28. Februar 2014


Was sind Fonds?

Bevor wird ins Fachliche einsteigen, muss ich noch kurz in bester Wissen-macht-Ah!-Manier zum Thema Orthografie klugscheißen.

  • Der Singular dieses Finanzproduktes heißt "Der Fonds" und nicht "Der Fond". Der s-lose Fond entsteht in der Küche beim Garen von Lebensmitteln. Das Geldanlagevehikel endet immer auf s.
  • Der Plural dieses Finanzproduktes heißt "Die Fonds".

Was ist ein Fonds?

Ein Fonds bündelt die Einzahlungen vieler Anleger und kauft dafür Wertpapiere. Welche Wertpapiere?
Das hängt von den Statuten des Fonds ab. Das Fonds-Management ist zwar an diese Statuten gebunden, aber selbstverständlich kann die Firma, die den Fonds aufgelegt hat, die Anlageschwerpunkte ändern.

Wie kann man Fonds kategorisieren?

Es gibt zwei Hauptkategorien. Aktive und passive Fonds.
Aktiv bedeutet in diesem Zusammenhang: Es gibt ein Management, das den Markt beobachtet und analysiert und dann aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse Wertpapiere kauft oder verkauft. Ziel des aktiven Fonds ist es, den Markt zu schlagen und eine Überrendite für die Investoren herauszuholen.

Passive Fonds verfolgen eine grundsätzlich andere Philosophie. Passive Fonds werden auch Indexfonds genannt, denn sie bilden lediglich einen bestimmten Index ab. Ändert sich die Zusammensetzung des Index, so zieht der Index-Fonds nach und kauft/verkauft Papiere, bis der Fonds wieder die gleiche Zusammensetzung wie der Index hat. Ziel eines Indexfonds ist es, möglichst günstig die Indexperformance zu liefern. Da das teure Fonds-Management entfällt, verlangen Indexfonds nur ein Zehntel der Gebühren, die bei aktiven Fonds aufgerufen werden.

Kann man Fonds noch weiter kategorisieren?

Sowohl aktive wie auch passive Fonds investieren in die verschiedensten Anlageklassen.

  • Aktienfonds investieren in Aktien. Die meisten Fonds spezialisieren sich innerhalb des Aktienuniversums. Manche kaufen nur die Aktien großer Firmen, andere wiederum haben geografische Schwerpunkte („Wir kaufen nur im Euro-Raum“). Für passive Fonds gilt: Zu fast jedem Index gibt es auch den entsprechenden Fonds.
  • Rentenfonds: Auch hier gibt es die aktive und passive Variante. Rentenfonds investieren in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe und Anleihen. Die festen Zinsen werfen eine kontinuierliche Rente ab, deshalb Rentenfonds. Als Anleihen kommen sowohl Staatsanleihen als auch Firmenanleihen infrage.
  • Geldmarktfonds: Diese Fonds investieren ausschließlich oder überwiegend in Geldmarkttitel und liquide Wertpapiere mit kurzer Restlaufzeit wie Termingelder, Schuldscheindarlehen und Anleihen mit einer Laufzeit von unter 12 Monaten. Zielgruppe sind institutionelle Anleger. Für uns Privatanleger erfüllt ein Tagesgeldkonto denselben Zweck.
  • Mischfonds: Reiner Tummelplatz der aktiven Fonds. Mischfonds sind nicht beschränkt in der Wahl ihrer Investments. Sie können in Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Festgeld investieren. Manchmal ist das Verhältnis der einzelnen Anlageklassen zueinander in den Statuten des Fonds festgelegt, oft aber kann das Management frei schalten und walten. Der Vorteil: Ein guter Manager kann sich ungehemmt entfalten und brillieren. Der Nachteil: Ein schlechter Manager kann sich ungehemmt entfalten und den Fonds gründlich gegen die Wand fahren.
  • Offene Immobilienfonds: Investieren in Immobilien. Dabei unterscheiden sich die Anlagestrategien. Manche Fonds investieren weltweit, andere schränken sich regional ein. Auch was die Anlageobjekte angeht, unterscheiden sich die Anbieter. Manche investieren in gewerbliche Immobilien, manche in Büros und andere in Wohnimmobilien. Da heißt es den Emissionsprospekt studieren.
  • Dachfonds: Diese Fonds investieren in andere Fonds. Aufgrund ihrer Gebührenstruktur haben es Dachfonds schwer, für die Anleger eine Rendite zu erwirtschaften. Nicht nur das Management des Dachfonds will bezahlt werden, auch die Verwaltung der Fonds, in die der Dachfonds investiert, muss bezahlt werden. Vor lauter Kosten kommen bei Dachfonds die Anleger oft zu kurz.

Gibt es noch eine dritte Möglichkeit, Fonds zu kategorisieren?

Na klar, das Fondsfeld ist weit und breit, da tummelt sich eine Menge. Fonds lassen sich auch noch in die beiden Kategorien

  • börsengehandelt und
  • nicht börsengehandelt unterteilen.

Klassischerweise kauft und verkauft man Fondsanteile von der Fondsgesellschaft, die diese auch verwaltet. Einmal täglich stellt die Gesellschaft einen Kauf- und einen Verkaufskurs. Zu diesen Kursen können Anleger neue Anteile erwerben oder verkaufen. Entweder kauft man als Anleger direkt bei der Fondsgesellschaft oder wickelt die Transaktion über Dritte (Bank, Fonds-Shop, Makler) ab.

Im Gegensatz dazu werden ETFs (Exchange-Traded Fund, englisch für börsengehandelter Fonds) wie Aktien und Anleihen an der Börse gehandelt. Man kann sie also direkt ‒ ohne Umweg über einen Vermittler oder die Fondsgesellschaft ‒ an der Börse kaufen oder verkaufen.

Wie spielt das ganze zusammen?

Aus den drei Vektoren

  1. Investmentphilosophie (aktiv/passiv)
  2. Anlageklasse (Aktien, Renten, Immobilien, …)
  3. Handelsart (ETF/klassisch)

können wir unser Fonds-Universum zusammenbauen.
Dabei gibt es immer wieder ein Missverständnis: Nur weil ein Fonds ein Indexfonds ist, also passiv investiert, muss er nicht zwingend ein ETF sein.

Der weltweit erste Indexfonds, der Vanguard 500, war ein ganz klassischer, nicht börsengehandelter Fonds. Dieser Fonds ging am 31. Dezember 1975 an den Start und brachte seinen Käufern die Rendite des amerikanischen Aktienindex Standard & Poor‘s 500 (S&P500).
ETFs gibt es erst seit Beginn der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. Am 22. Januar 1993 wurde das erste Mal ein Fonds an der Börse gehandelt. Ab dem Jahr 2000 sind ETFs auch in Europa zugelassen.
Zwar waren die ersten ETFs alle Indexfonds, deshalb werden die Begriffe ETF und Indexfonds oft synonym gebraucht, aber damit sollte man heutzutage vorsichtig sein.
Weder der

  • Schluss „Es ist ein Indexfonds, also wird er an der Börse gehandelt (ETF)“ ist zulässig (siehe Vanguard) noch der
  • Umkehrschluss „Es ist ein ETF, also bildet der Fond einen Index ab“

ist zulässig. Der Grund dafür: Die Marketingabteilungen der Banken haben die ETFs für sich entdeckt und beglücken den Markt mit Innovationen. Ein ETF wie der db x-trackers Equity Strategies Hedge Fund[1] von der Deutschen Bank, der in Hedgefonds investiert, die

Equity Hedge- und Equity Market Neutral-Strategien verfolgen

hat nichts mehr mit dem Ursprungskonzept des Investierens in einen marktbreiten Index zu tun. Überall, wo das Wort „Strategie“ draufsteht, steckt aktives Management drin. Also aufgemerkt, den Beipackzettel lesen und immer schön auf die Nebenwirkungen achten!
Mehr zum Thema ETFs finden Sie im Artikel "Was ist ein ETF?"


[1] Wer denkt sich nur immer diese obercoolen Namen aus?
Neulich im Fonds-Shop:
„Hach, so viel Auswahl hier. Was können Sie den empfehlen?“
„Nehmen Sie doch den Equity Strategies Hedge Fund, der ist heute im Angebot.“
„Equity Strategies Hedge Fund? Total cooler Name, den nehm’ ich.“
„Ja, der Name ist echt super, da stehen die Frauen drauf. Einmal Equity Strategies Hedge Fund gesagt und die Mädels werden reihenweise schwach.“
„Echt jetzt?“
„Na klar!“
„Alles klar, ich nehm’ ein Viertelpfund.“
„Wenn Sie ein halbes Pfund nehmen, kriegen Sie Fritten so dazu.“
„Einverstanden, aber bitte gut einpacken!“

Manchmal fragt man sich, für wie blöd die Marketingfuzzis einen eigentlich halten …

(awa)

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