19. Januar 2017


Leserfrage: Wer bezahlt was in der Ehe?

Leser R. und die Ehe

Zunächst kurzer Abriss meiner Lebenssituation:
Ich bin 34 Jahre, verheiratet und wir haben einen 9 Monate alten Jungen. Meine Frau ist derzeit in Elternzeit, will später wieder halbtags arbeiten (~24h/Woche). Ich verdiene dann etwa drei mal soviel wie sie, sobald sie in Teilzeit ist. Alle drei haben unser eigenes Depot mit jeweils einem MSCI-World & Emerging Market als Altersvorsorge. Also auch ein Depot seit kurzem für den Kleinen.
Als wir beide voll berufstätig und ohne Kind waren, haben wir gemeinsame Kosten immer 50/50 geteilt, obwohl ich bereits mehr verdient habe als sie. Seit sie in Elternzeit ist, habe ich den Kostenanteil übernommen, den sie seither weniger verdient.
Wir planen noch 1-2 weitere Kinder. Das bedeutet, dass meine Frau vermutlich in den nächsten Jahren mehrfach in Elternzeit beziehungsweise über mehrere Jahre in Teilzeit arbeiten wird. Sie wird gehaltstechnisch erst einmal auf einem kleinen Niveau bleiben. Wir beide haben zusätzlich über den Arbeitgeber ebenfalls eine berufliche Altersvorsorge, die vom Gehalt abgezogen wird. Weiter habe ich seit ein paar Jahren eine Kapitallebensversicherung mit kombinierter Berufsunfähigkeitsversicherung. (Ja, ich würde das heute so auch nicht mehr abschliessen, aber es ist eine verbliebene Altlast).

Jetzt zu den eigentlichen Fragen:

  • Wie kann in einer solchen Konstellation ein faires Budgetkonzept (Einnahmen / Ausgaben) einer Familie aussehen? Wer zahlt was, wer zahlt wie viel, wer wirft was in den gemeinsamen Pott, wer darf was für sich behalten? Mich würden auch die Kommentare, Empfehlungen und Erfahrungen der anderen Leser interessieren. Aber bitte keine theoretischen Konzepte, sondern wie man es in der Realität auch wirklich lebt.
  • Wie kann eine sinnvolle & faire Absicherung für Frau und Kind aussehen? Z. B. im Falle des Todes.
  • Macht es Sinn einen Ehevertrag aufzusetzen? Ich kenne leider einige Ehen, die wieder getrennt wurden. Insbesondere bei finanziellem Ausgleich und Kinderfürsorge gab es idR sehr viel böses Blut. Vermutlich haben diese Paare viele Dinge nie geregelt oder besprochen. In einem solchen mir bekannten, gerichtlichen Scheidungsfall ist mehr oder weniger das ganze Familienvermögen vernichtet worden. Welche Dinge daher machen Sinn, in guten Zeiten geregelt zu haben? Muss das ein Ehevertrag sein oder geht das auch (juristisch belastbar) auf eine andere Weise?
  • Was sind aus deiner Sicht, die wichtigsten Eckpunkte einer auf Dauer gut funktionierender Ehe und Familie?

Keine klassischen "welchen ETF soll ich nehmen"-Fragen, ich weiss. Aber aus meiner Sicht, sind diese Fragen (zumindest für mich) auch finanziell nachhaltiger als der nicht optimale ETF ausgesucht zu haben.

Der Finanzwesir antwortet

Bevor wir uns in dieses Minenfeld wagen, einige Vorbemerkungen.

Erstens

"Keine klassischen "welchen ETF soll ich nehmen"-Fragen, ich weiß. Aber aus meiner Sicht, sind diese Fragen (zumindest für mich) auch finanziell nachhaltiger als der nicht optimale ETF ausgesucht zu haben."

Damit hat Leser R. recht. Das sehe ich ganz genau so.

Zweitens

Während ich sonst meine Meinung gerne apodiktisch als amtliches Endergebnis präsentiere: "Mit einem breit diversifizierten ETF-Depot macht man nichts falsch!", ist dieser Fall komplexer und vor allem subjektiver.
Nehmen wir nur den Punkt "Scheidung". Die Ehen von Eltern und Schwiegereltern haben schon lange Goldstatus. Meine eigene Ehe wird demnächst versilbert. Auch im Verwandten- und Bekanntenkreis bleibt man zusammen oder trennt sich kinder- und geräuschlos. Blutige Rosenkriege mit herausgerissenen Herzen? Fehlanzeige.
Was können Sie von einem Mann mit dieser Lebenserfahrung schon erwarten, außer einem missmutigen: "Dann reißt euch halt zusammen, das Leben ist kein Ponyhof!". Das ist sehr subjektiv und nicht besonders hilfreich.
Das wird einer der Artikel, bei denen ich einige ketzerische Gedanken aufschreibe und dann müssen Leser R. und ich hoffen, das die Geschichte über die Kommentare rund wird. Also: Lesen und dann kommentieren, sonst wird das hier nichts.

Die Analyse

Wir haben es hier mit einer sehr klassischen Ehe mit der typischen Aufgabenverteilung zu tun. Er ist der Familienernährer, sie kümmert sich um Haus und Familie. Bei drei Kindern hat sie damit auch genug zu tun. R. muss der Familienernährer sein, denn seine Frau kann das nicht leisten und wird es auch nie können. Bei drei Kindern wird sie erst mit Anfang, Mitte 40 wieder ins Berufsleben einsteigen können. Dann sind die Karrieren aber gemacht. Mehr als eine solide Halbzeitstelle ist dann nicht mehr drin.
Wenn R.s Frau eine Ausbildung als Pharmazeutisch-technische Assistenten oder eine Ausbildung als Bürokauffrau hat (also Berufe, bei denen man am Ort immer wieder neue Stellen findet), kann sie dann ab Mitte Vierzig auch Vollzeit arbeiten. Aber mit einem Ausbildungsberuf wird sie nie in R.s Gehaltsregionen vordringen.
Damit ist die Rollenverteilung zementiert.

R. fragt

"Wie kann in einer solchen Konstellation ein faires Budgetkonzept (Einnahmen / Ausgaben) einer Familie aussehen?"

Es gibt mehrere Konzepte

Das Eheversprechen ernst nehmen

Als verheirateter Mann hat R. ein Eheversprechen abgegeben, das so oder so ähnlich lautet:

"Ich, R. nehme dich an als meine Frau. Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens."

Das bedeutet: Beide geben einen guten Teil des "Ich" für ein neues "Wir" auf. Beim Poker heißt das All-in. Kein "wer zahlt was", sondern: Er schleppt das Geld ran und sie verwaltet es umsichtig.
Er akzeptiert den Mühlstein "Familienernährer" und sie vertraut darauf, dass er alles unternimmt, um seine Familie zu beschützen und zu ernähren. Er vertraut im Gegenzug darauf, dass sie das gemeinsame Geld umsichtig verwaltet und es nicht bei IKEA im Untergeschoss für Staubfänger raushaut.
Was die Konten angeht gilt: "Mi casa es su casa." Die Familie ist eine Einheit, die zusammenhält. Da wird nicht aufgerechnet.

Das Problem: Die Scheidungsstatistik liest diesen Abschnitt und schüttelt ihr Haupt über so viel Naivität.

Merkantilisierung

Wir leben in einer Welt, in der die Ökonomisierung durch jede Ritze kriecht. Für R.s Frau bedeutet das: Haushalt, Kinder, alles schön und gut, und sicher auch Arbeit. Aber solange kein Preisschild dranhängt, ist es keine Leistung. Erst wenn’s Geld kostet, ist es was wert.
Also machen wir R.s Frau wertvoll. Wie fangen wir das am besten an? Wir prüfen die marktgängigen Preise für Putzen, Waschen, Kinderbetreuung. Wochenend- und Nachtarbeit selbstverständlich nur gegen die entsprechenden Aufschläge.
Das Kind hat Kolik und kotzt die ganze Nacht. Etwas Besseres kann Frau R. nicht passieren, denn wenn R. dann in seinen Geldbeutel sieht, kotzt er gleich auch. Wir haben also die folgenden Einkommensströme

  1. R.: Sein Gehalt geht auf sein Gehaltskonto.
  2. Frau R.: Ihr Gehalt (wenn sie Teilzeit arbeitet), das Geld, das sie als Hausfrau verdient (Rechnung geht an R.). Beide Zahlungen gehen auf ihr Konto.

Ausgaben

  1. Familienausgaben, diese werden hälftig geteilt und von beiden bezahlt. Dieses Geld geht auf ein gemeinsames Konto auf das beide Zugriff haben.
  2. Altersvorsorge: Das regelt jeder in Eigenregie.

Der große Vorteil dieser Lösung: Sie ist zeitgemäß. Das heutige Scheidungs- und Unterhaltsrecht sieht vor: Die Frau gehört nicht ins Haus, sondern auf den Arbeitsmarkt. Kein Füreinander-Einstehen, sondern ein Business-Deal zwischen zwei Geschäftspartnern.
Das Problem mit dieser Sichtweise: Es gibt Dinge, die ihren Wert verlieren, wenn man ein Preisschild draufpappt. Wie weit wollen wir gehen? Was wollen wir bepreisen? Hören wir bei putzen, waschen, Kinder versorgen, Elternabende besuchen auf oder gibt es auch einen Sextarif?
Wo ziehen wir die Linie? Ab wann kommt alles ins Rutschen und wird nur noch gruselig? Und immer daran denken: Ein Gedanke ist nur dann bedeutsam, wenn man sich nicht traut, ihn konsequent zu Ende zu denken.

Soll sie doch froh sein

Sie macht was mit Medien oder Pferden, hat Goldschmiedin gelernt oder Kulturwissenschaft studiert. Halt eine dieser brotlosen Künste, denen junge Frauen so gerne verfallen. Nun hat sie einen Versorger gefunden, der sie durchfüttert. Was besseres kann ihr doch nicht passieren. Soll sie glücklich sein und die Klappe halten.
Ich als Vater dreier Töchter sorge dafür, dass dieses Szenario für meine Mädchen nie gelten wird.

Was nun?

Jedes Paar muss selbst sehen, wo es sich in diesem Dreieck verortet. Früher war es einfach. Mein Vater war Schuster, ich werde Schuster und dann heirate ich, und meine Frau wird nicht die Schusterin, sondern die Frau des Schusters.
Man mag diese Welt eng nennen und langweilig. Aber sie hatte einen großen Vorteil: Man musste weniger verhandeln. In unserer pluralistischen Gesellschaft gibt es viele ‒ legitime ‒ Lebensentwürfe. Heutzutage verschwimmen die Rollenmodelle, und jedes Paar muss für sich aushandeln, wie es in der Ehe laufen soll.

Dabei ist ‒ analog zum Investieren ‒ eine Grundsatzentscheidung zu treffen: Stockpicking oder Diversifikation.

Stockpicking, die klassische Konstellation: Er verdient deutlich mehr als sie und wird deshalb Familienernährer. Hoffen wir, dass er die nächste Google-Aktie wird und nicht als Pennystock endet.

Diversifikation: Beide verdienen in etwa gleich viel. Sie teilen sich die Elternzeit. Damit ist für beide die große Karriere vorbei, sie versanden irgendwo im Mittelbau. Dafür sind beide aber im Job nicht erpressbar, denn jeder hält dem anderen den Rücken frei. Im Job würde man das eine Seilschaft nennen.

Das ist eine Lebensstil-Entscheidung.
Wie definiere ich mich als Mann, wie sehe ich meine Rolle als Frau? Wie wollen wir als Paar das Leben zwischen uns aufteilen? Muss ich als Mann mit Selbstachtung die Familie ernähren oder kann ich noch in den Spiegel sehen, wenn ich sage: "Hauptsache, ich bin gesund und die Frau hat Arbeit?"
Und als Frau: Ertrage ich es überhaupt, wenn ich sehe, wie der Kerl den Geschirrspüler einräumt? Im Beruf: Schmeiße ich mich in die Schlacht und sage laut und deutlich: "Die Abteilungsleitung gehört mir." oder bin ich eigentlich ganz zufrieden mit meiner Teilzeit-Sachbearbeiterposition? Hauptsache, die Kollegen sind nett.

Ebenfalls zu bedenken: Man heiratet nicht nur den Partner.
Wissen wir, Finanzwesir, die bucklige Verwandtschaft gibt’s gratis dazu.
Nee, die Schwiegermama, die alles besser weiß, und den lästigen Bruder des Bräutigams meine ich nicht. Die muss man halt ab und zu ertragen. Ich meine Vater Staat, der sich ungefragt an den Hochzeitstisch setzt und seine 10.000 Gesetze mitbringt.
Die Ehe im Wandel der Zeit. Früher hieß es: "Einmal Chefarztgattin, immer Chefarztgattin". Heute ist die Versorgungsehe tot. Es gilt:

"Grundsätzlich ist ein Ehegatte gehalten, seinen Unterhaltsbedarf selbst zu bestreiten. Verfügt er nicht über ausreichende anderweitige Einkünfte, so muss er sich eine Arbeitsstelle suchen. "

Es gibt Kinder?

"Ab dem dritten Geburtstag des (jüngsten) Kindes ist er aber grundsätzlich zu einer Vollzeit-Tätigkeit verpflichtet. Allerdings nur, soweit dies die Kinderbetreuung zulässt. Gibt es eine Möglichkeit, das Kind ganztägig betreuen zu lassen (z. B. Ganztagskindergarten), so muss der Unterhaltsberechtigte diese Möglichkeit wahrnehmen."

Diese Änderungen der politischen Rahmenbedingungen müssen natürlich mitbedacht werden, denn sie stecken den Rahmen ab, in dem sich das Paar bewegen kann.

Die konkreten Fragen

Wie kann in einer solchen Konstellation ein faires Budgetkonzept (Einnahmen / Ausgaben) einer Familie aussehen?

Es gibt kein faires Konzept, sondern nur ein individuelles Konzept, das beide Partner aushandeln müssen. Das kann gerne auch aufgeschrieben werden. Alle zehn Jahre wird es dann hervorgezogen und aktualisiert.

Wie kann eine sinnvolle & faire Absicherung für Frau und Kind aussehen? Z. B. im Falle des Todes.

Eine entsprechende Lebensversicherung, die im Todesfalle des Familienernährers einspringt. Diese sollte ausreichend bemessen sein. Das ist aber in meinen Augen nicht das Problem. Erstens ist es recht einfach festzustellen, ob jemand tot ist und zweitens verursachen Tote nur noch Beerdigungskosten. Problematisch ist der Fall: Der Familienernährer lebt, ist aber schwer behindert. Dann kann er die Familie nicht mehr ernähren und verursacht zusätzlich einen Haufen Kosten. Klingt zynisch, sollte aber abgesichert werden.
Diversifizierer haben hier einen Vorteil. Sie können einen Teil der Versicherungskosten einsparen und diese in den Aufbau des gemeinsamen Vermögens stecken.

Ehevertrag

  1. Macht es Sinn einen Ehevertrag aufzusetzen? Kommt drauf an, wie beide ticken. Kein Anwalt, ein Anwalt für beide, jeder seinen eignen Anwalt? Anwälte neigen dazu, den schwarzen Schwan an die Wand zu malen. Wundern Sie sich also nicht, wenn das Aushandeln des Ehevertrags die Beziehung beendet.

  2. Welche Dinge daher machen Sinn, in guten Zeiten geregelt zu haben? Alles. Weder die Haager Landkriegsordnung noch die Genfer Konvention sind auf Rosenkriege anwendbar. Von den Kindern über die Immobilie bis hin zu Aktien: Für jede Assetklasse muss eine Regelung her. Wenn man so etwas anfängt, bringt man es auch sauber zu Ende. Sonst steht man im Krisenfall doch mit leeren Händen da.

  3. Muss das ein Ehevertrag sein oder geht das auch (juristisch belastbar) auf eine andere Weise? Keine Ahnung. Das ist Anwaltsterritorium. Es würde mich nicht wundern, wenn es da bestimmte Formerfordernisse gibt, die eingehalten werden müssen, weil der Deal sonst aus formalen Gründen null und nichtig ist. Aber im Neuland finden Sie bestimmt etwas dazu.

Was sind aus deiner Sicht, die wichtigsten Eckpunkte einer auf Dauer gut funktionierender Ehe und Familie?

Für eine Beziehung gibt es die beiden Pole: "Gleich und gleich gesellt sich gern" und "Gegensätze ziehen sich an". Meiner Erfahrung nach gilt

  • "Gleich und gleich gesellt sich gern" für die fundamentalen Werte und die grundsätzliche Einstellung zum Leben.
  • "Gegensätze ziehen sich an" für den Rest. Sonst wird es zu langweilig bis "dass der Tod euch scheidet".

Ansonsten gilt: "Nicht geschimpft ist gelobt genug" reicht auf Dauer nicht. Er kann gerne mal ein Blümchen mitbringen (Profi-Tipp: Tulpen, Hyazinthen und andere Frühlingsblüher gibt’s jetzt preiswert an der Kasse beim örtlichen Einzelhandel) und sie kann ihm ab und zu mal wieder das sagen, was sie in den Anfangstagen der Beziehung so schön fand (seinen Charme, der sie zum Lachen brachte, seine Muskeln, seine Fähigkeiten tropfende Wasserhähne zu bändigen, was immer es auch war).

Fazit

Augen auf bei der Partnerwahl!
Bei R. und seiner Partnerin steht der Stresstest noch aus. Die Dekade zwischen 30 und 40 heißt nicht umsonst Rush-hour des Lebens. Kinder bekommen, Haus bauen, im Job voll durchstarten und dabei natürlich immer sexy aussehen! Da sag ich nur: Gepriesen seien die 50er.
Mein persönlicher Ratschlag an R.: Sie sind auf dem richtigen Weg. Kann der Kleine nicht mal ein Wochenende zu Oma und Opa? Dann schnappen Sie sich die beste Ehefrau von allen und verziehen sich in ein nettes Wellness-Ressort und besprechen diese Dinge ohne Zeitdruck und in einer fremden Umgebung. Zu Hause ist nicht so gut, denn da kann man immer um den heißen Brei herumschleichen und die Wohnung putzend prokrastinieren.

Masterfazit

Die Ehe ist ein ziemlich heroisches Unterfangen, von dem man ‒ wie von allen heroischen Unternehmungen der Menschheit ‒ aus versicherungstechnischen Gründen unbedingt abraten sollte. Aber wenn’s denn klappt, ist es der Volltreffer im Leben.

Nachtrag

Erste Erkenntnis: Leser R. hat recht. Dieses Thema bewegt mehr als die Frage: "Soll der ETF auf den MSCI World von iShares oder von Lyxor geliefert werden?"

Zweite Erkenntnis: Die gelebten Modelle sind so vielfältig wie das Leben. Es gibt klassische Er-verdient-sie-zuhause-Ehen und 50/50-Ehen, bei denen beide auf Karriere verzichten und sich um die Familie zu kümmern.

Zum Thema Ehevertrag: Die, die glücklich zusammenleben, denken keinen zu brauchen, beziehungsweise glauben an die Kraft des Papiers, wenn sie vor der Ehe einen aufsetzen wollen. Die, die schon eine Scheidung hinter sich haben, sehen das deutlich skeptischer.

Meine Meinung: Ich bin Pro-Ehevertrag, aber nicht im juristischen Sinne, sondern als Aktion Spickzettel. Verträge sind meiner Meinung nach sowieso nur dazu da, gebrochen zu werden. Entweder, es geht mit dem hanseatischen Handschlag oder gar nicht. Wenn der Geist nicht willig ist, richtet das Papier gar nichts aus.
Wozu dann überhaupt einen Ehevertrag?
Nun, sozusagen als Spickzettel. Kennt man ja von der Klausur: Mach dir einen guten Spickzettel, und du wirst ihn höchstwahrscheinlich kaum brauchen. Genau das soll ein Ehevertrag leisten: Man spricht vor der Ehe über finanzielle Themen und die gemeinsame Lebensplanung.
Wenn man sich dabei so zerstreitet, dass die Hochzeit abgesagt wird, ist man für kleines Geld davongekommen (fail early, fail cheap).
Meiner Meinung nach ist nicht die Asymmetrie "A verdient, B zu Hause" kritisch, sondern die Asymmetrie "A sind finanzielle Themen wichtig, B delegiert". Diese Asymmetrie zerrt ein Ehevertrag schmerzlich ans Licht.

(awa)

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Kommentare

Tom sagt am 19. Januar 2017

"Das Problem: Die Scheidungsstatistik liest diesen Abschnitt und schüttelt ihr Haupt über so viel Naivität."

Zitat des Tages, herrlich...


janxb sagt am 19. Januar 2017

Sehr schön geschrieben, vielen Dank!


Stefan sagt am 19. Januar 2017

Schön alle "Wenns" und "Abers" ausformuliert, lieber Finanzwesir. Das war zu erwarten ;-D

R. hatte ja ausdrücklich auch Erfahrungswerte aus der Praxis erfragt, da lasse ich mich gerne einmal zu unserem Konzept hinreißen. Ausgangssituation:

  • 2016 frisch verheiratet (ER 33 Jahre, SIE 27 Jahre jung), kinderlos
  • Beide Vollzeit beschäftigt, sie verdient einen kleinen Tick mehr

Wir haben uns schon vor der Hochzeit ein eigenes, für uns passendes Finanzsystem ausgearbeitet. Alles was wir ab zusammenziehen gemeinsam nutzen, wird auch gemeinsam bezahlt (Von Miete, über Essen bis hin zu Netflix).
Seit der Hochzeit bilden wir einen gemeinsamen Rücklagentopf, in den wir beide zu gleichen Teilen einzahlen. So weit so gut und im Grunde einfach. Darüber hinaus bleibt dann ein Betrag für beide über, den auch beide bisher so verwenden dürfen, wie sie wollen. Das ist unsere seit je her gelebte "Freiheit/Unabhängigkeit" voneinander. Ob nun Investments, Klamotten oder Freizeitluxus.

Interessant wird es nun wenn man die Summe an Kapital betrachtet, die die Frau mit in die Ehe bringt: Einen Batzen mehr als ich. Das ist in Ordnung, greift mein Ego nicht an und soll auch Ihr Geld bleiben. Es eröffnet dem Paar aber die Möglichkeit z.B. in Immobilien zu investieren. An diesem Ziel arbeiten beide (Recherche, Maklergespräche, Bonität und Vermögen von beiden und und und) und investieren Zeit. Die Erträge daraus fließen also in UNSER Vermögen, während es Ihr Eigentum bleibt. Auf lange Sicht (ewig) wird sich das sicher noch verschieben ;)

Ja, das ist ohne Kinder und ohne, dass jemand weniger arbeitet. Da sind wir noch nicht. Deshalb ein schöner Denkanstoß, auch wenn ich denke, dass wir die offenen Fragen dann lösen, wenn sie anfallen.

Grüße
Stefan


Finanzwesir sagt am 19. Januar 2017

Hallo Stefan,
Wasser auf meine Mühlen: Jede Ehe ist so individuell wie die beiden Partner, die sie eingehen. Deshalb danke für die Erläuterung Eures Konzeptes. Mit Kindern und einem deutlichen Gehaltsdelta konnen da ganz andere Lösungen heraus. Die eben genau das sind: Anders, nicht besser oder schlechter, einfach anders.
Euch alles Gute im ersten (oder bald zweiten) Ehejahr. ;-)

Gruß
Finanzwesir


Götz sagt am 19. Januar 2017

Ein interessantes Thema, dass ich demnächst (erstmal muss der Blog komplett stehen) vielleicht selbst mal beackern werde.

Als gebranntes Kind (Scheidung mit Kind und gemeinsamer Immobilie) kann ich sagen, dass es im Trennungsfall wesentlich komplexer ist, als es hier angerissen wurde. Da geht es um Unterhaltstatbestände (Kindes- und Ehegattenunterhalt), Zugewinnausgleich und Versorgungsausgleich, etc. Insbesondere die Höhe und Länge des Ehegattenunterhalts wird nicht, wie vom Wesir vermutet, ausschließlich durch das Vorhandensein von Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder bestimmt, sondern ist einzelfallabhängig und liegt im Ermessen (§ 1570 BGB - Billigkeit) des Tatrichters. Auch bei langer Ehedauer (>10 Jahre) besteht oftmals ein lebenslanger Unterhaltsanspruch.

Vieles kann im Nachhinein friedlich und günstig in einer notariellen (ein Anwalt ist nicht zwingend nötig) Scheidungsfolgenvereinbarung geregelt werden - nur oftmals sind die ehemaligen Partner dann so zerstritten, dass der Scheidungsrichter über jeden einzelnen Bereich entscheiden muss - und das wird teuer. Besonders die Anwaltskosten sind bei hohen Streitwerten immens.

Besser ist es, einen Ehevertrag vor der Heirat aufzusetzen. Hier lässt sich nicht alles regeln, aber zumindest der Zugewinnausgleich kann ausgeschlossen oder gleich Gütertrennung vereinbart werden. Ich empfehle jedem der vorhat zu heiraten (insbesondere bei Einverdiener-Ehen mit Kindern), sich nicht blauäugig auf die gesetzlichen Regelungen zu verlassen, sondern sich vorher ausführlich mit dieser Thematik zu befassen. Oder besser überhaupt nicht zu heiraten ;-)

LG Götz


MattySpaghetti sagt am 19. Januar 2017

Hallo zusammen,

ein interessanter Artikel, lieber Wesir. Da komme ich der Bitte von Leser R. gerne nach:

Wir sind ein Paar mit Gehaltsdelta.

  • Ich: Ende 30, Vollzeit angestellt, quasi-Beamter.
  • Meine Frau: Kultursektor (...), momentan Vollzeit-Mama; generell eher freiberufliche Jobaussichten. Aber ob nun freiberuflich oder angestellt: Die Haupt-Kohle wird wohl bei uns immer der Mann nach Hause bringen. Branchenbedingt.
  • Zwei Kinder 4 u. 1/2 Jahr alt.

Ohne es zu wollen sind wir ins klassische Modell reingerutscht: Der Mann arbeitet, Frau bleibt zu Hause. Zumindest macht es momentan keinen Sinn, dass jeder halbtags unterwegs ist. Wir hätten dadurch entscheidende Gehaltseinbußen. Sie würde mit Sicherheit weniger Geld nach Hause bringen als ich; und bei DEN Kinderbetreuungskosten hier im Rheinland überlegt man sich das zweimal. Aber: sie arbeitet so weit es geht nebenher freiberuflich. Ein Zubrot.

Ich überspringe jetzt mal den Weg und die zwischenzeitlichen Überlegungen, welche uns zu unserer momentanen Lösung gebracht haben. Es sieht auf jeden Falls wie folgt aus:

Gemeinsame Kosten

Wir haben zwar jeder ein eigenes Konto, jedoch wird das dritte gemeinsame Haushaltskonto anteilig monatlich von uns beiden gefüttert. D.h. ich überweise einen großen Betrag darauf, meine Frau einen kleinen.
Davon werden dann alle laufen und andere gemeinsamen Kosten gedeckt, Miete, Einkauf etc. Das ganze ist jetzt nicht prozentual ausgerechnet, sondern richtet sich nach dem Betrag, den meine Frau beisteuern kann. Der Rest kommt einfach von meinem Konto (momentan etwa im Verhältnis 1:5). Kleinere Dinge bezahlt jeder so aus eigener Tasche.
Versicherungsprämien übernehme ich zum Großteil. Auf einem extra Konto sparen wir Urlaubsgeld und ggf. Steuernachzahlungen (jeder wie er kann). Unterm Strich kann man sagen, dass wir das ganze Pi mal Daumen aufgeteilt haben. Und zwar so, dass es in der Praxis funktioniert, mit Hinsicht auf die persönlichen Einkünfte.

Sparen / private Altersvorsorge

Wahrscheinlich anders als bei vielen anderen habe ich mich entschlossen, unser Vermögen auf dem Konto / Depot meiner Frau zu parken bzw. zu investieren. Anstatt zwei Aktiendepots haben "wir" nur eins, dass wir beide bespannen.
Es läuft jedoch auf IHREN Namen. Monatlich sparen wir beide - ich natürlich den Löwenanteil - darauf. Auch die Finanzfeuerwehr, ein größerer Betrag, liegt auf IHREM Tagesgeldkonto. (Die Kinder haben eigene Depots).

Bist du verrückt geworden? Könnte man mich fragen.
Ja, vielleicht. Aber es ist meine Art, meiner Frau Sicherheit zu geben. Es ist einfach so, dass ich das Humankapital bei uns besitze. Ich zahle voll in die Rentenkasse ein, hab eine berufliche Altersvorsorge und obendrein noch eine kleine "Gehaltsumwandlung".
Man könnte sagen ich bin doch ganz gut versorgt. Bei meiner Frau sieht es da eher mau aus. Deshalb hab ich versucht alles, was geht, so anzulegen, dass sie nicht nur einen Witwen-Anteil bekommt o.Ä. (> Depot, Kapitalwahlrecht bei der Gehaltsumwandlung etc)
Das ist somit der Grund, warum ich mich dazu entschieden hab, es so zu machen (ja, es war meine Entscheidung).
Die absolute Risikoabsicherung ist dies natürlich nicht. BU/LV haben wir keine; die wären mittlerweile einfach viel zu teuer. War eine Überlegung, die aber dann gecancelt wurde.

Ich gehe einfach mal davon aus, dass selbst wenn die Ehe scheitert (was ich nicht hoffe!), es keinen Rosenkrieg gibt. Weiß man nie.. aber irgendwo dran muss man sich halten. Und ich halte mich einfach daran.

So, jetzt hab ich mal die Hosen runtergelassen. Hoffe der Input hilft dir, lieber R!

Viele Grüße - Matty Spaghetti


Gurkenfritz sagt am 19. Januar 2017

Wie immer vom Finanzwesir toll ausgearbeitet!
Besonders der Teil in dem die Tätigkeiten der Frau im Haushalt ein Preisschild bekommen. Hier vergessen wir Männer leider zu oft, dass diese Arbeiten uns zwar nichts Kosten aber deshalb nicht ohne Wert sind.

Da meine eigene Situation der von R. sehr ähnelt, Liste ich einmal auf wie wir die Situation geregelt haben.

Das gesamt Einkommen beider (er verdient ca. das 3-fache), auch deshalb weil sie die schlechtere LSt.Klasse hat, dies wird bei R. ähnlich sein, landet auf einem Haushaltskonto von dem alle Rechnungen bezahlt werden.
Wir zahlen uns selbst ein monatliches, angemessenes Taschengeld, dessen Höhe wir gemeinsam festgelegt haben.
Die Höhe ist nicht starr, in guten Zeiten höher, in schlechten wird nach unten angepasst.
So kann jeder mit seinem TG machen was er will.
Wir sind seit 16 Jahren ein Paar, davon fast 8 Jahre verheiratet u. in all dieser Zeit nicht einmal Streit um Geld.
Über alle Anschaffungen u. Investitionen die nichts mit dem TG zu tun haben, wird gemeinsam entschieden. Können wir uns nicht einigen, wird nicht angeschafft oder investiert, dann heißt es gut argumentieren u. den Partner überzeugen.
Bei unserem Hauskauf haben wir notariel beurkunden lassen, dass ich von meiner Frau bei einer Scheidung ausgezahlt werde u. sie das Haus erhält, den Wert ermittelt ein vom Amtsgericht bestellter, neutraler Gutachter.
So werden im Fall der Fälle nicht nur die Anwälte u. Gutachter reich.

Sorry für die langen Ausführungen!
Gruß Gurkenfritz


Andrea sagt am 20. Januar 2017

Das Geheimnis einer glücklichen Ehe: In wichtigen Fragen haben wir die gleiche Einstellung und in anderen Dingen sind wir auch unterschiedlich, lach. Und wir sagen jeden Tag zueinander "Ich liebe dich". :)
Den Tipp mit den Blümchen von der Kasse darf man auch vergessen und stattdessen den schönsten Strauß roter Rosen aus dem Blumenladen mitbringen. :)
Wenn die Frau schon zu Hause bleibt, darf sie sich trotzdem wichtig und attraktiv fühlen. :)
Mein Mann und ich arbeiten beide und verdienen ungefähr das gleiche, wir teilen daher die Kosten anteilmäßig und jeder hat sein eigenes Konto, kann also ausgeben und sparen, soviel er will, ohne dem anderen Rechenschaft abzulegen. In dem Fall, dass nur einer verdient, muss man dies natürlich anders regeln.


Finanzwesir sagt am 20. Januar 2017

Hallo zusammen,
danke für die ganzen detaillierten Kommentare (besnders MattySpaghetti).

@Gurkenfritz: Wenn man seine Situation auch nur grob umreissen will, braucht man mehr als ein paar Zeilen. Von daher: Da ist nix zu lang.

@Götz: Vielleicht sollte der Ehevertrag seine Anrüchigkeit verlieren und - als Reaktion auf die veränderte gesellschaftliche und rechtliche Lage - ein normaler Punkt auf der To-do-Liste vor der Eheschließung werden. So nach dem Motto: Eheringe, Hochtzeits-Location, Ehevertrag...

Gruß
Finanzwesir


Bankenmärchen sagt am 20. Januar 2017

Im Grunde ist doch das Wichtigste, dass man die Verhältnisse klärt. Ob einer mehr, der andere weniger verdient, ist in meinen Augen fast unwichtig. Ich freue mich, wenn meine Lebenspartnerin mehr verdient als ich.
Ich helfe ihr dann bei der Anlage und unterstütze sie. Neid sollte es zuhause nicht geben. Wichtig ist, dass sich keiner benachteiligt fühlt. Es sollte klar sein, wie die Haushaltskosten aufgeteilt werden. Sicherlich wird ein Partner wahrscheinlich einen größeren Anteil seines Gehalts in die Haushaltskasse leisten müssen. Das ist doch aber auch zugleich ein Ansporn um mehr zu verdienen. Ich schaffe hier immer gern klare Verhältnisse. Kommunizieren hat noch immer geholfen! :-)


MamaP sagt am 20. Januar 2017

Deine Frage an Albert kommt natürlich zu einem kritischen Zeitpunkt. Dein Kind ist unter 1. Ich habe mal gehört, die meisten Ehen werden im ersten Lebensjahres des Kindes geschieden. Ob das stimmt...? Da ich selbst ein Kind (mein zweites) von ein paar Monaten habe, weiß ich wie schwer diese Zeit für das Paar ist.
Ich glaube im ersten Lebensjahr meiner Kinder ist öfters der Gedanke an Scheidung gefallen als mir lieb ist. Mit anderen Worten: ihr befindet euch in einem wirklich kritischen Jahr, dass ihr irgendwie als Paar überstehen müsst. Übt euch in Gelassenheit und sichert erstmal das notwendigste ab.

Um nur ein Beispiel zu geben: ich als Mama bin daheim mit den Kindern, mein Mann geht Vollzeit arbeiten kommt heim und muss dann für Essen und Ordnung in der Küche sorgen, weil es die Kinder nicht anders zulassen.
Am Ende des Tages bin ich trotzdem die Gestresstere, weil die Arbeit an Kindern mir unerklärlicherweise (ist ja keine harte Arbeit) mehr abverlangt als alles, was mir im Leben je begegnet ist. Mein Mann kann dann an der Konsole oder vorm PC ausspannen und ich verzichte auf meine liebgewonnene Freiheit und gehe aus Erschöpfung ins Bett.
Zeit als Paar: Fehlanzeige. Streitpotential: immens hoch. Will sagen: bitte seht in den ersten Lebensmonaten bis zum zweiten Lebensjahr eures Wurmes in eurer Ehe nicht alles zu eng und trefft überstürzte Entscheidungen. Es ist eine Zeit, die wirklich sehr an den Nerven zehren kann.

Der Rest ist wie der Finanzwesir selbst sagt, Typ- und Lebensstilentscheidung. Wir beide sind glücklich damit, dass jeder den gleichen Wert hat, und nach allen Ausgaben (vom hart verdienten Gehalt meines Mannes) jeder von uns ein gerechtes "Taschengeld" bekommt, über das keine Rechtfertigung abgegeben wird.
Über größere Einkäufe wird einfach gesprochen. Bei uns herrscht auch unausgesprochene (erwähnt, aber nicht diskutierte) Entscheidung, dass - käme es zu einer Scheidung - wird alles hälftig geteilt und die Kinder werden unterstützt. Meinem Mann ist sein Geld nicht so wichtig - auch Typsache - weshalb es kein deins, meins gibt. Trotzdem sage ich immer, es ist "sein Geld". :-)

Wir haben uns beide gegenseitig per RisikoLebensversicherung abgesichert. Ich verdiene zwar nicht, aber wir sichern so die Tatsache ab, dass im Fall meines Todes die Kinder nicht auch noch abgeschoben werden müssen, sondern der Papa sich um sie kümmern kann. Kein unwichtiger Gedanke (für das Seelenheil der Kinder).

Als Frau kann ich nur sagen, dass man sich bei diesen Themen nur auf den sachlichen (Geld-) Ebenen bewegen sollte, sondern auch auf den emotionellen. Kinder sind kleine Wesen, die viel Liebe brauchen, das darf man bei allen Diskussionen nicht vergessen. Sind die Eltern unglücklich, läuft auch immer etwas mit den Kindern schief.


DividElephant sagt am 20. Januar 2017

Hallo zusammen,

ich kann leider aus der Praxis auch noch nicht wirklich etwas sinnvolles dazu beisteuern. Ich habe nur einen kurzen Lesetipp für alle verheirateten und - viel wichtiger - noch nicht verheirateten Menschen: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/44191/Im-Gesetz-steht-von-Liebe-kein-Wort (oder einfach nach "Helene Klaar Interview" googeln; dann findet man auch noch mehr Interviews; dieses ist meines Wissens nach das aktuellste).

Grüße!


Carlos sagt am 20. Januar 2017

First things first: @MattySpaghett: mit der Situation (2 kleine Kinder und Frau mit relativ gesehen geringem Verdienstpotential) auf BU uns insgesondere LV zu verzichten halte ich für höchst problematisch. Und Risiko-LV ist wirklich nicht teuer. Ohne hätte ich ein ganz schlechtes Gefühl.

Allgemein:
Bei uns sind 3 Kinder (7,4,1) am Start, meine Frau arbeitet halb als Beamtin im höheren Dienst, ich arbeite voll in der freien Wirtschaft und bringe in dieser Konstellation (bei III/V) etwa das dreifache an Geld nach Hause, plus Jahresbonus. Wir sind beide 37/38 Jahre alt und keiner hat nennenswert Bestandsvermögen in die Beziehung oder in die Ehe eingebracht, wir haben beide bei Null angefangen.

Wir haben getrennte Girokonten, hauptsächlich aus dem Grund, dass jeder die von ihm veranlassten Buchungen kennt, sieht und prüfen kann (klappt bei mir besser als bei meiner Frau ;-).

Das "Geld" als Ganzes ist aber gemeinsam und läuft bei uns gänzlich undramatisch und einfach. Jeder hat bestimmte Dinge die er zahlt (z.B. ich die Hypothek, meine Frau den Kindergarten) und wenn es in einem Monat bei dem einen knapp wird, hilft der andere aus, zur Not die Liquiditätsreserve, dafür ist sie da (solange man sie hinterher wieder auffüllt...). Regelmäßig geht das eher in Richtung von mir zu meiner Frau (insbesondere in der Elternzeit) oder wenn hohe Arztrechnungen anfallen (PKV), aber das ist völlig ok.

Was übrig bleibt wird gespart, wobei das "Grundsparen" automatisiert schon Anfang des Monats erfolgt. Wenn größere gemeinsame Anschaffungen anstehen, wird das einfach besprochen, wenn jemand "für sich" etwas möchte wird das genau so einfach geklärt und gemacht, wenn es passt. Meine Frau hat ein relativ teures Hobby mit monatlichen Kosten (~150€), ich kaufe eher selten aber dann teurere Sachen. Kommt das auf Heller und Pfenning hin? Keine Ahnung, aber für uns beide passt das.

Die Immobilien (selbstbewohntes Haus und vermietete Wohnung) gehören uns beiden zusammen, ebenso das Tagesgeldkonto für die Reserve und das Depot für die ETFs.

Versorgungsausgleich etc. dürfte eine komplexe Katastrophe werden. Meine Frau Beamtin, ich Angestellter, dazu Betriebsrente etc. Möchte ich mir nicht ausmalen und müssten dann sowieso die Profis ran.

In 19 Beziehungs- und 10 Ehejahren haben wir noch nie über Geld gestritten (natürlich haben wir aber über bestimmte Punkte intensiv diskutiert, das gehört dazu). Was sicher auch daran liegt, dass immer genug Geld da war und wir immer einen Lebensstil gepflegt haben, der locker gepasst hat. Wäre man öfter am Limit, gäbe es da vielleicht auch Stress. Könnte sein, weiß ich nicht, laut Statistik ist finanzieller Stress / Streit aber ein ziemlicher Beziehungskiller.

Ich will damit nicht sagen, dass diese Regelung zur Nachahmung empfohlen wird, das muss jeder selber wissen, aber es funktioniert bei uns. If it's not broken, don't fix it. Ich habe schon länger ein zusätzliches Girokonto in der Hinterhand, aber aus vorgenannten Gründen noch nichts damit gemacht. Schließlich sagt auch der Wesir immer, man soll es möglichst einfach halten...

Schönen Gruß
Carlos


Hans sagt am 20. Januar 2017

Hallo zusammen,

noch ein Paar nach All-In-Prinzip.

Ich mit 44 Jahren vollzeitbeschäftigt.
Meine Frau mit dem 2ten Kind (6 Monate) derzeit wieder in Elternzeit, der Große ist 4 Jahre alt. Ab Ende 2018 wird sie wieder in Teilzeit arbeiten. Seit unserer Hochzeit vor 4 Jahren (oder auch schon davor) läuft alles über ein Konto. Zwar hat historisch jeder noch sein eigenes Konto, dies wird jedoch nach Gehaltseingang umgeschichtet und zwar komplett. Bei uns gibt es kein Budget/Taschengeld für den einzelnen sondern nur einen großen Topf.
Seit den Kindern und unserem Hausbau mit den entsprechenden finanziellen Verpflichtungen haben wir unseren unnötigen Konsum (Deko/Technikkram etc) freiwillig radikal reduziert. Nicht weil wir mit Müh und Not die Rate zusammenkratzen müssten, sondern weil die Kinder mit Ihrer Aufmerksamkeit so in den Vordergrund rücken. Dennoch kann jeder seinen Hobbys nachgehen und keiner muss bei einem Schuhkauf o.ä. irgendwie Rechenschaft ablegen. Größere Ausgaben wie Urlaub werden gemeinsam diskutiert und entschieden.
Wichtig ist für uns, einen Überblick in Form eines Haushaltsbuches zu haben. Das führe ich zwar alleine (meine Frau fehlt da die Motivation, findets aber generell toll) und führt oftmals zu erstaunten Gesichtern wenn ich schon mal abends in Anwesenheit anderer Ihre Tagesausgaben abfrage. Auch eine Art von Vertrauen….

Zur Absicherung: In unserer Familienkonstellation ist meiner Meinung nach eine Risikolebensversicherung Pflicht. Im Einzelfall auch eine BU. Leider bekomme ich aufgrund früherer Krankheitshistorie keine mehr, meine Familie ist aber über meinen Arbeitgeber und dessen großzügigen Altersrückstellungen zumindest teilweise abgesichert.

Das Thema Scheidung ist wie so oft in gewisser Weise ein blinder Fleck. Wir sind uns einig, dass das Hauptvermögen (hier das Haus) hälftig geteilt werden würde (stehen auch beide im Grundbuch)


Finanzwesir sagt am 20. Januar 2017

@Carlos

"Ich will damit nicht sagen, dass diese Regelung zur Nachahmung empfohlen wird...."

Genau deshalb habe ich ja um Kommentare gebeten. Keine der individuellen Lebensplanungen ist zur Nachahmung empfohlen. Aber wenn wir hier hinreichend viele Kommentare sammeln, ergibt sich vielleicht ein Bild. Gemeinsamkeiten oder gute Ideen, von denen man lernen kann und die man als Paar auf seine Situation übertragen kann.

@Hans:

"Nicht weil wir mit Müh und Not die Rate zusammenkratzen müssten..."

Das scheint mir bei allen Kommentaren ein zentraler Punkt zu sein: Wenn genug Geld da ist (genug = Wünsche und Bedürfnissep assen zur vorhandenen Geldmenge), dann gibt es weniger Streit und mehr Gelassenheit.

Was das Haushaltsbuch angeht: Haben wir auch. Das führ auch immer wieder zu erstaunten Gesichetern. Nicht von Dritten, sondern innerhalb der Familie wenn die gefühlten Ausgaben mal wieder von den echten abweichen.

@MamaP

"Will sagen: bitte seht in den ersten Lebensmonaten bis zum zweiten Lebensjahr eures Wurmes in eurer Ehe nicht alles zu eng und trefft überstürzte Entscheidungen."

MamaP hat Recht. Da muss man durch und es wird besser, sobald die Kinder in die Schule kommen. Es heißt nicht umsonst: "Wenn Du wissen willst, wie es sich in einer Diktatur lebt: Schaff Dir einen Säugling an." Sobald sie anfangen zu reden, haben die Kleinen verloren. Dann kann man reden und anfangen zu argumentieren. Wenn ein Baby brüllt hilft nur eins: gehorchen.

@DividElephant: Eine gnadenlose Frau diese Frau Klaar. Grundsätzlich hat sie natürlich recht. Von Liebe steht nichts im Gesetz. Das Gesetzt regelt die Business-Seite des Joint-Ventures namens Ehe.

Gruß
Finanzwesir


kama sagt am 20. Januar 2017

Hallo zusammen,

meine Frau (Anfang 30) und ich (Mitte 30) arbeiten beide voll, Kind unterwegs. Wir haben das folgendermaßen gelöst:

  • jeder hat ein eigenes Girokonto
  • es gibt ein gemeisames Girokonto als "Haushaltskonto" (Miete, Lebensmittel, Strom, Gas, Telefon, "GEZ", etc.)
  • Depot, Tages-, Festgelder, usw. wurden spätestens mit dem Tag der Hochzeit von "mein" oder "ihr" zu "unser". Die größten Brocken laufen derzeit auf meinen Namen - sie kennt aber alle Zugangsdaten. Um das auch rechtlich sauber zu regeln, werden die Konten noch zu ODER-Konten umfunktioniert.

Ich habe eher das Problem sie für die ganze Materie etwas "begeistern" zu müssen. Ich bin der Ansicht sie muss sich - zumindest in groben Zügen - mit unserer Situation auskennen. Man weiss nie was kommt.

Gruß
kama


kama sagt am 20. Januar 2017

Nachtrag:

Das Haushaltkonto wird von beiden zu gleichen Teilen bespielt, so dass es zum Ende des Monats reicht. Für das gemeinschaftliche Sparen erübrigt jeder so viel wie er kann. Sie überweist mir per Dauerauftrag einen Betrag X, dem ich dann noch meinen Betrag Y hinzufüge, um das Ganze dann - je nach Bedarf - weiter anzulegen. Was dann einmal angelegt ist, wird auch nicht mehr angerührt...

Gruß
kama


Onkel Dagobert sagt am 20. Januar 2017

Tja, das ist "ein weites Feld" (Fontane ?)... Ich hab das fast alles hinter mir im 43. Ehejahr, zwei Kinder, drei Enkel.

Meine Empfehlung, wenn die Frau nicht oder nur teil-/zeitweise berufstaetig ist:

  1. Risikolebensversicherung (Cosmosdirekt, Hannoversche z.B.), solange die Kinder minderjaehrig sind.
  2. Budgetplanung: am Anfang ein Haushaltsbuch fuehren, alle laufenden Ausgaben erfassen - so sieht man Einsparpotentiale (reich wird man durch Konsumverzicht). Der Ehemann zahlt alle Ausgaben wie Auto, Urlaub Miete, Strom, Steuern etc.
  3. Die Frau hat ihr eigenes Konto/Depot und erhaelt ein Gehalt ("Taschengeld") ebenso hoch(!) wie der Ehemann.
  4. Der Rest wird zu gleichen Teilen investiert auf je ein Depot (auch fuer jedes Kind, allerdings mit kleineren Anteilen).

Viel Glueck!


morphi sagt am 20. Januar 2017

Ein schönes Beispiel, wie man prüfen kann ob man zueinander passt. Wenn man sich bei dem Thema streitet kann die Zukunft schwer werden.

Erstmal muss ich beim konkreten Thema eine Lanze für uns Väter und die schöne neue Welt brechen: Wieso soll die Frau die Elternzeiten und die nachfolgende Familienarbeit quasi alleine übernehmen?
Hast du keine Lust drauf, zumindest ein Paar Monate zu übernehmen? Auch ist es in vielen Firmen zeitweise problemlos möglich von z.B. 40 auf 32-35 Stunden zu reduzieren um temporär einen Teil der Familienarbeit zu übernehmen.
Hier widerspreche ich auch dem Finanzwesir: Nen halbes Jahr Elternzeit tut einer normalen Karriere im normalfall wenig. Und wenn doch: Soll es die Spitze des Eisberges sein? Die ist nämlich auch mit 40 Stunden nicht getan sondern fordert oft 50-70, und dann würde ich sehr von der Gründung einer Familie abraten.
Alternativ kann man sich auch emanzipieren und den Arbeitgeber wechseln - wer mich nicht will und mein gewünschtes Leben nicht untersützt, der hat mich eben nicht verdient.

Allerdings: In der Summe "verliert" ihr Geld. Temporär... Das gleicht sich durchaus wieder aus - deine Frau kann so beständiger im Berufsleben bleiben, auch hier weiterkommen und wird später mehr verdienen als mit einer Phase von 10 Jahren, in der man zwischen Elternzeit und Halbtagsjob pendelt.
Und selbst wenn? Geld ist nicht alles - ich möchte die Elternzeit nicht missen - und solange man auch mit weniger gut klar kommt darf das persönliche Glück und die persönliche Entwicklung gerne einen größeren Einfluß haben.

Warum mir das wichtig war? Ich bin in einer ähnlichen Situation wie du. Ich liebe Finanzen, ich liebe Steuern, ich liebe Lebenssteuerung... Aber über all das (vor allem über der Lektüre des Wesirs ;-) ) vergisst man oft das Wesentliche: All das ist eben nicht Mittel zum Zweck sondern um die Kanten eines ansonsten erfüllten Lebens abzurunden.

Mein Budgetkonzept stelle ich vielleicht später mal vor.


Hobbyinvestor sagt am 20. Januar 2017

| Krass, hätte nicht gedacht, dass man über dieses Thema soviel schreiben kann.
Bei meiner Frau und mir, ging es automatisch so, dass es nur noch unser gab.
Nur noch ein Konto und kein meins/deins getrenne.
Find ich super und erspart uns viele Diskussionen

Der Hobbyinvestor

Auf dem Blog von Hobbyinvestor gibt es hierzu diesen Artikel: Hobbyinvestor


ChrisM sagt am 20. Januar 2017

| Hallo,

auch bei uns ist die Situation ähnlich, Chemikerehepaar (sprich: exakt gleicher Abschluss und Branche), 38 und 37, bis zu den Kindern fast gleiches Gehalt, jetzt ist meine Frau in Teilzeit. Unsere Lösung schaut so aus:
Wir führen ein gemeinsames Haushaltsbuch, in das alle direkt getätigten, uns beide und/oder die Kinder betreffenden Zahlungen kommen, eine Spalte für sie, eine für mich. Am Monatsende wird zusammengerechnet und ich schreibe dann die Hälfte der Differenz auf, negativ wenn sie mehr ausgegeben hat, positiv wenn ich. Darunter wird dann für jede geplante gemeinsame Zahlung vom Konto die Hälfte aufgeschrieben, negativ wenn von ihrem Konto, positiv wenn von meinem. Und am Schluss kommt dann die Hälfte unseres Gehaltsunterschiedes als negativer Wert - weil wir definiert haben, dass unsere Arbeit exakt gleich viel wert ist und wir daher gleich viel haben sollten.
Die Summe dieser Liste kriegt bei einem negativen Gesamtbetrag sie von mir aufs Konto, bei einem positiven Gesamtbetrag ich von ihr. Klingt kompliziert, ist aber ein simples Nebenprodukt des Haushaltsbuches und funktioniert seit Jahren.
Damit sind die gemeinsanen Kosten ein simpler Kostenpunkt und abgesehen davon macht ein jeder von uns investmentmäßig das was uns individuell gefällt.


Alex sagt am 20. Januar 2017

Schön zu lesen, was sich die Leute für (Konto-)Modelle einfallen lassen und dies auch leben. Kommt es aber zum Schlimmsten (Scheidung!), dann gibt es sowieso nur "gemeinsam" und alles wird geteilt.
Als Leidtragender(?) des Standardfalls (Zugwinngemeinschaft, kein Ehevertrag) kann ich eigentlich nur empfehlen, die Kontostände zu Beginn der Ehe gut zu dokumentieren, denn am bitteren Ende ist es völlig irrelevant, ob das Konto ihm oder ihr gehört, unter dem schönen Namen Zugewinnausgleich wird genau ausgerechnet, was wer schließlich mehr oder weniger hat als am Anfang und dann ausgeglichen. Da ist auch völlig egal, was für Absichten und Absprachen hinter verschiedenen Konten stecken, wenn ein Partner dann von seinem Anwalt hört, was ihm noch alles zusteht, dann sind die guten Vorsätze aus besseren Zeiten ganz schnell vergessen und es wird zugegriffen.
Als Besserverdienender muss man sich im Klaren sein, dass man nichts "für sich" hat – außer man verballert das Vermögen rechtzeitig ;) Das führt dann z. B. dazu, dass der Besserverdiener, der 75 % der Immobilie (ab)bezahlt hat und diese nach der Trennung behalten möchte, dem Partner nochmal 50 % davon "abkaufen" muss, am Ende also 125 % aufgebracht hat.
Selbiges passiert mit allen anderen Vermögenswerten inklusive Rentenansprüchen, Betriebsrenten, Lebensversicherungen ebenso. Und bis jetzt haben wir noch gar nicht über Kinder oder Versorgungsansprüche geredet.
Was am Anfang alles rosarot erscheint und selbstverständlich als gemeinsam angesehen wird, rückt am Ende in ein ganz anderes Licht, wenn der wirtschaftlich stärkere über Gebühr gemolken wird und vom Partner nicht nur gefühls- und beziehungstechnisch enttäuscht ist.

Wer also ehetechnisch gemeinsame Sache machen möchte, der sollte entweder zusehen, dass das Ganze ewig hält oder einen ordentlichen Ehevertrag machen, damit es kein böses Erwachen gibt – geht natürlich auch beides gleichzeitig ;)


denkfabrik.rocks sagt am 20. Januar 2017

Ein Ehevertrag wird als unromantisch angesehen. Ich würde ihn abschließen.
Zu 2.: Ich weiß nicht wie es in Deutschland ist, aber in Österreich kann die Obsorge und der Unterhalt von Kindern nicht vertraglich geregelt werden.
Zu 3.: Für Gebrauchsgüter gilt: Keine Formvorschrift. Für Wohnung und Ersparnisse schon - ab zum Notar.


wedges sagt am 20. Januar 2017

wir lebten das drei-Konten-Model (bis vor ca 1,5 Jahren)
meins, deins, unseres - allerdings ich bin gebranntes Kind und geschieden, wiederverheiratet - zwei kinder. mein Vermögen zu Beziehungsbeginn: eigene abgezahlte Eigentumswohnung - seins: keines

das Haushaltskonto wurde von beiden teilen mit jeweils 400 € befüllt. warum? das Verhältnis hat nix mit dem Einkommen zu tun, sondern damit, dass ich mit zwei Kids einen wesentlich geringeren Lebensstandard leben würde, als mein mann für sich allein gewöhnt war. (HHG= Lebensmittel, Energie - Strom, Gas, Müll, Telefon, Kaminkehrer, Holz, Instandhaltungsfond)

gemeinsame Anschaffungen wurden besprochen - und dann eben bei Uneinsichtigkeit des Anderen evt. dann nicht durchgeführt - beidseitig.

gewohnt haben wir in einer gemeinsam angeschafften Eigentumswohnung (Haus) - mein Anteil war mit dem Erlös der eigenen Wohnung getilgt, seinen muss er eben aus seinem Einkommen bestreiten. (ist aber pipifax, wenn man 50% Eigenmittel einbringen kann)

gemeinsame Ausflüge und Urlaub zahlt mein Mann zur Gänze - auch jetzt, wo die Kids erwachsen sind (was diese je nach Destination auszunützen wissen)

Unfallbedingt bin ich 2013 für 2 Jahre arbeitstechnisch gänzlich ausgefallen (aber mitnichten Einkommenslos) - der Unfall hat einige der Ansichten meines Mannes gewandelt - seit ca. 1 Jahr bin ich von den HHG Zahlungen zur Gänze befreit - die Weiterbildung um in meinem Beruf wieder Fuß fassen zu können, hat er zur Gänze bezahlt, ebenso einige sehr teure Operationen/Therapien - Auslöser war sicher auch mein Unwillen einen Dacia (vom eigenen Geld) zu kaufen, wenn er alle 4 Jahre sich einen neuen BMW (von seinem Geld) zulegt. (weil er nicht will, dass er so nebenbei Vermögen aufbaut und ich zwar nicht ärmer werde, aber eben auch nicht reicher)

Sein Einkommen liegt sicher um das Vierfache höher als meins und Unfallbedingt ist die Hausarbeit nach 17 Jahren ein einstündiges Wochenendprojekt aller Erwachsenen im Haushalt

DAS sicher Wichtigste ist, eine Lösung zu finden, die keinen in die Situation eines Almosenempfängers rückt - das kann bitter werden und wer - meins und deins im HHB extra aufschreibt muss schon extrem aufpassen, dass der andere sich nicht Dinge verkneifft, weil er nicht ans Geld des anderen gehen will. Das kann schleichend kommen.

BTW - wir haben ein so gänzlich unterschiedliches Geldverhalten - das würde, wäre es nicht so klar getrennt sicher zu Streit führen.

BTW 2: in Österreich gibt es kein Rentensplitting - dh. Frau die sich um die Kinder kümmert, ist automatisch der Altersarmut ein Stück näher und es gilt automatisch Gütertrennung - auch kein Zuckerschlecken, wenn man die Ehe blauäugig eingeht (Absicherung null - also selbst ist die Frau - und damit immer auf Erwerbsarbeit angewiesen)

egal welches Modell - man muss ständig im Gespräch bleiben - es kann sich wandeln UND wer Wert auf Zufriedenheit legt, hat echt Arbeit.

ahja: depot ich: 2 - depot er: keins - zu unterschiedlich die Ansichten :-)


TZ sagt am 20. Januar 2017

Bei mir die gleiche Ausgangssituation nur schon etwas weiter. Anfang 50, 3 Kinder, Alleinverdiener.
Am Anfang hatten wir beide nix und daher von Anfang an all-in. Ein Girokonto, ein Depot, kein Taschengeld oder sowas sondern wer was braucht nimmt sichs und der Rest wird gespart.
Klasissche Arbeitsteilung halt, jeder macht seinen Teil um gemeinsam die Familie so gut wie's geht nach vorne zu bringen. Auf die Idee dass das Geld das ich verdiene "mein" Geld ist und ich nur einen Teil in die Familie einbringe, oder noch schlimmer, die gegenseitige Arbeitsleistung aufrechnen, finde ich mit Verlaub, komisch.


Tina sagt am 20. Januar 2017

| Ich bin erstaunt, ob der ganzen Kontenmodelle. Wie aber mein Vorredner Alex schon richtig erwähnt hat, mag das alles vor oder sogar während der Ehe funktionieren, im Falle einer Scheidung ist das jedoch nur noch schöner Schein. Ich frage mich an einigen Stellen erschrocken, ob sich die Paare vor der Heirat über die Rechte und Pflichten in einer Ehe informiert haben...
Es geht mir hauptsächlich um Zugewinnausgleich, ohne Ehevertrag (also den gesetzlichen "Standard"). Und hierfür ist es nur wichtig, die Kontostände / Besitztümer zum Zeitpunkt der Eheschließung festzuhalten. Im Falle des Falles wird dann der Zugewinn, also das, was im Laufe der Ehe zusätzlich gespart bzw. angeschafft wurde, aufgeteilt. Wir haben das so gemacht, es gibt zwei identische Ausführungen und jeder hat seine entsprechend abgeheftet, fertig.
Allerdings muss ich sagen, dass wir zur Hochzeit die "korrekte" bzw. genaue Aufteilung des Geldes aufgegeben haben und wir auch weiterhin jeder ein eigenes Konto haben. Es wird nur nicht mehr auf "Heller un Pfennig" Geld hin- und hergeschoben. Und die weiter oben erwähnte "Taschengeld-Regelung" gibt es bei uns auch: Also ein gewisser Betrag, über den keine Rechenschaft abgelegt wird, auch wenn der andere die Ausgabe unsinnig, überflüssig, o.ä. findet


Ex-Studentin sagt am 20. Januar 2017

Ohne Kinder ist die Welt noch einfacher.. Aber man kann schon mal für die Familiengründung ein wenig üben.
Bei uns hat jeder sein eigenes Konto und überweist seinen Anteil auf das Gemeinschaftskonto. Davon werden alle gemeinsamen Kosten bestritten (Miete, Essen, Urlaube, Möbel). Mein Freund ist noch in der Ausbildung, während ich arbeite, deswegen zahle ich mehr Miete (ich 600/ er 300) und der Rest ist 50:50.
Dafür lade ich ihn aber auch mal zum Essen oder ins Kino ein oder zahle etwas mehr für den Urlaub. Aktuell bin ich dabei, mich mit dem Thema "Ehevertrag" auseinander zu setzen. Bis wir mal heiraten, werde ich vermutlich mehr gespart haben als er, weil ich 4 Jahre länger arbeite als er.

Im Falle der Familiengründung halten wir uns vieles offen. Generell lebt es sich mit 1,5 Gehältern leichter. Wer die Stunden reduziert, darauf haben wir uns noch nicht festgelegt. Kommt das auch sehr auf den Arbeitgeber an, wie der da mitspielt (flexible Arbeitszeiten, Betriebskindergarten, Ferienbetreuung, Homeoffice..) und wie brav die Kinder werden.


Mike sagt am 20. Januar 2017

Hallo Albert, hallo Familie R.

vielen Dank für diese äußerst interessante Fragestellung und die unterhaltsame Beantwortung.

Wir stehen kurz vor unserer Hochzeit und beschäftigen uns ausgiebig mit derartigen Gedanken. Kurz zu uns:

  • Mike ist 30 und Marielle 24
  • Gehalt ist in etwa identisch
  • Vermögen besitzt Marielle mind. das 10-Fache
  • Hochzeit ist am 13.06.2017

Warum wollen wir heiraten?

Bei uns gab es keinen Kniefall, keine Verlobungsringe und kein riesen Towubawohu, sondern eine "rationale" Überlegung im Restaurant. Stattdessen folgte ein romantisches Wochenende im Schlosshotel.

Wir werden heiraten, weil wir uns sicher sind, dass wir alle begonnenen und zukünftigen Projekte gemeinsam angehen wollen. Unsere Basis ist tiefes Vertrauen, hohe Kompetenzzuschreibung und Übereinstimmung in grundlegenden moralischen Werten und Zielen.

Der Unterschied zu einer Geschäftsbeziehung? Zu unseren begonnen Projekte gehört unter anderem unsere romantische Beziehung (Beginn 2010) und zukünftige Projekte beinhaltet zum Beispiel Kinder. Dinge, die wir nicht mit anderen Geschäftsbeziehungen angehen würden.

Offiziell heiraten wir, weil wir unsere Freude mit unserer Familie und unseren Freunden teilen möchten. Hinzukommen Gründe wie vereinfachte Namensübernahme, Vaterschaftsübernahme (wichtig für meine väterlichen Rechte), steuerliche Möglichkeiten und ein paar andere rationale Gründe für die Familien- und Finanzplanung.

Warum glauben wir, dass wir anders sind als die anderen?

Eine Begründung für die zunehmenden Scheidungsquoten (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/76211/umfrage/scheidungsquote-von-1960-bis-2008/) lautet "Heirat aus Liebe". Desto weiter der Blick in die Vergangenheit reicht, desto mehr Zweck-/Geschäftshochzeiten werden sichtbar.

Ich setze uns in die Mitte der beiden Pole. Einerseits haben wir uns selbst gefunden und wollen aufgrund unserer Zuneigung heiraten. Andererseits sehen wir die Ehe als Vertrag und sind uns hundertprozentig im Klaren, dass der gemeinsame Vermögensaufbau eine Geschäftsbeziehung darstellt.

Rational gesehen ist die Ehe ein Vertrag. Diesen Aspekt außer Acht zu lassen ist grob fahrlässig und führt fast zwangsläufig zum Rosenkrieg.

Was wird unser Geschäftsmodell?

Kommen wir zu den Fragen von Herrn R. Damit lässt sich unser Geschäftsmodell am Besten erklären.

Wie kann in einer solchen Konstellation ein faires Budgetkonzept (Einnahmen/Ausgaben) einer Familie aussehen?

Dazu können wir noch am wenigsten sagen. Zwar existieren Gedanken, wie es schlussendlich ausfallen wird, wenn wir mal Kinder haben, steht in den Sternen.

Derzeit werden wir uns die Aufgaben teilen. Ich möchte unbedingt meine Elternzeit in Anspruch nehmen, was bei 14 Monaten für jeden sieben bedeutet.

Gleiches gilt für unsere Karrieren, den Haushalt, die Ausgaben und alles weitere. Mit der Zeit kristallisieren sich Kompetenzfelder heraus, die wir ausbauen werden.

Eines steht fest: Unabhängigkeit von unserem Arbeitgeber, dem Staat oder anderen externen Personen hat oberste Priorität, sodass im Falle einer Trennung keiner von uns mit leeren Händen dasteht!

Und das ist für uns die fairste Alternative: Egal was passiert, beide sind versorgt und beide fühlen sich damit wohl! Um dahin zu kommen, ist es elementar miteinander zu sprechen und den gemeinsamen passenden Weg zu finden. Damit haben wir uns in unserem Artikel, warum man mit dem Partner über Geld sprechen sollte detailliert befasst: http://beziehungs-investoren.de/warum-mit-dem-partner-ueber-geld-reden/

Wie kann eine sinnvolle & faire Absicherung für Frau und Kind aussehen? Z.B. im Falle des Todes.

Wir halten (noch) nichts von Versicherungen. Der Gedanke unsere Vorsorge in die Hände von anderen zu geben, schreckt uns ab. Was ist, wenn die Versicherung nicht zahlt? Was ist, wenn die Versicherung pleite geht?

Deshalb sichern wir uns finanziell über unsere Investitionen ab. Klar, hier ist ebenfalls ein (nicht zu unterschätzendes) Risiko vorhanden, dafür liegt es mehr an und in unserem Handeln.

Macht es Sinn einen Ehevertrag aufzusetzen?

Wir werden einen Vertrag aufsetzen. Noch wissen wir nicht, ob wir diesen lediglich zwischen uns schreiben und unterschreiben oder ob wir einen Anwalt mit ins Boot holen.

Uns geht es nur um das Eine. Alle relevanten Dinge in einem rationalen Zustand zu regeln. Starke Emotionen, Trauer, Schuld, Wut und Scham sind keine guten Ratgeber.

Deshalb ist eine Überlegung, dass wir unsere Vermögenswerte wie Immobilien oder Depots im Falle einer Trennung automatisch sperren lassen. Und erst nach einer gewissen Zeit und unter Zustimmung beider wieder freischalten.

Vorteil: Regulation unserer Emotionen und passender Zeitpunkt für rationale Gespräche. Nachteil: Schnelles Handeln ist nicht möglich und finanzielle Schäden sind möglich (sind sie auch, wenn sofort gehandelt werden darf)

Was sind aus deiner Sicht, die wichtigsten Eckpunkte einer auf Dauer gut funktionierender Ehe und Familie?

Exakt die selben Eckpfeiler, die für jede funktionierende Beziehung und Interaktion gelten. Dazu gehören offene Kommunikation , Aufmerksamkeit(en) und ein respektvoller Umgang (keine vorwurfsvolle Kritik o. ä.).

Letzteres scheint häufig zu kurz zu kommen. Wie Albert treffend geschrieben hat, ist in Deutschland nichts wert, was keinen Preis hat. Arbeiten, die viel Zeit und eine hohe Bedeutung haben werden nicht entlohnt: Schule oder Haushalt.

Diese Leistung nicht angemessen zu achten, sorgt für starke Frustrationen und Abwärtsspiralen.

Häufige und ehrliche Aufmerksamkeiten, wie ein Lächeln zur Begrüßung, sorgen für ein angenehmes Klima.

Beste Grüße Mike

P.S. Wer mehr über unsere Hochzeitsplanungen erfahren möchte, kann gerne bei unseren monatlichen Hochzeitsupdates vorbeischauen: http://beziehungs-investoren.de/unsere-hochzeit/

Auf dem Blog von Mike gibt es hierzu diesen Artikel: Beziehungs-investoren.de


Laverne sagt am 20. Januar 2017

Großen Dank an Morphi, für seine Ausführungen! Ich sehe das ähnlich mit der Gleichberechtigung und dem wichtigsten Gut "Zeit für die Familie und für sich". Mein Mann und ich versuchen das auch bestmöglich in die Praxis umzusetzen. Das sieht dann so aus:
Beide Akademiker, gleich alt Mitte Dreißig, ohne Erbvermögen, seit 16 Jahren ein Paar (davon 5 verheiratet). Wir haben also gleichzeitig bei 0 angefangen und uns mit nahezu gleichem Gehalt hochgearbeitet.
Mittlerweile sind zwei Kinder da und er verdient branchenbedingt etwas mehr ( 10%?) als ich. Wir haben beide dauerhaft auf 30h reduziert. Elterngeld haben bei jedem Kind 8 Monate ich, 6 Monate er bezogen.
Das gab beim Erstgeborenen vielleicht komische Blicke von der Familie "Wie, du bleibst nicht 1 Jahr zu hause?". Beim zweiten Kind habe ich das Elterngeld als Elterngeld Plus auf 13 Monate gestreckt und somit nur jeden Monat die Hälfte bekommen.
Es reicht nicht um meine monatlichen Kosten zu decken. Das war es mir aber Wert und ich habe vorher entsprechend Geld zurückgelegt. Auch die Rentenpunkte für die Erziehungszeit werden zwischen uns aufgeteilt.
Kontentechnisch hat jeder sein Girokonto. Dazu kommt ein Haushaltskonto, auf das jeder gleich viel einzahlt und von dem alle laufenden Ausgaben inkl. Kinderbetreuung, Urlaub und größere Anschaffungen abgehen.
Altersvorsorge regelt jeder selbst, wobei ich ihm schon mehrfach die x. Rentenversicherung ausgeredet habe, die der Finanz'berater' ihm verkaufen wollte.
Ich habe für mich seit einem Jahr ein ETF-Depot, seine Situation werden wir demnächst nochmal genau analysieren. Abgesichert sind wir beide mit BU und Risikolebensversicherung. Da wir ähnlich sparsam sind, haben wir in den letzten 10 Jahren auch etwa gleich viel Geld angehäuft. Ehevertrag gibt es nicht. Würden wir mit dem Erwerb einer Immobilie liebäugeln, würden wir aber vorher schon was vertraglich regeln für den Fall einer Trennung. Sollte sich die Einkommenssituation stark zu einer Seite verschieben (sehr unwahrscheinlich), dann würden wir auch die Einzahlungen auf das Haushaltskonto entsprechend anpassen.


MamboDerJambo sagt am 20. Januar 2017

Vielleicht noch eine Zugabe von jemand, dessen jüngstes von 4 Kindern in ein paar Monaten 18 Jahre alt wird.
Vor 20 Jahren wurde meine erste Ehe nach 5 Jahren geschieden. Zwei Kinder. Ex-Frau macht mich fertig bis zur Pleite.

Dann lerne ich meine heutige Frau kennen, die schon damals vermögend war. Ich ein armer Schlucker. Allerdings freiberuflich tätig im Ingenieursumfeld. Meine neue Frau hat keinerlei Lust durch gemeinsame Aktionen und Verpflichtungen über den Erbfall, also wenn sie sterben sollte, mich zum Erben zu machen.
Damit würde, wenn ich auch noch sterbe meine Ex-Frau bzw. die damals gemeinsamen Kinder partizipieren. Deshalb waren wir beim Notar: Berliner Testament einerseits für meine Frau mit Vorrede, Nacherbe, Schlußerbe; normales Testament für mich mit ihr als Alleinerbin (Kinder sind alle auf den Pflichtteil beschränkt). Dazu einen Ehevertrag, der die Versorgung regelt und das Vermögen klar macht.

Selbst heute, über 20 Jahre später, hat meine Ex-Frau bzw. die Kinder (die mir nicht allzu wohlgesinnten sind obwohl ich immer und stets den gerichtlich festgelegten Unterhalt bezahlt habe) noch die Möglichkeit uns das Leben schwer zu machen.
Vielen Dank an die deutsche Gesetzgebung. Damit meine Frau und meine Kinder nicht geschädigt werden können, habe ich gar nichts. Darf auch nichts haben. Denn im Erbfall, als wenn ich sterbe, könnte die Ex-Familie über den Pflichtteil in die Firma hineinpfuschen.

Andererseits verdiene ich ca. 80% des Gesamteinkommens. Und alles geht auf die Seite meiner Frau. Sollten wir uns trennen, habe ich nur das, was mir der Ehevertrag gewährt. Aber so leben wir seit 20 Jahren. Und haben viel gemeinsam geschaffen.

Das Wichtigste ist, dass jeder genau weiß, was wo wohin geht. Wir haben diverse Konten, aber kein einziges gemeinsames (aus besagten Gründen). Online hat jeder Einsicht in alles. Für uns ist das Modell passend. Aber es ist sehr speziell, hat aber alle bisherigen Stürme unbeschadet überstanden.


NeulandFan sagt am 21. Januar 2017

Lieber Wesir,

ein toller Artikel! du hast es mal wieder geschafft ein schwieriges thema geistreich und wunderbar humorvoll zu analysieren - die lektuere hat Spass gemacht - .....

@liebe alle .... und damit eine spannende Lawine von Kommentaren losgetreten. jedes Paar macht es offenbar etwas anders.

kurz zu uns: beide ende 20, viele jahee zusammen, fast 2jahre verheiratet. beide noch nicht ganz fertig mit den "berufsvorbereitenden massnahmen" sprich Doktorarbeit/studium. kinder (noch) keine.
bisher also geringe Einkuenfte und alles unproblematisch. jeder noch sein konto, aber pi mal daumen wird alles geteilt, wobei beide eher grosszuegig als knauserig sind (auf dem relativ niedrigen niveau). klingt wiedersprüchlich, aber so würde ich es am ehesten beschreiben :D

Das Problem, das sich bei uns eher stellt (bzw Frage, die sich mir stellt...) klang hier auch schon an.
SIE ist nämlich gänzlich nicht an finanzen und Co interessiert. Wenn sie einmal im Monat auf ihr Girokonto guckt, ist das viel.... während ich mir hier gerne mal die Zeit vertreibe. Wenn ich mal verscuhe über Finanzplanung, Mieten oder kaufen, oder ETF Auswahl ein Gespräch anzufangen, ist das schnell wieder zu ende.... - guck mal ein Schmetterling! =)

Das soll nicht abwertend klingen, jedem das seine, aber bei uns ist es halt so. folglich bleiben diese Entscheidungen wohl bei mir hängen, obwohl es mir viel lieber wäre auch diese Themen gemeinsam anzugehen.


Kleinfinanz sagt am 21. Januar 2017

Hallo Finanzwesir,

was für ein toller Artikel, aber auch eine interessante Fragestellung.

Ich denke auch, dass das Thema von jedem anders beantwortet wird und nicht richtig oder falsch.

Wir (41 ,39 Jahre) sind seit über 20 Jahren ein Paar und seit bald 15 Jahren verheiratet und haben drei Töchter, die inzwischen alle in der Schule sind.

Wir haben unser Geld schon vor unserer Hochzeit nicht streng getrennt und haben seither nur ein Konto auf das die Gehälter von beiden fließen. Ich komme aus einem Scheidungshaushalt und habe erlebt, wie durch eine Trennung ein Vermögen verschwunden ist und die Familie auseinander gebrochen ist. Natürlich sind mir auch die Statisitiken der Scheidungsraten bekannt. Trotzdem oder gerade deshalb war für mich immer klar das das "bis das der Tod euch scheidet" für mich bindend ist.

Bei uns war der Gehaltunterschied lange nicht so sehr groß. Meine Frau ist verbeamtet und konnte daher auch nach den Geburten sehr flexibel in Teilzeit mit gutem Gehalt weiterarbeiten. Erst jetzt wird durch meinen beruflichen Aufstieg der Gehaltsunterschied etwas größer.

Wir sind bis heute durch den Job des jeweils anderen "diversifiziert". Zur weiteren Absicherung haben wir schon vor vielen Jahren jeweils eine Kapitallebensversicherung mit Todesfallschutz und Berufsunfähigkeitsversicherung, sowie jeweils einen Riestervertrag und ich habe zusätzlich noch eine Direktversicherung zur Gehaltumwandlung abgeschlossen. Wir sind damit ehrlich gesagt nicht unzufrieden. Die Kosten sind bezahlt und die Garantieverzinsung ist sehr ordentlich.

Unser weiteres Vermögen (Immoblie als Kapitalanlage), Aktien und Tagesgeld ist jeweils auf beide ausgestellt. Wir nehmen keine Trennung vor und haben keinen Ehevertrag.

Mir ist das sehr wichtig, da eine Familie für mich auf Vertrauen und Dauer ausgelegt sein muss.

Irgendwann wird eine große Erbschaft anstehen - wie wir damit umgehen haben wir noch nicht besprochen. Allerdings haben wir beide beim Vermögensaufbau immer unsere Kinder im Hinterkopf. Sollte sich unser Einkommen die nächsten 10 - 15 Jahre auf dem heutigen Niveau halten und wir auch weiterhin sparsam sein, werden wir wohl unsere Ersparnisse im Alter nicht aufbrauchen, sondern an die nächste Generation weitergeben können.

Im Alltag haben wir wie geschrieben keine Trennung der Gelder. Allerdings haben wir einen sehr strukturierten Plan wie wir mit unserem Geld umgehen - Versicherungen, Urlaub, Lebensmittel, sonstige Anschaffungen, Aktien, Rücklagen usw..
Über die Ausgaben für sonsitge Anschaffungen, also Klamotten, Geschenke, Ausgehen usw. und Lebensmittel habe lange ich "gewacht". Wir haben dann schon immer wieder diskutiert. Seit einiger Zeit "verwalte" ich das Lebensmittelgeld und meine Frau die Anschaffungen. Das hat sich sehr bewährt. Wir ziehen beide am gleichen Strang und wollen eine hohe Investitionsquote erreichen.
Wir sind bis auf Urlaube, für die wir viel ausgeben, eher sparsam. Derzeit passt alles. Wir sind aber auch wirklich in der einer glücklichen Situation was Familie und Einkommen angeht und in einer solchen geht es eben auch einfacher. Dafür sind wir (Gott) jeden Tag dankbar.


Verheirateter sagt am 21. Januar 2017

Sehr schöner Artikel und ein brisantes Thema wie man auch an den zahlreichen Kommentaren lesen kann. Da lasse ich es mir nicht nehmen auch noch meinen Senf dazu zu geben:

Unsere Situation:

  • beide Anfang 30
  • beide (noch) Vollzeit Berufstätig, er verdient etwas mehr
  • im Laufe des Jahres kommt das erste Kind, dann voraussichtlich macht jeder die Hälfte der Elternzeit im ersten Jahr, danach er Vollzeit, sie Teilzeit (ist finanziell attraktiver und organisatorisch einfacher)

Meine persönliche Meinung und unser persönliches Konzept unserer Ehe:
Die Ehe wurde aus verschiedenen Gründen geschlossen. Grundvoraussetzung ist erst einmal, dass wir uns lieben und die Zukunft gemeinsam gestalten wollen.
Aber vor allem wollen wir eine Familie gründen. Vor der Ehe hatte jeder sein Vermögen, jeder sein eigenes Konto, jeder seine eigenen Ausgaben. Das macht auch Sinn und muss auch nicht geändert werden - bis zur Familiengründung.
Denn dann macht einer von uns ja etwas für die Ehegemeinschaft (Kind austragen, nicht arbeiten im Mutterschutz und während der Kinderbetreuung etc.). Den Haushalt mit Kochen, Putzen und Waschen kann man noch gut quantifizieren und wenn man es sich leisten kann könnte man diese Dinge auch outsourcen (Putzhilfe anstellen, essen gehen, etc.).
Aber bei der Sache mit dem Kinder austragen, Stillen, Betreuen und deshalb nicht arbeiten zu gehen... man verpasst nicht nur Gehaltserhöhungen, sondern wenn man nach einer Weile mit einer 50% Stelle zurück kommt ist die Karriereleiter meistens nicht mehr steil zu besteigen.
Aber wie wertet man das in der Ehegemeinschaft? Unserer Meinung nach: Mit der Familiengründung wird alles in einen Topf geworfen. Denn welches Recht hätte der Mehrverdienende der Kinderbetreuenden Person Geld vorzuenthalten?
Wenn dem so wäre, hätte dann auch der Geringverdienende auch das Recht dem anderen die Kinder vorzuenthalten??? Ein seltsamer Gedanke. Mit der Ehe hat man sich dazu entschieden die Dinge gemeinsam zu bestreiten und schließlich tut derjenige der die Kinder betreut auch viel dafür, dass der andere seiner Ernährerrolle nachgehen kann und das Geld scheffeln kann und der Kinderbetreuer verdient dementsprechend auch etwas von dem Batzen ab zu bekommen!
Das funktioniert natürlich nur wenn beide ähnliche Vorstellungen darüber haben was mit dem Geld passieren soll, aber das ist bei uns voll und ganz der Fall.

Und wenn die Scheidung kommt? Klar, kann passieren. Momentan denke ich, dass dies nicht so sein wird, denn wenn ich von vorn herein davon ausgehen würde, hätte ich nicht geheiratet.
Aber wie bei meinem Finanzdepot bin ich mir auch bei der Ehe des Risikos bewusst und kenne die Statistiken. Ich schätze die Situation mit meiner Frau aber so ein, dass es uns auch im Falle einer Scheidung möglich sein wird eine Lösung zu finden wo wir beide zufrieden mit leben können.
Man muss denke ich bei einer Scheidung einfach akzeptieren, dass es ein paar Punkte geben wird wo man sich ungerecht behandelt fühlt.
Wenn ich von vorn herein erwarten würde, dass uns ein hässlicher, ekliger Rosenkrieg im Falle einer Scheidung droht, sollte man nicht heiraten und erst recht keine Kinder bekommen.

Also Fazit bei Scheidung: Alles wird halbiert. Einzige Ausnahme: Wenn einer vor der Ehe 30.000 Euro mehr auf dem Konto hatte als der andere, sollte diese Summe nicht geteilt werden. Das kann natürlich schwierig werden wenn mit diesem Geld eine gemeinsame Investition getätigt wurde.
Das ist aber eine Sache, die man auch schwierig im Vorfeld regeln kann, denn man weiß ja noch nicht was man in 30 Jahren für Immobilien oder andere Vermögenswerte besitzt.

Alles in allem sollte man bedenken: Oftmals sind unsere finanziellen Streitigkeiten dann doch nur Luxusprobleme.
Klar, wenn es um existentielle Fragen geht mag das anders sein, aber wenn es nur darum geht wer das Ferienhaus behält sollte man sich immer wieder klar machen, dass es genug Leute gibt die gar nicht wissen wie es ist ein Ferienhaus jemals besessen zu haben.


packard223 sagt am 21. Januar 2017

Interessantes Thema...! In der Entwicklung unserer Beziehung haben wir, mehr ich ;-), uns auch viele Gedanken darüber gemacht...

Meine Frau (31) und ich (30) sind seit 13 Jahren zusammen und seit knapp 3 Jahren verheiratet. Aktuell haben wir 2 Kinder (20 Monate und 1 Monat). Auch wir haben beide mit quasi 0 begonnen.
Bis zur ersten gemeinsamen Wohnung lief alles getrennt. Mit der ersten Wohnung haben wir ein Haushaltskonto für Miete, Nebenkosten sowie Lebensmittel/Haushalt eröffnet. Darauf hat jeder einen identischen, abgestimmten Betrag eingezahlt.
Damals standen wir am Anfang des Berufs. Ich habe da schon mehr verdient, aber der Unterschied war noch nicht so deutlich wie heute. Da ich schon früher angefangen habe zu arbeiten und somit schon mehr gespart habe, bestritt ich die wesentlichen Kosten der Ersteinrichtung.

Das haben wir solange gemacht bis zur Hochzeit. Da auch kurz darauf das erste Kind in der Pipeline war, haben wir uns direkt so ausgerichtet, wie wir es in Zukunft langfristig tun wollen.
Ein Gemeinschatfskonto, über das alles bestritten wird. Jeder hat zudem sein eigenes Konto auf das ein identisch festgesetztes Taschengeld eingezahlt wird. Das ist vorgesehen für Lifestyle, Kleidung und Vergnügen. Meine Frau zielt eher auf Shopping und ich investiere in die Kneipenbesuche am Wochenende.
Somit kommt auch kein Streit auf, wenn der eine Partner andere Prioritäten setzt, bspw. dass viel mehr für Kleidung ausgegeben wird und der andere, bei gemeinsamen Konto, sich über eine mögliche Unverhältnismäßigkeit ärgert.

Mit dem Ansatz fahren wir nun schon 3 Jahre sehr gut. Das Einkommen meiner Frau ist aufgrund Elternzeit/Teilzeit deutlich geschrumpft und wir werden in Zukunft nie wieder auf eine Ebene kommen. Wir haben uns gemeinsam für eine Familiengründung entschieden und das bedeutet "Wir" und nicht mehr "Ich". Daher eine faire Aufteilung...

Vor einem Jahr haben wir zudem gebaut. Natürlich kommt nun alles zusammen mit Kleinkindern und folglich weniger Einkommen durch Elternzeit/Teilzeit sowie hoher Belastung für das Haus.
Ich sag immer, das ist finanziell nun die Talsohle unseres Lebens und es kann nur noch bergauf gehen... wobei es uns durch meine recht hohen Verdienst nach wie vor gut geht und wir uns fast alles leisten können.. es sind eher Luxusprobleme...

Vielleicht noch einen Tipp, mit dem wir auch sehr gut fahren. Neben monatlichem Sparplan in ein ETF Depot, besparen wir mehrere "Themen"-Tagesgeldkonten. So zB für den Urlaub, für größere Anschaffungen sowie für Sondertilgung.
Das hat zum Vorteil, dass wenn der Urlaub plötzlich ansteht, man sich den größeren Betrag nicht aus den Rippen leiern muss. So wird der allmonatliche Durchfluss auf dem Gemeinschaftskonto nicht gestört, man ist vorbereitet auf größere Ausgaben und es stellt sich transparent dar was man sich leisten kann...


Schwachzocker sagt am 21. Januar 2017

Ich habe zu diesem Thema auch etwas beizutragen:

Mein Chef, eine hochgebildeter Mensch, ist verheiratet und hat drei Kinder, davon wohnt eines noch im Elternhaus. Die Finanzen sind wie folgt geregelt:
Das Geld kommt in eine Dose, die im Küchenschrank steht. Dort kann jedes Familienmitglied, das glaubt Geld zu benötigen, eben dieses entnehmen.

Ständig wundert er sich, wieso kein Geld übrig bleibt und er trotz gutem Gehalt einen 20 Jahre alten VW fahren muss. Dabei ist er politisch aktiv und war in seiner Gemeinde eine Zeit lang für die Finanzen verantwortlich. Umso unverständlicher ist seine eigene finanzielle Situation.

Ein schöne Restwochenende noch!


bkuner sagt am 21. Januar 2017

Wir 54, 52 + vier Kinder 9, 17, 23 ,24 irgendwann doch komplett ins klassische Rollenmodel reingerutscht, nicht zuletzt weil mir das altersbedingt zu viel wurde, mich im Beruf voll zu engagieren und so richtig viel mit den Kindern zu machen.
Zu tun gäbe es da noch genug, Nr 3 ist geistig behindert aber förderungsfähig, mit dem Kleinen könnte man auch noch mehr machen. Bei den Großen gibt es weniger Handlungsbedarf. In den Schulen passiert leider nicht so viel. Meine Frau schaut dass die was lernen, das macht echt Arbeit. Sie arbeitet auch noch in ihrem Beruf, inzwischen nur noch ein 400€ Job, bekommt aber das komplette Kindergeld auf ihr Konto. Mein Gehalt geht komplett für die Familie drauf. Wie geht sowas finanziell wenn:

  • Rentenfall: Zusammen ok, aber sie bekommt nix, naja fast nix + Witwenrente, falls es die noch gibt, wenn ich früher sterbe.
  • Sozialbankrot: Haus wird verkauft und geteilt. Sie hat was auf dem Konto, ich nicht, bin aber dafür unerthaltspflichtig.
  • Ernährer fällt aus: Lebensversicherung. Aber da kein Einkommen mehr kommt, sieht es für die Rente mau aus.

Fazit: Besser zusammen gesund alt werden. Dafür gibt es leider keine Erfolgsgarantie. Für mich gibt es kaum echte Risiken im Alter für sie sieht das nicht so gut aus.

Ist das nun ein tolles Lebensmodell? Ich hätte mir gewünscht nicht nur in der Arbeit auf zu gehen. Sie bereut die Kinder (undankbares Volk, die Großen) aber ich denke das gibt sich, wenn die aus dem Haus sind. Als Lebens Bilanz würde ich sagen wir sind im Plus.


Yellow sagt am 21. Januar 2017

@Mike: Ein Ehevertrag nur unter Euch beiden ist das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben ist. Selbst ein notariell beglaubigter ist von Richtern schon einkassiert worden, wenn er zu einseitig war. Bevor Du weiter so ahnungslos bloggst, solltest Du Dich mal in Scheidungsforen umsehen wie www.vater-sein.de. Da siehst Du den worst case.

Heiraten ist eine irrationale Entscheidung. Eine Wette auf die Zukunft. Vertrauen auf einen Menschen, auf den man sich vollständig einlassen muss. Ganz oder gar nicht. Alles andere ist Lebensrisiko und macht Anwälte und Notare reich.

P.S.: Das sagt jemand, der zum zweiten Mal ohne Ehevertrag verheiratet ist. Mit Kindern. Jedes mal.


Mike sagt am 22. Januar 2017

@Yellow

Warum ist ein Vertrag zwischen Marielle und mir das Papier nicht wert? Weil es vor Gericht nichts wert ist? Und warum sollte dann ein notariell beglaubigter Vertrag etwas wert sein, wenn er in deiner Erfahrung von Richtern einkassiert wurde?

Will ich denn den worst case sehen? Und muss ich in dieser Situation von einem worst case ausgehen?

Selbsterfüllende Prophezeiungen funktionieren hervorragend. Wenn ich immer nur vom Schlechtesten ausgehe, dann wird langfristig immer nur das Schlechteste passieren. Für alles andere fehlt mir der Blick.

Wir sind uns bewusst, dass ein Vertrag nur gut ist, wenn beide Partein sich daran halten. Sollte einer von uns sich entscheiden aus dem Vertrag auszusteigen, den Vertrag zu brechen oder den Vertrag für nichtig zu erklären, dann gibt's entweder wenig, dagegen vorzugehen oder einen riesen Streit mit enormen finanziellen Kosten.

Was einen (Ehe)-Vertrag ausmacht:

  • Beim Aufsetzen wird über grundlegende Dinge gesprochen, die ansonsten nicht oder unzureichend behandelt werden würden
  • Beim Aushandeln können beide Parteien Wünsche, Bedingungen und Erwartungen formulieren
  • Beide wissen im Vorfeld wie der andere tickt und was evtl. problematisch werden könnte
  • Der Vertrag kann eine rationale Basis in einer emotionalen Zeit sein

Bei diesen Punkten ist es schnurzpiepegal, ob wir das auf einen Zettel, in den Laptop, mit einem Anwalt, vor Gott, vor Mama und Papa, durch einen Notar oder dem mikroskopischkleinen und unsichtbaren Einhorn geschrieben, aussprechen oder dokumentieren.

Wichtig ist, dass wir uns des Risikos bewusst sind und bereits jetzt Handlungsalternativen erarbeiten, damit im worst case nicht alles nach Schema F abläuft. (Dazu empfehle ich die Vorträge von Vera Birkenbiehl).


Plutusandme sagt am 22. Januar 2017

| Wirklich mal wieder ein tolles Thema und viele interessante Kommentare. An alle , Danke dafür.
Sprichwort: Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich es sich nichts besseres findet.
So ein altes Sprichwort und doch noch immer irgendwie gültig.

Aber zu Unser Fallbeispiele:
Im Studium kennengelernt, beide nichts auf der Naht. Heute, Sie = 51 Er = 49, mit beiden Beinen im Berufsleben und gut im Verdienst. Kinder , leider keine.
In unseren gemeinsamen Anfangszeit, sprich vor der Ehe, hatten wir unterschiedliche Konten und ein Gemeinsames. Auf diese wurde anteilmäßig eingezahlt. Da ich in der freien Industrie arbeite und etwas mehr verdiente als meine Frau, war mein Anteil auch grösser. Hat prima funktioniert, aber wurde uns in der Ehe zu blöd. Also, ein Konto, jeder nimmt sich was er braucht. Es hat sich gezeigt, das wir beide sparsam leben. Am Monatsende wurde der Überschuss investiert.
Warum machen wir das so? Wie geschrieben arbeite ich in der Industrie und meine Frau im öffentlichen Dienst. Sie verdient von unserem gemeinsamen Einkommen ungefähr 1/3 ,bietet unserem kleinen Unternehmen, was da heißt Familie, aber jederzeit die Sicherheit. Ich konnte also durchaus mal einen Jobwechsel risikieren und so für ein weiteres Vorwärtskommen sorgen. Die Sicherheit hielt auch, als ich meinen Job mal verloren hatte und auf neuer Suche war. Da lag der große Teil der finanzielle Last bei meiner Frau.
Finanziell stehen wir jetzt gerade an einem Punkt, wo wir uns fragen, wie soll es weitergehen. Arbeitszeit reduzieren ? Ein Partner ganz aufhören?

Bei uns kommt aber jetzt im Alter noch ein ganz anderes Thema auf, welches hier noch garnicht aufgeführt wurde. Wir waren mal gerichtlicher Vormund für eine Tante meiner Frau. Da haben wir mitbekommen, wie der Staat reagiert, wenn ein Vermögen da ist und eine Person zum Pflegfall wird.
Nun ist unsere Überlegung, was passiert denn mit unseren Müttern ( Väter sind keine mehr da ) wenn ein Elternteil Pflegefall wird ? Der Staat zieht dann auch die Kinder mit ins Boot und soll ich oder meine Frau dann auch für den jeweils anderen Elternteil sein Vermögen mit aufbrauchen?
Wie kann man das absichern? Wir wissen es nicht, spielt auch keine Rolle, wir haben für uns entschieden, das es dann so ist.
Also, wer sich heute in eine Ehe begibt, was ich jedem mit meiner Erfahrung nur empfehlen kann, steht nachher auch mit gerade, für die angeheiratete Familie. Auch überlegen wir, wie wir selber, da ohne Kinder, den Pflegfall im Alter besser absichern können. Also,nicht nur an die jungen Jahre denken, obwohl diese erstmal vorrangig zu sehen sind.

Auf dem Blog von Plutusandme gibt es hierzu diesen Artikel: Plutusandme


maultasch sagt am 22. Januar 2017

Ein Thema, das offensichtlich viele bewegt :-) - und natürlich eine schöne Analyse des Wesirs!

Wir gehen jetzt mit Riesenschritten auf die Silberhochzeit zu. Für uns war klar, dass wir das "klassische" Familienmodell (wobei was ist mittlerweile "klassisch"??, den Begriff mag ich eigentlich nicht) fahren - also Mann arbeitet, Frau managt das Unternehmen Familie mit eigener Budgethoheit.
Auch war klar, dass wir unsere Kinder nicht schon im Alter von 6 Monaten "kitaisieren". Vor der Heirat hatten wir auch ein Dreikontenmodell aber nur, weil die Konten kostenlos waren.
Nach der Heirat und dann dem ersten Kind haben wir auf ein Einkontenmodell mit freiem Zugriff umgestellt. Jeder kann kaufen, was er braucht - ohne Rechenschaft ablegen zu müssen. Größere Anschaffungen werden natürlich abgesprochen. Mit dem Einkommen kommen wir hin. Ein Kleinklein in Gelddingen oder ein "Budgetkonzept" halte ich für problematisch, hätte ich/hätten wir auch nicht wollen.
Die "Familienleistung" meiner Frau gegen meine Arbeitsleistung gegenrechnen wäre uns nie in den Sinn gekommen. Meine Frau hält mir den Rücken frei, ich bringe mich so gut wie möglich in die Familienarbeit mit ein (meine Teilzeit wurde damals nicht von allen in der Firma positiv gesehen) und da braucht meine Frau auch nicht jeden Pfennig im Detail abrechnen (oder noch besser - ich teile ihr ein Monatsbudget zu, mit dem sie dann auskommen muss :-) ). Das ist nicht unsere Welt.
Ehevertrag war nie ein Thema, wir sind beide ungefähr mit den gleichen Voraussetzungen in die Ehe gestartet und ticken im Geldbereich sehr ähnlich. Das ist aus meiner Sicht eine Grundvoraussetzung, denn ein Turbosparer und ein Geldverschwender passen nur schwer zusammen. Da sind getrennte Konten sicher besser.
Abgesichert haben wir uns mit einer gegenseitigen Risiko-LV (auch wenn die Frau als Familienmanagerin weg fällt hat Mann möglicherweise finanzielle Probleme), Frau und Kinder mit einer Unfallversicherung und ich mich noch mit einer BU, Riester für die Frau, das das Meiste der Staat zahlt und natürlich ein breit diversifizierte Depot mit verschiedenen ETF als Basis.
Bei einer Scheidung gibt es glaube ich eh nur zwei Möglichkeiten. Erstens, man trennt sich wie zwei Erwachsene, schnell, geräuschlos und zum Wohle aller Beteiligten oder man lebt seinen Rosenkrieg aus.
Im zweiten Fall wird es ziemlich egal sein, was im Ehevertrag steht, denn der gegnerische Anwalt wird ihn eh anzweifeln und als Produkt einer Erpressung, einer Unterschrift unter Drogen oder ähnlichem darstellen.
Wer mit einem schlechten Gefühl in die Heirat geht oder weil unerwartet ein Kind kommt (ein Kind kittet keine zerrüttete Beziehung), oder weil die "anderen" (subtilen) Druck ausüben sollte es gleich lassen.
Jeder sollte sich im Klaren sein, dass die Ehe eine Lebens- und Gefahrengemeinschaft ist. Vielleicht sehe ich das in meinem Alter auch zu eng. Aber aus meiner Sicht gibt es da kein Vielleicht. Ein Bisschen Ehe geht nicht.

Und denke immer daran, die Zeit mit euren Kindern ist kurz und kostbar. Diese Zeit kann euch niemand ersetzen, sie ist durch kein Geld der Welt zu bezahlen und die Zeit kann nicht zurückgedreht werden.
Die Racker sind zwar manchmal ziemlich nervig, aber auch diese Zeit wollt ihr dann in der Rückschau nicht missen.

Und noch ein Rat zum Schluss: Verliert euch nicht im Alltag! Nutzt mal die Auszeit zwischendurch. Bindet eure Kleinen den Eltern, Paten, Geschwistern, ... für ein Wochenende ans Bein. Nutzt die Zeit als Paar - seid nicht nur das Mama und das Papa. Ein Wellnesswochenende oder ein Städtetrip wirken Wunder.

Alles Gute und eine erfüllte Zeit bis zur Goldenen Hochzeit :-)


Robert sagt am 27. Januar 2017

@ Mark:

"Ich möchte unbedingt meine Elternzeit in Anspruch nehmen, was bei 14 Monaten für jeden sieben bedeutet."

Das ist leider so nicht ganz richtig. Du verwechselst Elternzeit mit dem Anspruch auf Elterngeld...
Wenn ihr genug Kohle gespart habt könnt ihr beide 3 Jahre daheim bleiben und habt danach wieder Anspruch auf einen (gleichwertigen) Job. Die 14 Monate beziehen sich nur aufs Elterngeld.

VG,
Robert


Leser R. sagt am 29. Januar 2017

Ich hätte nicht gedacht, dass es doch so viel Zuspruch zu dem Thema gibt. Vorallem nicht soviele unterschiedliche und interessante Kommentarte. Vielen Dank an alle, die sich beteilligt haben!
Alleine sich durch alle Kommentare zu lesen ist super aber ich braucht wohl mehr Zeit für alles. Darum erstmal Teil 1 meiner Antworten:

@Albert / Finanzwesir
Vielen vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen und die Bereitstellung zum kommentieren. Ich weiss das sehr zu schätzen! Ich komme später noch genauer auf deine Antwort zurück.

@Stefan
Vielen Dank für deinen Beitrag! Bei uns war es früher auch ähnlich wie bei euch, aber mit dem Thema Kinder hat sich plötzlich alles verändert. Ja, ich habe explizit nach Erfahrungswerten gefragt. Aber eben in dem Wissen wie der Wesir üblicherweise antwortet. Denn ich habe explizit gebeten, das Thema mit anderen Lesern kommentieren zu können. Darum finde ich sein Astrakt durchaus interessant und hilfreich.

@MattySpaghetti
Auch dir vielen Dank für den Beitrag! Auch eine sehr interessante Konstellation.
Für die gemeinsamen Kosten machen wir das heute ähnlich. Also ohne exakt berechnete Verhältnisse. Mir war aber wichtig, dass meine Frau nicht "drauflegt".
Das mit der Vorsorge alles auf den Namen der Frau ist (vermutlich) mutig, ich kenne da die rechtlichen Rahmenbedingungen nicht.

@Gurkenfritz
Auch dir vielen Dank für den Beitrag! Super, dass ihr alle grösseren Investitionen gemeinsam besprecht & verhandelt. Das machen wir auch so und ich denke es ist einer der Gründe, warum wir uns so selten streiten. Bei Geld geht es in vielen Partnerschaften bzw Gemeinschaften schnell ans Eingemachte.

@Andrea
Wahre Worte! :)

@MamaP
Dir ein ganz besonderen Dank für deinen Beitrag. Sehr interessant! es ist auch interessant, das ganze auch Sicht einer Frau zu hören, die tatsächlich ihre Karriere für die Kinder erstmal komplett zurück stellt.

Wenn das mit der Scheidungsrate im ersten Jahr stimmt, wäre das echt übel.
Wir sind allerdings schon seit 9 Jahren ein paar und haben bereits nicht einfache Zeiten zusammen durchgestanden. Wir wussten, dass wir uns aufeinander verlassen können, wenn es hart auf hart kommt. Sonst hätten wir uns nicht nach so langer Zeit für Nachwuchs entschieden. Es stimmt aber auch, dass es in der Zeit mit Kind zu mehr Problemen kam als in den Jahren zuvor. Das liegt eben an den völlig veränderten Lebensumständen.
Wie lange wart ihr beide denn schon ein Paar bevor ihr Kinder bekommen habt und was waren Auslöser für die Gedanken an Scheidung?

Ich glaube dir gerne, dass du nach den Tagen so geschafft bist, dass du nur noch ins Bett willst. Ich habe von 2 Elternmonaten gebrauch gemacht und selber erlebt wie anstrengend eine solche Dauerbetreuung ist. Seither denke ich jeder, der ein Kind gross zieht eine Auszeichnung und wer es sogar alleinerziehend schafft das Bundesverdienstkreuz erhalten sollte.
Du darfst diese Leistung auf keine Fall als keine harte Arbeit degradieren. Sicher ist es nicht körperlich hart, aber der Stress und die Anstrengung ist enorm. Etwas vergleichbares habe ich noch nie erlebt. Kein "ich lass mich mal krankschreiben", "mir geht es nicht gut, ich bin krank" oder "ich mache mal früher schluss, weil ich noch ins Freibad will". Mein Respekt für meine Frau ist in den letzten Monaten noch viel massiver geworden durch das, was sie leistet!
Wir versuchen jetzt auch, uns gegenseitig Freiräume zu schaffen, damit der andere auch mal etwas anderes machen kann. z.B. soll jeder mindestens 2 Samstagnachmittage zur feien Verfügung haben, während der andere sich um das Kind kümmert. Ohne Begründung oder Erklärung, sondern jeder soll Raum für seine Bedürfnisse haben. Das kann auch heissen man liegt auf der Couch und sieht ungestört TV.
Gibt es solche Freiräume bei euch auch? Wie schafft ihr das?

@morphi
Tatsächlich habe ich 2 Elternmonate genommen und liebäuble derzeit mit Reduktion auf 80% für 1-2 Jahre :)
Aber du hast durchaus Recht. Danke für deinen Beitrag!

@Alex
Brutal, aber das oder zumindest so ähnlich höre ich das Ganze recht häufig. Es ist einer der Gründe, warum ich überhaupt die Anfrage an den Wesir geschickt habe

@Mike
Das mit dem Ehevertrag sehe ich genau so. Faire Regelungen finden, wenn man sich wohl gesonnen ist und nicht erst wenn man sich gegenseitig Gift ins Essen mischen will.
Übrigens lese ich euren Blog auch gerne, weiter so!


mafis sagt am 29. Januar 2017

Ach, wie ich diesen leichten Sarkasmus liebe. Aber ist so viel wahres dran. Glaube, wenn ich mit einem Partner vieler dieser Gedanke da so überlege, dann sollte ich mir das mit dem Partner selbst doch mal überlegen.

Ich bin ja grundsätzlich für eine gewisse Gerechtigkeit. Darüber hatte ich auch schonmal geschrieben. Aber eher so, wenn beide normale verdienen das man halt etwas guckt, wer vielleicht etwas mehr übrig hat. Aber ich würde nie einen Nachteil für einen daraus ziehen wollen. Und dabei rede ich davon, wenn man nicht verheiratet ist. Keine Kinder hat.

Gruß,
mafis

Auf dem Blog von mafis gibt es hierzu diesen Artikel: Kostenverteilung in der Partnerschaft?


Götz sagt am 15. Februar 2017

Der Artikel ist jetzt zwar schon ein paar Tage alt, aber ich hatte weiter oben bereits erwähnt, dieses Thema nochmal beackern zu wollen - was ich jetzt getan habe. Wie man an vielen Kommentaren hier sieht, existiert gerade in Bezug auf die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen einer Ehe sehr viel Halbwissen, was unter Umständen später brandgefährlich werden kann.

Insbesondere Mike (der weiter oben kommentiert hat) und Marielle von den "Beziehungs Investoren", die gerade ihre Hochzeit planen, möchte dringend raten, sich auch rechtlichen Fragen auseinanderzusetzen. Ich hoffe mein Artikel kann dabei zumindest etwas helfen.

LG Götz

Auf dem Blog von Götz gibt es hierzu diesen Artikel: Warum du deine (finanzielle) Freiheit in der Ehe vergessen kannst


Johannes sagt am 16. Februar 2017

Tolle Beiträge von allen bisher!

Das Thema ist superspannend für mich, da wir selber Ende 20 sind und das alles uns noch bevorstehen wird.

Wie sieht eigentlich der steuerliche Aspekt aus? Bisher habe ich ja herausgelesen, dass es meist kein Problem gibt, solange beide recht gleich verdienen. Weitet sich der Einkommensunterschied aber, so wird es hakelig. Greift da aber nicht das Steuersystem so ein, dass sich das ausgleicht? Also die Steuerersparnis beiden so zu Gute kommt, dass beide nicht "verzichten" müssen?


Moritz sagt am 16. Februar 2017

Ach du Sch***. Lieber Finanzwesir, ich hätte es etwas anders verfasst:

Leser R. sollte die Beziehung sofort beenden oder besser seine Frau sollte sie beenden. Wer in der Ehe (bin selbst verheiratet) aufrechnet, beweist eins: Die Ehe bildet kein Team, sondern eine Zweckgemeinschaft, die der persönlichen Optimierung dient. Sie ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt und steht unter keinem guten Stern.

Entweder es heißt: Meine Frau und ich gegen den Rest, koste es was es wolle, oder ich lasse den ganzen Mist sein und bleibe bei zwanglosem Vergnügen. Aber, lieber Leser R., wie ein Budgetkonzept in der Ehe aussehen kann, teile ich Ihnen gerne mit:

Sie gehen arbeiten und freuen sich darüber, dass Sie beide ein schönes Leben von diesem Geld haben. Fertig aus.


Finanzwesir sagt am 17. Februar 2017

@Moritz:

"Meine Frau und ich gegen den Rest, koste es was es wolle,..."

Auf jeden Fall, aber was ist mit

"Sie gehen arbeiten und freuen sich darüber, dass Sie beide ein schönes Leben von diesem Geld haben."

Ist das auf den konkreten Fall von R. bezogen oder ein allgemein anzustrebendes Modell? Wenn es sich auf R. bezieht, verstehe ich es, denn seine Frau hat weder praktisch noch theoretisch die Möglichkeit Familienernährerin zu werden.
Verallgemeinern würde ich das aber nicht. Auch die Frau kann alleinige Ernährerin sein oder man teilt sich das. Das geht nur, wenn die Frau auch eine Ausbildung hat, die sie dazu befähigt.

Das bringt uns zu Johannes:

"Wie sieht eigentlich der steuerliche Aspekt aus?"

Hm, wie soll ich es formulieren ohne bleidigend zu werden ;-) Ich komm' mal mit meinem Totschlagargument, dass ich schon bei meinen Eltern gehaßt habe: Lebenserfahrung.

Steuerliche Fragen stehen grundsätzlich und immer in allen Lebenssituationen ganz hinten an. Man heiratet nicht aus steuerlichen Gründen und man investiert nicht aus steuerlichen Gründen.
Man entscheidet sich für einen Lebensweg und pflückt dann die Steuerblümlein, die am Wegesrand stehen. Aber man sucht sich nicht den Weg danach aus, wo die schönsten Steuerpflänzlein blüh'n. Sonst könnte es einem ergehen, wie im "Little shop of horrors".

"Greift da aber nicht das Steuersystem so ein, dass sich das ausgleicht?"

Tut es doch, nennt sich Ehegattensplitting.

"Also die Steuerersparnis beiden so zu Gute kommt, dass beide nicht "verzichten" müssen?"

  1. Was hat der Staat in meinem Ehebett verloren? Mussen die Eheleute 2 Konten haben und der Staat kontrolliert, dass jeder auch mit seinem Geld das macht, was er oder sie will?
  2. Heirat = verzichten, bis das der Tod Euch scheidet. Du verzichtest auf Autonomie (nix mehr mit dem spontanen "Schatz, ich geh' am Wochenende mit den Jungs kiten") und wenn Du Kinder hast auch auf Schlaf. Auf Geld sowieso.

Du musst folgende Grundsatzentscheidung treffen: Will ich als Mann die Arschkarte Familienernährer auf mich nehmen?

  1. Wenn ja => jede Frau ist ok
  2. Wenn nein => Es muss eine Ingenieurin, Juristin, Ökonomin, Mathematikerin, Physikerin oder Chemikerin sein. Biologinnen gibt es wie Sand am Meer, die verdienen auch nix. Oder eine Selbständige, die sich ein solides Business aufgebaut hat. Oder eine Beamtin. Mit anderen Worten: Du musst an deine Zukünftige die gleichen Maßstäbe anlegen, wie sie an Dich. Frauen heiraten im Allgemeinen nicht gerne nach unten sondern nach oben. Aber jede Frau, die nach oben heiratet (Krankenschwester sucht Chefarzt) braucht einen Mann, der bereit ist nach unten zu heiraten.

Das ist der Fluch der heutigen Zeit: Anything goes und jedes Paar muß das für sich aushandeln. Eines sollte aber auch klar sein: Auch wenn uns die einschlägige Presse etwas anderes vorgauckeln möchte - eine stabile Ehe ist nicht nur auf Sex gegründet, sondern zu einem guten Teil ein Business-Deal.

Gruß
Finanzwesir


Moritz sagt am 18. Februar 2017

Ist das auf den konkreten Fall von R. bezogen oder ein allgemein anzustrebendes Modell? Wenn es sich auf R. bezieht, > verstehe ich es, denn seine Frau hat weder praktisch noch theoretisch die Möglichkeit Familienernährerin zu werden. Verallgemeinern würde ich das aber nicht. Auch die Frau kann alleinige Ernährerin sein oder man teilt sich das. Das geht > nur, wenn die Frau auch eine Ausbildung hat, die sie dazu befähigt.

Danke für deinen Kommentar :). Ich habe mich etwas unklar ausgedrückt glaube ich. Meiner Meinung nach ist es in einer funktionierenden Ehe, die aus Liebe geschlossen wurde, unerheblich, welcher Business Deal dahinter steckt.
Es gibt einen Topf, darin kommt das gesamte Geld, egal von wem es erwirtschaftet wurde. Ich hatte sowohl Zeiten in denen ich Alleinverdiener war als auch Zeiten in denen wir DINKS waren; es war mir immer egal. Solange ein Partner nicht das Konto plündert natürlich.

Wir handhaben das so: Ein geplanter Konsum wird ab eingem gefühlt höheren Betrag angekündigt, z.B. Schatz ich möchte mir eine Playstation 4 Pro VR Ultra blablabla kaufen ;). Wenn der andere dann auch einen Wunsch oder ein Invest auf dem Schirm hat aber dies noch nicht mitgeteilt hat, besprechen wir das kurz und machen dann beides oder eines nicht oder auch keines...alles in allem gibt es aber weder ein Modell noch feste Regeln.

Ich bin vielleicht altmodisch und romatisch, was meine Vorstellung von Ehe angeht...aber anders könnte ich es mir nicht vorstellen. Wie dem auch sei, it takes many people to build a world ;).


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