08. Februar 2014


Wie ich mich beinahe wie ein Volltrottel aufgeführt hätte

Wir waren letztens im IKEA und wollten neue Matratzen kaufen. Insgesamt für rund 1.100 Euro.
Unübersehbar: Die Plakate mit dem Aufdruck: IKEA schenkt Dir 10 %. Coole Sache, 110 Euro sparen, das machen wir. Klar, IKEA hat nichts zu verschenken, also was soll unsere Gegenleistung sein? Bezahlen mit der IKEA Family Bezahlkarte.

Ok, der Deal ist also persönliche Daten gegen 110 Euro. Da wir schon eine IKEA Family Karte haben, schien der Deal annehmbar. IKEA hat die meisten Daten schon, man bindet sich über die Karte ein bisschen mehr an den Möbelriesen, aber wir shoppen eh nicht gern, und das wird sich auch mit Bezahlkarte nicht ändern. Der Ad-hoc-Familienrat sagt: Risiko überschaubar, 110 Euro sind als Beute attraktiv, also ran an den Speck.
Als wir den Deal abschließen wollen, stellte sich heraus: Es werden nicht 10 % beim Einkauf abgezogen, sondern man bekommt einen Gutschein.
Ok, dann werden eben zwei Matratzen für 700 Euro gekauft und den 70-Euro-Gutschein nehmen wir als Anzahlung für die dritte Matratze. Schon nicht mehr sooo attraktiv, aber hey, wenn ich 70 Euro auf der Straße finden würde, würde ich mich auch bücken.
Nee, geht auch nicht. Man bekommt vier bis sechs Wochen nach dem Einkauf eine sogenannte Aktionskarte zugeschickt, die kann man dann binnen sechs Monaten einlösen.
Da haben wir’s dann aufgegeben, verarschen können wir uns selbst. IKEA will, dass wir eine Bezahlkarte nehmen und dafür unsere persönlichen Daten preisgeben, und was bekommen wir dafür: Nichts, keinen Cent, nur Extrageschäft!

  1. Der ganze Umsatz bleibt im Haus. Ich kann mir irgendwelchen zusätzlichen Tand aussuchen, den ich eh nicht brauche. IKEA berechnet mir für den China-Schrott den regulären Verkaufspreis, muss aber nur den Einkaufspreis dafür ansetzen. Das heißt, eine Aktionskarte kostet IKEA vielleicht 10 % bis 20 % des Nennwertes.
  2. IKEA greift in meine Lebensplanung ein, indem ich gezwungen werde, in den nächsten sechs Monaten genau diesen IKEA zu besuchen, wenn ich meinen Gutschein einlösen will. Ich muss das im Hinterkopf behalten und den Trip planen. IKEAs sind nicht gerade für ihre gute Erreichbarkeit bekannt ‒ selbst ein Blitzbesuch frisst einen halben Tag. Wenn ich dann schon mal da bin, ist die Chance hoch, dass ich auch mehr als nur die Aktionskarte einlöse. Den Besuch im Restaurant kann IKEA auf jeden Fall als Zusatzumsatz verbuchen.

Was für eine perfide Strategie, sich über Monate im Kopf der Kunden zu verankern. Und das für ‘n Appel und ‘n Ei.

Wie ging’s aus?

Wir haben uns das mit den drei Matratzen noch mal überlegt, und uns dann eine Matratze zum vollen Preis liefern lassen.

Der Gutschein, so wie man ihn im Web findet. Gut aussehend, aber toxisch.

Der IKEA-Gutschein: Sieht gut aus, ist aber toxisch

(awa)

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Abgelegt unter Basics, Sparen, Gutschein, IKEA



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Kommentare

Olaf sagt am 12. Dezember 2015

Hallo, eine Alternative wären vielleicht drei Antikartellmatratzen für je ca 200 Euro (?) gewesen, dazu müßte man sich eine interessante Reportage ergooglen können (vielleicht WISO oder so). Viele Grüße, Olaf


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