16. Januar 2017


Was ist ein Derivat und wie funktioniert es?

Googlen wir mal "Derivat". Was finden wir? Das hier:

"Ein derivatives Finanzinstrument oder kurz Derivat (lateinisch derivare "ableiten") ist ein gegenseitiger Vertrag, der seinen wirtschaftlichen Wert vom beizulegenden Zeitwert einer marktbezogenen Referenzgröße ableitet. Die Referenzgröße wird als Basiswert (Underlying) bezeichnet.
Wikipedia

Alles klar oder eher "hä"?
Was liefert die Exegese dieses Textes?

  1. Es gibt einen Basiswert.
  2. Dieser Basiswert ist messbar.
  3. Der Wert dieses Basiswerts schwankt im Laufe der Zeit.
  4. Der Wert des Derivates ist verknüpft mit dem Wert des Basiswertes. Verändert sich der Wert des Basiswertes, so verändert sich auch der Wert des Derivats.

An alle, die Mathe nicht nach der zehnten Klasse abgewählt haben: Woran erinnert Sie das? Genau, an die gute alte Funktion. Man steckt x rein und bekommt y heraus. Ein Derivat ist reine Finanzmathematik. Alles, was die Mathematik erlaubt, ist "fair game".
Jetzt machen wir "Sendung mit der Maus":

Wir basteln uns ein eigenes Derivat

Was brauchen wir? Als erstes einen oder mehrere Basiswerte, die messbar sind. Es ist dabei vollkommen unerheblich, ob diese Werte aus der Finanzwelt kommen. Hauptsache messbar und zeitlich schwankend. Infrage kommen

  • der Luftdruck über Hamburg,
  • die in Berlin verbrauchte Menge Strom,
  • die Zahl der Autos, die die Kreuzung Fürstenrieder Str. / Gotthardstraße in Richtung A96 passieren,
  • die durchschnittliche Änderung des Benzinpreises aller Tankstellen in Köln,
  • oder der Wasserstand des Nils.

Aber warum wird dann so oft ein Finanzprodukt als Underlying gewählt? Nun, da ist die Infrastruktur schon vorhanden. Die Kurse werden eh in Echtzeit erfasst. Da mieten wir uns einfach diesen Stream und legen los mit dem Derivatedesign. Wie soll das denn praktisch gehen mit dem Wasserstand des Nils oder mit der Zahl der Autos, die die Kreuzung Fürstenrieder Str. / Gotthardstraße in Richtung A96 passieren?
Da müssen wir

  1. eine passende Messinfrastruktur aufbauen
  2. dann die Messintervalle festlegen (Echtzeit, jede Minute, jede Viertelstunde, zwei mal täglich …) und
  3. die störungsfreie Übertragung ins Rechenzentrum sicherstellen.

Zurück zu unserem Derivat: Ich entscheide mich für die Variablen Temperatur und Niederschlag. Der Funktionszusammenhang soll wie folgt sein:

  • Der Derivatpreis steigt, wenn die Temperatur fällt.
  • Der Derivatpreis steigt, wenn die Niederschläge steigen.

Finanzwesir, Finanzwesir, was haben diese Variablen denn mit Finanzen zu tun? Nichts. Aber warum soll der Finanzwesir den einfachen Weg gehen, wenn er auch den coolen gehen kann? Außerdem bringe ich sonst meinen Spruch mit Gunter Gabriel nicht unter.

Jetzt die Mathe

  • Den Derivatpreis kürze ich mit P ab.
  • Die Temperatur bekommt ihr t.
  • Die Niederschlagssäule das s.

Damit ist P(t,s) = 0,2*s * 0,9t

Und warum ist das so? Weil ich das so Kraft meiner eigenen Herrlichkeit festgelegt habe. Ich habe beschlossen, das Derivat so zu konstruieren, und solange die Mathematik nicht murrt, weil ich durch Null dividieren will, bin ich im grünen Bereich. So machen es die Banken auch. Nicht vergessen: Derivatedesign ist pures Finanz-Engineering. Und so sieht die Funktion aus.

Derivat
3D Funktions-Plotter von MathsTools

Das war jetzt eine sehr einfache Funktion. Um das Ganze etwas unübersichtlicher zu gestalten, können wir Temperaturbereiche bilden.

  1. Von - 40 °C bis -5 °C hängt das Ganze vor allem von der Temperatur ab. Die Niederschläge gehen mit einem konstanten Schnee-Faktor ein.
  2. Temperaturen zwischen -5 °C und 5 °C bedeuten Schneematsch und überfrierende Nässe, hier geht die Niederschlagsmenge exponentiell ein.
  3. Ab 5 °C aufwärts gibt’s nur noch Regen. Hier geht die Niederschlagsmenge nur noch mit einem konstanten Regen-Faktor in die Berechnung ein.

Wir können diese Funktion auch noch weiter aufpeppen und die schwankenden Benzinpreise einbauen. Dann sind wir endgültig in der vierten Dimension angelangt. Kennen Sie ja aus dem SF-Genre: "Auf, mein Wookie ‒ erst den Raum gefaltet und dann ab durchs Wurmloch".
Oder wir lassen die Derivate-Designer (meist Mathematiker, theoretische Physiker oder E-Techniker) eine Runde Amok laufen. Dann rüsten sie die Derivate-Funktion mit allerlei Nichlinearitäten und Effekten höherer Ordnung hoch. Dann kann es passieren, dass sich bei einer bestimmten Kombi aus Temperatur, Benzinpreis, Regenmenge und Verkehrsdichte plötzlich ein Wurmloch auftut und die Preise für das Derivat in der Unendlichkeit entschwinden.

Nicht vergessen: Aktien und Anleihen sind die natürlichen Bewohner des Finanzbiotops, Derivate werden im Labor gezüchtet. Wenn Derivat auf schwarzen Schwan trifft, kann das zu "hübschen Effekten" kommen. So hat es unser Mathe-Prof damals im Studium ausgedrückt.

Hm, Finanzwesir, tolle theoretische Herleitung. Aber hast du bei deiner Mathe-Begeisterung nicht eins vergessen: Wozu ist das Derivat gut? Wer soll es kaufen?

Der Derivate-Markt

Nun, wie wär’s mit Gunter Gabriel? Hallo, der Gunter ist 74! Was soll der denn mit einem Derivat? Ok, nicht Gunter. Aber die, die er besingt, die Trucker, die Kapitäne der Landstraße.
Ich habe mein Derivat so konstruiert, dass sein Wert steigt, wenn auf den Straßen Stress herrscht.
Stress auf den Straßen bedeutet: Die Erlöse aus dem Frachtgeschäft sinken. Mein Derivat hilft, diese Verluste zu verkleinern. Klar wird es einige Spediteure geben, die das für neumodischen Mädchenkram halten, denn ein echter Trucker kommt immer durch. Aber ich bin mir sicher: Es gibt einen Markt. Dieses Derivat lässt sich mit guten Argumenten verkaufen.

Sorry, Finanzwesir, zu kurz gesprungen. Zugegeben, das Derivat hat zwar nicht direkt etwas mit Aktien und Anleihen zu tun, ist aber trotzdem sinnvoll und nützlich. Aber einen Markt hast Du immer noch nicht.

  1. Die Trucker kaufen das Papier.
  2. Die Straßenverhältnisse verschlechtern sich.
  3. Die Trucker wollen verkaufen.
  4. Wer kauft ihnen das Derivat ab?

Ein Markt, der nur aus Verkäufern besteht, ist genauso gut wie "kein Markt".

Ein Hoch auf die Heuschrecke

Stimmt! Wer kann uns retten? Die Heuschrecken. Wir brauchen Spekulanten. Anrüchige Gestalten, die Liquidität in den Markt bringen und ‒ wie ekelerregend ‒ nur um des Profits willen handeln!
Wer wäre für diese Rolle besser geeignet als Sie. Ich? Hallo, Finanzwesir, ich bin ein ehrbarer Mensch mit einer guten Kinderstube! Ich mach’ so was nicht.
Das glaube ich Ihnen sofort. Als Mensch mit Stil delegieren Sie die Drecksarbeit.
Tue ich nicht! Ich habe niemanden zum delegieren.
Wirklich nicht? Sie haben keine Altersvorsorge? Ein bisschen Riester, eine kleine Betriebsrente, nichts am Start? Ah, doch! Dann schauen wir doch da mal genauer hin.
Was sehen wir: Einen armen Produktmanager zwischen Skylla und Charybdis. Auf der einen Seite sitzen Sie und nörgeln bei jedem Blick auf den Kontoauszug:"Rendite, ich will Rendite, warum krieg’ ich keine Rendite!"
Auf der anderen Seite sitzt die Charybdis namens Bafin mit ihrem Garantie-Schafott: "Banker, Banker, wehe du zahlst nicht auf Heller und Pfennig zurück, was man dir gegeben hat!"
Bei einem Zinssatz von einem 1 % pro Jahr kann der Produktmanager keine großen Sprünge machen. Er muss rund 66 % Ihrer Zahlungen supersicher verstauen, sonst landet er im Schlund von Charybdis. Nun will er aber auch nicht von Ihnen als schlecht gelaunte Skylla gefressen werden. Was macht er? Er wendet sich mit den verbleibenden 34 % des Geldes vertrauensvoll an mich, den Dealer seines Vertrauens.
Er braucht Rendite, und zwar schnell. Deshalb fragt er nicht nach dem normalen Kokain, sondern will das Crack. Diesen Loser-Kram für die Trucker kann er nicht brauchen. Er fragt nach gehebelten Derivaten: Kleiner Platzregen und der Derivatpreis macht einen auf Tsunami.

Einschub: Bis jetzt haben wir uns mit dem sinnvollen ‒ aber homöopathischen ‒ Anteil des Derivatemarkts beschäftigt. Nun wird’s spannend.

Zurück zu unserem Banker. Wie kann ich ihm helfen? Ein Telefonat genügt. Ich rufe meine Finanzingenieure an, gebe die Spezifikationen durch und voilà, da sind sie.
Das Tolle an Derivaten: Man kann sie endlos vermehren. Aktien und Anleihen haben noch einen Bezug zur Realität. Bayer will Monsanto aufkaufen und legt deshalb eine Pflichtwandelanleihe im Volumen von vier Milliarden Euro auf. Diese vier Milliarden sind nicht vom Himmel gefallen, sondern der Finanzvorstand hat den Kapitalbedarf genau ausgerechnet. Vier Milliarden, das ist wirtschaftlich sinnvoll.

Auch eine Kapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Aktien orientiert sich an wirtschaftlichen Zielen. Nehmen wir als Beispiel die SGL Carbon: Die Firma möchte ihr Kapital um 180 Millionen Euro erhöhen. Mit dem Geld soll die Kapitalstruktur verbessert sowie die Verschuldung reduziert werden, so der Konzern. Im Rahmen der Kapitalerhöhung sollen 30 Millionen neue Aktien zu einem Bezugspreis von 6 Euro je neuer Aktie ausgegeben werden.
Wie viel Kapital brauchen wir, was gibt der Markt her? In diesem Spannungsfeld hat der Vorstand beschlossen: 180 Millionen Euro sind ein realistisches Ziel.

Ganz anders Derivate: Solange die IT genügend Terabyte zur Verfügung stellt, kann ich Derivate verkaufen, bis der Arzt kommt. Schlimmstenfalls macht die IT eine neue Cloud für den Geld-Monsun auf. Ich sagte ja bereits: Crack ‒ synthetisch knallt doch am dollsten.

So kommt die Liquidität in den Markt. Den Truckern kaufe ich ihr Zeug ab, bündele zu Derivaten zweiter Ordnung und verhökere diese Pakete mit einem AAA-Rating an Sie (also an den Produktmanager, der Ihre Altersvorsorge verwaltet). So sind alle zufrieden.

  • Ich kriege einen Haufen Geld.
  • Sie bekommen Ihre Rendite.
  • Der Produktmanager seinen Bonus.

Wenn Sie mit 67 dann feststellen: "War doch nicht so soll mit der Rendite", werden der Produktmanager und ich Ihnen zustimmen, während wir uns am Strand von Curaçao mit einem Mojito zuprosten.
Ich meine: Sie werden doch nicht wirklich geglaubt haben, dass ein 100-Millionen-Markt (Wert der Versicherungsleistungen, die das Speditionsgewerbe abschließt) sich zu einem 1.000-Milliarden-Markt aufblasen lässt?*

Wer ist schuld?

Die Banker und ihr Sauron-Gen natürlich!
Sauron-Gen? Kenn’ ich nicht.
Sauron ist der Oberböse des Epos "Herr der Ringe". Ihm zu Diensten sind die Orks (das sind die mit den schlechten Zähnen). Die Schöpfungsgeschichte der Orks geht so: Sauron fing ein paar Elben.
Elben?
Das sind die Spitzohren mit den makellosen Zähnen. Überhaupt sind Elben als Gestalten des Lichts ziemlich perfekt: Sehen megagut aus, dichten wie Schiller und Goethe zusammen, können singen, kochen, bringen immer den Müll raus und kämpfen selbstverständlich überragend. Heutzutage halten sie sich bevorzugt bei bei Parship oder Elitepartner auf.
Diese heißen Typen hat der Sauron sich geschnappt und so lange gefoltert, bis sie zu Orks wurden.
Und was hat das mit Bankern zu tun?
Nun, gebt ihnen einen harmlosen ETF und sie werden so lange an ihm herumschnibbeln, bis eine Bestie ihr Haupt erhebt.

Sind wirklich die Banker ganz allein schuld?
Wer im Biounterricht aufgepasst hat, weiß: Wir Menschen haben eine grundsätzliche genetische Ausstattung, aber je nach Umwelteinflüssen werden bestimmte Gensequenzen aktiviert oder stillgelegt.
Drängt es die Saurons ins Bankbusiness oder aktivieren unsere unbarmherzigen Renditewünsche das Sauron-Gen erst? Tja, und schon wieder stellt sich heraus: Alles hängt mit allem zusammen und ein Hauch von griechischer Tragödie weht durch die Arena.

Griechische Tragödie = Egal, wie man es dreht und wendet ‒ es geht immer schlecht aus.

So, das war’s für heute. Wir hatten Mathe, Gunter Gabriel, Sauron und griechische Tragödie. Das muss reichen. Für Conan den Barbar hat’s dieses Mal nicht gereicht. Aber für den finde ich in einem der nächsten Artikel auch noch ein Plätzchen. Und Sie überlegen sich diese Sache mit den Derivaten noch mal.


* Fantasiezahlen von mir. Es geht mir um die Größenordnungen.

(awa)

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Kommentare

Christopher sagt am 16. Januar 2017

Lieber Finanzwesir,

eigentlich bin ich ein großer Fan und regelmäßiger Leser. Als BWLer und Mitarbeiter einer Bank muss ich allerdings feststellen, dass das hier niedergeschriebene größtenteils populistischer Quatsch ist. Die genaue Funktion von Derivaten hast Du anscheinend leider noch nicht verstanden. Genauso wenig deren enormer Bedeutung für Unternehmen aller Art.


Finanzwesir sagt am 17. Januar 2017

Hallo Christopher,
was ist denn populistischer Quatsch?

  • Wie Derivate grundsätzlich konstruiert werden?
  • Das sie als Versicherung eine sinnvolle Rolle spielen können?
  • Oder das es immer einen gibt, der die Sache überdreht und aus einem eigentlich sinnvollen Produkt eine Massenvernichtungswaffe baut?

Googeln wir doch mal "Nutzen von Derivaten", so finden wir das hier: http://kloeckl.ch/downloads/2.derwirtschaftlichenutzenvonderivaten.pdf

Ich zitiere:

Der wirtschaftliche Nutzen [von Derivaten, Einfügung Finanzwesir] lässt sich in vier Kategorien einteilen

  • Die optimale Allokation von Finanzmitteln und Risiken.
  • Die Abwicklung zu günstigen Transaktionskosten.
  • Die optimale Beschaffung, Verarbeitung und Verbreitung von Informationen.
  • Der Liquiditätserhöhung des Finanzmarktes.

Genau das beschreibe ich. Die Trucker können Risiko weitergeben, die Spekulaten bringen Liquidität in den Markt und übernehmen das Risiko. Der Anbieter des Derivats wird alles tun, um immer die besten meterologischen Daten zu besitzen, sonst kann das Derivat nicht vernünftig bepreist werden.

Nur leider sind Derivate sehr anfällig für "Die Dosis macht das Gift". Derivate sind wir Sprengstoff. Vernünftig eingesetzt kann man sie für Großtaten wie den Bau des Gotthardtunnels einsetzen. Aus einer B52 abgeworfen reißen sie ganze Volkswirtschaften in den Abgrund.

Was ist daran populistisch? Das ich ein Problem mit 95% des Bankings habe? Ich gehöre zur Fraktion die sagt "Banken zu Wasserwerken." Die Bank sammelt Geld ein, vermittelt es an Kreditsuchende, die damit etwas volkswirtschaftliche Sinnvolles schaffen und bekommt dafür eine Aufwandsentschädigung. Aber auf keinen Fall eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern.
Das, was die oft belächelten regionalen Sparkassen und Volksbanken machen kommt dem, was ich mir - als Bürger dieses Staates - unter einer für das Gemeinwohl nützlichen Bank vorstelle am nächsten.
In den Büchern "Unter Bankern" von Joris Luyendijk oder "Des Bankers neue Kleider: Was bei Banken wirklich schief läuft und was sich ändern muss" von Martin Hellwig läßt sich gut nachlesen, warum der Banksektor uns diese Probleme bereitet.
Und wer sich die volle Breitseite geben will lese Sara Wagenknechts "Freiheit statt Kapitalismus". Das "schöne Gesicht des Sozialismus" formuliert hier Positionen, denen ich nicht immer zustimme, die aber durch die Bank intelligent und integer sind. Frau Wagenknecht als Wirtschaftsministerin wäre in meinen Augen keine schlechte Wahl.

Gruß
FInanzwesir


b.good sagt am 17. Januar 2017

Hallo Finanzwesir,

vielen Dank für diesen herrlich formulierten Artikel, welcher mir soeben wieder einmal meine Mittagspause 'vergoldet' hat! Einfach einzigartig in der deutschen Finanzblogger-Szene.

Grüße


Stefan (Immobilienanleger) sagt am 17. Januar 2017

Zu Derivate kann ich leider nicht viel beitragen - zum Herrn der Ringe jedoch schon.

Nicht Sauron hat die Orks erschaffen, sondern Melkor, dessen Diener Sauron war. Nach Melkors Vernichtung hat Sauron lediglich die verstreuten Orks eingesammelt, um sein eigenes kleines Unheil anzurichten.

Ein sehr unterhaltsamer Artikel, wobei ich die Wirkungsweise von Derivaten leider immer noch nicht wirklich durchblicke.


Finanzwesir sagt am 17. Januar 2017

Hallo Stefan (Immobilienanleger),
ich habe meine Tolkien-Info hier:

http://www.tolkienwelt.de/mittelerde_figuren/figur_sauron.html Zitat:

"Sauron ist das Urböse in Tolkiens Welt und ein wesentliches Element im Kampf zwischen Gut und Böse. [...] Er hat die Orks erschaffen, er hat Kriege gegen Elben und Menschen durch List und Grausamkeit geführt..."

Ich habe aufgrund Deiner Bemerkung recherchiert und das hier gefunden:
http://ardapedia.herr-der-ringe-film.de/index.php/Orks#Herkunft

"... und so züchtete Melkor das ekle Volk der Orks, in Neid und Hohn den Elben nachgebildet, deren bitterste Feinde sie später waren. Denn die Orks hatten Leben und vermehrten sich ganz so wie die Kinder Ilúvatars; und nichts, was nach eigener Art lebte oder zu leben schien, konnte Melkor je mehr schaffen seit seiner Auflehnung in der Ainulindale vor dem Anbeginn: so sagen die Weisen."

Und das hier: http://de.lotr.wikia.com/wiki/Sauron

"Sauron stand zunächst im Dienst von Aulë, bis Melkor im Gegensatz zu den anderen Valar die Welt nicht verbessern, sondern sie beherrschen wollte. Er verführte Sauron und brachte ihn dazu, seine Gefährten zu verraten. [...] So erhielt er das Kommando über Angband, eine Burg mit Waffenlager, die an den westlichen Küsten lag. Sie nahmen Dunkelelben gefangen und gestalteten diese in den Kerkern zu Orks um.

Nun haben wir alles: Melkor, Melkor & Sauron und Sauron.
Wie das so ist mit Literatur...

Wegen der Derivate: Was durchblickst Du "noch nicht wirklich"? Dann kann ich nachbessern.

Gruß
Allbert


Quengo sagt am 17. Januar 2017

Derviate kann man in drei verschiedene Kategorien einteilen:
Festgeschäft, Swapgeschäft und Optionen (nachzulesen bei Wikipedia).

Die einfachsten Derviate sind Festgeschäft: Ich verpflichte mich in einem Monat, x Liter Kerosin an Lufthansa zu liefern.
Lufthansa verpflichtet sich in einem Monat mir dafür y Euro zu zahlen. Egal wie der Kerosinpreis in einem Monat steht, dieses Geschäft ist bindend. Ist der Preis höher wie y, gut für Lufthansa, ist der Preis niedriger schlecht für Lufthansa.

Wichtig ist, dass Derviate uns alle betreffen, da dadurch erst Firmen Ihre Preise kalkulieren können. Lufthansa Ihre Flüge, Maschinenhersteller Ihre Preise für Stahl, etc.
Der Wesir hat natürlich recht, dass man in der heutigen Zeit, diese Geschäfte zu Massenvernichtungswaffen ausgebaut hat.

Ein Beispiel:
Das Derviatevolumen war wärend der Subprime Krise in den USA um das dreifache höher wie der Immobilienmarkt an sich. Ergo, ist der Immobilienmarkt in die Knie, sind das dreifache an Volumen an derivate in die Knie. Plakativ gesprochen.

Hier liegt das Problem.....in der Spekulation.

Gruß
Quengo


Stefan (Immobilienanleger) sagt am 17. Januar 2017

Ich habe meine Informationen zu Tollkien aus dem Silmarillion. Als ich noch viel jünger und ziemlich nerdig war, habe ich so was gelesen. Meine Erinnerungen sind aber inzwischen zugegebener maßen etwas lückenhaft und es gibt wohl auch unterschiedliche Versionen der Geschichten.

Bei Derivaten ist mir der grundsätzliche Zweck insoweit klar, als dass sich damit ein Produzent gegen schwankende Währungen oder Rohstoffpreise absichert.

Was ich nicht ganz verstehe ist, wie der Markt dieser Derivate nun um einen Faktor x höher sein kann, als der zugrunde liegende Warenhandel welcher abgesichert werden soll.
Mir ist zwar klar, dass beides nicht direkt miteinander verknüpft ist. Das eine ist der Warenhandel, das andere eine Wette auf zukünftige Warenpreise. Ohne die Unterlegung der Derivate mit einem realen Warenhandel sind diese in meinen Augen das selbe wie ein Wettschein von der Pferderennbahn. Wie kann es sein, dass diese Wettscheine ein AAA-Rating bekommen und Banken in solch großem Maße damit spekulieren dürfen.


Finanzwesir sagt am 17. Januar 2017

Hallo Stefan (Immobilienanleger),
nimm die Immo-Krise 2008 als Beispiel: Der weltgrößte Versicherer AIG hatte ein extrem hohes Volumen an Credit Default Swaps ausstehen. Wie konmnte es dazu kommen? Ganz einfach: Man kann einen Kredit einfach mehrfach versichern. Dadurch kann der Investor durch einen Kreditausfall mehr gewinnen als die Gesamthöhe des Kredites. Nehmen wir an, ich habe einen Kredit zu 5 Millionen Euro zu versichern. Dann versichere ich den einfach zweimal. Wenn der Kredit faul wird, bekomme ich zwei mal 5 Millionen Euro. Gute Sache.
Das mache ich natürlich in Echt nicht mit 5 Millionen, sondern mit 50 Milliarden und da ich ein renommiertes Investmenthaus bin, bedrohe ich die Ratingagentur einfach: "Entweder ich bekomme ein AAA-Rating für meinen Kredit oder ich gehe eine Haustür weiter zur nächsten Agentur."
Dank AAA bekomme ich die CDS dann recht preiswert. ;-) Schau Dir mal den Film "The Big Short" an, da wird das - abzüglich einer gewissen Portion Hollywood - ganz gut erklärt.

Wenn Du mehr über Ratingagenturen lesen willst, empfehle ich: "Die geheime Macht der Ratingagenturen: Die Spielmacher des Weltfinanzsystems" von Ulrich Horstmann.

Gruß
Finanzwesir


T. sagt am 18. Januar 2017

| @Finanzwesir: auch ich möchte zur Belebung der Diskussion dem Banken-Bashing widersprechen. Aus meiner Sicht ist der Blick auf gehebelte inverse Produkte, die Banken verwenden bei geringem Eigenkapital ein zu enger Fokus, um, zum Beispiel, die Finanzkride von 2007-2009 zu verstehen.
Sie haben schon oft auf den Blog von Daniel Stelter "beyond the obvoius" verlinkt. Dieser Blog hat eine eigentumsökonomische Sichtweise auf die Makroökonomie. Der Vater dieses Paradigmas ist aber Gunnar Heinsohn und Otto Steiger (Eigentumsökonomik). Dies ist der makroökonomische Blick, aus dessen Perspektive die Finanzkrise nicht auf böse und gierige Bankster mit ihren Massenvernichtungswaffen (Derivate) verengt wird, sondern das Ganze zum Thema wird, insbesondere die Verschuldung der westlichen Welt, das Aufblähen von Finanzmärkten und die immer größer werdende Rolle von Banken in der Gesellschaft und bei der Vereinnahmung von Gewinnen (Stichwort: Eigenkapitalrendite).
Es ist also die Verschuldung und der Versuch der Zentralbanken, durch runtergezinstes Geld diese Massenvernichtungswaffe Verschuldung in den Griff zu bekommen. Erst dadurch kommen die Banken an das Geld, dass sie anschließend zum Aufblähen der Märkte und zum Zocken verwenden. Aber siehe den folgenden Artikel von Gunnar Heinsohn:
http://cicero.de/kapital/f%C3%BCnf-trugschl%C3%BCsse-der-finanzkrise/39098
Gruss,
T.


Morphie sagt am 19. Januar 2017

Für mich ein wirklich guter Artikel - wenn auch erst im richtigen Zusammenhang: Vergessen wir nicht, dass der Blog des Wesirs sich an interessierte Privatanleger richtet, die eben keine Semiprofis sind und den halben Tag am Börsenticker kleben.
Und für diese Gruppe (z.B. mir) hat dieser Artikel 3 Dinge gebracht: Er hat erklärt, wie ein Derivat grundsätzlich funktioniert, hier fand ich das gewählte abstrakte Bespiel wirklich gut. Dazu war es durchaus ein unterhaltsamer Artikel mit viel Nerdkram und Wortwitz. Am Ende bleibt die Erkenntnis für Anleger wie dich und mich: Finger weg! Dass Christopher sagt, dass das ganze Spiel für Unternehmen und Händler durchaus sinnhaft sein kann: klar, unwidersprochen! Aber eben nicht für mich als Hold&Buyer.

Ich möchte übrigens noch kurz jedem, der das Tolkienuniversum liebt das Semarilion ans Herz legen: Ja, es ist kompliziert, nerdig, ausufernd - aber eben auch die geballte Portion Hintergrund und schafft enorm Athmosphäre in dieser Welt.


Finanzwesir sagt am 19. Januar 2017

Hallo Morphie,

"Ich möchte übrigens noch kurz jedem, der das Tolkienuniversum liebt das Semarilion ans Herz legen..."

Wollen wir hoffen, dass Peter Jackson das nicht in einem Dreiteiler verwurstet. Den Herrn der Ringe habe ich gerne in 3 Teilen geschaut, der Hobbit war 2 Filme zu lang... ;-)

Gruß
Finanzwesir


Hacke Peter sagt am 13. März 2017

Hallo Finanzwesir,

das war eine sehr kurzweilige und einprägsame Einführung in Derivate! :)

Genau genommen, ist es schon ein paar Tage her, dass ich sie gelesen habe. Und nun ist sie mir beim Hören des Zendepot Podcast "013 - Wie erfolgreich sind Privatanleger an der Börse?" wieder eingefallen. Mir stellt sich gerade folgende Frage:

Wenn Kleinanleger systematisch schlechter sind als der Markt, kann man dann nicht ein Derivat bauen, das genau darauf wettet? Oder hat dafür keiner die nötigen Daten?

Viele Grüße
Hacke Peter


Chefkocher sagt am 29. Mai 2017

Ein sehr guter Artikel, der dem Laien gut erklärt, was ein Derivat ist. Aber nun versuche ich es mal mit Transferleistung und baue mir mein eigenes, sehr einfaches Derivat:

"Ein derivatives Finanzinstrument oder kurz Derivat... ist ein gegenseitiger Vertrag, der seinen wirtschaftlichen Wert vom beizulegenden Zeitwert einer marktbezogenen Referenzgröße ableitet."

Underlying: MSCI World Index , t0= heute; Preisfunktion: P(t)=100€*(msciworld(t)/msciworld(t0)

Ich verkaufe Ihnen das Derivat heute für 100€, steigt der msci world morgen um 5%, ist ihr Derivat morgen 105€ wert. Versprochen! Ich verspreche Ihnen außerdem, dass mein Derivat an den gängigen Börsen gehandelt wird, Sie finden also immer einen, der es Ihnen zu diesem Wert abkauft. Sie glauben mir nicht? Dann beauftrage ich PWC, dass Sie mir einmal im Jahr bestätigen, dass ich den Ausgabebetrag nicht verscherbelt habe. Wenn PWC nicht mitmacht, gehe ich halt zu einem der anderen Big 4, bekommen die halt mein Honorar.
Dazwischen mache ich mit dem Geld, was ich bei Ausgabe eingesammelt habe, was ich will: kaufe einige Wertpapiere des MSCI und verleihe die dann gegen Gebühr, oder kaufe andere Wertpapiere und schließe damit Derivatgeschäfte ab, zum Beispiel swappe ich deren Performance dann mit pazifischen Banken.

Das geht alles so lange gut, wie alle auch fest an meine Funktion und das Urteil des Wirtschaftsprüfers glauben.

Zwei Fragen:

1.) hab ichs verstanden? 2.) Würden Sie mir eines dieser Derivate abkaufen?

Ich bin großer Fan Ihres Blogs und Sie haben mich unter anderem vom Investieren in ETFs überzeugt. Ihre Polemik lässt allerdings aus, dass jeder ETF nach Definition ebenfalls ein Derivat ist. Geben Sie mir Recht?


Das Buch zum Blog: 440 Seiten voller Informationen. Jetzt im Handel erhältlich.


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