01. Dezember 2016


Ist's Wahnsinn auch, so hat es doch Methode

Leser J. will wissen

Ist die Kombination MSCI World/EM einem positiven Schwarzen Schwan Event stark genug ausgesetzt? Taleb schlägt in seinem Buch "Der Schwarze Schwan"* vor (circa) 90% in den risiko-armen Teil und 10% in den risikobehafteten Teil zu investieren. Soweit deckt sich das ja mit deinen Tipps.

Jetzt aber zu dem Teil, der mich stutzig gemacht hat. Taleb schreibt, dass der risiko-behaftete Teil so aggressiv und "leveraged" wie nur irgend möglich sein soll, um dem positiven Schwan gegenüber maximal ausgesetzt zu sein. Daher hier meine Frage: Passt die Kombination MSCI World/EM auf diese Beschreibung? Alles in allem kommen diese Posten mir immer noch einigermaßen gemäßigt vor - zumindest aber nicht "maximal aggressiv".

Einen alternativen, aggressiveren Vorschlag habe ich aber auch nicht parat. Eventuell etwas Hightech-lastigeres?

Für alle, die mit Taleb nicht so vertraut sind hier der entsprechende Auszug aus "The Black Swan" von Nassim Nicholas Taleb

"I am trying here to generalize to real life the notion of the "barbell" strategy I used as a trader, which is as follows. If you know that you are vulnerable to prediction errors, and if you accept that most "risk measures" are flawed, because of the Black Swan, then your strategy is to be as hyperconservative and hyperaggressive as you can be instead of being mildly aggressive or conservative.
Instead of putting your money in "medium risk" investments (how do you know it is medium risk? by listening to tenure-seeking "experts"?), you need to put a portion, say 85 to 90 percent, in extremely safe instruments, like Treasury bills—as safe a class of instruments as you can manage to find on this planet.
The remaining 10 to 15 percent you put in extremely speculative bets, as leveraged as possible (like options), preferably venture capital–style portfolios. That way you do not depend on errors of risk management; no Black Swan can hurt you at all, beyond your "floor," the nest egg that you have in maximally safe investments.
Or, equivalently, you can have a speculative portfolio and insure it (if possible) against losses of more than, say, 15 percent. You are "clipping" your incomputable risk, the one that is harmful to you.
Instead of having medium risk, you have high risk on one side and no risk on the other. The average will be medium risk but constitutes a positive exposure to the Black Swan. More technically, this can be called a "convex" combination. Let us see how this can be implemented in all aspects of life."

Der Finanzwesir antwortet

Was will uns der Meister damit sagen und was ist eine Barbell-Strategie? Ist barbell jugendfrei?

Eine Neuland-Recherche führt uns zur Wikipedia und nur halbjugendfreien Bildern.

"Ein Barbell ist eine spezielle Form des Piercingschmucks. Er wird häufig durch das Zungenpiercing getragen, kann jedoch auch bei vielen anderen Piercings eingesetzt werden." (Wenn nicht Zunge, dann bedingt jugendfrei, Anm. Finanzwesir)
Quelle

Tackert sich Taleb mit Metall voll und tradet dann? Leo.org gibt Entwarnung: Barbell = Langhantel. Eine "barbell strategy" ist also eine Hantelstrategie.
Was meint Taleb damit?
Schauen wir uns den Aufbau einer Hantel an: Links und rechts hängen die Gewichte, verbunden durch eine dünne Stange. Wenn wir diesen Aufbau auf die einzelnen Risikoklassen übertragen, dann stellt das linke Gewicht den RK1-Anteil da, das rechte Gewicht ist der RK3-Anteil und dazwischen ist nichts.

Jetzt zu Leser J.

"Daher hier meine Frage: Passt die Kombination MSCI World/EM auf diese Beschreibung? Alles in allem kommen diese Posten mir immer noch einigermaßen gemäßigt vor ‒ zumindest aber nicht "maximal aggressiv".

Nicht im geringsten. Die auf diesem Blog vorgestellten Strategien sind für Weicheier und Warmduscher. Das passive Konzept (rumsitzen und maximal diversifiziert auf die Marktrendite warten) ist die komplette Negierung der Taleb’schen Hantel. Maximal aggressiv ist da nichts. Deshalb ist diese Strategie auch für Normalsterbliche geeignet.
Was macht der Taleb denn?
Er weiß genau: 90 %, 95 % oder gar 99 % seiner Wetten werden nicht funktionieren, aber mit der einen Wette, die aufgeht, verdient er 5.000 oder 10.000 Prozent.
Eine Kamikaze-Strategie. Schick 100 Flugzeuge los. 99 schießt die Schiffs-Flak ab, aber einer schlägt ins Munitionsdepot des Flugzugträgers ein. Dann spielen die 99 abgeschossenen keine Rolle mehr. Das ist extrem aggressiv.
Grundsätzlich hat Taleb mit seiner Strategie recht. Aber den Deutschen drängt es zur Mitte. Er nimmt gerne vom Bulgaren 1 % mehr fürs Tagesgeld und greift bei Aktien nicht ins Rendite-, sondern ins Garantieregal.
Talebs Strategie, den Löwenanteil ganz sicher zu verstauen, mit dem Rest aber wirklich krasse Wetten einzugehen, funktioniert für Normalsterbliche aus den folgenden Gründen nicht:

Mentale Gründe

Man muss richtig gut in Wahrscheinlichkeitsrechnung und ziemlich gefühlskalt sein, um sich einer Strategie anzuvertrauen, bei der man fast immer verliert. Gewinnt man aber, sprengt man die Bank.
Die meisten Menschen fühlen sich erst dann mental ausgeglichen, wenn einem Verlust gut zwei Gewinne gegenüberstehen.
Diese Reihe muss man erst einmal aushalten: -10.000 €, -30.000 €, -12.000 €, -35.000 €, -24.000 €, -5.000 €, -87.000 €, -45.000 €, -83.000 €, + 100.000.000 €.
Wenn Ihnen das zu viele Nullen sind, streichen Sie welche weg, bis Sie sich wohlfühlen. Egal, ob Sie 10 € verlieren und 1.000 € gewinnen oder 10.000 € verlieren und 100.000 € gewinnen: Der Multiplikator bleibt.
Darum geht es Taleb, wenn er von "Leverage" spricht. Er will seinen Einsatz nicht verdrei- oder verfünffachen. Seine Multiplikatoren heißen 500, 1.000 oder 10.000.

Lebenspraktische Gründe

Taleb zockt ja nicht willenlos herum, sondern überlegt sich genau, welche Wetten er eingeht. Dazu braucht er die vier G, die jeder aktive Anleger braucht: Geld, Gedanken, Geduld und Glück. Geduld und Glück gestehe ich Ihnen zu, aber Geld und Gedanken nicht.
Hm, arroganter Finanzwesir, hält mich für arm und dumm.
Durchaus nicht, lassen Sie es mich erläutern.
Was ist mit Gedanken gemeint?
Gedanken, auf die man kommt, wenn man Plato liest, Game of Thrones schaut, dann bei einem Spaziergang am Flussufer den Krähen nachschaut (sich dabei an Konrad Lorenz erinnert) und darüber philosophiert, was Plato, Brienne von Tarth und Sturmkrähen gemeinsam haben und wie man daraus eine Börsenstrategie destillieren kann.
Das Gefasel der Finanzpornografen vom Zeitungsstand meine ich jedenfalls nicht.
Grundsätzlich traue ich Ihnen solche Gedanken schon zu. Alleine ich glaube, dass Sie gegen den Endlevelgegner "Tagesgeschäft" keine Chance habe. Sie haben so viel Dringendes (der Müll muss noch raus!) zu tun, dass Sie es nicht bis zum Wichtigen schaffen.
Geniale Ideen gibt’s nicht ohne In-die-Luft-starren und Nasebohren. Soviel Zeitverschwendung muss sein.

Ihnen fehlen die richtigen Produkte

Taleb ist Börsenprofi. Ihm stehen ganz andere Finanzinstrumente zur Verfügung als Ihnen. Er muss

  1. nicht den Mist kaufen, den die Finanzindustrie für den Endkunden vorgesehen hat. Also schief konstruierte Produkte, die die Bank systematisch bevorzugen,
  2. sich nicht dem Welpenschutz des Regulators beugen (Herr Taleb, diese Risikoklasse liegt über Ihrem Gehaltsniveau), sondern kann in die Vollen gehen.

Außerdem handelt Taleb viel preiswerter. Seine Handelskosten liegen bei 0,02 bis 0,05 %. Mit anderen Worten: Er bringt zwischen 20 und 50 Transaktionen an den Start, während wir als Retail-Muppets froh sind, eine Transaktion bezahlt zu haben.

Ihnen fehlt die Mathematik

Alle, die

  1. eine Fourier- von einer Laplace-Transformation unterscheiden können und
  2. diese Transformation auch durchführen können

dürfen sitzen bleiben. Der Rest sieht die rote Karte.

Ihnen fehlt das Geld

Wie sagt Taleb:

".. .say 85 to 90 percent, in extremely safe instruments, like Treasury bills…"

Kein Problem, das schaffen wir als Privatanleger. Was bleibt noch übrig, wenn wir 85 % in deutschen Staatsanleihen haben?

Vermögen RK3-Anteil RK1-Anteil
10.000 € 1.500 € 8.500 €
20.000 € 3.000 € 17.000 €
40.000 € 6.000 € 34.000 €
60.000 € 9.000 € 51.000 €
100.000 € 15.000 € 85.000 €
150.000 € 22.500 € 127.500 €
200.000 € 30.000 € 170.000 €
250.000 € 37.500 € 212.500 €

Unser Ziel: Das "nestegg" (den RK1-Anteil) mithilfe des RK3-Anteils ordentlich zu vermehren. Wir schicken unsere Kamikaze-Flieger los und hoffen auf einen Volltreffer.
In diesem Beispiel kommen zwei von zehn durch. 80 % des RK3-Anteils verfallen wertlos, die restlichen 20 % bringen die Rendite. Was wird aus 20 % Rest-RK3, wenn wir diesen Betrag mit 1.000 %, 5.000 % oder gar 10.000 % multiplizieren?

20 % Rest-RK3 1.000 % 5.000 % 10.000 %
300 € 3.000 € 15.000 € 30.000 €
600 € 6.000 € 30.000 € 60.000 €
1.200 € 12.000 € 60.000 € 120.000 €
1.800 € 18.000 € 90.000 € 180.000 €
3.000 € 30.000 € 150.000 € 300.000 €
4.500 € 45.000 € 225.000 € 450.000 €
6.000 € 60.000 € 300.000 € 600.000 €
7.500 € 75.000 € 375.000 € 750.000 €

Wie wirkt sich das auf unser Gesamtvermögen aus? Hier noch einmal die Parameter:

  1. RK3 = 15 %
  2. Verlustquote RK3 = 80 %
Gewinn RK3 Auswirkung auf das Gesamtvermögen
1.000 % 15 %
5.000 % 135 %
10.000 % 285 %

Einmal im Detail durchexerziert mit 100.000 €

  • RK1 = 85.000 (85 % von 100.000 €)
  • RK3 = 15.000 €
  • 80 % RK3-Verlustquote: Es bleiben 3.000 € übrig
  • 1.000 % Gewinn: Aus 3.000 € werden 30.000 €
  • 5.000 % Gewinn: Aus 3.000 € werden 150.000 €
  • 10.000 % Gewinn: Aus 3.000 € werden 300.000 €

Das neue Gesamtvermögen setzt sich zusammen aus RK1 (85.000 €) plus das neue RK3.

Gewinn neues Gesamtvermögen altes Gesamtvermögen Delta
1.000 % 115.000 € 100.000 € 15 %
5.000 % 235.000 € 100.000 € 135 %
10.000 % 385.000 € 100.000 € 285 %

Was lernen wir daraus?

  1. Herr Taleb ist ein reicher Mann, denn mit 15.000 € kann man dieses Spiel nicht spielen. Da fehlen zwei bis drei Nullen. 1,5 bis 15 Millionen scheinen mir eine realistische Größe zu sein. So kann ich Deals in der Größenordnung zwischen 100.000 € und 500.000 € eingehen. Für ein Peanuts-Plus von 3.000 € lohnen sich die ganzen Spaziergänge am Fluss nicht. Ich brauche diese Summen nicht als flüssiges Eigenkapital. Ich kann auch hebeln, wie Taleb es vorschlägt. Aber wenn die Kurse nach Süden gehen, muss ich schnell liquidieren oder nachschießen, sonst bin ich sofort bankrott. Wie man es auch dreht und wendet: Für zwei Mark fuffzich bekomme ich keine Hantel.
  2. Ich brauche Deals, die zwischen 5.000 und 10.000 Prozent bezogen aufs Eigenkapital abwerfen. Das sind Werte, bei denen jeder rechtschaffene Altlinke nur noch "obszön" stammelt. Da ist aber nix obszön, das diktiert die Mathematik der Hantel. Wenn ich auf der einen Seite Negativzinsen als Aufbewahrungsgebühr für maximale Sicherheit zahle, brauche ich auf der anderen Seite der Hantel Prozente, die in den Himmel stürmen.

Fazit

Jemand wie Taleb

  • hat sich Gedanken gemacht,
  • hat seine Mathematik im Griff,
  • hat Zugriff auf "the real stuff",
  • handelt sehr preiswert,
  • und hat Geld.

Deshalb sage ich: Don’t do this at home! Immer schön passiv bleiben!

Klarstellung I

Dass passives Herumsitzen auf einer World/EM-Kombi in Deutschland als aggressives Verhalten gewertet wird, liegt am gestörten Verhältnis zur Aktie und zum Risiko. Das Weltportfolio ist kein Pitbull, sondern ein harmloser und familientauglicher Pudel.

Klarstellung II

An Talebs Strategie gibt es nichts auszusetzen. Das ist kein Gezocke, sondern die Arbeit eines Profis, denn

"Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden."
Arthur C. Clarke

Geld und Mathematik sind wie Nitro und Glyzerin: Da geht was!


* Affiliate Link: Für Sie wird das Buch nicht teurer, ich erhalte eine kleine Provision.

(awa)

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Kommentare

Matze sagt am 02. Dezember 2016

Hallo Finanzwesir

ich bin immer wieder begeistert, wie du komplizierte Themen klar und deutlich erklärst.
Hinzu kommt noch, dass du offensichtlich sehr intelligente Leser hast, die dir derart gute Fragen stellen.

Glückwunsch und weiter so!

Gruss aus der schönen Schweiz
Matze


Mitleser@Finanzwesr sagt am 02. Dezember 2016

@ Matze

Was bitte ist intelligent daran zu glauben, eine gähnend langweilige Investition in zwei passiv ausgerichtete (ETF-)Fonds sei "aggresiv und -leveraged- (also gehebelt) wie nur irgend möglich" oder zumindest die Frage zu stellen, ob dieses Investment "maximal aggressiv" sei...?!


Nitro + Glycerin sagt am 02. Dezember 2016

Bei 15.000 sollte das Verhältnis m.M.n. andersrum sein. 90% "ultra risky/leverraged" + 10% "ultra safe".
Als gemäßigtes Experiment heute vor der Draghi & Renzi-Show einen Put auf den Dax mit Hebel 100 gekauft und die restlichen 1.500 in Cash.
Und dann schaun wir mal, was Montag früh draus geworden ist.


Finanzamt sagt am 02. Dezember 2016

Schöner Artikel, aber was ich alter Ketzer gerne noch wissen würde: Wo versteckt sich da die Laplace- bzw. Fouriertrafo? :)


Finanzwesir sagt am 02. Dezember 2016

Hallo Finanzamt,

"Wo versteckt sich da die Laplace- bzw. Fouriertrafo? :)"

Ob man für die Entwicklung komplexer Derivate Fourier und Laplace braucht, weiß ich nicht. Aber höhere Marhematik braucht man auf alle Fälle und beide kennt man - zumindest in meiner Generation - noch aus der Schule.
Außerdem klingt es gut. Ich hatte kurzzeitig auch Fibonacci in Erwägung gezogen. ;-)

Gruß
Finanzwesir


Slowroller sagt am 02. Dezember 2016

Hallo Finanzwesir!

Da das mein erster Kommentar hier ist erstmal einen großen Dank vorweg: Auf der Suche nach einer Verwendung/Anlage für überschüssiges (bzw. gespartes, überschüssig ist es wohl nie) Geld bin ich auf deine Seite gestoßen, habe innerhalb einiger Wochen jeden Artikel gelesen (einige durchaus öfter) und bin nun auch Buy&Hold-ETF-Anleger. Gerade die Anschaulichkeit deiner Artikel sucht seinesgleichen - und das obwohl ich mich eigentlich als interessiert und informiert beschreiben würde. Super war dann auch deine Linkschau und Kooperation mit anderen Bloggern um eben auch mal andere Meinungen zu lesen/hören.

Bei diesem Artikel allerdings hat mir eine Aussage ein wenig Bauchschmerzen bereitet: Du sagst, das was Herr Taleb hier nicht nur betreibt sondern auch propagiert sei kein Gezocke. Ist das wirklich so?
Zum einen halte ich persönlich nichts davon die Börse massiv zweckzuentfremden - in der Hinsicht bin ich konservativ. Ich sehe das vielleicht sogar ein wenig blumig: Ich beteilige mich über Aktien an Unternehmen, denen ich mein Geld anvertrauen möchte, weil ich viel von ihrer Arbeit und dem Markt auf dem sie agieren halte. (mir ist indes klar, dass die selber mein Geld niemals sehen) Im Falle von ETF möchte man eben breitgefächert an der Weltwirtschaft (oder teilen davon) teilhaben.

Wenn ich hier aber lesen, dass eine Strategie, wo 15x Vollverlust einem exorbitant hohem Gewinn vorrausgeht, dann bin ich offenbar nicht in der Lage die einzelnen "Produkte" so zu bewerten, dass ich von ihrem Gelingen überzeugt sein kann.
Und wenn die Logik diese hier ist: "Der Statistik nach ist jede 16te Anlage ein exorbitant hoher Gewinn während 15 Komplettausfälle sein werden", dann kann ich das errechnen, es kann auch gutgehen. Aber ist das nicht am Ende auch Zockerei? Wo kommen die 2000% Gewinn in diesem Fall her (haben sich 100 beim Zocken weniger statistisches Wissen gehabt)?


Finanzamt sagt am 02. Dezember 2016

@Finanzwesir: Der Signalverarbeiter in mir stimmt Dir zu: ALLES ist ein Signal und MUSS folglich mit einer Fouriertransformation analysiert werden!!! Im vorliegenden Fall bietet sich aber natürlich auch super eine Monte-Carlo-Simulation an, um die Wahrscheinlichkeit (oder Laufzeit :) ) für eine schwarze Null zu finden...

Das oben ging jetzt ein bißchen am Thema vorbei, aber im Prinzip ist Deine beschriebene Hantel auch nichts anderes als das Roulette-Experiment, bei dem der Einsatz mit jedem Verlust verdoppelt wird. Irgendwann bist Du wieder im Plus - wenn die Bank Dich lässt...

Schönen Freitag!


Bankster sagt am 02. Dezember 2016

Es gibt genug Derivatemodelle, in denen Laplace- und/oder Fourier-Transformation Anwendung finden. Insofern fachlich durchaus richtig! ;)


wimi sagt am 03. Dezember 2016

Was ich nicht verstehe ist das “highly leveraged“. Wenn ich 90% meines Geldes sicher verwahre und mit 10% eine Wette eingehe, die aber mit Fremdkapital aufgepumpe im Verhältnis 1 zu 10, dann habe ich doch wieder das Risiko meinen kompletten Einsatz zu verlieren.
Vielleicht ist mit Leverage auch nicht der übliche Fremdkapitalhebel gemeint.
Hier wäre dann mit Leverage großer Gewinn, aber mit maximal 100% Verlust gemeint.
So einen Hebel würde ich jederzeit nehmen. Das geht aber wohl nur über die Auslagerung von Verlusten in externe Firmen, die dann pleite gehen können, ohne dass man als Anteilseigner dran ist. Solche Investments sind in der Tat eine Nummer zu groß für uns Kleinsparer.


Sebo sagt am 03. Dezember 2016

Hallo Albert, danke für diesen Beitrag. Damit hast du mir ganz viele Fragen beantwortet, die schon seit langer Zeit in meinem Kopf herumschwirren.

Schönen Gruß nach HH,
Sebo


Joerg sagt am 03. Dezember 2016

Hi Nitro, haettest du doch einen Call gekauft ... (Samstag, 13:00 Uhr 03.12.16)
Boerse ist kurzfristig Massenpsychologie:

  1. Ueberraschung(Brexit): Hilfe, die Welt geht unter, 2-3 Tage moll, dann ist's wieder gestiegen.
  2. Ueberraschung(Trump): Hm, Geht die Welt unter? Nee, nur in der Vorboerse etwas moll. Und
  3. Ueberraschung(ItaloWestern): Gibt keine: alle erwarten, eine Euro-Ohrfeige.
  • Wenn sie kommt: nix passiert - war ja erwartet -, also steigt's.
  • Wenn sie nicht kommt: alles steigt richtig doll
  • Wenn patt(keine Entscheidung): faellt es trotzdem nicht.

Deshalb: Call, kein Put :-)
Albert: wenn's am Montag faellt, bitte diesen Kommentar nicht online stellen :-)


Rico sagt am 03. Dezember 2016

Hi Albert, wirklich genialer Beitrag. Ich liebe deine Art zu schreiben!

Ganz so negativ möchte ich nicht sein wie du im Artikel. Jeder Anleger kommt leicht an Hebel 1000 ran, wenn er möchte. Das geht sogar ganz einfach mit den guten alten (bösen) Optionsscheinen. Und das Risiko lässt sich dabei auch leicht in den Griff bekommen, wenn man zum Beispiel Calls kauft. Mehr als den Einsatz kann man nicht verlieren.

Ansonsten glaube ich aber wie du, dass die Strategie von Taleb nichts für Privatanleger ist. Deswegen aber passiv in ETFs zu investieren halte ich auch nicht für besonders clever. :-)

VG, Rico


Robert Michel sagt am 04. Dezember 2016

Ich glaube nicht, dass die Hantel-Strategie sonderlich gut funktioniert.
M.E. hat ein konservatives Aktiendepot die höchste Rendite die der Allgemeinheit zur Verfügung steht. Und unter Allgemeinheit verstehe ich auch die Finanzprofis.
Der Riskante Teil der Hantel-Strategie wird im Schnitt keine höhere Rendite bringen. Mag sein das der ein oder andere in der Lage ist Alpha zu generieren. Das heißt aber nur, dass die Besseren auf Kosten der Schlechteren Gewinne machen.


Joerg sagt am 05. Dezember 2016

Wie sage ich kurzfristige Boersenentwicklungen richtig voraus?

Ganz einfach, zunaechst schaetzt du ein, was du fuer ein Boersen-Typ bist:

a) ueberdurchschnittlich (ca. 3-5% der Mitspieler), du hast >55% Recht mit deinen Einschaetzungen z.B. Rico?
b) mittelmaessig (90%), du hast <50% Recht mit deinen Einschaetzungen
c) unterdurchschnittlich (Rest), du hast zufaellig 50% Recht mit deinen Einschaetzungen

Aus deiner Einschaetzung folgt die Handelsmaxime:

wenn a) dann tun, was du fuer richtig haelst
wenn b) dann das Gegenteil davon tun, was du fuer richtig haelst
wenn c) dann tun was du fuer richtig haelst

Bzw falls du nicht zu a) gehoerst: investiere passiv, - Glueckwunsch - du bist auf dem richtigen Blog ... :-)


xoz sagt am 05. Dezember 2016

@wimi

Mit "leveraged" sind hier gehebelte Produkte gemeint, nicht die Finanzierung der Investments über Fremdkapital.


Reinsch sagt am 05. Dezember 2016

Und zu dem eigentlichen Thema:

Letztendlich ist der Erwartungswert immer das Entscheidende. Bei Investments in diesen Dimensionen frage ich mich als Kleinanleger jedoch: Wo soll ich genügend Investitionen mit einem solch gewaltigem Gewinnpotential finden? Und wie soll ich in der Lage sein, den Erwartungswert einzuschätzen?

Hab das mal vor einiger Zeit auf einer Wettbörse für Fußballwetten probiert, mit mäßigem Erfolg. Aber da war es ja auch nur Spielgeld...


Reinsch sagt am 05. Dezember 2016

xoz: Der Effekt ist ja aber dann ähnlich. Steht ja immer ganz kleingedruckt bei den ganzen Forex- oder Binäroption Brokern dabei: "Verluste können Ihre Einzahlungen überschreiten."


Klaus Habicht sagt am 16. März 2018

Hat es Methode dass Bitcoins nun überall "schlecht" und gefährlich gemacht werden (hauptsächlich von den Banken)? Siehe auch jüngsten Focus Money Beitrag.


Dummerchen sagt am 19. März 2018

@Klaus Habicht
Ich denke, du bist da einer Verschwörung auf die Schliche gekommen ;-).

Ne, im Ernst.
Ich bin froh, dass die überschwänglichen Lobeshymnen langsam aber sicher abnehmen. Kryptowährungen sind eine Spekulation und keine Investition. Wenn jemand mit Spekulationen reich werden möchte, kann er das tun - hat ja offensichtlich für den einen oder anderen auch funktioniert. Aber langfristiges Investieren sieht anders aus. Daher bin ich froh, dass das Pendel langsam aber sicher zurück schwingt.

Liebe Grüße
Dummerchen


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