17. April 2014


Was ist Rendite?

Wenn man sich im Internet umschaut, bekommt man verschiedene Definitionen geliefert: Die Rendite gibt das Verhältnis der Auszahlungen zu den Einzahlungen einer Geld- beziehungsweise Kapitalanlage an.
Rendite bezeichnet im Gegensatz zum Zins den Erfolg einer direkten Beteiligung in Form von Kapital, Arbeit, Immobilien und/oder Rohstoffen am Ende einer Wertschöpfungskette.
Die Rendite soll erkennbar machen, wie gut sich ein früher angelegter Geldbetrag entwickelt hat.

Allen gemeinsam: Sie drücken mehr oder weniger verschwurbelt aus:

„Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“

Das hat bereits Altkanzler Helmut Kohl 1984 erkannt.
Das Problem mit der Rendite: Sie ist nicht scharf definiert. Es existieren verschiedene Arten von Renditen. Zinsen sind sicherlich eine Form von Rendite, aber Kurssteigerungen von Aktien auch, und wer Schulden tilgt, erzielt auch eine Rendite.

Dieser Renditekram scheint ein mühsames Geschäft zu sein.

Können wir das mit der Rendite nicht vergessen und ein Bier trinken gehen?

Nein, Euer Ehren. Wir müssen diese Renditesache verstehen, denn die Rendite ist unser Kompass in den Untiefen des Investierens. Stimmt die Rendite nicht, ist das Geld in Gefahr. Die Rendite ist unser Erfolgs- und Vergleichsmaßstab.
Wenn man das Renditethema nur fein genug aufdröselt, ist es ganz einfach zu verstehen.
Versprochen! Lassen Sie uns unsere Rundreise durch die Wunderwelt der Rendite beginnen.

Das kleine Rendite-Einmaleins

Sie leihen mir 100 Euro, ich gebe Ihnen 102 Euro zurück. Ihre Rendite: 2 Euro.
Sie leihen mir 200 Euro, ich gebe Ihnen 204 Euro zurück. Ihre Rendite: 4 Euro.
4 Euro sind doppelt so viel wie 2 Euro ‒ die Rendite im zweiten Deal ist also besser.
Wirklich? Aber Sie haben mir ja auch 200 Euro statt nur 100 Euro geliehen.

Erste Erkenntnis: Die von mir gezahlten 2 Euro beziehungsweise 4 Euro sind nicht die Rendite, sondern der Gewinn.

Definition des Begriffs Rendite ‒ erster Versuch

Wir halten fest: Bei Renditeberechnung müssen wir das eingesetzte Kapital und den erhaltenen Gewinn miteinander vergleichen. Hier hilft die Prozentrechnung weiter. Wie groß ist der Anteil des Gewinns bezogen auf das eingesetzte Kapital?

2 Euro sind bezogen auf 100 Euro Kapitaleinsatz 2 %.
4 Euro Rendite sind bezogen auf 200 Euro Kapitaleinsatz ebenfalls 2 %.

Beide Deals haben also eine Rendite von 2 %.
Reicht das, um den Begriff Rendite klar zu definieren?
Auf zum nächsten Beispiel

Definition des Begriffs Rendite ‒ zweiter Versuch

Sie leihen mir 100 Euro, ich gebe Ihnen nach einem halben Jahr 102 Euro zurück.
Sie leihen mir 100 Euro, ich gebe Ihnen nach einem Jahr 102 Euro zurück.
Wenn wir Gewinn und eingesetztes Kapital miteinander vergleichen, kommen wir in beiden Fällen auf 2 %.

Also haben beide Deals die gleiche Rendite. Kann das wirklich sein?

Zweite Erkenntnis: Bei der Renditebetrachtung spielt die Zeit eine Rolle. Wie lange ist mein Kapital gebunden?

Im ersten Fall bekommen Sie Ihr Geld samt Leihgebühr (die 2 Euro) schon nach einem halben Jahr zurück. Im zweiten Fall müssen Sie ein Jahr warten, bis Sie 102 Euro in Empfang nehmen können.

Wenn wir die beiden Transaktionen miteinander vergleichen wollen, müssen wir sie so umrechnen, dass wir in beiden Fällen den gleichen Zeitraum betrachten.
In der Finanzwelt ist das Jahr der Standardzeitraum. Das ist das berühmte p.a., das Sie hinter allen Zinsbeträgen finden.

p.a. = per annum = lateinisch für jährlich

Klingt halt cooler als jährlich und unterstreicht dezent die humanistische Bildung Ihres Bankers.

Zurück zu unserm Beispiel.
Bezogen aufs Jahr sieht die Rechnung wie folgt aus:
Sie leihen mir zweimal 100 Euro, kassieren jedes Mal 2 Euro und haben nach einem Jahr 4 Euro Gewinn gemacht.
Sie leihen mir 100 Euro und haben am Jahresende 2 Euro Gewinn gemacht.

Die Rendite beträgt im ersten Fall 4 % p.a., im zweiten Fall 2 % p.a. Im ersten Fall verdienen Sie pro 100 Euro Kapitaleinsatz 4 Euro jährlich, im zweiten Fall nur 2 Euro.

Rendite ‒ das Fazit

Die Rendite bezieht sich immer auf das eingesetzte Kapital und wird immer auf ein Jahr gerechnet. Das gilt auch, wenn der tatsächliche Investitionszeitraum kürzer ist. So werden die Renditen unterschiedlicher Investitionen vergleichbar.

Satte Jahresrenditen schon mit kleinsten Summen

Sie kaufen heute eine Aktie zu 100 Euro und verkaufen diese nach einer Woche (Haltezeit 7 Tage) für 100,50 Euro. Ihr Gewinn: 50 Cent Ihre Rendite: 50 Cent sind 0,5 % von 100 Euro, die jährliche Rendite rechnen wir aus, indem wir die 0,5 % durch die Haltedauer (7 Tage) teilen und dann mit der Zahl der Tage eines Jahres (365 Tage).

Wir rechnen 0,5 % / 7 * 365 = 26 % p.a.

Merke: Je kürzer die Haltezeit, umso höher die Jahresrendite.

Verdient haben Sie aber trotzdem nur 50 Cent. Bloß, weil eine Jahresrendite von 26 % versprochen wird, dürfen Sie nicht davon ausgehen, dass Sie am Ende des Jahres für jeden Hunderter, den Sie investiert haben, auch 26 Euro auf Ihrem Konto vorfinden.
„p.a. = jährlich“ ‒ das suggeriert etwas Langfristiges und Solides, das stimmt aber nicht. Diese 26 % kommen nur zustande, weil wir Ihre kleine einwöchige Aktienaffäre aufs Jahr hochgerechnet haben.

Wie ich Sie ausnehme wie eine Weihnachtsgans und Ihnen dabei eine Renditesteigerung präsentiere

Im Kleingedruckten auf Seite 57, §5, Absatz 3 steht: „Die ausgewiesene Rendite bezieht sich auf das eingesetzte Kapital.“

Im Kleingedruckten auf Seite 98, §3, Absatz 5, Satz 13 steht: „Als eingesetztes Kapital gilt die investierte Summe abzüglich sämtlicher Gebühren und Transaktionskosten.“

Natürlich nicht so klar, wie ich das hier formuliert habe, sondern mit einem ordentlichen Schwung juristischem Zuckerguss verziert.

Sie geben mir 100 Euro, ich ziehe 10 Euro Gebühren ab und investiere 90 Euro. Am Ende des Jahres präsentiere ich eine Rendite von 2,22 %, macht ein Plus von 2 Euro.
Im nächsten Jahr gehe ich wieder über Los und ziehe wieder 10 Euro ein. Die verbleibenden 80 Euro investiere ich. Diesmal kann ich eine Renditesteigerung um 12,61 % von 2,22 % auf 2,5 % vorweisen ‒ für Sie sind aber nach wie vor nur 2 Euro drin.
Coole Sache, ich schnappe mir 10 Euro Ihres Geldes und kann deshalb eine Renditesteigerung von knapp 13 % vorweisen.
Ich habe hier einen beliebten Trick der Finanzjungs verwendet: Ich habe mit der Steigerung der Steigerung angegeben. So lassen sich auch sehr überschaubare Summen zu beeindruckenden Prozenten aufblasen.

Bevor jetzt die Kritiker kommen: Ja, das ist ein sehr simples Beispiel und in seiner Plumpheit mit ziemlicher Sicherheit so nicht durchführbar, weil verboten. Renditen müssen in Verkaufsprospekten effektiv angegeben werden, um solche Tricks zu verhindern.

Was bleibt: Klären Sie vor jeder Investition, worauf sich die Rendite bezieht.
Was gilt ‒ in Ihrem konkreten Fall ‒ als eingesetztes Kapital, und lässt diese Definition ‒ wie im obigen Beispiel ‒ zu, dass diese Zahl schwankt? Eine sich jährlich ändernde Nulllinie ist das optimale Einfallstor für Renditetricksereien. Die Sache muss noch nicht einmal illegal sein. Nur eben ein bisschen „hingedreht“ und mit einigen juristischen Nebelkerzen verziert und schon ist der werte Anleger verwirrt.

Bedenken Sie: Es herrscht Vertragsfreiheit, und es gibt keine wasserdichte Rendite-Definition. Sie müssen in jedem einzelnen Fall klären, wie Rendite definiert ist.

Damit endet der erste Teil der Rendite-Serie. Der zweite Teil heißt "Renditen und Renditetricks ‒ so berechnen Sie, wie hart ihr Geld wirklich arbeitet".

(awa)

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Abgelegt unter Basics, Investieren, Rendite, Tricks



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Kommentare

Nils sagt am 28. Dezember 2015

Sehr schöner Artikel. Danke!


Gina sagt am 31. Oktober 2016

Super erklärt. Liest sich gut und schöne begreifliche Beispiele!!


Katharina sagt am 02. Dezember 2016

Wirklich unglaublich griffige und dabei noch unterhaltsame Erklärung. Vielen Dank!


Alex sagt am 20. Januar 2017

Sehr gut erklärt und ein gutes Beispiel wie uns Banken und Fondsmanager verarschen.


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