17. November 2015


Der aktive Anleger ‒ zwischen Pest und Cholera

Grundlage dieses Artikels ist ein Vortrag, den Joachim Goldberg auf dem Finanzbarcamp 2015 in Offenbach gehalten hat.
Zu Beginn seines Vortrags fragte Herr Goldberg: "Handelt jemand an der Börse?" Eine Dame neben mir meldete sich. Auf die Frage nach dem Erfolg sagte sie wortwörtlich: "Nur mit knallharten Regeln." Warum Herr Goldberg diese Antwort schmunzelnd zur Kenntnis nahm, werden wir im Folgenden sehen.

Unser Gehirn: Der Endlevel-Gegner

Ich hätte nie gedacht, dass unser Gehirn so ein fauler und verlogener Geselle ist.
Überbordende Zuversicht kombiniert mit der Fähigkeit, sich alles schönreden zu können, führt immer wieder zuverlässig in die Katastrophe. Wer als aktiver Händler wirklich erfolgreich sein will, muss

  • einen Fortgeschrittenenkurs in psychologischer Selbstanalyse erfolgreich absolvieren,
  • schonungslos ehrlich zu sich selbst sein,
  • über einen stählernen Willen und
  • die Demut eines buddhistischen Mönches verfügen.

Das Commitment

Das Commitment (auf Deutsch: die Verpflichtung) ist der emotionale Klebstoff, der Sie an eine einmal gefällte Entscheidung bindet.
Stimmen Commitment und Realität nicht miteinander überein, entsteht eine sogenannte kognitive Dissonanz. Diese Unstimmigkeit zwischen Wahrnehmung, Denken und Handeln mögen wir genauso so wenig wie Hunger oder Durst.
Deshalb wollen wir sie beseitigen. Normalerweise zieht dabei die Realität den Kürzeren. Klassisches Beispiel: Der Fuchs, dem die Trauben zu sauer sind.
Ganz allgemein: Misserfolge werden auf Dritte abgewälzt, nur für den Erfolg übernehmen wir gern die Verantwortung.
Und das alles der inneren Harmonie wegen.

Ein anderer interessanter Aspekt: Wir haben eine Fehlentscheidung getroffen. Der rationale Homo oeconomicus begradigt die Front und schreibt die Verluste ab, denn er hat weder Herz noch Seele und wird deshalb nie kognitiv dissonant. Wir dagegen schmeißen dem schlechten Geld noch gutes hinterher mit der Begründung: "Was man anfängt, muss man auch durchziehen."
Das ist Blödsinn. Wir machen das, um unser Gesicht zu wahren und um unsere erste Entscheidung nicht alt aussehen zu lassen. Alles für die Konsistenz.

Erfolgreiche Börsianer sind nicht harmoniesüchtig, sondern hart gegen sich selbst. Sie erkennen, dass sie gerade in die Commitment-Falle getappt sind, und sagen ehrlich: "Es war mein Fehler."

Verlust oder Gewinn ‒ Alles ist relativ

Verluste werden viel stärker wahrgenommen als Gewinne. Das führt dazu, dass wir zu früh verkaufen und zu spät verkaufen, wie ich es in diesem Artikel beschrieben habe.

Wie halten Sie es mit dem Risiko? Sind Sie solide oder ein Zocker?

Kommt darauf an.

Jetzt sind Sie solide

Sie sitzen an einem Tisch. Links liegt ein Briefumschlag mit 5.000 Euro. Rechts liegen fünf Briefumschläge untereinander. Vier sind leer, in einem sind 25.000 Euro.
Sie dürfen einmal zugreifen. Links oder rechts? Für einen rationalen Homo oeconomicus stellt sich diese Frage nicht ‒ für ihn sind beide Fälle identisch, denn der Erwartungswert beträgt in beiden Fällen 5.000 Euro.

  • 100 % Chance auf 5.000 Euro => Erwartungswert 5.000 Euro
  • 20 % Chance auf 25.000 Euro => Erwartungswert 5.000 Euro

Ich vermute stark, dass Sie sich für die sicheren 5.000 Euro entscheiden.

Jetzt spielen Sie

Das gleiche Szenario wie oben. Nur, dass jetzt im linken Briefumschlag ein Schuldschein von 5.000 Euro liegt. Die müssen Sie zahlen. Im rechten Bereich liegen vier Freifahrscheine und ein Schuldschein über 25.000 Euro. Ziehen Sie den, müssen Sie 25.000 zahlen.
Was tun Sie? Die Mehrheit wird sich dafür entscheiden, rechts zuzugreifen.

Das bedeutet: Unsere Risikotoleranz ändert sich, je nachdem, ob Gewinne winken oder Verluste drohen.

Als aktiver Börsianer müssen Sie wie ein Jedi-Ritter stets Ihre Gefühle prüfen, damit die Dunkle Seite der Macht nicht Besitz von Ihnen ergreift. Meister Yoda sprach:

"Vorsicht du walten lassen musst, wenn in die Zukunft du blickst, Anakin. Die Furcht vor Verlust ein Pfad zur Dunklen Seite ist."

Kontrollwahn

Wir wollen keine Objekte, sondern Subjekte sein. Wir möchten unsere Umwelt verstehen und beeinflussen. Dieses Bedürfnis ist biologisch fest in uns verankert. Wichtig ist nicht, ob wir tatsächlich am Steuer sitzen, solange wir nur glauben, wir hätten alles im Griff, sind wir zufrieden.
Kontrollverlust macht uns sehr unglücklich.
Das Problem: Börse ist Kontrollverlust pur. Der naive Anleger reagiert darauf mit Kontrolle durch Mustererkennung. Er versucht, Muster von gestern auf Vorgänge in der Zukunft zu übertragen.
Diese Szenario-Analysen geben ihm ein trügerisches Gefühl der Sicherheit. Je detaillierter die Analyse, umso besser.
Vielen Anlegern reicht es, möglichst viele Informationen zusammenzutragen. Sie fühlen sich dann gut.
Ob der zusammengehamsterte Info-Haufen ihre Chancen an der Börse erhöht, ist zweitrangig.

Lenin wäre ein lausiger Börsianer gewesen, denn mit "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" kommen Sie an der Börse nicht weit.

Schubladendenken

Daniel Kahnemann lässt grüßen. Ich spreche von "Langsames Denken versus Schnelles Denken".

  • Langsames Denken = das kontrollierte, bewusste System. Es ist unglaublich energieaufwendig, aber genau und vernünftig. Es wird deshalb nur zugeschaltet, wenn die Aufgabe es erfordert.
  • Schnelles Denken = das Unterbewusste greift auf Erfahrungen, Normen und Emotionen zurück. Es läuft immer, tendiert aber zu Abkürzungen, Schubladendenken und Vorurteilen.

Beide Systeme sind untrennbar miteinander verbunden. Eins kann nicht ohne das andere sein. Aus Energiespargründen geht Schnelligkeit vor Genauigkeit.
Unser Gehirn jongliert mit Heuristiken und kommt dabei zu hinreichend guten Ergebnissen, die uns sicher durch den Alltag führen.
An der Börse hingegen führt uns die Intuition oft auf die falsche Fährte.

Sie werfen zehn mal hintereinander eine Münze und haben zehn Mal die Zahl gesehen. Was passiert beim elften Wurf: Noch eine Zahl oder endlich Kopf?
Der kluge Börsianer schaltet sein langsames System ein und sagt: "Ist egal", der naive Börsianer hält eine tief gefallene Aktie weiter, denn "Irgendwann muss es ja auch mal wieder nach oben gehen." Und wieder hat die Repräsentativitätsheuristik zugeschlagen.

Ebenfalls eine beliebte Fehlerquelle ist die Bewertung verbundener Ereignisse. Was ist wahrscheinlicher:

  • Eine Atomkatastrophe in einem deutschen Kernkraftwerk?
  • Eine Sturmflut auf der Elbe löst eine Atomkatastrophe im AKW Brunsbüttel aus?

Oft genug werden beide Szenarien als gleich wahrscheinlich angesehen. Das kann aber nicht sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Sturmflut zusammen mit einer Atomkatastrophe eintritt, kann nie gleich oder größer sein, als die Wahrscheinlichkeit eines Einzelereignisses (Sturmflut oder Atomkatastrophe). Das gibt die Mathematik nicht her.
Auf die Börse bezogen bedeutet das: "Es ist weniger wahrscheinlich, dass der Dow Jones gemeinsam mit dem japanischen Nikkei-Index fällt, als dass entweder der Dow Jones oder der Nikkei fällt."
Kombinierte Wahrscheinlichkeiten können erstaunlich niedrig ausfallen.
Beispiel:

  • Ereignis A hat eine Wahrscheinlichkeit von 70 %
  • Ereignis B hat eine Wahrscheinlichkeit von 90 %
  • Ereignis C hat eine Wahrscheinlichkeit von 50 %
  • Die Wahrscheinlichkeit A,B und C gemeinsam zu erleben, liegt bei 70 % x 90 % x 50 % = 31,5 %

Trotzdem überschätzen wir kombinierte Wahrscheinlichkeiten systematisch. Der Grund: Die detailreiche Beschreibung spricht unser Szenario-Denken an und flugs haben wir die passende Schublade geöffnet.
Merke: Nur weil etwas besonders plausibel klingt, ist es nicht besonders wahrscheinlich.

Das war jetzt eine kleine Auswahl. Der heuristische Affe in uns hat noch viel mehr Gemeinheiten auf Lager.

Zwischenfazit

Das war jetzt ein kleiner Ausschnitt der Psycho-Pest, die den aktiven Anleger plagt. Es gibt noch weit mehr bösartige Biase (Home Bias und Kollegen), die dem Anleger das Leben schwer machen.
Das ist der Grund, warum ich am Anfang dieses Textes einen Fortgeschrittenenkurs in psychologischer Selbstanalyse empfohlen habe und die Dame aus der Goldberg-Session ihre "knallharten Regeln" aufgestellt hat.

Aber eine Strategie haben wir jetzt ja noch immer nicht. Wenden wir uns deshalb der operativen Cholera zu.

Eine aktive Anlagestrategie entwickeln

Egal ob Momentum-, Value- oder Dividenden-Strategie. Sie müssen sich einlesen und verstehen, wie diese Strategie funktioniert.
Nehmen wir die Value-Strategie. Hier möchten Sie Aktien von Top-Firmen zu einem günstigen Preis erwerben.
Eine berechtigte und in ihrer Schlichtheit unverfängliche Forderung. Niemand wird bestreiten, dass die Value-Strategie sinnvoll ist. Auch ich nicht.
Aber der Teufel ist bekanntlich ein Eichhörnchen, das im Detail sitzt.
Wie definieren Sie Top-Firma? Was ist ein günstiger Preis?
Welche Kennzahlen halten Sie für geeignet? Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Kurs-Umsatz-Verhältnis oder die Eigenkapitalquote? Oder eine Kombination davon?
Wenn Sie sich für das KGV als Kennzahl entscheiden. Welches KGV ist Value? 5, 17 oder 346? Wenn Ihre Value-Schwelle bei einem KGV von 5 liegt: Warum? Wer sagt das? Und kommen Sie mir nicht mit einem: "Das habe ich so im Internet gefunden."

Och, muss ich das wirklich? Ist ja brutal aufwendig.
Na ja, Sie wollen doch den Markt schlagen und den Heiligen Gral der Überrendite erlangen. Glauben Sie wirklich, dass der Zufall hier ein guter Verbündeter ist?

Irgendwann haben Sie sich Ihr theoretisches Gerüst gebaut, nun müssen Sie Ihre Strategie auch in die Praxis umsetzen. Implementieren sagen sie dazu bei McKinsey.

Eine aktive Anlagestrategie implementieren

Man reiche mir Excel. Ohne Excel-Kenntnisse keine aktive Anlagestrategie. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Wenn Sie wissen, wie Sie die aktuellen Börsenkurse von Yahoo! Finanzen automatisch in Ihr Excel-Sheet bekommen, gibt’s Bonuspunkte.
Als aktiver Anleger sind Sie ein Alpha-Männchen beziehungsweise ein Alpha-Weibchen.
Mit Alpha bezeichnet man die Rendite, die auf Ihr Können zurückzuführen ist. Als ehrlicher, hart zu sich selbst seiender Alpha-Wall-Street-Wolf stellen Sie sich natürlich dem Benchmark. Planen Sie also für den Benchmark-Vergleich schon mal mal einen weiteren Reiter in Excel ein.
Sie müssen sich natürlich einen Benchmark überlegen, der zu Ihrem Portfolio passt.

Och nee, kann ich nicht auf diesen Benchmark-Kram verzichten?
Klar können Sie das, aber dann werden Sie nie erfahren, ob sich die ganze Arbeit gelohnt hat.
Aber wenn ich besser als der DAX bin, ist doch alles gut. Ist es nicht. Den DAX kann jeder schlagen. Ich muss mir nur genügend Risiko aufladen und Glück haben.
Sie müssen schon die risikoadjustierte Rendite Ihres Depots mit dem passenden Benchmark vergleichen. Wenn Ihr Depot bei gleichem Risiko mehr Rendite bringt, sind Sie im Alpha-Team.
Und wie mache ich das, dieses risikoadju-dingens?
Woher soll ich das wissen? Ich bin ein Passiver. Sie wollen doch aktiv sein. Dann legen Sie mal los. Werden Sie aktiv.

Wenn Sie schon dabei sind: Vergessen Sie nicht, Ihre Anlagestrategie auch auf Ihr Depot zu übertragen. Womöglich müssen Sie Stop-Loss-Kurse setzen oder automatische Merker einbauen, sodass Sie eine E-Mail bekommen, wenn eine Aktie auf Ihrer Watchlist bestimmte Kriterien erfüllt.

Welche Aktie soll’s denn sein?

Als aktiver Anleger müssen Sie ein extrem vielseitig interessierter Mensch sein. Wo immer es etwas zu lesen, zu sehen oder zu hören gibt, sind Sie dabei.
Und ich meine damit ausdrücklich nicht Bilanzen, Firmen-Nachrichten und ähnliche Wirtschaftsthemen. Das ist die Pflicht.
Ich meine damit das "Raus aus der Filterblase".

  • Fahren Sie nicht mit dem Auto zur Arbeit, sondern mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Warum? Weil Sie dort Menschen sehen, die nicht zu Ihrer sozialen Schicht gehören. Wie sehen diese Menschen aus, wie benehmen sie sich? Wecken Sie den Ethnologen in sich.
  • Haben Sie schon ein Netflix- oder Amazon Prime-Abo, nutzen Sie Spotify? Nein, dann aber nichts wie ran an die neuen Medien. Werden Sie wie die Teenager, werden Sie WLAN-abhängig.
  • Unsere Gesellschaft wird immer älter. Kennen Sie den aktuellen Stand der Schlaganfall-Forschung? Was kann man eigentlich gegen Demenz tun?

Lange Rede, kurzer Sinn: Werden Sie zum Polymath, zum Renaissance Man.

Warum?
Weil Sie nur so die von André Kostolany geforderte Fantasie erwerben. Wie wollen Sie erfolgreiche Storys aufspüren, wenn Sie das denken, was alle denken?

Kurze Anekdote zur Auflockerung: Als ich Ende der 80er Jahre mit meiner Freundin in Karlsruhe spazieren ging, wehte uns der Wind ein Flugblatt der NPD vor die Füße.
Ich habe es aufgehoben und wollte es lesen. Meine Freundin hat sich fürchterlich aufgeregt, wie ich sowas!!! nur lesen könne.
Meine Antwort: "Vielseitig interessiert sein, breite Basis schaffen. Erst mal alles vorurteilsfrei lesen. Dann das Gelesene in die Matrix einordnen und bewerten."
Zuerst hat sie ein bisschen gegrummelt, es dann aber akzeptiert. Heute ist sie glücklich darüber, denn ich "weiß beim Kreuzworträtsel einfach alles".

Meine Erfahrung: Wer sich vielseitig interessiert, sieht Zusammenhänge, die andere so nicht sehen. Das lässt sich für eine aktive Anlagestrategie ausbeuten.

Psycho-Kram hin, operativer Aufwand her:

Trauen Sie sich zu, das hier dauerhaft hinzukriegen?

Aggressiver Anleger Defensiver Anleger
Ohne überlegene Fähigkeiten Verdient viel, wenn der Markt steigt und verliert viel, wenn der Markt sinkt Verliert nicht viel, wenn der Markt sinkt, verdient nicht viel, wenn der Markt steigt
Mit überlegenen Fähigkeiten Verdient viel, wenn der Markt steigt und verliert wesentlich weniger, wenn der Markt sinkt Verliert nicht viel, wenn der Markt sinkt, aber macht gute Gewinne, wenn er steigt

Wählen Sie Ihren Investment-Stil. Egal, ob aggressiver oder defensiver Anleger: Sie müssen die Asymmetrie der Performance hinbekommen.
Als aggressiver Anleger liegt Ihnen der Bullenmarkt. Aber was passiert, wenn das Börsenklima sich ändert? Schaffen Sie es auch dann, gut zu sein, wenn die aktuelle Situation nicht so Ihr Stil ist?
Das gleiche gilt für defensive Anleger. Sie halten im Bärenmarkt eisern die Stellung und verlieren wenig. Aber wenn die Bullen zur Stampede ansetzen: Bleiben Sie dann im Staub zurück oder partizipieren Sie in einem vernünftigen Maß an steigenden Kursen?

Ihr Leben

Jetzt machen wir mal den Reality-Check. Zum Polymath wird man schließlich nicht über Nacht.

Ihre Arbeit

Laut Statistischem Bundesamt arbeiten Vollzeitbeschäftige 42 Stunden pro Woche. Ihre Fahrzeit setze ich mit einer halbe Stunde an und Sie haben eine halbe Stunde Mittagspause.
Damit sind 10 Stunden des Tages weg. Sie verlassen das Haus um 8:00 Uhr und kehren um 18:00 Uhr zurück.

Schlafen

Damit Sie auch fit sind am nächsten Tag, müssen Sie um 23:00 Uhr ins Bett.

Der Rest

Was machen Sie zwischen 18:00 Uhr und 23:00 Uhr? Erst einmal Abend essen. Entweder alleine oder mit Familie oder Partner.
Dann die Post durchsehen. Die Werbung in den Müll, die Rechnungen prüfen und dann auf den "Zu-bezahlen"-Stapel legen.
Irgendwann sind die Kinder im Bett, das Administrative ist durch und man hat alles Notwendige mit dem Partner besprochen.
Das sind die normalen Tage. Wenn Sie

  • lange Überstunden machen,
  • sich mit Freunden auf ein Bier treffen,
  • ins Kino oder Konzert gehen

machen Sie abends nichts mehr.

Wann tüfteln Sie an Ihrer Börsenstrategie?

  1. Auf dem Weg zur Arbeit hören Sie Podcasts (Autofahrer) oder lesen Börsenbücher (unterwegs mit der S-Bahn).
  2. Wenn Ihr Arbeitstag nicht sonderlich anstrengend ist, haben Sie auch auf dem Rückweg noch genug Kraft für anspruchsvolle Themen.
  3. An normalen Tagen (wenn die Kinder im Bett sind und die Küche aufgeräumt ist), machen Sie nicht den Fernseher an, sondern Ihren Rechner und lernen etwas über die Momentum-Strategie.
  4. Am Wochenende haben Sie endlich genug Zeit. Sie gehen weder in den Baumarkt, noch treffen Sie sich mit Freunden. Ihre Frau / Ihr Mann macht am Samstag mit den Kindern den Wohnungsputz, während Sie über Börsenstrategien brüten. Der Sonntag ist noch schöner, denn da sind die Kinder auf einem Geburtstag und Sie können endlich mit Ihrem Partner über Finanzthemen sprechen.
  5. Sie sind Single und fühlen sich von Szenario 4 nicht richtig angesprochen? Gut, Sie gehen weder Segeln noch in die Berge und auch nicht auf den Fußballplatz. Sie treffen sich auch nur sehr sporadisch mit Freunden, denn Sie arbeiten am Wochenende mindestens zehn Stunden an Ihren Finanzstrategien. Was, zehn Stunden? Na klar, Sie sind aktiver Anleger. Sie müssen immer wieder eine neue Sau auftun, die Sie durchs Dort treiben können.

Ich frage Sie: Wie realistisch sind diese vier Szenarien? Vor allem: Wie machen Sie der Börse klar, dass Sie eigentlich nur am Wochenende richtig Zeit haben für sie?
Unter der Woche fällt es Ihnen schwer, sofort zu reagieren. Es wäre schön, wenn die zickige Diva das berücksichtigen würde.

Der Reality-Check

Ok, verstehe, ich bin vernünftig und fange gleich passiv an.
Da muss ich Sie schon wieder enttäuschen.
Der Passiv-Anleger ist die Krone der Schöpfung. Man wird nicht als Passiv-Anleger geboren, sondern muss sich die Gelassenheit mühsam und mit Umwegen erarbeiten. Schon Boromir wusste Passiv-Anleger

Achtung: Ein passiver Anleger und ein resignierter Anleger sehen sich sehr ähnlich.

  1. Resigniert: Ich check nix und lass mich treiben.
  2. Passiv: Ich bin so souverän, dass ich es aushalte, bewusst nichts zu tun.

Sie können nicht einfach anfangen, passiv anzulegen. Sie müssen erst die aktive Trial-and-Error-Phase durchmachen.
Das ist wie mit den Kerlen, die immer brav waren. Studieren, Karriere machen, Frau, Kinder, Haus. Und mit 50 ticken sie dann komplett aus. Lassen sich scheiden und organisieren sich eine Harley und eine Blondine.
Warum? Weil sie das Gefühl haben, etwas verpasst zu haben.
Genau so ist es mit dem Passiv-Anlegen. Sie müssen erst mit Ihren eigenen genialen Ideen auf die Nase gefallen sein, bevor Sie die Qualitäten des passiven Anlegens würdigen können.
Sie sind bereit für das passive Investieren, wenn

  • Sie sagen: "Ich muss das nicht mehr haben, diesen Stolz auf die selbst ausgewählte Aktie",
  • Ihr Lebenspartner mault: "Musst du schon wieder den ganzen Sonntag mit diesem Börsenscheiß verdaddeln?" und Sie finden, dass er oder sie recht hat.

Meine Kronzeugin ist Fräulein Zaster, die auf einmal ganz schwer in ETF macht und sich in den Kommentaren der Warum-Frage stellen muss. Ihre Antwort vom 5. November 2015 um 22:32 Uhr:

"Dieses Aktien-Durchstöbern nach dem besten Deal ist sehr zeitaufwendig, und nachdem die anfängliche Euphorie verflogen ist, habe ich da auch nur noch selten Lust darauf."

Eine gewisse amüsierte Abgeklärtheit ist zwingende Voraussetzung für einen erfolgreichen passiven Investor.
Solange das Gefühl: "Und ich hätt’s doch besser hinbekommen!" an Ihnen nagt: Geben Sie ihm nach. Aber nur mit Summen, die Sie nicht ruinieren.

Fazit

Mein Argument gegen aktive Anlagestrategien bringe ich auch vor, wenn meine Töchter nach einem Hund fragen: "Und wer kümmert sich drum?"

Wenn Sie nur hinter dem schnöden Mammon her sind, machen Sie es wie ich: Legen Sie passiv an, kassieren Sie die Marktrendite und lassen Sie es gut sein.
Wenn Sie dagegen Bock auf ‘ne Psycho-Battle haben, legen Sie aktiv an. Ist ja auch ein schönes Hobby.

Zur Ehrenrettung der Aktiven: Ich glaube, dass aktives Handeln einen zu einem besseren Menschen machen kann.
Wer ehrlich und hart mit sich ins Gericht geht

  • das war Mist,
  • hier hast du die Selbstkontrolle verloren,
  • da hat der heuristische Affe dich ausgetrickst

kurz, wer die Fähigkeit entwickelt, sich neben sich selbst zu stellen und seine eigenen Handlungen wie ein unbeteiligter Dritter zu beurteilen, profitiert davon mit Sicherheit auch abseits der Börse.

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Abgelegt unter Strategie, Neurofinance, Börsenpsychologie, aktive Anlagestrategie, Rendite, Depot, Portfolio



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Kommentare

Yoda sagt am 17. November 2015

Das Rechenbeispiel zu kombinierten Wahrscheinlichkeiten setzt Unabhängigkeit der Ereignisse voraus. Gerade das kann man an der Börse aber nicht voraussetzen, oder?


Julia sagt am 17. November 2015

"Sie können nicht einfach anfangen passiv anzulegen. Sie müssen erst die aktive Trial & Error-Phase durchmachen.
Das ist wie mit den Kerlen, die immer brav waren. Studieren, Karriere machen, Frau, Kinder, Haus. Und mit 50 ticken sie dann komplett aus."

OK, ich habe gleich mit dem passiv investieren angefangen. Heißt das, mit 50 verzocke ich dann mein Geld an der Börse? Verkaufe meine ETFs und mache in Pennystocks, Einzelaktien, geschlossene Schiffsfonds und Optionsscheine?

Neben meiner "langweiligen" passiven 3-ETF-Sparplan-Strategie habe ich ein bisschen Geld das ich quasi als Spielgeld nutze: ein bisschen P2P-Kredite und ein paar Crowdinvestments (Deutsche Mikroinvest, LeihdeinerUmweltGeld,...).
Mittlerweile nutze ich dieses "Spielgeld" immer weniger. In P2P-Kredite investiere ich nicht mehr neu. Die ganzen "Updates" und Quartalsberichte meiner Crowdinvestments interessieren mich immer weniger. Warum? Ich habe mittlerweile ein volles Privatleben, da habe ich nur noch selten Zeit das alles zu verfolgen, neue Investments auszuwählen usw.
Ich werde das "Spielgeld" deutlich verringern und mehr in mein "langweiliges" ETF Depot stecken.

Danke für den Artikel, lese immer sehr gerne hier.


Reinsch sagt am 17. November 2015

Ja, die Rechenbeispiele sind nicht ganz passend.

Der Erwartungswert ist ja auch eine Größe, die für unendliche Versuche interessant ist. Bei dem Beispiel mit den Umschlägen müsste also dann die Spielregel lauten, dass ich so oft ziehen kann wie ich will. Kann ich nur einmal ziehen würde ich wohl auch den kleineren, aber sicheren Gewinn abgreifen.

Aber generell kann ich aus meinen Erfahrungen in einem Sportwettenforum auch nur bestätigen: Zockerhirn und nüchterne Stochastik, das geht nicht zusammen. Da wurden Sachen rumschwadroniert, dass Frl. Zaster stellvertretend für alle Mathematiker Heulkrämpfe bekommen hätte.


Finanzwesir sagt am 17. November 2015

@Yoda: Warum kann man keine Unabhängigkeit voraussetzen? Genau solche Fragen sind die Lästigkeiten, die einen aktiven Anleger begleiten. Du musst Dir überlegen:

  • Wie sind die Abhängkeiten?
  • Sind die Anbhängkeiten statisch oder dynamisch?

Wie hängt die Staatsverschuldung mit dem Wetter (extrem gute Ernten, bzw. Dürre) mit dem politischen Chaos im Nahen Osten zusammen... Was bringt die Kurse wie zum schwanken?

@Julia: Du paßt ganz hervorragend ins Schema. Du reduzierst Dein "Spielgeld" immer weiter und gibst dafür nicht Performancegründe an, sondern "habe keine Zeit mehr".
Keine Zeit ist nur ein Synonym für kein Interesse, habe jetzt andere Prioritäten. Also genau mein Argument: "Wer kümmert sich um den Hund?"

@Reinsch: Ist geändert. Jeder nur ein Kreuz. ;-)

Gruß
Finanzwesir


Nico von Finanzglück sagt am 17. November 2015

Wenn ich an meine Erfahrungen im Investieren von Einzelaktien zurückdenke, dann läuft mir immer noch ein Schauer über den Rücken. Ich hatte ständig das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Entweder zu früh gekauft oder zu lange gehalten oder anders herum. Dazu kam das schlechte Gewissen, nicht genügend Zeit in die Sache zu stecken. Was für eine emotionale Belastung!

Jetzt habe ich meinen Seelenfrieden. Kein Stock Picking mehr, dafür ETFs. Kein Market Timing mehr, dafür immer voll investiert sein. Kein Finanzporno mehr, dafür ausreichend Zeit um mit Sohnemann zu spielen.

Als Belohnung bleibt am Ende sogar noch mehr in der Tasche.

Auf dem Blog von Nico von Finanzglück gibt es hierzu diesen Artikel: Finanzglück


Chris sagt am 17. November 2015

Zwischen den beiden Extremen der einfachen passiv-Anlage in breite ETFs und der aktiven Traderei jeder Menge Einzelaktien gibt es auch noch die Möglichkeit, quasi das "beste aus beiden Welten" zu verbinden und in entsprechende "Strategie-ETFs" zu investieren.

So hat man die Vorteile des aktiven Managements (Chance auf Überrendite durch gezielte Aktienauswahl nach bestimmten Faktoren) ohne die Arbeit "unter der Haube" selbst ausführen zu müssen, und kann ebenso die Vorteile des passiven Anlegens (günstiges Einzelprodukt das man beruhigt langfristig liegenlassen bzw ansparen kann) mit nutzen.

Natürlich gilt auch hier einiges zu beachten:

  • Die Produktauswahl von Strategie-ETFs ist (im Vgl zu Standart-ETFs) noch etwas eingeschränkter. Für den normalen MSCI World gibt es z.B Angebote wie Sand am Meer, bei der Value- oder Quality-Variante etc muss man sich eventuell erstmal vorläufig mit nur einem bestimmten Produkt begnügen. Wenn man ansonsten immer noch Sonderwünsche (z.b. bzgl physisch/swap, ausschüttend/thesaurierend etc) rumzumäkeln hat, muss man eventuell Kompromisse eingehen.
  • Strategie-ETFs haben etwas erhöhte TERs im Vgl zu den normal-Versionen. In absoluten Zahlen natürlich immer noch viel günstiger als aktive Fonds, aber wer um jeden Cent-Betrag knausert, der muss schon akzeptieren dass hier immer so um die 0,10-0,20% mehr verlangt werden. Das muss aber nicht unbedingt ein Problem sein, wenn der Strategie-ETF den Standartindex um einen viel höheren Prozentbetrag pro Jahr übertrifft.
  • Strategien sind zyklisch. Auch wenn Faktoren wie z.B. Value den breiten Markt auf langfristige Sicht (mehrere Jahrzehnte) signifikant outperformt haben, ist das natürlich trotzdem auch nicht automatisch in jedem der einzelnen Jahre untereinander so gewesen. Es gab (und wird) immer mal wieder Phasen geben, wo der Spezial-ETF dem breiten Markt etwas hinterherhinken kann. Das sollte man vorher wissen und aus der Historie verstanden haben, um mal nicht von einem unterperformenden Jahr enttäuscht zu werden und gleich die ganze Strategie verwerfen.
  • Daran anknüpfend sollte man sich auch etwas intensiver mit der Indexzusammensetzung und -konstruktion beschäftigen (per "Methodologies" auf den Anbieterseiten) um auch wirklich zu verstehen nach welchen Kriterien der ETF seine Bestandteile auswählt, austauscht und gewichtet. Wie "Value" ermittelt wird, unterscheidet sich z.B. von Anbieter zu Anbieter, mit entsprechenden Differenzen in der praktischen langfristigen Wertentwicklung.
  • Anstatt nur auf einen Faktor zu setzen (oder sich tausende verschiedener Einzelfaktoren-ETFs ins Depot zu holen) gibt es mittlerweile auch schon einige Multifaktor-Produkte, die z.B. Value, Quality, Momentum etc in einem singulären Komplettprodukt kombinieren. Durch diese robust diversifiziertere Konstruktion kann man auch besser ausgleichen wenn wie gesagt ein einzelner Faktor mal eine Unterperformance-Phase hat.

Ob man nun "zuerst" ein Passiv- oder Aktiv-Anleger sein muss (und vom einen zum anderen wird), ist mir eher irrelevant.
Dass jeder Passivanleger nun erst durch enttäuschende Aktiv-Experimentier-Anfänge "geläutert" werden musste, ist vielleicht Projektion einiger weniger Erfahrungen, aber ob das für die meisten Leute so zutrifft, wage ich zu bezweifeln.
Kann auch oft genug andersrum laufen, durch eine passive B&H-Anlage bekommen manche erst überhaupt den Mut, sich auch weiter noch tiefer mit der Börse zu beschäftigen.
Zwischen beiden Ansätzen muss ja auch nicht immer ein binäres entweder-oder sein, sondern ein Spektrum (Core-Satellite) in dem beides praktiziert wird.
Und dann gibt es ja auch noch so Freaks wie mich, die tatsächlich Spaß und technisches Interesse daran haben, bestimmte Modelle zu programmieren, um die entsprechenden Prozesse zu automatisieren.


Robert Michel sagt am 17. November 2015

Ich hätte den 5000 Schuldschein genommen. 5000 Euro werfen mich nicht aus der Bahn, aber 25000 würden mich bei der Verwirklichung meiner finanziellen Ziele ganz schön zurück werden. Zieht die Mehrheit wirklich aus dem Stapel?


Ex-Studentin sagt am 17. November 2015

Ich musste bei dem Brief-Beispiel an die Gaus-/Normalverteilung denken. Wenn ich den Versuch beliebig oft durchführe, kann es sein, dass ich im Schnitt mehr als 5000€ bekomme bzw. weniger als 5000€ bezahlen muss. Je mehr Versuche ich durchführe, desto mehr nähere ich mich aber dem Erwartungswert an.

Bzw. in dem Fall geht es auch um unser Geld-Bewusstsein. Der Unterschied zwischen 5.000€ und 25.000€ ist nicht sehr hoch. Lieber leicht verdientes Geld nehmen als ein Risiko eingehen.

Nun das Beispiel ein bisschen anders:

  • Nehme ich 1000€ direkt oder ziehe bei 100 Briefen mit der Hoffnung auf 100.000€?
  • Nehme ich 1000€ Schulden direkt oder ziehe bei 100 Scheinen mit dem Risiko auf 100.000€?

Manchmal kann das Realisieren von Verlusten immer noch besser sein als das Risiko auf noch viel größere (existenzbedrohende) Verluste. Hier würde ich bei gleichem Erwartungswert genau gegenteilig zu deinem Beispiel entscheiden. ;)

Habe wie Julia ebenfalls direkt mit dem passiven Investieren angefangen, mit der Überlegung, irgendwann mal noch ein paar Aktien dazu zu holen.


The K. sagt am 18. November 2015

Nun, ich stimme in vielen zu.
Immerhin zähle ich mich auch zu den passiven Anlegern. Auf einen Punkt möchte ich jedoch hinmerken.
Als aggressiver Anleger mit überlegenden Fähigkeiten wird in der Matrix "Verdient viel, wenn der Markt steigt und verliert wesentlich weniger, wenn der Markt sinkt" aufgeführt. Besser wäre "Verdient viel, wenn der Markt steigt und verdient noch mehr, wenn der Markt sinkt."
Meist geht es schneller bergab als bergauf am Markt und wenn der überlegende Anleger short am Markt positioniert ist, am besten noch gehebelt, kann er in sehr kurzer Zeit sehr viel verdienen.
Natürlich ist das Risiko nicht unerheblich, dass er genauso schnell sehr viel verlieren kann- aber ist ja ein Anleger mit überlegenden Fähigkeiten ;-)


Murmeltier sagt am 18. November 2015

Mich stört passiv = ETF und aktiv = Einzelwerte (und vice versa).

Das sind nur die Vehikel, mit denen ich mein Verhalten umsetzen kann. Ich kann mit ETFs genauso wild zocken, wie ich mit Einzelwerten passiv sein kann.


T. sagt am 18. November 2015

@chris: was Du erklären und verstehen musst, ist nicht, wie Strategie-ETFs aktiv den Markt outperformen wollen, sondern warum die jeweilige Gegenseite beim Kauf und Verkauf von Aktien (einem Käufer steht immer ein Verkäufer gegenüber und umgekehrt), die nach transparenten Faktoren ausgewählt werden, DAUERHAFT dümmer sein soll. Nur so kann man schließlich den Markt DAUERHAFT outperformen. Man muss immer klüger sein und richtiger liegen als 50% des Marktes und zwar DAUERHAFT!


Christoph sagt am 18. November 2015

Ich habe mir nach dem die Dotcom Blase geplatzt ist, geschworen, dass ich neben passivem investieren nur noch eine Sache aktiv mache. Und zwar nach dem großen Crash (der ja so sicher wie das Amen in der Kirche immer wieder kommt) eine Auswahl an deutschen und amerikanischen Large Caps mit historisch hoher Dividendenrendite und einige Small Caps mit großen Wachstumschancen (Xing z.B. habe ich versiebenfacht) zu kaufen und dann nahe dem Hoch wieder zu verkaufen ohne dabei gierig zu werden.

Einmal hat es geklappt. Mitte 2009 rein, Anfang/Mitte 2015 raus. War das das absolute Tief und das absolute hoch? Nein, aber ein toller Gewinn. Trotzdem war es die Hölle.

Lasst es mich so formulieren: Ich betrachte mich als sehr abgeklärten Menschen, aber das war richtig starker Tobak. 70.000 Euro hatte ich investiert. Am Anfang war alles gut und dann wurde aus der Bankenkrise die Staatsschuldenkrise. In den paar Jahren gab es wirklich alles. Den Krach mit meiner Frau, die aussteigen wollte, weil zu der Zeit ja schon stellenweise ganz normale Bürger anfingen Konservendosen zu horten. Jeden Tag neue Hiobsbotschaften und was weiß ich noch alles.

Wir hätten sogar mit einem Totalverlust leben können und unseren gewählten Lebensstandard (theoretisch, weil dann wäre ja auch alles andere den Bach runter gegangen) auch im Alter halten können. Aber selbst mit diesen ganzen Fakten im Rücken, war es einfach schrecklich.

Nie wieder!


Bankenretter sagt am 18. November 2015

@Christoph

Was genau "nie wieder"? Zocken, Einzelwerte, Werte im Crash halten?

Das, was Du beschreibst, kann Dir mit ETFs doch genauso passieren. Mal sehen, wie groß der Aufschrei sein wird, wenn der erste SWAP-Partner ausfällt oder das Trägerportfolio doch nicht so solide ist, wie angenommen.

ETFs suggerieren eine vermeintliche Sicherheit, die so nicht besteht.


Christoph sagt am 18. November 2015

@Bankenretter

Mit der ETF Variante kann ich sehr gut leben. Ich gucke gar keine Kurse mehr und nehme das ganze Thema nur wahr, wenn ich einmal im Monat die drei Depots kontrolliere.

Es gibt kein n-tv mehr, kein onvista und erst recht keine apps auf dem Smartphone die etwas mit der Börse zu tun haben.

Der Unterschied liegt für mich darin, dass ich akzeptiere was der Markt liefert. Wenn das vorher klar ist, habe ich auch kein Problem damit was er liefert.

Bei mir gibt es nur ausschüttende vollständige physische Replizierer. Mehr kann ich in Sachen Risiko nicht tun.

Mit der Strategie bin ich absolut tiefenentspannt und kann meine Nachrichtendiät aufrechterhalten. Man glaubt nicht wie viel Zeit man so zum sorgenfreien Leben hat. Als Unternehmer und Börsianer stand ich früher den ganzen Tag unter Strom. Heute arbeite ich 8 Stunden hoch-konzentriert und mache dann im wahrsten Sinne des Wortes Feierabend.

Ich wahr nie erfolgreicher und nie entspannter als jetzt.


Dummerchen sagt am 18. November 2015

Hallo Bankenretter,

vorweg, mir geht es wie Dir, ich verstehe auch nicht wirklich, was Christoph uns genau mitteilen will. Dass Kursverluste sich schlecht anfühlen können?!
Vermutlich. Schließlich schreibt er von Weltuntergangsszenarien mit Konservendoseneinlagerung. Ich glaube auf jeden Fall nicht, dass er einen Vergleich zwischen ETFs und Aktien zieht.

Könntest Du erläutern, welches Trägerportfolio Du als unsolide ansiehst? Ich kenne nur das Comstage-Trägerportfolio (in dieser Woche sieht es so aus: http://www.comstage.de/SiteContent/4/1/2/302/03/Trgerportfolio_13.11.2015_GER.pdf). So richtig unsolide finde ich dieses DAX-geprägte Portfolio nun nicht gerade.

Oder ist das eher so eine allgemeine Aussage? Dein Beitrag suggeriert bei mir eine vermeintlichen Unsicherheit, die ich noch nicht so ganz nachvollziehen kann.

Lieben Gruß
Dummerchen


Marco sagt am 18. November 2015

Hallo Finanzwesir,

deines Artikels nach, müsste ich ein aktiver Anleger sein. Ich praktiziere Dividend Growth Investing in Kombination mit Value Investing. Zu deutsch: Ich möchte Aktien die regelmäßig und gesund ihre Dividende erhöhen zu einem günstigen Preis.

Ich fühle mich aber ganz und gar nicht wie ein aktiver Anleger. Ich habe einen Pool an Unternehmen (beispielsweise die CCC-Liste; diese ist schon sehr umfangreich) von denen ich das nach meinem Bewertungssystem günstigste Unternehmen kaufe. Ja, das erfordert Zeit. Für mich aber nicht zu viel Zeit. Und einmal gekauft betreibe ich Buy and hold, wobei hold nicht Hirn abschalten bedeutet.

Das mache ich allerdings erst seit drei Jahren und musste noch durch kein Tal der Tränen wandern, sondern freue mich über ständig neue Höchststände. Abgesehen von den Ölmultis.

Freue ich mich wirklich über diese Höchststände? Nein. Und drei Jahre sind keine Zeit nach der ich überhaupt schon ein Fazit ziehen könnte.

Aber was ich definitiv sagen kann: Mit jedem weiteren Unternehmen werde ich ruhiger und worüber ich mich wirklich freue sind die mittlerweile spürbaren Dividendenerhöhungen und Chancen bestehende Positionen verbilligen zu können.

Klar, ich muss immer wieder schauen, was sich bei den einzelnen Werten getan hat. Dennoch wage ich zu behaupten, dass meine Anlagestrategie weit weniger Arbeit macht als die Arbeit deines Blogs. Und streng genommen gehört dieser ja zu deiner Anlagestrategie dazu, da du hier ja Massen des von dir Gelernten wiedergibst und dadurch für dich auf eine gewisse Art und Weise nochmal reflektieren kannst.

In deinem Blog wurde ja auch schon mehrfach gesagt, dass die strategische Asset-Allocation weitaus wichtiger ist, als die taktische Asset-Allication. In meinem Lehrbuch wird von einer 90/10 Aufteilung gesprochen.

Letztlich müssen wir unser Hirn in den Griff bekommen und uns den möglichen Gedankenfehlern bewusst werden, um diese dann zum Beispiel durch die knallharten Regeln zu verhindern.

Deinen Gedanken zur Benchmark, dem relativen Vergleich mit anderen Portfolios bzw. einem Index, in Verbindung mit Dividendenstrategien möchte ich widersprechen und auf diesen Artikel des Dividend Growth Investors verweisen.

Er sagt in etwa: Als Dividendeninvestor möchte ich meine Ausgaben vollständig (plus Sicherheitspuffer) durch Dividenden decken. Egal was mit dem Wert des Depots ist.
Es ist nicht das Ziel eine Benchmark zu schlagen, sondern eine bestimmte absolute Ausschüttungssumme zu erreichen, die dann ohne jegliches Zutun durch Dividendenerhöhungen wächst.

Ob dieses Modell nun Utopie ist oder nicht, sollte jeder für sich entscheiden.
Das ist dann eine Frage der persönlichen strategischen Asset-Allocation.

Viele Grüße,
Marco


Bankenretter sagt am 19. November 2015

@Dummerchen

Meine Aussage war eher allgemeiner Natur. Das ETFs eben auch Risiken beinhalten können (!).

Die Trägerportfolios der Cominvest oder das Sample Portfolio der db erscheinen in der Tat solide. Wenn überhaupt könnte ich mir da Schwierigkeiten beim Swap-Partner in Extremszenarien (die ich nicht erwarte) vorstellen.

Meine Wahrnehmung ist es aber schon, dass besonders in den Medien ETFs als DIE Lösung für eine ansonsten unsichere Aktienanlage beschrieben wird. In puncto Diversifikation stimmt das. Aber wenn die Märkte sowie 2008/2009 abrauschen, dann kann ich auch mit einem MSCI World 50% und mehr ins Minus gehen. Das sollte man nicht ausblenden.

Die o.g. generelle Sorge um das Konstrukt "Sondervermögen" teile ich in der Form nicht.


Oliver sagt am 19. November 2015

Hallo Marco,

eigentlich wollte ich ja nicht auf diesen Artikel antworten, da hier erzählt wird, die ETFs seien die einzige glücklich machende Strategie. Die ETF-Strategie hat ihre Berechtigung und wenn man sich einige vernünftige herauszieht und diese bespart, dann kann man ein ordentliches Vermögen machen. In einem amerikanischen Blog gab es z.B. eine Dame, die lauter Silbermünzen angehäuft hat, sie schrieb von 20.000 Stück. Hat natürlich auch seinen Wert, ist klar. Hauptsächlich hat sie das wohl geschafft, weil sie regelmäßig welche gekauft hat. Das ware für mich eher mit der Aufbewahrung ein Albtraum.

Ich habe den Artikel von Dividend Growth Investor auch gelesen und gehe mit ihm konform, wenn man die Dividendenstrategie verfolgt, dass irgendwelche Indexvergleiche absolut unsinnig sind.
Kann ich bei mir auch sehen. Ich mache das ein bisschen länger als Du und wünschte mir, schon viel früher damit angefangen zu haben. Wenn es keine Prio gibt, wie hoch der Depotwert, wird das Vergleichen mit Indexen sowieso Zeitverschwendung.
Auch die überspitzten Formulierungen, man würde damit so wahnsinnig viel Zeit verbringen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ich habe mit 18 angefangen, die ersten Aktien zu kaufen, weil mich das alles sehr interessiert hat. Für eine kurze Zeit habe ich sogar in einer Börsenhandelsfirma gearbeitet (ist schon lange her) und da waren die täglichen Bewegungen interessant. Heute bin ich da entspannt.

Heute habe ich Aktien von einer ganzen Reihe von Unternehmen und was für mich sehr gut arbeitet sind die ständig steigenden Ausschüttungen. Das motiviert mich und bis zur Abdeckung meiner monatlichen Kosten brauche ich noch 4 - 5 Jahre.
Wie Du richtig schreibst, wird man aufgrund der standing steigenden Einnahmen immer ruhiger. Was mir auch noch wichtig ist: Ich möchte tatsächlich nur Aktien von Unternehmen haben, die ich gut finde. Eine Monsanto oder Rheinmetall käme mir nie ins Depot.
Mit ETF habe ich natürlich sehr viele Unternehmen dabei, die ich nicht besitzen möchte.

Was ist den nun meine Arbeit als aktiver Anleger? Ich kaufe mir im Monat 1 - 3 Positionen, wobei inzwischen häufig Nachkäufe in bestehenden Unternehmen stattfinden. Es gibt einige wenige Bedingungen bzw. Kennzahlen,auf die ich achte.
Wenn mir wirklich eine Aktie ausfallen sollte, dann ist das eine Position von über 50. Ich schaue mir nur sehr unregelmäßig die einzelnen Firmen an, wo ich Aktien habe. Bei den meisten weiß ich ja, wie sie so ungefähr reagieren.
Ich beschäftige mich im Monat bei den Käufen an ein bis zwei Tagen etwas Zeit mit meinen Aktien und das immer noch eine Beschäftigung, die für mich eher entspannend ist. Das ist es. Depotwert bekomme ich zwar mit, wenn ich mich einlogge, aber das ist wie gesagt nicht wichtig.
Wie dir gehts mir genauso, dass ich mit kleinen Rücksetzern immer weiter nach oben komme. Ich freue mich darüber gar nicht mal, weil ich nicht verkaufen will. Das ist wie ein Haus besitzen und selber drin wohnen.

Interessant sind die Steigerungen der Dividenden, die mit der Zeit wirklich beachtlich werden. Dazu die ganzen Ausgründungen und Aktiensplits. Je länger man es macht, desto erfolgreicher wird man.
Investitionen in das Depot werden ab ca. 100.000 € natürlich die Gesamtsumme beeinflussen, aber prozentual immer weniger und machen sich dann nur begrenzt bemerkbar. Die Strategie passt für mich seit Jahren und ich wüßte nicht, warum ich auf ETFs umschwenken soll.


T. sagt am 19. November 2015

@Bankenretter@Dummerchen: Ich weiss auch nicht, was an diesem Trägerportfolio unsolide sein soll.
Es sind ja alles Blue Chip Unternehmen, die eine gewisse Stabilität, und in der Regel, geringe Volatilität zeigen. Deshalb wurden sie ja ausgewählt als Inhalte des Trägerportfolios.
Aus meiner Sicht liegt das Problem woanders und wir, also Dummerchen, Fräulein Zaster und Ich, haben das auch schon mal kurz bei "Sauerkraut und Zaster" erörtert.
MEINE Sorge: Das Trägerportfolio eines swappenden ETF besteht in der Regel aus 25-100 Aktien. Es besteht eine ziemliche Kopflastigkeit innerhalb des Portfolios (Gewichtung der ersten 10 Aktien macht schon einen hohen Anteil am Gesamtportfolio aus).
Nun kommt es zur Insolvenz der Gegenpartei. Der ETF muss liquidiert werden. Wie, das steht im Verkaufsprospekt. Bei Comstage muss es der Verwaltungsrat beschließen und in eienr Luxemburger Tageszeitung veröffentlichen.
Dann erst wird liquidiert. Das wissen alle und es gibt einen gewaltigen Verkaufsdruck auf wenige Aktien. Was wird passieren?
Hohes Angebot wird die Preise sinken lassen. Und nun die entscheidende Frage: wird man nun bei sinkenden oder niedrigen Preisen 90% des Wertes des Bezugsindizes erreichen?
Was wenn nicht?
Wer zahlt dann die 90% des Sondervermögens, das angeblich sicher sein soll, an die Anleger aus? Ich dneke, das Szenario ist nicht ausgedacht, sondern dekliniert nur durch, was pasiert, wenn die Gegenpartei ausfällt (also das Kontrahentenrisiko sich realisiert).

Gruss, T.


Bankenretter sagt am 19. November 2015

@T.

Das klingt für mich nachvollziehbar. Und nochmals, wir sprechen hier über bisher noch nie dagewesene Extremszenarien.

Wenn es soweit kommt, dass eine Gegenpartei ausfällt (sprich z.B. die Coba oder DB), dann dürften sich die gesamten Aktienmärkte in einer sehr heftigen Korrektur befinden. Ich bezweifle, dass man zu dieser Zeit mit Aktien Verluste (gänzlich) vermeiden kann. In den bisherigen Korrekturen/Crashs gab es immer einige wenige Werte, die mit geringerem Hebel gefallen sind (gern genommenes Beispiel: Nestlé). Ob das beim nächsten Mal auch wieder so sein wird, weiss keiner.

Übrigens SWAPs (mit maximaler Begrenzung gemäß UCITS) und Wertpapierleihe wurden schon sehr, sehr lange von Investmentgesellschaften bei aktiven Fonds eingesetzt. Zusätzlich wird dort über Futures und andere Derivate die Performance aufgehübscht. Hat bisher niemanden gestört. Ist auch weniger Transparent. Ein Blick in den Halb-/Jahresbericht des Fonds spricht Bände.

Hab mir mal kurz den Spass gemacht und in das KIID des beliebten und "sicheren" FvS Multi Opps geschaut:

"Der Teilfonds investiert sein Vermögen in Wertpapiere aller Art, zu denen u.a. Aktien, Anleihen aller Art (z.B. Null-Kupon-Anleihen und variabel verzinsliche Wertpapiere sowie Wandel- und Optionsanleihen), Geldmarktinstrumente, Zertifikate, Gold, andere Fonds und Festgelder zählen. Bis zu 15% des Netto-Teilfondsvermögens dürfen direkt in Gold investiert werden. Darüber hinaus kann der Teilfonds bis zu 10% seines Teilfondsvermögens indirekt in Gold und andere Edelmetalle investieren. Der Teilfonds kann Finanzinstrumente, deren Wert von künftigen Preisen anderer Vermögensgegenstände abhängt („Derivate“), zur Absicherung oder Steigerung des Vermögens einsetzen."

"Kontrahentenrisiken: Der Fonds kann verschiedene Geschäfte mit Vertragspartnern abschließen. Wenn ein Vertragspartner insolvent wird, kann er offene Forderungen des Fonds nicht mehr oder nur noch teilweise begleichen."

"Risiken aus Derivateinsatz: Der Fonds darf Derivategeschäfte zu den oben unter „Anlagepolitik“ genannten Zwecken einsetzen. Dadurch erhöhte Chancen gehen mit erhöhten Verlustrisiken einher. Durch eine Absicherung mittels Derivaten gegen Verluste können sich auch die Gewinnchancen des Fonds verringern."


Marco sagt am 19. November 2015

Hallo Oliver,

ich möchte ETFs auch gar nicht schlecht reden. Mich stört es nur, ähnlich wie weiter oben schon Murmeltier, dass Einzelwerte oft mit aktiven Investieren gleichgestellt werden und damit unumgänglich viel Arbeit verbunden sein muss.
Viele der bloggenden passiven Investoren bauen sich auch Excel-Sheets mit denen Rebalancing betrieben wird (siehe z. B. Fräulein Zaster). Das finde ich gut. Die Leser lernen sehr viel und ich glaube auch, dass es für viele den Überblick erleichtert (ebenso wie das viel beschworene Haushaltsbuch).

Die in diesem Artikel vom Finanzwesir angesprochenen Bereiche der Behavioural Finance betreffen sowohl aktive, als auch passive Investoren. Jemand der keine Schwankungen in Einzelaktien aushält, wird durch ETFs nicht zwingend ruhiger. Die Volatilität wird aber vermutlich bei breitere Streuung geringer.

Und wer sagt, dass Investoren, die Einzelwerte kaufen, ihren risikolosen Teil nicht ebenfalls in Form von Anleihen, Festgeld, etc. halten können um besser schlafen zu können?

Gruß,
Marco


Joerg sagt am 19. November 2015

Unsere letzten Einzel-Aktien habe ich 2006 verkauft. Seitdem investierte ich nur in Fonds und schliesslich nur noch in ETFs. Aufteilung 70% MSCI World + 30% EM (als Homage an Kommer dabei 20% SmallCaps).
Strategien die erfolgreicher sind als der Gesamtmarkt gibt es. Aber herauszufinden welche das waren, ist nur im Rueckblick moeglich! Ich weiss nicht, welche Strategien in der Zukunft besser als der Markt sein werden ...
Warum sollten sich strategische Investmentstrategien auch weiterhin an die Wertentwicklung der Vergangenheit halten?
Deshalb investiere ich in den breiten Markt: In kostenguenstige ETFs.
In Einzelaktien investiere ich aus dem selben Grund nicht mehr: Ich weiss nicht welche Aktien in Zukunft gut laufen werden (bin zu Dummerchen)
Sorry Dummerchen, das war zu verlockend.
Die Dividendenstrategie (Depot aus Dividenden-Aristokraten) ist fuer mich keine Option.
Die Vogel-Strauss-Ansicht "Hauptsache die Dividenden fliessen" waere mir kein Trostpflaster.
Als Kleinanleger will ich soviel Performance wie moeglich (=Marktperformance), um so schnell wie moeglich das Sparziel zu erreichen.

Wenn man seine Zielsumme schon erreicht hat, ist es freilich egal welche Strategie man verfolgt: genug ist schliesslich genug. Dann kann die Strategie ruhig "schlechtere" Resultate bringen als die Marktperformance: Ich haette ja Ueberfluss.

Aber bis dahin ist allein die Performance meines Depots entscheidend (Vermoegensaufbauphase).
Auf regelmaessige Dividenden verzichte ich deshalb gerne, wenn die Performance des Gesamtmarktes (meines Depots) hoeher ist.
Beim Entsparen in der Zukunft verkaufe ich halt Anteile, da habe ich keine emotionalen Vorbehalte.
"Nie mehr Verkaufen" ist ja eine Tim.manie oder nutzlose Festlegung - es geht doch um Holgers "investiere passiv & lebe aktiv"

Also: wenn genug, dann genug, dann Strategie egal (von mir aus auch Dividenden-Aristokraten oder was Dir einen Kick gibt)
Aber bis dahin, wenn Depot Aufbau bis zum Sparziel, dann Marktperformance, nicht mehr - aber vor allem kein Risiko auf weniger eingehen?


Investment Amad€ sagt am 23. November 2015

Ich persönlich bevorzuge das aktive Investieren mittels automatisierten Investitionsmodell durch eine Software. So lassen sich geschickt die Emotionen ausschalten und Zeit spart man auch.


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