30. Juli 2021


Alpha-Fonds selbst gebaut

Leser L. hat mir eine lange Mail mit drei sehr interessanten Fragen gestellt. Da die Fragen recht unterschiedliche Alpha-Aspekte betreffen, antworte ich in drei Artikeln.

| Verfolgen Alpha-Fonds das richtige Ziel? | ETF + Alpha in Seitwärtsphasen | "Truly-Democratic-Alpha"-Fonds selbst bauen |

Wie baut man einen "Truly-Democratic-Alpha"-Fonds?

Ich bekomme bei dem Gedanken in einen Alpha-Fonds zu investieren aus zwei Gründen Bauchschmerzen: Kosten und Transparenz. Die Kostenpunkte hast Du ja schon ausführlich diskutiert; hier finde ich deinen Vorstoß mit Democratic Alpha sympathisch.
Bleibt das Problem mit der Transparenz: Man weiß kaum, was genau gehandelt wird, warum, und welche Entscheidungen vom System beziehungsweise vom Fonds-Management getroffen werden. Als junger, übermütiger Software-Entwickler mit Liebe für die Mathematik wäre es mir natürlich am liebsten wenn alles komplett algorithmisch passieren würde; diesen Menschen ist einfach nicht zu trauen ;)
Daher folgendes Gedankenspiel: Man konstruiere einen zu 100% algorithmisch operierenden Alpha-Fonds. Das System ist darauf optimiert in Krisenzeiten gut zu performen und sonst zumindest kein Geld zu verlieren. Der gesamte Code ist Open Source. Durch die Offenlegung des Quellcodes sollte sich für eine Trendfolge-Strategie meines Verständnisses nach ja kein Nachteil ergeben, oder? Gleichzeitig erlaubt es unabhängigen Dritten die Performance anhand von historischen oder ARMA-Daten abzuschätzen. Darum herum baut man eine Firma, die sich um den regulatorischen und operativen Teil kümmert. Das könnte sogar als not-for-Profit oder non-Profit betrieben werden. Klar, man wird nicht die brillantesten Quants oder die gerissensten Fonds-Manager dafür anwerben können; aber darum geht es ja auch nicht. Ganz abgesehen von Realisierbarkeit, Arbeitsaufwand, Regulatorik: Wenn so etwas existieren würde, wie würdest Du es bewerten (und warum)?

Der Finanzwesir antwortet

Trendfolge ist grundsätzlich simpel. Kaufe eine Position und halte sie, wenn der Trend sich verstetigt. Verkaufe, wenn sich die Kurse nicht so entwickeln wie geplant oder der Trend sich umkehrt.
Einen Verbrennungsmotor zu bauen ist auch grundsätzlich simpel. Das Wissen ist Public Domain. Trotzdem wird kein Autobauer das Design seines Motors veröffentlichen.
Man kippt oben Benzin rein, dann knallt’s und hinten kommen Abgase raus. Da unterscheidet sich ein Toyota Yaris nicht von einem Bentley Continental GT V8. Aber was da genau zwischen flüssig und gasförmig passiert, das behält dann jeder Autobauer doch lieber für sich.

Genau so ist es bei den Alpha-Fonds. Die ganze Erfahrung steckt im Algorithmus. Greifen wir einmal den Fall heraus: Wie wollen wir mit Fehlsignalen umgehen? Der Algo hat gesagt: Kaufen. Wie stellen wir fest: Das war ein bisschen voreilig?
Eine neue aufgebaute Position sollte geschlossen werden, wenn

  1. der Preis um X ATR (Average True Range, ein Volatilitäsindikator) unter den Kaufpreis gefallen ist,
  2. der Kurs niedriger ist als der niedrigste Kurs der letzten X Tage,
  3. der Kurs niedriger ist als der niedrigste Preis von gestern,
  4. der Kurs eine der wichtigen Unterstürzungslinen nach unten durchbricht,
  5. der Kurs den gleitenden X-Tage-Durchschnitt nach unten durchbricht?

Das sind jetzt fünf Optionen. Einem Trader fallen sicher noch zehn weitere ein. Jede Option ist sinnvoll, plausibel, begründbar. Welche passt zur Gesamtstrategie, zu den gehandelten Positionsgrößen, zum Markt auf dem gehandelt werden soll? Da hilft einem die reine schöne edle Mathematik kombiniert mit if-then-else nicht weiter. Da braucht man Handelserfahrung.

Um noch einmal auf unsere Autobauer zurück zu kommen: Das Auto lebt nicht vom Motor allein. Getriebe, Achsen und ein bisschen Platz zum Sitzen brauchen wir auch noch.
Für unseren Alpha-Fonds bedeutet das:

Wir brauchen ein Routing-Modul, das die vom Handelsalgorithmus generierten Käufe an die Börse bringt. Das Routing ist aber nicht der willenlose Sklave des Handelsalgos, sondern verfügt über eigene Intelligenz.

Handelsalgo: "Hier, Superchance, jetzt kaufen!"
Routing-Modul (weiß schon, dass der Handelsalgo immer ohne Steuern und Gebühren rechnet): "Ich check das mal."
Routing-Modul ruft bei der Euronext in Paris und beim Chicago Board of Trade an und sondiert die Lage. Wie sind die Preise, was ist im Angebot?
Das muss man sich so vorstellen wie im Reisebüro: "Wie komme ich am besten (nicht am billigsten!) von Frankfurt nach New York."
Nachdem das Routing-Modul alle Optionen abgewogen hat und der Deal auch nach Gebühren noch vielversprechend ist, fragt es die Kollegen mit dem Stock im Arsch: "Steuer und Regulatorik, was sagt ihr?"
Nachdem die beiden auch grünes Licht gegeben haben, schickt das Routing-Modul seine operativen Minions los. Die Trading-Bots sollen jetzt die Aufträge platzieren. Aus Erfahrung weiß das Routing-Modul: Hier reicht ein Bot, der in Paris einfach alles ohne Sinn und Verstand bei der Euronext ablädt. Stopp-Kurse? Kostet nur extra. Brauchen wir nicht. Oder: Hier sneaken wir uns besser mit Kleinorders unauffällig in den Markt.

Routing-Modul hat fertig. Die Dobermänner des Risiko-Managements übernehmen.

Der Handelsalgo tut immer so, als wäre er der King im Ring. Dabei orakelt er auch bloß vor sich hin.
Bei der Trendfolge ist das Risikomanagement viel wichtiger, als ein cooler Kaufchancengenerator. Ein System, das einfach random einsteigt und dann diese Positionen mit Hilfe eines guten Risikomanagements (Positionsgröße und Ausstiegsregeln) verwaltet, ist einem System ohne Risikomanagement aber mit sehr guten Vorschaufähigkeiten überlegen.

"A random entry system demonstrates that much of trend following performance can be explained by the exit decision."
Alex Greyserman und Kathryn Kaminski im Buch Trend "Following with Managed Futures", Seite 124

Positionsgröße

Bei der Skalierung der Position geht es vor allem um den Erwartungswert (expected value of the trade, kurz EV). Die Größe der Position hängt vom EV nach der folgenden Formal ab:

EV = (Gewinnwahrscheinlichkeit) x (Gewinnsumme bei korrekter Prognose) – (Verlustwahrscheinlichkeit ) x (Verlustsumme bei falscher Prognose)

Wer diese Formel mit sinnvollen Zahlen bestücken will braucht Handelserfahrung.

Ausstiegsentscheidung

Wann ist der Trend zu Ende? Na ja, das hängt natürlich vom grundsätzlichen Zeithorizont ab. Wer einen Mehrjahrestrend handelt, sieht die Dinge lockerer, als jemand, der einen Zeithorizont von einem bis drei Monaten hat. Also, raus wenn

  • eine gleitende absolute Stoppmarke gerissen wird. Beispielsweise: Der Kurs fällt 4 ATR unter das höchste Hoch.
  • eine prozentuale Stoppmarke gerissen wird. Beispiel: Der Kurs fällt 25 % unter das höchste Hoch.
  • ein gleitender Durchschnitt wird unterschritten. Beispiel: Raus, wenn die 100-Tage-Linie gerissen wird.
  • einer von 10 weiteren Parametern zum Ausstieg klingelt.

Wobei sich die Frage stellt: Wieso 4 ATR, warum nicht 3 oder 5? Verbessert sich eigentlich die Performance wenn ich Parameter kombiniere. Sagen wir 4 ATR oder 25 %. Oder lieber 25 % runter und 100-Tage-Linie reißen. Die Antwort hat nur der Praktiker in seinem Erfahrungsschatz.

Kontrolle durch Dritte

"Gleichzeitig erlaubt es unabhängigen Dritten die Performance anhand von historischen oder ARMA-Daten abzuschätzen."

Typisch Naturwissenschaftler ;-)
Naturwissenschaftler, Ingenieure und anderes MINT-Volk geht immer von zeitlich unveränderten Parametern aus. Der Gravitation ist es wurscht, ob Newton sie entdeckt oder nicht. Die Gravitationskonstante G ist seit Anbeginn der Zeiten

G = 6,6710-11 m3/kg s2

Die Börse ist ein reflexives Biest. Jede Aktion wirkt auf das Ganze zurück. Das bedeutet: Wenn wir zu viele Äpfel fallen lassen, nutzt sich G ab.
Das G von 1873 ist nicht mehr das G von 2021.
Ich weiß, der ratternde Irrsinn für alle MINTler, aber L. sagt es selbst:

"diesen Menschen ist einfach nicht zu trauen ;)"

Börse ist 100 % Mensch.
Für den Alpha-Fonds bedeutet das: Historische Daten sind vor allem eins: historisch. Sie taugen um grundsätzliche Aussagen zu machen, aber mit den Daten von gestern den Algorithmus von heute auf seine Zukunftsfähigkeit zu prüfen: Das wird nichts.
Wenn G sich immer weiter abnutzt, dann wird aus einem Sturz von einem zehn Meter hohen Haus irgendwann ein "vom Winde verweht".

Fazit

So, und das Ganze jetzt als Open Source und Public Domain?

Ein Alpha-Fonds ist die in Code gegossene Erfahrung seiner Erbauer.

Ein erfolgreiches Trading-System baut und pflegt man selbst. Da müssen alle Rädchen ineinander greifen. Irgendetwas aus Open-Scource-Elementen zusammen zu löten ergibt bloß einen Frankenstein-Golem.

Die erfolgreiche Traderin Linda Bradford Raschke in schreibt ihn ihrem Buch "Trading Sardines"

"The problem is, it’s hard to muster the necessary confidence in a system unless you develop it yourself. Systems, even ones that make 100 trades a month, can go through brutal drawdown periods. And if the system isn’t your baby, you’ll abandon it with a loss instead of adhering to it long enough to recover a drawdown."

Das Transparenzproblem

Leser L.

"Bleibt das Problem mit der Transparenz: Man weiß kaum, was genau gehandelt wird, warum, und welche Entscheidungen vom System beziehungsweise vom Fonds-Management getroffen werden."

Der Finanzwesir

"Bleibt das Problem mit der Transparenz: Man weiß kaum, wie viel Kerosin im Tank ist, ob die Turbinen einwandfrei funktionieren und welche Entscheidungen vom Autopiloten beziehungsweise vom Piloten getroffen werden."

L. hat recht. Nur wird sich das Transparenzproblem nicht lösen lassen. Im Einstiegssignalgeber, dem Routing-Modul und dem Risiko-Management steckt die ganze Erfahrung seiner Erbauer. Das wird niemand offenlegen. Und selbst wenn: Es kommt immer auf das Zusammenspiel von Mensch und Maschine an. Selbst das beste Trading-System verkommt in ungeübten Händen zum Cargo-Kult.
Ohne tiefes Verständnis für die operativen Details wird das nichts.

Die Finale Frage

"Wenn so etwas existieren würde, wie würdest Du es bewerten (und warum)?

Ich würde es nicht kaufen.
Warum?
Weil ich mein ganzes Berufsleben in Startups gearbeitet habe. Dort habe ich gelernt: Was zählt ist der richtige Mann, die richtige Frau am richtigen Platz. Integrität, der Wille zum Erfolg und Anpassungsfähigkeit zählen. Alles andere wird sich finden.
Alpha-Fonds sind nur an der Oberfläche algorithmisch - letztlich ist es ein People-Business.
Divergenz ist ein einsames Geschäft. Jahrelang muss man sich wegen mickriger Erträge verspotten lassen. Dann kommt der Tausend-Prozent-Gewinn und man ist Fonds-Manager des Jahres. Nach zwölf Monaten ist ein anderer Fonds-Manager des Jahres und die Kunden fangen wieder an zu maulen: "Müssen ja nicht jedes Jahr 1.000 Prozent sein, 500 würden für den Anfang genügen."
Das muss man als Fonds-Manager erst einmal aushalten.
Ein toller Algorithmus ist notwendig. Aber nicht hinreichend.
Man braucht auch Menschen, die es aushalten 95 % ihrer Gewinne mit 5 % ihrer Trades zu machen.

Mach’s doch selbst

Warum soll ein junger, übermütiger Software-Entwickler mit Liebe zur Mathematik nicht einmal sein Glück versuchen?
Ich habe in Google eingegeben "code gitlab futures trading trend following" und siehe da:

  1. PyTrendFollow - systematic futures trading using trend following
  2. Open-source code from the Nr 1 crowdsourced quant fund in the world
  3. Implement a CTA in less than 10 lines of code…
  4. The 10-line CTA revisited

Buchempfehlung: "Trading evolved" von Andreas Clenow:

"More than any other technological change, the rise of Python in the past years has dramatically leveled the playing field in systematic trading. In just a matter of years, Python has emerged as one of the most powerful, versatile and widely used tool for systematic traders."

Das sollte reichen um unseren jungen Padawan einen Start in die wundervolle Welt der Trendfolge zu ermöglichen.
Ich begleite das Experiment gerne schriftlich (Blog), mündlich (Podcast) oder gar per Video.
Das Transparenzproblem wäre damit jedenfalls gelöst.

(awa)

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Kommentare

Windsurfer sagt am 02. August 2021

Hallo zusammen, Ich verfolge den Ansatz vom Finanzwesir schon ein paar Jahre, habe aber mangels Diversifikationsmöglivhleiten noch nicht mein komplettes Tagesgeld umwandeln können. Den einzigen Fonds den ich über Comdirect (und das nur über den Umweg eines dritten Fondsdiscountanbieters) war der MAN AHL. Da ich aber nicht 15% meines Vermögens in ein einziges Produkt stecken wollte, bin ich noch nicht fertig… Habt ihr noch Tipps für Alternativen? PS: 5% meines Vermögens entsprechen NICHT 100.000 Euro :) Grüße Windsurfer


Selbstanleger (allmählich verzweifelt) sagt am 02. August 2021

Was nützt dies all den Leuten die ihr Geld selbst anlegen?


Jörg sagt am 02. August 2021

Hallo,
die Alpha-Strategie hat bei den Allianzfonds versagt. Für mich ein zu hohes Risiko. https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/massive-folgen-moegllich-us-justizministerium-leitet-untersuchung-ein-allianz-warnt-vor-erheblicher-auswirkung-auf-kuenftige-finanzergebnisse-aktie-deutlich-unter-druck-10396735


Waldi sagt am 03. August 2021

Lieber Finanzwesir,

vielen Dank für die informativen Folgeartikel! Was ich von der Alphastrategie und dieser Erklärung mitnehme, ist, dass es eben ähnlich wie bei aktiven Fonds stark auf die Menschen dahinter und den jeweiligen Ansatz ankommt, ob der Fonds erfolgreich ist oder nicht.
Siehst Du das ähnlich? Wenn ja, wie passt das zu Deiner bisherigen Vorgehensweise, bewusst passive Produkte zu verwenden, die einen erklärbaren "Schema F"-Ansatz (z. B. market averaging) nutzen?
Wie kannst Du Dir sicher sein, dass die genutzten Alpha-Produkte auch dauerhaft funktionieren? Liegt dort nicht ein ähnliches Risiko, wie wenn man die zuletzt gut gelaufenen aktiven Fonds kauft, die ja auch üblicherweise nicht dauerhaft die besten sind?

Danke und schöne Grüße!


Finanzwesir sagt am 05. August 2021

Hallo Waldi,

"...wie bei aktiven Fonds stark auf die Menschen dahinter und den jeweiligen Ansatz ankommt, ob der Fonds erfolgreich ist oder nicht."

Absolut korrekt.

"wie passt das zu Deiner bisherigen Vorgehensweise, bewusst passive Produkte zu verwenden, die einen erklärbaren "Schema F"-Ansatz (z. B. market averaging) nutzen?"

Hervorragend ;-) Zum einen ist es die Hantelstrategie

  • Auf der einen Seite: Brot&Butter-ETFs, die einfach stur die Rendite aus dem Aktienmarkt wringen. Vollkommen egal, wer den ETF betreut. Es gibt die Regeln und die werden einfach umgesetzt.
  • Die andere Seite der Hantel bilden die Trendfolger und Long-Volatility-Funds, die an den Terminmärkten agieren und bei denen es extrem auf das Management-Team ankommt. So etwas macht ja niemand alleine. Das ist eine Teamleistung.

Zwei vollkommen verschiedene Strategien, die auf zwei vollkommen verschiedenen Märkten aktiv sind. Das ist für mich mit die bestmögliche, weil hoffentlich unkorrelierte, Diversifikation.

Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, sind sich die beiden Strategien sehr ähnlich.

  • Beide sind algorithmisch. Beim ETF ist es der Index, der die Allokation der einzelnen Aktien oder Anleihen bestimmt, beim Alpha-Fonds sind es die Handelsregeln, die vorgeben, was wann zu tun ist.
  • Beide sind agnostisch. Weder der ETF noch der Alpha-Fonds geben vor die Zukunft zu kennen.
  • Beide machen keine Renditeversprechungen, sondern nehmen, was der Markt ihnen bietet.

Der Sprung vom ETF zu einem klassischen aktiven Aktienfonds ist für mich weiter, als vom ETF zum Alpha-Fonds. Der klassische Stockpicker schaut sich heute die Fundamentaldaten (Umsätze, Kunden,...) einer Firma an und entscheidet dann: "Die Aktie dieser Firma kaufe ich, der Kurs wird steigen."
Kein Alpha-Fonds-Manager würde sich so eine Aussage zutrauen. Die halten es eher mit dem "Ich weiß, dass ich nichts weiß." und das klingt doch schon sehr nach John Boogles "Suchen Sie nicht die Nadel im Heuhaufen, kaufen Sie den Heuhaufen."

"Wie kannst Du Dir sicher sein, dass die genutzten Alpha-Produkte auch dauerhaft funktionieren?

Gar nicht. Deshalb diversifiziert man über mehrere Manager.

Das Problem des aktiven Aktienfonds: Die meisten Manager sind Narren des Zufalls. Sie sind zur rechten Zeit am rechten Ort und verkaufen dass dann als überlegene Prognosefähigkeit. Die alte Diskussion Luck versus Skill.

Das Problem der Alpha-Fonds heißt Styledrift. Ein richtig sturer Trendfolger oder Long-Volatility-Fonds liefert lange Jahre eine sehr maue Performance. Zum Glück, denn das bedeutet: Börsenkrisen sind doch nicht so häufig. Aber wie das so ist im Katastrophenschutz: Es gibt immer einen, der sich als Kostensparer hervortun will und sagt: "Kann weg." Für den Fonds bedeutet das: Keine Kunden, keine Einnahmen, Kühlschrank leer.
Also, was macht man?
Man mogelt ein bisschen Nicht-Krisen-Alpha dazu, um nicht gar so schlecht darzustehen. Ein bisschen Short Volatility ist ja ok, aber das Fonds-Management muss der Versuchung wiederstehen auch in Nichtkrisenjahren gut auszusehen. Ein Fonds, der so aufgestellt ist, dass er in Krisenzeiten performt kann - strukturell gesehen - in guten Jahren keine gute Rendite abliefern.
Das müssen die Kunden verstehen und akzeptieren und das ist nicht immer einfach.

Solange es nicht zur Styledrift kommt, bin ich optimistisch, was die Resultate der Alphas angeht.

Gruß
Finanzwesir


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