14. Januar 2016


Leserfrage: Bausparer als Tagesgeld-Ersatz ‒ gute Idee?

Leser G. fragt

Ich habe einen alten Bausparvertrag, der nicht bespart wurde. Ich wollte ihn eigentlich kündigen, hatte aber überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre, ihn zum Sparen zu verwenden.
Der Sparzinssatz liegt bei 2 %. Ich habe nicht vor, das Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen (zumal der Darlehenszinssatz bei 5,3 % liegt).
Allerdings liegt die Bausparsumme bei nur 25.000 Euro, diese müsste ich auf jeden Fall erhöhen.
Ist das auch nur ansatzweise sinnvoll oder sollte ich für den risikoarmen Investitionsanteil wie bisher auf Tagesgeld und Festgeld setzen?

Der Finanzwesir antwortet

Hm, Bausparer, da habe ich so gar keine Ahnung. Deshalb kann ich dazu nur etwas auf der Meta-Ebene sagen:

  1. Bausparverträge haben eine Menge Kleingedrucktes. Das muss man lesen und verstehen.
  2. Bausparverträge sind dafür da, dass man irgendwann das Bauspardarlehen in Anspruch nimmt. So kalkulieren die Bausparkassen.
  3. So wie er jetzt ist, passt der Vertrag nicht. Die Summe soll auf jeden Fall erhöht werden.

Um einen Zinssatz von 2 % zu erlangen, will G. den Vertrag umschmieden und aufbohren.

Was haben wir an Alternativen?

Aktuell gibt’s Tagesgeld bei seriösen Banken mit belastbarer Einlagensicherung zu 1 Prozent, Festgeld zu 1,2 bis 1,5 Prozent (die kritischen Anleger wissen mehr).
Wir betrachten ein Zinsdelta von 0,5 bis 1 Prozent.
25.000 Euro sind zu wenig, vervierfachen wir die Summe auf 100.000 Euro. Ein voll besparter Vertrag würde dann jedes Jahr zwischen 1.000 und 500 Euro mehr abwerfen als Tages- oder Festgeld.

Aufgaben für Leser G.

  1. Um wie viel Geld geht es konkret? Die 100.000 Euro bei maximalem Zinsdelta sind meine Abschätzung nach oben. Wenn es "nur" um 30.000 Euro bei einem Zinsdelta von 0,5 % geht, reden wir von 150 Euro pro Jahr, die noch versteuert werden müssen.
  2. Wie gebunden ist das Geld? Entspricht der Bausparer zwei-, drei- oder fünfjährigem Festgeld?
  3. Wenn ich das richtig verstehe, sind die 2 % fix. Wenn die Zinsen wieder steigen, schmilzt das Vorteils-Delta dahin. Wie wahrscheinlich ist dieses Szenario?
  4. Wie wird die Bausparkasse darauf reagieren, wenn der Vertrag als Sparbuch genutzt wird? Gibt es da irgendwelche Fallstricke, wenn das Bauspardarlehen nicht in Anspruch genommen wird?
  5. Erlaubt die Bausparkasse überhaupt ein Aufstocken?

Wenn alle Karten auf dem Tisch liegen, kommt die wirtschaftliche Abwägung: Lohnt sich der Aufwand?

G.s Hauptproblem

Grundsätzlich ist es immer charmant, Dinge zu "hacken", also anders einzusetzen, als es sich der Anbieter vorgestellt hat. Das zeugt von Mut, Intelligenz und Abenteuerlust.
Kreative Lösungen sollte man nicht gleich verwerfen, nur weil sie unkonventionell sind.
Aber in solchen Fällen gilt der Spruch:

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren gesunden Menschenverstand.

G. muss die Seiten wechseln und die Position der Bausparkasse einnehmen. Für die Bausparkasse ist G. kein listiger Hacker, sondern ein lästiger Blutsauger.
Das Geschäftsmodell der Bausparkassen ist nicht auf eine jahrelange Zinsdürre ausgelegt, und wenn die Brunnen versiegen, wird die juristische Abteilung schon mal fantasievoll.
Die FAZ berichtet von einer Bauspar-Kundin, die ein mit 2,5 % verzinstes Guthaben von rund 30.000 Euro besitzt und nie die Zuteilung eines Baudarlehens beantragt hat. Diese Frau nutzt ihren Bausparer so, wie G. es auch vorhat. Was tut die Bausparkasse?
Sie schickt der Kundin einen Brief: "Ab sofort werde man für die Bereithaltung des Darlehensanspruchs 2 Prozent im Jahr verlangen." Die Bausparkasse nennt diese Bereitstellungszinsen, die von der Frau gezahlt werden sollen, in ihrem Schreiben "Zinsausgleich".
Tschakka!
Jetzt geht der Tanz los: Widerspruch einlegen, Verbraucherzentrale aufsuchen, Rechtsanwalt konsultieren.

Fazit

Bei jedem Hack müssen Sie sich in die Situation des Gehackten versetzen. Wie wird er reagieren?

  • Ist der Aufwand, Ihren Hack zu durchkreuzen, größer als der Schaden, wird man Sie gewähren lassen.
  • Bedroht Ihr Hack das Geschäftsmodell der Firma, werden die juristischen Kettenhunde von der Leine gelassen.

Argumente wie:

  • Was ich mache, ist nicht verboten.
  • Es ist nicht rechtens, wenn die Firma einfach die AGB ändert oder mit juristischen Winkelzügen kommt.

sind belanglos. Wenn die Firma Ihr Verhalten als Bedrohung sieht, wird sie alles daran setzen, Sie loszuwerden.
Wedeln Sie nicht mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch, sondern denken Sie wie die Typen aus „Game of Thrones“ oder „House of Cards“.

Die Frage ist: Wie viel Stress können und wollen Sie sich leisten?

Zum Schluss ein Witz:
Ein Italiener und ein Deutscher kommen an die Himmelspforte. Petrus fragt: "Was hat euch hergeführt?"
Der Italiener: "Die Nachbarin ‒ bella donna! Leider kam ihr Ehemann zu früh nach Hause …"
Der Deutsche: "Ich hatte Vorfahrt."

(awa)

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Kommentare

Rechenknecht sagt am 14. Januar 2016

Ich möchte zwei Gedanken teilen, die mir spontan kamen, als ich den Artikel las:

a) Die Bausparkasse wird kaum der Erhöhung bei 2% Guthabenzins zustimmen. Wenn doch, dann werden sicher Abschlusskosten (typischerweise 1% der Gesamtsumme) fällig. Außerdem wird bei neueren Verträgen gern eine Höchstspardauer (z.B. 12 Jahre) vereinbart. Danach muss ein Kredit genommen werden, oder das Guthaben wird ausgezählt.

b) Wird ein zuteilungsreifer Bausparvertrag ausgezahlt (=aufgelöst), dann gibt es nur die ganze Summe. Also nix mit 5.000€ entnehmen zum rebalancen.


Andi7 sagt am 14. Januar 2016

Wenigstens bis zur Ansparhöhe kann der Bausparvertrag problemlos wie gewünscht genutzt werden.

Die Ansparhöhe beträgt in der Regel ca. 40%-50% der Bausparsumme – in dem obigen Fall also 10.000-12.500€. Auch wenn dieser Betrag auf einen Schlag eingezahlt wird, vergeht bis zur Zuteilung einiges an Zeit (mind. ein halbes Jahr). Wenn man den Einzahlungsbetrag sagen wir mal 5% darunter setzt, so kommt man über 2 Jahre in den „Genuss“ von 2% Zinsen. Ohne, dass irgendjemand für eine Strafaktion mobilisiert wird.

Die Kündigungszeit in der Ansparphase beträgt in der Regel 3 Monate. Also eher mit Festgeld als Tagesgeld vergleichbar.

Von der Erhöhung der Bausparsumme würde ich auch abraten.

Auf dem Blog von Andi7 gibt es hierzu diesen Artikel: Andi7


Sunny sagt am 14. Januar 2016

Ich bin keine Expertin auf dem Gebiet, aber ich habe mal eine Weile VL in einen Bausparvertrag eingezahlt. Irgendwann brauchte ich das Geld für meinen Hauskauf, wollte aber kein Darlehen. Die Auszahlung war soweit kein Problem, es wurden aber irgendwelche Abschläge abgezogen. Ich würde mich also erkundigen, ob sowas in diesem Fall auch so wäre, dass bei Auszahlung irgendwelche Gebühren fällig werden. Denn ich denke mal, dann lohnt es sich wirklich nicht.

Wäre in diesem Fall nicht Festgeld sinnvoller ? Es handelt sich ja offenbar nicht um den Notgroschen, der jedezeit verfügbar sein muss, denn das ist beim Bausparvertrag ja auch nicht der Fall. Die Festgeldzinsen sind zwar auch nicht der Brüller zur Zeit, aber an 2% kommt man auch ran, zumindest fast. Und man hat sicher keine Zusatzkosten.

Viele Grüße Birgit


Oliver sagt am 14. Januar 2016

Soweit ich das früher gelernt habe, ist der Abschluß oder die Erhöhung eine Vertrages verprovisioniert. Wenn man das richtige sagt, sollte es zwar kein Problem sein den maximalen Betrag zu erhöhen, aber dafür wird die Prämie einkassiert.
Natürlich ist das Ansparen ohne Darlehen eine Zweckentfremdung und die Gesellschaft wird versuchen, dich loszuwerden, wenn sie realisiert, dass Du an dem Darlehen kein Interesse hat. Die Bausparkassen sind in der Niedrigzinsphase sowieso unter Druck, da der Sollzins nicht konkurrenzfähig ist.
Für angehende Hausbauer sind Bausparverträge in Hochzinsphasen interessant und weil diese Darlehen keiner weiteren Besicherung mehr bedürfen. Dafür müssen sie schneller zurückgezahlt werden als normale Darlehen.
Wofür die Erklärung? Bausparkassen sind seid Jahren unter Druck, damit sie profitabel arbeiten können. Die brauchen keine Leute, die versuchen, einen Festzins, der höher als Festgeld ist zu erlangen. Es ist überhaupt fraglich, ob Du den bestehenden Vertrag erhöhen kannst oder dafür anstelle einen neuen weiteren abschliessen musst.

Wegen dem bisschen Zins legst Du dich im Gegenzug langfristig fest und das wäre wirklich nicht sonderlich schlau.
Finanzwesir hat das Delta sehr gut errechnet, was Du mehr bekommst. Da ist die Frage gerechtfertigt, ob sich für das bisschen Mehrgeld dieser ganze Aufwand lohnt.
Wenn Du das Geld langfristig anlegen möchtest, gibt es eine ganze Menge anderer Möglichkeiten, die wesentlich schlauer sind und wo Du über das Geld schnell verfügen kannst, wenn Du musst.
Ich würde dir davon abraten: Zu wenig Ertrag für zuviel Aufwand.


Philipp sagt am 14. Januar 2016

Bausparkassen könne eine Erhöhung der Bausparsumme verweigern. Wenn doch müssen Gebühren bezahlt werden. Ob diese von der Steuer abgesetzt werden können weiß ich nicht. Also benötigst du, wenn nicht von der Steuer absetzbar, diesen Betrag nach steuern. Erst wenn du diesen Betrag erwirtschaftet hast lohnt sich das Vorgehen.

Der Regel sparbeitrag sind 5 Promille also beim 25.000€ wären dies 125€ was man monatlich einbezahlen kann. Alles was darüber hinaus geht wird zurücküberwiesen oder der Betrag wird einfach nicht mehr abgebucht. Dadurch sind die einmalig großen Einzahlungen nicht mehr möglich.

Außerdem gibt es bei vielen Bausparverträgen einen Bonus wenn man auf das Darlehen verzichtet. Überschreitet die eingezahlten Beträge plus Zinsen plus bonuszinsen deine Bausparsumme verfallen die Bonus Zinsen also hier aufpassen.

Daher meiner Meinung nach nur bedingt als Tagesgeld bzw. Festgeldersatz geeignet.


Ex-Studentin sagt am 14. Januar 2016

Die früheren Bausparverträge sind durchaus eine Alternative zum Festgeldkonto. Man muss letztlich aufpassen, dass man diese nicht überspart und dann gekündigt werden.
Bei Verträgen mit sehr hohen Zinsen (z.B. 4%) machen es manche so, dass sie nichts mehr einzahlen und den Vertrag über die Jahre nur mit den Zinsen füllen. Ebenso sollte man rechtzeitig kündigen, wenn sonst eventuell vereinbarte Bonuszinsen flöten gehen. Ich habe selbst einen Bausparer, obwohl ich von Anfang an dabei nicht an das Darlehen gedacht habe.

Gilt wie gesagt leider nur für etwas ältere Verträge. Zu den jetzigen Konditionen halte ich Bausparverträge unsinnig.

Auf dem Blog von Ex-Studentin gibt es hierzu diesen Artikel: Meine Generation hat Angst vor der Nicht-Rente


Couponschneider sagt am 14. Januar 2016

Mich überzeugt das Konzept des Bausparens einfach nicht; das ist unabhängig von den Zinsen. Was spricht dagegen, normal zu sparen und dann zu bauen, wenn genug Geld da ist und Fremdkapital auch noch besorgt werden kann?


Mark sagt am 14. Januar 2016

Wollte meinen Bausparvertrag vor ein paar Jahren auch als Festgeld-Alternative „hacken". Hat leider nicht so funktioniert, wie ich mir das gewünscht hatte. Über den vereinbarten Ansparbetrag ging nix. Lass das Geld als Polster momentan bei 2 % p.a. liegen.


Philipp sagt am 14. Januar 2016

Neben der zinssicherung ist ein weiterer Vorteil dass für den Kredit der Bausparvertrages keine Sicherheiten vorgelegt werden müssen. Dadurch hat man für die anderen Kredite mehr Sicherheiten(Grundschuld) und bekommt evtl nen besseren Kredit


Philipp von Investment Amad€ sagt am 15. Januar 2016

Hallo Albert!

Ich schließ mich deiner Meinung an: "Kleingedrucktes Lesen!".
Trotzdem kann es natürlich passieren, dass die Bank einen hinausekeln möchte.
Also ich würde mich darauf nicht einlassen. Und das obwohl ich sehr risikotolerant bin. Ich hätte keine Lust, mich gerichtlich gegen die Bank behaupten zu müssen.
Deshalb bleib ich bei meinen Aktien als Geldanlage. Und meinen Notgroschen lasse ich auf meinem Tagesgeld Konto.

MFG Philipp


goodmixwilldo sagt am 15. Januar 2016

Moin zusammen!
Ich denke, man sollte das Prinzip Bausparen nicht pauschal verteufeln. Ich hab auch noch zwei alte Verträge mit ganz anständigen Zinsen. Allerdings schon damals die Option mit dem höheren Sparzins gewählt, zusätzlich noch nen Bonus, wenn ich auf's Darlehen verzichte.
Das ist Renditemäßig immer noch nicht der Burner, allerdings ne sichere Sache. Momentan freue ich mich über die gute Verzinsung und meine VL wissen auch, wohin sie gehen können.

Allerdings glaubt doch im aktuellen Zinsumfeld niemand ernsthaft, einfach die Bausparsumme eines 2-Prozenters aufstocken zu können. Vergiss es!

Mein Tipp wurde oben schon im Ansatz erwähnt: Zahle eine Summe kurz unter der Zuteilung (also an der Bausparsumme nichts ändern) und kümmere dich nicht weiter drum.
Nimm die zwei Prozent mit, solange es geht, wenn auch nur für diesen kleinen Betrag. Die BSK wird rechtzeitig mit diversen Angeboten auf dich zukommen (Auflösen, Übertragen in neuen Vertrag oder womit die sonst gerade verdienen können.)
Aber kündigen würde ich den nicht, schließlich kann geschätzter Leser G. hier Zweimarkfünfzig mitnehmen. Rest in Fest- oder Tagesgeld (je nach gewünschtem Liquiditätsgrad) und gut ist. Viel Kleinvieh macht auch Mist...

gmwd


Lothar sagt am 15. Januar 2016

Deine Aussage "Grundsätzlich ist es immer charmant, Dinge zu "hacken", also anders einzusetzen, als es sich der Anbieter vorgestellt hat. Das zeugt von Mut, Intelligenz und Abenteuerlust.
Kreative Lösungen sollte man nicht gleich verwerfen, nur weil sie unkonventionell sind."

Solche Zweckentfremdungen, kreative Gestaltungen sind nach meiner Erfahrung eine Quelle der Probleme, die wir im Finanzbereich sehen.
Jede noch so klare und sinnvolle Idee wird ad absurdum geführt (oder "gehackt" wie das jetzt wohl Neudeutsch heißt).
Die Folge sind immer undurchsichtigere Konstruktionen, versteckte Kosten, versteckte Risiken und immer neue Gesetze und Verordnungen um alles zu regeln.
Und am Ende wundern wir uns als Verbraucher, das da niemand mehr durchblickt. Schlimm genug, dass die Banken und Versicherungen so agieren, dass wir das als Verbraucher noch befeuern ist wenig hilfreich.


maultasch sagt am 15. Januar 2016

Die Abschlussgebühr des Bausparvertrags (BV) wurde damals bezahlt?? Wenn ja, wäre der Vertrag mit 250 Euro im Minus?!?! Ein Vertrag im Minus ist wahrscheinlich nicht zu kündigen?!?!
Ich fahre gerade ein ähnliches Modell mit einem Altvertrag. Wobei ich das nicht als "hacken" bezeichnen würde. Der Vertrag wurde damals so abgeschlossen, weil auch die Bausparkasse (in der Folge = BSK) mein Spargeld wollte. Der Verzicht auf ein Darlehn ist ausdrücklich vorgesehen und wird sogar mit einem "Bonuszins" belohnt.
Also mache ich genau das, was meine BSK von mir wollte. Was ist daran falsch?
Für unsere WEG hatten wir vor vielen Jahren einen BV mit 4% Sparzins - weil es die BSK so wollte und der Vertrag auch als Vertrag für "Nichtdarlehensnehmer" angepriesen/verkauft wurde!!
Drei Probleme sehe ich aber. Die BSK wird vermutlich größere Einzahlungen ablehnen. Wobei es bei 2% Guthabenzins auf einen Versuch ankäme. Die monatlichen Einzahlungen mit dem Regelsparbeitrag geben halt kein Stück.
Zweitens bin ich ziemlich überzeugt, dass die BSK nie und nimmer einer Erhöhung der Bausparsumme zustimmen wird, selbst wenn es dafür noch eine Abschlussgebühr gibt.
Ein weiterer Fallstrick könnte die "Pflicht" zur wohnwirtschaftlichen Verwendung sein. Da kenne ich mich aber bei neuen Verträgen nicht aus. Mein Vertrag ist ein "Alt-Alt"-Vertrag, für den diese Beschränkungen nicht mehr gelten.
Mein Bankverkäufer hat vor einiger Zeit auf Nachfrage eingeräumt, dass die BSK mindestens 80% der Bausparsumme als Guthaben akzeptiert (es soll halt ein "messbarer" Darlehnsbetrag möglich sein).
Wenn ich aktuellen Verfahren aber richtig verfolgt habe, wurden vor allem Altverträge durch die BSK gekündigt, die vollgezahlt waren. Ansonsten, vielleicht vorsichtig beim Bankverkäufer oder BSK-Repräsentanten nachfragen, was möglich ist.
Vielleicht möchte Leser G. ja doch renovieren, eine neue Küche kaufen oder die Hofeinfahrt richten oder plant die WEG vielleicht was :-) ?

Einfach mal den BV-Vertrag lesen, Fallstricke und Bindungsfristen suchen und wenn alles passt --- 2% auf 20.000 Euro sind nicht so übel (da das Guthaben normalerweise mit Zeitverzug ausbezahlt wird, verglichen mit einer 3-6 Monatsanlage).


Hartmut sagt am 16. Januar 2016

Es gibt übersichtlichere Arten, Geld anzulegen, als einen Bausparvertrag. Und lukrativere. Und flexiblere. Ich sehe drei Hauptrisiken:

  • das Kleingedruckte nicht richtig gelesen zu haben
  • das Leben ändert sich und die Planung von Ansparphase, Zinsphase, Auszahlung passt nicht mehr
  • was ist, wenn alle "das braucht die Zustimmung der Bank!" im Kleingedruckten abgelehnt werden?

Für einen Baukredit ist ein Bausparvertrag eine von den flexibleren Lösungen.

Einen Bausparer zum Sparen und nicht zum Bauen zu verwenden, also den Kredit nicht einzuplanen, ist vorgesehen, es gibt sogar spezielle Tarife dafür. So weit wird die Bausparkasse auch mitspielen müssen.
Das hat mit Hacking noch nichts zu tun.

Aus den alten Verträgen mit hohen Zinsen wird man zur Zeit aktiv herausgeschoben.
Im genannten Fall die Bausparsumme erhöhen -- kann klappen, Fragen kostet nichts, aber Nachrechnen ist Pflicht.

Aber wichtig sind auch die Bedingungen, unter denen man an das Geld (und an die hohen Zinsen) kommt. Bei mir (Ich habe vor 10 Jahren einen Bausparer als Teil der Hausfinanzierung abgeschlossen) sind es

  • erst mit Zuteilungsreife plus Darlehensverzichtserklärung plus Wartezeit gibt es die hohen Zinsen
  • aber nur solange der Gesamtbetrag deutlich unterhalb der Bausparsumme bleibt (es muss ein wirklicher Darlehensverzicht sein!)
  • wenn ich das Geld haben will, muss ich mit etwa 2 Monaten bis zur Auszahlung rechnen.
  • Und die Abschlussgebühr von 1% der Bausparsumme wirkt natürlich bei 1% Guthabenszins auf das Angesparte anders als bei 4 oder 5%. Aktuell werden bei Bauspartarifen "zum Einstieg und Vermögensaufbau" 0,1% + 0.65% Zinsbonus geboten.

Mein Tip: bei 2% Zinsen -- und die Abschlussgebühr ist sowieso bezahlt -- laufen lassen bis das Geld gebraucht wird. Wenn es unter bestimmten Bedingungen mehr Zinsen gibt, dann ganz genau lesen. Aber Bausparsumme erhöhen? Wenn sich das lohnen würde, macht die Bausparkasse nicht mit. Rechnen können die auch.

Hartmut


mikel sagt am 17. Januar 2016

ich habe auch einen alten bausparvertrag aus dem Jahre 1995 mit 3% Verzinsung.
Vertraglich geregelt war damals, dass die Bausparsumme von bislang DM 10.000 auf DM 50.000 erhöht werden kann.
Die Bausparkasse selbst wollte das zunächst auch nicht glauben, ist aber so geregelt.
Diese Erhöhung hat mich 1% des Erhöhungsbetrages dh € 200,00 gekostet. Monatlich können max. 3 Promille eingezahlt werden dh € 75 bzw € 900 jährlich.
Ich verwende das Ganze jetzt als sicheren Teil der Geldanlage, zumindest teilweise, weil die ja nur die € 900,00 annehmen. Ich seh da keinen Nachteil, vor allem unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ich für sicheres Geld sonst nur 1/3 bekomme.
mikel


Christian sagt am 20. Januar 2016

"Wir betrachten ein Zinsdelta von 0,5 bis 1 Prozent."

Prozentpunkte! Prozent ist etwas anderes...


Maciej sagt am 21. Januar 2016

Wurde glaube ich noch nicht erwähnt: Es gibt ggf. auch noch die Möglichkeit, ein paar staatlche Zuschüsse für den Bausparvertrag einzustreichen, und zwar die Wohnungsbauprämie.
Leser G. hat leider nichts über seine/ihre finanzielle Situation geschrieben, deshalb ist nicht klar, ob diese hier beantragt werden kenn.
Die maximale Höhe im pro Jahr beträgt auch nur 45 bzw. 90 (bei Ehepaaren) Euro. Aber sofern die Voraussetzungen erfüllt sind, kann man ja mitnehmen, was geht ;)


finanzgorilla sagt am 28. Februar 2016

Besonders diese vertraglichen Bindungen sind mir persönlich zu stressig.
Ich mache es da eher wie Philipp von Investment Amad€:
Aktien aka ETFs und Tagesgeld. Bringt vllt. nicht die effizienteste Rendite, aber erspart mir viel zusätzlichen Stress. Ich mag es eher simpel und effektiv.

Gruß
Thomas


Polli1209 sagt am 28. Oktober 2018

Ich denke, ein alter Bausparer, der noch gute Zinsen hat, älter als 10 Jahre ist und zuteilungsreif ist, kann als Ersatz für ein (schlecht verzinstes) Tagegeld herhalten.
Denn wenn er zuteilungsreif ist, kann eigentlich jederzeit die Darlehensverzichterklärung unterschrieben werden und um sofortige Auszahlung des Guthabens inkl. Zinsen (und Bonuszinsen, wenn welche vereinbart sind) gebeten werden.
Somit hat man die Liquidität eines Tagegeldes (auch, wenn man natürlich keine Teilauszahlungen machen kann) für einen "Notgroschen", aber eine deutlich bessere Verzinsung, von der man noch - zumindest bis 10 Jahre nach Zuteilungsreife - profitieren kann.

Ich selber habe so einen alten Bausparer, Bausparsumme ist 35.000 Euro, er ist von 2003, also schon echt alt, wurde aber sehr unregelmäßig bespart, so dass bisher gerade mal ca. 10.000 Euro angespart sind.
Aber er ist mit 2% verzinst plus einem Bonus von 2,25% bei Verzicht auf das Darlehen (rückwirkend!). Regelsparbeitrag ist 105 Euro. Er ist jetzt seit 1,5 Jahren zuteilungsreif, ich lasse ihn aber weiterlaufen, bespare ihn auch weiter mit dem Regelsparbeitrag, solange es noch geht und mir nicht die Kündigung durch die Bausparkasse droht.
Ich kann ihn locker noch die nächsten 8 Jahre weiterbesparen bzw. das Geld als "Tagesgeld" bzw. Liquiditätsreserve liegen lassen und die Zinsen kassieren, ohne, dass die Bausparkasse was dagegen machen kann.

Von daher ist das auf jeden Fall eine Möglichkeit, einen Bausparer zu "hacken", also zu zweckentfremden.
Wobei ich den Bausparer damals auch eher zum Sparen als zum Bausparen angefangen habe

VG
Polli1209


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