24. April 2014


Ich investiere mein Geld passiv

Mein persönlicher Ansatz für den passiven Investor:

Schritt 1 ‒ Finanzfeuerwehr aufbauen

Aufbau einer Liquiditätsreserve von 7.000 Euro bis 15.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto.

Schritt 2 ‒ Klären „Wie mutig bin ich?“

Das anzulegende Geld wird in einen risikoarmen und einen risikobehafteten Teil aufgeteilt. Der risikoarme Teil wird in Festgeld, Tagesgeld und Anleihen erstklassiger Schuldner (AAA-Rating), wie beispielsweise in Anleihen der Bundesrepublik Deutschland angelegt. Die bringen zwar kaum die Inflationsrate ein, werden aber praktisch garantiert zurückgezahlt.
Vor 2008 war dieser Teil des Vermögens der „risikolose“ Teil. Zu dieser Bezeichnung kann zumindest ich mich nicht mehr durchringen. Risikoarm, ja. Risikolos, nein. Der risikobehaftete Teil wandert an die Börse und erwirtschaftet dort die Rendite.

Stellt sich die Frage: Wie werden risikoarmer und risikobehafteter Teil gewichtet? Das ist Ihr Individualproblem.
Klären Sie: Was halte ich aus? Kriege ich Schnappatmung, wenn sich mein Gesamtvermögen um 10 % verringert oder kann ich auch einen Kursrückgang von 50 % locker aussitzen?

Wichtig: Das ist keine Macho-Frage, bei der mehr automatisch besser ist, sondern eine Frage nach Ihrem Wohlbefinden. Wer sicherheitsbewusst ist oder beispielsweise aus familiären Gründen sein muss, teilt sein Depot eben anders auf, als jemand, der eine eher robuste Konstitution hat. Es geht hier nicht um richtig oder falsch, sondern darum: „Passt das für Sie?“

Beispielrechnung

Das Gesamtvermögen beträgt 100.000 Euro. Schwankungen bis zu 10 % werden toleriert. Wie viel Euro landen im risikoarmen Teil, wie viel im risikobehafteten Teil? Die Annahme: Wenn es an den Börsen richtig übel wird, ist ein Kursrutsch von 50 % drin. In diesem Szenario wandern 80.000 Euro in den risikoarmen Teil und 20.000 Euro in den risikobehafteten Teil. Wenn sich bei einem Kursrutsch die 20.000 Euro halbieren, dann sinkt das Gesamtvermögen trotzdem nur um 10 % auf 90.000 Euro.

Schritt 3 ‒ Aufbau des Weltportfolios

Der risikobehaftete Anteil wird in ein sogenanntes Weltportfolio investiert. Das Weltportfolio ist ein breit gestreutes Aktienportfolio. Es enthält Firmen der verschiedensten Größen und Branchen aus allen wichtigen Ländern dieser Welt. Die breite Streuung macht das Weltportfolio relativ unempfindlich gegen starke Kursschwankungen, denn wie der Münchner sagt „A bisserl was geht immer.“ Wenn die Branche A in der Region B schwächelt, dann fangen das die Firmen der Branche C in der Region D auf und umgekehrt.
Am schnellsten und kostengünstigsten lässt sich ein Weltportfolio mit zwei Indexfonds abbilden. Der erste Indexfonds bildet den weltweiten Index MSCI World ab, der zweite Indexfonds setzt auf Aktien aus Schwellenländern und bildet den Index MSCI Emerging Markets ab. Eine sinnvolle Aufteilung wäre:

  • 70 % MSCI World, dieser Index umfasst 1.514 Firmen
  • 30 % MSCI Emerging Markets, dieser Index umfasst 827 Firmen

Damit sind Sie weltweit und sehr breit aufgestellt. Ein Wort noch zum Begriff „Schwellenländer“. Damit sind nicht Länder wie Südsudan oder Burkina Faso gemeint, sondern Länder wie die BRIC-Staaten. Brasilien, Russland, Indien und China. Die aktuelle größte Position des EM-Index ist Samsung aus Korea. Wir reden also auch bei den Firmen des Schwellenländer-Index nicht von irgendwelchen putzigen Klitschen, sondern von Namen wie Samsung, Gazprom oder Hyundai.

Mit diesen beiden Indizes erschlagen Sie die gesamte Anlageproblematik. Mehr brauchen Sie nicht.

Wer nach Bruttoinlandsprodukt (BIP) gewichten will, landet bei vier Indizes: Nordamerika (28 %), Europa (25 %), Pacific (11 %) und Schwellenländer (36 %).

Dabei kommt einem dann aber wieder die Praxis in die Quere. Man braucht ja letztendlich einen Fonds, in den man investieren kann. Dieser Fonds sollte eine gewisse Größe haben und kostengünstig sein.
Nehmen wir als als Beispiel die 28 % Nordamerika. Nordamerika = Kanada + USA + Mexiko. Jetzt find’ mal einen real existierenden Fonds, der genau das abbildet. Die meisten Fondsmanager sagen ‒ nicht zu unrecht - Nordamerika = USA und bieten einen Fonds an, der einen US-amerikanischen Index wie den S&P oder Dow Jones abbildet. Das Gefummel mit Kanada und Mexiko tun die sich einfach nicht an. Und schon ist unsere ganze schöne BIP-Gewichtung hinüber.
Dann fängt man an und sagt „Ok, Nordamerika ohne Kanada und Mexiko, setzen wir zu 24 %, die restlichen Prozente verteilen wir auf die drei anderen Sektoren“.
Kommt der Nächste und sagt: „Nordamerika zu 24 % ist ok, aber ich würde die 4 % bei Europa aufschlagen, schließlich leben wir hier und zahlen unsere Rechnungen in Euro. Da ist es doch nur richtig, Europa überzugewichten.“

Kommt der Dritte und sagt „Nun ja, aber Europa ist nicht gleich Euro. UK, Schweiz und das ölreiche Norwegen haben ihre eigenen Währungen. Da muss man schon differenzieren …“

Und dann differenziert man hin und her und landet letztendlich in der vollkommenen Beliebigkeit. Dabei vergisst man die wirklich wichtigen Punkte:

  1. Gibt es überhaupt real existierende Indexfonds, mit denen man seine Strategie umsetzen kann?
  2. Sind diese auch kostengünstig zu haben? Ein Welt-Index und ein Schwellenland-Index sind Brot-und-Butter-Indizes. Hier herrscht Konkurrenz unter den Anbietern, das hält die Verwaltungskosten, die man an die Fondsgesellschaft zahlt, angenehm niedrig. Draufgeschlagen wird bei den Spezial-Fonds. Dazu kommt, dass diese Dickschiffe immer genug Interessenten finden und deshalb nicht von der Schließung bedroht sind. Ein Indexfonds, der nicht mindestens 30 Millionen Euro verwaltet, hat keine lange Lebenserwartung.

Eine granulare und ausgefuchste Strategie mag auf dem Papier höhere Gewinne versprechen als eine Simpel-Strategie. Sie hat aber einen entscheidenden Nachteil: Man braucht Nischenfonds, um sie umzusetzen und die sind teurer als Standardfonds. Der Deal ist: Möglicherweise überlegene Gewinne in der Zukunft kassieren versus jetzt Gebühren sparen. Wobei Gebührensparen bedeutet: Der Zinseszinseffekt kann früher und stärker wirken. In meinen Augen ein weiterer Vorteil der Einfachstrategie.
Dazu John Bogle, Gründer der Investmentgesellschaft „The Vanguard Group“ und neben Warren Buffett, Peter Lynch und George Soros einer der vier „Finanz-Giganten des 20. Jahrhunderts“:

„Simplicity is the master key to financial success. When there are multiple solutions to a problem, choose the simplest one.“

Der Artikel "Gibt es eine optimale Depotzusammenstellung für Buy-and-hold-Anleger?" zeigt ebenfalls, dass „breit investieren“ nicht bedeutet, ein Sammelsurium von Anlageklassen sein eigen zu nennen.

Welche Fonds kommen infrage?

Die Plattform JustETF listet 12 ETFs auf, die den MSCI World abbilden und 12 ETFs auf den MSCI EM.

Schritt 4 ‒ Finden eines sicheren Hafens

Den risikobehafteten Teil sinnvoll zu investieren war einfach. Doch wie platzieren wir den risikoarmen Teil unseres Geldes in einer Zeit, in der es keine risikolosen Zinsen mehr gibt, sondern nur noch zinsloses Risiko?
Grundsätzlich gilt für alle Investitionen in diesem Bereich: Sie werden sich schwer tun, die Inflation zu schlagen, die Kaufkraft Ihres Geldes wird also sinken. Sehen Sie es als Stabilitätsabgabe. Sie bezahlen dafür, um im Falle eines Falles den Spatz in der Hand zu haben, wenn die Taube auf dem Dach schon lange davon geflogen ist.
Besser, 5 Jahre Inflation zu 2 % haben aus 10.000 Euro 9.000 Euro gemacht, als dass ein Börsencrash 10.000 Euro in 5.000 Euro verwandelt.

Tagesgeld

Bei einer Bank, die dem deutschen oder einem vergleichbaren Einlagensicherungsfonds unterliegt und die dauerhaft gute Zinsen bietet, kann man sein Geld parken.
Meine persönliche Meinung: Ich mache das Zinshopping nicht mehr mit. Drei bis sechs Monate Traumzinsen und dann der Absturz, das ist mir der Aufwand nicht wert. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Unterschied oft nur 0,1 % bis 0,2 % beträgt. Das bedeutet, pro 10.000 Euro Einlage erhalte ich pro Jahr 10 Euro bis 20 Euro mehr. Davon gehen dann noch 25 % Kapitalertragssteuer und der Soli ab. Dafür alle 6 Monate ein neues Konto eröffnen und ein altes schließen und der Aufwand bei der Steuer und den Freistellungsaufträgen? Das lohnt nicht, finde ich. Die ganzen türkischen und estnischen Banken habe ich ‒ für mich ‒ ebenfalls aussortiert. Zwar bieten diese Banken höhere Zinsen, aber sie unterliegen auch nicht dem strengen deutschen Einlagensicherungsfonds.
Da wir hier vom „sicheren Hafen“ sprechen, ist es für mich konzeptionell unsinnig, solche Angebote anzunehmen. Wenn ich bereit bin, ein höheres Risiko zu tragen, dann gehört dieses Geld in den risikobehafteten Pool.

Festgeldleiter

Eine Festgeldleiter, auch Sparbriefleiter genannt, ist eine feine Sache. Wie beim Tagesgeld sucht man sich eine oder mehrere Banken, die dem deutschen Einlagensicherungsfonds angehören, und legt sein Geld dort in mehreren Tranchen an. Da man bei einer Sparbriefleiter sein Geld einer Bank über mehrere Jahre anvertraut, ist es besonders wichtig darauf zu achten, dass diese Bank zahlungsfähig bleibt.
Angenommen, Sie möchten 25.000 Euro anlegen. Dann teilen Sie das Geld in 5 Tranchen zu je 5.000 Euro und legen die ersten 5.000 Euro für ein Jahr fest, für die nächsten 5.000 Euro kaufen Sie einen zweijährigen Sparbrief und der letzte Sparbrief hat eine Laufzeit von 5 Jahren. In einem Jahr, wenn der Einjährige fällig wird, verlängern Sie Ihre Leiter mit dem Kauf eines weiteren 5-Jahres-Sparbriefes um eine Sprosse.
So bekommen Sie noch halbwegs passable Zinsen und kommen trotzdem jedes Jahr an ein Fünftel Ihrer Ersparnisse.

Deutsche Staatsanleihen oder Pfandbriefe

Als dritte Variante bietet sich der Kauf von Staatsanleihen oder Pfandbriefen an. Sie sollten hier auf Schuldner mit Top-Rating achten, deshalb kommt hier eigentlich nur die Bundesrepublik Deutschland als Schuldner infrage. Da die Zinsen so niedrig sind, empfiehlt es sich nicht, langlaufende Anleihen zu kaufen. Papiere mit einer Restlaufzeit von 1 Jahr bis 5 Jahre wären aktuell das Mittel der Wahl.
Ihre Optionen:

  1. Direktkauf mehrerer Anleihen zwecks Aufbau einer Anleihenleiter (so wie unter Festgeldleiter besprochen). Vorteil: Kostenminimierung und genau die Papiere im Depot, die Sie ausgewählt haben. Nachteil: Sie müssen sich drum kümmern.
  2. Kauf eines Indexfonds (ETF), der in Anleihen mit dieser Laufzeit investiert. Vorteil: Sie bekommen das fertige Paket und müssen nichts mehr tun. Nachteil: Sie zahlen laufende Verwaltungskosten.

Bei JustETF finden Sie einen Überblick, welche ETFs in deutsche Staatsanleihen und Pfandbriefe investieren.

Checkliste richtig investieren

Ihr Grundsatz sei: Mach’s einfach!
Verheddern Sie sich nicht bei der Anzahl der Positionen. Wenn Sie nicht genug Geld haben, um zwei Aktien-ETFs zu besparen, dann schmeißen Sie den Schwellenland-ETF raus und besparen Sie nur den Welt-ETF.
Wenn Ihnen eine Sparbriefleiter nur unwesentlich mehr Geld einbringt als Tagesgeld, dann lassen Sie das Geld auf dem Tagesgeldkonto und verzichten Sie auf die Sparbriefleiter.
Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen: Die ganzen Optimierungen sehen auf dem Paper immer großartig aus, aber Steuern und Inflation lassen den Zusatzgewinn ordentlich zusammenschnurren. Wenn man dann noch die Arbeitszeit („Schatz, ich muss noch den Freistellungsauftrag für unser XY-Konto fertig machen, wo finde ich die Briefmarken?“) gegenrechnet, dann kommt oft genug ein Minusgeschäft heraus.

Jetzt aber die Checkliste

  1. Solange sparen, bis die Liquiditätsreserve auf dem Tagesgeldkonto groß genug ist.
  2. Risikotoleranz festlegen. Wie sollen sich risikoarmer und risikobehafteter Anteil zueinander verhalten?
  3. Risikobehafteter Anteil
    1. 70 % gehen in einen ETF, der den Index MSCI World abbildet
    2. 30 % gehen in einen ETF, der den Index MSCI Emerging Markets abbildet
  4. Risikoarmer Anteil Folgende Möglichkeiten stehen zur Verfügung:
    1. Tagesgeld
    2. Festgeld/Sparbrief-Leiter
    3. Anleihen von Schuldnern mit Top-Rating in mittlerer Laufzeit (1 Jahr bis 5 Jahre Restlaufzeit)

Fehlt da nicht was?

Nö, da fehlt nix! Riester, Rürup und den wüstenroten Fuchs würde ich sehr kritisch hinterfragen. Sicher gibt es Fälle, in denen der Abschluss eines solchen Vertrags sinnvoll, weil profitabel, ist. Aber das sind immer Einzelfallentscheidungen, die ich hier im Blog nicht abdecken kann.
Da muss dann mit spitzem Bleistift unter Einbeziehung aller Kosten gerechnet werden.
Das Argument: „Aber das macht man doch so! Mein Bruder/Schwester/Arbeitskollege/Nachbar/Hund hat auch so einen Vertrag abgeschlossen.“ lasse ich nicht gelten. Diese Lemming-Nummer ist noch nie gut ausgegangen. Ich sage: Verstehen und dann selber rechnen, macht reich.

Ein Wort zum Schluss

So stelle ich mir einen sinnvollen Investitionsansatz vor. Wichtig sind hier die Worte ich und mir. Das hier ist mein Beitrag zur Debatte und keineswegs das Patentrezept für finanzielle Glückseligkeit.

Nachtrag

Das Thema alternative Investments wie unternehmerische Beteiligungen an Immobilien-, Schiffs- und Öko-Fonds, Rohstoffe und Sammlungen (Briefmarken, Münzen, etc.) behandelt der Artikel "Alternative Investments".

(awa)

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Kommentare

Alex von Reich-mit-Plan.de sagt am 24. April 2014

Hallo Finanzwesir,

zuerstmal, der wüstenrote Fuchs ist von der Schwäbisch Hall ;-) Ansonsten ist deine Übersicht ganz passabel. Allerdings verstehe ich nicht, warum Privatanleger immer wieder Gelder in Produkte angeleen die eine Negativrendite erzielen. Festgeld, Anleihen, Pfandbriefe usw. Wozu? Warum gibt man freiwillig sein Geld wohin, um es später weniger wieder zu bekommen. In dem Fall aufgrund der Negativrendite durch die Inflation. Ist heut zu Tage "sicher", wenn man Zinsen zahlen muss fürs Geld anlegen? Warum werden diese Gelder nicht in defensive Konsumwerte angelegt? Gegessen und getrunken wird doch immer. Das sind die weltweit größten Unternehmen die kontinuierlich ihre Dividenden erhöhen. Unterm Strich vermehrt sich das Geld und wird nicht "hinten rum" weniger. Sicher hat auch hier alles ein gewisses Risiko, aber soll dies so viel höher sein wie bei Pfandbriefen, Anleihen und Co? Da bin ich mir nicht mehr so sicher nach den Erfahrungen der letzten Jahre. Klar wird bei Aktien in schwierigen Börsenphasen immer auf den kleiner gewordenen Aktienkurs geschaut und gejammert, aber die Dividendenerträge bleiben ja stabil (bei den richtigen Unternehmen). Am Ende muss es ja jeder selber wissen, aber das bewußte anlegen von Geldern um einen Verlust zu erzielen, gehört für mich nicht in eine Vermögensplanung.

Gruß Alex

Auf dem Blog von Alex von Reich-mit-Plan.de gibt es hierzu diesen Artikel: Der groe Crash kommt erst noch


Dummerchen sagt am 30. April 2014

Hallo Finanzwesir, sehr schöne Step-by-Step-Übersicht! Ich teile Deine Auffassungen sowohl zum Aufbau eines sinnvoll strukturierten Depots (Keep it simple) ebenso wie die Einschätzung zu weiteren Produkten (Riester, Rürup, KLV, FLV, BSV, ...). In wenigen Einzelfällen mögen auch diese Produkte ihre Daseinsberechtigung haben - für das Gros halte ich sie auch für wenig förderlich. (Einige Mitbürger haben das Problem, einen Vertrag zu brauchen, um sich selbst einem Sparzwang auszusetzen. Nachvollziehen kann ich das zwar nicht, aber es gibt sie. Dann sind auch langfristige Verträge besser als nichts zu tun. Ich würde es aber erstmal mit "Einsicht" versuchen.)

Bei der Aufteilung World/EM wäre ich nicht zu sehr auf die 70/30-Verteilung fixiert. Ob 90/10 (Marktkapitalisierung), 65/35 (BIP) oder irgendwas dazwischen, spielt wohl eh eine untergeordnete Rolle. Aber Du schreibst ja selbst, ggf. geht's auch erstmal ohne EM.

Auch die von Dir beschriebene Rolle eines risikoarmen Depotanteils kann ich nur unterschreiben und möchte sie noch um einen weiteren Aspekt erweitern. Wer z.B. eine Sparbriefleiter besitzt, kann in Zeiten gefallener Börsenkurse beim Auslaufen eines Sparbriefs gezielt wieder das Verhältnis von risikoarmen zu risikoreichem Anteil zurechtrücken und günstig Aktienanteile (ETFs) nachkaufen. Wer nur aus laufenden Einnahmen nachkaufen kann, weil er zu 100% in Aktien investiert ist, hat diese Gelegenheit so nicht. Mal abgesehen davon, dass man schon ganz schön abgebrüht sein muss, um wirklich zu 100(!)% in Aktien investiert zu sein.

Bei den Anleihen-ETFs sollte vielleicht noch auf eine Besonderheit hingewiesen werden. Wer eine Einzel-Anleihe bis zur Fälligkeit hält, kann beim Kauf schon die Rendite vorhersagen, die er auf jeden Fall erzielen wird. Verkauft er die Anleihe jedoch vorzeitig, sind Kursschwankungen relevant. Einige Anleihen-ETFs halten die Anleihen allerdings nicht bis zum Ende sondern verkaufen früher. Daher würde ich hier nicht grundsätzlich von einem analogen Umsetzung wie bei einer Sparbriefleiter sprechen. Dass der vorzeitige Verkauf sowohl vor- als auch nachteilig sein kann, ist natürlich klar.

Gruß Dummerchen

PS: Dein Blog gefällt mir richtig gut! Mach weiter so! (Schon erstaunlich, wie groß der Kreis finanzbloggender Ingenieure und ingenieursähnlich Tätiger ist. Die Affinität zu Zahlen und die oftmals nüchterne Art der "Spezies" scheint ja geradezu prädestiniert hierfür zu sein ;-)!)


Finanzwesir sagt am 02. Mai 2014

Hallo Dummerchen, danke für die freundlichen Worte und den langen Kommentar. Ich glaube, daß mit dem Sparzwang ist weiter verbreitet als man annimmt. Kommer hat das ja in seinem Buch "Kaufen oder MIeten" auch gechrieben: Immobilienbesitzer bilden mehr Vermögen, als Mieter. Aber nicht, weil Immobilien so eine tolle Geldanlage wären, sondern ein Immo-Besitzer zum Zwangssparen verdonnert ist, während ein Mieter sein Geld leichter ausgeben kann.

Was die Aufteilung Welt/EM angeht: Da bin ich schmerzfrei. Ich habe mich für 70/30 entschieden. Fand ich plausibel und im Wertpapier Forum gab´s Musterdepots mit dieser Aufteilung. Aber die beiden anderen Gewichtungen sind natürlich auch ok. Das habe ich als Ingenieur auch lernen müssen: Die Toleranzen sind hier sehr hoch. Wichtig nur: Das man überhaupt was macht und investiert ist.

Danke für Deine Amerkungen zur Sparbriefleiter und den Anleihen-ETFs. Ich kann nicht alles im Text unterbringen, aber für Ergänzungen sind ja die Leserkommentare da! Dafür bin ich auch dankbar.

Gruß Finanzwesir


Finanzwesir sagt am 05. Mai 2014

Hallo Dummerchen, dabei würde ich mir - argumentative gut vorgebrachte - Kritik durchaus wünschen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir uns hier in einer klassischen Filter Bubble befinden. Dieser Blog erreicht nur Leute, die sowieso schon von passivem Investieren überzeugt sind. Trader oder Menschen, die ihr Geld in eine Lebensversicherung stecken kommen hier gar nicht vorbei.

Gruß Finanzwesir


Stranger sagt am 12. Juli 2014

Hallo Finanzwesir,

wenn Dir etwas daran liegt, Dich außerhalb Deines Blogs mit (vermeintlich erfolgreichen) Tradern oder finanzaffinen Leuten auseinanderzusetzen, dann schau Dir mal die Kommentare zum Beispiel beim Handelsblatt Online an (hier speziell die zu den Dax-Berichten). Falls ein Marsmensch diese eines Tages mal in die Hände bekommen sollte, dann denkt er, dass es nur erfolgreiche Anleger gab in der heutigen Zeit.

Dann doch lieber Finetuning mit Gleichgesinnten:-)

Viele Grüße Stranger


Finanzwesir sagt am 13. Juli 2014

Hallo Stranger, nee, lieber nicht ;-) Die meisten Trader verlieren nur Geld. Die Privaten gehen still und leise pleite, die Großen verabschieden sich mit einem Knall wie Nick Leeson, der die Barings Bank zugrunde richtete. Das ist mir zu stressig und die Prahlereien in den Foren sind die Zeit nicht wert.

Gruß Finanzwesir


Juanito sagt am 14. Juli 2014

Hallo Finanzwesir,

ich würde ja gerne eine einfache MSCI World ETF-Lösung wählen, aber dann wird das ganze nach ausgiebigen Einlesen dann doch wieder kompliziert.

1) Steuereinfach vs. steuerkompliziert - z.B. ausländischer Teilthesaurierer wie mein präferierter ETF von ishares 2) Physisch replizierend vs. synthetisch - ich möchte Ersteres, scheitere aber an 1)

Die günstigere "Core"-Variante wäre steuerlich Harakiri. Ergo, es gibt aktuell keine gute, einfache Lösung für mich. Eine Kombi aus Stoxx Europe 600 und S&P 500 lässt sich aber schon preiswert und steuereinfach zusammenbauen.

Wie ist Deine Einschätzung dazu?

Danke Juanito


Finanzwesir sagt am 14. Juli 2014

Hallo Juanito, ich habe den iShares MSCI WORLD (WKN: A0HGZR). Den habe ich 2008 gekauft, da war die Auswahl noch etwas eingeschränkt. Was das steuerliche Thema angeht. Für mich sieht das Ranking so aus:

  • geringe Kosten sind das wichtigste Kriterium. Warum? Weil diese Kosten hier uns jetzt auflaufen und bekannt sind. Das ist eine Größe, mit der ich rechnen kann. Alles was ich hier spare geht direkt in meine Kasse.
  • Fondsvolumen > 100 Mio € oder $. Warum? Weil sich der der Fonds dann wirtschaftlich betreiben läßt und - hoffentlich - nicht geschlossen wird.
  • steuerliche Gesichtspunkte. Eher unwichtig. Warum? Weil sich dieser Punkt schneller ändern kann, als einem lieb ist. Der Fonds kann sein Domizil wechseln, die Steuergesetze können sich ändern. Das bedeutet, wenn ich mir heute mit viel Aufwand einen Fonds aussuche, dann kann es sein, daß ich in 2,3 oder auch erst in 10 Jahren doch im Steuerkuddelmuddel lande. Meine Perspektive ist die dabei die von Warren Buffet "Mein liebster Zeithorizont ist: für immer." Wer einen Steuerberater hat, läßt den den Job erledigen. Wer keinen hat, muß sich das einmal ansehen und dann jedes Jahr wiederholen. Es macht Arbeit ja, aber es kann nicht sein, daß eine staatliche Lenkungsmaßnahme meine Investmententscheidung beeinflußt. Zuerst muß immer die Investmententscheidung kommen, der muß sich alles unterordnen. Dann sieht man weiter. Diese Steuernummer wird in meinen Augen auch sehr aufgeblasen. Das ist doch kein Hexenwerk, da reichen die vier Grundrechenarten. Und im Übrigen: Einfach mal beim Finanzamt nachfragen. Das Finanzamt ist laut § 89 Abgabenordnung grundsätzlich zu Auskunft und Beratung verpflichtet. Dabei müssen sie die Steuerpflichtigen zwar nicht auf jede sich bietende Möglichkeit hinweisen, wie sie Steuern sparen können. Bei offenkundigen Fehlern oder Versäumnissen hat das Finanzamt aber geradezu eine Fürsorgepflicht gegenüber den Bürgern:

Fürsorglicher Fiskus - Zitat § 89 AO

"Die Finanzbehörde soll die Abgabe von Erklärungen, die Stellung von Anträgen oder die Berichtigung von Erklärungen oder Anträgen anregen, wenn diese offensichtlich nur versehentlich oder aus Unkenntnis unterblieben oder unrichtig abgegeben oder gestellt worden sind."

Also: Einfach nett im Finanzamt anrufen und den Sachbearbeiter unbürokratisch bitten mal zu helfen. Das Finanzamt hat ein Interesse daran, daß Du als Steuerpflichtiger einen Steuerbescheid akzeptierst und keinen Widerspruch einlegst. Die wollen das auch vom Tisch haben.

Gruß Finanzwesir


Juanito sagt am 14. Juli 2014

Hallo Finanzwesir,

vielen Dank für Deine schnelle und vor allem umfassende Antwort.

Ich möchte Deinen schönen Blog ungern für Produktfragen nutzen, u.a. weil das immer der letzte Schritt sein sollte, aber da ich nun mal an dem Punkt bin, hoffe ich, dass Du mir noch eine zweite Frage erlaubst.

Wenn man die Steuerproblematik nicht scheut, dann dürfte doch der "neue" Core-ETF auf den MSCI World von ishares einen Blick wert sein. Macht genau das Gleiche, wie der andere, ist thesaurierend und kostet mit einer TER von 0,2% etwas weniger als die Hälfte (WKN A0YBR3).

Da Kosten ein wesentlicher Faktor sind, den ich beeinflussen kann, dann würde doch absolut nichts gegen den Core sprechen oder?

Es muss ja nicht gleich in eine Art "ETF-Hopping" ausarten, aber wenn man beim Portfolioaufbau noch die Wahl hat...

Danke & viele Grüße Juanito


Finanzwesir sagt am 14. Juli 2014

Hallo Juanito, Vorsicht! Die beiden sind ähnlich aber nicht zu 100% identisch. Geh auf die iShares-Seite und vergleich die beiden mal.

Dann siehst Du, daß der Core 1.459 Aktien hält, der "normale" MSCI World aber 1.508 Aktien. Deshalb ist die Top-Aktie Apple im Core mit 1,82% enthalten und im klassichen World nur mit 1,78%. Bei den weiteren Positionen geht das Delta dann immer mehr zurück. Bei GE ist das Verhältnis schon 0,82% / 0,83%. D.h. das nimmt immer weiter ab.

Die Gesamtrendite des Core ist pro Jahr ca 0,1% besser als die des klassischen MSCI World. D.h. das große TER-Delta schlägt nicht voll durch.

iShares gibt an, daß aus $ 10.000, investiert am 11.7.2013 in einem Jahr (Stichtag 11.7.2014) $ 11.819,63 (MSCI classic) bzw. $ 11.828,02 (MSCI core) geworden wären.

Kein so riesiger Unterschied. Schau´s Dir noch mal an und entscheide dann selbst. Denn (so steht´s ja oben im Blog-Header): Das hier ist eine Veranstaltung für Leute, die über ihre Finanzen selbst entscheiden. ;-)

Ich wünsch Dir viel Erfolg. Und bedenke eins: Die optimale Zusammensetzung bekommst Du eh nie. Gut genug reicht und das sind beide Fonds. Dann gilt es nur noch stur Kurs zu halten. Aber darüber habe ich ja auch was im Blog geschrieben.

Gruß Finanzwesir


Juanito sagt am 14. Juli 2014

Hallo Finanzwesir,

Danke für die Antwort und Deinen Vergleich der beiden ETFs. Keine Sorge - bin Selbstentscheider und der (konstruktive) Dialog hier hilft mir sehr weiter.

Vielleicht stolpert ja noch jemand über diese beiden ETFs und hat dann schon mal etwas hier zum nachlesen.

Noch 1-2 Anmerkungen zu Deinem Vergleich:

1) Beide verwenden einen repräsentativen Korb (Sampling/Optimierung) und halten nicht die volle angegebene Aktienanzahl. In der Regel sind das 200-300 Aktien. 2) Der "Core" wurde erst im Juni 2014 auf die 0,2% TER runtergesetzt (im Zuge des Preiskampfes zwischen den Anbietern). Das heisst, es gibt noch nicht ausreichend Werte, um das Durchschlagen der TER sinnvoll zu vergleichen.

Meine aktuelle Überlegung innerhalb meines Entscheidungsprozesses ist einfach, dass beide meine (inhaltlichen) Hauptkriterien erfüllen + leider steuerlich aufwändig sind (kein Unterschied). Der Core würde mich pro 10.000 Euro aber nur 20 Euro p.a. kosten + der "Classic" eben 50 Euro p.a. - bei 20 Jahren+ Anlage sind das mal schlappe 600 Euro pro 10.000 Euro Kostenunterschied (20x50 - 20x20).

Es ist wirklich befreiend zu wissen, dass es keine perfekte Lösung gibt:-)

Viele Grüße Juanito


Finanzwesir sagt am 14. Juli 2014

Hallo Juanito, Du schreibst: 1) Beide verwenden einen repräsentativen Korb (Sampling/Optimierung) und halten nicht die volle angegebene Aktienanzahl. In der Regel sind das 200-300 Aktien.

So wie ich das sehe: Sampling stimmt, aber es sind nicht nur 200 - 300 Aktien im Korb, sondern eigentlich fast alle. Der MSCI World umfaßt laut MSCI Factsheet 1.611 Positionen. Siehe: http://www.msci.com/resources/factsheets/index_fact_sheet/msci-world-index.pdf

Beim klassische MSCI World steht laut iShares unter "Anzahl der Positionen (per 11. Juli 2014)" die Zahl 1.508. Wenn Du Dir das entsprechende CSV runterlädst, siehst Du, dass dort 1.508 Positionen gelistet sind. Das Problem: Excel rundet die irgendwann zu 0,0%. Es fehlen also nur 103 Firmen zum vollständigen MSCI World. Analog gilt das für den Core auch. Nur fehlen hier 152 Positionen.

2) Der “Core” wurde erst im Juni 2014 auf die 0,2% TER runtergesetzt

Das wußte ich nicht. Dann besteht ja noch Hoffnung, daß auch "mein" ETF noch billiger wird. Ich hoffe es schichten genug andere Leute um, so dass iShares sich genötigt sieht hier nachzubessern.

3)... sind das mal schlappe 600 Euro pro 10.000 Euro Kostenunterschied Und da ist der Zinseszinseffekt noch nicht mal drin ;-)

Also denn, go! Das sieht doch alles ganz vernünftig und gut aus. Und was die Zukunft bringt? Wer weiß das schon. Vorn daher: Mach die aktuell bestmögliche Entscheidung und starte damit.

Gruß Finanzwesir


Juanito sagt am 19. Juli 2014

Folgendes steht dazu noch auf der ishares-Webseite:

"Ein voll replizierender ETF kauft in der Regel alle Wertpapiere des zugrunde liegenden Index und hält sie als Fondsvermögen. Manchmal ist es nicht kosteneffizient, alle Wertpapiere des Index zu kaufen (z.B. wenn ein Index nicht sehr liquide ist). In diesen Fällen greift ein als Optimierung bezeichneter Prozess, und es wird nur ein Teil der Wertpapiere im Index gekauft, um die Wertentwicklung exemplarisch nachzubilden. Ein Beispiel für dieses Vorgehen ist der iShares MSCI World UCITS ETF, der etwa 700 Wertpapiere hält, wohingegen der zugrunde liegende Index mehr als 1800 Einzeltitel umfasst."

Wie Du schon sagtest, welche 700 das sind, wird nirgendwo erwähnt.

Ich würde sagen, dass man sich wohl damit zufrieden geben sollte, dass man über einer repräsentative Auswahl annähernd die Wertentwicklung des Index zu einem relativ günstigen Preis bekommt und das "wie" (Optimierung, Wertpapierleihe oder SWAP bei den Synthetischen etc.) leider nicht so optimal & transparent ist, wie es sein sollte.

Da beneide ich die Anleger in den USA, die ja auf diversen Blogs bzw. in Foren (bogleheads etc.) immer wieder die kostengünstigen und einfachen Produkte beschreiben, die ihnen zur Verfügung stehen. Von den steuerlichen Rahmenbedingungen & Förderungen der Altersvorsorge ganz zu schweigen.

Es ist nun mal, wie es ist. Und bevor ich jetzt mit lauter Einzelaktien oder diversen ETFs "meinen MSCI" baue, nehme ich lieber das, was verfügbar ist.

Nochmals vielen Dank, dass Du auf das Thema eingegangen bist!

Sonnige Grüße Juanito


Juanito sagt am 19. Juli 2014

Hallo Finanzwesir,

ich würde gerne noch einen Punkt "nachreichen". Es hat mir doch keine Ruhe gelassen und ich habe mal etwas weiter recherchiert, wie denn ishares genau "optimiert" repliziert.

Auszug aus der Beschreibung der Replikation:

"Der iShares MSCI World ETF macht von der optimierten Replikationsmethode Gebrauch, um die Performance des MSCI World Index nachzubilden. Um die Transaktionskosten in Grenzen zu halten, wird von der optimierten und nicht vollständigen Replikation Gebrauch gemacht. Dabei investiert der ETF in etwa nur die Hälfte der über 1600 Indexmitglieder."

Die Angabe auf deren Website (Anzahl der Aktien) bezieht sich anscheinend auf den Index.

Das macht keinen großen Unterschied und man kann die Dinge sicherlich unendlich kompliziert machen etc. - keines der verfügbaren Produkte ist perfekt und dann nimmt man eben die beste Lösung, die verfügbar ist. Ich wollte aber dennoch wissen, in was man den überhaupt anlegt.

Viele Grüße Juanito


Finanzwesir sagt am 19. Juli 2014

Hallo Juanito,

Die Angabe auf deren Website (Anzahl der Aktien) bezieht sich anscheinend auf den Index.

Hm, das kann auch nicht sein, den auf der MSCI-Site steht, dass der Index 1.611 Positionen umfasst. Deshalb bin ich ja auf die Idee gekommen, es handele sich hier um die Zahl der gesampleten Positionen.

Das kann ja dann nicht sein, nachdem was Du recherchiert hast. Wenn ich mir die CSV-Datei des ishares MSCI World A0HGZR herunterlade, so hat dieses Sheet 1.509 Positionen. So steht es auch auf der Web-Site. D.h. iShares nimmt schon von Beginn an nicht den Gesamtindex als Maßstab. 75 Positionen dieser Auflistung sind 0%-Positionen. Wenn aber iShares auf ca. 50% samplet, bedeutet das, dass nicht nur diese Positionen nicht im Fonds enthalten sind, sondern auch noch sehr viele andere. Ich vermute der Longtail der 0,01%- und 0,02%-Positionen entfällt ebenfalls. Da stellt sich natürlich die Frage: Wo zieht iShares den Schlussstrich? Ist es legitim zu vermuten, dass die ersten 754 Firmen im Index enthalten sind? Das wären 50%. Oder sind es nur 730 Firmen oder doch 800? Diese 50% beziehen sich auf die 1.509 Positionen, mit denen iShares anfängt und nicht auf den von MSCI angegebenen Umfang.

Dazu habe ich nichts gefunden. Letztendlich bedeutet das: Blackbox - man weiß nicht zu hundert Prozent, in welche Firmen man investiert. Soviel zum Thema "Tranzparenz im Finanzbusiness".

Gruß Finanzwesir


Finanzwesir sagt am 20. Juli 2014

Hallo Juanito,

Es ist nun mal, wie es ist. Und bevor ich jetzt mit lauter Einzelaktien oder diversen ETFs “meinen MSCI” baue, nehme ich lieber das, was verfügbar ist.

Das sehe ich auch so. Ich möchte die Sachen verstehen, dann weiß ich auch, wo ich in der Praxis von der Ideallinie abweichen muß, einfach weil es kein Produkt gibt, mit dem ich meine Strategie umsetzen kann. Dann ist das aber eine informierte Entscheidung und ich weiß, worauf ich verzichte.

Nochmals vielen Dank, dass Du auf das Thema eingegangen bist!


Patrick sagt am 27. August 2015

Ich würde gerne als Alternative zu Einzelaktieninvestments Branchen-ETFs nutzen. Das Angebot ist ja mittlerweile durchaus vorhanden.

Meine Idee. Ich möchte gerne aus verschiedenen Gründen auf gewisse Branchen wie Banken, Rohstoffwerte usw. verzichten. Aber ich möchte nicht auf Diversifikation verzichten. Wenn ich mir zudem über die letzten 10-20 Jahre die Entwicklung verschiedener Branchen anschaue, dann gefällt mir das Risikoprofil einiger Branchen besser.

Kurzum, wenn ich mir Branchen-ETFs des MSCI zusammenstelle, z.B. Healthcare, Consumer Staples, Technology wäre ich immer noch in mehrere hundert Werte investiert.

Spricht Eurer Meinung etwas dagegen? Ich verzichte eventuell auf Performance, wenn Ölwerte abgehen, wie Nachbars Lumpi und mein Risiko ist höher, wenn Pharmawerte alle pleitegehen. Sonst noch was? Danke für Eure Rückmeldung.


Reinsch sagt am 28. August 2015

Irgendwo hatte der Wesir doch letztens mal eine Grafik gepostet, wo die Rendite einiger Branchen, Anleihen, Rohstoffe etc. jährlich in Ranglisten geordnet war.

Fazit: Quasi jede Branche war in einigen Jahren an der Spitze, in anderen am unteren Ende. Der "gesunde Mix" hingegen war immer im vorderen Drittel dabei, wenn auch nie auf dem Spitzenplatz.

Von daher würde ich nur auf die Branchen-ETFs gehen wenn du wirklich gezielt auf eine Branche gehen willst, oder aus z.B. moralischen Gründen einzelne unbedingt ausschließen willst.


Nicolas sagt am 28. August 2015

Hallo Finanzwesir,

in dem oben stehenden Kommentaren aus dem letzten Jahr wurde auch das Thema Kosten und TER als wesentliches Auswahlkriterium betrachtet. Finanztip hat nun am Beispiel eines Vergleichs der ETFs auf den MSCI World herausgefunden:

  • "Verwaltungskosten,... sogenannte Total Expense Ratio (TER) ..." sind "kein geeignetes Auswahlkriterium"
  • "Der Vermögensverwalter Robeco konnte in einer Studie keinen klaren Zusammenhang zwischen Verwaltungskosten und ETF-Rendite entdecken" (http://www.finanztip.de/indexfonds-etf/etf-vergleich/)

Steigern hier Verleiherträge oder sonstige Einnahmen der Fondsgesellschaften, die durch das Eingehen von Risiken generiert werden, die Rendite?

Wie schätzen Sie das ein?

Grüße
Nicolas


Linke sagt am 19. Januar 2016

Hallo Finanzwesir,

interessanter Artikel =), vielleicht noch ergänzend - sollte man sich Gedanken machen wie man rebalancen möchte. Durch unterschiedlich starkes Wachstum ändert sich die Risikoverteilung über die Zeit.

Eins verstehe ich noch nicht so ganz. Hier wird häufig über das TER des ETFs gesprochen. Ist der Tracking-Error eines ETFs doch im Bezug zu seinen Vergleichindex nahe 0 sind die Kosten doch egal. Ein ETF verdient ja auch Geld z.B. durch das Verleihen eines teils seines Warenkorbs und verrechnet das mit seinen Aufwendungen. Oder sehe ich da was falsch? :)

Beste Grüße

Philipp


Stefan sagt am 27. Januar 2016

Hallo Wesir und hallo an die Community,

ich stehe kurz vor dem Einstieg in das Berufsleben und beschäftige mich zur Zeit intensiver mit Sparen/Altersvorsorge/Versicherungen.

Was ich über den Blog und Bücher mittlerweile gelernt habe ist, dass passives investieren in Indexfonds der beste Weg zum Ziel zu sein scheint. Nur die Anlagesysteme scheinen sich etwas zu unterscheiden, ich liebäugle also mit folgenden Varianten:

  • das hier vorgestelle System für Aktien mit 70% World/30 % Emerging Markets und den "sicheren" Anlagen mit Anleihen oder alternativ Festgeldleiter
  • das 3% Signal von Jason Kelly -> Überblick: 80% Small Cap / 20% Anleihenindex, quartalsweise 3% Wachstum der Small Caps angepeilt, falls nicht erreicht Teil des Anleihenindex verkaufen und Small Cap Anteil auf 3% Wachstum auffüllen; anders herum bei einem Betrag von über 3% Wachstum des Small Caps Anteile davon verkaufen und in Anleihen

Ich besitze leider kein Programm, bzw ausreichend Excel Kenntnisse, um langfristig die Performance zu vergleichen und die beiden Varianten zu analysieren. Über eure Meinung würde ich mich sehr freuen.

Beste Grüße
Stefan


Dummerchen sagt am 27. Januar 2016

Hallo Stefan,

vom 3%-Signal-System höre ich zum ersten Mal. Woher kommen die 3%? Langfristige durchschnittliche Rendite von SmallCaps? Dass SmallCaps zwar langfristig höhere Renditen versprechen als LargeCaps, dafür aber auch längere Phasen der Underperformance haben, weißt Du? Man braucht also Sitzfleisch.
Ich stelle mir ganz praktisch vor, was in einem Jahr passiert, in dem die Rendite der SmallCaps einfach mal 0% ist. Du schichtest viermal 3% um. Am Ende des Jahres ist dann rund 90% im SmallCaps-Anteil und 10% im Anleihenanteil. Wiederholt sich das ganze um ein weiteres Jahr, ist der komplette Teil des Portfolios in Aktien. Ist das der Plan?

Ich persönlich kann mit der extremen Übergewichtung von SmallCaps ggü. dem Gesamtmarkt wenig anfangen und halte das System für einen Börseneinsteiger für wenig geeignet.
Du hast kaum Erfahrungen mit den Schwankungen und wirst erfahrungsgemäß hauptsächlich von den großen Indizes (S&P500, Dax, Stoxx 600, Nikkei) medial informiert und während diese steigen, kann Dein Depot trotzdem in die Miesen rauschen - stehst Du das nervlich durch?

Lieben Gruß
Dummerchen


Michael sagt am 28. Januar 2016

@Stefan

http://jasonkelly.com/books/3sig/: The 3% Signal is an investing plan that beats the general stock market by moving money into or out of a stock fund once per quarter based on the price of the fund only. When the fund grows 3% in a quarter, the investor does nothing. When it grows more than 3%, the investor sells the surplus profit and moves it into a safe bond fund. When it grows less than 3% or falls in value, the investor uses money from the safe bond fund to buy the stock fund up to the 3% growth line.

Bei "moving money into or out of a stock fund" kann man eigentlich aufhören zu lesen. Da braucht man nicht nur Sitzfleisch, sondern produziert auch noch regelmäßig (unnötige?) Gebühren. Dann lieber das Geld nur in ein/zwei ETF stecken und nicht mehr anfassen. Ob sich die "safe bond fund" z.Z. lohnen? Fest/Tagesgeld tuts da glaub' ich auch.

Gruß
Michael


Barbaz sagt am 29. Januar 2016

Ich habe dieses 3% Dingens grade mal mit den Daten vom MSCI NA SC ab 93 durchgespielt. Als "safe bond fund" hab ich ein Tagesgeld mit durchgängig 2% pa genommen. Gebühren und erhöhte Kreditzinsen habe ich NICHT berücksichtigt.

Im Mittel ist man mit 91% in SC investiert. Gegenüber einer 90/10 Aufteilung ohne Rebalancing erreicht man über die gesamte Zeit ca 110%-Punkte (15%) mehr Rendite (740% vs 850%). Insgesamt rutschte das Tagesgeld 6 mal ins negative, am längsten von März 2008 bis November 2010. Im März 2009 wäre man zu 215% in SC investiert gewesen (dh mehr als die Hälfte des Vermögens sind Schulden).

Also nichts gegen etwas an den Markt angepasstes antizyklisches Investieren, aber ... neee.


Chris sagt am 29. Januar 2016

@Stefan

Noch nie was von diesem 3%-System gehört, lol watt es nich alles so gibt...
Interessant wie man damit anscheinend 336 Seiten füllen und ein ganzes Buch damit verkaufen kann ^^

Wenn du sagst das du von Excel noch wenig Ahnung hast, würd ich das aber schnell mal ändern, denn im Gegensatz zur simplen statischen Allokation, die man fast noch im Kopf ausrechnen kann, braucht man dafür schon ein paar weitere Rechenschritte, und eben am besten eine Tabelle um nicht den Überblick zu verlieren.

Höhere Komplexität verspricht vielleicht bessere Performance, hat aber auch immer das Risiko, dass es schwerer ist sich langfristig auch wirklich an das System zu halten (bzw. man versucht ist, an den vielen Variablen eigenständig herumzudoktern).

Was die Performance des Systems angeht, steht doch auf der Seite was ( http://jasonkelly.com/resources/strategies/ , http://www.jasonkelly.com/worksheets/Mark%27s%20Plan%20from%20Chapter%207%20of%20The%203%25%20Signal%20by%20Jason%20Kelly.pdf ). Inwiefern das (a) glaubhaft und (b) für uns replizierbar ist, musst du selber beurteilen. Wir Deutschen haben z.b. keine steuerfreien Altersvorsorge-Depots wie die Amis, nicht genau die gleichen Anlageprodukte und unsere Handelsgebührenstruktur ist auch eine andere.

Gerade wenn du sagst, noch am Anfang des Berufslebens zu stehen, sehe ich da als ersten Kritikpunkt, dass du bei einem kleinen Depot erstmal u.U. nur Kleinstbeträge sinnlos hin- und herschiebst.
Bei einem 10.000€ Depot (aufgeteilt auf 80% Aktien, 20% Anleihen) würdest du zum Beispiel, wenn sich der Aktienteil im Quartal nur 2% statt der "angepeilten" 3% entwickelt hat, für nur 80 Euro Anteile von den Anleihen verkaufen und den Aktien nachkaufen.
Wenn dazu noch, wie bei den großen deutschen Standartbrokern, eine Transaktion jeweils mindestens 10 Euro kostet, ist das ein Ausdruck dessen, wofür das Sprichwort "hin und her macht Taschen leer" erfunden wurde.

Nach mehreren Jahrzehnten wirst du, wenn du das System konsequent durchgezogen hast, vielleicht einen Mehrwert gegenüber dem simplen statischen B&H(+rebalance) sehen, aber der Weg dahin ist erstmal etwas mühseliger. Keine Ahnung ob du dir das antun willst.

Ein weiteres Problem (Barbaz hats schon angesprochen) wird sein, wenn die Aktien zu lang und zu stark abkacken, wird auch bald der Anleihe-Teil aus dem du sie "zufütterst" aufgebraucht sein.
Wie eben 2008 passiert. Dann ist dein Aktienanteil 100% und deine Anleihen bei 0%. Weiter gehts dann eigentlich nicht mehr. Um das System in seiner Reinform weiterzubetreiben, müsste man also entweder ins "Negative" gehn (Kredit nehmen um neue Anleiheanteile kaufen zu können), oder (wie es Kelly gemacht hat, siehe Transaktionsliste) das Zukauf-System quasi "aussetzen" bis es wieder eine Quartals-Aktienrendite von über 3% gibt, von der man den Überschuss wegnimmt und wieder in Anleihen investieren kann.
Gut, zugegeben, im System sind auch regelmäßige frische Einzahlungen von Sparüberschuss-Geld auf den Anleihe-Anteil vorgesehen, was die Sache etwas verbessert, aber je nachdem wie niedrig die Raten sind, hilft auch dass nicht und das System kommt an /bzw überschreitet seine Grenzen.

Wenn du das System benutzen willst, musst du es zuerst wirklich verstehen. Und um es zu verstehen, kommst du nicht umhin es in Excel zu programmieren.

  • Hol dir von den Produktanbietern die Kursdatenbank von den zwei ETFs die du benutzen willst (beispielsweise einen MSCI World und einen Euro Aggregate Bond)
  • Erstelle daraus eine Liste der jeweiligen Quartalsrenditen
  • Gib einen Anfangswertbestand (z.b. 10.000€) und eine Verteilung (z.b. 80% Aktien / 20% Anleihen) an und rechne die Wertentwicklung für beide ETFs aus - MIT der Bedingung, dass der Differenzbetrag (um auf +3% Aktienwertentwicklung zu kommen) jeweils vom Anleiheanteil zu- oder abgeschlagen wird. Dazu ist es auch nötig, den Betrag wieder in ETF-Anteile umzurechnen, die gehandelt werden.
  • Baue darüber hinaus noch die Funktion ein, dass jedes Quartal auch noch zusätzlich eine bestimmte Summe X auf den Anleihe-ETF von aussen frisch dazuinvestiert wird
  • Achja und baue die Ausnahmeregel ein, dass der Anleiheanteil nicht negativ werden darf, sondern dass System da einfach "aussetzt"
  • Für wirklich praxistaugliche Ergebnisse tue darüber hinaus auch noch Transaktionskosten und Steuerabzüge/rückstattungen mit einbauen

Wenn du diese kleine Arbeit (ich hab das Spreadsheet dafür in ca 10 min zusammengezimmert) nicht machen kannst oder willst, würde ich dir nicht raten darin zu investieren, weil es dann nicht beherrschbar/verständlich ist und man sich deshalb wahrscheinlich auch in der nächsten Krise nicht dran halten kann.

Die "simple" Methode, einfach 80% Aktien, 20% Anleihen (oder Tagesgeld etc.) zu halten und nur einmal im Jahr wieder auf die Ausgangsgewichtung zurückzubalancen, ist vielleicht nicht so "sexy" wie dieses etwas esoterischere 3% System, aber dafür braucht man eben auch kein Excel und du kannst es leichter nachvollziehen (und damit auch langfristig befolgend umsetzen).
Und dir kann beim klassischen Rebalancing nicht einfach so stellenweise das (Anleihe)Geld "ausgehen".


Stefan sagt am 02. Februar 2016

Hallo Community,

vielen Dank für die Antworten! Ich war mir nicht ganz sicher wie gut/schlecht das 3%-System ist, v.a. da es für den amerikanischen Anleger geschrieben ist, deswegen auch die Nachfrage in diesem Forum :), und die hat sich gelohnt.

Sympathisch fand ich daran, dass der Faktor des antizyklischen investierens automatisch mit eingebaut ist. Aber der Kostenfaktor für das quartalsweise Rebalancing ist natürlich nicht von der Hand zu weisen.

Ich habe ein bisschen Hausaufgaben vor mir (Danke @Chris: "erst verstehen, dann investieren"), und bedanke mich nochmals für die ganzen Antworten.

Gruß
Stefan


Gurki sagt am 18. Februar 2016

Hallo Finanzwesir,

was ist eigentlich mit dem Europa-Anteil? Da gibt es doch auch den Europe 600 STOXX ETF.
Momentan investiere ich zu 70% in den World und 30% in den EM. Bin aber am überlegen nicht doch auch noch in einen EU ETF zu investieren, da der World ja stark USA-lastig ist.
Ich würde dann auf folgende Prozentzahlen gehen: World 50%, EM 30%, EU 20% - Also aus der zweier Kombi, mach eine 3er ETF-Kombi. Sinnvoll oder eher nicht sinnvoll?


chaostrader sagt am 18. Februar 2016

Es hat ja schon seinen Grund, warum die USA über 50% des MSCI World ausmachen.
Wenn du jetzt 20% EU extra kaufst, wird damit die EU überrepräsentiert. Warum willst du das machen? Und für wie lange?


Chris sagt am 18. Februar 2016

@Gurki

Europa ist auch schon zu etwa 30% mit im MSCI World enthalten, holst du dir dazu nochmal extra einen dezidierten EU-ETF dazu, wirst du einige Überschneidungen (mindert die Diversifikation) und bewusste Übergewichtungen haben.

Ich meine, das kann man ja von mir aus gern machen, wenn man sich von einer bestimmten Region (oder Branche etc.) besonders attraktive Zukunftsaussichten verspricht, aber auch dabei drängt sich mir unser oller Kontinent nicht unbedingt als erster Gedanke auf ;-)

Die Verteilungsverhältnisse im MSCI World sind ja nunmal durch die Marktkapitalisierungsgewichtung so zustande gekommen. Also letztendlich die historisch entwickelte Meinung aller Marktteilnehmer zusammen. Wer eine davon abweichende Meinung hat, kann damit langfristig besser oder schlechter liegen (in den letzten Jahren liefen Amis zB. besser als der Rest der Welt), aber ich selbst würde das nicht unbedingt machen, solange ich meine Meinung zumindest nicht besser begründen könnte als "och im MSCI World sind mir aber gefühlt schon zuviele Amis drinne".

Wenn man schon individuell an der Regionen-Gewichtung herumdoktern will, warum nicht gleich nur Regionen-ETFs benutzen statt World ? Hol dir jeweils ETFs für Amerika (SP500 gibts zB schon extrem günstig ab 0,05% TER), Europa, developed Asien/Pazifik und die Schwellenländer. Da kannst du die Verteilung ganz nach eigenem Gutdünken austarieren, ohne gleichzeitig unnötige Überschneidungen einzugehen, und langfristig durch das Rebalancing die unterschiedliche Wirtschaftsentwicklung der einzelnen Regionen antizyklisch glättend ausgleichen. Ansonsten lies auch nochmal, was der Wesir schon zu Sinn und Unsinn verschiedener ETF-Aufstellungen (von einfach bis komplex) geschrieben hat http://www.finanzwesir.com/blog/etf-index-rendite-vergleich


Der Finanzfisch sagt am 21. Februar 2016

Hallo Finanzwesir, der Beitrag war wirklich interessant für mich. Die Festgeldleiter klingt interessant. Das werde ich wohl bald mal in Angriff nehmen.

Aktuell beschränke ich mich noch auf eine Kombination aus Tagesgeld und ETF-Sparplänen. Die Basis bilden auch bei mir eine Mischung aus MSCI World und Emerging Markets ETF.

Meine Reserve auf dem Tagesgeld ist allerdings deutlich niedriger. Allerdings bin ich auch ledig, habe kein Auto und kaum Risiken, die ich im Notfall wuppen muss. Deshalb sind es bei mir nur zwischen 5000 und 10000€.

Meine ETF-Aufteilung habe ich auch in meinem Blog nieder geschrieben.

Auf dem Blog von Der Finanzfisch gibt es hierzu diesen Artikel: ETFs Teil 2: Jetzt aber richtig!


Matthias sagt am 21. Mai 2016

Hallo zusammen, meine Bank hat mir gestern einen Brief gesendet und mitgeteilt, dass die BlackRock Asset Management Ireland eine Änderung des Verwaltungsreglements für die ETFs A0HGWC und A0HGV0 zum 23.05.2016 vornehmen wird. Näheres kann auf iShares.com eingesehen werden. Ich finde keine verständlichen Informationen. Kann jemand von euch erklären, worum es hier geht? Danke!


ChrisS sagt am 23. Mai 2016

@Matthias:

schau mal ganz unten in der Mittelung nach. Die ETFs mit DE-ISIN werden auf IE-ISIN überführt.
Das sollte normalerweise nichts weltbewegendes sein, und als kleiner Privatanleger kriegt man von solchen Vorgängen im Hintergrund ja auch nicht viel mit.


Sabinchen sagt am 23. Mai 2016

@Matthias Könnte sich um https://www.ishares.com/de/individual/de/literature/fund-announcement/ishares-plc-rns-scheme-of-arrangements-de-de-rc-fund-announcement.pdf handeln. Erklären kann ich es aber nicht.


Matthias sagt am 23. Mai 2016

@ChrisS und Sabinchen:

Danke euch. Es wird wohl tatsächlich um die Umstellung von DE-ISIN auf IE-ISIN gehen.
Klingt nicht besonders aufregend, obwohl ich das inhaltlich nicht bewerten kann.

Merkwürdig fand ich nur den "Standardsatz" meiner Bank am Ende der Mitteilung, die besagt, dass ich die betroffenen Fonds verkaufen kann, wenn ich damit nicht einverstanden bin. Das hat mich etwas hellhörig gemacht, da ETFs sowieso, also unabhängig von ggf. stattfindenden Änderungen des Verwaltungsreglements, jederzeit verkauft werden können.


ChrisS sagt am 23. Mai 2016

@Matthias

"Merkwürdig fand ich nur den "Standardsatz" meiner Bank am Ende der Mitteilung, die besagt, dass ich die betroffenen Fonds verkaufen kann, wenn ich damit nicht einverstanden bin. Das hat mich etwas hellhörig gemacht, da ETFs sowieso, also unabhängig von ggf. stattfindenden Änderungen des Verwaltungsreglements, jederzeit verkauft werden können."

Das steht generell bei so ziemlich allen solchen Mittelungen dabei, Standard eben, ist wohl auch rechtlich so vorgeschrieben - damit es eben ja keiner "vergisst" , dass man sich, wenn einem die Änderungen nicht gefallen, auch vom Produkt trennen kann.
Gibt ja auch einige "wesentlichere" Änderungen, bei denen tatsächlich Handlungsbedarf bestehen könnte (wenn zB. ein ETF mal den zugrundeliegenden Index wechselt, oder von ausschüttend auf thesaurierend umstellt, und so weiter, alles schon vorgekommen).

Zu diesem speziellen Vorgang hier nochmal ein Zitat von iShares:

"„In diesem Zusammenhang findet über Wertpapiermitteilung ein Tausch der ISINs statt, welcher vollautomatisiert erfolgt. Bei diesem Tausch handelt es sich um eine steuer-neutrale Umbuchung von der alten DE-ISIN in die neue IE-ISIN. An der Struktur des ETFs ändert sich nichts, durch die neue ISIN wird lediglich das Clearing und Settlement für uns und alle Marktteilnehmer vereinfacht“, teilt iShares mit."


Christopher sagt am 16. Juli 2016

Ein gelungener Artikel zu einem einfachen und robusten Investitionsansatz. Ich denke ein Weltportfolio ist genau das Richtige für die meisten Leute, da man nicht viel Zeit in Planung und Umsetzung stecken muss.

Ich möchte mich hier mit einem kleinen Beitrag einbringen: Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich ein typisches Weltportfolio - 50 % MSCI World, 20 % MSCI EM und 30 % Renten - über die letzten Jahrzehnte für einen Privatanleger tatsächlich entwickelt hätte, habe ich eine Simulation ("Backtest") aufgesetzt. Das Besondere: Ich berechne unter anderem die tatsächliche Netto-Wertentwicklung (d.h. was landet bei Verkauf aller ETFs tatsächlich auf dem Konto?) unter Berücksichtigung von Transaktionskosten, Steuern (für ein Modell des momentan gültigen Steuerrechts, inkl. Verlustverrechnungstopf), Geld-Brief-Spanne, etc.

Ich selbst war eine ganze Weile auf der Suche nach entsprechenden Informationsquellen (solcher Simulationen), man findet nichts, also habe ich selbst etwas programmiert. Es hat sich herausgestellt, dass es wichtig ist, all diese Faktoren (vor allem Steuern!) zu berücksichtigen, da die Ergebnisse ohne die Berücksichtigung dieser Faktoren zu drastisch höheren - aber realitätsfernen - Erwartungen an die Netto-Wertentwicklung führen.

Natürlich ist die Wertentwicklung in der Vergangenheit kein Garant für ähnliche Ergebnisse in der Zukunft, aber man sollte ein Gefühl dafür haben, was typischerweise möglich ist.

Viele Grüße,
Christopher

Auf dem Blog von Christopher gibt es hierzu diesen Artikel: Das Weltportfolio


Leser sagt am 25. Juli 2016

@ Stefan: Siehe "Schritt 1": Aufbau einer Liquiditätsreserve von 7.000 Euro bis 15.000 (oder ca. 6 Netto-Einkommen) Euro auf dem Tagesgeldkonto.

Die Liquiditätsreserve ist kein Teil des Portfolio/Depot. Das Portfolio/Depot wird in Risikoklassen aufgeteilt.

Ob dein risikoarmer Anteil nun in Tagesgeld, Staatsanleihen, Pfandbriefen oder Sparbriefen liegt, bleibt dir überlassen (Einlagensicherung beachten).


ChrisS sagt am 25. Juli 2016

@Stefan,

mhm irgendwie hatten wir das Thema letztens schon an anderer Stelle im Blog behandelt, leider weiß ich aber nicht wie ich auf einzelne Kommentare verlinken kann, so wiederhol' ich halt mal das wesentliche:

Für Anfänger würde ich eigentlich empfehlen, den Notgroschen vom sonstigen Investmentportfolio erstmal direkt zu trennen, gedanklich und praktisch durch ein eigenes Konto.
Denn, wir erinnern uns, was ist denn überhaupt der Sinn davon ? Unvorhergesehene, kurzfristige Eventualitäten und Notlagen schnell und unkompliziert überbrücken zu können (Liquidität eben) ohne in die Schulden geraten zu müssen (wenn man überhaupt keine Rücklagen hat), oder gezwungen zu sein Investmentkapital ungewollt zu veräussern (wenn man es darin gesteckt hat).
Natürlich kann man es auch gemeinsam im RK1-Anteil mit unterordnen, allerdings sollte man dann auch weiterhin immer gedanklich klar trennen können, wieviel Prozent davon zum Investment gehören (also zB. bei Rebalancing betrachtet werden können), und welcher Anteil davon als Notreserve stets gesockelt vorgehalten werden sollte.
Die genaue Höhe der Reserve entspricht dabei, abseits aller x-Monatsgehälter Daumenregeln, in der Praxis meist immer nur dem jeweils individuellen Sicherheitsbedürfnis, Ansprüchen und Lebenssituationen der Leute. Natürlich gehören zB. deine 15k€ bei einer allgemeinen Vermögensaufstellung mit aufgelistet, in welche Kategorie genau (eigener Bereich "NR" oder anteilig RK1) ist dir überlassen was für dich übersichtlicher ist, und am Ende auch nicht so wichtig wie das eigentlich Entscheidende daran: dass die 15k auch immer dann verfügbar sind, wenn du sie eben mal brauchst :-)


Finanzwesir sagt am 26. Juli 2016

Hallo Stefan,
Leser und ChrisS haben alles gesagt, was Du wissen mußt. Ich schließe mich dem an ;-)
Danke Jungs, fürs Antworten.

Gruß
Finanzwesir


Tobi sagt am 11. Oktober 2016

| Hallo zusammen!

Hm. Jetzt habe ich dieses Jahr fein mein 70/30 MSCI World / MSCI EM ETF (ETF110/ETF127) Depot mit Sparplänen bei der Comdirect gestartet - nun soll der Comstage Bereich von der Commerzbank verkauft werden.
Wie würdet ihr euch verhalten?
Die Comstage ETF habe ich aufgrund der extrem günstigen TER gewählt, der nächste, liquide ETF ist von dbxtrackers mit TER 0,4 mehr... ärgerlich.

Wie würdet ihr euch verhalten? Laufen lassen, bis klar ist, wer Comstage übernimmt?

Lieben Gruß und Danke
Tobi


ChrisS sagt am 12. Oktober 2016

@ Tobi

"Wie würdet ihr euch verhalten? Laufen lassen, bis klar ist, wer Comstage übernimmt?"

Mhm schauen wir erstmal an was die Comstage selbst dazu sagt: http://www.comstage.de/News/PressArticles.aspx?c=94576

Eine neue Gesellschaft ist dafür geplant, die auch 100%ige Tochter der Commerzbank sein wird - so wie die Comstage eigentlich jetzt schon, aber haja die werden schon wissen was die sich dabei gedacht haben und solche Organisationsstruktur-Spielchen sind eh oberhalb meines Dienstgrades :-D
Für Comstage-ETF Kunden soll sich jedenfalls nichts wesentliches ändern, irgendwann wird halt mal ein neuer Name draufgestempelt, aber ansonsten läuft alles weiter wie gehabt und es gibt keinen Anlass zur Sorge....
tja, gut dass kannst du denen nun entweder so glauben oder halt nicht, musst du selbst entscheiden ob du lieber einfach "laufen lassen" willst, oder dich auch schon mal gleichzeitig schon lieber den nächst-bestmöglichen Alternativen umsiehst.


Dummerchen sagt am 12. Oktober 2016

Hallo Tobi,
das wird nicht das letzte mal sein, dass irgendwas anders läuft als von dir erwartet. So ist das Leben eines Anlegers.

Da ich bezüglich Comstage in der gleichen Lage wie du bin, kann ich deine Irritation verstehen. Solange mir nicht klar ist, was das ganze denn konkret bedeutet, halte ich die Füße still. Ich harre der Dinge. Im schlimmsten Fall werden die ETFs wieder verkauft und in andere ETFs investiert. Alles halb so wild.

Liebe Grüße
Dummerchen


Leser sagt am 13. Oktober 2016

@ Tobi:
Laufen lassen, solange du damit zufrieden bist. Ist doch wumpe, wer das übernimmt; deine Kohle zählt zum Sondervermögen.

Bedenke aber bei der Auswahl eines ETF nicht nur die TER; die Trackingdifferenz ist wichtig.
Ein ETF mit höherer TER kann von der Gesamtrendite besser performen als ein Konkurrent mit kleinerer TER, wenn er den Index genauer trackt und via Wertpapierleihe erfolgreich Kosten drückt.


michiX sagt am 13. Oktober 2016

hallo tobi,
Ich habe dieselbe Kombi gewählt und warte einfach mal ab. Dass der Bereich verkauft/ausgelagert werden soll, ist ja nicht automatisch das Ende. Ich beschäftige mich mit diesem Thema erst dann, wenn es sich konkret stellt, vorher nicht. Ärgerlich wäre es natürlich, sehr sogar.
Schönen Gruß
MichiX


barolo01 sagt am 13. Oktober 2016

Tja das ist ärgerlich. Aber es ist halt ein Problem, wenn man nur in Bankprodukte (=ETF) investiert und nicht zumindest teilweise in Einzelaktien. Bei BMW oder Microsoft weiß ich in was ich investiere. Aber bei Comstage mit dem synthetischen Gebilde drum rum ......?


Tom sagt am 13. Oktober 2016

@barolo01 - Naja, mehr als das stört mich der extrem hohe Finanztitel-Anteil im MSCI World von über 20%....allein Wells Fargo hat 0,80%.
Soviel von diesem Sauhaufen möchte ich mir eigentlich nicht gern ins Depot legen...
Das ist eigentlich der einzigste Grund was mich immer noch bei den Einzeltiteln hält, obwohl mir klar ist, dass das langfristig gesehen wahrscheinlich nicht der beste bzw. einfachste Weg ist....aber wie hat mal jemand so schön gesagt? "Das Ziel eines Privatanlegers ist es nicht reich zu werden, sondern nicht arm zu sterben." ;)


barolo01 sagt am 15. Oktober 2016

@ Tom. Ich bevorzuge Einzeltitel, weil ich an einem Unternehmen und nicht an einem Finanzprodukt wie beim ETF beteiligt bin. Und ich glaube nicht, dass man mit einer Auswahl an Standardwerten, quer durch Branchen und Länder, auf Dauer schlecher fährt als mit dem MSCI World.
Und meine Alterversorgung würde ich bestimmt nicht auf Comstage und Swaps setzen. Wird Frau Merkel bei der nächsten Finanzkrise vor die Kamera treten und verkünden: "Ihre Anlage in Swapprodukten ist sicher, wir garantieren dafür"? Lachhaft. Das macht sie auch nicht bei Einzelaktien, aber gute Unternehmen haben bisher alles überlebt.
Im Übrigen investiere ich seit Oktober 1987 (eine Woche nach dem Crash habe ich meine ersten Bayer-Aktien gekauft) und bin sehr gut damit gefahren.
Stutzig macht mich vor allem, wenn Viele das einzig Richtige erkannt zu haben glauben (ETF's), dann wars langfristig an der Börse eingentlich immer das Falsche. Wobei auch ich z.B. in den Emerging Markets ETF-Investor bin. Aber viele der neuen Anleger werden die Nerven verlieren, wenns mal wieder richtig in die Baisse geht und ihr ETF 1:1 mit.


Matthias sagt am 15. Oktober 2016

@barolo01:

Du schreibst: "Stutzig macht mich vor allem, wenn Viele das einzig Richtige erkannt zu haben glauben (ETF's), dann wars langfristig an der Börse eingentlich immer das Falsche."

Ein physisch voll replizierender ETF ist doch nichts anderes als ein Bündel von Einzelwerten.
Wenn dann also ein solcher ETF falsch ist, dann sind deine ausgewählten Einzelaktien auch falsch, oder?

Matthias


Abdul sagt am 16. Oktober 2016

Hallo Zusammen!
Nun habe auch Ende 2015 mit Comstage ETF´s einen Sparplan begonnen. Was soll nach der Umstrukturierung negatives passieren? Ich könnte zu Luxor wechseln nur macht das Sinn?


Ungläubiger sagt am 17. Oktober 2016

@barolo1

Und wie erkennst Du diese Einzelwerte, mit denen Du in der Zukunft den Index/MSCI World schlägst?
Dividenden Aristokraten mit KGV >25? Versorger? VW? Novo Nordisk?
Übrigens, wer nicht eindimensional denkt, könnte auch erkennen, dass es ETFs gibt ex Finanzwerte oder auf bevorzugte Branchen wie Consumer Staples, Health Care, usw.


barolo01 sagt am 17. Oktober 2016

@Matthias

Da hast du natürlich recht. Ich bezog mich aber nicht auf die Aktienanlage als solches, sondern dass die ETF's von vielen unerfahrenen Privatanlegern für die langfristige Altersversorgung erworben werden, ohne erfahren zu haben, was es bedeutet, wenn die Börse einmal 50 % und mehr einbricht. Gerade bei Leuten, die Gebühren im Promille-Bereich vergleichen und sparen wollen, habe ich meine Bedenken, ob die erhebliche (vorübergehende) Verluste des Kapitals durchstehen werden.
Und für mich persönlich stellt die Beteiligung an internationalen Konzernen eine werthaltigere Anlage dar als an einem Swap-Produkt. Auf pysische reproduzierende ETF bezog sich die Kritik nicht.
Ich kenne mehrere Freunde und Kollegen, die inder Finanzkrise 2008 und Anfang 2009 die damals stark beworbenen Zertifikate mit hohen Verlusten auf den Markt geworfen haben. Aber ich möchte meine Erfahrungen nicht verallgemeinern, vielleicht ist es ja beim nächsten Mal anders....


Onkel Dagobert sagt am 17. Oktober 2016

Ich suche schon lange nach einem marktbreiten ETF mit geringem Finanztitelanteil.
Die grossen ETF auf den MSCI World haben erhebliche Anteile an Bankstern, so um die 20 %... Das ist mir viel zu gefaehrlich, um den ueberwiegenden Teil meines Portfolios oder gar alles hierein zu investieren. Wer hat heutzutage schon gern 20 % seiner Anlagen in Bank- und Versicherungswerten investiert ?? Ich nicht...

Kennt jemand einen marktbreiten ETF mit geringerem Bank-/Versicherungsanteil ? Bei just ETF bin ich nicht fuendig geworden. Alternativ sollte man bei einem groesseren Depot m.E. strategisch Qualitaetsaktien/ Einzeltitel beimischen oder sogar uebergewichten, die nichts mit Finanzen/Versicherungen/Versorger und andere Nieten zu tun haben.


Tobi sagt am 18. Oktober 2016

Danke für eure Antworten - ich mache es ganz einfach passiv: abwarten :-)
Ärgere mich schon nicht mehr - habe ja auch noch ein Aktiendepot, da kann es ich meinem Ärger Raum geben :-)


Ungläubiger sagt am 18. Oktober 2016

@Onkel Dagobert

Und wenn jetzt Pharma die neuen "Nieten" sind? Zum Beispiel, weil die neue Präsidentin Clinton massiv gegen deren Preise vorgehen möchte?
Gemessen an den KGVs (was man nicht isoliert betrachten darf) sind Qualitätswerte aktuell in einer Preisblase, weil eben "alle" so denken. Da ist viel Luft drin, die bei einer Korrektur abgelassen werden kann. Mehr Luft als bei Werten, die aktuell noch mit 10er oder 15er KGVs bewerten sind.


ChrisS sagt am 18. Oktober 2016

@ Dagobert

"Kennt jemand einen marktbreiten ETF mit geringerem Bank-/Versicherungsanteil ?"

Naja, ob man noch wirklich von "marktbreit" sprechen kann, wenn Finanzunternehmen rausgenommen werden (egal wie man sie findet, gehören sie halt auch zum Markt dazu) sei mal dahingestellt. In den ETF-Plattformen gibt es jedenfalls kein großes Angebot an ex-Financials ETFs (hpts ein paar Anleihen-ETFs, für Aktien eigentlich nur ne Dax- und ES50 Version, naja die taugen auch so nix).
Wenn du wirklich partout keine Finanzunternehmen dabei haben willst, musst du dir wohl oder übel dein Portfolio von grund auf selbst bauen, um auch wirklich die Kontrolle darüber zu behalten, zB mit ETFs für die übrigen Branchen oder gleich ganz mit Einzeltiteln.
Ist dann zwar auch nicht mehr "marktbreit" und hat demgegenüber auch seine eigenen Risiken, aber haja investieren ist halt immer nur ein Abwägen von Kompromissen, und irgendeinen wird man halt eingehen müssen.

@ barolo

ETFs selbst sind einfach nur Vehikel, wenn es dir also eigentlich darum geht dass viele Anleger beim nächsten Knick wieder das große Schlottern kriegen und damit falsche Entscheidungen treffen, sind ja doch nicht unbedingt die ETFs an sich daran schuld, sondern eben die Anleger selbst, die mit diesem Vehikel schlecht umgehen.
Weak hands, kennt man ja - schon immer so gewesen, wird auch immer so sein. Was andere Leute dann machen ist mir eigentlich auch relativ müßig, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Ich investiere seit zwei Jahrzehnten und sag auch jedem gerne dass man dafür eben ausreichend Durchhaltefähigkeit mitbringen muss, ob sie dass auch umsetzen ist halt ihre Sache.


Zinskraft sagt am 13. November 2016

Bezüglich des Tagesgeldes ist aktuell auch das Termingeld bei der abcBank (klingt komisch, heißt aber wirklich so) mit 0,85% Verzinsung interessant. Es hat eine dreimonatige Kündigungsfrist aber 0,85% bei einer Bank mit deutscher Rinlagensicherung gibt es sonst nur bei Festgeld ab 1 Jahr Laufzeit


Riester sagt am 30. November 2016

Hallo zusammen,

erst einmal Komplimen an den Bloginhaber. Wunderbare Informationen zu einem wichtigen Thema, das ich nun endloch selber in die Hand nehmen möchte.

Ich bin 30 und habe zu Arbeitsbeginn mit 25 einen fondsbasierten Riestervertrag abgeschlossen und frage mich nun was ich damit machen soll. Klar ist, die Abschlusskosten sind bezahlt aber die jährlichen Verwaltungskosten, die Unsicherheit einer Versicherung die nächsten 30 bis 37 Jahre auageliefert zu sein behagt mir beim Thema Altersvorsorge nicht.

Was ich möchte: eine ähnlich konservative Strategie des passiven investierens wie hier im Blog aufgezeigt anstreben. Nur was mache ich mit dem Riestervertrag: nebenher voll weiter laufen, reduziere ich ihn oder setze ich ihn ganz aus oder kündige ich mit weiteren Verlusten komplett. Ich weiß, dass ist sehr vom Einzelfall abhängig aber ich würde sehr gerne ein paar Meinungen, Erfahrungen oder Tipps von euch bekommen.

Vielen Dank und einen tollen Abend'


Robert sagt am 01. Dezember 2016

Hallo Riester,

am besten fragst du erstmal bei deinem Anbieter nach, wieviel Geld du am Ende der Laufzeit rausbekommst (garantiert).
Dann fragst du, wieviel du raus bekommst, wenn du den Vertrag jetzt auflöst und dir das Guthaben auszahlen lässt.
Mit diesen Zahlen kannst du dann hier (link: http://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php) ein bisschen rumspielen und ausrechnen, welche Rendite der Riester tatsächlich hat und wo du rauskommst, wenn du das freiwerdende Kapital und die Monatlichen Raten in einen ETF oder ähnliches investierst.

Ich habe meinen Riester auch nach ca. 6 Jahren gekündigt und wenn ich mich recht erinnere 1000 Euro weniger rausbekommen als ich einbezahlt habe. Die Zuschüsse und Steuervergünstigungen werden natürlich einbehalten.

Du kannst den Vertrag natürlich auch weiterlaufen lassen und ihn als RK1 Kapital verbuchen. Soweit ich weiß gibt es bei fondsbasierten Riesterverträgen auch einen Garantiebetrag, den du ausbezahlt bekommst, egal was an der Börse passiert.

Viel Glück bei der weiteren Entscheidungsfindung,
Robert


Lucky 7 sagt am 04. Januar 2017

Hallo ,

Danke für den tollen Überblick zu anderen gleichgesinnten.
Das hilft mir sehr meinen eigenen Blog zu gestalten und neue Investment Ansätze zu sehen.

@Stefan
Hier findest du eine Vorlage mit Google Sheets mit der du easy dein Depot und die performance tracken kannst www.financial-----freedom.blogspot.com

Cheers
Lucky7

Auf dem Blog von Lucky 7 gibt es hierzu diesen Artikel: Live Updating Portfolio tracker


Kujo sagt am 12. Januar 2017

Hallo zusammen,

ich liebäugle auch schon länger mit einer Investition in den Aktienmarkt und habe mich unter anderem aufgrund dieses Blogs für den "Klassiker" in Form von World/EM ETFs entschieden. Eine Sache die mir bei aller Risikoabschätzung aber nicht ganz klar geworden ist, bzw die ich gerne konkret bestätigt hätte ist die Sache mit der Liquiditätsreserve, die bei den meisten Einsteiger Artikeln zur Erstellung eines Portfolios sogar komplett ausgelassen wird.

1) Ist die Reserve Teil meines "Gesamtvermögens" oder steht sie noch einmal gesondert? Stichwort Verlusttoleranz bei theoretischem 50% Börseneinbruch. Unter Gesamtvermögen verstehe ich - nunja, mein gesamtes Vermögen, würde sie also als Teil dessen rechnen.

2) Angenommen mir stünden 10'000€ erspartes Kapital zur Verfügung. Davon 3000€ in ETFs und 7000€ in Tagesgeld angelegt ergäbe eine 70/30 Aufteilung von risikoarm zu risikobehaftet. Nach meinem Verständnis wäre das mein "Portfolio", meine Liquiditätsreserve müsste aber noch oben drauf kommen? Ohne zusätzliches Kapital müsste ich also meine Portfoliogewichtung (gedanklich) ändern oder den Aktienanteil reduzieren. Sagen wir z.B. von den 7000€ Tagesgeld sind 3000€ mein risikoarmer Anteil (=> ergibt 50/50 Gewichtung) und 4000€ meine Reserve.

Ist das so richtig? Die Sache mit der Reserve wird im Allgemeinen ziemlich ausgeschwiegen oder nur kurz angekratzt, was ich sehr verwunderlich finde. Erst durch einen Kommentar hier zu diesem Artikel bin ich überhaupt auf meinen wohl bisherigen Denkfehler aufmerksam geworden, dass die Reserve nicht Teil des risikoarmen Anteils ist...


Schwachzocker sagt am 12. Januar 2017

Hallo Kujo,

die Liquiditätsreserve sollte völlig getrennt von dem Portfolio betrachtet werden.
Die Liquiditätsreserve ist für Konsum und Notfälle gedacht und hat mit Geldanlage nichts zu tun.
Das Portfolio hingegen besteht aus einem riskanten und einem mehr oder minder sicheren Teil. Der sichere Teil kann eben auch Tagesgeld sein. Das darf aber nicht für Konsum- oder Notfallzwecke angetastet werden. Der sichere Teil wird benötigt, um das Gesamtrisiko auf das individuell gewünschte Maß zu beschränken und um ggf. ein Rebalancing durchführen zu können, falls die Aufteilung zu sehr aus dem Ruder gelaufen ist.


T. sagt am 12. Januar 2017

@Kujo: ja, das ist ein typischer Denkfehler: der risikolose Teil ist Teil des Portfolios und auch erforderlich zum rebalancen, während die Reserve/Finanzfeuerwehr nicht (!) zum Portfolio gehört.
Also: Finanzfeuerwehr bestimmen und dann den Rest ins Portfolio und aufteilen zwischen risikobehaftet (z.Bsp. Aktien-ETFS im Verhältnis 70 World:30 EM) und nichtrisiokobehafteter Teil (z. Bsp. Tagesgeld, Festgeld, kurzlaufende Staatsanleigen mit Bonität AAA).

Gruß,
T.


ChrisS sagt am 12. Januar 2017

@ Kujo

kein Problem, solche Basic-Fragen kommen ja öfters :-)

Wenn wir den Begriff "Liquiditätsreserve" mal aufdröseln, werden darunter oft zwei verschiedene Dinge verstanden, die aber eigentlich unterschiedlich sind und wir der Klarheit halber erstmal nicht vermischen wollen.
Einmal der klassische "Notgroschen", also eine bestimmte vorgehaltene Summe an Rückstellungen um unerwartete persönliche Sonderausgaben schnell und flexibel begleichen zu können.
Und dann wird der Begriff eben auch noch oft so verwendet (wie bei dir?) dass damit der risikoarme (= nicht bzw wenig schwankende) Anteil des Investmentvermögens gemeint ist.

"Ist die Reserve Teil meines "Gesamtvermögens" oder steht sie noch einmal gesondert?"

Prinzipiell natürlich ja, für ihren Einsatzzweck kommt es eben darauf an welche Art von Liquiditätsreserve du meinst. Beispielhaft, "die Waschmaschine ist kaputt und eine neue muss her" ist eine Aufgabe für den Notgroschen, während der risikoarme Teil des Investmentvermögens dafür zuständig sind beim Aktiencrash im Rebalancing die ursprüngliche Allokation wieder herzustellen (indem man aus dem risikoarmen Anteil umschichtet). Inwieweit man das nun (gedanklich, und konkret auf verschiedenen Konten) trennen will ist jedem selbst überlassen, solang man eben nicht in Verlegenheit kommt, wenn die Waschmaschine kaputtgeht während gleichzeitig auch Börsenkrise ist. :-D

"Angenommen mir stünden 10'000€ erspartes Kapital zur Verfügung. Davon 3000€ in ETFs und 7000€ in Tagesgeld angelegt ergäbe eine 70/30 Aufteilung von risikoarm zu risikobehaftet. Nach meinem Verständnis wäre das mein "Portfolio", meine Liquiditätsreserve müsste aber noch oben drauf kommen?"

Je nachdem wie du halt gedanklich kontierst. Wenn wir zB. das trennen und zuerst einen Notgroschen als Sockelbetrag festlegen (zB per klassischer X-mal-monatliche-Ausgaben Faustregel fürs persönliche Sicherheitsbedürfnis), dann hat dieser Betrag eigentlich nichts mehr mit den Investments zu tun (und sollte, für Leute die ansonsten leichter in "Versuchung" kommen auch lieber getrennt verwahrt werden).
Zum Investieren steht dann nur noch das zur Verfügung, was über den Notgroschen hinaus geht (in deinem Beispiel also zwar erstmal weniger als 10.000€, aber das kann (und sollte) ja durch weitere regelmäßige Zuzahlungen in Zukunft immer weiter aufgestockt werden).

"Ohne zusätzliches Kapital müsste ich also meine Portfoliogewichtung (gedanklich) ändern oder den Aktienanteil reduzieren. Sagen wir z.B. von den 7000€ Tagesgeld sind 3000€ mein risikoarmer Anteil (=> ergibt 50/50 Gewichtung) und 4000€ meine Reserve."

Der "risikoarme Teil des Investmentvermögens" ist nun dazu da, die (unvermeidlichen) Aktienschwankungen, bezogen aufs Gesamt(investment)vermögen, in erträglichen Grenzen zu halten.
Wenn wir das mal anhand der einfachen 50%-Crashtest Regel durchexerzieren, kannst du so anhand eines vorher definierten Maximalverlustes überschlagen, wieviel Prozent des Investmentvermögens in Risikoanlagen (wie Aktien etc.) investiert werden sollten. Wer zB nur 25% Verlust ertragen kann, sollte eben nur die Hälfte seines Investmentvermögens in Aktien stecken, der Rest in ruhigere Anlagen (auch und gerade für kleine Summen ist da eben das Tagesgeld am einfachsten).


Kujo sagt am 13. Januar 2017

Super, vielen Dank an euch drei. Das waren ausgesprochen klare und hilfreiche Antworten.
Das bedeutet also auch, dass ich meine Verlusttoleranz ausschließlich anhand meiner Portfoliogröße bestimme und mein "Notgroschen" dabei keine Rolle spielen darf. Verstanden.
Ich bin froh das Missverständnis noch bemerkt zu haben, denn das Thema wird wie gesagt meistens nicht klar genug angesprochen. Wenn man es dann weiß erkennt man aber auch wie der ein oder andere Artikel wirklich gemeint war.


Karsten sagt am 07. März 2017

Hi,

Wann werden die Gebühren für einen ETF eigentlich fällig? Werden die beim Kauf nach Verkauf oder nach einem Jahr fällig? Bspw. investiere ich 5k€ in eine ACWI ETF. Die Kosten liegen bei 0,4%. Wann sind die 20€ zu zahlen?


Dummerchen sagt am 07. März 2017

Hallo Karsten,
die laufenden Kosten (TER, etc) werden laufend fällig, d.h. sie senken den aktuellen Kurswert. Über das komplette Jahr gesehen entstehen dann Kosten in Höhe von z.B. 0,4%. Du zahlst die 20€ also nicht in einem konkreten Moment, der Index wächst einfach über das komplette Jahr betrachtet 0,4% weniger als er es ohne laufenden Kosten tun würde.
(Kauf- bzw. Verkaufgebühren fallen natürlich eben dann an.)
Liebe Grüße
Dummerchen


Philipp S. sagt am 08. März 2017

@Karsten: Die unter die TER fallenden Kosten werden automatisch aus dem Fondsvermögen beglichen (Egal ob klassischer Fonds oder ETF). Du musst da gar nichts mehr machen, das ganze mindert also "nur" die Performance des Fonds.


T. sagt am 08. März 2017

@Karsten: die Gebühren werden täglich dem Fondsvermögen entnommen.

Gruss, T.


ChrisS sagt am 08. März 2017

@ Karsten

Die Gebühren werden meist "laufend" aus dem ETF-Vermögen entnommen (zB monatlich anteilig). Wenn dich die jeweiligen Einzelheiten interessieren, einfach bei jedem Anbieter einzeln in den Verkaufsprospekten unter dem Punkt fees & expenses policy nachschauen.


Andreas sagt am 18. Juni 2017

Hier hat Prof. Sinn hat mal bemerkt: "Staaten sind die unsichersten Schuldner überhaupt, weil sie keine Richter über sich haben und jederzeit einen Schuldenschnitt verfügen können." (Quelle: http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/top-oekonom-sinn-warnt-vor-rentendebakel-um-unseren-lebensstandard-zu-halten-brauchen-wir-32-millionen-migranten_id_4362357.html)


Max sagt am 28. September 2017

Hallo Finanzesir,

Ich bin mich seit einiger Zeit intensiv über Investmentmöglichkeiten am informieren und freue mich über solche konstruktive Blogs, wie deinen. Dies bringt mich enorm weiter! Danke

Jedoch habe ich noch ein Anliegen, bzw noch etwas nicht ganz verstanden...:
Bei allen Tipps zu ETFs spielt die Währung, in der der ETF gehandelt wird nie eine Rolle, aber ist es nicht ein Risiko (bezüglich den schwankenden Wechselkursen von zum Beispiel Euro und Dollar)? Sollte man dann nicht lieber bevorzugt in ein ETF investieren, der in Euro gehandelt wird?

Oder spielt die Währung durch das langfristige Anlegen und besparen hier keine Rolle.

Ich hoffe auf Ihre Antwort
LG Max


Schwachzocker sagt am 29. September 2017

Hallo Max,
die Währung, in der der ETF notiert spielt keine Rolle, da ja spätestens bei Verkauf ohnehin wieder in Euro umgerechnet wird.
Gleichwohl gibt es natürlich ein Währungsrisiko, wenn man in Regionen außerhalb des Euroraumes anlegt. Dieses Risiko geht aber aber von den Aktien der einzelnen Firmen aus, die der ETF hält. US-Aktien notieren natürlich in US-Dollar, auch wenn der ETF in Euro notiert.
Wenn man weltweit diversifiziert anlegen will, kommt man um das Währungsrisiko nicht herum.
Irgendwo wurde hier darüber auch schon ausgiebig diskutiert.


Finanzwesir sagt am 29. September 2017

Hallo Max, schaum mal hier: https://www.finanzwesir.com/blog/geldanlage-etf-waehrungsabsicherung

Gruß
Finanzwesir


Matthias sagt am 29. September 2017

Hallo Max, oder schau mal hier:
https://www.justetf.com/de/news/etf/der-einfluss-von-waehrungsrisiken-auf-etfs.html

Gruß
Matthias


DomenicusBenacus sagt am 31. Oktober 2017

Erstmal super Finanzwesir,

klar und unter Einbeziehung aller Erkenntnisse ein weg aufgezeigt. Du hast natürlich recht das wenig Komplexität und somit wenige und einfache Titel im Depot der key sind und sehr lange Rattenschwänze vermeiden.

Eine faktor prämie möchte ich trotzdem nicht missen, da empirisch belegt und nicht kompliziert. Es gibt inzwischen auch echt günstige small cap etf.

Also warum nicht 20% small cap ? Und jetzt gehe ich noch weiter: Warum nicht 20% Berkshire Hathaway?

Es wäre ein oder zwei Positionen mehr und bei berkshire hat man sich die laufenden Kosten gespart?

Aus meiner Sicht ist es immer noch KISS.

Was meinen die anderen dazu?
Grüße Dominik


ChrisS sagt am 01. November 2017

@ Domenicus Benacus

Smallcaps wurden zB hier auch schon besprochen
https://www.finanzwesir.com/blog/etf-world-small-caps

Genauso wie andere Faktor-Strategien ihre Artikel hatten (einfach Suchfunktion)

Wenn du fragst "warum nicht 20% Smallcap?" (oder was auch immer, das Prinzip ist ja das gleiche), soll erstmal noch daran erinnert werden, dass das Zielpublikum hier vor allem Anfänger und Einsteiger sind, also Leute die sich zum ersten Mal über Sparbuch etc hinaus in den Kapitalmarkt begeben. Bei denen geht es vor allem darum, erstmal eine einfache solide Grundlage mit wenig Komplexitäts-Überfrachtung zu legen, deshalb wird auch meist die Basisempfehlung World+EM für die meisten Leute als ausreichend gegeben.

Natürlich heißt das nicht, dass sich darüber hinaus fortgeschritten Interessierte nicht auch mit Spezialstrategien etc (und entsprechenden ETFs) beschäftigen können, nein wer das will soll das gerne machen, da hat hier niemand was dagegen.
Es ist aber von der Reihenfolge/Priorität für Anfänger erst hinterher mehr "Kür" als "Pflicht". Wie gesagt, das allgemeine Ziel ist hier erstmal die Leute überhaupt vom Tagesgeld hinein in den MSCI World zu bekommen (das macht ja auch langfristig den Großteil des Renditedifferenzials aus).
Ob die Leute dann danach, wenn sie schon im MSCI World sind, auch noch nen Smallcap-ETF oder sonstewas dazunehmen, ist dann nur noch viel weniger wichtig (macht auch fürs langfristige Renditedifferenzial nicht mehr sooo viel aus, im Ggs zur großen Grundsatzentscheidung, überhaupt in Aktien anzulegen).

Von daher also - wenn du in Smallcaps anlegen will, mach das gerne, da wird dir hier niemand widersprechen, und einige hier machen das ja auch. Wir gehen ja auch alle davon aus dass du weißt was du tust und selbstverantwortlich damit richtig umgehen kannst, also weder eine "Erlaubnis" oder ein "Verbot" dafür brauchst.
Darüber zu diskutieren ist auch etwas müßig, denn am Ende spiegeln die verschiedenen Meinungen dafür und dagegen ja auch immer nur die jeweils persönlich Situation der Anleger wieder mit ihren jeweils individuellen Ansprüchen und Bedürfnissen (also, was für den einen richtig ist, muss nicht auf dich zutreffen, und was für dich stimmt, muss nicht für den anderen auch genauso gut passen).


Finanzwesir sagt am 01. November 2017

Hallo DomenicusBenacus,

"Was meinen die anderen dazu?"

Das ist doch belanglos, was andere meinen. Es ist Dein Leben und Dein Depot muss zu Dir passen. Formal gibt es nichts einzuwenden, da es keine überteuerten Abzockprodukte der Finanzindustrie sind.
Es gibt nur ein Muss: Kannst Du für Dich begründen, warum diese Depotkonstellation langfristig die von Dir gewünschte Rendite abwerfen wird und Du deshalb auch in Krisenzeiten nicht verkaufen wirst?
Wenn Du das kannst, kauf so viele Prozente Small Caps und Berkshire Hathaway wie Du magst.

Wichtig: Mit diesen Depots ist es wie mit den Frauen. Deine Traumfrau ist Deine Traumfrau - unabhängig davon ob ich neidisch bin oder nur den Kopf schüttele. Es gibt da keine abzuhakende Checkliste sondern nur ein: Paßt zu mir, will ich.

Gruß
Finanzwesir


CarstenP sagt am 01. November 2017

@ DomenicusBenacus

Bei der "faktor prämie" ist Vorsicht angesagt. Erstens sind Faktoren nur Korrelationen, mit denen sich Renditen von Aktien-Portfolios im Nachhinein erklären lassen.
Alle Über/Unter-Renditen, die nicht durch einen Faktor erklärbar sind, landen im Alpha. Zweitens sind Prämien für einzelne Faktoren zeitlich variable, und es ist keineswegs gewiss, dass bestimmte Faktoren eine positive Rendite in der Zukunft haben.
Es gibt zwar verschiedenste Erklärungen, warum einzelne Faktoren mit einer Prämie belohnt werden sollten (Value und Small Caps sind riskanter, Momentum spiegelt menschliches irrationales Verhalten wieder, usw.), aber es besteht nicht wirklich Einigkeit unter den Experten.

Letztendlich sind Faktor-Strategien ziemlich aktive Strategien, die zwar im Kleid von passiven Investment-Vehikeln daherkommen (Smart-Beta-ETFs), aber eigentlich wird suggeriert damit höhere Risiko-adjustierte Renditen als der Markt zu erhalten. Das ist meiner Meinung nach ziemlich naiv, irgendwo gab es dazu mal den passenden Ausspruch:
"smart beta = very stupid no alpha"

Es spricht nichts dagegen Small Caps in sein Portfolio mit aufzunehmen, doch man sollte sich da ein paar Fragen stellen:

  • Warum will man dabei deutlich von der Gewichtung nach Marktkapitalisierung abweichen?
  • Geht es nur darum das Risiko zu erhöhen und damit um eine evtl. höhere Rendite?
  • Warum stattdessen nicht einfach die Aktienquote des Portfolios erhöhen?

LetItBe sagt am 27. November 2017

Hallo Finanzwesir,
ich bin begeistert von Deinen treffenden und klaren Darstellungen. Helfen mir, bei der Geldanlage einfach, klar und konsequent zu bleiben. Zum Thema Aktien habe ich jedoch eine Frage: Die Welt schrieb kürzlich, an der Börse werde es einsam, will sagen, vom Aktienmarkt verschwinden seit Jahren mehr Unternehmen als dazu kommen. Dies sei eine Gefahr für Anleger und Sparer. Auf Deiner Seite habe ich keine Betrachtung zu diesem Sachverhalt gefunden. Wie siehst Du die Situation?

Gruß
LetItBe


ChrisS sagt am 27. November 2017

@ Letitbe

wäre vllt am zielführendsten wenn du einfach den betreffenden Artikel der Welt verlinken könntest, damit alle auf dem gleichen Stand sind und die gegebenen Argumente bewerten können (also wo genau dabei jetzt die Gefahr für die Anleger liegen soll, und was sie zB als Alternative/Lösung vorschlagen, denn ohne Lösung ists ja auch relativ müßig).

Ansonsten bleibt ja erstmal nur die reine historische Einordnung der Entwicklung von IPO-Zahlen vs Delistings.
Ja, die IPOs haben im Vgl zu ihren Hochzeiten in den 90ern etwas abgenommen, aber nunja, ob das direkt gleich nur was "schlechtes" sein muss (damals ging auch viel Mist an die Börse, was eigentlich nur heiße Luft war) ist halt persönliche Ermessenssache, je nachdem was man denn auch für ein "gesundes/normales" IPO-Volumen ansieht (worüber sich meine Meinung enthält, um es mir nicht mit "es soll halt einfach alles so bleiben wie es immer schon war" zu einfach zu machen).
Es spielt auch ein bischen rein das viele junge Companies heutzutage wohl auch viel leichter/eher auf privaten/ ausserbörslichen Wegen, VC usw. an ihr Kapital kommen, als gleich den (regulatorisch stressigeren) Weg eines richtigen öffentlichen Börsengangs gehen zu müssen, wie noch früher.
Eine Wertung davon entzieht sich meinem Dienstgrad, ob das also "schlimm" ist, und wie schlimm genau, soll mir ruhig jemand anderes erklären der sich damit besser auskennt :-D Ich könnte da auch nur in Generalitäten reden, wie "ja (Über)Konzentrierung ist halt schlecht...".
Wen die Fakten etwas tiefer interessieren, kann sich zB diesen Report zum Thema von der Credit Suisse durchlesen
http://www.cmgwealth.com/wp-content/uploads/2017/03/document_1072753661.pdf
der sich damit auseinandersetzt. Am Schluss wird auch noch relativ beiläufig erwähnt, dass das hpts ein ziemliches US-spezifisches Problem zu sein scheint, in anderen, aufstrebenden Teilen der Welt gibt es noch positivere IPO-Aktivität.


Martin sagt am 06. Dezember 2017

Hallo zusammen!

Ich lese hier immer wieder, dass ein Portfolio zu einem "passen" soll. Das kann ich ja noch nachvollziehen, was die Gewichtung Risikoteil zu risikoarmer Teil betrifft. Ich verstehe auch noch "einfach" vs. "komplex" bei Portfolios, diese Entscheidung muss man wohl für sich treffen. Und dass man bei einem 10.000 Euro Portfolio nicht weiter über komplexe Strategien diskutieren muss, ist mir auch klar.

Die Diversifikation bei den Aktien ist aber doch weniger eine Frage des persönlichen Geschmacks sondern eine Frage der wissenschaftlichen Fakten. Ist es tatsächlich egal, ob ich mit der World/EM Kombi die Region Europa und den Euro als Währung massiv unter den Tisch fallen lasse (ca. 15% für Europa gesamt, vom Euro rede ich da gar nicht)? Ist es tatsächlich egal, ob anerkannte Faktoren wie Größe oder Value in die Gewichtung der Aktien einbezogen werden oder nicht?

Hat das mal jemand simuliert, von welcher Art Abweichungen (Risiko, Zuwachs etc.) gegenüber anderen Aufteilungen wir da reden? Oder geht das alles im Rauschen der Unsicherheit unter? Kann man am Ende des Tages wirklich machen, was man persönlich als gut "empfindet"? So nach dem Motto: "Egal, ob ich jetzt Europa mit 15% oder 30% drin habe. Macht eh keinen seriös bewertbaren Unterschied".

Ich meine das wirklich nicht sarkastisch, aber das wäre dann ja wohl wirklich ein Armutszeugnis für jegliche finanzwissenschaftliche Forschung im Bereich Diversifikation bei passiven Strategien. Wenn ich schon jedem Basispunkt bei den TERs nachlaufe, sollte ich das nicht auch beim Allocation-Tuning tun, solange ich nicht in ein totales Overengineering mit 20 Produkten hineinlaufe?

Und bitte sagt mir jetzt nicht: "Dann mach doch Allocation Tuning, wenn es dir besser gefällt!". Ich bin kein Experte, aber ich hätte gerne belastbare Argumente und wenn der ganze Allocation-Tuning Aufwand auch für engagierte Privatanleger wirklich nur Woodoo ist, dann soll es mir auch recht sein :-)

Gruß
Martin


Tammo sagt am 06. Dezember 2017

@ Martin: Eine Schwierigkeit ist m.E. dass man sehr stark in den Bereich Glauben kommt. Also was glaube ich, was die Zukunft bringen wird: Wird sich Europa besser entwickeln als die USA? Schaffen es die Schwellenländer aufzuholen? Kaufen Firmen wie Apple alle innovativen kleinen Firmen auf? Werden Rohstoffe wie ÖL überflüssig? Oder steigt der Meeresspiegel um 2 Meter?

Auf diesen Glaubenssätzen basiert dann die eigene Strategie, also z.B. 10% mehr Europa oder 30% EM. Aber da es die Zukunft betrifft, ist alles Spekulation. Ob ich richtig liege? Wird man sehen. Rückblickend kann man heute sagen, welche Strategie man früher hätte nehmen müssen, die Zukunft ist ungewiss.

Anders die Kosten, die sind keine Spekulation, die weiß ich, also kann ich sie minimieren.


CarstenP sagt am 06. Dezember 2017

@Martin

Die Asset-Allokation (Portfolio-Konstruktion) ist mehr Kunst als Wissenschaft und beruht darauf, dass man die Zukunft nicht vorhersagen kann und die Märkte ziemlich effizient sind. Die moderne Portfoliotheorie kann dabei ein Leitfaden sein, demnach wäre das Tangentialportfolio (theoretisch das globale Marktportfolio, alle investierbaren Assets nach Marktkapitalisierung gewichtet) das effizienteste Portfolio welches am meisten Rendite pro Risiko erwarten lässt. Vom Prinzip her weicht aber jeder Anleger von diesem Ideal ab, aus den verschiedensten Gründen:

  • Bestimmte Assets sind schwer investierbar, z.B. Immobilien oder Picassos.
  • Es enthält zu viel Dinge, die man nicht halten möchte, z.B. Unternehmensanleihen oder Schwellenlandaktien.
  • Es enthält zu wenig Dinge, die man halten möchte, z.B. japanische Staatsanleihen oder Small Caps.
  • Es enthält zu viel Währungsrisiko.
  • Es ist nicht riskant genug oder zu riskant, also die Markt-Rendite/Risiko-Erwartung passt nicht mit der eigenen Vorstellung zusammen.
  • Man hat keinen Zugang zu günstigem Kredit um das Ideal-Portfolio auf das gewünschte Risikolevel zu hebeln, stattdessen möchte man einzelne Marktbereiche anders gewichten.
  • Unwissenheit und Ignoranz.

All das können gute Gründe sein vom Ideal-Portfolio abzuweichen, solange man dabei das Prinzip der Diversifikation nicht aus den Augen verliert, sollte man trotz Abweichungen ein gut genuges (effizientes) Portfolio zusammenbauen können. Nur wenn man zu stark vom Markt abweicht, dann geht man evtl. zu viel Risiko ein ohne dafür eine angemessene Risikoprämie erwarten zu können.

All das ist ziemlich schwammig und gibt nur eine grobe Orientierung, doch die oft empfohlene breit diversifizierte Aktien/Anleihen-Kombi ist ein guter Startpunkt für die persönliche Asset-Allokation. Ob man nun bestimmte Risiko-Faktoren oder riskantere Aktien höher gewichtet, ist echt Geschmackssache, höhere Renditen können zwar erwartet werden, aber sie werden nicht garantiert.
Ein Extremfall wäre nur noch in die Aktien eines einzelnen "Emerging Markets Small Cap Value Quality Momentum" Unternehmens zu investieren, da geht man sehr viel Risiko ein, aber hat man wirklich Grund zur Annahme dafür eine entsprechend höhere Rendite zu erhalten???
Man kann Glück haben und eine von den wenigen Überflieger-Aktien erwischen und in kurzer Zeit den Vermögensaufbau abgeschlossen haben, oder man erwischt eine von den vielen Nieten und kann nach kurzer Zeit den Vermögensaufbau nochmal von vorne beginnen.

  • Als passiver Investor ändert man sein Portfolio nur wenn sich die persönliche Situation geändert hat, man bleibt dabei möglichst breit diversifiziert um langfristig die Marktrendite mit nicht mehr Risiko als nötig einzusammeln.
  • Als aktiver Investor ändert man sein Portfolio ständig dem aktuellen Marktgeschehen und den eigenen Prognosen entsprechend, und versucht durch Konzentration auf die zukünftigen Gewinner den Markt zu schlagen.

Die Performance von aktivem Fondsmanagement (siehe z.B. SPIVA reports) zeigt recht deutlich, dass die Märkte noch effizienter sind als anscheinend viele aktive Investoren glauben, und somit sehr schwierig langfristig auf risikoadjustierter Basis zu schlagen sind.


Finanzwesir sagt am 07. Dezember 2017

Hallo Martin,
solange Du der heiligen Dreifaltigkeit huldigst ist alles im grünen Bereich.

  1. Geringe laufende Kosten. Alles kleiner 0,7% ist ok
  2. Breit diversifziert sein. Jeder Index der mehr als 500 Firmen umfaßt ist ok
  3. Stur sein. Jeder Zeitraum länger als 15 Jahre ist ok

Dann gilt: Die Mischung ist egal, siehe https://www.finanzwesir.com/blog/etf-mischung-egal

Für Privatanleger gilt: Die Börse hilft uns nicht arm zu sterben, aber sie macht uns nicht reich.

Der Renditehebel liegt im Aktiven

  1. Beruflicher Aufstieg als abhängig Beschäftigter oder erfolgreiche Selbständigkeit. Das eigene Business hat sich als der beste Weg herausgestellt um wirklich vermögend zu werden. Wen Du richtig Geld verdienen willst: Mach lieber aktiv in Immobilien als diesen Börsenkram (egal ob aktiv oder passiv).
  2. Sieh zu, dass Dir keine Scheidung ins Haus steht.
  3. Bleib gesund und pflege Deine Freundschaften.

Such Dir eine Mischung (oder ein Produkt wie den ACWI), die Du magst, fang an das aggressiv zu besparen und wende Dich dann den wichtigen Dingen zu.

"Ich muss also auf Basis irgendwelcher Fundamentaldaten und Prognosen an etwas glauben und auf Basis dieses Glaubens eine Entscheidungen zur Verteilung meiner (in Indexprodukten aggregierten) Investitionen treffen."

Trifft das nicht auf alle Lebensbereiche zu?

  • Im Job: Hoffnungsvoll bei Firma A angeheuert, läuft gut, Hauskredit aufgernommen, dann kauft Investor B Firma A auf und zerlegt alles.
  • In der Beziehung: Mit Traumfrau vorm Altar, 3 Jahre später Rosenkrieg.
  • Beim Sport: Joggen, Wurzel, Knie verdreht, Hinkefuss auf immer

"Gibt es dazu zumindest qualitativ fundierte Aussagen oder bin ich wieder bei Glauben und Kunst?"

100% Leben = 90% (Glauben + Kunst) + 10% Excel ;-)

Gruß
Finanzwesir


CarstenP sagt am 07. Dezember 2017

@Martin

Das Marktportfolio stellt das Optimum in der Portfoliotheorie dar und es ist nach Marktkapitalisierung gewichtet. Die "BIP-Gewichtung" hat keine Basis in der Finanzmarkttheorie, es ist mehr ein praktischer Erklärversuch um abweichende Gewichtungen zu rechtfertigen.
Das spielt aber alles keine riesengroße Rolle, da die Theorie nicht vollständig in der Praxis anwendbar ist und das tatsächlich optimalste Portfolio erst im Nachhinein identifiziert werden kann.

Es gibt tatsächlich unglaublich viele Studien, die sich mit Marktanomalien, verschiedensten Investment-Strategien oder Faktoren beschäftigen, leider besteht nur selten Einigkeit unter den "Experten".
Und viele Erkenntnisse lassen sich in der Praxis auch nicht nutzen, da in den Studien gerne mal Kosten und Steuern ignoriert werden oder die Studien schlichtweg Fehler beinhalten. Mit dieser Unsicherheit muss man als Investor halt leben.

Für die Risiko-Faktor Sachen kannst du dir die Arbeiten von Fama/French anschauen, die haben systematisch untersucht wie sich die Performance von Aktien-Portfolios durch Faktoren erklären lassen.
Aber auch hier gibt es keine Garantie, dass man damit höhere Renditen in der Zukunft erhalten wird. Ein Hauptgrund, weshalb die exakte Gewichtung (ob nun 10% oder 20% Europa oder EM) gar nicht so wichtig ist, ist dass man hier von Aktien spricht und die werden alle hauptsächlich vom Marktrisiko (Beta) getragen.
Daher spielt die Aufteilung Aktien/Anleihen eine viel wichtigere Rolle in der Asset-Allokation, da das wirklich unterschiedliche Assets sind.

Es gibt aber ein paar ziemlich gut empirisch bestätigte Erkenntnisse:

  • Wer mehr Rendite will, muss bereit sein ein höheres Risiko zu ertragen.
  • Diversifikation kann das Risiko senken bei gleich bleibender Renditeerwartung.
  • Aktives Investieren ist ein Nullsummenspiel.
  • Es ist sehr schwierig den Markt auf risikoadjustierter Basis konsistent zu schlagen.
  • Nach Kosten gewinnt passives Investieren gegenüber aktives Investieren.

Du solltest erst einmal für dich selbst klären, ob du lieber aktiv oder passiv investieren möchtest, da tickt ja jeder anders.
Für einen passiven Investor sollte das nach Marktkapitalisierung gewichtete Marktportfolio die Basis darstellen, alle Abweichungen davon sollten einen guten Grund haben, wie z.B. dass er mehr/weniger Risiko ertragen kann oder möchte.
Der passive Investor wählt eine fixe Asset-Allokation mit der er durch dick und dünn gehen will, kein Stockpicking und kein Market Timing. Er muss natürlich davon überzeugt sein, dass das alles Sinn ergibt und er auch ohne Exit-Strategie durch den nächsten Bärenmarkt kommt, daher ist es sehr wichtig schon vorher über die Risiken nachzudenken und das in die Asset-Allokation einfließen zu lassen.


Martin sagt am 08. Dezember 2017

Vielen Dank für das ausführliche Feedback zu meinen Fragen. Dann werde ich mal auf die optimale Asset Allocation und auch das Rebalancing innerhalb des Aktienteils in meinem Portfolio pfeiffen. Kostet offenbar eh nur unnötig Gebühren und Steuern.

Gruß
Martin


Timo sagt am 03. Januar 2018

Hallo zusammen,

ich lese seit geraumer Zeit hin und wieder diesen Blog, mit steigendem Interesse.
Selbst "investiert" bin ich in Fonds seit einem starken Jahr, allerdings bis auf einen passiven ETF, den Ishares Global Water nur in aktiven Fonds, noch dazu Branchenfonds. Ich habe in diesem Jahr ein Depot im Wert von 10000 Euro angespart.

Nun allerdings irgendwie von heute auf morgen ins überlegen und trudeln geraten.

"Wie wird meine zukünftige Situation ausfallen, was kann ich verbessern, wie kann ich mein Risiko und meine Gebühren minimieren und gleichzeitig eine vernünftige Altersvorsorge ansparen?"

Ich hatte bisweilen zuletzt immer 400.- Euro per Monat zu je 25.- Euro in 16 verschiedene aktive Fonds einbezahlt:

  • Candriam Equities L Biotechnology D, WKN:939839
  • DWS Deutschland LC, WKN:849096
  • FCP OP MEDICAL BioHealth-Trends EUR, WKN:941135
  • Fidelity Funds - Asian Smaller Companies Fund A (USD), WKN:A1JTXM
  • Fidelity Funds - Asian Special Situations Fund A (USD), WKN:974005
  • Fidelity Funds - China Consumer Fund A (EUR), WKN:A1JH3J
  • Fidelity Funds - Global Consumer Industries Fund A (EUR), WKN:941083
  • Fidelity Funds - Global Technology Fund A (EUR), WKN:921800
  • Fidelity Funds - Greater China Fund A (USD), WKN:973265
  • iShares Global Water UCITS ETF, WKN:A0MM0S
  • Metzler European Small and Micro Cap, WKN:A1JCJW
  • OP Food, WKN:848665
  • Pictet - Digital-P dy USD, WKN:A0MQMT
  • Pictet - Robotics-P dy EUR, WKN:A141RC
  • Pictet - Water-P dy EUR, WKN:A0LFWM

Die Gebühren dementsprechend hoch, vor 2 Tagen die Kurzschlussreaktion, alle Fonds verkauft!
Keine Verluste, sogar etwas Gewinn, aber nach Monaten von Überlegungen und schlaflosen Nächten der Auswahl.

Jetzt am lesen und lesen und lesen...........

Und ich muss sagen, 70/30 oder ACWI vielleicht gar ACWI IMI oder 90/10, alles ist mir unsympathisch!

Ich dachte schon folgendes, wie auch schon bei FFB angelegt :

  • Ishares Core MSCI World, WKN:A0RPWH 200.- Euro
  • Ishares Core Emerging Markets IMI, WKN:A111X9 100.- Euro
  • UBS MSCI EMU Small Cap, WKN:A1JHNE 50.- Euro
  • SPDR MSCI World Small Cap, WKN:A1W56P 25.- Euro
  • SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap, WKN:A1JJTF 25.- Euro

Oben genannte Fonds 2-monatlich für die nächsten 25-30 Jahre besparen, vorausgesetzt (am Mast festgebunden und die Ohren mit Wachs verschlossen) ich knalle nicht vorher durch.

Ich weiss, alle meine Vorstellungen scheinen sehr kompliziert, am liebsten wäre mir die 1, 2 oder 3 Fonds Lösung.
Aber Verteilung nach Marktkapitalisierung finde ich bescheuert, auch passt es mir nicht das z.B. China mit knapp nur 3% im ACWI enthalten ist, das kann doch nie und nimmer der Realität entsprechen!

Irgendwer einen Tip (Paukenschlag) für mich?

Beste Grüße


Alex13 sagt am 05. Januar 2018

@Timo

Jeder versteht den Wahnsinn, dem man am Anfang verfällt, aber China mit 3, 4 oder 7% wird es wahrscheinlich nicht reißen.

Jetzt Paukenschlag!!! Dein Motor läuft und jetzt leg den Gang ein und gib Gas, wenn du vorwärts kommen möchtest und vor allen Dingen lass die Emotionen raus ("..alles ist mir unsympathisch!").

Mit Verlaub sollte ein ACWI bei deinen Investitionssummen passen, aber wenn du dich damit wohler fühlst, dann den World und den EM. Der Rest kommt weg!

Grüße


Leser sagt am 05. Januar 2018

Ich hatte bisweilen zuletzt immer 400.- Euro per Monat zu je 25.- Euro in 16 verschiedene aktive Fonds einbezahlt:

Mini-Beträge in teure Fonds & Branchenwetten, das halte ich auch nicht für sinnvoll.

Und ich muss sagen, 70/30 oder ACWI vielleicht gar ACWI IMI oder 90/10, alles ist mir unsympathisch!

Warum? Was ist die Alternative und warum wird die Alternative in Zukunft bessere Renditen abwerfen?

Aber Verteilung nach Marktkapitalisierung finde ich bescheuert, auch passt es mir nicht das z.B. China mit knapp nur 3% im ACWI enthalten ist, das kann doch nie und nimmer der Realität entsprechen!

Wieso kann das nie und nimmer der Realität entsprechen? Weil China so viele Einwohner hat?
China ist erst vor kurzer Zeit in den MSCI EM Index aufgenommen worden; dort gibt es nämlich nur einen stark regulierten Aktienmarkt und dazu viele Aktien nicht in Streubesitz sind.
Die MSCI (und sicherlich viele andere) basiert nämlich auf der free float-adjusted market capitalization, also den handelbaren Aktien. Wenig Aktien trotz großem BIP = wenig Anteil im Index.


ChrisS sagt am 05. Januar 2018

@ Timo

"Irgendwer einen Tip (Paukenschlag) für mich?"

Nuja, da dass jetzt nicht wirklich ne konkrete Frage auf irgendwas im Einzelnen ist, bleibt ja nur eine allgemeine Kommentierung dessen was du so geschrieben hast. Ich schau mal was mir so auffällt:

Du bist seit einem Jahr investiert? Und dann in diesen Fonds?
Frage - hast du die dir selbst rausgesucht? Mit welchen Überzeugungen, welchen strategischen Grundüberlegungen?
(falls es überhaupt welche gab). Und bestehen diese immer noch, oder haben die sich geändert ?
Gab es irgendne Struktur hinter diesem (für aussenstehende) planlos zusammengewürfelten Wildwuchs von "Trend-& Themen-" Investments?
Oder waren das Fonds vom Bankberater?

Und jetzt hat sich das alles geändert? Was sind deine neuen Grundüberzeugungen, deine strategische Ausrichtung (und die theoretischen Hintergründe, mit denen sie unterfüttert werden) und wie fest sind die?

Weil als einziger Grund gegen die Fonds wurde nur beiläufig erwähnt "Gebühren zu hoch", aber erstens, das konnte man doch schon vorher sehenden Auges erkennen, und zweitens, nuja die Entscheidung aktive oder passive Anlage sollte eigentlich schon an tiefgründigeren Aspekten gemacht werden, also einfach grundlegend von wessen Sinnhaftigkeit man eher überzeugt ist.

Also eigentlich ist es besser, anstatt das wir dir was erklären, dass du erstmal umgekehrt uns was erklärst, und zwar die Hintergedanken deiner aktuellen ETF-Verteilungswünsche. Wenn du die offenlegst und darstellst, welcher Plan dahintersteht, und welchen Sinn du dir davon erhoffst, können wir ja schauen ob das zusammenpasst oder nicht.

Das sage ich nur, um nicht nochmal einfach ins blaue alle bereits hier gesagten Grundlagen des passiven Investierens wiederholen zu müssen, und verweise dazu lieber auch auf die schöne Übersichts-Artikelliste

Ich empfehle nochmal die Lektüre der Artikel, da steht vieles schon drin was dir hilft deine Fragen (auch wenn du jetzt eigentlich garkeine konkret bezogenen, nur ein allgemeines "sagt mal was dazu", gestellt hattest, was auch nicht besonders förderlich ist) selbst zu beantworten, und das ist ja das Ziel hier.

"Und ich muss sagen, 70/30 oder ACWI vielleicht gar ACWI IMI oder 90/10, alles ist mir unsympathisch!"

Okay? Warum ist dir das "unsympathisch", und was würdest du stattdessen lieber machen ?

"Ich weiss, alle meine Vorstellungen scheinen sehr kompliziert, am liebsten wäre mir die 1, 2 oder 3 Fonds Lösung.
Aber Verteilung nach Marktkapitalisierung finde ich bescheuert, auch passt es mir nicht das z.B. China mit knapp nur 3% im ACWI enthalten ist, das kann doch nie und nimmer der Realität entsprechen!"

Deine Vorstellungen sind nicht kompliziert, nur ein bischen widersprüchlich. Am liebsten wäre dir die einfache 1/2/3 Fonds Lösung... ABER... dann bitte auch die Länder trotzdem noch in deiner Wunschgewichtung?
Have your cake and eat it, gibts leider so nicht (vielleicht kämen noch "GDP-Weighted" Index-ETFs als Kompromiss deinen Ideen am nächsten, aber für die gibts zuwenig Produktangebot). In einen der beiden sauren Äpfel muss man halt beißen, man kann sich nur aussuchen welchen.
Entweder du "akzeptierst" die MK-Gewichtung und kannst dafür dann mit den einfachen großen Standardwelt-ETFs arbeiten. Oder du bestehst unbedingt auf deinen persönlichen Gewichtungswünschen, und musst dir dann aus dem vorhandenen Angebot an einzelnen Länder/Regionen-ETFs eine kleinteiligere Auswahl zur genaueren Umsetzung abbilden.

Und was die "Realität" angeht...
Warum ist China nur 3% im ACWI gewichtet? Weil eben die Marktkapitalisierung chinesischer Unternehmen nur 3% Anteil entspricht. So einfach, nichts weiter. Das kann man anders sehen, und meinen dass (aus X Y Gründen) der "korrekte" Anteil von zB China "in Wirklichkeit" Z Prozent betragen sollte, aber am Ende ist das alles auch nur immer wieder dieselbe alte Gretchenfrage:
Wie will man den "korrekten" Anteil (eines Landes bzw den Unternehmen) im Index eigentlich bemessen?
Da gibt es verschiedene Ansätze, alle mit ihren Pros und Contras. Marktkapitalisierung ist halt einer davon, und es hat schon seine Gründe, warum sich der jahrzehntelang als Standard etabliert hat (lies dich darüber halt ein bischen ein, um den Argumenten besser folgen zu können).
Ich würde mich, gerade als Anfänger der bisher ja noch nicht durch überlegene Kapitalmarktkompetenzen aufgefallen ist, auch etwas zügeln im Anspruch, jetzt daherkommen zu können und zu sagen, das ist alles "bescheuert" und "ich weiß es besser".
Okay, dann beschreib mal worauf sich deine Gewichtungsmethoden beziehen, systematisiere das in ein Regelmodell und mach ein paar Backtests, erst dann ist das wirklich was wert worüber man ernsthaft diskutieren kann.
Klar, du kannst auch nach BIP gewichten, da hat China zB grad laut IMF ugf 15% Weltanteil. Das stimmt genauso wie die 3% MK eben für die MK stimmen, alles nur eine Frage des Betrachtungsstandpunktes.


Schwachzocker sagt am 06. Januar 2018

@ Timo

"...von heute auf morgen ins überlegen und trudeln geraten"
"..Kurzschlussreaktion, alle Fonds verkauft"
"...schlaflosen Nächten"
"...mir unsympathisch"
"...finde ich bescheuert"
"...ich knalle nicht vorher durch"

So wird das nichts! Die Emotionen müssen weg!

  • SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap, WKN:A1JJTF
  • Ishares Core Emerging Markets IMI, WKN:A111X9

Hier sind diverse Überschneidungen.

  • SPDR MSCI World Small Cap, WKN:A1W56P
  • UBS MSCI EMU Small Cap, WKN:A1JHNE

Hier auch!


Joerg sagt am 02. März 2018

"ich habe diese Start- zu End-Punkt" Performance-Vergleiche satt"

Hallo, heute quaele ich Euch mit weiteren Spitzfindigkeiten: Manege auf fuer Excel-Hokuspokus 4.0
Warum? Ausloeser waren gutgemeinte und wertvolle Posts wie die von ChristophG (https://www.finanzkueche.de/aktienmarktrenditen/) oder ChristianK (https://menschenzahlensensationen.wordpress.com/2018/02/15/hiiilfe-ich-habe-amazon-google-facebook-und-apple-verpasst-was-tun/)

Weshalb? Weil sie unnatuerlich sind! Die allergroesste Mehrzahl der Sparer-Zyklen sieht doch so aus:

  • zaghaftes Anfangen in den 25-35er Lebens-Jahren (Yolo!)
  • im Alter von 35-45 schon eher "Hoppla, sollten wir nicht langsam was fuer die Rente tun?"
  • über 45 Jahre "Oh, jetzt aber Gas geben, sonst wird's vielleicht spaeter doch eng?"

Man spart also als junger Mensch eher wenig, danach ein bisschen und zum Ende hin immer panischer?

"Egal, macht doch keinen Unterschied, worauf willst du hinaus? Hauptsache Aktien/ETFs - sind doch prima?!"

"Auch als Rentner halte ich das Depot weiter ... irgendwann ist die Sparrate der Tropfen auf den heissen Stein, der die Depot-Masse nicht mehr gross bewegt"

Ja, stimmt ... worauf ich aber hinaus will:

  1. Start- zu Endpunkt Performance Vergleiche sind unnatuerlich. Unsere gelebte Realitaet ist ein persoenlicher Investment-Pfad ueber die Ansparzeit. Meistens "stimmt": je frueher dein Pfad beginnt desto Zinseszins. Manchmal aber leider auch: Nicht soviel in der Hausse sparen sondern moeglichst viel in der Baisse anlegen ("im guenstigen Einkauf liegt der Gewinn") Sei also mutig, wenn's kracht!
  2. Deine Performance durch den Sparplan ist meistens hoeher als du denkst (und hoeher als Anfangs- Endpunkt-Betrachtungen geschaetzter Blogger und Kommentatoren dir glauben machen wollen). Einfach wegen deines pers. Investment-Pfades, weil zwischendurch Baissen dabei sind.
  3. Deshalb Chill-mal bezueglich kommender Draw-Downs (Boersen-Dips) und sei lieber genau dann etwas aggressiver?!

Disclaimer: In Wirklichkeit muesste der Sparplan-Anteil noch zum Ende hin ansteigen, weil bei den meisten Erwerbsbiographien erst zum Ende die Sparraten stark ansteigen.
Das kann dann "gut" sein (wenn dann gerade Baisse herrscht) oder "schlecht" (wenn's nur hoch geht bis zum Entsparzeitpunkt) - das hat man nicht in der Hand.
In der Wissenschaft wurde deshalb ernsthaft erforscht und vorgeschlagen als junger Anleger mit Hebel (1,2-1,5x) zu "investieren", um das Investitionspfad-Risiko zu mindern ... und frueher mehr Geld am Aktienmarkt zu haben.

So, genug geschwallt, jetzt ein paar Rendite-Bsp jeweils Start-Endpunkt sowie die jeweilige Sparplan-Betrachtung
Daten: von MSCI (https://www.msci.com/end-of-day-history), EURO, NET-variante (max.Quellenstr.Abzug), Wiederanlage d. Ausschuettungen Methode: 10 a Ansparen, 100 EUR monatl. Sparrate in Anteile umrechnen und ueber den Zeitverlauf akkumulieren,

SprplanInterv J01-D10 J02-D11 J03-D12 J04-D13 J05-D14 J06-D15 J07-D16
Invest_Kapita .12.000 .12.000 .12.000 .12.000 .12.000 .12.000 .12.000
AnlageDauer ..10,00 ..10,00 ..10,00 ..10,00 ..10,00 ..10,00 ..10,00
Anfang
Index .102,90 ..87,95 ..56,50 ..68,11 ..71,64 ..89,98 ..97,78
Endpnkt_Index ..87,91 ..85,82 ..97,87 .118,62 .141,75 .156,52 .173,31
pa.Rend.1xAnl ..-1,6% ..-0,2% ...5,6% ...5,7% ...7,1% ...5,7% ...5,9%
AnzahlAnteile .157,90 .158,99 .155,00 .146,14 .138,21 .130,55 .124,98
€jew.z.30.12. .13.881 .13.645 .15.170 .17.335 .19.591 .20.434 .21.660
pa.Rend.Sprpl ...2,9% ...2,6% ...4,7% ...7,3% ...9,6% ..10,4% ..11,5%

Beobachtung: Start-zu-End Betrachtung beim MSCI WORLD EUR NET sehen beschaemend aus, da kann man ja richtig Pech haben! Von -1,6 bis 7,1% p.a. ist alles dabei, Oh, Hilfe!
Dein Retter, der Sparplan "glaettet" jetzt aber alles: Hurra, 2,6 bis 11,5%! Da ist doch ein Oktober-Fest Besuch mit einigen Mass Bier locker drin!

Fazit:
Freue dich, wenn's runter geht und du noch mind. 5 Jahre bis zur Entnahme hast. Volatilitaet ist Sparplaners-Freund, nicht dein Feind!
Laechle muede, ueber jegliche Start-zu-End-Punkt Performance-Vergleiche, es kommt auf deinen persoenlichen Invest-Pfad an! Jetzt weisst du Bescheid.

Die Kehrseite: beim Entsparen ist alles umgekehrt ... bis dahin ueberlegen wir uns dann auch noch was :-D
Und spaetestens am Ende - wenn du die Sparplaene durchhaelst - "trifft es ja dann keinen Armen"


Joerg sagt am 19. April 2018

Ist deine Notfall-Reserve (Finanzfeuerwehr) auch zu hoch und du verpasst dadurch Ertrag am Aktienmarkt (hohe Opportunitaets-Kosten)? - Achtung nix fuer Anfaenger, nur fuer Fortgeschrittene -

https://earlyretirementnow.com/2018/04/18/emergency-fund-in-stocks/

Karsten, rechnet in seinem Post diese Woche vor, weshalb er persoenlich so gut wie keine Notfall-Reserve (emergency fund) haelt.

Damit stellt er sich ketzerisch gegen die weitlaeufig akzeptierte Mehrheitsmeinung irgendetwas zwischen 3-12 Monatsverbraeuchen fuer Unvorhergesehenes in zB Tagesgeld zu halten (zB f. Waschmaschine, Auto-Reparatur, Arbeitslosigkeit, unvorhergesehene Notfall-Ausgaben) und jedem Anfaenger wird geraten erst mal so ein Wohlfuehl-Polster aufzubauen, bevor es (endlich) an einen Depot-Sparplan geht ...

Seine interessante Argumentation gliedert sich wie folgt:

  • an historischen 36 Monats-Perioden (die Zeit fuer den Aufbau eines Notfallpolsters in 36 Monatsraten bis zu einer Summe X) zeigt er, dass in 3/4 der Kohorten die Entnahme aus dem ansonsten angesparten Depot effizienter gewesen waere
  • dann verkettet er solche Perioden und Notfall-Situationen (5-10 ueber ein Anlegerleben) und kommt zu dem Schluss, dass sich auf die Gesamtsituation bezogen, quasi immer das Investieren in ein Aktien-Depot mit nur sporadischen Teil-Verkaeufen in Notfaellen "gelohnt" haette.
  • er vergleicht eine Notfall-Reserve bezogen auf die Anleger-Lebenszeit (Lebenseinkommen) mit nicht-existenziellen Versicherungsloesungen - die keiner braucht (vglb mit Handy-, Fahrrad-, Geraete-Garantie-Verlaengerungsversicherungen)
  • Gruende fuer eine Notfall-Reserve liegen vielmehr in emotionalen oder psychologischen Bereichen
  • die mathematisch/roboter-verhaltensmaessige Antwort ist also: "Du brauchst keine/kaum eine Notfall-Reserve!" Spare sofort in ein Werpapier-Depot und wenn's ein Problem gibt, verkaufe etwas daraus. Meistens gibt's kein Problem. Falls es ein Problem gibt und du mit Verkaeufen zur Unzeit oder Kredit-Aufnahme reagieren musst, ist es - betrachtet auf das Anlegerleben - eine hinzunehmende, seltene Ausnahme. Auf die Anleger-Lebenszeit gesehen, ueberwiegen dann trotzdem die Vorteile der anderen 4-9 Situationen bei denen der Verkauf aus dem Depot die finanziell guenstigere Loesung war.
  • Bonus-Effekt: Ohne Notfallpolster waere man gezwungen - bei ploetzlichem Geldbedarf - die jeweils schlechteste/meist "gehasste" Asset-Position aufzuloesen. Also endlich kommt von aussen der noetige "Schubs" sich von den Depot-Leichen der Vergangenheit/viel zu hohem RK1-Anteil/"setzte-hier-ein-welche-Deiner-Anlagen-dich-stoert" zu trennen!
  • aber wer verhaelt sich schon immer rational und wie ein Roboter/regelbasierte Software?

Fuer mich persoenlich spielen die Opportunitaetskosten einer Notfall-Reserve keine so grosse Rolle (mehr).
Wenn das "Spiel gewonnen ist", kann man sich natuerlich einen Porsche, Schwimmbad, Yacht oder fettes "Notfall-Reserve-Polster" leisten.

Wenn man erst noch dahin will, muss jeder selbst entscheiden, wie "hart er am Wind Segeln will".

Immerhin, die Argumentation von Karsten ist gut und korrekt. Oder was meinst Du (erst seinen Post lesen)?


Niko sagt am 19. April 2018

@Joerg:
Interessante Betrachtungen, die du da zusammengefasst hast. Ich geb' mal meinen unqualifizierten Senf zu dem Artikel dazu:

  • Punkt 1/2: welche Aussagen Betrachtungen des historischen Aktienmarktes für die Zukunft haben ist ja hinlänglich bekannt.
  • Punkt 3: im Gegensatz zu einer Versicherung, die keiner braucht, kann man eine Barreserve immer gebrauchen. Außerdem ist sie liquider ;-)
  • Punkt 4-...: das Dumme ist nur, wenn Murphys Gesetz gerade dann zuschlägt, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann.

Fazit für mich (man kann das aber auch anders sehen): bei mir ist die Cashreserve die Feuerwehr, die mir Murphys Gesetz fernhält und mir kompromisslos Liquidität bereitstellt. Und da würde für mich der Spaß und die Zockerei aufhören. Mag sein, dass mir ein paar Prozent Rendite durch die Lappen gehen, dafür schlafe ich besser :-)


ChrisS sagt am 19. April 2018

Hallo Joerg,

erstmal nur zum Verständnis, wer ist der adressierte "Du", den du im Beitrag immer ansprichst, meinst du jemand speziellen (Finanzwesir, etc) oder eher allgemein rhetorisch jeden Leser?

Zum Inhalt allgemein, haja das sind halt so typabhängige Excelgeschichten. Ich könnte dazu auch einige Beiträge amerikanischer Finanzblogger rauskramen, die in eine ähnliche Richtung gehen - zB wo mal vorgerechnet ( ;-) wurde dass die "übliche Empfehlung", man solle ja im Alter seine Aktienquote reduzieren, historisch meist "unvernünftig" war (im Sinne von: der Rentner, der bis zum Tod ne volle 100% Aktienquote aufrechterhalten hat, konnte in der überwiegenden Zahl der Perioden länger/mehr davon zehren als jemand der dem "Allgemeinwissen" gefolgt ist, einen Großteil in Anleihen umzuschichten).
Das Prinzip dahinter ist ja so trivial wie offensichtlich - der Aktienmarkt hat halt nen langfristigen Aufwärtstrend, und je mehr/länger man daran partizipiert, umso mehr profitiert man auch davon.

Man muss halt nur die Schwankungen aushalten, und das ist eigentlich der ganze Knackpunkt bei solchen Geschichten - die Übertragung von Excel-Theorie in Lebens-Praxis.
Ich traue den Finanzbloggern, die sowas durchrechnen, und einer Minderheit ihrer aufgeklärteren Leser solche konsequente Durchhaltefähigkeit schon durchaus zu, aber habe über die allgemeine breite Massentauglichkeit doch so meine Zweifel, weil die Mehrheit der Leute dann doch nicht so rationale homo oeconomicusse sind wie es das Konzept vorraussetzt. Aber daran kann man ja arbeiten :-)

Ist ja dasselbe wie bei der Diskussion die wir auch hier schon öfter hatten:
Sollte ein Anfänger eine größere Summe lieber auf einmal komplett oder lieber "in mehreren Raten gestückelt" investieren?
Das fragt ja mit schöner Regelmäßigkeit immer mal wieder ein Neuer, und dann sagen wir ihm eigentlich auch immer das gleiche - auf der Vernunftsebene ist die Einmalanlage besser, weil sie in den meisten Fällen den größeren finalen Kapitalwert gebracht hatte (Grund siehe oben, der Aktienmarkt hat halt nen langfristigen Aufwärtstrend, an dem man auch am stärksten partizipiert wenn sofort das ganze Kapital auf einmal zum Wachsen eingesetzt wird).
Aber da ist ja noch die verflixte psychologische Ebene bei der Sache auf der anderen Seite ;-)
Genauso wie man auch nen Schwimmanfänger nicht als erstes sofort vom 5-Meter Brett stößt, sondern vom seichten Ende des Beckens behutsam ranführt, muss es auch beim Anlegen noch einen gewissen "Wohlfühl"-, oder sagen wir zumindest "nachts noch ruhig schlafen können"-Faktor geben müssen, und wer dazu meint, lieber mehrere kleinere Schritte benötigen zu brauchen, dem lass ich das auch gern so.
Mir egal wie, hauptsache die Leute kommen überhaupt mal zum Investieren.

@ Niko

"Punkt 1/2: welche Aussagen Betrachtungen des historischen Aktienmarktes für die Zukunft haben ist ja hinlänglich bekannt."

Historische Betrachtungen können durchaus sinnvolle Aussagen machen, man muss nur gewisse Einschränkungen beachten.
Erstens, eine längerfristige Betrachtung ist immer mehr Wert als eine kürzerfristige - idealerweise sollten mindestens mehrere Makrozyklen, also Jahrzehnte, mit Aufs und Abs, betrachtet werden, je länger umso mehr Verallgemeinerungspotential hat das ganze, wegen mehr Datenpunkten, weniger zeitpunktabhängiges Zufallsrauschen.
Zweitens, zwischen Betrachtungszeitraum und Prognosezeitraum muss einigermaßen Übereinstimmung sein. Soll heißen, man kann nicht aus langfristigen (zB mehrere Jahrzehnte zurück) Betrachtungen Aussagen über die kurzfristige Zukunft (zB Kursentwicklung der nächsten Monate) ableiten. Und umgekehrt gehts natürlich auch nicht.
Über die kurzfristige Zukunft lässt sich sowieso nichts sinnvolles sagen. Aber aus dem allgemeinen langfristigen Aufwärtstrend des Aktienmarktes seit über hundert Jahren kann man zB aber zumindest die berechtigte Überzeigung ableiten, dass er auch in weiteren hundert Jahren sehr wahrscheinlich noch höher als heute stehen wird.
Drittens, man muss ein gewisses Verständnis für Statistik, insbesondere Verteilungsfunktionen entwickeln. Soll heißen, wenn zB überall davon geredet wird, dass die "langfristige Rendite des Aktienmarktes bei ugf 5~8 % o.ä. beträgt" (was ja auch erstmal so stimmt, kann ja jeder selbst nachrechnen), soll man dass eben nicht so naiv verstehen, als wäre damit gemeint dass der Aktienmarkt immer, jedes Jahr und garantiert auch genausoviel Prozent erwirtschaftet.
Nein im Gegenteil, das was am Ende so lapidar als "langfristige Durchschnittsrendite" zusammengefasst wird, setzt sich im einzelnen aus vielen verschiedenen Jahresrenditen zusammen, die auch weit von diesem Mittelwert abweichen können (und tun). Das war so, ist so, und wird auch weiter so bleiben, also muss man damit umgehen können.

"Punkt 3: im Gegensatz zu einer Versicherung, die keiner braucht, kann man eine Barreserve immer gebrauchen. Außerdem ist sie liquide"

Wenn man die Barreserve immer gebraucht, ist sie bald aufgebraucht, und damit keine Reserve mehr. Wir reden ja hier auch eigentlich eher davon, den "eisernen Notgroschen" als einen abgetrennten Bereich (der eben nur für Notfälle zuständig ist) zu betrachten, und der nicht dem allgemeinen Konsum oder Spaßausgaben zur verfügung steht.
Aber wie gesagt, da muss jeder selber entscheiden, welches Kontenmodell am besten zu ihm persönlich passt.

"Fazit für mich (man kann das aber auch anders sehen): bei mir ist die Cashreserve die Feuerwehr, die mir Murphys Gesetz fernhält und mir kompromisslos Liquidität bereitstellt."

In Punkto "Liquidität" (was im Grunde erstmal nur sowas wie (schnelle) "Verfügbarkeit" meint) unterscheiden sich Standard-Aktien und -ETFs nicht wesentlich von Tagesgeld o.ä.
Beides kann man mit einem Klick ziemlich zeitnah zu Cash machen, wenn man es denn sofort will/braucht.
Und was "Murphys Gesetz" angeht (die Waschmaschine geht kaputt und es ist grad dazu noch Börsenkrise), am Ende ist das vielleicht auch vor allem ne Frage der Depotgröße.
Soll heißen, wieviel Aktienschwankungen kann ich mir sprichwörtlich "leisten", bis es wirklich meinen Lebensstandard angreifen würde, wenn ich in einer Krise durch Notsituation zum Verkaufen gezwungen wäre und dann nicht mehr genug Geld da ist? (Krisen behandeln wir hier meist einfach mit dem "-50% Crashtest", also einfach mal eine Halbierung des Depots durchspielen).
Das betrifft einen Anfänger natürlich viel mehr als so alte Hasen wie es Joerg am Ende schon angesprochen hat - wer wie wir schon ein gewisses Depotvolumen aufgebaut hat, der könnte sich auch bei einer Krisenhalbierung davon trotzdem auch noch tausend neue Waschmaschinen leisten, wenns denn nötig wäre :-D


Joerg sagt am 19. April 2018

Moin @Niko, hast du eine bessere Idee, wie man

  • erkenntnistheoretisch die These "Finanzfeuerwehr vs Technisches Depot-Entnahme-Hilfswerk" simulieren/ueberpruefen kann als mit einem Blick in den Rueckspiegel?
  • Liquide: eine Depotentnahme von ein paar Tausend fuer einen Notfall ist zwei-drei Klicks und 10-15€ Gebuehr entfernt. "Barreserve" schmiegt sich schon gefaehrlich an und ist viel schutzloser als "(Nur-im-auessersten-)Notfall-Reserve".
  • Murphys-Law ist hier beruecksichtigt worden: Baissen und pers.Notfaelle sind ja unkorreliert und mitteln sich deshalb ueber deinen Anlagezyklus heraus.

Oder wenn es bei dir anders waere, koenntest du vielleicht den Markt mit deinen pers. Notfaellen perfekt Timen (Nikos-Notfall-Indikator+Lombard-Kredit)? :-D

Aber ehrlich, ich finde ein Cash-Polster auch gut ...

Allerdings: 5.000€ zuviel im Tagesgeld (ca. 6% Rendite-Unterschied) kosten auf einen Anlagezyklus von zB 30 Jahren doch schon erhebliche: 28.700€. Wieviele von uns halten aber sogar 10, 15, 20k "zuviel"?

Naja, "besser Schlafen" ist halt auch teuer ... ;-D
LG Joerg


Joerg sagt am 22. April 2018

| Moin @Chris "wen meine ich mit DU"? Tja eigentlich nur Niko und Dich ...
Ihr seid die einzigen zwei, die meinen Post gelesen und kommentiert haben ;-)

Spass. Also bei "DU" denke ich immer an dieses Werbeplakat mit dem freundlichen aelteren Onkel. Der hat so'nen lustigen Zylinder auf, mit blau, weis - so bandiert und gesternt.
Mit einem knorrigen, grotesk langen Zeigefinger deutet er energisch auf die Betrachter und sagt: "we want YOU".
Lustige Werbung fuer eine Pfadfindergruppe? oder war es so etwas wie Wehrsport? Egal.
Jedenfalls das stelle ich mir immer vor, wenn ich "DU" schreibe :-)
LG Joerg


Reinsch sagt am 23. April 2018

Naja, einige Argumente sind ja aber arg an den Haaren herbeigezogen. Wer z.B. einen finanziellen Notfall braucht um Depotleichen auszusortieren, der ist wohl kaum der knallharte Excel Optimierer der das letzte Promill Rendite ausquetscht…

Ich bin kein Fan davon, die Cash-Reserve an Monatsverbräuchen oder gar den Gehältern festzumachen. Entscheidend ist da eher die persönliche Situation.

Ein Familienernährer, der selbstständig arbeitet und dabei auf sein Auto angewiesen ist und zudem in einem Eigenheim lebt wird natürlich mehr Geld puffern müssen. Der kinderlose Single, der zur Miete wohnt und mit dem Fahrrad zu seinem Arbeitgeber fährt, der kommt warscheinlich mit einem Tausender locker aus.

Letztendlich ist es eben ein Feuerlöscher. Die Frage ist also, wie groß ist das Feuer was maximal gelöscht werden muss? Mal ungeachtet irgendwelcher schwarzen Schwäne, die sowieso alles über den Haufen werfen…
Und daran wird dann die Reserve festgemacht. So groß wie nötig, so gering wie möglich.

Klar ist auch: Das Ganze ist eine Versicherung. Und Versicherungen kosten Geld. Wenn nix passiert zahlt man drauf…


BigMac sagt am 24. April 2018

Im Beitrag von Reinsch stehen die in meinen Augen zwei wichtigsten Dinge zum Thema: Die Reserve ist eine Versicherung und Versicherungen sollen ausschließlich auf den persönlichen Bedarf abgestimmt sein.
Die absolute(!) Größe des RK1-Teils sollte m.E. deshalb regelmäßig (z.B. jährlich) anhand des aktuellen Bedarfs geprüft und ggf. angepasst werden. Meine Cash-Reserve ist so groß, dass ich auch einen größeren schwarzen Schwan aushalten kann und auch fast alle aktuell denkbaren "Katastrophenfälle", wenn der Vogel mal zugeschlagen hat.
Der Preis für diese Sicherheit ist eine - gemessen an allen Rücklagen - kleinere Rendite. Wie so oft im Leben gilt auch hier: "Man muss Prioritäten setzen."


Gabriel sagt am 29. Mai 2018

Hallo Zusammen

Viele schlagen eine Aufteilung von 70 % gehen in einen ETF, der den Index MSCI World abbildet und 30 % gehen in einen ETF, der den Index MSCI Emerging Markets abbildet.

Weshalb nicht in einen SPDR MSCI ACWI UCITS ETF oder Xtrackers MSCI AC World Index UCITS ETF 1C investieren? Beide 0.4% TER.

Oder der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF mit nur 0.25% TER?
Ich überlege mir 75% in EFT's zu investieren und 25% mein Geld Risikoarm in Tagesgeld anzulegen.

Da ich in Zukunft auch von Dividenden profitieren möchte und würde wie folgt investieren:

-Vanguard FTSE All-World UCITS ETF 25%, Dividendenendite von ca. 2% -The Global X SuperDividend® ETF 25%, Dividendenendite von ca. 6.5% -iShares Mortgage Real Estate ETF 25%, Dividendenendite von ca. 8.5%

Danke für euren Feedback!

Gruss
Gabriel


ChrisS sagt am 30. Mai 2018

@ Gabriel

Die Frage "70/30 oder einfach einen gesamtglobalen ETF" ist kein so großer Gegensatz wie du vielleicht denkst. Wir hier können jedenfalls beides guten Gewissens empfehlen, bzw würden auch von keiner Variante besonders abraten.

Wofür sich jeder einzelne Anleger letztendlich entscheidet, hängt von seiner individuellen Situation, Ansprüchen und Bedürfnissen ab, in der persönlichen Abwägung der Eigenschaften der beiden Varianten.

Ein einfacher gesamtglobaler ETF (wie zB auf den ACWI oder FTSE-All World) kommt vor allem für Leute in Frage, die es eben wortwörtlich einfach wollen. Man muss nur ein Produkt ansparen, hat weniger operativen Aufwand (aber, Menschen unterscheiden sich ja auch in dem ob/was sie überhaupt als "Aufwand" empfinden, von daher...) und brauch sich um weniger zu kümmern.
Sagen halt die Leute, die sich für so eine Variante entscheiden, und das mag für sie auch alles stimmen, sei ihnen also gelassen.

Andere Leute entscheiden sich dagegen trotzdem lieber für die 70/30 Variante (oder noch kleinteiligere Regionensplits).
Warum?
Weil sie persönlich eben größeren Nutzen darin sehen, die Weltregionen damit individuell (also von der vorgegebenen Marktkapitalisierungsgewichtung im gesamtglobalen Index) nach eigenen Wünschen abweichend gewichten zu können (zB verbreitet ist eine Orientierung am Regionen-BIP, was eben auch die 70/30 Variante vereinfacht darstellen soll).

Über die Vor- und Nachteile beider Varianten könnte man lang und breit diskutieren, haben auch wir hier des öfteren schon getan.
Am Ende ist es aber relativ müßig, denn langfristig am wichtigsten bleibt immer noch die Grundsatzentscheidung, überhaupt mal mit dem investieren angefangen zu haben, und weniger so Detailfragen wie die "beste Aufteilung" - da sollen sich die Leute einfach aus all den vernünftigen und begründeten Ansätzen dann einfach für das entscheiden, was sie am ehesten überzeugt, das heißt also auch was sie am ehesten auch lange durchhalten und dranbleiben können (da sind wir wieder beim wichtigsten Punkt).

"Da ich in Zukunft auch von Dividenden profitieren möchte und würde wie folgt investieren:"

Haja, die lieben alten Dividenden mal wieder...
Mir fehlt grad die Motivation, da nochmal die durchgekaute Diskussion zu führen, vielleicht können einige andere Kommentatoren ja mal einspringen ? :-D

Ansonsten ne wie oben bereits gesagt - wenn du das machen willst, dann machs halt :-)


Marius sagt am 14. Juni 2018

Wer nach Bruttoinlandsprodukt (BIP) gewichten will, landet bei vier Indizes: Nordamerika (28 %), Europa (25 %), Pacific > (11 %) und Schwellenländer (36 %).

Also nach meinem Verständnis werden hier die Größen der Aktienmärkte der einzelnen Länder mit den Größen ihrer Volkswirtschaften (BIP) gleichgesetzt. Das ist m.E. aber nicht richtig.

Beispiele:

Yum China (ISIN US98850P1093) ist eine Aktie aus dem US-Aktienmarkt, die nur das Chinageschäft von Yum! Foods enthält (Pizza Hut, Kentucky Fried Chicken). Ein Investment würde also zu 100% in die Kategorie EM und nicht Nordamerika fallen wenn man nach dem BIP und nicht nach den Aktienmärkten gewichten möchte.

Mit fast allen anderen Aktien ist es ähnlich. VW produziert weltweit und verkauft auch weltweit. McDonald's stellt weltweit die Burger mit Zutaten aus dem Endverbraucherland her (siehe Bigmacindex zum Kaufkraftvergleich). Medtronic hat den Firmensitz von USA nach Irland verlegt. Burger King gehört zur kanadischen Restaurant Brands obwohl nicht nur in Kanada Whopper gegessen werden. Eventuell verkauft Samsung genausoviel in Europa wie Apple und auch nicht wenig.

Die in Tschechien produzierten Skodas erhöhen das BIP des Schwellenlandes Tschechien aber den Börsenkurs von VW. Der Toyota Aygo wird auch in Tschechien produziert, der Fiat 500 aber in Polen.

Ich kann deshalb die 70/30 Aufteilung nicht nachvollziehen. Die EM-Aktienmärkte sind m.E. übergewichtet. Die 36% des weltweiten BIP der EM sind wahrscheinlich in einem normalen MSCI World AC mit rund 10% EM-Aktienmarkt ziemlich gut berücksichtigt, da ja auch in den EM-Ländern Waren und Dienstleistungen der Industrieländer-Aktienmärkte erzeugt werden.


ChrisS sagt am 14. Juni 2018

@ Marius

BIP-Gewichtung versus Marktkapitalisierungsgewichtung haben wir hier auch schon des öfteren immer wieder mal durchgekaut.
Abseits aller Detaildiskussionen über Vor- und Nachteile jeder Variante und der letztendlichen "Was ist denn nun besser?"-Gretchenfrage, über die sich die Anhänger und Gegner gerne untereinander streiten können, sollte man das auf der Meta-Ebene nicht so dogmatisch sehen wie die Teilnehmer manchmal so tun.

Dem Finanzwesir selbst ist es zB wahrscheinlich ziemlich schegal wie genau jeder einzelne Anleger seine Aktien-ETFs gewichtet - die Entscheidung BIP oder MK ist am Ende viel weniger wichtig als die grundlegende Entscheidung, einfach überhaupt mal mit dem Anlegen anzufangen*, von daher wird hier eigentlich von der Hausmeinung her wenig Zeit darauf verschwendet, an einer eher so unbedeutenden Stelle noch langwierige Glaubenskriege führen zu wollen.

Artikelbeispiele, die diese offene Haltung demonstrieren, sind zB

Also auch wenn sich die 70/30-Aufteilung als abgekürzte Standardempfehlung ziemlich verbreitet hat, wird hier niemand vom Hof gejagt wenn er die nicht teilt und lieber was anderes machen will.
Jeder muss da seine eigene Vorgehensweise finden, von der man begründet überzeugt ist, denn nur mit Überzeugung schafft man es, das Anlegen auch langfristig konsequent durchzuziehen (und das ist ja eigentlich das wichtigste).


Marius sagt am 14. Juni 2018

Es geht NICHT um BIP-Gewichtung vs. Marktkapitalisierung sondern darum, dass es sich bei der vermeintlichen BIP-Gewichtung 70/30 um KEINE BIP-Gewichtung handelt.

Bei einer BIP-Gewichtung müsste man für jede einzelne im Index enthaltene Aktie die Aufteilung auf den weltweiten Volkswirtschaften ermitteln und anschließend die BIP-Gewichtung des Indexes ermitteln.


ChrisS sagt am 14. Juni 2018

@ Marius

Weiß ich, ich wiederhole in früheren Kommentaren zu BIP etc ja auch vieles des gleichen. ;-)

70/30 ist "nur" ein sehr grob gehobelter Annäherungsversuch für normale kleine Privatanleger, dem allgemeinen BIP-Verhältnis zwischen Industrie- und Schwellenländern einigermaßen näherzukommen.
Näher jedenfalls als das 90/10 im MK-gewichtetetn ACWI. Die Gretchenfrage in dem Zusammenhang ist eigentlich nur "warum macht man das überhaupt" / "was soll das nützen" / "was ist besser" ?
Und in dem Zusammenhang wollte ich erstmal die Leser, die über sowas grübeln, nur darauf hinweisen, dass man von uns aus beides machen kann, bzw sich jeder einfach für das entscheiden soll wovon man eher überzeugt ist.

Ganz abgesehen davon, dass der 70/30 Standart wohl eh selbst schon ein paar Jahre bissel veraltet ist, aktuell sind wir je nach Betrachtung der Daten eigentlich schon bei 65/35 oder gar 60/40. :-D

Wie gesagt, dass ist eh nur der grobe, oberflächliche Holzschnitt.
Ne "richtige" BIP-Gewichtung, die also wirklich auf die einzelne Länder-Ebene alle Volkswirtschaften demnach gewichtet, übersteigt aber eh den praktischen Umsetzungshorizont der meisten kleinen Privatanleger.
Sich zB 46 einzelne Industrie- und Schwellenland-ETFs ins Depot zu legen um damit die "exakt passende" Verteilung auszutarieren ist dann doch zuviel des Guten. Wenn überhaupt, versucht man sich dann wenigstens mit 4-5 Regionen ETFs der ganzen Sache noch etwas weiter anzunähern, aber auch das ist nur mehr oder wengier eine Abstraktion.

Inhaltliches zu solchen komplexeren BIP-Gewichtungen kann man beispielsweise von den Indexanbietern lesen, die es vor Jahren mal probiert haben, solche danach angepassten Indexserien rauszubringen und populär zu machen.

Das klingt alles auf dem theoretischen Papier ganz nett, scheint sich aber im konkreten Praxisgebrauch danach auch nicht so wirklich durchgesetzt zu haben - erkennt man schon daran dass es eigentlich wenig bis garkeine ETF-Produkte auf solche "GDP-weighted Indices" gibt.
Vielleicht ist die mangelnde Nachfrage auch ein Zeichen des Marktes, das solche "Gimmicks" als doch eher nicht so wichtig eingeschätzt werden.

Und ja klar - gerade die international tätigen Multikonzerne, die auf der ganzen Welt rundherum wirtschaften, machen eine "BIP-Betrachtungsweise" mit ihren implizit geschlossenen Volkswirtschaftsräumen eher altmodisch bzw nicht mehr zeitgemäß angebracht.
Ich bin auch kein Anhänger/Praktikant davon, weil ich mich nie so recht damit hab anfreunden können was der Zusammenhang zwischen dem Land, in welchem ein Aktienunternehmen zufällig noch ansässig ist, mit der Gewichtung der Aktie zu tun haben sollte.
Also zB warum sollte ein gutes/großes/wichtiges Unternehmen untergewichtet werden, nur weil das Land in dem es sitzt ein verhältnismäßig geringes BIP hat? Dafür kann das Unternehmen doch nichts, das sollte also für so einen zweifelhaften Zusammenhang nicht noch "bestraft" werden.

Es gibt statt der "Länder-BIP"-Methode auch noch einige andere alternative Gewichtungsansätze, die wirklich speziell nur auf die Unternehmen, und ihre wirtschaftliche Größe/Bedeutung an sich allein, abzielen und damit den Zusammenhang zwischen Marktkapitalisierung einer Aktie und Anteil der Aktie im Index aufbrechen wollen.
Einer der ältesten und bekannten ist das "Fundamental Weighting" von RAFI. Dabei werden verschiedene Fundamentalkennzahlen (zB Gewinne, Umsätze, Buchwerte) herangezogen und aufsummiert, und geschaut welchen Anteil jedes einzelne Unternehmen mit seinen Bilanzwerten zu diesen Gesamtwerten beiträgt und danach ihre Gewichtung im Index sortiert.
Damit kann man vielleicht besser die Effekte (also die tatsächliche wirtschaftliche Größe/Bedeutung eines Unternehmens) die du in deinen Beispielen beschreibst, besser abbilden, zumindest passender als da noch irgendwie auf der Länder-Ebene herumzudoktern.
Nachzulesen zb hier https://www.researchaffiliates.com/en_us/strategies/rafi/rafi-fundamental-index.html (grob) und hier https://www.researchaffiliates.com/documents/FAJ_Mar_Apr_2005_Fundamental_Indexation.pdf (etwas ausführlicher).

Aber wie oben schon gesagt gilt natürlich auch hier, zwischen "klingt in der Theorie ganz nett" und "ist praxistauglich, hat sich durch/umgesetzt" wird immer ein gewisser Unterschied sein, von daher habe ich auch kein großes Problem damit erstmal nur weiter bei meinen "normalen" MK-Index ETFs zu bleiben.


Marius sagt am 15. Juni 2018

Näher jedenfalls als das 90/10 im MK-gewichtetetn ACWI. Die Gretchenfrage in dem Zusammenhang ist eigentlich nur "warum macht man das überhaupt" / "was soll das nützen" / "was ist besser" ?

Genau das war ja meine Frage. Ich kann keinen Sinn an dieser Aufteilung erkennen. In folgendem Link kann man in der Grafik sehen, dass die EM in den letzten 10 Jahren ein deutlich größeres Wirtschaftswachstum hatten als die Industrieländer:

www.capital.de/wirtschaft-politik/die-schwellenlaender-wachsen-schneller

Vergleicht man nun zwei ETF-Charts von einem MSCI World und einem MSCI EM so performte der EM-ETF in den letzten 10 Jahren deutlich schlechter als der Industrieländer-ETF.

Man kann also sogar davon ausgehen, dass in einer 70/30 Aufteilung weniger EM "drin ist" als in einer normalen 90/10 Aufteilung. Offensichtlich profitieren hauptsächlich Aktien aus Industrieländern von der steigenden Wirtschaftskraft in den EM.

Mit einer 70/30 statt 90/10 Aufteilung hat man sich in den letzten 10 Jahren in etwa den gesamten Kostenvorteil ETF vs. aktiven Fonds zerschossen.

Wer hatte sich das denn ausgedacht? Traut er sich nicht sich zu melden?


Finanzwesir sagt am 16. Juni 2018

Hallo Marius,

"dass die EM in den letzten 10 Jahren ein deutlich größeres Wirtschaftswachstum hatten als die Industrieländer"

Wie wird es in den nächsten 10 Jahren aussehen? Es ist immer gut mehrere Eisen im Feuer zu haben. Ein Beispiel hier: https://finletter.de/8005/about-fintech-17-die-riesenameise-ant-financial/

In diesem Artikel geht es um Ant Financial, das äußert erfolgreiche Banking-Spin-off des chinesischen Ecommerce-Riesen Alibaba.

"Auch die weiteren Kennzahlen sind beeindruckend und lassen den Bankenschreck der westlichen Welt – PayPal – geradezu niedlich aussehen: Bei der Anzahl der verarbeiteten Transaktionen in 2017 liegt Ant mit 239 Milliarden gegenüber 7,6 Milliarden schier uneinholbar vorn.
Auch beim Transaktionsvolumen hat die Riesenameise mit 16,7 Billionen US-Dollar die Nase gegenüber PayPal mit gerade mal 0,45 Billionen klar vorn."

Aktuell mögen die Ströme noch vom Industrieland ins Schwellenland gehen: Coca Cola und Apple verkaufen der erstarkenden Mittelschicht ihre Produkte.
Aber irgendwann dreht sich das um. Dann verkaufen die Chinesen und Inder uns Medizintechnik für eine alternde Bevölkerung.
Beim Stahl ist es schon so weit. ArcelorMittal ist der größte Stahlproduzent der Welt. Formal ein Luxemburger Unternehmen, aber Hauptaktionär ist die indische Familie Mittal mit 40,83 % der Aktien bzw. 42,22 % der Stimmrechte. Zweitgrößter Einzelaktionär ist der luxemburgische Staat mit lediglich 2,5 % der Aktien bzw. 2,58 % der Stimmrechte.

Da niemand weiß, was die Zukunft bringt geht es einfach darum in beiden Regionen (Industrie- und Schwellenländer) investiert zu sein.

Warum 70/30?

Vor allem, weil es eine schöne Kombi ist. Man ist signifikant in den Entwicklungsländern investiert, aber die soliden Industrieländer stellen den Löwenanteil. Für deutsche Anleger, die einen soliden Home Bias pflegen sind 30% schon eine Hausnummer.
Punkt 2: Das Auge investiert mit: 70/30 sieht einfach gut aus. Wobei 75/25 für Leute, die in einen Dezimalsystem aufgewachsen sind ohne Zweifel auch seinen Charme hat. :-) Hätte ich bis vor einem Jahr auch nicht geschrieben. Aber meine Erfahrungen seit 2014 haben nich das gelehrt.

Schau Dir mal die Top-Liste der Trades an der Börse Stuttgart an:
https://www.boerse-stuttgart.de/de/boersenportal/wertpapiere-und-maerkte/top-flop-serien/umsatzspitzenreiter/?ID_CATEGORY_INSTRUMENT=4937
Eine fast 100%ig deutsche Veranstaltung.

Ein Wort noch zu "Entwicklungsländern". Ich habe das schon mit Absicht hingeschrieben. China, Indien, Russland, Süd Korea, Brasilien sind formal Schwellenländer, keine Entwicklungsländer. Aber gefühlt sind es eben doch Entwicklungsländer mit komischen Regierungen, Umweltproblemen und Korruption.
In meiner täglichen Praxis sehe ich immer wieder, dass Anleger überhaupt nicht in Schwellenländer investieren, weil es ihnen zu unseriös ist. Machen machen 90/10, andere 75/25, 60/40 habe ich noch nie gesehen. Mir ist das letzlich egal.
2014 - 2016 habe ich das auch so erklärt. 90/10 vs. 80/20 vs. 75/25 vs. 70/30 - langatmig, genau, fundiert. Das Ergebnis: Verwirrung und die Frage:
"Ja was soll ich den tun?"
Antwort: "Was immer Du für richtig hälst."
Antwort auf die Antwort: "Das muss ich mir überlegen."
Gehen 6 Monate ins Land.
Finanzwesir fragt: "Und?" Antwort: "Ooch, bin noch bei Tagesgeld."

Im Laufe des Jahres 2017 habe ich mir dann angewöhnt zu sagen: 70/30. Klare Ansage und der Schwung bleibt erhalten. Tagesgeld ist der Teersumpf in dem die Leute feststecken. Da müssen sie raus. Ob mit oder ohne Emerging Markets.

Gruß
Finanzwesir


Gainde113 sagt am 16. Juni 2018

Ich denke, dass die 1-Fond-Lösungen à la MSCI ACWI und FTSE All-World (RK3) in Zukunft noch wichtiger werden für den einfachen Privatanleger. Simple Lösung ohne Rebalancing und kostensparend. Wichtiger ist ja die Asset-Allokation.
China wird ja jetzt auch in den MSCI World aufgenommen und es fragt sich inwieweit die Unterscheidung zwischen entwickelt und Schwelle nich Sinn macht.
Persönlich will ich einfach an den wertvollsten Unternehmen weltweit teil haben (Marktkapitalisierung) und da ist mir das Land mit dem Hauptsitz egal. Die Korrelation nimmt ja laufend innerhalb der Aktienwelt zu.


ChrisS sagt am 16. Juni 2018

@ Marius

"Ich kann keinen Sinn an dieser Aufteilung erkennen."

Musst du auch nicht - wenn du mit dieser Standardempfehlung unzufrieden bist und sie dich nicht überzeugt, bzw du lieber aus Gründen XY eine andere Aufteilung/Methode nutzen willst, wird dir hier niemand das verbieten wollen, oder zähe Glaubenskriege um die Ermittlung irgendeiner "objektiv richtigen" Allokation für Alle führen (wenn sowas überhaupt möglich ist).
Jeder soll das machen wovon er am ehesten überzeugt ist, denn gerade diese Überzeugung ist das eigentlich wichtige, denn die ermöglicht es einem in der gewählten Allokation auch lange genug dranzubleiben. Und diese Durchhaltefähigkeit ist das Entscheidende bei der Anlage, nicht so sehr die Detailaufteilung - siehe: die beste Aufteilung der Welt nützt nichts, wenn ich sie wegen mangelnder Überzeugung nach einem Jahr schon wieder aufgebe und abändere.

Ich gehe mal stark davon aus dass du schon allgemein investiert bist - gut so, mehr brauch man sich eigentlich garnicht darüber zu streiten. Uns interessiert es wie gesagt ziemlich wenig, ob jemand seine Aktien nun 70 / 30 oder 90 / 10 oder WasAuch / Immer investiert, hauptsache dass er überhaupt mal investiert und nicht nur unschlüssig im Sparbuch klebenbleibt.

"Vergleicht man nun zwei ETF-Charts von einem MSCI World und einem MSCI EM so performte der EM-ETF in den letzten 10 Jahren deutlich schlechter als der Industrieländer-ETF."

In der letzten 10j-Periode (also 2008-2018) hat EM schlechter als der World performt, ja. Geht man noch weiter zurück und schaut sich die vorletzte 10j-Periode an (zB 1998-2008), war der EM viel besser als der World... von daher, panta rhei, Zyklen und mean reversion überall.
Mit so "Rückspiegel-Backtesting" sollte man eh vorsichtig sein und dessen Aussagekräfte nicht überschätzen.
Weder lässt sich daraus wirklich definitiv ableiten, dass für die Zukunft EMs "total schlecht und unnötig sind, also keiner sollte mehr darin investieren", oder dass EMs "absolut das beste sind und jeder sollte nur noch darin investieren".
Irgendwo zwischen diesen beiden übertriebenen Extremen muss jeder Anleger selbst eine persönliche Verteilung finden, die zu ihm selbst und seinen Überzeugungen passt, und ob das am Ende nun eine 10% Allokation oder eine 30% Allokation, oder irgendwas dazwischen sein wird, sei ihnen selbst überlassen.

"Mit einer 70/30 statt 90/10 Aufteilung hat man sich in den letzten 10 Jahren in etwa den gesamten Kostenvorteil ETF vs. aktiven Fonds zerschossen."

Wie gesagt, Rückspiegel-Investieren, vorsicht. Wenn wir diese Argumentation mal weiterführen, könnte man ja auch sagen "das meiste Aktienwachstum in den letzten 10 Jahren ging mehrheitlich vor allem von den USA aus, die anderen Regionen hinkten zurück -> demnach hätte man alles nur in die USA investieren brauchen /bzw soll für die Zukunft auch alles nur in die USA investieren!".
Wenn du da (richtigerweise) einhakst und sagst "halt, so einfach kann man das ganze natürlich nicht sehen, das ist eine unvernünftige Fehlableitung, da sich das ja auch mal wieder für die Zukunft ändern kann und wird"... dann muss das im Prinzip auch für die EMs gelten.

"Wer hatte sich das denn ausgedacht? Traut er sich nicht sich zu melden?"

Man wird nicht "den einen" Schuldigen finden, der sich das ursprünglich ausgedacht hat und den man dafür verantwortlich machen kann. Wie du an den PDF-Links siehst, ist es relativ verbreitet, dass sich viele Leute/Institutionen um solche alternativen Gewichtungsideen Gedanken und Untersuchungen machen.

Da ich selber kein Anhänger/Praktikant der BIP-Gewichtung bin, habe ich kein großes Bedürfnis sie noch inhaltlich gegenüber den (berechtigten, da ich auch vieles davon ähnlich sehe) Kritikpunkten verteidigen zu müssen, aber wer weiß, vielleicht meldet sich ja hier nochmal der ein oder andere BIP-Benutzer zu wort und legt seine Sicht der Dinge dar, dann kann man mit denen weiter über die Pros und Contras an sich diskutieren. :-)

Wie gesagt, der Finanzwesir hat ja schon ein bischen weiter erklärt, warum er überhaupt 70/30 als "Standardempfehlung" benutzt.
Dahinter steht nun nicht so sehr ein wissenschaftlich-autoritärer Anspruch, dass das nun schon die "optimalst berechnete" Assetallokation sein soll, sondern es geht erstmal einfach nur darum, den Anfängern und Unschlüssigen, die von selbst nicht auf den Trichter kommen, überhaupt mal irgendeine Zahl hinzuwerfen, zu der sie sich positionieren können.
Also wie oben gesagt, können sie die auch ablehnen und das anders machen, aber dafür müssen sie sich ja erstmal selbst eigene Gedanken machen warum sie das ablehnen und was besser sein soll. Der Bildungsprozess wird dadurch also (hoffentlich) angeregt.
Aus seinen Leserzuschriften hat sich die Überzeugung herauskristallisiert, dass die meisten Einsteiger eben kein abwägendes wischi-waschi "ja äh also man kann das so oder so oder so... machen, dafür gibts viele verschiedene Ansichten, sucht euch einfach was raus.."- Geblubber haben wollen, dass sie weiter orientierungslos und gelähmt zurücklässt, sondern den metaphorischen Arschtritt um überhaupt mal zu Potte kommen zu können.

Klar, für "Fortgeschrittene", die schon eigene gefestigte/begründbare Meinungen zu den Allokationen haben, mag so eine holzschnittgrobe Basta-Ansage eher unbefriedigend sein, da man ja endlos alle möglichen Details weiter ausdiskutieren kann - aber wie gesagt, wir sind damit ja auch eigentlich garnicht mehr das beabsichtigte "Zielpublikum" solcher Empfehlungen, und jeder der schon weiß was er tut soll auch tun was er für richtig hält :-)


Schwachzocker sagt am 16. Juni 2018

Hallo Marius,

die 70/30-Gewichtung hat sich jemand ausgedacht, der nach BIP investieren wollte. In den Jahren von 2009 bis 2011 war das etwa der BIP-Anteil der Schwellenländer. Heute sind es eher 38%. Man hätte die Gewichtung also laufend anpassen müssen, oder auch nicht.
Ob das Sinn ergibt, musst Du selbst entscheiden.
Genauso gut könnte man sagen, dass das Investieren nach Marktkapitalisierung in der Vergangenheit keinen Sinn ergeben hat, weil andere Dinge (im Rückblick) besser waren. Was sagt uns das für die Zukunft? Richtig! Nichts!

Deine Betrachtungen im Rückspiegel sind sehr problematisch. Du wählst willkürlich einen bestimmten Zeitraum (10 Jahre) und machst daran alles fest. Was vor dieser Zeit passiert ist, interessiert Dich nicht. Eine solche Betrachtung ergibt in der Tat keinen Sinn.

Mein Anteil an Schwellenländern beträgt übrigens 20%. Welchen Sinn das ergibt, möchtest Du wissen? Keinen besonderen! Es muss ja auch nicht alles einen Sinn ergeben.


Marius sagt am 16. Juni 2018

@Finanzwesir

Da niemand weiß, was die Zukunft bringt geht es einfach darum in beiden Regionen (Industrie- und Schwellenländer) investiert zu sein.

Das ist schon klar, aber das war auch nicht meine Frage bzw. Kritik. Es geht mir darum WIE man es umsetzt um in "beiden Regionen" investiert zu sein.

Man kann doch nicht einfach nach den ersten beiden Zeichen der ISIN gehen und damit bestimmen in welchen Ländern das Geschäft der Aktiengesellschaft spielt.

Beispiel:
Jemand ist mit 30000 Euro in drei Einzelaktien zu jeweils 10000 Euro investiert.

  • Mondelez ISIN: US6092071058
  • Yum China ISIN: US98850P1093
  • Kraft Heinz ISIN: US5007541064

Nach Deiner Logik wäre er zu 100% in den USA investiert, da er nur US-Aktien im Depot hat.

Nach meiner Logik wäre er zu mindestens 33,3% in China investiert, da Yum China nur das Chinageschäft von Yum (z.B. Pizza Hut, KFC) enthält.
Er wäre weiterhin mit Mondelez zu 0% in USA und Kanada investiert, da Mondelez das Nordamerikageschäft in Kraft Foods ausgegliedert hatte (z.B. Milka, Philadelphia Käse). Also zu 100% in der restlichen Welt ohne Nordamerika.

Mit Kraft-Heinz wäre er in USA und Kanada und nur für das Heinzketchupgeschäft weltweit investiert.

Er wäre also zu weniger als 33% in den USA investiert. Die 33,3% Kraft-Heinz minus Nicht-USA-Anteil von Heinz Ketchup minus Kanadaanteil von Kraft.

Er wäre zu über 33% in Schwellenländern investiert. Die 33,3% Yum China plus den EM Anteil von Mondelez plus den EM-Anteil von Heinz-Ketchup. Also zusammen vielleicht so 45% EM.

Also zusammen geschätzt ca. 45% EM, 25% USA und 30% Europa, Pazifik und Rest.

Dass eine BIP-Aufteilung nach Aktienmärkten auch nicht in etwa Pi mal Daumen so grob sondern überhaupt nicht funktioniert hatte ich versucht mit den Daten der gegenläufigen Aktienentwicklung der EM und des Wirtschaftwachstums der EM zu erklären.
Wirtschaft in den EM lief deutlich besser in den letzten 10 Jahren und Aktien liefen deutlich schlechter als in den Industrieländern.

Schau Dir mal die Top-Liste der Trades an der Börse Stuttgart an: Eine fast 100%ig deutsche Veranstaltung.

Also an der Börse Stuttgart kann man doch fast nur deutsche Aktien handeln. Was möchtest Du mir damit sagen? Stuttgart ist eigentlich die Börse für Zertifikate. Wenn man japanische Aktien an einem deutschen Börsenplatz ordert zahlt man ca. 3% mehr als in Tokio. Also ca. 6% Spread.
Ich habe mal versucht eine Order für Pola Orbis ISIN JP3855900001 an einem deutschen Börsenplatz einzugeben. Stuttgart kann ich gar nicht auswählen, nur Frankfurt und Berlin.

Die Frage ist doch wie ich den Anteil am Geschäft in den EM erhöhe wenn ich das möchte. Gibt es dafür spezielle ETFs? In einzelne Branchen kann man ja per ETF investieren aber auch in Wirtschaftszonen? Oder geht das nur per aktiv gemanagten Fonds und per Einzelaktien?

Gruß Marius


Finanzwesir sagt am 16. Juni 2018

Hallo Marius,

"Gibt es dafür spezielle ETFs?"

Ja, nennt sich Emerging Markets ETF. Da gibt es mehr als genug zur Auswahl (mehr als 10). Entweder basieren Sie auf dem MSCI- oder dem FTSE-Framework.

MSCI macht das seit 1969, siehe https://www.msci.com/indexes

Ich nutze dieses Framework als Grundlage für meine Investition und bin fertig. Das ist vergleichbar mit der Programmiererei. In meiner Jugend programmierten echte Männer in Assembler. Heute hat man fertige Bibliotheken und muss nicht mehr jede Eingabemaske selbst programmieren. Oder wie die Automobilfirmen. Die ziehen die Strippen nicht selbst durchs Auto, sondern lassen sich fertig konfektionierte Kabelbäume anliefern, die dann zack, zack einrasten und weiter geht's.

Mit ETFs kannst Du ganz einfach die vier großen Wirtschaftszonen abbilden.

  • Nordamerika: Ein ETF auf den MSCI USA oder MSCI Nordamerika oder der S&P 500, oder das FTSE-Pendant
  • Europa: Ein ETF auf den STOXX 600 Europe oder den MSCI Europe, bzw. FTSE Developed Europe
  • Pazifik: Ein ETF auf den MSCI Pacific oder MSCI Japan
  • Schwellenländer: Ein ETF auf den MSCI Schwellenländer bzw. FTSE Schwellenländer.

Diese vier Blöcke kannst Du dann hin- und herschieben, wie es Dir gefällt.

Gruß
Finanzwesir


Marius sagt am 16. Juni 2018

@Finazwesir

Bitte lies Dir meinen Post durch. Was soll ein ETF auf Aktien deren Firmenzentrale sich in Schwellenländern befinden bringen? Das hat nichts mit investieren in Wirtschaftszonen zu tun sondern mit investieren in Aktienmärkten.

Gruß Marius


Mark85 sagt am 17. Juni 2018

An Marius: Ich teile deine Ansichten, aber wir können daran nichts ändern. Irgendwer im Wertpapier-Forum hat wohl mal 70:30 und 30:30:30:10 als Standardempfehlungen durchgesetzt und danach wurden diese Aufteilungen ohne größeres Hinterfragen im Netz verbreitet und weiterempfohlen. Natürlich gibt es auch andere Stimmen, aber die gerade erwähnten Standardempfehlungen halten sich erstaunlich hartnäckig. ;-)

Ich verstehe den Sinn dahinter auch nicht, weil es gegen die passive Anlagephilosophie verstößt (man weicht bewusst aktiv ab), es laut Herrn Kommer keine Zusammenhänge zwischen Bruttoinlandsprodukten und Kapitalmarktrenditen gibt und sich maximal Pseudo-BIP-Gewichtungen umsetzen lassen.

Selbst wenn es nur die Unternehmensform Aktiengesellschaft in der Welt gäbe, diese rein national agierten und alle zugeordneten Länderkürzel stimmten, kriegte man keine saubere BIP-Gewichtung hin, weil innerhalb jedes ETFs wiederum nach Marktkapitalisierung gewichtet wird. Konsequent angewandt müsste man also für jeden einzelnen Staat einen eigenen ETF im Depot haben.

Oft liest man als Begründung : ,,Die USA sind stark übergewichtet." Vielen scheint dabei nicht klar zu sein, dass durch die Globalisierung die Welt immer enger zusammengewachsen ist. Ich sehe das wie du, man könnte man auch schreiben: ,,Klasse, man hat in nur einem Produkt die XXXX größten international/multinational agierenden Aktienunternehmen der Welt." :-)


Marius sagt am 17. Juni 2018

@Mark85

Danke für Deine Antwort. Bei der Gewichtung nach Marktkapitalisierung kommt noch hinzu, dass zusätzlich von den Indexerfindern der prozentuale Streubesitz berücksichtigt wird.

Das macht natürlich Sinn wenn viele Marktteilnehmer nach Indexen investieren, da es sonst zu Verknappungen und ungewollten Kursausschlägen kommen kann (siehe VW damals bei ca. 1000 Euro pro Aktie).

Aber ist das dann passives oder aktives Investieren wenn ich zwei gleichgroße Unternehmen unterschiedlich gewichte, da sie unterschiedlichen Streubesitz haben?

Die Slowakei, mitten in der EU mit dem Euro als Währung ist nicht mal ein Schwellenland. Nach welchen Kriterien legt das denn wer fest?

Zitat aus Wikipedia: Die Slowakei führt mittlerweile den Spitznamen eines „Detroit Europas“.[122] Im Jahr 2013 wurden 980.000 Fahrzeuge in der Slowakei produziert. Mittlerweile macht die Automobilindustrie laut der slowakischen Automobilvereinigung 12 % des BIP aus und trägt 26 % zum Gesamtexport des Landes bei.


Anton sagt am 19. Juni 2018

@Mark85

Die Mischungen 70:30, 50:30:20 oder 30:30:30:10 haben sich in der Praxis bewährt. Wenn dir diese Mischungen nicht behagen, mische einfach nach deinem Gusto.
Mit Hilfe von historischen Daten kannst du berechnen, wie sich deine Mischung in der Vergangenheit entwickelt hat. Wenn du das goldene Ei gefunden hast: Bravo! Hoffentlich verliert diese goldene Ei in der Zukunft nicht seine Zauberkräfte ;-)


Lukas sagt am 19. Juni 2018

@Marius

Du beschwerst dich ernsthaft darüber, dass man mit Aktien-ETFs nur in Aktienmärkte investieren kann? Langsam wird es echt skurril.


ChrisS sagt am 19. Juni 2018

@ Gainde113

"China wird ja jetzt auch in den MSCI World aufgenommen und es fragt sich inwieweit die Unterscheidung zwischen entwickelt und Schwelle nich Sinn macht."

Da hast du vielleicht was missverstanden. Bis "China jetzt auch in den MSCI World aufgenommen" wird, dauerts noch eine ganze Weile. Die eigentliche Meldung, die du wohl meinst ist eher die aktuelle Entscheidung von MSCI, jetzt nach und nach auch einige chinesische Onshore A-Aktien mit in die entsprechend passenden Regionalindizes (zB MSCI Emerging Markets) mit aufnehmen wollen. :-)
Artikel mit mehr Details dazu kann man sich zuhauf ergoogeln, zB https://www.reuters.com/article/us-china-stocks-msci-explainer/what-is-chinas-a-share-msci-inclusion-idUSKBN1HY0BO


Marius sagt am 20. Juni 2018

@Lukas

Du beschwerst dich ernsthaft darüber, dass man mit Aktien-ETFs nur in Aktienmärkte investieren kann? Langsam wird > es echt skurril.

Der Finazwesir kam doch auf die Idee mit ETFs auf Volkswirtschaften zu setzen, nicht ich. Ich denke er wird uns noch erklären wie das geht.

Außerdem gibt es auch ETFs die z.B.auf Branchen und nicht auf Aktienmärkte von Ländern setzen. Man könnte sich zum Beispiel den hier kaufen: iShares Healthcare Innovation UCITS ETF

Warum sollte es jetzt nicht auch einen geben der z.B. auf die Wirtschaftsentwicklung von China oder der der gesamten EM setzt?


Dummerchen sagt am 21. Juni 2018

@Marius:

Ich wollte mich ja ursprünglich aus der Diskussion raushalten, aber vielleicht braucht es eine kurze knappe Antwort, damit es klar wird:

"Der Finazwesir kam doch auf die Idee mit ETFs auf Volkswirtschaften zu setzen, nicht ich. Ich denke er wird uns noch erklären wie das geht."

Du irrst im Detail. Der Finanzwesir kam auf die Idee(*) möglichst breit gestreut in den Aktienmarkt zu investieren.
Das geht am leichtesten, wenn man sich ein paar ETFs schnappt, die den gesamten Markt abdecken, so dass man möglichst an jedem Unternehmenserfolg der Welt partizipiert.
Ob das nun die 1-Fonds-Lösung (MSCI ACWI), 2-Fonds-Lösung (MSCI World + EM) oder noch komplizierter umgesetzt wird, ist vollkommen zweitrangig und in meinen Augen eher Geschmackssache. Auch die Aufteilung in 70:30, 75:25, 60:40 oder gar 62,4:27,6 ist total egal.
Der Finanzwesir hat ja schon oben erklärt, dass er die 70:30-Empfehlung deshalb gibt, weil es schöne glatte Zahlen sind und die Ratsuchenden damit einen Anhaltspunkt haben, der ihnen weiterhilft.
Gerade Neulingen ist mit einem konkreten Rat oftmals mehr geholfen als wenn ich hier schreibe: "Ist doch total egal wie Du das genau machst - streu halt breit. Was die bessere Aufteilung gewesen wäre, weißt Du eh erst hinterher." Dann wird tagelang gegrübelt und im schlimmsten Fall gar nicht gehandelt.

Der ganze BIP-/Marktkapitalisierungs-Quatsch (sorry!) ist nett für Rückblicke. Ich würde mir davon aber nicht mehr als eine Orientierungshilfe versprechen. Breit streuen ist das wichtige daran.

"Außerdem gibt es auch ETFs die z.B.auf Branchen und nicht auf Aktienmärkte von Ländern setzen. Man könnte sich zum Beispiel den hier kaufen: iShares Healthcare Innovation UCITS ETF"

Statt einer Investition in Unternehmen, die unterschiedlichen Wirtschaftsregionen zugeordnet sind, kann man natürlich auch andere Kriterien heranziehen.
Theoretisch geht dies natürlich auch mit Branchen-ETFs. Wenn man nun die Maxime der möglichst breiten Streuung auch hier anwenden will, muss man jedoch mehr als ein Dutzend ETFs kaufen, um wieder mehr oder weniger die komplette Welt abzudecken. Es ist also ein höherer Aufwand nötig, um das gleiche Resultat zu erreichen.

"Warum sollte es jetzt nicht auch einen geben der z.B. auf die Wirtschaftsentwicklung von China oder der der gesamten EM setzt?"

Den einen wird es geben. Es ist geradezu töricht, Aktien von mehr als einem Unternehmen, mehr als einer Region, mehr als einer Branche oder mehr als eines Landes zu kaufen, wenn man sich 100% sicher ist, dass dieser eine ETF/diese eine Aktie sich besser entwickeln wird als der Rest.
Wenn jemand die/den Gewinner der Zukunft kennt, sollte er tunlichst vermeiden, sein Geld in die ganzen Loser am Markt zu investieren. (Da meine Glaskugel leider ziemlich trübe ist, kann ich solche Vorhersagen nicht treffen und streue daher lieber breit - wenn jemand anders da mehr Vertrauen in seine Zukunftsprognosen hat: Bitte sehr. Jeder investiert sein eigenes Geld.)

Ich hoffe, es wird langsam klarer.

Liebe Grüße
Dummerchen

(*) Naja, nicht wirklich. Die Idee ist nichts neues und wurde nicht von ihm entwickelt.


ChrisS sagt am 21. Juni 2018

@ Marius

"Warum sollte es jetzt nicht auch einen geben der z.B. auf die Wirtschaftsentwicklung von China oder der der gesamten EM setzt?"

Es gab mal von Comstage einen ETF auf den "MSCI World with EM Exposure"
https://www.msci.com/documents/10199/a7493e51-dfa6-422c-9547-b6217dcaf7dc
In dem wurde so was ähnliches gemacht wie du es dir vielleicht vorstellst.
Aus allen Firmen des MSCI World wurde eine kleinere Unterauswahl (ca 300) gebildet/gewichtet, die den höchsten Anteil an Umsätzen in/aus der EM-Region haben.

Der konkrete Comstage ETF (LU0947416961) darauf wurde 2013 aufgelegt und 2016 wieder geschlossen, weil er mangels Anlegerinteresse nie auf ein ausreichendes Fondsvolumen kam, sondern nur einen einstelligen Millionenbetrag einsammeln konnte.

Das könnte man also in gewisser Weise auch so deuten dass - egal wie nachvollziehbar und berechtigt deine Unzufriedenheit/Kritik an den klassischen Standard-Aktienkategorisierungs-Modellen ja auch sein mag - du damit relativ allein dastehst und die überwiegende Mehrheit der Anleger das noch nicht so wirklich problematisch findet oder interessiert.

Am Ende gehts nach allen idealtheoretischen Überlegungen halt immer nur noch um eins, sie müssen auch konkret umsetzbar sein, es müssen Investitionsvehikel dafür vorliegen. Wenns die nicht gibt, tja dann kann ich noch so lange drauf warten oder rumkritisieren, aber es bringt ja nichts. :-)


Marius sagt am 22. Juni 2018

@ChrisS

Es gab mal von Comstage einen ETF auf den "MSCI World with EM Exposure" https://www.msci.com/documents/10199/a7493e51-dfa6-422c-9547-b6217dcaf7dc In dem wurde so was ähnliches gemacht wie du es dir vielleicht vorstellst.

Danke für die Info, das ist sehr interessant. Wie man sieht hat sich der Index auch nicht viel besser in den letzten zehn Jahren entwickelt als der normale MSCI World. Auf stark wachsende Volkswirtschaften zu setzen um stärkere Aktiengewinne einzufahren ist also nicht so einfach.

"Das könnte man also in gewisser Weise auch so deuten dass - egal wie nachvollziehbar und berechtigt deine Unzufriedenheit/Kritik an den klassischen Standard-Aktienkategorisierungs-Modellen ja auch sein mag - du damit relativ allein dastehst und die überwiegende Mehrheit der Anleger das noch nicht so wirklich problematisch findet oder interessiert."

Also nochmal, ich habe kein Problem mit den normalen Modellen sondern mit diesem schrägen 70:30 Modell. Das Ziel soll sein vom stärkeren Wachstum der EM zu profitieren, was ja definitiv unlogisch ist. Da könnte man auch Apple-Aktien kaufen wenn man in Obst investieren möchte oder Bayer-Aktien wenn man in Bayern investieren will.


CarstenP sagt am 22. Juni 2018

Ich möchte noch ergänzen, dass die Gewichtung nach Marktkapitalisierung gewisse Besonderheiten aufweist. Der Markt ist nach Marktkapitalisierung gewichtet, d.h. alle Marktteilnehmer haben das gesamte Kapital genauso verteilt. Und alle Investoren können das gleiche Marktportfolio halten ohne die Zusammensetzung des Marktes zu verändern, das gilt für keine andere Gewichtung.
Unter der idealistischen und unrealistischen Annahme, dass der Markt vollständig effizient ist, also alle verfügbaren Informationen eingepreist sind, ist das Marktportfolio die neutrale Wahl. Rückwärts schauend lässt sich natürlich immer ein besseres Portfolio identifizieren, aber wenn der Markt effizient ist, dann kann man das nicht systematisch schon im Voraus tun. Ein effizienter Markt kann nicht systematisch geschlagen werden, sondern nur per Zufall.
Selbst in einem ineffizienten Markt ist das Marktportfolio eine gute Wahl, weil man damit trotzdem passiv an die Marktrendite kommt ohne die Kosten, die aktive Investoren haben um Markt-Ineffizienzen auszunutzen.

Es gibt evtl. einen guten Grund warum alle Investoren in Summe deutlich weniger Kapital in Schwellenland-Aktien investieren als in Industrieland-Aktien.
Vielleicht wird die zu erwartende Rendite nicht als hoch genug empfunden um das höhere Risiko zu rechtfertigen, der Grund könnte z.B. hierin liegen, dass das höhere Wirtschaftswachstum der Schwellenländer nicht beim Schwellenland-Aktionär ankommt wegen zu starker "share dilution":

Share Dilution in Emerging & Developed Markets


Gainde113 sagt am 23. Juni 2018

Kurze Frage, wie verhält sich die Assetklasse Aktien (global) im Vergleich zu Unternehmensanleihen global (Investement Grade)? Hat man langfristig mit Unternehmensanleihen eine niedrige Korrelation und Depotschwankungen?

Z. B. https://www.ishares.com/ch/privatkunden/de/produkte/251813/ishares-global-corporate-bond-ucits-etf

Für den risikoärmeren Portfolioteil machen für Schweizer Staatsanleihen zurzeit wenig Sinn, da negativ verzinst. Ausländische Anleihen sind dem Währungsrisiko ausgesetzt. Bin auf der Suche nach einer Alternative, um das Tagesgeld nicht versauern zu lassen. Aktuell möchte ich auch nicht zu 100% in Aktien investiert sein.


Marius sagt am 23. Juni 2018

@CarstenP

"Es gibt evtl. einen guten Grund warum alle Investoren in Summe deutlich weniger Kapital in Schwellenland-Aktien investieren als in Industrieland-Aktien."

Wie soll das gehen (gleich viel in EM und Industrieländer investieren) ohne dass die Kurse/Bewertungen der Schwellenländeraktien in die Höhe schießen? Es gibt dort halt weniger Aktien.

Kennt jemand den Grund warum in den letzten Jahren die EM schlechter performt haben? War es eine andere Branchengewichtung (zu viele Rohstoffaktien z. B.) oder eine ursprünglich zu hohe Bewertung oder was war der Grund?

Wie viele Aktien fliegen denn eigentlich bei den großen MSCI pro Jahr aus dem Index und werden durch neue ersetzt? Da muss doch dann ziemlich viel im ETF getradet werden, oder?

Wenn ich mir zum Beispiel den DAX selber baue und Beiersdorf wird im DAX gegen Wirecard ersetzt dann muss ich nicht nur Beiersdorf verkaufen und Wirecard kaufen sondern auch noch die Gewichtung der anderen 29 Aktien anpassen wenn nicht zufällig Wirecard und Beiersdorf die gleiche Marktkapitalisierung haben. Das wären beim DAX also 31 Trades. Bei einem Index mit 1600 Aktien dann 1601 Trades. Das kostet doch dann jedes mal Transaktionsgebühren, oder?


Ramstein sagt am 23. Juni 2018

Zur Korrelation: Ich beobachte (berechne) diese seit 2009 für die Assetklassen in meinem Depot.

Dabei ergeben sich zu meinem ETF-Weltdepot folgende Koeffizienten:

  • REXP: -0,29
  • HY-Anleihen: 0,6
  • DAX: 0,7
  • MSCI World ACWI IMI: 0,97

CarstenP sagt am 24. Juni 2018

@Marius

Wie soll das gehen (gleich viel in EM und Industrieländer investieren) ohne dass die Kurse/Bewertungen der Schwellenländeraktien in die Höhe schießen? Es gibt dort halt weniger Aktien.

Die Kurse der Schwellenland-Aktien müssen nicht zwangsläufig in die Höhe schießen, es könnten stattdessen auch die Kurse der Industrieland-Aktien einbrechen.
Die Anzahl der Aktien sagt alleine nichts aus, Marktkapitalisierung ist Anzahl der Aktien mal Preis pro Aktie. Wenn die Marktteilnehmer im Durchschnitt der Meinung wären, dass Schwellenland-Aktien wertvoller (größeres Gewinnwachstum) als Industrieland-Aktien sind, dann könnten sie diese Meinung über den Preis in die Marktkapitalisierung einfließen lassen.
Wie weiter oben schon erwähnt, ist "share dilution" eine Erklärung, warum da kein direkter Zusammenhang zwischen Schwellenland-Wirtschaftswachstum und Gewinnwachstum für den Schwellenland-Aktionär zu sein scheint.


einfacher Geist sagt am 16. August 2018

Bekomme ich ein 70 % MSCI World und 30 % MSCI Emerging Markets nicht auch ganz gut durch 100% MSCI ACWI bzw. MSCI ACWI IMI hin? Das sind doch im großen und ganzen dann die gleichen Aktien im Topf.

Finde den SPDR MSCI ACWI UCITS ETF (WKN A1JJTC) da eigentlich ganz interessant. 900 Mio Fondsgröße, 0,4% Kosten und laut justETF ist er auch Steuertransparent.

Was halten die Experten hier von dem ETF? Taugt der was?


ChrisS sagt am 17. August 2018

@ einfacher Geist

"Bekomme ich ein 70 % MSCI World und 30 % MSCI Emerging Markets nicht auch ganz gut durch 100% MSCI ACWI bzw. MSCI ACWI IMI hin? Das sind doch im großen und ganzen dann die gleichen Aktien im Topf."

Im ACWI (oder FTSE All-World, wer Vanguard will) sind die Industrie/Schwellenländer aktuell (per ihrer jeweiligen Marktkapitalisierung) eher so im Verhältnis 90/10 gemischt (und das verändert sich langfristig auch mit dem jeweiligen Wachstum der Regionen weiter).

Die "klassische" 70/30 Empfehlung kommt noch aus der Idee, die Regionen nach (ihrem Anteil am Welt-) BIP statt MK zu gewichten.

Ob die 20% Differenz in der Gewichtung jetzt so das langfristig kriegsentscheidende sind, tja, mir ist das relativ bolle, aber wer sich darüber ne eigene Meinung leisten kann, kann sie mit der Wahl der Variante ausdrücken.
Es gibt für beide Ansätze vernünftige und nachvollziehbare Argumente, deswegen wollen wir hier da meistens auch keine großartigen Grabenkämpfe darüber führen, beides ist ein gangbarer Weg und jeder Anleger kann/soll sich selbst raussuchen was ihn eher überzeugt, damit er langfristig dranbleiben kann beim investieren. :-)

"Was halten die Experten hier von dem ETF? Taugt der was?"

hat der Oberexperte schon einen Artikel geschrieben, der dir vielleicht helfen könnte

https://www.finanzwesir.com/blog/msci-acwi-imi-fm


Philip sagt am 24. August 2018

Lieber Finanzwesir,

nach intensiver Lektüre deines Buches und dem von Gerd Kommer habe ich mich auf diversen Websites weiter mit dem Thema Geldanlage auseinandergesetzt. Für mich steht inzwischen fest, dass ich für den risikobehafteten Teil ein Weltportfolio aufbauen werde.

Mir stellt sich eine Frage, die die Aufteilung auf den risikoarmen und den risikobehafteten Teil betrifft:

Wenn ich davon ausgehe, heute noch 25 Jahre als Angestellter mein Gehalt zu erwerben, kann ich mir gut vorstellen, 100 % auf den risikobehafteten Teil zu setzen.
Aber macht es nicht Sinn, auch für die Allokation auf risikoarm/risikobehaftet eine Regel festzusetzen, nach der ich Jahr für Jahr größere Anteile in der risikoarmen Anlageform anlege, um zu einem Zielzeitpunkt (z. B. 5 Jahre vor dem geplanten Ende der Festanstellung) eine Zielallokation (z.B. 50-50) zu erreichen?

Grundgedanke: heute kann ich große Kursschwankungen sehr gut ertragen, in 20 Jahren nicht mehr.

Beste Grüße,
Philip


Anfänger sagt am 08. September 2018

Reicht folgende Konstellation für eine Altersvorsorge aus?

  • 85% Vanguard FTSE Developed World (TER 0,18%, ausschüttend, physisch) => 226,60 EUR (Normales Depot bei der Consorsbank)
  • 15% iShares STOXX Europe 600 (TER 0,20%, ausschüttend, physisch) => 40,- EUR (VL-Depot bei ebase, Entgeltumwandlung inkl. Arbeitgebergeld: 6,65 EUR)

Ich stamme aus Ostdeutschland und verdiene nicht viel Geld (900 EUR netto), davon bezahle ich 235 EUR Miete und brauche 200 EUR pro Monat zum leben. Für mich habe ich dann noch 198,4 EUR übrig. Ich bin Single.


ChrisS sagt am 08. September 2018

@ Philip

"Aber macht es nicht Sinn, auch für die Allokation auf risikoarm/risikobehaftet eine Regel festzusetzen, nach der ich Jahr für Jahr größere Anteile in der risikoarmen Anlageform anlege, um zu einem Zielzeitpunkt (z. B. 5 Jahre vor dem geplanten Ende der Festanstellung) eine Zielallokation (z.B. 50-50) zu erreichen?"

Klar kann das Sinn machen, oder sagen wir mal andersrum, genau aus diesem Grund gibt es ja schon seit langem dazu bereits so bekannte und verbreitete Standardempfehlungen wie die Daumenregel "100 minus Lebensalter = Aktienquote" usw., um eben diesem Umstand der sich verändernden Risikotoleranzen gerecht zu werden.
Das ist also kein besonders neuer, unbekannter oder revolutionärer Gedanke, sondern hört/liest man eigentlich ziemlich oft zu diesem Thema.

Also, ob und wie (mit welcher Methode) du deine Allokation im Zeitverlauf anpassen willst, ist dir persönlich selbst überlassen. Du kannst dich ein bischen dazu einlesen, es gibt ja viele Vorgehensweisen dazu die von relativ simpel bis ziemlich komplex (pseudo-)optimiert reichen - damit kannst du, wenn es dir für's Wohlbefinden hilft, schon jetzt deine Investitionen für die nächsten 25 Jahre durchplanen, mehr oder weniger ;-)
Am Ende zählt eh nur eins, man muss sich die ganze Zeit dann auch konsequent dran gehalten haben.
Da sich die Menschen eigentlich zu sehr voneinander unterscheiden (also zB darin in welchem Alter sie jeweils welche Kursschwankungen ertragen können), halte ich da von pauschalen "one-size-fits-all"-Lösungen eigentlich recht wenig, oder starren Regeln für Jeden.
Es gibt Leute, die ertragen schon in jungen Jahren keine großen Kursschwankungen, und das ist genauso legitim wie es eben auch Leute gibt, die ebensogut noch im hohen Alter eine volle Aktienquote fahren können/wollen. Die Vielschichtigkeit solcher Themen haben der Finanzwesir und die Kommentatoren zB schon in Artikeln wie hier https://www.finanzwesir.com/blog/altersvorsorge-depot-entsparen diskutiert, vielleicht ist da ja auch was informatives für dich dabei :-)


ChrisS sagt am 09. September 2018

@ Anfänger

"Reicht folgende Konstellation für eine Altersvorsorge aus?"

Naja, die Frage ist ein bischen schwammig, bzw falschherum, gestellt.
Überleg dir lieber mal auf der anderen Seite, was "Altersvorsorge" für dich eigentlich konkret bedeutet - also zB in Euro-Beträgen, die du dann zur Verfügung haben möchtest.
Dann könntest du nämlich mit einem Abgleich der Ist-Soll-Projektion einigermaßen bestimmen, ob das was du tust schon "ausreichend" zur Zielerreichung ist oder nicht (aber dafür muss eben das Ziel erstmal konkreter definiert werden).

Der erste Knackpunkt wäre zB das 900€ Netto-Gehalt. Nun weiß ich ja nicht, wie lange du das schon verdienst, bzw wie lange noch, und ob sich das mal ändern wird, aber von diesem Lohn allein ist wohl eine staatl Rente auf Grundsicherungsniveau vorprogrammiert.
Von daher wäre der erste Ansatz, um auf eine "bessere Altersvorsorge" zu kommen, sich irgendwie mal um bessere Jobs zu kümmern - so blöd und trivial das auch klingt (brauchst mir also nicht erklären, warum das nicht geht, ich weiß).

Was die ETFs angeht, kann man so machen, sind ja klassische Standardindizes.
So Detailfragen wie "warum nicht einfach FTSE All-World statt nur Developed World?" oder "was soll noch die nebensächliche Europa-Übergewichtung?" könnte man diskutieren, die sind aber nicht das langfristig wirklich Kriegsentscheidende bei der allgemeinen Altersvorsorge, sondern nur noch Excelfurzereien an der Nachkommastelle.

Wie gesagt, um mal die schwammige "reicht das?"-Frage etwas zu konkretisieren, kannst du ja mal für dich selbst die Übung machen, das ganze ein bischen zuende zu rechnen. Geh zB auf https://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php
Bei "Anfangskapital" trägst du ein, wieviel schon in die ETFs bis jetzt investiert ist, bei "Sparrate" deine weiteren monatlichen Neueinzahlungen.
Beim "Zinssatz" unterstellen wir mal die langfristige/durchschnittliche Nettorendite des Weltaktienmarktes von ugf 5 oder 6 Prozent, und bei der "Ansparzeit" gibst du halt an wie lange du noch so weitersparen willst bzw wieviele Jahre bis du dann mal zum Entnehmen kommst. So und nach dem Klick auf "Berechnen" steht dann irgendein Endbetrag im Raum.
Da ich einige deiner genauen Parameter nicht kenne (dein Alter bzw deine Ansparzeit, dein bereits investiertes Depotvolumen, etc.) weiß ich auch nicht wie groß oder klein das Endkapital ist, aber es reicht ja wenn du allein es siehst, denn nur du allein musst dann auch bewerten, ob das viel oder wenig ist, also für eine "ausreichende Altersvorsorge" in deinem individuellen Fall reicht. :-)


42sucht21 sagt am 09. September 2018

@Anfänger
Etwas zu sparen ist immer gut. Nach meiner Meinung ist aber ihre Sparrate viel zu hoch für 940€ Einkommen. Sie müssen ja neben dem sparen fürs Alter auch noch jetzt leben.

Verwenden Sie ihr Geld und Zeit für die Bildung ihres Humankapitals und ihrer berufliche Zukunft. Arbeiten Sie darauf hin das doppelte oder besser das 3-fache netto zu verdienen und erhöhen Sie dann die Sparrate successive. Bis dahin ist 1 ETF ausreichend. Welcher der großen, diversifizierten Indices ist eigentlich egal.
(In der Annahme, dass Sie relativ jung sind, kein weiteres Vermögen haben, und aktuell keine große Erbschaften oder ihr Hochschulabschluss oder die Heirat in Zugewinngemeinschaft mit einem / einer Millionär/in ansstehen o.ä..)


Anton sagt am 09. September 2018

@Anfänger

Für den Anfang ist das schon mal sehr gut! Wenn dein Portfolio etwas grösser geworden ist und du etwas mehr verdienst, könntest du noch "Emerging Markets" dazunehmen.

Standardmischungen sind ja bekanntlich:

  • 1 ETF: MSCI World oder FTSE Developed World --> ohne Emerging Markets
  • 1 ETF: MSCI ACWI oder FTSE All-World --> mit Emerging Markets
  • 2 ETFs: World (70%) und Emerging Markets (30%)
  • 3 ETFs: World (50%), Emerging Markets (30%) und Europe (20%)
  • 4 ETFs: North America (30%), Emerging Markets (30%), Europe (30%), Pacific (= Japan, Australien, Neuseeland) 10%

Eurologe sagt am 09. September 2018

@Anfänger:
Mache ich ähnlich: 80% Vanguard FTSE All World (einschl. Schwellenländer) und 20% iShares STOXX Europe 600.


Pierre Weikamp sagt am 09. September 2018

@Anfänger:
Deine Entscheidung ungefähr 28% deines Einkommens zu sparen ist schon mal sehr lobenswert.

  • Von welchem Zeitraum sprechen wir, bis du deine Altersvorsorge in Anspruch nehmen möchtest?
  • Soll der Sparbetrag deine Einkommenslücke vollständig füllen?

Darf ich fragen warum du ausschüttende ETFs gewählt hast? Für das dauerhafte Sparen ist thesaurierend etwas einfacher. Verloren geht dir aber bei beiden Varianten kein Geld, also keine Sorge.

  • Ausschüttend = Erträge werden dir auf dein Konto gutgeschrieben.
  • Thesaurierend = Erträge werden direkt wieder in den ETF reinvestiert.

Schönen Gruß,
Pierre


Nostradamus sagt am 10. September 2018

@Anfänger: Respekt für deine hohe Sparquote trotz niedrigem Gehalt! Sieht für mich solide aus. Die VL hätte ich wohl noch eher in Emerging Markets gesteckt (wenn das geht). Wie lange hast du denn noch bis zur Rente?


Mr. Wolf sagt am 10. September 2018

@ Anfänger

Der Vanguard FTSE hat bei mir im Laufe des Jahres so um die 3,5% Plus gemacht. Ich mag den ;)
Stoxx 600 lief nicht so doll, aber da fließt ja auch nicht so viel Geld rein.
Ich finde die Kombi ganz gut (wenngleich der Stoxx 600 zwar ganz nett ist, (home-bias und so) aber nicht unbedingt sein müsste).

Wie genau das in der Zukunft läuft, kann man natürlich nicht sagen. Auf jeden Fall ist es gut anzufangen. Viel Erfolg!


Grimmelshausen sagt am 16. September 2018

@ Finanzwesir

Wie sieht es eigentlich mit Gold als risikoarmer Bestandteil des Portfolios?

Bevor wir das Geld als Festgeld (zu 0% Zinsen) anlegen wäre es doch besser, reales Gold zu erwerben. Bis 10.000 EUR völlig anonym und auch steuerfrei. Und nach dem Crash des EURO (oder einer erzwungenen Währungsreform), tauschen wir das Geld ohne großen Verlust um in die neue Währung (Neu-EURO oder Neu-Deutschmark).

Wichtig ist nach meinem Ermessen nur, dass der Kauf anonym erfolgt und das Gold sicher (ohne Bankschließfach) verwahrt wird.


Anfänger sagt am 17. September 2018

@ChrisS:
Ehrlich gesagt weiß ich nicht welche Euro-Beträge ich zur Verfügung haben möchte, ich möchte einfach nur irgendwie überleben. Ich habe einige Artikel des Finanzwesirs gelesen, ebenso Gerd Kommer und ein Buch vom John Bogle.
Von denen weiß ich, dass niemand sagen kann welche Rendite in der Zukunft im Aktienmarkt liegt, daher wäre doch jede Annahme darüber oder das Festlegen eines Zielbetrages faktisch falsch, oder nicht?

Bessere Jobs kriege ich nicht, ich habe nur einen Realschulabschluss mit 3,9 und eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung mit 3,2 abgeschlossen.
Das ich den 900-Nettoeuro-Job bekommen habe war schon ein Glücksgriff. Ich habe über die letzten 3 Monate 500 Bewerbungen geschrieben, es ist aussichtslos. Das Geld verdiene ich seit 3 Jahren. Ich bin jetzt 31 Jahre alt und wohne in Gera, Thüringen.

@42sucht21:
Das mit dem jetzt Leben kriege ich nicht hin, dafür reicht das Geld einfach nicht und an mehr komme ich nicht. Wenn ich mir über die ETFs zumindest soviel zusammen sparen kann damit ich im Alter meine Medikamente bezahlen und relativ schmerzfrei leben kann, dann soll mir das reichen. Was ist Humankapital?

@Pierre Weikamp:
Naja so früh wie möglich, damit ich nicht mehr arbeiten gehen muss.
Wie hoch ist meine Einkommenslücke?
Vanguard sind die Guten weil die, die Philosophie haben sich nur das zunehmen was sie zum Leben brauchen und alle Vorteile darüber hinaus an den Kunden weiterreichen, während die anderen Banken nur auf Profit aus sind.
Darum ist es ein Vanguard geworden. Die haben keine Thesaurierer, darum der Ausschütter. Der iShares dazu gemixt für den Fall das Vanguard pleite geht, damit wenigstens ein bisschen was übrig bleibt. Anbieterdiversifikation nennt sich das glaube ich.

@Nostradamus:
Die Emerging Markets wollte ich nicht, da ich nicht weiß was da mit dem Klimawandel auf die zurollt. China & Co. erwirtschaften ihr Renditeplus auf Kosten der Umwelt. Wenn die mal gezwungen sind mit ihrem Geld etwas für die Umwelt zutun dann sausen die Kurse mit Sicherheit in den Keller. Die Industrienationen sind da besser abgesichert, glaube ich zumindest. Ich habe noch 36 Jahre bis zur Rente (mit 67).

@Mr. Wolf:
Ich schwanke immer noch zwischen STOXX 600 Europe und Euro STOXX, also zwischen Europa und dem Euroraum. Die Franzosen, die Spanier und Engländer brauche ich nicht unbedingt, aber ich will eben nicht auf die Schweiz und die Skandinavier verzichten. Gibt es einen ETF der Europa so ähnlich wie folgt gewichtet?

  • 30% Deutschland (CDAX, alternativ HDAX, mindestens MDAX)
  • 42,5% Skandinavien (30% Norwegen, 40% Schweden, 20% Dänemark, 10% Finnland) - MSCI Nordic
  • 10% Niederlande - MSCI Netherlands
  • 7,5% Schweiz - MSCI Switzerland
  • 5% Österreich - MSCI Austria
  • 2,5% Belgien - MSCI Belgium
  • 2,5% Luxemburg - MSCI Luxembourg

7 Einzel-ETFs nur für Europa sind mir einfach zuviel. Andersherum will ich auch nicht alles nur auf ein Land wie Deutschland setzen.


Schwachzocker sagt am 19. September 2018

@Anfänger

Bei Deinem Gehalt eine Aktienanlage zu starten, ist der nackte Wahnsinn. Dann aber noch zu überlegen, wer die Guten und wer die Bösen sind und sich in Spekulationen über den Klimawandel zu verlieren, ist einfach nur Irre.
Du landest in der Sozialhilfe. Alles, was Du heute sparst, kann später eventuell mit staatlichen Hilfen verrechnet werden. Der Staat wird sich freuen, wenn er Dir weniger bezahlen muss, weil Du ja etwas vorgesorgt hast.

Für Dich gibt es nur eines: mehr Bildung, höhere Abschlüsse, Umschulung, neue Ausbildung, neuer Job, eventuell Nebenjob, wahrscheinlich auch Ortswechsel
Das nennt man Humankapital.

Ich habe auch nicht mehr wie mittlere Reife und komme auf 3000 Netto.


Schwachzocker sagt am 19. September 2018

@Grimmelshausen

"Wie sieht es eigentlich mit Gold als risikoarmer Bestandteil des Portfolios?"

Schlecht! Hast Du Dir die Schwankungen schon einmal angesehen?

"Bevor wir das Geld als Festgeld (zu 0% Zinsen) anlegen wäre es doch besser, reales Gold zu erwerben. Bis 10.000 EUR völlig anonym und auch steuerfrei. Und nach dem Crash des EURO (oder einer erzwungenen Währungsreform), tauschen wir das Geld ohne großen Verlust um in die neue Währung (Neu-EURO oder Neu-Deutschmark)."

Das ist eine wilde und riskante Spekulation, die nichts mit "sicher" zu tun hat.


Leser sagt am 19. September 2018

@ Anfänger:

Gera, Thüringen.

Ist der 900€-Netto-Job als Anwendungsentwickler?
Dann stimmt was nicht, Programmierer werden händeringend gesucht. Ob es an Thüringen (Umzug?), deinen spezifischen Programmiersprachenkenntnissen oder an etwas anderem liegt, weiss ich nicht. Ich will damit nicht sagen, dass du auf jeden Fall Silicon-Valley-Gehälter erreichen kannst, aber 1200€ brutto als FiAe in Vollzeit ist nicht das Maximum.

Was ist Humankapital?

Der Wert deiner Arbeitskraft. Du bildest dich fort? Lernst neue, Programmiersprachen?

Vanguard sind die Guten weil die, die Philosophie haben sich nur das zunehmen was sie zum Leben brauchen und alle Vorteile darüber hinaus an den Kunden weiterreichen, während die anderen Banken nur auf Profit aus sind.

Ja, die Struktur der Mutterfirma in den USA ist genossenschaftsähnlich. Aber ich glaube, du versprichst dir für deine Zwecke zuviel davon.

Der iShares dazu gemixt für den Fall das Vanguard pleite geht, damit wenigstens ein bisschen was übrig bleibt. Anbieterdiversifikation nennt sich das glaube ich.

ETFs sind doch Sondervermögen. Hast du dich ein bisschen mit dem Thema Indexfonds beschäftigt, bevor du investiert hast?


slowroller sagt am 19. September 2018

@Anfänger: Bitte nimm mir das nicht übel, aber ich denke du willst uns ein wenig trollen - zumindest sind deine Angaben nicht plausibel.

  1. 900€ netto sind bei einer Vollzeitbeschäftigung deutlich unter Mindestlohn. Das hieße, dass du nur Teilzeit arbeitest, zumindest das könntest du angehen, falls es wirklich stimmt.
  2. 500 Bewerbungen in 3 Monaten? Wirklich? 6 Bewerbungen am Tag, auch an Samstagen/Sonntagen? Und das offensichtlich nur in Gera, da du ein wenig weiter nördlich oder westlich wohl sicher etwas finden würdest?

Ich sehe da jetzt aber mal drüber hinweg und hoffe auf ein Missverständnis (was ich aber nicht wirklich glauben kann ;-) )

Humankapital ist deine Arbeitskraft, dieses lässt sich steigern durch (Weiter-)Bildung, Gesundheitsbewußtsein, Auftreten...
Gerade als fertig ausgebildeter Informatiker gibt es hunderte Möglichkeiten seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt massiv zu erhöhen - wir leben in einer Zeit, wo ständig neue Aspekte der Digitalisierung auftauchen, das Wissen im Grunde frei verfügbar ist und man spätestens dann deutlich nachgefragt wird.
Wenn du wirklich Kommer und Bogle gelesen hast (und zumindest zum Teil verstanden), dann hast du deutlich das Zeug dich auch in gefragte Sachverhalte einzuarbeiten.
Dazu kann man natürlich auch an der eigenen Mobilität arbeiten. Selbst wenn du nicht weit weg willst (z.B. wegen Familie oder dem Angelverein), liegt Leipzig gleich um die Ecke.
Spätestens im Frankenland (Nürnberg/Erlangen/Fürth) solltest du etwas finden, das ist eine prima Entfernung um am Wochenende zu pendeln (wenn du deinen Angelverein so magst).
Und wenn es in deinem Beruf nicht klappt, dann bleibt der Weg in eine andere Branche - einen Job zu Mindestlohn in Vollzeit (ca +250€) findest du irgendwo IMMER.
Findest du es nicht deprimierend als junger Mensch von wenig Geld noch so viel zurückzulegen, damit du im Alter zumindest die Medikamente zahlen kannst?

Falls du zu allem sagst: Komm, scher dich, es ist so wie es ist, würde ich dir raten: spar dir ein Paar tausend Euro als eiserne Reserve an und geh vom Rest 5 mal im Monat lecker essen. Deine Ersparnisse nimmt dir das Sozialamt so oder so weg...


ChrisS sagt am 19. September 2018

@ Anfänger:

"Ehrlich gesagt weiß ich nicht welche Euro-Beträge ich zur Verfügung haben möchte, ich möchte einfach nur irgendwie überleben."

Das solltest du aber wissen, denn sonst können wir nur irgendwie schwammig im Nebel rumstochern. Das nützt uns nix, weil wir wenig sagen können, und das nützt dir nix weil du nie weißt ob du bei der Erreichung deiner Ziele auf Kurs bist oder nicht.

Du musst es ja nicht bis auf den letzten Centbetrag spezifizieren können, aber zumindest mal grobe Größenordnungen sollten drinne sein. Mal nur als Beispiel, ich habe Bekannte für die "(gut) leben" zB ein Monatseinkommen von nur 500€ bedeutet, weil sie eben einen sehr sparsamen studentischen Lebensstil ohne größere Ansprüche haben. Demgegenüber habe ich auch andere Bekannte, für die wäre alles unter zB 2500€ im Monat schon menschenunwürdig.
Es kommt halt auf dich selbst und deinen individuellen Typ an - welche (wie gesagt, ungefähre) Ausgabenhöhe du fürs erträgliche "leben" meinst brauchen zu werden, und demnach eben auch wie die "Altersvorsorge" (mit dem man dieses Ziel dann erreichen kann) aussieht.

"Von denen weiß ich, dass niemand sagen kann welche Rendite in der Zukunft im Aktienmarkt liegt, daher wäre doch jede Annahme darüber oder das Festlegen eines Zielbetrages faktisch falsch, oder nicht?"

Jein. Natürlich gibt es Einschränkungen beim Annehmen über Renditen etc, aber was wir einigermaßen seriös machen dürfen, ist aus langfristiger Historie grobe Schätzwerte für langfristige Zukünfte ableiten zu können (dabei natürlich nie vergessen, dass es nur grobe Schätzwerte, also Orientierungspunkte statt Garantien sind).
Zum Beispiel können wir aus der Historie so berechtigte Annahmen (wie gesagt, keine Garantien) wie etwa "die langfristige (wir reden hier von vielen Jahrzehnten) Durchschnittsrendite des Weltaktienmarktes liegt bei ungefähr 6%" o.ä. ableiten.
Es ist nicht unseriös, damit zu rechnen, auch wenn man natürlich noch nicht genau vorher weiß ob in weiteren 50 Jahren die Rendite nun eher bei 5% oder bei 7% liegen wird, etc. Ein bischen Streuung um den Mittelwert wird es immer geben.

"Bessere Jobs kriege ich nicht..."

Wie gesagt, brauchst du mir nicht erzählen. Ich kenn das alles und komm auch aus derselben Ecke (bzw ne halbe Autostunde entfernt).
Ich wollte dir nur die triviale Erkenntnis vorwegnehmen, dass eine "Steigerung deines Einkommens" (wie und woher du es auch immer generierst) im Prinzip erstmal die direkteste Möglichkeit zu einer "besseren Altersvorsorge" mal später ist.
Nicht nur per höherer staatl. Rente, sondern auch weil du dann mehr Geld zum eigenen Investieren zur Verfügung hast.

"Was ist Humankapital?"

Ist das Gegenteil von Finanzkapital. Grob gesagt besteht das Finanzkapital aus allem was du so in der Brieftasche, auf dem Bankkonto, im Depot oder sonstwie an Vermögenswerten hast. "Humankapital" ist nun das was du zwischen den Ohren, in den Armen, und wenn man noch Beziehungen mit dazuzählt in deinem Adressbuch so alles hast. Also deine Fähigkeiten, Wissen, Arbeitskräfte, Kreativität, Qualifikationen, Netzwerke, etc.

Ist ein ziemlich nützlicher Begriff, auch wenn er für manche eher ein Unwort ist (weil es tendenziell die Humanität entmenschlicht und dem reinen wirtschaftlichen Nutzen unterwirft).

"Die Emerging Markets wollte ich nicht, da ich nicht weiß was da mit dem Klimawandel auf die zurollt. China & Co. erwirtschaften ihr Renditeplus auf Kosten der Umwelt. Wenn die mal gezwungen sind mit ihrem Geld etwas für die Umwelt zutun dann sausen die Kurse mit Sicherheit in den Keller."

Das siehst du zu einseitig. Zwischen den Extremen "Megarenditen auf Kosten der Umwelt" und "Umweltkosten führen zum Crash" gibt es ja noch die viel wahrscheinlichere Normalität - nämlich das die steigenden Umweltkosten halt die hohen Renditen etwas senken, aber doch nicht gleich automatisch zu einem simplen großen Crash führen müssen.
Dann sind halt statt zB 8% langfristiger EM-Rendite in der Vergangenheit vielleicht nur noch 6% oder so für die Zukunft drin, das ist auch okay und kein Weltuntergang.
Der "Übergang" von umweltschädlicher Aufbauwirtschaft zu umweltfreundlicher gesättigter Wirtschaft hat ja auch bei uns Industrieländern relativ funktioniert ohne jetzt große ewige Crashs auszulösen (oder sagen wir mal andersherum, die Börsencrashs dir wir hatten, lagen nicht an der Umwelt), und die Schwellenländer haben zumindest den Vorteil dass sie als "Nachahmer" auf unsere Erfahrungen dabei aufbauen können und auf höherem technischen Niveau als wir einsteigen.

"Gibt es einen ETF der Europa so ähnlich wie folgt gewichtet?"

Äh nein ich glaub nicht, oder mir ist zumindest kein Europa-ETF bekannt in dem die Skandis zB >40% bekämen ... warum überhaupt? Also auf welchen wirtschaftlichen Kenngrößen fußt diese Gewichtung? Meistens wird nach Marktkapitalisierung gewichtet, da gibts halt relativ wenig Wunschkonzert.

"Ich schwanke immer noch zwischen STOXX 600 Europe und Euro STOXX, also zwischen Europa und dem Euroraum. "

Deine Prioritätensetzung ist ein bischen falschrum.
Du willst dir jetzt schon auf die Nachkommastelle genau überlegen, wie du so Länder wie Belgien und Luxemburg gewichten willst (!!?), aber das wird später auf deinen Anlageerfolg/Endkapitalwert nach 30-40 Jahren investiertsein eigentlich überhaupt keine Relevanz/Einfluss/Wichtigkeit haben, bzw da sind andere grundlegendere Dinge erstmal viel wichtiger.
Kriegsentscheidend ist das alles nicht. Such dir einfach eine simple Lösung (1 = ACWI / All-World, 2 = dev World / EM, oder Regionensplit), steck da immer regelmäßig deine Raten rein (und versuch die vllt auch mal zu steigern, zB indem du mehr verdienst, haja das doofe Arbeitsthema wieder), der Rest kommt über die Zeit schon von ganz allein :-)


BigMac sagt am 19. September 2018

@Grimmelshausen:

Wie kommst du zu der Erkenntnis, dass Gold risikoarm ist? Wie definierst du risikoarm? IMHO ist Gold vieles nicht und vor allem nicht risikoarm.

@Anfänger:

Ehrlich gesagt weiß ich nicht welche Euro-Beträge ich zur Verfügung haben möchte

Plattitüden, aber wahr: Wer Wünsche hat, hat auch Ziele. Und ein Ziel ohne einen Plan bleibt ein unerfüllter Wunsch.


Anfänger sagt am 20. September 2018

@Schwachzocker: Mit 31 eine neue Ausbildung beginnen?
Vergiss es, kein deutscher Arbeitgeber lässt so etwas zu. Wenn du nicht blutjung bist, dann hast du bei sowas keine Chance mehr.
Altersdiskriminierung nennt sich das. Deswegen hat man das ja auch ins Grundgesetz geschrieben: Weil sich keiner dran hält, insbesondere die Arbeitgeber nicht. Meine einzige Alternative zu meinem jetzigen Job ist die Sozialhilfe, mehr nicht.

Was zum Teufel hast du gemacht, dass du auf 3000 EUR netto mit Realschulabschluss kommst? Sowas schaffst du nur entweder als Profisportler wie Fussballer oder wenn du Drogen, Waffen und ähnliches handelst.
Das ist eine absolut illusorische und völlig realitätsferne Summe für einen Realschüler. Bei 3000 EUR BRUTTO hätte ich ja noch gesagt ok, das ist eben ein Wessi aus gehobenen Verhältnissen mit genug Vitamin B, aber netto?
NETTO? Meine Eltern sind fast 60 und bekommen ZUSAMMEN 2400 EUR netto!
Um hier Missverständnissen aus dem Weg zu gehen: Netto ist das Gehalt NACH Abzug von Steuern und Sozialversicherung. Brutto ist das Gehalt OHNE Abzug von Steuern und Sozialversicherung. Du meinst doch bestimmt brutto? Also du verdienst als Realschüler 3000,- EUR BRUTTO, oder?

@Leser: Naja, ich habe in dieser Firma eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung absolviert und wurde danach übernommen. Ich mache noch genau das selbe wie zu Ausbildungszeiten also nehme ich mal an, das ich als Anwendungsentwickler eingestellt bin.

Fortbilden musste ich mich bisher nicht, mir wurde gesagt was ich wie zu machen habe und das mache ich eben. Also du meinst aber nicht, dass die Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung eine Fortbildung ist, oder? Falls ja habe ich die halt gemacht. Als Programmiersprachen beherrsche ich HTML und SGML. Ich mache auch ab und zu XML, aber nicht all zu oft.

Na ich habe halt Bücher von Kommer und Bogle gelesen und Artikel von dem finanzwesir. Ich weiß das man sich ein Weltportfolio aufbauen soll und nicht auf Branchen oder Markettiming setzen soll.
Deswegen wollte ich in den Developed World von Vanguard monatl. was einzahlen. Investiert habe ich noch gar nichts, ich wollte ja erstmal wissen ob der Plan mit dem Vanguard- und dem iShares-ETF so ok ist.

@slowroller: Da muss ich dich leider enttäuschen, ich habe nicht die Absicht jemanden zu trollen. Ich wollte nur wissen ob mein Sparplan so ok geht, aber ihr hier wühlt wieder alte Wunden auf die ich am liebsten begraben lassen würde.

Zu 1.) Mein Ausbildungsbetrieb hat mir gesagt, dass ich in der Ausbildung so schlecht gewesen bin dass die mir nicht mehr zahlen können als das wo am Ende ca. 900 EUR netto rauskommen. Da ich keine Alternative zu dem Betrieb habe und nun mal gezwungen bin Geld zu verdienen bin ich nunmal in dem Betrieb geblieben. Mein Arbeitsvertrag enthält eine Klausel in welcher drinnen steht, das wir uns einvernehmlich auf dieses Gehalt geeinigt haben und ich von gerichtlichen Maßnahmen absehe.

Zu 2.) Ich habe nochmal nachgesehen, es sind 483 Bewerbungen. Juni: 143, Juli: 167, August: 152, September: 21. Sry, es sind nicht ganz 500 ich hatte die Zahl nicht genau im Kopf ich habe nur grob überschlagen aufgrund der Anzahl der Bewerbungen auf der ersten Seite meiner Strichliste.
Die meisten davon habe ich am Samstag/Sonntag geschrieben, unter der Woche weniger. Ich habe an den Wochenenden nicht viel Freizeit gehabt und oft bis spät in die Nacht hinein daran gesessen, falls du darauf hinaus willst.

Naja, ich bewerbe mich nicht bundesweit und will schon in der Region bleiben, damit meine Eltern Hilfe für ihre Gartenarbeit haben, da sie doch nicht mehr die Jüngsten sind. Meine Noten sind halt scheiße und deswegen finde ich nichts.

Ich habe versucht mich da reinzuarbeiten und herausgekommen ist am Ende die ETF-Kombi die ich genannt hatte. Ich wollte das eben nochmal von den Profis hier bestätigt haben, dass es kein Unsinn ist, den ich da zusammengewürfelt habe, denn für mich geht es dabei um viel Geld.

Findest du es nicht deprimierend als junger Mensch von wenig Geld noch so viel zurückzulegen, damit du im Alter zumindest die Medikamente zahlen kannst?

Machst du dich über mich lustig? Ich habe mir mein Leben nicht ausgesucht!
Ich habe nie, noch absolut niemals in meinem gesamten Leben bis jetzt soviel Geld gehabt, dass ich mir jemals die Frage gestellt habe ob ich mehr haben kann als es minimal notwendig ist um zu überleben.
Das Aktiensparen mache ich auch nur für mein Alter, da ich sehe wie meine Eltern zu kämpfen haben um überhaupt über die Runden zu kommen. Die hatten früher auch nie das Geld um irgendwas zurückzulegen.
Um deine Frage zu beantworten: Ja, freilich ist es deprimierend, aber bitte was soll dazu die Alternative sein? Kein Arbeitgeber auf diesem Planeten wird mehr als das zahlen was sie minimal zu zahlen gezwungen sind.
Würden sie das tun, würden sie reihenweise Pleite gehen. Deswegen wird ja unser Niedriglohnsektor immer größer. Mein Arbeitgeber will sich für mich ja nicht mal den Mindestlohn leisten. Mangels Alternativen muss ich mich damit zufrieden geben.

Dann wird es mir im Alter genau so schlecht gehen wie das meinen Eltern in den nächsten 20 Jahren bevorsteht. Davon wollte ich ja eigentlich weg, deswegen die Idee mit den Aktien/ETFs.

@ChrisS: Dann gehe ich von 900 EUR netto aus, das ist das womit ich im Moment über die Runden komme. Was muss ich machen, damit ich nach Renteneinstieg 900 EUR netto bekomme?

Die Gewichtung möchte ich so ähnlich haben weil die Engländer sehr entscheidungsfreudig sind und heute mal sich zu den USA bekennen, morgen vielleicht Europa und bei denen die arrogante Mentalität vorherrscht "Die da drüben vom Festland", die Franzosen gerne auf die Nase und weniger auf die Leistung bei Einstellungsprozessen achten und die Spanier es mit ihrer Siesta doch recht gemütlich angehen.
Europa ist viergeteilt: Die Arbeits- und Strebsamen (Deutschland, Niederlande, Skandinavien, Schweiz, Österreich, Luxemburg), die Gutsituiert-Gemütlichen (Frankreich, England), die Nichtsogutsituiert-Gemütlichen (Spanien, Portugal, Süditalien) und dann noch unsere Freunde aus dem Osten (Russland, Weißrussland, Ukraine).
Wenn es um Kapitalanlagen auf Basis der Arbeitskraft geht, was Aktien ja sind, dann favorisiere ich hierbei die Strebsamen. Die anderen Länder dürfen zwecks Diversifikation sehr gern auch dabei sein, aber bitte nicht ganz so präsent.
80% Strebsamkeit und 20% Gemütlichkeit sind auch ok. Bei den ETFs die ich so finde sind es meist immer 55% Gemütlichkeit und 45% Strebsamkeit.
Dabei spielt es keine Rolle ob man UK mit ex UK eliminiert.
Das verteilt sich dann auf Frankreich, Spanien und den Rest. Achja und die Skandinavier werden den Klimawandel mit am Besten überleben zusammen mit Neuseeland, nur sind die Skandis zusammen wirtschaftlich deutlich stärker als der kleine Inselstaat.

Wenn ich den All-World nehme, habe ich weniger Länder drinnen als wenn ich den Developed World + Emerging Markets nehme. Heißt, dass der 70% World + 30% EM sind hier aufgrund der breiteren Diversifikation besser? Ich habe mir auch schon überlegt anstatt World+EU+EM sowas wie Word+World Value+World Small Caps zu nehmen.
Laufen beide Kombinationen nach 30-40 Jahren auf die selbe Rendite hinaus? Der Finanzwesir hat mal einen Artikel geschrieben mit einem ETF-Mix 9 aus USA, EUR, Value und Small Caps, welcher der Bestperformende war aber aus 8 ETFs bestand.
Meine Idee: Anstatt 8 ETFs, einfach 3 ETFs in der Kombi World + World Value + World Small Caps. Wenn es nach deiner Aussage keine relevanten Unterschiede gibt wie man gewichtet, dann kann man ja gleich die Kommer-Strategie (Smart Beta, Multifaktor) zu Finanzwesirkonditionen (So einfach wie möglich) fahren, oder?

Oder sollte ich zu meinem rein privaten Developed World noch einen MSCI World für mein VL-Depot anstatt des STOXX Europe 600 nehmen?
Ich kann leider nicht mehr umwandeln als 40 EUR pro Monat und meine VL auch nicht auf mein privates Depot eingezahlt bekommen, deswegen muss ich zwangsläufig zweigleisig fahren.

@BigMac: Nur sind es keine Wünsche wie ein Schloss, einen fetten Audi oder Urlaub auf den Malediven, sondern nacktes Überleben. Das ist kein Wunsch sondern bittere Realität.


Schnapp-Lurch sagt am 20. September 2018

BigMac

Ehrlich gesagt weiß ich nicht welche Euro-Beträge ich zur Verfügung haben möchte

Plattitüden, aber wahr: Wer Wünsche hat, hat auch Ziele. Und ein Ziel ohne einen Plan bleibt ein unerfüllter Wunsch.

Das sehe ich etwas anders. Ich weiß auch nicht, welche Euro-Beträge ich später zur Verfügung haben möchte (nur dass).
Ich glaube aber zu wissen, dass ich mit meiner Sparquote ganz ordentlich aufgestellt bin, ich sehr sicher im Leben stehe und dass später auch ohne der frühzeitigen finanziellen Freiheit ein 'ordentliches' Sümmchen bei raus kommt.
Ich muss doch nicht wissen, welche Beträge ich mit 60 oder 65 erreichen will,- ich darf halt nicht den Weg aus den Augen verlieren und frühzeitig alles auf den Kopf hauen.


BigMac sagt am 21. September 2018

@Anfänger:

Der Typ, der mir gegenüber sitzt, hat nur einen Hauptschulabschluß. Ausbildung als Maler. Er ist mein und der Chef von fast 30 Mitarbeitern in einer IT-Abteilung eines 25.000-Personen-Konzern. Brutto-Einkommen p.a. ca. 125.000 Euro plus Boni. Da bleibt auch bei Stkl. 1 mehr 3.000 Euro netto p.m..

Sorry, aber auch ich glaube wenig von dem, was du hier schreibst.

@Schnapp-Lurch:

ich darf halt nicht den Weg aus den Augen verlieren

Genau das nennt man "den Plan einhalten". Ob das Ziel besser präzise oder vage beschrieben wird, ist m.E. "Mentalitäts-abhägig".


Anfänger sagt am 21. September 2018

@BigMac:

Sorry, aber auch ich glaube wenig von dem, was du hier schreibst.

Ich schätze das kann ich wohl nicht erzwingen und das will ich auch garnicht. Aber ich kann dir sagen, dass ich dir gegenüber auch so meine Zweifel hege: Ein Hauptschüler mit 125.000 EUR Jahresgehalt vor Steuern... wenn das wirklich stimmen sollte, wozu sollte man dann heutzutage überhaupt noch studieren gehen?
Wahrscheinlich verdient man ohne Schulabschluss noch wesentlich mehr :-D

Du arbeitest doch bestimmt bei Apple, Google, Siemens, der Allianz oder in der Schweiz.
Frag den mal wen er wie hoch bestechen musste um an die Stelle zu kommen. Wem oder was auch immer er das zu verdanken hat, auf legalem Weg ist der nicht dahin gekommen wo er ist, vorausgesetzt was du hier geschrieben hast stimmt auch wirklich.

Ich kann dir auch noch was erzählen: Ich kenne jemanden persönlich der arbeitet in einer Drecksbude nach Leistungsakkord.
Der geht mit 735 EUR netto nach Hause, wenn er sein normales Pensum schafft.
Wenn er krank wird, sieht der keinen Cent von seinem Arbeitgeber. Der ist jetzt 56 Jahre alt und zählt die Tage bis zur Rente. Er beschreibt das immer als seine "Errettung" oder "Erlösung". Ich habe ihm auch gesagt, dass er sich was anderes suchen soll, aber er findet einfach nichts. Das ist auch in Thüringen, Umfeld Gera.

Ich kenne einen Juristen mit 2. Staatsexamen, der arbeitet in einer Kanzlei im südlichen Teil von Sachsen-Anhalt, der bekommt 1050 EUR netto, für 7 Jahre Studium, 2 Jahre Referendariat und 1. wie 2. Staatsexamen!
Als er nach mehr verlangte sagte man ihm, dass er MINDESTENS das dreifache von dem erwirtschaften muss, was er selber BRUTTO verdienen möchte. Der Hauptschülerleiter müsste demnach MINDESTENS 375.000 EUR der Firma pro Jahr einbringen, besser 500.000 EUR um auch die Betriebs- und Personalverwaltungskosten zu decken, die er ganz allein für sich kostet.

Einer meiner Chefs in Gera hat mir mal ernsthaft gesagt, dass wir als Arbeitnehmer eigentlich ihm etwas dafür bezahlen sollten, dass wir bei ihm arbeiten DÜRFEN!

Ich schwöre bei allem was mir heilig ist auf dieser Erde, in diesem Leben und jedem das darauf folgt: Nicht ein einziges Wort von dem was ich hier schrieb ist gelogen!


slowroller sagt am 21. September 2018

@Anfänger:

Wenn du noch ein bisschen weiter hier im Blog liest, dann wirst du auch eine der Key-Messages des Wesirs lesen: Bevor du an deinen Anlagen schraubst, schraub an deinen Einnahmen.

Du sagst, dass du dir dein Leben nicht aussuchen könntest?
Wer denn sonst?
Wir leben hier nicht in einem Kastensystem wie im alten Indien oder in den Südstaaten im 18ten Jahrhundert.
DU kannst nicht alles schaffen - aber du kannst vieles zum Guten ändern.
Dass du hierfür das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen musst ist klar: Du bist 31 - wenns in Gera keine guten Jobs gibt dann ab nach Leipzig, Halle, Nürnberg oder ganz woanders hin.
Der deutsche Durchschnittsverdienst liegt bei 3200€ Brutto. Der für Fachkräfte bei 4700€. Du hast eine Ausbildung, mit der du eine Grundlage hast, überall gern gesehen zu werden - wenn du etwas dafür tust.
Und nein, deine Ausbildung ist keine Fortbildung, aber was spricht gegen eben diese? Kauf dir ein Buch und lerne den Umgang mit Datenbanken und einer (beliebigen) Hochsprache.
Mach einen Onlinekurs zu einem "Hippen" Thema: Big-Data, Digitalisierungstrategien, Mobile Working etc. Das macht dich interessant, bringt dich weiter und an die derzeit weitgehend leeren Fleischtöpfe.
Und wenns dich wirklich treibt fängst du noch ein Studium an - mit Berufserfahrung geht das an einer FH problemlos. Mit 35 spätestens bist du dann fertiger Wirtschaftsinformatiker. Wenn es allerdings wichtiger ist deinen Eltern den Rasen zu mähen (ich mache das z.B. am Wochenende), dann ist das eben deine Entscheidung - nicht aber dein Schicksal.

Nochmal ein Nachtrag:
Dein Arbeitgeber handelt (so das so stimmt) rechtswidrig: Natürlich kann man den Mindestlohn nicht mit einem einfachen persönlichen Ausschluß im Arbeitsvertrag umgehen. (hier kannst du sogar Nachforderungen prüfen wenn du dich mal umorientieren solltest)
Darüberhinaus sind 150 Bewerbungen im Monat vielleicht technisch möglich. Dabei kann aber defintiv keine vernünftige, auf die Firma zugeschnittene Bewerbung rauskommen.
Was gehört dazu?
Verstehen was die Firma tut, verstehen was sie wollen, vorher persönlichen Kontakt aufnehmen um sich bekannt zu machen und im Anschreiben verweisen zu können und last but not least: Ein auf die Stelle zugeschnittenes Anschreiben verfassen. Ich denke mehr als 3-5 gute Bewerbungen pro Woche sind unrealistisch.

Du sagst, dass kein Arbeitgeber mehr zahlt als er muss - das ist korrekt.
ABER: In meiner Branche (dieselbe wie deine Branche) sucht man händerringend Kräfte und um diese zu finden sucht man im allgemeinen soviel wie man muß. Die Beträge, die du in den vorherigen Beiträgen gelesen hast sind durchaus nicht unrealistisch.


ChrisS sagt am 21. September 2018

@ Anfänger:

"Mit 31 eine neue Ausbildung beginnen? Vergiss es, kein deutscher Arbeitgeber lässt so etwas zu."

Ich habe einige Bekannte, die auch jenseits der 30 noch ne neue Ausbildung/Umschulung gemacht haben.
Da war alles dabei wie Monteur, Verkäuferin, Koch, Pflegerin, etc. Also nur damit du nicht denkst es wäre ja achso-total-unmöglich.
Es gibt natürlich Arbeitgeber die sowas machen, man muss nur nach ihnen auch suchen. (Du erkennst an der Aufzählung sicher auch schon dass wenn es vor allem die Mangel- und Problemberufe betrifft, die Firmen da eher weniger wählerisch sind).
Und selbst wenn du keinen AG für ne neue duale Ausbildung findest, könntest dich theoretisch auch selbst um ne Umschulung bei nem Bildungsträger kümmern, wenn gewünscht, Förderkosten gibts vom Amt.
Oder selbst wenn du dich eigentlich garnicht besonders weiterbilden sondern einfach nur arbeiten willst, auch das ist nicht unmöglich - ich kenn Leute die machen als Vermittelte/Ungelernte/Helfer aufm Bau, in der Fabrik, im Lager etc mit rum und bekommen netto mehr raus als wie du als eigentlich ausgebildeter Programmierer.
Intellektuell ist das keine große Herausforderung, man steht da teils neben Schulabbrechern etc, und Leute dafür werden immer gesucht, man darf halt nur keine Mimose sein. Es ist vieles möglich, man muss nur ein gewisses Maß an Einsatz mitbringen.

"Als Programmiersprachen beherrsche ich HTML und SGML..."

Ich bin kein großer IT-Checker aber so ein Fauxpas triggert selbst mich hart :-D
Jetzt erklärt sich auch einiges...

"Ich wollte nur wissen ob mein Sparplan so ok geht, aber ihr hier wühlt wieder alte Wunden auf die ich am liebsten begraben lassen würde."

Dann reagier einfach nicht auf das persönliche bzw gib auch garnichts weiter persönliche preis und beschränke dich nur auf die Diskussion der Finanzanlagen. Ist uns ja auch viel lieber, denn so allgemeine Lebenshilfe können/wollen wir hier ja auch nicht wirklich leisten.

"Dann gehe ich von 900 EUR netto aus, das ist das womit ich im Moment über die Runden komme. Was muss ich machen, damit ich nach Renteneinstieg 900 EUR netto bekomme?"

Wie gesagt, mit 900€ Gehalt bekommst du später eine staatl. Rente auf Grundsicherungsniveau. Wir können jetzt lange drüber fabulieren, wie man diesen Betrag durch Kapitalanlagen wieder reinholt, aber das ist eigentlich bolle.
Der größte "Hebel" in deinem Leben liegt darin, dein Arbeitseinkommen zu steigern. Egal wie wenig du das hören willst oder wie sehr du dich schon darauf versteift hast dass das ja nicht ginge. Wenn du das Prinzip dahinter lieber nochmal vom Wesir höchstpersönlich erklärt bekommen haben willst, lies zB:

Deine anthropologischen Studien über die Arbeitsmoral der verschiedenen europäischen Ethnien soltest du eigentlich auch gleich wieder zurückstellen.
Mit Vorurteilen auf Stammtisch-Niveau ist man beim Anlegen eher schlecht beraten - zumal du an anderer Stelle ja auch selbst zugibst, unwissender Anfänger zu sein, wo's nämlich zB um das Prognostizieren von Aktienrenditen ging, aber jetzt meinst du an dieser Stelle wieder daraus eine ernsthafte volkswirtschaftliche Analyse machen zu können und daran die "guten, investierbaren" von den "schlechten, vermeidenden" Ländern rauspicken zu können? Das ist eigentlich anmaßende Selbstüberschätzung.
Du sollst ja auch nicht in "die Franzosen" oder "die Spanier" etc investieren.
Investiert wird immer nur in Aktien von Unternehmen (nicht in Völker oder Länder), die halt zufällig noch irgendwo ihren Stammsitz angemeldet haben, aber du kannst auch davon ausgehen dass selbst in Frankreich oder Spanien noch durchaus fähige, global tätige und gutprofitable Großkonzerne sitzen, die nichts damit zu tun haben wie was du nun über die Leute denkst.

"Wenn ich den All-World nehme, habe ich weniger Länder drinnen als wenn ich den Developed World + Emerging Markets nehme."

Nein, der All-World ist nur das addierte Kombiprodukt aus devWorld+EM. Du verpasst da also nix.

"Wenn es nach deiner Aussage keine relevanten Unterschiede gibt wie man gewichtet, dann kann man ja gleich die Kommer-Strategie (Smart Beta, Multifaktor) zu Finanzwesirkonditionen (So einfach wie möglich) fahren, oder?"

Relevante Unterschiede wird es nur geben wenn man eben auch relevant unterschiedlich gewichtet.
So popel-Diskussion wie zB über plus oder minus 5% Europa/USA-Anteil im Aktienportfolio spielen langfristig keine Rolle bzw ist nur ein Furz an der Nachkommastelle.
Wenn du über Smart Beta nachdenkst (also, mehr nachdenken als nur einfach "mhm ich hab irgendwo mal drüber gelesen und das klang gut, also will ich auch..."), kannst du ja mal ergoogeln was der Finanzwesir dazu schon so alles geschrieben hatte.


Finanzwesir sagt am 21. September 2018

Hallo Anfänger,
schau mal beim Finanzrocker (https://finanzrocker.net) vorbei. Daniel und ich sind Podcast-Partner. Deshalb kenne ich ihn persönlich.
Als Daniel Anfang 30 war, sah sein Leben auch nicht so rosig aus. Sicherlich kein Vergleich zu Deiner Situation. Aber auch nicht berauschend, schon gar nicht als Marketing-Mann. Die werden - anders als Programmierer - nicht so wirklich gesucht.
Damals hat sich Daniel irgendwann entschieden anzugreifen.
Er hat einfach gemacht. Hat seinen Blog aufgemacht, angefangen zu podcasten. Alles ohne große Vorbereitung und entsetzlich naiv.
Er hat Fehler gemacht, diese korrigiert und seine Erfolge ausgebaut. Schritt für Schritt.
Jetzt hat er einen reichweitenstarken Blog, ist der König der Finanz-Podcasts, ein gefragter Redner, Buchautor und immer noch ein Metalhead ;-)
Gibt doch diesen Spruch: Das geht nicht! Dann kam einer, der wusste nicht, das es nicht geht und hat es einfach gemacht. Daniel ist einer dieser Typen und dafür bewundere ich ihn.

Gruß Finanzwesir

PS: Inhaltlich schließe ich mich slowroller, BigMac und ChrisS an.


Das Buch zum Blog: 440 Seiten voller Informationen. Jetzt im Handel erhältlich.


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