12. April 2019


Das haben die anderen diese Woche geschrieben (KW 15 / 2019)

In eigener Sache

Der Finanzwesir beantwortet 8 Minuten lang putzige Fragen. Eher was für die Kinder der meisten Leser.

Diese Artikel sind mir in dieser Woche in der deutschsprachigen Finanzblogosphäre aufgefallen.

Kleine Erinnerung an die "Ein-bisschen-Enteignung-muss-sein"-Fraktion

"Ein freier Mensch muss es ertragen können, dass seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muss sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen."
Ludwig von Mises: Liberalismus, Teil I, Kapitel 11

Gefunden - nicht bei Otto, sondern im Schwarzwasser.
Der Maschinist sieht es ähnlich: Einfach mal die Klappe halten.
So geht das in der Politik: Haltet den Dieb! Enteignung!

Der Crash kommt, nichts wie raus aus den Aktien. Das ist sinnvoll - aber wie sagte der alte Wehner: "Wer rausgeht muss auch wieder reinkommen". Und das ist das Problem: Wann wieder reinkommen? Wer in 31 Jahren DAX die besten 13 Tage verpasst hat, verlor die Hälfte der Rendite – in Großbritannien reichten dafür 5 Tage.

Für alle Porno-Süchtigen: Einfach mal die Überschriften auf sich wirken lassen und dabei auf das Datum schielen. Dagegen ist eine Zitterpappel ein Ausbund an Beständigkeit.
Dieser Morningstar-Kram ist auch nicht viel besser: Auguren-Geschwätz

Sparkasse toxisch - die Deka hat im vergangenen Jahr mehr Zertifikate (Volumen: 5,7 Milliarden Euro) als Fonds abgesetzt und ist damit von Null zum Marktführer aufgestiegen.
Zertifikate! Sind denn nur noch die Alten und Dummen Kunden der Sparkassen?
Der ganze Prä-Lehman-Schrott wird erneut unters Volks gebracht. Dieses mal mit verzuckert mit Namenszusätzen wie "Relax" oder "Airbag". Und Agent Orange war ein Entlaubungsmittel…

Nico ist glücklich aber nicht frugal. Dann kommt einer mit der richtigen Definition und er kapituliert. Juristen kennen das. Aufs Wording kommt es an!

Die Vater-Tochter-Beziehung stärken: Wofür ich gerne Geld ausgebe.

Smart Beta heisst jetzt Strategic Beta und wird immer unübersichtlicher.

"Die Zahl der Strategic Beta-ETFs weltweit erhöhte sich von 1.361 Produkten per Ende 2017 auf 1.493 Produkte."

Frank (53) hat immer eisern gespart. Jetzt hat er 860.000 €, muss nicht mehr arbeiten. Aber was jetzt? Tim Schäfer weiß Rat.

(awa)

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Kommentare

ChrisS sagt am 12. April 2019

Da diese "Beste Börsentage verpassen..."- Geschichte ja immer mal wieder oft zu lesen ist, wiederhole ich auch hier nochmal was mich daran prinzipiell didaktisch stört.

Zuallererst, ja ich weiß natürlich was die Absicht bzw. der Sinn der ganzen Geschichte ist - soll die Leute zum Buy&Hold motivieren, langfristiges durchhalten etc., alles ganz löblich, alles ganz richtig. Nur sollte deshalb auch nicht unbedingt mit so unsauberen Methoden argumentiert werden.

Es werden aus den tausenden Tagen eines Index einfach mal punktuell nur eine Handvoll der "besten" entfernt, um sich dann hinterher hinzustellen und zu sagen "Ha, seht her, wer nicht Buy&Hold macht, verpasst soooo viel Rendite".
Das ist eine sehr realitätsferne Vorgehensweise, denn es unterstellt, dass ein Markt-Timer (der "Gegner", um den es in solchen Beispielen ja implizit immer geht) also die übrigen tausende Tage lang brav normal gleich investiert ist wie der B&Hler, und nur an einer handvoll Tagen in den ganzen Jahren zufällig mal aussteigt - und das "Pech" hat dass das dann auch immer die zufällig besten Tage sind - und am nächsten Tag wieder ganz normal weiter investiert einsteigt.
Absolut unrealistisch, erstmal in der Methode wie Markttimer überhaupt (eben nicht) operieren, und auch in der Beliebigkeit welche Ausstiegstage ihnen zugewiesen wurden.
Warum sollen denn Markttimer denn ausgerechnet auch immer die "besten" Tage verpassen? Warum können sie nicht auch genauso einfach mal die "schlechtesten" Tage verpassen - wer das erste Beispiel akzeptiert, müsste genauso auch akzeptieren wenn die Markttimer mit einem Gegenbeispiel "so und jetzt rechnen wir mal durch, wie die Sache aussieht wenn wir Markttimer einfach mal nur die schlechtesten Tage erfolgreich vermeiden" sich hinstellen um genauso "beweisen" zu wollen wie überlegen ihre Vorgehensweise doch sei - wer dies nun als unrealistische Methode nicht akzeptiert, der muss auch das erste Beispiel als eigentlich an den Haaren herbeigezogen und unbrauchbar erkennen.

Desweiteren wird bei den ganzen Artikeln die mit dieser Geschichte ankommen oft gern unter den Tisch fallen gelassen, wann genau diese "besten Tage" eigentlich waren - weil das dann nicht mehr so schön für die Argumentation förderlich wäre.
Also die Tage, wo der Index mal um sieben oder zehn Prozent raufspringt sind nämlich nicht normal und treten üblicherweise auch nicht in Schönwetterphasen auf, sondern meist in einem Umfeld hoher Volatilität, Marktunsicherheit und allgemein also eher negativen Marktphasen.
Schaut man sich die Liste dieser besten Tage an, findet man an den vordersten Stellen ziemlich viel aus Jahren wie 2008 und 2002 etc., also Zeiträumen, die man insgesamt lieber komplett vermieden hätte.
Konkret gesagt, was nützt mir auch ein +10% Tag, wenn er in einem -50% Jahr stattfindet? Anstatt den guten Tag zu verpassen, will ich doch lieber das ganze schlechte Jahr "verpassen", damit hätte ich auch mehr erreicht.
Der Markttimer würde dann einfach behaupten, dass er mit seinen tollen Timingfähigkeiten diese Jahre eh komplett umschifft hätte. Wer sagt, dass das unrealistisch sei, dem gebe ich erstens recht, der muss aber dann zweitens auch akzeptieren dass es genauso unrealistisch ist, ihm auf der anderen Seite immer nur willkürlich die besten Tage zu entziehen.

Es gibt durchaus realistischere Methoden, mit denen man Markttiming entlarven oder die Überlegenheit von Buy&Hold demonstrieren kann, aber die sind dann auch etwas komplizierter und eignen sich vielleicht nicht so schön plakativ für einen einfachen massentauglichen Artikel.
Wer mich kennt weiß dass ich auch selber Buy&Holder bin, mir gehts also nicht drum dies anzugreifen oder Markttiming irgendwie verteidigen zu wollen, mir gehts eher nur darum, dass man bei der Argumentation etwas realitätsbasierter bleibt als nur solche maximal theoretischen Beispiele zu konstruieren.


chrisR sagt am 12. April 2019

Stimme meinem Vorredner ChrisS zu - finde die genannte Argumentation gegen Markttiming aus den gleichen Gründen nicht so überzeugend. Wesentlich überzeugender finde ich eine andere Argumentation: Ein Markttimer muss in ca. 75% seiner Entscheidungen richtig liegen, um mit dem B&H-Anleger renditemäßig überhaupt nur gleichzuziehen.
Wenn er das nicht schafft, sollte er besser beim B&H bleiben. Zuerst gezeigt von William Sharpe (dem Namensgeber der Sharpe-Ratio) 1975 in einem Artikel namens "Likely Gains from Market Timing", eine moderne Bestätigung findet man z.B. in diesem Blog-Artikel http://www.calculatinginvestor.com/2011/02/21/market-timing/ .


Norman sagt am 12. April 2019

Das mit den "besten Tagen verpassen" habe ich nicht ganz verstanden, vielleicht kann mir das jemand erklären (wahrscheinlich fehlt mir nur das Verständnis, wie dabei vorgegangen wurde):
Wenn ich den gesamten Zeitraum betrachte und damit dann also am ersten Tag starte und die besten 13 Tage (BTW: Was sind die "besten" Tage? Die mit dem höchsten Tagesgewinn oder mit dem höchsten Kurswert? Ich ging bislang von letzterem aus, aber auch beim Tagesgewinn bleibt meine Frage vermutlich bestehen) nehme ich weg ... dann lande ich doch immer noch bei einem Faktor von mindestens 5 (eher 8) bis zum Ende des Zeitraums .... wo ist mein Denkfehler?


CarstenP sagt am 12. April 2019

Sehr schön gesagt, ChrisS!
Markettiming ist ein Verliererspiel, da gibt es genügend gute Argumente, die "besten Tage verpassen" ist keins davon.


Nostradamus sagt am 12. April 2019

@ChrisS:

"Es werden aus den tausenden Tagen eines Index einfach mal punktuell nur eine Handvoll der "besten" entfernt, um sich dann hinterher hinzustellen und zu sagen "Ha, seht her, wer nicht Buy&Hold macht, verpasst soooo viel Rendite"."

Das habe ich so eigentlich nicht gelesen. Klar pickt man sich hier genau das heraus, was man zeigen will. Es ist halt ein Extrembeispiel für die Risiken, die mit Market Timing zusammenhängen können. Denn gerade Anfänger wundern sich ja doch mal, dass es besser sein kann, wenn man möglichst wenig aktiv ist.
Aber es stimmt natürlich, dass man in einem ausgewogenen Artikel auch auf die Chancen durch die Wahl der genau richtigen Ein- und Ausstiegspunkte hingewiesen hätte. ;-)


ChrisS sagt am 12. April 2019

@ Norman

"vielleicht kann mir das jemand erklären"

Mit den "besten Tagen" sind jeweils die Tage gemeint, an denen der Index den größten prozentualen Zugewinn gemacht hat.
Die werden dann in dem Beispiel einfach aus der Kette der übrigen täglichen Renditen herausgerechnet (bzw. durch einen Nullrendite-Tag ersetzt), und am Ende wird geschaut wie das die gesamte langfristige Wertentwicklung beeinflusst.

@ Nostradamus

es geht mir nicht darum, dass der Artikel nicht "ausgewogen" genug wäre, also auch auf die "Chancen des Markttimings" hinweisen müsste.
Im Gegenteil, es ging mir darum dass die Argumentation besser auf realistischen Vorgehensweisen statt an den Haaren herbeigezogener Konstruktionen ohne Praxisbezug aufbauen sollte.
Denn wenn man sich hinstellt und "wir streichen den Markttimern einfach mal willkürlich die 10 besten Tage raus" (warum? weil wir es können!) als ernstzunehmendes Argument verkaufen will, setzt man sich unnötig der offensichtlichen Gegenrede der Markttimer "tja und wir streichen uns einfach mal genauso willkürlich die 10 schlechtesten Tage raus, ätschbätsch" aus, und kann dann nicht mehr "Halt nein so funktioniert das nicht, das ist unrealistisch!" sagen.
Wenn letzteres Schwachsinn ist (was es auch ist), dann ist es ersteres auch, und man sollte ehrlicherweise auch für eine noch so gute und richtige Sache nunmal nicht mit unlauteren Methoden argumentieren.

"Gegen" Markttiming ernsthaft argumentieren kann man besser, indem man z.B. mal einige der von Marktimern auch in der Praxis tatsächlich meistbenutzten Strategien wie z.B. die 200 Tage-Linie o.ä. mal realistisch (! d.h. nach Steuern und Gebühren) im Backtest überprüft und mit nem B&H Indexbenchmark vergleicht. Da entpuppt sich das meiste schon von selbst als den Aufwand nicht wert.


Sven sagt am 12. April 2019

„Tim Schäfer weiß Rat“ – öhm, echt? Und welchen? Ich sehe da nur den Leserbrief von Frank. Der zudem auch noch mit "tim schaefer" unterschrieben ist. :D


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