20. März 2018


Wie funktioniert Companisto?

Wie allgemein bekannt ist, bin ich eher oldschool was Geldanlagen angeht. Mit Crowdfunding, P2P habe ich mich nie so richtig anfreunden können. Aber das ist belanglos, denn in der Tradition des literarischen Salons ist jedes interessante Thema willkommen.
Deshalb freue ich mich sehr, dass Tamo Zwinge - einer der beiden Companisto-Gründer - sich die Zeit genommen hat meine garstigen Fragen zu beantworten.
Danke Tamo Zwinge.

Die Chefs

Eine Firma wird maßgeblich durch die Ansichten der Chefs bestimmt. Deshalb: Einige Worte über Sie. Was haben Sie vor Companisto gemacht und inwieweit qualifiziert Sie das für die Gründung einer Crowdfunding-Plattform?
Tamo Zwinge: Bevor ich Companisto 2012 gegründet und seit dem als Geschäftsführer geleitet habe, war ich mehrere Jahre als Rechtsanwalt in der internationalen Großkanzlei CMS Hasche Sigle im Bereich Gesellschaftsrecht, Unternehmenstransaktionen und Private Clients tätig. Aufgrund meiner Kompetenzen verantworte ich im Besonderen die rechtliche Ausgestaltung von Companisto und die stetige Optimierung des Companisto-Modells auf Anschlussfinanzierungen durch Venture Capital-Gesellschaften.
David Rhotert ist der zweite Mitgründer von Companisto. Er hat sich als selbständiger Rechtsanwalt auf die Beratung von Startups spezialisiert. Er hat an der Freien Universität Berlin Rechtswissenschaften studiert, arbeitete beim Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages, um im Anschluss für einige Zeit in der Rechtsabteilung eines deutschen Großkonzerns in Peking tätig zu sein. Zusammen mit David Rhotert habe ich 2001 das Berliner Startup „Partycard“ gegründet und dieses bis zum Beteiligungsverkauf im Jahr 2005 geleitet.
Ich habe an der Freien Universität Berlin Rechtswissenschaften studiert und absolvierte mein Referendariat in Berlin und Pretoria, Südafrika. Anschließend erwarb ich einen Master of Laws (LL.M.) im Commercial Law mit den Schwerpunkten International Company and Capital Markets Law, Corporate Governance und International Sales and Finance an der University of Auckland, Neuseeland. Ich habe international, unter anderem in den USA und England, zu Corporate Governance-Themen veröffentlicht.
Sehr gute Ideen, Innovationen voranzubringen und vielversprechende Gründerteams den Weg zubereiten ist unsere Leidenschaft. So ist die Vision, die wir mit der Crowdinvesting-Plattform Companisto umsetzen, der logische Schluss. Großartiger Weise profitieren auch noch eine Vielzahl von Menschen davon – die Companisten.

Der Firmensteckbrief

Companisto ist eine führende Crowdinvesting-Plattform in Europa. Wir ermöglichen Investoren, in vielversprechende Wachstumsunternehmen und Startups zu investieren. Unser Anspruch an uns ist es dabei, nur höchste Qualität zu bieten. Bewusst setzen wir dabei auf Klasse statt Masse und konzentrieren uns auf ausgewählte Investmentchancen, die sich auf Companisto den Investoren präsentieren. Hierfür arbeiten wir mit einer Reihe von renommierten Business Angels, Corporate Finance Spezialisten und Venture Capital-Gesellschaften zusammen.

Wie viele Firmen wurden bis jetzt finanziert? Mit welchem Volumen in Summe, pro Firma (von, bis)? Aus welchen Branchen?
Tamo Zwinge: Bisher wurden 78 Firmen mit einem Gesamtvolumen von rund 46 Millionen Euro finanziert (Stand: 31.12.2017). Die Größe der Finanzierungen variiert deutlich. Etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen sammelt zwischen 100.000 und 300.000 Euro ein.
Rund ein Drittel der bisherigen Finanzierungsrunden liegt zwischen 300.000 Euro und 1 Million Euro.
15 Prozent der bei uns finanzierten Unternehmen konnten mehr als 1 Million Euro von der Crowd einsammeln.
Die finanzierten Unternehmen stammen aus fast allen Wirtschaftsbereichen. Besonders häufig vertreten sind Handel & E-Commerce (19 Prozent), industrielle Technologie & Hardware (15 Prozent), Narhungsmittel (15 Prozent), Software-as-a-Service (12 Prozent) und Mobile & Web Applications (9 Prozent).

Wie viele Leute arbeiten bei Companisto?
Tamo Zwinge: Derzeit arbeiten 31 Leute bei Companisto.

Wann gegründet?
Tamo Zwinge: 2012

Warum gegründet? Selbst kein Geld bekommen über die traditionellen Kanäle für eine vorherige Gründung?
Tamo Zwinge: Companisto ist unsere zweite Gründung. Tatsächlich haben wir bei unserer ersten Gründung "Partycard", einem Rabattsystem für Club- und Bargänger, kein Kapital über die klassischen Kanäle bekommen. Unsere Bank wollte Sicherheiten sehen, die wir damals nicht vorweisen konnten. Wir konnten die "Partycard" dank finanzieller Unterstützung von Freunden und Familie trotzdem ins Leben rufen und zum Erfolg machen.
Der frustrierende Moment der Kapitalsuche blieb uns im Gedächtnis – so entstand die Idee zu Companisto. Wir wollten, dass es für Gründer bei der Suche nach Startkapital zu nur noch darauf ankommt, ob ihre Geschäftsidee und ihr Produkt gut genug sind und nicht mehr darauf, welche Beziehungen und Netzwerke sie haben.

Geschäftsmodell? Womit verdient Companisto sein Geld?
Tamo Zwinge: Wir verdienen dann Geld, wenn Startups bei uns Geld einsammeln, durch eine Provision auf das eingesammelte Kapital. Außerdem profitieren wir, wenn unsere Investoren profitieren.
Dann erhalten wir eine Carry-Fee auf ausgezahlte Gewinne. Entsprechend sind wir bemüht die Startups und Gründungsideen zu unterstützen, die wirklich eine Chance am Markt haben.

Der Anleger

Wenn ich die Web-Site aufrufe stellt sich Companisto mit den Worten vor:

"Companisto ist eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten mit Pioniergeist, die es sich zum Ziel gemacht haben, Innovationen den Weg zu bereiten. Im Erfolgsfall erzielen sie mit ihren Investitionen in Startups eine Rendite."

Die Reihung der Schlüsselwörter gibt mir zu denken

  1. Gemeinschaft von Gleichgesinnten
  2. Pioniergeist
  3. Innovation
  4. Erfolgsfall
  5. Rendite

Wie muss ich mir den typischen Anleger vorstellen?
Tamo Zwinge: Diese Frage hat uns auch interessiert, deshalb haben wir 2017 eine Erhebung dazu gemacht.
Der typische Crowdinvestor auf Companisto ist männlich, Ende vierzig, angestellt oder selbstständig, verfügt über ein hohes Einkommen und besitzt bereits Investmenterfahrung.
Laut unserer Investorenbefragung verfügen die meisten Investoren über ein jährliches Nettohaushaltseinkommen zwischen 50.000 und 120.000 Euro. Mehr als zwei Drittel der befragten Investoren gaben an, langjährig und regelmäßig zu investieren, vor allem in Aktien, Fonds und ETFs.

Ist Crowdfunding einer der letzten Männerspielplätze? An der Börse mit Stockpicking und Markttiming gescheitert. Jetzt soll die coole Crowd das Ego wieder aufrichten.
Tamo Zwinge: Diese Beschreibung ist mir deutlich zu stereotyp. Der Wunsch nach einem Investitionserfolg steht aber im Mittelpunkt. Viele unserer Investoren haben aber neben dem Businesscase durchaus weitere Motivationen.
Eine ganz wichtige Motivation ist der Wunsch, gute Ideen bereits früh zu unterstützen. Dafür treten wir selbst ja auch an. Um auf den Männerspielplatz zurückzukommen, tatsächlich dominieren Männer mit über 80 Prozent das Geschäft.
Wir freuen uns, dass wir immer mehr Frauen für Crowdinvesting begeistern können und das auch die Zahl der Gründerinnen zunimmt. Da ist aber noch Luft nach oben, vielleicht können wir hier ja noch einige von Companisto begeistern.

Wie viel Romantik ist eigentlich auf Seiten der Anleger dabei? Wollen die wirklich Rendite oder eher Sozialprestige? Dann hat man was zu erzählen beim Grillen.
Tamo Zwinge: Wie eben schon gesagt, Rendite ist unseren Investoren wichtig. Unser Angebot beinhaltet deshalb auch immer Aussagen zu Renditeerwartungen. Aber das ist anders als bei anderen Anlageformen nicht der einzige Grund.
Unsere Investorenbefragung hat ergeben, dass selbst bei Teilverlust ihres Kapitals, knapp ein Viertel der Investoren das Investment trotzdem als Teilerfolg betrachtet, wenn das Startup ein neues Produkt am Markt etablieren konnte. Sie nennen das Romantik, wir selbst betrachten es eher als Entscheidungen aus Überzeugung von der jeweiligen Idee.

Welche Summen werden investiert (pro Firma und in der Summe)?
Tamo Zwinge: Auf die totalen Summen sind wir ja bereits drauf eingegangen. Die individuellen Investments liegen zwischen 100 €, unserem Mindestbetrag, und 10.000 €, die in unserem Investitionsmodell den Höchstbetrag je Unternehmensinvestition bedeuten. Das mittlere Investment liegt bei rund 600 € pro Investor und Unternehmen.

Diversifikation: In wie viele Firmen investiert ein Anleger (von, bis und durchschnittlich)?
Tamo Zwinge: Unser Angebot ist selbst bereits Bestandteil von Diversifikationsstrategien. So nimmt Crowdinvesting bei unseren Investoren im Mittel einen Anteil von 16 Prozent der Gesamtinvestitionen ein. Durchschnittlich verteilt sich dieses Investment dann auf etwas mehr als drei bei uns finanzierte Startups.

Die Gründer

Aus welchen Gründen entscheiden sich Firmengründer für den Weg über Companisto? Welche Vorteile im Vergleich zum klassischen Weg Family & Friends, Angel, VC haben sie davon?
Tamo Zwinge: Zum einen sind die Marketing-Effekte für Unternehmen aus dem B2B-Bereich interessant, denn jeder Investor ist zugleich potenzieller Kunde und Markenbotschafter. Aber auch immer mehr B2C-Unternehmen werden bei uns finanziert. Wir können durch unsere Geschwindigkeit punkten, denn im Gegensatz zu einem VC brauchen wir nicht Monate für die Entscheidung. Im besten Fall vergehen bei uns nur rund 12 Wochen von Kontaktaufnahme bis zur Auszahlung der ersten Gelder.

Ich war nie Startup-Gründer, habe aber in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts als Produkt-Chef Yahoo! Deutschland aus dem Boden gestampft. Auch ohne die zusätzliche Verantwortung eines Gründers hatten wir alle Hände voll zu tun. Dazu noch irgendwelche Kleininvestoren die 500 € anlegen und sich aufführen wie Graf Koks vom Gaswerk transparent und zeitnah mit Infos zu versorgen? Nee, muss nich’!
Tamo Zwinge: Ein Vorteil von Crowdinvesting gegenüber VC-Finanzierungen ist, dass die Gründer bei uns niemanden haben, der ihnen ins operative Geschäft reinredet. Die Crowdinvestoren beteiligen sich über partiarische Darlehen. Diese sind zwar dem Eigenkapital ähnlich, jedoch nicht mit einem Mitspracherecht verbunden. Das hält den Cap Table für Gründer übersichtlich.
Die Crowdinvestoren werden dann von uns gepoolt, so dass sich das Unternehmen nicht mit Hunderten Investoren einzeln auseinandersetzen muss. Nur im Fall von Vertragsänderungen oder Kaufangeboten müssen die Crowdinvestoren befragt werden. Hierbei reicht jedoch der Mehrheitsentscheid aus. Die Abstimmungen organisieren wir über unsere Plattform. Also keine Gefahr für Gründer, sich Graf Koks vom Gaswerk ins Boot zu holen ;)

Gedanken vor dem Investment

Kuratierung: Wie wählt Companisto die Firmen aus, die auf die Plattform dürfen?
Tamo Zwinge: Bei der Auswahl der Startups setzen wir auf Klasse statt Masse. Unternehmen durchlaufen bei uns einen fest definierten Prozess. Von 100 Unternehmen, die gerne bei uns auf die Plattform wollen, schafft es am Ende meist nur eins.
Dazu müssen unsere Investmentmanager von der Idee überzeugt werden, die Zahlen plausibel sein und das Unternehmen wird einer Prüfung unterzogen. Dabei ziehen wir je nach Komplexität des Produkts auch einmal Experten aus unserem Netzwerk zu Rate.
Erst dann kommt es zu einem Vertragsabschluss. Tiefere Einblicke in den Auswahlprozess gibt unser Head of Investment in diesem Interview.

Welche Arten des Investments gibt es? Wie sieht das Vertragswerk hier aus?
Tamo Zwinge: Wir haben derzeit drei verschiedene Investment-Angebote. Bei allen wird über patriarchische Nachrangdarlehen investiert.
Zunächst gibt es die klassischen Startup-Beteiligungen, die immer noch die große Mehrheit der Angebote ausmachen. Sie sind mit einer Gewinn- und Exit-Beteiligung verknüpft sind. Sollte das Startup in Zukunft also Gewinne erwirtschaften oder verkauft werden, partizipieren die Investoren entsprechend ihrer Beteiligungshöhe daran. Die Mindestlaufzeit beträgt hierbei 8 Jahre. Bei den Gewinn- und Exit-Beteiligungen handelt es sich jedoch um Lifetime-Beteiligungen, so dass Investoren ein Leben lang von den Erlösen profitieren können, wenn sie dies wünschen.

Das zweite Modell ist das Venture Loan. Dabei handelt es sich um ein festverzinstes Darlehen für ein Wachstumsunternehmen. Das sind nach unserer Definition Unternehmen, die über einen längeren Zeitraum stabile Umsätze jenseits der 500.000 Euro pro Jahr aufweisen. Sie benötigen Kapital zur Expansion und bieten im Gegenzug eine jährliche Festverzinsung von 8 Prozent, die halbjährlich ausgezahlt wird. Die Laufzeit liegt hier nur bei 3-4 Jahren. Ein Beispiel hierfür wäre Sawade, die älteste Pralinenmanufaktur Berlins.

Das dritte Angebot ist das Impact Loan. Damit wollen wir Social Entrepreneure fördern, die ein gesellschaftliches Problem auf wirtschaftliche Weise lösen möchten. Impact Investing lautet hier das Schlüsselwort. Die Konditionen sind deckungsgleich mit dem Venture Loan, also 8 Prozent Festverzinsung und 3-4 Jahre Laufzeit.

Was das Vertragswerk betrifft: Unsere Verträge beschreiben dabei sehr präzise alle Rechte und Pflichten der Startups, aber auch der Investoren. Die Investoren haben so das Recht auf ein Reporting pro Quartal sowie aktualisierte Finanzdaten und den Jahresabschluss.
Dafür unterliegen sie aber auch der Verschwiegenheit über diese Unternehmensinterna. Insgesamt haben wir uns bemüht, die Verträge so auszugestalten, dass sie einer Eigenkapital-Beteiligung möglichst nahe kommen. Wir arbeiten ständig daran, das Vertragswerk weiterzuentwickeln, um Crowdinvesting für Investoren und Startups attraktiver zu gestalten.

Wie lange ist das Kapital gebunden? Gibt es einen Zweitmarkt, der für Liquidität sorgt?
Tamo Zwinge: Das Kapital ist vertraglich über 8 Jahre gebunden. Es gibt bisher keinen regulierten Zweitmarkt für diese Beteiligungen. Das hat vor allem juristische Hintergründe, denn anders als beispielsweise in Großbritannien, ist es in Deutschland sehr schwierig GmbH- und UG-Anteile zu handeln. Das ist vom Gesetzgeber nicht gewollt. Der will bei kleinen Unternehmen ein gewisses "Commitment" der Investoren sehen.

Bürokratische Hürde Kleinanlegerregelung

Schützt die Drosselung der Einzelinvestments auf maximal 10.000 Euro den Anleger oder schadet sie ihm? Ich sehe die folgenden Probleme:

Meine Renditechancen werden geschmälert. Nicht prozentual, aber absolut. 25% von 10.000 € sind nun mal nur halb so viel wie 25% von 20.000 €.
Tamo Zwinge: Grundsätzlich ist diese Betrachtung richtig. An unserem mittleren Investmentvolumen ist jedoch bereits erkennbar, dass sich diese Frage für die meisten unserer Investoren in dieser Form nicht stellt.
Es ist ein guter Kompromiss, wenn man sich an jungen, erfolgversprechenden Unternehmen beteiligen möchte, aber eben eher mit kleineren Beträgen agieren möchte. Wer mehr als 10.000 € investieren möchte, der kann dies bei uns über eine Investmentgesellschaft tun. Wir haben auch Angels unter unseren Investoren, die so größere Beträge in Startups investieren.

Wer zahlt, bestimmt die Musik. Wenn der Gesetzgeber mir nur Kleckerlesbeträge erlaubt, wird das nichts mit der Einflussnahme.
Tamo Zwinge: Wer wirklich Einfluss über das Unternehmen erlangen möchte, der ist mit Crowdinvesting an der falschen Stelle.
Sowohl bei der Höhe der Investments, als auch bei der Grundidee dieser Finanzierungsform. Da bieten sich andere Modelle, wie beispielsweise direkte Unternehmensbeteiligungen mehr an.
Die sind dann in der Regel allerdings auch deutlich teurer. Der Einfluss spiegelt sich eher im direkten Austausch mit den Gründern wieder. Diese sind offen für Feedback und wissen, dass unter unseren Investoren auch Leute mit viel Expertenwissen sind.

Sind das valide Punkte oder nur Hirngespinste eines Laien?
Tamo Zwinge: Wie gesagt, unsere Investoren haben meistens nicht die Übernahme von Kontrolle im Sinn. Denen geht es um Rendite und die Unterstützung guter Ideen. Dafür sind die Beträge etwas kleiner und eben für viel mehr Menschen realisierbar. Wer großes Business machen möchte, der wird sich vielleicht anderer Produkte bedienen und das ist völlig OK so.

Grundsätzliches Gemecker

Was unterscheidet eine VC-Finanzierung auf Companisto von einem Containerschifffonds? Beides mal ist es "dumb german money".

1. Keine Ahnung von Geschäftsmodell.
2. Zu wenig investiert um Einfluss nehmen zu können.
3. Zu weit stromab, um eine gute Rendite zu bekommen. Vorher nehmen sich schon alle anderen Ihren Teil.

Volle Beteiligung am Verlust, ausbaufähige Beteiligung am Gewinn. Vom Prinzip her ein asymmetrisches Modell, das den Investor benachteiligt.
Tamo Zwinge: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich ;) Zunächst mal: Unsere Investoren sind nicht die ahnungslosen Kleinanleger, als die sie oft in den Medien porträtiert werden.
Eine Umfrage unter unseren Investoren hat ergeben, dass die allermeisten über langjährige Investmenterfahrung verfügen und auch über ein hohes Einkommen. Sie können die Geschäftsmodelle der Startups oftmals sehr genau einschätzen und fühlen den Gründern auch kritisch auf den Zahn, wie sie an den Diskussionen der laufenden Finanzierungsrunden erkennen können.
Zum zweiten Punkt: Beim Crowdinvesting wird über Nachrangdarlehen investiert, die nicht mit einem Mitbestimmungsrecht verbunden sind. Aber dafür sind die Investoren ganz nah am Gründerteam dran und können in direkten Austausch treten.
Ihre Stimme wird tatsächlich gehört, was zum Beispiel bei Aktien eines großen Konzerns eher nicht der Fall ist. Da darf ich zwar auf der Gesellschafterversammlung abstimmen, bin aber meilenweit von der Unternehmensführung entfernt.
Und zum dritten Punkt: Durch die Ausgestaltung unserer Verträge sorgen wir dafür, dass die Companisten im Erlösfall nicht schlechter gestellt sind als andere Investoren. Im Gegenteil: Es gibt eine Erlöspräferenz, die vorsieht, dass die Companisten vom Gewinn vor Steuern und Dividenden ausgezahlt werden, also noch vor den Gesellschaftern des Unternehmens.

Aus meiner Historie heraus: Als erster Angestellter von Yahoo! Deutschland kenne ich einige aus dieser Zeit, die heute als Angels unterwegs sind. Keiner von denen würde via Crowd investieren.
Kann VC überhaupt ins Internet übertragen werden? Ist es nicht als People-Business immun gegen die Plattformisierung?
Wenn ich mich mit Angels unterhalte heißt es immer: Die reine Idee ist nicht viel wert. Ich investiere in Menschen. Und zwar in solche, die nicht aufgeben. Dazu muss man die Menschen aber persönlich kennenlernen. Über das Web geht das nicht.

Tamo Zwinge: Als wir die Idee zu Crowdinvesting hatten, sagten uns viele Leute: "Das funktioniert niemals. Leute investieren nicht übers Internet in Startups."
Wir haben in den letzten fünf Jahren gezeigt, dass es doch funktioniert. Allein im letzten Jahr haben Investoren über unsere Plattform mehr als 10 Millionen € in Startups und Wachstumsunternehmen investiert. Wir sehen uns dabei nicht als Konkurrenz zu klassischen VCs, sondern als Ergänzung im Bereich Frühphasen-Finanzierung.
Es stimmt grundsätzlich, dass im Venture Capital das Gründerteam eine große Rolle bei der Investitionsentscheidung spielt.
Deswegen schauen wir uns das Team ja auch im Vorfeld so genau an. Wir sind auch davon überzeugt, dass man große Teile des VC-Geschäfts mittels Technologie über das Internet abbilden kann.
Zunächst stellen sich die Gründer ausführlich in einem Video vor, dazu kommen Details zu ihren Werdegängen. Zusätzlich führen wir auch Live-Videokonferenzen mit Gründern und Investoren durch, wo sich beiden Seiten nochmal besser kennenlernen können.

Angels und VCs bringen Kontakte mit und helfen ihrem Startup nicht nur mit Geld, sondern auch mit ersten Kundenkontakten und Publicity über den Bekanntenkreis hinaus. Hat Companisto nicht einen strategischen Nachteil, denn mehr als Geld können die Gründer nicht erwarten?
Tamo Zwinge: Die Gründer können mehr als nur Geld von uns erwarten. Zum einen betreuen wir die Startups auch nach der Finanzierung weiter und helfen Ihnen beim Investor Relations Management.
Dazu kommt unser Companisto Family Programm, dass unseren Portfoliounternehmen Zugang zu unseren strategischen Partnern wie etwa Amazon Launch Pad und pwc ermöglicht.
Und schließlich verfügen auch wir über ein großes Netzwerk von Business Angels und VCs, von dem Gründer profitieren können, wenn es beispielsweise darum geht, große Anschlussfinanzierungen zu ermöglichen.

Nach der Investition

Wie wird dafür gesorgt, dass der Anteil der Crowd bei kommenden Finanzierungsrunden nicht bis auf fast Null verwässert wird? Die Crowd trägt schließlich das größte Risiko, indem sie ein Startup von Null auf Etwas finanziert. Die anderen Investoren haben dann den Vorteil, dass es schon eine kleine Historie gibt.
Tamo Zwinge: Diese Fälle haben wir in unseren Investorenverträgen klar geregelt. Dort ist eine Down-Round-Protection enthalten, die die Companisten zumindest im Falle einer Kapitalerhöhung zu einem niedrigeren Unternehmenswert vor einer Verwässerung ihrer Anteile schützt.
Einen Verwässerungsschutz bei regulären Kapitalerhöhungen gibt es dagegen nicht, da in der Regel dabei ja auch der Unternehmenswert steigt. Dafür erhalten unsere Investoren eine Erlös-Präferenz, die dafür sorgt, dass sie mit als erste von Gewinnausschüttungen profitieren, nämlich vom Gewinn vor Steuern und Dividenden.
Unsere Investoren sind entsprechend durch diese Vereinbarungen hervorragend aufgestellt. Abweichungen davon bedürfen einer Mehrheitsentscheidung. So gewährleisten wir, dass Änderungen nur da möglich sind, wo es nötig ist. Es gibt zugleich aber keine Automatismen, mit denen sich unsere Investoren automatisch schlechter stellen lassen.

Wie wird dafür gesorgt, dass die Crowd nicht einfach rausgemobbt wird wenn ein renommierter VC einsteigen will? Die unselige Geschichte Protonet und Y-Combinator plus Draper Associates gibt da zu denken. Wie oben angemerkt verhindert die Kleinanlegerregelung ja, dass einzelne ein Investment mit einem wirklichen Gewicht eingehen.
Tamo Zwinge: Auch hier können wir nur wieder auf unsere Verträge verweisen. Die Startups können den Companisten vorzeitige Ablöseangebote für ihre Anteile unterbreiten, diese bedürfen jedoch wieder einer Mehrheitsentscheidung. Es ist also nicht so einfach möglich, die Companisten "rauszumobben".
Wir kennen diese Bestrebungen im Markt und das wird heute leider oft von M&A-Abteilungen in Konzernen auf die Spitze getrieben.
Wir leben davon, dass Vertrauen zwischen Unternehmen und Investoren besteht. Daher liegt es nicht in unserem Interesse, hier Entwicklungen zuzulassen, die dieses Vertrauen nachhaltig stören. Deshalb geht bei uns viel Aufmerksamkeit in die Verträge, die dieses Vertrauen von vorn herein mit entsprechenden Regelungen unterlegen.

Pleite

Wie hoch ist die Pleitequote aktuell?
Tamo Zwinge: Bei 26 Prozent der Startups ist ein Ausfall eingetreten oder unmittelbar drohend (Stand: 31.12.2017). Das entspricht rund 19 Prozent Kapitalausfallquote. Damit liegen wir noch unter dem Erwartungshorizont professioneller VCs.

Was bedeutet das in absoluten Zahlen?
Tamo Zwinge: Insgesamt mussten von 78 erfolgreich finanzierten Startups 20 Insolvenz oder Liquidation anmelden.

Wie wurden die Insolvenzen abgewickelt? Gab es da noch eine Quote für die Crowd? Wie ist die Rangfolge beim Insolvenzverwalter?
Tamo Zwinge: Bei den Beteiligungen auf Companisto handelt es sich um partiarische Darlehen. Diese Darlehen sind mit einem Rangrücktritt verbunden. Das bedeutet, dass die Darlehensgeber ihre Ansprüche im Fall einer Insolvenz hinter vorrangige Gläubiger zurückstellen müssen.
Daher ist für Crowdinvestoren schon bei der Insolvenzeröffnung erfahrungsgemäß nicht mehr mit einer Rückzahlung ihres Darlehens zu rechnen.

Kann ich meine Verluste steuerlich geltend machen oder ist das Privatvergnügen wie bei P2P?
Tamo Zwinge: Verluste aus dem Crowdinvesting können steuerlich geltend gemacht werden. Das höchste deutsche Steuergericht, der Bundesfinanzhof (BFH) in München, urteilte kürzlich, dass Verluste aus privaten Darlehen mit anderen Kapitalerträgen verrechnet werden können (VIII R 13/15).
Nach unserem Rechtsverständnis gilt diese Regelung auch für unsere Investoren. Sie können also Verluste aus dem Crowdinvesting mit anderen Kapitalerträgen verrechnen.
Wir haben dazu einen Artikel auf unserer Investoren-Akademie, der erklärt, welche Dokumente man für eine steuerliche Anrechnung benötigt.

Rendite

Pleiten gehören zum Leben eines Wagniskapitalgebers dazu. Deshalb erwarten Profis - in Abhängigkeit der Risikoeinschätzung - bei VC-Investments eine Rendite zwischen 25% und 100% IRR (Internal Rate of Return).
Die Amateure, die 2011 in "Stromberg - Der Film" investierten gingen mit einer Rendite von rund 4% p.a. nach Hause und waren glücklich. Der Laie fühlt sich schon fürstlich belohnt, wenn seine Rendite den Tagesgeldzinssatz schlägt.
Welche Renditen erzielen die Anleger wirklich? Was waren die bis jetzt besten Exits? Worauf beziehen sich die x% Ausschüttung? Auf das was übrig bleibt wenn alle bezahlt sind oder bin ich schon früher dran?

Tamo Zwinge: Die Verzinsung der Venture Loans und Impact Loans liegt bei 8 Prozent. Die Startup-Beteiligungen sind mit 1 Prozent verzinst, aber hier wird die Rendite ohnehin über Gewinn- und Exit-Beteiligung erzielt.
Erfolgreiche Exits auf Companisto waren Doxter, 5Cups and some sugar und Foodist. Neben den Zinszahlungen kam es dabei zu beachtlichen Aufschlägen zwischen 45 und 100 Prozent.
Wir bitten um Verständnis, dass wir keine vertraglichen Details nennen können, da dies in den Verhandlungen zwischen den Startups und den Käufern ausgeschlossen wurde.

Zukunftsplanung

VC ist wie eine kleine Ehe. Die Mindestbeteilungsdauer beträgt laut Companisto-FAQs acht Jahre. Wer heute einsteigt bindet sich bis 2026. Companisto ist selbst noch ein Startup und wie bei jedem Startup sind zwei Dinge wichtig:

1. Das Produkt

Wie will Companisto das Modell Crowdinvesting in die Zukunft führen?
Tamo Zwinge: Wie andere Unternehmen auch, beobachten wir intensiv den Markt und arbeiten intensiv daran unser Geschäftsmodell zu erweitern. Es skaliert zum einen über die Menge der Unternehmen, die über unsere Plattform finanziert werden. Zum anderen sind die Investmentvolumen relevant. Daneben sind im Dienstleistungsbereich viele weitere Hebel vorhanden, die für uns umsatzrelevant werden können. Hier sind wir dabei erste Felder zu erschließen. Insgesamt haben wir eine positive Unternehmensentwicklung und können diese in den nächsten Jahren hoffentlich erfolgreich ausbauen.

2. Die Chefs

Aktuell halten die beiden Gründer 90% der Anteile. 2030 werden die beiden so zwischen 45 und 50 Jahre alt sein und Companisto ist dann volljährig. Wie sieht der Abnabelungsprozess aus? Ab wann ist Companisto auch ohne die Führungsspitze Rhotert & Zwinge überlebensfähig? Eine wichtige Frage, denn wenn ich mir ab heute über die nächsten 5 Jahre ein VC-Portfolio zusammenkaufe, bin ich bis 2031 gebunden. Wenn ich das Konzept Altersvorsorge ernst nehme, investiere ich von 2018 bis 2028, lasse es dann 10 Jahre liegen und baue dann wieder ab. Dann reden wir locker vom Jahr 2040.
Tamo Zwinge: Wir treiben seit einiger Zeit die Professionalisierung unseres Unternehmens voran. Das betrifft zum einen die Qualität der Mitarbeiter, aber auch Themen der Unternehmenskultur, des Marketings, des Marktscreenings und unserer Prozesse.
Bereits heute haben wir eine mittlere Managementebene installiert, die unser Unternehmen weiterentwickelt. Dadurch sind wir jetzt bereits relativ unabhängig von einzelnen Personen – auch, wenn natürlich jede einzelne einen großen Wert für das Unternehmen bedeutet. Companisto ist ein Herzensthema für uns, daher wollen wir das Unternehmen noch lange aktiv mitgestalten und am Wachstum arbeiten. Aus heutiger Sicht deutlich über das Jahr 2030 hinaus.

Und nun?

Jetzt sind Sie um 25.000 Zeichen schlauer. Wie geht’s jetzt weiter? Werden Sie im Hause Companisto Nachrang-Patriarch, gehen Sie als klassischer Angel in den Nahkampf oder bleiben sie als passive ETF-Lusche am Spielfeldrand sitzen?

(awa)

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Kommentare

tbee sagt am 20. März 2018

Sehr schönes Interview - Danke wieder was gelernt...

Aber ich bleibe als Kommersche ETF Lusche am Rand des Spielplatzes sitzen und schau gelassen den Crowdies und Kryptos beim sandeln zu und spiele dann selbst noch ein wenig mit meinen P2P-Förmchen damit ich in der Langweile nicht zu sehr auf Optimierungs- oder andere dumme SmartBeta Ideen komme....

Auf dem Blog von tbee gibt es hierzu diesen Artikel: Meine P2P Spielwiese


Hanseat sagt am 20. März 2018

Hallo Finanzwesir,
das riecht mir sehr stark nach Influencer-Marketing. Nach den Gastbeiträgen in den letzten Wochenrückblicken, kommt nun der direkte Beitrag auf deinem eigenen Blog. Da ich nicht vermute ein ETF-Wesir möchte von sich aus das aktive Crowdinvesting propagieren, gehe ich davon aus, dass Companisto da auf dich zu gekommen ist, statt umgekehrt.
Falls dem so sei, würde ich mir bei solchen Beiträgen etwas mehr Transparenz a lá "gesponsorter Beitrag" oder einem Hinweis in der Einleitung wünschen.

Was deine Abschlussfrage an die Leser betrifft, kommt Crowdinvesting für mich nicht in Frage.
Ich hab mir vor einigen Jahren beim Konkurrenten Seedmatch böse die Finger verbrannt. Ich bin damals viel zu leichtgläubig an die Sache rangegangen und war dann letztlich nur ein einem Start-Up investiert, dass letztlich in die Pleite gerutscht ist. Ein kritisches Interview wie dieses hier hätte mir im Vorfeld vielleicht geholfen.
Aber so habe ich wenigsten eine kleine Lehrgeld-Geschichte zu erzählen und einen Grund mehr dem passiven Lager die Treue zu halten. Schön breit diversiviziert mit einem langen Anlagehorizont und gut ist's.


Rainer sagt am 20. März 2018

P2P kommt für mich nicht in Frage, weil

  • Nachrangdarlehen... ich bin der Letzte in der Reihe
  • keine echte Risikostreuung möglich... wenn, dann will ich möglichst breit, also europaweit oder besser weltweit in Startups investieren
  • Investitionsdeckel... das gefällt mir nicht, denn die Firma und die Hauptaktionäre haben keinen Deckel
  • Spesen... nichts schlägt kostenmäßig einen 0,07% ETF ;)

Finanzwesir sagt am 20. März 2018

Hallo Hanseat,
erst JoWo und jetzt Du.
So muss sich Bob Dylan gefühlt haben, als er seine Akustik-Klampfe weggelegt hat und elektrisch wurde. Was haben da die Puristen gejault. Er hatte aber keinen Bock immer "Blowing in the wind" zu zupfen und ich bin kein

"ETF-Wesir "

Ich bin als Maigeborener ein Zwilling und Zwillinge sind Kinder des Windes. Die Eigenschaften der Luftgeborenen sind:

"DasGeistige, intellektuell, analytisch, beweglich, unbeständig, kreativ, kommunikativ, ruhelos, freiheitsliebend, begegnungsfreudig"

Merkste was: Ingenieur, Excel und dann kommt der mit Astrologie ums Eck! Ich bin doch keine Socke, die man in eine Schublade steckt.

Ich finde es einfach cool, meine Fragen direkt von einem Geschäftsführer beantworten zu lassen. Und glaubst Du, der findet es toll, wenn ich sein Baby mit Containerschifffonds vergleiche? Er hat aber tapfer geantwortet.
Ich frage die BaFin nach einem MiFiD-Statement, ich lasse hier einen Bitcoin-Käufer zu Wort kommen und ein Optionshändler darf sein Tradingsystem vorstellen.
Trotzdem finde ich: Die BaFin reguliert zu viel, Bitcoin ist Murks und Optionen finde ich auch nur so mittelgut. Und ganz ehrlich: Wenn ich den Companisten einen trojanischen ETF-Artikel unterjublen kann, hallo, dann mache ich das!

Was das Formale angeht: Gesponserte Artikel sind als solche zu kennzeichnen. Werbung, die nicht als solche erkennbar ist, verstößt gegen das Gebot der strikten Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten (§ 4 Nr. 3 UWG). Alles weitere regelt meine Transparenz-Seite: https://www.finanzwesir.com/transparenz

Warum also nicht die Chance ergreifen und einem Crowdfunding-GF all' die Fragen stellen, die man schon immer mal stellen wollte. Im Übrigen habe ich noch einen Bonus rausgeholt: Stellt die Fragen, die ich vergessen habe. Companisto schaut hier vorbei und beantwortet sie.

Glaubt mir: Die Firmen zahlen lieber ein paar Hundert Euro für einen gesponserten Artikel.
Dann geht das nämlich seinen sozialistischen Gang. Blogger stellt 4-5 brave Fragen (niemand zahlt für "grundsätzliches Gemecker"), GF antwortet, alles ist superpositiv, die Veröffentlichung wird abgestimmt, das Ding geht live, das Geld wird überwiesen, der Blogger reportet die Reichweite und Marketing kann wieder einen Haken an die Monatsziele machen.

Jetzt ich: Einen Haufen garstiger Fragen. Da sitzt so ein GF schon mal ein paar Stunden dran. Der Mann hat genug um die Ohren und ich will das, was er am wenigsten hat: Zeit.
Die Antworten müssen auch ordentlich sein. Sonst muss befürchten boshaft durch den Kakao gezogen zu werden.
Und dann will der Finanzwesir noch eine Nachsorge. Er muss also noch einen Mann abstellen, der die Kommentare im Auge behält und antwortet. Außerdem weiß er nicht, was sich da womöglich entwickelt. Ein Shitstorm wird es nicht werden, dazu sind wir hier zu gut erzogen. Aber Erik von Scalable hat damals ganz schön Gegenwind bekommen. Dazu muss man erst einmal bereit sein.
Darauf hat Compainsto sich eingelassen und deshalb haben sie meinen Respekt.
So, und jetzt hört auf mit den Verschwörungstheorien und fragt. Diese Woche ist das Eure Chance, die von Companisto werden hier nicht ewig rumlungern. ;-)

Gruß
Finanzwesir


ChrisS sagt am 20. März 2018

@ Hanseat

och komm, sitzt dir der Aluhut zu fest ? ;-)
Ne mal im Ernst, ich würd da nicht mehr unterstellen als nötig.
Die Fragen vom Wesir waren m.M. (als jemand der auch nix mit Crowdinvesting zu tun hat und aus den bereits genannten Gründen auch nicht dazu verführbar ist) kritisch genug gestellt, damit man hier nicht ne plumpe Influencer- oder Sponsoring-Verschwörung vermuten muss.

Dazu habe ich auch schon viel schlimmere Beispiele in den eigentlichen "Qualitätsmedien" gesehen, wo die Redaktion einfach die Marketing-Copy der Anbieter abdruckt oder als "Advertorial" tarnt.
Schlag mal ne xbeliebige "Focus Money" oder "Euro am Sonntag" auf, da wirst du jedenfalls nicht so einen Artikel wie hier vom eigentlichen "Laien" Finanzwesir finden, wo sich ein Unternehmen mal dutzenden kritischen Fragen stellen muss.

Natürlich macht Companisto das Interview mit dem Ziel, sich möglichst positiv präsentieren und damit Kunden zu gewinnen, sei ihnen geschenkt, aber ich denke man erkennt doch auch das zumindest auf der Seite des Finanzwesirs eben nicht das gleiche Ziel bestand, dem Unternehmen durch Jubelperserei Kunden zuzutreiben, sondern das Geschäftsmodell mal so tiefgründig zu analysieren (besonders halt auch mit den ansonsten gern verschwiegenen Risikoseiten) damit potentielle Leser selbst besser entscheiden können ob sie Kunden werden wollen oder nicht (und ich glaube sehr wahrscheinlich, die meisten Leser werden sich aus den dargestellten Gründen nicht dafür entscheiden - würde also wirklich eine gesponserte Influencer-Kampagne dahinterstecken, wäre es eine ziemlich schlechte).


Karl sagt am 20. März 2018

Ich hab mir weder ein Containerschiff, noch einen Container und auch keinen rumänischen Wald gekauft und keinen tollen Film finanziert.
Von daher wird es auch kein komplexes Nachrangdarlehen für ein Start UP geben.
Danke für die Fragen und die Antworten.


Dominik sagt am 20. März 2018

Nicht dass ich schlechte Erfahrungen mit crowdinvesting gemacht hätte: meine Investments bei zinsland sindsoweit ganz gut gelaufen, trotzdem habe ich mich damit nicht wirklich wohl gefühlt. Deswegen schleiche ich mich langsam aus den crowdsachen raus und schiebe den Anteil wieder in die etf-Schiene.

Nachrang hat mir nicht gefallen, und auch die Tatsache, dass bei zinsland die Kredite an projektgesellschaften gehen, die sich insolvent rechnen können, ohne dass die Muttergesellschaft Insolvenz beantragen muss.

Von Companisto hatte ich ehrlich gesagt noch nie vorher gehört, und auch das was ich jetzt gehört habe animiert mich nicht, mich in Zukunft damit zu beschäftigen.


Windsurfer sagt am 21. März 2018

Die Kostenquote muss wirklich unterirdisch sein, wenn ich nur mal die Personalkosten gegen die investierte Summe rechne:

Annahme:

  • Gründungsjahr 2012: 2 Mitarbeiter
  • 2013: 5
  • 2014: 10
  • 2015: 15
  • 2016: 22
  • 2017: 31

Macht in Summe 85 Mannjahre.

Bei Personalkosten von sehr konservativen 60.000 EUR/a sind das 5,1 Mio EUR.
Bezogen auf die Investitionssumme von 46 Mio EUR sind das sagenhafte 11% nur für die Personalkosten ohne jegliche andere Kosten wie Büro, Marketing, Website, Transaktionskosten,etc.
Da nehme ich doch lieber den ETF mit 0,1 bis 0,5% TER. :)

Grüße
Windsurfer


GiniKoeffizient sagt am 20. März 2018

Hallo,

grundsätzlich finde ich es klasse, dass sich Leute neue Möglichkeiten einfallen lassen, um Menschen zusammenzubringen und klassische Finanzierungsmodelle hinterfragen.
Das bietet in diesem Fall neue Investitionsmöglichkeiten, vor allem in Projekte mit denen man selten in Kontakt kommt, insofern man ein Erwerbsleben verfolgt und von diesem ausgefüllt wird.

Unschön ist natürlich die Problematik mit dem Nachrangdarlehen, denn 20 von 78 sind immerhin 25% und die statistische Stichprobe müsste hier eigentlich als unzureichend beurteilt werden.
Daher denke ich, müsste hier noch viel mehr auf den Bewertungsprozess eingegangen werden. Woran erkennt Ihr, dass es sich nicht nur um Leute handelt die sonst nirgendwo Geld erhalten haben, da einfach zu viele Zweifel am Durchsetzungsvermögen der Personen vorlagen?
Wie könnt Ihr euch sicher sein, dass es nicht einfach nur Glück war bei 98 Unternehmen, dass hier ausnahmsweise die Ideebewertung hinreichend für die Erfolgschance war?

Kurzer Disclaimer: ich bin ein ehemaliger Startupgründer eines gescheiterten Startups, mit einer herausragenden Idee, die auch von diversen Förderungen bezuschusst und geseedet wurde.
Das Problem des Scheiterns war letztlich ganz simpel: die einen wollten den ersten Kunden glücklich machen und stürzten sich auf viele unbedeutende Einzelwünsche, die anderen (mit mir) wollten ihre Zeit und Mühen in ein qualitativ hochwertiges Produkt investieren, welches klare Alleinstellungsmerkmale und einen breiteren Nutzen und Zukunft besitzt. Das Ende vom Lied war eine völlige Fehlallokation der Zeit und Finanzierung, sowie Gleiten in die Abhängigkeit als Dienstleister für diesen einen Kunden.
Diesen Werdegang gehen seeeehr viele Startups, da eben diese Personen doch ganz inhärent für den Erfolg sind. Die Ideen sind meist Weltklasse, nützen tut das tatsächlich nicht viel, wenn sich um Anteile gestritten wird oder klar strukturierte Entscheidungsprozesse nicht vorliegen.

Daher meine Frage: wie stellt ihr solche Probleme sicher? Wie lässt sich so etwas aus der Ferne beurteilen? Trefft Ihr euch regelmäßig mit den Leuten? Zwingt Ihr ihnen eine Organisationsstruktur auf oder können sie sich frei nach eigenem Willen austoben?

Denn ich befürchte Ihr hattet bisher einfach nur sehr viel Glück bei der Auswahl, zumal ich durch die Gründerszene unendlich viele gescheiterte Startups kenne. Hierzu zähle ich auch jene im Siechtum, wie es das von uns durchlebte.
Leider Klammern die Menschen oftmals auch zu sehr an ihren Vorstellungen, da sie sich damit identifizieren und negative Kritik daher auch direkt als persönlichen Angriff werten.
Dieses Problem ist insbesondere in der Informatik sehr stark vertreten, da hier leider sehr viele Informatiker eine sehr starke Verbundenheit zu ihrem Code empfinden und sich mit diesem identifizieren.
Gepaart mit Selbstzweifel und dem Drang sich hierdurch zu profilieren oder das eigene Selbstbewusstsein zu pushen, kann das (und das tut es leider in der Regel auch,) zu einer Verbissenheit führen, welche jedem Startup den letzten Schuss verabreicht.

Was ich sagen möchte ist, auch wenn Ihr bisher sehr erfolgreich wart, gerade da ich sehr viele solcher Leute und Beispiele kenne, habe ich direkt ein Problem damit über 8 Jahre mein Kapital in solch eine Unternehmung zu verheiraten, ohne die Gruppendynamik beurteilen zu können oder mir sicher sein zu können, dass diese ausgiebig beurteilt wird.
Vielleicht wäre es hier sogar notwendig von außen einen Austausch gewisser Freigeister oder Problempersonen innerhalb des Startups anzusteuern, insoweit es dazu kommt. (Ja, sehr hart ich weiß, aber eigentlich nicht, wenn man einmal miterlebt hat welche Ausmaße solche Probleme annehmen können.)

Hier wird letztlich mit der Zukunft und dem Geld von Kleinanlegern und Menschen gespielt, welche es sich vielleicht nicht leisten können und ganz sicher nicht wollen, dass von jungen frischen unerfahrenen Uniabsolventen ihr hart verdientes Geld durch post-pubertäre Konflikte verfeiert und veruntreut werden.

Daher würde ich sehr gerne mehr Transparenz und Offenheit zur Bewertung dieser Kritikpunkte vom Unternehmen sehen. Zumal hier nur die Rede von einem Bewertungsverfahren auf Kennzahlenbasis ist.

Dazu müssen unsere Investmentmanager von der Idee überzeugt werden, die Zahlen plausibel sein und das Unternehmen wird einer Prüfung unterzogen. Dabei ziehen wir je nach Komplexität des Produkts auch einmal Experten > aus unserem Netzwerk zu Rate.

Das mit dem Netzwerk kann man auch ehrlich formulieren: Wenn wir keinen Plan von der Materie haben, fragen wir ein paar Freunde bei Daimler, Bosch und Unilever, was sie davon halten, dann wird das auch passen.

Deswegen, ich glaube hier muss viel mehr Wert auf den Prozess und Transparenz gelegt werden.
Denn die Idee selbst und die hiermit erschlossene Investitionsmöglichkeit finde ich prinzipiell sehr wünschenswert.
Das Potential ist auch ganz offensichtlich, die Nachteile überwiegen jedoch immens, zumal sehr viele Komponenten der Ungewissheit einfließen.


Martin Blut sagt am 21. März 2018

Ich würde gerne mal die, aus meiner Sicht, wichtigste Frage an Companisto stellen:

Warum hat man sich denn generell für das Modell des Nachrangdarlehens entschieden? Welche Vorteile bietet es den Start Ups und Companisto? Welche Gründe könnten mich als Investor zu so einer Anlage bewegen?


Reinsch sagt am 21. März 2018

Auch wenn das für mich persönlich nichts ist fand ich das Interview sehr interessant.

Warum nix für mich? Ähnlich wie bei p2p-Krediten stimmt hier für mich das Rendite/Risiko Verhältnis nicht. Gründe wurden oben reichlich genannt. 25% Totalausfallquote würde ich nur akzeptieren, wenn die restlichen Projekte so richtig gut abgehen.
Dazu 8 Jahre Kapitalbindung (was bei der noch jungen Firmengeschichte die Ausfallrate noch nach oben schieben dürfte) und die Schwierigkeit mein Kapital schön breit zu streuen…

Der einzige Grund für mich hier Geld reinzustecken wäre dass mich ein Produkt/Unternehmen so überzeugt, dass ich es einfach gern unterstützen möchte. Oder später sagen will „Hey, ich war von Anfang an dabei.“ Dann wäre das Geld gedanklich als Spende abgeschrieben, und wenn doch etwas zurück kommt ist es ein nettes Extra.

Dann sind wir aber gedanklich schon eher beim CrowdFUNDING statt –INVESTING. Dann kann ich mich auch gleich bei kickstarter, indiegogo oder so anmelden. Ist dann halt wirklich eher was für den Smalltalk bei der Grillparty statt nüchtern maximierte Rendite.


Mario (vom Companisto-Team) sagt am 21. März 2018

Hallo Finanzwesir,

danke für den schönen Beitrag. Wir "lungern" tatsächlich etwas hier rum und beantworten Fragen gerne ;)
Wenn wir dem "Finanzwesir" einen Artikel unterjublen können, machen wir das natürlich auch gerne :)

@Rainer
Der Letzte in der Reihe: ja und nein, bei der Gewinnauszahlung bist du vorn dabei Risikostreuung: ist durchaus möglich und wir weisen auch explizit darauf hin zu diversifizieren -> auf verschiedenen Plattformen und natürlich auch mit unterschiedlichen Finanzprodukten (schau mal in unsere Akademie :)

Viele Grüße
Investitionsdeckel: gefällt uns auch nicht, aber das sind leider die rechtlichen Spielregeln

@Hanseat: gut getroffen :)


Daniel sagt am 21. März 2018

Voll super für die Gründer, da die nervigen Kleininvestoren nichts zu sagen haben und "sich das Unternehmen nicht mit Hunderten Investoren einzeln auseinandersetzen muss". ("Graf Koks vom Gaswerk"-Frage)

Voll super für die Investoren, die "ganz nah am Gründerteam dran" sind und deren Stimme "tatsächlich gehört" wird. :)


Mario (vom Companisto-Team) sagt am 21. März 2018

Hallo Martin,

das hat sowohl historische als auch rechtliche Gründe. Einerseits wurde Companisto aus dem Grund gegründet, dass viele Startups in ihrer frühen Phase schlichtweg kein Kapital/keine Finanzierung bekommen. Den Companisto-Gründern ging es genauso. Wir schließen quasi ein vorhandene Finanzierungslücke im unteren Millionenbereich, die von vielen VCs bspw. nicht bedient wird.

Die Crowdfinanzierung per Nachrangdarlehen hat sich gerade in diesem Bereich als sehr schnelle Finanzierung etabliert. Rechtlich sind wir zwar auf 2,5 Mio. Euro maximale Summe beschränkt, dafür besteht aber z. B. keine Prospektpflicht und quasi jeder hat die Möglichkeit, bereits ab sehr niedrigen Summen einzusteigen. (bei Companisto ab 100 Euro).

Für Startups hat die Form außerdem den Vorteil, keine Stimmrechte abgeben zu müssen. Und sie profitieren von guten Marketingeffekten und dem Zugang zu Know-how der Investoren.

Investoren entscheiden sich auch ganz verschiedenen Gründen dafür, in Startups und Wachstumsunternehmen zu investieren. Rendite ist natürlich ein, sicher wichtiger, Aspekt, aber nicht nur. Generelles Interesse an jungen Unternehmen, Innovationen im technologischen Bereich, der zum Teil sehr direkte Kontakt zu den Gründern und mehr sind oft ebenso wichtig.

Zu den Vorteilen für die Investoren gibt es eine gute Übersicht zum Vergleich der Beteiligungsformen hier: https://www.companisto.com/de/academy/profis/partiarisches-darlehen

Viele Grüße


ar4124 sagt am 21. März 2018

Mein Kommentar ist vor allem an Nutzer wie Hanseat u.ä. gerichtet:

Hier zeigt sich die meiner Meinung nach renditeschädlichste Ideologie überhaupt. Die Filterblase. Alles was nicht der eigenen Meinung, die man sich selbst jeden Tag heraussucht und verstärkt, entspricht, muss Influencermarketing sein, muss gesponsert sein - kurz: Muss schlecht und falsch da nicht vertrauenswürdig sein.

Es ist super, dass der Finanzwesir sich die Zeit genommen hat, so ausführlich mit den Companistogründern zu sprechen, denn es gibt hier viel gewichtigere Argumente gegen eine Beteiligung dort.

  1. Gründer sind Anwälte (was an sich nichts heißt) und haben das gesamte Unternehmen so gestaltet, dass sie eigentlich nicht greifbar sind, falls etwas in die Hose geht. Außerdem höre ich zu oft "Klasse statt Masse". Dabei ist es wie im Aldi: Wenn man Salami 1a draufschreiben muss, ist es meistens nicht drin. Ich halte Companisto für ein Wettbüro, aber dazu komme ich gleich.
  2. Kleinanleger sollten sich nicht an Unternehmen beteiligen. Die dicke Rendite wird vorher verteilt und zwar von Leuten, denen a) Geld egal ist und die b) mehr Ahnung haben und wo c) nicht die Altersvorsorge dran hängt.
  3. Der durchschnittliche Investorentyp macht mir sorgen: Männlich, Anfang bis Mitte 40, gut verdienend. Das sind die Nervensägen, die im blau gestreiften Hemd und dem fetten Dienstwagen an jedem Freitag die A3 Frankfurt - Düsseldorf unsicher machen und jedes Risiko eingehen würden, um 1 Minute eher am Ziel zu sein. Ich sehe sie dann spätestens an der ersten Ampel in Düsseldorf wieder. --> Wettbüro
  4. Companisto ist ein Wettbüro. Andere stellen die Informationen zusammen, schicken eine Mannschaft ins Rennen oder wahlweise ein Pferd (hier sind es die Klasse statt Masse Startups) und dann setzt man 100€ und sieht, wie es läuft. Dazwischen hat man keine Einflussmöglichkeiten.

Nehmt euch im Monat die 100€, die ihr irgendeiner bekloppten Startupidee schenken würdet, und spielt Roulette oder geht zum Pferderennen. Aber beteiligt euch nicht an der Müllverwertung des Investments, der Unternehmensbeteiligung für Kleinanleger. Im Neusprech nennt man das Crowdfunding. Weil die Crowd dämlich ist.

Es hat einen Grund, warum ihr kein Mitspracherecht im Unternehmen habt und es hat auch einen Grund warum ihr bei einer Insolvenz leer ausgeht: Weil euer Geld es nicht Wert ist, dass sich ein VC Investor damit beschäftigt.

Insofern danke an den Finanzwesir für die kritischen Fragen.


ZweiteMaus sagt am 21. März 2018

Hallo Finanzwesir,

zunächst vielen Dank für die vielen interessanten gut recherchierten Artikel auf Deinem Blog. Bei diesem Interview fehlt mir allerdings ein bisschen die sonst gewohnte sachliche Tiefe, so das der erste Eindruck auch bei mir zunächst in Richtung „Marketing-Veranstaltung“ ging.

Dazu hast Du ja in den Kommentaren bereits Stellung genommen und mit meiner Einordnung liege ich auch bestimmt falsch. Allerdings prägt die oberflächliche Behandlung von Crowdinvesting bislang die Berichterstattung in Deutschland.
Aktuell ist hier ja auch der Eindruck da, dass sich Crowdinvesting lohnen kann. GiniKoeffizient hat kommentiert, dass das vielleicht nur Glück bei der Auswahl der Unternehmen sein könnte. Meine Meinung dazu ist, dass bislang nicht Glück ausschlaggebend war, sondern einfach die Wahrnehmung des Chancen/Risiko-Verhältnisses bei Crowdinvesting falsch ist.

Wie komme ich dazu? Nehmen wir einmal an, wir wären von der Idee des Crowdinvesting überzeugt und hätten mit dem Start der Plattform Companisto in jede einzelne Finanzierung eines Startups den gleichen Betrag (=Einzelinvestment) investiert. Wie sieht dann unsere aktuelle Gewinn/Verlust-Rechnung aus?

Wir hätten bislang gemäß den Angaben auf der Plattform Companisto

  • 22 Finanzierungen mit dem Status „Insolvent/Liquidiert“, insgesamt 22 Einzelinvestments verloren (für alle Companisten eine Summe von 9.081.590 €)
  • 6 Finanzierungen mit dem Status „Exit/Verkauft

In diese 6 Finanzierungsexits wurden 2.028.685 € investiert und als Gewinn laut Companisto 1.525.016 € ausgeschüttet, dies entspricht einer Gesamtrendite von 75%. Wenn wir diese Gesamtrendite jetzt als Durchschnittsrendite für die 6 Finanzierungsexits unterstellen, dann haben wir 6 mal 0,75 Einzelinvestments = 4,5 Einzelinvestments verdient.

Daraus ergibt sich als Gewinn- und Verlust-Rechnung:
+4,5 Einzelinvestments – 22 Einzelinvestments = -17,5 Einzelinvestments

Wir haben also bislang 17,5 Einzelinvestments verloren. Jetzt kann man natürlich noch argumentieren, dass in der Zukunft doch alles besser wird und sich die laufenden Finanzierungen viel besser entwickeln werden. Ich weiß nur nicht, warum das so sein soll.


Mario (vom Companisto-Team) sagt am 21. März 2018

Hallo Windsurfer,

eine interessante Rechnung :) Hat aber nur bedingt etwas mit einem Crowdinvesting zu tun. ;)
Die Finanzierungsmittel aus einem Crowdinvesting fließen i. d. R. nur kurzfristig in den Ausbau des Personals bzw. die nächsten Entwicklungsschritte, sollen also primär die nächsten Entwicklungs- und Wachstumsschritte abdecken/fördern.
Natürlich besteht bei weiteren Wachstums und damit verbundenen Personalaufbau auch weiterer Finanzierungsbedarf, z. B. über eine Anschlussfinanzierung.

Beste Grüße


Mario (vom Companisto-Team) sagt am 21. März 2018

@GiniKoeffizient

Viele schöne und wichtige Punkte Ich gehe mal etwas genauer auf den Bewertungsprozess ein.Der wichtigste Punkt zuerst: Es gibt keine 100%ige Sicherheit, dass ein Startup Erfolg haben wird bzw. sich erfolgreich in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Es gibt einige wichtige Indikatoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen und die wir bei der Bewertung zugrunde legen: Ist der Businessplan/das Geschäftsmodell fundiert; wie ist die aktuelle (finanzielle) Entwicklung des Startups bzw. welche Tendenz hat sie; welches Marktpotenzial bietet es; ist es überhaupt ein interessanter Case für Investoren (nicht trivial) ...
Das Wichtigste aber ist tatsächlich das Startup-Team/-Gründer und der persönliche Kontakt zu ihnen: Welchen Eindruck haben wir von ihnen, steckt Kompetenz im Team, was wollen sie erreichen und wie ... aus der Ferne ließe sich das nicht betrachten!
Sprich: es gibt jede Menge Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt. Dabei greifen wir auf unsere eigene Fachkompetenz zurück, ziehen bei Bedarf aber auch externe Fachleute zu Rate.

Aufzwingen können wir dem Startup natürlich im Endeffekt nichts, das ist aber auch nicht Ziel eines Crowdinvestings. Wer eine Finanzierung bei Companisto durchläuft, geht allerdings auch Verpflichtungen ein wie z. B. regelmäßige Reporting mit belastbaren Zahlen u.v.m.

Klar ist aber auch: Eine Finanzierung oder Unternehmensbeteiligung, egal welcher Art, ersetzt kein unternehmerisches Handeln auf Seiten des Startups! Wachstum heißt ja nicht nur, immer mehr Geld heranzuziehen, sondern sich selbst und als Firma weiterzuentwickeln. Hierbei können Investoren durchaus wichtigen Input geben und/oder Know-how zur Verfügung stellen. Also Austausch intern und extern!

Und ja, auch wir haben in den letzten Jahren viele Erfahrungen aller Art gesammelt und tun es noch. Wir entwickeln uns eben auch :).

Wenn Du möchtest, kannst Du uns gerne auch direkt ansprechen und mit uns in den Austausch gehen.

Viele Grüße


Mario (vom Companisto-Team) sagt am 21. März 2018

@Daniel

Stimmt. Das Startup muss sich nicht mirt Hunderten Investoren einzeln auseinandersetzen. Dafür gibt es das Pooling bei Companisto. Unf nah dran sind sie bei uns tatsächlich.

Viele Grüße


Mario (vom Companisto-Team) sagt am 21. März 2018

@ar4124

Da gehen aber einige Sachen durcheinander. Gut, dass es den Artikel vom Finanzwesir gab/gibt :)

zu 1. Das Unternehmensmodell nennt sich GmbH und wurde nicht von uns erfunden. Und greifbar sind die Gründer schon, siehe den Artikel hier.

zu. 2. Warum nicht? Sollte nicht jeder die Möglichkeit erhalten, sich an interessanten Projekten/Unternehmen zu beteiligen? Warum soll es nur finanzstarken Personen überlassen werden?
zu 2 a) stimmt nicht
zu 2 b) ist was dran, liegt aber einfach daran, dass sie sich damit ständig beschäftigen
zu 2 c) das sollte es in keinem Investitionsfall

zu 3. Das ist, 'schuldigung, ausgemachter Quatsch. Wie Du oben schön geschrieben hast: Filterblasen-Blick ;)

zu 4. Crowdinvesting ist eine Risikoanlage, deswegen aber noch lange kein Kasino. Einflussmöglichkeiten bestehen durchaus und werden von uns, soweit möglich, auch forciert.

Viele Grüße


Daniel sagt am 21. März 2018

Hallo Mario,

ich glaube, du hast die Rechnung von Windsurfer missverstanden. Es ging nicht darum, was in den finanzierten Startups passiert, sondern welcher Teil des Geldes (also stark vereinfacht vergleichbar mit der Kostenquote bei ETFs) eure Jobs bezahlt.
Dazu hat er aus der Angabe, dass 31 Leute bei Companisto angestellt sind, die Personalkosten abgeschätzt und ins Verhältnis zu dem Gesamtvolumen von 46 Millionen Euro gesetzt.


Finanzwesir sagt am 21. März 2018

Hallo ZweiteMaus,

"Bei diesem Interview fehlt mir allerdings ein bisschen die sonst gewohnte sachliche Tiefe,"

Das ist ein Interview, kein Aufsatz über das Für&Wider von Crowdivesting. Wo soll da die sachliche Tiefe herkommen? :-)
Ich stelle meine Fragen, der Interviewpartner antwortet und dann gilt das biblische "an ihren Taten sollt ihr sie erkennen".
Die Antworten sprechen für sich und jeder Leser kann daraus seine Schlüsse ziehen. Ich habe hier schon die richtigen Leser, ich muss das nicht "einordnen".
Einordnen ist doch nur ein Euphemismus für "Ihr seid alle zu blöd, ich erklär euch mal, wie ihr das verstehen müsst". So habe ich das bis jetzt mit jedem Interviewgast gemacht und mir gefällt es ganz gut, so wie es läuft. ;-)

Gruß
Finanzwesir


42sucht21 sagt am 24. März 2018

@ar4124 und @GiniKoeffizient
Vielen Dank für Ihre pointierten Kommentare. Ich finde die richtig gut!


Mario (vom Companisto-Team) sagt am 21. März 2018

@Daniel

Stimmt. Ist mir nach dem Kommentar auch aufgefallen :)
danke nochmal.


tbee sagt am 30. März 2018

Ich nochmal - Im Rahmen meiner P2P Kredite habe ich einen etwas längeren Artikel zur Ausfallrate und Eintrittswahrscheinlichkeit (mit Hilfe der Binomialverteilung) von P2P Kreditausfällen erarbeitet – mit dem Ziel eine Renditeprognose zu erstellen.

Ihr könnt das ja mal mit einer Ausfallrate von 10/15/25 % und sagen wir mal 20 Projekten durchrechnen und dann schauen welcher Zinssatz fair wäre ... :-D

Das ist ja schon je nach P2P Plattform recht ernüchternd - aber in dem Fall hüstel

Auf dem Blog von tbee gibt es hierzu diesen Artikel: Warum ein kleines Portfolio scheitern wird oder Der Einfluss der Diversifikation auf die Rendite….


DerFinanzstratege sagt am 04. April 2018

Danke für das Interview, Finanzwesir. Ich finde, Du hast die richtigen Fragen gestellt. Auch companisto hat sich gut geschlagen. Man muss sich klar sein, dass es sich bei Start-Up Investments um Hochrisikoanlagen handelt. Ein Totalausfall des Investments tritt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ein. Daher sollte bspw. der Normalverdiener auch nur mit übrigen finanziellen Mitteln und nur mit einem sehr kleinen Anteil seines Finanzanlagevermögens über ein Investment nachdenken. Crowdfunding ist noch eine junge Disziplin der Fintech-Szene. Ich gebe der Idee aber auf jeden Fall gute Chancen für die Zukunft - wenn man die Anlager nicht dadurch vertreibt, dass die Risiken sich realisieren, die der Finanzwesir so treffend und plakativ in seine Fragen aufgenommen hat.


Das Buch zum Blog: 440 Seiten voller Informationen. Jetzt im Handel erhältlich.


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