16. Juli 2014


Soll ich mein Geld nachhaltig anlegen?

Nachhaltig, ehrlich und moralisch gut sei die Geldanlage. Nur: Wie soll das gehen? Wie viel Öko ist ethisch vertretbar und bringt eine nachhaltige Geldanlage auch nachhaltig Geld ein?
Vor die Geldanlage haben die Götter die Definition des Begriffs "nachhaltig" gesetzt. Wer nicht weiß, wie er "nachhaltig" definiert, findet auch keine Firma, die nachhaltig wirtschaftet.
Also, was sind unsere Kriterien?
Ich habe das ganze Web durchsucht, konnte aber keine allgemeingültige Definition von Nachhaltigkeit finden. Was ich berichten kann: Die Adjektive nachhaltig, ethisch und ökologisch scheinen sich zu mögen. Jedenfalls tauchen die drei Musketiere bei den verschiedensten Suchen immer wieder zusammen auf.

Das beste, was ich zum Thema "Was ist eigentlich nachhaltig" bieten kann, ist Folgendes:

  1. Ausschlussverfahren. Wir schließen alles aus, was offensichtlich unethisch ist und definieren den Rest als ok. Was fliegt raus? Investments aus dem Bereich Atomenergie, Tabak, Rüstung, Pornografie, Glücksspiel, Kosmetik mit Tierversuchen.
  2. Das Verfahren: Der Einäugige ist König unter den Blinden (vornehm "Best in Class" genannt). Wir schauen uns ein Segment an und investieren nur in die am wenigsten schlimmen Unternehmen. Rüstung ist ok, aber bitte nur große Kaliber, die einen Mann zuverlässig zerreißen. Keine Personenminen, die nur das Bein abreißen und den Mann im Minenfeld verbluten lassen.
  3. Förderung grüner Technologie. Wir legen unser Geld in Firmen an, die Technologien für eine nachhaltige Entwicklung produzieren. Das wären beispielsweise Anlagen für erneuerbare Energien oder Wasseraufbereitungsstätten und Recyclingunternehmen. Stellt sich die Frage: Warum ist eine Firma, die die Landschaft mit Windrädern vollstellt nachhaltiger als eine Firma, die moderne Gaskraftwerke betreibt?
  4. Zutexten des Managements durch Beiräte. Investorengruppen bilden einen Beirat und versuchen das Management für Nachhaltigkeitsfragen zu sensibilisieren. Große institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Fonds und Lebensversicherungen bevorzugen diese Variante. Auf Nachfragen der Presse und Versicherungsnehmer kann man jederzeit glaubhaft versichern, dass man mit dem Management über Nachhaltigkeit spricht. Vorteil für die Investoren: Sie können hinter "nachhaltig" ein Häkchen machen, können aber trotzdem mehr oder weniger in jedes Unternehmen investieren.

Letztendlich alles furchtbar schwammig und abhängig vom eigenen Koordinatensystem. Ich will nachhaltig anlegen, kann aber nicht genau definieren, was nachhaltig ist. Das riecht nach einem Finanzdesaster.

Wie kann ich trotzdem nachhaltig investieren?

Welche Optionen haben wir?

Girokonto, Tagesgeld, Festgeld, Anleihen

Das hier angelegte Geld wird Teil des weltweiten Milliardenspiels und pro Sekunde drei Mal um den Globus gejagt. Es ist unmöglich zu sagen, wer gerade wen und was mit Ihrem Spargeld finanziert.
Selbst wenn Sie sagen: "Ich kaufe nur deutsche Staatsanleihen." Wer sagt Ihnen, dass nicht ein Teil dieses Geldes in eine Hermes-Bürgschaft zur Absicherung eines Panzerdeals mit Saudi-Arabien fließt? Da ist dann Schluss mit ethisch.

Aktienfonds

Fallen komplett aus, da Sie nicht kontrollieren können, in welche Aktien das Management investiert. Auch Nachhaltigkeits-Fonds können sich keine vegane Strenge erlauben, sondern müssen wie die listigen Mittelalter-Mönche während der Fastenzeit sagen "Fisch, ganz junge Kaninchen und Biber sind kein Fleisch" und die eine oder andere "moralisch graue" Aktie durchwinken. Ein über alle Zweifel erhabener Nachhaltigkeitsfonds wäre die leere Menge.

Nachhaltigkeits-Indizes

Wenn es ein Fonds sein soll, würde ich auf jeden Fall einen kostengünstigen, passiv gemanagten Index-Fonds empfehlen. Aktiv gemanagte Fonds sind viel zu teuer. Gerade "Gutmenschen"-Fonds versuchen, immer noch ein bisschen mehr an Gebühren herauszuholen, da das Management weiß, dass den Kunden die korrekte Gesinnung wichtiger ist als der schnöde Mammon. Da drückt man vorne auf die Tränendrüse und knapst hinten noch mal 0,2 % mehr an Gebühren ab.
Wer es mit einem Nachhaltigkeits-ETF versuchen möchte, hat die Wahl zwischen den Indizes der Firmen Dow Jones und MSCI.

Dow Jones Sustainability Europe ex Alcohol, Tobacco, Gambling and others
Ja, so heißt der wirklich. Lassen Sie uns das Wortungetüm entschlüsseln:

  • Dow Jones = Der Index wird von dieser Firma entwickelt und gepflegt
  • Sustainability = englisch für nachhaltig
  • Europe = investiert in Europa. Europa ist hier geografisch gemeint, also mit Schweiz, UK und den Skandinaviern
  • ex = ohne
  • Alcohol, Tobacco, Gambling and others = Firmen, die diese Dinge produzieren oder vertreiben, sind ausgeschlossen.

Dow Jones Sustainability Eurozone ex Alcohol, Tobacco, Gambling and others
Dow Jones Sustainability World ex Alcohol, Tobacco, Gambling and others
Letztendlich beide wie der erste, nur dass der zweite Index sich auf die Eurozone beschränkt und der dritte Index die ganze Welt abbildet.
Den Fonds zum Index gibt es von iShares. iShares ist aktuell der einzige ETF-Anbieter für diese Fonds. Weder Lyxor noch db x oder Comstage haben einen Fonds auf den DJ Sustainability im Angebot.

MSCI stellt seine Indizes nach dem Prinzip "Der Einäugige ist König unter den Blinden" zusammen. Im Angebot sind

  1. MSCI World Socially Responsible => investiert weltweit
  2. MSCI Europe & Middle East Socially Responsible => investiert in Europa und im Nahen Osten
  3. MSCI North America Socially Responsible => investiert in Nordamerika
  4. MSCI Pacific Socially Responsible => investiert im pazifischen Raum

Die UBS ist der einzige Anbieter für Fonds, die auf einem dieser Indizes basieren.

Neben diesen beiden relativ breiten Indizes gibt es noch den WOWAX. Der World Water Index (WOWAX) versammelt Firmen aus dem Wasser-Sektor und legt weltweit an. Zitat aus der Indexbeschreibung:

Die Unternehmen erzielen einen Hauptteil ihrer Erträge in den Bereichen Infrastruktur (Kanalisationsbau, Lieferung von Pumpen und Zählern und Ingenieurbüros) Produkte und Ausstattung für Wasseraufbereitung (Hersteller von Ausstattungsgegenständen und Technologien zur Wasserdesinfektion, -reinigung und -entsalzung) oder Wasserversorgung und Management der Versorgungsnetze (Wasserversorgungsgesellschaften und Unternehmen, die Wassernetze und -aufarbeitungseinheiten verwalten, um ein weltweites Management des Wasserzyklusses zu gewährleisten).

Ob und inwieweit Wassermanagement per se nachhaltig oder ökologisch ist, mag jeder selbst entscheiden.

Der Dienst JustETF listet 30 nachhaltige/soziale ETFs auf. Hier können Sie bei Ihren Recherchen einsteigen.

Achtung: Ich habe diese Indizes hier vorgestellt, um Ihnen einen Startpunkt für Ihre Recherchen zu liefern. Ich habe nicht nachgeschaut, welche Firmen konkret in welchem Index enthalten sind und ob die Indizes wirklich nachhaltig sind oder nur von der Marketingabteilung grün angemalt wurden.
Ich empfehle keinen dieser Indizes – ich stelle nur anheim.

Einzelinvestments in Aktien (Stockpicking)

Auch hier fällt fast alles raus, was gut und bewährt ist. Irgendeinen Dreck hat jede Firma am Stecken. Es bleiben kleine und unbescholtene Firmen aus westlichen Industrieländern im Pool. Bei genauem Hinsehen stellt man fest, dass der Erfolg vieler dieser Firmen stark von politischen Gegebenheiten abhängt. Das Thema "Nachhaltigkeit" ist zu großen Teilen politisch dominiert und deshalb hoch reguliert (klassische Versorger) oder mit Subventionen vollgepumpt (Solar- und Windenergie). Hier dauerhaft solide Firmen zu finden, ist sehr schwer.
Dazu kommt: Echt nachhaltig wirtschaftende Firmen müssen finanziell schlechter dastehen als ihre nicht nachhaltige Konkurrenz. Nehmen wir an, eine Airline pflanzt für jede verbrauchte Tonne Kerosin einen Baum. Nehmen wir weiter an, dass das die Tonne Kerosin um 10 Euro verteuert. Wohin mit den 10 Euro? Auf die Kunden abwälzen oder aus der eigenen Marge bezahlen? Es gibt Überzeugungstäter unter den Kunden, die das wunderbar finden und sofort bereit sind, die Mehrkosten zu zahlen. Andere dagegen lehnen den Öko-Aufschlag komplett ab und wechseln zur Konkurrenz.
In der Praxis wird die Fluggesellschaft höhere Preise und geringere Margen haben. Für einen Investor bedeutet das: Diese Fluggesellschaft wird die nächste Krise deutlich schlechter überstehen als die Konkurrenz.
Will ich mein Geld hier anlegen? Wie ethisch ist es, wenn vor lauter CO2-Sparen die Angestellten ihren Arbeitsplatz verlieren, weil die Gesellschaft nicht so robust ist wie die anderen Airlines.

Geschlossene Öko-Fonds, die eine unternehmerische Beteiligung bieten

Teufelszeug. Undurchsichtig, viel zu hohe Weichkosten, meist in Kombination mit Steuerspareffekten verkauft.
Ein weiterer Nachteil: Die Investition ist ein Klumpenrisiko. Während Sie bei einem Nachhaltigkeits-ETF in Hunderte von Firmen investieren, setzten Sie hier alles auf eine Karte.

Nachrangige Anleihen, Genussscheine, Cocos

Auch Teufelszeug. Hier investieren Sie direkt in eine Firma, gehen ins Risiko und werden bei einer Pleite nicht entschädigt, da sich die Anleihen im Pleitefall in haftendes Eigenkapital verwandeln oder eben nachrangig sind. So lief das damals im Groben bei Prokon ab.
Das Thema Klumpenrisiko gilt auch in diesem Fall.

Was bleibt?

Die sogenannten alternativen Investments. Aber nicht das Zeug, das ich in dem verlinken Artikel besprochen habe, sondern ein lokales Investment. Finanzieren Sie den jungen Lehmbaumeister aus der Gegend, beteiligen Sie sich am expandierenden Betrieb der Öko-Gärtnerin. Finden Sie Unternehmen in Ihrer näheren Umgebung, deren Inhaber Sie menschlich schätzen und deren Einstellung zum Leben und zum Wirtschaften zu Ihnen passt.
Das macht Arbeit und ist nicht sexy. Aber das Leben ist auch kein Ponyhof. Teilhaber eines gut gehenden Handwerksbetriebs ist eine lukrative Sache. Ich kenne Menschen, die als Erben eines ganz normalen Elektrofachbetriebs ein Leben als Privatiers (inklusive Wohnung auf Sylt) führen können.
Ja, aber das Risiko?
Wieso soll das Risiko kleiner sein, nur weil ein Mann im Anzug Ihnen in wohlgesetzten Worten versichert "Alles unter Kontrolle, alles garantiert hier". Da schüttele ich doch lieber die dreckige Hand des Meisters und lass mich auf der Baustelle herumführen. Das Klumpenrisiko bleibt natürlich.

Fazit

Wer seine Investitionen nach ideologischen Motiven auswählt, handelt sich nur Nachteile ein. Er verzichtet auf eine breite Risikostreuung und legt sein Geld in Branchen an, die ganz oder teilweise von Subventionen abhängen. Sobald die Subventionen wegfallen, zeigen sich die Schwächen im Geschäftsmodell und die Firmen brechen zusammen.
Ein breites passives Engagement auf Autopilot ist unmöglich, stattdessen geht der Anleger eine Branchenwette ein. Für jeden langfristig an die eigene Altersvorsorge denkenden Anleger eine Todsünde.

Fazit des Fazits

Der ideologische Investor hat mehr Arbeit, trägt ein höheres Risiko als nötig und wird dafür mit weniger Rendite als möglich belohnt.

Podcast

Der Podcast zum Thema: Ethisch korrekt anlegen ‒ Der Finanzwesir rockt, Folge 23

(awa)

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Kommentare

Der Privatier sagt am 19. Juli 2014

Danke, dass Du hier auch einmal Fragen zur Ethik, Moral oder eben Nachhaltigkeit bei der Kapitalanlage aufgegriffen hast. Auch wenn Dein Fazit eher negativ oder zumindest nicht wirklich positiv ausfällt.

Ich selber bin auch weit davon entfernt, eine 100%ige moralisch/ethisch korrekte Anlage-Strategie zu verfolgen. Und ich glaube auch, dass dies fast unmöglich ist (zumindest wenn man auch ein gewisses Maß an Diversifikation nicht außer acht lassen will).

Dennoch versuche ich doch immer diesen Aspekt in meine Überlegungen zumindest mit einfließen zu lassen. So käme mir eine Rüstungsfirma schon einmal vor vorneherein nicht ins Depot. Aus Prinzip. Bei einem ETF, der vielleicht 250 Werte beinhaltet, einer davon vielleicht genau diese Rüstungsfirma, würde ich nicht so genau gucken. Inkonsequent. Ich weiß.

Aber den Unterscheid zwischen einer Firma, die die Landschaft mit Windrädern vollstellt und einer Firma, die moderne Gaskraftwerke betreibt, kann ich schon nennen: Beide verschandeln die Landschaft, aber die Gaskraftwerke erzeugen auch noch Abgase und verbrauchen zudem endliche(!) Rohstoffe.

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Auch ICH verbrauche endliche Rohstoffe (und erzeuge Abgase) und ich bin auch kein perfekter Gutmensch. Aber mein Fazit würde eben anders lauten:

Ich würde neben vielen anderen Faktoren, die man bei der Beurteilung einer Kapitalanlage zu Rate zieht, eben Fragen der Ethik oder Nachhaltigkeit zumindest gleichwertig behandeln. Und wer es sich leisten kann, vielleicht auch mal dem Nachhaltigkeitsfond den Vorzug geben - auch wenn die Rendite nicht ganz so üppig ausfällt.

Gruß, Der Privatier

Auf dem Blog von Der Privatier gibt es hierzu diesen Artikel: Der Privatier


Finanzwesir sagt am 20. Juli 2014

Hallo Privatier, Du bist mit Deiner Kritik in allerbester Gesellschaft. Auch die Finanzwesirin findet, daß ich diesen Artikel zu scharf formuliert habe. Sie sagt, daß man bei allen Investitionen bedenken sollte "Kann ich noch ruhig schlafen, wenn ich hier investiert bin?". Wenn das nicht der Fall ist, sollte man sich überlegen warum und lieber Abstand nehmen.

Das als allgemeine Regel, nicht konkret bezogen auf nachhaltige Investments.

Wenn man aber - so wie Du es mit dem Beispiel Rüstungsfirma ansprichst - bestimmte Kriterien hat, die man erfüllt sehen will, dann ist der Deal "Seelenfrieden gegen Rendite" absolut legitim. So spricht die Finanzwesirin.
Dem ist wenig hinzuzufügen, außer der Tatsache, daß man sich eben klar darüber sein soll, worauf man sich einläßt. Man darf sich von den Tree-huggern nicht einwickeln lassen (Ich sag´nur 10% Rendite bei Sparbuchrisiko). Natürlich ist der Artikel sehr pointiert, aber ein klar positionierter Artikel fordert eher Widerspruch erhaus, als ein politisch korrekt dahinlavierender Text. Und wer halbwegs fundiert widersprechen will, muß sich zumindest ein paar Gedanken gemacht haben.

Damit hätte dieser Artikel dann seinen Zweck erfüllt ;-)

Gruß Finanzwesir


m_nsch sagt am 17. März 2016

Der Artikel ist schon etwas länger online aber immer noch über finanztip verlinkt. Wenn man sich nicht näher mit ethischen Investments beschäftigt hat, kommt man zwangsläufig zu solchen Analysen und Urteilen. Es gibt für Interessenten weitaus bessere Informationsquellen als diese hier. Finanztest, Ökotest, eco-reporter.de, die GLS Bank, Umweltbank, Triodos, Ethikbank nenne ich nur mal als Beispiele. Wer wissen will, welche Firmen als aktiv ethisch-ökologisch gelten und nicht nur Greenwashing-PR-Abteilungen unterhalten oder lediglich Sex, Drugs, Crime und Waffen ausschließen, kann einen Blick in das Portfolio des Greeneffects Fonds werfen.

Allen Skeptikern sei gesagt: Wer sich von 8% Rendite blenden lässt, ist selbst schuld. Das gilt für "Ökofirmen" wie die Pleitegeier Prokon oder German Pellets genauso wie für andere Unternehmen. Auf der anderen Seite ist inzwischen - an der richtigen Stelle eingesetzt, also da wo viel Sonne scheint - die Solarenergie billiger als Energie aus fossilen Brennstoffen, die ja bekanntlich endlich sind. Genau solche Entwicklungen sieht auch die Disinvestment-Bewegung, die aus Öl&Co. aussteigt. Das ist ein Megatrend, daher wird man mit nichtfossilen Investments auf lange Sicht besser fahren.


Olek sagt am 08. Juli 2016

"Wer seine Investitionen nach ideologischen Motiven auswählt, handelt sich nur Nachteile ein."

Da der Finanzwesir diesen Artikel aus der Versenkung geholt hat, möchte ich noch meine 2 Cent einschmeißen. Vor zwei Wochen stieß ich auf einen Blogartikel, den meine Freundin und ich zur näheren Ausgestaltung eines Kriminalromans verwenden werden, weil er ein Unternehmen betrifft, das wir uns als Vorlage für ein besonders fieses Exemplar von Hersteller herausgesucht hatten.
Bis hierher nichts besonderes. So etwas machen wir dauernd, und es ist unser Job. Worum geht es es? Es geht um einen Artikel, bei dem es einen Straftatbestand erfüllen würde, wenn ich meine Gedanken dazu hier niederschriebe.
Der Blogger hat das Rüstungsunternehmen General Dynamics gekauft und stellt seinen Kauf vor, mit u. a. der Einschätzung: "In den nächsten Jahren sehe ich den Bedarf an Rüstungstechnik eher weiter steigen als sinken." http://www.rente-mit-dividende.de/2016/06/24/kauf-general-dynamics/

Interessierte mögen sich bei Wiki und anderswo ansehen, was GD so an schnuckeligen Waffen herstellt. Die Kommentare zum Blogartikel sind positiv, unter anderem auch von jemandem, der sich zumindest "Der Finanzfisch" nennt. GD sei gleich auf seiner Wunschliste gelandet.

Ich finde, vor diesem Hintergrund, der im Film "Thank you for smoking" "moralisch flexibel" genannt wird, liest sich das Zitat des Finanzwesirs ein wenig anders, auch wenn er das Zitat anders meint.

Nun will ich mich hier nicht aufspielen. Im S&P 500 steckt Boeing, und im Stoxx Europe 600 steckt Airbus, und beides sind größere Rüstungskonzerne als GD. Trotzdem habe ich ETFs auf diese Indizes. Der springende Punkt ist nur, dass ich mir nie im Leben gezielt einen Waffenhersteller aussuchen würde, um meine Rendite damit zu maximieren. Ich habe nie nach "Nachhaltigkeit" meiner Investments geschaut, aber eins ist mir wichtig: Ich möchte in Demokratien investieren.

Damit fällt ein Gutteil der Emerging Markets raus, insbesondere das R und das C der BRIC-Staaten. Mit dem B und dem I (und ggf. noch dem S für Südafrika) hätte ich dagegen keine "ideologischen" Probleme. Aus diesem Grund investiere ich in Japan, aber nicht in China.
Auf Theorien wie "Wandel durch Handel" kommt es mir dabei gar nicht an - ich sehe ein Investment in Demokratien auch pragmatisch, weil Demokratien oft stabil sind, über Rechtssicherheit verfügen und insgesamt bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen haben als autoritäre Staaten. Gerade langfristige passive Investitionen sehe ich in Demokratien als besser aufgehoben an. Dieser Blog-Artikel gefällt mir viel besser als der über General Dynamics: http://blog.creating-corporate-cultures.org/2016/05/09/investieren-in-demokratie/


Olek sagt am 12. Juli 2016

Und so etwas passiert mir als gläubigem Katholiken (ohne Ironie) - beim letzten Mal habe noch eine Kleinigkeit vergessen: Sogenannte nachhaltige christliche Indizes (z. B. den STOXX Europe Christian Index oder den S&P 500 Catholic Values) und Fonds, die nach meinem Verständnis eine seltsame Auffassung christlicher Ethik haben.
Da ist etwa der "Ave Maria Catholic Values Fund", der unter seinen zehn größten Positionen auch den zuletzt genannten Kriegswaffenhersteller General Dynamics zählt. Das Erzbistum der Diözese Detroit vertritt dazu etwa die Ansicht: "Mit Waffen verteidigen wir die US-Verfassung, dagegen sind wir Katholiken nicht."


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