28. August 2020


Das haben die anderen diese Woche geschrieben (KW 35 / 2020)

Neues vom FinCamp 2020

Henrik und ich arbeiten an der Choreographie des Vormittags (Nachmittags haben wir ja die Referenten-Sessions für die Detailfragen und dann das Abendessen). Am 10. September haben wir unseren großen Referenten-Call. Da besprechen wir dann, mit was wir Sie am 24. Oktober in München beeindrucken wollen ;-)
Seien Sie gespannt.
Alle Referenten haben "Skin in the game". Sie sind mit eigenem Geld investiert und erzählen ungeschminkt von ihren Erfolgen und Misserfolgen.
Unser Motto: Keine Sponsorenvorträge, kein Vertrieb, stattdessen: Wissen und Erfahrungen pur!
Ich würde mich freuen, Sie am 24. Oktober in München auf dem FinCamp 2020 begrüßen zu können.

Noch gibt es Tickets, aber wir sehen, dass der Verkauf langsam aber sicher anzieht. Das freut uns sehr. Danke für das Vertrauen. Und wie gesagt: Die Corona-Garantie gilt nach wie vor.

Jetzt aber: Diese Artikel sind mir in dieser Woche in der deutschsprachigen Finanzblogosphäre aufgefallen.

Jetzt wird’s politisch

Auf in den Bundestag: Petition: Privates Altersvorsorgedepot mit Aktien.

"Ähnlich den amerikanischen 401k Konten sollen darauf bis zum Renteneintritt Einzahlungen möglich sein und ab dem Renteneintritt dann eine Entnahme. Investiert werden kann damit in alle in der EU freigegebenen Fonds und Einzelaktien."

Mission Überrendite

Indexer aufgemerkt: Der Sparstrumpf ist prall gefüllt.

"Die sehr hohe Overperformance von rund 15 Prozent im Depot von Großmutters-Sparstrumpf ist in der Krise entstanden – in den Monaten davor (August-Dezember 2019) war sie unbedeutend. Das spricht in meinen Augen ganz klar für mein Depot. Es hat sich in der Krise sehr gut bewährt."

Jetzt in Funkmasten investieren.

"Ein krisensicheres Geschäftsmodell mit stetigen, wachsenden Cashflows und hohem Verschuldungsgrad. Und vergleichsweise niedrigen Gewinnen und eher moderaten Dividendenrenditen."

Trotzdem eine gute Investition?

Zwischenfazits

Zwischenfazit: Mein Depot nach persönlicher Corona-Schockstarre.

"Ich hatte mir „eigentlich“ mal vorgenommen, in Krisenzeiten günstig Wertpapiere nachzukaufen und somit den Vermögensturbo einzulegen."

Dann hat die Ex-Studentin für 12.000 € Aktien verkauft.

Zwischenfazit nach 5 Jahren Crowdinvesting in Immobilien

"Insgesamt habe ich bis zum heutigen Tag in 129 Projekte investiert. Davon sind inzwischen 89 beendet und der Rest von 40 Projekten ist noch aktiv. Von den 89 abgeschlossenen Projekten sind leider auch drei Zinsland-Projekte mit einem Totalverlust zu beklagen. Rendite: 4,2 % vor Steuern"

Der Finanzwesir meint: Diese Rendite hätte man auch mit einer ETF-Zeile im Depot geschafft. 129 Projekte prüfen und dann der laufende Papierkram. Sagen wir: Drei Stunden pro Projekt vom ersten Kennenlernen bis zum letzten Ausfüllen der Anlage KAP. Macht in Summe 390 Stunden (entspricht gut 16 Tagen).
Stundenlohn? Sagen wir 50 €, ist das angemessen? Dann sind wir bei 19.500 € Opportunitätskosten.
Wenn wir mit 5 Stunden pro Projekt rechnen und einen Stundenlohn von 70 € veranschlagen, liegen die Opportunitätskosten bei rund 45.000 €.
Dieses Crowd-Gedödel ist doch alles Hobbykram.

Die neusten Youtube-Videos

(awa)

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Kommentare

dead link ..... :-( sagt am 28. August 2020

Hallo Finanzwesir,

bei den "Funkmasten" ist leider Funkstille .....

http://www.intelligent-investieren.net/2020/08/kissigs-aktienreport-tower-reits-auf.htm


Hans Engelbrecht sagt am 28. August 2020

Hallo Finanzwesir,

bei den "Funkmasten" ist leider Funkstille ....

Der Link dorthin funktioniert nicht ...

Viele Grüße


NW sagt am 28. August 2020

Nicht überzeugt vom Sparstrumpf. Der Vergleich mit dem MSCI World erscheint mir hinkend (da is mehr drin als nur Techgiganten. Vielleicht lieber einen NASDAQ 100 oder so als Vergleich?).

Auch seine Antwort auf "Kann das so weitergehen mit der Overperformance von grossmutters-sparstrumpf?" erscheint mir nicht ganz ehrlich, Kommer/die Efficient Market Hypothesis sagt nur, dass keine dauerhafte Outperformance möglich ist.


Rob sagt am 31. August 2020

Mit 2 Klicks auf dem Blog hat man den richtigen Link gefunden. Da ist dem Albert beim Schreiben wohl das kleine "l" am Ende abhanden gekommen :-)

Falsch:
www.intelligent-investieren.net/2020/08/kissigs-aktienreport-tower-reits-auf.htm
Richtig:
www.intelligent-investieren.net/2020/08/kissigs-aktienreport-tower-reits-auf.html


Martin Müller sagt am 29. August 2020

| Habt ihr Verbesserungsvorschläge für meine aktuelle ETF-Sparplan-Strategie?

Ich investiere monatlich 500 € in Sparpläne. Meine aktuelle ETF Strategie sieht folgendermaßen aus:

Robotics & Automation 25€

Digital Security 25€

Global Water 25€

Healtcare Innovation 25€

Devoleped Property Yield 40€

European Property Yield 50€

Global Inflation Linked Govt. Bonds 35€

Global Corp Bond 25€

MSCI World Minimum Vola 30€

MSCI Momentum 50€

MSCI World Quality Factor 40€

EMU Small Cap 45€

MSCI EM SRI 50€

MSCI EM IMI 30€


ETF Österreich sagt am 29. August 2020

Aus meiner Sicht duchschauen die wenigsten Anleger die Risiken beim Thema „Crowdinvesting mit Immobilien“.

Hierbei handelt es sich in der Regel um Nachrangdarlehen. Die „hohen“ Zinsen gibt es für die Risikoabsicherung anderer Investoren.

Bei solchen Investitionen sollten Anleger besonders auf das Kleingedruckte achten. Das sieht wohl auch die BaFin (siehe: https://financefwd.com/de/bafin-strafe-exporo/ ).

Ich würde lieber stressfrei in einen ETF auf den MSCI World investieren. Da passen Aufwand, Rendite und Risiko besser zusammen.

Viele Grüße

ETF Österreich


Michael F. sagt am 30. August 2020

| Nach drei Tagen hat die Petition "erst" 2200 Mitzeichner. Wenn das so weitergeht wird das Quorum von 50'000 bis 23.9. nicht erreicht, obwohl sie von den aktuellen Petitionen mit Abstand die meisten Unterzeichner hat. Wenn Ihr ein gesichertes Altersvorsorge-Depot gut findet, bitte unterzeichnet, auch wenn Ihr die Petition verbesserungswürdig findet. Wartet nicht, bis man die Eierlegende Wollmilchsau auch noch als Zugtier verwenden kann, sondern seht die aktuelle Petition als Fuß in die Tür.


Michael F. sagt am 30. August 2020

| Lieber dead link ..... :-(, Hans Engelbrecht und andere Linkgeschädigte,

Bei der Adresse zum Artikel über die Tower-REITs ist lediglich das 'l' vom '.html' unter die Räder gekommen:

http://www.intelligent-investieren.net/2020/08/kissigs-aktienreport-tower-reits-auf.html


Holger sagt am 31. August 2020

@Martin Müller

Mein Tipp:

Die Anzahl der besparten ETF´s radikal reduzieren: https://www.finanzwesir.com/blog/passive-anlagestrategie?ref=sidebar

PS:
Ich war selbst ein vergleichbarer "Diversifikationsjunkie". Konnte mich aber erfolgreich heilen und lasse die Restbestände dieser "Phase" als stetige Mahnung in meinem Depot schlummern. :-)


ChrisS sagt am 31. August 2020

@ Martin Müller

Habt ihr Verbesserungsvorschläge für meine aktuelle ETF-Sparplan-Strategie? Ich investiere monatlich 500 € in Sparpläne. Meine aktuelle ETF Strategie sieht folgendermaßen aus:

(Hier erstmal meinen fast schon "Standardabsatz" einfügen: So rum funktioniert das eigentlich nicht! Also dass du uns hier einfach so kommentarlos nur deine Allokation reinpostest, und dann auch noch als "Frage" so ein unspezifisch-schwammiges "öh ja könnt ihr einfach mal irgendwas dazu sagen...?" dazu.... Das hilft uns nicht, weil wir garnicht wüssten was genau eigentlich dein Problem ist, und sonst nur so Allgemeinantworten geben die vielleicht für dich nicht zutreffend sind (und dann haben wir beide Zeit verschwendet), und dir nicht weil du eventuell nicht die "Verbesserungsvorschläge" bekommst, die du eigentlich erwartet hast.

Also nochmal zum Anfang zurück vielleicht. Erzähl' uns doch einfach erstmal was zu deiner Person, deiner Lebenssituation, deinen Ansprüchen, Bedürfnissen und Zielen mit der Anlage, etc. Wenn du dafür ne Schablone brauchst, kannst du ja z.B. die aus dem WPF, zweiter Post verwenden. Dann erzähl uns ein bischen mehr dazu, welche Gedanken du dir selbst schon zu deinem bisherigen Depotaufbau so alles gemacht hast (hilft uns, bereits evtl. bekanntes nicht unnötig zu wiederholen), und deinen Wissenstand (z.B. realistische Erwartungshaltung, Überzeugungen ggü den einzelnen Anlagen, etc.) besser einzuordnen.

Und dann versuch mal, möglichst genau und spezifisch deine Fragen zu formulieren - was genau willst du an deinem Depot überhaupt noch "verbessert" haben, warum bist du damit noch nicht ganz zufrieden, so dass du ohne Fragen einfach damit weitermachen könntest, also wo liegen noch die Zweifel (welche?) und Problembereiche, also was ist noch offen, was hat dich dazu bewogen, dass du nochmal die Hilfe von Außen dazu brauchst? Wie gesagt, ich meins nicht böse, im Gegenteil - je besser dein Ausgangspost, umso besser können wir dir auch darauf antworten, also im Endeffekt nützt es vor allem nur dir selbst! :-)

Ansonsten, wie gesagt, da der Ausgangspost nur allgemein war, kann ich ja auch erstmal nur das übliche "Allgemeinprogramm" dazu abspulen:

Ich sehe einen großen Haufen einzelner Nischen- und Spezialprodukte.
Ich könnte dir nun sagen, "alles unnötiger Quatsch, machs nicht so kompliziert und vereinfache das ganze lieber: Es reicht schon ein ACWI (oder FTSE-All World), bzw. wenn du unbedingt noch an der Industrie/Schwellenländergewichtung herumdoktern willst, halt ein World+EM. Dazu mischst du dann noch RK1 (Tagesgeld, Festgeld, oder wenns unbedingt sein muss ein einfacher allgemeiner Anleihenindex wie z.B. Euro Aggregate Bonds) zu gemäß deiner persönlichen Risikotoleranz, und fertig ist die Laube"... aber (siehe oben), das würde dir ja vielleicht unrecht tun, von daher eben geht die erste Frage lieber an dich, was du dir bei all den vielen Positionen im einzelnen so alles gedacht hast, also z.B. welche Überzeugungen dahinterstehen, oder welchen Mehrwert du von ihnen erwartest, den dir ein einfaches Simpel-Depot nicht auch schon zum allerwesentlichsten Teil genauso geben kann?

Robotics & Automation 25€, Digital Security 25€, Global Water 25€, Healtcare Innovation 25€

Ahja, die "Megatrends"-ETFs...

Devoleped Property Yield 40€, European Property Yield 50€

Was ist der Grund für die Übergewichtung europäischer Immobilienunternehmen?

Global Inflation Linked Govt. Bonds 35€, Global Corp Bond 25€

Warum diese speziellen Anleihen ETFs, wo siehst du den Mehrwert gegenüber einfachen Euro-Anleihen, oder überhaupt allgemein gefragt, warum überhaupt noch Anleihen im Depot, wenn ihr Anteil eigentlich nur 7+5=12% beträgt? Für ihre eigentliche Hauptfunktion als Schwankungseindämmung wäre das eh viel zu wenig, das würdest du auf Gesamtdepotebene garnicht merken, da stellt sich ziemlich die Sinnfrage, und du könntest die paar Ocken auch genausogut lieber auf ein Tagesgeldkonto o.ä. schicken. Wenn du Schwankungseindämmung so überhaupt nötig hättest, also lieber erstmal noch eine Klärung wie eigentlich deine Risikotoleranz ist auf der übergeordneten Ebene der Assetallokation.

MSCI World Minimum Vola 30€, MSCI Momentum 50€, MSCI World Quality Factor 40€

Okay, den MSCI World dreimal in Faktor-Varianten. Warum gerade diese Faktoren (und sag jetzt nicht, weil die halt seit ETF-Auflage die bestperformendsten waren ;-), und was erwartest du dir von denen gegenüber einem einfachen MSCI World? Und wenn überhaupt schon Faktoren, warum dann nicht wenigstens die vereinfachende Zusammenfassung indem man sich nur ein Multifaktor-Produkt dazu ins Depot legt (siehe oben, ich hoffe ja nicht, dass es nur um "och die performten aber nicht so gut" ging ;-)

EMU Small Cap 45€

Warum speziell nur Eurozonen Smallcaps? Wenn man überhaupt schon Smallcaps mit einbauen will, warum nur so regional beschränkt und dann nicht wenigstens gleich MSCI World Smallcaps?

MSCI EM SRI 50€, MSCI EM IMI 30€

Und nun der MSCI EM, einmal in Breitmarkt- und einmal in Öko-Variante. Warum die Mischung, warum setzt man nicht komplett nur entweder auf das eine oder auf das andere?

Du hast 14 Positionen im Depot. Vieles davon überschneidet sich mehr oder weniger (also dieselben Aktien werden in mehreren ETFs drinne sein). Keine der einzelnen Positionen ist signifikant über 10 % gewichtet, und die kleinen gehen runter bis 5 %.

Alles so Sachen (und da wird dich die Hausmeinung, wenn du hier schon etwas öfter/länger mitliest, dazu ja sicher nicht überraschen) die hier nicht unbedingt als die allererste Empfehlung an Anfänger und Einsteiger gegeben werden, sondern eher das Gegenteil. Und wenn du noch nicht so lange hier mitliest, dann hol dir die entsprechende Predigt dazu eben nochmal beim Wesir höchstpersönlich ab, in Artikeln wie z.B.
https://www.finanzwesir.com/blog/chaos-depot
https://www.finanzwesir.com/blog/6-etf-depot
https://www.finanzwesir.com/blog/etf-depot-geld-anlegen-vermoegensaufbau

Wenn du also einfach so allgemein nach "Verbesserungsvorschlägen" fragst, würde dir hier wohl als ehestes der Vorschlag einer radikalen Vereinfachung und Entrümpelung gegeben werden.

Das funktioniert dann auch gedanklich auch andersrum als wie jetzt. Statt dass du uns einfach einen bunten wild zusammengewürfelten Strauß an ETFs präsentierst, und wir erst hinterher ausklamüsern sollen, welche davon eigentlich wegkönnen und welche im Töpfchen bleiben, ist der bessere Ansatz eine tabula rasa - Betrachtung, also wir setzen uns mal vor ein weißes Blatt Papier und erstellen ein neues Depot von Grund auf. Wie würden wir da vorgehen? Was sind die wirklich wichtigen Komponenten, die man unbedingt dabeihaben müsste (hilfreicher Tip dazu - erstell mal ein Portfolio, in dem keine Position weniger als 10% gewichtet ist, dann merkst du ja schon selber, welche Komponenten du für wirklich wichtig erachtest, und welche eher nicht), und was sind eher verhandelbarere "Extras", die nach dieser "Pflicht" nur noch die "Kür" zur Abrundung persönlicher Geschmacksfragen sind? (damit ist dann auch gemeint - du kannst deine vielen Spezialpositionen ja am Ende ruhig behalten, wenn du von ihrem Nutzen wirklich überzeugt bist, dass sie eben unverzichtbar sind (aber die Tatsache, dass du ja überhaupt noch Fragen stellst, deutet ja schonmal darauf hin dass die Überzeugung noch nicht vollends gefestigt ist), aber das sind dann eben "persönliche Geschmacksfragen", in denen sich die Leute hier unterscheiden und jeder seine eigene Meinung dazu hat, weshalb man dafür wieder keine Pauschalempfehlungen geben könnte).

@ETF-Österreich

Es gab auch beim Finanzwesir schon einige Artikel, die sich mit dem Immo-Crowdfunding auseinandergesetzt haben ( zB ), die Risiken sollten also zumindest den aufmerksameren Lesern hier nicht unbekannt sein, dementsprechend ist auch die Hausmeinung dazu relativ zurückhaltend. Wer's trotzdem machen will, den kann man dann auch nicht mehr abhalten, aber zumindest brauch sich dann hier später niemand hinstellen und zur "...aber wir haben doch von nichts gewusst!"-Jammerfraktion zu gehören. Diese Gefahr sehe ich, wenn überhaupt, eher bei den Leuten die eben keine kritischen Blogs lesen, sondern wenn überhaupt immer nur die positiven Anbieterseiten (ohne das ganze Kleingedruckte natürlich), und so tatsächlich noch glauben würden hier handle es sich nur um sowas wie "besseres Festgeld" oder so, da hält sich dann mein Mitleid aber mittlerweile auch eh in Grenzen.


JK sagt am 31. August 2020

@Martin Müller

Wenn Sie sich mit Ihrem ETF-Wust wohlfühlen und sich bei Ihrer Auswahl etwas gedacht haben, was Sie selbst überzeugend finden, bleiben Sie dabei.
Da kann, soll und darf Ihnen niemand hineinreden.

Ich empfehle Ihnen allerdings die Lektüre folgender Finanzwesir-Artikel:

https://www.finanzwesir.com/blog/etf-sparplan-diversifikation

https://www.finanzwesir.com/blog/chaos-depot

https://www.finanzwesir.com/blog/investment-universum

Fazit: Ich vermute, dass dem Hausherrn angesichts Ihres Sparplans übel wird. Er wird Sie trotzdem nicht wegen Körperverletzung verklagen, so ist er einfach nicht drauf ;-)

Viele Grüße
JK


Max Alpha sagt am 01. September 2020

@Martin Müller

Suchst Du nach zusätzlichen ETF (geht ja fast nicht mehr) oder willst Du reduzieren?

Gruß Max Alpha


Henry Chinaski sagt am 01. September 2020

Sparstrumpf:

Es ist wirklich schwer, den Index zu schlagen, das gebe ich gerne zu. [...] Aber es ist gleichwohl möglich. Der Aufwand dafür ist allerdings hoch. Ich lese jeden Tag rund eine Stunde zu ‚meinen‘ Aktien.

Wow, eine ganze Stunde. Das ist natürlich ein beeindruckender Einsatz. Bei so viel Mühe kann die Outperformance ja nur das Ergebnis harter Arbeit sein. Das hat mit Glück sicher nichts zu tun. Würden doch die ganzen Fondsmanager sich auch mal so anstrengen und jeden Tag eine Stunde lesen, dann würden sie auch endlich gute Renditen erwirtschaften.

Und in den Kommentaren schreibt er dann, dass er sein Geld in einen ETF stecken würde, wenn er 3 Jahre hintereinander den Markt nicht schlagen kann. Solche Aussagen zeigen einfach, dass es hier riesige Lücken bei absolutem Basiswissen gibt. Aber hey, einfach mal drauf los bloggen...


Manolo sagt am 02. September 2020

Zum Thema "Markt schlagen":
Ich lese immer nur Auswertungen oder Statistiken, wie viele bzw. wie wenige aktive Manager den Markt in einem Jahr schlagen, aber entscheidend wäre aus meiner Sicht die kumulierte Performance über - sagen wir - 20 Jahre. Da dürfen ja gerne auch Jahre und Zeiträume von Unterperformance stattfinden. Kennt jemand solche Auswertungen und Statistiken?

Dem Sparstrumpf ist ja immerhin über knapp 8 Jahre eine recht satte Überperformance geglückt. Da kann er sich auch eine Weile Unterperformance erlauben...


ChrisS sagt am 02. September 2020

@ Manolo

Zum Thema Markt schlagen: Ich lese immer nur Auswertungen oder Statistiken, wie viele bzw. wie wenige aktive Manager den Markt in einem Jahr schlagen, aber entscheidend wäre aus meiner Sicht die kumulierte Performance über - sagen wir - 20 Jahre. Da dürfen ja gerne auch Jahre und Zeiträume von Unterperformance stattfinden. Kennt jemand solche Auswertungen und Statistiken?

Es gibt natürlich auch längere Untersuchungen (ist ja auch viel interessanter - ob ein Fonds mal für ein Jahr seinen Index schlägt oder nicht, spielt noch viel zu sehr Zufallsglück und Marktrauschen mit rein, ist also relativ irrelevant, und erst über längere Zeiträume ergeben sich dann repräsentativere allgemeine Tendenzen umso deutlicher).

Die bekannteste Untersuchung, die auch regelmäßig immer aktualisiert wird, ist wohl die "SPIVA Scorecard" Hier kannst du dir die Reports raussuchen, die dich interessieren. Ich nehm z.B. nur mal eine Zahl aus dem US Year End 2019 Report, Seite 9, über die letzten 10 Jahre und 15 Jahre haben knapp 90 % aller aktiven US-Large Cap Aktienfonds ihren Benchmarkindex SP500 unterperformt.

Eine anderer regelmäßig aktualisierter Bericht ist z.B. auch das "Morningstar Active/Passive Barometer". Kannst du dir hier nach Eingabe einer einfachen Einmal-Wegwerfemailadresse ansehen. Dort sieht man im Endeffekt auch das gleiche, je längerfristiger man schaut, umso weniger outperformende Fonds bleiben übrig, die Mehrheit unterperformt den einfachen Benchmarkindex.

Das sind hier im Passiv-Lager eigentlich auch alles schon längst gefestigte Erkenntnisse, aber haja, es ist wohl trotzdem nützlich sie sich immer wieder aufs neue ins Gedächtnis zu rufen.

Und naja, was die Outperformance des "Global Champions"-Wikifolios angeht...

... mal so oberflächlich über die Depotpositionen drübergelinzt, ahja, weit überwiegend US-Werte, und dazu noch hoher Technologie-Anteil. Dass man damit in den letzten Jahren den einfachen MSCI World geschlagen hätte, ist jetzt wohl nicht unbedingt was, wofür es noch große Könner-Preise zu vergeben gibt.

Machen wir uns mal den Spaß und vergleichen doch auch mal, wie das ganze z.B. ggü einem Nasdaq abschneidet.
Ahja, und voila der Nasdaq war besser. Da sehen wir wieder mal, dass es bei der Frage ob/wie "der Markt zu schlagen sei" es am Ende auch eigentlich zum großen Teil auch einfach nur darauf ankommt, was man überhaupt als "den Markt" definiert, gegenüber dem man sich vergleicht.

Der gute Wikifolio-Betreiber hätte also im Endeffekt auch einfach nur vor Jahren zum Zertifikate-Start einen Nasdaq-ETF kaufen können (wenn er am Ende praktisch ja eh nur in hpts. amerikanische und viele Tech Aktien investiert) und sich dann ruhig schlafen legen / den schöneren Dingen des Lebens widmen können, und damit renditemäßig schon ein besseres Ergebnis eingefahren, als es die ganze Beschäftigung mit "seinen" einzelnen Aktien ("eine Stunde pro Tag"?? Herrje, ich bin schon zufrieden damit, dass meine ETF-Depots nicht mehr Beschäftigung als netto vielleicht eine Stunde pro Jahr brauchen, und meiner Familie gefällt das auch so besser. Aber haja, so hat halt jeder Jeck' seine eigenen Hobbies, und was soll ich ja auch dazu sagen wie andere gern ihre Lebenszeit verbringen, mir reichts schon wenn ich mir meine eigene mit was schönerem fülle) so brachte - allerdings kann man sich dann auch nicht mehr so schön einbilden, dass das ja mit eigenem Skill zu tun hätte und fühlt sich psychologisch nicht so schön kontrollillusioniert an.


ETFischer sagt am 02. September 2020

@Manolo

Lies doch z.B. nach bei Michael Ritzau ("Die große Fondslüge" siehe Bücherliste Finanzwesir bzw. vorletzter Podcast) oder eben Kommer.

Alternativ Persistence Scorecard Year-End 2019 von S&P (US-bezogen, aber vermutlich übertragbar auf weltweite Fonds):

Only one-fifth of the top-quartile domestic funds over 2010-2014 stayed in the top quartile for 2015-2019.

Dabei sieht man, dass das Ergebnis "Top-Fond von 2010-2014" in den nächsten 5 Jahren praktisch keine Aussagekraft hat (bzw. eher ein Negativ-Prädiktor war). 10% der Fonds wurden zusammengeführt oder geschlossen (idR wegen sehr schlechter Performance), 29% änderten ihren Anlagestil stark (mutmaßlich ebenso wegen schlechter Performance).

Allgemein sagt die Markteffizienzhypothese, dass es nur durch Glück möglich ist, dauerhaft besser als der Markt abzuschneiden. Dabei ist "der Markt" auch nicht unbedingt der MSCI Word oder AWCI. Natürlich ist es schon eine gute Meßlatte, wenn eine aktive Anlage nach Kosten zumindest mal die super-simple Anlage in den MSCI World oder ACWI schlägt.

Oft geschieht dies durch Sektor- oder Länderwetten. In diesem Fall könnte man halt sagen, dass der angemessene Benchmark für diese aktive Anlage eben der entsprechende Sektor-Index gewesen wäre (und dann ist es eben oft auch aus mit der Überperformance). Im Idealfall stellt man sich natürlich vor, dass der aktive Fonds eben Aktien auswählt, die in der kommenden Marktphase dann möglichst gut abschneiden und ggf. auch einen Strategiewechsel von Banken -> Grundversorgern -> Tech hinlegt. Meistens sieht man aber nur, dass ein entsprechender Fonds halt thematisch richtig ausgerichtet ist (z.B. Tech) und dann ein paar Jahre lang "traumhafte" Renditen abwirft. Sobald der Sektor aber keine Überperformance mehr abliefert, ist auch der Fonds ganz schnell mausetot, weil es die "Super-Manager" halt nicht gibt.

Ich gönne dem "Sparstrumpf" sein Ergebnis absolut, aber seine Blogposts sind doch schon sehr reißerisch. Insbesondere ist seine Argumentation "ETF-Vertreter wie Gerd Kommer sagen gerne, so ein Ergebnis sei Zufall. Das könne so nicht weitergehen." falsch. "Kommer" würde sagen, dass eine Überperformance beliebig lange weitergehen kann, allerdings über einen längeren Zeitraum hin unwahrscheinlich wird (Statistik eben). Außerdem betont Kommer, dass ggf. der Benchmark sauber gewählt werden muss.


Henry Chinaski sagt am 02. September 2020

Betrachtet man nur ein einzelnes Jahr, dann ist der Anteil der Underperformer nur etwas über 50%, da hier die Verteilung fast zufällig ist. Aber je größer der betrachtete Zeitraum wird, desto höher wird der Anteil der Underperformer, da das Glück eine immer kleinere Rolle spielt und die bekannten Performancekiller wie z.B. Kosten mehr und mehr durchschlagen. Je nachdem, welche Daten man hier betrachtet, liegt der Anteil dann um die 90%, teilweise auch höher. Konkrete Beispiele müsste ich jetzt nachschlagen, findest du aber sicher schnell in Büchern von Bogle, Malkiel, Siegel...


Pushkin sagt am 03. September 2020

Tja, würde mich gerne für die Petition eintragen. Leider ist derzeit keine Registrierung (Fehlermeldund: diese Seite ist derzeit im Read-Only Modus...; getestet mit verschiedenen Browsern) möglich. So kann man Petitionen natürlich auch verhindern...


ChrisS sagt am 03. September 2020

Lustiger Artikel, der mir grad in den Feed gespült wurde:

Hohe Zinsen als Betrugsmasche

Auf der Suche nach Sparangeboten von Banken geraten immer wieder deutsche Anleger in die Fänge von Zinsangeboten, hinter denen sich Betrüger verstecken. Die Behörden sind oft machtlos - und die Sparer oft ihr Geld los.

Lol und da gehts noch nicht mal um das ja ach so unseriöse P2P aus dem Baltikum oder so (da wird man ja noch "wenigstens" mit zweistelligen Zinsen geködert, um sein Geld ins Risiko zu legen), sondern um "klassische" (vermeintliche) Festgeldportale.

Tja und dann ist das "Risiko" noch nicht mal das vom Wesir eigentlich hauptsächlich daran kritisierte (wie in älteren Artikeln dazu, z.B. hier , hier , oder hier , also (mal abgesehen natürlich von der reinen Opportunitätskosten-Geschichte allgemein, sein Geld in Bankeinlagen zu stecken anstatt z.B. zu investieren) dass man ja sein Geld wegen nem lockenden Mini-Zinsplus an irgendwelche zweifelhaften süd/osteuropäischen Wackelinstitute geben würde und sich dann bei der nächsten Bankenkrise sorgen drum machen müsste) - sondern noch viel plumper:

Das ganze Portal war gleich ein Fake, das überwiesene Geld kam gar nicht erst bei den vermeintlichen Anlagebanken an, sondern hat sich mit dem Betreiber aus dem Staub gemacht.

Der Aufhänger des Artikels ist dann auch gleich mal dazu eine Eingangsgeschichte von einem Sparer, der einen sechstelligen Betrag in ein vermeintliches Festgeld von 2,75 % steckte, haja...


Manolo sagt am 04. September 2020

@ ChrisS, ETFischer, Henry

Vielen Dank für eure mühevollen Antworten! Die SPIVA-Auswertungen sind ja echt zum Haare raufen. Und wenn ich es richtig gesehen habe, sind die Fondsgebühren in den Performances noch nicht berücksichtigt, oder?

Der Vollständigkeit halber müsste man wohl noch verschiedene Risikokennzahlen zwischen Fonds und Benchmark vergleichen. Ich weiß nicht, ob es dann etwas freundlicher für die gemanag(e)ten Fonds aussieht...

P.S.: Ich habe Kommer, Finanzwesir, Bogle usw. gelesen und kann es trotzdem nicht lassen, einen Teil meines Sparplans auf einen Nasdaq-ETF zu investieren. Gier, Verspieltheit und persönliches Bauchgefühl lassen sich einfach schwer unterdrücken ;-)

Schönes Wochenende allerseits!


ETFischer sagt am 05. September 2020

@Manolo:

Der Vollständigkeit halber müsste man wohl noch verschiedene Risikokennzahlen zwischen Fonds und Benchmark vergleichen. Ich weiß nicht, ob es dann etwas freundlicher für die gemanag(e)ten Fonds aussieht...

Die meisten mir bekannten Untersuchungen sagen: Leider nicht. Gegen eine bessere Risiko-adjustierte Performance könnte man ja nun wirklich nichts sagen - aber es gibt genug Beispiele, in denen aktive Fonds in den Krisen sogar mehr verloren als der Index.

P.S.: Ich habe Kommer, Finanzwesir, Bogle usw. gelesen und kann es trotzdem nicht lassen, einen Teil meines Sparplans auf einen Nasdaq-ETF zu investieren. Gier, Verspieltheit und persönliches Bauchgefühl lassen sich einfach schwer unterdrücken. ;-)

Ich glaube nicht, dass das konträr zur Hausmeinung steht. Am Ende geht es ja darum, langfristig, regelbasiert und kostengünstig in den "Markt" (=Diversifikation) zu investieren. Die zeiteffizienteste Lösung ist da natürlich ein MSCI ACWI o.ä. Wer aber einem Sektor oder einem Land eine Überperformance zutraut, darf mE natürlich auch gerne in den Nasdaq oder den S&P500 investieren. Letztlich ist es doch ähnlich zu einem Faktor-Investing à la Kommer.

Am Ende ist sowieso das Wichtigste, dass man die gewählte Anlage langfristig hält und nicht alle paar Jahre umschichtet. Dem einen helfen dabei Ausschüttungen oder Dividenden, andere verwenden halt eine "persönliche" Depot-Mischung.

Ich glaube z.B., dass der Gewinn beim Verkauf einer langjährig genutzten Immobilie (falls denn überhaupt vorhanden) v.a. daher kommt, dass der Kredit diszipliniertes Sparen erzwingt und die hohen Kaufnebenkosten bzw. die Intransparenz des aktuellen Wertes verhindern, dass in schlechten Zeiten ohne Not verkauft wird - und nicht etwa dadurch, dass Immobilien so eine tolle Anlageklasse wären.


ChrisS sagt am 07. September 2020

@ Manolo

"Vielen Dank für eure mühevollen Antworten! Die SPIVA-Auswertungen sind ja echt zum Haare raufen. Und wenn ich es richtig gesehen habe, sind die Fondsgebühren in den Performances noch nicht berücksichtigt, oder?"

Fondsgebühren, also die TER etc. sind berücksichtigt, insofern als dass sie ja schon innerhalb der Produkte eingezogen wurden und damit direkt die erzielende Rendite schmälert.

Nicht berücksichtigt sind eventuelle zusätzliche Kosten wie Ausgabeaufschläge etc., die individuell auf Endanleger-Ebene noch dazu anfallen.

"Der Vollständigkeit halber müsste man wohl noch verschiedene Risikokennzahlen zwischen Fonds und Benchmark vergleichen. Ich weiß nicht, ob es dann etwas freundlicher für die gemanag(e)ten Fonds aussieht..."

Klar, wäre es interessant auch noch ne Aufstellung zu machen, wie sich jeder einzelne der Fonds in Risikomaßen wie Volatilität oder Maximum Drawdown gegenüber seinem Benchmarkindex schlägt, um dann ähnliche Tabellen wie bei der Rendite, nur eben jetzt zur Frage "wieviele % der Fonds haben höhere / niedrigere Risikowerte als der Benchmark", zu erstellen.

Sowas gibt es auch schon teilweise. Warum man davon nicht so viel hört, liegt wohl vor allem daran, dass sich auch da die Ergebnisse nicht signifikant von dem unterscheiden was wir schon in reinen Renditevergleichen von Aktiv und Passiv gewohnt sind.

Hier zum Beispiel hast du eine SPIVA Scorecard 2019, die jetzt "risiko-adjustierte Renditen" als Vergleichsgrundlage nimmt um die Out/Unterperformance-Quoten von Fonds ggü ihrem Index zu bestimmen.

Risiko-Adjustiert heißt, dass die Rendite des Fonds auch noch durch seine Volatilität (Standardabweichung) geteilt wurde, kennt man ja von so Sachen wie der Sharpe Ratio etc.
Dieses "risiko-adjustieren" ist eine (eher akademische, für Praxisrelevanz des Normalanlegers eher weniger) ganz nette Spielerei, da man so schauen kann, wieviel Rendite man für eine Einheit eingegangenes Risiko bekam, bzw. ob man für das eingegangene Risiko auch (über/unter)"proportional" kompensiert wurde. Wenn uns bspw. zwei verschiedene Anlagen gegenüberstehen, die zwar beide die gleiche Rendite (sagen wir mal z.B. 8 %) erreicht hatten, aber die eine Anlage A für diese Rendite eine Volatilität von 16 % hatte, und man bei der anderen Anlage B zum erreichen dieser Rendite nur eine Vola von 12 % aushalten musste, lässt sich das mit solchen "risikoadjustierten Rendite "Kennzahlen erkennen. Zum Beispiel ist die RAR für A dann (8 / 16) = 0,5 ; und für B (8 / 12) = 0,66, also höher.
Genauso kann man damit auch etwas besser darauf eingehen, falls mal bei einer Anlage vielleicht die reine Rendite etwas niedriger war, aber dafür mit erheblich weniger Risiko erreicht. Sagen wir jetzt z.B. mal noch C mit 7 % Rendite, und dafür eine Vola von jetzt "nur" noch 8 %, ergäbe eine RAR von 0,875 - also damit trotz der etwas niedrigeren reinen Rendite höher als die obigen Anlagen, eben weil dafür das Risiko überproportional niedriger war.

Ich sagte aber eingangs, dass das eher eine recht "akademische" Betrachtungsweise ist. Denn die Schlussfolgerungen aus der reinen Lehrbuch-Theorie, die daraus abgeleitet werden, sind für die meisten von uns (normale private Kleinanleger) dann wieder auch nicht so relevant. Da geht es damit nämlich darum, dass man ja als "rationaler" Anleger (i.S. der Wirtschaftstheorie, also Gewinnmaximierung für ein gegebenes Risikolevel) sich die Anlage mit dem höchsten RAR nimmt und dann entsprechend hochhebelt bis zum gewünschten Risikolevel. C mit seinen 8 % Vola hat z.B. nur die Hälfte des Risikos von A (16%) - wir könnten (sollten) also (unsere Investition in) C zusätzlich hochhebeln um den Faktor 2 (z.B. Kauf auf Kreditmargin), so hätten wir dann mit dem gleichen Risiko wie Anlage A (nun 16%) eine viel höhere Rendite (14 %) erreicht, das wäre dann (für das gegebene Risikolevel) das "Optimale". Warum das für die allermeisten kleinen Privatanleger also wenig Praxisrelevanz hat, braucht man ja nicht noch lang erklären: groß weiter hebeln können / wollen / (oder seien wir mal ehrlich, sollen) die meisten normalen Anleger ja eigentlich nicht, von daher sind die praktischen Erkenntnisse / Nutzen dieser Risikoadjustierung, zumindest in ihrer diesbezüglichen Anwendung, für uns weniger relevant, und man orientiert sich erstmal weiter noch vor allem an der "normalen" reinen Rendite selbst. Man kann natürlich die RAR und ähnliche Kennzahlen trotzdem noch weiter für die Fondsauswahl / sonstige Anlageauswahl mit heranziehen, ohne die ganze Hebelei noch zusätzlich oben drauf zu setzen, aber haja dann kann man auch wieder schnell in den Sumpf von Performance-Chasing etc. abrutschen, die Zahlen sind ja auch nicht statisch.

Also ohne jetzt zu sehr weiter über die Hintergründe damit zu langweilen, sehen wir jedenfalls in den Tabellen aus der SPIVA Scorecard, vor allem natürlich für die Aktienfonds, das gleiche; auch wenn man auf risikoadjustierte Rendite hin untersucht, unterperformen der weit überwiegende Teil, besonders eben je längerfristiger man schaut, ihre Benchmark - hatten also nicht nur eine niedrigere Rendite, sondern auch nicht mal proportional wenigstens weniger Risiko dazu.
Die genauen Vola-Zahlen im einzelnen stehen zwar nicht da, nur die RAR, aber man kann sich ja in einem Querverweis das ermitteln, wenn man sich dazu noch die "normale" SPIVA 2019 mit gegenliest, wo die reinen Renditen drinstehen. Nur als Beispiel, als 10 year return für den Index SP500 wird 13,56 % angegeben, für die aggregierte Fondsgruppe US Large Cap (asset weighted) als 10y return 12,06 %. Die RARs für den SP500 und die Fondsgruppe in dem Zeitraum waren 1,09 und 0,96 respektive. Teilen wir jetzt Rendite durch RAR, ergäbe das die Vola, und da haben wir 12,44 % für den SP500 und 12,56 % für die Fonds. Also in etwa gleiches Risiko, kein signifikanter Unterschied. Oder andersrum gesagt, für die niedrigere erreichte Rendite bei den Fonds wurde man nicht proportional wenigstens mit einem niedrigeren dafür eingegangenen Risiko "kompensiert". Nur zur Vollständigkeit können wir das ja nochmal schnell zuenderechnen, was denn die nötige Vola wäre damit die Fonds die gleiche RAR wie der Index hätten (also man für ihre niedrigere Rendite wenigstens auch nur ein niedrigeres Risiko eingehen musste), müsste ihre Vola bei 11,06 % liegen; also auch viel weiter als unter ihrer eigentlichen und unter der des Index.

Auch in anderen Risikowerten wie z.B. Maximum Drawdown gibt es da vermutlich kein großartig qualitativ anderes Bild. Spezielle Untersuchungen dazu hab ich zwar auf die schnelle nicht an der Hand, aber einen ersten Eindruck kann man sich ja auch behelfsweise verschaffen, wenn man in der SPIVA mal so nach Krisenjahren wie z.B. 2008 schaut. Auch da haben in den meisten Fondskategorien die Mehrheit der aktiven Fonds ihren Benchmark unterperformt, also konkret gesagt, noch größere Verluste als der Index in diesem Krisenjahr eingefahren, was man schonmal so als Hinweis darauf nehmen kann, zu vermuten dass auch in diesem Risikomaß die Prozentquoten (also wieviel % der Fonds einen höheren/geringeren Maximum Drawdown als der Index hatten) auf Gesamtbetrachtungsebene überwiegend ähnlich ungünstig für die aktiven Produkte ausfallen könnte.

"P.S.: Ich habe Kommer, Finanzwesir, Bogle usw. gelesen und kann es trotzdem nicht lassen, einen Teil meines Sparplans auf einen Nasdaq-ETF zu investieren. Gier, Verspieltheit und persönliches Bauchgefühl lassen sich einfach schwer unterdrücken. ;-)"

P.S: zum PS, noch so allzu fundentalistisch, dass man sich für solcherlei Extrapositionen noch "entschuldigen" müsste, ja "von der reinen Lehre abgewichen" zu sein, sieht das hier eigentlich auch niemand wirklich. Also, ich zumindest nicht. Solang man eben begründete Überzeugungen hat, weiß man man tut (oder es zumindest fest genug meint zu wissen), und bereit ist mit den Konsequenzen leben zu können, soll sich doch jeder sein Portfolio so gestalten wie er es selbst für richtig und individuell am passendsten hält. Ich würde jedenfalls niemandem vom Hof jagen, oder überhaupt noch eine große müßige Diskussion anfangen wollen, das alle immer nur ein und das selbe Depot haben müssten, und das dieses Depot ja auch "nur" einzig der einfache gesamtglobale/mk-gewichtete MSCI ACWI / FTSE All-World wäre und nichts weiter.
Was der gute alte Bogle dazu gesagt hätte, keine Ahnung, kann dir ja auch egal sein (der hatte eh eine relativ amerika-zentristische Sichtweise, so von wegen SP500 reicht schon, da weichen wir ja hier alle eh schon mehr oder weniger davon ab), der liebe Kommer gönnt sich genauso auch eh schon seit langem seine Extrawürste Faktoren und so, und am Ende interessiert sich der Finanzwesir wohl auch nicht so sehr dazu die Leute auf ne bestimmte Linie zu trimmen (also z.B. nur ACWI / All-World), sondern hpts dass sie überhaupt mal mit dem Investieren anfangen, und solang da kein allzu offensichtlich grober Unfug dabei ist gibt es auch keinen großen Diskussionsbedarf wenn jemand neben dem allgemeinen Basis-Kernportfolio noch weitere persönliche Geschmacksabrundungen wie mit einem Nasdaq o.ä. dazu setzt.


coppa17 sagt am 07. September 2020

@ETFischer

Ich habe noch nie eine so knackige Beschreibung vom Sinn UND Unsinn in eine Immobilie zu investieren gelesen. Hut ab!


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