31. August 2020


Nachhaltig anlegen - Der Finanzwesir rockt, Folge 95

Zum dritten Mal heißt es bei "Der Finanzwesir rockt": "Wie lege ich mein Geld nachhaltig an?".
Wir haben dieses Mal Andreas Braun von Börse.ARD eingeladen. Unsere Themen:

Was ist aktuell „State of the Art“ beim nachhaltigen Anlegen? Welche Anlageklassen stehen mir grundsätzlich im Jahre 2020 zur Verfügung? Bevor wir uns um die einzelnen Anlageklassen kümmern, einige grundsätzliche Fragen:

Angelpunkt ethischen Anlegens sind die Rating-Agenturen. Sie adeln ein gewöhnliches Produkt mit dem Titel "Nachhaltig" und tragen damit maßgeblich zum kommerziellen Erfolg eines Produkts bei.

Ratingagenturen

  1. Wer legt die Kriterien fest? Sind das nicht im Kern die klassisch protestantisch prüden US-amerikanischen Kriterien (Sex, Alkohol, Glücksspiel) des größten Kapitalmarktes, die dann weltweit ausgerollt werden?
  2. Welche Agenturen gibt es und was taugen die? Nehmen die Agenturen ein Unternehmen wirklich auseinander oder verkaufen die Persilscheine?
  3. Wo liegen die Unterschiede zwischen ESG, SRI und SDG?
  4. Wie ist das Geschäftsmodell der Agenturen? Wer bezahlt sie, wie unabhängig sind sie wirklich? Es war ja bei der Finanzkrise 2008 / 2009 schon so, dass die Ratingagenturen zu oft weg geschaut haben und jetzt bei Wirecard scheinen sie auch nicht über jeden Zweifel haben zu sein.
  5. Ethisch investieren ist eine politisch/weltanschauliche Sektorwette. Wie erkenne ich die ideologische Positionierung einer Ratingagentur? Klassisches Beispiel ist Atomstrom: Grün weil CO2-neutral oder nicht grün, weil Strahlungsprobleme?
  6. Wie verhält sich das Thema Nachhaltigkeit mit großen ETF-Anbietern wie Blackrock, die ja selbst bei Tabakfirmen oder Waffenherstellern investiert sind?

Anlagestrategien

  1. Welche Anlagestrategien gibt es?
  2. Vor- und Nachteile der einzelnen Strategie?
  3. Wie fällt der Vergleich innerhalb dieser Strategien aus? Welche Strategien haben sich für Privatanleger bewährt?
  4. Kann und soll man diese Strategien kombinieren (Diversifikation)?

Grün versus Konventionell

  • Was kann ich von einem nachhaltigen Investment erwarten?
  • Wo ist es besser als ein konventionelles Produkt, wo schneidet es schlechter ab?

Produktauswahl

  • Wie finde ich das richtige Produkt? Wo muss ich suchen?
  • Wie erkenne ich grüngewaschene Nepper, Schlepper, Bauernfänger?

Ethische Fonds

  • Wieso soll eigentlich ethisches Stockpicking besser funktionieren als 08/15-Stockpicking?
  • Sind teure Fonds tatsächlich nachhaltiger als günstige ETFs?

Ihr persönlicher Praxistipp

Wie starte ich in die Nachhaltigkeit? Welche drei Schritte bringen mich ins Tun?

Jetzt anhören

Shownotes

Medienempfehlung

Nachhaltig investieren von Andreas Braun*
Nachhaltig investieren


* Affiliate-Link. Für Sie wird das Buch nicht teurer, wir erhalten eine kleine Provision.

(awa)

Der Freitags-Newsletter

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Wollen Sie wisssen, wenn sich hier etwas tut (unter anderem neue Artikel, Veranstaltungen mit und von mir)? Wenn ja, dann melden Sie sich zum Freitags-Newsletter an.

Ja, ich bin dabei!

kurz & bündig, kostenlos, kein Spam, keine Weitergabe der E-Mail-Adresse, jederzeit kündbar, Datenschutz

Abgelegt unter Podcast, Finanzrocker, Finanzwesir



Das könnte Sie auch interessieren

  1. Podcast: Die 4 G des André Kostolany – Der Finanzwesir rockt, Folge 35
  2. Podcast: P2P-Kredite - Der Finanzwesir rockt, Folge 21
  3. Podcast: Gold kaufen - Der Finanzwesir rockt, Folge 68
  4. Podcast: Heiraten – Der Finanzwesir rockt, Folge 38

Kommentare

Alexander sagt am 31. August 2020

Die neuen Aktionäre, also quasi die Jugend wird da mehr den Augenmerk drauf legen. Wenn ich meine Freundin angucke und ihr Portfolio, merkt man wie stark sie "Grün" und "Ökologisch" ist. Und ich denke das man diesen Trend stärker bald sehen wird.


Bernhard Schmalhofer sagt am 31. August 2020

Komisch finde ich ja immer, wenn Gentechnik automatisch mit ethisch verwerflich und mit nicht nachhaltig gleichgesetzt wird. Ich denke da eher an effektive Ressourcennutzung und an weniger Landverbrauch.

Meine ethische Geldanlage habe ich übrigens in der viel gescholtenen nachhaltigen Forstwirtschaft in Costa Rica gefunden. Zuerst als Kommandatist und später als Aktionär. Aber natürlich nicht All-In.


AlterNomade sagt am 01. September 2020

Hab gerade im DLF zu ersten mal von grünen Bundesanleihen gehört.

Laut vorgenanntem Interview sind diese grünen Anleihen zwar zweckgebunden, liefern aber nur Transparenz für bereits getätigte Investitionen und beinflussen zukünftige Investitionen nicht - wohl aufgrund parlamentarischer Regeln "man könne man dem Perlament Entscheidungne über den künftigen Haushalt nicht vorwegnehmen", vgl. @3:20.

https://www.deutsche-finanzagentur.de/fileadmin/user_upload/institutionelle-investoren/pdf/GreenBondFramework_dt.pdf


Hans sagt am 01. September 2020

Schöne Folge vielen Dank.

Als ich direkt am Anfang gehört habe, dass er nicht investiert ist, weil er den Boden noch nicht gesehen hat, dachte ich schon, dass wird nichts mehr.
Ist aber denn doch ganz gut geworden. 100% Ernst nehmen, kann ich einen solchen Gesprächspartner aber nicht. Wäre wie ein Buch über Sex, was eine Jungfrau/-mann geschrieben hat. Alles nur Theorie!


ChrisS sagt am 01. September 2020

Haja, "Nachhaltigkeit" beim Anlegen, auch so ein Thema was öfter vorkommt, und worüber sicher nicht der letzte Artikel geschrieben sein wird.

Ich selbst praktiziere das in meinen Portfolios zwar nicht bewusst (also benutze einfach normale "Standard"-ETFs, ohne speziell noch auf deren "Nachhaltigkeit" o.ä. zu achten), aber okay, versuchen wir mal ohne persönliche Geschmacksfragen uns dem Thema einigermaßen neutral anzunähern.

Wir ignorieren dabei auch erst mal philosophische Grundsatzdebatten, ob/inwiefern "nachhaltiges Anlegen" überhaupt "funktioniert", also was es überhaupt bringen soll, wenn man die "bösen" Unternehmen dadurch "bestrafen" will, dass man ihnen seine Investitionskröten vorenthält, also keine Aktien von denen kaufen/halten soll.

Da müsste man sonst erstmal wieder ein bischen Fundamentalbildung über den Sekundärmarkt Börse leisten, um eventuelle Missverständnisse und Fehlannahmen auszuräumen die bei einigen vielleicht noch dabei so rumschwirren, so zum Beispiel als ob das Geld mit dem ich eine Aktie an der Börse kaufe ja direkt in den Taschen der Unternehmen landen würde (eben nicht), also die Vorstellung man würde damit ja die "bösen Unternehmen noch unterstützen", bzw. etwas Bildung dazu wie/wann ein Unternehmen eben wirklich an Geld vom Kapitalmarkt kommt, welche Rolle die Marktkapitalisierung wirklich für das Unternehmen spielt, und welche Wirkung/Nutzen solcherlei "Aktien-Boykotte"wirklich haben können und welche nicht.

Aber wie gesagt, das sind so Grundsatzgeschichten, die kann man entweder voraussetzen, oder selbst wenn sie geklärt wären, wäre es für manche Menschen wohl selbst dann trotzdem noch allein rein psychologisch schon ein unwohles Gefühl, Aktien von "bösen" Unternehmen mit im Depot zu haben (also selbst wenn sie darüber aufgeklärt sind dass man damit eigentlich nichts selbst "böses" getan hat), denn wenn man von denen mit profitiert fühlen sie sich halt irgendwie doch schon "mitschuldig", und haja das ist dann ihre Sache und wenn sie meinen, das mit "nachhaltigen" Anlagen etwas abmildern/besser machen zu können, dann sei ihnen ja frei die Möglichkeit gelassen, sich dafür zu entscheiden...

Als hauptsächlicher ETF-Anleger beschränke ich mich hierbei natürlich mal vor allem auf das ETF- und Indexangebot dazu, denn aktive Fonds oder gar direkte Nachhaltigkeits-Projektanlagen sind eh nicht mein Gebiet.

Erste Feststellung, "nachhaltig" anlegen ist schon ein ziemlich weites Feld, und man müsste sich (wenn man es "ernsthaft" betreiben will, also eben nicht einfach nur das erstbeste ungesehene Produkt wo einfach nur ein entsprechendes Label draufgepappt ist kaufen will), schon ein bischen tiefer mit den vielen verschiedenen Varianten beschäftigen.

Allein MSCI listet über ein dutzend verschiedener Indexvarianten dazu auf
https://www.msci.com/esg-indexes

Das ganze ist dann auch ein bischen nach "Intensität" gestaffelt. Wer sich schon etwas damit beschäftigt hat, kennt das grobe Schema ja schon.

Die einfachste Stufe sind so reine Ausschlussgeschichten, wie "eigentlich der ganz normale MSCI World, nur werden halt jetzt ein paar wenige Unternehmen aus einigen ganz unliebsamen Branchen entfernt" (z.B. ex "controversial Weapons", oder auch ex Tobacco, ex Alcohol/Gambling/Porn, etc.). Das ist dann auch relativ "harmlos", insofern als dass es konkret eben nur eher wenige Unternehmen betrifft und die allgemeine Grundstruktur des MSCI World nicht großartig verändert wird ( Beispiel, MSCI World ESG Screened hat ca 1500 Unternehmen, der normale MSCI World 1600, also wurden hier eigentlich nur 100 entfernt). Oder man nimmt den ESG-Score um damit die Marktkapitalisierung eines Unternehmens zu adjustieren, es also entsprechend über- oder unterzugewichten (tilting), so z.B. im MSCI World ESG Universal Index

Die nächste Stufe ist dann alles, wo nochmal ein bischen nach "best in class" weitersortiert wird. Also nicht nur das einfache "die offensichtlich bösesten Branchen streichen wir komplett raus", sondern innerhalb jeder weiteren Branche wird dann ein Nachhaltigkeits-Ranking erstellt, und es kommen nur die 50% oder 25% der "besten" jeder Branche rein. Beispiel MSCI World ESG Leaders oder MSCI World SRI , welche dann eben entsprechend auch nur noch ca die Hälfte oder ca ein Viertel der Unternehmen des Mutterindex MSCI World enthalten. (philosophisch könnte man ja ansonsten noch ausdiskutieren, dass die "Nachhaltigkeits"-Bewertung ja nur auf relativer Ebene zwischen den Unternehmen untereinander verglichen wird, das also weniger was über die "Güte" eines Unternehmens an sich aussagt, sondern eigentlich nur das es "weniger schlecht als die anderen" sei, und damit die Einäugigen unter den Blinden zum König gekürt werden, aber haja.).

Und die letzte Stufe wäre dann das, was bei MSCI als "impact investing" bezeichnet wird, also hier nicht mehr wie vorher einfach nur die "schlechten", in verschiedenen Härtestufen, aussortiert werden, und dann geschaut was am Ende noch übrigbleibt, sondern bewusst von Anfang an gerade nur die Unternehmen ausgesucht werden, die irgendwelchen bestimmten "Zielen" gerecht werden, seien es "grüne Technologien" (geht also schon wieder ein bischen in Richtung Branchenfonds) oder z.B. Genderdiversität (Anzahl Frauen im Vorstand oder so).

Zweite Frage - muss man bei "nachhaltigem Investieren" einen systematischen Renditenachteil erwarten?

Zumindest für die verlinkten Indizes sieht das oberflächlich betrachtet nicht so aus. Wie gesagt, wir lassen mal philosophische Grundsatzdiskussionen (wie z.B., dass ja doch bei jedem aktiven Eingreifen ins Marktportfolio, was ja das Aussortieren nach Nachhaltigkeitskriterien wäre, doch aber ein systemischer Nachteil zu erwarten sei, oder zumindest kein systemischer Vorteil, gemäß der passiven Lehre) an dieser Stelle noch bewusst weg.

Die Indizes folgen alle dem MSCI World mehr oder weniger deckungsgleich. Große Renditenachteile, allein schon konstruktionsbedingt, müsste also von der Warte her niemand mehr wirklich befürchten. (Klar, man könnte auf der anderen Seite natürlich dann auch gleich dumm fragen, wenn nach all dem Aussortiere auch nur mehr oder weniger die MSCI World Entwicklung noch genauso mit übrigbleibt, was bringt das Aussortieren dann eigentlich noch? Aber haja zumindest wirklich zu "schaden" scheints ja in diesem Sinne eben auch nicht wirklich. Und bei MSCI wird ja auch am Ende wieder eh darauf geachtet, die Abweichungen zum Mutterindex durch Regionen/Branchen"neutralität" (also die sollen dann wieder ungefähr die selben Größen sein wie im Mutterindex) zurückangepasst kleinzuhalten).

Und auch, von den Indizes weg, mal die konkreten Produktkosten geschaut (wir können ja eh nicht in virtuelle Indizes investieren, sondern immer nur in vorhandene Produkte, die sie dann auch abbilden), lauert da heutzutage auch keine allzu prohibitive renditefressende Kostenfalle mehr:
JustETF, weltweit anlegende ETFs, "nachhaltig" ExtraETF, weltweit anlegende ETFs, "nachhaltig"

Es gibt "nachhaltige" MSCI World (oder äquivalente weltweite Aktienindizes) ETFs mittlerweile auch schon für 0,15 ~ 0,20 % TER... also ungefähr das, was auch für einen "normalen" MSCI World ETF heutzutage so konkurrenzmäßig usus-Preise sind.

Die Zeiten, wo "nachhaltige" ETFs noch gleich mal das doppelte oder mehr ihrer einfachen "Standard"-Brüder gekostet haben (weil haha diese doofen Ökos achten ja eh nicht so sehr auf den Preis, denen gehts ja ums Weltverbessern und nicht die Rendite, also können wir da auch sorglos einfach mal mehr verlangen, die zahlens ja eh gern, oder wie halt die Klischees sind), sind wohl vorbei, die Anbieter haben gemerkt dass das kein Nischenthema mehr ist (wo man noch Nischenpreise verlangen kann), sondern soweit nachgefragt wird dass mittlerweile jedes Fondshaus auch "nachhaltige" Produkte in seiner Basis-Palette anbieten muss... und dann, wie so oft wieder, damit in Konkurrenz untereinander treten was für uns als Anleger den erfreulichen Effekt hat dass die Preise sinken.

Wie gesagt, auch wenn ich selbst nicht gezielt "nachhaltig" Investieren wollen würde, zumindest so "schlimm", dass man es jedem anderen auch zwingend unbedingt ausreden müsste, sieht das nach grober Betrachtung auch nicht mehr aus, von daher... fällt halt eher einfach wieder in den Bereich "persönlicher Geschmacksfragen" rein, über die man sich weder streiten kann noch müsste, weils eben, zumindest rein performancemäßig, auch wieder relativ viel zu irrelevant wird und müßig da noch groß die pro's und contra's auszudiskutieren.

Disclaimer, das gilt natürlich nur für die og. Indizes und entsprechende ETFs. Was darüber hinaus noch bei aktiven Fonds oder gar direkten Projektanlagen so abgeht, dass mag dann wieder eine ganz andere Sache sein, die man sich wieder, wenn überhaupt, auch nur im Einzelfall jeweils anschauen müsste.


dors sagt am 02. September 2020

Welche Überlegungen gibt's zu privaten Rentenverträgen (Fondsanlage ) mit Option den Auszahlungsbeginn zu verschieben? Eher noch aufschieben oder Auszahlung beginnen lassen und ggfs. selbst wieder anlegen? Was meint ihr?


Alexander sagt am 04. September 2020

Dein Podcast hat mich doch noch ein paar Tage beschäftigt. Ich hab sogleich mein Anfangsartikel überarbeitet und ihn ergänzt. Danke für die indirekte Motivation und Inspiration.


Das Finanzwesir-Seminar - für alle ETF-Selbstentscheider.

Die Seminarreihe: Passiv investieren mit ETFs. Werden Sie zum souveränen Selbstentscheider.

FinCamp 2020 - Und meine Finanzen sind geregelt Investieren Sie wie ein Profi in Aktien, ETFs und Immobilien. So unkompliziert kann Altersvorsorge sein!


Der Finanzwesir kommt zu Ihnen via Twitter, E-Mail oder als RSS-Feed: Artikel | Kommentare.
Auf Feedly folgen.


Autonome Zellen

Die Finanzwesir-Community: Regelmäßige Lesertreffen (30 Städte, 4 Länder)


Artikel durchsuchen


Neuste Kommentare

Lesenswert

Diese Blogs und Foren kann ich empfehlen.

Meine Finanz-Bibliothek

Das liest der Finanzwesir

Die 5 wichtigsten Artikel

Alle Artikel