18. Mai 2015


Leserfrage: Was passiert, wenn mein ETF geschlossen wird?

Leser D. fragt

Was passiert eigentlich, wenn eine Bank/ein Anbieter sich von heute auf morgen überlegt, einen beliebten ETF, den ich im Portfolio habe, einzustellen?
Geht das überhaupt? Und wenn ja wie?
Bin ich dann gezwungen, meine Anteile zu Kursen eines bestimmten Stichtags zurückzukaufen?
Das könnte im Zweifel sehr unangenehm werden, sollten die Kurse gerade temporär im Keller sein.

Der Finanzwesir antwortet

Es wird zu Fonds-Schließungen kommen, das ist in meinen Augen sicher, denn es gibt zu viele Nischen-ETFs.
Wenn es aber um die Brot- und Butter-ETFs geht, in die ein Privatanleger investieren sollte (also die MSCI Worlds dieser Welt), dann sehe ich hier kein großes Risiko. Warum sollte ein Anbieter einen beliebten ETF schließen? Er verdient doch Geld damit.
Außerdem würde es sein Image nachhaltig ruinieren. Wenn die Deutsche Bank ihren ETF auf den MSCI World schließen würde, käme das einer Bankrotterklärung gleich. Die ganzen institutionellen Anleger würden toben, sie müssten ihre Milliarden umschichten und die Presse würde kübelweise Häme ausgießen.

Wenn Sie einen ETF kaufen, der

  • ein Volumen jenseits der 50 Millionen (Euro oder Dollar, je nach Fondswährung) hat,
  • von einem großen Anbieter aufgelegt wurde,
  • seit 5 Jahren besteht,
  • auf einem marktbreiten Index basiert,

dann ist das Risiko sehr, sehr gering, dass diese Cash Cow vom Anbieter geschlossen wird.

Den dreifach gehebelten Short-ETF auf burmesische Wasserbüffel-Aktien könnte dieses Schicksal schon eher ereilen.

Aber selbst dann kann der Anbieter den ETF nicht so einfach hinterrücks abmurksen, sondern muss das vorher ankündigen.
Dann können Sie verkaufen. Oder der Anbieter bietet einen Tausch an: 2,34 Anteile burmesischer Wasserbüffel gegen einen Anteil pazifische Small Caps aus dem gleichen Haus (man will Sie ja als Kunden behalten).
Den können Sie dann annehmen oder verkaufen. Wenn Sie nichts tun, werden Sie zum Schlusskurs des Schließungstages ausgezahlt.

Fazit

Leser D. geht es um

"einen beliebten ETF"

Deshalb muss er sich keine Sorgen machen.
Privatanleger, die passiv in marktbreite Indizes investieren, brauchen sich keine Gedanken darüber zu machen, dass ihr ETF geschlossen wird.
Bevor Kolosse wie der MSCI Emerging Markets ETF von iShares mit einem Volumen von 4,5 Milliarden US$ oder der db-x trackers MSCI World ETF mit 2 Milliarden US$ abgewickelt wird, muss schon viel passieren.

(awa)

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Kommentare

Claudius sagt am 18. Mai 2015

Ich denke auch, dass dieses Risiko sehr gering ist und es notfalls genügend Lösungen gäbe. "Wenn die Deutsche Bank Ihren ETF auf den MSCI World schließen würde, käme das einer Bankrotterklärung gleich." Was würde denn in denn in einem solchen Fall - also einem Bankrott, (rein hypothetisch) passieren?


Teilzeitinvestor sagt am 18. Mai 2015

Die entscheidende Frage: Was mache ich mit 2,3 Wasserbüffeln? Passen nicht bei mir in den Vorgarten.


chaostrader sagt am 19. Mai 2015

Was würde denn in denn in einem solchen Fall - also einem Bankrott, (rein hypothetisch) passieren?

Das im ETF angelegte Geld ist Sondervermögen. Wenn der ETF-Anbieter pleite geht, ist das Anlegergeld für seine Gläubiger nicht erreichbar, das bleibt immer noch Dein Geld (im Gegensatz zu der Kohle, die man bei Lehman Bros. oder Prokon angelegt hatte).
Wie die Kohle zu einem zurückkehrt, ob man da drauf warten muss und in welcher Form Steuern anfallen... keine Ahnung. Wäre sicherlich ärgerlich, aber vermutlich verkraftbar.
Bei höheren Anlagebeträgen kann man ja mal über eine Streuung in ähnliche ETFs verschiedener Anbieter nachdenken. Auf den Ertrag einer viertel Million ETF-Anteile kurz vor dem Ruhestand schlagartig Kapitalertragssteuer zahlen zu müssen wäre viel schlimmer als auf "nur" 50.000.


Anton sagt am 19. Mai 2015

Es ist kein grosses Problem, wenn ein ETF geschlossen wird. Ist mir schon 2x passiert. Die kontoführende Bank warnt den ETF-Besitzer rechtzeitig vor der ETF-Schliessung. Das 1. Mal habe ich alle Anteile des betroffenen ETFs sofort verkauft und mich bei einem anderen, ähnlichen und grösseren ETF eingekauft (klar: das fallen Transaktionskosten und Steuern an). Das 2. Mal hat der ETF-Anbieter meine "alten" ETF-Anteile in "neue" ETF-Anteile umgetauscht (2 ETF wurden damals zusammengelegt; keine Kosten sind entstanden). Insgesamt keine wilde Sache, kommt in der besten Familie vor (ist mir beides Mal mit iShare-ETFs passiert).


Sportsfreund sagt am 31. August 2015

Mal nebenbei: DB X-Trackers schließt ein paar "unbeliebte" ETFs, u.a. DBX1EM und DBX1MW

https://www.dab-bank.de/media/Kapitalmassnahmen/2015_08_24/DBXTRA240815.pdf


Sportsfreund sagt am 31. August 2015

Kommando zurück, ist nur ein Delisting, keine Schließung


Dummerchen sagt am 31. August 2015

Und damit keine Verwirrung unter den "Neulingen" entsteht: Delisting heißt, dass diese ETFs an einzelnen Börsenplätzen (vermutlich aus Kostengründen) nicht mehr gehandelt werden. Bei den o.g. ETFs handelt es sich um die Börse in Paris bzw. in London. Den deutschen Anleger sollte das eher nicht interessieren.


ETF Banause sagt am 15. Februar 2016

Es heißt ja immer das ETF Anteile Sondervermögen sein, trotzdem frage ich mich was denn genau bei einer Pleite des Anbieters passiert.
Bekomme ich bei der Pleite eines replizierenden ETFs dann möglicherweise hunderte verschiedene Einzelaktien aus dem Pool des ETFs in mein Depot? Das ist doch dann wahnsinnig teuer die alle einzelnd zu verkaufen. Was passiert bei einem synthetischem ETF? Bekomme ich dann anteilig irgendwelche Finanzprodukte, mit denen die zum Zeitpunkt der Pleite spekuliert haben? Das kann ja auch nicht sein.


Longus, S sagt am 16. Februar 2016

an ETF Banause

Es wird garantiert keine hunderte Einzelaktien geben. Obwohl, lustig wäre es, Aktien im Wert von 3 Euro zu bekommen, die man für 5 EUR Gebühren verkauft =D

Auszug von DEKA ETF: Auflösung ETF

Die Rücknahme von Anteilen wird eingestellt. Der Erlös aus der Veräußerung der Vermögenswerte des Sondervermögens abzüglich der noch vom Sondervermögen zu tragenden Kosten und der durch die Auflösung verursachten Kosten wird von der Verwahrstelle an die Anteilinhaber ausgezahlt, wobei diese in Höhe ihrer Anteile am Sondervermögen Anspruch auf Auszahlung des Liquidationserlöses haben.

Zu deutsch: Das Ding wird abgewickelt. Alles wird vertickt und der Erlös anschließend an die Anteilseigner ausgeschüttet.
Bei einem synthetischen ETF werden die Sicherheiten verkauft. Das sind z.B. im Fall der Comstage 105 % des Wertes in deutschen Staatsanleihen. Und wenn die auf einmal nichts mehr Wert sind, haben wir ganz andere Probleme als das Sondervermögen.


Christoph (der Stillhalter) sagt am 16. Februar 2016

@ ETF Banause

Ich glaube da muss man zuerst mal trennen. Der Inhalt deines Depots ist Sondervermögen. Das heißt wenn die depotführende Bank pleite geht, kannst du deine Anteile einfach in ein anderes Depot übertragen. Ähnlich wie es mit deinem PKW wäre, wenn der Parkhausbetreiber pleite geht während du da parkst.

Dann gibt es noch die Fondsgesellschaft. Geht die pleite ist das Vermögen des Fonds ebenfalls Sondervermögen. Sofern der Insolvenzverwalter niemanden findet, der den Fonds weiterführt geht es ans eingemachte.
Da man dir bei einem physischen Replizierer aber keine 0,XXX Anteile an einer Aktie übertragen kann, würde das Fondsvermögen wohl veräußert werden und man würde dir deinen prozentualen Anteil in der Fondswährung abzüglich ein paar Kosten auszahlen.

Reden wir dann von einem synthetischen ETF wird es kompliziert. Da verweise ich aber mal auf justetf anstatt hier einen Roman zu schreiben: https://www.justetf.com/de/news/etf/synthetisch-replizierende-etfs-wie-risikoreich-ist-ein-swap-etf.html