14. Dezember 2016


Leserfrage: Nibelungentreue? Auch wenn der Fonds nicht performt?

So, jetzt nachdem das mit diesem Buch endlich durch ist, meldet sich der Finanzwesir zurück. Zum Aufwärmen mit einem bunten Strauß klassischer Anlegerfragen.

Lassen wir Leser M. zu Wort kommen

Ich bin jetzt 24 und habe mittlerweile seit über einem Jahr einen ETF-Sparplan auf den MSCI-Welt.
Seit ebenfalls etwas über einem Jahr bespare ich auch den DWS Top Dividende. Meine Bank hatte es mir empfohlen und ich hatte mich von der Dividende locken lassen; der Fond gilt ja als dividendestark.
Mittlerweile habe ich mich aber gegen den aktiven Fond entschieden, weil die laufenden Kosten eben doch meine Rendite auffressen. Problem: Der Kurs steht im Minus im Vergleich zu meinem Einstiegszeitpunkt. Und zwar um knapp 10 € pro Anteil.

  1. Was soll ich tun? Hältst du es für sinnvoller, abzuwarten, bis der aktive Fond mit Gewinn an die Fond-Gesellschaft zurückgegeben werden kann, um dann mehr in den ETF einzuzahlen? Oder ist es sinnvoller beim aktuellen leicht negativen Stand zu verkaufen, um jetzt mehr und früher in den ETF einzuzahlen, als es sonst möglich wäre?
  2. Wie sinnvoll ist es zwei Depots bei zwei verschiedenen Banken zu führen?
  3. Ein Bekannter hat erzählt, dass er sich einen Kleinstkredit von 1.000 € bei ca 1% Zinsen genommen hat. Diese 1.000 € hat er jetzt zur Verfügung und kann sie beispielsweise in einen ETF einzahlen. Den Kredit zahlt er mit 28 € monatlich (auf 36 Monate) zurück (quasi als Sparplan), bloß hat er eben dann 3 Jahre länger auf der ETF-Uhr. Wie schätzt du diese Idee ein? Gut? Töricht?

Der Finanzwesir antwortet

Wissen Sie, wie der Thailänder einen Affen fängt? Er packt eine leckere Rambutan in ein kleines Kistchen. In eine Seite des Kistchens bohrt er ein Loch, dass so groß ist, dass eine Affenhand hineinpaßt.
Dann stellt er das Kistchen in die Nähe der Afffenbande und pflockt es an.
Nun heißt es warten. Affe kommt, Affe steck Hand in Kiste und schnappt sich die Frucht, Mensch nähert sich, Affe kreischt furchbar rum und haut ab.
Hä? Nee, so geht die Story nicht.
Affe kreischt rum, läßt die Rambutan aber unter keinen Umständen los, sondern zerrt wie verrückt am Kistchen, um es loszuwerden. Eine Affenfaust paßt aber nicht durch das Loch, schlauer Mensch! Das Ende vom Lied: Klappe zu, Affe tot. Und das alles, weil er etwas, das er einmal in Besitz genommen hat, nicht wieder hergeben wollte. Und das in Thailand, wo der Himmel eh voller Früchte hängt.
Ein klassischer Fall von Psychoterror: Der Ankereffekt sagt: Die Dinger waren mal x € wert. Ich verkaufe erst, wenn ich diese x wieder sehe. Ein vollkommen belangloser Referenzpunkt. Hätte M. zwei Tage vorher gekauft, wäre sein x ein y, hätte er zwei Tage später gekauft, würde er sich an sein z klammern.
Aber das kennt man ja auch vom Griechen: Die Zeus-Platte bestellen und dann: "Eher den Magen verrenkt, als dem Wirt was geschenkt."

Das ist der Endowment-Effekt: Was mir gehört, gebe ich nicht wieder her. Zumindest nicht unter Preis. Wobei der Preis vom vollkommenen irrationalen Ankereffekt diktiert wird.
Was tun?
Der DWS Top Dividende wird sofort verkauft und die Verluste werden als Lehrgeld abgebucht. Ich bin mir sicher, es gibt hier viele Veteranen, die einen Verlust von knapp 10 € pro Anteil für ein Lehrgeldschnäppchen halten. Schlimm wird’s, wenn aus Lehrgeld Leergeld wird (die Kursrakete des Neuen Marktes gibt um 98% nach….).
Ganz ohne Ironie und Zynismus: Es ist doch wunderbar, dass M. nach einem Jahr erkannt hat, dass er auf dem Holzweg ist. Das läßt sich doch mit 24 wunderbar korrigieren und spätestens mit 40 wird er amüsiert auf diesen Anfängerfehler zurückblicken.
Um noch mal den armen Affen zu bemühen: Warum krampfhaft an dem DWS-Fonds festhalten, wenn es massenweise "low hanging"-ETF-Früchte zu pflücken gibt?

Zwei Depots bei mehreren Banken

Ich huldige seit 20 Jahren dem Monobrokerismus und bin es zufrieden. Aber fragen Sie mal meinen Kollegen, den Finanzrocker, der sammelt Broker.
Ich würde einen Business-Case draus machen:

  1. Was kann der eine Broker besser als der andere? Gibt es Sparpläne, kostengünstige ETFs oder andere Produkte, die nur dort zu bekommen sind?
  2. Sind bestimmte Produkte dort besonders preiswert zu haben?
  3. Gibt es sinnvolle steuerliche Gründe für einen zweiten Broker? Beispielsweise Kinder-Depots?
  4. Möchte man diversifizieren? Einfach, weil man sein Vermögen lieber bei zwei Brokern hat, sollte es Probleme geben. Obwohl man da aufpassen muss, das kann auch eine Scheindiversifikation sein. Im Hintergrund arbeiten die doch alle mit Tradegate zusammen und lagern die Wertpapiere bei Clearstream.
  5. Was spricht operativ dagegen? Wie sehr steigt der Verwaltungsaufwand? Wie viele Schnittstellen muss ich bedienen?
  6. Wie viele Euros hole ich durch diese Optimierung wirklich in absoluten Zahlen heraus. Ein Plus von 100% ist toll, aber wenn das bedeutet: 10 € statt 5 € pro Monat, dann stellt sich die Frage: Sollte nicht das Gesamtniveau so angehoben werden, dass ein Plus von 5 € kein Grund zur Freude ist, sondern statistisches Hintergrundrauschen.

Egal ob, ein, zwei oder drei Broker: Es geht immer darum, eine gut geölte Business-Maschine aufzubauen. Jeder Broker muss dauerhaft eine spezielle Dienstleistung erbringen, sonst hat er in dieser Maschine nichts verloren.
Broker zu sammeln nach dem Motto: "Da habe ich als Neukunde einen tollen Amazon-Gutschein, eine Wurst und 5 Free-Trades bekommen", halte ich nicht für zielführend.

Margin Call - Spekulieren auf Kredit

"Diese 1.000 € hat er jetzt zur Verfügung und kann sie beispielsweise in einen ETF einzahlen."

Er kann das Geld aber auch für schöne Frauen und schnelle Autos ausgeben und den Rest verprassen. Folgende Punkte fallen mir ein

  • Wenn M.s Bekannter nicht diszipliniert ist, hat er bloß Konsumschulden.
  • Er muss die Börse verstehen. Es kann sein, dass er nach drei Jahren 1.008 Euro (36 * 28 €) zurückgezahlt hat, sein Depot aber nur 500 € wert ist. Hält er das dann immer noch für einen guten Deal?

Vielleicht wäre es schlauer, keinen Kredit aufzunehmen, sondern die 28 Euro einfach zusätzlich zu sparen? Das Geld ist ja vorhanden, denn sonst könnte M.s Bekannter den Kredit nicht abzahlen.
Machen wir eine kleine Rechnung auf:

Szenario 1

M.s Bekannter investiert die 1.000 € des Kredits in einen ETF. Das Geld bleibt 20 Jahre liegen. Die Kreditzinsen vernachlässigen wir.

Szenario 2

M.s Bekannter investiert für 3 Jahre monatlich 28 Euro in einen ETF-Sparplan. Danach bleibt das Geld 17 Jahre liegen.

Die langjährige Marktrendite nach Steuern sei: 4%, 6%, 8%.
Die Frage: Was bringt die Einmalzahlung? Wie hoch ist der zusätzliche Zinseszins-Anteil?

Szenario 4% 6% 8%
Szenario 1 2.191 € 3.207 € 4.661 €
Szenario 2 2.087 € 2.974 € 4.211 €
Differenz nach 20 Jahren 104 € 233 € 450 €

Quelle: Zinsen berechnen

Fazit

  1. Die Einmalzahlung bringt nach 20 Jahren ein Plus zwischen 100 € und 500 €.
  2. Bei einer Haltedauer von 30 Jahren wird sich die Schere noch weiter öffnen.
  3. Lohnt das den Aufwand für die Bewilligung des Kredits?
  4. Ist es sinnvoll, dafür eine mögliche Verschlechterung des Schufa-Scores in Kauf zu nehmen? Vielleicht wäre es besser, das Pulver trocken zu halten, um dann die wirklich guten Konditionen beim Immo-Kauf zu schießen.
  5. Ist das wirklich nur spekulieren auf Kredit oder doch nicht der Beginn einer Schuldnerkarriere? Lebt M.s Bekannter nicht latent über der Grenze des für ihn finanziell sinnvollen oder bin ich zu alt und konservativ?
  6. Zum Schluß noch die Schwarzer-Schwan-Argumentation: Es gilt sich zu wappnen gegen das extrem seltene aber extrem scheckliche Ereignis. Ist ein Plus von maximal 500 € in 20 Jahren als Prämie ausreichend, um sich heute mit einem laufenden Kredit diesem Risiko auszusetzen?

Punkt 6 wirft die Frage auf: Ich verzichte auf den Kredit. Um wie viel Euro muss ich meine monatliche Sparsumme erhöhen, um nach 20 Jahren die gleiche Summe zu Verfügung zu haben, wie mit Kredit?

Zins Sparrate Differenz
4% 29,39 € 1,29 €
6% 30,19 € 2,19 €
8% 30,99 € 2,99 €

Quelle: Zinsen berechnen

In Starbucks umgerechnet ist das ein Filterkaffee venti pro Monat auf den M.s Bekannter verzichten muß - aber auch nur, wenn wir mit 8% rechnen.
Meine persönliche Meinung: Wenn ich mich der Verzicht auf einen Filterkaffee im Monat de-fragilisiert, dann ist Askese angesagt. Einen besseren Deal werde ich kaum finden.

(awa)

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Soll ich Ihnen eine E-Mail schicken, wenn ich einen neuen Artikel veröffentliche?

Ja, ich bin dabei!

kostenlos, kein Spam, keine Weitergabe der E-Mail-Adresse, jederzeit kündbar, Archiv | Datenschutz

Abgelegt unter Geldanlage, Grundlagen, Depot, Rendite, Altersvorsorge, ETF, Leserfrage



Das könnte Sie auch interessieren

  1. Wie wichtig ist die Währungsabsicherung bei einem weltweit anlegenden Indexfonds?
  2. Finanzen mit Excel im Griff: Teil 4 – Das Finanzcockpit (Vollversion)
  3. Leserfrage: ETF-Sparplan mit 50 oder 200 Euro starten?
  4. Investieren wie ein Barrakuda

Kommentare

ChrisS sagt am 14. Dezember 2016

Mhm was mir beim Lesen der Fragen so einfällt:

Leser M, das klingt für mich erstmal so als fehlt da noch irgendwie die klare, gefestigte Anlagepolitik die für Struktur in deinen Entscheidungen sorgt.
Idealerweise definiert man erst das allgemeine Ziel seiner Anlage, bildet sich dann ausreichend über die verschiedenen Investmentprodukte, deren Verhalten und Eigenschaften um abwägen zu können welche davon (in welcher Zusammensetzung) am passendsten für das Erreichen des Ziels eingesetzt werden können (die Eigenschaften also vor- oder nachteilig sind).
Das läuft quasi top-down, dann hält man sich einfach nur noch langfristig dran (bzw checkt regelmäßig ob noch alles zur gegenwärtigen Strategie passt), und das funktioniert auch weil man immer die volle gedankliche Souveranität hat, dass man weiß was man tut (= weiß was man will, weiß welche Produkte man dazu hält, und weiß warum das so ist).
Anders ist ein planloser bottom-up Ansatz, man holt sich einfach irgendwelche Produkte ins Depot, ohne sich groß Gedanken zu machen (wie sie untereinander zusammenpassen und wie sie überhaupt zu deinem Ziel passen), und haja schaut einfach mal so was nach kurzer Zeit dabei rauskommt - meist kommt da eben nichts konkretes bei raus, und so wechselt man schnell wieder die Produkte oder holt sich noch mehr dazu (weil mehr = besser), aber insgesamt ist man nie zufrieden weil man nicht den strategischen Rahmen hat, seine Entscheidungen überhaupt richtig einordnen zu können.
(Ich will jetzt nicht behaupten dass das bei dir schon so ist, nein ich rede erstmal allgemein was mir so bei vielen anderen Leuten auffällt die sich keine großen Gedanken über die Strategie gemacht haben).
Wenn du jedenfalls eine Strategie hast, werden dir auch die Antworten auf deine Fragen von selbst klarer. Und genau darum geht es ja in den meisten Finanzblogs. Der Wesir hat hunderte Artikel (und mittlerweile in Buchform ;-) ) zu diesen eigentlich immer gleichen, grundlegenden Basics geschrieben.

Wenn ich mal ein paar Vermutungen anstellen darf (korrigiere mich gern), du hast einen Sparplan auf den MSCI World - wie bist du eigentlich darauf gekommen?
Ich glaube ja nicht unbedingt, dass dir das der nette Bankberater(verkäufer) in der Filiale empfohlen hat, sondern eher dass du nach etwas eigener Beschäftigung mit dem Thema selbst drauf gekommen bist?
Und warum hast du den MSCI World -Sparplan ? Ich denke mal weil du das bei Internet Dinge darüber gelesen hast, die dich argumentativ überzeugt haben - aber dahinter liegt auch ein gewisses philosophisches Fundament (das auf guten Finanzseiten immer wieder erklärt wird), welches man verinnerlichen muss um auch wirklich zu verstehen was man da eigentlich tut und warum. Dazu gehört auch, dass man weiß etwas resistenter zu sein gegen aktive Fonds in der Bankfiliale.

Du sagst, du investierst erst seit etwa einem Jahr, und willst ein Wertpapier schon verkaufen, und zwar weil es gerade mal 10€ im Minus steht ? Mhm, ich würde mir da erstmal folgendes überlegen...

  • ist wirklich nicht böse gemeint, aber gewisse Schwankungen gehören eben einfach normal dazu - ich möchte dir nicht auf den Schlips treten wenn ich ganz dumm frage: das hast du ja schon vorher gewußt, oder? Es gibt keine Versprechen oder gar Garantien, dass die Kurse immer und jedes Jahr nur schön gerade nach oben gehen. Schwankungen sind normal und je früher du lernst damit umzugehen, umso besser. Gerade jetzt (du bist noch jung, hast noch viele Jahre vor dir und noch nicht soviel Geld investiert dass es wirklich schon existentiell wäre) ist doch der ideale Zeitpunkt diese abhärtende Erfahrung zu machen, aus der du dann später gestärkt für die Zukunft lernen kannst.
  • entwickle den richtigen Zeithorizont: du investierst hoffentlich langfristig auf Jahrzehntesicht, was für einen Sinn macht es da, sich groß mit den Kursentwicklungen in so kurzen Zeiträumen zu beschäftigen ? Ich hab auch ein paar Anlagen die im letzten Jahr schlechter performt hatten, aber es stört mich nicht die Bohne weil ich insgesamt schon auf fetten 10j-Gewinnen sitze. Und in 10 Jahren wirst du vielleicht auch genauso drüber lachen können dass du dir am Anfang mal wegen solchen kleinen und kurzfristigen Kursverlusten Gedanken gemacht hast.
  • genauso sind die Verluste ja auch keine Sache die "nur" deinem DWS-Fond passieren könnten - dein MSCI World ETF kann genauso mal ins Minus rutschen (wenn du wirklich langfristig investierst, ist es sogar ziemlich wahrscheinlich dass du irgendwann mal einen der zukünftigen Crashs miterlebt) - und was dann ? Würdest du dann genauso zweifeln und dich auch von deinem MSCI World trennen wollen ?
  • deswegen überhaupt mein Absatz am Anfang: Anlagepolitik ist das A und O. Lerne etwas über das historische Verhalten des Kapitalmarkts (um so zB eine Orientierung zu bekommen welche Renditen zu erwarten sind und welche Risiken man dafür aushalten muss, so dass du mit den Schwankungen langfristig besser umgehen kannst). Lerne zB wie man seine Allokation so strukturiert, um die Schwankungen auf eine persönliche Toleranz einzugrenzen. Lerne, welche Produkte du wirklich brauchst (und welche nicht) um deine Ziele zu erreichen und entwickle die Abgeklärtheit, danach auch konsequent und stur damit Kurs zu halten (der Wesir nennts Barrakuda). Dazu kann man hier und anderswo im Netz viel gutes lesen, am Ende muss das aber einfach gelebt werden, und ja da gehört sicher auch einfach etwas Lehr- und Leidenszeit mit dazu.

Habe ich also eine konkrete Antwort was du jetzt mit deinem DWS Fonds machen sollst ? Nein, mir gehts eher darum dass du die Fähigkeiten entwickelst die nötig sind um dir diese Frage selbst zu beantworten.
Wäre ich in deiner Situation ist die Sache für mich ja ganz einfach - passt der Fonds überhaupt zu meiner Anlagestrategie ? Wenn nicht, dann würde ich mich schnell und schmerzlos davon trennen (gut, ich hätte ihn wahrscheinlich deswegen gleich eh überhaupt nicht erst gekauft). Und wenn er doch zu meiner Strategie passt, na dann halte ich ihn einfach weiter, auch durch zwischenzeitliche Verluste hindurch weil ich damit ja ein allgemeines, längerfristiges Ziel verfolgen würde.

Wie sinnvoll ist es, Depots bei mehreren Banken zu führen ?
Das ist eine allgemeine Frage, für die es aber keine pauschalen Antworten gibt - denn für manche Leute kann es sehr sinnvoll, für andere Leute ist es sinnlos. Auch hier wieder muss jeder selbst wissen was er will und wo er es am besten umsetzen kann. Wer beispielsweise viele (und oft) unterschiedliche Anlageinstrumente handelt, kann mit mehreren Brokern besser fahren, die eben jeweils spezialisierter (und günstiger) diese einzelnen Bereiche besser abdecken als ein großer Standardbroker.
Wer es jedoch eher simpel hält und nicht viel anderes kompliziertes Zeug macht als einfach ein paar ETFs/Fonds anzusparen etc, brauch dazu eben nur einen guten Broker, bei dem man sich wohlfühlt.

Warum hast du dich denn überhaupt von der Dividende bei dem Fonds locken lassen können ? Also wieder Anlagepolitik - spielen Dividenden bei deinen Investmententscheidungen eine Rolle?
Wenn ja, würde es Sinn machen sich gleich etwas mehr mit eigenen dezidierten Dividendenstrategien zu beschäftigen, und wenn nicht, tja dann ist das mitunter nicht das beste Vehikel für dich.
Dass der Fonds als "dividendenstark gilt" ist auch wieder so eine Verkäufer-Aussage, es liegt an dir das nun richtig einschätzen zu können. Dafür gibt es ja viele Finanzplattformen im Netz wo du dir über die eigentlich wichtigen Daten und Fakten unabhängig die relevanten Informationen einholen kannst - zum Beispiel über die langfristige Rendite (und die Schwankungen derer in verschiedenen Zeiträumen) und über die Höhe und Entwicklung der Ausschüttungen. Wichtig ist, das auch immer mit einem passenden Benchmark-Index zu vergleichen, um einordnen zu können wie gut/schlecht der Fonds im Ggs zu anderen Alternativen ist.

Zum Investieren mit nem 1000€-Kleinkredit...
mhm also was soll man dazu sagen? Der Wesir hat schon darauf hingewiesen, einfach mal Excel anzuwerfen und ganz nüchtern die "was bringts denn überhaupt?"-Frage in verschiedenen Szenarien (positive UND negative) durchzurechnen. Am Ende ist jeder selbst für sich verantwortlich, denn nur man selbst muss ja mit den Konsequenzen seiner Entscheidungen leben.


Dominik - Finanziell Frei mit 30 sagt am 14. Dezember 2016

Ich bin der gleichen Ansicht, dass eine Investition mit einem Kredit nicht sinnvoll ist.
Dadurch erhöhen wir die Chancen, aber auch gleichzeitig die eigenen Risiken.

So kann (wie von dir beschrieben) es gut sein, dass der Markt sich nicht so gut entwickelt und wir nach Ende des Kredits schlechter da stehen. Zudem kann es besonders bei größeren Krediten das Problem geben, dass ich während der Rückzahlungsphase des Kredits nicht mehr liquide bin und schlecht laufende Investitionen mit Verlusten verkaufen muss, um den Kredit weiter bedienen zu können.
Heutzutage kann es schnell sein, dass wir unseren Job verlieren oder auf andere Weise in finanzielle Schwierigkeiten kommen.

Schöne Grüße
Dominik


TomB sagt am 14. Dezember 2016

@ChrisS
So, [Rest gestrichen, Finanzwesir ] dann atmen wir entspannt durch die Hose und schauen uns die Sache mit ein wenig Abstand an;)

Wie sagt der Fischverkäufer? Aller Aalfang ist schwer. Und Lehrgeld gehört nun mal dazu. Ich möchte bezweifeln, dass irgendjemand hier von Anfang die supertolle und ausgeklügelte Strategie hatte als er anfing selbst zu investieren...warum sollte das bei M. anders sein.
Und dass er überhaupt sich mit 24 mit Anlage beschäftigt, ist doch schon mal ein guter Anfang. Der Rest kommt mit ein wenig Beharrlichkeit und Abhärtung ganz von selber.

Du sagtst es ja selber sehr schön:

"...am Ende muss das aber einfach gelebt werden, und ja da gehört sicher auch einfach etwas Lehr- und Leidenszeit mit dazu."

Nix hinzuzufügen.
LG Tom


Sabinchen sagt am 14. Dezember 2016

"Wenn ich mich der Verzicht auf einen Filterkaffee im Monat de-fragilisiert, dann ist Askese angesagt."

Genau wegen solcher Dinger liebe ich diesen Blog ;-)


Ex-Studentin sagt am 14. Dezember 2016

Ich hab letztes Jahr mit meinen ETFs gut 8% Plus verzeichnen können..
Und kann mich doch nicht so recht freuen: Lieber würde ich in jungen Jahren zu miesen Kursen mein Depot füllen und dann am Ende enorme Gewinne einfahren als umgekehrt. ;)
Aber letztlich sagt 1 Jahr nichts über Erfolg und Misserfolg aus. Lediglich die Gebühren sind Tatsache und sollte man minimieren, um seine Renditechancen zu erhöhen.


Teilzeitinvestor sagt am 14. Dezember 2016

"Der Ankereffekt sagt: Die Dinger waren mal x € wert. Ich verkaufe erst, wenn ich diese x wieder sehe. Ein vollkommen belangloser Referenzpunkt"

Jaja, das liest man immer wieder, und das ist rein finanzmathematisch sicher auch richtig. Sunk cost, Verlustaversion, schon klar. Aber ich bin kein neutraler Finanzmathematiker, sondern Anleger. Und als Anleger ist für mich der Kaufkurs ein extrem belangvoller Referenzkurs (oder was auch immer das Gegenteil von belanglos ist). Der Einstandskurs bestimmt nämlich maßgeblich, ob ich am Ende Gewinn oder Verlust gemacht habe. Und nur das ist für mich am Ende entscheidend.

Ich will gar nicht darauf hinaus, dass im konkreten Beispiel Leser M. unbedingt bis zum Sankt Nimmerleinstag warten sollte, bis er endlich break even mit seinem DWS Fonds ist. Das ist natürlich Quatsch, ein Umschichten in einen kostengünstigen Indexfonds kann gar nicht früh genug erfolgen. Aber das bedeutet nicht, dass sein Einstandskurs für den DWS Fonds komplett egal ist. Diesen Kurs im Auge zu haben ist sehr rational, denn er entscheidet darüber, ob das ganze Investieren Sinn gemacht hat oder nicht.


wolfi sagt am 15. Dezember 2016

@ChrisS: Da spricht viel Altersweisheit und Erfahrung ;-) Vielleicht wirklich ein bischen viel für jemanden mit 24, aber es ist auch toll, wenn man in dem Alter soviel gute Ratschläge kriegt. Was man draus macht, bleibt jedem überlassen.

@Leser M: Eigentlich hat ChrisS alles gesagt folge dem und entspanne Dich.
Noch meine Einschätzung zu den Brokern. Wieviele dürfen es sein? Das hängt natürlich sehr von der Menge und Art des Handels ab. Für deinen Sparplan auf den ETF World genügt sicher einer.
Ich selbst habe seit Jahren drei Broker. Ich bin Sicherheitsfanatiker. Ja, stimmt schon alles mit Tradegate usw. Aber zunächst mal ist der Broker mein Partner.
Und da traue ich keinem, niemandem, nirgendwem, Banken sowieso nicht!!! Also versuche ich schön gleichmäßig zu verteilen - sogar im Ausland. Die Auswahl ist groß, Vergleiche gibts wie Sand am Meer.
Ich würde das so machen: Flatex als Basis, weil da sehr viele ETFs kostenlos als Sparplan laufen - vor allem die Ausschütter. Onvista mit seinen Freebuys ist auch prima, da kann man derzeit 10 x im Montag (waren schon mal 30, seufz) ab bestimmter Cashquote nachjustieren und damit hat man kostenlose Einkaufsmöglichkeiten das ganze Jahr.
Und da kommt einiges an Kosten zusammen, die einen großen Teil Deiner Performance ausmachen werden. Neu ist noch Degiro - kenn ich persönlich aber nicht.
Weiter viel Spaß, Du bist schon auf dem richtigen Weg.


Leser M. sagt am 15. Dezember 2016

Guten Morgen,

ich denke tatsächlich nicht darüber nach den DWS Top Dividende abzustoßen, weil er ein bisschen ins Minus gerutscht ist, auch, wenn es so klingen mag.

Vielmehr denke ich darüber nach, weil mir die Tragweite von 5% Ausgabeaufschlag klarer geworden ist. Zumal Aktive Fonds eben nicht langfristig besser als der Markt performen. Ich plane eine langfristige Anlage von 20,30,40 Jahren. Wozu also dann einen aktiven Fond.

Ja, ich hätte länger recherchieren können. Aber dann hätte ich auch später angefangen.

Danke für eure Antworten. Werde den Fond wohl abstoßen. Jetzt überleg ich mir nur noch, ob ich dann einen zweiten Sparplan auf einen ETF starte, oder den anderen vergrößere.

Viele Grüße,

Leser M.


Joerg sagt am 15. Dezember 2016

Verkaufen - Nein. Switchen - Ja

Fuer M.: Vergleich DWS.Top.Div mit ishDiv100 und MSCI.WORLD

Fonds WKN Perf. 1Jahr Perf. 3J Perf. 5J Perf.7J
DWS.TOP.DIVIDENDE 984811 +8,45% +36,42% +56,84% 71,6%
ISH.STOXX.GLOBAL.SELECT.DIVIDEND100 A0F5UH +14,94% +33,22% +44,40% 68,8%
ISH.MSCI.WORLD UCITS ETF (DIST) A0HGV0 +13,94% +44,57% +90,68% 103,8%
COMST.MSCI WORLD TRN UCITS ETF ETF110 +15,71% +52,29% +109,51% 204,7%

Was sehen wir?

  • Dividenden-Strategie laeuft in den letzten 7 Jahren einer Gesamt-Markt-Strategie hinterher (Ausschuettungen bei DWS ca. 3%/a; IshDiv100 ca. 4%/a IshWorld ca. 2%/a hier oben nicht beruecksichtigt)
  • DWS.Top.Div ist kaum schlechter als der Ish.Div100 (die sind gar nicht sooo schlecht bei DWS, nicht umsonst ist der Fonds ein Dickschiff)
  • der Zinseszinseffekt bei Wiederanlage ist schon bei 7 Jahren erstaunlich deutlich (ComstWORLD thesauriert im Vergl. zu Ausschuetter ishWORLD)

    Annahmen:

  • M. ist jung(24), also ist sein Freibetrag nicht ausgeschoepft? (also keine steuerliche Entscheidungsparameter noetig)
  • Der DWS-Sparplan lief kurz (wenige 100 EUR angespart?).
  • Verkauf_DWS/Neukauf_Anders macht je nach Broker 2*10 EUR aus. Also Oportunitaetskosten fuer zwei Jahre?

    Da nur wenig Geld angespart wurde, ist auch wenig "verlorene Rendite" fuer die naechsten 3-7 Jahre? zu erwarten. Warum also nicht erstmal DWS stehen lassen? Mit 24 wird sich die naechsten Jahre noch viel aendern? Bei der naechsten "ich brauch aber etwas Geld"-Situation kann man sich den Verkauf immer noch ueberlegen?

    Fazit:

    Hin- und Her macht Taschen leer.
    So schlimm ist ein nicht gaaanz so gutes Investment jetzt auch nicht (immerhin ist es kein Misch-, Garantie- oder Quatsch-Fonds)! Bei 1% Kosten-Nachteil vom DWS/Jahr ist das bei 1.000€ Fondsanteilen 10€/a. Bei 10.000€ waeren es 100€/a.
    So what? Bei 50-100.000€ tut es langsam weh ...
    Richtig ist es aber, den Sparplan in DWS zu stoppen, wenn du in guenstigere ETFs investieren oder der Dividenden-Strategie lieber den Ruecken kehren willst.


FFM50 sagt am 15. Dezember 2016

Zum DWS Top Dividende (Disclaimer: Ich besitze ihn nicht und besitze ausschließlich ETFs). Reden wir hier von dem Fonds mit der WKN 984811? Der hat Status heute 11.4% in 1 Jahr und 78.9% in 5 Jahren gemacht, weit mehr als der DAX. Wo soll da die schlechte Wertentwicklung sein? Und wenn man den über die Börse kauft, hat der doch auch keinen Ausgabeaufschlag. --> Wieso soll der verkauft werden?


philstift sagt am 15. Dezember 2016

@Teilzeitinvestor: Kurzfristig ist der Einstiegskurs sicherlich dafür entscheidend, ob man Gewinn oder Verlust gemacht hat. Solange die Kurse breitgestreuter Indizes aber langfristig steigen, wird man in einigen Jahren eh vergleichsweise weit von dem heutigen Kurs weg sein (Ausnahme: Man will/muss mitten in einem Crash verkaufen). Und wenn die Börsen langfristig gesehen nicht mehr steigen, haben wir wahrscheinlich viel größere Probleme.


Dummerchen sagt am 15. Dezember 2016

@Teilzeitinvestor:

"Der Einstandskurs bestimmt nämlich maßgeblich, ob ich am Ende Gewinn oder Verlust gemacht habe. Und nur das ist für mich am Ende entscheidend."

Ja, klar. "Am Ende" ist das entscheidend. Aber wann ist das Ende?

Leser M. stellt sich heute die Frage, ob sein Investment sinnvoll ist. Inwiefern hilft ihm denn da der Einstandskurs? Ganz konkret? Mit dem Kaufkurs ist man bei seinem aktuellen Vermögensstand angelangt und sollte sich eigentlich nur die Frage stellen, wie er aus heutiger Sicht das meiste aus diesem Vermögen machen kann. Wenn er dem DWS-Dingens mehr zutraut als einem MSCI Indexfonds, dann sollte er den Fonds behalten. Hält er eine Anlage in einen Indexfonds für besser, dann wird umgeschichtet. Du sagst es ja selbst: Sunk cost.

Die Entscheidung in der Vergangenheit hat zwar zu der Situation in der Gegenwart geführt, ist aber belanglos für die Entscheidung für die Zukunft. Das hat auch überhaupt nichts mit Finanzmathematik zu tun. Das ist eher eine Art Lebenseinstellung: Ich kann ständig in den Rückspiegel schauen und meine Zukunft über die Entscheidungen in der Vergangenheit rechtfertigen oder aber ich betrachte die Gegenwart als Möglichkeit, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Jeden Tag auf's neue. Ok, ich drifte etwas ins philosophische ab...

@Leser M.: Wenn Dir klar geworden ist, dass sowohl 5% Ausgabeaufschlag vor allem aber auch die laufenden Kosten (jährliche TER) zu einer vermutlich schlechteren Rendite als ein MSCI World führen, dann ist heute der Tag für einen Wechsel gekommen.
Dass Du erstmal mit der Geldanlage begonnen hast und noch keine ausgeklügelte Strategie hattest, finde ich übrigens verzeihlich. Mein Einstieg ins Aktieninvestorleben ist auch nicht ohne Lehrgeld erfolgt, zumal es damals auch noch keine ETFs gab und man auch da bessere und schlechtere Entscheidungen treffen konnte.
Ich habe dafür aber schnell gelernt, dass ich mit Schwankungen leben muss und dass ich in der Lage bin, diese durchzustehen. Wenn ich heute gefragt werde, wie man idealerweise mit der Geldanlage loslegt, kann ich eine Liste schreiben, die man abarbeiten könnte und dann am Ende eine Idee hat, wie anzulegen ist.
Ich habe dafür aber meine Erfahrungen gesammelt. So schön es ist, von den Fehlern anderer lernen zu können, so wichtig ist es aber manchmal auch, Erfahrungen (und Fehler) selbst zu erfahren. Das prägt mitunter mehr als die pure Theorie, dass man bestimmte Dinge so oder so machen sollte.

In den ersten Jahren der Geldanlage wird Dein Jahresendvermögen eh viel mehr darüber bestimmt, wie viel Du im Laufe des Jahrs gespart hast, als in welchen Fonds Du nun ganz konkret investiert hast. Letzteres wird erst mit größerem Vermögen wirklich wichtig. Und bis dahin wächst Du hoffentlich über die nächsten Jahre in die Materie hinein. Bleib einfach interessiert und lies Dich in die verschiedenen Themen ein.

(Ein kleiner Hinweis noch: Es ist der Fonds (also mit s) und auch die Fonds (in der Mehrzahl). Den Fond gibt es zwar auch, aber nicht im Finanzbereich.)

Liebe Grüße
Dummerchen

PS: Mir fiel gerade Oscar Wilde ein: "Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende." Keine Ahnung, wie ich da gerade drauf komme ;-).


Schwachzocker sagt am 15. Dezember 2016

@Jörg
Du vergleichst Kurse (ohne Ausschüttungen) mit Performance (mit Ausschüttungen). Hier mein Fondsvergleich:
http://www.fondsweb.de/fondsvergleich/DE0009848119-DE000A0F5UH1-IE00B0M62Q58-LU0392494562

@FFM50
Ob eine Wertentwicklung gut oder schlecht ist, hängt vom Vergleichsmaßstab ab. Der DWS TopDividende streut weltweit, der Dax nicht. Man kann sich die Sache natürlich auch schön redden und einen Aktienfonds mit der Ölpreisentwicklung vergleichen. Dann ist jeder Aktienfonds gut.


FFM50 sagt am 15. Dezember 2016

@Schwachzocker Ja, Du hast Recht mit der Benchmark. Vergleich des DWS Top Dividende mit z.B. ETF110 auf den MSCI World, dann sieht die Sache deutlich schlechter aus und der ETF gewinnt den 5 Jahresvergleich deutlich.


ChrisS sagt am 15. Dezember 2016

@ Joerg / Finanzwesir

könnt ihr mir mal bitte erklären ob/was ich beachten muss, wenn ich auch mal was in so schöner Tabellenform reinkopieren will ? Sieht sehr nützlich aus, weiß aber nicht wie's geht :-)

Was die allgemeine Diskussion zum DWS Top Dividende angeht, wie gesagt, ich finde das kann man auf zwei Ebenen sehen. Erstens komplett grundsätzlich, also ob man entweder vom passiven Investieren so vollständig überzeugt ist (dann hätte sich das weitere Beschäftigen mit Fonds überhaupt eigentlich ganz erledigt), oder zweitens wenn man schon noch an aktive Fonds glaubt, dann kann man sich ja damit auseinandersetzen, in dem Feld zu diskutieren ob das nun ein besserer oder schlechterer Fonds ist.
Aber irgendeinen Glauben von beiden brauch man schon, damit man eben seine Entscheidung dann auch konsequent über Jahrzehnte durchhalten kann. Über den (Un)Sinn da noch viel vermischen zu wollen (also ob es einen relevanten "Diversifikations"effekt bringt, sich gleichzeitig aktives und passives ins Depot zu legen), wurden ja auch schon einige Artikel geschrieben.

Wenn man sich nun damit beschäftigen will ob der DWS TD nun ein guter oder schlechter Fonds ist, haja da schaumermal erst einfach was Freund Morgenstern dazu sagt:
http://www.morningstar.de/de/funds/snapshot/snapshot.aspx?id=F0GBR04G6Z&tab=1
Um Äpfel mit Äpfeln zu vergleichen ist die Total Return vorzuziehen (auch könnten Spitzfinder ja hinzufügen, dass der DWS TD natürlich auch thesaurierende Tranchen hat).

In der Tat scheint der Fonds mal einer der wenigen positiven Ausnahmen zu sein, die bisher langfristig (also seit Beginn 2004) besser als seine Kollegen und der Index lief. Natürlich schwankt das alpha in den einzelnen Jahren etwas, aber ob und wie überzeugend die insgesamte Outperformance in der Vergangenheit nun wieder für die Zukunft ist, muss jeder für sich selbst einschätzen, entsprechend dessen wo man selbst in der Logik zwischen aktiv und passiv steht.

"Vielmehr denke ich darüber nach, weil mir die Tragweite von 5% Ausgabeaufschlag klarer geworden ist."

Stimmt, sowas ist sehr schädlich, denn die 5% Schwund gleich beim Einkauf durch jährliche Outperformance zuverlässig immer wieder aufzuholen können auch die besten Fonds nicht schaffen. Aber wenn man nun unbedingt Fonds kaufen will, gibt es auch Wege mit weniger/ohne AA - allerdings wird dich da der nette Bankberater bestimmt nicht von selbst aus drauf hinweisen ;-)

"Zumal Aktive Fonds eben nicht langfristig besser als der Markt performen. Ich plane eine langfristige Anlage von 20,30,40 Jahren. Wozu also dann einen aktiven Fond."

In der Tat. Das würdest du ja nur machen, wenn du auch wirklich fest davon überzeugt bist dass dir der Fonds nach Jahrzehnten eine Outperformance ggü einem vergleichbaren Index/ETF-Produkt liefern kann.
Wenn du nicht daran glaubst (und diesen Glauben brauch man eben, um solang auch dranzubleiben und durchzuhalten), ist es ja wirtschaftlich einleuchtender, gleich schon auf die günstigere Alternative zu setzen.

"Danke für eure Antworten. Werde den Fond wohl abstoßen. Jetzt überleg ich mir nur noch, ob ich dann einen zweiten Sparplan auf einen ETF starte, oder den anderen vergrößere."

Wenn du bisher sonst nur im MSCI World bist, würde es ja Sinn machen auch über eine Ergänzung mit MSCI Emerging Markets nachzudenken ? So hast du dann das oft empfohlene (und auch hier vielfach besprochene) Basis-Weltportfolio zusammen und kannst auf Autopilot schalten.

"Ja, ich hätte länger recherchieren können. Aber dann hätte ich auch später angefangen."

Kein Problem :-) Mit dem MSCI World Sparplan hast du doch schonmal einen guten Anfang gemacht, und den Fonds kannst du einfach unter wertvoller Lernerfahrung abbuchen, die dir wie gesagt zum wohl bestmöglichen Zeitpunkt passiert ist, nämlich früh genug um wirklich irgendwelchen Schaden anzurichten.
War ja auch nirgends etwas böse oder vorwurfsvoll gemeint, sondern einfach nur die Dinge von denen ja auch ich selber wollen würde es hätte mich ein Erfahrener bei meinem Anfang mal deutlicher drauf hingewiesen :-)


Plutusandme sagt am 16. Dezember 2016

Moin M

zu 1.Erstmal toll, mit 24 Jahren die Vermögensbildung selber in die Hand genommen zu haben. Wir sind immer ein Fondsfreund gewesen, haben aber auch so nach und nach auf ETFs umgestellt.
Den Ausgabeaufschlag bei Fonds kann man bei einer Fondsbank umgehen ( z.B. Frankfurter Fondsbank ) Die TER bleiben. Ich entnehme den Worten das der Fonds bespart wird, also ein regelmäßiger Betrag eingezahlt wird.
In diesem Fall hast Du den großen Vorteil des Cost average Effekt, nämlich bei hohen Peisen weniger Anteile und bei niedriegen Preisen mehr Anteile zu kaufen. Aber Dich machen auch die Verluste von 10 Euro nervös. Da hat ein Vorschreiber schon mal aufgezeigt, das es sinnvoll ist vorher zu überlgen, was mann machen möchte.
Zu jedem Ziel , das gesetzt wird, und dieser Punkt fehlt mir bei den Vorredner , gehört nämlich auch, sich seinen persönlichen Ausstiegspunkt festzulegen. Ein Beispiel? Ein Papier wird gekauft bei 10 Euro. Mein Ziel 20 % , Ich verkrafte aber auch 20 %. Verlust d.h. sollte das Papier bei 8 Euro stehen, schauen wir uns diesen Wert nochmal an ( war es ein Einmaleffekt , ist sonst irgendwas passiert ) und wenn es nicht mehr passt, wird das Papier zu 8 Euro verkauft. Sollte es aber dennoch für uns passen, wäre ja jetzt eine gute Gelegenheit nachzukaufen.
Steigt es auf 12 Euro, schauen wir uns den Wert aber genauso an und verkaufen eventuell, weil das Ziel erreicht worden ist oder legen ein neues Ziel fest, sagen wir wieder 20 % .
Daraus folgt: Neues Ziel 14,40 €, Stopp nach unten 9,60 €. So ungefähr legen wir vor einem Invest die Werte fest.
zu 2. Haben wir auch. Das eine bei der Hausbank, da kann bzw. konnte ich sehr schnell telefonisch ordern, ohne große Probleme.
Das ging auch vom Urlaub aus und war zum Start der Finanzkrise eine echte Hilfe. Das 2te bei einer Online Bank. Wir würden das aus Kostengründen gerne zusammenfassen, die telefonische Order vernachlässigen wir nämlich mittlerweile.
Auch spielt es bei der Kreditvergabe für Immobilien keine Rolle mehr, da Depots nicht mehr als Sicherheit herangezogen werden, sondern nur noch das Einkommen ( alle Einkommensströme ) zählt.
zu Punkt 3. Investieren auf Kredit, da habe ich ja eine ganz persönliche Meinung dazu, nämlich : Ist verboten! ( jetzt krieg ich wieder ein drüber ) Warum ich das so sehe ? Treiben wir das Spiel doch mal weiter. Der Kredit kostet mich 28 Euro. Jetzt hole ich mir einen zweiten Kredit über 2000 euro und bediene diese Raten mit den 1000 Euro aus den ersten Kredit. Super, nicht wahr?. Jetzt kann ich schon 2000 Euro in einen ETF Plan stecken und noch mehr Gewinn einfahren. Ich habe also angefangen den Betrag zu hebeln, würdest Du das tun ? Wahrscheinlich nicht, aber warum dann mit 1000 € ?

Liebe Grüße
Plutusandme

Auf dem Blog von Plutusandme gibt es hierzu diesen Artikel: Plutusandme


Covacoro sagt am 16. Dezember 2016

| Auch wenn ich mich jetzt unbeliebt mache:

Nur nach der Rendite und den Kosten zu schauen, greift für mich zu kurz. Ob der aktive Fonds die höheren Kosten wert ist, erkennt man doch dann, wenn es an der Börse kracht und nicht im Bullenmarkt. Die Flut hebt alle Boote. Insofern: die 5 Jahresbetrachtung kann man knicken, da die Börsen zuletzt gut gelaufen sind.

Schaut man auf 10 Jahre hat man immerhin die Finanzkrise um 2009 dabei, schaut man auf 20 Jahre den Crash um 2000. Sowas wird wieder passieren. Beim Maximalverlust haben die DWS-Leute in 2008/9 gut agiert - trotz der Fondsgröße - nur minus 35%, beim World ETF sind minus 46% zu verkraften. Auch sehen die risikogewichteten Kennzahlen des DWS Top Dividende und die Volatilität gut aus. Schon das könnte den ein oder anderen Anleger sagen lassen: weniger Volatilität, das kauf ich mir, denn Risiko ist die 3. Dimension der Geldanlage.

Und wenn man den 10 Jahres Vergleichschart aufruft (geht z.B. bei Comdirect, weil fondsweb das unbegreiflicherweise nicht anbietet), liegt derzeit der aktive Investmentfonds vor dem ETF (+205% vs. 185% bei Maximaldarstellung ab 24.03.2006 und natürlich als Performance-Chart.) Natürlich nur, weil er einmal etwas richtig gemacht hat - eben 2008/9.

Wird das wieder so sein, weiter so sein, immer so sein? Keine Ahnung, Glaskugel ist ausgefallen.
Aber muß der aktive Fonds nicht stets und ständig seine Benchmark schlagen? Nee, muß er gar nicht.
Er muß einfach nur versuchen, wenige(r) Fehler zu machen und ab und zu richtig zu liegen. Das reicht aus.

Ach ja: für den Sparplananleger sieht die Sache natürlich noch knapper aus, weil bei dem Kursverlauf den wir vor uns haben, die hohe Volatilität und der zwischenzeitliche Verlust bei konstanter Rate eine interessante Wirkung entfalten könnte. Weiß man aber immer erst nachher.

Insofern: Ich würde beide besparen, denn grau ist alle Theorie. Und viele ETF-Prediger halten heimlich Einzelaktien und umgekehrt ;-)

Covacoro

Auf dem Blog von Covacoro gibt es hierzu diesen Artikel: Covacoro


MichiX sagt am 16. Dezember 2016

| der finanzwesir schreibt:

"Lohnt das den Aufwand für die Bewilligung des Kredits? Ist es sinnvoll, dafür eine mögliche Verschlechterung des Schufa-Scores in Kauf zu nehmen?"

Ist das so? Ich bin bislang immer davon ausgegangen, dass eine Kreditaufnahme den score nicht verschlechtert. Natürlich nur dann, wenn dieser Kredit ordnungsgemäß zurückgeführt wird. Dann sollte der Score sogar davon profitieren, oder?
Gruß MichiX


Christoph sagt am 16. Dezember 2016

Vielleicht sollte sich der junge Mann sich zunächst mal ein bisschen mehr mit Börse beschätigen und die nächste anstehende Korrektur abwarten.


BigMac sagt am 17. Dezember 2016

@MichiX: Da liegts du falsch.

Der SCHUFA-Score wird auf der Grundlage von statistisch-mathematischen Analyseverfahren berechnet und gibt an, wie hoch das durchschnittliche Risiko eines Zahlungsausfalls bei allen Personen mit gleichem Datenprofil ist.
Die Formel zur Berechnung ist ein geschütztes Geschäftsgeheimnis der SCHUFA. Deshalb weiß man nicht ganz sicher, welche Dinge sich wie stark auf den Score auswirken. Sicher ist aber, dass jedes Mal, wenn du einen Vertrag mit einer SCHUFA-Klausel unterschreibst, z.B. bei der Unterzeichnung eines Mobilfunk-, eines Kreditvertrags oder einer 0%-Finanzierung, sich deine Daten bei der SCHUFA ändern.
Und es ist sehr sicher, dass diese Änderung eine Verringerung deines Scores zur Folge hat. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Gruppe der Menschen ohne Kreditvertrag können keine Zahlungsausfälle haben, es kann bei diesem Punkt kein Risiko geben - volle Punktzahl.
Alle Gruppen mit Menschen mit Kreditverträgen sind hier prinzipiell schon einmal im Nachteil. Nimmst du also einen (weiteren) Kreditvertrag auf, landest du jedes Mal in einer Gruppe mit niedrigerem Score. Es gibt zwar jede Menge weitere Kriterien, die den Score negativ beeinflussen, Kreditaufnahme ist nur eines - aber wahrscheinlich das mit der größten Auswirkung.

Mein Rat lautet deshalb: Ohne Not und wirklich peniblem Vergleich von Vor- und Nachteilen niemals irgend einen Kauf finanzieren.

Gruß, BigMac


Udo sagt am 18. Dezember 2016

@MichiX ...der Scorewert der Schufa wird von verschiedenen Faktoren beeinflußt, dazu gehören auch die Aktivitäten in Bezug auf Kreditanfrage, Bonitätsabfragen usw.
Eine Kreditanfrage bzw. -aufnahme verändert den Scorewert definitiv nicht positiv. Wen es interessiert kann sich einmal jährlich unter meineschufa.de eine kostenfreie Datenübersicht nach §34 BDSG (alles andere kostet) anfordern. Hieraus sind auch alle Anfragen von Kreditinstituten dann ersichtlich, sowie der eigene aktuelle Basisscore.

Gruß Udo


Dummerchen sagt am 18. Dezember 2016

"...und die nächste anstehende Korrektur abwarten"

@Christoph: Wann kommt die? Wie stark wird der Einbruch sein? Den Hinweis auf die bevorstehende Korrektur lese ich seit über 3,5 Jahren ("DAX über 8000(!) - OMG, ich muss mir an den Kopf fassen!"). Jetzt sind wir rund 40% höher. Wer damals nicht investiert hat und nur auf die Korrektur gewartet hat, hat viel verpasst.

Die Beschäftigung mit der Börse halte ich bei Leser M. auch für eine gute Idee - erste Erfahrungen mit den psychologischen Folgen halte ich aber auch für sehr hilfreich.

Gruß
Dummerchen


plutusandme sagt am 19. Dezember 2016

@MichiX
@BigMac
Eine Kreditanfrage wird für ein Jahr bei der Schufa hinterlegt und verschlechtert den Score Wert.
Eine Anfrage nach " Kreditkonditionen" oder " Hypothekenkreditkonditionen" dagegen nicht. Bei solch einer Frage immer den Bankverkäufer ( der kennt das nicht unbedingt, ist ja auch Fachwissen;-) ) darauf hinweisen.

Also, wer seinen Score schonen möchte, muß sauber auf das Vokabular achten. ( oder heisst das "dem Vokabular ? ( Dativ ) ", also auf seine Wortwahl achten!
Übrigens, es gibt auch Institute, die mit einem hauseigenen Score arbeiten ( Das große rote "S" z.B. )

mfg
Plutusandme


Leser M. sagt am 20. Dezember 2016

Habe nach wie vor noch nicht gehandelt. Danke für den vielen Input.
Ich werde sonst einfach den Sparplan stoppen und einen anderen Sparplan, vielleicht auf ETF Emerging Markets beginnen.
Das ist vielleicht die beste Variante.


Marko sagt am 21. Dezember 2016

Früher hab ich auch ab und zu Aktien auf Kredit gekauft (Comdirekt hat hierfür einen Wertpapierkredit). Ich hab damit aufgehört, als einige Kurse sich nicht so entwickelt haben, wie ich dachte.
Einserseits Kredit und andererseits Aktien im Minus - das baut Druck auf. Ich hab dann teilweise auch noch nachgekauft um den Einstiegskurs zu verbilligen - was nur noch mehr Druck bedeutet.
Am Ende schaut man nur auf die Kurse und hofft das sie steigen, damit alles gut geht. Wenn ich dann später auf die Rendite geschaut hab, war sie nach Zinsen bestenfalls nahe 0.

Bei Fonds mit Verlust verkaufen hab ich eine entspannte Meinung: Ich schichte eigentlich am Liebsten um, wenn die Kurse einbrechen bzw. Fonds im Minus sind - dann muss ich keine Steuern zahlen (gilt natürlich nur wenn der Freibetrag ausgeschöpft wird) - hab im Optimalfall sogar noch einen Verlustvortrag. Da ich (zumindest in meiner Vorstellung) von einem schlechteren zu einem besseren Fond/ETF umschichte sind mir Kursverluste nicht so wichtig. Ich gehe ja schließlich davon aus, dass sich der von mir gewählte, besser entwickelt als der alte.