29. Juni 2015


Die zwei wichtigsten Finanzentscheidungen Ihres Lebens

Ich schreibe zwar viel über

  • "Welcher ETF ist der richtige?" oder
  • "Wie baue ich mir ein passives Depot auf?"

Aber das sind eigentlich nur operative Details. Sobald Sie die beiden folgenden Dinge final für sich entschieden haben, können Sie eigentlich keine Fehler bei der Geldanlage mehr machen.
Zumindest keine Fehler, die sich nicht wieder ausbügeln lassen.

Ok, jetzt aber her mit den zwei Finanzwunderwaffen.

  1. Überlegen Sie genau, wer Ihrer Gesellschaft würdig ist.
  2. Klären Sie ein für alle Mal: Will ich im eigenen Haus wohnen oder nicht?

Das ist alles.

Der Peer-Group-Effekt

Gleich und gleich gesellt sich gern und Gegensätze stoßen sich ab. Der US-amerikanische Trainer und Redner Jim Rohn fasst diese beiden Sprichwörter zu dieser Faustregel zusammen:

"Wir sind in etwa der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen wir die meiste Zeit verbringen."

Machen Sie mal eine Liste der Menschen, mit denen Sie die meiste Zeit verbringen.

  • Es wird welche geben, die dicker sind als Sie und welche, die dünner sind.
  • Ein paar sind älter als Sie, ein paar sind jünger.
  • Was den Bildungsstand angeht: Akademiker kennen Akademiker, Nicht-Akademiker kennen Nicht-Akademiker.
  • Wenn Sie Audi fahren, werden Ihre Bekannten und Freunde Audi, BMW oder Mercedes fahren. Wenn Fiat, dann als Zweitwagen für die Frau.
  • Wenn Sie eines dieser gesichtslosen Zweckautos von Opel, Toyota oder Fiat fahren, weil es Ihnen echt egal ist, werden Ihre Freunde auch keine Bonzenschleuder fahren.
  • Wenn Ihr Freundes- und Bekanntenkreis gerne gut lebt, werden Sie höchstwahrscheinlich ebenfalls lieber zum Shoppen nach Dubai fliegen als im Harz zu wandern.

Lange Rede kurzer Sinn: Ihre Ausgaben werden sich in dem Rahmen bewegen, den Ihr Freundes- und Bekanntenkreis absteckt. Man kann nicht sparen, wenn man jedes Mal als Spielverderber dasteht, wenn man nicht beim Kreditkarten-Roulette mitmacht.
Kreditkarten-Roulette? Kenn’ ich nicht?
Geht so:
Alle gehen in ein teures Restaurant und bestellen, als ob es kein Morgen mehr gibt. Wenn die Bedienung kommt, schmeißen alle ihre Karten auf den Tisch, mischen gut durch und die Bedienung darf ‒ mit geschlossenen Augen ‒ eine ziehen.
Der Gezogene zahlt für alle.

Überlegen Sie also gut, wer zu Ihren Lebenszielen passt und wer nicht! Im Zweifelsfall ist es besser, die Pferde zu satteln und in den Sonnenuntergang zu reiten, denn

"Etwas Besseres als den (finanziellen) Tod findest Du überall."

Mehr zum Peer-Group-Effekt auf MyMonk und Businesslifehack.

Ja oder Nein zum eignen Haus

Die Entscheidung für oder gegen eine selbst genutzte Immobilie ist eine Weichenstellung im Leben.
Es ist die größte finanzielle Entscheidung, die die meisten von uns jemals treffen werden und deren Folgen uns jahrzehntelang begleiten werden.
Ich sage nicht, dass der eine Weg besser ist als der andere. Es sind nur zwei grundverschiedene Wege zum Gipfel.

Wer ein Haus kaufen oder bauen will, hat meist einen Zeithorizont von weniger als 10 Jahren. Man will ja das Haus nicht als Oma und Opa bewohnen, sondern als junge Familie.
Da heißt es

  • Berserker-sparen für maximales Eigenkapital, maximales Eigenkapital = minimale Kreditzinse.
  • Börsenverbot, denn zum Tag X soll die Summe Y garantiert verfügbar sein. Alles unter 10 Jahren Haltedauer ist in meinen Augen Spekulation.

Wer mit 30 entscheidet: "Nein, ich will immer zur Miete wohnen", kann sich für die nächsten 37 Jahre an der Börse engagieren und sein Vermögen ganz anders aufbauen.

Welcher Weg ist der bessere? Keiner! Beide haben ihre Tücken und ihre Vorteile. Es bringt auch nichts, darüber zu diskutieren, denn zu jedem Pro gibt es ein Kontra. Es ist eine typische Lebensstil-Entscheidung.

Was nicht geht: Mitten im Rennen die Pferde zu wechseln! Wer eigentlich immer eine Immobilie wollte, dann aber mit Mitte 40 feststellt: "Das wird doch nichts mit einer Familie." verliert "nur" 15 Jahre Börsenwachstum und Zinseszins.
Schade, aber verschmerzbar. Es läuft halt nicht immer alles perfekt im Leben.

Wer dagegen auf die Börse setzt und nun auf einmal feststellt: "In 3 Jahren möchte ich bauen.", muss voll auf die Notbremse treten und verkaufen. Mit etwas Glück sind die Aktien gut gelaufen. Aber wer verkauft schon heute ein gut laufendes Depot, um in 3 Jahren zu bauen?
Ist es nicht viel verlockender, die "Gewinne laufen zu lassen", nur, um dann festzustellen, dass sich die Börse just zum Baubeginn eine kleine Krise genehmigt?

Die Themen "eigenes Haus" und "eigene Kinder" hängen nicht umsonst eng zusammen. Beide sind weichenstellend, und man bindet sich auf Jahrzehnte.
Bevor diese beiden Punkte nicht geklärt sind, können Sie nicht mit Konsequenz einen der beiden Wege einschlagen, sondern müssen eine Sowohl-als-auch-Strategie verfolgen.

Fazit

Und wieder einmal hat sich gezeigt: Finanzieller Erfolg hat eigentlich nicht viel mit Geldanlegen zu tun.
Meiner Meinung nach ist der Peer-Group-Effekt der wichtigere der beiden.
Aus einer vergurkten Immo-Finanzierung kann man sich immer noch irgendwie herauswinden (vor allem, wenn man treue Freunde hat), aber wer sich auf ein Wettrüsten (mein iPad ist aber ipaddiger als Deins) mit Konsum-Zombies einlässt, hat schon verloren.

(awa)

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Abgelegt unter Strategie, Immobilie, Lebensweisheit, Peer Group Effekt



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Kommentare

Anes sagt am 29. Juni 2015

Das das Haus für die meisten "normalen" Menschen die größte und langfristigste finanzielle Entscheidung ihres Lebens sein wird, kann man definitiv so sagen.

Der Posten "Kinder" gehört zwar auch irgendwie dazu, aber hat auch seine Eigenheiten. Zumindest kostet es im ggs zum Haus erstmal nichts, die Kinder zu "bauen" (err, zeugen), also hat man erstmal keine direkten "Schulden" mit dabei, aber im Endeffekt tut man sie genauso "abbezahlen" dann über die gesamte "Laufzeit" (gibts ja Studien dazu, können locker über 100T€ über die nächsten 20 Jahre sein).
So eine marktwirtschaftliche Betrachtung ist natürlich schrecklich doof und sicherlich das entfernteste was Leuten (gerade BEIM akt des kindermachens ^^) durch den Kopf geht. Machts aber leider auch nicht unwahrer. Was passiert, wenn sich immer mehr Menschen gedanken darüber machen (müssen), ob kinderkriegen für sie (vor allem finanziell) überhaupt Sinn macht, kann man ja an unserer Geburtenrate ablesen ;-)

Den Peergroup/Freundeskreis-Effekt, naja. Kann ich PERSÖNLICH so nicht bestätigen - für so gefühlten Kindergartenkram sollten wir doch eigentlich alle erwachsen genug sein - kann aber akzeptieren (sehe natürlich auch Konsumgeilheit bei anderen) dass die Masse der Menschen eher so tickt.

Mein Netto-Vermögen ist, sagen wir mal, überdurchschnittlich, und ich fahre trotzdem Skoda. Nicht nur "trotzdem", sondern gerade deswegen, also das hängt zusammen. Da ich mein Geld ja nur mit "normalem" Angestelltengehalt angehäuft hab, wäre ich nie auf so einen Betrag gekommen wenn ichs gleich wieder hedonistisch ausgegeben hätte. Das hab ich nur geschafft, weil ich dauerhaft "unter meinen Verhältnissen" lebe (Einnahmen > Ausgaben) und den Überschuss vernünftig in Anlagen investiere die mit der Zeit die Macht des Zinseszins nutzen. Das es andere Gruppen von Leuten gibt wo so Statuszeugs sozial viel mehr zählt, mag gerne sein. Aber da bin ich vom Wesen her vllt viel zu preussisch bescheiden als dass ich mich daran beteiligen muss. So eine Haltung wird ja oft gern als "bäh typisch deutsche Neider-Kultur, gönnen niemandem Erfolg!" abgetan, aber damit meine ich ja dass ich es für mich SELBST nicht nötig habe rumzuprotzen (also mein anspruch an mich selbst, nicht an andere), was die andern mit ihrem Geld machen ist mir relativ bolle. Kenne auch einige Leute in meinem Umfeld, die damit schon eher deswegen den dicken Max raushängen lassen, das macht sie jetzt nicht zu "schlechteren" Menschen, aber oft eben auch nicht zu "besseren" (also was Freundschaft oder interessante Gespräche angeht).


Charly.B sagt am 29. Juni 2015

Meine Freunde fahren große BMW oder Daimler, ich habe immer noch einen Golf (229.636 km derzeit, Baujahr 2001). Autos bedeuten mir nicht viel. Es ist kein "Verzicht" für mich, ich könnte mir ja aufgrund meines überdurchschnittlichen Einkommens jederzeit ein besseres leisten, Ich fahre nur alle paar Jahr in den Urlaub, Freunde von uns oft zweimal im Jahr. Jeder akzeptiert, dass uns auch der Starnberger See reicht, in dessen Nähe wir wohnen.
Hätte ich diese innere Unabhängigkeit nicht, würde ich auch an der Börse mit der Herde laufen. Und die Ergebnisse wären entsprechend. So aber investiere ich seit November 1987 an der Börse (nach dem damaligen Crash wurde ich auf Aktien aufmerksam.)


Ric sagt am 30. Juni 2015

Hallo Finanzwesir,

ich habe mein Auto vor etwa einem Jahr verkauft. Seitdem fahre ich überwiegend Fahrrad und bei längeren Distanzen mein 12 Jahre altes Motorrad. In meinem Freundeskreis sind viele Pärchen die sich mittlerweile ein Haus gekauft haben. Ich selbst bin der Überzeugung, dass es für mich besser ist mein Geld an der Börse zu investieren und weiterhin zur Miete zu wohnen. Aktuell mit meiner Freundin in einer Wohnung. Wenn dann mal Kinder da sind auch gerne ein Haus. Aber wie gesagt nur zur Miete. Erstens habe ich dort einen geringeren Aufwand, geringere Kosten (weil mein Geld arbeitet) und vor allem bin ich viel flexibler.

Gruß
Ric von frei-mit.42.de

Auf dem Blog von Ric gibt es hierzu diesen Artikel: frei-mit-42.de


Gerhard sagt am 30. Juni 2015

Ja, volle Zustimmung zu Deinem Fazit. Der Peer-Group-Effekt ist nach meiner Erfahrung der mit Abstand wichtigste Faktor dafür, ob ein Leben in finanzieller Unabhängigkeit/Freiheit gelingt oder scheitert.

Das beginnt schon sehr früh in der Kindheit und ist hier von den Eltern/Großeltern zu verantworten: Tut es ein gebrauchter Kinderwagen? Muss die Babyerstausstattung vom Feinsten sein? Muss ein Kindergeburtstag richtig teuer sein, damit sich das Kind freut und es sich vor den Spielkameraden nicht blamiert?
Ich denke, alle Eltern haben diesen Zirkus schon einmal beobachtet bzw. selbst erlebt.
In der Pubertät dann wird es dann extrem. Ich unterrichte Schüler, die sich nahezu ausschließlich über ihr Makenhandy, ihre Turnschuhe u. ä. Attribute definieren. Sie suchen ihresgleichen und sondern alle diejenigen, die anders "ticken" aus ihrem Umfeld aus. Meine Schüler sind Berufsschüler mit schmaler Ausbildungsvergütung. Dies führt unweigerlich dazu, dass Sie schon im frühen Erwachsenenalter Schulen im vier- bis fünfstelligen Bereich anhäufen. In ihrem Kosmos/Freundeskreis ist das völlig normal und wird nicht hinterfragt. Bei der Partnerwahlbleibt mann/frau wieder innerhalb der Peer-Group, wie sollte es auch anders sein.

Nach meiner Erfahrung ist das eben geschilderte der "Normalfall". Diejengen, die anders denken und handeln sind "einsamer". Die Zahl ihrer Freunde ist überschaubar. Allerdings sind diese Beziehungen meist sehr viel haltbarer. Denn ihre Anknüpfungspunkte erschöpfen sich nicht auf die Konsum- und Lifestylethemen.

Mit zunehmendem Lebensalter entwickeln sich beide Gruppen noch weiter auseinander. Jemanden aus der Konsum- und Lifestylegruppe überhaupt für die hier im Blog diskutierten Themen zu interessieren erscheint aus meiner Sicht nahezu unmöglich!

Gruß

Gerhard


Fräulein Zaster sagt am 30. Juni 2015

Der Trick ist "einfach": Dick drauf sch**en, was Andere denken. Ich bin von Unternehmensberatern umgeben. Neulich hat sich einer einen winzig kleinen Titan-Koffer für 800€ gekauft und stolz damit angegeben. Wer's braucht...

Grüßele pfennigfüchsin

Auf dem Blog von Fräulein Zaster gibt es hierzu diesen Artikel: Sauerkraut und Zaster


Pierre sagt am 30. Juni 2015

Entschuldige, Finanzwesir, aber das ist Hobby-Psychologie. Der von Dir genannte "Peer-Group"-Effekt kann aus sozialpsychologischer Sicht nicht isoliert betrachtet werden. Es gibt eine Vielzahl von weiteren Faktoren, die zu berücksichtigen sind. Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen: Identifikation mit der Eigengruppe, Sense of Community, kulturelle Aspekte, Effekte von Minoritäten/Majoritäten usw.

Sei mir bitte nicht böse, aber das ist psychologisch nicht haltbar bzw. empirisch verifizierbar. Wenn überhaupt gibt es mögliche Mediations- oder Moderatoreffekte, aber einen kausalen Zusammenhang zu unterstellen, ist positiv ausgedrückt, gewagt.


Roland sagt am 30. Juni 2015

Hmmmm, Rebalancing fürs Depot (wie Finanzwesir fordert ), ABER nicht für das eigene wohnen ( Wohnung/Eigentumswohnung/ Haus) ?

und eigenes DENKEN.

Auch hier sollte man alle paar Jahre seine persönliche Situation "Bilanzieren" und evtl. handeln. Lebenszyklus? Familienmanagmet? Generationenmanagmet?

"Fräulein Zaster" hat vollkommen Recht: "Dick drauf sch**en, was Andere denken"

Schön provokanter Artikel, regt perfekt zum Nachdenken an.

Grüße


Couponschneider sagt am 30. Juni 2015

@Fräulein Zaster Und welche Größte hat dieser Titankoffer? Geht er beim Fliegen als Handgepäck durch? Ich würde mir niemals einen teuren Koffer kaufen, der dann vom Flughafenpersonal durch die Gegend geworfen wird.

Mein Chef ist ein bodenständiger und introvertierter Mensch. Neulich auf der Dienstreise (mit Flug) hatte er einen ganz schäbigen Koffer bei sich. Ich hatte eine teilweise schon löchrige Tasche bei mir. (Die Löcher waren in den Innenwänden.)


Finanzwesir sagt am 30. Juni 2015

@Anes, @Charly. B, @Ric und @Fräulein Zaster: Dieses "Rutsch mir doch den Buckel runter" ist in meinen Augen eine sehr vernünftige und erwachsene Sicht der Dinge. Aber auch eine sehr ich-bezogene Sicht.
Es ist mir egal, was die anderen denken.
Aber, schon Schiller wusste:

"Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt."

Was, wenn es so ausgeht, wir Gerhard es beschreibt? Was, wenn Mister Titankoffer Fräulein Zaster einfach nicht erst nimmt, weil sie nicht über diese Statussymbole verfügt? Es heißt ja nicht umsonst: Der erste Schritt zum "Chef werden" ist, sich wie ein Chef anzuziehen.

Letztendlich muss man sich doch in seine Umgebung einfügen. Wer sich zu weit von der Norm entfernt, hat es schwer. In der falschen Umgebung klingt ein "Ich könnte es mir leisten, aber ich will nicht" immer nach dem Fuchs, dem die Trauben zu sauer sind.

Deshalb die Frage an @Pierre: Was ist an der Peer-Group-Sache so gewagt? Mal davon abgesehen, dass für mich als Ingenieur alles nicht-naturwissenschaftiche sehr gewagt ist.

"Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen: Identifikation mit der Eigengruppe, Sense of Community, kulturelle Aspekte, Effekte von Minoritäten/Majoritäten usw."

Inwieweit widerspricht das meiner These, das uns die Menschen, mit den wir die meiste Zeit verbringen am meisten prägen? Und das wir uns diese Leute sorgfältig aussuchen sollten.

Gruß
Finanzwesir


Finanzwesir sagt am 30. Juni 2015

@Couponschneider: Zeit für das unsterbliche "United Breaks Guitars" ;-)

https://www.youtube.com/watch?v=5YGc4zOqozo

Gruß
Finanzwesir

PS: Die Zeit der Schicksalschläge im Hause Zaster scheint vorbei zu sein. Es wird wieder veröffentlicht. ;-) Das ist schön.


Anes sagt am 30. Juni 2015

@Finanzwesir:

"Aber auch eine sehr ich-bezogene Sicht. Es ist mir egal, was die anderen denken."

Ja, und ich bin auch in einer Position (finanziell, sozial, etc.) wo es mir auch relativ egal sein KANN. Um mal von überspitzten Karikaturen (die man als Mittel der Deutlichmachung ja verwenden kann, aber sich in der Realität auch schnell wieder relativieren), ich habe das "Glück" (ob das nun unverdienter Zufall oder auch teilweise eigene Leistung ist) in einer Position zu arbeiten wo es für die praktische Tätigkeit und Entwicklung ziemlich sch-egal ist ob man nun zB. ein 800€-Titanköfferchen mit sich rumträgt oder nicht... natürlich heißt das im umkehrschluss auch NICHT dass ich mich jetzt z.B. auch wie der letzte Penner anziehen könnte ohne Konsequenzen - eben das einzige was ich damit sagen will ist das die Realität meist irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Extremen befindet. Niemand leugnet dass "Peergroup" einen Einfluss hat, aber allesbestimmend ist sie auch nicht.
Kommt auch auf die INDIVIDUELLE Situation an. Wer selbst so ein Prasser&Protzer-Typ ist wird sich sicher eben eher mit genauso gleichen Leuten umgeben (ob das nun Selbstselektion ist oder ob man von diesem "Club" selektiert wurde ist ein eigenes soziologisches Henne&Ei Problem)

"Was, wenn es so ausgeht, wir Gerhard es beschreibt? Was, wenn Mister Titankoffer Fräulein Zaster einfach nicht erst nimmt, weil sie nicht über diese Statussymbole verfügt? Es heißt ja nicht umsonst: Der erste Schritt zum "Chef werden" ist, sich wie ein Chef anzuziehen."

Kommt drauf an: Wie viel Einfluss habe ich, wie viel mein Gegenüber (um mal in platten "Macht"-Kategorien zu denken). Wenn der Kofferschnösel nur ein grünschnabeliger Praktikant ist, kann er mir viel eher einfach den Buckel runterrutschen als wenn es jetzt z.B. mein Chef wär, wo man, ja natürlich, diese Spielchen in gewisser weise etwas mehr mitspielen muss Was nicht heißt, gleich morgen loszuziehen und sich denselben (oder gott bewahre einen noch teureren, das kommt dann wieder auch nicht so gut an^^) Koffer kaufen, aber eben auch vllt eher seine Meinung, was für eine bescheuerte Geldverschwendung das doch ist, lieber für sich behalten.
Und wenns ganz arg kommt (Statusgedöns wird zum MUSS dem man sich nicht entziehen kann obwohl es schon die eigene finanzielle Planung gefährdet) kann man immer noch den Stecker ziehen und sich nen anderen Posten suchen. Klingt jetzt extrem aber ist auch nur auf das genauso extreme Beispiel gemeint, dass man sich quasi schon verschulden muss nur um Leute zu beeindrucken die man garnicht will.

"Letztendlich muss man sich doch in seine Umgebung einfügen. Wer sich zu weit von der Norm entfernt, hat es schwer. In der falschen Umgebung klingt ein "Ich könnte es mir leisten, aber ich will nicht" immer nach dem Fuchs, dem die Trauben zu sauer sind."

Klar muss man sich in seine Umgebung einfügen - aber eben nicht zwingend 100%. Denn man kann sich seine Umgebung auch selbst aussuchen - natürlich auch nicht 100%ig, aber eben auch nicht sowenig, als dass ich dass als "Ausrede" (wirklich jeden Mist mitmachen zu müssen) dafür unkommentiert gelten lassen würde.

Jeder, der eine funktionierende Sozialintelligenz hat, weiß doch z.b. natürlich, dass er sich auf einer Hauseinzugs-Party bei den frischgebackenen Eigenheim"besitzern"(/abzahlern) nicht sonderlich beliebt macht, wenn er gleich mal einen stundenlangen Vortrag darüber hält warum das total doof und finanziell unvernünftig ist. So sehr das vllt auch stimmen mag - die wollen das sicher nicht hören, und wenn man mit denen noch weiter Umgang haben will, sollte man das Thema zumindest nicht überstrapazieren (was auch keine große "schlimme Einschränkung" ist, liegt mir doch argumentatives Oberlehrertum selbst fremd). Das die sich SELBST vllt eher jetzt nur noch mit anderen Hausbesitzern abgeben wollen (wo man so schön über "gemeinsame" Probleme schnaken kann) mag auch möglich sein. Mir ist sowas am extremsten jedoch hpts. beim Thema Kinder/Familie aufgefallen, also dass sich (sobald sie welche haben) die Gespräche der Leute nur noch gegenseitig um "also weißt du gestern und so hat meinKindmeinKindmeinKind blablaaa..." drehen und nichts andres mehr (weil natürlich "antworten" dann die Gegenüber nur mit Anekdoten von IHREN Kindern jeweils, und Leute die keine Kinder haben fallen so langsam aus der Gruppe raus). Aber es freut mich ja wenigstens auch für die Zukunft des Landes wenn die sich alle scheinbar so besorgt um ihren Nachwuchs kümmern ;-)


Fräulein Zaster sagt am 30. Juni 2015

Lieber Couponschneider,

der Koffer war genau 35,3 x 87,6 cm groß und glänzte wir eine silber angesprühte, frisch gebohnerte Klöte. Das weiß ich so genau, weil ich viel wert darauf lege zu wissen, welch exklusiven Dreckige-Wäsche-Transportier-Konstrukte meine Kollegen ihr eigen nennen. :-D


Reinsch sagt am 01. Juli 2015

Ich stimme dem Wesir zu: Sich zu entziehen ist nur teilweise möglich.

Ich schätze mein Gehalt auch eher überdurchschnittlich ein, lebe aber dennoch in einer recht kleinen Wohnung am Stadtrand (weil es mir völlig reicht), besitze kein Auto (ÖPN ist hier billiger und schneller) und lege auch sonst wenig Wert auf materielle Statussymbole. Von den Kollegen gibt's dafür schon mal nen Spruch, aber da kann man drüber stehen.

Als Ingenieur ohne viel Kundenkontakt kann ich es mir auch erlauben in Turnschuhen, Jeans und T-Shirt im Büro zu sitzen ohne Gefahr zu laufen nicht ernst genommen zu werden. Das wäre in anderen Bereichen sicher anders.

Schwieriger wird da schon die Freizeit mit Freunden. Zu Studentenzeiten war es völlig normal Samstags das restliche Kleingeld der Woche zusammenzukratzen, davon gemeinsam nen Kasten Bier und eine DVD zu holen und damit den Abend zu verbringen.
Jetzt geht es in Clubs, auf Städtereisen, Events etc.
Klar muss man nicht alles mitmachen. Wer aber ständig mit "Das ist mir zu teuer" (oder entsprechenden Ausreden) kommt obwohl man es sich eigentlich leisten kann, der steht schnell als die knauserige Spaßbremse da - und wer mag die schon?

Es muss also ein gesunder Mittelweg her...


Fräulein Zaster sagt am 01. Juli 2015

"Was, wenn Mister Titankoffer Fräulein Zaster einfach nicht erst nimmt, weil sie nicht über diese Statussymbole verfügt?"

Glücklicherweise habe ich bislang nicht die Erfahrung machen können, dass ich weniger ernst genommen werde, nur weil ich nicht immer die kostspieligsten Sachen habe. Ich muss ja nicht jedem auf die Nase binden, dass ich das "Ich kauf mir teuer und viel"-Spielchen nicht mitspiele. Somit habe ich zwar nur selten die Gelegenheit mit meinen Kollegen eine Unterhaltung über meine Luxuskäufe zu führen, aber dafür gibt es doch Dutzend andere Themen, bei denen man auf einen grünen Zweig kommen kann. Haben wir nicht alle noch viel mehr zu bieten?

Mein Koffer ist übrigens dieser: http://goo.gl/zHq7Ok
Kein Markenprodukt, aber klassisch und strapazierfähig. Außerdem achte ich darauf, dass er sauber ist, wenn ich mit Kollegen verreise, denn, wie du schon sagtest:

"Es heißt ja nicht umsonst: Der erste Schritt zum "Chef werden" ist, sich wie ein Chef anzuziehen."

Gepflegt und/oder professionell aussehen ist mMn mehr eine Frage der Einstellung und weniger eine Frage des Geldbeutels.

Grüße

PS: Ja es wird wieder veröffentlicht!

Auf dem Blog von Fräulein Zaster gibt es hierzu diesen Artikel: Sauerkraut und Zaster


Ex-Studentin sagt am 01. Juli 2015

Das Umfeld hat meiner Meinung nach wirklich viel Einfluss auf Bedürfnisse und somit auch Ausgaben. Ich habe z.B. noch einige Freunde, die studieren. Ein schöner Abend mit meinen Freunden bedeutet für mich z.B.: Zusammen grillen, selbstgemachter Salat oder Kuchen dazu. Gleichzeitig kenne ich Gleichaltrige, die vom Elternhaus her keinen Geldmangel kennen. Da wird schon als Student viel gereist, teure Apple-Produkte gekauft, keine Party ohne teuren Alkohol und anderen Schnickschnack. Man sollte zwar sein Leben genießen, aber Geld ausgeben sollte dabei Neben- und nicht Hauptsache sein. Es kann immer mal Phasen im Leben geben, wo man ggf. auch mit weniger auskommen muss. Ich habe z.B. keine Angst vor Arbeitslosigkeit oder einer Krise. Wer mit wenig Geld auskommt, kann länger von seinem Erspartem ohne nennenswerte Qualitätsverluste leben.


Pierre sagt am 01. Juli 2015

@Finanzwesir

Ich beantworte mal Deine Fragen, insofern das mit so einem komplexen Thema in einem Kommentarfeld möglich ist.

Was ist an der Peer-Group-Sache so gewagt? Die "Peer-Group-Sache" ist kein Automatismus, sondern die von Dir skizzierten Folgen hängen von weiteren Faktoren ab. Zum Beispiel: Wie hoch ist der Grad der Identifikation mit dieser Peergroup? Es gibt Freundeskreise, die leben von ihrer Unterschiedlichkeit und es kann ein oder einige wenige verbindene Elemente geben, die diese elementare "Identifikation" (d.h. mein Selbstkonzept ist kongruent mit den von mir wahrgenommenen Zweck der Gruppe, den Werten, Zielen usw.) gewährleistet. Identifikation ist nicht identisch mit Verhaltens- und Einstellungsübernahme. Deine "Peer-Group-Sache" ist somit insofern stimmig, wenn die Identifikation über Statussymbole (dicke Autos) oder einer Zugehörigkeit (Rotari-Club) definiert wird. Ich könnte jetzt weiter ausführen, dass eine freundschaftliche Beziehung andere Grundlagen hat, eine andere Motivation verfolgt (z.B. Gemeinschaft vs. Gesellschaft, fühlt der Einzelne sich als Teil des grossen, sozialen Ganzen, dann ordnet er sein Handeln diesem gemeinsamen Zweck unter = Gemeinschaft, oder es geht wie so oft um Kosten-Nutzen im Leben und der Einzelne instrumentalisiert die Gruppe zu seinen eigenen individuellen Zwecken = Gesellschaft). Identifikation ist dabei nur ein Aspekt.

Inwieweit widerspricht das meiner These, das uns die Menschen, mit den wir die meiste Zeit verbringen am meisten prägen?

Es gibt da schlicht keinen kausalen Zusammenhang. Geprägt sind wir (=unsere Persönlichkeit) durch einen geringen Teil genetisch, durch einen erheblichen Teil durch unsere Erfahrungen in der Kindheit (stabile Bindung an Bezugspersonen etc) und durch unser soziales Umfeld. Nach der Phase der Jugend ist mit ca. 30 Jahren eine stabile Phase erreicht. Allerdings kann sich im höheren Alter in geringerem Ausmass nochmals eine Veränderung der Persönlichkeit, insbesondere auf Lebenserfahrung und soziale Umstände zurückzuführend, ergeben. Kurz gesagt, wir sind dann wie wir sind & ändern, wenn überhaupt unser Verhalten & unsere Einstellungen. Man könnte es auch so sagen - wir sind schon vorher durch unsere Persönlichkeit geprägt und nicht erst durch unsere Peers. Als Hypothese kann man gelten lassen, dass wenn wir hohe bzw. stark ausgprägte Persönlichkeitsanteile im Bereich "Offenheit für neue Erfahrungen" & "Extraversion" haben, dass wir mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eher einen sehr diversifizierten Freundes- und Bekanntenkreis pflegen. Mit einem Schuss mehr "Neurotizismus" sieht das dann schon wieder ganz anders aus. Wir sind einfach zu komplex;-)


Sebastian sagt am 01. Juli 2015

Hallo Finanzwesir,

ist dir das Konzept der Antifragilität bekannt? Beschrieben in dem Buch mit selbigem Namen von Nassim Nicholas Taleb.

Es geht dabei darum, dass im Prinzip restlos alles auf dieser Welt von Zeit und Volatilität (oder Störungen) profitiert oder entweder leidet. Sobald es leidet ist es fragil, sobald es profitiert ist es antifragil.

Große Unternehmen, gerade Banken sind laut Taleb fragil und damit über kurz oder lang gefährdet. Ein breit gestreutes Portfolio sollte dagegen nach meinem Verständnis eher antifragil sein.

Da ich deine Beiträge zu Lebenseinstellung zunehmend schätze wäre ich gespannt, was du davon hältst und wie du es auf deine Sichtweisen zu Geldanlage anwenden würdest.

Was denkst denn du darüber?

Viele Grüße, Sebastian


Finanzwesir sagt am 01. Juli 2015

Hallo Sebastian,

"wäre ich gespannt, was du davon hältst und wie du es auf deine Sichtweisen zu Geldanlage anwenden würdest."

Artikel ist in der Mache, aber da der Finanzwesir als alter Sack leider einen sehr fragilen Rücken hat (scheiß Hexenschuß, trotz Kieser und joggen) kommt der Artikel erst demnächst.

Langes Sitzen am Schreibtisch hat die Ärztin als "kontraproduktiv" bezeichnet ;-) Kommentare kann man auch auf dem Tablet im Stehen schreiben.

Gruß
Finanzwesir


Sebastian sagt am 02. Juli 2015

Cool, ich war mir beim Lesen oft sicher, dass du davon schon einmal gehört haben musst ;)

Dieses Ding namens Rücken-Aua hab ich leider auch viel zu oft... :(


Finanzrocker sagt am 02. Juli 2015

Wieder mal ein echt toller Artikel und eine sehr interessante Diskussion. Bei mir und meinen Kollegen ist es ähnlich. Ich fahre Bahn, habe als Einziger kein Haus, kein dickes Auto, keine Schulden und keine Kinder. Und jammern können die - über das Wetter, über Maulwürfe (und kaufen Maulwurfgitter für ein paar tausend Euro) und über die teuren Kredite, die sie trotz Mega-Gehalts nicht mehr richtig bedienen können.

Ich finde diese merkwürdigen Verhaltensweisen überall. In der Familie, bei den Freunden und - wie gesagt - den Kollegen. Ich habe dafür auch kein Verständnis. Das war auch ein Grund, warum ich meinen Blog und auch meinen Podcast ins Leben gerufen habe. Ich stehe zu meiner Meinung und halte von Krediten rein gar nix! Dann bin ich eben der im Artikel erwähnte Spielverderber, aber ich stehe dazu.

Viele Grüße
Daniel

Auf dem Blog von Finanzrocker gibt es hierzu diesen Artikel: Warum Du über Geld reden solltest


BadBoi sagt am 14. Februar 2016

Hallo @ all.
Eine sehr interessante Diskussion über das Thema :" inwieweit reicht die monetäre und materielle Beeinflussung des Individuums in sozialen, emotionalen und rationalen -uns selbst auferlegten- Strukturen".

Die Frage lautet aber eigentlich :"pro und contra der Geldanlage in eine oder zwei spezifische Formen.
Antwort ist einfach zu geben, sobald man eine individuell differenzierte Analyse macht. Es gibt kein definitives ja oder nein.

Es geht letztenendes IMHO um die "suche nach oder der Realisierung des eigenen Glücks" und das ist nunmal ein ganz, ganz anderes Thema.


FinanzGuerilla sagt am 14. Oktober 2016

Ich bin der Ansicht, dass bei der Frage Einfamilienhaus ja/nein auch entscheidend die gesellschaftliche Programmierung, der wir alle mehr oder weniger unterliegen, eine Rolle spielt. Wer es aus der eigenen Familie kennt, ein Haus über 30-40 Jahre zu finanzieren, der wird diesen Weg eher gehen, als jemand, der aus einer sehr umzugsfreudigen Familie stammt und aufgrund des Freiheitsfaktors eher auf Miete wohnt.

Aber wie der Artikel auch schön herausarbeitet: Das ist eine emotionale Glaubensfrage und keine rational zu treffende Entscheidung. Zumindest für die meisten Menschen...

Gruß

Auf dem Blog von FinanzGuerilla gibt es hierzu diesen Artikel: Immobilien mieten oder kaufen?!


Das Buch zum Blog: 440 Seiten voller Informationen. Jetzt im Handel erhältlich.


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