18. Juni 2014


Was ist ein ETF?

ETF steht für „Exchange Traded Fund“, also börsengehandelter Fonds. ETFs sind Indexfonds, das bedeutet, sie bilden die Zusammensetzung eines Index 1:1 ab. Steigt der Index, steigt auch der Wert des ETF, fällt der Index, so sinkt auch der Wert des ETF. ETFs werden rein passiv verwaltet. Das bedeutet: Das Management versucht nicht aktiv, den Markt zu schlagen, sondern bildet ihn einfach ab.
Das Ziel eines ETFs ist es, die Marktperformance abzüglich der Fondsgebühren zu erwirtschaften.
ETFs gibt es mittlerweile für fast alle Anlageklassen, als da wären:
Aktien, Rohstoffe, Renten, Geldmarkt, Derivate.
Außerdem gibt es ETFs, die bestimmte Strategien verfolgen, auf fallende Kurse setzen oder sich auf bestimmte Branchen und Regionen spezialisieren. Gerade bei Strategie-ETFs und Short-ETFs (setzen auf fallende Kurse) stellt sich die Frage: Ist das noch passiv oder wird hier schon aktiv eine Strategie verfolgt? Aber auch andere ETFs sind mit Vorsicht zu genießen. Der ETF-Boom der letzten Jahre hat einige seltsame Blüten getrieben.

Seit wann gibt es ETFs?

Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde die Idee eines börsennotierten Fonds in den USA geboren. Aber es hat bis 1993 gedauert, bis der erste ETF zugelassen wurde. Der „Standard & Poor’s Depositary Receipt“ (kurz SPDR, umgangssprachlich Spider genannt), wurde von der Vermögensverwaltung State Street Global Advisors auf den Markt gebracht und ein voller Erfolg. Dieser Erfolg ermutigte andere Anbieter, ebenfalls ETFs aufzulegen, erst in den USA und seit dem Jahr 2000 auch in Europa. In den letzten 14 Jahren haben sich die ETFs vermehrt wie die sprichwörtlichen Karnickel. Jeder Anbieter will ein Stück vom Kuchen abhaben und wirft den x-ten Me-too-Fonds oder einen zweifelhafte Nischen-ETF auf den Markt. Mittlerweile listen Vergleichsplattformen im Internet knapp 1.000 ETFs auf. Braucht kein Mensch!
Für Sie als Anleger bedeutet das: Genau hinsehen, das Kleingedruckte studieren und nicht auf jeden Werbespruch hereinfallen. ETFs machen nach wie vor reich, man muss nur die richtigen auswählen. Auch dazu später mehr.

Was unterscheidet einen ETF von einem „normalen“ Fonds?

Klassischerweise kauft und verkauft man Fondsanteile von der Fondsgesellschaft, die diese auch verwaltet. Einmal täglich erstellt die Gesellschaft einen Kauf- und einen Verkaufskurs. Zu diesen Kursen können Anleger neue Anteile erwerben oder verkaufen. Entweder kauft man als Anleger direkt bei der Fondsgesellschaft oder wickelt die Transaktion über Dritte (Bank, Fonds-Shop, Makler) ab. Oft wird dabei ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5 % fällig.

ETFs werden dagegen wie Aktien und Anleihen an der Börse gehandelt. Man kann sie also direkt – ohne Umweg über einen Vermittler oder die Fondsgesellschaft – an der Börse kaufen oder verkaufen. ETFs kennen keinen Ausgabeaufschlag. Die Handelsplattformen verdienen am sogenannten Spread, der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs.

Was sind die Probleme mit ETFs?

Die wunden Punkte eines ETF heißen Replikationsmethode, Tracking Error, Tracking Differenz, Wertpapierleihe und Intransparenz.

Replikationsmethode – was ist das?

Der Index ist ja erst einmal nur ein theoretisches Konstrukt, ein Plan, ein „so könnte man es machen“. Erst die Replikation macht aus einer Idee ein verkaufsfähiges Produkt. Es gibt drei Replikationsmethoden:

Volle Replikation

Bei der vollen Replikation zieht der Fondsanbieter los und kauft die komplette Index-Liste. Sämtliche Positionen werden im richtigen Verhältnis eingekauft. Nehmen wir an, der Index besteht aus 3 Positionen: Firma A zu 50 %, Firma B zu 48 % und Firma C zu 2 %. Dann kauft der Fondsanbieter 50 Aktien der Firma A, 48 Aktien der Firma B und 2 Aktien der Firma C. Diese 100 Aktien bilden dann den ETF.
Der Hauptvorteil dieser Replikationsmethode: Sollte es zum Äußersten kommen und der ETF-Emittent insolvent werden, dann gehört einem ein Anteil an Qualitätsaktien, die man schlimmstenfalls ins eigene Depot eingebucht bekommt.
Der Nachteil: Da der ETF aus „echten“ Aktien zusammengesetzt ist, muss man sich mit den Problemen und Kosten der realen Welt auseinandersetzen. Aktien schütten Dividenden aus, die müssen versteuert, überwiesen, eingebucht werden. Das kostet Geld und dauert Zeit. Bei der Umgestaltung des Index müssen Aktien ge- und verkauft werden. Auch das braucht Zeit und kostet Geld.

Optimierte Replikation

Bei der optimierten Replikation schaut sich der Fondsanbieter den Indexzettel vor der Einkaufstour an und stellt fest: „Na ja, die 2 % C machen den Kohl auch nicht fett, die lass ich weg.“ Er kauft 51 Aktien von A und 49 Aktien von B. Diese beiden Aktien bilden jetzt den ETF. Der Vorteil: Durch das Wegschneiden der Minipositionen schafft sich der Fondsanbieter eine Menge Arbeit vom Hals, ohne die Performance des Fonds wesentlich zu verändern. So plump wie ich hier im Beispiel wird in der Realität kein Anbieter vorgehen, aber das Ziel ist das gleiche: Wie kann ich mit möglichst wenig Positionen den Index hinreichend genau genug abbilden.
Auch hier gilt: Auch bei einer Insolvenz des ETF-Anbieters liegen im Aktienkorb Qualitätsaktien.
Der Nachteile sind nicht so stark wie bei der vollen Replikation, aber dennoch vorhanden.

Synthetische Replikation

Bei der synthetischen Replikation schert sich der Fondsanbieter einen Dreck um die im Index vertretenen Firmen, stattdessen sucht er sich einen Tauschpartner, den sogenannten Swap-Partner. In der Realität ist das oft die Mutterbank des Fondsanbieters. Deshalb nennt man synthetisch replizierende Fonds auch oft Swapper.
Der Deal geht dann so: Der Fondsanbieter packt sich ins Depot, wozu er lustig ist, Derivate, Aktien, Zertifikate, egal. Damit spekuliert er dann rum und versucht, besser zu sein als der Index.
Der Fondsanbieter liefert dann sein Ergebnis bei der Mutterbank ab und erhält im Gegenzug die Performance des Index. Nehmen wir an, der Fondsanbieter hat aus 100 Euro 110 Euro gemacht, der Index ist von 100 Euro auf 108 Euro gestiegen. Wenn jetzt beide tauschen, bekommt der ETF-Anbieter seine 108 Euro, während die Bank die 110 Euro erhält. Wenn der ETF-Anbieter sich verspekuliert hat und nur 106 Euro erzielt hat, wird ebenfalls getauscht. Der ETF steht damit wieder auf 108 Euro und der Tauschpartner muss mit den 106 Euro vorlieb nehmen. Der große Vorteil der Swapper: Da sie nicht mit echten Aktien handeln, sondern sich ihre Performance ertauschen, ist der operative Tracking Error gleich null. Sie sind genauer und preisgünstiger als ihre replizierenden Brüder. ETFs auf exotische Märkte lassen sich oftmals nur über synthetische Replikation realisieren.
Ihr Nachteil: Man trägt das Kontrahentenrisiko. Fällt der Tauschpartner aus, dann steht man mit dem da, was der ETF gerade eingekauft hat. Zwar ist das Swap-Risiko gesetzlich auf 10 Prozent des Fondsvermögens begrenzt. Wenn ein Swap-Deal auf diese Größe angewachsen ist, muss sein Wert in bar ausgeglichen werden. Dann wird automatisch ein neuer Swap-Kontrakt gestartet. In der Praxis bleiben die Fonds meist deutlich unter der 10-Prozent-Grenze, aber die ganze Sache bleibt für den Anleger eher undurchsichtig.

Tracking Error

Der ETF hat das Ziel, den Index absolut identisch nachzubilden. Theoretisch sollten der Kurs des ETF und der des Index absolut deckungsgleich sein. In der Praxis decken sich der Kurs des ETFs und der des Index aber nie zu 100 Prozent.
Diese Schwankungen in der Differenz zwischen der täglichen Wertentwicklung des ETFs und der täglichen Wertentwicklung des zugrunde liegenden Index nennt man Tracking Error. Tracking Error muss keinesfalls heißen, dass der ETF schlechter läuft als der zugrunde liegende Index. Wenn der Index auf 100 Euro steht und der Tracking Error 2 % beträgt, dann kann der ETF bei 102 Euro oder 98 Euro stehen. Es geht beim Tracking Error nur um die Abweichung vom Indexkurs.
Auch bei einem sehr kleinen Tracking Error kann es – übers Jahr gesehen – zu einer starken Abweichung des ETF-Kurses vom Index kommen. Dieses Phänomen heißt Tracking Differenz. Mehr dazu weiter unten.

Wie entsteht der Tracking Error?

Durch Gebühren und zeitliche Verzögerungen. Der Index kennt keine Managementgebühren und auch keine Transaktionskosten. Außerdem geht der Index davon aus, dass ausgeschüttete Zinsen und Dividenden unverzüglich auf dem Konto des Fonds erscheinen und wieder angelegt werden. Auch die bei Umstellungen im Index anfallenden Kauf- und Verkaufskosten interessieren den Index nicht.
In der Realität kostet die Überweisung einer Dividendenzahlung Geld und braucht ihre Zeit. Manchmal werden auch Steuern (bei britischen Aktien wird die Stamp Duty fällig) oder Wechselgebühren fällig. Gerade ETFs, die in Aktien aufstrebender Märkte investieren, sind davon betroffen. Die Dividende einer indonesischen Palmöl-Gesellschaft muss erst von Rupien in Dollar umgerechnet werden und dann von Indonesien zum Sitz der Fondsgesellschaft gelangen. Es ist nicht gesagt, dass das alles auf rein elektronischem Weg erfolgt. Womöglich bekommt man als Aktionär einen Scheck, den man einlösen muss.

Wovon hängt der Tracking Error ab?

Zum einen von der Expertise der Fondsgesellschaft. Die haben aber alle großen Anbieter. Im Wesentlichen hängt der Tracking Error von der Art der Indexnachbildung ab.
Replizierer halten die Aktien und sind deshalb näher dran an der „echten“ Welt. Deshalb haben sie mit einem höheren Tracking Error zu kämpfen. Große Indizes, wie beispielsweise der MSCI World mit rund 1.800 Positionen lassen sich über die volle Replikation nicht ohne Tracking Error realisieren.
Die synthetischen Swapper tun sich da leichter. Sie sind rein elektronisch. Ihnen funken keine Zwänge der Kohlenstoffwelt dazwischen. Deshalb ist der Tracking Error hier viel geringer, aber natürlich vorhanden, denn auch hier verzichtet das Management nicht auf seine Gebühren.

Tracking Differenz

Die Tracking-Differenz misst die langfristige Qualität eines ETF. Diese Kennzahl beantworte die Frage: Wie gut wird sich der ETF voraussichtlich im Vergleich zu dem entsprechenden Index entwickeln? Während der Tracking Error eine relative Kennzahl ist, misst die Tracking Differenz den Unterschied in der Wertentwicklung in absoluten Zahlen – hat der ETF den Index überholt oder blieb er zurück?
Standardzeitraum für die Tracking Differenz ist 1 Jahr. Tracking Differenzen können immer nur im Nachhinein bestimmt werden.
Die Tracking Differenz enthält sämtliche Positionen auf Fondsebene wie Gebühren, Maklerprovisionen, Steuern, Gewinne durch Wertpapierleihe, die die Rendite des Fonds beeinflussen. Da sich diese Positionen im Allgemeinen nicht so schnell ändern, ist die Tracking Differenz trotzdem eine sehr wertvolle Größe, wenn es darum geht, die zukünftige Performance eines ETFS einzuschätzen.
Damit hat man als Anleger die Chance, sich ein Bild von den tatsächlichen ETF-Kosten und der daraus resultierenden Performance zu machen. Die Kosten gehen direkt zulasten der ETF-Performance.

Wertpapierleihe

Das Fondsmanagement verdient sich mit der Wertpapierleihe ein Zubrot. Dabei werden die Wertpapiere des Fonds gegen eine Gebühr ausgeliehen. Der Entleiher muss dabei eine Sicherheit hinterlegen, damit dem Fonds im Falle einer Insolvenz kein Vermögensschaden entsteht.
Das Problem bei der Sache: Das Management bürdet dem Fondskäufer, also Ihnen, das Kontrahentenrisiko auf (der Entleiher wird insolvent), streicht aber in den meisten Fällen die Leihgebühren ein. Genaueres steht im Kleingedruckten. Suchen Sie in dem PDF nach „Wertpapierleihe“. Die ETF-Emittenten müssen diesen Punkt in den Anleger-Dokumenten behandeln, hängen es aber aus verständlichen Gründen nicht an die große Glocke.
Praktisch jeder Fonds betreibt Wertpapierleihe. Suchen Sie sich einen Fonds aus, bei dem Sie wenigstens von den Leihgebühren profitieren. Dann werden Sie für das zusätzliche Risiko zumindest bezahlt und können so den Tracking Error weiter minimieren.

Intransparenz

Zwar sind ETFs im Allgemeinen transparenter als klassische Fonds. Das ist aber weniger ein Verdienst des Managements. ETFs haben weniger Haken und Ösen als aktiv gemanagte Fonds. Es gibt einfach weniger Chancen auf Intransparenz. Da, wo es möglich ist, wird aber trotzdem weiter fleißig gemauschelt. Ein Beispiel: Die berühmte Gesamtkostenquote, auch als TER (Total Expense Ratio) bekannt. Leider ist diese Kostenquote nicht so total und allumfassend, wie ihr Name glauben macht. Positionen wie Swap-Kosten und Transaktionskosten für die Wertpapierleihe sind oft nicht Teil dieser Quote.
Das nervt, aber in diesen sauren Apfel muss man als Investor beißen, denn es ist zur Zeit nichts besseres am Markt zu haben.
Wichtig ist nur, dass man als Investor diese Missstände kennt, benennt und dadurch hoffentlich zu ihrer Beseitigung beträgt.

Welcher ETF macht mich reich?

Mit einem marktbreit investierenden ETF, der einen gut konstruierten Index nachbildet, macht man nichts falsch. Wenn dieser ETF noch eine

  • geringe Kostenquote (TER) hat,
  • einen geringen Tracking Error hat,
  • eine geringe Tracking Differenz hat,
  • den Index nicht synthetisch (kein Swapper) nachbildet,

ist das Glück perfekt. Kleine Anmerkung: Das mit dem Swapper ist meine persönliche Meinung. Ich bin bereit, einen höheren Tracking-Error zu akzeptieren, weil ich Wert darauf lege, dass mein Fonds auch wirklich die Wertpapiere hält, die den Index ausmachen. Es gibt aber auch Leute, die das Swap-Risiko für vertretbar halten, und statt dessen versuchen, den Tracking-Error zu minimieren. Begründung: Ein hoher Tracking-Error mindert die Rendite, dieser Renditeverzicht ist zu hoch für das Kontrahentenrisiko. Kann ich absolut nachvollziehen, ist aber nicht mein Weg.

Welche Indizes sind marktbreit?

Folgende Indizes kommen infrage.
Welt: MSCI World, MSCI ACWI, MSCI ACWI IMI
Europa: STOXX600, MSCI Europa
Nordamerika: MSCI North America, MSCI USA, S&P 500
Asien: MSCI Pacific
Emerging Markets: MSCI Emerging Markets
Frontier Markets: MSCI Frontier Markets
Small Caps: MSCI World Small Caps, MSCI Emerging Markets SmallCap, MSCI Europe Small Cap, MSCI USA SC, S&P SmallCap 600, Russel 2000

Wichtig zu wissen: Jeder ETF kann nur so gut sein wie sein Index. Ein schlecht konstruierter Index ist Performance-Gift. Mehr zum Thema steht im Artikel „Index ist nicht gleich Index“.
Allgemein um das Thema Fonds geht es im Artikel "Was sind Fonds?"

(awa)

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Kommentare

Chris sagt am 10. August 2014

Vielen Dank für den hilfreichen Artikel. Klasse! :)


JLL.Kerouac sagt am 09. Juni 2015

Hallo Finanzwesir

Ich will hier nicht klugscheissen, aber als Themenneuling, kann es durchaus verwirrend sein. In deinem zweiten Satz hast du folgendes geschrieben: ETFs sind Indexfonds, das bedeutet, sie bilden die Zusammensetzung eines Index 1:1 ab.

Wie du in dem vorhergehenden Artikel erklärt hast, ist ein ETF doch eben nicht zwingend ein Indexfond, sondern bedeutet lediglich, dass der Fonds an der Börse gehandelt wird. Oder stehe ich auf dem Schlauch?

Grüsse JLL.Kerouac


Finanzwesir sagt am 10. Juni 2015

Hallo JLL.Kerouac,
in der Praxis sind ETFs Indexfonds. Deshalb werden die Begriffe ETF und Indexfonds gerne synonym benutzt.
Indexfonds sind aber viel älter als ETFs. Der erste öffentlich zugängliche Indexfonds wurde Mitte der 1970er Jahre von John Bogle aufgelegt, um den S&P 500 nachzubilden.
Der erste ETF war der SPDR auf den S&P 500. Das war im Januar 1993.

Index-Fonds = Der Fonds bildet einen Index ab. ETF = börsengehandelter Fonds. Anteile klassischer Fonds kauft man bei der Fondsgesellschaft und gibt sie beim Verkauf an die Gesellschaft zurück. Das dauert ein paar Tage. Der Kurs eines klassischen Fonds wird einmal am Tag festgestellt. Zu diesem Preis werden dann alle Transaktionen dieses Tages abgewickelt.
ETFs werden laufend an der Börse gehandelt. Man kann sofort kaufen und verkaufen. Permanenter Handel bedeutet aber auch: permanente Kursschwankungen und je nach Börsenplatz unterschiedliche Kurse.

Beide Dinge haben so erst einmal nichts miteinander zu tun. Da aber die Konzepte Index & ETF so gut zusammenpassen, wurden sie zu siamesischen Zwillingen.

Ist es jetzt verständlicher geworden?

Gruß
Finanzwesir


Tom sagt am 24. Februar 2016

Salam aleikum Herr Wesir,

ich hätte eine Frage zu ETFs & Sparplänen. Banken z.B. die Comdirect bieten ja mittlerweile viele ETFs als Sparplan an. Ich hatte mir nun 2 verschiedene ETFs des MSCI World ausgesucht.
Macht es überhaupt Sinn den Sparplan nochmals in verschiedene ETFs zu streuen? Diese sind ja eigentlich schon diversifiziert genug, oder sollte man einfach auf einen setzen und dafür die gesamte Summen des Sparplans? Kostenmäßig sind die beiden exakt gleich, der eine ist ein Swapper, der andere physisch nachbildend also reine Philosophiefrage?
Wenn man's durchrechnet ist es ja egal ob man x Prozent auf 2*Summe oder x Prozent auf Summe + x Prozent auf Summe bezahlt oder begehe ich hier einen Denkfehler?

Besten Dank und Grüße


Finanzwesir sagt am 24. Februar 2016

Hallo Tom,
man könnte das noch mit "Anbieter-Diversifikation" begründen. Aber dann würde ich eher einen ETF auf den World von Anbieter A und einen ETF auf die Emerging markets von Anbieter B kaufen.
Der MSCI World ist ein Brot&Butter-Index. Den muss jeder Anbieter im Programm haben. Dementsprechend hoch ist die Konkurrenz. Trotzdem sind die Dinger eigentlich durch die Bank gut kapitalisiert und nicht von Schließung bedroht. Wenn ein Anbieter einen ETF auf den MSCI World schließen muss, so wäre das eine echte Peinlichkeit für ihn.
Deshalb würde ich vor allem auf das Operative schauen und da ist es meistens besser nur einen ETF zu haben.

  • Man halbiert den Papier&Steuerkram bei nur einen ETF
  • Je nach Konstellation zahlt man doppelt so viel an Kaufgebühren. Bei den großen Brokern kostet jeder Trade bis ca. 2.000 Euro so um die 10 Euro. Wenn Du zwei ETF am Start hast, zahlst du das zweimal. Es sei denn, Du hast den kostenfreien Sparplan. Aber was machst Du, wenn der ausläuft?

Meine Meiunung: Wenn Dir das Argument Anbieter-Diversifikation wichtig ist, dann zwei ETF auf den selben Index, ansonsten tut es auch einer.

Gruß
Finanzwesir


dergeologe sagt am 30. Mai 2016

Hallo Finanzwesir,

erstmal ein großes Lob für diese tolle und informative Seite und auch die Podcast-Reihe mit dem Finanzrocker. Ich habe mich die letzten Wochen in die Thematik eingearbeitet und stehe jetzt vor dem ersten ETF-Erwerb. Dabei bin ich jetzt nochmal über den Ausgabeaufschlag gestolpert, den es laut dem Absatz "Was unterscheidet einen ETF von einem „normalen“ Fonds?" in deinem Artikel nicht gibt.

Ich erwäge im Moment den UBS MSCI World ETF, einen vollständig replizierenden Ausschütter mit der ISIN LU0340285161.
In der Anlegerinformation sind entgegen meinen Erwartungen Ausgabeaufschläge und Rücknahmeabschläge aufgeführt. Gibt es einen Weg, diese Kosten zu umgehen?
Oder ist der UBS ETF hier eine Ausnahme? Oder habe ich etwas im Bezug auf Kauf eines ETF noch nicht verstanden? Mein Depot ist bei der Ing-DiBa, die eigentlich damit wirbt, dass dieser ETF (und viele andere) im Moment komplett gratis zu erwerben sind. Fallen Aufschläge dann trotzdem an? Wäre es im Zweifel dann sogar günstiger, einen ETF zu kaufen, der eine höhere TER, dafür aber garantiert keine Aufschläge hat?

Über eine kleine Aufklärung würde ich mich freuen.

Viele Grüße
dergeologe


ChrisS sagt am 30. Mai 2016

@geologe

Die Angaben zu Ausgabeaufschlägen beziehen sich darauf, wenn du direkt von der KAG kaufst. Beim Handel über die Börse fallen sie nicht an.


Dirk sagt am 30. Mai 2016

Hallo dergeologe,

wo steht, dass es zu dem ETF einen Ausgabeaufschlag gibt?

Diesen ETF bespare ich auch bei Ing-Diba. Ab 500€ ist der ETF kostenfrei - es gibt keinen Ausgabeaufschlag.

Gruss
Dirk


dergeologe sagt am 30. Mai 2016

@ChrisS @Dirk:

Vielen Dank für eure schnellen Antworten. In der Key Investor Information steht auf Seite 2 (http://fondsdocs.edisoft.de/0525/KID/KID_032075_20160216.pdf):

Einmalige Kosten vor / nach der Anlage:¹
Ausgabeaufschläge
5.00%²
Rücknahmeabschläge
3.00%³
Umtauschgebühr
3.00%

² Dieser Ausgabeaufschlag gilt für Anleger, die Anteile bei der Gesellschaft zeichnen.
³ Dieser Rücknahmeabschlag gilt für Anleger, die Anteile an die Gesellschaft zurückgeben.

Mit Gesellschaft ist hier also die KAG gemeint. Wer kauft denn dann überhaupt direkt bei der Gesellschaft?

@Dirk: Wenn du also für >=500 Euro diesen ETF über Tradegate kaufst, ist der Erwerb komplett kostenlos, oder? Auf den Parketts fallen ja doch noch kleine Gebühren an.

Viele Grüße
dergeologie


Dirk sagt am 31. Mai 2016

Hallo dergeologe,

im Direkthandel/Tradegate ist der Kauf komplett kostenlos. Kann Dir gerne eine Abrechnung per mail zusenden.

Gruss Dirk


Matthias sagt am 21. August 2016

Hallo zusammen,

auf der Suche nach einem kostengünstigen, ausschüttenden Welt-ETF bin ich auf den A1JX52 von Vanguard mit einer Gesamtkostenquote von 0,25% gestoßen. Fondsdomizil ist Irland, aber laut Bundesanzeiger erzeugt er keine ausschüttungsgleichen Erträge. Damit müsste er doch steuereinfach sein, oder?

Leider bin ich noch etwas unerfahren im Umgang mit dem unübersichtlichen Bundesanzeiger. Kann jemand von euch das bewerten?

Vielen Dank, Matthias


xoz sagt am 22. August 2016

@Matthias

Leider nicht. Du hast wahrscheinlich nur die erste Tabelle gelesen, für deinen Fonds gibt es aber insgesamt fünf. (Einfach so lange nach der ISIN suchen, bis das Seitenende erreicht ist.) Der ETF schüttet viermal unterjährig aus und thesauriert am Ende des Geschäftsjahres. Von einer reinen Thesaurierung ohne gleichzeitige Ausschüttung können keine Steuern abgeführt werden. -> steuerhässlich


vanguard ins augenehmer sagt am 22. August 2016

Viel mehr stört mich, dass der nicht so viel gehandelt wird und zudem ich noch keinen günstigen broker dafür gefunden hab...


T. sagt am 23. August 2016

@vanguard ins augenehmer Problematisch ist auch, dass er hohe Spreads aufweist, anders ausgedrückt, die Börsenmakler schlagen hohe Kauf- und Verkaufskosten drauf. Das geht bis zu 2,5% pro Transaktion, ist defacto fast so etwas wie ein Ausgabe- und Rücknahmeaufschlag. Gruss, T.


Der_Neue sagt am 29. August 2016

Hallo,

ich bin noch sehr neu im Finanzwesen und habe auch noch sehr viel zu lernen aber an erster Stelle einmal ein großes Lob, die Artikel sind sehr gut geschrieben und verständlich und was mir sehr wichtig ist, es geht nicht ausschließlich um horrende Summen, sondern um Zahlen, die ich im Leben verdienen und sparen kann.
Also zu mir, ich bin erst Ende 20 und wollte mich nun, da sich mit zwei Kindern finanziell alles eingespielt hat und man am Ende des Monats mal ein paar Euro übrig hat etwas für unser späteres Leben machen.
Momentan haben wir einen gewissen Betrag auf einem Tagesgeld, das möchte ich auch wegen der Liquidität so belassen, wenn mal was am Auto ist, ein Elektrogroßgerät kaputtgeht oder oder oder.
Nun haben wir uns dazu entschlossen, es dem Blogmotto gemäß selber zu machen, unsere Hausbank war relativ desinteressiert daran, Zeit und Beratung in mein 50€/Monat Mini-Investment zu stecken.
Daher haben wir uns nachdem wir uns auf einschlägigen Seiten informiert haben, einen transaktionskostenfreien Sparkplan auf den COMSTAGE MSCI WORLD TRN UCITS ETF (ETF110; LU0392494562) einzurichten.
Die Sparrate wird sich wohl absehbar noch erhöhen aber für den Moment ist das eine Summe, die wir monatlich auch bei Widrigkeiten problemlos aufbringen können.
Nun zu meiner eigentlichen Frage, ich habe dazu überall gesucht aber keine befriedigende Antwort gefunden, obwohl es ja ein absolutes Basic ist: Anfang diesen Monats gingen die ersten 50€ vom Giro in den Sparplan, Aktuell weist das Depot 50,62€ aus, 0,62 "Gewinn". Diese 0,62 sind ja schlichte Kursentwicklung, das ändert sich ja täglich bzw. minütlich.
Das Geschäftsjahr des ETF ist 01.07-01.07, wie funktioniert das genau mit der Thesaurierung bzw. bekommt man davon irgendwas mit? Es müsste ja theoretisch einen oder mehrere Zeitpunkte geben, an denen die Dividende wieder reinfließt, wie genau geht das von statten, ich kann mir das auch wenn es logisch ist nicht konkret vorstellen.
Vielleicht hat ja jemand Lust und Muße, mich hier zu erleuchten.

Viele Grüsse
Der Neue


Dummerchen sagt am 29. August 2016

Hallo Der_Neue,
Kurzantwort: Nein, von der Thesaurierung kriegst du nichts mit. Das, was du in deinem Kommentar "schlichte Kursgewinne" nennst, enthält (dank der automatischen Reinvestition) auch die Dividenden.
Langantwort: Dir ist ja sicher bekannt, dass die Dividendenzahlungen der im ETF enthaltenen Aktien dazu führen, dass Aktienkurse in gleicher Höhe absinken. Daher führen unmittelbare Wiederanlagen bzw. Thesaurierungen dazu, dass der Kurs eben nicht absinken. Selbst wenn dein Anteilswert also noch immer 50 Euro wären, könnten schon Dividenden in diesem Wert durch die automatische Wiederanlage enthalten sein. Das passiert quasi kontinuierlich, immer wenn eine Dividendenzahlung erfolgt ist.

Hättest du hingegen einen ausschüttenden ETF würdest du z. B. halbjährlich Dividenden auf dem Verrechnungskonto eintrudeln sehen. Wäre das bei einem Kurs von 50 Euro eine Dividende von 1 Euro, würde der Kurs in der Folge bei 49 Euro stehen.

Dass das ganze bei einem swapbasierten ETF wie bei dir nochmal leicht anders läuft, will ich nicht verschweigen. Es ist für das prinzipielle Verständnis wie oben beschrieben, relativ egal.

Ich hoffe, das hilft dir erstmal weiter.

Liebe Grüße
Dummerchen


ChrisS sagt am 29. August 2016

@ Der_Neue

Der Comstage-ETF ist ein Swapper. Wie diese konstruiert werden und welche Produkteigenschaften daraus resultieren, wurde hier schon mehrfach in Artikeln thematisiert. Vielleicht helfen folgende Beiträge dabei dass du dein Produkt etwas besser verstehst:

http://www.finanzwesir.com/blog/besten-etf-finden
http://www.finanzwesir.com/blog/perfekter-etf-replizierer-swapper
http://www.finanzwesir.com/blog/etf-swap-replizierer-steuer
http://www.finanzwesir.com/blog/etf-steuerleck

Es fallen jedenfalls keine Dividenden (bzw ausschüttungsgleiche Erträge) bei deinem ETF an, du "bekommst also davon nichts mit". Dazu noch ein Zitat aus einem Artikel

"Ein Swap-basierter, vollsynthetischer ETF ist die einfachste Variante. Kurze Rekapitulation: Wie funktioniert ein Swap-basierter ETF?

Der ETF hält ein Trägerportfolio, das nichts mit dem eigentlichen Index zu tun hat. Die Trägerportfolios der ComStage-ETFs bestehen ‒ unabhängig vom abgebildeten Index ‒ alle aus europäischen Blue-Chip-Aktien.
Es gibt einen Tauschpartner. Das ist oft die Bank als Muttergesellschaft der ETF-Gesellschaft. Bei ComStage ist die Commerzbank der Swap-Partner. Die Bank verpflichtet sich, die Wertentwicklung des Trägerportfolios gegen die tatsächliche Wertentwicklung des abzubildenden Index zu tauschen. Das Entscheidende: Ob es sich dabei um den MSCI World, den MSCI Emerging Markets oder den Wasserstand des Nils handelt, ist vollkommen unerheblich. Es wird einfach getauscht. Die Bank bekommt den Ertrag des Trägerportfolios, die ETF-Gesellschaft den Wert des getrackten Index. Fertig. Deshalb ist es vollkommen problemlos, statt der Netto-Gesamtrendite die Brutto-Gesamtrendite zu tauschen. Das lässt sich mit einem Federstrich in den Verträgen ändern.

Warum die aktuell angebotenen Swap-Thesaurier das Steuerleck zementieren

"Wenn Sie einen swappenden Thesaurierer kaufen, der einem TRN-Index folgt, haben Sie folgende Vorteile:

Rein formal fallen keine Dividenden an, da es sich um ein Tausch-Geschäft handelt. Dividenden und Kursgewinne sind Teil des Tausch-Pakets. Sie profitieren deshalb vom Steuerstundungseffekt auf die Dividenden, denn Sie zahlen erst beim Verkauf die deutsche Quellensteuer. Das ist steuerlich einfach.

Der Nachteil: Sie zahlen immer den maximalen Steuersatz. Bei jeder Ausschüttung zieht der Fonds sämtliche Quellensteuern ab (so ist der TRN-Index definiert) und beim Verkauf zahlen Sie dann noch einmal die deutsche Quellensteuer.
Sie können keine Doppelbesteuerung geltend machen, denn formal haben Sie nie eine Dividende erhalten, das wurde alles weggeswappt. Also gibt es auch keine Bescheinigungen bezüglich ausländischer Quellensteuer."

@ vanguard / T.

die Vanguard-ETFs werden mehr über die Börsen London und Amsterdam gehandelt, da sind dann dementsprechend auch die Geld-Brief Spannen besser (was ggf aber an Auslandsorder-Gebühren noch dazu kommt ist wieder bei jedem Broker unterschiedlich). Oder man handelt gleich über die KAG direkt (laut Prospekt scheint es ja keinen AA etc zu geben).


Schwachzocker sagt am 29. August 2016

Hallo Neuer!

Bei Deinem Fonds handelt es sich um einen thesaurierenden Swapper. Die ComStage hat sich von ihrem Swappartner (hier: Commerzbank) zusichern lassen, dass dieser die Wertentwicklung (Kursentwicklung+Dividenden) des MSCI World abbildet. Das geschieht rein synthetisch. Dazu hält sich die ComStage eine sog. Trägerportfolio, in dem wahrscheinlich völlig andere Aktien als die des MSCI World enthalten sind. Die Wertentwicklung dieses Trägerportfolio tauscht sie gegen die Wertentwicklung des MSCI World, den die Commerzbank garantiert. Es fließen also - formal betrachtet - keine Dividenden.
Selbst wenn der Fonds voll replizieren würde, würdest Du von der Thesaurierung aber nichts bemerken. Denn immerhin reden wir von ca. 1600 Unternehmen, die zu den unterschiedlichsten Zeitpunkten im Jahr Dividenden ausschütten, manche sogar mehrfach im Jahr. Diese Dividenden werden dann innerhalb der Fondsgesellschaft sofort reinvestiert, so dass der Wert des Fondsanteils entsprechend steigen sollte.

Gruß


Sebastian sagt am 31. August 2016

Hallo Schwachzocker,

müssten es dann nicht auch einen deutlichen Unterschied in der Kursentwicklung zwischen den thesaurierenden und den ausschüttenden ETFs geben?

Bei den Thesaurierern verbleibt die Dividende nach meinem Verständnis ja im Kurs, bei den Ausschüttern wird sie an den Kunden ausbezahlt (mal die Sparplanvariante mit direkter Neuanlage außen vor gelassen).

Wenn ich mittels justetf die Performance der MSCI World ETFs vergleiche, bekomme ich jedoch für die 1J-Entwicklung für die Ausschütter ein Mittel von 7%, für die Thesaurierer von 7,18%.

Die Dividendenhöhen in diesem Zeitraum lagen jedoch im Mittel bei rund 2% - müsste das also nicht der "Performance-Vorsprung" der Thesaurierer sein?

Einfaches Beispiel:
Zwei Fonds A(usschütter) und T(hesaurierer) haben zu Beginn einen Kurs von 100. Nach einem Jahr schüttet A die Dividende von 2 aus. Insgesamt hat der Markt um 5% zugelegt. A hat nun einen Kurs von 105 (und an den Kunden bereits 2 ausgeschüttet). T hat nun welchen Kurs?

Oder wo habe ich da gerade meinen Denkfehler? ;)

Tausend Dank für Eure Unterstützung, LG
Sebastian


ChrisS sagt am 31. August 2016

@ Sebastian

"müssten es dann nicht auch einen deutlichen Unterschied in der Kursentwicklung zwischen den thesaurierenden und den ausschüttenden ETFs geben?"

Natürlich gibt es den Unterschied (der umso deutlicher wird, je länger die Zeit).

Da du schon justETF erwähnst, kann ich mir schon denken wo das "Problem" liegt. Bei justETF wird für alle ETFs, egal ob ausschüttend oder thesaurierend, die komplette "Total Return" Performance angezeigt (also Kurs(preis)entwicklung plus Ausschüttungen wieder inkludiert). Das ist eigentlich auch ganz korrekt so, weil es diese Dinge wieder vergleichbar macht, aber wenn man nicht vorher weiß dass das so ist sieht man auch den Kursunterschied der Ausschütter nicht.
Für einzelne ETFs (leider anscheinend nicht im Vergleich von mehreren) kannst du den Einfluss der Ausschüttungen auch wieder rausnehmen, indem du in der Chartansicht das Häkchen "inkl. Ausschüttungen" entfernst - so wird keine "Dividendenreinvestition" mehr unterstellt und du kannst sehen wie sich der reine Kurspreis entwickelt hat und das fortschreitende Zurückhinken der Ausschütter beobachten.

Da die meisten anderen Finanzseiten im Internet eigentlich nicht standartmäßig die Total Return Performance schon im Chart anzeigen, sondern nur die Kurspreise, siehst du da auch direkter wie sich der Unterschied von thesaurierenden und ausschüttenden ETFs in der Praxis auswirkt. Hier mal nur als Beispiel bei der Comdirect verglichen die zwei MSCI World ETFs von iShares, der ausschüttende (Dist), in dem jedes Jahr etwa 2,x % aus dem Kurs genommen werden, hinkt also (ohne Wiederanlage) dem thesaurierenden (Core) ETF mit fortlaufender Zeit immer weiter hinterher.


Joerg sagt am 31. August 2016

Wo bleibt meine Ausschuettung? MSCI World Comstage WKN: ETF110 (thes) mit iShares WKN: A0HGV0 (aussch.) vergleichen ueber 10 Jahre.

Hi Basti, vergleiche doch zwei konkrete Fonds ueber viele Jahre statt ueber eines. Dann siehst du sehr schoen den Unterschied. Alle Werte aus dem Comdirect Musterdepot:

Produkt 1 Jahr 3 Jahre 5 Jahre 10 Jahre
ISHARES MSCI WORLD UCITS ETF (DIST) +5,00% +39,62% +88,18% +46,05%
COMSTAGE MSCI WORLD TRN UCITS ETF +6,79% +47,08% +106,60% ist noch keine 10 Jahre alt

Allerdings: Comstage TER 0,2% und ishares 0,5% macht sich auch bemerkbar (nicht nur Div)
Und nicht vergessen Comstage ist TRN (also nur fiktive netto Dividende, also statt ~2% p.a. nur ~ 1,5% p.a.)
Die verbleibenden Unterschiede sind die sog. Tracking Difference (googeln und weiterbilden :-))


Dummerchen sagt am 31. August 2016

Hallo Sebastian,

Du solltest Dir nicht die 1-Jahresrendite anschauen, wenn Du die Unterschiede erkennen möchtest, sondern die Kursdaten.

In dem von Dir genannten Beispiel hat der Ausschütter am Ende einen Kurs von 105 und 2 ausgeschüttet. Der (ansonsten identische) Thesaurierer hat demnach einen Kurs von 107, da er ja eben nicht 2 ausgeschüttet hat. Beide ETFs haben einen Gewinn von 7 gemacht und somit eine 1-Jahresrendite von 7%. Der Anleger in diesen ETF hat daher in beiden Fällen den gleichen Gewinn gemacht.

(Ich gehe dabei natürlich davon aus, dass die 2 erst am Ende des Betrachtungszeitraums ausgeschüttet werden. Werden diese schon früher ausgeschüttet, so wird ja nicht der gleiche Betrag wie beim Thesaurierer über das gesamte Jahr angelegt und der Ausschütter sollte etwas schlechter abschneiden.)

Denkfehler klar geworden?

Liebe Grüße
Dummerchen


Sebastian sagt am 01. September 2016

Hallo Chris, Joerg und Dummerchen,

habt vielen Dank für Eure sehr informativen Antworten!

Mir war nicht bewusst, dass die in justetf dargestellten Werte eben die Gesamtperformance inkl. Dividendenwiederanlage auch bei ausschüttenden Fonds wiederspiegeln - schön, nun wieder ein stimmiges Weltbild zu haben ;)

Neben den hervorrangenden Artikeln des Finanzwesirs ist für mich der Austausch über die Kommentare und die damit einhergehende zusätzliche Darstellung unterschiedlichster Ansichten ein toller Mehrwert - nochmals vielen Dank dafür!

Liebe Grüße,
Sebastian


Der_Neue sagt am 02. September 2016

Danke an alle Beteiligten, die mir geholfen haben, jetzt habe ich es durchblickt.


Matthias sagt am 20. Oktober 2016

Hallo zusammen,

kann mir jemand von euch kurz erklären, was der Unterschied zwischen den beiden HSBC MSCI World ETFs WKN A1C9KK und WKN A1C9KL ist? Ich sehe es einfach nicht. bei justetf stehen sie auch noch direkt hintereinander in der Liste der ETFs mit der geringsten TER, beide sind ausschüttend und haben das gleiche Volumen. Ich sehe einfach keinen Unterschied.

Danke
Matthias


Marko sagt am 20. Oktober 2016

Das Ursprungsland ist bei dem einen Deutschland bei dem anderen Irland.


xoz sagt am 20. Oktober 2016

Ich weiß zwar nicht warum, aber die HSBC-ETFs haben aus irgendeinem Grund alle eine DE- und eine IE-ISIN. Ansässig sind beide in Irland. Scheinbar wird derselbe Fonds an unterschiedlichen Börsen unter verschiedenen ISINs gehandelt: http://www.etf.hsbc.com/etf/de/individual?fundid=HETF017

Die KIIDs (bei justETF!) unterscheiden sich in Zielen und Anlagepolitik (Punkt 4), Risiko- und Ertragsprofil (Kategorie 5 bzw. 6) und laufenden Kosten (0,35% bzw. 0,15%), aber das dürfte lediglich daran liegen, dass das das KIID von DE000A1C9KL8 noch auf dem Stand vom 29. Oktober 2015 ist.


Matthias sagt am 20. Oktober 2016

Marko, leider geht das aus den Dokumenten bei justetf und in anderen Portalen nicht hervor. Dort ist bei beiden als Domizil Irland angegeben. Hast du einen Link zur HSBC, wo die Information verbindlich sind? Die Webseite von HSBC ist so kundenunfreundlich...ich finde da nichts. Danke!


Marcel sagt am 20. Oktober 2016

Meiner Meinung nach ist bei beiden ETFs das Domizil in Irland. A1C9KK repliziert dabei den Index vollständig, während A1C9KL optimiertes Sampling zur Indexnachbildung nutzt.


Marko sagt am 21. Oktober 2016

Ich hab das mit dem Ursprungsland bei Comdirect gesehen. Aber verlassen würde ich mich darauf nicht. Dort steht bei A1C9KL Irland als Ursprungsland und die ISIN beginnt mit DE. Bei dem anderen ETF ist es genau umgekehrt, Deutschland als Ursprungsland und ISIN mit IE.


DerMitleser sagt am 24. Oktober 2016

Ich habe gerade das Buch "Der größte Raubzug der Geschichte" (von Matthias Weik & Marc Friedrich; ISBN 978-3-404-60804-1) zum zweiten Mal gelesen. Was ich beim ersten Durchlesen bei Veröffentlichung wohl überlesen habe, steht auf Seite 190, Zitat:

"ETFs sind keine Aktienanlage. Das neueste Produkt der Banken, um Ihnen Ihr sauer verdientes Geld aus der Tasche zu ziehen, sind sogenannte ETFs (Exchange-traded Funds). Hierbei handelt es sich nicht wie oftmals behauptet um eine Aktienanlage! Diese Anlage erhält keine Aktien. Es werden lediglich mit Terminkontrakten Kursentwicklungen nachgebildet! Ich persönlich lasse die Finger von solchem Unsinn."

Was ist von dieser Aussage zu halten, wo doch u.a. auf sämtlichen Finanzblogs eben ETFs als Vermögensanlage und / oder Altersvorsorge als das Mittel der Wahl empfohlen werden...?


Finanzwesir sagt am 24. Oktober 2016

Hallo DerMitleser,
wenn ich mal aus dem Blog des Finanzrockers zitieren darf:

"Seit 2009 arbeiten Marc Friedrich und Matthias Weik gemeinsam in einer eigenen Vermögensberatung für Unternehmen und Anleger. Daraus entwickelten sich dann auch die Bücher, die allesamt zu absoluten Bestsellern avancierten. Mittlerweile haben die Beiden regelmäßige Fernsehauftritte, halten Reden und tauchen regelmäßig mit einer regelmäßigen Kolumne bei Dirk Müller auf."

Dieses Zitat stammt von dieser Seite: http://finanzrocker.net/marc-friedrich-im-interview-mehr-punkrock-im-finanzsystem/ Hier gibt es auch den Podcast mit Herrn Friedrich. Da kannst Du Dir selbst ein Bild machen.

Zu den beiden Herren ist zu sagen: Ihre Bekanntheit ist ihr Kapital. Mit ausgewogenen Analysen wird man nicht bekannt. Meinungsstark und holzschnittartig ist gefragt.
So auch die Behauptungen bezüglich der ETFs.

Die beiden beschreiben Swap-Konstruktionen. Und selbst da stimmt ihre Aussage nicht. ComStage nutzt ein Trägerportfolio aus 30 europäischen Blue-Chip-Aktien für die Swap-basierten ETFs. Ja, der Swap wird per Terminkontrakt abgebildet aber das Fundament sind die von der KAG gehaltenen Aktien.
Für replizierende ETFs gilt das oben gesagt nicht. Diese ETFs halten die Aktien des Index.

Wenn keine ETFs, was dann? Die beiden Herren schlagen vor:

"Edelmetalle wie Gold und Silber, Land, Wald, Acker, Diamanten, Whisky oder direkte Unternehmensbeteiligungen"

Gold & Silber kann ich kaufen, wenn auch beim Kauf von Silberbarren 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig werden. Bei Silbermünzen wird die sogennante Differenzbesteuerung angewendet.
Aber wie kaufe ich als Privatmann Land, Acker und Wald? Doch nicht solo, sondern über eine windige Konstruktion des grauen Kapitalmarkts bei der ich Weichkosten jenseits der 10% habe.

Wie man Diamanten kauft, ohne betrogen zu werden erschließt sich mir nicht so ganz. Ich kann die 4C jedenfalls nicht kompetent beurteilen. Und was das Zertifikat angeht: Woher weiß ich, dass das nicht gefälscht ist und ich keinen Blutdiamanten oder schlimmer noch ein Stück Glas erhalte?

Whisky: Liquide Mittel sind immer gut!

Direkte Unternehmensbeteilugungen: Wieder der graue Kapitalmarkt oder Crowdfunding. Wie soll ich das als Privatmensch ohne Klumpenrisiko umsetzen?

Mein persönliches Fazit: Das Armageddon ist was für Roland Emmerich. Eine ganze Produktklasse pauschal zu verdammen ist selbst mir als Freund des plakativen Ausdrucks zu viel.

Gruß
Finanzwesir


DerMitleser sagt am 24. Oktober 2016

Vielen Dank für die schnelle, ausführliche und kompetente Antwort. Mein Puls hat sich dadurch schon wieder beruhigt, bin ich doch seit geraumer Zeit selbst in ETFs investiert (überwiegend basieren diese allerdings auf einer physischen Replikation).

"Whisky: Liquide Mittel sind immer gut!" Geniales Wortspiel lach

Gruß, DerMitleser.


ChrisS sagt am 24. Oktober 2016

Hallo Mitleser,

"Was ist von dieser Aussage zu halten, wo doch u.a. auf sämtlichen Finanzblogs eben ETFs als Vermögensanlage und / oder Altersvorsorge als das Mittel der Wahl empfohlen werden...?"

Wenn das die einzige Aussage über ETFs ist, kann man sich nun aussuchen ob man es als Verkürzung für Effektheischerei oder einfach nur Uninformiertheit hält (beides nicht gerade Alternativen die für Seriösität sprechen).
Die Autoren wollen halt die volle Breitseite über den Untergang des (Finanz)Abendlandes geben, da ist ihnen wohl auch nicht zuzumuten, dazu noch nüchtern und ausgewogen über die detaillierten Konstruktionsmethoden der verschiedenen ETF-Arten zu berichten, wozu auch, lässt sich das ganze ja auch leicht in einem Nebensatz abkanzeln und schön in die allgemeine Tendenz einordnen.
Was ein ETF konkret enthält, kann sich jedenfalls jeder interessierte Anleger doch tagesaktuell in den entsprechenden Anbieter-Unterlagen informieren.

@ Albert: Können wir uns nicht eigentlich schon denken, was denn die Antwort auf deine Frage sein wird, wie man denn als Privatmensch bitteschön die "Empfehlungen" der Autoren umsetzen soll ? Die Herrschaften betreiben ja nicht umsonst (im doppelten Sinn ;-) ) auch nebenbei noch eine Vermögensberatung.
Das dahinterliegende Geschäftsmodell sollte ja eigentlich bekannt sein - mit den Büchern Aufmerksamkeit und Bekanntheit erzeugen, und dann dem besorgten Publikum auch gleich die "Lösung" in Form eigener weiterer Dienstleistungen mit verkaufen.