23. April 2014


Um die Pointe gleich vorwegzunehmen: Für einen langfristig denkenden Privatanleger, der eine passive Anlagestrategie verfolgt, macht es keinen großen Unterschied, ob man nur in die Anlageklassen Aktien und Anleihen investiert oder noch in Gold, Rohstoffe, Immobilienfonds und Windkraft.

Die ganzen ausgetüftelten Gewichtungen à la „Wir investieren 15 % des Geldes in Aktien großer Firmen, nehmen dann noch 10 % Aktien kleiner, aufstrebender Firmen dazu, dann 5 % in Gold …“ sind für die Katz.
Die ganzen mit großem Excel-Aufwand geführten Grabenkriege für 5 % mehr dieses oder 5 % weniger jenes sind vollkommen unnötig, denn sie bringen langfristig keinen nennenswerten Zusatzgewinn.

Wieso sind die meisten Depots viel komplexer als nötig?

Weil es unserer Erfahrung im täglichen Leben entspricht.

1. Gleichartige Probleme bringen gleichartige Lösungen hervor. Nehmen wir Kakteen und Euphorbien (Wolfsmilchgewächse) als Beispiel.
Beide leben in den Trockengebieten dieser Erde. Die Kakteen in der neuen Welt, die Euphorbien in der alten. Beide Gattungen sind biologisch nicht im geringsten verwandt. Aber beide sind der gleichen Anforderung ausgesetzt „Sieh zu, dass du deinen Wasserhaushalt in den Griff kriegst.“
Also haben beide ihre Körper zu Wasserspeichern umgebaut und verzichten auf klassisches Blattgrün. Für Laien ist es nicht einfach, einen Kaktus von einem Wolfsmilchgewächs zu unterscheiden.

2. Die erste Lösung ist nie die Beste. Klar gibt man sich Mühe mit dem ersten Modell, aber man lernt aus den Erfahrungen und verbessert die Nachfolger kontinuierlich. So hat es VW zu insgesamt sieben Golfgenerationen gebracht. Jede Generation ist dabei besser, aber natürlich auch komplexer als ihre Vorgängergeneration.

Auf die Finanzwelt übertragen bedeutet das:

  1. Für jede finanzielle Anforderung muss es ein optimales Depot geben. Dieses Depot ist so zusammengesetzt, dass es optimal an die Anforderungen angepasst ist und maximale Renditen liefert.
  2. Man wird das Ziel „optimales Depot“ nicht gleich erreichen, aber wenn man geduldig optimiert, also passende Wertpapiere kauft und unpassende verkauft, wird man irgendwann ein optimales Depot erreicht haben. Je mehr Erkenntnisse man gewinnt, umso genauer kann man sein Depot ausbalancieren. Dazu braucht man natürlich auch mehr Positionen.

Beide Vorstellungen sind leider Finanzmythen. So läuft das Spiel nicht.

Der Mythos vom optimalen Depot

Mebane Faber hat auf seinem Blog einmal ausgerechnet, wie sich die verschiedensten Anlagestrategien entwickelt haben. Zwar beziehen sich die Ergebnisse auf den US-Markt, aber da der US-Finanzmarkt weltweit eine dominierende Rolle spielt, sind die Ergebnisse auch für deutsche Anleger relevant. Er hat acht ausgetüftelte Portfolios bedeutender Finanzstrategen mit einem Simpel-Depot bestehend aus 60 % US-Aktien und 40 % US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit vergleichen. Herr Faber hat einen Zeitraum von 40 Jahren (1973 bis 2013) betrachtet.

Das Fazit seines Artikels Asset Allocation Strategies: Wer seine Wertpapiere kauft, um sie zu behalten (passiver Buy-and-hold-Ansatz), der fährt mit dem aus nur 2 Assetklassen bestehenden Primitiv-Depot genau so gut wie mit einem ausdifferenzierten Portfolio mit 11 Assetklassen.
Sämtliche relevanten Erfolgskennzahlen liegen um maximal 2 % auseinander. Für Mebane Faber ist klar: Der Aufwand, den man treiben muss, um ein ausgefuchstes 11-Positionen-Portfolio aufzubauen, lohnt sich nicht.
Wenn Sie es genauer wissen wollen: Meb Faber hat aus diesem Artikel ein Buch gemacht: Global Asset Allocation: A Survey of the World’s Top Asset Allocation Strategies (English Edition)*

Global Asset Allocation: A Survey of the World’s Top Asset Allocation Strategies (English Edition)

Bonus: Ein einfaches Portfolio ist auch einfacher zu verwalten. Wenn man einen Sparplan aufsetzt, müssen nur zwei bis drei Positionen bespart werden, und auch die Steuererklärung wird gleich viel einfacher.

Der Vermögensverwalter Dr. Hannes Peterreins schlägt in seinem Blog-Artikel "Wie kommen die Quoten beim Global Strategy zustande?" in dieselbe Kerbe. Er schreibt unter anderem

Wenn jemand anderes eine andere Gewichtung für besser hält, also beispielsweise USA deutlich mehr, Japan weniger, dann soll mir das recht sein. Ich kann hier nicht argumentieren, dass „meine“ Gewichtung besser ist und eine andere schlechter.

Fazit

Es gibt für Passivanleger keinen Heilgen Gral, sondern viele Wege führen nach Rom. Man hat als Anleger bei der Zusammenstellung seines Portfolios deutlich mehr Freiheitsgrade als vermutet. Da es keine optimale Depotzusammensetzung gibt, kann man sich - solange man halbwegs vernünftig diversifiziert - sein Depot so zusammenstellen, dass man gut schläft. Dabei muss das Depot noch nicht einmal übermäßig viele Positionen enthalten. Auch mit einem einfachen Depot lassen sich gute Ergebnisse erzielen.
Eine Optimierung des Portfolios findet nicht statt. Wenn man sich einmal für eine bestimmte Zusammensetzung entschieden hat, bleibt man dabei. Also gerade kein ingenieurmäßiges Herumschrauben und Optimieren, sondern sture Konstanz sind gefragt.
Im obigen Beispiel wurden die Depots über 40 Jahre hinweg nicht verändert.
Meinen Vorschlag für eine passive Anlagestrategie präsentiere ich im Aufsatz "So würde ich mein Geld investieren".

Update vom 03.06.2014

Auf Geldexperimente gibt es das „Schimpansen Portfolio passiv“. Schlägt sich aktuell ganz wacker.
Soviel zum Thema „Nur Finanzprofis können Rendite bringen“.


(*)Affiliate-Link: Das Buch wird für Sie nicht teurer, aber wir erhalten eine kleine Provision.

(awa)

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Kommentare

Juan sagt am 05. April 2015

Hallo Finanzwesir,

nachdem ich schon lange den Privatanleger und das Zendepot lese, habe ich jetzt auch Dein Blog entdeckt und bin begeistert! Ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag.

Aber zu dieser Ausarbeitung möchte ich Kritik anmelden. Oben schreibst Du:

"Das Fazit seines Artikels Asset Allocation Strategies: Wer seine Wertpapiere kauft, um sie zu behalten (passiver Buy-and-hold-Ansatz), der fährt mit dem aus nur zwei Assetklassen bestehenden Primitiv-Depot genau so gut, wie mit einem ausdifferenzierten Portfolio mit elf Assetklassen. Sämtliche relevanten Erfolgskennzahlen liegen um maximal 2 % auseinander. Für Mebane Faber ist klar: Der Aufwand, den man treiben muß, um ein ausgefuchstes 11-Positionen-Portfolio aufzubauen lohnt sich nicht."

Dieses Argument kann ich nicht nachvollziehen.
In Deinem allerersten Artikel "Was 1,8% ausmachen" führst Du sehr schön vor Augen, was für ein Delta nach 30 Jahren durch besagte 1,8% jährliche Mehrkosten - oder anders gesagt: 1,8% Minderrendite - entsteht. Wenn wir uns die Tabelle von Meb Faber ansehen, stellen wir fest, dass zwischen der Bernstein Strategie mit einer geometrischen Rendite von 10,49% und dem Permanent Portfolio mit 8,88% CAGR eine jährliche Differenz von 1,61% besteht. Nach 40 Jahren Laufzeit beträgt die Differenz der Endsummen zwischen den beiden Allokationen 80,24%! Auch gegenüber dem 60/40 Depot erreicht Bernstein am Ende der Betrachtungsphase eine Mehrrendite von 44,46%.

Das sind doch Riesenunterschiede, die so manche Urlaubsreise finanziell ermöglichen oder zunichte machen können, und folglich lohnt es sich, dem Asset-Mix viel Beachtung zu schenken. Die jährlichen geringen prozentualen Abweichungen entfalten auf der Zeitachse eine enorme Kraft, und es lohnt sich eben doch, ein feinkörniges Portfolio aufzubauen! Dass natürlich andere 40-Jahres Zeiträume andere Ergebnisse ergeben können, und Bernstein nicht immer als Sieger hervorgehen muss, steht auf einem anderen Blatt.

Viele Grüsse Juan


Finanzwesir sagt am 11. April 2015

Hallo Juan,
danke für das Lob.
Was die ETFs angeht: Dann nimm Bernstein. 25% US Stocks, 25% Small Cap Stocks, 25% International Stocks, 25% Bonds sind für mich noch kein ausgefuchstes Depot ;-)
100 Dollar in vier gleich große Häufchen aufteilen und dann drei Häufchen in Aktien und eins in Anleihen - ziemlich simpel.

Wo bleibt das Gold, die Immobilie, Venture Capital, wo bleibt die Aufteilung der Anleihen in Untergruppen?
Schau Dir mal das El-Erian Portfolio an. Da sind 8% für "Special Situations" reserviert. Oder das Arnott Portfolio mit seinen 10 Positionen. Das sind die echten Excel-Quäler. ;-)

In meinem Artikel über die ETF-Cocktails geht es genau darum: ETF-Depot erst mit mit minimalem Aufwand (2-4 ETFs) aufbauen und dann nur noch durchhalten. http://www.finanzwesir.com/blog/etf-index-rendite-vergleich

Gruß
Finanzwesir


Dieter sagt am 13. November 2016

Hallo mein lieber Finanzwesir,

ich habe meisten Ihrer Blogs gelesen. Eines ist mir jedoch noch nicht klar: Soll man sein Depot aufzustocken bei fallenden Kursen, oder soll man nichts tun und alles einfach laufen lassen.

Mit Tagesgeldkonten und den 0,x % Rendite-Staatsanleihen habe ich so meine Probleme, andererseits soll man ja auch nicht "alle Eier in einen Korb legen". Ich würde lieber einen Teil meines Geldes (10 %) auf physisches Gold setzen. Mache ich damit einen Fehler?


ChrisS sagt am 13. November 2016

Hallo Dieter,

"Soll man sein Depot aufzustocken bei fallenden Kursen, oder soll man nichts tun und alles einfach laufen lassen."

Im Grunde "soll" man halt das machen, was man sich selbst als Strategie vorher so festgelegt hat. Da die meisten Leute, gerade als Anfänger und Einsteiger, nicht schon von Beginn an mit einem großen Betrag zur Einmalanlage gesegnet sind, ist die daraus notwendigerweise resultierende (und daher oft empfohlendste) vernünftige Strategie der "regelmäßige Sparplan".
Darüber sind auch hier im Blog schon so einige Artikel geschrieben worden - wenn du die schon gelesen hast, kennst du ja die wesentlichen Argumente dafür und den Sinn hinter regelmäßigen Sparplänen (und wenn du die Artikel dazu noch nicht gelesen hast, gib das einfach in die Suchfunktion ein).

Wer sich also vorgenommen hat, in festen Intervallen (zb monatlich) einen festen Geldbetrag (zb 100€, etc.) ins Depot zu investieren, sollte das also natürlich und unbedingt weiterführen - eigentlich sogar ganz egal ob die Kurse grad steigen oder fallen.
Klar, rein "psychologisch" investiert sichs immer viel leichter wenn alles schön steigt, aber man muss halt auch durchhalten und weiter zukaufen wenn es die Aktien auch mal grad "billiger" zu haben gibt. Gerade dann bekommt man ja fürs gleiche Geld mehr Anteile, und ist damit stärker an der späteren Erholung wieder beteiligt.

Ansonsten gilt auch der Ratschlag, eine zu sich selbst passende(!) Asset-Allokation der Risikoklassen zu haben. Ebenfalls ein bereits oft wiederholtes Thema, eben nur soviel Kapital in zB Aktien zu verteilen, dass einem ein -50% Crash dieser Positionen, bezogen aufs Gesamtvermögen, nicht um den Schlaf (und damit zu vermeidbaren psychologischen Fehlhandlungen, wie zB im Verlust verkaufen) bringt.

"Ich würde lieber einen Teil meines Geldes (10 %) auf physisches Gold setzen. Mache ich damit einen Fehler?"

Kommt halt darauf an, wie du "Fehler" definierst. Zumindest problematisch ist, dass du Gold gedanklich in einen Absatz mit anderen "Sicherheits"-Anlagen wie Tagesgeld und Staatsanleihen setzt - ich würde etwas Abstand von diesem Vergleich nehmen, denn ganz unabhängig ob Gold selbst nun gut oder schlecht ist, es ist auf jedenfall kein Tagesgeldersatz oder so.

Zu Gold selbst gibt es hier auch schon einige Artikel, die du ja vllt kennst (oder wenn nicht = Suchfunktion), deshalb müssen wir hier eigentlich nicht nochmal eine Grundsatzdiskussion pro/contra darüber führen. Die Argumente des Finanzwesirs, warum er nicht in Gold investiert, hat er jedenfalls schon nachvollziehbar dargelegt, du kannst dich nun dem anschließen, oder andere Ansichten haben - jeder ist für seine eigenen Anlageentscheidungen selbst zuständig, denn nur man selbst muss ja auch mit deren Konsequenzen schlussendlich leben.
Mach was du willst und womit du dich wohlfühlst - wenn es am Ende auch wirklich nur bei einer 10% Allokation bleibt, ist das ja nicht soviel dass es für dich ruinös wird, sollte es sich doch als "Fehler" herausgestellt haben (erwarte dir damit aber auch auf der anderen Seite davon nicht so viel, vorm nächsten Weltuntergang gerettet werden zu können etc.).


Couponschneider sagt am 07. Januar 2017

Einfachheit ist auch mein Motto. Ich habe nur eine Asset-Klasse: Die Aktie. Diversifikation betreibe ich nur über die Aktienwahl (Branche, Standort). Alles andere habe ich immer als Zeitverschwendung betrachtet. Ich brauche keine Rohstoffe. Ich habe lieber Unternehmen, die Rohstoffe haben oder fördern. Ich brauche keine Immobilien, weder direkt noch in Form von REITs. Meine Unternehmen haben Immobilien. Ich brauche auch keine Anleihen. Meine Unternehmen haben Anleihen. Ich lasse mich auch nicht lumpen und nehme wegen der Niedrigzinsphase einen Kredit auf. Meine Unternehmen können viel mehr von der Niedrigzinsphase profitieren, weil die bessere Konditionen aushandeln können als so ein kleiner Couponschneider mit dem Traum vom Haus.


Pete sagt am 27. Oktober 2017

Lieber Finanzwesir,
Liebe Blog-Gemeinde,

nachdem ich das Buch vom Finanzwesir gelesen habe, bin ich beim Punkt Asset-Allocation hängen geblieben: Diese ist mit 90% entscheidend für den langfristigen Erfolg. Ich muss sagen: dieser Aspekt war mir beim / nach dem Durcharbeiten des Finanzwesir-Blogs nicht in dieser Dimension präsent / klar geworden.

Ich hatte mich die letzten Jahre v.a. darauf fokussiert, mein ETF-Depot regelmässig nach meiner Strategie zu rebalancieren. Humankapital (Sparquote) und frei werdende (z.B. Bausparvertrag, Festgeld, etc.) Gelder habe ich peu a peu im Rahmen eines regelmässigen mtl. Kaufs / Sparplans in die Assetklasse "Aktien" in Form eines weltweiten ETF-Depots angelegt.

Im Buch wird auf Asset-Ebene v.a. auf RK1 (Tages-, Festgeld, AAA-Anleihen-ETF) und RK3 (weltweites Aktiendepot) Bezug genommen.

Historisch bedingt gestaltet sich meine Asset-Allocation nun etwas anders, breiter, komplexer, nicht so schlank, mglw. nicht so clever:

  • RK1: Tages- und Festgeld, Bausparer. Keine Anleihen
  • RK2: klassische betr. Altervorsorge, Pensionskassen-Ansprüche (weltweites Portfolio, Schwerpunkt Anleihen, aber auch Liegenschaften, Aktien und Rohstoffe)
  • RK3: weltweites ETF-Depot, fondsgebundene Rentenversicherung
  • RK4: -
  • RK5: -
  • Zusätzlich noch fremdvermietete Wohnungen (1-Zimmer-Appartments in einer Studentenstadt), RK-Klasse - keine Ahnung.

Für mich ergeben sich 3 Fragen:

  1. bei der "klassischen" RK1/RK3-Konstellation: wie sieht Eure prozentuale Aufteilung aus, evtl. "altersadjustiert", also mit Verschiebung zu RK1 alle 5 oder 10 Jahre um 10%-Punkte?
  2. unter welcher RK-Klasse würdet ihr Immobilien einsortieren? Bei meinen Recherchen bin ich auf keine brauchbare RK-Klasse gestossen. Welchen Anteil würdet ihr auf die Assetklasse platzieren? Die Kommerschen 10%? Dann dauert's bei mir mit noch mit dem Rebalancing, und zwar Jahre... Aktuell steht für mich ein Verkauf nicht zur Diskussion. Die wissenschaftlich belegte Minderrendite von Immobilien ist mir bekannt. Die Immobilien habe ich 2010 und 2011 gekauft, "Kaufen oder Mieten" und den Blog kenne ich erst seit 2014/2015. Möglicherweise hätte ich sonst anders gehandelt.
  3. Wie würdet ihr die fremdfinanzierten Immobilien im Kontext der Asset-Allocation und beim Rebalancen bewerten? vielleicht: (konservativ) Kaufpreis / Marktpreis - Darlehen + Tilgung?

Ich würde mich über eine Rückmeldung mit Euren Meinungen zu diesen Punkten sehr freuen.

Viele Grüsse - Pete


ChrisS sagt am 30. Oktober 2017

| @ Pete

Ich glaube erstmal zum Einstieg ist es fürs Verständnis wichtig festzuhalten, dass die Begrifflichkeiten der "RK" (Risikoklassen) hier in der Laien-Community nicht ganz genau wissenschaftlich/rechtlich exakt und objektiv definiert sind - also man soll sich nicht unbedingt endlos daran aufhängen und rumgrübeln was nun wo hin gehört, denn da herrscht auch noch viel Ermessensspielraum.

Denn ansonsten gibt es nur endlose kreisdrehende Diskussionen, genau darüber eben in welche RK die Rente (überhaupt) gehört, ein Fonds gehört, eine fondsgebundene Rente gehört, eine Immobilie gehört, usw... das kann dann auch schnell in relativ müßige Nabelschauerei ausarten, bzw jeder hat da so seine eigenen Definitionen (zB du hast deine, und jemand anderes hat seine) - und das ist auch okay so, da wir alle unterschiedlich sind, unterschiedliche Ansprüche, Situationen und Bedürfnisse haben, und es daher nur gut und richtig ist das jeder seine individuell zu ihm passende persönliche Vorgehensweise hat.
Also das nur mal so, dass man sich da nicht so sehr darauf versteifen soll, zwanghaft ein "one-size-fits-all" herzustellen und allem überzustülpen. Ich weiß, gerade als Anfänger und Einsteiger will man am liebsten vor allem klare eindeutige Regeln an denen man sich orientieren und festhalten kann, aber nach etwas Zeit und mit Erfahrung stellt man dann meistens eh fest das es nur darum geht, einen eigenen Weg zu finden mit dem man selbst zufrieden ist (nicht andere).

Aber gut, zu deinen Fragen.

Eine Umfrage über die prozentuale RK1/RK3 Verteilung anderer Leute ist eigentlich wenig zielführend für dich, denn da sind die Menschen so unterschiedlich, wie eben ihre individuellen Situationen, Bedürfnisse und Risikotoleranzen.
Was nützt es dir zu wissen, wenn ein paar Leute zB eine 70/30 Verteilung haben, und andere Leute eine 30/70 Verteilung ? Du kannst dein Vermögen ja nicht nur nach der Mehrheitsentscheidung anderer aufteilen, sondern musst eine Allokation finden, die genau zu dir passt - denn nur du (und nicht andere) musst ja mit den Konsequenzen deiner Entscheidungen leben können.
Wie groß oder wenig zB dein Aktienanteil sein soll, können dir niemals andere Leute, sondern nur dur selbst sagen. Klar, fragt man sich da, wie soll ich das schaffen?
Das beantworten wir hier meist leicht mit dem Prinzip der "Assetallokation nach Risikotoleranz" per -50% Crashtest: Wer sein ganzes Vermögen in Aktien steckt, muss auch aushalten können dass es sich mal in zukünftigen Crashs halbiert - wer das nicht aushalten könnte, der muss eben seinen Aktienanteil bis zu einer persönlich noch ertragbaren Schmerzgrenze reduzieren.
Andersherum gesagt: wieviel Verlust kannst du aushalten ? Verdoppele diesen Prozentbetrag und du bekommst deine empfohlene Aktienquote, den Rest legst du lieber sicherer an.
Das ist ein relativ einfaches Vorgehen, das heißt man kann sich gut dran halten, und gut ist auch dass es eben genau auf dich persönlich zugeschnitten ist, und nicht auf irgendwelche andere mit anderen Vorstellungen, die nicht auf dich zutreffen mögen.
Genauso ist das auch mit dem Alter - anstatt da einen zwanghaften Automatismus nur an den Lebensjahren festzumachen würde ich auch hier immer noch eher nach der persönlichen Risikotoleranz agieren.
Erkennt man schon daran, wie absurd es ist, dass zwei unterschiedliche Menschen, nur weil sie gleich alt sind, die gleiche Aktienallokation haben "müssten"? Natürlich nicht, denn das sagt ja garnichts über die jeweils unterschiedlich sein könnende Risikotoleranz der beiden aus.
Es gibt Leute die vertragen auch im Alter noch einen höheren Aktienanteil, und müssen daher nicht umschichten. Genauso wie es auch andere gibt, die lieber mit weniger Schwankungen im Alter und einen sichereren Betrag kalkulieren wollen - und daher ihre Allokation über die Zeit entsprechend runterfahren (und ja, da sind solche "gleitenden Übergänge" wie zB "10 Jahre vor Entnahme jedes Jahr 10% umschichten" sicher besser als das zufallsabhängigere "zum Renteneintritt alles komplett verkaufen", um dem Risiko eines Börsencrahs just zu der Zeit etwas abzumildern).
Und das tolle ist, beide haben recht - jeweils für sich, da gibt es kein "nur eine Vorgehensweise ist richtig für alle", jeder sollte das tun was zu ihm persönlich passt.

Das Problem bei der Einordnung von "Immobilien" pauschal ist ja auch, das jede individuell ist und eine Bewertung "als Anlageklasse allgemein" erschwert bzw unmöglich macht. Eine Immobilie an einem attraktiven Standort, die man immer vermietet/verkauft kriegt, ist sicher vom Risiko her was anderes als ne Schrottimmobilie irgendwo in der Pampa.
Eine hohe Fremdfinanzierung ist sicher risikoreicher als viel Eigenkapital. Und so weiter, da gibt es also so viele individuell unterschiedliche Achsen, dass man darüber wenig pauschal sagen kann.
Und am Ende - was nützt es dir denn auch zu wissen, ob deine Immobilie jetzt RK1, RK2, RK3 oder sonstewas ist ? Also, welche Handlungen willst du daraus konkret ziehen?
Wenn du deine Immobilie als "sicher" einordnest (also zB RK1), meinst du dann deswegen dass du deshalb deinen RK3-Anteil aufstocken könnest ? (Da wäre ich vorsichtig - Immobilien kann man, zumindest als Kleinanleger, ja nicht wirklich "rebalancen", von daher ist es überhaupt relativ problematisch, sie ins starre "RK"-Schema pressen zu wollen).
Oder wenn du deine Immobilie als RK3 einordnest, heißt dass dann in der Konsequenz, du müsstest lieber noch deinen RK1-Anteil wieder ausbauen um dann ein "Gleichgewicht" herzustellen?

Zu den Kommerschen "10% Immobilien" - der meint damit am ehesten noch einen global diversifizierten REIT-ETF (übrigens auch wieder so eine Detail-Diskussion - sind REITS überhaupt von der Anlageklasse wirklich "Immobilien", oder snd es eigentlich eher einfach nur immer noch eine weitere Unterart der allgemeinen Anlageklasse "Aktien", nur eben halt von Unternehmen die im Immobiliensektor tätig sind? - Von ihrem Rendite/Risikoprofil sind sie jedenfalls den Aktien zuzuordnen), denn anders ist es für den normalen Kleinanleger mit 10% nicht zu machen.
Eine Immobilie selbst kaufen geht ja erst so hohem Kapitalbedarf los, dass (per 10% Gewichtung dieser Position) man für die anderen Anlageklassen ein Millionenvermögen haben müsste.
Auch relativ sinnlos ist es für den Kleinbürger zu sagen, ich hab mein Eigenheim oder ETW, also hab ich "die Anlageklasse Immobilien" abgedeckt - dass das so nicht funktioniert, erkennt doch auch jeder wenn man sagen würde "ich hab eine einzige Aktie gekauft, also hab ich die gesamte Anlageklasse Aktien abgedeckt".
Wenn das so nicht stimmt, funktioniert das mit den Immobilien ja auch nicht. Die eine, die man hat, ist ja mehr oder weniger zufällig rausgepickt, und kann garnicht repräsentativ für "die Anlageklasse" allgemein stehen. Hier trifft dasselbe Prinzip was ja auch zur Diversifikation über systematische und unsystematische Risiken gilt.

Beim Rebalancen kannst du deine Immobilien eigentlich nur schwer bis garnicht bewerten, da sie (selbst) nur schwer bis garnicht zu rebalancen sind. Wenn meine Immobilie im letzten Jahr 10% im Wert gestiegen ist, kann ich ja nicht einfach mal 10% meiner Immobilie verkaufen und umschichten, um wieder meine Ausgangs-Gewichtung herzustellen.
In der allgemeinen Vermögensaufstellung sind sie halt ein sprichwörtlich "immobiler Wert", und ja, wenn du wissen willst wie groß der ist, kannst du dich dem vielleicht noch am ehesten mit "aktuell realistischer Verkaufswert am Markt (konservativ, ohne viel Phantasie) abzüglich Restschuld" annähern, aber wegen der vielen Unwägbarkeiten bei der Bestimmung geht das nie so Excel-exakt auf die zweite Nachkommastelle wie man es von den anderen Anlageklassen gewohnt ist.


Pete sagt am 02. November 2017

@ Chris

Wow - vielen Dank für Deine differenzierte und umfassende Antwort!

Ich habe jetzt die Immo-Position als separate Anlageklasse ohne "Ausweisung einer RK-Klasse" abgebildet. Und grundsätzlich macht es whs. Sinn, sich nicht sklavisch einer RK-Klassifizierung zu unterwerfen. Hierzu habe ich folgenden interessanten Thread gefunden:

https://www.wertpapier-forum.de/topic/49401-90-des-anlageerfolges-werden-durch-die-asset-allokation-bestimmt/

Nach Analyse meiner Bestände und regelmässigen Anlagen (Sparplan, etc.) habe ich eine relativ ausgewogene Verteilung: Bei den Anlagen über das Jahr hinweg habe ich beinahe eine Verteilung RK1+RK2 zu RK3 (ETF-Depot) von 50:50. Bei RK1 steckt auch noch die Tilgung der Immobilien drinnen. Wenn ich mir meine Asset-Allocation anschaue sieht das ungefähr so aus: RK1 30%, RK2 10%, RK3 20% und Immobilien 40%. Ich denke, dass ist recht ausgewogen. Da wir uns voraussichtlich keine weiteren Immobilien zulegen werden, wird die RK3-Position mittelfristig auf 40-50% anwachsen. Und damit ist gut.

Ich bin jetzt Ende 30, so dass ich voraussichtlich nie mehr als 50% in Aktien investiert sein werde. Bei Unwettern an den Finanzmärkten behalte ich somit hoffentlich ein wenig mehr Gelassenheit. Ich denke, dass entspricht meiner Risikotragfähigkeit. Mir ist bewusst, dass ich damit on the long run vermutlich Renditepunkte auf der Strecke lasse.

LG Pete


Johannes sagt am 16. März 2018

Jeden Anleger treibt die Frage nach dem "perfekten Depot" um, daran wird auch die tausendste wissenschaftliche Studie nichts ändern.
Für mich war die (auch von Dir schon oft erwähnte) Studie der Steinbeis Hochschule in Berlin in Zusammenarbeit mit der ETFlab zur Asset Allocation ausschlaggebend.
Es hat in mir nachhaltig Eindruck hinterlassen, dass die Asset Allocation zu 90% für die Portfolioperformance verantwortlich ist. Ich habe mir daraufhin mal mein Portfolio angeschaut, mit erschreckendem Ergebnis! Ich habe die Anteile erfasst, kategorisiert und bin nun dabei mein Portfolio vom IST- zum SOLL-Zustand zu überführen. Das habe ich in einem ausführlichen Blogartikel dokumentiert.

Auf dem Blog von Johannes gibt es hierzu diesen Artikel: Meine Asset Allocation [Fehler, Ansatz, Umsetzung]


SmartBetaAlpha sagt am 27. Oktober 2018

Ich habe dazu auch mal zwei kurze Fragen. Mein Depot sieht im Moment so aus:

  • 60% Vanguard FTSE Developed World (ausschüttend; TER 0,18%; 2200 Firmen)
  • 10% iShares STOXX Europe 600 (ausschüttend; TER 0,20%; 600 Firmen)
  • 30% iShares MSCI Emerging Markets IMI (ausschüttend; TER 0,18%; 2050 Firmen)

Sind die Überschneidungen aus dem World-ETF mit dem EM-ETF zu gravierend? Da der Finanzwesir in einigen Artikeln geschrieben hatte, dass die Small Caps in der Vergangenheit immer ein wenig Extrarendite gebracht haben (Bier, Rum und Wodka) wollte ich nicht ganz auf diese verzichten und habe daher den EM IMI dem Vanguard EM vorgezogen.

Die 2. Frage: Ich fange von 0 EUR mit einer monatlichen Sparrate von 400 EUR an und bin 31 Jahre alt. Ich komme aus der Unterschicht, bin befristet angestellt und habe keine Chance auf eine Lohnerhöhung oder eine Unbefristung. Mein Nettojahresgehalt beträgt ca. 14.000 EUR. Um flexibel zu bleiben habe ich daher Ausschütter gewählt und keine Thesaurierer. Ist dies hinsichtlich meiner sozialen Herkunft die bessere Entscheidung? Ziel ist die Absicherung im Alter. Wären es Thesaurierer gewesen hätte mein Depot wie folgt ausgesehen:

  • 60% iShares MSCI World Core (thesaurierend; TER 0,20%; 1600 Firmen)
  • 10% Lyxor STOXX Europe 600 (thesaurierend; TER 0,07%, 600 Firmen)
  • 30% iShares MSCI Emerging Markets IMI (thesaurierend; TER 0,18%; 2050 Firmen)

Die Gesamt-TER beträgt in beiden Fällen ca. 0,18%, das nimmt sich also nicht viel. Nur was ist für meinen Fall der bessere Weg?

VG, SmartBetaAlpha


ChrisS sagt am 28. Oktober 2018

@ SmartBetaAlpha

"Sind die Überschneidungen aus dem World-ETF mit dem EM-ETF zu gravierend?"

Nicht wirklich. Aktuell betrifft das eigentlich nur Südkorea. FTSE zählt die schon zu den Industrieländern (ist also schon im FTSE Developed World mit drin, zu 1,74%), während MSCI sie noch zu den Schwellenländern zählt (ist also noch im MSCI Emerging Markets mit drin, zu aktuell 14,9%).
Du hast also durch dieses doppelte Moppeln eine leicht erhöhte Südkorea-Gewichtung (im Vgl zu einer rein MSCI- oder rein FTSE- getrennten Indexallokation), aber das wirst du in der normalen Alltagsentwicklung deines Portfolios nicht unbedingt merken (beeinflusst deine konkrete Gesamtportfoliorendite nur irgendwo an der zweiten Nachkommastelle).
Wenns dich trotzdem stört dann passe halt dementsprechend an, so dass du nur Indizes von einem Anbieter benutzt, um kongruent zu bleiben.

Viel eher wird übrigens die 10% Europa Extra-Position noch für Doppelungen sorgen, denn die Aktien des Europe600 sind zum allerwesentlichsten Teil auch schon im FTSE Developed World mit enthalten. ;-)

"Da der Finanzwesir in einigen Artikeln geschrieben hatte, dass die Small Caps in der Vergangenheit immer ein wenig Extrarendite gebracht haben (Bier, Rum und Wodka) wollte ich nicht ganz auf diese verzichten und habe daher den EM IMI dem Vanguard EM vorgezogen."

Der Smallcap-Anteil im EM-IMI Produkt macht das Kraut in der Gesamtheit jetzt auch nicht unbedingt so viel fetter.
Es ist trotzdem ein guter ETF und du kannst ihn gern behalten, aber wenn du deine Rendite unbedingt durch Smallcaps noch extra aufpeppen willst, wäre es wirkungsvoller, doch gleich über einen dezidierten eigenen Smallcap-ETF als dritte Position nachzudenken (und Europa bei der Gelegenheit gleich rauszuschmeißen), aber haja, dass kann jeder individuell passend entscheiden. :-)

"Nur was ist für meinen Fall der bessere Weg?"

Ich weiß ja noch nicht was du eigentlich mit "Flexibilität" genau meinst bzw hinauswillst? Geht es dir darum dass du mit Ausschüttern auch die Dividenden verkonsumieren kannst, wenn du phasenweise mal dazu Lust hast?
Es ist eigentlich rum wie num ob du nun Ausschüttungen abholst oder vom Thesaurierer Anteile verkaufst, wenn du unbedingt mal etwas von deinem Portfoliokapital verbrauchen musst/willst ... aber ich weiß, viele Leute haben halt ne gedankliche Barriere im Kopf was das angeht (Verkäufe werden als was finales wahrgenommen, während Ausschüttungen ja so schön regelmäßig und erhaltend wirken).
Andere Leute können dir viel eloquenter erklären, warum man sich von solchen Gedankenmustern eigentlich eher lösen sollte - wenn sie darauf noch Lust haben, denn das ist auch hier schon ein ziemlich durchgekautes Thema gewesen :-D

Was deine soziale Herkunft damit nun unbedingt zu tun haben soll, weiß ich auch nicht so recht.
Kümmere dich einfach um deinen beruflichen Aufstieg, spare eisern langfristig weiter, und mit der Zeit wird langfristig schon ein ansehliches Depot dabei rauskommen, egal ob du jetzt konkret nur Thesaurierer oder Ausschütter (mit reinvestierten Ausschüttungen) machst. Dranbleiben ist das wichtigste! :-)


Niko sagt am 30. Oktober 2018

| @SmartBetaAlpha

Sind die Überschneidungen aus dem World-ETF mit dem EM-ETF zu gravierend?

Dazu gibt's das Webtool Morningstar Instant X-Ray, da kannst du dir die Überschneidungen anzeigen lassen. Inwiefern die gravierend sind müsstest du schon selbst beurteilen.

Da der Finanzwesir in einigen Artikeln geschrieben hatte, dass die Small Caps in der Vergangenheit immer ein wenig Extrarendite gebracht haben (Bier, Rum und Wodka) wollte ich nicht ganz auf diese verzichten und habe daher den EM IMI dem Vanguard EM vorgezogen.

Was nichts über die zukünftige Entwicklung aussagt. Es gab auch schon genug Zeitperioden, in denen die Large Caps besser performt haben. Wenn man die problemlos mit einem ETF decken kann, warum nicht?

Um flexibel zu bleiben habe ich daher Ausschütter gewählt und keine Thesaurierer. Ist dies hinsichtlich meiner sozialen Herkunft die bessere Entscheidung?

Das ist insofern die bessere Entscheidung, als dass mit den Ausschüttungen zuverlässig der Sparerfreibetrag ausgenutzt wird (sofern man ihn bei der Depotbank auch hinterlegt hat). Das gilt aber generell.

Nur was ist für meinen Fall der bessere Weg? Sich eine Asset Allocation/Strategie zu überlegen, die der eigenen Risikotragfähigkeit entspricht, und diese durchhalten.


BörsenPadawan sagt am 07. November 2018

Servus,

mal drei Fragen am Rande:

Bin ich mit 31 Jahren grundsätzlich schon zu alt um so einen ETF-Sparplan für die Altersvorsorge zu betreiben, einmal unabhängig von allen anderen Faktoren? (Bestehende Vorsorgemaßnahmen, Kontostand, Qualifikation, Arbeitsmarkt, Arbeitsplatzsicherheit, soziale Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe, etc.)

Hat der Kurs einen Einfluss auf die Rendite?
Bspw. bei dem Vanguard Emergency Market und dem iShares MSCI Emergency Market IMI (ausschüttend). Der Vanguard hat hierbei einen Kurswert von 47,42 EUR und der iShares einen Kurswert von 3,72 EUR.
Der iShares-ETF wurde erst dieses Jahr aufgelegt, der Vanguard bereits 2012. Schwingen die jetzt ca. im Gleichtakt auf und ab oder wird der iShares langfristig eine steilere Rendite hinlegen um einen ähnlichen Kurswert wie der Vanguard zu erreichen?
Ich meine weil sie doch einen ähnlichen Markt abbilden. Zu dem iShares gibt es noch eine thesaurierende Version, welche aktuell bei ca. 27 EUR liegt. Oder liegt dieser Kursunterschied allein in dem Zeitunterschied für die Auflage begründet und wird dementsprechend niemals aufgeholt werden? Ist vielleicht eine doofe Frage, sry ich bin noch neu bei diesem Aktienthema.

Wenn man sowieso nicht abschätzen kann welcher ETF auf den MSCI World die meiste Rendite bringt, ist es dann nicht sinnvoller anstatt für 375 EUR sich einen herauszupicken einfach alle 15 Anbieter mit je 25 EUR pro Monat zu besparen?
Dann kauft man den gemittelten MSCI World und wird niemals die schlechteste Rendite kassieren. Bei weniger Geld pickt man sich eben nur 5 Anbieter heraus. Die Chance hierbei die Besten zu erwischen beträgt 1 zu 3 (33%) und ist doch damit besser als bei nur einem MSCI World, bei welchem diese Chance bei nur 1 zu 15 (0,07%) liegt, oder? Ist vielleicht wieder eine blöde Frage, sry ^^

Ich wollte eine 70/30 Kombi zunächst mit 250 EUR monatlich durchziehen. Verdiene 1.900 EUR netto im Monat, gebe davon wieder 600 EUR für die Miete ab und brauche ca. 300 EUR zum Überleben.

LG, BörsenPadawan


SmartBetaAlpha sagt am 07. November 2018

@ChrisS:

Viel eher wird übrigens die 10% Europa Extra-Position noch für Doppelungen sorgen, denn die Aktien des Europe600 sind zum allerwesentlichsten Teil auch schon im FTSE Developed World mit enthalten. ;-)

Ich wollte mich hierbei an dem Depot-Vorschlag des Finanzwesirs richten, den er mit seinem heutigen Wissen umsetzen würde.

Es ist trotzdem ein guter ETF und du kannst ihn gern behalten, aber wenn du deine Rendite unbedingt durch Smallcaps noch extra aufpeppen willst, wäre es wirkungsvoller, doch gleich über einen dezidierten eigenen Smallcap-ETF als dritte Position nachzudenken (und Europa bei der Gelegenheit gleich rauszuschmeißen), aber haja, dass kann jeder individuell passend entscheiden. :-)

Ich hatte mir das halt so überlegt, dass ich den MSCI World + Europa + EM IMI nehme, und später vielleicht einen MSCI World Small Caps (14%) dazu bzw. vielleicht noch einen MSCI Wold Value (10%).
Dann hätte ich schon 5 ETFs. Wenn ich dann noch einen EM Small Caps dazu nehme sind es schon 6. Wenn es keinen Unterschied macht, ob mit Extra Europa oder nicht, dann kann ich mir den wirklich sparen und habe am Ende sogar nur 4 ETFs. Ich wollte es schlank halten. Meinst du ein MSCI ACWI IMI (90%) und ein MSCI World Value (10%) erledigen das gleiche?

Geht es dir darum dass du mit Ausschüttern auch die Dividenden verkonsumieren kannst, wenn du phasenweise mal dazu Lust hast?

Es geht mir hierbei darum, die Dividenden zu verkonsumieren wenn es bspw. aufgrund von Arbeitslosigkeit oder wenn andere Erscheinungen von katastrophalem Ausmaß eintreffen (z.B. Krebs, Querschnittslähmung, höhere Gewalt wie Feuer oder Wasserschäden an Wohnung, Auto & Co., Demenz, Gendefekte, Kriege) nicht anders geht.
Alternativ auch um meine Steuern zu bezahlen wenn das relevant wird. Wenn alles gut läuft, reicht vielleicht sogar die Dividende im Alter um davon zu leben, ohne den Kapitalstock der Aktien anknabbern zu müssen.

Bei gefallenen Kursen ist es doch besser die Ausschüttungen zu verkonsumieren, als den Kapitalstock anzufressen. Dann fährt man ja Verluste ein. Und die Verhalten sich dann ja linear wenn der Kurs wieder steigt, also nach meinem Verständnis.

Ein Beispiel:

  • Depotwert: 10.000 EUR
  • Börsencrash: -50%
  • Depotwert: 5.000 EUR
  • Entnahme: 1.000 EUR
  • Depotwert 4.000 EUR
  • Börsenerholung: +100%
  • Depotwert: 8.000 EUR

Diese Entnahme hat mich am Ende 2.000 EUR gekostet, obwohl ich nur 1.000 EUR entnommen habe. Da ist es doch besser nur die Ausschüttungen hierfür zu nutzen, oder? Die dämpfen zwar die Rendite bewegen sich aber immer mit ihr mit. Bei ETFs kann ja auch mal der Fall eintreten, dass es 10 Jahre lang Rohrkrepierer sind, und dann holen die innerhalb von 5 Jahren alles auf und legen über den gesamten Zeitraum noch eine Durchschnittsrendite von 7% hin :-D

Das mit dem Kapitalstock ist da auch so eine Sache beim Thesaurierer: Angenommen ich verkaufe jährlich im Gegenwert zur Durchschnittsjahresrendite (wie will man die eigentlich zu diesem Zeitpunkt herauskriegen? Aber sei's drum) Anteile.
Dann vermindern sich meine Anteile bei theoretisch gleichbleibenden ETF-Wert. Das ganze mache ich solange bis ich am Ende nur noch einen einzigen Anteil habe der ja theoretisch meinen ganzen ETF-Wert behält. Also bspw.:

    1. Jahr: 100.000 EUR auf 100 Anteile, Wert pro Anteil beträgt 1000 EUR.
    1. Jahr: 100.000 EUR auf 99 Anteile, Wert pro Anteil beträgt 1010,10 EUR.
    1. Jahr: 100.000 EUR auf 98 Anteile, Wert pro Anteil beträgt 1020,40 EUR ... n. Jahr: 100.000 EUR auf 1 Anteil, Wert pro Anteil beträgt 100.000 EUR.

Das wäre eine Rendite von ca. 1,01%

Wie geht es dann weiter? Verkaufe ich dann Bruchstücke? :-D Das ist doch so eine Grenzrechnung mit Limes und so, Wert strebt gegen 0. Irgendwann habe ich dann ein Depot im Wert von 100.000 EUR und nur 0,000.001 Anteil der dann einen Wert von 10.000.000.000.000 EUR hat :-D

Der Ausschütter hat so ein Problem nicht, der bleibt immer bei seinen 100 Anteilen, was eben ein wenig an der Rendite nagt.
Die Ausschüttungen möchte ich ja größtenteils reinvestieren. Nur wenn es gar nicht anders geht für Reha, Medikamente, Katastrophen die ich überlebe oder eben die Rente. dann wollte ich die Ausschüttungen verbrauchen ohne eben Anteile verkaufen zu müssen.

Meinst du das, dass am Ende wirklich vollkommen egal ist und nur noch mörderisch eiskalte Mathematik und Logik?
Ich befürchte dahingehend bin ich nicht ausreichend mit Talenten gesegnet und bestückt. Mathematik ist mein schlimmster Feind :-D Gleich nach meiner Naschsucht! ( ˘ ³˘)
Was könnte ich deiner Meinung nach dagegen tun? In Mathe bin ich in der Schule trotz Nachhilfe immer durchgefallen.


Schwachzocker sagt am 08. November 2018

@BörsenPadawan

"Bin ich mit 31 Jahren grundsätzlich schon zu alt um so einen ETF-Sparplan für die Altersvorsorge zu betreiben, einmal unabhängig von allen anderen Faktoren? (Bestehende Vorsorgemaßnahmen, Kontostand, Qualifikation, Arbeitsmarkt, Arbeitsplatzsicherheit, soziale Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe, etc.)"

Auf das Lebensalter kommt es nicht an, sondern auf den Anlagehorizont. Je länger der ist desto besser die Chancen, dass etwas positives dabei herauskommt. Das Geld, das in Aktien-ETFs steckt, solltest Du mindestens 15 Jahre abschreiben können.

"Bspw. bei dem Vanguard Emergency Market und dem iShares MSCI Emergency Market IMI (ausschüttend). Der Vanguard hat hierbei einen Kurswert von 47,42 EUR und der iShares einen Kurswert von 3,72 EUR. Der iShares-ETF wurde erst dieses Jahr aufgelegt, der Vanguard bereits 2012. Schwingen die jetzt ca. im Gleichtakt auf und ab oder wird der iShares langfristig eine steilere Rendite hinlegen um einen ähnlichen Kurswert wie der Vanguard zu erreichen?"

Die Preise von ETF-Anteilen lassen sich untereinander nicht vergleichen, weil sie völlig willkürlich sind.
Du musst Dir vorstellen, dass ein Fonds eine gewisse Summe Geld eingesammelt hat, z.B. 1000,- Euro. Der Fondsanbieter kann die Anteile so groß machen wie er möchte. Er kann die 1000,- Euro in 10 Anteile zu je 100,- Euro aufteilen, oder er kann die 1000,- Euro auch in 100 Anteile zu je 10,- Euro aufteilen usw. Das ist völlig egal. Du bekommst für die gleiche Summe an Geld stets den gleichen prozentualen Anteil am Fonds.
In der Wertentwicklung sollten ETFs auf den gleichen Index natürlich (fast) gleich sein.

"Wenn man sowieso nicht abschätzen kann welcher ETF auf den MSCI World die meiste Rendite bringt, ist es dann nicht sinnvoller anstatt für 375 EUR sich einen herauszupicken einfach alle 15 Anbieter mit je 25 EUR pro Monat zu besparen?"

Donnerwetter! Die Idee habe ich noch nie gelesen. Herzlichen Glückwunsch!
Das wird wohl in der Praxis nicht funktionieren, weil Du nicht alle ETFs hinreichend kostengünstig besparen kannst. Selbst wenn Du wenigsten einige ETFs besparst, wirst Du bemerken, dass sich öfters was an den Konditionen ändert. Gehe ruhig davon aus, dass die Handelskosten langfristig um so niedriger sind je größer Deine Sparrate auf eine Position ist.
Im übrigen machst Du Dir an der falschen Stelle zu viele Gedanken. Aktien-ETFs auf den MSCI World sind und bleiben eine riskante Geldanlage, wo es zwischendurch auch mal 50% herunter gehen kann. Das ist das Risiko.

@SmartBetaAlpha

"Bei gefallenen Kursen ist es doch besser die Ausschüttungen zu verkonsumieren, als den Kapitalstock anzufressen. Dann fährt man ja Verluste ein. Und die Verhalten sich dann ja linear wenn der Kurs wieder steigt, also nach meinem Verständnis."

Das ist ein feuchter Traum von Dividendenjägern. Es wäre natürlich herrlich, wenn es die Ausschüttungen als Schmankerl oben drauf geben würde. Dann wäre jeder, der in Thesaurier investiert, schön blöd.
Nein, die Ausschüttungen werden in gleicher Höhe vom Kurs abgezogen, so dass sich abgesehen von steuerlichen Gegebenheiten keine Unterschiede für die Rendite ergeben.
Da wird auch nichts wieder aufgeholt, weil der Thesaurier ja nie den Kursabschlag hatte und deshalb fortan im Kurs immer vor dem Ausschütter liegt (bei angenommener gleicher Wertentwicklung), und zwar um genau soviel wie der Ausschütter ausgeschüttet hat.
Das ist bei steigenden Kursen so. Das ist bei gleichbleibenden Kursen so. Und daran ändert sich bei fallenden Kursen auch nichts.
Das Verkonsumieren von Ausschüttungen ist also genauso eine Entnahme aus der Substanz wie der Verkauf von Anteilen für das gleiche Geld.
Und nein, die Anzahl der Anteile ist nicht Deine Substanz, sondern die Anzahl der Anteile ist egal. Es kommt auf den Wert Deiner Anlagen an.


Matthias sagt am 09. November 2018

Oha! Die bekannte Diskussion „Guter Kapitalstocknichtverbrauchenderdividendenverkunsumierer vs. Böser Kapitalstockverbrauchenderanteilsverkonsumierer“ blüht mal wieder auf.
Ich freue mich auf die Antworten.
Grüße vom bösen Kapitalstockverbrauchendenanteilsverkonsumierer


Matthias sagt am 09. November 2018

„Donnerwetter! Die Idee habe ich noch nie gelesen. Herzlichen Glückwunsch!“

Die Idee, verschiedene ETFs (bestenfalls zu unterschiedlichen Zeitpunkten) auf den selben Index zu kaufen oder den selben ETF bei unterschiedlichen Brokern zu kaufen, ist gar nicht so schlecht, insbesondere, wenn man sich auf Thesaurierer konzentriert.
So kann man das möglicherweise lästige FIFO-Prinzip umgehen und selbst entscheiden, welcher der ETFs in der Entsparphase verkauft wird. Wenn man z.B. anstrebt, 500.000 Euro für die Altersvorsorge in thesaurierenden ETFs anzusparen, ist doch eine gute Frage, ob man das dann in einem ETF mit 500k haben möchte oder in 20 ETFs mit jeweils 25k.
Mir würde die zweite Variante besser gefallen. Dann kann ich pro Jahr einen der 20 ETFs komplett platt machen, womit FIFO und Steuerthemen einfach geklärt sind.


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