02. Mai 2017


Geständnisse eines Traders

Anfang April: Ein Blogger namens Ingmar Folk schreibt mir eine Mail. Sagt, er sei Trader und ob ich Interesse an einem Gastartikel zum Thema Trading hätte? Ein Bericht aus dem Maschinenraum des Tradings - warum nicht. Ums Trading ranken sich viele Mythen (Trading macht reich, Trading ist Schuld an allen Übeln dieser Welt).
Da sollte auch ein Buy&Holder mal genauer hinschauen. Wer könnte uns besser in die Welt des Tradings einführen, als ein Mann, der seit einer Dekade handelt? Bevor ich die Tastatur an Herrn Folk übergebe, möchte ich ihn kurz vorstellen:

Ingmar Folk, geboren 1980 startet vor mehr als zehn Jahren mit dem aktiven Trading und hat sich als Trader auf zwei Eurex-Futures-Märkte (Bund- und Eurostoxx50 Future) spezialisiert. Sein Tradingansatz setzt auf eine umfassende Risikokontrolle. Schon vor einigen Jahren hat er ein längerfristiges, transparentes Experiment zum Zufallseinstieg beim Trading durchgeführt. Sein Blog ist der CoinFlip Trading-Blog. Hier dokumentiert Herr Folk seine Trades.

Was hat Herr Folk uns zu sagen?

Wenn du Geld brauchst, geh arbeiten!

Traden: (K)eine Alternative zu Buy and Hold
Ja, mir ist klar, ich schreibe einen Gastartikel für einen Finanzblog, der einen Buy-and-Hold-Ansatz vertritt. Ich selbst bin ein aktiver Trader. Begebe ich mich also wohl wissend in die Höhle des Löwen? Jawohl, und zwar sehr gerne. Ich möchte niemanden belehren oder vom Trading überzeugen. Aber ich glaube, es schadet nicht, wenn diese zwei Lager von Finanzmarktakteuren sich mal näher kennenlernen.

Viele Leute denken, Traden ist Action und Adrenalin, cool und flippig. Buy and Hold dagegen langweilig und konservativ.

Was letzteres angeht, stimme ich zu. Allerdings hat langfristig erfolgreiches Traden wenig mit der ersten Aussage gemein. Gleich erfährst du den Grund dafür. Also dranbleiben!

Das Ding mit den effizienten Märkten

Kurz zum Verständnis:
Unter aktivem Trading verstehe ich nicht, wenn du dein Aktiendepot bei deiner Hausbank regelmäßig umschichtest. Es geht in diesem Artikel um hochgehebeltes, kurzfristiges Trading mit spekulativen Finanzmarktprodukten.

Spotlight on!

Zuerst möchte ich ein wenig Licht ins Dunkel bringen – und zwar in das Dunkel der Finanzmarkttheorie.
Eugene Fama ist ein amerikanischer Ökonom aus Chicago.
In jüngster Zeit fiel ein Schlaglicht auf diesen Mann, weil er den Nobelpreis für Wirtschaft bekommen hat. An sich nichts Ungewöhnliches, schließlich werden diese Auszeichnungen jedes Jahr vergeben. In diesem Fall war die Entscheidung der Jury allerdings provokant.

Wieso das?
Provokant, weil zwei Forscher aufgrund gleicher Daten zu zwei konträren Kernaussagen gelangt sind und beide dafür ausgezeichnet wurden. Aber auch deshalb, weil Fama behauptet, Finanzmärkte seien rational. Und das nach der Finanzkrise von 2008. Bei vielen Menschen löste das nur Kopfschütteln aus. Sein geistiger Kontrahent Robert Shiller bekam – platt ausgedrückt – seinen Nobelpreis für die gegenteilige Behauptung.

Was das mit Trading zu tun hat?
Eine Menge, denn Famas These führt zu dem Schluss: Eine Überrendite zum langjährigen Marktdurchschnitt sei für einen einzelnen Akteur langfristig nicht möglich.
Das Problem von Leuten, die eine Überrendite nachweisbar hinlegen: Meistens sind die Fallzahlen ihrer eingegangenen Trades nicht groß genug, um als statistisch signifikant gelten zu können. Und nur eine winzige Minderheit ist tatsächlich dauerhaft erfolgreich.
Diesen Umstand nutzen weiterhin sehr viele Unterstützer der Theorie der effizienten Märkte, um herausragende Performer als Glückspilze zu entlarven.
Ich behaupte: Märkte können durchaus mal effizient sein, aber längst nicht immer. Und Rationalität ist, gerade im Zusammenhang mit der Börse, sehr subjektiv zu sehen.
er an rationale Märkte glaubt, der muss auch an den Homo oeconomicus glauben. Und damit tun sich heutzutage immer mehr Experten schwer – verständlicherweise.

Auch Rationalität ist relativ

Die handelnde Person trifft ihre Entscheidung in einem bestimmten Moment immer so rational, wie es ihr gerade möglich ist.
Aber ist diese Entscheidung auch objektiv rational?
Jeder Mensch blickt durch seine eigene Brille auf die Ereignisse um ihn herum. Entsprechend unterschiedlich bewertet er diese, und letztlich führt dies zu verschiedenen Entscheidungen der Marktteilnehmer, obwohl es sich um das gleiche Ereignis handelt.
Wie eine Entscheidung ausfällt, hängt erheblich mit deiner subjektiven Wahrnehmung, deiner individuellen Stimmungslage und deinen konkreten Zielsetzungen zusammen.
Dadurch können Einzelentscheidungen konträr ausfallen, wenn sie theoretisch ähnlich ausfallen müssten und umgekehrt.
Dies führt zu "irrationalem" Verhalten der Finanzmarktakteure, und Kursbewegungen können massiv in eine Richtung getrieben oder unerwartet ausgebremst werden. Manchmal kommt es dadurch auch zu keinem Effekt bei der Preisbewegung, obwohl es in der Theorie zu erwarten gewesen wäre.
Dieser Standpunkt ist für mich aber nicht das Wichtigste, wenn es um eine Überrendite an den Märkten geht.
Eines Tages las ich nämlich ein ausführliches Interview von Eugene Fama in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und musste für mich feststellen: Sogar Famas Sichtweise auf die Finanzmärkte schließt eine Überrendite durch Traden nicht zwingend aus. In meinem Trading-Blog findest du die ganze Geschichte dazu.
Nur so viel: Technisch geht es um das Risiko, welches du an der Börse bereit bist einzugehen. Doch auch du selbst in der Person als Trader spielst in diesem Zusammenhang eine alles entscheidende Rolle.

Famas Theorie hielt mich lange zurück

Ich muss zugeben, die Theorie der effizienten Märkte hielt mich fast davon ab, eine Laufbahn als Trader einzuschlagen. Damals hatte ich keinerlei praktische Erfahrungen in der Tasche und kannte lediglich diese weit verbreitete Meinung und an allen Hochschulen gelehrte Theorie über die Finanzmärkte.
Es dauerte etwa sieben Jahre, bis ich konstant profitabel traden konnte.
Da musste ich ein wahrlich dickes Brett bohren. Und lange Zeit dachte ich: Vielleicht hat dieser Fama mit seiner Behauptung doch recht und eine Outperformance ist nicht möglich.

Zwei Dinge drehten den Spieß für mich um

Irgendwo schnappte ich auf, dass ein Trader innerhalb kürzester Zeit sehr viel Geld verloren hatte. Sofort kam mir dabei der Gedanke: Wenn jemand so viel Geld in so kurzer Zeit mit Trading verlieren kann, muss es auch jemanden geben, der die gleiche Summe in derselben Zeit gewinnt.
Schaffst du es dann, wenigstens einen ordentlichen Teil dieses Gewinns zu behalten, sollte es machbar sein, noch mehr zu gewinnen. Du weißt nur nicht wann! Denn wirklich kein Trader der Welt weiß, ob sein nächster Trade ein Gewinner sein wird oder nicht.
Die Marschrichtung lautete für mich seitdem: Verwalte deine Gewinne mit einem strikten Risikomanagement, sodass du bis zum nächsten dicken Gewinntrade noch genug davon übrig hast.

Ein Langzeittest mit grandiosem Ergebnis

Aus dieser Erkenntnis heraus setzte ich ein Experiment auf. Ich nannte es das CoinFlip-Experiment. So entstand der Name meines Trading-Blogs.
Sind wirklich das Risikomanagement und mein Verhalten als Trader die ausschlaggebenden Punkte für erfolgreiches Traden, müsste ich sogar Geld gewinnen, ohne Einfluss auf die Richtung eines Trades zu haben. So war wenigstens meine Vermutung.
Technisch geht es dabei vor allem um eine Frage: Ist es möglich, trotz Verlustbegrenzung (Stop Loss) bei jedem Trade regelmäßig an ausreichend großen Kursbewegungen partizipieren zu können?
Gesagt, getan.
Ich handelte jeden Tag einen einzigen Trade im Simulationsmodus. Damit war der psychologische Druck weg und verfälschte das Ergebnis nicht.
Nach genau einem Jahr schaute ich mir das Resultat an.
Es war unglaublich und überraschte mich selbst: Ohne Einfluss auf die Richtung eines einzigen Trades gehabt zu haben, machte ich mehr als 80 % Rendite p.a. bei akzeptablen Risiken.
Dieser Test veränderte meine Sichtweise auf die Märkte endgültig und verhalf mir letztlich zur Profitabilität beim Traden mit echtem Geld.
Mir war nun klar: Im Trading geht es nicht um exakte Kursprognosen, wie viele glauben. Der Knackpunkt ist tatsächlich ein cleveres, umfassendes Risikomanagement und dein Verhalten als Trader.

Cleveres Risikomanagement folgt einem Grundprinzip

Und dieses ist sehr simpel: Das größte Risiko solltest du zu Beginn eines Trades auf dich nehmen. Danach geht es nur noch darum, dein Risiko angemessen schnell abzubauen, ohne dich dadurch aller Chancen zu berauben, vielleicht doch noch oder mehr gewinnen zu können.
Der Hintergrund dieses Prinzips: Schätzt du den Markt richtig ein, laufen sehr viele Gewinntrades schnell ins Plus. Sonst würdest du ja gar nicht zu diesem Zeitpunkt einsteigen. Kein guter Trader möchte sich mit einer hochgehebelten, offenen Position unnötig lange der Unsicherheit der Finanzmärkte aussetzen.
Laufen die Kurse also längere Zeit nicht zu deinen Gunsten, hast du meistens den Markt falsch eingeschätzt. Du solltest dann sofort die Konsequenzen ziehen und damit beginnen, Risiko von der aufgebauten Position zu nehmen.
Bei all deinen Entscheidungen zur Risikosteuerung während eines Trades nutzt du neue Informationen der Kursbewegung aus, die du erst nach deinem Einstieg erhältst. Der Markt spricht quasi fortlaufend mit dir. Deine Aufgabe als Trader ist es, seine Sprache zu beherrschen und ihm genau zuzuhören.
Dabei bist du nicht auf zielsichere Prognosen aus, sondern es reicht schon, wenn du nur eine Veränderung der ursprünglichen Tendenz erkennen kannst und dein Risiko in einem Trade entsprechend anpasst.

Striktes Risikomanagement und seine Werkzeuge

Die technischen Mittel der Wahl, um Ergebnisse wie in meinem Experiment zu erreichen, sind eine konsequente Verlustbegrenzung (Stop Loss) zu Beginn eines jeden Trades. Diese Verlustbegrenzung kann an wichtigen Preispunkten oder in Abhängigkeit der gerade vorhandenen Kursschwankungsbreite erfolgen. Je höher diese ist, desto größer muss der Stop Loss gewählt werden.
Außerdem brauchst du klare Regeln zum Aus- und Einstieg für einen Trade sowie eine eindeutig geregelte Positionsgrößenbestimmung (gehandelte Stückzahl pro Trade z. B. Aktien, Kontrakte).

Das Powertool zur Risikokontrolle

Die Positionsgröße hat den mit Abstand größten Einfluss auf dein Risiko beim Traden. Und das schon, bevor du einen Trade eingehst.
Du musst sie niedrig genug wählen, um auch zähe Verlustserien ohne zu starke Kapitaleinbußen überstehen zu können. Zusätzlich schützt dich diese Herangehensweise davor, dein Selbstvertrauen zu ruinieren, weil du heftige Verluste einstecken musstest.
Ohne Selbstvertrauen ist erfolgreiches Trading unmöglich.
Praktisch heißt das: Setze maximal 2 % deines Risikokapitals in einem einzigen Trade aufs Spiel – besser weniger als 1 %.
Wieso gerade diese Zahlen? Ganz einfach: In diesem Bereich ist das Bankrottrisiko für dein Konto noch im Rahmen.
Stell dir vor, du verlierst fünfmal in Folge dein Anfangsrisiko in einem Trade und dieses hast du jeweils mit 10 % bemessen. Dein Tradingkonto steht dann mit 50 % im Minus. Es ist also halbiert worden.
Dank Adam Riese benötigst du in diesem Fall aber keine 50 % Gewinn, um dein Konto wiederherzustellen, sondern das Doppelte! Um das zu schaffen, musst du noch mehr riskieren und dein Bankrottrisiko (Risk of Ruin) steigt weiter extrem an.
Clevere Trader riskieren hingegen umso weniger, je schlechter es für sie läuft.
ine Verlustserie von fünf Trades wird dich immer mal wieder treffen. Egal, wie gut du bist! Betreibst du sehr kurzfristiges Daytrading, ist das sogar innerhalb eines Tages möglich.
Riskierst du dagegen nur 1 %, hast du gerade mal 5 % Kontoverlust zu verbuchen und musst auch nur wieder gut 5 % Gewinn machen, um dein Konto auf Plus Minus Null zu bringen.
Was für ein Unterschied, alleine für deine emotionale Ausgangssituation. Stimmst du mir da zu?
Dieses überhebelte Tradinggebaren ist der Grund, warum so viele Möchtegern-Trader innerhalb kürzester Zeit pleitegehen. Ihr Fokus liegt auf maximaler Rendite. Durchdachte Risikokontrolle Fehlanzeige.

Der Markteinstieg sorgt für die gesunde Basis eines Trades

Erfahrene Spekulanten möchten mit einem Trade immer mindestens genauso viel gewinnen, wie sie ursprünglich bereit waren zu verlieren.
Sie kalkulieren konservativ und gehen nicht davon aus, bei angemessener Verlustbegrenzung, langfristig mit einer Wahrscheinlichkeit von deutlich über 50 %, signifikante Gewinne einfahren zu können.
Mit einem gut ausgesuchten Einstieg in den Markt legst du die Basis für ein gesundes Verhältnis zwischen der Größe von Verlusten und Gewinnen.
Durch einen gut überlegten Startzeitpunkt ist es machbar, dein Stop Loss möglichst klein zu halten (niedrigeres Risiko), und du vermeidest damit Einstiege in weit fortgeschrittene Kursbewegungen (schlechteres Kurspotenzial für deinen Trade).
Das sogenannte Chance-zu-Risiko-Verhältnis steigt dadurch.
Geht deine Tradingidee auf, hast du dann gute Karten, deutlich mehr als dein ursprünglich eingesetztes Risiko zurückzugewinnen.
In der Praxis sieht das freilich oft anders aus. Die Mehrheit der Trader schafft es mental nicht, einmal aufgelaufene Gewinne direkt zu reinvestieren, um so noch mehr gewinnen zu können.

Im Ausstieg liegt der Gewinn

Ein gekonnter Ausstieg (nachgezogener Stop oder direkte Gewinnmitnahme in einem vorher definierten Kursbereich) aus einem spekulativen Trade ist ebenfalls extrem wichtig. Durch diesen sicherst du deine wertvollen Gewinne ab oder du nimmst mit ihm Einfluss auf die Positionsgröße während eines Trades, indem du Teilpositionen im Gewinn oder Verlust abstößt und das Risiko somit verringerst.
Viele unerfahrene Trader denken, der Einstieg ist für den Gewinn verantwortlich. Es ist ein Trugschluss! Es ist der Marktausstieg, der tatsächlich über Gewinn oder Verlust und die endgültige Höhe entscheidet.
Normalerweise werden alle hier aufgezählten Komponenten in Traderkreisen als unterschiedliche Werkzeuge angesehen. Für mich drehen sie allerdings letztlich alle an der gleichen Schraube: dem Risiko.

Die eiserne Regel für Trader

Vergrößere niemals deinen vor einem Trade geplanten Stop Loss. Wenn du das machst, begehst du einen schwerwiegenden Fehler.
Warum?
Du hattest sehr gute Gründe, genau diesen Stop Loss auszusuchen und das, noch bevor du im Markt involviert gewesen bist (weniger Emotionen im Spiel).
Wer seinen Stop Loss nachträglich vergrößert (mehr Risiko), tut das in aller Regel nur aus einem Grund: Nämlich um einen drohenden Verlust zu umgehen. In diesem Szenario kontrollieren dich deine Emotionen. Umgedreht sollte es aber sein.
Im obigen Beispiel steckst du dann zusätzlich gutes Geld in eine offensichtlich schlechte Tradingidee. Hört sich das wirklich sinnvoll an? Eben …

Was das Risikomanagement umfassend macht

Persönlich zähle ich auch mein eigenes Verhalten beim Trading, die Absicherung der Technik (Broker, Internetverbindung, Strom) und die Planung der gesamten Laufbahn zum privaten Trader noch zum Risikomanagement hinzu. Deshalb bezeichne ich mich selbst auch als Risikomanager und benutze in diesem Zusammenhang die Begrifflichkeit "umfassend".
Aus Erfahrung weiß jeder Trader: Du kannst technisch noch so versiert sein, wenn du dein Verhalten nicht unter Kontrolle hast, bist du zum Scheitern verurteilt, weil du deinen Tradingplan nicht umsetzen wirst.
Dein Verhalten bekommst du mithilfe von Automatismen/Gewohnheiten und der richtigen Einstellung (Glaubenssätze/Überzeugungen) zu bestimmten Ereignissen (Verlust, verpasste Chance et cetera) in den Griff. Dies erfordert allerdings viel Übung, Ausdauer und intensive Arbeit an dir selbst.
Für die meisten – auch fortgeschrittene – Trader ist dieses unbequeme Themengebiet deshalb so attraktiv wie eine Zahnwurzelbehandlung und sie wenden sich lieber unwichtigen technischen Dingen zu wie dem neuesten, trendigen Indikator der Handelssoftware, um ihr Trading damit zu "verbessern".
Unterschätze auch nicht die emotionalen Qualen, wenn du massive Verluste erleiden musstest, weil dir die Technik einen Streich gespielt hat und du keine passende Antwort darauf hattest.
So ein Ereignis kann gerade unerfahrene Trader komplett aus der Bahn werfen und in eine nicht enden wollende Verlustspirale ziehen. Und die Technik versagt früher oder später immer.

Der Sinn des Ganzen

Alle gerade vorgestellten Werkzeuge zur Risikokontrolle dienen unter dem Strich nur einem Zweck: Verluste klein halten, wenn du verlierst, und Gewinne möglichst groß machen, wenn ein Trade für dich läuft. Die goldene Trading-Regel.

Ein alter Traderspruch dazu lautet: Willst du recht behalten oder lieber Geld gewinnen?

Er zielt auf die Tendenz der meisten Trader ab, welche das vorübergehend gute Gefühl vieler Gewinntrades lieben. Was natürlich menschlich ist.
Eine hohe Zahl an Gewinntrades kannst du als Trader produzieren, wenn du viel Geld für wenig Gewinn riskierst. Doch das widerspricht der goldenen Trading-Regel für beständigen Erfolg an der Börse. Irgendwann fällst du damit auf die Schnauze. Dein Konto muss dann nicht zwangsläufig platt sein, aber die Gewinne sind es. Und du betreibst den ganzen Aufwand nicht, um plus minus Null zu traden.
Trader, die so agieren, sind nicht bereit den Preis dafür zu zahlen, am Ende des Jahres zu den dauerhaft profitablen Gewinnern zu gehören.
Der Preis ist: Regelmäßige Verluste und ständige Unsicherheit beim Trading zu akzeptieren. Diese Notwendigkeit für Tradingerfolg läuft unseren Instinkten völlig zuwider.
Trading erfordert die ständige Disziplinierung deiner Emotionen. Genau das macht das ganze Spiel an der Börse – für jeden – so extrem schwierig. Umso schwieriger, je größer die eingesetzten Geldbeträge werden.
Jetzt möchte ich dir vermitteln, aus welchem Holz ein echter Trader geschnitzt ist.

Trader – nimmersatte Gierschlunde und gefühlskalte Psychopathen?

Falsch und falscher! Gute Trader können loslassen, auch ihr Geld. Ohne diese Fähigkeit ist es nicht möglich, wie eben angerissen, ständige Verluste mental zu verkraften.
Gute Trader sind Mentalbestien im positiven Sinne, aber gefühlskalt keineswegs. Sie haben lediglich gelernt, ihre Gefühle die meiste Zeit zu kontrollieren, nicht abzuschalten, wie es einige Amateure zu wissen glauben.
Denn das funktioniert einfach nicht.
Trading ist nichts anderes als ein Wettspiel. Es folgt sehr ähnlichen Erfolgsprinzipien wie zum Beispiel No Limit Cash Game Poker.
Ja, verdammt, wir Trader sind tatsächlich Spieler. Es ist kein Klischee – es ist die nackte Wahrheit. Und ich stehe dazu.
Ob das jeder Trader tut?
Da habe sogar ich meine Zweifel. Einige, so glaube ich, wollen das nicht wahrhaben, weil es mit ihrem Selbstverständnis eines soliden Berufs frontal kollidiert.

Gute Trader sind zäh wie Kaugummi

Trader sehen Rückschläge nicht als Hindernis, sondern als Herausforderung und als Chance zu lernen und sich zu verbessern. Sie wissen: Trading ist eine reine Performance-Disziplin. Je kurzfristiger du tradest, desto ausgeprägter ist dieser Faktor spürbar.
Trader handeln absolut selbstsicher, hören beim Traden nicht auf die Meinung anderer und machen niemanden für Fehlschläge verantwortlich.
Warum?
Weil sie wissen: Nur sie selbst tragen die Verantwortung für ihre Tradingergebnisse. Wer die Verantwortung beim Traden von sich schiebt, muss zwangsläufig verlieren, denn mit so einem Verhalten hast du keine Chance, aus Krisen und Höhen zu lernen und dich weiter zu verbessern.

Selbstvertrauen ist DAS Merkmal eines erfolgreichen Traders

Erfolgreiche Trader haben ein extrem ausgeprägtes Selbstvertrauen in ihre Person als Trader und sind von ihren Fähigkeiten überzeugt.
Ja, Trader sind auch mutig und gehen bewusst kalkulierte Risiken ein. Aber sie sind nicht übermütig oder arrogant. Vielmehr durchzieht sie eine Art der Demut, denn sie wissen: Der Markt hat immer, immer, immer, immer recht.
Wie du in den letzten Absätzen lesen konntest, sind erfahrene Trader also in Wahrheit Risikominimierer und keine Risikojunkies – handeln jedoch konsequent immer nach dem Motto: entweder richtig oder gar nicht.
Für die Praxis heißt das: Entweder kaufe ich aus gutem Grund oder verkaufe aus ebenso gutem Grund. Halbherzige Aktionen kannst du dir im aktiven Trading einfach nicht leisten.
Hast du Zweifel, wirst du dich als guter Trader nicht im Markt positionieren.
Diese Option ist übrigens der Riesenvorteil von privaten Tradern gegenüber großen Institutionen, denen diese Möglichkeit – aus diversen Gründen – sehr oft gar nicht zur Verfügung steht.

Binäre Optionen oder Bitcoin – Was macht mich schneller reich?

Kleiner Tipp, falls du womöglich doch mal spekulativ tätig werden möchtest: Lass die Finger weg von binären Optionen. Suche dir stattdessen handfeste, faire Tradinginstrumente aus. Eines wirst du gleich noch kennenlernen.
Und glaub es oder nicht: Meine Motivation, ein Trader zu werden, war wirklich nicht das Geld. Von Anfang an ging es mir persönlich um die ultimative Unabhängigkeit von anderen und der Konjunktur. Außerdem war ich einfach von der Börse an sich fasziniert.
Als guter Trader darf Geld keinen zu hohen Stellenwert für dich haben. Dies wurde mir allerdings auch erst im Laufe der Zeit klar.
Grotesk?
Ich denke schon, denn die meisten Leute verbinden mit Trading lediglich maximal viel Geld zu verdienen und das möglichst einfach und in kürzester Zeit.
Ich garantiere dir: Mit eben dieser Geisteshaltung wirst du als Trader keine Chance haben, langfristig erfolgreich zu traden.
Wie jetzt?
Es ist ganz einfach erklärt: Sobald Geld für dich eine zu große Rolle spielt, weil du beispielsweise einfach zu wenig davon hast, verkrampfst du beim Traden mental und kannst nicht mehr dein eigentliches Potenzial abrufen.
Mit kleinen Abstrichen gilt das dummerweise auch für automatisches Systemtrading mithilfe programmierter Algorithmen, die der Computer am Markt ausführt.
Dummerweise aus dem Grund, weil nicht wenige Tradinginteressierte in Richtung Systemtrading gehen, von der Hoffnung getragen, die mentale Komponente ausschalten zu können.

Traden: Warum tut sich das jemand überhaupt an?

Ich habe es im Abschnitt über Risikokontrolle schon angeschnitten: Es gibt beim Traden eine fiese Wahrheit: Wenn du nicht mit ständiger Unsicherheit klarkommst und bereit bist, Verluste vorübergehend hinzunehmen, hast du keine Chance, am Jahresende als Gewinner dazustehen.
Als hoch gehebelter aktiver Trader kannst du es dir nicht leisten, eine Bewegung gegen dich auszusitzen. Ganz im Gegensatz zum Buy-and-Holder, der lediglich auf seine Buchverluste schaut und dann müde mit den Schultern zuckt oder sogar nochmal nachkauft.
Für einen echten Trader gibt es das Wort Bucherverlust oder Gewinn nicht. Ein Klick auf den Sell- oder Buy-Knopf und du blickst der Wahrheit ins Auge.
Warum sich jemand das antut?
Ganz ehrlich: Als Anfänger weißt du sowieso nicht, auf was du dich da tatsächlich eingelassen hast.
Wer dabei bleibt, macht das sehr oft wegen der immensen Herausforderung, die dich zwangsläufig zu einer positiven Persönlichkeitsentwicklung zwingt und natürlich dem schon erwähnten Freiheitsdrang.
Einige bleiben vielleicht auch wegen ihres Egos dabei. Scheitern tun die wenigsten Menschen gerne.
Wenn du es als privater Trader schaffst, erreichst du maximale Unabhängigkeit und wirst dazu noch maximal fair bezahlt. Bist du gut, verdienst du gut und selbstverständlich umgekehrt.
Letzteres ist allerdings eine nicht zu unterschätzende Gefahr für jeden Vollzeit-Trader, weil du einfach als Mensch nicht immer auf höchstem Niveau agieren kannst und dich deine Kosten gnadenlos jagen.
Abhängig bist du als privater Trader dann doch wieder von etwas, und zwar von deiner eigenen Arbeitskraft. Für mich ist es deshalb nicht mehr die erste Wahl, alles auf die Karte Trading des eigenen Kontos zu setzen und das ein Leben lang.

Trading und die Frage nach der Moral

Nun wird es richtig heikel, denn es scheinen Welten aufeinanderzutreffen. Auf der einen Seite die guten Investoren und auf der anderen die bösen Zocker.
Und in der Tat: Der gesellschaftliche Nutzen eines Traders – ich sag es ganz offen – dürfte nicht ganz an den des Langfristinvestors heranreichen. Egal, wie schön du es dir als Trader zu reden versuchst.
Wann ist Trading für mich persönlich ethisch vertretbar?
Diese Frage kann ich ohne zu zögern beantworten: Trading ist für mich moralisch bedenkenlos, solange keine illegalen Mittel eingesetzt werden und noch viel wichtiger: solange Rendite und Risiko verknüpft bleiben.
Leider, leider wird gerade in Deutschland jeder private Trader gerne pauschal mit den institutionellen Zockerabteilungen der großen Banken und Finanzinstitutionen gleichgesetzt.
Wer dort eine Karriere anstrebt, hat oftmals sicherlich tatsächlich andere Beweggründe als viele private Trader.
Persönlicher Freiheitsdrang hat in diesem Umfeld nicht mehr unbedingt oberste Priorität. Du bist ein einfacher Angestellter oder zumindest Sklave deiner Klienten.
Ständig stehen sie dir auf den Füßen und wollen Rendite, und zwar Monat für Monat. Bloß kein Minus machen.
Diese Tatsache und auch einige Vergütungsmodelle solcher Institutionen verleiten dazu, übertriebene Risiken einzugehen. Was nicht wenigen Institutionellen sicherlich zupasskommen dürfte, denn: bereits ein Jahr mit guter Rendite kann ausreichen, um dich als Trader gesundzustoßen.
Zu nachhaltig muss da nicht unbedingt vorgegangen werden.
Ist es dann noch möglich, mit der sogenannten impliziten Staatsgarantie im Rücken zu spekulieren, wird die marktwirtschaftliche Selbstbereinigungskomponente der Aktionen dieser Marktakteure hier geradezu ausgehebelt.
Narrenfreiheit endet bei der menschlichen Natur und, im Zusammenhang mit Geld, selten zum Vorteil der Gesellschaft.
Selbstverständlich gilt diese Kritik nicht grundsätzlich für alle institutionellen Akteure.
Doch gerade die Medien picken sich natürlich gerne die spektakulären Fälle aus der Branche raus, um die Stimmung anzuheizen und gute Schlagzeilen zu produzieren.
Von Narrenfreiheit – im Hinblick auf das Risiko – kann bei einem privaten Trader dagegen keine Rede sein. Er muss für alles geradestehen und sein Handeln hundertprozentig an langfristigem Erfolg ausrichten, sonst braucht er gar nicht erst anzutreten. Daher ist es in meinen Augen angebracht, genauer hinzusehen, bevor die Moralkeule ausgepackt wird.

Futures sind kein Finanzhokuspokus

Persönlich handele ich nur Futures. Im deutschen Sprachraum bekannt als sogenannte Terminkontrakte.
Sie wurden schon vor mehreren Jahrhunderten erfunden, um Handel treibenden Geschäftsleuten und Produzenten von Rohstoffen eine Möglichkeit zu geben, sich gegen schwankende Preise dieser Rohstoffe abzusichern.
Dieses Finanzinstrument gibt seinem Eigentümer das Recht, zu einem bereits jetzt festgelegten Preis in der Zukunft eine bestimmte Menge an Ware (zum Beispiel Weizen) zu kaufen oder zu verkaufen (Hedging). An diesem Termin muss das Geschäft verpflichtend abgewickelt werden. Daher der Name Termingeschäfte.
Diese verbrieften Terminkontrakte selbst werden dann wiederum an öffentlichen, transparenten und regulierten Börsen gehandelt und können zu Spekulationszwecken (Trading) eingesetzt werden.
Als Futures Trader übernehme ich kurzzeitig Risiken, die andere nicht immer bereit sind zu tragen. Ich helfe mit meinem Trading, den Markt am Laufen zu halten.
Dies ist wohl der einzige direkte, systemische Nutzen, der von der reinen Tätigkeit des Tradings ausgeht. Ich weiß, einige Leute erkennen nicht mal diesen an. Warum fragt eigentlich keiner, wieso Kurse so weit steigen konnten?
Ja, Trader können Kursbewegungen verschärfen, aber auch abmildern. Nur von diesen Fällen ist in der Öffentlichkeit nie die Rede. Hast du schon mal etwas von bösen Spekulanten in den Medien gelesen, wenn die Kurse steigen? Sicher nicht, aber wehe, sie fallen. Ausnahme: Rohstoffe.
Da müssen die Spekulanten logischerweise auch bei steigenden Kursen als Sündenbock herhalten, denn in diesem Fall sind ja steigende Preise nachteilig für den Rest der moralisch hochgepimpten Gesellschaft.
Glaubst du ernsthaft, alle Trader halten im Aufwärtsmarkt die Füße still, nur um darauf zu warten, mit ihrer fiesen Geldpeitsche die Kurse bei der nächsten Abwärtsbewegung in Grund und Boden zu prügeln?
Trader handeln in alle Richtungen, um ihre Gewinnmöglichkeiten zu erhöhen.
Deshalb können sie Kursbewegungen nicht nur nach unten beschleunigen, sondern auch ausbremsen und nach oben verstärken.
Ich kann es nicht beziffern und belegen, aber wenn es diese Gruppe der rein spekulativen Finanzmarktakteure nicht geben würde, wären die Preisbewegungen mit ziemlicher Sicherheit nicht weniger heftig, als sie es mit uns Tradern sind.
Es wäre allerdings für alle verbleibenden Marktakteure deutlich schwieriger, zu guten Preisen Positionen auf- und abzubauen, weil viel weniger spekulative Kräfte zur kurzfristigen Absorption von Angebot und Nachfrage bereitstünden.

Wenn Kurse richtig fallen, gibt es dafür immer einen triftigen Grund.

Der zugrundeliegende Impuls einer starken, längerfristigen Preisbewegung wird nicht von aktiven Daytradern ausgelöst. Hierfür sind große Finanzinvestoren und damit indirekt auch alle Kleinanleger zuständig. Sobald diese ihre Einschätzung zum Markt ändern, geht’s zur Sache.
Also aufgepasst mit vorschnellen Schuldzuweisungen, wenn es an der Börse mal wieder richtig kracht.
Wo aber auch ich Risiken sehe, sind die Beschleunigung des Kursverhaltens durch die moderne Technik und die Art wie heutzutage Trading – teilweise nahezu gleichgeschaltet –computergestützt betrieben wird.

Trader sind Zocker – gebongt!

Wenn jemand Trader als Zocker bezeichnet, ist das für mich keine Schmach, vielmehr trifft es den Kern dieses Geschäftsmodells ganz gut. Wobei mir der Ausdruck zu abfällig klingt.
Trader jedoch über den Kamm als amoralische Gierschlunde zu bezeichnen, halte ich für völlig verfehlt. Diese Leute gibt es beim Traden, natürlich, jedoch findet sich diese Spezies überall in unserer Gesellschaft wieder. Mit prominenten Beispielen halte ich mich jetzt aber zurück.
Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass es unter erfolgreichen Tradern anteilig deutlich weniger gierige Leute gibt als zum Beispiel im Verkaufsraum von Aldi, wenn es mal wieder zum Schnäppchenkrieg mit gezogener Handfeuerwaffe kommt.
Machst du Moral an der Börse nur daran fest, ob jemand langfristig Geld für das Wachstum einer Firma zur Verfügung stellt oder lediglich an kurzen Preisschwankungen profitieren möchte, so musst du Trader wohl tatsächlich als amoralisch betiteln.
Doch das lässt mein Traderblut nicht in Wallung geraten, denn du bekleidest als Mensch nicht nur die Rolle eines Traders. Es gibt genügend Möglichkeiten etwas für die Gesellschaft zu tun.

Nichts geht mehr ohne spekulative Kräfte im System

Spekulation und damit auch Trading sind ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft und des Wirtschaftssystems. Ohne Menschen, die bereit sind, Unsicherheit in Kauf zu nehmen und darauf zu setzen, dass ihre Einschätzung stimmt, würde sich kaum mehr etwas im System bewegen.
Unter dem Strich folgst du als Buy-and-Holder technisch dem gleichen Prinzip. Sicher, du stellst dein Geld länger und in jedem Fall für das Wachstum einer Firma zur Verfügung. Dein Plus an Ethik, ohne Frage.
Dennoch sind wir nicht zu weit auseinander, weil du ebenso eine Wette eingehst, wie ich es als Trader tue. Und du möchtest – genauso wie ich – etwas für dein Risiko zurückbekommen.
Oder etwa nicht?
Deine Wette bei einem optimalen Investment mit einem Index-ETF lautet: Du gehst davon aus, der breite Aktienmarkt ist jetzt stark gefallen und wird in absehbarer Zeit wieder deutlich anziehen.
Genau auf den Ausgang dieses zukünftigen Szenarios setzt du letztlich dein Geld und hoffst, du liegst mit deiner Einschätzung richtig.
In jedem Investment steckt auch etwas Spekulatives.

Sich mit kleinem Konto zum Millionär traden – geht das?

Natürlich geht das!
In der Theorie sogar sehr einfach. In der Praxis kommt es jedoch so gut wie nie vor. Du solltest die wichtigsten Gründe dafür jetzt kennen. Nur wo Geld ist, kommt leicht mehr Geld hinzu. Vorausgesetzt, du weißt, was du tust. Dieser Spruch gilt auch für das Traden.
Aktives Trading ist eine umkämpfte Performance-Disziplin und damit ständige Arbeit auf hohem Niveau. Nur wenige schaffen es deshalb, dauerhaft profitabel zu sein und noch weniger, sogar ihren Lebensunterhalt komplett damit zu bestreiten.
Für Trading musst du eine echte Leidenschaft und überzeugende Motivation mitbringen, ansonsten rate ich dir dringend davon ab. Und verwechsel‘ dieses Gefühl der Motivation in dir nicht damit, möglichst schnell an viel Geld zu kommen.
Wenn du dringend Geld brauchst, gehe arbeiten oder arbeite an deinem Wert, den du anderen liefern kannst, und fange nicht an, planlos an der Börse zu zocken.
Du schmeißt dein Geld unter diesen Bedingungen einfach zum Fenster raus. Und beim Traden ist das so schnell machbar wie in kaum einer anderen Branche.
Bringst du jedoch eine echte Faszination für die Börse mit, misst dich gerne im Wettbewerb mit anderen, hast einen Faible für das Wettspiel und liebst die Herausforderung, bietet dir Trading durchaus eine sehr reizvolle Tätigkeit.

Schlussglocke

Ich empfehle jedem Durchschnittsbürger genau das zu tun, was der Finanzwesir hier in seinem Blog auf vortreffliche Weise beschreibt: Gehe deinen Weg, hinterfrage die "Experten" und sei mutig. Konntest du die ausgeprägte Lernkurve eines Traders erfolgreich hinter dich bringen, ist es zwar eine Option, Trading auch in Teilzeit zu betreiben und damit tatsächlich eine Überrendite zum Festgeld zu erwirtschaften. Ein cleverer Buy-and-Hold-Ansatz bietet jedoch ein deutlich günstigeres Aufwand-zu-Nutzen-Verhältnis.

(awa)

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Kommentare

FelixETF sagt am 02. Mai 2017

Cliffs:

  • traden ist wohl profitabler als buy and hold
  • erfort jedoch eine Vielzahl an Fähigkeiten
  • es wird dem Otto Normalleser davon abgeraten aktiv zu traden

Klingt alles schlüssig. 99% der Leute würden jedoch verlieren longterm, wenn sie jetzt anfangen würden es zu lernen. Es hat einfach nicht jeder die Fähigkeiten dazu.
Vor allem fehlt den meisten die mentale Stabilität und absolute Konsequenz in ihrem Bankrollmanagement.

Ich bleib bei ETF und buy and hold.
Keine Lust und Zeit mich reinzufuchsen ins aktive traden.

FelixETF


Daniel sagt am 02. Mai 2017

Schön, hier auch mal was vom anderen Ufer zu lesen. Ist auf jeden Fall bereichernd um der Filterbubble zu entgehen.

Was mich aber am meisten interessiert hätte: Wodurch entsteht in Theorie und Praxis die Extra-Marge des aktiven Tradens gegenüber dem passiven Index-Lemming?


pHoeniX sagt am 03. Mai 2017

Ok, ich bin ehrlich, ich hatte bei der Einleitung zuerst damit gerechnet, dass es jetzt hier handfeste Anleitungen und Beispiele gibt, wie Trading funktioniert, bzw. wie Herr Folk es tut.

Stattdessen gab es im Kern eigentlich das, was auch der Finanzwesir immer predigt: WAS man genau tut, ist gar nicht so sehr das Entscheidende. Viel, viel wichtiger ist die Psyche dahinter. Das absolute Verständnis dessen, was man da tut, bzw. was man sich und seinen Gefühlen antut. Und dann ist es egal, ob ich mit meinem 100% Aktien-ETF Depot den 50% Crash durchstehe und nicht mit der Wimper zucke, oder ob ich beim Traden tagelang einen Verlust nach dem anderen einfahre.
Wer sich und seine Gefühlt nicht kennt und im Griff hat, wird verlieren. Und damit sind sich beide Lager doch gar nicht mehr so uneinig.

Ich werde jetzt trotzdem mal seine Webseite besuchen und nach einer handfesten Anleitung suchen. Bisschen mehr verstehen, was da passiert.


Axe sagt am 03. Mai 2017

sehr ausführlicher und ehrlicher Artikel über das Traden. Vielen Dank dafür!

Traden ist einfach ein Handwerk welches es zu erlernen gilt, möchte man wirklich ein Einkommen daraus erzielen.

Das schöne an diesem Handwerk ist aber, selbst das Beste "numerus clausus" garantiert nicht den Erfolg! Der Mensch und seine Wertvorstellungen steht im Mittelpunkt! Jeder, wirklich jeder kann es erlernen! Demut und Bereitschaft zur Selbstreflextion sind Schlüssel zum Erfolg.
Tugenden die gerade vielen Akademiker in ihrer völligen Selbstüberschätzung abgeht. Leider sind es diese Typen, die dann dank ihrer hervorragenden kommunikativen Möglichkeiten, das Traden in eine gewisse Ecke stellen!

In diesem Sinne, allzeit gute Trades und beste Grüße
Axe

Auf dem Blog von Axe gibt es hierzu diesen Artikel: Echtgeldchallenge


Kai sagt am 03. Mai 2017

Danke für die Einblicke und die Bestätigung, dass Traden eher nichts für mich ist.

Wer nicht alles lesen will: Der letzte Satz scheint den Artikel ganz gut zusammenzufassen:

"Ein cleverer Buy-and-Hold-Ansatz bietet jedoch ein deutlich günstigeres Aufwand-zu-Nutzen-Verhältnis."


Zinskraft sagt am 03. Mai 2017

Hallo Ingmar, hallo Albert

Ich verfolge zahlreiche Finanzblogs, in denen vornehmlich das Thema "passives Investieren" eine Rolle spielt. Auch ich selbst gehe diesen Weg und beschreibe ihn in meinem Blog.
Hier nun einen Artikel über das Traden zu lesen finde ich wirklich erfrischend, da ich auf den o.g. Blogs in der Form noch nie davon gelesen habe. Für mich klingt das Thema schon spannend und ich finde es interessant, wie es hier von allen Seiten beleuchtet wird.
Für mich persönlich wird das Traden allein schon aufgrund des Zeitaufwands aber nicht in Frage kommen (ROTI). Investieren, Sparen, finanzielle Freiheit etc. sind alles Themen, die mich interessieren und über die ich gerne lese und schreibe. Dennoch widerstrebt mir das aktive und frequente Handeln. In deinem allerletzten Satz erwähnst du ja auch, dass das Aufwand/Nutzen-Verhältnis bei buy-and-hold kaum zu toppen ist.

Danke für den Artikel!

Gruß
Martin

Auf dem Blog von Zinskraft gibt es hierzu diesen Artikel: Wieso ich Aktien (fast) blind kaufe


Marco sagt am 03. Mai 2017

Hi Ingmar
Ein toller Artikel. Auch wenn an einigen Stellen deutlich dein Frust über scheinbar ständige Vorurteile ggü. Tradern hervorkommt, so hast du mir dennoch einen guten Einblick ins Trading erhalten. Super klasse, vielen Dank.


Ingmar sagt am 04. Mai 2017

Danke für das konstruktive Feedback
Hallo Community,

Es freut mich wirklich, wenn ich euch die 'Trading-Welt' - durchaus kritisch - etwas näherbringen konnte. Genau das war meine Absicht. Schließlich sind sich die Buy and Holder Fraktion und Trader in Wahrheit ähnlicher, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Beide Arten von Akteuren setzen sich mit den Finanzmärkten und sich selbst auseinander, gehen kontrollierte Risiken ein und schließen sogar Börsengeschäfte untereinander ab - denn auch nicht wenige Trader handeln mit ETF's und AKtien.

Da kann man schon mal über den Tellerrand lubschen. Find ich klasse, wenn das bei euch auch so in etwa ankam.

@Daniel In meinen Augen ist es, ganz grundlegend technisch, nur auf das erhöhte Risiko zurückzuführen, welches du als Trader bereit bist ständig aufs Neue an der Börse einzugehen. Deshalb musst du es ja auch wirklich strikt und clever managen.

Wenn du beispielsweise ganz kurzfristiges Daytrading betreibst, riskierst du mitunter innerhalb eines Tages locker mal 5 bis 20% deines Kapitals. Nicht pro Trade natürlich! Aber kumuliert. In der Regel verlierst du das am Ende nicht, wenn du weisst, was du tust. Doch im schlechtesten aller Fälle, müsstest du es tatsächlich an den 'Markt' hergeben.

@phoenix Warst du deshalb enttäuscht? Da dieser Text nicht für Trader bestimmt war, habe ich mich mit Details absichtlich zurückgehalten ;) Aber...die Leitplanken für profitables Trading solltest du jetzt dennoch kennen. Und das Witzige ist: Damit weißt du wahrscheinlich schon mehr, als die meisten 'Pseudo-Trader'.

@Axe Du hast absolut recht: Ob Arzt oder Müllmann, Politiker oder CEO - den Markt interessiert es nicht die Bohne, wer sich da gerade mit ihm beschäftigt. Für viele sehr erfolgreiche Menschen aus anderen Berufszweigen, ist das nicht selten eine heftige Erkenntnis, mit der sie nur schwer klarkommen. Daher haben es diese Leute an der Börse oftmals sogar noch schwerer. Wenn sie allerdings aus anderen 'performancelastigen' Berufen kommen, haben sie dafür oft die Fähigkeit, sich durchzubeißen.

@Marco Am Anfang hat es mich in der Tat noch geärgert, mittlerweile stehe ich drüber. Aber gerne tue ich etwas dafür, um Vorurteile abzubauen. Auch mit solchen Artikeln. Sie helfen keinem weiter - also die Vorurteile meine ich :)

Beste Grüße
Ingmar


HH64 sagt am 04. Mai 2017

Hallo Ingmar,
Ich investiere seit ca. 35 Jahren in den Aktienmarkt und erlebte in dieser Zeit viele Höhen und Tiefen. Gelesen gab ich deinen Artikel nun mindestens 1,5x - werde daraus allerdings nicht wirklich schlau. Sorry, für mich wirkt das wie eine Aufzählung von nichtssagenden Börsenweisheiten.

Tipps wie z.B.

"Verluste klein halten, wenn du verlierst, und Gewinne möglichst groß machen, wenn ein Trade für dich läuft"

und

"... machte ich mehr als 80 % Rendite p.a. bei akzeptablen Risiken"

machen mich immer sehr nachdenklich. Ist meine persönliche goldene Trading-Regel ;)


ChrisS sagt am 05. Mai 2017

"Ok, ich bin ehrlich, ich hatte bei der Einleitung zuerst damit gerechnet, dass es jetzt hier handfeste Anleitungen und Beispiele gibt, wie Trading funktioniert, bzw. wie Herr Folk es tut."

Haja, wenn du dich etwas länger in der Trading-Szene umschaust, da gibt es nicht umsonst einen geflügelten Spruch, der ungefähr so geht:

"Wie kann man wirklich mit Trading dauerhaft und sicher Geld verdienen? Am besten, indem du einfach anderen Möchtegern-Tradern Kurse/Bücher/Seminare etc mit dem Titel "Wie kann man wirklich mit Trading dauerhaft und sicher Geld verdienen?" verkaufst..." ;-)


Genossenschafter sagt am 05. Mai 2017

@Axe
Traden als Handwerk? Ziemlich steile These, aber zumindest interessant.

Was völlig fehl am Platz ist, ist das folgende Akademikerbashing. Ich sehe hier echt keine schlüssige Argumentation. Hier wurde gelabert und nicht nachgedacht...

Viele Grüße von einer Akademiker-Type


Birgit sagt am 05. Mai 2017

Hallo zusammen,

Ich komme auch von der anderen Seite, genauer gesagt bin ich Systemtraderin.

Weil ich leider erst mit 47 Jahren den Entschluss gefasst hatte meine Finanzen selbst in die Hand zu nehmen, kam für mich das Finanzinstrument ETF und der damit verbundene langfristige Buy and Hold Ansatz nicht mehr infrage.
Ich habe mich dann für das aktive Trading entschieden, und mir einen Mentor gesucht.

Grundsätzlich unterscheidet sich das passive Investieren und Trading auch nicht wesentlich voneinander. Der Buy and Hold Ansatz ist eine Art des langfristigen Trendtradings.

Allerdings würde ich zum heutigen Zeitpunkt keine langfristigen Investitionen im Aktien oder Indeze Markt mehr tätigen. Die Märkte befinden sich seit 2009 (nach dem Bankencrash) in einem Aufwärtstrend.
Der Dax ist in dieser Zeit von rund 4.000 auf rund 12.000 Punkte gestiegen. Korrekturen gab es in dieser Zeit nur innerhalb des Trends. Der Trend ist also schon sehr weit gelaufen. Das Chance Risiko Verhältnis wäre mir jetzt, für einen Trendtrade zu klein.

Gruß
Birgit


Birgit sagt am 05. Mai 2017

@Chris

Es gibt mit Sicherheit viel Müll auf dem Markt, aber wenn du alles und jeden über einen Kamm scherst, ist das mehr als unfair.

Im übrigen beziehst du den Finanzwesir da gleich mit ein. Er bietet ja schließlich auch ein Coaching gegen Geld an.

Und warum sollten er und andere das nicht tun? Das ist schließlich nichts ungewöhnliches und gibt es in allen Branchen. Geld dafür zu nehmen ist auch nicht verwerflich. Du arbeitest ja bestimmt auch nicht umsonst.

LG
Birgit


Axe sagt am 05. Mai 2017

@Genossenschafter

es liegt mir fern, hier eine gesellschaftliche Diskussion anzustoßen. Ich gebe dir Recht, dass es sich hierbei um eine nicht schlüssige Argumentation handelt. Vielmehr sind es persönliche Erfahrungen und Eindrücke, deswegen auf diesem Weg ein aufrichtiges und ehrliches SORRY!

Viele wollen im Trading mehr sehen, als tatsächlich dahinter steckt. Letztendlich geht es um Wahrscheinlichkeiten. Der Markt kann steigen, fallen oder seitwärts gehen. Habe ich ein Regelwerk und das passende Underlying, welches in 2/3 der Marktlage Geld verdient, brauche ich "nur" noch die Disziplin es auch anzuwenden. Der Rest ist über Moneymanagement und Positionsgröße in Maßen der Liquidität des Underlying skalierbar. Das kann man erlernen, genau wie ein Handwerk!

Das Problem, jeder kann ohne jedwedem Wissen sofort loslegen und meint die Ausbildung nicht nötig zu haben, oder bereits abgeschlossen zu haben! Diese Leute werden dann zu "Opfern" der Finanzpornografie und lassen nicht selten Ihren Unmut an der gesamten Traderzunft aus. Aus meiner Sicht zu unrecht! Wer die Ausbildung nicht abgeschlossen hat, der darf halt auch nicht die Wand tapezieren, macht er es doch, fällt schon mal die Tapete wieder ab ;-)


ChrisS sagt am 05. Mai 2017

@ Birgit

Das war nur ein amüsanter Bonmot zum Schmunzeln, der hat also garnicht den Anspruch eine bier-ernste Aussage zu sein die "fair" sein muss. ;-)

So ganz grundlos gibt es den aber auch nicht - du sagst selbst schon dass es auch "viel Müll auf dem Markt gibt" (das unterstreiche ich gern), und es ist für unbedarfte Aussenstehende nur sehr schwer, die aufrichtigen Wissensvermittler von den unseriösen heiße Luft -Vermarktern zu unterscheiden (du oder ich können dazu ja auch gern ein paar Hinweise geben), gerade wenn man bei beiden erst bezahlen muss um an ihren geheimen Anleitungen teilhaben zu dürfen - der Vergleich mit dem Finanzwesir ist daher etwas unpassend, da alles Wissen zur vertretenen passiven Anlagestrategie schon frei auf dem Blog hier (und anderswo im Netz) verfügbar ist und im Coaching etc auch nichts anderes/neues/unbekanntes erzählt werden würde.


Ingmar sagt am 05. Mai 2017

Moin Moin!

Endlich kommen die Löwen in ihre Höhle zurück und sehen, wer sich da breit gemacht hat :)

@HH64

Dieser Artikel hat das Ziel, Trading aus vielen Blickwinkeln zu beleuchten und ist keine 1:1 Schablone für ein sofort anwendbares Tradingsystem. Ich weiss nicht, welche Erwartungshaltung du nach der Einleitung dazu aufgebaut hattest?!

Wenn du seit 35 Jahren an der Börse bist, wundert es mich ein wenig, wieso du diese - zugegebenermaßen abgegriffene - jedoch absolut elementare Weisheit als nichtssagend bezeichnest?

ZuRendite :Die hatte mich selbst überrascht. Du kannst jeden Trade in meinem Blog nachvollziehen. Und bedenke: Dieser Test lief nicht mit echtem Geld, der Bund Future lief in dieser Zeit sehr volatil und das Risiko pro Transaktion war mit 2% für ein Intraday-Geschäft recht hoch, aber noch akzeptabel.

Für überzeugte Buy and Holder sind solche Zahlen schwer zu fassen, ist mir schon klar.

Tradest du defensiv, schaffst du das aber auch nicht langfristig. Deine Rendite pendelt sich dann im Schnitt zwischen 10 und 40% ein. Brutto! Sobald du mehr haben möchtest, musst du deutlich aggressiver zu Werke gehen. Mit den entsprechenden Konsequenzen.

@Chris

Ich verstehe deine Skepsis und sie ist absolut berechtigt. Anfangs dachte ich sogar: Jeder Trader, der irgendetwas anbietet, kann nicht traden.

Nach vielen Jahren eigener Erfahrung mit dem aktiven Handel, musste ich meine Meinung dazu 180 Grad drehen. Warum, sollte in diesem Artikel eigentlich rüberkommen.

Die größten „Geheimnisse“ des privaten Tradings, wurden von mir im Abschnitt Risikomanagement tatsächlich abgehandelt. Dafür verlangen in der Tat nicht wenige Coaches schon einiges an Geld. Natürlich noch ein paar schnieke Checklisten und Worksheets dazugepackt ;)

Beim Feintuning des Ansatzes muss jeder sein eigenes Ding nach und nach zusammenbauen und es regelmäßig ein Stück weiterentwickeln. Blaupausen gibt es im Trading einfach nicht.

Und damit triffst du ins Schwarze: Unerfahrene können - gerade in der Trading Branche - nur sehr schwer einschätzen, was wirklich sein Geld wert ist. Und das meiste ist sein Geld nicht wert. In meinem Newsletter ist das ein wichtiges Thema. Klar, ich will damit auch Zusatzeinnahmen generieren, doch nicht ohne dafür einen Mehwert zu liefern.


Reinsch sagt am 06. Mai 2017

Mir geht es da wie pHoeniX: Ich hätte mir doch ein wenig Butter bei die Fische gewünscht.

So bietet der Artikel für mich hauptsächlich börsianische Binsenweisheiten. Dass man beispielsweise ein klares Money-Management hat und nicht wild irgendwelche Einsätze über den Markt streut ist für mich beispielsweise recht trivial.

Dazu einige logische Ungereimtheiten. Einerseits wird empfohlen die Einsätze pro Trade klein zu halten (relativ zur Gesamtsumme), andererseits ist von hoch gehebelt die Rede.
Und es wird schön vorgerechnet dass ich, wenn ich nur 1% des Gesamtkapitals setze nach 5 Verlusten nur 5% verloren habe und wieder reinholen muss - Dass ich dann aber natürlich auch entsprechend mehr Gewinne brauche und für den langfristigen Erwartungswert der Einsatz daher prinzipiell egal ist, das wird nicht erwähnt.

Im Endeffekt reichlich Worte um wenig Substanz, die sich auch mit der Börsenweisheit von meinem Opa zusammenfassen lässt: "Du musst halt die Aktien kaufen die dann steigen."


Dan sagt am 07. Mai 2017

Moin,
nachdem ich hier den Artikel gelesen habe, seinen Blog angeschaut habe und sein mini-"e-book"-chen bekommen habe, muss ich mir ernsthaft die Frage stellen, was wohl die Beweggründe von Finanzwesir sind, solche Artikel hier zu veröffentlichen und ob er am Ende damit nicht seine Reputation schadet. Wird hier demnächst auch der Dubai-Trader für sich Werbung machen dürfen? Solche Pauschalsprüche, Worthülsen und Binsenweisheiten sind nichts Neues in der Trading Szene.
Wahre Trader legitimieren sich mit attestierten Tracking Record und haben es nicht nötig Online Produkte oder Coaching zu verkaufen.

Wie sieht es hier mit einem attestierten Tracking Record aus? Es reicht auch die Steuerbescheinigung der Bank aus!


Birgit sagt am 07. Mai 2017

@Chriss

Ok, ich fange mal mit ein paar Hinweisen an, um nicht auf den größten Müll reinzufallen.

1)
Die eigene Gier abstellen.
Wer auf Versprechen reinfällt, die unter dem Motto laufen
„Schnell aus dem Nichts reich werden“ oder „Reich werden ohne Arbeit“, ist selber Schuld.
Eigentlich müsste sich hier der normale Menschenverstand einschalten, der einem sagt, dass es so nicht funktionieren kann. Die eigene Gier steht einem großen Teil der Anfänger im Weg.

Ich bin in einigen Foren unterwegs und versuche dort zumindest Anfängern zu helfen. Die meisten wollen diese Hilfe nicht. Sie wollen die Wahrheit gar nicht hören, weil die grundsätzlich was mit Arbeit zu tun hat. Die meisten Klicks, Views, Kommentare, Likes oder sonstiges bekommen diejenigen, die das Blaue vom Himmel erzählen, egal wie sehr es sich nach Wolkenkuckucksheim anhört.

2)
Darauf achten, dass nicht nur die guten Seiten dargestellt werden, sondern auch auf die Haken eingegangen wird.

3)
Niemals eine Black Box kaufen.
Es gibt heute ausreichend Anbieter, die ein Rücktrittsrecht haben, eine Geld zurück Garantie, eine kostenlose Probe anbieten oder im Coaching auch ein kostenloses Kennenlernen Gespräch. Wobei man dabei darauf achten sollte, dass es nicht nur um das Produkt geht, sondern ob der Coach versucht herauszufinden ob beide Seiten überhaupt zusammenpassen, also auf den Trader eingeht und versucht seine Bedürfnisse herauszufinden.

Zum Coaching,
Beim Coaching geht es auch nicht um reine Wissensvermittlung. Wissen gibt es heute in allen Bereichen, dank des Internets Gratis. Wenn ich etwas kaufe, erwarte ich mehr. Ich kaufe kein Wissen. Ich kaufe Erfahrung, die mir auch kein Blog mit einem Super Content liefern kann.

Das Mindeste was ich erwarte, ist folgendes:
Klar kann ich mich durch einen Blog lesen und mir mühselig selber zusammensuchen was ich brauche, oder herausfinden welche Schritte ich in welcher Reihenfolge gehen muss. Von einem Coach erwarte ich zumindest, dass er mir diese Reihenfolge erklärt. Und zwar sodass es auf meine persönliche Situation und meinen Wissensstand ausgerichtet ist. Ich tausche also Zeit (die ich dann nicht investieren muss), gegen Geld (das ich dem Coach gebe). Ich erwarte einen Mehrwert, ansonsten brauche ich auch nichts buchen oder kaufen.


Couponschneider sagt am 07. Mai 2017

Das Geschwätz kann ich nur schwer ertragen. Ich habe den Beitrag bereits am Tag der Veröffentlichung gelesen, kann mich aber erst aufgrund mancher Kommentare dazu durchringen, ein deftiges Kontra zu geben.

Hinter langfristigen Investitionen und kurz- bis mittelfristige Spekulation stecken Gedanken. Trading aber kümmert sich überhaupt nicht darum, was gehandelt wird. Gedanken braucht man sich nicht machen. Ein Händler in der Realwirtschaft muss sich wenigstens noch überlegen, wie er sein Zeug an echte Endkonsumenten vertickt.
Jemand mit Eiswägelchen schaut morgens aus dem Fenster und weiß, ob sich die Tour lohnt oder nicht. Er fällt keine Entscheidungen daran, wie andere Eiswagenverkäufer den Markt für Speiseeis einschätzen.
Wenn ich meine Bank beauftrage, Aktien zu kaufen, dann wird vielleicht ein Trader an mich verkaufen. Das Geschäftsmodell ist absolut okay, aber es ist, seitdem Rechner Wertpapiere kaufen und verkaufen, nichts, womit ein Privatmann heute noch systematisch Geld verdienen kann. Die dubiosen 5% der Daytrader, die Geld verdienen, reichen mir nicht als Beweis, dass es mit Können zu tun hätte.

Ich kenne die Videos mancher Daytrader: Knebel, Schäfermeier, Petkov, Lester, Suat Yeter... Was die ablassen, ist doch unglaubliches Geschwätz. Das Fass zum Überlaufen hier bei den Kommentaren brachte meines Erachtens "Axe".

"Traden ist einfach ein Handwerk welches es zu erlernen gilt, möchte man wirklich ein Einkommen daraus erzielen."

Das ist eine hohle Phrase. Beim Trading kann man zu leicht Glückstreffer landen und oft genug wird im Nachhinein dies zum Können verklärt. Aber wie viele Laien schaffen es auf Anhieb einen Tisch herzustellen, mit allem Pipapo? Ordentlich gedrechselt, gehobelt und lackert? Oder jemand haut zufällig in die Tastatur: Wer wird dabei zufällig das nächste angesagte Smartphone-Spiel programmieren? Die meisten wären nicht mal in der Lage, ein kompilierfähiges Programm zu schreiben.

"Das schöne an diesem Handwerk ist aber, selbst das Beste "numerus clausus" garantiert nicht den Erfolg! Der Mensch und seine Wertvorstellungen steht im Mittelpunkt! Jeder, wirklich jeder kann es erlernen! Demut und Bereitschaft zur Selbstreflextion sind Schlüssel zum Erfolg."

Das sind auch so Phrasen. Da wird mit "Wertvorstellungen" gewuchert. Mich erinnert an Unternehmensbroschüren, wo auch immer toll herausgestellt wird, dass die Mitarbeiter und ihre Weiterentwicklung einen enormen Stellenwert hätten.
Die Realität ist oft genug eine andere. Ich kenne eine Firma aus Berlin, da werden Leute als "Java-Entwickler" beschäftigt, die eigentlich dringend eine Java-Schulung nötig hätten. Die müssten eigentlich zwei Java-Bücher komplett durcharbeiten und obendrein noch Bücher über Objektorientierung. Eine weitere objektorientierte Sprache täte dann auch noch ganz gut, weil man erst dadurch abstrahiert und lernt.

"Demut und Bereitschaft zur Selbstreflektion"

Dann mögen die Trader doch mal anfangen, ihre Zufallstreffer kritisch zu beäugen.

"Tugenden die gerade vielen Akademiker in ihrer völligen Selbstüberschätzung abgeht."

Ich bin Akademiker aus dem technischen Bereich: Informatik. Die Ausbildung war mit vielen einsamen Stunden verbunden, mit der Nase in den Büchern, an der Tastatur vorm Bildschirm, mit Algorithmen die nicht funktionierten, mit den Ideen, die radikal verworfen werden mussten usw. usf.
Erzählen Sie mir bitte nichts von "Demut". Selbstüberschätzung?
Man sieht im Trading-Bereich viele gescheiterte Existenzen. Sie scheinen auch so ein Fall zu sein, jenen etwas nachzusagen, die eine akademische Ausbildung vorweisen können. Mich erinnert das an die Zeit bei der Bundeswehr.
Wenn ein charakterloser Unteroffizier mit Realabschluss einen Abitur unter sich hatte, durfte der sich warm anziehen. Das geringe Selbstwertgefühl des Unteroffiziers musste kam darin zum Ausdruck, indem er die mit Rekruten mit Abitur noch einen Ticken lauter anbrüllte. Es war seine einzige Chance, dass er diese kleine Machtdemonstration ausüben konnte.

"Leider sind es diese Typen, die dann dank ihrer hervorragenden kommunikativen Möglichkeiten, das Traden in eine gewisse Ecke stellen!"

Na klar: Es sind nur die kommunikativen Möglichkeiten. Es ist mitnichten so. Die Argumente sprechen einfach gegen das Traden.
Sie wissen was selbsterfüllende Prophezeiungen sind? Wenn Charttechnik funktionieren soll, dann müssen genügend Leute Charttechnik für den gleichen Chart nutzen, die Unterstützungslinien an die richtige Stellen setzen und danach handeln.

Die Trader und die Coaches benutzen dann auch Wörter, die sie selber nicht richtig verstehen und damit eigenem Leben ausfüllen, beispielsweise Wahrscheinlichkeit.
Ich finde da oft empörend blöde, wenn mir dann so ein Hampelmann mit Lamborghini sowas auftischt, weil ich mir sicher bin, dass er mit kerniger Stochastik nicht vertraut ist.
Dazu müsste man Lehrveranstaltungen besuchen, Bücher durcharbeiten und die Sachen selber mal durchrechnen. Vor ein paar Jahren tingelte Margrit Kennedy durch die Talkshows, die demonstrierte wollte, wie "krass" exponentielles Wachstum sei, selber aber Wissenslücken aufwies, wie man es rechnet.

Das Chartechnik - und Tradinggeschwätz erinnert mich auch die Homöopathie und ihre Jünger. Mich wollte vor 15 Jahren mal einer überzeugen. Ich bin ja jemand, der ausreden lässt.
Er sprach von Atomen, Molekülen und "Informationen". Er offenbarte mir da ziemlichen Blödsinn, aber es ist das typische Homöopathengeschwätz: Es soll wissenschaftlich klingen, also verwurstet man Begriffe aus den Naturwissenschaften und dem Ingenieurswesen ("Information" ist in Nachrichtentechnik und Informatik auch ein feststehender Begriff) und füllt sie mit eigenem Leben.


Birgit sagt am 08. Mai 2017

@Reinisch,

Das Risiko hat mit dem Hebel nichts zu tun. Das Risiko wird über die Positionsgröße gesteuert. Dabei ist der Hebel völlig egal.

Börsianische Binsenweisheiten sind ja nicht falsch. Ein klares Moneymangement ist nicht wild rumzutraden mag vielleicht trivial sein, allerdings halten sich viele nicht daran. Würden sie es tun, würde es weniger Verlierer geben.


Stefan (Immobilienanleger) sagt am 08. Mai 2017

@ Birgit

bist du dir sicher, dass du weißt was du da so machst?

Du sagst:

"Das Risiko hat mit dem Hebel nichts zu tun. Das Risiko wird über die Positionsgröße gesteuert. Dabei ist der Hebel völlig egal."

Das die Positionsgrößen einen Einfluss auf das Gesamtrisiko haben ist klar. Daher ja auch das ständige Gerede von Divesifikation. Zu behaupten, der Hebel wäre für das Risiko egal, ist ziemlich fahrlässig. Es ist doch wohl kaum belanglos, ob ich mit eigenem Geld oder mit geliehenem Geld (Hebel) handel.

Den letzten Teil deiner zweite Aussage finde ich fast noch bedenklicher:

"Würden sie es tun, würde es weniger Verlierer geben."

Diese Aussage ist inhaltlich einfach falsch. Trading ist ein Nullsummenspiel. Jedem Gewinn muss ein Verlust gegenüberstehen. Die zugrunde liegende Gleichung ist immer:

Gewinne + Kosten = Verluste

Natürlich gibt es Traider die fast immer gewinnen, genauso wie es auch Pokerspieler gibt, die fast immer gewinnen, da beides keine reinen Glücksspiele sind. Beide Spiele haben jedoch gemeinsam, dass die Gewinne des Einen immer die Verluste des Anderen sind. Daher ist die oben genannte Aussage inhaltlich falsch. Richtig wäre:

Würden sie es tun, würde es andere Verlierer geben

ich will nicht sagen, dass man nicht mit traden sein Glück suchen sollte. Jeder wie er mag, jedoch sollte man vorher wissen, wie die Spielregeln sind, bevor man Geld riskiert. Ich habe das Gefühl, dass Ingmar die Regeln genau kennt, bei Birgit bin ich mir da nicht so sicher.


Birgit sagt am 08. Mai 2017

| @Stefan,

Du kannst dir sicher sein dass ich weiß was ich tue ;)

Zum Hebel:
Das jetzt zu erklären würde mir viel Schreibarbeit machen. Deshalb hier ein Link zu einem Artikel, in dem mein ehemaliger Trading Coach es erklärt.

https://www.godmode-trader.de/artikel/hebel-und-risiko-haben-nichts-gemein,3222034

Und ja die Börse ist ein großer Umverteilungsort, oder Nulllsummenspiel wie du es nennst. Trotzdem würde es viele Verlierer weniger geben wenn sich mehr Menschen an die Grundregeln des Risiko und Moneymangement halten würden, oder überhaupt Stopps setzen würden.
Selbst mit einem schwach profitablen Handelssystem kann man damit kaum Pleite gehen.


HH64 sagt am 09. Mai 2017

@Birgit,
Ja, die Leute von "Godmode Trader" wissen wirklich, wie der Hase läuft. Da gabs doch auch mal einen Fonds:
http://www.finanzen.net/fonds/GodmodeTrader.de_Strategie_I
Tolle Performance und das bei geringen Spesen und Ausgabeaufschlägen ;-) Wirklich schade, dass der nicht mehr vertrieben wird...


Daniel sagt am 09. Mai 2017

Godmode haben nur Trader im Namen. Das sind ein Haufen Journalisten und das nicht mal gute. Die wenigen, die dort arbeiten und schreiben, traden mit eigenem Geld. Wie oben schon gesagt, erzählen kann man viel, entscheidend ist nur die echte Performance/Record. Ich kenne keinen Coachinganbieter, der die Eier seine Performance publik zu machen.
Was ist jetzt mit der Performance des geständigen Trader hier? Man hört nichts mehr von ihm ;-)


Birgit sagt am 09. Mai 2017

@HH64,

Mich haben Performance/Rekords anderer Trader oder meines Coach aus mehreren Gründen noch nie interessiert, weil er nichts über die wirklichen Fähigkeiten des Traders aussagt.

  1. Ein Performance/Rekord sagt nichts über das Risiko aus mit dem gehandelt wird. Vor allem dann nicht, wenn ich nur nach dem Verdienst frage.
  2. Ein Performance/Rekord gibt mir keinen Hinweis ob der Trader wirklich traden kann. Zu Zeiten des neuen Marktes gab es bspw. viele Aktien und Indize Trader die einen Super Trackrekord hatten. Das ist in einem Bullenmarkt, wie wir ihn auch jetzt seit 2009 wieder haben, auch kein Kunststück, wenn Long only gehandelt wird. Ob jemand wirklich Traden kann zeigt sich dann im Bärenmarkt.
  3. Ich weiß aufgrund eines Performance/Rekords auch nicht ob der Trader selbst für die Performance verantwortlich ist. Es kann ja durchaus sein, dass er einem guten Signaldienstleister folgt, und selbst vom Traden so gut wie keine Ahnung hat.
  4. Mit der heutigen Technik ist es auch kein Problem mehr einen Performance/Rekord zu fälschen. Und selbst wenn keine Fälschung vorliegt, kann man heute Demokonten nicht mehr von Echtgeldkonten unterscheiden. Die Zeiten in denen bei Demokonten auch überall Demokonto dabeistand sind vorbei. Für Anfänger macht es dass auch nicht leichter.
  5. Ich frage auch nicht fremde Menschen auf der Straße, wie viel sie verdienen, oder verlange auch nicht von ihnen dass sie mir ihre Bankbelege zeigen. Ein Teil davon würde wahrscheinlich gleich die Polizei rufen.

Anfänger dagegen können aus obigen Gründen leicht von schwarzen Schafen angelockt werden. Es gibt genug Unsinn im Internet, in dem Performancekurven gezeigt werden die einen Verdienst von mehreren 1000% im Jahr versprechen.
Profis fragen sowieso andere Trader nicht nach einem Performance/Rekord. Für sie ist allerdings auch sehr schnell, aufgrund dessen was der Trader von sich gibt klar, ob jemand Traden kann oder nicht.


Birgit sagt am 09. Mai 2017

@HH64 und Daniel,

Sorry, habe mich vertan. In meinem letzen Post sollte stehen @ Daniel, und nicht @HH64


HH64 sagt am 09. Mai 2017

@Birgit
Ja, es gibt wirklich viel Unsinn im Internet. Dein Link zu Godmode scheint ja ein Paradebeispiel dafür zu sein. Es ist mir unbegreiflich wie man für so ein Coaching-Geschwafel hunderte Euros ausgeben kann. Man braucht sich nur die User Kommentare durchlesen, alle (!) mit 5von5 Sternen (inclusive deinem Kommentar).
Leider fehlt mir die erfrischende Naivität diesen Phrasen Glauben zu schenken. So muss ich als Amatuer mit meiner durchschnittlichen Buy and Hold Rendite weiterleben, den "Profis" wünsch ich alles Gute beim Traden.


Daniel sagt am 10. Mai 2017

@Birgit: würde man sich im Medizinstudium von einem Chirugen ausbilden lassen, wenn er nicht vorher bewiesen hat, dass er operieren kann? Oder würde man angehende Piloten von Leuten ausbilden lassen, die nie am Cockpit saßen und die ganzen Instrumente von Büchern oder Simulation kennen?
Die Beispiele ließen sich beliebig fortführen. Man braucht eine Bilanz um seine beanspruchte Expertise zu validieren. In keiner anderen Branche würde man dich ernst nehmen, wenn du deine Expertise nicht mit belastbaren Hardfacts unter Beweis gestellt hast. Schade, dass der Begriff Trader und Coach nicht geschützt ist.

Ich kenne ein wenig die Branche auch hinter den Kulissen und weiß leider wie schlecht vielen diesen vermeintlichen Coaches und Tradern finanziell geht.
Wenn die im Trading erfolgreich wären, würden sie keine Webinare für CFD Broker für weniger als 200 Euro anbieten oder Beiträge für einen Apfel und Ei oder umsonst veröffentlichen?
Ich kenne als "Auftraggeber" die Preise einiger sehr bekannte "Trader" und "Coaches", kann aber leider hier keine konkreten Namen nennen. Und wenn man Vertrauen gefasst hat, dann fallen da auch Sätze wie Originalton: "...wie schön es wäre eine Festanstellung mit 60T Euro im Jahr. Kannst du da was empfehlen/ vermitteln..."

Gerd Kommer(?) spricht von Finanzporno.
Einmal hat mir ein "Trader", der immer bei WOT in Frankfurt mit Bühnenauftritten und Seminaren sehr stark präsent ist, abends bei einem Bier anvertraut, dass das was er macht "Selbstprostitution" (Originalton) sei und er aber keine andere Alternative habe, um finanziell über die Runden zu kommen.
Ein anderer, auch sehr bekannter Trader, hat mich sogar vor Jahren davor gewarnt, überhaupt auf die Idee zu kommen zu traden. O-Ton: "... du hast Famile und kleine Kinder..lass dir Finger davon!"

Du kannst gern selbst die Probe aufs Exempel machen. Such dir deinen Traum-Trader und -Coach aus. Einer, der sehr stark seine Produkte bewirbt. Nimm mit ihm Kontakt auf und lass dir unabhängig von seinen offiziellen Stundenpreisen auf seiner Website ein Coachingangebot machen. Du wirst erstaunen, wie schnell man sich auf einen Stundenlohn eines Callcentermitabeiters einigt. Kein Wunder, es geht ums nackte Überleben!

Oder noch einfacher: das Googln der angegebenen Anschrift im Impressum kann manchmal auch sehr aufschlussreich sein. Da wundert man, dass manch erfolgreicher Trader/Coaches in einer Sozialsiedlung am Rande der Großstadt hausiert. Das ist leider oft die Realität, denn es geht ums nackte Überleben.


Fibonacci sagt am 10. Mai 2017

@Birgit & Ingmar

Hand aufs Herz. Wie sieht denn Eure Erfolgsquote aus und wieviel Gewinn bleibt p.a. nach den Verlustrades und Kosten übrig?


Stefan (Immobilienanleger) sagt am 10. Mai 2017

Wenn ich mir eine Meinung über ein Geschäftsmodell wie z.B. Traiding bilden will, versuche ich dieses Modell auf seine Grundparameter zu reduzieren und diese in einer vereinfachten Simulation zu betrachten.

Grundsätzlich gilt:

  • Die Summe aller Anleger erwirtschaftet genau die Marktrendite. Hier angenommen 5% vor Kosten.
  • der Trader versucht eine Überrendite zu erwirtschaften. Dies geht nur, wenn auf der anderen Seite jemand weniger als die Marktrendite erzielt.

Damit ist klar, dass die Gewinne nicht aus dem luftleeren Raum kommen, sondern immer die Verluste der anderen (schlechten) Traider sind. Damit ein Traider 50% Rendite machen kann, müssen neun Traider komplett ohne Rendite (0%) auskommen, ansonsten geht die Rechnung nicht auf.

Das ist jedoch noch vor Kosten!

Jeder Kauf oder Verkauf kosten ca. 1%-2% an Provisionen, Gebühren etc. Ein sehr aktiver Traider wälzt sein Kapitel mit Sicherheit mehrmals im Jahr komplett um. Macht er dies nur 10 mal produziert er allein 30% seines Kapitals an Kosten (Zehn mal kaufen und zehn mal verkaufen zu 1,5% Gebühren). Diese 30% an Gebühren kommen noch zu den 50% Renditewunsch hinzu. Jetzt müssen schon 15 andere Traider ohne Rendite auskommen und zusätzlich noch 30% ihres Kapitals an Gebühren abgeben.

Wenn ich mir jetzt eine Situation vorstelle, in der 1.000 Traider mit je 100.000€ Kaptial zu den oben genannten Bedingungen immer untereinander handeln, ohne dass von außen neues Kaptial zufließt, sind diese alle zusammen schneller Pleite, als aus einer Badewanne das Wasser herausläuft. Nach nur zwei Jahren haben sie bereits ihr Kapital halbiert und im Durchschnitt nur noch 50.000€!

Damit ist klar, dass Traiding nur solange funktionieren kann, solange es Dumme gibt, die immer wieder große Mengen frisches Geld in das System einbringen. Da ich keiner der Dummen sein möchte, bleibe ich lieber bei der langweiligen langfristigen Geldanlage.


Marc O sagt am 10. Mai 2017

| Birgit, ich kann dich wirklich nicht verstehen. Wie kannst du der Meinung sein, dass die Performance eines Traders egal ist? Woran willst du denn sonst einen guten Trader messen? Sein Depot ist schliesslich das Ergebnis seines Handwerks. Was ist ein gutes Depot? Eines mit guter Performance! Ist beim Schreiner, beim Automechaniker, beim Architekten doch genau das Gleiche. Würdest du diese als gut bezeichnen, wenn du noch nie ein Produkt/Ergebnis von deren Arbeit gesehen hast?
Ich denke eher, dass das einfaches Zockerdenken ist. Wie im Casino: "Im Moment bin ich im Minus, aber heute kann ich ja alles wieder reinholen und vervielfachen." Den "Godmode" gibt es halt nur im Computerspiel (das waren noch Zeiten...). Und ich muss sagen, der Name macht diese Website nicht gerade seriöser.


Exhausted Gap sagt am 11. Mai 2017

An der Stelle, wo nach tatsächlichen Ergebnissen der Trader gefragt wird, wird es üblicherweise ruhig.


Ingmar sagt am 11. Mai 2017

Godmode Trading ist wirklich ein doofer Name

Moin die Herren und eine Dame :)

@Daniel
Deine Forderung nach einem verifizierten Track Record ist für mich dann nachvollziehbar und auch legitim, wenn ich dein Kapital verwalten soll, oder dir viel Geld für ein privates Coaching in Rechnung stellen will, und du müsstest dafür in Vorlage gehen (ähnlich Pilot und Chirurg, denn hier geht es ums Eingemachte).
Dann würde das aber in einem intimen Rahmen ablaufen. In beiden Berufen kann ich dir aus erster Hand sagen, ist die offiziell bestätigte Ausbildung aber leider dennoch keine Garantie für echte Expertise.
Wenn du das anders siehst, wunderbar, dann ist das ok so. Du musst und kannst nichts von mir kaufen, da ich weder ein eigenes Produkt habe, noch bezahlte Coachings anbiete.

Was habe ich hier gemacht?

Ich habe einen allgemein gehaltenen, wohlgemerkt kritischen Artikel über Trading geschrieben und wollte dabei keinen einzigen von dieser Tätigkeit überzeugen. Bestenfalls ein paar Vorturteile abbauen und möglicherweise ein paar gierige Greenhorns warnen, vorschnell mit dem Traden zu starten.

Natürlich kannst du das indirekt als Content Marketing sehen. Einverstanden.

Da du sämtliche Trading Coaches ansprichst: Ob ein Produkt oder Coach dem Käufer Merhrwert liefert, entscheidet dieser selbst und nicht ein Track Record oder gar Außenstehende. Und der Käufer wird das daran festmachen, ob er Fortschritte bei seinem Trading sehen kann und das möglichst schnell. Birgit hat hierzu das Wichtigste bereits getippt.

Vielleicht ist Jogi Löw in diesem Zusammenhang eine passende Figur.
Hätten die Verwantwortlichen im DFB nur nach dem - relativ gesehen - dürftigen ‚Track Record’ seiner aktiven Fußballer-Laufbahn entschieden, wäre er niemals Trainer der Nationalmannschaft geworden.
Da gab es weitaus attraktivere Alternativen. Trotzdem wurde ihm das Vertrauen geschenkt, weil er in Stuttgart schon einiges als Trainer bewegt hat und dann sein Coaching Track Record als Co Trainer beim DFB weiter aufbauen konnte.

Nur nach dem Track Record des Coaches, hätte Diego Maradonna umgedreht mit Argentinien souverän Weltmeister werden müssen. Gute Spieler haben beide Teams. Wobei man in Organisationen natürlich nie 100% weiss, weshalb jemand besetzt wird.

Der Track Record für Trading-Coaches, ist kein Kontoauszug, sondern die Quote der Klienten, die durch ihn erfolgreich wurden oder wenigstens deutliche Fortschritte in ihrer jeweiligen Disziplin machen konnten.

Und dein Statement „Wahre Trader müssen keine Produkte verkaufen“ leuchtet erstmal ein und auch ich habe es früher so gesehen. In meinem Artikel oder Blog, kannst du lesen, warum diese Aussage für private Trader total haltlos ist.

Diese Aussage von dir, trifft vielleicht unter der Bedingung zu, wenn dir jemand erzählt, wie toll er tradet und wieviel Gewinn er Monat für Monat einfährt.

Ein ‚wahrer’ Trader wäre sogar dämlich, wenn er sein Wissen und die Erfahrung nicht zweitverwertet oder noch andere Einnahmequellen erschließt. Selbst dann, wenn er Millionen verdient.

Bei den meisten steigt der Lebenstandard mit dem Einkommen, die Rücklagen in der Regel nicht. Kaum einer schraubt gerne zurück und du bist als privater Trader maximal von deiner uneingeschränkten Arbeitskraft abhängig und wirst nicht jünger. Kontinuierliche Einnahmen Fehlanzeige - Kostendruck ständig vorhanden.

Prinzipiell hast du absolut recht: Bei den meisten Tradern geht es ums Überleben.

Jetzt ist es nur noch die Frage nach dem Warum. Geht Trading von der Theorie her nicht, oder liegt es an den Tradern und gewissen Begleitumständen.

Stefan hat dazu schon einen richtungsweisenden Kommentar geschrieben und beweist hier eine durchaus weise Einstellung.

Ich kann jetzt leider nicht noch auf mehr Kommentare eingehen, denn ich habe seit ein paar Tagen kein Inet und muss mich auch noch um andere Dinge kümmern. Melde mich aber nochmal. Hoffe mein Text ist lesbar.. musste etwas schnell gehen.

Beste Grüße


Birgit sagt am 11. Mai 2017

@All,

Ich bin auch noch da:-) Komme aber auch nicht so schnell hinterher, ist aber auch kein Wunder bei zwei gegen viele ;-). Es gibt also auch von mir noch mehrere Kommentare.

Ich fange mal unten in den Kommentaren an, also bei der Performance. Ich hatte ja schon etwas dazu geschrieben und Ingmar hat ja mittlerweile auch noch einen Kommentar verfasst. Ich verstehe aber dass das für nicht Trader wahrscheinlich gar nicht so einfach zu verstehen ist. Seit gestern habe ich drüber nachgedacht, wie ich das vielleicht besser erklären kann.

Also bekommt ihr was ihr wollt. Eine Performancekurve mit einer statistischen Auswertung.
Was ihr erst mal nicht bekommt, sind irgendwelche Informationen dazu. Wichtig für eine Beurteilung sind ja nur Performancekurven. Welches Risiko ich dafür eingehe ist ja egal, oder doch nicht?

Es ist ein System, das ich vor zwei Jahren für einen befreundeten Trader entwickelt habe. Er wollte eine Trading Strategie mit der er entscheiden kann wann und welche Dax Aktien er kaufen und wieder verkaufen soll. Es ist ein sogenanntes Swingtradingsystem, was Outperformer Aktien des Dax handelt. Es werden Aktien gekauft, also kein Handel mit CFDs oder sonstigen Derivaten. Kosten sind eingerechnet.
Ich habe es zum besseren Verständnis ausgesucht, weil es am ähnlichsten zu dem ist was ihr als Investoren tut, falls weitere Fragen kommen.

Leider kann ich keine Bilder hier einfügen, habe das ganze also hochgeladen und stelle den Link hier ein.

https://workupload.com/file/Whpr5TY

Und auch noch mal zu mir eine Klarstellung. Ich bin Systemtraderin und lasse den Computer mein Systemportfolio handeln. Ich vekaufe nichts und bin auch nicht im Coaching tätig.


Birgit sagt am 11. Mai 2017

| @ Stefan,

"Damit ist klar, dass Traiding nur solange funktionieren kann, solange es Dumme gibt, die immer wieder große Mengen frisches Geld in das System einbringen. Da ich keiner der Dummen sein möchte, bleibe ich lieber bei der langweiligen langfristigen Geldanlage."

Damit hast du recht. Wie man sein Geld vermehrt ist letztendlich egal. Es kommt auf die eigenen Ziele an und darauf, dass man in seiner Sparte genau weiß was man tut.

Erfolgreich zu Traden setzt jahrelanges Lernen voraus, selbst wenn man einen guten Coach hat, der einem zumindest die Grundvoraussetzungen beibringt.
Das sehen aber viele nicht so. Ich war früher viel auf diversen Tradingplattformen unterwegs und habe wirklich versucht zu helfen und den Tradern erklärt, dass sie so wie sie es machen, ihr Konto vernichten.
Viel gebracht hat das nicht. Von "Frauen sollten besser in der Küche bleiben" bis "so was Dementes habe ich noch nie gehört", war so ziemlich alles dabei.

Gegen die agressive Werbung dass Traden ganz einfach ist und man damit schnell reich werden kann, kommt man kaum an.
Und ihre Vorbilder sind Menschen wie Koko P.


Leser sagt am 12. Mai 2017

@ Birgit

Natürlich ist für eine Beurteilung wichtig, mit welchem "Risiko" die Performance/Rendite erkauft wird. Wie kommst du darauf, dass es egal sei?

Wenn Ingmar (beim "defensiven" Traden) eine Bruttorendite zwischen 10% und 40% erwähnt, dann ist das nicht nur eine arg breite Spanne, sondern auch erst relevant, wenn das eingegangene Risiko und die Volatilität bekannt wird.
Die durchschnittliche Rendite großer Index-Fonds ist für viele Jahrzehnte bekannt.

Und die Performance über einen langen Zeitraum ist nicht nur aus Sicht der "buy and hold"-Anleger wichtig, sondern dient auch dazu, Glückstreffer ein wenig auszufiltern.
Einmal Glück haben kann jeder. Über einen langen Zeitraum erfolgreich traden kann nicht jeder.


Birgit sagt am 12. Mai 2017

| @Daniel,

Du hast völlig Recht, auch ich kenne diese Trader.

Viele von ihnen sind aber keine schlechten Trader, sondern einfach in eine von vielen Fallen gelaufen.
Die meisten wahrscheinlich in die Falle sich viel zu früh mit dem Trading selbstständig zu machen.
Es ist ein Unterschied, ob ich jeden Monat regelmäßig und verlässlich von meinem Arbeitgeber Lohn auf mein Konto überwiesen bekomme, oder Trade.

Würde ich irgendwelchen Anfängern jetzt beweisen, dass mein Strategie Portfolio mindestens 60% im Jahr erwirtschaftet, würden das alle Mega finden. Mit entsprechendem Risikokapital könnten sie gut davon gut leben.

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit.
Genauso wie beim Investieren ist das natürlich nur ein Durchschnitt der auch im Trading längerfristig zu sehen ist. Die Verteilung kenne ich vorher nicht. Meine Systeme erwirtschaften nicht jedes Jahr 60%. Wenn es schlecht läuft, können sie auch ein Jahr Minus machen, oder nur seitwärts laufen. Wenn es ganz schlecht läuft auch zwei Jahre. Dafür in einem anderen Jahr dann auch mal 300% erwirtschaften.
Das ist ein Punkt den viele unterschätzen, wenn sie sich selbstständig machen. Meistens ist nicht genug Kapital im Hintergrund vorhanden, dass sie diese Durststrecken durchstehen lässt. Das ist aber nicht nur im Trading so, sondern gilt allgemein für Selbstständige.
Hier beginnt dann ein Teufelskreis. Die Trader stehen unter Druck, weil das Geld zum Überleben verdient werden muss. Viele beginnen dann mit Overtrading, was im schlimmsten Fall den Kontotod bedeutet.

Viele dieser Trader handeln diskretionär und sind Daytrader. Das ist in den ersten Jahren noch ok, und man ist froh und stolz es geschafft zu haben und Geld zu verdienen.
Irgendwann wird es für einige aber langweilig und man verliert den Spaß daran. Auch als diskretionärer Trader habe ich Systeme, an die ich mich halten muss.
Der „kreative“ Anteil in dieser Art des Tradings ist nicht so hoch, wie die meisten denken. Trading hat nichts mit immerwährender Action und Spaß zu tun. Auch diskretionäres Trading hat mehr mit Fließbandarbeit und weniger mit einem spannenden Job zu tun.

Also kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem ich mich jeden Tag zur Arbeit zwingen, und mich an den PC quälen muss. Emotional keine guten Voraussetzungen, um erfolgreich zu handeln.

Ich bin nicht umsonst Systemtraderin geworden. Mir wurde es relativ schnell, nach nur 2 Jahren langweilig. Das hatte zur Folge, dass ich nicht mehr regelmäßig gehandelt habe.
Das hatte dann zur Folge, dass ich viele gute Trades verpasst habe, dafür viele Fehltrades mitgenommen habe. Mein Trading hat sich dramatisch verschlechtert, obwohl ich nicht weniger Zeit mit Trading verbracht habe als vorher.
Zu dem Zeitpunkt musste ich mir überlegen was eigentlich los ist, weil Traden und Börse war ja immer noch meine Leidenschaft.
Dabei kam dann heraus, dass ich den Vorgang des aktiven Tradings einfach nur doof, langweilig und sinnlos finde. Ich hatte meine profitablen Systeme, an denen ich aber genau in dem Moment das Interesse verloren habe, wo ich das Rätsel geknackt hatte. Was ich stattdessen aber die ganze Zeit gemacht habe, war neue Systeme zu basteln.
Damit war dann für mich klar, mir liegt das aktive Trading gar nicht. Mir liegt die Systementwicklung viel mehr. Jetzt lasse ich den Computer handeln. Systemhandel funktioniert etwas anders als diskretionärer Handel und ich musste durch eine weitere Lernschleife.
Wäre ich zu dem Zeitpunkt darauf angewiesen gewesen vom Trading leben zu müssen, na dann prost Mahlzeit.
An meinem Beispiel sieht man übrigens auch, wie individuell Trading ist. Den einen Trader gibt es nicht. Die eigene Persönlichkeit ist wesentlicher Bestandteil eines erfolgreichen Tradings.

Es gibt noch einige weitere Fallen, einige hat Ingmar ja auch noch angesprochen.

Aber um zum Coaching zurückzukommen. Ich bin davon überzeugt, dass viele dieser Trader die du angesprochen hast ein gutes Coaching machen würden. Sie haben die Erfahrung und kennen die Fallen.
Leider stehen sie aber bereits unter dem Druck Geld verdienen zu müssen. Und da bleibt ihnen meist nichts anderes als diese „Prostitution“.
Das liegt aber nicht an ihnen, sondern daran was die Käufer wollen. Die meisten wollen diese Wahrheiten nicht hören. Sie würden ihre unrealistischen Träume zerstören.
Auch hier gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage.

Ich kenne auch diese Spielchen auf den Messen. Guck dir doch mal an zu welchen Vorträgen die Besucher rennen und welche Veranstaltungen aus allen Nähten platzen.
Das sind grundsätzlich Veranstaltungen, in denen Strategien vermittelt werden mit Super Performancekurven. Nimm bspw. an einer Veranstaltung über Risikomanagement teil und du hast höchstens einen halb vollen Saal. Wobei die Räume für solche Veranstaltungen von vornherein schon kleiner sind.

Und am Ende noch ein wichtiger Punkt. Trading ist ein einsamer Job, und wahrscheinlich hat auch kaum jemand einen Trader in seiner Nähe wohnen, mit dem er sich regelmäßig treffen und über das Trading unterhalten kann.
Ein Teil der Trader, die ein Coaching, Tradingservice usw. anbieten, machen es damit sie Kontakt zu anderen Tradern haben. Wenn sie dabei gute Arbeit leisten, ist es auch völlig in Ordnung Geld dafür zu verlangen.
Der Kontakt zu anderen ist übrigens der Grund warum ich auf Blogs kommentiere. Ich mache das nicht aus purer Langeweile ;)

@Ingmar,

Ich stimme völlig mit dir überein. Trading hat seine Schattenseiten, und bleibt solange man es betreibt eine Herausforderung. Wer dieses Spiel nicht leidenschaftlich liebt und nur um des Geldes willen macht, wird auf Dauer nicht erfolgreich sein.
Für denjenigen, der es leidenschaftlich liebt, bietet es aber auf der anderen Seite Chancen wie in kaum einem anderen Job.


Stefan (Immobilienanleger) sagt am 12. Mai 2017

@ Birgit

Es ist bemerkenswert, mit was für einer Ruhe du hier weiterhin gegen die große Masse argumentierst. Ich weiß nicht, ob ich die Energie aufbringen würde.

Wie man sein Geld vermehrt ist letztendlich egal. Es kommt auf die eigenen Ziele an und darauf, dass man in seiner Sparte genau weiß was man tut.

Dies sind die beiden entscheidenden Punkte:

  • Man vermehrt sein Geld
  • Man weiß was man tut

Ich denke beim ersten Punkt hakt es noch ein wenig. (Day)Trader vermehren ihr Geld nicht. Selbst auf Trading-Seiten scheint, soweit ich dies bisher überblicken konnte weitgehend Einigkeit zu bestehen, dass 80-90% der Trader dauerhaft Verluste (oft Totalverlust) machen und nur 1%-5% überhaupt dauerhaft Gewinne erzielen. Dies deckt sich übrigens überraschend gut mit meiner Beispielrechnung aus meinem Vorpost.

Auch schien auf den Tradingseiten oft durch, dass Trader, welche langfristigere Trades bevorzugen in der Regel erfolgreicher sind als Kurzfristtrader. Wenn sich dieses Muster so fortsetzen sollte, dann müßte ein Ultra-Langfrist-trading-System am Erfolgversprechendsten sein.
Mein Namensvorschlag für solch ein System wäre buy and hold. Vielleicht fällt jemanden ja aber ein etwas Marketingtauglicher Name ein, der den klassischen Trader besser anspricht. Vielleicht "kauf dich reich" oder so ähnlich. Entschuldige bitte diesen kleinen Anflug von Polemik.

Klar kann man mit Trading Geld verdienen. Dies ist jedoch aus meiner Sicht keine Form der Geldanlage und auch kein Geschäft wie z.B. Immobilien, sondern eine Mischform zwischen Glücksspiel und sportlichem Wettkampf wie z.B. Poker.
Wenn ich die Wahl zwischen Trading und Poker habe, dann entscheide ich mich persönlich für Poker. Das macht mehr Spaß und die Gewinnchancen sind viel höher. Es ist auch leichter zu lernen, ein wenig Stochastik und Menschenkenntnis reichen.


Birgit sagt am 12. Mai 2017

@Leser,

Ich weiß dass es wichtig ist. Aber für einige Leser hier wohl nicht, weil wir mehrmals einfach nur nach unserer Performancekurve oder Verdienst gefragt wurden, obwohl ich zu dem Thema hier schon am 9 Mai einen Beitrag geschrieben hatte, der wohl nicht so gut angekommen ist.


Daniel sagt am 12. Mai 2017

@Birgit

Sind wir jetzt weiter? Wir bewegen uns im Kreis, reden um den heißen Brei herum und plaudern dabei viel Dampf. Ganz ehrlich, jetzt muss endlich Butter bei die Fische. Keine Backtesting-Theorie! Keine Hypothesen von 60 Prozent etc.

Wie sieht es konkret mit Zahlen, Fakten und Tatsachen aus? Sonst können wir uns hier auch gegenseitig totschreiben.


Fibonacci sagt am 13. Mai 2017

Gerne wiederhole ich meine Frage an die Gewinn-Trader hier:
Wie sieht die Bilanz unterm Strich aus? Wie ist die Quote Gewinn/Verlusttrades? Wieviel bleibt an Gewinn p.a. übrig?
Vielleicht lässt sich ja der Mythos hier aufklären, dass 99% aller Trader Geld verlieren und die Hauptgewinner die Aboverkäufer und Seminaranbieter sind.


Ingmar sagt am 15. Mai 2017

Hallo,
ich habe nun wieder Inet und werde noch den ein oder anderen Punkt ansprechen. Muss aber erstmal alles genau lesen. Melde mich dazu dann die nächsten Tage.

Zwei Sachen noch schnell..

@Daniel

Mit deinem Track Record hätten wir ganz schnell das nächste Problem und wir wären in deinen Augen wieder nicht weiter, denn: Ich bin Teilzeittrader und mein Futures Trading-Ansatz hat, aus guten individuellen Gründen, eine - für Daytrader - sehr niedrige Frequenz. Manchmal nur 1 Trade pro Woche. Du würdest mir diesen Record sofort wieder um die Ohren hauen, weil die Aussagekraft tatsächlich schwierig einzuschätzen ist. So lange trade ich auch noch nicht profitabel..

@Birgit

Erstmal Anerkennung für deine differenzierten Beiträge, mit denen du dir sicher einige Arbeit gemacht und hier die Stellung der Trader gehalten hast ;)
Und wie war das mit Koko(lores) gemeint? Glaubst du er verarscht die Leute und kann nicht traden?

Auf dem Blog von Ingmar gibt es hierzu diesen Artikel: Lebenszeichen..


Axe sagt am 16. Mai 2017

@Couponschneider

vielen Dank für ihre ausführlich Stellungsnahme. Leider kann ich ihre Anfeindungen nicht wirklich nach vollziehen?! Meine Aussage das Traden ein Handwerk ist, bezeichnen Sie als hohle Phrase und argumentieren mit meinem Argumenten?! Für mich ein bisschen Wortklauerei ;-) Denn ich bin genau auf ihrer Seite, nur ein Tischler kann einen perfekten Tisch herstellen und nur ein ausgebildeter Trader kann dublizierbare Trades ständig wiederholen.

Es geht dabei nicht um die Glückstreffer.
Es geht mir auch nicht um Charttechnik oder sonstigen Hokuspokus, es geht mir um die Möglichkeit mathematische Wahrscheinlichkeiten zu seinem eigenen Vorteil nutzen zu können.
Ach ja Sie finden es ja "empörend blöde", wenn ich Ihnen sowas erzähle da ich nicht mit kerniger Stochastik vertraut bin. Brauche ich aber auch nicht, denn wenn ich einen Trade aufsetze, der Gewinne erzielt wenn der Markt steigt, fällt oder sich seitwärts bewegt, dann gibt es nicht mehr viele Möglichkeiten die gegen mich laufen.
Da ist mir die kernige Stochastik gelinde gesagt schnurz! Naja und dann kommen wir auch schon zu meiner, einmal mehr bestätigten Aussage, das ein gewisser IQ im Zusammenhang mit einer eingeschränkten "open your mind" Haltung für den aktiven Handel an der Börse kontra produktiv sind.

Zum Glück verkaufe ich nichts und betreibe genau wie Sie eine Affiliate frei Homepage. Entgegen der allgemeinem Meinung hier, veröffentliche ich jeden meiner Trades nahe zu live.
Keine Kosten, keine Gebühren kein E-Book oder sonstige verstecke Kosten. Ich setze jeden Monat 4 Einkommenstrades auf, welche sich weder an einen Chart, einen Kurs oder sonstigen hellseherischen Werkzeugen orientiert.
Jeden Monat 4x das Gleiche. Natürlich habe ich ein festes Regelwerk, aber ohne das geht es ja auch nicht. Und natürlich habe ich auch Verluste, aber genau wie der Tischler werde ich am Ende einen fertigen Tisch, also ein Einkommen generieren!
Alle Regeln sind im Internet mehr oder weniger frei zugänglich. Max eine kleine Gebühr für den ein oder anderen "Tippgeber" habe ich gezahlt.

PS: Ihre persönliche Vita interessiert mich nicht die Bohne! Ein wenig mehr Transparenz, wie Sie die 13,8% p.a. schaffen dagegen sehr.


Moabeat sagt am 16. Mai 2017

@Axe: Biete 1.000€ für die Formel, mit der man solche Trades findet:

"Brauche ich aber auch nicht, denn wenn ich einen Trade aufsetze, der Gewinne erzielt wenn der Markt steigt, fällt oder sich seitwärts bewegt, dann gibt es nicht mehr viele Möglichkeiten die gegen mich laufen."


Michael sagt am 16. Mai 2017

@ Birgit
Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich deinen verlinkten Performance-Chart einordnen soll

Zitat: "Es ist ein System, das ich vor zwei Jahren für einen befreundeten Trader entwickelt habe"
Wie passt das zu dem dargestellten Zeitraum? Das ist doch unmöglich die Gesamtbilanz einer Exdaytraderin?

Lese ich das richtig, dass du in 13 1/2 Jahren nur 49 Trades gemacht hast, und der Nettogewinn im Gesamtzeitraum bei 10k lag? Wozu dann der ganze Zeit- und Arbeitsaufwand?

Auch wenn ich mir sicher bin, das es einige wenige erfolgreiche Trader da draußen geben, dieser Chart ist meinem Verständnis nach alles andere als ein Beleg für deinen langfristigen Erfolg.


Birgit sagt am 16. Mai 2017

@Marc O, Michael

Das System macht fast das gleiche wie ETFs. Der Unterschied besteht nur darin, dass es nach einer Korrektur billig kauft, die Bewegung mitnimmt, bei der nächsten Korrektur wieder verkauft usw.. Die Trades bleiben also nicht durchgehend im Markt. Gewinne werden reinvestiert.
Das hat schon mal den großen Vorteil dass man keinen riesigen Drawdown aushalten muss. Ich mag keine Drawdowns von 40, 50 oder mehr Prozent. Im Gegensatz zu vielen ETF-Investoren, kenne ich meine persönliche Toleranzgrenze eines Drawdowns sehr genau. Drawdowns gehören für mich zum Tagesgeschäft.
Viele ETF-Investstoren hatten noch nie wirklich einen Drawdown. Der Dax befindet sich seit 2009 in einem Aufwärtstrend.
Die Geschichte der Börse und diverse Untersuchungen zeigen deutlich, was in einem größeren Drawdown oder Crash passiert. Viele Anleger fangen aus Angst an zu verkaufen.

Das Trading System ist gut. Das sieht man eigentlich schon am Profitfaktor von rund 3 und dem CRV von 2.

Wie kannst du eigentlich den Verdienst in Euro bewerten wenn du das Risiko nicht kennst? Genau das ist nämlich das dumme an "nur" Performancekurven. Und genau das worauf Anfänger reinfallen wenn sie eine Kurve sehen, mit der ein System mehrere tausend Prozent pro Jahr macht.

Bei diesem System liegt das Risiko, also die benötigte Kontogröße bei genau 1399,50. Das ist ein Ertrag von rund 713% in 14 Jahren. Also pro Jahr rund 50%.
Wenn ich mehr Geld verdienen will, investiere ich mehr:-)

Hier nochmal der komplette Performancereport (mit Risiko).

https://workupload.com/file/QC4m2Nh

Ich bin Systemtraderin. Das heißt ich handle ein Systemportfolio mit 6 Systemen in unterschiedlichen Timeframes. Ein System erwirtschaftet pro Jahr zwischen rund 20 und 50%. Wieviel Geld ich am Ende damit verdiene, liegt an meinem Einsatz. 20% von 500 Euro ist schließlich etwas anders als 20% von 5000 Euro.

Aber natürlich hat auch Marc O Recht. Man kann nicht mit einer Betrachtung der Vergangenheit auf die Zukunft schließen. Egal ob mit Charttechnik oder anders. Aber ich trade nichts, was in der Vergangenheit schon nicht funktioniert hat.Systeme können jederzeit aufhören zu funktionieren, darum werden sie auch überwacht.
Die Börse ist ein unsicherer Ort.

Das gilt aber auch für Investoren. Sehr langfristig gesehen hat man mit Buy and Hold Erfolg. Das sagt aber nichts über den persönlichen Erfolg aus. Wenn ich das Geld bspw. mit 65 Jahren zur Aufstockung meiner Rente brauche, oder mir dann diverse Wünsche erfüllen will, weiß ich vorher nicht wieviel dabei rumkommt.
Die Börse könnte sich zu dem Zeitpunkt auch in einer großen Korrektur oder in einem Crash befinden. Wenn ich dann nicht ausreichend lange dabei bin, kann das auch im Minus enden.


Axe sagt am 17. Mai 2017

@ Moabeat
ich möchte nicht gegen die Anti Spam Regel des Gastgebers verstoßen. Er hat oben bereits einen Link eingefügt, wenn Du dich ein bisschen bei mir einliest, bekommst es umsonst. Die 1.000 EUR kannst lieber einem guten Zweck spenden.
Wenn Du mich bei meinem sozialen Engagement unterstützen möchtest, Spende es der Phönikks Stiftung in Hamburg ;-)


BigMac sagt am 17. Mai 2017

@Birgit, @Axe

Zuerst einmal vielen Dank an euch (und an den Wesir) für diesen - wie ich finde - interessanten Einblick. Bislang war mein Wissen zu Trading gleich Null, aber motiviert durch Blog-Beitrag und Diskussion habe ich die letzten Tage versucht ein wenig von dem Thema zu verstehen. Betrachtungen der Vergangenheit und Performancecharts überzeugen mich weniger (anscheinend im Gegensatz zu vielen anderen). Ich will wissen, nicht glauben.

Mein "Problem": Zu Systemen und Strategien findet man im Web ein paar Infos in Deutsch (Englisch ist nicht mein Ding). Ich habe mich mit ein paar Systemen beschäftigt und verstanden WIE sie funktionieren. Aber nirgends habe ich etwas zu "WARUM funktionieren diese Systemen?" und der damit eng verbundenen Frage "Wie entwickelt man Trading-Systeme?" gefunden. Habt ihr dazu ein paar Infos und Links?

Gruß, BigMac


Finanzwesir sagt am 17. Mai 2017

@die Trader: Danke für die ganzen Erklärungen und die Ausdauer hier immer wieder zu kommentieren. Das hatte ich mir erhofft, denn wie schrieb Herr Folk:

"Der Trader liebt die Herausforderung." ;-)

@das Stammpublikum: Danke für Eure inhaltlich kritischen aber in der Form angemessenen Kommentare und Anmerkungen

Was ich mitnehme: Das ganze ist noch unspektakulärer und langweiliger als ich dachte. :-)
Das einzige was mich vielleicht noch ansprechen würde, wäre der Bau eines Systems. Das liegt uns Ingenieuren. Das was Birgit schreibt, habe ich in ähnlicher Form auch von den Immo-Leuten gehört. Die bauen sich auch ein System. Das besteht halt aus Bankern, Steuerberater, Handwerkern und einer Hausverwaltung. Aber die haben auch ein Raster, dass sie auf jede Immobilie legen um zu beurteilen: Mach ich oder mach ich nicht.
Wenigstens haben die Immo-Leute noch ab und zu Kontakt mit Menschen. Trading scheint mir da deutlich einsamer zu sein.
Aber irgendwie will der Faszinations-Funke bei mir nicht überspringen. Das erscheint mir alles so mühsam und abstrakt und entsetzlich langweilig.
Mag sein, dass es daran liegt, das ich vollkommen immun gegen jede Art von Spiel bin. Egal ob Brett-, Karten-, Computer- oder Glücksspiel: Alles Lebenszeitverschwendung.

Aber ich bin stolz darauf, so einen Artikel im Blog zu haben.

Gruß
Finanzwesir


Axe sagt am 18. Mai 2017

@BicMac
ich bin für Deine Fragen leider der falsche Ansprechpartner. Ich Frage nie warum fährt das Auto, oder wie kann ich mir ein Auto selber bauen...entschuldige die Metapher aber mein Ansatz ist komplett ein anderer.

Wenn mir ein System vorgestellt wird, erlerne ich das Regelwerk.
Dann gehe ich auf den Übungsplatz und teste, das System 12 Monate. Beherrsche ich alle Regeln und erziele ein positives Ergebnis, dann handel ich es mit Echtgeld.
Durch meine Erfahrung mit dem System, erweitere ich das Regelwerk und schreibe mir genau auf, wann das System nicht mehr funktioniert. Beispiel ich erwarte auf 10 Trades 8 Gewinner. Sollte jetzt auf 10 Trades 8 Verlierer folgen höre ich auf. Sehr vereinfacht ausgedrückt, aber so mache ich es letztendlich.

Kurzum, ich erfinde das Traden nicht neu, sondern nutze veröffentliche Systeme. Modifiziere die Regeln vor allem mit den Gedanken, ab wann Handel ich das System nicht mehr. Ich mache das seit 1999 und ich kenne kein besseren Ratgeber als auf die eigenen Erfahrung zurück blicken zu können!


Birgit sagt am 19. Mai 2017

@BicMac,

Ich entwickle Systeme, das Warum dahinter interessiert mich aber genau so wenig wie Axe. Sein Auto Beispiel finde ich aber Klasse. Du hast geschrieben:

„Betrachtungen der Vergangenheit und Performancecharts überzeugen mich weniger (anscheinend im Gegensatz zu vielen anderen). Ich will wissen, nicht glauben“

Es gibt im Auto Beispiel „3 Spieler“. Den Konstrukteur, den „schlechten“ (unerfahrenen) Fahrer und den „guten“ (erfahrenen) Fahrer. Das Spiel ist für alle gleich. Alle haben ein Auto und dieselben Verkehrsregeln.
Der Konstrukteur weiß warum das Auto funktioniert. Das heißt aber nicht automatisch dass er ein guter Fahrer ist. Vielleicht konstruiert er ja nur Autos, fährt aber viel lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Die schlechtesten Fahrer sind die Anfänger, sie kennen zwar die Theorie haben aber noch keine Erfahrungen gesammelt.
Die besten sind Vielfahrer die in der Vergangenheit jede Menge Erfahrungen gesammelt haben, und wissen wie sie in verschiedenen Situationen am besten reagieren sollten. Warum und wie man ein Auto konstruiert, oder warum es fährt müssen sie dazu nicht wissen.
Die Informationen die sie nutzen, liegen in der Vergangenheit. Wie ein einzelnes Ereignis aber genau ausgeht wissen sie vorher auch nicht. Niemand kann in die Zukunft sehen.

Beim Traden ist das nichts anderes. Einen Teil der Informationen die ich brauche, hole ich mir aus dem Chart der Vergangenheit.
Als diskretionärer Trader brauche ich dann natürlich auch noch praktische Erfahrung um in die entsprechenden Situationen richtig einzusortieren und schnell zu reagieren.

Wie entwickelt man Trading Systeme?
Entweder nimmt man wie Axe ein schon vorhandenes System und passt es an, oder man sucht selber nach ähnlichen Situationen im Chart und entwickelt daraus ein System. Ein System entsteht im Grunde genommen aus Statistiken.

Ich stelle mal einen Link zu einem deutschen Blog ein, wo du einen Einblick bekommst wie das funktioniert. Ich hoffe das ist erlaubt, sonst bitte löschen.

https://www.statistic-trading.de/statistische-markttechnik-trading/


Finanzwesir sagt am 19. Mai 2017

Hallo Birgit & Trader,
wie ist Eure Meiung zu diesem Artikel: https://www.mr-market.de/algo-trading-es-ist-so-verflucht-artifiziell/

  1. Stimmt es, dass immer mehr algorithmisch gehandelt wird?
  2. Wenn ja, macht das die Systementwicklung leichter oder schwerer?

Gruß
Finanzwesir

PS: @Brigit hier ist alles gern gesehen, was die Sache weiterbringt. ;-)


BigMac sagt am 19. Mai 2017

@Axe: Ich muss dir widersprechen, denn deine Antwort zeigt mir, dass du doch der richtige Ansprechpartner bist. Durch den Beitrag ist mir deine Vorgehensweise erst wirklich klar geworden. Drei wichtige und für mich neue Erkenntnisse entnehme ich deinem Beitrag:

  1. Du wendest Systeme nicht blind an, sondern hast eine Strategie, wie du mit Systemen umgehst.
  2. Deine Strategie basiert auf dem Prinzip "Trial & Error".
  3. Ein System funktioniert nicht immer und ewig, sondern hat ein unbekanntes Ablaufdatum.

@Birgit: Vielen Dank für den Link, die Seite kannte ich noch nicht. Dein Beitrag bestätigt noch mal, dass Systeme alleine auf Wahrscheinlichkeiten beruhen, die aus vergangenen Ergebnissen ermittelt werden. Sie können deshalb in der Zukunft ganz anders aussehen.

Vielleicht melde ich mich später nochmal zu dem Thema.

Gruß, BigMac


Birgit sagt am 19. Mai 2017

@BigMac,

Ja das siehst du völlig richtig. Ich handle nur Algos, und die sind noch empfindlicher als diskretionäre Systeme. Je kleiner die Zeiteinheit in der sie handeln, umso anfälliger.
Wenn ich ganz großes Pech habe, kann ein System in dem Moment aufhören zu funktionieren, indem es auf dem Echtgeldkonto startet.

Deshalb müssen Systeme ständig überwacht werden. Sie laufen innerhalb bestimmter (Crash)Parameter. Werden diese gerissen, wird das System deaktiviert und überprüft. Das ist jetzt ein bisschen die Kurzform, alles andere würde den Rahmen hier aber sprengen.

Ein Algo System zu handeln heißt auf keinen Fall es irgendwann mal zu starten und dann zu vergessen. Es ist keine Gelddruckmaschine im Keller. Obwohl das im Internet meistens so rüberkommt.

Deshalb behaupte ich ja auch "Nur wer dieses Spiel leidenschaftlich mag, kann auf Dauer gewinnen". Solange man Tradet bleibt es eine ständige Herausforderung, auch wenn man ein Super Profi ist.

@Finanzwesir
Ich antworte noch, muss aber erst ein Bild machen:-)


Ingmar sagt am 20. Mai 2017

@Finanzwesir

„Trading scheint mir da deutlich einsamer zu sein.“

Das private Vollzeittrading ist in der Tat eine einsame Tätigkeit. Für mich ist es sogar ein weiterer Grund, Trading nur als zweites, drittes Standbein zu betreiben. Zudem macht diese Sache das Trading umso schwieriger, weil dir keiner auf die Finger klopfen kann oder dich zusätzlich anspornt.
Als entsetzlich langweilig würde ich die Tätigkeit nicht ansehen. Es kommt allerdings auch darauf an, welche Art von Trading betrieben wird.
Am schlechtesten ist es, wenn du manuell tradest und du mit deinem Ansatz pro Tag nur ein zwei Chancen bekommst und das noch über die ganze Handelszeit verteilt.
Aus mehreren Gründen ein absolut nicht zu unterschätzender Faktor für Tradingerfolg. Stichwort Langeweile, durch ewiges Warten, und auf den Punkt von 0 auf 100% gehen. Eine fiese Mischung, die nicht selten zu üblen Kollaterlaschäden auf dem Konto des Traders führt.

Auch daran kann - ein an sich profitabler Ansatz - in der Praxis scheitern. Systemtrading hat hier seine Stärken, weil du die stupiden und zeitfressenden Aufgaben automatisierst.

Zum Algotrading: Punkt 1 muss wohl bejaht werden. Genaue Zahlen dazu habe ich aber nicht im Kopf. Zwischen 30 und über 70% liegt er mindestens. Hier kommt es auch auf die Märkte und Börsen an (USA, Europa, Asien, Aktien, Futures, Forex ect). USA höher als Europa und bei Aktien ist der Anteil wohl am höchsten. Unterschieden werden muss auch zwischen Hochfrequenzhandel (meist Arbitrage) und 'normalen' automatischen Handelssystemen.
Punkt 2 kann ich nicht beantworten, weil ich kein Spezi für Autotrading bin. Mein eigenes, manuelles Trading, hat es bis heute in keinster Weise negativ beeinflusst.
Aus meiner Sicht sind die Maschinen keine zusätzliche Gefahr. Sollte die KI Entwicklung nicht dramatisch voranschreiten, bin ich da weiter zuversichtlich für mein persönliches Trading.
Möglicherweise verschärfen sie Bewegungen (sowhol in Ausdehnung als auch Geschwidnigkeit), weil viele Algos auf ähnlichen Ansätzen beruhen und Computer einfach extrem schnell sind. Natürlich auch die der Börsen selbst zur ABwicklung der Aufträge.
Das kann dir als Trader auf der anderen Seite auch in die Hände spielen.
Ich würde jedoch nicht unbedingt davon ausgehen, dass die Finanzmärkte durch diese Entwicklung an Stabilität gewonnen haben. Wer zB am 6. Mai 2010 live am Markt (Flashcrash) war, weiss davon ein Lied zu singen.
Wenn du da auf der falschen Seite im Markt gewesen bist, war dein Risiko völlig unkalkulierbar. Das würde ich dann schon als Negativpunkt auch für mein Trading sehen.

@Stefan

„Auch schien auf den Tradingseiten oft durch, dass Trader, welche langfristigere Trades bevorzugen in der Regel erfolgreicher sind als Kurzfristtrader.“

Das stimmt mit Sicherheit im Bereich des privaten Retailtradings. Allein schon wegen des deutlich niedrigeren direkten Kostenanteils im Langfristhandel.
Auch die Anzahl der Entscheidungen nimmt ab und vor allem die Anzahl der Entscheidungen unter Zeitdruck (beim nicht automatisierten Handel). Du hast damit weniger Möglichkeiten Fehler zu begehen und deine Chancen dafür sinken. Allerdings: Wenn du dann tatsächlich einen Fehler machen solltest, fällt dieser oftmals um einiges krasser ins Gewicht!

Aber auch teilweise sehr niedrige Fallzahlen beim langfristigen Trading können hier zu falschen Rückschlüssen führen.
Poker macht in der Tat mehr Spaß :) Aber ob du langfristig eine bessere Wahrscheinlichkeit hast zu gewinnen, hängt für mich erheblich von der Auswahl deiner Mitspieler ab.
Du kannst deine Odds für den Sieg in einer einzelnen gespielten Hand allerdings - in nicht wenigen Situationen - deutlich exakter einschätzen, als für den ‚Sieg’ in einem Trade.

@MarcO
Trading ist immer auch eine Glaubensfrage. Echtes Wissen und Sicherheit hast du nur bis zum letzten Trade zur Verfügung. Wer absolute Sicherheit und stichfestes Wissen braucht, ist an der Börse im falschen Umfeld unterwegs.

„Selbst wenn Birgit ihr aktuelles Portfolio offen legt und zurückblickend eine super Performance hinlegt, kann es immer noch Zufall sein und wird hier kaum jemanden überzeugen.“

Genau diese Aussage bestätigt, dass wir uns das hier mit jeder Art von Trackrecord oder genauen Zahlen von vorne weg sparen können. Ich kenne diese Diskussionen mit Leuten, die Trading gegenüber gundlegend skeptisch eingestellt sind. Das ist nicht persönlich zu nehmen, es ist menschlich.

Entweder du bist offen für das Spiel und möchtest was erreichen, dann wirst du dir die Grundprinzipien aneignen, deinen Weg suchen und testen, wie du Erfolg haben kannst. Oder eben nicht, dann tust du gut daran und hältst dich davon fern. Spart dir Zeit, Geld und Nerven ohne Ende.

PS: Für alle Fragen zum Systemtrading gebe ich das 'Mikro' gerne an unsere einzige Lady in der Runde weiter ;)


Birgit sagt am 20. Mai 2017

| @Finanzwesir,

Zu Frage 1
Ja es wird wohl immer mehr mit Algos gehandelt. Im Jahr 2014 habe ich mal eine Statistik gelesen nach der ca. 60% des Handels über Algos abgewickelt wurde, und es wird mehr.
Erfolgreicher gemacht hat es die Trader aber nicht. Es sind immer noch wenige, die dauerhaft erfolgreich sind.

Die Werbeindustrie läuft auch hier auf Hochtouren. Einfach einen Algo traden lassen und das Geld fließt nur so in die eigene Kasse. Im Internet gibt es mittlerweile Hunderte von kostenlosen Algos.
Falls das hier jemand liest, der auch Algo Trading betreiben möchte – lasst die Finger von diesen Algos. So einfach ist es nicht, und kein Trader stellt seinen erfolgreichen Algo kostenlos ins Netz. Dahinter steckt viel zu viel Arbeit.
Außerdem habe ich im letzten Post ja schon geschrieben dass man einen Algo nicht einfach laufen lassen kann, ohne sich darum zu kümmern. Und man muss wissen wie.

Zu Frage 2
Es macht es nicht schwieriger neue Algos zu entwickeln. Wie schon gesagt, geht es nur um statistische Wahrscheinlichkeiten.
Sehr vereinfacht gesehen gibt es dann drei Möglichkeiten:

  1. Er ist erfolgreich (Super)
  2. Er ist nicht erfolgreich (dann kann ich es andersherum versuchen, also statt Long zu handeln einfach mal Short versuchen)
  3. Er liegt bei ca. 50% (auch Super, weil der Verdienst im Trading wird sowieso über das Risiko und Moneymangement gesteuert)

    Zum Artikel von Mr. Market:
    So ganz verstehe ich nicht, was er eigentlich sagen will. Auf der einen Seite beschwert er sich über die Algos. Auf der anderen Seite sagt er, dass sie eh das gleiche machen wie ein diskretionärer Trader.
    Mit letzterem hat er recht. Hinter jedem Algo steht ein Trader, also keine Maschine. Ich mache mit einem Algo ja nichts ungewöhnliches. Ich habe einfach nur keine Lust meine Systeme von Hand zu Traden und überlasse das dem Computer.

    Der Markt ist schneller geworden. Diese Veränderung hat sich aber schon ab Mitte der 90er Jahre vollzogen, als der digitale Handel begann. Orders wurden ab da in Sekundenschnelle abgearbeitet.
    Der manuelle Parketthandel trat immer mehr in den Hintergrund. Ab etwa dem Jahr 2000 wurde der Markt dann komplett für Privatanleger freigegeben. Beides zusammen hat den Markt verändert und dazu geführt, dass die Volatilität enorm gestiegen ist.

    Mr.Markets Chart Bild und seine Erklärung zum Brexit sehe ich auch anders. Der Brexit ist nicht mit der Bankenkrise zu vergleichen. Die Bankenkrise war ein Ereignis, das quasi die ganze Welt betraf.
    Der Brexit war einfach nur eine schlechte Nachricht. Nachrichten haben fast immer nur einen kurzen Einfluss auf den Markt, führen aber sehr selten zu Trendbrüchen oder Crashs.
    Dafür muss es schon sehr dicke kommen wie in der Bankenkrise.

    Zum zweiten Bild auf dem Blog (S&P im 30 Minuten Chart)
    Da kann ich ihm gar nicht folgen. Im Link weiter unten gibt es ein Bild von mir mit einer ganz anderen Erklärung (Beschriftung), die sehr viel wahrscheinlicher ist. Die Systeme die dort Trading technisch zum Einsatz kamen sind alle uralt, und es gab sie schon vor den Algos, ebenso wie V Umkehrungen.
    Leider habe ich keine 30 Minuten Kurse aus dem Zeitraum und musste deshalb auf den Tageschart ausweichen. Da sieht man aber auch besser, was passiert ist.

    Der Brexit war eine schlechte bzw. vom Ergebnis her eine unerwartete Nachricht. Es gab ein riesiges Abwärts Gap.
    Die Spanne vom letzten Schlusskurs vor dem Gap bis zur Eröffnung der nächsten Kerze habe ich im Bild als Rechteck eingezeichnet.

    Jetzt wurden die Gap Trader aktiv. Gap Systeme sind sehr beliebt und werden von vielen gehandelt. Die Wahrscheinlichkeit dass ein Gap geschlossen wird, ist höher als das es offen bleibt. Das Ziel bzw. der Ausstieg bei dieser Art des Trading ist, sobald das Gap geschlossen wird, also der letzte Schlusskurs vor dem Gap. Die Gap Trader wurden auch sofort aktiv, was man sehr schön an der nächsten Tageskerze sieht. Aber das Gap wurde noch nicht ganz geschlossen.

    Dann gab es im 30 Minuten Chart einen Doppelboden. Das sind im Chart von Mr. Market die beiden Kerzen, die den gleichen Tiefpunkt haben. Trader, die ein Doppelboden System haben und im entsprechenden Chart unterwegs sind, gingen dann auch noch Long, was die Bewegung nach oben noch verstärkte.

    Ein paar Tage später wurde das Gap geschlossen. Die Gap Trader hatten ihr Ziel erreicht und nahmen ihre Gewinne mit. Dadurch kam es zu einer Mini Konsolidierung.

    Durch die Mini Konsoliedierung hatte sich ein Markttechnisches 1,2,3 gebildet. Die Ausbruch Trader saßen in den Startlöchern. Auch die Markttechnik mit ihrem Ausbruch ist zur Zeit ein sehr beliebtes System.

    Mehr habe ich nicht in den Chart eingezeichnet, weil es sonst zu unübersichtlich wird. Es gab noch einen Widerstand, der auf dem Hoch des Gaps lag. Dieser wurde mit dem Markttechnischen Ausbruch überwunden. Damit waren jetzt auch die Trader, die ein Widerstand und Unterstützung System handeln am Start, was den Kurs dann noch ein Stück nach oben geschoben hat.

    Ob ich das System welches ich handle von Hand oder vom Computer handeln lasse, spielt keine Rolle. Das der Kurs dynamisch wieder nach oben ging hatte nichts mit dem Algo Trading zu tun.

    Link zum Chart Bild https://workupload.com/file/7zNKQqP

    Und jetzt noch eine Sache, die mir persönlich am Herzen liegt.
    Folgendes hat Mr.Market dazu geschrieben und wird auch gerne so im Netz von der Werbeindustrie verbreitet,

    „Und sie beginnen zu kaufen. Ruhig, emotionslos, gnadenlos...“

    Stimmt, ein Algo hat keine Emotionen. Aber dahinter steht ein Mensch mit normalen Emotionen. Ich kann jederzeit in meine Algo Systeme eingreifen oder sie deaktivieren.
    Wenn ich Angst bekomme, kann ich Gewinne zu früh mitnehmen, ich kann meinen Stopp weiter weg schieben, wenn ich Verluste nicht ertrage, ich kann meine Algos deaktivieren, wenn ich im Drawdown Angst bekomme usw..
    Also ich kann all die Fehler machen die ich auch als diskretionärer Trader machen kann.
    Ich und auch andere Algo Trader sind nicht gefeit vor diesen Emotionen. Mittlerweile lasse ich die Finger raus und gebe meinen Emotionen sehr selten nach, was nicht immer einfach ist. Trotzdem erwischt es mich hin und wieder doch noch mal, obwohl ich weiß, dass es ein Fehler ist.

    Im übrigen ist es auch für diskretionäre Trader ein wichtiges Ziel, ihre Emotionen zu kontrollieren und ruhig zu handeln.
    Emotionen haben an der Börse nichts zu suchen.
    Die Börse hat keine Emotionen und immer recht. Wenn man ständig mit Emotionen handelt, hat man gegenüber der Börse immer einen Nachteil. Auf Dauer kann man so nicht gewinnen.


Finanzwesir sagt am 20. Mai 2017

Hallo Birgit,
vielen Dank für die lange Antwort. Kurze Frage: "diskretionärer Trader" = Ein Händler, der seine Aufträge manuell eintippt (oder einklickt)?
Ich vermute, dass es nicht so langsam läuft wie bei mir:

  1. Aktie auswählen
  2. Handelsplatz aussuchen
  3. Zahl der Stücke eintippen
  4. TAN-Generator anwerfen
  5. TAN eintippen & bestätigen
  6. gekauft ;-)

Bei einem Trader wird das wohl vom Prozess her schneller gehen. Aber die Mimik ist die gleiche: Der Mensch sagt: "Jetzt!"

Gruß
Finanzwesir

PS: Ich muss sagen, dieser Artikel entwickelt ein ganz vorzügliches Eigenleben ;-)


Dummerchen sagt am 20. Mai 2017

Hmm, eigentlich wollte ich mich ja nicht zur Thematik äußern, da ich keine Ahnung vom Trading habe, aber irgendwie muss ich doch mal nachfragen.

"Sehr vereinfacht gesehen gibt es dann drei Möglichkeiten:

  • Er ist erfolgreich (Super)
  • Er ist nicht erfolgreich (dann kann ich es andersherum versuchen, also statt Long zu handeln einfach mal Short versuchen)
  • Er liegt bei ca. 50% (auch Super, weil der Verdienst im Trading wird sowieso über das Risiko und Moneymangement gesteuert)"

Soll das heißen, dass ein Algorithmus irgendwie immer gut ist? Liest sich irgendwie so. Entweder die Strategie funktioniert oder man muss einfach nur die resultierenden Kaufs- bzw. Verkaufsentscheidungen invertieren und dann muss er ja logischerweise zukünftig funktionieren oder aber er funktioniert nur so halb.

Wieso das dritte jetzt auch noch super ist, kapiere ich aber gar nicht, denn irgendwie bleibt dann doch im Endeffekt nix als Gewinn hängen, getreu dem Motto "hin und her macht Taschen leer".

Oder stehe ich gerade kräftig auf dem Schlauch? Dann helfe man mir bitte herunter.

Liebe Grüße
Dummerchen


Birgit sagt am 21. Mai 2017

Hallo Finanzwesir,

Unterschied diskretionär und nicht diskretionär

Nicht diskretionäre Trader haben ein 100% festes System. Es gibt keinen Interpretationsspielraum. Die Regeln für den Einstieg, Positionsmanagement, Ausstieg und das Risiko stehen fest.
Diese Systeme kann man entweder von Hand handeln, oder den Algo automatisch vom PC handeln lassen.

Diskretionäre Trader haben auch ein System, wenden es aber flexibel an.

Beispiel:
System:
Handle den Dax jeden Morgen zur Eröffnung long, wenn die Sonne scheint. Wenn es regnet handle short. Beende den Trade um 18:00 Uhr.

Ein nicht diskretionärer Trader hält sich 100% an diese Regel.
Ein diskretionärer Trader kann bspw. sagen:
Heute schätze ich die Lage aufgrund meiner Erfahrung anders ein. Obwohl die Sonne scheint, handle ich short. Oder er kann den Trade auch schon um 16:00 Uhr schließen.
Diese Systeme kann man nur von Hand handeln.

Immer wenn von Hand gehandelt wird, muss man seine Order auch von Hand eingeben. Das ist ähnlich wie bei dir.
Es gibt da zwar eine Ausnahme „die One – Klick“ Order. Aber die wird nur von ganz kurzfristigen Tradern genutzt, die nur ein paar Sekunden den Trade halten.
Alles was mit TAN zu tun hat fällt im Trading weg – jedenfalls meistens.

Mit Algos kann man aber viel mehr machen, als nur automatisch handeln.
Man kann sie bspw. auch nutzen, um Aktien zu suchen die man kaufen möchte. Das funktioniert immer dann, wenn das Auswahlverfahren nicht ausschließlich auf Fundamentaler Basis erfolgt.
Der Algo fungiert dann als Scanner, und listet alle Aktien die in Frage kommen auf.

Beispiel:
Die Performancekurve, die ich hier mal gepostet hatte, bzw. das System dahinter, handelt einfach nur Aktien die gegenüber dem Dax Outperformer sind. Das senkt die Wahrscheinlichkeit die Krampen zu handeln, die es ja in jedem Index gibt.
Als Scanner verwendet würde mir das System dann die Aktien nennen, die in Frage kommen. Dazu könnte ich dann bspw. noch fundamentale Daten nehmen und mir dann meine Aktien aussuchen, die ich kaufen möchte.

Solange sich die Aktienauswahl nur auf den Dax beschränkt, kann man das noch ganz gut manuell bewerkstelligen.
Kommen aber der S&P oder viele andere Indizes dazu, kann das eine enorme Zeit und Arbeitsersparnis bedeuten.
Ein Algo braucht dafür nur ein paar Minuten. Ein Mensch Stunden.
Ein Algo kann also auch einfach nur Fließbandarbeit abnehmen.

Aber die Mimik ist die gleiche: Der Mensch sagt: "Jetzt!"

Das ist auf jeden Fall so. Wäre es das nicht, würde ich auch nicht Traden.

PS: Nichts zu danken für lange Antworten. Ganz im Gegenteil ;-)
Ich kann hier meine Meinung äußern, ohne unter der Gürtellinie angegriffen zu werden. Das ist nicht überall so.
Gegen andere Meinungen habe ich nie etwas, sie können im besten Fall eine Inspiration sein, und im schlechtesten Fall immer noch eine Info darüber, was man besser lassen sollte ;) .
Eigentlich bin ich aber über jeden froh der, vor allem in Finanzdingen, überhaupt eine eigene Meinung hat und in seiner Nische weiß was er tut.


Birgit sagt am 21. Mai 2017

| Hallo Dummerchen,

Natürlich ist es nicht so einfach. Hier ging es ja auch nur um die Frage ob es schwieriger geworden ist neue Algos zu entwickeln.
Einen Algo zu entwickeln ist grundsätzlich nicht einfach. Je nach dem wie viel Zeit man investiert dauert es mindestens ein paar Wochen, meistens aber Monate.
Und wenn er dann fertig ist, weiß ich weder ob noch wie lange er in der Zukunft funktioniert. Wenn ich Glück habe, bis an mein Lebensende. Wenn ich Pech habe, in dem Moment nicht mehr, wenn er auf dem Echtgeldkonto startet.

Ansonsten ist das eine berechtigte Frage von jemanden der keine Ahnung vom Trading hat. Übrigens eine Frage, die viel zu wenige der Tradinganfänger stellen.

Trading funktioniert etwas anders wie Langfristiges investieren.

Die Erklärung ist wieder stark vereinfacht, aber ich hoffe so wird es einigermaßen verständlich.

Nummer 1 ist klar, es funktioniert und alles ist paletti :)

Für Nummer 2 ein Beispiel
Ich finde irgendwo eine Strategie, oder meine selber etwas gefunden zu haben, das besagt, wenn X passiert gibt es eine 80% Wahrscheinlichkeit dass der Kurs weiter steigt, und ich long handeln sollte.
Das überprüfe ich anhand von Statistiken mit Daten aus der Vergangenheit.
Dabei kommt heraus, dass die Wahrscheinlichkeit das der Kurs steigt nicht bei 80% liegt, sondern nur bei 30%.
Damit liegt die Wahrscheinlichkeit dass der Kurs fällt bei 70%. Also sollte ich statt long wohl besser short handeln.

Für Nummer 3
Die 50% beziehen sich auf die Trefferquote. Jetzt muss ich „nur“ noch dafür sorgen, dass mein Chance-Risiko-Verhältnis höher ist als 1. Wieder ein Beispiel:
Mein Risiko beträgt pro Trade 1 Euro. Mein Gewinn beträgt pro Trade 2 Euro.
Bei 100 Trades wären dass dann

  • 50*1 Euro Risiko = -50 Euro.
  • 50*2 Euro Gewinn = 100 Euro.

    Ich hätte also 50 Euro Gewinn. Mit einer Trefferquote von 50% und einem Chance-Risiko-Verhältnis von 2, würde ich auf lange Sicht immer doppelt so viel gewinnen wie ich verliere.

    Es gibt auch Systeme mit einer Trefferquote weit unter 50%. Die haben dann ein höheres CRV. Gleichzeitig kannst du aber auch mit einem System Pleite gehen dass ein 99% Trefferquote hat.

  • 1*100 Euro Risiko = 100 Euro
  • 99*1 Euro Gewinn = 99 Euro

    macht -1 Euro.

    Deshalb bezeichnet sich Ingmar ja auch als Risikomanager. Genau das sind Trader nämlich :)

    Zu dem Motto „hin und her macht Taschen leer“.
    Das bezieht sich auf zweierlei.
    Zum einen gibt es jede Menge Trader die leider überhaupt keine Ahnung haben. Sie haben meistens kein System und von Risiko und Moneymanagement im besten Fall mal irgendwas gehört. Sie sitzen vor dem Chart und Traden einfach rauf und runter ohne zu wissen was sie tun. Sie raten einfach.
    Würden sie dann wenigstens schon mal bei einer Richtung bleiben, im Dax bspw. vorzugsweise long, wären sie schon mal besser dran.

    Dann gibt es noch jede Menge Trader, die einfach ein System von jemanden übernehmen. Sie setzten sich weder mit dem System auseinander noch mit sich selber. Die meisten können auch nicht Traden und wollen nur schnell Geld verdienen.
    Sie fangen an das System zu handeln. Irgendwann geht das System in den Drawdown. Das ist normal und jedes System hat ihn. Die Höhe des Drawdowns ist je nach System unterschiedlich.
    Wenn sie dann im Drawdown sind, bekommen sie Angst, dass das System nicht funktioniert, oder sind einfach nur sauer dass ihr Traum vom schnellen einfachen Geld nicht funktioniert. Sie hören auf das System zu handeln und suchen sich ein neues. Dann beginnt das Spielchen von vorne.
    Viele bemerken nicht mal mehr, dass das „alte“ System was sie in die Tonne gekloppt haben mittlerweile aus dem Drawdown raus ist, die Verluste des Drawdowns schon wieder eingeholt hat, und obendrauf noch Gewinn gemacht hat.
    Diese Leute nennt man Strategiehopper. Auch hier gilt „hin und her macht Taschen leer“.
    Strategiehopping bedeutet immer den Kontotod.

    Ich hoffe ich konnte es einigermaßen verständlich erklären :)


Finanzwesir sagt am 21. Mai 2017

Hallo Birgit,

ok, jetzt mal einen Schritt zurücktreten und Begriffe definieren. Das wird jetzt zu verwirrend.

Definition System

Ein System ist eine Kette von Gedanken. Wenige Gedanken = paßt auf eine Serviette, viele Gedanken = Word-Dokument. Es handelt sich um das intellektuelle Fundament. Entstanden ist es aus Feldstudien in freier Wildbahn. Wenn ein Aktienkurs sich jetzt so und so bewegt und an der Börse dieses und jenes Klima herrscht, dann wird der Kurs höchstwahrscheinlich in Zukunft das und das tun.
Analogie: Ein Biologe in der Serengeti. Das Löwenrudel ist unruhig, der Mond wird immer wieder durch Wolken verdeckt, die Herden ziehen von Süden heran. Folgerung: Die Löwen werden jagen. Unklar: Wird es ein Gnu oder ein Zebra oder gar nichts, weil die Löwen furchtbar mit einem Hyänenrudel aneinander geraten.
Es gibt Korrelationen aus denen sich aber nur bedingt Kausalitäten ableiten lassen.
Das System als solches zeigt nur die Brilllianz dessen, der es entwickelt hat, aber nur weil man ein System hat, ist noch kein einziges Wertpapier gehandelt.

Ingenieure an die Front!

Definition Algo

Das System wird formalisiert und in Code gegossen. Damit wird ein System industrialisiert. Industralisiert = beliebig of wiederholbar und man erhält immer ein Ergebnis gleicher Güte. Der Algo ist nicht das System, sondern codifiziert das System, so das die einzelnen Schritte aus denen das System besteht auf Knopfdruck automatisch ablaufen können. Bis jetzt hatte ich Algo mit System gleichgesetzt.

Ein Algo ist *nicht diskretionär. Knopfdruck und läuft.
Ich vermute dieses "diskretionär" teilt sich die sprachlichen Wurzeln mit dem englischen "discretion", bekannt aus
"at your own discretion", das leo.org mit "nach freiem Ermessen" übersetzt.

Diskretionär wäre dann handwerklich. Mal geht's gut, mal in die Hose. Wenn ich so sehe, was Handwerker im Allgemeinen abliefern bin ich doch eher für *nicht diskretionär.

Ist das an der Börse auch so?

Ich dachte bis jetzt immer Algo = Handelssoftware. Das die Dinger auch als Siri (schaff mir alle DAX-Outperformer ran) fungieren war mir neu.

Vielen von dem was Du schreibst erinnert mich an Kapitel aus Sebastian Mallabys Hedgefonds-Buch "Mehr Geld als Gott".
Dort schreibt er im Kapitel über die Bigdata-Hedgefonds Ähnliches.

  1. Man sammele einen Haufen promovierte Mathematiker, Elektrotechniker und theoretische Phsysiker ein.
  2. Man verfrachte diese Big-Bang-Truppe an einen ruhigen Ort und gebe ihr alle Daten die sie haben wollen und alle Rechenpower die sie sich wünscht.
  3. Die Jungs korellieren dann alles mit allem und finden Muster.
  4. Die tradet man dann (also die Muster, die nicht die Promovierten).

Diese Algorithmen sind das Betriebsgeheimnis des Hedgefonds. Sie funktionieren nur solange man sie exklusiv besitzt. Problem:

  1. Die anderen Hedgefonds beschäftigen auch keine Idioten.
  2. An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.

Daraus folgt: Die Schlauberger der Konkurrenz machen Reverse Engineering. Sie versuchen aus den Trades den Algo zu rekonstruieren.
Und daraus folgt: Wettrüsten ;-)

Mein Knackpunkt bei der ganzen Sache: Keiner, wirklich keiner, gar niemand hat sich für das Warum interessiert. Die haben nach Korrelationen geschaut, mit Kausalitäten haben die sich nicht aufgehalten. Das hat mich als Verstehenwoller sehr vor den Kopf gestoßen.

"Is' halt so. Wir können's profitabel traden. Was wollen wir mehr. Können wir über's Wasser laufen? Sind wir Welterklärer oder was? Reicht doch, wenn der Kontostand steigt".

Knallhart und kaltschnäuzig und ganz anders als das Geseiere bei "Börse vor Acht" in der ARD: "Die Märkte haben sich bewegt, weil..."
Das "weil" hat die Bigdata-Leute sowas von nicht interessiert. Eine - sagen wir mal - interessante Sichweise ;-)

Gruß
Finanzwesir


Dummerchen sagt am 21. Mai 2017

Hallo Birgit,

erstmal danke für die Antwort. Ich würde gerne an der einen oder anderen Stelle noch mal nachhaken:

"Einen Algo zu entwickeln ist grundsätzlich nicht einfach. Je nach dem wie viel Zeit man investiert dauert es mindestens ein paar Wochen, meistens aber Monate.
Und wenn er dann fertig ist, weiß ich weder ob noch wie lange er in der Zukunft funktioniert. Wenn ich Glück habe, bis an mein Lebensende. Wenn ich Pech habe, in dem Moment nicht mehr, wenn er auf dem Echtgeldkonto startet."

Als Ahnungsloser stelle ich mir den Prozess, einen Algorithmus zu entwickeln derart vor, dass man bestimmte Kauf- und Verkaufstrigger sucht, also Merkmale wie "die Sonne scheint um 8:15", "der Dax startet im Plus", "das Handelsvolumen in der ersten Börsenstunde ist besonders hoch" oder was weiß ich und danach untersucht, ob sich nach diesen Triggern rückblickend also per Backtest ein positives Ergebnis erzielen lies.
"Sell in May but remember to come back in September" wäre ja auch so ein Algorithmus, über dessen Qualität man streiten darf. Je nach Komplexität und der auszuwertenden Datenmenge kann diese Überprüfung sicher schon mal länger als ein paar Tage dauern. Ist meine prinzipielle Vorstellung dazu so richtig?

Nun hat man also etwas gefunden, was in der Vergangenheit toll war und handelt danach.
Aber wie lange? Weder erste Erfolge noch erste Misserfolge sind ja aussagekräftig, denn in der Vergangenheit werden die Trigger ja auch nicht immer (sondern nur in der Mehrzahl) zum Erfolg geführt haben.
Wann zieht man den Stecker und entscheidet sich gegen die weitere Anwendung des Algorithmus? Und woher nimmt man dann die Zuversicht, dass der nächste backtestinggeprüfte Anlauf dann funktionieren sollte?

Zu den ersten beiden Aspekten ("Funktioniert" oder "funktioniert nur mit der umgekehrten Vorgehensweise") gibt es nicht viel zu sagen. Da hätte ich eher die Frage, die ich oben schon gestellt habe - ich kann mir halt schwerlich vorstellen, dass es ein System gibt, das konsequent eine Anomalie ausnutzt (nichts anderes ist Trading, oder?), ohne dass sie von der Allgemeinheit bzw. ausreichend großen Marktteilnehmern entdeckt werden und damit der Gewinn langsam aber sicher weg-arbitriert wird.
Der dritte Weg (50%) ist mir im Prinzip auch klar. Ich habe mich mal etwas intensiver mit Wettbörsen beschäftigt und dort kann ich auch regelmäßig Gewinne erzielen, wenn ich darauf tippe, dass Bayern München der nächste deutsche Fußballmeister werden wird - allerdings ist die Wettquote auch nur mau, z.B. 1,06 - ich mache also 6% Gewinn.
Allerdings können die Bayern mit der Quote 16-mal Meister werden, wenn im 17. Jahr doch mal ein anderer die Schale holt, ist der schöne Gewinn dieser 16 Jahre wieder fort.
Im Prinzip ließe sich das System aber doch mit jeder Wahrscheinlichkeitsverteilung bauen, wenn man dafür sorgt, dass die Gewinne in den Fällen, in denen man richtig liegt, diejenigen Fälle, in denen man falsch liegt, mindestens ausgleicht bzw. wohl eher übertrifft. Es ist und bleibt doch ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten, das man selber besser einschätzen können muss als "der breite Markt".
Bei Buchmachern/Wettbüros funktioniert das Spiel auf Dauer eher schlecht, außer man hat einen direkten Kontakt zu kriminellen Banden, die Spiele kaufen und dann einen heißen Tipp haben.
Wieso ist es für einen Trader möglich, solche Möglichkeiten zu finden? Die komplette Finanzindustrie sucht doch verzweifelt nach Möglichkeiten, höhere Renditen zu erzielen als es ein doofer Benchmark in Form irgendwelcher Indizes vorgibt und das Gros scheitert daran.
Was unterscheidet den Trader von dieser sowohl intellektuell ja nicht nur aus Dummköpfen bestehenden Industrie, die auch noch die technologischen Möglichkeiten haben müssten, solche Signale/Trigger zu finden.
Warum legen die dann keine Trader-Fonds auf, die eine deutlich höhere Rendite erzielen können und dafür fürstlich vergütet werden könnten? Fliegt der Trader unter dem Radar und kann durch die geringeren Handelsspannen eher operieren ohne dass der heilige Gral der Überrendite entdeckt werden kann?
Vielleicht stelle ich dumme Fragen, aber ich verstehe irgendwie nicht, wie es konkret funktionieren kann.

Liebe Grüße
Dummerchen


Matthias sagt am 22. Mai 2017

| Hallo Dummerchen,

du hast das in Worte gefasst, was auch meiner Meinung nach vollkommen klar auf der Hand liegt.

Es geht doch im Kern um die Frage:
Kann ein sogenannter "Trader" auf unendliche Sicht (zumindest ziemlich lang :-) ) einen positiven Erwartungswert haben? Hierauf gibt es nur zwei sinnvolle Antworten:

  • Ja: Dann muss das Verfahren, das den positiven Erwartungswert generiert, automatisierbar und wiederholbar sein. Durch die Automatisierung und Wiederholung wird das Verfahren transparent und damit verschwindet der positive Erwartungswert.
  • Nein: Dann hat sich traden erledigt