahmen man im Dezember erwarten kann. Beim Eigenhandel und bei Zinsgeschäften muss eine ehrliche Bank mit dem arbeiten, was da ist, denn sie darf weder die Börsenkurse noch das Zinsniveau beeinflussen. Ihre Gebührentabelle dagegen macht jede Bank so, wie es ihr passt.
Das Problem: Die Gebühren sind das, was der Kunde sieht und was ihm sofort auffällt. Wer Kunden gewinnen will, muss die Gebühren senken.

Fazit

Gebühren sind der Rettungsanker für jede Bank, sind aber dem Wettbewerbsdruck ausgesetzt.

Was passiert, wenn die Einnahmen nicht ausreichen?

Die Bank schrumpft. Filialen werden geschlossen, Mitarbeitern wird gekündigt. Eine Zeit lang kann die Bank von der Substanz leben. Aber irgendwann wird fett zu Skelett.

Was dann?

  1. Die Bank meldet Insolvenz an oder wird aufgekauft, hört also auf zu existieren.
  2. Die Bank gleitet in die Beschaffungskriminalität ab.

Punkt eins ist nicht weiter schlimm. Ein Umzug nervt, aber die Situation ist klar.
Punkt zwei ist viel gefährlicher. Die Bank kämpft ums Überleben und braucht Geld. Egal wie. Die Frontleute im Vertrieb werden extrem unter Druck gesetzt, jedem, der nicht bei drei auf dem Baum ist, etwas zu verkaufen, egal was. In diesem Graubereich werden 80Jährige mit einer Kapitallebensversicherung beglückt und Singles davon überzeugt, dass sie unbedingt eine Risikolebensversicherung und eine Hausratsversicherung brauchen. Hauptsache Provisionen kommen rein.

Die zweite Stellschraube: fantasievolle Gebühren. Natürlich wird die Bank weiterhin optisch billig bleiben wollen, aber wenn sie die Gebühren nur hinreichend gut versteckt, aufteilt und schick benennt, wird sie damit schon durchkommen.
Deshalb Beschaffungskriminalität. Eigentlich will niemand in diesem Graubereich fischen, aber der Zweck heiligt die Mittel. Bevor ich meinen Arbeitsplatz verliere, ist mir ‒ fast ‒ jedes Mittel recht, Geld heranzuschaffen.

Was ist mit Strafzinsen?

Keine Strafzinsen! Als Bank möchte ich unter allen Umständen ein gieriges Image vermeiden. Auf schlechte Presse und Druck aus der Politik und von Verbraucherschützern kann ich verzichten. Die Situation ist schon verfahren genug.

Was tun als Bank?

Kontoführungsgebühren wären ein ehrlicher, weil transparenter Weg. Aber das macht auch schlechte Presse und die Gebühren werden zum Teil von den Gerichten als nicht rechtmäßig kassiert.
Keine Bank will als "teuer" gelten. Deshalb werden die Banken meiner Einschätzung nach

  • ihre Leistungen so verpacken, dass es schwierig wird, die Angebote der einzelnen Banken zu vergleichen (großes Vorbild: die Mobilfunker)
  • diese Neuerungen mit viel Wortgeklingel (Vorzugsbehandlung, Best-Leistung) als "Premiumprodukt" verkaufen (großes Vorbild: der "Ich-bin-doch-nicht-blöd"-Markt)

Noch steckt dieser Trend in den Kinderschuhen, aber bereits jetzt gehen die juristischen Auseinandersetzungen los.
Die Postbank will Gebühren für Papierüberweisungen, andere Banken nehmen Pauschalgebühren für Buchungsposten.
Was ich mir auch vorstellen kann, sind Kombis aus Kredit und Versicherungen. Beispielsweise eine Kontoüberziehungsversicherung. Damit versichere ich mich dagegen, dass ich das Konto nicht ausgleichen kann und die Bank mich dann womöglich verklagt.
Wenn die Bank abgelaufene Kredit- oder ec-Karten erneuert, werden Gebühren fällig. Wer seine Karte oder die Geheimnummer verliert, wird kräftig zur Kasse gebeten.
Womöglich werden auch die SMS mit den mobilen TANs nicht mehr kostenlos sein. Kontoauszüge nur noch gegen Gebühr ‒ der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.
Ebenfalls immer lohnend sind Co-Marketing-Aktionen: "Unter allen Inhabern unseres Premium-Kontos verlosen wir ein iPad oder eine Nespresso-Maschine oder einen anderen Schnickschnack, der ein tolles Image hat."

Exkurs: Warum ich bei ETFs hohe Handelskosten gut finde

Finanzwesir, was hast Du denn geraucht!

Lassen Sie mich meine Position erklären:

Wenn es um den ETF an sich geht, bin ich sehr für niedrige Gebühren. Die laufenden Kosten sollen niedrig sein, denn sie schmälern meine Rendite.

Der Kommentar meines Lesers Patrick hat mich nachdenklich gemacht. Er schreibt:

"Ich wollte schon länger mit monatlichen Beträgen frei ETFs handeln und die Ing-DiBa macht mir das jetzt wesentlich einfacher."

Mit anderen Worten: Niedrige Gebühren verleiten zu mehr Handel. Mehr Handel bedeutet:

"Hin und her macht Taschen leer."

Gebühren sind Sand im Getriebe. In diesem Fall ist das gut.
Besser wäre es natürlich, trotz geringer Gebühren kaum zu handeln. Aber so viel rationaler Homo oeconomicus steckt wohl in den wenigsten von uns.

Fazit ‒ was tun?

Holzauge sei wachsam! Achten Sie auch weiterhin auf die Gebühren, suchen Sie sich eine kostengünstige Bank.
Stellen Sie sich aber darauf ein, dass die Quersubventionierung langsam aufhört und überlegen Sie sich: "Warum kann meine Bank diese Dienstleistung kostenlos anbieten, während alle anderen dafür Geld verlangen?"
Ist meine Bank wirklich so gut oder holt sie das Geld auf anderen Wegen wieder rein?
Passen Sie auf, dass Sie mit Ihrer Bank nicht das gleiche Desaster erleben wie ich mit Almado Energy. Wie gesagt, irgendwo muss das Geld herkommen. Irgendwann geht ehrlich nicht mehr und die gezinkten Karten werden ausgeteilt.

Ein anderes Beispiel. Ich habe letztens die Kreditkarte gewechselt. Meine alte hat 22 Euro pro Jahr gekostet, die neue ist kostenlos.
Manchmal denke ich: Das war ein schlechter Deal.

Warum?

Bei der Bestellung der Karte habe ich alle Versicherungen rund um die Karte rundweg abgelehnt. Nein, die Anti-Diebstahlsversicherung ist mir keine 2,50 Euro pro Monat wert und ich möchte mich mithilfe der Karte auch nicht gegen meinen Tod, meine Arbeitslosigkeit oder meine Arbeitsunfähigkeit versichern. Ich brauche eine Kreditkarte und keine "Mir-könnte-der-Himmel-auf-den-Kopf-fallen"-Lösung. Aber sagen Sie das dem Verkäufer mal so knallhart ins Gesicht. Man kommt sich dann immer so vor wie ein Amokläufer, dem jedes Risiko scheißegal ist.
Da muss sich die Frau nicht nur um meine Beerdigung kümmern, sondern sich auch noch mit den Forderungen der Bank herumschlagen. Das wenigstens könnte ich ihr doch ersparen! Appell an den Mann als breitschultrigen Beschützer.
Meine Frau hat mir glaubhaft versichert, dass sie im Falle eines Falles mit dieser zusätzlichen Belastung klarkommen würde. Sie würde keinen Eichensarg Deluxe wählen. Dann wäre auf jeden Fall genug Geld auf dem Konto, um die Kreditkartenschulden zu begleichen.

Pragmatische Lösung ‒ Versicherung gestrichen.

Aber:

So schnell geben die nicht auf. Jedem Kontoauszug liegt nun ein Flyer bei, der die Freuden der Rückzahlung auf Raten preist. Für nur 16,90 % (effektiver Jahreszins) kann ich mir all die Dinge kaufen, die ich schon immer nicht haben wollte.
Gut, ich bin der Finanzwesir, ich bin moralisch gefestigt … Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Ich muss diesen Flyer jedes Mal aktiv wegwerfen und bin jedes Mal der Verlockung ausgesetzt.

Mein Deal: Ich habe meinem neuen Kreditkartenanbieter für 22 Euro im Jahr das Recht verkauft, mir Werbung zu schicken. Das erinnert mich fatal an 1. Mose 25:34

"Und also verkaufte Esau sein Erstgeburtsrecht an Jakob um ein Linsengericht."

Dann vielleicht doch eine Bank, die etwas kostet?

Nachtrag vom 24.04.2015

Die Wirtschaftswoche schreibt, wie die "Jetzt-handeln-Sie-umsonst"-Aktionen der Banken zustande kommen. Da ist viel Gemauschel dabei. Sie handeln umsonst, aber der Kurs, den man Ihnen bietet, ist halt schlechter …
Es gibt noch mehr Tricks, die aber selbstverständlich alle nicht gegen den EU-Anlegerschutz verstoßen.
Wie Banken beim Aktienhandel doppelt abkassieren.

(awa)

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Kommentare

Teilzeitinvestor sagt am 14. April 2015

Die Kreativität bei versteckten Gebühren kennt schon jetzt keine Grenzen. Bei der Amazon Kreditkarte werden z.B. 7,50 EUR Gebühren für "Bargeldabhebung" fällig, wenn man mit der Karte z.B. seinen Lottoschein bezahlt. Weil irgendwo im Kleingedruckten steht, dass Lottoumsätze wie Bargeldumsätze behandelt werden. Ok, Lottospielen ist eh rausgeworfenes Geld, trotzdem ist das schon ziemlich dreist: "Sie haben zwar kein Bargeld abgehoben, aber bei beliebiger Warenkategorie X tun wir einfach mal so, als wenn Sie das hätten".


Finanzrocker sagt am 15. April 2015

Absoluter Highlight-Artikel, der viel Wahres mit grandiosen Sprüchen würzt.

Ich zahle auch Bankgebühren bewusst und finde es ok. Schlimm wird es nur bei den versteckten Gebühren, die unvermittelt auftauchen. Ein Beispiel dafür hat der Teilzeitinvestor genannt. Und so ein Beispiel mit Kreditkarten kommt nicht selten vor.

Viele Grüße Daniel von Finanzrocker


Thomas Beutler sagt am 15. April 2015

Hallo Finanzwesir,

du triffst den Kern mit deinen Aussagen. Als ehemaliger Volksbanker kann ich den Trend zu immer mehr Ertragsdruck nur bestätigen.

Gerade die Bankmitarbeiter aus Volksbanken und Sparkassen werden glaube ich in den nächsten Jahren noch ordentlich durchgeschüttelt werden und tun mir leid.

Die Hilflosigkeit der Führungskräfte führt zu einem immer größeren Vertriebsdruck nach "unten". Die Mitarbeiter am Markt sollen dann mit aller Gewalt die fehlenden Erträge reinholen. Folge: Gequälte und verunsicherte Mitarbeiter mit Burn-Out Risiko. Natürlich leiden auch die Kunden unter dem Verkaufsdruck.

Die gesamte Branche ist im Wandel und das ist langfristig in jedem Fall positiv zu bewerten :-)

Viele Grüße!

PS: Übrigens gibt es schon kostenpflichtige TANs aufs Handy (Online-Konto einer Genossenschaftsbank im Saarland, siehe Artikel)

Auf dem Blog von Thomas Beutler gibt es hierzu diesen Artikel: Konservativ vs Modern


scratch sagt am 15. April 2015

Meine derzeitige Bank ist sicher nicht die günstigste, aber ich bin mit dem Depot, Services und der Kommunikation (dort versucht mir niemand etwas anzudrehen) sehr zufrieden.

Allerdings bietet z.B. die onvista Bank für einige ETF's meiner Wahl kostenlose Sparpläne. Nun hadere ich seit einigen Tagen immer mal wieder damit, mir eine weiter Bank ans Bein zu binden ...

Jemand mit selbigem Problem und einem Rat? :)


Benjamin sagt am 16. April 2015

@ scratch

Nur wegen einem möglicherweise nur vorübergehenden kostenlosen Sparplan wechselt man nicht die Bank ;-)

Gruß Benjamin


Arminius sagt am 16. April 2015

Sehr schöner Artikel. Vielen Dank!

Ich hatte ein ähnliches Erlebnis als mir flatex bei meinem ersten Dividendeneingang aus Übersee eine Gebühr abzwackte. Da nützt es auch nichts, wenn ich beim Kauf aller 2-3 Monate 5 € spare.
Ergebnis: Depotübertragung an eine andere Bank!!!


Finanzkoch sagt am 16. April 2015

Hallo Finanzwesir,

wer freut sich nicht über niedrige Gebühren? Auch ich nutze zur Zeit noch die Dienste einer Direktbank (kostenlose Kontoführungsgebühr, keine Depotgebühr usw. ...).
Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass eine Bank eine Dienstleistung anbietet (durchführen von Überweisungen, abheben von Bargeld usw. ...) und für diese muss bezahlt werden. Andernfalls wird die Qualität der Dienstleistung sinken (Entlassung von Mitarbeitern, Schließung von Filialen usw. ...).
Die andere Option für die Bank ist, wie du treffend beschrieben hast, sich das Geld woanders zu beschaffen ...
Doch bei versteckten Gebühren und dem Verkauf von Produkten, an Menschen die diese gar nicht brauchen, ist noch lange nicht Schluss ... da beginnt der Spaß doch erst.
Es werden munter ganze Märkte manipuliert und so Summen verdient, die sich kein Mensch vorstellen kann. Das Ergebnis kann man in den Medien verfolgen. Es vergeht kaum eine Woche, in der sich Banken nicht mit Milliarden freikaufen, um einem Schuldspruch zu entgehen.

Das die Deutsche Bank darüber nachdenkt, ihr Privatkundengeschäft zu verkaufen, zeigt das die Branche in den vergangenen Jahren nichts gelernt hat.

Zusammen mit meinem Geschäftskonto, wird mein Privatkonto zu einem nachhaltigen Institut umziehen. Wenn ich weiß, dass eine Bank mit meinem Geld verantwortungsvoll umgeht, bin ich auch bereit Gebühren zu bezahlen.

schöne Grüße
der Finanzkoch

Auf dem Blog von Finanzkoch gibt es hierzu diesen Artikel: Zeit für Krötenwanderungen


Max sagt am 16. April 2015

Im Eigenhandel haben sich Banken kurzfristig Geld geliehen und es langfristig angelegt. Die Zinsdifferenz war der Gewinn. Das geht im momentanen Zinsumfeld natürlich nicht mehr.


Hartmut sagt am 17. April 2015

Ich habe bei e-Mail-Konten das gleiche Spiel ausprobiert.
Ich habe ein Konto bei GMX, da ist Werbemüll ohne Ende, von GMX und auch von anderen (die Adresse haben aber auch viele, da ist also nicht nur GMX schuld).
Ich habe eins bei Google (mein Smartphone brauchte das - für die comdirect-Grafische-TAN-App - an sich cool), das ich nie benutze und das trotzdem bespammt wird, unter anderem von einem japanischen Kleiderversender ohne gültige Absenderadresse :-),
Ich habe eine (kostenpflichtige - einige EUR im Monat) Strato-Domain mit einigen Mail-Adressen - nahezu vollständig werbefrei, wenn auch einige wenige Leute anscheinend über DENIC Domainnamen ermitteln und den postmaster mit Müll bewerfen, mailbox.org - 1 EUR im Monat und bis heute NULL Spam.

Ja, ich glaube, dass gute Leistung gutes Geld kosten darf, und ein kostenfreies Konto sicher Fußangeln hat.
Nur - in Deutschland ist ja Geiz so geil, dass es die ordentlichen Angebote zu einem fairen Preis (der nicht 0 ist, aber eben auch nicht unverschämt) anscheinend nur ganz selten gibt.

Aber die Diskussion, welcher Preis für ein Konto fair ist, müsste mal eine Bank mit einem einfachen, fairen Preismodell eröffnen - oder mit einem Offenlegen der Kostenkalkulation bzw. der Quersubventionen. Ich warte noch. Bei Banken: meine teilte eine XETRA-Aktienorder und verrechnet pro Teilauftrag den Mindestsatz von 15 EUR.
Bei XETRA kosten Teilausführungen übrigens nichts extra, und die Gesamtkosten dort liegen deutlich unter ein EUR.
Ein deutlicher Beschwerdebrief hatte Erfolg.
Die Post hat mal eine Monatsgebühr für das Postsparbuch angekündigt. Das habe ich dann halt geschlossen. Wer mich nicht als Kunde behalten will ... Preise für das Abheben am Automaten mit fremder Karte -- das sind doch Mondpreise, oder kann jemand bestätigen, dass die geforderten Preise etwas mit den realen Kosten zu tun haben?
Wenn die Ordergebühr für ETFs von der Fondsgesellschaft abhängt (Top-Preis-ETF) - ist das eine Werbeaktion der Fonds-Gesellschaften ? Der Bank? Oder stehen da wirklich unterschiedliche Kosten dahinter?

Wenn ich eine Bank finde, die auf mich den Eindruck macht, dass sie bezüglich Kosten und Leistungen fair ist, dann sind auch Kontoführungsgebühren oder Depotgebühren kein Showstopper. Wer weiß eine?

Bis dahin muss ich halt eher eine 'billige' suchen und aufpassen, dass ich keine Restschuldversicherungen abschließe, die ich nicht will (da hat mich auch schon mal eine Bank als Kunden verloren...).

Hartmut


Uwe P. sagt am 17. April 2015

Lieber Finanzwesir,

der Aufsatz kommt streckenweise so rüber, als wären die Banken per se unseriöse Unternehmen. In Realität: Die Wirtschaft benötigt die Banken und die kleinen Leute auch.

Der Aufwand der Finanzindustrie muss bezahlt werden, es geht nicht anders. Man kann sich dank der Vielzahl an Angeboten ein oder gar mehrere Banken raussuchen, die den eigenen Bedürfnissen nahekommen. Eine Direktbank ohne Beratung und ohne Schalterbetrieb, fast zum Nulltarif: Gibt es. Eine solide Bank, die bis in den ländlichen Raum hinein Filialen hat: Gibt es auch. Kostet mehr, das geht aber nicht anders.

In Zeiten hoher Zinsen lassen sich Gebühren besser verstecken. Das Geld wächst eben nicht so schnell oder die hintenrum erwirtschafteten Zinsen des Girokontos decken Aufwand. Die Masse der Kunden "will das so", will die Gebühren "nicht merken". Ein ordentliches Modell wäre eine Zahlung für jede Leistung, z.B.:

  • Girokonto kostet von sich aus was, nicht allzuviel
  • Überweisungen kosten extra, auch nicht schmerzvoll
  • neue Karten, neue Geheimzahlen kosten auch.
  • dafür gibt es normale Festgeldzinsen aufs Girokonto

In Zeiten hoher Zinsen und guter Gebühren-Versteck-Möglichkeit bekäme eine solche Bank den Konkurrenzdruck zu spüren. Aber jetzt, bei Nullzins? Da fangen viele "Gratisbanken" an rumzueiern. Was sollen sie auch tun? Es müssen Gebühren herein, irgendwie. Manche Ansinnen werden dann unseriös, auch das ist nachvollziehbar.

Kurz: Eine ordentliche Leistung muss ordentlich bezahlt werden. Das wollen wir für uns selbst ja auch so.

(Außer beim Finanzwesir, der lebt von Kommentaren ^^). Bei Nullzins wird es für die Banken heikel.


Finanzwesir sagt am 17. April 2015

Hallo Uwe P.

"der Aufsatz kommt streckenweise so rüber, als wären die Banken per se unseriöse Unternehmen."

Durchaus nicht. Ich möchte mit meinem Artikel eher die Kundschaft dazu anregen sich zu überlegen: Es kann nicht alles gratis sein. Die Banken müssen Geld verdienen. Wenn es nicht offensichtlich ist, wie die Bank ihr Geld erwirtschaftet, sollte man sich fragen: Wo kommt das Geld her?

Es muß endlich mal Schluß sein mit diesem "Ich bezahle nichts für Beratung, denn bei meiner Bank ist das umsonst."

Und der Finanzwesir lebt auch nicht mehr lange nur von Kommentaren, das erste Buch ist in Planung. ;-)

Beste Grüße
Finanzwesir


LaNeuve sagt am 18. April 2015

Es ist ein oft zu lesendes Mantra, dass "guter Service" bei Banken Geld kostet und entsprechend bezahlt werden muss. Genau wie oben auch Uwe P. schreibt

"Eine ordentliche Leistung muss ordentlich bezahlt werden."

Manche Kunden ziehen für sich selbst daraus den Schluss, dass sie "gerne" (oder zumindest "bewusst") bei Banken Gebühren in Kauf nehmen, um diesen "guten Service" zu würdigen und entsprechend zu bezahlen. Sie wollen sich "fair" verhalten getreu dem auch bei Uwe P. zu lesenden Satz

"Das wollen wir für uns selbst ja auch so."

Ich gehöre nicht zu dieser Gruppe. Ich betreibe "Rosinenpickerei" bei zahlreichen Banken und kombiniere bei meiner Multi-Banken-Strategie die Vorteile verschiedener Angebote, ohne die Nachteile in Form von Gebührenfallen in Kauf zu nehmen. Das ist zwar mit einem gewissen Aufwand verbunden, doch stimmt die Aufwands-Ertrags-Relation meiner Einschätzung nach, zumal ich mich für das Thema auch interessiere, gerne neue Banken "ausprobiere" und mich lustvoll mit den Details von Preis-Leistungsverzeichnissen beschäftige, um die Gebührenfallen zu identifizieren, bevor ich hineintappe (man muss nicht immer das Sprichwort "Aus Schaden wird man klug" bestätigen, man kann dem Schaden auch durch Lesen vorbeugen).

Meine Rosinenpickerei funktioniert nur deshalb, weil Banken versuchen, ihre Erträge durch eine Mischkalkulation zu erzielen. Die einzelnen Leistungen, die ein Kunde nutzt, werden eben nicht fair gepreist und nach dem Verursacherprinzip demjenigen in Rechnung gestellt, der sie nutzt, sondern man versucht, dem Kunden ein verlockendes Angebot a la "kostenlose Kreditkarte", "kostenlose Kontoführung", "keine Depotgebühren" etc. zu machen und ihm dann auf anderem Wege entstandene Kosten und Gewinnmargen in Rechnung zu stellen. Da sich die Banken dabei allerdings nicht gerade intelligent anstellen (oder vielleicht auf die Dummheit ihrer Kunden bauen?), kann man ihre Leistungen heutzutage weitgehend zum Nulltarif nutzen. Ein "schlechtes Gewissen", dass ich die Banken durch meine Rosinenpickerei in den Ruin treibe, habe ich dennoch nicht. Ich nutze nur das, was sie mir anbieten, und zwinge sie ja nicht dazu, mir ihre Produkte und Dienstleistungen zum Nulltarif anzubieten.



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