23. Juli 2018


Podcast: ESG und SRI, wie ethisch ist der ETF? - Der Finanzwesir rockt, Folge 59

Ethische ETFs sinnvoll oder eine Modeerscheinung? 78% aller Ethik-ETFs sind jünger als drei Jahre. Knapp 23% sind Frischlinge von 2018, also Mitte Juli 2018 gerade mal ein paar Monate alt.
Die Brot&Butter-ETFs sind gebührenmäßig ausgebrannt. 0,05% Gebühren für einem ETF auf den S&P 500 - das macht keinen Spaß. Smart Beta bringt noch ein bisschen mehr, gerät aber auch schon in die Kritik.
Jetzt also Ethik als Renditebringer?

Wie erkennt man einen Ethik-ETF?

Er führt die Abkürzungen ESG oder SRI in Namen. Dann basiert er auf einem Ethik-Index mit eigener Methodik. Oder er ist "ex irgendwas". Meist "ex controversial weapons", "ex tobacco", ex "alcohol, gambling, tobacco". Abgasarm heißt nicht "ex carbon", sondern "low carbon".
Das sind dann die normalen Indizes, aus denen die entsprechenden Sektoren gestrichen wurden.

ESG & SRI in Deutschland

  • In Deutschland sind aktuell 49 nachhaltige ETFs zum Vertrieb zugelassen
  • Alle Nachhaltigen vereinen rund 6,3 Milliarden Euro auf sich. Zum Vergleich: Nur der iShares Core World hat gut das Doppelte eingesammelt. Und es gibt noch 13 weitere World-ETFs, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind.
  • Die Kategorie ist - wie oben angesprochen - noch sehr jung. Das muss man berücksichtigen, wenn man sich die eingesammelten Summen anschaut.
  • Das Angebot ist schon sehr breit gefächert. Wer will kann sich ein Depot mit der Ethik-Variante der klassischen Indizes zusammenstellen.
  • Die ETFs sind nicht teuer. Sie gehören nicht zu den billigsten ETFs, können es aber preislich jederzeit mit mittelteuren Standard-ETFs aufnehmen.

Das Problem

Welche Ethik hätten Sie denn gerne? Der MSCI World soll durch einen ethischen Industrieländer-ETF ersetzt werden. Zur Auswahl stehen

  1. MSCI World ESG Leaders Low Carbon, ex Tobacco Involvment 5%
  2. MSCI World ex Controversial Weapons
  3. MSCI World Low Carbon Leaders
  4. MSCI World Select ESG Rating and Trend Leaders
  5. MSCI World SRI 5% Capped

Vergleichen wir mal den World SRI 5% Capped mit dem klassischen nicht ethischen World. Wir stellen fest: Microsoft und Intel sind ethisch, Apple, Facebook und Amazon aber nicht. Exxon ist eine unethische Ölgesellschaft, Total ist ethisch. Warum? Dazu müssen Sie das Kleingedruckte lesen.

So wird man ethisch

MSCI, Stoxx und anderen Indexanbieter geht es weniger um Ethik, sondern ums Risiko-Management. Früher gab man dem örtlichen Häuptling ein paar Frauen und Glasperlen. Dann konnte man in Ruhe das Land annektieren, die Leute abschlachten und mit dem Ausheben der Goldmine beginnen.
Das geht heute nicht mehr. Irgendeiner hat immer ein Handy dabei und stellt’s auf Twitter => Shitstorm.
Blöd gelaufen. Schlechtes Image für die Firma, teure Klagen, nervig.
Ein ESG- und SRI-Ratings bewertet die Risiken, die eine Firma im Bereich Umwelt und Soziales eingeht. Investoren schauen sich das dann an und sagen: "Ok, diese Mine liefert 5% mehr Rendite, als die Vergleichsgruppe. Aber sie pumpen das Zyanid auch einfach in den Fluss. Irgendwann werden Sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden."
Dann wird kalkuliert, ob die 5% Renditeplus das Risiko abdecken oder nicht.

Wichtig: Da sitzen nicht drei Pfarrer und vier Gewerkschafter zusammen und diskutieren, was sie denn so als ethisch empfinden. MSCI, Stoxx und Konsorten ziehen das wie eine Geheimdienstaktion auf.
Ganz vorne sind die Datenstaubsauger, die vom obskuren Blog bis hin zum Qualitätsjournalismus alles sammeln, filtern und bewerten. Da hat sich ein ganzes Ökosystem an Zuträgern entwickelt.
Die verdichteten Infos werden dann herangezogen, um Punkte zu vergeben. Dabei gehen die Analysten sehr transparent vor. Es gibt 134 Fragestellungen (auch Indikatoren oder KPIs gennant), die sich zu drei Säulen gruppieren.

  • Die E-Säule berücksichtigt die Umwelthemen wie den Faktor "E.1.2.4 Oil Spill Reporting and Performance"
  • Die S-Säule enthält alle sozialen Indikatoren. Beispielsweise den Indikator: "S.3.1.3 Policy Statement on Data Privacy"
  • Die G-Säule kümmert sich um alle Governace-Themen. Hier finden Sie den Indikator: "G.1.4.3 Policy on Animal Testing"

Schlauberger sagen jetzt: Wie cool, damit hat Facebook ja schon die halbe Ethik-Miete drin. Die bohren auf dem Firmenparkplatz nicht nach Öl und auch wenn die klassische US-Cubicle-Landschaft nach schon sehr nach Käfighaltung aussieht: Tierversuche finden da trotzdem nicht statt. Dann kann Zuck ja mal bei S.3.1.3 in die Vollen gehen.
So schlau waren die Väter und Mütter der ESG-Richtlinie auch und haben deshalb Bewertungsfaktoren eingeführt. Exxon kann sich für nicht verschüttetes Öl ESG-Punkte anrechnen lassen, Facebook nicht.

Fazit

Wenn Ethik, dann die formale ESG-Ethik. Alles andere bringt das Manager-Risiko durch die Hintertür wieder hinein. Vollkommen unakzeptabel sind Kungelrunden verdienter Honoratioren.

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Links zum Thema der Woche

Finanzbegriffe der Woche

ESG ist die englische Abkürzung für „Environment Social Governance“, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung und Überwachung. Governance und Compliance gehören zum gleichen Begriffs-Cluster. In der wörtlichen Übersetzung heißt governance Herrschaft, Regierung.

SRI = Socially responsible investment, sozial verantwortungsbewusst Geld anlegen

Medienempfehlung des Finanzwesirs

Die folgenden Dokumente und Web-Sites sind alle auf Englisch. Wenn Sie echte Ethik und nicht nur Feigenblatt-Ethik im Depot haben wollen, bieten diese Texte einen guten Einstieg.

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Kommentare

tbee sagt am 23. Juli 2018

Hallo Fiannzwesir
Danke für deinen Artikel.
Ich verstehs irgendwie immer noch nicht was der Unterschied zwischen SRI und ESG ist.
Auch die Justetf Seite https://www.justetf.com/de/news/etf/mit-etfs-in-nachhaltigkeit-investieren.html hat mir da wenig geholfen mir scheint es als ob SRI eine Teilmenge der aus dem ESG Universum ist?

Und meint dein Fazit:" Wenn Ethik, dann die formale ESG-Ethik. Alles andere bringt das Manager-Risiko durch die Hintertür wieder hinein. Vollkommen unakzeptabel sind Kungelrunden verdienter Honoratioren." dann das SRI Indizes zu meiden sind und ein ESG zu bevorzugen ist?

Eigentlich geht es mir darum ein Portfolkio zusammen zu stellen in dem idealerweise Rüstungsfirmen weniger gewichtet sind ich brauch keine 100% ethisch Lösung und hatte mir die zwei physisch replizierenden SRI ETFs von UBS/ishare rausgesucht und bin jetzt natürlich wieder am zweifeln ob die nicht doch die falschen sind:

  • 70 % UBS ETF – MSCI World Socially Responsible UCITS ETF (USD) A-acc (WKN A1W3CQ)
  • 30% iShares Sustainable MSCI Emerging Markets SRI A2AFCZ

Peter sagt am 23. Juli 2018

Hallo ihr beiden,

leider habt ihr bei euren beiden Folgen über ethische Anlagen zwei Test von FinanzTest aus 2017 komplett ignoriert.

Bin jetzt schon länger Anleger in einzelwerte nach der Devise: Kein Öl/Gas, keine Atomkraft, keine Rüstung und keine Banken. Ich mache das selbst, weil ich bei sowas nur mir sebst vertraue, bin aber am überlegen das doch zu deligieren mangels Zeit.

Hier die beiden Tests von Finanztest:
www.test.de/Ethisch-oekologische-Fonds-So-legen-Sie-sauber-an-4741500-0/ Und Sogar 2018 aktualisiert - www.test.de/Ethisch-oekologische-Sparangebote-saubere-Zinsangebote-4590882-0/

Wäre nice, wenn ihr da ordentlich recherchiert.

LG
Peter


Gaiusfidibus sagt am 24. Juli 2018

Vielen Dank, sehr schön und übersichtlich aufgeschlüsselt um was es da eigentlich geht.

Ketzerische Frage: gibt es eigentlich das Gegenteil, also einen Fonds der explizit in Waffen, Drogen, Tabak, Alkohol, Glücksspiel, Öl und Kohle investiert?
Mit den Süchten und schlechten Angewohnheiten der Menschheit ließ sich ja zu allen Zeiten gutes Geschäft machen, das könnte also ertragreich sein. Ich habe hier nur den iShares U.S. Aerospace & Defense ETF (US4642887602) gefunden, dieser ist allerdings in D leider nicht so einfach verfügbar.


Felix sagt am 25. Juli 2018

Eigentlich habe Ich mich auf den Podcast gefreut, da Ich durchaus Interesse an dem Thema hatte. Bei der Antwort auf die erste Bewertung habe Ich dann aber abgebrochen (und vor verfassen des Kommentars diesen Abschnitt erneut gehört).
Ich kann durchaus die Fokussierung auf was es bedeutet für den Privatanleger nachvollziehen und gutheißen - aber was für ein Anspruch ist es denn, dass einem Fehler egal sind, sobald es über die zentrale Botschaft hinausgeht?

Ich kann vieles nachvollziehen und als Hörer tolerieren: Sich von Themen fernhalten in denen man schwimmt, diese Themen auf einfache Aussagen zusammen kondensieren (und das transparent kommunizieren) oder auch Fehler zu machen.
Wenig Verständnis habe Ich dafür, auf den Hinweis auf Fehler in einem Gebiet damit zu antworten, dass es einem egal sei, denn wenn ihr in solche Bereiche geht, dann ja nicht weil die Volkswirtschaft in diesem Aspekt durchaus einen Beitrag hat und relevant ist.


ChrisS sagt am 25. Juli 2018

@ thee

"Ich verstehs irgendwie immer noch nicht was der Unterschied zwischen SRI und ESG ist."

Um konsistent zu bleiben (das heißt, nicht von verschiedenen Anbietern, die verschiedene Definitionen für die Begriffe verwenden, verwirren zu lassen) schauen wir uns mal an was MSCI selbst dazu sagt.
Die haben ja eben gleichermaßen "ESG" und "SRI" Indizes im Angebot, daher kann man also durch einen Vergleich der Beiden leicht erkennen, was (zumindest für MSCI) die Unterschiede sind.

erstmal das allgemeine Framework

https://www.msci.com/esg-indexes

Und hier am Beispiel des MSCI World

MSCI World ESG

"The MSCI ESG Universal Indexes aim to represent the performance of an investment strategy that by re-weighting free-float market cap weights based upon certain ESG metrics seeks to increase exposure to those companies demonstrating both a robust ESG profile as well as a positive trend in improving that profile, while seeking to minimize exclusions from the parent index. The MSCI ESG Universal Indexes are constructed in following steps. First, the stocks with the weakest ESG profile from an MSCI Index (the ‘Parent Index’) are excluded. Second, ESG re-weighting factor is defined that reflects an assessment of both the current ESG profile (based on the current MSCI ESG Rating) as well as the trend in that profile (based on the MSCI ESG Rating Trend). Finally, the securities are re-weighted from the free-float market cap weights of the Parent Index using the combined ESG score to construct the MSCI ESG Universal Index"

Auf deutsch, hier wird der Standard MSCI World genommen und dessen normale Aktien-Marktkapitalisierungsgewichtungen gemäß einer ESG-Bewertung der einzelnen Firmen angepasst (Aktien mit guten/verbesserten Ratings werden übergewichtet, Aktien mit schlechten/verschlechternden Ratings werden untergewichtet).
Direkte Firmen-Rausschmisse sollen aber nur ganz selten, bei extrem schlechten Ratings vorgenommen werden, man sieht also auch an der Holdinganzahl (aktuell 1615 von 1643 MSCI World-Firmen) dass es sich hier eher um ein sanfteres "Tilting" (Hinbiegen) des Gesamtmarktes zu etwas mehr ESG-Einfluss handelt, anstatt dass hier wirklich ganz selektiv und fokussiert nur ein paar wenige "gute" Firmen reinkämen.

MSCI World SRI

"MSCI SRI Indexes are constructed by applying a combination of values based exclusions and a Best-in- Class selection process to companies in the regional indexes that make up MSCI World, an index consisting of developed countries.
After securities of companies involved in Nuclear Power, Tobacco, Alcohol, Gambling, Military Weapons, Civilian Firearms, GMOs and Adult Entertainment are excluded, MSCI’s Best‐in‐Class selection process is applied to the remaining eligible securities in the selection universe. The MSCI SRI Indexes target sector and region weights consistent with those of the underlying indexes to limit the systematic risk introduced by the ESG selection process. The methodology aims to include the securities of companies with the highest ESG ratings making up 25% of the market capitalization in each sector and region of the parent indexes. Companies that are not existing constituents of the MSCI SRI Indexes must have an MSCI ESG Rating above BBB and the MSCI ESG Controversies score above 3 to be eligible. Current constituents of the MSCI SRI Indexes must have an MSCI ESG Rating above B and the MSCI ESG Controversies score above 0 to be eligible. The selection universe for the MSCI SRI Indexes is the constituents of the MSCI Global Investable Market Indexes. The Index is float-adjusted market capitalization weighted."

Die SRI Indizes sind da also schon etwas aggressiver in der Auswahl. Es gibt hier erstens viel mehr "verbotene" Branchen die zum direkten Ausschluss einer Firma führen. Und zweitens, der Rest wird dann nach "best in class"-Ranking hinzugefügt, also die Firmen mit dem höchsten ESG-Werten kommen nacheinander rein, bis dann 25% der Marktkapitalisierung des jeweiligen Sektors und der Region erreicht sind.
Die Aktienanzahl (aktuell 398 von 1643, also ugf ein Viertel des Standard-Worlds) signalisiert schon diese stärker abweichendere Auswahlstrenge.

Also nochmal zusammengefasst, für MSCI könnte man so sagen:

ESG = (fast) alle Aktien des Mutterindex enthalten, also keine/wenig Selektion, aber die normalen Marktkapitalisierungsgewichtungen der Aktien werden (nach ESG-Ratings) angepasst.

SRI = deutlichere Selektion, mehr KO-Kriterien und nur die 25% der (nach ESG-Ratings) "besten" Firmen werden aufgenommen. Die Gewichtung der Aktien danach bleibt aber weiter klassisch deren normale Marktkapitalisierung und soll sich im wesentlichen wieder mit der Branchen/Regionen-Verteilung des Mutterindex decken.

Die Bewertung, was davon besser ist, bleibt am Ende eh jedem Anleger selbst überlassen, mal abgesehen davon dass es ja überhaupt auch immer erst noch jeweils konkrete ETF-Produkte zur Umsetzung geben muss, wenn man überhaupt sowas machen will.
Da mich das ganze nicht wirklich interessiert, bleib ich einfach problemlos bei den Standard-Indizes :-)


Finanzwesir sagt am 25. Juli 2018

Hallo Peter, beide Artikel sind hinter einer Bezahlschranke. Das was man dort lesen kann, beeindruckt mich nicht besonders. Nicht näher spezifizierte Experten vergeben Punkte nach einem nicht näher spezifizierten Verfahren.
Einzig die Kriterien werden genannt. Diese scheinen mir aber eine Untermenge des von uns hier vorgestellten ESG-Ratings zu sein.
Von daher weise ich den Vorwurf nicht ordentlich recherchiert zu haben zurück ;-)
Die weiterführenden Links, die wir hier in den Shownotes anbieten sind wesentlich detaillierter und aussagekräftiger als das,w as man bei Test lesen kann.

Gruß
Finanzwesir


Finanzwesir sagt am 25. Juli 2018

Hallo tbee

"Ich verstehs irgendwie immer noch nicht was der Unterschied zwischen SRI und ESG ist. Mir scheint es als ob SRI eine Teilmenge der aus dem ESG Universum ist?"

Das ist alles nicht so ganz scharf definiert. Ich persönlich sehe es so: SRI ist das S in ESG. Also, so wie Du es schreibst: SRI ist eine Teilmenge des ESG-Universums.
Aber da die beiden Begriffe weder geschützt noch methematisch exakt definiert sind, darf jede Marketing-Abteilung das so machen, wie sie es für verkaufsfördernd hält.
Entgültige Klarheit bringt nur der Blick in die Statuten. Wie hat der Anbieter das Investment-Universum für dieses konkrete Produkt (egal ob ETF oder Fonds) definiert?

Gruß Finanzwesir


ChrisS sagt am 25. Juli 2018

@ Gaiusfidibus

"Ketzerische Frage: gibt es eigentlich das Gegenteil, also einen Fonds der explizit in Waffen, Drogen, Tabak, Alkohol, Glücksspiel, Öl und Kohle investiert?"

Es gibt verschiedene ETFs, die einzelne Teilbereiche davon mehr oder weniger abdecken.

Waffen, also Rüstungsindustrie hast du ja schon genannt. Neben dem iShares gibt es dazu noch Angebote von SPDR (XAR) und Invesco (PPA).

Drogen... also illegale, tja hm das wird ein bissel schwieriger ;-)
Zumindest was Marijuana angeht ist da ja in Amerika schon einiges in Bewegung, und es gibt einige ETFs um daran zu partizipieren, zB von Horizons (HMMJ) oder ETFMG (MJ).
Für Alkohol gibts zB nen Whiskey&Spirits ETF (WSKY), ansonsten kann man halt auch etwas breiter mit allgemeinen Food&Beverage Sektorfonds arbeiten.
Von Advisorshares gibts noch einen "Vice"-ETF (ACT), der zusammengefasst gleich in Alkohol, Tabak und Cannabis -Firmen investiert.

Für Glücksspiel gibts zB den VanEck Gaming ETF (BJK), hpts Casinos und Wettfirmen, ansonsten gibts noch enige ETFs die sich eher auf Videospiele spezialisieren, oder halt allgmein den ganzen Leisure&Entertainment-Sektor.

Öl kann man allgemein mit "Energy"-Sektor abdecken, von denen es ja genug gibt, oder noch spezieller gibt es halt auch einige "Oil and Gas" -Subsektor-ETFs.
Ansonsten kann man hier natürlich auch mit Commodity-ETFs an die Rohstoffe gehen. Für Nukleares gibts zB von GlobalX (URA) und VanEck (NLR), ach und für Kohlefirmen auch noch ein ETF von VanEck (KOL)

So, aber um mal nach der Aufzählung wieder ein bissel runterzukommen, großen Praxisnutzen hat das ganze vielleicht nicht unbedingt.
Zumindest nicht für die typische Finanzwesir-Zielgruppe, die einfach nur breit, günstig und langfristig ein allgemeines breites Weltportfolio halten will/soll.
Viele dieser ETFs sind eher kleinvolumig und eher höherpreisig und sprechen aufgrund ihres speziellen Fokus mehr die aktiven Trader an, die nach irgendwelchen Trends und Themen herumhandeln wollen (und die Leute sind dann auch eh meist mehr von bestimmten Einzelaktien überzeugt) - also nicht das, was wir hier unbedingt empfehlen, von daher...:-)


Gaiusfidibus sagt am 26. Juli 2018

@ChrisS

Das ist leider richtig, der Praxisnutzen dieser Nischeninvestments ist eingeschränkt. Dann besser gleich in einen guten Whisky investieren, damit kann man dann den eigenen Anlageerfolg feiern (oder sich schöntrinken, je nach dem ;-)

Ergänzend zum Thema möchte ich auf diesen passenden Artikel in der Wirtschaftswoche in der Rubrik STELTER STRATEGISCH vom 25.08 verweisen: 'Ethik oder Sünde, welches Investment lohnt sich mehr?' Interessant, da hier die Rendite ethischer und nicht ethischer Investments diskutiert wird.


Passives Einkommen sagt am 26. Juli 2018

Ein super spannendes Thema. Bin erst vor ein paar Wochen ins grübeln gekommen über das ethische Problem. Es ist super schwer da eine Balance zu finden, weil jedes Unternehmen irgendwie "böse" ist.
Schoki und Diabetes, Medizin und Tierversuche, das gute Radler und die Alkoholleichen.
Aber das ETF überhaupt da noch solche unterschiede machen, das hätte ich nicht gewusst. Danke für die Aufklärung.

Auf dem Blog von Passives Einkommen gibt es hierzu diesen Artikel: Ethisch und Ökologisch investieren


obi90 sagt am 27. Juli 2018

Auf dieses Thema habe ich schon lange gewartet. Schöner Podcast, danke dafür.

Was ich etwas vermisst habe, ist der Renditevergleich zwischen einem MSCI World und einem MSCI World SRI.
Ich habe mal irgendwo gelesen oder gehört, dass den ethischen ETFs langfristig mehr Rendite zugetraut wird. Eben weil Sie weniger Risiko für sehr teure und große Skandale haben.
Auch wenn es nur für die letzten 3 Jahre gewesen wäre, sicher interessant für die Renditejäger, die mit Ethik nichts anfangen können oder möchten.


Dirk Söhnholz sagt am 27. Juli 2018

Lieber Finanzwesir und lieber Finanzrocker,

ich beschäftige mich schon relativ lange mit dem Thema und finde Euren Beitrag größtenteils sehr gelungen. Meine Hauptkritik ist die folgende:

1) “Ethische" Geldanlage kann in vielen Formen erfolgen. Einige davon habt ihr ja schon in 2014 in „Soll ich mein Geld nachhaltig anlegen?“ thematisiert. Asset-Allaktion hat bekanntlich die größte Auswirkung auf Performance. Inzwischen gibt es neben den von Euch im Podcast angesprochenen Aktien-ETFs aber auch ESG/SRI-ETFs auf Basis von Unternehmensanleihen, die interessant sein können. Ich selbst biete neben ESG Aktien-ETF- auch ESG ETF-Mischportfolios und zudem passive ESG Immobilienaktien- und Infrastrukturportfolios an, so dass man breit diversifizieren kann.

2) Zu ESG-Performance gibt es eine sehr gute Metastudie („ESG and Financial Performance: Aggregated Evidence from More than 2000 Empirical Studies“, siehe https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2699610). Vereinfachtes Fazit: ESG-Anlagen haben keine schlechtere Performance als traditionelle Anlagen. Mein persönliches Fazit: Es spricht sehr viel dafür, komplett ESG-konform anzulegen.

3) Ich stimme Eurer Meinung nicht zu, dass man lieber nicht in kleine oder junge ETFs anlegen sollte. Anders als aktive Fonds sind diese ETFs regelbasiert.
Die Regeln kann man, anders als „aktives Fondsmanagement“, (back-)testen. Das Risiko ist allerdings, dass nur gute Backtests zu ETFs werden. Dieses Risiko sehe ich vor allem bei sogenannten Faktor- oder Smart-Beta ETFs, weniger bei ESG ETFs, die vor allem auf Marktrepräsentativität und nicht auf Outperformance ausgelegt sind.
Wenn ein ETF nicht überlebt, ist das normalerweise nicht dramatisch. Gerade Privatkunden sollten gute - auch neu und kleine - (ESG-)ETF Konzepte unterstützen. Institutionelle Anleger dürfen das nämlich aufgrund interner Bestimmungen meist nicht und es wäre sehr schade, wenn das ESG-ETF Angebot nicht ausgebaut würde. Dieses Thema ist vielleicht sogar für einen eigenen Podcast interessant.

Weiterhin alles Gute!
Dirk

Auf dem Blog von Dirk Söhnholz gibt es hierzu diesen Artikel: "PureESG" und "Reverse-ESG-Integration": Beweisumkehr nötig!


Das Buch zum Blog: 440 Seiten voller Informationen. Jetzt im Handel erhältlich.


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