09. Februar 2014


Was ist meine Zeit wert?

Ich möchte Ihnen hier einen kleinen Trick vorstellen, der mir sehr hilft abzuwägen, ob ich dieses oder jenes Ding jetzt wirklich unbedingt kaufen muss. In diesem Artikel geht es nicht um den Preis einer Sache, sondern um ihren Wert. Genauer gesagt darum, was sie mir wert ist.

Fangen wir an:

Kaufen bedeutet: Geld gegen Ware. Das Geld muss aber erarbeitet werden. Also bedeutet kaufen letztendlich:
Ich tausche Lebenszeit gegen Dinge.
Wenn etwas 50 Euro kosten soll, dann stellt sich die Frage: Wie viel Lebenszeit muss ich dafür aufwenden? Wie hoch ist mein Stundenlohn? Ich berechne den Stundenlohn aus dem Nettoeinkommen und der Bruttozeit.

Nettoeinkommen

Das Einkommen nach Abzug aller Steuern und Sozialabgaben, eben das, was am Monatsende auf dem Konto landet. Für diesen Artikel lege ich das monatliche Nettodurchschnittseinkommen der Deutschen zugrunde. Es lag 2012 bei 1.413 Euro. Soweit die Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Bruttozeit

Die Zeit, die ich jobhalber außer Haus bin. Also Arbeitszeit plus Mittagspause und Pendelzeit. Das sind alles berufsbedingte Aufwendungen, wie es so schön in der Steuererklärung heißt. Für dieses Beispiel setze ich einen Zehn-Stunden-Tag an. Acht Stunden reine Arbeitszeit, eine halbe Stunde Mittagspause und zwei Mal 45 Minuten Fahrzeit. Das Finanzamt erkennt 230 Tage Jahresarbeitszeit bei einer Fünftagewoche an. Das sind 19 Arbeitstage pro Monat. Damit kommen wir auf eine monatliche Bruttoarbeitszeit von 190 Stunden.

Stundenlohn

1.413 Euro Einkommen geteilt durch 190 Stunden zeitlichen Aufwand ergeben einen Netto-Stundenlohn von 7,44 Euro. Das bedeutet: Jeder 50-Euro-Schein hat im Durchschnitt einen Wert von knapp sieben Stunden Lebenszeit. Setzen Sie Ihre Zahlen ein. Ich würde mich sehr wundern, wenn Sie auf mehr als 20 Euro netto kommen.

Wozu das Ganze?

Ich habe kein Problem, einige mit Zahlen bedruckte Papierstückchen gegen ein neues tolles Handy zu tauschen. Aber wenn die Papierstückchen auf einmal mit Lebenszeit verknüpft sind, ändert sich meine Einstellung. Dann frage ich mich: Will ich wirklich 50 Stunden meines Lebens in so einen Plastiktand investieren oder kann ich mein Geld nicht wirkungsvoller einsetzen? Damit wären wir wieder beim Hauptthema dieses Blogs: Arbeite ich, um zu konsumieren oder arbeite ich für meine finanzielle Freiheit?

PS: Für 50 Stunden meines Lebens bekomme ich ein Handy im Wert von 372 Euro. Da ist maximal ein Modell von Huawei, dem Opel unter den Smartphones drin. Das billigste iPhone 5S kostet 699 Euro = 94 Stunden Lebenszeit (knapp 4 Tage rund um die Uhr malochen für ein Handy?).

(awa)

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Kommentare

pfennigfüchsin sagt am 23. Februar 2015

Du hast auch Arbeitsweg und Mittagspause eingerechnet. Das macht das eigene Geld sogar noch wertvoller. :-)
Schöner Beitrag!

Viele Grüße

Auf dem Blog von pfennigfüchsin gibt es hierzu diesen Artikel: 50% zu sparen ist nicht schwieriger als 30%


Finanzwesir sagt am 24. Februar 2015

Hallo Pfennigfüchsin,
na ja, wenn das Finanzamt es ok findet, das der Weg zur Arbeit in die Abteilung "Werbungskosten" gehört, dann darf ich das auch.
Was die Mittagspause angeht: Klar, kann man da auch kurz einige Besorgungen machen, aber eigentlich geht´s ja darum nicht unterzuckert in den Nachmittag zu starten.

Ansonsten: Ich hoffe, dass meine Töchter mit 27 auch solche Blog-Artikel schreiben oder zumindest schreiben würden.

Gruß
Xenopus


Dieter sagt am 05. März 2017

Hallo Xenopus,

Was ist meine Zeit wert (?) ist eine Frage, die mich seit gerauer Zeit beschäftigt. Aktuell beschäftigt mich diese Frage, da ich mich mit nunmehr fast 60 Jahren - was will der alte Kerl noch, wird mancher denken - ob es sich lohnt meine bald zahlungsreif gewordene Lebensversicherung in ETFs anzulegen. Man(n) weiß ja nie wie lange man noch lebt.
Nach den schon gelesenen Blogs lohnt sich eine Anlagezeit von mindestens 10 Jahren. Da ich keine Kinder und Verwandte mehr habe, die mich beerben können, würde bei plötzlichem Tod und ohne zuvor gemachtes Testament wohl alles dem Staate zugute kommen. Ich könnte mein Geld z.B. der Krebshilfe o.ä. vererben ... Am liebsten hätte ich natürlich selbst etwas davon.

Nun, die große Frage: Geld in ETFs anlegen oder verbraten?

Viele Grüße
Dieter


Reinsch sagt am 06. März 2017

Wenn du nicht gedenkst etwas zu vererben: Entnahmeplan basteln.

Alternativ mal Prognoserechner bemühen, was bei einer privaten Rentenversicherung mit Einmalzahlung so raus käme. Für den Fall, dass du älter wirst als kalkuliert...


Das Buch zum Blog: 440 Seiten voller Informationen. Jetzt im Handel erhältlich.


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