02. Februar 2014


Warum Garantiefonds nichts taugen

Ein typisches Angebot lautet: „Sie geben uns das Geld für 8 Jahre und wir garantieren Ihnen, dass Sie nach 8 Jahren mindestens die eingesetzte Summe erhalten.“ Viele Deka-Fonds sind so konstruiert. Garantiefonds ohne begrenzte Laufzeit versprechen Mindest-Rückzahlungsbeträge zu periodisch wiederkehrenden Stichtagen.

Wie machen die das?

Der Löwenanteil des Geldes wird schlicht und ergreifend in festverzinsliche Papiere gesteckt. Auch das Fonds-Management kann nicht hellsehen. Wenn Ihnen die Manager eine bestimmte Rückzahlung garantieren, dann müssen sie sich selbst auch absichern. Deshalb kauft das Management beispielsweise Staatsanleihen oder Pfandbriefe von Top-Schuldnern. Mit dem Rest wird dann spekuliert, um die Rendite zu erhöhen.

Ein Beispiel

Folgendes Beispiel: Nehmen wir an, Sie kaufen für 10.000 Euro Anteile eines Garantiefonds. Was passiert jetzt? Zuerst einmal zieht der Fonds den Ausgabeaufschlag ab. Je nach Fonds sind das bis zu 5,25 %. Ich rechne hier mit 5 %.
Aus den 10.000 Euro sind jetzt 9.500 Euro geworden. Damit wirtschaftet der Fonds und auf diese Summe bezieht sich auch die Garantie. Wer als Privatmensch sein Geld aktuell für 8 Jahre fest anlegen will, bekommt dafür 2,5 %. Nehmen wir an, die Bank ist besser und kann 3 % herausholen. Die Bank legt jetzt 9.223 Euro zu 3 % an, und mit den verbliebenen 277 Euro kann sie zocken und versuchen die Rendite nach oben zu pushen.
Nach einem Jahr sind aus den 9.223 Euro dank der 3 % Zinsen 9.500 Euro geworden, die Garantiesumme ist also wieder am Start. Das 277 Euro starke Rendite-Nachbrennerchen kann sich entweder als Rohrkrepierer (Totalverlust) oder als Senkrechtstarter (100 % Gewinn, also eine Verdoppelung des Einsatzes) herausstellen.
Wenn die Bank die absolute Mega-Performance hinlegt, dann ist nach einem Jahr der Ausgabeaufschlag wieder drin. Eine Verdoppelung des Einsatzes ist aber sehr, sehr unwahrscheinlich ‒ schon 20 % Plus sind ein sehr gutes Ergebnis. Dann wäre das Vermögen nach einem Jahr bei 9.832 Euro. Für Sie ist das Investment damit immer noch unter Wasser, denn der Ausgabeaufschlag ist immer noch nicht ausgeglichen.
Neues Ungemach droht: Das erste Jahr ist rum, und die Fondsgesellschaft bucht die jährlichen Management-Gebühren ab. Und wieder sind 1,5 % weg. Wenn wir unser obiges Beispiel nehmen, fallen 147 Euro an Gebühren an, das Vermögen verringert sich also auf 9.685 Euro, und das Spiel beginnt von vorne.
Der Fonds robbt sich mühsam an die Nulllinie (die eingezahlten 10.000 Euro) heran, überschreitet diese dann in einigen Jahren, um dann aber womöglich doch wieder auf 9.500 Euro (die Garantiesumme) zurückzufallen.
Wenn ich mit 2 % Inflation rechne, dann haben diese 9.500 Euro, die Sie nach 8 Jahren zurückbekommen, nur noch eine Kaufkraft von aktuell 8.247 Euro. In 8 Jahren von 10.000 Euro auf 8.247 Euro … Was für ein Deal! Da wäre es schlauer gewesen nicht den Fonds, sondern die Aktien der Fondsgesellschaft zu kaufen.

Deshalb können Garantieprodukte nicht funktionieren

  1. Der Renditeteil des Garantiefonds ist im Vergleich zum Garantieteil vernachlässigbar klein. Das bedeutet: Die Performance des fest angelegten Garantieteils dominiert das Fondsergebnis.
  2. Üppige Gebühren fressen die ‒ konstruktionsbedingt ‒ niedrigen Renditen auf.

Mit anderen Worten: Garantiefonds sind totaler Mist und eine gnadenlose Abzocke!

So geht’s besser

Halt, nicht so schnell! Ich würde das differenzierter betrachten. Ja, die Ausführung taugt nichts, hier zahlt man als Anleger systematisch drauf. Aber die Idee des Garantiefonds, das Vermögen aufzuteilen, halte ich für sehr clever.

  • Teil 1 ist sicher, aber renditeschwach.
  • Teil 2 ist risikobehaftet, aber renditestark.

Die Entscheidung,

  • wie groß der sichere und der risikobehaftete Teil sein sollen und
  • welche Finanzprodukte geeignet sind,

müssen und können Sie selbst treffen. Bauen Sie sich Ihren Garantiefonds einfach selbst. Optimal auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt und weitestgehend gebührenfrei.

Das ist wie beim Kochen. Klar können Sie ein Fertiggericht kaufen, aber wissen Sie, was man Ihnen da unterjubelt? Erinnert sich noch jemand an die Sache mit dem als Rind deklarierten Pferdefleisch?
Also: Selbst einkaufen und keine Fertigmatsche kaufen, ist das Gebot der Stunde.

Allen, die sagen: „Das kann ich nicht, das habe ich noch nie gemacht“, sage ich: „Leute, es gibt Kochbücher und wir müssen ja nicht mit dem Finanzäquivalent eines Fünf-Gänge-Menüs anfangen. Lasst uns doch erst mal Kartoffeln kochen. Ist nicht aufwendig und macht satt.“

Wenn Sie wissen wollen, wie Sie Ihr Vermögen in Eigenregie aufbauen können, bitte hier entlang.

Links

  1. Der Spiegel bezeichnet Garantiefonds als die Rheumadecke unter den Geldanlagen.
  2. n-tv zitiert die Stiftung Finanztest mit den Worten "Die meisten Garantiefonds taugen nichts".

(awa)

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Kommentare

Dieter sagt am 02. Dezember 2016

Hallo mein Guter,

nach meinen Berechnungen (Inflationsrechner) sind die 9.500 € nach 8 Jahren der Inflation (2 %) nur noch 8.108,16 € wert.

Wie sind Sie auf 8.247 € gekommen?


Dummerchen sagt am 02. Dezember 2016

Hallo Dieter,

ich bin zwar nicht " Dein Guter", antworte aber trotzdem :-).

Ich fürchte der Finanzwesir hat sich hier im doppelten Sinne verrechnet:
Er hat gerechnet: 9.500€(1-0,02)^7 bzw. 9.500€ 0,98^7 und landet damit bei dem angegebenen Betrag. Er hat also 7 anstatt 8 Jahre verwendet. Shit happens.

Wenn man - wie Du - ganz genau rechnet, muss man beachten, dass man neben der korrekten Jahreszahl etwas anders rechnen muss. Der Finanzwesir hat es ja auch in einem anderen Artikel erwähnt:
Da es in den letzten Tagen noch eine Frage dazu gab, hier noch kurz der Hinweis auf den Artikel mit einem Link von mir auf Wikipedia: http://www.finanzwesir.com/blog/rendite-richtig-berechnen-renditetricks-aufdecken#1480547239

Ganz korrekt müsste man also eigentlich
9.500€/(1+0,02)^8 (=8.108,16€) statt 9.500€*0,98^8 (=8.082,25€) rechnen. So kommt man dann auch auf den von Dir genannten Wert:
(vgl. http://www.zinsen-berechnen.de/inflationsrechner.php?paramid=luid9jezn7)

Man beachte, dass die landläufig verwendete Rechnungsart auch nur geringfügig falsch ist.

Damit ist die mathematische Frage geklärt - allerdings ändert dieses kleine "Verrechnerlein" ziemlich wenig an der Grundaussage des Textes. Und die finde ich bei diesem Artikel deutlich wichtiger als den exakten Wert nach 8 Jahren zu kennen.

Liebe Grüße
Dummerchen


Finanzwesir sagt am 02. Dezember 2016

Hallo Dieter, wenn Dummerchen, der ungekrönte Excel-König dieses Blogs das so sagt, wird es stimmen. Er hat in solchen Sachen eigentlich immer das letzte Wort. ;-)

Sorry für den Fehler. Der einzige Trost der mir bleibt: Ich wünsche mir kritische Leser, die weder mir noch anderen einfach so alles glauben. Du hast nachgerechnet, Dich gemeldet und schon wieder ist der Blog ein bisschen besser geworden. Danke dafür. Wie heißt es so schön: Wissenschaft ist kumulativ. Wenn alle etwas beitragen wird es besser für alle.

Gruß
Finanzwesir