09. Februar 2014


Was Fondsmanagern wirklich wichtig ist

Wer Geld in einen Aktienfonds investiert, der erwartet, dass die dort Beschäftigten sich nach Kräften mühen, das investierte Geld zu vermehren, und zwar weit besser, als man es selbst könnte.

Tun sie aber nicht. Warum? Weil es böse, korrupte und unfähige Bastarde sind? Nein, nicht im geringsten. Die meisten Fondsmanager sind intelligente, hart arbeitende Menschen. Aber ein Fondsmanager wird von Dingen beeinflusst, die mit der Vermehrung des ihm anvertrauten Geldes wenig zu tun haben.

Sehen wir uns doch den durchschnittlichen Fondsmanager einmal genauer an:

  • Schon aus beruflichen Gründen gut und teuer gekleidet,
  • das Auto geleast und eine Nummer zu groß und
  • die Immobilie in einer begehrten Wohnlage gehört zum größten Teil der Bank.
  • Dazu noch Frau und Kinder.

Dieser Status muss verteidigt werden. Die allerhöchste Priorität für unseren armen Fondsmanager hat deshalb die Arbeitsplatzsicherheit. In meinen Augen durchaus nachvollziehbar.

Welche Fragen stellt sich der Fondsmanager vor einem Investment?

1. Kann mich dieses Investment meinen Job kosten?

Früher gab es mal den Spruch „Es wurde noch niemals jemand gefeuert, weil er Computer von IBM gekauft hat“. Warum? Weil alle ihre Rechner von IBM beziehen. Genau diese Strategie wendet der Fondsmanager auch an. Er bleibt in der Herde. Wenn die Analysten übergreifend den Kauf der X-Company empfehlen, dann kauft er. Wenn das Investment dann in die Grütze geht, macht das nichts, denn

  1. Die Analysten haben es empfohlen, er kann die Schuld also auf mehrere Schultern verteilen.
  2. Die Kollegen sind doch auch reingefallen, er steht also relativ zu den anderen Fonds gar nicht so schlecht da. Womöglich ist ein anderer Fonds noch stärker betroffen, dann hat er noch nicht einmal die rote Laterne und alles ist gut.

Sie als Investor macht so etwas natürlich verrückt, Sie wollen absolute Gewinne und niemanden, dessen relative Verluste eigentlich ganz gut ausschauen. Dem Fondsmanager ist das aber egal, er lebt in seiner Fondsmanager-Welt und wird dort mit anderen verglichen. Stellen Sie sich vor, der Fondsmanager hätte sich auf seinen tollen Fondsmanager-Instinkt verlassen und nicht die Aktien der X-Company gekauft, sondern die der Y-Firma. Jetzt haben wir die folgenden Szenarien:

  1. Die X-Aktie steigt, die Y-Aktie fällt => Fondsmanager gefeuert
  2. Die X-Aktie steigt, die Y-Aktie steigt auch, performt aber schwächer => Fondsmanager in Argumentationsnöten
  3. Die Y-Aktie steigt, die X-Aktie auch, performt aber schwächer => Fondsmanager wird zwar gelobt, aber mit kritischem Unterton „Das hätte auch schief gehen können.“ Bonus? Vielleicht!
  4. Die Y-Aktie steigt, die X-Aktie fällt => Der Fondsmanager ist ein Gott und gibt aus dem Olymp Interviews. Er erhält außerdem einen schicken Bonus.

Die Ausbeute: Zwei negative Szenarios, ein „So-la-la“-Szenario und ein Super-Szenario.
Dazu kommt, dass die Negativszenarien weitaus dramatischer sind, als das Positivszenario. Jobverlust versus Bonus, von dem die Steuer sowieso die Hälfte wegfrisst. Na, da kann er sich aber entscheiden, unser Fondsmanager. Solides Mittelmaß ist das Gebot der Stunde.

2. Was sagen die Juristen?

Bei jeder Entscheidung sitzt das hausjuristische Schattenkabinett mit am Tisch. Jeder Fondsmanager hat einen Haufen regulatorischer Auflagen zu beachten. Die Performance kann noch so toll sein, wenn er formale Kriterien verletzt, kann ihn das den Job kosten.

3. Wie hoch ist der Arbeitsaufwand?

Fondsmanager haben einen vollen Terminkalender und lange Arbeitstage. Kein Manager mit 5 Pfennig Hirn im Kopf wird sich vermeidbare Arbeit aufhalsen. Ein Investment, für das man die ausgetretenen Pfade verlassen muss? Nein, das lohnt sich nicht. Dann lieber die Standardprozeduren abspulen und schnell fertig werden.

Die Frage „Was bringt das Investment den Anlegern?“ kommt erst unter ferner liefen. Eine sehr sinnvolle und rationale Entscheidung, die man dem Fondsmanager noch nicht einmal übel nehmen kann.

(awa)

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Kommentare

Andreas sagt am 25. September 2014

Noch eine Überlegung zur Motivation von selbstständigen Fondsmanagern (gilt genauso für Immobilienmakler etc.):

Der Fondsmanager (oder Fonds) erhält ja ca. 2% Provision auf das verwaltete Vermögen. Bei z.B. 1.000.000€ sind das 20.000€. Jetzt hat der Fondsmanager die Wahl

  1. Marktübliche Rendite erzielen (z.B. 5%): entspricht normalen Arbeitsaufwand
  2. Überperformance erzielen (z.B. 10%): entspricht enormem Aufwand, sagen wir doppelt so viel

Jetzt haben viele Fonds eine Performancegebühr. Das wird dem Kunden dann gerne als "Incentive" für den Fondsmanager verkauft, er handele in ihrem Interesse. Er profitiert ja schließlich auch von mehr Ertrag. Nehmen wir hier 20% an.

Dann rechnen wir mal:

  1. Marktübliche Rendite: am Ende des Jahres ist der Fonds 1.050.000€ wert (1.000.000 + 5%). Macht 21.000€ für die Verwaltung des Fonds und nochmal 10.000€ Performancegebühr. Zusammen verdient der Fondsmanager also 31.000€

  2. Überperformance: der Fondswert beträgt 1.100.000€ (1.000.000 + 10%), macht 22.000€ Verwaltungskosten und nochmal 20.000€ Performancegebühr. Zusammen also ein Verdienst von 42.000€

Grundsätzlich hört sich das erst mal gut an. Der Fondsmanager hat ja immerhin 11.000€ mehr verdient, weil er sich auch mehr angestrengt hat.

Allerdings hat er gerade mal 35,5% mehr verdient, musste sich aber 100% mehr anstrengen. Das wird der Fondsmanager auch nicht lange mitmachen, es will ja schließlich keiner doppelt so viel arbeiten, bekommt aber dafür nur knapp mehr als ein Drittel mehr.


Finanzwesir sagt am 25. September 2014

Hallo Andreas, wenn man davon ausgeht, dass der Aufwand des Fondsmanagers und die zu erzielende Rendite nur bedingt korrelieren, dann wird das Bild noch düsterer.
Wenn ein Regaleinräumer beim REWE doppelt so lange arbeitet, hat der doppelt so viel Regalmeter aufgefüllt.
Doppelte Arbeitszeit = doppelter Lohn.
Beim Fondsmanager sieht das anders aus. Dem kann irgendeine Katastrophe, für die er nichts kann die Bilanz verhageln. Ein Krieg bricht aus, ein Ölbohrloch schlägt leck, ein terroristischer Anschlag und schon sind die Kurse am für ihn wichtigen Stichtag am Boden.
Womöglich hat er sich ganz doll angestrengt und geht jetzt trotzdem leer aus.

Gruß
Finanzwesir


Ralf sagt am 13. März 2018

Das Bild, das Du da zeichnest steckt leider voller Vorurteile und Klischees. Ich kann nicht für alle Fondsgesellschaften sprechen – aber ich kann Dir sagen, dass es so nicht sein muss und bei uns definitiv so nicht ist.
Wir wissen sehr wohl über die Verantwortung, die wir tragen. Es geht um das Ersparte von Menschen, die dafür im Regelfall hart gearbeitet haben. Wir sitzen hier alle in Jeans und Pulli. Ja, manchmal haben wir Termine mit anderen Bankern – dann ziehen wir auch mal einen Anzug an. Das ist noch immer die „Dienstkleidung“ vieler. Auch viele Ärzte tragen noch einen weissen Kittel. Aber wie gesagt, das ist selten der Fall.
Ein geleastes Auto sehe ich hier nie. Unsere Fondsmanager kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Roller im Sommer. Schon aus dem einfachen Grund, dass es in der Frankfurter Innenstadt keine bezahlbaren Parkplätze gibt.
Die meisten Mitarbeiter unserer kleinen Fondsgesellschaft kommen deshalb mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus dem Umland. Sie wohnen dort, weil sie von dort stammen und/oder die Immobilienpreise überschaubar sind / warten. Und ja, unsere Fondsmanager haben auch Kinder – aber nicht alle. Eben wie alle anderen Menschen auch, haben sie einen individuellen Lebensstil.
Das Klischee kam nicht vor. Nur zur Vollständigkeit halber: Unser Verhältnis Männer / Frauen ist ausgeglichen. Auch in der Geschäftsführung haben wir eine Frau.
Deine Beschreibung des Investmentstils ist Lichtjahre von unserer Realität entfernt. Wir haben klare Systematiken und Regeln nach denen investiert wird. Wir verwenden keine üblichen Prognosen auf DAX, Dollar, Gold und Co. Denn unsere Erfahrung sagt uns, dass die Prognosen von heute die Fehlprognosen von Morgen sind.
Alle Investmententscheidungen sind frei von persönlichen Überlegungen des Fondsmanagements. Die Bezahlung richtet sich nicht nach einer Benchmark.
Wir wollen das Geld unserer Kunden so gut es geht vermehren. Deshalb entwickelten wir auf wissenschaftlicher Grundlage unsere Systematiken. Wir wollen Verluste so weit wie möglich vermeiden, doch wir wissen auch, dass Märkte schwanken. Denn 10 Prozent Verlust brauchen 20 Prozent gewinn, um diese wieder auszugleichen. Deshalb ist für uns der Blick auf die Vola genauso wichtig wie die Rendite.
Wie wir investieren und warum wir das tun veröffentlichen wir und machen es für jeden zugänglich. Persönliche Präferenzen spielen keine Rolle. Sie sind sogar qua Definition ausgeschlossen. Und Nein, hier ist es keinem egal, wenn die Kurse sinken. Wir lieben unsere Jobs und versuchen das Beste für unsere Kunden rauszuholen. Wenn Du willst, kannst Du uns gerne mal besuchen kommen und Dir vor Ort ein Bild unserer Arbeit machen.

Viele Grüße

Ralf Droz
Veritas Investment, Frankfurt


ChrisS sagt am 13. März 2018

??

Drolliger Einwurf, man weiß garnicht wo man anfangen soll. Irgendwie scheint die Not in der Fondsbranche doch schon größer zu sein als gedacht, wenn hier noch auf einen Artikel von 2014 reagiert wird. Oder jemandem ist langweilig...

Ralf, dass ihr alle brav im Pulli mit dem Bus und gleichgestellt zur Arbeit kommt, sei euch ja geschenkt, das ist nur ein uninteressanter Nebenschauplatz. Eigentlich gehts hier ja nur um eins, das Investieren, und da kamen bis jetzt nur die Filetstücke vom Phrasenschwein. Den übrigen Finanz"medien" kann man so eine Copy aus der Marketingabteilung ja einfach hinknallen, aber hier sollte man darauf gefasst sein dass auch kritisch nachgefragt wird.

Um mal gleich konkret Butter bei die Fische zu machen und eine abstrakte "was taugt ihr überhaupt?"-Diskussion abzukürzen, hab ich mal die ISINs einiger eurer Fonds bei Morningstar durchgecheckt, und dort keinen entdeckt, der seine relevante passive Index-Benchmark langfristig geschlagen hatte.
(Falls ihr doch noch irgendwo einen Fonds dazu sonst im petto habt, holt ihn halt vor. Ansonsten sagt einfach selbst, wieviel Prozent eurer Fonds ihren Benchmark out- und wieviele unterperformen)

Jetzt stellt sich doch die Frage, nachdem du uns so blumig beschrieben hast wie toll eure Investmentprozesse sind, warum die Fonds im einzigen was zählt, der konkreten Praxis, so schlecht sind?
Ich bin gespannt auf die Erklärungen (wir beschäftigen uns hier ja schon länger mit dem Thema und haben schon alle Ausreden gehört, dass man daraus direkt ein Bingo zum ankreuzen basteln könnte).
Bekommen wir (wie von manch anderen Fondsanbietern, die ETFs kritisieren weil ihnen die Kunden weglaufen) so Kamellen wie "ach die letzten Jahre ist doch eh alles gestiegen, da kann man den Markt halt nicht schlagen" und "aberaber in der nächsten Krise werden wir dafür wenigstens das Kapital besser schützen können, versprochen!" zu hören?
Wenn ihr "das Geld der Kunden so gut es geht vermehren" wollt, müsstet ihr ihnen doch ehrlicherweise davon abraten in eure Fonds anzulegen, wo man Mehrkosten für Unterperformance bezahlt, und gleich zu den besseren ETFs verweisen.
Oder womit rechtfertigt ihr euer Abschneiden? Pitch' euern Mehrwert mal gegenüber der Community hier, die gleich selbst in die ETFs anlegt die eure Fonds outperformen, für welche Leistung sie euch die 1,8% laufende Kosten, 5% AA und 10% Performance Fee berappen sollen.
Ich versteh's echt nicht. Früher konnte man den Leuten, mangels Bildung und Alternativen, das vielleicht noch auftischen, das funktioniert aber gottseidank heut immer weniger.

"Denn 10 Prozent Verlust brauchen 20 Prozent gewinn, um diese wieder auszugleichen."

Autsch, das tut weh.
Gut dass du nur Director of Communications bist, denn wärst du Fondsmanager würde sich mit solchen Rechenfähigkeiten die schlechte Performance eurer Produkte ja erklären lassen.

Das Angebot, euch mal in Frankfurt bei der "Arbeit" zuzusehen, würde ich ja gerne annehmen, einfach nur um zu sehen was für eine "Arbeit" das überhaupt ist, die solche Ergebnisse produziert.


Tammo sagt am 13. März 2018

"Denn 10 Prozent Verlust brauchen 20 Prozent Gewinn, um diese wieder auszugleichen."

So ein Rechenfehler sollte einem Profi eigentlich nicht passieren!


CarstenP sagt am 13. März 2018

Wow, das sind aber krasse Management-Gebühren, wenn man 20% Gewinn braucht um 10% Verlust auszugleichen, da ist die Underperformance ja vorprogrammiert... ;)


42sucht21 sagt am 13. März 2018

@Ralf
Ich finde es gut und mutig wenn hier im Blog jemand mit Klarnamen Stellung bezieht pro klassische Investment-Fondsbranche. Dies führt zur Mehrwert und besserem Verständnis. Herzlichen Dank dafür!

Ich kann mir auch vorstellen, dass Ihre Schilderungen bezüglich der Arbeitsweise, der Menschen und der Motivation durchaus in Teilen der Branche zutreffen. Ich kann auch nachvollziehen, dass einem irgendwann sprichwörtlich der Hut hochgeht wenn immer über die bösen Investmentfonds und Geldverwalter geschrieben wird, wenn man selber doch anders ist.

Das Argument von @ChrisS (Danke für die Vergleichsarbeit! und den nicht zu langen Beitrag ;-) ist halt wirklich schwer zu schlagen - oder besser: es ist nicht zu schlagen. Außerdem würde ich persönlich mein Geld nicht investieren in Produkte eines Unternehmens, welches sich 'Veritas' nennt. Der Name erscheint mir nicht selbstbewusst sondern überheblich.


42sucht21 sagt am 14. März 2018

Nachtrag, zu @Ralf "Wir sitzen hier alle in Jeans und Pulli und fahren Bus."
Gerade auf Handelsblatt.com gelesen: "... beträgt das Durchschnittsgehalt der rund 3.800 DWS-Mitarbeiter 220.000 Euro." Wovon wird das nochmal bezahlt? Ach ja,.....


Das Buch zum Blog: 440 Seiten voller Informationen. Jetzt im Handel erhältlich.


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