20. Oktober 2014


Leserfrage: Sind Einzelaktien nicht besser als ein ETF?

Leser Gerald hat sich die Serie "Auf der Jage nach dem perfekten ETF" durchgelesen und fragt jetzt:

Hm, alles in allem klingt das für mich nicht sehr vertrauenerweckend. Und das soll "besser" sein als ein ausgewogenes Portfolio aus 10-15 Einzelaktien zu kaufen und liegen zu lassen?

Mit "nicht sehr vertrauenerweckend" meint er die Themen Wertpapierleihe und Swap.

Der Finanzwesir antwortet

Hallo Gerald, ein marktbreiter Index ist eindeutig besser als ein Aktiendepot, das aus 10 bis 15 Einzelwerten besteht.

Warum?

Kurzer Rückblick: Warum ist ein Indexfonds überhaupt sinnvoll? Ein Indexfonds kauft den ganzen Markt. Man ist sicher, die Marktperformance abzüglich der Kosten zu erhalten.

Wer sich ein Depot aus Einzelwerten zusammenstellt, betreibt Stockpicking. Wer vor 10 Jahren konsequent auf Google gesetzt hat und 10 Jahre lang nicht verkauft hat, hat seinen Einsatz um 1.100 Prozent gesteigert. Aus splitbereinigten 45 Dollar beim Börsengang sind aktuell 511 Dollar geworden. Da kann kein Index mithalten. Das bedeutet: Wer sich zutraut, die Outperformer zu finden, sollte nicht in Index-Produkte investieren. Nur die Ahnungslosen streuen ihr Geld breit.

Ich höre schon den Einwand: Ich will ja gar nicht das nächste Google finden, sondern nur in 10 bis 15 solide Firmen investieren.

Da stellt sich die Frage: Wie definieren wir "solide"? Zigarettenfirmen hatten jahrzehntelang ein wunderbares Geschäft, nun stehen sie am Pranger, und die großen Ölfirmen bekommen auch immer mehr Gegenwind. Sehen wir mal, wie es mit den Textilunternehmen weitergeht.
Denn die Lieblinge von gestern sind nicht die Lieblinge von morgen. Die politischen und wirtschaftlichen Rahmendaten können sich sehr schnell und dramatisch ändern. General Motors und Enron haben gezeigt, dass auch Blue Chips den Bach runtergehen können. Die Frage nach den deutschen Top-Werten kann sicher jeder an Aktien Interessierte beantworten, auch US-Firmen sind nicht schwer zu finden. Aber welche chinesische oder indische Firma ist es wert, ins Depot aufgenommen zu werden?
Das größte Problem: Ein Großteil der Rendite wird von wenigen Outperformern getragen, die meist unbekannt sind, oder es sind irgendwelche Turnaround-Kandidaten, die man vor ein paar Jahren nicht mal mit der Kneifzange angefasst hätte. Und genau diese Renditetreiber hat man nicht im Depot.
Somit ist eine Auswahl von Einzelaktien immer eine Wette darauf, dass sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, alles so bleibt wie immer, kein Bilanzierungs-, Bestechungs- oder Umweltskandal aufzieht und die Vergangenheit in die Zukunft fortgeschrieben werden kann. Egal, wie "gut" die Unternehmen jetzt ausschauen. Das ist alles nur eine Momentaufnahme.

Die nächste Frage, die sich stellt: Wie viele Einzeltitel brauche ich, um ein robustes Depot zu haben? Reichen 10 Titel oder sind 20 besser, vielleicht brauche ich auch 30 Werte …
Der Artikel "The Illusion Of Diversification: The Myth Of The 30 Stock Portfolio rechnet vor, dass man 60 Aktien braucht, um in etwa so gut dazustehen, wie ein Indexfonds. Das Problem dabei: Diese Rechnung bezieht sich nur auf den Markt der US-Standardwerte. Wer auch US-Nebenwerte, europäische Standard- und Nebenwerte und womöglich noch japanische Aktien abdecken will, landet bei Hunderten von Einzelaktien.
Ein ETF auf einen Index ist da wesentlich einfacher in der Handhabung.

Es gibt verschiedene Risiken, denen ein Geldanleger ausgesetzt ist. Manche lassen sich vermeiden, manche nicht. Mehr dazu im Artikel "Was ist Risiko?".
Für unvermeidbare Risiken wird der Anleger entlohnt. Deshalb rentieren Aktien besser als deutsche Staatsanleihen. Wer vermeidbare Risiken eingeht, ist selbst schuld. Diese Risiken werden vom Markt nicht honoriert. Das Einzelwertrisiko ist so ein Risiko. Der US-Ökonom Harry M. Markowitz hat mithilfe der Portfoliotheorie gezeigt, dass ein Anleger Einzelwertrisiken komplett eliminieren kann, ohne auf Rendite zu verzichten. Er muss nur breit genug investieren.
Streut man über viele Aktien, so wird die Renditeerwartung nicht gesenkt, aber das Risiko. Das ist der Free Lunch der Diversifikation.

Ein Beispiel

Es gibt zwei Geldanlagen A und B. Bei beiden kann man eine Rendite von 7 % erwarten.

Geldanlage A streut stark. Der Durchschnitt aller Anleger wird 7 % bekommen, aber es kann sein, dass ein Anleger ein leckeres Grillhähnchen bekommt und der andere ein Brötchen. Im Schnitt haben beide dann ein halbes Hähnchen und ein halbes Brötchen.
Geldanlage B streut nicht. Hier bekommt jeder Anleger 7 %; oder um bei unserem Beispiel zu bleiben: Jeder bekommt ein halbes Hähnchen und ein halbes Brötchen.

Jetzt investieren 100 Anleger in A und die Streuung setzt ein: Einige werden 7 % bekommen, aber für jeden Anleger, der 14 % gemacht hat, muss es einen geben, der 0 % bekommt, und für alle, die mehr als 14 % einfahren, muss es Anleger geben, die einen Verlust machen. Sonst kommt das mit dem Schnitt von 7 % nicht hin.

Bei B sieht es so aus: 100 Leute investieren, alle werden 7 % bekommen.

Geldanlage A und B haben beide eine Erwartungsrendite von 7%.

Bei Geldanlage A darf man nicht mehr als 7 % erwarten, hat aber trotzdem das Risiko von diesen 7 % abzuweichen. Mit Glück kann man deutlich mehr als 7 % erhalten, mit Pech aber auch Verlust machen. Aber man kann nicht erwarten, dass man mehr bekommt.
Deshalb lohnt sich die Geldanlage A nicht.

Was hat das jetzt mit Aktien zu tun?

Geldanlage A sind zwei Werte aus dem DAX (Bayer und BASF), Geldanlage B ist ein Indexfonds auf den DAX. Beide haben die gleiche Erwartungsrendite, da beide in den Markt DAX-Aktien investieren. Die langjährige DAX-Rendite liegt bei 10 %.

Wenn es ein glorreiches Jahr für Chemiewerte ist, werden die zwei Chemieriesen den Indexfonds um Längen schlagen. Es kann aber auch sein, dass sie extrem abstürzen. Der Indexfonds ist viel ausgeglichener, er wird um die 10%-Marke pendeln.
Das bedeutet: Ein Depot mit wenigen Einzelaktien ist objektiv die schlechtere Wahl.

Depot mit Einzelaktien – Probleme in der Praxis

Selbst wer auf die ganze Diversifikation pfeift und nur 10 bis 15 Einzelwerte kaufen will, hat operative Probleme. Keine Einzelposition sollte unter 1.000 Euro liegen, sonst werden die Transaktionskosten überproportional hoch. 2.000 Euro wären eine wünschenswerte Losgröße. Um ein Depot aus Einzelaktien zusammenzustellen, brauchen man zwischen 10.000 Euro und 30.000 Euro. Dieses Geld muss man erst einmal haben. Wer 20 bis 25 Einzeltitel im Depot haben will, ist schnell bei 50.000 Euro Depotvolumen.
Einen ETF auf den MSCI World kann man dagegen oft kostenfrei über einen Sparplan kaufen. Bei manchen Anbietern sind sogar Miniraten von 25 Euro pro Monat möglich. Damit qualifiziert sich ein ETF für alle Einkommensschichten, während die Direktanlage in Aktien eher etwas für den großen Geldbeutel ist.

Fazit

Wertpapierleihe und Swapping sind für mich die eindeutig kleineren Übel. Die Chance, kostengünstig und für kleines Geld in Hunderte von Firmen zu investieren, gleicht die Nachteile bei Weitem aus.
Kleine Auto-Analogie: Ich muss tanken, Öl und Scheibenwischwasser nachfüllen. Das kostet Zeit, Geld und macht schmutzige Finger. Aber ist das ein Grund, auf individuelle Mobilität zu verzichten?
Ich kann mit einer ETF-Kombi ein Depot in einer Qualität realisieren, die ich als Normalverdiener mit Aktien nie umsetzen kann.

(awa)

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Kommentare

Hamsterrad sagt am 21. Oktober 2014

Hallo Finanzwesir,

das Kostenargument gilt heute nicht mehr uneingeschränkt. Cortal Consors bietet Sparpläne auf über 170 Aktien zu einer Kaufprovision von 1,5% ohne Mindestprovision an. Nur bei deutschen Namensaktien fällt eine Gebühr von 1,95 Euro für die Eintragung ins Register an. Läßt man diese Aktien außen vor, kann man bereits mit 250 Euro monatlich 10 verschiedene Aktien besparen und dies bei einmaligen Gebühren von 3,75 Euro. Da für Aktien keine laufende TER zu entrichten ist, führt dies bereits nach wenigen Jahren (selbst im Vergleich zu einem kostenlosen ETF Sparplan) zu einer Einsparung von Kosten.

Viele Grüße Hamsterrad


Finanzwesir sagt am 21. Oktober 2014

Hallo Hamsterrad, danke für das Update. Der Verzicht auf eine Mindestprovision ist sehr gut für alle, die nur kleine Summen anlegen wollen.

Ich habe mal recherchiert: Bisher (Stand 2013) haben 15 der 30 Dax-Unternehmen Namensaktien ausgegeben, im MDax sind es knapp ein Drittel der 50 Gesellschaften.
Die DAX-Werte sind Adidas, Allianz, BASF, Bayer, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Lufthansa, Post, Telekom, E.On, Infineon, K+S, Münchener Rück und Siemens.
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann fällt die Registergebühr jedes Mal an. Wer Namensaktien kaufen will, und ich denke , auf diese Werte sollte man nicht verzichten, muß halt sparen und dann einen größere Summe investieren.

Gruß
Finanzwesir


Gerald sagt am 21. Oktober 2014

Finanzwesir

Erstmal vielen Dank für Deine ausführliche Stellungnahme und den dabei herausgekommenen, guten Artikel.

Ich falle in der Tat in die Kategorie der "größeren Portfolios". Ein Luxusproblem. Bei alleine schon 100.000 Euro zahle ich bei einem sehr günstigen Welt-ETF 300-400 Euro pro Jahr an Gebühr, die ich mir bei Einzelaktien sparen kann. Sind es mir diese (ohne Zinseszins) 3.000 bis 8.000 Euro (über 10-20 Jahre) wert, einen eigenen Index aus 20-30 Werten zu kreieren?

Aber es geht ja nicht nur um Kosten. Im Grunde genommen wäre es eine Art "Sampling" sowie es die Swapper ja auch machen. Muss ich wirklich Werte z.B. aus der Finanzbranche in dieser Gewichtung im Depot haben? Oder Zykliker bis die Schwarte kracht?

Und vielleicht möchte ich ja gar nicht den Markt schlagen, sondern "nur" 5% p.a. im Schnitt über die nächsten 20 Jahre erzielen & dabei wissen, was ich im Depot habe. Eventuell möchte ich auch aus ethischen oder anderen Gründen gewisse Unternehmen meiden und andere bevorzugen.

Ich spreche bewusst von einem "ausgewogenen" Portfolio und nicht den üblichen Dividendenwerten. Ein repräsentatives Sampling aus Branchenvertretern sollte mit dem Markt mithalten können. Im WPF habe ich dazu eine tolle Ausarbeitung gefunden.
http://www.wertpapier-forum.de/topic/25027-kernportfolio-aus-bluechip-einzelaktien-marktnah-langfristig/

Ich bin nicht Warren Buffett und möchte auch keiner sein. Aber ich kann Bilanzen & Finanzkennziffern lesen und auf Basis von Fakten einschätzen, ob ein Wert teuer oder fair bewertet ist.

Alles, was mit ETFs geht, kann ich auch mit Einzelwerten machen. Buy & Hold, nachkaufen, regelbasiertes Rebalancing etc.

Für mich geht es nicht um "schwarz" (ETF) oder "weiss" (Aktie), aber gleichzeitig kann für mich nicht der einzige Königsweg sein, auf (marktkapitalisierungsgewichtete) ETFs zu setzen, die eine Menge Schweinkram machen.


Zeuge Draghis sagt am 21. Oktober 2014

"Keine Auto-Analogie: Ich muss tanken, Öl und Scheibenwischwasser nachfüllen. Das kostet Zeit, Geld und macht schmutzige Finger. Aber ist das ein Grund auf individuelle Mobilität zu verzichten? Ich kann mit einer ETF-Kombi ein Depot in einer Qualität realisieren, die ich als Normalverdiener mit Aktien nie umsetzen kann."

Ich finde, Deine Analogie hinkt.

Ich würde eher Folgendes sagen:

ETF: Ich mache eine Inspektion und repariere alles zu einem günstigen Preis. Auch die Dinge, die ich eigentlich nicht machen lassen möchte.

Einzelaktie: Ich mache eine Inspektion und mache nur die 2-3 Dinge, die wirklich gemacht werden müssten. Vielleicht mache ich sie sogar selber, wenn ich es kann und es mir Spass macht.


Finanzwesir sagt am 22. Oktober 2014

@Gerald und @Zeuge Draghis:
Danke für Eure Kommentare. Ich bleibe bei meiner Meinung, aber wenn andere Leser diesen Artikel finden, dann sehen sie auch, was ihr zu sagen habt und können sich dann ihre eigene Meinung bilden.

Insbesondere Gerald hat mit dem Thema "aus ethischen oder anderen Gründen gewisse Unternehmen zu meiden" einen Punkt angesprochen, der in meinem Blogposting überhaupt nicht vorkam.

Was das Gebühren sparen angeht, so glaube ich, dass ich mit anderen Dingen als der Aktienauswahl einen höheren Stundenlohn erzielen kann. Von daher delegiere ich das und "kaufe mich frei".

Was Eure Kommentare aber deutlich zeigen: Es wird nie dazu kommen, dass die Börse "einfriert", weil alle nur noch passiv investieren. Das hört man ja manchmal "Ja, aber was ist, wenn alle passiv investieren".

Es wird immer genug Menschen geben, die ganz bewusst und nach sorgfältiger Überlegung aktiv investieren werden.

Gruß Finanzwesir

PS: Was macht eigentlich ein Zeuge Draghis? Seinem Herrn die Munition hinterhertragen? ;-)


Covacoro sagt am 25. Oktober 2014

@Gerald: Genau so sehe ich das auch !

2 Gedanken möchte ich noch ergänzen:
Wer sich mit Einzelaktien, Bilanzen, Fundamentaldaten, Bewertung usw. beschäftigt, bildet sich fort und eine Meinung dazu, was ein Unternehmen wert ist und wie dieser Wert zum momentanen Preis (Kurs) in Beziehung steht. Mit diesem Rüstzeug verfällt man nicht mehr so leicht in Panik, wenn die Kurse fallen. Einige ETF-Anleger, angetreten passiv und langfristig zu investieren, werfen ihre guten Vorsätze genau dann über Bord, wenn -30 oder -40% Verlust aufgelaufen sind.

Außerdem möchte ich unterstreichen, was Du gesagt hast: man sollte nicht versuchen einen Index zu schlagen oder sich an diesen Vehiklen zu orientieren. Ein eigenes Ziel muss her, mit dem man sich wohl fühlt, z.B. 5% p.a. auf Sicht mehrere Jahre. Und da wir keine Scheuklappen anlegen, kann man gerne ETF für Emerging Markets oder um internationale Märkte abzubilden kaufen, und in Europa wählt man sich ein Portfolio aus 10-20 Einzelaktien aus, z.B. Nebenwerte, Valueaktien, usw. usf.


Mithrandir sagt am 26. Oktober 2014

Hi,
der Leser Gerald hat wenigstens die Möglichkeit , sich frei zwischen ETFs und Einzelwerten entscheiden zu können.
Andere - wie ich - haben diese freie Entscheidung nach einem Erbfall nicht mehr.
Auch ein Luxusproblem bleibt manchmal noch ein Problem:
Ich selbst "führe" ein ausgewogenes ETF-Portfolio mit den üblichen 4 Regionen-Indizes für den Aktienteil.
Durch ein Erbe kam Anfang des Jahres ein Aktiendepot mit Einzelwerten ( 10 Blue Chips aus Europa und USA) in etwa derselben Größenordnung hinzu. Nun stimmen sowohl im Gesamtaktienanteil aus Einzelwerten und ETFs die Proportionen nicht mehr und dies auch im Verhältnis zum Anleihenanteil des Depots.

Ich will damit nur zum Ausdruck bringen , dass es nicht nur schwarz oder weiß bzw. ein entweder/oder zwischen ETFs und Einzelwerten gibt. Für eine individuelle Lösung muss ich mich noch durchringen.


Finanzwesir sagt am 27. Oktober 2014

Hallo Mithrandir,
das ist eine interessante Konstellation. Vor allem, da die ETF- und die Aktien-Position in etwa gleich gross sind.
Die knallharte Indexer-Methode wäre: Alle Aktien en bloc verkaufen (Markt-Timing funktioniert nicht) und dann umgehend in die entsprechenden ETFs umschichten und dabei gleich das Jahres-Rebalancing vornehmen.
Auch hier aus Kostengründen möglichst große Postionen kaufen. Vorher natürlich den Anleihen-Teil (oder was immer RK1 ist) abzweigen und ebenfalls anlegen. Auch hier natürlich gleich das Rebalancing mitdenken.
Womöglich noch einen kleinen Teil als Cash aufs Tagesgeldkonto, um daraus das Rebalancing fürs nächste Jahr zu bestreiten.
Aber mach das mal Deinem Reptiliengehirn klar. ;-) Diese Vorgehensweise ist ja so was von gegen den Strich gebürstet, das macht kaum einer. Bei so einer Konstellation überdenkt man seine Strategie eben doch. Das mag sinnvoll sein oder nicht, es ist auf jeden Fall menschlich.
Ich wünsche Dir viel Glück bei Deinen Überlegungen und möge Dir kein Crash dazwischenkommen.

Gruß
Finanzwesir


Yanis sagt am 25. Januar 2015

Hallo Finanzwesir,

manchmal frage ich mich, besonders, wenn ich die inflationäre Anzahl an Beiträgen zu ETFs (z.B. im WPF) sehe, ob ETFs nicht eher etwas für Leute ist, die nicht gerne selber denken bzw. zu faul sind, sich mit der Materie Geldanlage weiter zu befassen. Das soll nicht despektierlich sein, sondern eher meine Wahrnehmung wiedergeben.

Medium xyz oder Blog 123 sagen, passiv sei besser. Dann ziehen einige los ohne wirklich zu verstehen, was denn diese ETFs sind und machen und kaufen sich ihr Weltportfolio oder Kommer etc.

Ich befürchte das böse Erwachen kommt dann beim nächsten Crash, wenn auch der letzte kapiert hat, dass QE zwar die Banken und wenigen Reichen reicher macht, aber überhaupt nichts zum Wirtschaftswachstum beiträgt.


Daniel sagt am 25. Mai 2015

Den Eindruck habe ich auch. Gerade im WPF werden andersgläubige unfreundlich angefeindet. Aktive Fonds sind alles Flops, Vermögensberater alles Betrüger. Wahrscheinlich sind das dort alles kleine Jungs die sich im Internet einigermaßen auskennen, mit Excel rumklicken können, und lieber alles anonym machen wollen, damit sie ja mit keinem sprechen müssen. Nerd Finance 2.0.


Finanzwesir sagt am 27. Mai 2015

Hallo Daniel,
im Wertpapierforum ist doch auch Platz für Diskussionen rund um einzelne Aktien. Die meisten Leute interessieren sich halt für ETFs.
Ich würde nicht sagen, dass alle aktiven Fonds nichts taugen, aber die Statistik zeigt doch ein sehr verheerendes Bild. Wenn Morningstar feststellt: "MSCI World ETFs lassen 90% der aktiven Manager hinter sich" http://www.morningstar.de/de/news/125172/bei-aktienfonds-f%C3%BCr-alle-f%C3%A4lle-etfs.aspx dann stellt sich schon die Frage: Wozu in einen aktiv gemanagten Fonds investieren.
Für die Vermögensberater gilt ähnliches. Zu viele Menschen haben zu schlechte Erfahrungen gemacht. Das ist schade für die guten Anbieter, die sich wirklich darum kümmern, für Ihre Mandanten eine angemessene Leistung zu erbringen.
Zum Teil müssen sich die Kunden aber auch vorhalten lassen das Thema Geldanlage zu leichtfertig delegiert zu haben.

Das Credo des Finanzwesirs: "Um gewisse Dinge im Leben muss man sich einfach selbst kümmern. Finanzen gehören dazu."

Gruß
Finanzwesir


David sagt am 20. Juli 2015

Hallo Finanzwesir.

Du sprichst in deinem Artikel lediglich vom Risiko eines zu kleinen Portfolios. Abweichungen in der Performance sind aber nicht nur nach unten, sondern genauso nach oben möglich. Die Renditeerwartung sinkt ja nicht durch ein kleines Portfolio, sondern bleibt zunächst gleich; und durch das wegfallen der TER steigt sie letzlich.

Deshalb ist meiner Meinung nach ein kleines Portfolio aus ca. 7 gut diversifizierten Aktien geeignet um die größten Risiken zu vermeiden (totalverlust aller Aktien ist sehr unwahrscheinlich), bei erhöhter Renditeerwartung, und leicht erhöhtem Risiko als auch leicht erhöhten Chancen. Momentan investiere ich zwar in ETFs, aber ich denke, sobald mein Portfolio groß genug ist dass sich der Aufwand lohnt, werde ich zumindest teilweise in diverse Aktien umschichten. Wichtig wäre eben auch bei Aktien eine ETF-ähnliche passive Strategie zu fahren, und nicht bei jedem Kurseinbruch panikartig zu verkaufen.

Auf dem Blog von David gibt es hierzu diesen Artikel: Risiko = Chance


Konstantin sagt am 12. August 2016

Hallo David,

ich denke nicht dass man bei einem Depot bestehend aus 7 Aktien von einem "leicht erhöhtem Risiko" gegenüber einem ETF Depot aus über 1.000 Aktien sprechen kann.

Wenn aus dem MSCI World ein Unternehmen pleite geht, macht sich das kaum im Kurs bemerkbar, da die maximale Gewichtung eines Titels bei ca. 2% liegt. Angenommen in deinem Aktien-Portfolio wären alle 7 Aktien gleichgewichtet, dann hättest du bei Ausfall eines Titels bereits einen Verlust von 14% deines Gesamtdepots. Diesen Verlust muss man erst mal mit den anderen 6 Titeln wieder reinholen.

Grüße
Konstantin

Auf dem Blog von Konstantin gibt es hierzu diesen Artikel: Weltportfolio


Daniel sagt am 31. Oktober 2016

Guten Tag zusammen,
Ich bin gerade dran das Buch von Matthias Graham am lesen. (Intelligent investieren).
Ich möchte für mich ebenfalls eine Investment-Strategie festlegen. Ich schwanke zwischen aktivem und passiven Investment. Mir macht es grossen Spass Aktien verschiedener Unternehmen auch fundamental zu prüfen (Bilanz + GuV-Analyse).

Wenn ich in z.b in drei ETF's einsteige (S&P 500 , EM, Europa, Pazific) ist dies eine rein passive Anlagestrategie. Natürlich bin ich mir bewusst dass diese Aussage nicht ganz richtig ist, da noch das Rebalancing usw dazukommt.
Mir schwebt aber eine Kombination von Einzelaktien und ETF's vor.

Könnte z.B so aussehen:
Abdeckung EM, Pazific und S&P 500 über ETF's. Europa versuche ich über einzelne Aktien abzudecken. Da ich der Englischen Sprache nicht wirklich mächtig bin würde das auch Sinn machen da ich die Geschäftsberichte für die USA Firmen nur schlecht auseinandernehmen könnte.

Was sind eure Meinungen dazu? Gehe ich damit in eine völlig falsche Richtung?

LG


ChrisS sagt am 31. Oktober 2016

Hallo Daniel,

erlaube mir die Gegenfrage, was erhoffst du dir von "unseren Meinungen" ?
Die grundlegende Meinung des Finanzwesirs selbst (und wohl auch die Mehrzahl der Teilnehmer hier) sollte dir doch eigentlich schon längst bekannt sein, schließlich geht es seit hundert Artikeln um nichts anderes im Grunde - passiv, diversifiziert, kostengünstig und langfristig anzulegen.
Da sollte eigentlich kein Klärungsbedarf mehr bestehen, denn so undeutlich hat der Wesir seine Artikel ja nicht geschrieben, wie ich finde.
Die andere Alternative wäre, dass du die Artikel ja noch garnicht überhaupt gelesen hast - und falls doch, und du nach all deren Argumenten trotzdem darauf bestehst, auch noch in Einzelaktien anlegen zu wollen, ist es irgendwie eigentlich auch müßig das hier nochmal groß ausdiskutieren zu wollen, da sich anscheinend die Überzeugung bei dir schon zu festgesetzt hat.
Soll übrigens kein Widerspruch sein - deswegen, mach einfach das wovon du eben überzeugt bist. Solang du einigermaßen die Grundsätze der Vernunft beim Investieren einhälst (zB nicht zuviel Geld, dessen Verlust man nicht verschmerzen könnte, in nur zuwenige Anlagen zu stecken), ist es (vor allem uns Unbeteiligten) ja eigentlich auch relativ egal, ob du nun zusätzlich zum ETF-Depot noch Einzelaktien mit Graham-Analyse machst (übrigens, meintest du nicht eher Benjamin statt Matthias?).
Du wirst selbst am besten wissen, was genau du dir davon erhoffst, und nur du selbst wirst auch (zB. nach 10, 20 etc Jahren) am Ende Bilanz ziehen müssen ob deine Erwartungen daran auch eingetreten sind oder nicht.
Wenn du daran wirklich Spaß gehabt hast, ist das ja zumindest schonmal eine "emotionale Rendite" - aber halt dich daran auch fest wenn dir zwischenzeitlich mal "der Spaß vergeht" (die toll&komplex analysierten Einzelaktien doch nicht immer einfach so von selbst aus und jederzeit die Überrendite liefern können).

Sich dabei nur auf europäische Aktien zu beschränken, hm, naja solang es nicht in Home-Bias ausartet (weil man meint, als "Einheimischer ja Europa besser verstehen zu können", eine wunderbare Überschätzung) und eine unverhältnismäßige Übergewichtung ergibt.
Und mal ganz abgesehen davon: wenn du meinst, zu schlecht Englisch zu können, würde ich DAS eigentlich mal lieber an erster Stelle ändern wollen.
Nicht nur aus finanzieller Sicht - leg das Aktienbuch weg und mach stattdessen einen Fremdsprachenkurs - weil Englisch als Weltsprache dir einfach ein viel größeres Kommunikations- und Informationspotential eröffnet, in allen Wissensbelangen, ist gerade da eine Weiterbildung eine besonders "lohnenswerte Investition".