14. November 2014


Keine Panik – oder warum Ötzi-Investing cool ist

Dieser Spruch aus "Per Anhalter durch die Galaxis" ist mein Investmentmotto. Beim sogenannten Ötzi-Investing geht es darum, immer gelassen zu bleiben und erst mal zu schauen, was geht.
Investieren ist ein Ultramarathon, 3 Jahre sind da nichts, 5 Jahre sind unerheblich, 10 Jahre werden langsam relevant, ab 20 Jahren wird‘s interessant und abgerechnet wird am Schluss.
Schluss bedeutet in diesem Fall tot. Denn darum geht‘s doch: Ist am Ende des Lebens noch Geld übrig? Wir reden hier von einem Anlagehorizont, der 55 bis 65 Jahre umfasst.

Wie bitte? Ein halbes Jahrhundert?

Ja, die Lebenserwartung liegt bei rund 80 Jahren, die Lehre beginnt mit 16 und wer studiert, sollte 10 Jahre später dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Klar, mit einem Lehrlingsgehalt macht man keine großen Sprünge und auch die ersten Gehälter eines akademischen Berufsanfängers sind nicht üppig.
Darum geht es mir auch nicht. Mir geht es um die grundsätzliche Haltung zum Geld. Diese Haltung kann man gar nicht früh genug einnehmen. Der Vorteil: In jungen Jahren sind die Fehler billig zu haben und leichter wieder auszubügeln. Ein Lehrling, der zwei Monatsgehälter versenkt hat, hat vielleicht 800 Euro verloren – eine in die Grütze gegangene Baufinanzierung ist selten unter 80.000 Euro zu haben.
Der Lehrling schreibt den Urlaub ab, die Familie landet womöglich in Hartz IV.

Ötzi-Investing

Ein Ötzi-Investor bleibt cool und gelassen. Ötzi-Investoren wissen:

  1. Alles schon mal da gewesen.
  2. Günstige Occasionen kommen deshalb immer wieder.
  3. Wer heute gründlich prüft, hat später mehr Spaß an seinem Investment.

Wer hat in den Alpen schon mal eine geführte Bergtour mitgemacht? Die Tour beginnt und der Ötzi schleicht los. Unfassbar, wie lahm der ist, während man selbst vor Kraft strotzt und darauf drängt, doch jetzt endlich mal schneller zu werden.
Das Problem: 2.000 Höhenmeter später setzt der Bergführer immer noch unbeeindruckt Fuß vor Fuß und nähert sich unerbittlich dem Gipfel. Und die Flachlandtiroler mit ihren todschicken Jack-Wolfskin-Jacken?
Sitzen japsend am Wegesrand und machen Pause, während der Eingeborene unbeeindruckt an ihnen vorbeistapft.

Was lernen wir daraus?

  1. Gehen Sie Ihr eigenes Tempo. Ignorieren Sie den drängelnden Finanzfuzzi*. Er wird Ihnen auch Ende 2015 wieder Deals anbieten, die "so in dieser Form nie wieder kommen". Vergleichen Sie dann die 2014er Unterlagen mit denen von 2015 und Sie werden feststellen, dass der blöde Rechtschreibfehler, der Ihnen schon im 2014er-Prospekt aufgefallen ist, Sie auch im 2015er-Prospekt angrinst.
  2. Starten Sie im Morgengrauen. Dann müssen Sie sich nicht in der heißen Sonne den Berg hinaufquälen und können beim Mittagessen die Aussicht vom Gipfel genießen. Wer früh anfängt, hat schon in der Mitte des Lebens ein finanzielles Polster und kommt nicht erst in der Abenddämmerung seines Lebens am Gipfel an.
  3. Prüfen Sie Ihr Equipment. Es muss robust, angemessen, verlässlich und bequem sein. Schick ist nicht Pflicht, und die Jacke muss auch nicht bis minus 50 Grad warmhalten. Sie brauchen keine Hedgefonds im Portfolio und auch das komplexe Garantieprodukt („profitieren Sie von steigenden Kursen ohne bei fallenden Börsen abzustürzen“) hat nichts im Depot verloren. Kaufen Sie einfache Produkte (ETFs und Indexfonds) und kombinieren Sie diese mit einer eisernen Tagesgeldreserve zum Welt-Portfolio.

Fazit

Gehen Sie mit Gott, aber gehen Sie! Besser auf halber Höhe eine Pause machen, als bis ans Ende seiner Tage im Tal zu bleiben. Und wenn‘s denn sein muss, ziehen Sie die gelbe Jack-Wolfskin-Jacke an und laufen als Sie Kanari durch die Gegend.
Aber gehen Sie!
Wer nie losgeht, kann nie irgendwo ankommen.


*Es gibt immer irgendwelche Stichtage. Und wenn Sie Ihr Geld bis dahin nicht angelegt haben, werden Sie nie wieder glücklich werden im Leben! Sagt der Finanzfuzzi.

(awa)

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