20. Dezember 2016


Leserfrage: Gold oder Aktie?

Leser M. schreibt

Ich plage mich mit einer Frage herum die ich bislang nicht beantworten kann. Es würde mich sehr freuen wenn Sie mir helfen würden.
Sie beschrieben schon den ARERO-Fonds und ich finde ihn eigentlich als die optimale Anlage für mich.
Aber wegen der aus meiner Sicht völlig unklaren Zukunft des Euro und der EU möchte ich wissen was aus meiner Einlage im ARERO wird, wenn der schlimmste Fall eintritt?
Griechenland, Brexit, Italien und Frankreich vielleicht auch…
Am Ende könnte wegen der allgemeinen Verschuldung und der schlechten Wirtschaftslage der Euro plötzlich untergehen, Stichwort unkontrollierter Währungscrash. Meine Fragen:

  1. Sind meine ARERO Einlagen Geldwert oder Sachwert?
  2. Hätte der ARERO beispielsweise die heftigen Verwerfungen und Währungsreformen überstanden?

Alternativ würde ich in Goldbarren investieren.

Der Finanzwesir antwortet

Normalerweise hätte ich M. eine Mail geschrieben und auf den ARERO-Artikel verwiesen. Es ist der letzte Satz, der mich dazu bewogen hat, diese Leserfrage zu veröffentlichen.

Ist das jetzt ein Geld- oder ein Sachwert?

Bevor wir einsteigen noch einmal ganz kurz: Wie ist der ARERO aufgebaut?

Der ARERO-Index besteht zu

  • 60% aus Aktien, die über den MSCI Europa, den MSCI Nordamerika, den MSCI Pazifik und den MSCI Schwellenländer abgebildet werden
  • 25% aus Renten (über den IBOXX Euro Sovereign)
  • 15% aus Rohstoffen (über den Bloomberg Commodity Index Total Return 3 Month Forward)

75% des Index basieren auf der Performance von Sachwerten, 25% des Index basieren auf der Performance von Geldwerten. Als UCITS IV konformer Investmentfonds gehört der ARERO zum Sondervermögen und ist nicht Teil der Insolvenzmasse.

Soweit so schön, aber wie ist das umgesetzt? Habe ich denn tatsächlich Sachwerte im Depot?

Das finden wir heraus, in dem wir uns hier den aktuellsten Jahres- oder Halbjahresbericht herunterladen und uns die Vermögensaufstellung anschauen.

  • 93,16 % des Vermögens sind in Anleihen angelegt. Die größte Position hat einen Anteil von knapp 6%. Insgesamt umfasst dieser Posten 38 Einzelpositionen. Die Emittenten kommen alle aus Deutschland.
  • 3,37% des Vermögens besteht aus Swaps.
  • 3,52% sind Cash und Termingeld.

In Bezug auf die Swaps entnehmen wir dem Verkaufsprospekt auf den Seiten 10 und 11:

"Für Sicherheiten, die im Zusammenhang mit OTC-Derivategeschäften gestellt werden, wird grundsätzlich ein Abschlag von mindestens 2% verrechnet, z.B. für kurzlaufende Staatsanleihen mit hervorragender Bonität. Folglich muss der Wert einer solchen Sicherheit den Wert der gesicherten Forderung um mindestens 2% übertreffen und somit einen Übersicherungsgrad von mindestens 102% erreichen. Ein entsprechend höherer Abschlag, von zurzeit bis zu 33%, und ein demnach höherer Übersicherungsgrad von 133%, wird für Wertpapiere mit längerer Laufzeit oder Wertpapiere von schlechter bewerteten Emittenten veranschlagt. Die Übersicherung im Rahmen der OTC-Derivategeschäfte erfolgt in der Regel innerhalb der folgenden Spanne:
Übersicherungsgrad 102% bis 133%"

Das bedeutet: Wenn der Swap-Partner seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann, hat der Fonds durch die Übersicherung einen Puffer und kann die hinterlegten Sicherheiten auch mit einem Abschlag verwerten ohne Verlust zu machen.

Uns jetzt? Geld- oder Sachwerte? Was steckt im Depot?
Anleihen und Bargeld sind Geldwerte. Swaps sind meiner Meinung nach ebenfalls als Geldwerte einzustufen. Der Grund: Ein Swap ist nichts weiter als das Versprechen eine bestimmte Indexperformance zu liefern. Es werden einfach zwei Zellen im Excelsheet vertauscht. Meine Performance in Zelle A1 tauscht den Platz mit der Performance des Index in Zelle B1. Damit ist die Indexperformance meine Performance und meine Performance geht auf den Swap-Partner über.
Also alles Geldwerte. Ist das schlimm?

Welche Krisenszenarien haben wir?

Die Verwahrstelle wird insolvent

Dann greift die Sondervermögenregelung. Eine neue Verwahrstelle muss her und es geht weiter. Leser M. wird vielleicht einige Zeit nicht auf sei Geld verfügen können, bis sich der Staub gelegt hat.

Der Swap-Partner kann seinen Verpflichtungen nicht mehr nach kommen.

Dann verwertet der Fonds die Sicherheiten und kommt hoffentlich ohne Verlust aus der Sache heraus. Wenn doch, so ist der Verlust auf maximal 10% begrenzt.

Zitat Verkaufsprospekt Seite 22:

"Das Ausfallrisiko der Gegenpartei bei Geschäften mit OTC-Derivaten sowie bei Geschäften mit OTC-Derivaten, die im Hinblick auf eine effiziente Verwaltung der Portfolios getätigt werden, darf 10% des Netto-Fondsvermögens nicht überschreiten."

Wie oben bereits geschrieben: Laut Halbjahresprospekt beträgt der Swap-Anteil aktuell 3,37% des Vermögens. Da ist noch Luft nach oben.

Alles bricht zusammen

Dann sitzt der Fonds auf Rentenpapieren deutscher Emittenten und muss diese verkaufen. Wobei sich die Frage stellt: Sollten dann deutsche Wertpapiere nicht besonders begehrt sein? Anleihen werden immer dann wertlos, wenn sie nicht zurückgezahlt werden. Was ist los in Deutschland, wenn kein deutsches Bundesland mehr seine Schulden zurückzahlen kann?

Leser M. schreibt

"Griechenland, Brexit, Italien und Frankreich vielleicht auch…"
"wenn der schlimmste Fall eintritt…"

Was ist denn der schlimmste Fall? Mit solchen globalhysterischen Aussagen kommen wir nicht weiter. Was ist zu tun:

Erstens: Den Medienkonsum drastisch herunterfahren. Nach dem Brexit sollte die Welt untergehen. Was ist passiert? Nichts. Es wird einfach nur mehr Bürokratie geben und die Briten werden austreten und gleichzeitig Mitglied der EU sein. Sie wissen schon:

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
schneebedeckt die grüne Flur,
als ein Wagen blitzesschnelle
langsam um die Ecke fuhr.

Irgendein juristisch-dialektischer Trick und den Verträgen ist Genüge getan.
Die Medien nehmen über Werbung nur die sprichwörtlichen "lousy pennies" ein und müssen deshalb aus betriebswirtschaftlichen Gründen ihre Werbeplätze maximieren. Das geht am leichtesten mit Klickstrecken und maximaler Hysterisierung.
Sie sehen eine Hundeschnauze und und die gemäßigten schreien "Wolf, Wolf", der Rest tut’s nicht unter "Werwolf, Werwolf".

Zweitens: Szenarien bilden.

  1. Was kann kommen?
  2. Wie wahrscheinlich ist das Eintreten dieses Szenarios?
  3. Wie hoch ist der maximale Schaden?

Stichwort "Schwarzer Schwan": Schauen Sie dabei eher auf den maximalen Schaden und weniger auf die Häufigkeit.

Es geht um diese Kant-Geschichte: Raus aus der selbst verschuldeten finanziellen Unmündigkeit.

Leser M. fragt:

"Hätte der ARERO beispielsweise die heftigen Verwerfungen und Währungsreformen überstanden?"

Auf diese Frage gibt es nur die "Radio-Eriwan"-Antwort: "Im Prinzip ja, aber …"
Die konkrete Antwort hängt davon ab, wie Sie die Frage beantworten: "Werden deutsche Anleihen bester Bonität von einem Zerbrechen der EU profitieren oder nicht?"
Das Spannende an den heftigen Verwerfungen ist ja, dass sie Neuland sind.

Kommen wir nun zum Goldbarren

Die Alternative Aktien versus Gold ist keine Alternative. Das ist noch nicht einmal der berühmte Vergleich zwischen Äpfeln (Large Caps) und Birnen (Small Caps), sondern der Vergleich von Äpfeln mit Lauch. Wir wechseln von der Assetklasse Obst in die Assetklasse Gemüse.
Dieses Verhalten erinnert an jemanden, der sagt: "Ich wohne auf dem Land, wenn ich einen Führerschein hätte wäre das sehr nützlich. Aber ich habe gehört, dass es so viele Unfälle gibt. Das ist mir zu gefährlich. Vielleicht lerne ich lieber Schach."

Führerschein versus Schach? Und nachts ist es kälter als draußen…

Wieso eigentlich immer Gold?

Weil Gold gut ist in der Krise. Gut, dann lassen Sie uns mal ein paar Krisenkulissen aufbauen. Schauen wir, wie sich das Gold so schlägt.
Bevor wir in die Krise starten, brauchen wir Gold. Also echtes Gold, kein Papiergold, keinen ETF auf Gold!
Dieses Gold müssen wir kaufen. Am besten schwarz und diskret zu Hause verstecken. Warum das? Lesen Sie diesen Wikipedia-Artikel über 3.000 Jahre Gold-Prohibition.

  • Altes Ägypten: Gold = heilig, da Fleisch der Götter und deshalb tabu für den gemeinen Fellachen.
  • Sparta: THIS IS SPARTA - und ab in den Brunnen. Auf den Besitz von Gold und Silber stand die Todesstrafe.
  • Kublai Khan verbot 1273 den Privatbesitz von Gold und Silber.
  • In der Neuzeit wurden ebenfalls Goldverbote verhängt. Beispiele hierfür sind in der Zwischenkriegszeit die Weimarer Republik 1923, die USA 1933 und Frankreich 1936 sowie in der Nachkriegszeit Indien 1963 und Großbritannien 1966. Noch 1973 war in über 120 Staaten der Erde der private Goldbesitz von Restriktionen betroffen.

Der echter Krisenprofi inseriert: "Kaufe Altgold, Zahngold, Bruchgold zu Höchstpreisen", zahlt bar und und gießt dann im trauten Heim seine eignen Barren. Das ist nicht bescheuert, sondern konsequent und zeigt sehr schön, warum Aktien Äpfel sind und Gold Lauch ist.

  • Warum kaufe ich den ARERO? Weil ich Geld verdienen will. => offensiv
  • Warum bunkere ich Gold? Weil nicht mein gesamtes Vermögen verlieren will. => defensiv

Die Krise, die keine ist

Mir kommt es immer so vor, als ob das Hauptkrisenszenario der Goldfreunde so aussieht: Der Euro ist aus irgendwelchen Gründen über Nacht verschwunden. Nun, dann kramen wir alle unsere Goldvorräte heraus und bezahlen eben damit. Denn die Busse fahren nach wie vor pünktlich, die Läden sind voll und das Leben geht im alten Trott weiter. Nur eben mit Goldmünzen statt mit Euroscheinen und Plastikgeld. Reden wir hier eigentlich von Krise oder einer Währungsumstellung?

Flucht

Als Flüchtiger brauche ich kleine Stückelungen. Aktuell zahlen die Profis für ein Gramm Gold rund 35 €. Die Haspa verkauft Ihnen aktuell ein Gramm für 42,70 € und kauft es dann für 33,70 zurück. Bei anderen Instituten wird der Spread ähnlich sein.
Fliehen ist teuer. Wenn Sie sich als vierköpfige Familie auf den Weg machen und mit 100 bis 200 g Gramm Gold pro Person rechnen, dann haben Sie zwischen 400 und 800 Gramm Gold dabei.
Wie stückeln Sie das? 800 Ein-Gramm-Barren oder auch einen 250g-Barren (8.750 €) oder ist das zu viel? Vielleicht doch lieber maximal 100g-Barren? Ihnen stehen die Stückelungen 1 g, 5 g, 10 g, 20 g, 31,1 g (die berühmte Unze), 50 g, 100 g, 250 g, 500 g und 1.000 g zur Verfügung.
Ich frage mich: Hat sich einer der Goldbugs mal hingesetzt und das Thema "Gold auf der Flucht" konsequent zu Ende gedacht?

  1. Wie viel Gold brauche ich denn überhaupt? In Krisensituationen ist der Tauschwert des Goldes nicht amtlich festgelegt. 50 Gramm Gold für eine Flasche Wasser ist sicherlich Wucher, aber wen stört’s. Natürlich kann man sich immer auf den Standpunkt zurückziehen: Besser zu wenig Gold, als kein Gold.
  2. Wo verstecke ich das Gold?
  3. Wie verteidige ich mein Gold? Ist Gold auf der Flucht überhaupt eine gute Idee? Macht Gold einen nicht schlicht und ergreifend zum Mordopfer?
  4. Sind ein Messer und der unbedingte Wille es auch einzusetzen nicht bessere Fluchthelfer als ein Sack Gold?
  5. Flucht bedeutet auch immer körperliche Strapazen. Sollte ich nicht lieber für 50 Euro im Monat hart in der Muckibude trainieren, statt für 50 Euro Gold zu kaufen?

Krise zu Hause

Wir haben Verhältnisse schlimmer als 1945. Ich bin Landwirt und es geht mir gut. Ich habe Weizen, Vieh und Hühner. Die Gestalten aus der Stadt bieten Gold. Ich frage mich: Wie viel Gold will ich haben? Was soll ich damit? Werde ich nicht überfallen, wenn bekannt wird, dass ich 10 Kilo Gold besitze?
Dann versteck’s doch einfach Finanzwesir.
Ja und dann? Wenn meine Töchter ein Messer an der Kehle haben, buddele ich das Gold ganz schnell wieder aus. Schon vergessen: Wir reden von einer echten Krise. Bei der 110 nimmt schon lange niemand mehr den Hörer ab.
Viel willkommener als die ganzen Gold-Fuzzis ist mir der vollkommen mittellose junge Mann, der sich gerade vorgestellt hat. Warum? Nun zum einen hat er nichts mit Medien studiert, sondern ist Ingenieur und er kann meine Biogasanlage wieder flott machen. Und zum anderen: Wer sagt schon nein zu einem potentiellen Schwiegersohn mit zwei kräftigen Armen?
Haben nicht praktische Fähigkeiten und Potential einen weit höheren Tauschwert als Gold?

Fazit

Sollte M. den ARERO kaufen?
Nein, auf keinen Fall. Wer den Kauf von Gold ernsthaft als Alternative zum Aktienmarkt erwägt, ist noch nicht reif für ein Börsenengagement. Egal ob ARERO, klassischer ETF oder der direkte Aktienkauf: Nach dem Brexit ist vor dem Italexit. Irgendwas ist immer und die Kurse schwanken dementsprechend.
Gold und Aktien sind kein entweder/oder, sondern im Rahmen einer begründeten Diversifikation ein sowohl/als auch. Das muss aber erst einmal verstanden werden.
Meine Befürchtung: Wenn M. sich am Aktienmarkt engagiert, wird er das sein, was Kostolany einmal "zitterige Hände" genannt hat. Sind die Papiere in zittrigen Händen, endet eine schlechte Nachricht im Debakel.

Die Frage ist: Wie kann M. von einem Zittrigen zu einem Hartgesottenen (auch ein Kostolany-Begriff) werden? Hartgesottene bleiben bei schlechten Nachrichten ruhig, reagieren aber auf gute Nachrichten sehr positiv.

Mein Vorschlag

  1. Ab sofort keine Finanzpornographie mehr. Statt dessen ein paar gute Bücher aus meiner Finanzbibliothek.
  2. Nachdem ein besseres Verständnis für die einzelnen Anlageklassen da ist, sollte M.
  3. Szenarien bilden und sich überlegen, wie der ARERO wohl darauf reagiert.
  4. Basierend auf diesen Erkenntnissen kauft M. dann den ARERO oder er sucht sich ein anderes Investmentvehikel oder er kauft Gold und den ARERO.

Ziemlich mühsam und nervig, aber der einzige Weg, um auch in der Krise seiner Strategie treu zu bleiben.
Wenn M. das zu mühsam ist, sollte er ein paar Tausend Euro zur Seite legen und sich einen guten Berater suchen, der es sich leisten kann ihn neutral zu beraten, weil M. ihn gut bezahlt.

(awa)

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Kommentare

Marian sagt am 20. Dezember 2016

Klasse geschrieben, wie immer.

Viele Grüße

Marian


ChrisS sagt am 20. Dezember 2016

Gut ausgeführt im Aufgreifen der verschiedenen Punkte. Fast immer wenn ich mir am Anfang eines Absatzes gedacht hätte "mhm, das würde ich noch dazu erwähnen" wurde es auch behandelt. Da bleibt mir auch nicht viel übrig, als nochmal unterstützend in die selbe Kerbe zu schlagen...

Leser M. , was den Arero für dich zur "optimalen Anlage" macht, läuft ja anscheinend auf einer anderen Ebene ab als die offenen Fragestellungen die du darüber hinaus hast (ist ja keine Schande, du stellst dir wenigstens Fragen und hast auch vom Wesir eine gute Antwort bekommen die dir bestimmt weiterhilft).
Der Gedanke läuft ja so: Auf der "Produkt-Ebene" überzeugt dich der Arero wohl weil er ein einigermaßen simples und günstiges Komplettprodukt ist um ohne großen Aufwand ein passiv-B&H Portfolio gebündelt abzubilden. Soweit, so gut.
Wenn du jetzt allerdings auf einer höheren Ebene "hinter die Kulissen" schaust, fragst du dich wie robust das Produkt mit seiner Swap-Konstruktion gegen "exogene Schocks" ist.
Worüber wir dann reden wäre ja eben eine "Meta"-Diskussion: Wenn "einfach nur Börsenkrise" ist, die Indizes in den Keller rauschen und der Arero den Indizes folgend mitrauscht ist das zwar blöd aber immer noch "normal" in dem Sinne als dass das Produkt ja auch dann eigentlich nur "funktioniert wie es soll" (nämlich einfach den Indizes folgen).
Exogen wäre in dem Sinne alles darüber hinaus, was dazu führt dass das Produkt eben gerade nicht mehr funktioniert wie es soll. Man kann sich nun verschiedene solcher Szenarien, in unterschiedlichen Eskalationsstufen vorstellen (bereits schön aufgezählt), es liegt nun an jedem selbst eine individuelle Abwägung des Rendite/Risiko-Verhältnisses zu treffen und sich entsprechend zu positionieren.
Dabei auch nicht das unwesentliche "Risiko" vergessen, dass vielleicht eben auch mal garnichts schlimmes (oder nichts so schlimm wie gedacht) passiert und man am Ende wohl einfach am besten damit gefahren wäre, einfach ruhig und konsequent langfristig investiert zu bleiben ;-)

Wenn wir mal, wie oben, unterscheiden wollen zwischen produktspezifischen und systemischen Problemen - falls du dir zB Sorgen darüber machst dass im Hintergrund der Arero-Konstruktion die Swaps platzen könnten o.ä., dann liegt es ja nahe sich zu überlegen stattdessen ein eigenes Portfolio aus physischen ETFs aufzubauen.
Wovor das allerdings natürlich nun wieder nicht "schützen" kann sind allgemeine "normale" Börsenkrisen, in denen beide ETF-Typen gleichermaßen abrauschen werden. Dann würden wir die Antworten eher im Bereich der Asset-Allokation finden (kurzgesagt, nur soviel in Risiko-Anlagen investieren dass man auch mit den historisch auftretenden Schwankungen leben kann - denn mehr als damit leben zu müssen bleibt einem auch nicht wirklich übrig).

Ein anderer Gedanke wäre zum Beispiel auch, wenn du dir speziell Sorgen um den Euro und die EU machst, verstärkt nach Investitionsmöglichkeiten außerhalb dieses Raumes Ausschau zu halten, um von diesen Problemen vielleicht etwas weniger betroffen zu sein.
Ob, wie sicher, und mit was genau man sich einer wirklich eklatanten Europa-Krise wirklich entziehen könnte (die ja sicherlich auch im Rest der Welt merklich gespürt werden würde), sei mal dahingestellt bzw jedem selbst überlassen - ist ja nicht so dass es im Rest der Welt alles rosig wäre und die nicht auch ihre Probleme hätten über die man sich genauso Sorgen machen kann.
Auch hier kann die ruhigste Vorgehensweise gegen die allgemeine Verunsicherung einfach nur die Diversifikation sein, um sich breit aufgestellt von den speziellen Entwicklungen (positiv wie negativ) eines bestimmten Bereiches etwas unabhängiger zu machen. Nicht, um jeden Schaden völlig zu vermeiden, sondern die Schadensmöglichkeiten so zu verteilen, dass keiner allein einen umbringt.

Ob der Arero speziell nun einen "Geldwert" oder einen "Sachwert" darstellt ist vielleicht nicht die befriedigenste Fragestellung - abseits der recht juristischen Diskussion um die Finanzkonstruktionen geht es doch viel grundsächlicher darum ob du dem Produkt nun zutraust, seine bestimmte Werthaltigkeit in o.g. Szenarien zu (be)halten - oder eben nicht.
Andersherum gefragt, werd dir über deine eigenen Definitionen von Geldwert und Sachwert klar und entscheide dementsprechend. In der Abwägung des Rendite- und Risikopotentials der verschiedenen Anlagemöglichkeiten wirst du deine eigenen Antworten finden, und die kann auch nur individuell sein (was jemand anderes denkt, muss nicht auf dich passen, und was du für richtig hälst muss nicht für alle anderen auch das beste sein).

Ob der Arero speziell die "heftigen Verwerfungen" (welche?) und Währungsreformen (welche?) überstanden hätte ? Keine Ahnung - Wenn du aber "die Börse" allgemein meinst, kann ich dir nur raten, dich einfach mal über die Historie zu informieren. Daten über Börsenkurse gibts ja nun schon lang genug damit du deren Verhalten in verschiedensten Krisenszenarien studieren kannst, um wissen zu können was du vielleicht auch in Zukunft so alles aushalten musst.

"Alternativ würde ich in Goldbarren investieren."

Wie der Wesir bin ich auch erstmal über den letzten Satz etwas gestolpert :-D

Okay, mhm... ein Goldbarren ist nun wieder ziemlich weit weg von dem was du am Anfang noch als "optimale Anlage" für dich bezeichnet hast (das passive B&H-Weltportfolio, ganz egal ob das jetzt nun speziell Arero oder was auch immer genau ist). Da sollte man auch wieder erstmal grundsätzlich über eine genauere Klärung der Anlagepolitik nachdenken.
Was erwartest du eigentlich von deiner Anlage, und was willst du mit ihr erreichen ? Wenn du an den langfristigen Entwicklungen des weltweiten Aktienmarktes partizipieren willst, wirst du das nicht mit einem Metallbarren tun können, dafür muss man aber eben auch bereit sein, die zwangsläufig dabei auftretenden Schwankungen und Unsicherheiten zu akzeptieren und durchzuhalten (man kann das Ausmaß ja individuell eingrenzen durch Allokation).
Wir können ja gerne lang ausdiskutieren ob du in Gold wirklich "sicherer" aufgehoben bist, aber hoffentlich waren die Ausführungen des Wesirs dabei schon hilfreich genug - ich würde eher nochmal darauf hinweisen wollen dass dir klar wird auf was du damit ja auf der anderen Seite auch wieder verzichten würdest.
Gold und Aktien sind insoweit ja keine "Alternativen" als dass sie austauschbar oder Entweder-Oder wären.
Du liest ja schon auf dem Blog hier mit - also zumindest den Artikel über den Arero hast du ja gelesen - deshalb würde ich einfach raten, erstmal einfach noch in Ruhe etwas die vielen anderen Artikel weiterzulesen.
Sind alle gut geschrieben und inhaltlich strukturiert dass dir schnell ein paar Kernpunkte auffallen werden die immer wieder vorkommen (gerade weil sie so wichtig sind).
Nimm dir ein paar Tage, Wochen, solange du brauchst (die Welt wird bis dahin nicht untergehen ;-) Zeit bis dir das gedankliche Fundament soweit gelegt ist, dass du dir über deine eigene Anlagepolitik selbst klargeworden bist (heißt übrigens nicht dass das die exakt gleiche wie hier sein muss, nur dass du eben die nötige Souveranität entwickelt hast, deine eigenen Entscheidungen auch so begründen zu können dass du dich lang genug (und durch zukünftige Krisen) daran halten kannst).
Vielleicht wird dir dann klar dass du auch auf den Barren verzichten kannst. Wenn nicht, wäre eine alleinige Investition in Gold ja auch nur ein wesentliches "Klumpenrisiko" (sogar wortwörtlich :-D).
Wenn am Ende eine mögliche Kombination dabei rauskommt, wäre das ja auch nicht die schlechteste Lösung. Wer nun unbedingt einen gewissen Prozentsatz seines Vermögens in Gold investiert "braucht" (und sei's auch nur quasi als psychologische Krücke) um überhaupt erst den Mut zu ermöglichen einen (hoffentlich größeren) Teil ins Weltportfolio zu investieren, soll das eben machen, alles besser als überhaupt garnicht investiert zu sein.


Reinsch sagt am 21. Dezember 2016

Ich gehöre ja eigentlich nicht zu den Crash-Fetischisten, sondern eher zu den Gelassenen. Gedanken darüber habe ich mir natürlich trotzdem gemacht, und meiner Meinung nach ist doch gerade dann, wenn man an einen Eurocrash, wirtschaftliche Verwerfungen, starke Inflation, oder gar einen Krieg in Europa glaubt, so ein breit gestreutes Aktienportfolio (ob nun per ETFs oder selbst gewürfelten Einzelwerten) das erste Mittel der Wahl.

Mit dem MSCI Europe beispielsweise erwerbe ich Anteile an den ca. 500 größten Unternehmen Europas. Die haben auch schon vor dem Euro in ihrer Landeswährung Gewinne eingefahren, etliche haben sogar zwei Weltkriege überstanden. Daher werden die auch ohne Euro weiter ihre Geschäfte machen. Und eine Beteiligung an ihnen wird auch in der neuen deutschen Währung ihren Wert haben.

Warum ich von Gold als "Weltuntergangswährung" nichts halte ist im Artikel gut beschrieben. Da würde ich mir höchstens ein paar Zigaretten und Schnapsflaschen in den Keller packen, und ansonsten mehr auf meine persönlichen Kontakte, kräftigen Arme, und inzwischen ganz gutes gärtnerisches Können vertrauen.


pHoeniX sagt am 21. Dezember 2016

Die Gedanken zum Thema Flucht gefallen mir sehr gut.
Offensichtlich hat sich der Wesit damit tiefgreifender und vor allem "realistischer" auseinander gesetzt als die meisten Gold-in-der-Krise-Fanatiker.

Aber was mich wirklich zum Lachen gebracht hat, war der Seitenhieb auf "irgendwas mit Medien", der ja hier auch nicht zum ersten Mal zu finden ist.


Bankenmärchen sagt am 22. Dezember 2016

Trotz aller passiven Lehre, besitze ich ein Grundstock an Gold. Klar, an sich ist es nur ein wertloses Metall. Bei der fortschreitenden Entwertung des Geldes durch weltweite horrende Verschuldung und Flutung der Notenbanken ist es ein materielles Gut, welches für die Menschen schon immer einen Gegenwert besaß und wahrscheinlich auch immer besitzen wird.
Die Frage die ich mir stelle ist: Kann ich davon ausgehen, dass egal welche Krise es geben wird, das Gold immer einen Wert besitzt? Ja. Und: Kann dieser Wert höher sein, als der heutige Marktpreis? Ja, weil die globale Schuldensause ein für mich unkalkulierbares Risiko ist.

Auf dem Blog von Bankenmärchen gibt es hierzu diesen Artikel: Bankenmärchen


Christian H. sagt am 22. Dezember 2016

In der Krise ist Gold sicher wertlos. Aber taugt es nicht dazu, den Wert über eine Krise hinaus zu retten?
Angenommen der Euro verliert über Nacht seinen Wert und wir haben Gold im Garten verbuddelt. Die Krise dauert angenommen 12 Jahre, danach hat Dank Wirtschaftswunder der Euro2 einen ähnlichen Wert erreicht und die Leute beginnen wieder Gold zu kaufen. Könnte ich nicht so mein Vermögen in eine andere Ära retten?


Sepp Blatter sagt am 22. Dezember 2016

@Bankenmärchen

Warum eigentlich nur Märchen über Banken und nicht über die weit weniger transparenten Versicherungen (immerhin mit der größten Lobby neben Energieunternehmen in diesem Lande)?


Finanzwesir sagt am 22. Dezember 2016

@Christian H.
Grundsätzlich ja. Aber nur, wenn niemand es findet und man seinen Garten behalten kann und nicht fliehen muß und natürlich wenn das Gold in den neuen Friedenszeiten nicht konfisziert wird, weil es als illegal erworben gilt. Der USB-Stick mit den Kaufdokumenten von vor der Krise hat leider nicht überlebt. Also: Nicht nur das Gold verbuddeln, sondern auch die Kaufbelege wenn es heißt: "The Return of the Amtsschimmel"

@pHoeniX

"... war der Seitenhieb auf "irgendwas mit Medien", der ja hier auch nicht zum ersten Mal zu finden ist."

Ja, "was mit Medien" und "Netflix" meine beiden "Waldorf & Statler" in Blog & Podcast. ;-)

Gruß
Finanzwesir


Robert Michel sagt am 22. Dezember 2016

Mit der Frage, ob man lieber in Gold oder Aktien investieren möchte, macht man ein ganz schönes Fass auf. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass man mit Gold und Aktien ganz andere Anlageziele verfolgt. Bei der Frage Gold oder Aktien geht es also weniger um die Wahl der richtigen Mittel, sondern darum welche Ziele man sich setzt. Die Entscheidung ist also weniger eine rein rationale, sondern eine sehr persönliche. Daher erwarte ich auch, dass Goldanleger und Aktionäre systematisch aneinander vorbeireden.

Jemand mit wenig Vertrauen in die Welt, der sich in erster Linie nach Sicherheit sehnt wird sich das Goldinvestment nicht ausreden lassen. Jemand der den Dingen soweit es geht auf den Grund geht und auf dieser Basis seine Entscheidung trifft wird stark zur Aktie neigen. Überspitzt gesagt pessimistisch, konservative Fatalisten legen in Gold an, optimistische, liberale Rationalisten in Aktien.

Was ich sehr interessant finde ist, dass Kryptowährungen eine ähnliche Funktion wie Gold erfüllen, aber in vieler Hinsicht in der praktischen Handhabung dem Gold überlegen sind. Insbesondere auf der Flucht würde ich lieber über eine gefüllte Bitcoin-Börse verfügen als über den gleichen Wert in Gold.

Gruß,
Robert

Auf dem Blog von Robert Michel gibt es hierzu diesen Artikel: Mehr zu den Hintergründen der Alternative Gold oder Aktien


Kosten runter sagt am 22. Dezember 2016

| Ein kleines Häuschen mit großem Garten auf dem Land ist auch eine gute Krisenanlage.
Wenigstens im Westen des Landes, hatte man es nach 1945 schnell wieder. Der Garten dient zur Untersützung der Selbstversorgung. Eine Solaranlage mit Speicher und Holzheizung ist auch keine schlechte Ergänzung, dann hat man Strom, wenn die Netze zusammengebrochen sind und kann mit einem Bauern gut einen Deal machen, wenn man ihm eine Schweinehälfte kühl lagert, dann bekommt man auch ne Scheibe ab. Ein mit 10000 l gefüllter unterirdischer (gut getarnt) Heizöltank und ein schlecht aussehender Lada oder Traktor hilft auch. Da kann man Bauern mit Diesel aushelfen, die Nachbarin zur Arzt fahren und dafür nahrhafte Naturalien eintauschen.
Beim Verbuddeln von Gold im Garten für die Zeit nach der Krise sollte man wissen, dass es heutzutage gute Metallsuchgeräte gibt, die auch auf ein spezifisches Metall einstellbar sind. Also tief vergraben oder unter viel Stahlarmierung eingraben. Gute Diamanten haben auch immer ihren Wert behalten und sind wesentlich leichter zu verstecken. Da aus Kohlenstoff, gibt es keinen Detektor für sie. Mutige könne sie in ihre Schuhsole eingießen und damit auf die Flucht.

Ich bin nicht so krisenparanoid und halte viel an Aktien. Das Häuschen habe ich aber auch, schuldenfrei und es wirft mir eine steuerfreie Rendite in Form gesparter Miete ab (Kosten runter ist ein guter Rat für Alter, kleine und große Krisen). Über die Solaranalge denke ich gerade nach. Könnte sich in der Niedrigzinszeit auch gerade noch lohnen.


Finanzwesir sagt am 23. Dezember 2016

Hallo Robert,

"Insbesondere auf der Flucht würde ich lieber über eine gefüllte Bitcoin-Börse verfügen als über den gleichen Wert in Gold."
Naive Frage von einem, der sich nicht auskennt: Was ist, wenn es auf der Flucht etwas unzivilisiert zugeht und man

  1. kein Internet hat
  2. das mobile Endgerät kaputt geht, ins Wasser fällt oder sonstwie beschädigt wird.
  3. mein Tauschpartner keine Bitcoin-Börse hat

Wie sieht es generell mit der Akzeptanz von Gold vs. Bitcoins bei potentiellen Geschäftspartnern aus?

Gold ist hart und direkt, bei Bitcoins habe ich immer noch einen Technik-Layer dazwischen. Oder habe ich das falsch verstanden?

Gruß
Finanzwesir


wolfi sagt am 23. Dezember 2016

Lieber Leser M, das Thema Gold ODER Aktien ist, wie Sie sicher jetzt wissen, eigentlich gar kein Thema, das eine Diskussion lohnt.
Es ist aber - falls man es doch diskutiert - für mich ganz einfach ein Geldfrage. Warum? Wer 20tausend Euro besitzt, der sollte davon nicht 5tausend in Gold anlegen.
Er kann es sich auch meist gar nicht leisten. Wer aber 1Mio Euro besitzt, für den ist vielleicht der Einkauf von 100tausend Goldeuro eine sehr beruhigende Angelegenheit. Er wird vom Rest immer noch gut leben und damit wirtschaften können.
Die Diskussionrichtung, Gold ist etwas für die von Untergangsängsten geplagten Neurotiker, ist mir aber doch etwas zu einfach. Da wird immer der Flüchtling beschrieben, der in einen 1 Meter tiefen Bach fällt und ertrinkt - weil in seinem Mantel die Goldbarren eingenäht waren und er kaum noch laufen konnte.
Na, wenn es soweit ist, dann sollte man anders vorbereitet sein. Ich halte für solche Fälle entschieden mehr von drei verschiedenen Kreditkarten, die von drei Banken aus z.B. CH, CAN und Australien ausgestellt sind und die dort eine satte Deckung haben. Wenn es soweit ist, dass Flucht notwendig wird, dann kann ich mich von meinem Gold sowieso nur verabschieden und hoffen, es irgendwann wiederzusehen und das es bis dahin niemand findet.
Bis dahin freue ich mich darüber, aus jedem Bankautomaten der Welt meinen bescheidenen Lebensunterhalt zu beziehen. Falls aber auch das nicht mehr geht, dann hat all unsere Planung und Vorsorge sowieso keinen Sinn gehabt. Das muss man dann in guter alter Stoikermanier ertragen können. Je älter man ist, umso einfacher ist das dann wahrscheinlich.
Für den derzeit in Europa und der Welt aber wohl eher wahrscheinlichen Fall, dass es zu massiven Verwerfungen im Geldsystem kommt, finde ich die Existenz von Goldanteilen an meinem Vermögen schon sehr beruhigend.
Nicht nur weil es einfach schön glänzt, bestimmt nicht weil ich damit die nächste Weihnachtsgans oder ein paar Brötchen bezahlen möchte, sondern weil für Gold immer der berühmte Vergleich gilt, dass man für 1 Unze immer einen gut gemachten Anzug bekommt.
Und das kann ja in schlechten Zeiten, neben ein paar Flaschen Wein und Nudelpackungen im Keller, auch ganz beruhigend sein. Es erhöht die Chancen auf eine lukrative Neuanstellung, wenn wieder Leute gesucht werden und wieder Geld verdient werden kann.... ;-))


wolfi sagt am 23. Dezember 2016

ach, da fällt mir noch als kleiner Nachtrag die einfache Frage ein: Warum kaufen und halten eigentlich so viele Staaten auf diesem Planeten riesige Goldmengen? Damit die Schmuckindustrie nicht pleite geht? Als Ballast für die großen Staatsbankenpläste, dass die nicht umfallen? Weil die Tresore nun mal da sind? Also irgendwas muss doch dran sein an dem Zeug, obwohl doch bunte Aktienpapiere viel leichter zu lagern sind.... Schöne Feiertage an alle.


Matthias sagt am 24. Dezember 2016

Liebe Leute, ich lese das alles hier so gerne.
Es ist wirklich eine Freude. Drüben im Brauhaus wird Haxe gegessen, gefeiert und Füchschen getrunken. Ich schätze, mindestens 90% aller Menschen machen sich so gar keine Gedanken über ETFs, Gold, die Börse, geschweige denn über den Zusammenbruch des Finanzsystems.
Die wissen gar nicht, dass so etwas überhaupt möglich sein könnte und man dafür Bitcoins, Gold oder ausländische Kreditkarten vorhalten sollte. :-) Und ich wusste es auch lange Zeit nicht.
Mein Eindruck ist: Je tiefer und intensiver man sich mit dem Thema Geldanlage beschäftigt, desto mehr entwickelt man eine Angst vor extrem unwahrscheinlichen Ereignissen, wie dem Zusammenbruch des Finanzsystems oder der staatlichen Ordnung. Und das wiederum kann einen arbeitstäglich daran hindern, die einfache aber richtige Strategie (regelmäßig ETFs kaufen und die Nachrichten vergessen) umzusetzen. Nichts zu tun, ist extrem schwer. Und das über viele Jahre...

Frohes Fest!


Uwe P. sagt am 25. Dezember 2016

Ein sehr schöner Aufsatz.

Man kann sich nicht gegen alle Lebenrisiken absichern. "Was nützt mir Stahlhelm wenn ich kriege Bauchschuß?" Wer wirklich Angst vor einer Krise im Sinne eines Nachkriegsszenarios hat, sollte statt Gold lieber Dinge um sich herum mehren, die er dann benutzen kann: Einen Garten samt Werkzeug, um etwas anbauen zu können, ein eigenes Häuschen oder so. All das ist auch irgendwie gefährdet, aber zumindest anwendbar.

Wenn man von einem normalen Verlauf des Weltgeschehens ausgeht, als einschließlich einer gelegentlichen Griecheland-Krise und eines Brexit, dann kann man anderes machen. Aktien kaufen, heißt Vertrauen in das Wachstum der Weltwirtschaft haben. Das sollte die einzige Motivation sein. Aktien, um "Profit" zu machen, das geht beim ersten starken Kursverlust schief.


Murphy sagt am 26. Dezember 2016

Wer wirklich auf einen Crash aus ist, kauft sich ETF-Anteile (für den Profit, wenn der wahrscheinliche Fall eintritt, dass alles bleibt wie es ist) und von dem was der Wesir "Finanzfeuerwehr" nennt seine Konsumgüter des täglichen Bedarfs für etwa 6 Monate auf Vorrat (Wasser, Nahrung, Medikamente/Hygieneartikel, Heizöl). Das ist zwar anfänglich eine größere Investition aber keine Extraausgabe, weil man die Sachen sowiso verbraucht.

Für das was man sonst in eine Unze Gold stecken würde, kauft man Krisen-boni wie Heizöl-Stromaggregat, Heizöl-Kochstelle und Munition (in Deutschland kann man sich natürlich nur totschlagen und ausrauben lassen, aber der Wesir hat ja auch Leser in Österreich und Schweiz).

Mit diesem Vorgehen ist man für ein vorübergehendes "Anarchie auf den Straßen"-Szenario sowie für den wahrscheinlichen Normalfall gerüstet ohne viel Geld und nur etwas Aufwand zu Investieren.

Für den Fluchtfall ist wie schon richtig angemerkt ein "ich schnappe mir mein Gold und renne auf die Straße"-Plan milde ausgedrückt unausgegoren. Wer damit rechnet vielleicht flüchten zu müssen sucht sich ersteinmal im voraus Orte an die man fliehen kann - wenn man das getan hat ist ein Auslandsbankkonto im Zielland eine bessere Lösung als Goldbarren, die dann am Flughafen oder der Straßenblockade beschlagnahmt werden.

Ich sehe für mich jedenfalls keine Situation, in der Gold irgendwie vorteilhaft wäre.


Mathias sagt am 27. Dezember 2016

Eine Geschichte aus der Praxis:
Meine Oma (88 Jahre alt) erzählt unter anderem immer wieder die Geschichte, dass als sie 45 vom Dampfer in Stralsund kamen, der Vater beim Bauern 10 Pfund Weizenmehl für eine goldene Uhrenkapsel eintauschen konnte. Das Mehl wurde für die jüngere Schwester zum Stillen als Milchersatz gebraucht. Die Mutter hatte keine Milch, wahrscheinlich aufgrund der Versorgungslage. Später wurden Eheringe und Ohrringe für Schmalz und Kartoffeln getauscht. Gold ist transportabel das Gut der Urgroßeltern ist immer noch irgendwo bei Königsberg und gehört jetzt jemand anderem.

Für mich persönlich ist das ein Grund das zehn Prozent meines Vermögens in physischem Gold gehalten wird. Dazu eine selbstgenutzte Immobilie und der Großteil in Aktienfonds breit gestreut. Eine Aktie der IG Farben hätte Uropa damals mitnehmen können – das Gut leider nicht.


Stefan (Immobilienanleger) sagt am 27. Dezember 2016

Von Gold als Kriesenwährung halte ich nicht viel. Viel zu teuer und bei richtigen Krisen, wie schon geschrieben vollkommen nutzlos.

Anstelle von Gold als Absicherung gegen einen Börsencrash wie 2008 würde ich mir lieber einen Anteil put-Optionen ins Depot legen. Diese sichern das Depot viel günstiger gegen große Kursrückschläge ab.


Pete sagt am 31. Dezember 2016

Toller Artikel und gute Überlegungen zum Thema Krisenzeiten.

Für mich als Ehemann und Vater von zwei Kindern wäre (und ich betone "wäre", da ich kein Weltuntergangsanhänger bin) für ein drohendes Armaggedon warme Kleidung für alle, eine gute Survival Ausrüstung und eine Waffe wohl eine weit bessere Investition als Gold. Sei es um meine Familie zu beschützen oder auch nur um unser notwendiges Mittagessen selber jagen zu können. Ich besitze auch kein physisches Gold, würde aber eventl. zur besseren Diversifikation in Zukunft noch einen Gold ETF ins Depot legen, da ich soweit nur in Einzelaktien investiere und ein Gegengewicht nicht verkehrt sein dürfte.

An alle ein erfolgreiches neues Jahr!

Beste Grüße


Horstenberg sagt am 02. Januar 2017

Die Finanzwesir-Antwort geht aus meiner Sicht ziemlich am Thema vorbei. Nur so viel:

  1. Die Aktienkomponente im Arero-Fonds ist eine recht gute Vorsorge gegen das Szenario des Lesers. Weltweite Diversifikation mit tausenden Aktien, über zahlreiche Währungsräume verteilt, was will man mehr! Allerdings ist es empfehlenswert, diese Aktien über physisch replizierende ETFs zu kaufen. Das geht nicht mit dem DWS-Arero, das kann man sich aber nachbauen.

  2. Die Anleihen-Komponente im Arero ist - da über den gesamten Euro-Währungsraum verteilt - problematisch im Szenario des Lesers. Daher passt diese nicht zu seinen Zielen.

  3. Die Rohstoff-Komponente des Arero dagegen passt wunderbar, um sich gegen eine Euro-Krise abzusichern. Wie aber macht man das tatsächlich? Der DWS-Fonds taugt dafür nicht wirklich. Am ehesten hilft wohl ein Rohstoff-ETF aus einem Wirtschafts- und Währungsraum, der nicht so unsicher ist wie der des Euro (etwa USD oder GBP, diese Währungen und Wirtschaftsräume halten schon ein paar Jahrhunderte durch).

  4. Gold sichert ebenfalls gut gegen das Euro-Untergangsszenario ab. Gold wird schon seit tausenden von Jahren ein hoher Wert beigemessen. Dazu noch Silber, das entkräftet der meisten obigen Gegenargumente: Mit Gold kommt man durch die Krise (Werterhalt!), mit Silber zahlt man in der Krise.

  5. Die Antwort auf die Leserfrage ist daher, in aller Kürze: Weltweit gestreute Aktien, Rohstoffe, Gold und Silber sind eine gute Vorsorge gegen die Eurokrise. Alles möglichst abbilden durch voll replizierende ETFs bzw. durch physische Edelmetalle. Schlecht musst dieses Anlageprinzip nicht sein. Für mich jedenfalls sind die von Thomas Mayer beschriebenen Szenarien für den Euro nicht unrealistisch.