24. April 2014


Ich investiere mein Geld passiv

Mein persönlicher Ansatz für den passiven Investor:

Schritt 1 ‒ Finanzfeuerwehr aufbauen

Aufbau einer Liquiditätsreserve von 7.000 Euro bis 15.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto.

Schritt 2 ‒ Klären „Wie mutig bin ich?“

Das anzulegende Geld wird in einen risikoarmen und einen risikobehafteten Teil aufgeteilt. Der risikoarme Teil wird in Festgeld, Tagesgeld und Anleihen erstklassiger Schuldner (AAA-Rating), wie beispielsweise in Anleihen der Bundesrepublik Deutschland angelegt. Die bringen zwar kaum die Inflationsrate ein, werden aber praktisch garantiert zurückgezahlt.
Vor 2008 war dieser Teil des Vermögens der „risikolose“ Teil. Zu dieser Bezeichnung kann zumindest ich mich nicht mehr durchringen. Risikoarm, ja. Risikolos, nein. Der risikobehaftete Teil wandert an die Börse und erwirtschaftet dort die Rendite.

Stellt sich die Frage: Wie werden risikoarmer und risikobehafteter Teil gewichtet? Das ist Ihr Individualproblem.
Klären Sie: Was halte ich aus? Kriege ich Schnappatmung, wenn sich mein Gesamtvermögen um 10 % verringert oder kann ich auch einen Kursrückgang von 50 % locker aussitzen?

Wichtig: Das ist keine Macho-Frage, bei der mehr automatisch besser ist, sondern eine Frage nach Ihrem Wohlbefinden. Wer sicherheitsbewusst ist oder beispielsweise aus familiären Gründen sein muss, teilt sein Depot eben anders auf, als jemand, der eine eher robuste Konstitution hat. Es geht hier nicht um richtig oder falsch, sondern darum: „Passt das für Sie?“

Beispielrechnung

Das Gesamtvermögen beträgt 100.000 Euro. Schwankungen bis zu 10 % werden toleriert. Wie viel Euro landen im risikoarmen Teil, wie viel im risikobehafteten Teil? Die Annahme: Wenn es an den Börsen richtig übel wird, ist ein Kursrutsch von 50 % drin. In diesem Szenario wandern 80.000 Euro in den risikoarmen Teil und 20.000 Euro in den risikobehafteten Teil. Wenn sich bei einem Kursrutsch die 20.000 Euro halbieren, dann sinkt das Gesamtvermögen trotzdem nur um 10 % auf 90.000 Euro.

Schritt 3 ‒ Aufbau des Weltportfolios

Der risikobehaftete Anteil wird in ein sogenanntes Weltportfolio investiert. Das Weltportfolio ist ein breit gestreutes Aktienportfolio. Es enthält Firmen der verschiedensten Größen und Branchen aus allen wichtigen Ländern dieser Welt. Die breite Streuung macht das Weltportfolio relativ unempfindlich gegen starke Kursschwankungen, denn wie der Münchner sagt „A bisserl was geht immer.“ Wenn die Branche A in der Region B schwächelt, dann fangen das die Firmen der Branche C in der Region D auf und umgekehrt.
Am schnellsten und kostengünstigsten lässt sich ein Weltportfolio mit zwei Indexfonds abbilden. Der erste Indexfonds bildet den weltweiten Index MSCI World ab, der zweite Indexfonds setzt auf Aktien aus Schwellenländern und bildet den Index MSCI Emerging Markets ab. Eine sinnvolle Aufteilung wäre:

  • 70 % MSCI World, dieser Index umfasst 1.514 Firmen
  • 30 % MSCI Emerging Markets, dieser Index umfasst 827 Firmen

Damit sind Sie weltweit und sehr breit aufgestellt. Ein Wort noch zum Begriff „Schwellenländer“. Damit sind nicht Länder wie Südsudan oder Burkina Faso gemeint, sondern Länder wie die BRIC-Staaten. Brasilien, Russland, Indien und China. Die aktuelle größte Position des EM-Index ist Samsung aus Korea. Wir reden also auch bei den Firmen des Schwellenländer-Index nicht von irgendwelchen putzigen Klitschen, sondern von Namen wie Samsung, Gazprom oder Hyundai.

Mit diesen beiden Indizes erschlagen Sie die gesamte Anlageproblematik. Mehr brauchen Sie nicht.

Wer nach Bruttoinlandsprodukt (BIP) gewichten will, landet bei vier Indizes: Nordamerika (28 %), Europa (25 %), Pacific (11 %) und Schwellenländer (36 %).

Dabei kommt einem dann aber wieder die Praxis in die Quere. Man braucht ja letztendlich einen Fonds, in den man investieren kann. Dieser Fonds sollte eine gewisse Größe haben und kostengünstig sein.
Nehmen wir als als Beispiel die 28 % Nordamerika. Nordamerika = Kanada + USA + Mexiko. Jetzt find’ mal einen real existierenden Fonds, der genau das abbildet. Die meisten Fondsmanager sagen ‒ nicht zu unrecht - Nordamerika = USA und bieten einen Fonds an, der einen US-amerikanischen Index wie den S&P oder Dow Jones abbildet. Das Gefummel mit Kanada und Mexiko tun die sich einfach nicht an. Und schon ist unsere ganze schöne BIP-Gewichtung hinüber.
Dann fängt man an und sagt „Ok, Nordamerika ohne Kanada und Mexiko, setzen wir zu 24 %, die restlichen Prozente verteilen wir auf die drei anderen Sektoren“.
Kommt der Nächste und sagt: „Nordamerika zu 24 % ist ok, aber ich würde die 4 % bei Europa aufschlagen, schließlich leben wir hier und zahlen unsere Rechnungen in Euro. Da ist es doch nur richtig, Europa überzugewichten.“

Kommt der Dritte und sagt „Nun ja, aber Europa ist nicht gleich Euro. UK, Schweiz und das ölreiche Norwegen haben ihre eigenen Währungen. Da muss man schon differenzieren …“

Und dann differenziert man hin und her und landet letztendlich in der vollkommenen Beliebigkeit. Dabei vergisst man die wirklich wichtigen Punkte:

  1. Gibt es überhaupt real existierende Indexfonds, mit denen man seine Strategie umsetzen kann?
  2. Sind diese auch kostengünstig zu haben? Ein Welt-Index und ein Schwellenland-Index sind Brot-und-Butter-Indizes. Hier herrscht Konkurrenz unter den Anbietern, das hält die Verwaltungskosten, die man an die Fondsgesellschaft zahlt, angenehm niedrig. Draufgeschlagen wird bei den Spezial-Fonds. Dazu kommt, dass diese Dickschiffe immer genug Interessenten finden und deshalb nicht von der Schließung bedroht sind. Ein Indexfonds, der nicht mindestens 30 Millionen Euro verwaltet, hat keine lange Lebenserwartung.

Eine granulare und ausgefuchste Strategie mag auf dem Papier höhere Gewinne versprechen als eine Simpel-Strategie. Sie hat aber einen entscheidenden Nachteil: Man braucht Nischenfonds, um sie umzusetzen und die sind teurer als Standardfonds. Der Deal ist: Möglicherweise überlegene Gewinne in der Zukunft kassieren versus jetzt Gebühren sparen. Wobei Gebührensparen bedeutet: Der Zinseszinseffekt kann früher und stärker wirken. In meinen Augen ein weiterer Vorteil der Einfachstrategie.
Dazu John Bogle, Gründer der Investmentgesellschaft „The Vanguard Group“ und neben Warren Buffett, Peter Lynch und George Soros einer der vier „Finanz-Giganten des 20. Jahrhunderts“:

„Simplicity is the master key to financial success. When there are multiple solutions to a problem, choose the simplest one.“

Der Artikel "Gibt es eine optimale Depotzusammenstellung für Buy-and-hold-Anleger?" zeigt ebenfalls, dass „breit investieren“ nicht bedeutet, ein Sammelsurium von Anlageklassen sein eigen zu nennen.

Welche Fonds kommen infrage?

Die Plattform JustETF listet 12 ETFs auf, die den MSCI World abbilden und 12 ETFs auf den MSCI EM.

Schritt 4 ‒ Finden eines sicheren Hafens

Den risikobehafteten Teil sinnvoll zu investieren war einfach. Doch wie platzieren wir den risikoarmen Teil unseres Geldes in einer Zeit, in der es keine risikolosen Zinsen mehr gibt, sondern nur noch zinsloses Risiko?
Grundsätzlich gilt für alle Investitionen in diesem Bereich: Sie werden sich schwer tun, die Inflation zu schlagen, die Kaufkraft Ihres Geldes wird also sinken. Sehen Sie es als Stabilitätsabgabe. Sie bezahlen dafür, um im Falle eines Falles den Spatz in der Hand zu haben, wenn die Taube auf dem Dach schon lange davon geflogen ist.
Besser, 5 Jahre Inflation zu 2 % haben aus 10.000 Euro 9.000 Euro gemacht, als dass ein Börsencrash 10.000 Euro in 5.000 Euro verwandelt.

Tagesgeld

Bei einer Bank, die dem deutschen oder einem vergleichbaren Einlagensicherungsfonds unterliegt und die dauerhaft gute Zinsen bietet, kann man sein Geld parken.
Meine persönliche Meinung: Ich mache das Zinshopping nicht mehr mit. Drei bis sechs Monate Traumzinsen und dann der Absturz, das ist mir der Aufwand nicht wert. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Unterschied oft nur 0,1 % bis 0,2 % beträgt. Das bedeutet, pro 10.000 Euro Einlage erhalte ich pro Jahr 10 Euro bis 20 Euro mehr. Davon gehen dann noch 25 % Kapitalertragssteuer und der Soli ab. Dafür alle 6 Monate ein neues Konto eröffnen und ein altes schließen und der Aufwand bei der Steuer und den Freistellungsaufträgen? Das lohnt nicht, finde ich. Die ganzen türkischen und estnischen Banken habe ich ‒ für mich ‒ ebenfalls aussortiert. Zwar bieten diese Banken höhere Zinsen, aber sie unterliegen auch nicht dem strengen deutschen Einlagensicherungsfonds.
Da wir hier vom „sicheren Hafen“ sprechen, ist es für mich konzeptionell unsinnig, solche Angebote anzunehmen. Wenn ich bereit bin, ein höheres Risiko zu tragen, dann gehört dieses Geld in den risikobehafteten Pool.

Festgeldleiter

Eine Festgeldleiter, auch Sparbriefleiter genannt, ist eine feine Sache. Wie beim Tagesgeld sucht man sich eine oder mehrere Banken, die dem deutschen Einlagensicherungsfonds angehören, und legt sein Geld dort in mehreren Tranchen an. Da man bei einer Sparbriefleiter sein Geld einer Bank über mehrere Jahre anvertraut, ist es besonders wichtig darauf zu achten, dass diese Bank zahlungsfähig bleibt.
Angenommen, Sie möchten 25.000 Euro anlegen. Dann teilen Sie das Geld in 5 Tranchen zu je 5.000 Euro und legen die ersten 5.000 Euro für ein Jahr fest, für die nächsten 5.000 Euro kaufen Sie einen zweijährigen Sparbrief und der letzte Sparbrief hat eine Laufzeit von 5 Jahren. In einem Jahr, wenn der Einjährige fällig wird, verlängern Sie Ihre Leiter mit dem Kauf eines weiteren 5-Jahres-Sparbriefes um eine Sprosse.
So bekommen Sie noch halbwegs passable Zinsen und kommen trotzdem jedes Jahr an ein Fünftel Ihrer Ersparnisse.

Deutsche Staatsanleihen oder Pfandbriefe

Als dritte Variante bietet sich der Kauf von Staatsanleihen oder Pfandbriefen an. Sie sollten hier auf Schuldner mit Top-Rating achten, deshalb kommt hier eigentlich nur die Bundesrepublik Deutschland als Schuldner infrage. Da die Zinsen so niedrig sind, empfiehlt es sich nicht, langlaufende Anleihen zu kaufen. Papiere mit einer Restlaufzeit von 1 Jahr bis 5 Jahre wären aktuell das Mittel der Wahl.
Ihre Optionen:

  1. Direktkauf mehrerer Anleihen zwecks Aufbau einer Anleihenleiter (so wie unter Festgeldleiter besprochen). Vorteil: Kostenminimierung und genau die Papiere im Depot, die Sie ausgewählt haben. Nachteil: Sie müssen sich drum kümmern.
  2. Kauf eines Indexfonds (ETF), der in Anleihen mit dieser Laufzeit investiert. Vorteil: Sie bekommen das fertige Paket und müssen nichts mehr tun. Nachteil: Sie zahlen laufende Verwaltungskosten.

Bei JustETF finden Sie einen Überblick, welche ETFs in deutsche Staatsanleihen und Pfandbriefe investieren.

Checkliste richtig investieren

Ihr Grundsatz sei: Mach’s einfach!
Verheddern Sie sich nicht bei der Anzahl der Positionen. Wenn Sie nicht genug Geld haben, um zwei Aktien-ETFs zu besparen, dann schmeißen Sie den Schwellenland-ETF raus und besparen Sie nur den Welt-ETF.
Wenn Ihnen eine Sparbriefleiter nur unwesentlich mehr Geld einbringt als Tagesgeld, dann lassen Sie das Geld auf dem Tagesgeldkonto und verzichten Sie auf die Sparbriefleiter.
Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen: Die ganzen Optimierungen sehen auf dem Paper immer großartig aus, aber Steuern und Inflation lassen den Zusatzgewinn ordentlich zusammenschnurren. Wenn man dann noch die Arbeitszeit („Schatz, ich muss noch den Freistellungsauftrag für unser XY-Konto fertig machen, wo finde ich die Briefmarken?“) gegenrechnet, dann kommt oft genug ein Minusgeschäft heraus.

Jetzt aber die Checkliste

  1. Solange sparen, bis die Liquiditätsreserve auf dem Tagesgeldkonto groß genug ist.
  2. Risikotoleranz festlegen. Wie sollen sich risikoarmer und risikobehafteter Anteil zueinander verhalten?
  3. Risikobehafteter Anteil
    1. 70 % gehen in einen ETF, der den Index MSCI World abbildet
    2. 30 % gehen in einen ETF, der den Index MSCI Emerging Markets abbildet
  4. Risikoarmer Anteil Folgende Möglichkeiten stehen zur Verfügung:
    1. Tagesgeld
    2. Festgeld/Sparbrief-Leiter
    3. Anleihen von Schuldnern mit Top-Rating in mittlerer Laufzeit (1 Jahr bis 5 Jahre Restlaufzeit)

Fehlt da nicht was?

Nö, da fehlt nix! Riester, Rürup und den wüstenroten Fuchs würde ich sehr kritisch hinterfragen. Sicher gibt es Fälle, in denen der Abschluss eines solchen Vertrags sinnvoll, weil profitabel, ist. Aber das sind immer Einzelfallentscheidungen, die ich hier im Blog nicht abdecken kann.
Da muss dann mit spitzem Bleistift unter Einbeziehung aller Kosten gerechnet werden.
Das Argument: „Aber das macht man doch so! Mein Bruder/Schwester/Arbeitskollege/Nachbar/Hund hat auch so einen Vertrag abgeschlossen.“ lasse ich nicht gelten. Diese Lemming-Nummer ist noch nie gut ausgegangen. Ich sage: Verstehen und dann selber rechnen, macht reich.

Ein Wort zum Schluss

So stelle ich mir einen sinnvollen Investitionsansatz vor. Wichtig sind hier die Worte ich und mir. Das hier ist mein Beitrag zur Debatte und keineswegs das Patentrezept für finanzielle Glückseligkeit.

Nachtrag

Das Thema alternative Investments wie unternehmerische Beteiligungen an Immobilien-, Schiffs- und Öko-Fonds, Rohstoffe und Sammlungen (Briefmarken, Münzen, etc.) behandelt der Artikel "Alternative Investments".

(awa)

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Kommentare

Alex von Reich-mit-Plan.de sagt am 24. April 2014

Hallo Finanzwesir,

zuerstmal, der wüstenrote Fuchs ist von der Schwäbisch Hall ;-) Ansonsten ist deine Übersicht ganz passabel. Allerdings verstehe ich nicht, warum Privatanleger immer wieder Gelder in Produkte angeleen die eine Negativrendite erzielen. Festgeld, Anleihen, Pfandbriefe usw. Wozu? Warum gibt man freiwillig sein Geld wohin, um es später weniger wieder zu bekommen. In dem Fall aufgrund der Negativrendite durch die Inflation. Ist heut zu Tage "sicher", wenn man Zinsen zahlen muss fürs Geld anlegen? Warum werden diese Gelder nicht in defensive Konsumwerte angelegt? Gegessen und getrunken wird doch immer. Das sind die weltweit größten Unternehmen die kontinuierlich ihre Dividenden erhöhen. Unterm Strich vermehrt sich das Geld und wird nicht "hinten rum" weniger. Sicher hat auch hier alles ein gewisses Risiko, aber soll dies so viel höher sein wie bei Pfandbriefen, Anleihen und Co? Da bin ich mir nicht mehr so sicher nach den Erfahrungen der letzten Jahre. Klar wird bei Aktien in schwierigen Börsenphasen immer auf den kleiner gewordenen Aktienkurs geschaut und gejammert, aber die Dividendenerträge bleiben ja stabil (bei den richtigen Unternehmen). Am Ende muss es ja jeder selber wissen, aber das bewußte anlegen von Geldern um einen Verlust zu erzielen, gehört für mich nicht in eine Vermögensplanung.

Gruß Alex

Auf dem Blog von Alex von Reich-mit-Plan.de gibt es hierzu diesen Artikel: Der groe Crash kommt erst noch


Dummerchen sagt am 30. April 2014

Hallo Finanzwesir, sehr schöne Step-by-Step-Übersicht! Ich teile Deine Auffassungen sowohl zum Aufbau eines sinnvoll strukturierten Depots (Keep it simple) ebenso wie die Einschätzung zu weiteren Produkten (Riester, Rürup, KLV, FLV, BSV, ...). In wenigen Einzelfällen mögen auch diese Produkte ihre Daseinsberechtigung haben - für das Gros halte ich sie auch für wenig förderlich. (Einige Mitbürger haben das Problem, einen Vertrag zu brauchen, um sich selbst einem Sparzwang auszusetzen. Nachvollziehen kann ich das zwar nicht, aber es gibt sie. Dann sind auch langfristige Verträge besser als nichts zu tun. Ich würde es aber erstmal mit "Einsicht" versuchen.)

Bei der Aufteilung World/EM wäre ich nicht zu sehr auf die 70/30-Verteilung fixiert. Ob 90/10 (Marktkapitalisierung), 65/35 (BIP) oder irgendwas dazwischen, spielt wohl eh eine untergeordnete Rolle. Aber Du schreibst ja selbst, ggf. geht's auch erstmal ohne EM.

Auch die von Dir beschriebene Rolle eines risikoarmen Depotanteils kann ich nur unterschreiben und möchte sie noch um einen weiteren Aspekt erweitern. Wer z.B. eine Sparbriefleiter besitzt, kann in Zeiten gefallener Börsenkurse beim Auslaufen eines Sparbriefs gezielt wieder das Verhältnis von risikoarmen zu risikoreichem Anteil zurechtrücken und günstig Aktienanteile (ETFs) nachkaufen. Wer nur aus laufenden Einnahmen nachkaufen kann, weil er zu 100% in Aktien investiert ist, hat diese Gelegenheit so nicht. Mal abgesehen davon, dass man schon ganz schön abgebrüht sein muss, um wirklich zu 100(!)% in Aktien investiert zu sein.

Bei den Anleihen-ETFs sollte vielleicht noch auf eine Besonderheit hingewiesen werden. Wer eine Einzel-Anleihe bis zur Fälligkeit hält, kann beim Kauf schon die Rendite vorhersagen, die er auf jeden Fall erzielen wird. Verkauft er die Anleihe jedoch vorzeitig, sind Kursschwankungen relevant. Einige Anleihen-ETFs halten die Anleihen allerdings nicht bis zum Ende sondern verkaufen früher. Daher würde ich hier nicht grundsätzlich von einem analogen Umsetzung wie bei einer Sparbriefleiter sprechen. Dass der vorzeitige Verkauf sowohl vor- als auch nachteilig sein kann, ist natürlich klar.

Gruß Dummerchen

PS: Dein Blog gefällt mir richtig gut! Mach weiter so! (Schon erstaunlich, wie groß der Kreis finanzbloggender Ingenieure und ingenieursähnlich Tätiger ist. Die Affinität zu Zahlen und die oftmals nüchterne Art der "Spezies" scheint ja geradezu prädestiniert hierfür zu sein ;-)!)


Finanzwesir sagt am 02. Mai 2014

Hallo Dummerchen, danke für die freundlichen Worte und den langen Kommentar. Ich glaube, daß mit dem Sparzwang ist weiter verbreitet als man annimmt. Kommer hat das ja in seinem Buch "Kaufen oder MIeten" auch gechrieben: Immobilienbesitzer bilden mehr Vermögen, als Mieter. Aber nicht, weil Immobilien so eine tolle Geldanlage wären, sondern ein Immo-Besitzer zum Zwangssparen verdonnert ist, während ein Mieter sein Geld leichter ausgeben kann.

Was die Aufteilung Welt/EM angeht: Da bin ich schmerzfrei. Ich habe mich für 70/30 entschieden. Fand ich plausibel und im Wertpapier Forum gab´s Musterdepots mit dieser Aufteilung. Aber die beiden anderen Gewichtungen sind natürlich auch ok. Das habe ich als Ingenieur auch lernen müssen: Die Toleranzen sind hier sehr hoch. Wichtig nur: Das man überhaupt was macht und investiert ist.

Danke für Deine Amerkungen zur Sparbriefleiter und den Anleihen-ETFs. Ich kann nicht alles im Text unterbringen, aber für Ergänzungen sind ja die Leserkommentare da! Dafür bin ich auch dankbar.

Gruß Finanzwesir


Dummerchen sagt am 03. Mai 2014

Hallo Finanzwesir, genauso war es auch gedacht, als Ergänzung und keinesfalls als Kritik. Mir ist klar, dass man nicht in jedem Artikel auf jedes Detail eingehen kann - sonst verliert man sich darin.

Gruß Dummerchen


Finanzwesir sagt am 05. Mai 2014

Hallo Dummerchen, dabei würde ich mir - argumentative gut vorgebrachte - Kritik durchaus wünschen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir uns hier in einer klassischen Filter Bubble befinden. Dieser Blog erreicht nur Leute, die sowieso schon von passivem Investieren überzeugt sind. Trader oder Menschen, die ihr Geld in eine Lebensversicherung stecken kommen hier gar nicht vorbei.

Gruß Finanzwesir


Stranger sagt am 12. Juli 2014

Hallo Finanzwesir,

wenn Dir etwas daran liegt, Dich außerhalb Deines Blogs mit (vermeintlich erfolgreichen) Tradern oder finanzaffinen Leuten auseinanderzusetzen, dann schau Dir mal die Kommentare zum Beispiel beim Handelsblatt Online an (hier speziell die zu den Dax-Berichten). Falls ein Marsmensch diese eines Tages mal in die Hände bekommen sollte, dann denkt er, dass es nur erfolgreiche Anleger gab in der heutigen Zeit.

Dann doch lieber Finetuning mit Gleichgesinnten:-)

Viele Grüße Stranger


Finanzwesir sagt am 13. Juli 2014

Hallo Stranger, nee, lieber nicht ;-) Die meisten Trader verlieren nur Geld. Die Privaten gehen still und leise pleite, die Großen verabschieden sich mit einem Knall wie Nick Leeson, der die Barings Bank zugrunde richtete. Das ist mir zu stressig und die Prahlereien in den Foren sind die Zeit nicht wert.

Gruß Finanzwesir


Juanito sagt am 14. Juli 2014

Hallo Finanzwesir,

ich würde ja gerne eine einfache MSCI World ETF-Lösung wählen, aber dann wird das ganze nach ausgiebigen Einlesen dann doch wieder kompliziert.

1) Steuereinfach vs. steuerkompliziert - z.B. ausländischer Teilthesaurierer wie mein präferierter ETF von ishares 2) Physisch replizierend vs. synthetisch - ich möchte Ersteres, scheitere aber an 1)

Die günstigere "Core"-Variante wäre steuerlich Harakiri. Ergo, es gibt aktuell keine gute, einfache Lösung für mich. Eine Kombi aus Stoxx Europe 600 und S&P 500 lässt sich aber schon preiswert und steuereinfach zusammenbauen.

Wie ist Deine Einschätzung dazu?

Danke Juanito


Finanzwesir sagt am 14. Juli 2014

Hallo Juanito, ich habe den iShares MSCI WORLD (WKN: A0HGZR). Den habe ich 2008 gekauft, da war die Auswahl noch etwas eingeschränkt. Was das steuerliche Thema angeht. Für mich sieht das Ranking so aus:

  • geringe Kosten sind das wichtigste Kriterium. Warum? Weil diese Kosten hier uns jetzt auflaufen und bekannt sind. Das ist eine Größe, mit der ich rechnen kann. Alles was ich hier spare geht direkt in meine Kasse.
  • Fondsvolumen > 100 Mio € oder $. Warum? Weil sich der der Fonds dann wirtschaftlich betreiben läßt und - hoffentlich - nicht geschlossen wird.
  • steuerliche Gesichtspunkte. Eher unwichtig. Warum? Weil sich dieser Punkt schneller ändern kann, als einem lieb ist. Der Fonds kann sein Domizil wechseln, die Steuergesetze können sich ändern. Das bedeutet, wenn ich mir heute mit viel Aufwand einen Fonds aussuche, dann kann es sein, daß ich in 2,3 oder auch erst in 10 Jahren doch im Steuerkuddelmuddel lande. Meine Perspektive ist die dabei die von Warren Buffet "Mein liebster Zeithorizont ist: für immer." Wer einen Steuerberater hat, läßt den den Job erledigen. Wer keinen hat, muß sich das einmal ansehen und dann jedes Jahr wiederholen. Es macht Arbeit ja, aber es kann nicht sein, daß eine staatliche Lenkungsmaßnahme meine Investmententscheidung beeinflußt. Zuerst muß immer die Investmententscheidung kommen, der muß sich alles unterordnen. Dann sieht man weiter. Diese Steuernummer wird in meinen Augen auch sehr aufgeblasen. Das ist doch kein Hexenwerk, da reichen die vier Grundrechenarten. Und im Übrigen: Einfach mal beim Finanzamt nachfragen. Das Finanzamt ist laut § 89 Abgabenordnung grundsätzlich zu Auskunft und Beratung verpflichtet. Dabei müssen sie die Steuerpflichtigen zwar nicht auf jede sich bietende Möglichkeit hinweisen, wie sie Steuern sparen können. Bei offenkundigen Fehlern oder Versäumnissen hat das Finanzamt aber geradezu eine Fürsorgepflicht gegenüber den Bürgern:

Fürsorglicher Fiskus - Zitat § 89 AO

"Die Finanzbehörde soll die Abgabe von Erklärungen, die Stellung von Anträgen oder die Berichtigung von Erklärungen oder Anträgen anregen, wenn diese offensichtlich nur versehentlich oder aus Unkenntnis unterblieben oder unrichtig abgegeben oder gestellt worden sind."

Also: Einfach nett im Finanzamt anrufen und den Sachbearbeiter unbürokratisch bitten mal zu helfen. Das Finanzamt hat ein Interesse daran, daß Du als Steuerpflichtiger einen Steuerbescheid akzeptierst und keinen Widerspruch einlegst. Die wollen das auch vom Tisch haben.

Gruß Finanzwesir


Juanito sagt am 14. Juli 2014

Hallo Finanzwesir,

vielen Dank für Deine schnelle und vor allem umfassende Antwort.

Ich möchte Deinen schönen Blog ungern für Produktfragen nutzen, u.a. weil das immer der letzte Schritt sein sollte, aber da ich nun mal an dem Punkt bin, hoffe ich, dass Du mir noch eine zweite Frage erlaubst.

Wenn man die Steuerproblematik nicht scheut, dann dürfte doch der "neue" Core-ETF auf den MSCI World von ishares einen Blick wert sein. Macht genau das Gleiche, wie der andere, ist thesaurierend und kostet mit einer TER von 0,2% etwas weniger als die Hälfte (WKN A0YBR3).

Da Kosten ein wesentlicher Faktor sind, den ich beeinflussen kann, dann würde doch absolut nichts gegen den Core sprechen oder?

Es muss ja nicht gleich in eine Art "ETF-Hopping" ausarten, aber wenn man beim Portfolioaufbau noch die Wahl hat...

Danke & viele Grüße Juanito


Finanzwesir sagt am 14. Juli 2014

Hallo Juanito, Vorsicht! Die beiden sind ähnlich aber nicht zu 100% identisch. Geh auf die iShares-Seite und vergleich die beiden mal.

Dann siehst Du, daß der Core 1.459 Aktien hält, der "normale" MSCI World aber 1.508 Aktien. Deshalb ist die Top-Aktie Apple im Core mit 1,82% enthalten und im klassichen World nur mit 1,78%. Bei den weiteren Positionen geht das Delta dann immer mehr zurück. Bei GE ist das Verhältnis schon 0,82% / 0,83%. D.h. das nimmt immer weiter ab.

Die Gesamtrendite des Core ist pro Jahr ca 0,1% besser als die des klassischen MSCI World. D.h. das große TER-Delta schlägt nicht voll durch.

iShares gibt an, daß aus $ 10.000, investiert am 11.7.2013 in einem Jahr (Stichtag 11.7.2014) $ 11.819,63 (MSCI classic) bzw. $ 11.828,02 (MSCI core) geworden wären.

Kein so riesiger Unterschied. Schau´s Dir noch mal an und entscheide dann selbst. Denn (so steht´s ja oben im Blog-Header): Das hier ist eine Veranstaltung für Leute, die über ihre Finanzen selbst entscheiden. ;-)

Ich wünsch Dir viel Erfolg. Und bedenke eins: Die optimale Zusammensetzung bekommst Du eh nie. Gut genug reicht und das sind beide Fonds. Dann gilt es nur noch stur Kurs zu halten. Aber darüber habe ich ja auch was im Blog geschrieben.

Gruß Finanzwesir


Juanito sagt am 14. Juli 2014

Hallo Finanzwesir,

Danke für die Antwort und Deinen Vergleich der beiden ETFs. Keine Sorge - bin Selbstentscheider und der (konstruktive) Dialog hier hilft mir sehr weiter.

Vielleicht stolpert ja noch jemand über diese beiden ETFs und hat dann schon mal etwas hier zum nachlesen.

Noch 1-2 Anmerkungen zu Deinem Vergleich:

1) Beide verwenden einen repräsentativen Korb (Sampling/Optimierung) und halten nicht die volle angegebene Aktienanzahl. In der Regel sind das 200-300 Aktien. 2) Der "Core" wurde erst im Juni 2014 auf die 0,2% TER runtergesetzt (im Zuge des Preiskampfes zwischen den Anbietern). Das heisst, es gibt noch nicht ausreichend Werte, um das Durchschlagen der TER sinnvoll zu vergleichen.

Meine aktuelle Überlegung innerhalb meines Entscheidungsprozesses ist einfach, dass beide meine (inhaltlichen) Hauptkriterien erfüllen + leider steuerlich aufwändig sind (kein Unterschied). Der Core würde mich pro 10.000 Euro aber nur 20 Euro p.a. kosten + der "Classic" eben 50 Euro p.a. - bei 20 Jahren+ Anlage sind das mal schlappe 600 Euro pro 10.000 Euro Kostenunterschied (20x50 - 20x20).

Es ist wirklich befreiend zu wissen, dass es keine perfekte Lösung gibt:-)

Viele Grüße Juanito


Finanzwesir sagt am 14. Juli 2014

Hallo Juanito, Du schreibst: 1) Beide verwenden einen repräsentativen Korb (Sampling/Optimierung) und halten nicht die volle angegebene Aktienanzahl. In der Regel sind das 200-300 Aktien.

So wie ich das sehe: Sampling stimmt, aber es sind nicht nur 200 - 300 Aktien im Korb, sondern eigentlich fast alle. Der MSCI World umfaßt laut MSCI Factsheet 1.611 Positionen. Siehe: http://www.msci.com/resources/factsheets/index_fact_sheet/msci-world-index.pdf

Beim klassische MSCI World steht laut iShares unter "Anzahl der Positionen (per 11. Juli 2014)" die Zahl 1.508. Wenn Du Dir das entsprechende CSV runterlädst, siehst Du, dass dort 1.508 Positionen gelistet sind. Das Problem: Excel rundet die irgendwann zu 0,0%. Es fehlen also nur 103 Firmen zum vollständigen MSCI World. Analog gilt das für den Core auch. Nur fehlen hier 152 Positionen.

2) Der “Core” wurde erst im Juni 2014 auf die 0,2% TER runtergesetzt

Das wußte ich nicht. Dann besteht ja noch Hoffnung, daß auch "mein" ETF noch billiger wird. Ich hoffe es schichten genug andere Leute um, so dass iShares sich genötigt sieht hier nachzubessern.

3)... sind das mal schlappe 600 Euro pro 10.000 Euro Kostenunterschied Und da ist der Zinseszinseffekt noch nicht mal drin ;-)

Also denn, go! Das sieht doch alles ganz vernünftig und gut aus. Und was die Zukunft bringt? Wer weiß das schon. Vorn daher: Mach die aktuell bestmögliche Entscheidung und starte damit.

Gruß Finanzwesir


Juanito sagt am 19. Juli 2014

Folgendes steht dazu noch auf der ishares-Webseite:

"Ein voll replizierender ETF kauft in der Regel alle Wertpapiere des zugrunde liegenden Index und hält sie als Fondsvermögen. Manchmal ist es nicht kosteneffizient, alle Wertpapiere des Index zu kaufen (z.B. wenn ein Index nicht sehr liquide ist). In diesen Fällen greift ein als Optimierung bezeichneter Prozess, und es wird nur ein Teil der Wertpapiere im Index gekauft, um die Wertentwicklung exemplarisch nachzubilden. Ein Beispiel für dieses Vorgehen ist der iShares MSCI World UCITS ETF, der etwa 700 Wertpapiere hält, wohingegen der zugrunde liegende Index mehr als 1800 Einzeltitel umfasst."

Wie Du schon sagtest, welche 700 das sind, wird nirgendwo erwähnt.

Ich würde sagen, dass man sich wohl damit zufrieden geben sollte, dass man über einer repräsentative Auswahl annähernd die Wertentwicklung des Index zu einem relativ günstigen Preis bekommt und das "wie" (Optimierung, Wertpapierleihe oder SWAP bei den Synthetischen etc.) leider nicht so optimal & transparent ist, wie es sein sollte.

Da beneide ich die Anleger in den USA, die ja auf diversen Blogs bzw. in Foren (bogleheads etc.) immer wieder die kostengünstigen und einfachen Produkte beschreiben, die ihnen zur Verfügung stehen. Von den steuerlichen Rahmenbedingungen & Förderungen der Altersvorsorge ganz zu schweigen.

Es ist nun mal, wie es ist. Und bevor ich jetzt mit lauter Einzelaktien oder diversen ETFs "meinen MSCI" baue, nehme ich lieber das, was verfügbar ist.

Nochmals vielen Dank, dass Du auf das Thema eingegangen bist!

Sonnige Grüße Juanito


Juanito sagt am 19. Juli 2014

Hallo Finanzwesir,

ich würde gerne noch einen Punkt "nachreichen". Es hat mir doch keine Ruhe gelassen und ich habe mal etwas weiter recherchiert, wie denn ishares genau "optimiert" repliziert.

Auszug aus der Beschreibung der Replikation:

"Der iShares MSCI World ETF macht von der optimierten Replikationsmethode Gebrauch, um die Performance des MSCI World Index nachzubilden. Um die Transaktionskosten in Grenzen zu halten, wird von der optimierten und nicht vollständigen Replikation Gebrauch gemacht. Dabei investiert der ETF in etwa nur die Hälfte der über 1600 Indexmitglieder."

Die Angabe auf deren Website (Anzahl der Aktien) bezieht sich anscheinend auf den Index.

Das macht keinen großen Unterschied und man kann die Dinge sicherlich unendlich kompliziert machen etc. - keines der verfügbaren Produkte ist perfekt und dann nimmt man eben die beste Lösung, die verfügbar ist. Ich wollte aber dennoch wissen, in was man den überhaupt anlegt.

Viele Grüße Juanito


Finanzwesir sagt am 19. Juli 2014

Hallo Juanito,

Die Angabe auf deren Website (Anzahl der Aktien) bezieht sich anscheinend auf den Index.

Hm, das kann auch nicht sein, den auf der MSCI-Site steht, dass der Index 1.611 Positionen umfasst. Deshalb bin ich ja auf die Idee gekommen, es handele sich hier um die Zahl der gesampleten Positionen.

Das kann ja dann nicht sein, nachdem was Du recherchiert hast. Wenn ich mir die CSV-Datei des ishares MSCI World A0HGZR herunterlade, so hat dieses Sheet 1.509 Positionen. So steht es auch auf der Web-Site. D.h. iShares nimmt schon von Beginn an nicht den Gesamtindex als Maßstab. 75 Positionen dieser Auflistung sind 0%-Positionen. Wenn aber iShares auf ca. 50% samplet, bedeutet das, dass nicht nur diese Positionen nicht im Fonds enthalten sind, sondern auch noch sehr viele andere. Ich vermute der Longtail der 0,01%- und 0,02%-Positionen entfällt ebenfalls. Da stellt sich natürlich die Frage: Wo zieht iShares den Schlussstrich? Ist es legitim zu vermuten, dass die ersten 754 Firmen im Index enthalten sind? Das wären 50%. Oder sind es nur 730 Firmen oder doch 800? Diese 50% beziehen sich auf die 1.509 Positionen, mit denen iShares anfängt und nicht auf den von MSCI angegebenen Umfang.

Dazu habe ich nichts gefunden. Letztendlich bedeutet das: Blackbox - man weiß nicht zu hundert Prozent, in welche Firmen man investiert. Soviel zum Thema "Tranzparenz im Finanzbusiness".

Gruß Finanzwesir


Finanzwesir sagt am 20. Juli 2014

Hallo Juanito,

Es ist nun mal, wie es ist. Und bevor ich jetzt mit lauter Einzelaktien oder diversen ETFs “meinen MSCI” baue, nehme ich lieber das, was verfügbar ist.

Das sehe ich auch so. Ich möchte die Sachen verstehen, dann weiß ich auch, wo ich in der Praxis von der Ideallinie abweichen muß, einfach weil es kein Produkt gibt, mit dem ich meine Strategie umsetzen kann. Dann ist das aber eine informierte Entscheidung und ich weiß, worauf ich verzichte.

Nochmals vielen Dank, dass Du auf das Thema eingegangen bist!


Patrick sagt am 27. August 2015

Ich würde gerne als Alternative zu Einzelaktieninvestments Branchen-ETFs nutzen. Das Angebot ist ja mittlerweile durchaus vorhanden.

Meine Idee. Ich möchte gerne aus verschiedenen Gründen auf gewisse Branchen wie Banken, Rohstoffwerte usw. verzichten. Aber ich möchte nicht auf Diversifikation verzichten. Wenn ich mir zudem über die letzten 10-20 Jahre die Entwicklung verschiedener Branchen anschaue, dann gefällt mir das Risikoprofil einiger Branchen besser.

Kurzum, wenn ich mir Branchen-ETFs des MSCI zusammenstelle, z.B. Healthcare, Consumer Staples, Technology wäre ich immer noch in mehrere hundert Werte investiert.

Spricht Eurer Meinung etwas dagegen? Ich verzichte eventuell auf Performance, wenn Ölwerte abgehen, wie Nachbars Lumpi und mein Risiko ist höher, wenn Pharmawerte alle pleitegehen. Sonst noch was? Danke für Eure Rückmeldung.


Reinsch sagt am 28. August 2015

Irgendwo hatte der Wesir doch letztens mal eine Grafik gepostet, wo die Rendite einiger Branchen, Anleihen, Rohstoffe etc. jährlich in Ranglisten geordnet war.

Fazit: Quasi jede Branche war in einigen Jahren an der Spitze, in anderen am unteren Ende. Der "gesunde Mix" hingegen war immer im vorderen Drittel dabei, wenn auch nie auf dem Spitzenplatz.

Von daher würde ich nur auf die Branchen-ETFs gehen wenn du wirklich gezielt auf eine Branche gehen willst, oder aus z.B. moralischen Gründen einzelne unbedingt ausschließen willst.


Finanzwesir sagt am 28. August 2015

Hallo Patrick,
der MSCI World besteht aus 10 Sektoren. Du kannst jeden Sektor auch einzeln erwerben. Aktuell sind Finanzinstitute mit gut 20% gewichtet, Gesundheit mit knapp 14% und Versorger mit stellen mit 3% die kleinste Fraktion dar.
Dieses Verhältnis ändert sich laufend. Willst Du das dann rebalancen?

Punkt 2: Diese Sektoren sind nicht nach moralischen Kriterien aufgebaut. Das bedeutet es gibt die Sektoren Rüstung oder Rauchen nicht. Ich vermute, die Rüstung steckt im Industriesektor und die Raucher findet man in einem der beiden Konsumgüter-Sektoren.

Ich sehe da vor allem operative Probleme. Wie gewichtest Du und wie hälst Du diese Gewichtung konstant. Wenn Du den ganzen MSCI World kaufst, dann passiert eine etwaige Neugewichtung automatisch innerhalb des Fonds. Das kostst Dich weder Zeit noch Geld.

Ansonsten stimme ich Reinsch zu: Bloß weil etwas die letzten 20 Jahre schlecht gelaufen ist, muss das nicht so bleiben und umgekehrt.

Mir persönlich wäre das viel zu viel operativer Aufwand. Auch weil man eben nicht nach ethisch/moralischen Kriterien vorgehen kann.

Gruß
Finanzwesir


Nicolas sagt am 28. August 2015

Hallo Finanzwesir,

in dem oben stehenden Kommentaren aus dem letzten Jahr wurde auch das Thema Kosten und TER als wesentliches Auswahlkriterium betrachtet. Finanztip hat nun am Beispiel eines Vergleichs der ETFs auf den MSCI World herausgefunden:

  • "Verwaltungskosten,... sogenannte Total Expense Ratio (TER) ..." sind "kein geeignetes Auswahlkriterium"
  • "Der Vermögensverwalter Robeco konnte in einer Studie keinen klaren Zusammenhang zwischen Verwaltungskosten und ETF-Rendite entdecken" (http://www.finanztip.de/indexfonds-etf/etf-vergleich/)

Steigern hier Verleiherträge oder sonstige Einnahmen der Fondsgesellschaften, die durch das Eingehen von Risiken generiert werden, die Rendite?

Wie schätzen Sie das ein?

Grüße
Nicolas


Linke sagt am 19. Januar 2016

Hallo Finanzwesir,

interessanter Artikel =), vielleicht noch ergänzend - sollte man sich Gedanken machen wie man rebalancen möchte. Durch unterschiedlich starkes Wachstum ändert sich die Risikoverteilung über die Zeit.

Eins verstehe ich noch nicht so ganz. Hier wird häufig über das TER des ETFs gesprochen. Ist der Tracking-Error eines ETFs doch im Bezug zu seinen Vergleichindex nahe 0 sind die Kosten doch egal. Ein ETF verdient ja auch Geld z.B. durch das Verleihen eines teils seines Warenkorbs und verrechnet das mit seinen Aufwendungen. Oder sehe ich da was falsch? :)

Beste Grüße

Philipp


Stefan sagt am 27. Januar 2016

Hallo Wesir und hallo an die Community,

ich stehe kurz vor dem Einstieg in das Berufsleben und beschäftige mich zur Zeit intensiver mit Sparen/Altersvorsorge/Versicherungen.

Was ich über den Blog und Bücher mittlerweile gelernt habe ist, dass passives investieren in Indexfonds der beste Weg zum Ziel zu sein scheint. Nur die Anlagesysteme scheinen sich etwas zu unterscheiden, ich liebäugle also mit folgenden Varianten:

  • das hier vorgestelle System für Aktien mit 70% World/30 % Emerging Markets und den "sicheren" Anlagen mit Anleihen oder alternativ Festgeldleiter
  • das 3% Signal von Jason Kelly -> Überblick: 80% Small Cap / 20% Anleihenindex, quartalsweise 3% Wachstum der Small Caps angepeilt, falls nicht erreicht Teil des Anleihenindex verkaufen und Small Cap Anteil auf 3% Wachstum auffüllen; anders herum bei einem Betrag von über 3% Wachstum des Small Caps Anteile davon verkaufen und in Anleihen

Ich besitze leider kein Programm, bzw ausreichend Excel Kenntnisse, um langfristig die Performance zu vergleichen und die beiden Varianten zu analysieren. Über eure Meinung würde ich mich sehr freuen.

Beste Grüße
Stefan


Dummerchen sagt am 27. Januar 2016

Hallo Stefan,

vom 3%-Signal-System höre ich zum ersten Mal. Woher kommen die 3%? Langfristige durchschnittliche Rendite von SmallCaps? Dass SmallCaps zwar langfristig höhere Renditen versprechen als LargeCaps, dafür aber auch längere Phasen der Underperformance haben, weißt Du? Man braucht also Sitzfleisch.
Ich stelle mir ganz praktisch vor, was in einem Jahr passiert, in dem die Rendite der SmallCaps einfach mal 0% ist. Du schichtest viermal 3% um. Am Ende des Jahres ist dann rund 90% im SmallCaps-Anteil und 10% im Anleihenanteil. Wiederholt sich das ganze um ein weiteres Jahr, ist der komplette Teil des Portfolios in Aktien. Ist das der Plan?

Ich persönlich kann mit der extremen Übergewichtung von SmallCaps ggü. dem Gesamtmarkt wenig anfangen und halte das System für einen Börseneinsteiger für wenig geeignet.
Du hast kaum Erfahrungen mit den Schwankungen und wirst erfahrungsgemäß hauptsächlich von den großen Indizes (S&P500, Dax, Stoxx 600, Nikkei) medial informiert und während diese steigen, kann Dein Depot trotzdem in die Miesen rauschen - stehst Du das nervlich durch?

Lieben Gruß
Dummerchen


Michael sagt am 28. Januar 2016

@Stefan

http://jasonkelly.com/books/3sig/: The 3% Signal is an investing plan that beats the general stock market by moving money into or out of a stock fund once per quarter based on the price of the fund only. When the fund grows 3% in a quarter, the investor does nothing. When it grows more than 3%, the investor sells the surplus profit and moves it into a safe bond fund. When it grows less than 3% or falls in value, the investor uses money from the safe bond fund to buy the stock fund up to the 3% growth line.

Bei "moving money into or out of a stock fund" kann man eigentlich aufhören zu lesen. Da braucht man nicht nur Sitzfleisch, sondern produziert auch noch regelmäßig (unnötige?) Gebühren. Dann lieber das Geld nur in ein/zwei ETF stecken und nicht mehr anfassen. Ob sich die "safe bond fund" z.Z. lohnen? Fest/Tagesgeld tuts da glaub' ich auch.

Gruß
Michael


Barbaz sagt am 29. Januar 2016

Ich habe dieses 3% Dingens grade mal mit den Daten vom MSCI NA SC ab 93 durchgespielt. Als "safe bond fund" hab ich ein Tagesgeld mit durchgängig 2% pa genommen. Gebühren und erhöhte Kreditzinsen habe ich NICHT berücksichtigt.

Im Mittel ist man mit 91% in SC investiert. Gegenüber einer 90/10 Aufteilung ohne Rebalancing erreicht man über die gesamte Zeit ca 110%-Punkte (15%) mehr Rendite (740% vs 850%). Insgesamt rutschte das Tagesgeld 6 mal ins negative, am längsten von März 2008 bis November 2010. Im März 2009 wäre man zu 215% in SC investiert gewesen (dh mehr als die Hälfte des Vermögens sind Schulden).

Also nichts gegen etwas an den Markt angepasstes antizyklisches Investieren, aber ... neee.


Chris sagt am 29. Januar 2016

@Stefan

Noch nie was von diesem 3%-System gehört, lol watt es nich alles so gibt...
Interessant wie man damit anscheinend 336 Seiten füllen und ein ganzes Buch damit verkaufen kann ^^

Wenn du sagst das du von Excel noch wenig Ahnung hast, würd ich das aber schnell mal ändern, denn im Gegensatz zur simplen statischen Allokation, die man fast noch im Kopf ausrechnen kann, braucht man dafür schon ein paar weitere Rechenschritte, und eben am besten eine Tabelle um nicht den Überblick zu verlieren.

Höhere Komplexität verspricht vielleicht bessere Performance, hat aber auch immer das Risiko, dass es schwerer ist sich langfristig auch wirklich an das System zu halten (bzw. man versucht ist, an den vielen Variablen eigenständig herumzudoktern).

Was die Performance des Systems angeht, steht doch auf der Seite was ( http://jasonkelly.com/resources/strategies/ , http://www.jasonkelly.com/worksheets/Mark%27s%20Plan%20from%20Chapter%207%20of%20The%203%25%20Signal%20by%20Jason%20Kelly.pdf ). Inwiefern das (a) glaubhaft und (b) für uns replizierbar ist, musst du selber beurteilen. Wir Deutschen haben z.b. keine steuerfreien Altersvorsorge-Depots wie die Amis, nicht genau die gleichen Anlageprodukte und unsere Handelsgebührenstruktur ist auch eine andere.

Gerade wenn du sagst, noch am Anfang des Berufslebens zu stehen, sehe ich da als ersten Kritikpunkt, dass du bei einem kleinen Depot erstmal u.U. nur Kleinstbeträge sinnlos hin- und herschiebst.
Bei einem 10.000€ Depot (aufgeteilt auf 80% Aktien, 20% Anleihen) würdest du zum Beispiel, wenn sich der Aktienteil im Quartal nur 2% statt der "angepeilten" 3% entwickelt hat, für nur 80 Euro Anteile von den Anleihen verkaufen und den Aktien nachkaufen.
Wenn dazu noch, wie bei den großen deutschen Standartbrokern, eine Transaktion jeweils mindestens 10 Euro kostet, ist das ein Ausdruck dessen, wofür das Sprichwort "hin und her macht Taschen leer" erfunden wurde.

Nach mehreren Jahrzehnten wirst du, wenn du das System konsequent durchgezogen hast, vielleicht einen Mehrwert gegenüber dem simplen statischen B&H(+rebalance) sehen, aber der Weg dahin ist erstmal etwas mühseliger. Keine Ahnung ob du dir das antun willst.

Ein weiteres Problem (Barbaz hats schon angesprochen) wird sein, wenn die Aktien zu lang und zu stark abkacken, wird auch bald der Anleihe-Teil aus dem du sie "zufütterst" aufgebraucht sein.
Wie eben 2008 passiert. Dann ist dein Aktienanteil 100% und deine Anleihen bei 0%. Weiter gehts dann eigentlich nicht mehr. Um das System in seiner Reinform weiterzubetreiben, müsste man also entweder ins "Negative" gehn (Kredit nehmen um neue Anleiheanteile kaufen zu können), oder (wie es Kelly gemacht hat, siehe Transaktionsliste) das Zukauf-System quasi "aussetzen" bis es wieder eine Quartals-Aktienrendite von über 3% gibt, von der man den Überschuss wegnimmt und wieder in Anleihen investieren kann.
Gut, zugegeben, im System sind auch regelmäßige frische Einzahlungen von Sparüberschuss-Geld auf den Anleihe-Anteil vorgesehen, was die Sache etwas verbessert, aber je nachdem wie niedrig die Raten sind, hilft auch dass nicht und das System kommt an /bzw überschreitet seine Grenzen.

Wenn du das System benutzen willst, musst du es zuerst wirklich verstehen. Und um es zu verstehen, kommst du nicht umhin es in Excel zu programmieren.

  • Hol dir von den Produktanbietern die Kursdatenbank von den zwei ETFs die du benutzen willst (beispielsweise einen MSCI World und einen Euro Aggregate Bond)
  • Erstelle daraus eine Liste der jeweiligen Quartalsrenditen
  • Gib einen Anfangswertbestand (z.b. 10.000€) und eine Verteilung (z.b. 80% Aktien / 20% Anleihen) an und rechne die Wertentwicklung für beide ETFs aus - MIT der Bedingung, dass der Differenzbetrag (um auf +3% Aktienwertentwicklung zu kommen) jeweils vom Anleiheanteil zu- oder abgeschlagen wird. Dazu ist es auch nötig, den Betrag wieder in ETF-Anteile umzurechnen, die gehandelt werden.
  • Baue darüber hinaus noch die Funktion ein, dass jedes Quartal auch noch zusätzlich eine bestimmte Summe X auf den Anleihe-ETF von aussen frisch dazuinvestiert wird
  • Achja und baue die Ausnahmeregel ein, dass der Anleiheanteil nicht negativ werden darf, sondern dass System da einfach "aussetzt"
  • Für wirklich praxistaugliche Ergebnisse tue darüber hinaus auch noch Transaktionskosten und Steuerabzüge/rückstattungen mit einbauen

Wenn du diese kleine Arbeit (ich hab das Spreadsheet dafür in ca 10 min zusammengezimmert) nicht machen kannst oder willst, würde ich dir nicht raten darin zu investieren, weil es dann nicht beherrschbar/verständlich ist und man sich deshalb wahrscheinlich auch in der nächsten Krise nicht dran halten kann.

Die "simple" Methode, einfach 80% Aktien, 20% Anleihen (oder Tagesgeld etc.) zu halten und nur einmal im Jahr wieder auf die Ausgangsgewichtung zurückzubalancen, ist vielleicht nicht so "sexy" wie dieses etwas esoterischere 3% System, aber dafür braucht man eben auch kein Excel und du kannst es leichter nachvollziehen (und damit auch langfristig befolgend umsetzen).
Und dir kann beim klassischen Rebalancing nicht einfach so stellenweise das (Anleihe)Geld "ausgehen".


Stefan sagt am 02. Februar 2016

Hallo Community,

vielen Dank für die Antworten! Ich war mir nicht ganz sicher wie gut/schlecht das 3%-System ist, v.a. da es für den amerikanischen Anleger geschrieben ist, deswegen auch die Nachfrage in diesem Forum :), und die hat sich gelohnt.

Sympathisch fand ich daran, dass der Faktor des antizyklischen investierens automatisch mit eingebaut ist. Aber der Kostenfaktor für das quartalsweise Rebalancing ist natürlich nicht von der Hand zu weisen.

Ich habe ein bisschen Hausaufgaben vor mir (Danke @Chris: "erst verstehen, dann investieren"), und bedanke mich nochmals für die ganzen Antworten.

Gruß
Stefan


Gurki sagt am 18. Februar 2016

Hallo Finanzwesir,

was ist eigentlich mit dem Europa-Anteil? Da gibt es doch auch den Europe 600 STOXX ETF.
Momentan investiere ich zu 70% in den World und 30% in den EM. Bin aber am überlegen nicht doch auch noch in einen EU ETF zu investieren, da der World ja stark USA-lastig ist.
Ich würde dann auf folgende Prozentzahlen gehen: World 50%, EM 30%, EU 20% - Also aus der zweier Kombi, mach eine 3er ETF-Kombi. Sinnvoll oder eher nicht sinnvoll?


chaostrader sagt am 18. Februar 2016

Es hat ja schon seinen Grund, warum die USA über 50% des MSCI World ausmachen.
Wenn du jetzt 20% EU extra kaufst, wird damit die EU überrepräsentiert. Warum willst du das machen? Und für wie lange?


Chris sagt am 18. Februar 2016

@Gurki

Europa ist auch schon zu etwa 30% mit im MSCI World enthalten, holst du dir dazu nochmal extra einen dezidierten EU-ETF dazu, wirst du einige Überschneidungen (mindert die Diversifikation) und bewusste Übergewichtungen haben.

Ich meine, das kann man ja von mir aus gern machen, wenn man sich von einer bestimmten Region (oder Branche etc.) besonders attraktive Zukunftsaussichten verspricht, aber auch dabei drängt sich mir unser oller Kontinent nicht unbedingt als erster Gedanke auf ;-)

Die Verteilungsverhältnisse im MSCI World sind ja nunmal durch die Marktkapitalisierungsgewichtung so zustande gekommen. Also letztendlich die historisch entwickelte Meinung aller Marktteilnehmer zusammen. Wer eine davon abweichende Meinung hat, kann damit langfristig besser oder schlechter liegen (in den letzten Jahren liefen Amis zB. besser als der Rest der Welt), aber ich selbst würde das nicht unbedingt machen, solange ich meine Meinung zumindest nicht besser begründen könnte als "och im MSCI World sind mir aber gefühlt schon zuviele Amis drinne".

Wenn man schon individuell an der Regionen-Gewichtung herumdoktern will, warum nicht gleich nur Regionen-ETFs benutzen statt World ? Hol dir jeweils ETFs für Amerika (SP500 gibts zB schon extrem günstig ab 0,05% TER), Europa, developed Asien/Pazifik und die Schwellenländer. Da kannst du die Verteilung ganz nach eigenem Gutdünken austarieren, ohne gleichzeitig unnötige Überschneidungen einzugehen, und langfristig durch das Rebalancing die unterschiedliche Wirtschaftsentwicklung der einzelnen Regionen antizyklisch glättend ausgleichen. Ansonsten lies auch nochmal, was der Wesir schon zu Sinn und Unsinn verschiedener ETF-Aufstellungen (von einfach bis komplex) geschrieben hat http://www.finanzwesir.com/blog/etf-index-rendite-vergleich


Der Finanzfisch sagt am 21. Februar 2016

Hallo Finanzwesir, der Beitrag war wirklich interessant für mich. Die Festgeldleiter klingt interessant. Das werde ich wohl bald mal in Angriff nehmen.

Aktuell beschränke ich mich noch auf eine Kombination aus Tagesgeld und ETF-Sparplänen. Die Basis bilden auch bei mir eine Mischung aus MSCI World und Emerging Markets ETF.

Meine Reserve auf dem Tagesgeld ist allerdings deutlich niedriger. Allerdings bin ich auch ledig, habe kein Auto und kaum Risiken, die ich im Notfall wuppen muss. Deshalb sind es bei mir nur zwischen 5000 und 10000€.

Meine ETF-Aufteilung habe ich auch in meinem Blog nieder geschrieben.

Auf dem Blog von Der Finanzfisch gibt es hierzu diesen Artikel: ETFs Teil 2: Jetzt aber richtig!


Matthias sagt am 21. Mai 2016

Hallo zusammen, meine Bank hat mir gestern einen Brief gesendet und mitgeteilt, dass die BlackRock Asset Management Ireland eine Änderung des Verwaltungsreglements für die ETFs A0HGWC und A0HGV0 zum 23.05.2016 vornehmen wird. Näheres kann auf iShares.com eingesehen werden. Ich finde keine verständlichen Informationen. Kann jemand von euch erklären, worum es hier geht? Danke!


ChrisS sagt am 23. Mai 2016

@Matthias:

schau mal ganz unten in der Mittelung nach. Die ETFs mit DE-ISIN werden auf IE-ISIN überführt.
Das sollte normalerweise nichts weltbewegendes sein, und als kleiner Privatanleger kriegt man von solchen Vorgängen im Hintergrund ja auch nicht viel mit.


Sabinchen sagt am 23. Mai 2016

@Matthias Könnte sich um https://www.ishares.com/de/individual/de/literature/fund-announcement/ishares-plc-rns-scheme-of-arrangements-de-de-rc-fund-announcement.pdf handeln. Erklären kann ich es aber nicht.


Matthias sagt am 23. Mai 2016

@ChrisS und Sabinchen:

Danke euch. Es wird wohl tatsächlich um die Umstellung von DE-ISIN auf IE-ISIN gehen.
Klingt nicht besonders aufregend, obwohl ich das inhaltlich nicht bewerten kann.

Merkwürdig fand ich nur den "Standardsatz" meiner Bank am Ende der Mitteilung, die besagt, dass ich die betroffenen Fonds verkaufen kann, wenn ich damit nicht einverstanden bin. Das hat mich etwas hellhörig gemacht, da ETFs sowieso, also unabhängig von ggf. stattfindenden Änderungen des Verwaltungsreglements, jederzeit verkauft werden können.


ChrisS sagt am 23. Mai 2016

@Matthias

"Merkwürdig fand ich nur den "Standardsatz" meiner Bank am Ende der Mitteilung, die besagt, dass ich die betroffenen Fonds verkaufen kann, wenn ich damit nicht einverstanden bin. Das hat mich etwas hellhörig gemacht, da ETFs sowieso, also unabhängig von ggf. stattfindenden Änderungen des Verwaltungsreglements, jederzeit verkauft werden können."

Das steht generell bei so ziemlich allen solchen Mittelungen dabei, Standard eben, ist wohl auch rechtlich so vorgeschrieben - damit es eben ja keiner "vergisst" , dass man sich, wenn einem die Änderungen nicht gefallen, auch vom Produkt trennen kann.
Gibt ja auch einige "wesentlichere" Änderungen, bei denen tatsächlich Handlungsbedarf bestehen könnte (wenn zB. ein ETF mal den zugrundeliegenden Index wechselt, oder von ausschüttend auf thesaurierend umstellt, und so weiter, alles schon vorgekommen).

Zu diesem speziellen Vorgang hier nochmal ein Zitat von iShares:

"„In diesem Zusammenhang findet über Wertpapiermitteilung ein Tausch der ISINs statt, welcher vollautomatisiert erfolgt. Bei diesem Tausch handelt es sich um eine steuer-neutrale Umbuchung von der alten DE-ISIN in die neue IE-ISIN. An der Struktur des ETFs ändert sich nichts, durch die neue ISIN wird lediglich das Clearing und Settlement für uns und alle Marktteilnehmer vereinfacht“, teilt iShares mit."


Christopher sagt am 16. Juli 2016

Ein gelungener Artikel zu einem einfachen und robusten Investitionsansatz. Ich denke ein Weltportfolio ist genau das Richtige für die meisten Leute, da man nicht viel Zeit in Planung und Umsetzung stecken muss.

Ich möchte mich hier mit einem kleinen Beitrag einbringen: Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich ein typisches Weltportfolio - 50 % MSCI World, 20 % MSCI EM und 30 % Renten - über die letzten Jahrzehnte für einen Privatanleger tatsächlich entwickelt hätte, habe ich eine Simulation ("Backtest") aufgesetzt. Das Besondere: Ich berechne unter anderem die tatsächliche Netto-Wertentwicklung (d.h. was landet bei Verkauf aller ETFs tatsächlich auf dem Konto?) unter Berücksichtigung von Transaktionskosten, Steuern (für ein Modell des momentan gültigen Steuerrechts, inkl. Verlustverrechnungstopf), Geld-Brief-Spanne, etc.

Ich selbst war eine ganze Weile auf der Suche nach entsprechenden Informationsquellen (solcher Simulationen), man findet nichts, also habe ich selbst etwas programmiert. Es hat sich herausgestellt, dass es wichtig ist, all diese Faktoren (vor allem Steuern!) zu berücksichtigen, da die Ergebnisse ohne die Berücksichtigung dieser Faktoren zu drastisch höheren - aber realitätsfernen - Erwartungen an die Netto-Wertentwicklung führen.

Natürlich ist die Wertentwicklung in der Vergangenheit kein Garant für ähnliche Ergebnisse in der Zukunft, aber man sollte ein Gefühl dafür haben, was typischerweise möglich ist.

Viele Grüße,
Christopher

Auf dem Blog von Christopher gibt es hierzu diesen Artikel: Das Weltportfolio


Stefan sagt am 23. Juli 2016

Hallo, vielen Dank für diesen Artikel.
Mich beschäftigt eine etwas banale Frage aber da ich gerade dabei bin mein erstes echte Portfolio aufzubauen habe ich eine Frage. Mir ist natürlich klar, dass ich es letztlich machen kann wie ich es will aber:

Würdest du / sollte man / würdet ihr die sagen wir 15000€ auf dem Tagesgeldkonto in das Gesamtkapital, dass man dann in 30% RK 3 und 70% RK 1 einteilen will mit einrechnen oder davon komplett losgelöst als absolute Liquiditätsreserve sehen?


Leser sagt am 25. Juli 2016

@ Stefan: Siehe "Schritt 1": Aufbau einer Liquiditätsreserve von 7.000 Euro bis 15.000 (oder ca. 6 Netto-Einkommen) Euro auf dem Tagesgeldkonto.

Die Liquiditätsreserve ist kein Teil des Portfolio/Depot. Das Portfolio/Depot wird in Risikoklassen aufgeteilt.

Ob dein risikoarmer Anteil nun in Tagesgeld, Staatsanleihen, Pfandbriefen oder Sparbriefen liegt, bleibt dir überlassen (Einlagensicherung beachten).


ChrisS sagt am 25. Juli 2016

@Stefan,

mhm irgendwie hatten wir das Thema letztens schon an anderer Stelle im Blog behandelt, leider weiß ich aber nicht wie ich auf einzelne Kommentare verlinken kann, so wiederhol' ich halt mal das wesentliche:

Für Anfänger würde ich eigentlich empfehlen, den Notgroschen vom sonstigen Investmentportfolio erstmal direkt zu trennen, gedanklich und praktisch durch ein eigenes Konto.
Denn, wir erinnern uns, was ist denn überhaupt der Sinn davon ? Unvorhergesehene, kurzfristige Eventualitäten und Notlagen schnell und unkompliziert überbrücken zu können (Liquidität eben) ohne in die Schulden geraten zu müssen (wenn man überhaupt keine Rücklagen hat), oder gezwungen zu sein Investmentkapital ungewollt zu veräussern (wenn man es darin gesteckt hat).
Natürlich kann man es auch gemeinsam im RK1-Anteil mit unterordnen, allerdings sollte man dann auch weiterhin immer gedanklich klar trennen können, wieviel Prozent davon zum Investment gehören (also zB. bei Rebalancing betrachtet werden können), und welcher Anteil davon als Notreserve stets gesockelt vorgehalten werden sollte.
Die genaue Höhe der Reserve entspricht dabei, abseits aller x-Monatsgehälter Daumenregeln, in der Praxis meist immer nur dem jeweils individuellen Sicherheitsbedürfnis, Ansprüchen und Lebenssituationen der Leute. Natürlich gehören zB. deine 15k€ bei einer allgemeinen Vermögensaufstellung mit aufgelistet, in welche Kategorie genau (eigener Bereich "NR" oder anteilig RK1) ist dir überlassen was für dich übersichtlicher ist, und am Ende auch nicht so wichtig wie das eigentlich Entscheidende daran: dass die 15k auch immer dann verfügbar sind, wenn du sie eben mal brauchst :-)


Finanzwesir sagt am 26. Juli 2016

Hallo Stefan,
Leser und ChrisS haben alles gesagt, was Du wissen mußt. Ich schließe mich dem an ;-)
Danke Jungs, fürs Antworten.

Gruß
Finanzwesir


Tobi sagt am 11. Oktober 2016

| Hallo zusammen!

Hm. Jetzt habe ich dieses Jahr fein mein 70/30 MSCI World / MSCI EM ETF (ETF110/ETF127) Depot mit Sparplänen bei der Comdirect gestartet - nun soll der Comstage Bereich von der Commerzbank verkauft werden.
Wie würdet ihr euch verhalten?
Die Comstage ETF habe ich aufgrund der extrem günstigen TER gewählt, der nächste, liquide ETF ist von dbxtrackers mit TER 0,4 mehr... ärgerlich.

Wie würdet ihr euch verhalten? Laufen lassen, bis klar ist, wer Comstage übernimmt?

Lieben Gruß und Danke
Tobi


ChrisS sagt am 12. Oktober 2016

@ Tobi

"Wie würdet ihr euch verhalten? Laufen lassen, bis klar ist, wer Comstage übernimmt?"

Mhm schauen wir erstmal an was die Comstage selbst dazu sagt: http://www.comstage.de/News/PressArticles.aspx?c=94576

Eine neue Gesellschaft ist dafür geplant, die auch 100%ige Tochter der Commerzbank sein wird - so wie die Comstage eigentlich jetzt schon, aber haja die werden schon wissen was die sich dabei gedacht haben und solche Organisationsstruktur-Spielchen sind eh oberhalb meines Dienstgrades :-D
Für Comstage-ETF Kunden soll sich jedenfalls nichts wesentliches ändern, irgendwann wird halt mal ein neuer Name draufgestempelt, aber ansonsten läuft alles weiter wie gehabt und es gibt keinen Anlass zur Sorge....
tja, gut dass kannst du denen nun entweder so glauben oder halt nicht, musst du selbst entscheiden ob du lieber einfach "laufen lassen" willst, oder dich auch schon mal gleichzeitig schon lieber den nächst-bestmöglichen Alternativen umsiehst.


Dummerchen sagt am 12. Oktober 2016

Hallo Tobi,
das wird nicht das letzte mal sein, dass irgendwas anders läuft als von dir erwartet. So ist das Leben eines Anlegers.

Da ich bezüglich Comstage in der gleichen Lage wie du bin, kann ich deine Irritation verstehen. Solange mir nicht klar ist, was das ganze denn konkret bedeutet, halte ich die Füße still. Ich harre der Dinge. Im schlimmsten Fall werden die ETFs wieder verkauft und in andere ETFs investiert. Alles halb so wild.

Liebe Grüße
Dummerchen


Leser sagt am 13. Oktober 2016

@ Tobi:
Laufen lassen, solange du damit zufrieden bist. Ist doch wumpe, wer das übernimmt; deine Kohle zählt zum Sondervermögen.

Bedenke aber bei der Auswahl eines ETF nicht nur die TER; die Trackingdifferenz ist wichtig.
Ein ETF mit höherer TER kann von der Gesamtrendite besser performen als ein Konkurrent mit kleinerer TER, wenn er den Index genauer trackt und via Wertpapierleihe erfolgreich Kosten drückt.


michiX sagt am 13. Oktober 2016

hallo tobi,
Ich habe dieselbe Kombi gewählt und warte einfach mal ab. Dass der Bereich verkauft/ausgelagert werden soll, ist ja nicht automatisch das Ende. Ich beschäftige mich mit diesem Thema erst dann, wenn es sich konkret stellt, vorher nicht. Ärgerlich wäre es natürlich, sehr sogar.
Schönen Gruß
MichiX


barolo01 sagt am 13. Oktober 2016

Tja das ist ärgerlich. Aber es ist halt ein Problem, wenn man nur in Bankprodukte (=ETF) investiert und nicht zumindest teilweise in Einzelaktien. Bei BMW oder Microsoft weiß ich in was ich investiere. Aber bei Comstage mit dem synthetischen Gebilde drum rum ......?


Tom sagt am 13. Oktober 2016

@barolo01 - Naja, mehr als das stört mich der extrem hohe Finanztitel-Anteil im MSCI World von über 20%....allein Wells Fargo hat 0,80%.
Soviel von diesem Sauhaufen möchte ich mir eigentlich nicht gern ins Depot legen...
Das ist eigentlich der einzigste Grund was mich immer noch bei den Einzeltiteln hält, obwohl mir klar ist, dass das langfristig gesehen wahrscheinlich nicht der beste bzw. einfachste Weg ist....aber wie hat mal jemand so schön gesagt? "Das Ziel eines Privatanlegers ist es nicht reich zu werden, sondern nicht arm zu sterben." ;)


barolo01 sagt am 15. Oktober 2016

@ Tom. Ich bevorzuge Einzeltitel, weil ich an einem Unternehmen und nicht an einem Finanzprodukt wie beim ETF beteiligt bin. Und ich glaube nicht, dass man mit einer Auswahl an Standardwerten, quer durch Branchen und Länder, auf Dauer schlecher fährt als mit dem MSCI World.
Und meine Alterversorgung würde ich bestimmt nicht auf Comstage und Swaps setzen. Wird Frau Merkel bei der nächsten Finanzkrise vor die Kamera treten und verkünden: "Ihre Anlage in Swapprodukten ist sicher, wir garantieren dafür"? Lachhaft. Das macht sie auch nicht bei Einzelaktien, aber gute Unternehmen haben bisher alles überlebt.
Im Übrigen investiere ich seit Oktober 1987 (eine Woche nach dem Crash habe ich meine ersten Bayer-Aktien gekauft) und bin sehr gut damit gefahren.
Stutzig macht mich vor allem, wenn Viele das einzig Richtige erkannt zu haben glauben (ETF's), dann wars langfristig an der Börse eingentlich immer das Falsche. Wobei auch ich z.B. in den Emerging Markets ETF-Investor bin. Aber viele der neuen Anleger werden die Nerven verlieren, wenns mal wieder richtig in die Baisse geht und ihr ETF 1:1 mit.


Matthias sagt am 15. Oktober 2016

@barolo01:

Du schreibst: "Stutzig macht mich vor allem, wenn Viele das einzig Richtige erkannt zu haben glauben (ETF's), dann wars langfristig an der Börse eingentlich immer das Falsche."

Ein physisch voll replizierender ETF ist doch nichts anderes als ein Bündel von Einzelwerten.
Wenn dann also ein solcher ETF falsch ist, dann sind deine ausgewählten Einzelaktien auch falsch, oder?

Matthias


Abdul sagt am 16. Oktober 2016

Hallo Zusammen!
Nun habe auch Ende 2015 mit Comstage ETF´s einen Sparplan begonnen. Was soll nach der Umstrukturierung negatives passieren? Ich könnte zu Luxor wechseln nur macht das Sinn?


Ungläubiger sagt am 17. Oktober 2016

@barolo1

Und wie erkennst Du diese Einzelwerte, mit denen Du in der Zukunft den Index/MSCI World schlägst?
Dividenden Aristokraten mit KGV >25? Versorger? VW? Novo Nordisk?
Übrigens, wer nicht eindimensional denkt, könnte auch erkennen, dass es ETFs gibt ex Finanzwerte oder auf bevorzugte Branchen wie Consumer Staples, Health Care, usw.


barolo01 sagt am 17. Oktober 2016

@Matthias

Da hast du natürlich recht. Ich bezog mich aber nicht auf die Aktienanlage als solches, sondern dass die ETF's von vielen unerfahrenen Privatanlegern für die langfristige Altersversorgung erworben werden, ohne erfahren zu haben, was es bedeutet, wenn die Börse einmal 50 % und mehr einbricht. Gerade bei Leuten, die Gebühren im Promille-Bereich vergleichen und sparen wollen, habe ich meine Bedenken, ob die erhebliche (vorübergehende) Verluste des Kapitals durchstehen werden.
Und für mich persönlich stellt die Beteiligung an internationalen Konzernen eine werthaltigere Anlage dar als an einem Swap-Produkt. Auf pysische reproduzierende ETF bezog sich die Kritik nicht.
Ich kenne mehrere Freunde und Kollegen, die inder Finanzkrise 2008 und Anfang 2009 die damals stark beworbenen Zertifikate mit hohen Verlusten auf den Markt geworfen haben. Aber ich möchte meine Erfahrungen nicht verallgemeinern, vielleicht ist es ja beim nächsten Mal anders....


Onkel Dagobert sagt am 17. Oktober 2016

Ich suche schon lange nach einem marktbreiten ETF mit geringem Finanztitelanteil.
Die grossen ETF auf den MSCI World haben erhebliche Anteile an Bankstern, so um die 20 %... Das ist mir viel zu gefaehrlich, um den ueberwiegenden Teil meines Portfolios oder gar alles hierein zu investieren. Wer hat heutzutage schon gern 20 % seiner Anlagen in Bank- und Versicherungswerten investiert ?? Ich nicht...

Kennt jemand einen marktbreiten ETF mit geringerem Bank-/Versicherungsanteil ? Bei just ETF bin ich nicht fuendig geworden. Alternativ sollte man bei einem groesseren Depot m.E. strategisch Qualitaetsaktien/ Einzeltitel beimischen oder sogar uebergewichten, die nichts mit Finanzen/Versicherungen/Versorger und andere Nieten zu tun haben.


Tobi sagt am 18. Oktober 2016

Danke für eure Antworten - ich mache es ganz einfach passiv: abwarten :-)
Ärgere mich schon nicht mehr - habe ja auch noch ein Aktiendepot, da kann es ich meinem Ärger Raum geben :-)


Ungläubiger sagt am 18. Oktober 2016

@Onkel Dagobert

Und wenn jetzt Pharma die neuen "Nieten" sind? Zum Beispiel, weil die neue Präsidentin Clinton massiv gegen deren Preise vorgehen möchte?
Gemessen an den KGVs (was man nicht isoliert betrachten darf) sind Qualitätswerte aktuell in einer Preisblase, weil eben "alle" so denken. Da ist viel Luft drin, die bei einer Korrektur abgelassen werden kann. Mehr Luft als bei Werten, die aktuell noch mit 10er oder 15er KGVs bewerten sind.


ChrisS sagt am 18. Oktober 2016

@ Dagobert

"Kennt jemand einen marktbreiten ETF mit geringerem Bank-/Versicherungsanteil ?"

Naja, ob man noch wirklich von "marktbreit" sprechen kann, wenn Finanzunternehmen rausgenommen werden (egal wie man sie findet, gehören sie halt auch zum Markt dazu) sei mal dahingestellt. In den ETF-Plattformen gibt es jedenfalls kein großes Angebot an ex-Financials ETFs (hpts ein paar Anleihen-ETFs, für Aktien eigentlich nur ne Dax- und ES50 Version, naja die taugen auch so nix).
Wenn du wirklich partout keine Finanzunternehmen dabei haben willst, musst du dir wohl oder übel dein Portfolio von grund auf selbst bauen, um auch wirklich die Kontrolle darüber zu behalten, zB mit ETFs für die übrigen Branchen oder gleich ganz mit Einzeltiteln.
Ist dann zwar auch nicht mehr "marktbreit" und hat demgegenüber auch seine eigenen Risiken, aber haja investieren ist halt immer nur ein Abwägen von Kompromissen, und irgendeinen wird man halt eingehen müssen.

@ barolo

ETFs selbst sind einfach nur Vehikel, wenn es dir also eigentlich darum geht dass viele Anleger beim nächsten Knick wieder das große Schlottern kriegen und damit falsche Entscheidungen treffen, sind ja doch nicht unbedingt die ETFs an sich daran schuld, sondern eben die Anleger selbst, die mit diesem Vehikel schlecht umgehen.
Weak hands, kennt man ja - schon immer so gewesen, wird auch immer so sein. Was andere Leute dann machen ist mir eigentlich auch relativ müßig, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Ich investiere seit zwei Jahrzehnten und sag auch jedem gerne dass man dafür eben ausreichend Durchhaltefähigkeit mitbringen muss, ob sie dass auch umsetzen ist halt ihre Sache.


Zinskraft sagt am 13. November 2016

Bezüglich des Tagesgeldes ist aktuell auch das Termingeld bei der abcBank (klingt komisch, heißt aber wirklich so) mit 0,85% Verzinsung interessant. Es hat eine dreimonatige Kündigungsfrist aber 0,85% bei einer Bank mit deutscher Rinlagensicherung gibt es sonst nur bei Festgeld ab 1 Jahr Laufzeit


Riester sagt am 30. November 2016

Hallo zusammen,

erst einmal Komplimen an den Bloginhaber. Wunderbare Informationen zu einem wichtigen Thema, das ich nun endloch selber in die Hand nehmen möchte.

Ich bin 30 und habe zu Arbeitsbeginn mit 25 einen fondsbasierten Riestervertrag abgeschlossen und frage mich nun was ich damit machen soll. Klar ist, die Abschlusskosten sind bezahlt aber die jährlichen Verwaltungskosten, die Unsicherheit einer Versicherung die nächsten 30 bis 37 Jahre auageliefert zu sein behagt mir beim Thema Altersvorsorge nicht.

Was ich möchte: eine ähnlich konservative Strategie des passiven investierens wie hier im Blog aufgezeigt anstreben. Nur was mache ich mit dem Riestervertrag: nebenher voll weiter laufen, reduziere ich ihn oder setze ich ihn ganz aus oder kündige ich mit weiteren Verlusten komplett. Ich weiß, dass ist sehr vom Einzelfall abhängig aber ich würde sehr gerne ein paar Meinungen, Erfahrungen oder Tipps von euch bekommen.

Vielen Dank und einen tollen Abend'


Robert sagt am 01. Dezember 2016

Hallo Riester,

am besten fragst du erstmal bei deinem Anbieter nach, wieviel Geld du am Ende der Laufzeit rausbekommst (garantiert).
Dann fragst du, wieviel du raus bekommst, wenn du den Vertrag jetzt auflöst und dir das Guthaben auszahlen lässt.
Mit diesen Zahlen kannst du dann hier (link: http://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php) ein bisschen rumspielen und ausrechnen, welche Rendite der Riester tatsächlich hat und wo du rauskommst, wenn du das freiwerdende Kapital und die Monatlichen Raten in einen ETF oder ähnliches investierst.

Ich habe meinen Riester auch nach ca. 6 Jahren gekündigt und wenn ich mich recht erinnere 1000 Euro weniger rausbekommen als ich einbezahlt habe. Die Zuschüsse und Steuervergünstigungen werden natürlich einbehalten.

Du kannst den Vertrag natürlich auch weiterlaufen lassen und ihn als RK1 Kapital verbuchen. Soweit ich weiß gibt es bei fondsbasierten Riesterverträgen auch einen Garantiebetrag, den du ausbezahlt bekommst, egal was an der Börse passiert.

Viel Glück bei der weiteren Entscheidungsfindung,
Robert


Lucky 7 sagt am 04. Januar 2017

Hallo ,

Danke für den tollen Überblick zu anderen gleichgesinnten.
Das hilft mir sehr meinen eigenen Blog zu gestalten und neue Investment Ansätze zu sehen.

@Stefan
Hier findest du eine Vorlage mit Google Sheets mit der du easy dein Depot und die performance tracken kannst www.financial-----freedom.blogspot.com

Cheers
Lucky7

Auf dem Blog von Lucky 7 gibt es hierzu diesen Artikel: Live Updating Portfolio tracker


Kujo sagt am 12. Januar 2017

Hallo zusammen,

ich liebäugle auch schon länger mit einer Investition in den Aktienmarkt und habe mich unter anderem aufgrund dieses Blogs für den "Klassiker" in Form von World/EM ETFs entschieden. Eine Sache die mir bei aller Risikoabschätzung aber nicht ganz klar geworden ist, bzw die ich gerne konkret bestätigt hätte ist die Sache mit der Liquiditätsreserve, die bei den meisten Einsteiger Artikeln zur Erstellung eines Portfolios sogar komplett ausgelassen wird.

1) Ist die Reserve Teil meines "Gesamtvermögens" oder steht sie noch einmal gesondert? Stichwort Verlusttoleranz bei theoretischem 50% Börseneinbruch. Unter Gesamtvermögen verstehe ich - nunja, mein gesamtes Vermögen, würde sie also als Teil dessen rechnen.

2) Angenommen mir stünden 10'000€ erspartes Kapital zur Verfügung. Davon 3000€ in ETFs und 7000€ in Tagesgeld angelegt ergäbe eine 70/30 Aufteilung von risikoarm zu risikobehaftet. Nach meinem Verständnis wäre das mein "Portfolio", meine Liquiditätsreserve müsste aber noch oben drauf kommen? Ohne zusätzliches Kapital müsste ich also meine Portfoliogewichtung (gedanklich) ändern oder den Aktienanteil reduzieren. Sagen wir z.B. von den 7000€ Tagesgeld sind 3000€ mein risikoarmer Anteil (=> ergibt 50/50 Gewichtung) und 4000€ meine Reserve.

Ist das so richtig? Die Sache mit der Reserve wird im Allgemeinen ziemlich ausgeschwiegen oder nur kurz angekratzt, was ich sehr verwunderlich finde. Erst durch einen Kommentar hier zu diesem Artikel bin ich überhaupt auf meinen wohl bisherigen Denkfehler aufmerksam geworden, dass die Reserve nicht Teil des risikoarmen Anteils ist...


Schwachzocker sagt am 12. Januar 2017

Hallo Kujo,

die Liquiditätsreserve sollte völlig getrennt von dem Portfolio betrachtet werden.
Die Liquiditätsreserve ist für Konsum und Notfälle gedacht und hat mit Geldanlage nichts zu tun.
Das Portfolio hingegen besteht aus einem riskanten und einem mehr oder minder sicheren Teil. Der sichere Teil kann eben auch Tagesgeld sein. Das darf aber nicht für Konsum- oder Notfallzwecke angetastet werden. Der sichere Teil wird benötigt, um das Gesamtrisiko auf das individuell gewünschte Maß zu beschränken und um ggf. ein Rebalancing durchführen zu können, falls die Aufteilung zu sehr aus dem Ruder gelaufen ist.


T. sagt am 12. Januar 2017

@Kujo: ja, das ist ein typischer Denkfehler: der risikolose Teil ist Teil des Portfolios und auch erforderlich zum rebalancen, während die Reserve/Finanzfeuerwehr nicht (!) zum Portfolio gehört.
Also: Finanzfeuerwehr bestimmen und dann den Rest ins Portfolio und aufteilen zwischen risikobehaftet (z.Bsp. Aktien-ETFS im Verhältnis 70 World:30 EM) und nichtrisiokobehafteter Teil (z. Bsp. Tagesgeld, Festgeld, kurzlaufende Staatsanleigen mit Bonität AAA).

Gruß,
T.


ChrisS sagt am 12. Januar 2017

@ Kujo

kein Problem, solche Basic-Fragen kommen ja öfters :-)

Wenn wir den Begriff "Liquiditätsreserve" mal aufdröseln, werden darunter oft zwei verschiedene Dinge verstanden, die aber eigentlich unterschiedlich sind und wir der Klarheit halber erstmal nicht vermischen wollen.
Einmal der klassische "Notgroschen", also eine bestimmte vorgehaltene Summe an Rückstellungen um unerwartete persönliche Sonderausgaben schnell und flexibel begleichen zu können.
Und dann wird der Begriff eben auch noch oft so verwendet (wie bei dir?) dass damit der risikoarme (= nicht bzw wenig schwankende) Anteil des Investmentvermögens gemeint ist.

"Ist die Reserve Teil meines "Gesamtvermögens" oder steht sie noch einmal gesondert?"

Prinzipiell natürlich ja, für ihren Einsatzzweck kommt es eben darauf an welche Art von Liquiditätsreserve du meinst. Beispielhaft, "die Waschmaschine ist kaputt und eine neue muss her" ist eine Aufgabe für den Notgroschen, während der risikoarme Teil des Investmentvermögens dafür zuständig sind beim Aktiencrash im Rebalancing die ursprüngliche Allokation wieder herzustellen (indem man aus dem risikoarmen Anteil umschichtet). Inwieweit man das nun (gedanklich, und konkret auf verschiedenen Konten) trennen will ist jedem selbst überlassen, solang man eben nicht in Verlegenheit kommt, wenn die Waschmaschine kaputtgeht während gleichzeitig auch Börsenkrise ist. :-D

"Angenommen mir stünden 10'000€ erspartes Kapital zur Verfügung. Davon 3000€ in ETFs und 7000€ in Tagesgeld angelegt ergäbe eine 70/30 Aufteilung von risikoarm zu risikobehaftet. Nach meinem Verständnis wäre das mein "Portfolio", meine Liquiditätsreserve müsste aber noch oben drauf kommen?"

Je nachdem wie du halt gedanklich kontierst. Wenn wir zB. das trennen und zuerst einen Notgroschen als Sockelbetrag festlegen (zB per klassischer X-mal-monatliche-Ausgaben Faustregel fürs persönliche Sicherheitsbedürfnis), dann hat dieser Betrag eigentlich nichts mehr mit den Investments zu tun (und sollte, für Leute die ansonsten leichter in "Versuchung" kommen auch lieber getrennt verwahrt werden).
Zum Investieren steht dann nur noch das zur Verfügung, was über den Notgroschen hinaus geht (in deinem Beispiel also zwar erstmal weniger als 10.000€, aber das kann (und sollte) ja durch weitere regelmäßige Zuzahlungen in Zukunft immer weiter aufgestockt werden).

"Ohne zusätzliches Kapital müsste ich also meine Portfoliogewichtung (gedanklich) ändern oder den Aktienanteil reduzieren. Sagen wir z.B. von den 7000€ Tagesgeld sind 3000€ mein risikoarmer Anteil (=> ergibt 50/50 Gewichtung) und 4000€ meine Reserve."

Der "risikoarme Teil des Investmentvermögens" ist nun dazu da, die (unvermeidlichen) Aktienschwankungen, bezogen aufs Gesamt(investment)vermögen, in erträglichen Grenzen zu halten.
Wenn wir das mal anhand der einfachen 50%-Crashtest Regel durchexerzieren, kannst du so anhand eines vorher definierten Maximalverlustes überschlagen, wieviel Prozent des Investmentvermögens in Risikoanlagen (wie Aktien etc.) investiert werden sollten. Wer zB nur 25% Verlust ertragen kann, sollte eben nur die Hälfte seines Investmentvermögens in Aktien stecken, der Rest in ruhigere Anlagen (auch und gerade für kleine Summen ist da eben das Tagesgeld am einfachsten).


Kujo sagt am 13. Januar 2017

Super, vielen Dank an euch drei. Das waren ausgesprochen klare und hilfreiche Antworten.
Das bedeutet also auch, dass ich meine Verlusttoleranz ausschließlich anhand meiner Portfoliogröße bestimme und mein "Notgroschen" dabei keine Rolle spielen darf. Verstanden.
Ich bin froh das Missverständnis noch bemerkt zu haben, denn das Thema wird wie gesagt meistens nicht klar genug angesprochen. Wenn man es dann weiß erkennt man aber auch wie der ein oder andere Artikel wirklich gemeint war.


Thomas Maier sagt am 31. Januar 2017

Vielen Dank für den guten Beitrag und die interessanten Kommentare!


Karsten sagt am 07. März 2017

Hi,

Wann werden die Gebühren für einen ETF eigentlich fällig? Werden die beim Kauf nach Verkauf oder nach einem Jahr fällig? Bspw. investiere ich 5k€ in eine ACWI ETF. Die Kosten liegen bei 0,4%. Wann sind die 20€ zu zahlen?


Dummerchen sagt am 07. März 2017

Hallo Karsten,
die laufenden Kosten (TER, etc) werden laufend fällig, d.h. sie senken den aktuellen Kurswert. Über das komplette Jahr gesehen entstehen dann Kosten in Höhe von z.B. 0,4%. Du zahlst die 20€ also nicht in einem konkreten Moment, der Index wächst einfach über das komplette Jahr betrachtet 0,4% weniger als er es ohne laufenden Kosten tun würde.
(Kauf- bzw. Verkaufgebühren fallen natürlich eben dann an.)
Liebe Grüße
Dummerchen


Philipp S. sagt am 08. März 2017

@Karsten: Die unter die TER fallenden Kosten werden automatisch aus dem Fondsvermögen beglichen (Egal ob klassischer Fonds oder ETF). Du musst da gar nichts mehr machen, das ganze mindert also "nur" die Performance des Fonds.


T. sagt am 08. März 2017

@Karsten: die Gebühren werden täglich dem Fondsvermögen entnommen.

Gruss, T.


ChrisS sagt am 08. März 2017

@ Karsten

Die Gebühren werden meist "laufend" aus dem ETF-Vermögen entnommen (zB monatlich anteilig). Wenn dich die jeweiligen Einzelheiten interessieren, einfach bei jedem Anbieter einzeln in den Verkaufsprospekten unter dem Punkt fees & expenses policy nachschauen.


Andreas sagt am 18. Juni 2017

Hier hat Prof. Sinn hat mal bemerkt: "Staaten sind die unsichersten Schuldner überhaupt, weil sie keine Richter über sich haben und jederzeit einen Schuldenschnitt verfügen können." (Quelle: http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/top-oekonom-sinn-warnt-vor-rentendebakel-um-unseren-lebensstandard-zu-halten-brauchen-wir-32-millionen-migranten_id_4362357.html)


Max sagt am 28. September 2017

Hallo Finanzesir,

Ich bin mich seit einiger Zeit intensiv über Investmentmöglichkeiten am informieren und freue mich über solche konstruktive Blogs, wie deinen. Dies bringt mich enorm weiter! Danke

Jedoch habe ich noch ein Anliegen, bzw noch etwas nicht ganz verstanden...:
Bei allen Tipps zu ETFs spielt die Währung, in der der ETF gehandelt wird nie eine Rolle, aber ist es nicht ein Risiko (bezüglich den schwankenden Wechselkursen von zum Beispiel Euro und Dollar)? Sollte man dann nicht lieber bevorzugt in ein ETF investieren, der in Euro gehandelt wird?

Oder spielt die Währung durch das langfristige Anlegen und besparen hier keine Rolle.

Ich hoffe auf Ihre Antwort
LG Max


Schwachzocker sagt am 29. September 2017

Hallo Max,
die Währung, in der der ETF notiert spielt keine Rolle, da ja spätestens bei Verkauf ohnehin wieder in Euro umgerechnet wird.
Gleichwohl gibt es natürlich ein Währungsrisiko, wenn man in Regionen außerhalb des Euroraumes anlegt. Dieses Risiko geht aber aber von den Aktien der einzelnen Firmen aus, die der ETF hält. US-Aktien notieren natürlich in US-Dollar, auch wenn der ETF in Euro notiert.
Wenn man weltweit diversifiziert anlegen will, kommt man um das Währungsrisiko nicht herum.
Irgendwo wurde hier darüber auch schon ausgiebig diskutiert.


Finanzwesir sagt am 29. September 2017

Hallo Max, schaum mal hier: https://www.finanzwesir.com/blog/geldanlage-etf-waehrungsabsicherung

Gruß
Finanzwesir


Matthias sagt am 29. September 2017

Hallo Max, oder schau mal hier:
https://www.justetf.com/de/news/etf/der-einfluss-von-waehrungsrisiken-auf-etfs.html

Gruß
Matthias


DomenicusBenacus sagt am 31. Oktober 2017

Erstmal super Finanzwesir,

klar und unter Einbeziehung aller Erkenntnisse ein weg aufgezeigt. Du hast natürlich recht das wenig Komplexität und somit wenige und einfache Titel im Depot der key sind und sehr lange Rattenschwänze vermeiden.

Eine faktor prämie möchte ich trotzdem nicht missen, da empirisch belegt und nicht kompliziert. Es gibt inzwischen auch echt günstige small cap etf.

Also warum nicht 20% small cap ? Und jetzt gehe ich noch weiter: Warum nicht 20% Berkshire Hathaway?

Es wäre ein oder zwei Positionen mehr und bei berkshire hat man sich die laufenden Kosten gespart?

Aus meiner Sicht ist es immer noch KISS.

Was meinen die anderen dazu?
Grüße Dominik


ChrisS sagt am 01. November 2017

@ Domenicus Benacus

Smallcaps wurden zB hier auch schon besprochen
https://www.finanzwesir.com/blog/etf-world-small-caps

Genauso wie andere Faktor-Strategien ihre Artikel hatten (einfach Suchfunktion)

Wenn du fragst "warum nicht 20% Smallcap?" (oder was auch immer, das Prinzip ist ja das gleiche), soll erstmal noch daran erinnert werden, dass das Zielpublikum hier vor allem Anfänger und Einsteiger sind, also Leute die sich zum ersten Mal über Sparbuch etc hinaus in den Kapitalmarkt begeben. Bei denen geht es vor allem darum, erstmal eine einfache solide Grundlage mit wenig Komplexitäts-Überfrachtung zu legen, deshalb wird auch meist die Basisempfehlung World+EM für die meisten Leute als ausreichend gegeben.

Natürlich heißt das nicht, dass sich darüber hinaus fortgeschritten Interessierte nicht auch mit Spezialstrategien etc (und entsprechenden ETFs) beschäftigen können, nein wer das will soll das gerne machen, da hat hier niemand was dagegen.
Es ist aber von der Reihenfolge/Priorität für Anfänger erst hinterher mehr "Kür" als "Pflicht". Wie gesagt, das allgemeine Ziel ist hier erstmal die Leute überhaupt vom Tagesgeld hinein in den MSCI World zu bekommen (das macht ja auch langfristig den Großteil des Renditedifferenzials aus).
Ob die Leute dann danach, wenn sie schon im MSCI World sind, auch noch nen Smallcap-ETF oder sonstewas dazunehmen, ist dann nur noch viel weniger wichtig (macht auch fürs langfristige Renditedifferenzial nicht mehr sooo viel aus, im Ggs zur großen Grundsatzentscheidung, überhaupt in Aktien anzulegen).

Von daher also - wenn du in Smallcaps anlegen will, mach das gerne, da wird dir hier niemand widersprechen, und einige hier machen das ja auch. Wir gehen ja auch alle davon aus dass du weißt was du tust und selbstverantwortlich damit richtig umgehen kannst, also weder eine "Erlaubnis" oder ein "Verbot" dafür brauchst.
Darüber zu diskutieren ist auch etwas müßig, denn am Ende spiegeln die verschiedenen Meinungen dafür und dagegen ja auch immer nur die jeweils persönlich Situation der Anleger wieder mit ihren jeweils individuellen Ansprüchen und Bedürfnissen (also, was für den einen richtig ist, muss nicht auf dich zutreffen, und was für dich stimmt, muss nicht für den anderen auch genauso gut passen).


Finanzwesir sagt am 01. November 2017

Hallo DomenicusBenacus,

"Was meinen die anderen dazu?"

Das ist doch belanglos, was andere meinen. Es ist Dein Leben und Dein Depot muss zu Dir passen. Formal gibt es nichts einzuwenden, da es keine überteuerten Abzockprodukte der Finanzindustrie sind.
Es gibt nur ein Muss: Kannst Du für Dich begründen, warum diese Depotkonstellation langfristig die von Dir gewünschte Rendite abwerfen wird und Du deshalb auch in Krisenzeiten nicht verkaufen wirst?
Wenn Du das kannst, kauf so viele Prozente Small Caps und Berkshire Hathaway wie Du magst.

Wichtig: Mit diesen Depots ist es wie mit den Frauen. Deine Traumfrau ist Deine Traumfrau - unabhängig davon ob ich neidisch bin oder nur den Kopf schüttele. Es gibt da keine abzuhakende Checkliste sondern nur ein: Paßt zu mir, will ich.

Gruß
Finanzwesir


CarstenP sagt am 01. November 2017

@ DomenicusBenacus

Bei der "faktor prämie" ist Vorsicht angesagt. Erstens sind Faktoren nur Korrelationen, mit denen sich Renditen von Aktien-Portfolios im Nachhinein erklären lassen.
Alle Über/Unter-Renditen, die nicht durch einen Faktor erklärbar sind, landen im Alpha. Zweitens sind Prämien für einzelne Faktoren zeitlich variable, und es ist keineswegs gewiss, dass bestimmte Faktoren eine positive Rendite in der Zukunft haben.
Es gibt zwar verschiedenste Erklärungen, warum einzelne Faktoren mit einer Prämie belohnt werden sollten (Value und Small Caps sind riskanter, Momentum spiegelt menschliches irrationales Verhalten wieder, usw.), aber es besteht nicht wirklich Einigkeit unter den Experten.

Letztendlich sind Faktor-Strategien ziemlich aktive Strategien, die zwar im Kleid von passiven Investment-Vehikeln daherkommen (Smart-Beta-ETFs), aber eigentlich wird suggeriert damit höhere Risiko-adjustierte Renditen als der Markt zu erhalten. Das ist meiner Meinung nach ziemlich naiv, irgendwo gab es dazu mal den passenden Ausspruch:
"smart beta = very stupid no alpha"

Es spricht nichts dagegen Small Caps in sein Portfolio mit aufzunehmen, doch man sollte sich da ein paar Fragen stellen:

  • Warum will man dabei deutlich von der Gewichtung nach Marktkapitalisierung abweichen?
  • Geht es nur darum das Risiko zu erhöhen und damit um eine evtl. höhere Rendite?
  • Warum stattdessen nicht einfach die Aktienquote des Portfolios erhöhen?

LetItBe sagt am 27. November 2017

Hallo Finanzwesir,
ich bin begeistert von Deinen treffenden und klaren Darstellungen. Helfen mir, bei der Geldanlage einfach, klar und konsequent zu bleiben. Zum Thema Aktien habe ich jedoch eine Frage: Die Welt schrieb kürzlich, an der Börse werde es einsam, will sagen, vom Aktienmarkt verschwinden seit Jahren mehr Unternehmen als dazu kommen. Dies sei eine Gefahr für Anleger und Sparer. Auf Deiner Seite habe ich keine Betrachtung zu diesem Sachverhalt gefunden. Wie siehst Du die Situation?

Gruß
LetItBe


ChrisS sagt am 27. November 2017

@ Letitbe

wäre vllt am zielführendsten wenn du einfach den betreffenden Artikel der Welt verlinken könntest, damit alle auf dem gleichen Stand sind und die gegebenen Argumente bewerten können (also wo genau dabei jetzt die Gefahr für die Anleger liegen soll, und was sie zB als Alternative/Lösung vorschlagen, denn ohne Lösung ists ja auch relativ müßig).

Ansonsten bleibt ja erstmal nur die reine historische Einordnung der Entwicklung von IPO-Zahlen vs Delistings.
Ja, die IPOs haben im Vgl zu ihren Hochzeiten in den 90ern etwas abgenommen, aber nunja, ob das direkt gleich nur was "schlechtes" sein muss (damals ging auch viel Mist an die Börse, was eigentlich nur heiße Luft war) ist halt persönliche Ermessenssache, je nachdem was man denn auch für ein "gesundes/normales" IPO-Volumen ansieht (worüber sich meine Meinung enthält, um es mir nicht mit "es soll halt einfach alles so bleiben wie es immer schon war" zu einfach zu machen).
Es spielt auch ein bischen rein das viele junge Companies heutzutage wohl auch viel leichter/eher auf privaten/ ausserbörslichen Wegen, VC usw. an ihr Kapital kommen, als gleich den (regulatorisch stressigeren) Weg eines richtigen öffentlichen Börsengangs gehen zu müssen, wie noch früher.
Eine Wertung davon entzieht sich meinem Dienstgrad, ob das also "schlimm" ist, und wie schlimm genau, soll mir ruhig jemand anderes erklären der sich damit besser auskennt :-D Ich könnte da auch nur in Generalitäten reden, wie "ja (Über)Konzentrierung ist halt schlecht...".
Wen die Fakten etwas tiefer interessieren, kann sich zB diesen Report zum Thema von der Credit Suisse durchlesen
http://www.cmgwealth.com/wp-content/uploads/2017/03/document_1072753661.pdf
der sich damit auseinandersetzt. Am Schluss wird auch noch relativ beiläufig erwähnt, dass das hpts ein ziemliches US-spezifisches Problem zu sein scheint, in anderen, aufstrebenden Teilen der Welt gibt es noch positivere IPO-Aktivität.


Martin sagt am 06. Dezember 2017

Hallo zusammen!

Ich lese hier immer wieder, dass ein Portfolio zu einem "passen" soll. Das kann ich ja noch nachvollziehen, was die Gewichtung Risikoteil zu risikoarmer Teil betrifft. Ich verstehe auch noch "einfach" vs. "komplex" bei Portfolios, diese Entscheidung muss man wohl für sich treffen. Und dass man bei einem 10.000 Euro Portfolio nicht weiter über komplexe Strategien diskutieren muss, ist mir auch klar.

Die Diversifikation bei den Aktien ist aber doch weniger eine Frage des persönlichen Geschmacks sondern eine Frage der wissenschaftlichen Fakten. Ist es tatsächlich egal, ob ich mit der World/EM Kombi die Region Europa und den Euro als Währung massiv unter den Tisch fallen lasse (ca. 15% für Europa gesamt, vom Euro rede ich da gar nicht)? Ist es tatsächlich egal, ob anerkannte Faktoren wie Größe oder Value in die Gewichtung der Aktien einbezogen werden oder nicht?

Hat das mal jemand simuliert, von welcher Art Abweichungen (Risiko, Zuwachs etc.) gegenüber anderen Aufteilungen wir da reden? Oder geht das alles im Rauschen der Unsicherheit unter? Kann man am Ende des Tages wirklich machen, was man persönlich als gut "empfindet"? So nach dem Motto: "Egal, ob ich jetzt Europa mit 15% oder 30% drin habe. Macht eh keinen seriös bewertbaren Unterschied".

Ich meine das wirklich nicht sarkastisch, aber das wäre dann ja wohl wirklich ein Armutszeugnis für jegliche finanzwissenschaftliche Forschung im Bereich Diversifikation bei passiven Strategien. Wenn ich schon jedem Basispunkt bei den TERs nachlaufe, sollte ich das nicht auch beim Allocation-Tuning tun, solange ich nicht in ein totales Overengineering mit 20 Produkten hineinlaufe?

Und bitte sagt mir jetzt nicht: "Dann mach doch Allocation Tuning, wenn es dir besser gefällt!". Ich bin kein Experte, aber ich hätte gerne belastbare Argumente und wenn der ganze Allocation-Tuning Aufwand auch für engagierte Privatanleger wirklich nur Woodoo ist, dann soll es mir auch recht sein :-)

Gruß
Martin


Tammo sagt am 06. Dezember 2017

@ Martin: Eine Schwierigkeit ist m.E. dass man sehr stark in den Bereich Glauben kommt. Also was glaube ich, was die Zukunft bringen wird: Wird sich Europa besser entwickeln als die USA? Schaffen es die Schwellenländer aufzuholen? Kaufen Firmen wie Apple alle innovativen kleinen Firmen auf? Werden Rohstoffe wie ÖL überflüssig? Oder steigt der Meeresspiegel um 2 Meter?

Auf diesen Glaubenssätzen basiert dann die eigene Strategie, also z.B. 10% mehr Europa oder 30% EM. Aber da es die Zukunft betrifft, ist alles Spekulation. Ob ich richtig liege? Wird man sehen. Rückblickend kann man heute sagen, welche Strategie man früher hätte nehmen müssen, die Zukunft ist ungewiss.

Anders die Kosten, die sind keine Spekulation, die weiß ich, also kann ich sie minimieren.


CarstenP sagt am 06. Dezember 2017

@Martin

Die Asset-Allokation (Portfolio-Konstruktion) ist mehr Kunst als Wissenschaft und beruht darauf, dass man die Zukunft nicht vorhersagen kann und die Märkte ziemlich effizient sind. Die moderne Portfoliotheorie kann dabei ein Leitfaden sein, demnach wäre das Tangentialportfolio (theoretisch das globale Marktportfolio, alle investierbaren Assets nach Marktkapitalisierung gewichtet) das effizienteste Portfolio welches am meisten Rendite pro Risiko erwarten lässt. Vom Prinzip her weicht aber jeder Anleger von diesem Ideal ab, aus den verschiedensten Gründen:

  • Bestimmte Assets sind schwer investierbar, z.B. Immobilien oder Picassos.
  • Es enthält zu viel Dinge, die man nicht halten möchte, z.B. Unternehmensanleihen oder Schwellenlandaktien.
  • Es enthält zu wenig Dinge, die man halten möchte, z.B. japanische Staatsanleihen oder Small Caps.
  • Es enthält zu viel Währungsrisiko.
  • Es ist nicht riskant genug oder zu riskant, also die Markt-Rendite/Risiko-Erwartung passt nicht mit der eigenen Vorstellung zusammen.
  • Man hat keinen Zugang zu günstigem Kredit um das Ideal-Portfolio auf das gewünschte Risikolevel zu hebeln, stattdessen möchte man einzelne Marktbereiche anders gewichten.
  • Unwissenheit und Ignoranz.

All das können gute Gründe sein vom Ideal-Portfolio abzuweichen, solange man dabei das Prinzip der Diversifikation nicht aus den Augen verliert, sollte man trotz Abweichungen ein gut genuges (effizientes) Portfolio zusammenbauen können. Nur wenn man zu stark vom Markt abweicht, dann geht man evtl. zu viel Risiko ein ohne dafür eine angemessene Risikoprämie erwarten zu können.

All das ist ziemlich schwammig und gibt nur eine grobe Orientierung, doch die oft empfohlene breit diversifizierte Aktien/Anleihen-Kombi ist ein guter Startpunkt für die persönliche Asset-Allokation. Ob man nun bestimmte Risiko-Faktoren oder riskantere Aktien höher gewichtet, ist echt Geschmackssache, höhere Renditen können zwar erwartet werden, aber sie werden nicht garantiert.
Ein Extremfall wäre nur noch in die Aktien eines einzelnen "Emerging Markets Small Cap Value Quality Momentum" Unternehmens zu investieren, da geht man sehr viel Risiko ein, aber hat man wirklich Grund zur Annahme dafür eine entsprechend höhere Rendite zu erhalten???
Man kann Glück haben und eine von den wenigen Überflieger-Aktien erwischen und in kurzer Zeit den Vermögensaufbau abgeschlossen haben, oder man erwischt eine von den vielen Nieten und kann nach kurzer Zeit den Vermögensaufbau nochmal von vorne beginnen.

  • Als passiver Investor ändert man sein Portfolio nur wenn sich die persönliche Situation geändert hat, man bleibt dabei möglichst breit diversifiziert um langfristig die Marktrendite mit nicht mehr Risiko als nötig einzusammeln.
  • Als aktiver Investor ändert man sein Portfolio ständig dem aktuellen Marktgeschehen und den eigenen Prognosen entsprechend, und versucht durch Konzentration auf die zukünftigen Gewinner den Markt zu schlagen.

Die Performance von aktivem Fondsmanagement (siehe z.B. SPIVA reports) zeigt recht deutlich, dass die Märkte noch effizienter sind als anscheinend viele aktive Investoren glauben, und somit sehr schwierig langfristig auf risikoadjustierter Basis zu schlagen sind.


Finanzwesir sagt am 07. Dezember 2017

Hallo Martin,
solange Du der heiligen Dreifaltigkeit huldigst ist alles im grünen Bereich.

  1. Geringe laufende Kosten. Alles kleiner 0,7% ist ok
  2. Breit diversifziert sein. Jeder Index der mehr als 500 Firmen umfaßt ist ok
  3. Stur sein. Jeder Zeitraum länger als 15 Jahre ist ok

Dann gilt: Die Mischung ist egal, siehe https://www.finanzwesir.com/blog/etf-mischung-egal

Für Privatanleger gilt: Die Börse hilft uns nicht arm zu sterben, aber sie macht uns nicht reich.

Der Renditehebel liegt im Aktiven

  1. Beruflicher Aufstieg als abhängig Beschäftigter oder erfolgreiche Selbständigkeit. Das eigene Business hat sich als der beste Weg herausgestellt um wirklich vermögend zu werden. Wen Du richtig Geld verdienen willst: Mach lieber aktiv in Immobilien als diesen Börsenkram (egal ob aktiv oder passiv).
  2. Sieh zu, dass Dir keine Scheidung ins Haus steht.
  3. Bleib gesund und pflege Deine Freundschaften.

Such Dir eine Mischung (oder ein Produkt wie den ACWI), die Du magst, fang an das aggressiv zu besparen und wende Dich dann den wichtigen Dingen zu.

"Ich muss also auf Basis irgendwelcher Fundamentaldaten und Prognosen an etwas glauben und auf Basis dieses Glaubens eine Entscheidungen zur Verteilung meiner (in Indexprodukten aggregierten) Investitionen treffen."

Trifft das nicht auf alle Lebensbereiche zu?

  • Im Job: Hoffnungsvoll bei Firma A angeheuert, läuft gut, Hauskredit aufgernommen, dann kauft Investor B Firma A auf und zerlegt alles.
  • In der Beziehung: Mit Traumfrau vorm Altar, 3 Jahre später Rosenkrieg.
  • Beim Sport: Joggen, Wurzel, Knie verdreht, Hinkefuss auf immer

"Gibt es dazu zumindest qualitativ fundierte Aussagen oder bin ich wieder bei Glauben und Kunst?"

100% Leben = 90% (Glauben + Kunst) + 10% Excel ;-)

Gruß
Finanzwesir


CarstenP sagt am 07. Dezember 2017

@Martin

Das Marktportfolio stellt das Optimum in der Portfoliotheorie dar und es ist nach Marktkapitalisierung gewichtet. Die "BIP-Gewichtung" hat keine Basis in der Finanzmarkttheorie, es ist mehr ein praktischer Erklärversuch um abweichende Gewichtungen zu rechtfertigen.
Das spielt aber alles keine riesengroße Rolle, da die Theorie nicht vollständig in der Praxis anwendbar ist und das tatsächlich optimalste Portfolio erst im Nachhinein identifiziert werden kann.

Es gibt tatsächlich unglaublich viele Studien, die sich mit Marktanomalien, verschiedensten Investment-Strategien oder Faktoren beschäftigen, leider besteht nur selten Einigkeit unter den "Experten".
Und viele Erkenntnisse lassen sich in der Praxis auch nicht nutzen, da in den Studien gerne mal Kosten und Steuern ignoriert werden oder die Studien schlichtweg Fehler beinhalten. Mit dieser Unsicherheit muss man als Investor halt leben.

Für die Risiko-Faktor Sachen kannst du dir die Arbeiten von Fama/French anschauen, die haben systematisch untersucht wie sich die Performance von Aktien-Portfolios durch Faktoren erklären lassen.
Aber auch hier gibt es keine Garantie, dass man damit höhere Renditen in der Zukunft erhalten wird. Ein Hauptgrund, weshalb die exakte Gewichtung (ob nun 10% oder 20% Europa oder EM) gar nicht so wichtig ist, ist dass man hier von Aktien spricht und die werden alle hauptsächlich vom Marktrisiko (Beta) getragen.
Daher spielt die Aufteilung Aktien/Anleihen eine viel wichtigere Rolle in der Asset-Allokation, da das wirklich unterschiedliche Assets sind.

Es gibt aber ein paar ziemlich gut empirisch bestätigte Erkenntnisse:

  • Wer mehr Rendite will, muss bereit sein ein höheres Risiko zu ertragen.
  • Diversifikation kann das Risiko senken bei gleich bleibender Renditeerwartung.
  • Aktives Investieren ist ein Nullsummenspiel.
  • Es ist sehr schwierig den Markt auf risikoadjustierter Basis konsistent zu schlagen.
  • Nach Kosten gewinnt passives Investieren gegenüber aktives Investieren.

Du solltest erst einmal für dich selbst klären, ob du lieber aktiv oder passiv investieren möchtest, da tickt ja jeder anders.
Für einen passiven Investor sollte das nach Marktkapitalisierung gewichtete Marktportfolio die Basis darstellen, alle Abweichungen davon sollten einen guten Grund haben, wie z.B. dass er mehr/weniger Risiko ertragen kann oder möchte.
Der passive Investor wählt eine fixe Asset-Allokation mit der er durch dick und dünn gehen will, kein Stockpicking und kein Market Timing. Er muss natürlich davon überzeugt sein, dass das alles Sinn ergibt und er auch ohne Exit-Strategie durch den nächsten Bärenmarkt kommt, daher ist es sehr wichtig schon vorher über die Risiken nachzudenken und das in die Asset-Allokation einfließen zu lassen.


Martin sagt am 08. Dezember 2017

Vielen Dank für das ausführliche Feedback zu meinen Fragen. Dann werde ich mal auf die optimale Asset Allocation und auch das Rebalancing innerhalb des Aktienteils in meinem Portfolio pfeiffen. Kostet offenbar eh nur unnötig Gebühren und Steuern.

Gruß
Martin


Timo sagt am 03. Januar 2018

Hallo zusammen,

ich lese seit geraumer Zeit hin und wieder diesen Blog, mit steigendem Interesse.
Selbst "investiert" bin ich in Fonds seit einem starken Jahr, allerdings bis auf einen passiven ETF, den Ishares Global Water nur in aktiven Fonds, noch dazu Branchenfonds. Ich habe in diesem Jahr ein Depot im Wert von 10000 Euro angespart.

Nun allerdings irgendwie von heute auf morgen ins überlegen und trudeln geraten.

"Wie wird meine zukünftige Situation ausfallen, was kann ich verbessern, wie kann ich mein Risiko und meine Gebühren minimieren und gleichzeitig eine vernünftige Altersvorsorge ansparen?"

Ich hatte bisweilen zuletzt immer 400.- Euro per Monat zu je 25.- Euro in 16 verschiedene aktive Fonds einbezahlt:

  • Candriam Equities L Biotechnology D, WKN:939839
  • DWS Deutschland LC, WKN:849096
  • FCP OP MEDICAL BioHealth-Trends EUR, WKN:941135
  • Fidelity Funds - Asian Smaller Companies Fund A (USD), WKN:A1JTXM
  • Fidelity Funds - Asian Special Situations Fund A (USD), WKN:974005
  • Fidelity Funds - China Consumer Fund A (EUR), WKN:A1JH3J
  • Fidelity Funds - Global Consumer Industries Fund A (EUR), WKN:941083
  • Fidelity Funds - Global Technology Fund A (EUR), WKN:921800
  • Fidelity Funds - Greater China Fund A (USD), WKN:973265
  • iShares Global Water UCITS ETF, WKN:A0MM0S
  • Metzler European Small and Micro Cap, WKN:A1JCJW
  • OP Food, WKN:848665
  • Pictet - Digital-P dy USD, WKN:A0MQMT
  • Pictet - Robotics-P dy EUR, WKN:A141RC
  • Pictet - Water-P dy EUR, WKN:A0LFWM

Die Gebühren dementsprechend hoch, vor 2 Tagen die Kurzschlussreaktion, alle Fonds verkauft!
Keine Verluste, sogar etwas Gewinn, aber nach Monaten von Überlegungen und schlaflosen Nächten der Auswahl.

Jetzt am lesen und lesen und lesen...........

Und ich muss sagen, 70/30 oder ACWI vielleicht gar ACWI IMI oder 90/10, alles ist mir unsympathisch!

Ich dachte schon folgendes, wie auch schon bei FFB angelegt :

  • Ishares Core MSCI World, WKN:A0RPWH 200.- Euro
  • Ishares Core Emerging Markets IMI, WKN:A111X9 100.- Euro
  • UBS MSCI EMU Small Cap, WKN:A1JHNE 50.- Euro
  • SPDR MSCI World Small Cap, WKN:A1W56P 25.- Euro
  • SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap, WKN:A1JJTF 25.- Euro

Oben genannte Fonds 2-monatlich für die nächsten 25-30 Jahre besparen, vorausgesetzt (am Mast festgebunden und die Ohren mit Wachs verschlossen) ich knalle nicht vorher durch.

Ich weiss, alle meine Vorstellungen scheinen sehr kompliziert, am liebsten wäre mir die 1, 2 oder 3 Fonds Lösung.
Aber Verteilung nach Marktkapitalisierung finde ich bescheuert, auch passt es mir nicht das z.B. China mit knapp nur 3% im ACWI enthalten ist, das kann doch nie und nimmer der Realität entsprechen!

Irgendwer einen Tip (Paukenschlag) für mich?

Beste Grüße


Alex13 sagt am 05. Januar 2018

@Timo

Jeder versteht den Wahnsinn, dem man am Anfang verfällt, aber China mit 3, 4 oder 7% wird es wahrscheinlich nicht reißen.

Jetzt Paukenschlag!!! Dein Motor läuft und jetzt leg den Gang ein und gib Gas, wenn du vorwärts kommen möchtest und vor allen Dingen lass die Emotionen raus ("..alles ist mir unsympathisch!").

Mit Verlaub sollte ein ACWI bei deinen Investitionssummen passen, aber wenn du dich damit wohler fühlst, dann den World und den EM. Der Rest kommt weg!

Grüße


Leser sagt am 05. Januar 2018

Ich hatte bisweilen zuletzt immer 400.- Euro per Monat zu je 25.- Euro in 16 verschiedene aktive Fonds einbezahlt:

Mini-Beträge in teure Fonds & Branchenwetten, das halte ich auch nicht für sinnvoll.

Und ich muss sagen, 70/30 oder ACWI vielleicht gar ACWI IMI oder 90/10, alles ist mir unsympathisch!

Warum? Was ist die Alternative und warum wird die Alternative in Zukunft bessere Renditen abwerfen?

Aber Verteilung nach Marktkapitalisierung finde ich bescheuert, auch passt es mir nicht das z.B. China mit knapp nur 3% im ACWI enthalten ist, das kann doch nie und nimmer der Realität entsprechen!

Wieso kann das nie und nimmer der Realität entsprechen? Weil China so viele Einwohner hat?
China ist erst vor kurzer Zeit in den MSCI EM Index aufgenommen worden; dort gibt es nämlich nur einen stark regulierten Aktienmarkt und dazu viele Aktien nicht in Streubesitz sind.
Die MSCI (und sicherlich viele andere) basiert nämlich auf der free float-adjusted market capitalization, also den handelbaren Aktien. Wenig Aktien trotz großem BIP = wenig Anteil im Index.


ChrisS sagt am 05. Januar 2018

@ Timo

"Irgendwer einen Tip (Paukenschlag) für mich?"

Nuja, da dass jetzt nicht wirklich ne konkrete Frage auf irgendwas im Einzelnen ist, bleibt ja nur eine allgemeine Kommentierung dessen was du so geschrieben hast. Ich schau mal was mir so auffällt:

Du bist seit einem Jahr investiert? Und dann in diesen Fonds?
Frage - hast du die dir selbst rausgesucht? Mit welchen Überzeugungen, welchen strategischen Grundüberlegungen?
(falls es überhaupt welche gab). Und bestehen diese immer noch, oder haben die sich geändert ?
Gab es irgendne Struktur hinter diesem (für aussenstehende) planlos zusammengewürfelten Wildwuchs von "Trend-& Themen-" Investments?
Oder waren das Fonds vom Bankberater?

Und jetzt hat sich das alles geändert? Was sind deine neuen Grundüberzeugungen, deine strategische Ausrichtung (und die theoretischen Hintergründe, mit denen sie unterfüttert werden) und wie fest sind die?

Weil als einziger Grund gegen die Fonds wurde nur beiläufig erwähnt "Gebühren zu hoch", aber erstens, das konnte man doch schon vorher sehenden Auges erkennen, und zweitens, nuja die Entscheidung aktive oder passive Anlage sollte eigentlich schon an tiefgründigeren Aspekten gemacht werden, also einfach grundlegend von wessen Sinnhaftigkeit man eher überzeugt ist.

Also eigentlich ist es besser, anstatt das wir dir was erklären, dass du erstmal umgekehrt uns was erklärst, und zwar die Hintergedanken deiner aktuellen ETF-Verteilungswünsche. Wenn du die offenlegst und darstellst, welcher Plan dahintersteht, und welchen Sinn du dir davon erhoffst, können wir ja schauen ob das zusammenpasst oder nicht.

Das sage ich nur, um nicht nochmal einfach ins blaue alle bereits hier gesagten Grundlagen des passiven Investierens wiederholen zu müssen, und verweise dazu lieber auch auf die schöne Übersichts-Artikelliste

Ich empfehle nochmal die Lektüre der Artikel, da steht vieles schon drin was dir hilft deine Fragen (auch wenn du jetzt eigentlich garkeine konkret bezogenen, nur ein allgemeines "sagt mal was dazu", gestellt hattest, was auch nicht besonders förderlich ist) selbst zu beantworten, und das ist ja das Ziel hier.

"Und ich muss sagen, 70/30 oder ACWI vielleicht gar ACWI IMI oder 90/10, alles ist mir unsympathisch!"

Okay? Warum ist dir das "unsympathisch", und was würdest du stattdessen lieber machen ?

"Ich weiss, alle meine Vorstellungen scheinen sehr kompliziert, am liebsten wäre mir die 1, 2 oder 3 Fonds Lösung.
Aber Verteilung nach Marktkapitalisierung finde ich bescheuert, auch passt es mir nicht das z.B. China mit knapp nur 3% im ACWI enthalten ist, das kann doch nie und nimmer der Realität entsprechen!"

Deine Vorstellungen sind nicht kompliziert, nur ein bischen widersprüchlich. Am liebsten wäre dir die einfache 1/2/3 Fonds Lösung... ABER... dann bitte auch die Länder trotzdem noch in deiner Wunschgewichtung?
Have your cake and eat it, gibts leider so nicht (vielleicht kämen noch "GDP-Weighted" Index-ETFs als Kompromiss deinen Ideen am nächsten, aber für die gibts zuwenig Produktangebot). In einen der beiden sauren Äpfel muss man halt beißen, man kann sich nur aussuchen welchen.
Entweder du "akzeptierst" die MK-Gewichtung und kannst dafür dann mit den einfachen großen Standardwelt-ETFs arbeiten. Oder du bestehst unbedingt auf deinen persönlichen Gewichtungswünschen, und musst dir dann aus dem vorhandenen Angebot an einzelnen Länder/Regionen-ETFs eine kleinteiligere Auswahl zur genaueren Umsetzung abbilden.

Und was die "Realität" angeht...
Warum ist China nur 3% im ACWI gewichtet? Weil eben die Marktkapitalisierung chinesischer Unternehmen nur 3% Anteil entspricht. So einfach, nichts weiter. Das kann man anders sehen, und meinen dass (aus X Y Gründen) der "korrekte" Anteil von zB China "in Wirklichkeit" Z Prozent betragen sollte, aber am Ende ist das alles auch nur immer wieder dieselbe alte Gretchenfrage:
Wie will man den "korrekten" Anteil (eines Landes bzw den Unternehmen) im Index eigentlich bemessen?
Da gibt es verschiedene Ansätze, alle mit ihren Pros und Contras. Marktkapitalisierung ist halt einer davon, und es hat schon seine Gründe, warum sich der jahrzehntelang als Standard etabliert hat (lies dich darüber halt ein bischen ein, um den Argumenten besser folgen zu können).
Ich würde mich, gerade als Anfänger der bisher ja noch nicht durch überlegene Kapitalmarktkompetenzen aufgefallen ist, auch etwas zügeln im Anspruch, jetzt daherkommen zu können und zu sagen, das ist alles "bescheuert" und "ich weiß es besser".
Okay, dann beschreib mal worauf sich deine Gewichtungsmethoden beziehen, systematisiere das in ein Regelmodell und mach ein paar Backtests, erst dann ist das wirklich was wert worüber man ernsthaft diskutieren kann.
Klar, du kannst auch nach BIP gewichten, da hat China zB grad laut IMF ugf 15% Weltanteil. Das stimmt genauso wie die 3% MK eben für die MK stimmen, alles nur eine Frage des Betrachtungsstandpunktes.


Schwachzocker sagt am 06. Januar 2018

@ Timo

"...von heute auf morgen ins überlegen und trudeln geraten"
"..Kurzschlussreaktion, alle Fonds verkauft"
"...schlaflosen Nächten"
"...mir unsympathisch"
"...finde ich bescheuert"
"...ich knalle nicht vorher durch"

So wird das nichts! Die Emotionen müssen weg!

  • SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap, WKN:A1JJTF
  • Ishares Core Emerging Markets IMI, WKN:A111X9

Hier sind diverse Überschneidungen.

  • SPDR MSCI World Small Cap, WKN:A1W56P
  • UBS MSCI EMU Small Cap, WKN:A1JHNE

Hier auch!


Joerg sagt am 02. März 2018

"ich habe diese Start- zu End-Punkt" Performance-Vergleiche satt"

Hallo, heute quaele ich Euch mit weiteren Spitzfindigkeiten: Manege auf fuer Excel-Hokuspokus 4.0
Warum? Ausloeser waren gutgemeinte und wertvolle Posts wie die von ChristophG (https://www.finanzkueche.de/aktienmarktrenditen/) oder ChristianK (https://menschenzahlensensationen.wordpress.com/2018/02/15/hiiilfe-ich-habe-amazon-google-facebook-und-apple-verpasst-was-tun/)

Weshalb? Weil sie unnatuerlich sind! Die allergroesste Mehrzahl der Sparer-Zyklen sieht doch so aus:

  • zaghaftes Anfangen in den 25-35er Lebens-Jahren (Yolo!)
  • im Alter von 35-45 schon eher "Hoppla, sollten wir nicht langsam was fuer die Rente tun?"
  • über 45 Jahre "Oh, jetzt aber Gas geben, sonst wird's vielleicht spaeter doch eng?"

Man spart also als junger Mensch eher wenig, danach ein bisschen und zum Ende hin immer panischer?

"Egal, macht doch keinen Unterschied, worauf willst du hinaus? Hauptsache Aktien/ETFs - sind doch prima?!"

"Auch als Rentner halte ich das Depot weiter ... irgendwann ist die Sparrate der Tropfen auf den heissen Stein, der die Depot-Masse nicht mehr gross bewegt"

Ja, stimmt ... worauf ich aber hinaus will:

  1. Start- zu Endpunkt Performance Vergleiche sind unnatuerlich. Unsere gelebte Realitaet ist ein persoenlicher Investment-Pfad ueber die Ansparzeit. Meistens "stimmt": je frueher dein Pfad beginnt desto Zinseszins. Manchmal aber leider auch: Nicht soviel in der Hausse sparen sondern moeglichst viel in der Baisse anlegen ("im guenstigen Einkauf liegt der Gewinn") Sei also mutig, wenn's kracht!
  2. Deine Performance durch den Sparplan ist meistens hoeher als du denkst (und hoeher als Anfangs- Endpunkt-Betrachtungen geschaetzter Blogger und Kommentatoren dir glauben machen wollen). Einfach wegen deines pers. Investment-Pfades, weil zwischendurch Baissen dabei sind.
  3. Deshalb Chill-mal bezueglich kommender Draw-Downs (Boersen-Dips) und sei lieber genau dann etwas aggressiver?!

Disclaimer: In Wirklichkeit muesste der Sparplan-Anteil noch zum Ende hin ansteigen, weil bei den meisten Erwerbsbiographien erst zum Ende die Sparraten stark ansteigen.
Das kann dann "gut" sein (wenn dann gerade Baisse herrscht) oder "schlecht" (wenn's nur hoch geht bis zum Entsparzeitpunkt) - das hat man nicht in der Hand.
In der Wissenschaft wurde deshalb ernsthaft erforscht und vorgeschlagen als junger Anleger mit Hebel (1,2-1,5x) zu "investieren", um das Investitionspfad-Risiko zu mindern ... und frueher mehr Geld am Aktienmarkt zu haben.

So, genug geschwallt, jetzt ein paar Rendite-Bsp jeweils Start-Endpunkt sowie die jeweilige Sparplan-Betrachtung
Daten: von MSCI (https://www.msci.com/end-of-day-history), EURO, NET-variante (max.Quellenstr.Abzug), Wiederanlage d. Ausschuettungen Methode: 10 a Ansparen, 100 EUR monatl. Sparrate in Anteile umrechnen und ueber den Zeitverlauf akkumulieren,

SprplanInterv J01-D10 J02-D11 J03-D12 J04-D13 J05-D14 J06-D15 J07-D16
Invest_Kapita .12.000 .12.000 .12.000 .12.000 .12.000 .12.000 .12.000
AnlageDauer ..10,00 ..10,00 ..10,00 ..10,00 ..10,00 ..10,00 ..10,00
Anfang
Index .102,90 ..87,95 ..56,50 ..68,11 ..71,64 ..89,98 ..97,78
Endpnkt_Index ..87,91 ..85,82 ..97,87 .118,62 .141,75 .156,52 .173,31
pa.Rend.1xAnl ..-1,6% ..-0,2% ...5,6% ...5,7% ...7,1% ...5,7% ...5,9%
AnzahlAnteile .157,90 .158,99 .155,00 .146,14 .138,21 .130,55 .124,98
€jew.z.30.12. .13.881 .13.645 .15.170 .17.335 .19.591 .20.434 .21.660
pa.Rend.Sprpl ...2,9% ...2,6% ...4,7% ...7,3% ...9,6% ..10,4% ..11,5%

Beobachtung: Start-zu-End Betrachtung beim MSCI WORLD EUR NET sehen beschaemend aus, da kann man ja richtig Pech haben! Von -1,6 bis 7,1% p.a. ist alles dabei, Oh, Hilfe!
Dein Retter, der Sparplan "glaettet" jetzt aber alles: Hurra, 2,6 bis 11,5%! Da ist doch ein Oktober-Fest Besuch mit einigen Mass Bier locker drin!

Fazit:
Freue dich, wenn's runter geht und du noch mind. 5 Jahre bis zur Entnahme hast. Volatilitaet ist Sparplaners-Freund, nicht dein Feind!
Laechle muede, ueber jegliche Start-zu-End-Punkt Performance-Vergleiche, es kommt auf deinen persoenlichen Invest-Pfad an! Jetzt weisst du Bescheid.

Die Kehrseite: beim Entsparen ist alles umgekehrt ... bis dahin ueberlegen wir uns dann auch noch was :-D
Und spaetestens am Ende - wenn du die Sparplaene durchhaelst - "trifft es ja dann keinen Armen"


Joerg sagt am 19. April 2018

Ist deine Notfall-Reserve (Finanzfeuerwehr) auch zu hoch und du verpasst dadurch Ertrag am Aktienmarkt (hohe Opportunitaets-Kosten)? - Achtung nix fuer Anfaenger, nur fuer Fortgeschrittene -

https://earlyretirementnow.com/2018/04/18/emergency-fund-in-stocks/

Karsten, rechnet in seinem Post diese Woche vor, weshalb er persoenlich so gut wie keine Notfall-Reserve (emergency fund) haelt.

Damit stellt er sich ketzerisch gegen die weitlaeufig akzeptierte Mehrheitsmeinung irgendetwas zwischen 3-12 Monatsverbraeuchen fuer Unvorhergesehenes in zB Tagesgeld zu halten (zB f. Waschmaschine, Auto-Reparatur, Arbeitslosigkeit, unvorhergesehene Notfall-Ausgaben) und jedem Anfaenger wird geraten erst mal so ein Wohlfuehl-Polster aufzubauen, bevor es (endlich) an einen Depot-Sparplan geht ...

Seine interessante Argumentation gliedert sich wie folgt:

  • an historischen 36 Monats-Perioden (die Zeit fuer den Aufbau eines Notfallpolsters in 36 Monatsraten bis zu einer Summe X) zeigt er, dass in 3/4 der Kohorten die Entnahme aus dem ansonsten angesparten Depot effizienter gewesen waere
  • dann verkettet er solche Perioden und Notfall-Situationen (5-10 ueber ein Anlegerleben) und kommt zu dem Schluss, dass sich auf die Gesamtsituation bezogen, quasi immer das Investieren in ein Aktien-Depot mit nur sporadischen Teil-Verkaeufen in Notfaellen "gelohnt" haette.
  • er vergleicht eine Notfall-Reserve bezogen auf die Anleger-Lebenszeit (Lebenseinkommen) mit nicht-existenziellen Versicherungsloesungen - die keiner braucht (vglb mit Handy-, Fahrrad-, Geraete-Garantie-Verlaengerungsversicherungen)
  • Gruende fuer eine Notfall-Reserve liegen vielmehr in emotionalen oder psychologischen Bereichen
  • die mathematisch/roboter-verhaltensmaessige Antwort ist also: "Du brauchst keine/kaum eine Notfall-Reserve!" Spare sofort in ein Werpapier-Depot und wenn's ein Problem gibt, verkaufe etwas daraus. Meistens gibt's kein Problem. Falls es ein Problem gibt und du mit Verkaeufen zur Unzeit oder Kredit-Aufnahme reagieren musst, ist es - betrachtet auf das Anlegerleben - eine hinzunehmende, seltene Ausnahme. Auf die Anleger-Lebenszeit gesehen, ueberwiegen dann trotzdem die Vorteile der anderen 4-9 Situationen bei denen der Verkauf aus dem Depot die finanziell guenstigere Loesung war.
  • Bonus-Effekt: Ohne Notfallpolster waere man gezwungen - bei ploetzlichem Geldbedarf - die jeweils schlechteste/meist "gehasste" Asset-Position aufzuloesen. Also endlich kommt von aussen der noetige "Schubs" sich von den Depot-Leichen der Vergangenheit/viel zu hohem RK1-Anteil/"setzte-hier-ein-welche-Deiner-Anlagen-dich-stoert" zu trennen!
  • aber wer verhaelt sich schon immer rational und wie ein Roboter/regelbasierte Software?

Fuer mich persoenlich spielen die Opportunitaetskosten einer Notfall-Reserve keine so grosse Rolle (mehr).
Wenn das "Spiel gewonnen ist", kann man sich natuerlich einen Porsche, Schwimmbad, Yacht oder fettes "Notfall-Reserve-Polster" leisten.

Wenn man erst noch dahin will, muss jeder selbst entscheiden, wie "hart er am Wind Segeln will".

Immerhin, die Argumentation von Karsten ist gut und korrekt. Oder was meinst Du (erst seinen Post lesen)?


Niko sagt am 19. April 2018

@Joerg:
Interessante Betrachtungen, die du da zusammengefasst hast. Ich geb' mal meinen unqualifizierten Senf zu dem Artikel dazu:

  • Punkt 1/2: welche Aussagen Betrachtungen des historischen Aktienmarktes für die Zukunft haben ist ja hinlänglich bekannt.
  • Punkt 3: im Gegensatz zu einer Versicherung, die keiner braucht, kann man eine Barreserve immer gebrauchen. Außerdem ist sie liquider ;-)
  • Punkt 4-...: das Dumme ist nur, wenn Murphys Gesetz gerade dann zuschlägt, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann.

Fazit für mich (man kann das aber auch anders sehen): bei mir ist die Cashreserve die Feuerwehr, die mir Murphys Gesetz fernhält und mir kompromisslos Liquidität bereitstellt. Und da würde für mich der Spaß und die Zockerei aufhören. Mag sein, dass mir ein paar Prozent Rendite durch die Lappen gehen, dafür schlafe ich besser :-)


ChrisS sagt am 19. April 2018

Hallo Joerg,

erstmal nur zum Verständnis, wer ist der adressierte "Du", den du im Beitrag immer ansprichst, meinst du jemand speziellen (Finanzwesir, etc) oder eher allgemein rhetorisch jeden Leser?

Zum Inhalt allgemein, haja das sind halt so typabhängige Excelgeschichten. Ich könnte dazu auch einige Beiträge amerikanischer Finanzblogger rauskramen, die in eine ähnliche Richtung gehen - zB wo mal vorgerechnet ( ;-) wurde dass die "übliche Empfehlung", man solle ja im Alter seine Aktienquote reduzieren, historisch meist "unvernünftig" war (im Sinne von: der Rentner, der bis zum Tod ne volle 100% Aktienquote aufrechterhalten hat, konnte in der überwiegenden Zahl der Perioden länger/mehr davon zehren als jemand der dem "Allgemeinwissen" gefolgt ist, einen Großteil in Anleihen umzuschichten).
Das Prinzip dahinter ist ja so trivial wie offensichtlich - der Aktienmarkt hat halt nen langfristigen Aufwärtstrend, und je mehr/länger man daran partizipiert, umso mehr profitiert man auch davon.

Man muss halt nur die Schwankungen aushalten, und das ist eigentlich der ganze Knackpunkt bei solchen Geschichten - die Übertragung von Excel-Theorie in Lebens-Praxis.
Ich traue den Finanzbloggern, die sowas durchrechnen, und einer Minderheit ihrer aufgeklärteren Leser solche konsequente Durchhaltefähigkeit schon durchaus zu, aber habe über die allgemeine breite Massentauglichkeit doch so meine Zweifel, weil die Mehrheit der Leute dann doch nicht so rationale homo oeconomicusse sind wie es das Konzept vorraussetzt. Aber daran kann man ja arbeiten :-)

Ist ja dasselbe wie bei der Diskussion die wir auch hier schon öfter hatten:
Sollte ein Anfänger eine größere Summe lieber auf einmal komplett oder lieber "in mehreren Raten gestückelt" investieren?
Das fragt ja mit schöner Regelmäßigkeit immer mal wieder ein Neuer, und dann sagen wir ihm eigentlich auch immer das gleiche - auf der Vernunftsebene ist die Einmalanlage besser, weil sie in den meisten Fällen den größeren finalen Kapitalwert gebracht hatte (Grund siehe oben, der Aktienmarkt hat halt nen langfristigen Aufwärtstrend, an dem man auch am stärksten partizipiert wenn sofort das ganze Kapital auf einmal zum Wachsen eingesetzt wird).
Aber da ist ja noch die verflixte psychologische Ebene bei der Sache auf der anderen Seite ;-)
Genauso wie man auch nen Schwimmanfänger nicht als erstes sofort vom 5-Meter Brett stößt, sondern vom seichten Ende des Beckens behutsam ranführt, muss es auch beim Anlegen noch einen gewissen "Wohlfühl"-, oder sagen wir zumindest "nachts noch ruhig schlafen können"-Faktor geben müssen, und wer dazu meint, lieber mehrere kleinere Schritte benötigen zu brauchen, dem lass ich das auch gern so.
Mir egal wie, hauptsache die Leute kommen überhaupt mal zum Investieren.

@ Niko

"Punkt 1/2: welche Aussagen Betrachtungen des historischen Aktienmarktes für die Zukunft haben ist ja hinlänglich bekannt."

Historische Betrachtungen können durchaus sinnvolle Aussagen machen, man muss nur gewisse Einschränkungen beachten.
Erstens, eine längerfristige Betrachtung ist immer mehr Wert als eine kürzerfristige - idealerweise sollten mindestens mehrere Makrozyklen, also Jahrzehnte, mit Aufs und Abs, betrachtet werden, je länger umso mehr Verallgemeinerungspotential hat das ganze, wegen mehr Datenpunkten, weniger zeitpunktabhängiges Zufallsrauschen.
Zweitens, zwischen Betrachtungszeitraum und Prognosezeitraum muss einigermaßen Übereinstimmung sein. Soll heißen, man kann nicht aus langfristigen (zB mehrere Jahrzehnte zurück) Betrachtungen Aussagen über die kurzfristige Zukunft (zB Kursentwicklung der nächsten Monate) ableiten. Und umgekehrt gehts natürlich auch nicht.
Über die kurzfristige Zukunft lässt sich sowieso nichts sinnvolles sagen. Aber aus dem allgemeinen langfristigen Aufwärtstrend des Aktienmarktes seit über hundert Jahren kann man zB aber zumindest die berechtigte Überzeigung ableiten, dass er auch in weiteren hundert Jahren sehr wahrscheinlich noch höher als heute stehen wird.
Drittens, man muss ein gewisses Verständnis für Statistik, insbesondere Verteilungsfunktionen entwickeln. Soll heißen, wenn zB überall davon geredet wird, dass die "langfristige Rendite des Aktienmarktes bei ugf 5~8 % o.ä. beträgt" (was ja auch erstmal so stimmt, kann ja jeder selbst nachrechnen), soll man dass eben nicht so naiv verstehen, als wäre damit gemeint dass der Aktienmarkt immer, jedes Jahr und garantiert auch genausoviel Prozent erwirtschaftet.
Nein im Gegenteil, das was am Ende so lapidar als "langfristige Durchschnittsrendite" zusammengefasst wird, setzt sich im einzelnen aus vielen verschiedenen Jahresrenditen zusammen, die auch weit von diesem Mittelwert abweichen können (und tun). Das war so, ist so, und wird auch weiter so bleiben, also muss man damit umgehen können.

"Punkt 3: im Gegensatz zu einer Versicherung, die keiner braucht, kann man eine Barreserve immer gebrauchen. Außerdem ist sie liquide"

Wenn man die Barreserve immer gebraucht, ist sie bald aufgebraucht, und damit keine Reserve mehr. Wir reden ja hier auch eigentlich eher davon, den "eisernen Notgroschen" als einen abgetrennten Bereich (der eben nur für Notfälle zuständig ist) zu betrachten, und der nicht dem allgemeinen Konsum oder Spaßausgaben zur verfügung steht.
Aber wie gesagt, da muss jeder selber entscheiden, welches Kontenmodell am besten zu ihm persönlich passt.

"Fazit für mich (man kann das aber auch anders sehen): bei mir ist die Cashreserve die Feuerwehr, die mir Murphys Gesetz fernhält und mir kompromisslos Liquidität bereitstellt."

In Punkto "Liquidität" (was im Grunde erstmal nur sowas wie (schnelle) "Verfügbarkeit" meint) unterscheiden sich Standard-Aktien und -ETFs nicht wesentlich von Tagesgeld o.ä.
Beides kann man mit einem Klick ziemlich zeitnah zu Cash machen, wenn man es denn sofort will/braucht.
Und was "Murphys Gesetz" angeht (die Waschmaschine geht kaputt und es ist grad dazu noch Börsenkrise), am Ende ist das vielleicht auch vor allem ne Frage der Depotgröße.
Soll heißen, wieviel Aktienschwankungen kann ich mir sprichwörtlich "leisten", bis es wirklich meinen Lebensstandard angreifen würde, wenn ich in einer Krise durch Notsituation zum Verkaufen gezwungen wäre und dann nicht mehr genug Geld da ist? (Krisen behandeln wir hier meist einfach mit dem "-50% Crashtest", also einfach mal eine Halbierung des Depots durchspielen).
Das betrifft einen Anfänger natürlich viel mehr als so alte Hasen wie es Joerg am Ende schon angesprochen hat - wer wie wir schon ein gewisses Depotvolumen aufgebaut hat, der könnte sich auch bei einer Krisenhalbierung davon trotzdem auch noch tausend neue Waschmaschinen leisten, wenns denn nötig wäre :-D


Joerg sagt am 19. April 2018

Moin @Niko, hast du eine bessere Idee, wie man

  • erkenntnistheoretisch die These "Finanzfeuerwehr vs Technisches Depot-Entnahme-Hilfswerk" simulieren/ueberpruefen kann als mit einem Blick in den Rueckspiegel?
  • Liquide: eine Depotentnahme von ein paar Tausend fuer einen Notfall ist zwei-drei Klicks und 10-15€ Gebuehr entfernt. "Barreserve" schmiegt sich schon gefaehrlich an und ist viel schutzloser als "(Nur-im-auessersten-)Notfall-Reserve".
  • Murphys-Law ist hier beruecksichtigt worden: Baissen und pers.Notfaelle sind ja unkorreliert und mitteln sich deshalb ueber deinen Anlagezyklus heraus.

Oder wenn es bei dir anders waere, koenntest du vielleicht den Markt mit deinen pers. Notfaellen perfekt Timen (Nikos-Notfall-Indikator+Lombard-Kredit)? :-D

Aber ehrlich, ich finde ein Cash-Polster auch gut ...

Allerdings: 5.000€ zuviel im Tagesgeld (ca. 6% Rendite-Unterschied) kosten auf einen Anlagezyklus von zB 30 Jahren doch schon erhebliche: 28.700€. Wieviele von uns halten aber sogar 10, 15, 20k "zuviel"?

Naja, "besser Schlafen" ist halt auch teuer ... ;-D
LG Joerg


Joerg sagt am 22. April 2018

| Moin @Chris "wen meine ich mit DU"? Tja eigentlich nur Niko und Dich ...
Ihr seid die einzigen zwei, die meinen Post gelesen und kommentiert haben ;-)

Spass. Also bei "DU" denke ich immer an dieses Werbeplakat mit dem freundlichen aelteren Onkel. Der hat so'nen lustigen Zylinder auf, mit blau, weis - so bandiert und gesternt.
Mit einem knorrigen, grotesk langen Zeigefinger deutet er energisch auf die Betrachter und sagt: "we want YOU".
Lustige Werbung fuer eine Pfadfindergruppe? oder war es so etwas wie Wehrsport? Egal.
Jedenfalls das stelle ich mir immer vor, wenn ich "DU" schreibe :-)
LG Joerg


Reinsch sagt am 23. April 2018

Naja, einige Argumente sind ja aber arg an den Haaren herbeigezogen. Wer z.B. einen finanziellen Notfall braucht um Depotleichen auszusortieren, der ist wohl kaum der knallharte Excel Optimierer der das letzte Promill Rendite ausquetscht…

Ich bin kein Fan davon, die Cash-Reserve an Monatsverbräuchen oder gar den Gehältern festzumachen. Entscheidend ist da eher die persönliche Situation.

Ein Familienernährer, der selbstständig arbeitet und dabei auf sein Auto angewiesen ist und zudem in einem Eigenheim lebt wird natürlich mehr Geld puffern müssen. Der kinderlose Single, der zur Miete wohnt und mit dem Fahrrad zu seinem Arbeitgeber fährt, der kommt warscheinlich mit einem Tausender locker aus.

Letztendlich ist es eben ein Feuerlöscher. Die Frage ist also, wie groß ist das Feuer was maximal gelöscht werden muss? Mal ungeachtet irgendwelcher schwarzen Schwäne, die sowieso alles über den Haufen werfen…
Und daran wird dann die Reserve festgemacht. So groß wie nötig, so gering wie möglich.

Klar ist auch: Das Ganze ist eine Versicherung. Und Versicherungen kosten Geld. Wenn nix passiert zahlt man drauf…


BigMac sagt am 24. April 2018

Im Beitrag von Reinsch stehen die in meinen Augen zwei wichtigsten Dinge zum Thema: Die Reserve ist eine Versicherung und Versicherungen sollen ausschließlich auf den persönlichen Bedarf abgestimmt sein.
Die absolute(!) Größe des RK1-Teils sollte m.E. deshalb regelmäßig (z.B. jährlich) anhand des aktuellen Bedarfs geprüft und ggf. angepasst werden. Meine Cash-Reserve ist so groß, dass ich auch einen größeren schwarzen Schwan aushalten kann und auch fast alle aktuell denkbaren "Katastrophenfälle", wenn der Vogel mal zugeschlagen hat.
Der Preis für diese Sicherheit ist eine - gemessen an allen Rücklagen - kleinere Rendite. Wie so oft im Leben gilt auch hier: "Man muss Prioritäten setzen."


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