24. Januar 2019


Dimensional-Funds: Eine neue Rendite-Dimension für mein Geld?

Leserin A. fragt

Ich hatte letztens einen Honorarberater zum Erstgespräch bei mir. Er erzählte mir von der Firma Dimensional. Die bieten Fonds an in denen rund 10.000 Aktien enthalten sind, was ja eine gigantische Streuung wäre bei niedrigen Kosten wie bei ETFs. Die Investieren nur in kleine und unterbewertete Firmen.
Man kann die auch nur über den qualifizierten Honorarberater erwerben.
Haben Sie schon davon gehört? Was halten Sie davon?

Der Finanzwesir antwortet

A. schreibt

"Die bieten Fonds an in denen rund 10.000 Aktien enthalten sind, was ja eine gigantische Streuung wäre…"

Sie Sie sicher, dass er 10.000 gesagt hat und nicht zehn hoch vier? Dimensional ist nämlich sehr stolz auf seine Wissenschaftlichkeit.
10.000 Firmen: Diversifikation oder ein Sack Flöhe?

Investment-Universum

23 Industrieländer (blau) und 24 Schwellenländer (grün), das ist das Investment-Universum. Das kann man jetzt n-dimensional aufziehen, aber es bleibt blau und grün.

Um 10.000 Firmen einzusacken, müssen wir uns an rund 98% der weltweit verfügbare Anlagemöglichkeiten beteiligen.

  • Industrieländer: Large, Mid und Small Caps
  • Schwellenländer: Large, Mid und Small Caps

Alles, was nicht bei Drei auf dem Baum ist, wird eingestaubsaugt. Leider sind die Krümel nicht alle gleich groß. Manche kommen kaum durch den Schlauch, die meisten dagegen sind wie Staub. Wir machen uns schlau: Die Krümelgrösse nennt man Marktkapitalisierung.

  • Gewichtung nach Region: Industrieländer: 86%, Schwellenländer: 13%
  • Gewichtung nach Firmengrösse: Large & Mid Caps: 84%, Small Caps: 14%

Tabellarisch sieht das so aus

  ACWI IMI (alles) ACWI (Small Caps raus) World (Schwellenländer raus)
Firmen 9.000 2.400 1.600
Marktkapitalisierung 98% 84% 73%

Selbst wenn wir 90% der Firmen rauswerfen, behalten wir immer noch 73% der Marktkapitalisierung. Das liegt daran, dass Firmen wie Apple die Marktkapitalisierung von Staaten haben. 2016: Apple: 215,7 Mrd. $ Umsatz, Bangladesh: 221,4 Mrd. $ BIP

Das macht Fonds-Manager glücklich, denn 10.000 Firmen sind ein elender Sack Flöhe.

Praxischeck

  • ETF: iShares MSCI ACWI (ISIN IE00B6R52259)
  • Fondsvermögen per 23.1.2019: 667.957.655 USD
  • Auf Platz 275 von 9.000 die Transcanada Corp (Ticker TRP) mit einer Gewichtung von 0,08%
  • TRP-Aktienkurs per 23.1.2019 an der NYSE: 41,13 USD
  • Dividende 2018: Vier mal 0,69 CAD (Kanadische Dollar)
  • Umrechnungskurs per 24.1.19: 1 USD = 1,34 CAD

Überschlägige Rechnung

  • Dividende: 4 x 0,52 USD macht rund 2 USD Dividende pro Aktie.
  • Der Fonds hält TRP-Aktien im Wert von 534.366 USD.
  • Das entspricht knapp 13.000 Stück.
  • Macht rund 26.000 USD an Dividende, die leider in vier Tranchen zu je 6.500 USD eintrudeln.

Wir haben hier ein Monster von einem Fonds, das einem permanenten Erdnuss-Bombardement ausgesetzt ist. Nummer 275 liefert wenigstens noch 6.500 USD.
Was glauben Sie, wie viele Ringgit die malaysische Genting in den Hut wirft? Genting ist mit 0,03% die Nummer 955.
Irgendwann ist es wirtschaftlicher die Dividende nicht einzutreiben, sondern der Firma zu sagen: "Spendet die paar Kröten direkt an die SOS-Kinderdörfer."

Womit wir beim Tracking-Error wären…

Dann doch lieber synthetisch. Ein Swap und die ganzen Dividenden-Peanuts sind Geschichte. Geht auch nicht, denn dann geht das Geheule der Puristen los: "Unehrlich, unseriös, typisch Finanzindustrie. Der Fonds muss Aktien besitzen und zwar auch die 0,01% von dieser indonesischen Palmölbude."
Sagt Marketing: "Nix da mit synthetisch. Über Teilreplikation können wir reden."

Meine Antwort an A.: Viele Firmen sind erst einmal nicht "viel Diversifikation", sondern "viel operativer Stress und hohe Kosten". Zehn hoch vier ist kein Qualitätskriterium, sondern ein Pfauenrad, das die Frau beeindrucken soll.

Dimensional Fund Advisors

Nun aber zu Dimensional. Was ist das für eine Firma? Schauen wir uns mal auf der Homepage um

"Dimensionals Investmentansatz hat das Ziel, die großen Ideen der Finanzwissenschaft zum Nutzen unserer Kunden umzusetzen."

"Seit über 35 Jahren setzt Dimensionals globale Unternehmensgruppe wissenschaftliche Finanzforschungsergebnisse in praktische Investmentlösungen um, um unseren Kunden die bestmögliche Investmenterfahrung zu bieten."

"Dimensionals Investmentansatz ist tief in der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie verankert und greift auf jahrzehntelange empirische Forschungsergebnisse zurück."

"Das Verständnis darüber, woher Renditen kommen, stellt unseren Ausgangspunkt dar. Davon ausgehend konzentrieren wir uns darauf, die beste Methode zu entwickeln, um diese höheren erwarteten Renditen zu generieren."

Mit Wissenschaft zur Überrendite.

Das ist auf jeden Fall eine gute Story. Man sieht Sie vor sich, die Wissenschaftler in ihren weißen Kitteln, wie sie den Fluxkompensator bedienen und ein Wurmloch in eine andere ETF-Dimension öffnen. Was purzelt heraus? Ein knuffiger Faktor-ETF.
Stories sind der Speck, mit denen man die Anlegermäuse fängt.
Das ist der Grund, warum die Finanzindustrie so gerne Faktor-ETFs auflegt. Der Vertrieb kann dann sagen: "Wir sind unvergleichlich". Dabei sind die Dinger nur unvergleichbar.
Vergleichbarkeit bedeutet standardisierte Transparenz. Da spricht der Preis. Reines, ätzendes Skalengeschäft.
Mit Momentum, Value und Quality schafft man Einzigartigkeit und kann eine tolle Story erzählen. Das ist das kleine Einmaleins der Markenpositionierung. Kennen Sie von Nike, Apple und Coca Cola.

Bleiben wir skeptisch. Was sagt der Kurs-Chart? Fangen wir mit den Brot&Butter-Indizes an. Hier die Liste aller Dimensional-Funds.

Drei mal Brot & Butter

Dimensional gibt zu jedem ETF einen Benchmark-Index an, den es zu schlagen gilt. Ich vergleiche den Dimensional-ETF mit einem ETF auf die Benchmark. Dabei versuche ich möglichst lange Zeitreihen darzustellen.

Dimensional World Equity Fund versus SPDR MSCI ACWI

Für Dimensional ist der MSCI ACWI der Referenzindex. Der SPDR-ETF ist der älteste und größte ACWI-ETF, der in Deutschland zum Kauf angeboten wird. Ein würdiger Gegner für den Dimensional.

Name ISIN Auflagedatum Fondsvolumen TER
Dimensional IE00B4MJ5D07 06.01.2012 1,4 Milliarden € Verwaltungsgebühr: 0,42%
Laufende Kosten: 0,50%
SPDR IE00B44Z5B48 13.05.2011 1,2 Milliarden € 0,4%

Dimensional World Equity Fund versus SPDR MSCI ACWI
Quelle

Ergebnis

  1. Alter und Volumen: Beide Fonds spielen in der gleichen Liga.
  2. Performance: Nimmt sich nichts.

Dimensional Global Core Equity versus iShares Core MSCI World

Für diesen ETF sieht Dimensional den MSCI World als Benchmark an. Der iShares ist der mit Abstand größte World-ETF in Deutschland. Deshalb habe ich ihn ausgewählt.

Name ISIN Auflagedatum Fondsvolumen TER
Dimensional IE00B2PC0260 03.09.2008 2,5 Milliarden € Verwaltungsgebühr: 0,3%
Laufende Kosten: 0,36%
iShares IE00B4L5Y983 25.09.2009 13 Milliarden € 0,2%

Dimensional Global Core Equity versus iShares Core MSCI World
Quelle

Ergebnis

Siehe MSCI ACWI. Ok, fast, der iShares ist ein bisschen größer, aber beide Fonds sind stabile Dickschiffe. Ab 100 Millionen ist die Fondsgröße als Differenzierungsfaktor wertlos. Der Langzeit-Chart (27.10.2009 bis 22.1.2019) zeigt: Die beiden ETFs nehmen sich nichts.

Dimensional Emerging Markets Core Equity Funds versus Xtrackers MSCI Emerging Markets

Referenz-Index laut Dimensional: MSCI Emerging Markets

Name ISIN Auflagedatum Fondsvolumen TER
Dimensional GB00BR4R5551 01.12.2014 1,5 Milliarden € Verwaltungsgebühr: 0,55%
Laufende Kosten: 0,67%
Xtrackers LU0292107645 22.06.2007 1,6 Milliarden € 0,49%

Dimensional Emerging Markets Core Equity Funds versus MSCI Emerging Markets
Quelle

Ergebnis

Auch hier ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Größe und Alter bei beiden ETFs unproblematisch.

Zwischenfazit Brot & Butter

Brot&Butter-ETFs sind die Kalaschnikows des Buy&Hold-Anlegers. Legendäre Zuverlässigkeit durch ausgeklügelte Konstruktion und praxisgerechte Verbesserungen.

Index Geburtstag Alter 2019
MSCI World 31. Dezember 1969 50 Jahre, meine Generation
MSCI Emerging Markets 30. Juni 1988 31 Jahre, unwesentlich jünger als der Finanzrocker
MSCI ACWI 31. Mai 1990 29 Jahre, Generation "Madame Moneypenny"

Das sind schlachterprobte Recken. Diese Indizes haben mehr Börsenerfahrung auf dem Buckel als Sie. Nach jeder Schlacht, nach jeder Krise gab es Feedback aus der Praxis. Die Jungs von MSCI haben am Index geschraubt, unzählige Fonds-Manager haben Feedback gegeben.
Das sind ausgereifte Produkte. Ausgereifter als dieses halbstarke Momentum/Value/Quality-Zeug. Das ist Generation Z.

Generation Z: Die Faktor-ETFs

Eigentlich ist Dimensional für seine Faktor-ETFs bekannt. Schauen wir mal, wie es da so läuft.

Schwellenland Value

Dimensional Emerging Markets Value Fund versus ???
Jetzt geht’s los mit der Unvergleichbarkeit. Wer soll gegen den Dimensional Funds antreten? Am besten ein Value-ETF. Aber da ist wenig Value im Schwellenland.

  • Referenz-Index laut Dimensional: MSCI Emerging Markets Value Index
  • Einziger zum Vertrieb zugelassener ETF: Der iShares Edge MSCI EM Value Factor (WKN A2JJAQ). Referenzindex laut KIID: MSCI EM Select Value Factor Focus Index

Nun Sie:

MSCI Emerging Markets Value Index = MSCI EM Select Value Factor Focus Index oder nicht? It’s hard to find value, Baby!

iShares hat das Value-Teil am 4.12.2018 auf die Menschheit losgelassen. Aktuell ist der Fonds 77 Millionen schwer. Kein würdiger Gegner für Dimensionals Kampfkoloss.

Name ISIN Auflagedatum Fondsvolumen TER
Dimensional IE00B0HCGV10 10.10.2004 1,7 Milliarden € Verwaltungsgebühr: 0,50%
Laufende Kosten: 0,62%

Lassen Sie uns doch mal schauen, wie sich der Kampfkoloss gegen Brot&Butter-Schwellenland schlägt.

 Dimensional Emerging Markets Value Fund versus MSCI Emerging Markets
Quelle

Gelb vorne. So ist das mit den Faktor-ETFs. Da hat einem der Honoraberater Value versprochen und die Krücke performt nicht. Und zwar seit der Geburt. Muss man als Faktor-Anleger aushalten. Jahrelang. Nur weil der Dimensional-ETF dem Schwellenland-Index noch nie geschlagen hat, bedeutet das nicht, dass die goldenen Value-Zeiten nicht doch noch kommen werden.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass 2028 alle Value-Ivestoren sehr zufrieden mit der Performance sind. Dann sind die mageren Anfangsjahre vergessen.

World Value

Hier das gleiche Problem.
Der Global Targeted Value Fund will den MSCI World SMID Value Index als Referenzindex.
Die Recherche bei JustETF bringt:

  • iShares Edge MSCI World Value Factor, ISIN: IE00BP3QZB59
  • Xtrackers MSCI World Value Factor, ISIN: IE00BL25JM42

Folgen diese drei ETFs dem gleichen Index? Keine Ahnung. Das müssen Sie recherchieren. Des einen Value ist des anderen Talmi.

Name ISIN Auflagedatum Fondsvolumen TER
Dimensional IIE00B2PC0716 12.05.2008 2,1 Milliarden € Verwaltungsgebühr: 0,50%
Laufende Kosten: 0,56%

Dimensional Global Targeted Value versus iShares Edge MSCI World Value

Dimensional Global Targeted Value versus iShares Edge MSCI World Value Quelle

Dieser Chart ist mit Vorsicht zu genießen. Sehen Sie es als den Vergleich zweiter ETFs und nicht als ETF versus Benchmark.

Dimensional Value versus iShares Value versus 08/15-World

Dimensional Value, MSCI World Value, MSCI World

Hier in schwarz noch der ganz gewöhnliche iShares Core MSCI World. Schlägt sich nicht schlecht.

Euro Small Caps

Dimensional European Small Caps versus XTrackers MSCI Europe Small Caps
Referenzindex: MSCI Europe Small Cap Index

Name ISIN Auflagedatum Fondsvolumen TER
Dimensional IE0032769055 06.04.2004 162 Millionen € Verwaltungsgebühr: 0,50%
Laufende Kosten: 0,62%
XTrackers LU0322253906 17.01.2008 833 Millionen € 0,30%

Dimensional European Small Caps versus XTrackers MSCI Europe Small Cap
Quelle

Fazit

Dimensional liegt hinten. Nicht viel, aber doch konstant.

Welt Small Caps

Dimensional Global Small Caps versus SPDR MSCI World Small Caps
Referenzindex: MSCI World Small Cap Index

Name ISIN Auflagedatum Fondsvolumen TER
Dimensional IE00B67WB637 19.04.2011 426 Millionen € Verwaltungsgebühr: 0,43%
Laufende Kosten: 0,51%
SPDR IE00BCBJG560 25.11.2013 299 Millionen € 0,45%

Dimensional Global Small Caps versus SPDR MSCI World Small Cap Quelle

Fazit

Bei aller Wissenschaftlichkeit: Es reicht nur zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen.

Fazit

Dieser Artikel zeigt ein weiteres Mal: Kaum etwas ist schwerer zu schlagen als ein simpler Brot&Butter-Index. Marktkapitalisiert und breit diversifiziert. Alles was darüber hinausgeht ist die Spielwiese der Freaks.

Bei den Faktor-ETF liegt Dimensional eher hinten als vorne. Ist aber auch nicht so schlecht, dass ich davon abraten würde. Vielleicht muss Doc Brown den Fluxkompensator noch etwas nachjustieren.

Das Privileg einen Dimensional-ETF besitzen zu dürfen ist an ein Honorarberater-Mandat geknüpft. Damit ist die Entscheidung für oder gegen Dimensional-ETFs

  • keine taktische Produkt-Entscheidung: Dimensional oder MSCI?
  • sondern eine strategische Entscheidung: Will ich mit diesem Honorberater zusammenarbeiten?

Die Dimensional-ETFs sind soweit konkurrenzfähig. Die Brot&Butter-Teile liefern die Performance, die man von MSCI oder FTSE kennt. Faktor gibt es mittlerweile auch von iShares und Konsorten. Wenn man denn nun unbedingt Faktor will.
Damit bleibt als Alleinstellungsmerkmal die Bindung an einen Honorarberater. Das ist der strategische Kostenblock, nicht die ETF-Kosten.
In meinen Augen ist es nicht die Aufgabe eines Honorarberaters seinen Bauchladen mit besonders tollen Produkten zu bestücken.
Der Job eines Honorarberaters ist es dem Kunden das zu geben was er braucht und nicht das was er will.

  • Der Kunde will: Das geile Produkt, die Überrendite.
  • Der Kunde braucht: Die eiserne Faust, die ihn in der Spur hält, wenn die Qualitätspresse "Armageddon" schreit.

Ein Berater, der dafür sorgt, dass der Kunde in der Krise nicht verkauft ist jeden Cent wert. Entscheidend ist das Nicht-verkaufen. Was nicht verkauft wird ist belanglos. Egal ob ein- oder mehrdimensional: Am Ende landen sie alle bei 5% pro Jahr.
Um die A.s Frage

"Was halten Sie davon?"

abschließend zu beantworten: Dimensional? Von mir aus.

Gegenfrage: Wie finden Sie denn den Honorarberater? Trauen Sie ihm die eiserne Faust zu?

(awa)

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Kommentare

Bernhard Schmalhofer sagt am 24. Januar 2019

Ich weiß nicht ob die Exponentialschreibweise schon ein Beleg für Wissenschaftlichkeit ist. Jedenfalls ist 10.000 104 und nicht 105.


esureL sagt am 24. Januar 2019

Ich find's interessant, dass ein Großteil der (behandelten?) Fragen mittlerweile nur noch „Hey, ist dieses fancige Produkt vielleicht besser?“ lautet, während die Antwort quasi immer: „Also besser definitiv nicht“ lautet.

Aber ganz ehrlich? Es ist irgendwie auch ganz erfrischend, in steter Regelmäßigkeit daran erinnert zu werden, dass alle anderen halt auch nur mit gleichem Wasser zu gleichen Bedingungen kochen. Und nur, weil das Wasser „finanzwissenschaftlich“ abgeschöpft wurde, klappert der Deckel des Kochtopfes am Ende halt auch nicht lauter. ;-)

In diesem Sinne: danke für den Beitrag und eine schöne Restwoche noch!


ChrisS sagt am 24. Januar 2019

Weils im Artikel mehrmals so geschrieben wurde: die Dimensional-Produkte sind keine ETFs im eigentlichen Sinne, sondern Indexfonds.
Ja, mag erstmal nur wie ein kleinlicher Unterschied klingen, ist aber in der Praxis dann doch wieder ein entscheidender - denn wären's ganz normale ETFs, dann könnte sie auch jeder wie üblich an der Börse bei seinem Broker handeln, und müsste sich nicht auf das eigentümliche Berater-gebundene Vertriebsmodell von Dimensional einlassen.

Was auch wieder den Kostenvergleich etwas erschwert. Da von Dimensional vorgesehen ist, dass Privatkunden nur in Verbindung mit einem lizensierten Berater an die DFA-Fonds rankommen, muss man also nicht nur die reinen Produktkosten (DFA vs. vergleichbare ETFs, da ist DFA auch meist an sich schon ein Eckchen teurer) vergleichen, sondern bedenken dass man dazu noch den Berater mitbezahlt, und da kann man dann schon leicht, je nach Gebührenmodell, über 1% laufende Kosten in Summe liegen.

"Die bieten Fonds an in denen rund 10.000 Aktien enthalten sind, was ja eine gigantische Streuung wäre bei niedrigen Kosten wie bei ETFs."

Lass' dich nicht einfach nur von der reinen Firmenanzahl allein blenden, die sagt eigentlich an sich nicht soviel aus wie man denkt (und bei der Diversifikation sollte man es sich auch nicht zu naiv einfach machen, denn einfach nur "mehr" bedeutet nicht immer auch automatisch "besser").

Man könnte mit einer Fund-Overlap Analyse auch erkennen, wieviel von den "normalen" Global-ETFs (wie MSCI ACWI ETFs oder Vanguard FTSE All-World) beispielsweise schon in dem DFA World Equity Fonds enthalten sind, bzw wie groß die Überschneidungen sind.
Oder es reicht eine einfache quick&dirty Bierdeckelrechnung, also was für eine Marktkapitalisierung deckt der DFA World Equity Fonds mit seinen zehntausend Firmen tatsächlich ab, versus was für eine Marktkapitalisierung ein Vanguard FTSE All-World mit etwas über dreitausend Firmen abdeckt?
Dann kann man nämlich leicht schon erkennen, dass die übrigen siebentausend Firmen, die der DFA noch mit an Bord hat, eigentlich vielleicht nur noch höchsten 10-20% Anteil am Gesamt-Marketcap mit beisteuern.
Ist ja auch logisch, denn wie der Wesir schon gezeigt hat beginnt spätestens bei Aktien.Position Nummer Eintausend der Rattenschwanz von den ganzen homöopathischen "sub 0,01% Gewichtung" Firmen.

An der Titelliste kann man auch erkennen, auf den obersten Plätzen findet man in den DFA-Fonds auch die selben alten bekannten Dickschiff-Firmen, die auch in den normalen ETFS/Indizes schon oben stehen, das heißt im wesentlichen (siehe Charts im Artikel) bestimmen da die selben Aktien die hauptsächliche Entwicklung.
Das bringt uns auch zum "... Die Investieren nur in kleine und unterbewertete Firmen.". Nicht unbedingt. Solang man sich eben nicht nur speziell nen Smallcap- oder Value-Fonds aussucht, tun die "mainstream"-Fonds von DFA auch "nur" eher sanft zu den Faktoren (Value, Smallcap, etc.) hinbiegen.

"Tilting" nennt man das, also ja, unterbewertete und kleinere Firmen werden nach bestimmten Regeln mehr oder weniger übergewichtet im Fonds (bzw. größere, überbewertete eben untergewichtet), aber auch nicht so radikal und exklusiv, das man behaupten kann sie investieren "nur" in solche Firmen.

"Man kann die auch nur über den qualifizierten Honorarberater erwerben."

Tja, da kann man eigentlich auch wieder misstrauisch werden. DFA begründet das natürlich hpts damit, dass eben der Kunde zur Aufklärung und dem richtigen Umgang mit den Produkten nunmal einen Berater an die Seite gesetzt braucht, und das mag man sogar (je nachdem für wie unfähig man die Kunden selbst eben hält) in gewisser Weise sogar nachvollziehen, aber für jemand der kein Händchenhalten oder Stützräder (was ja alles, siehe oben, am Ende auch nur wieder eine zusätzliche Kostenschicht ist) mehr braucht, empfindet man das eher als Gängelung.
Oder soll damit vllt noch ein bischen werbewirksames VIP-Feeling erzeugt werden, ala "ganz exklusives Produkt, nicht für jeden, sondern nur bei uns erhältlich!".

"Haben Sie schon davon gehört?"

Von Dimensional Funds? Joa, hab schon länger davon gehört. In der deutschsprachigen Finanzblogsphäre liest man auch öfter mal Leute die danach fragen.

"Was halten Sie davon?"

Von den Fonds an sich? Die sind, bei einer groben Sichtung, alle mehr oder weniger okay.
Performen phasenweise mal besser und mal etwas schlechter als vergleichbare "normale" ETFs, aber das sollte ja niemanden überraschen der über die Zyklikalität der unterliegenden Faktoren bescheidweiß.
Wer sich ernsthaft dafür interessiert und von dem Ansatz überzeugt ist, den brauch ich auch nicht abzuraten, und wer sich nicht dafür interessiert der brauch auf der anderen Seite auch nicht unbedingt zu befürchten hier groß was zu verpassen.

Ich seh's da eher wie der Wesir im Fazit, die Produktentscheidungen an sich (also DFA vs. ETFs) sind bei der Sache eigentlich noch nicht mal das wesentliche, sondern vor allem die Frage ob du überhaupt einem Berater (und wenn ja, dann diesen) brauchst oder nicht?


Finanzwesir sagt am 24. Januar 2019

Hallo Bernhard Schmalhofer,

"jedenfalls ist 10.000 10 hoch 4 und nicht 10 hoch 5"

Stimmt! Und schon gefixt.
Danke Finanzwsir


Flurry sagt am 25. Januar 2019

"Das liegt daran, dass Firmen wie Apple die Marktkapitalisierung von Staaten haben."

Wird Bangladesh an der Börse gehandelt? Würde direkt ein paar Anteile kaufen und da die Textil-Riesen rauswerfen. ;)


Alain Oberdörfer sagt am 25. Januar 2019

Interessanterweise hat der Anbieter Fairr bei seinem Produkt "fairrriester" vor kurzem den Anteil an Dimensional Fonds im Portfolio drastisch reduziert. Jetzt wird bis zu 2/3 in zwei Fonds von Lyxor (mit deutlich geringeren Kosten) investiert.


Dr. Nikolaus Braun sagt am 25. Januar 2019

Hallo Frau A.,
die Frage ist nicht, ob Dimensional kurz- oder mittelfristig outperformed, sondern ob die Produkte Faktoren wie Small und Value sauberer abbilden, als Faktor ETFs - und das tuen sie.
Wenn ich weltweit einen Small / Value Tilt haben möchte, ist das Dimensional-Produkt ein Stück überlegen und die Betrachtung, ob Value oder Small gerade liefert, ist zu kurzfristig (was der Finanzwesir ja auch indirekt einräumt).

Aber: bei Produkten kann man nur viel falsch machen, (aktive Fonds, Zerriss, Wetten auf Einzelwerte, Modeprodukte, geschlossene Fonds, Versicherungen...) aber nicht viel richtig.
Schon gar nicht indem man irgendeinen neuen tollen Hype ausgräbt( - wobei Dimensional kein neuer Hype ist, die gibt es seit über 30 Jahren und die verwalten weltweit viele hundert Milliarden.)
Wegen eines Produktes zu einem Berater zu gehen, ist deshalb auch saudämlich. Ein Berater, der als Mehrwert hauptsächlich ein Produkt nach vorne schiebt, ist quasi Definition auch saudämlich, zumindest kein guter Berater. Die Qualitätsunterschiede zwischen einzelnen passiven Produkten rechtfertigen einen Wechsel zu einem Honorarberater nicht im geringsten.

Die richtige Frage lautet tatsächlich: liefert mein Honorarberater mir Mehrwert durch Beratung, weil er Themen wie Vermögensnachfolge, Kredit, Sinn und Unsinn von Versicherungen, Notfallplanung, etc... auf dem Radar hat; weil er meine individuelle Lebensziele, meine Werte und Prioritäten kennt und mir hilft in kritischen Phasen eine rationale Strategie "lebenslänglich" durchzuhalten, indem er mir hilft fokussiert zu bleiben, Finanzpornos und reisserische Doomsday-Geschichten zu ignorieren?
Da sieht es je nach Berater gern auch mal sehr Dünne aus. ..

Bei diesen Themen kann oder könnte ein Berater richtig helfen: Was hilft ein schön strukturiertes Portfolio, wenn ich nicht dafür gesorgt habe, dass in einer Notsituation eine Person meines Vertrauens für mich entscheiden kann.
Was hilft eine tolle Strategie, wenn ich sie im schlechtesten Moment in Panik umschmeiße? Da überschätzt die Selbermachen-Community häufig die Nervenstärke der Anleger und die Power der Finanzindustrie. Das habe ich dutzendmal erlebt.

Der Unwillen für gute Beratung zu bezahlen, hat m.E. eine ganz klaren Grund: auch viele Honorarberater sind einfach ihr Geld nicht wert, Produktverkäufer in Banken und bei Strukturvertrieben sowieso nicht. ...

Liebe Grüße
Dr. Nikolaus Braun


Altsachse sagt am 25. Januar 2019

Und ich dachte immer, ein Honorarbereter verkauft keine Produkte. Denn nur so könnte er neutral beraten ?


mr.bigwig sagt am 25. Januar 2019

@alain

Ich denke das mit den Kosten verkauft sich halt deutlich besser. Jetzt kann fairr mit einer Gesamt TER von 0,25% werben statt zuvor 0,5%. Auch ist nun in den Produktinformationsblättern eine deutlich geringer Gesamtkostenquote möglich.


langfristanleger sagt am 26. Januar 2019

Egal wie, es wird halt immer wieder versucht die jeweilige Benchmark zu schlagen.
Nach insgesamt gut 20 Jahren intensivem Börsengenuss bzw. Börsenhorror mit Totalverlusten von Einzelwerten habe ich seit 2008 auf Einzelinvestments (mit Ausnahme von Berkshire) fast gänzlich verzichtet und in aktive (nur ausgesuchte Value Fondsmanager) und passive Fonds/ETF angelegt.
Einfaches buy and hold.
Die nächsten 20 Jahre an der Börse sind für mich noch interessant, dann eher für meine Erben. Alle bisherigen Investitionen (steuerfrei "nur" noch bis 100.000€) werden gehalten und vermutlich vererbt.
Zukünftiges, zusätzliches Anlagekapital fliest nur noch in ETF und Berkshire (mit oder ohne Warren!).
Markttiming funktioniert laut gängiger Literatur nicht und für Langfristanleger ist es auch bezüglich Rendite i.d.R. besser, immer 100% investiert zu sein, dennoch bin ich der Meinung, man kann seine eigene langfristige Rendite mit gezielten Nachkäufen von ETF in Börsenkorrekturen signiffikant erhöhen!
Und es kommen IMMER Korrekturen, höchstwahrscheinlich auch in den nächsten 20 Jahren.
Allerdings fehlt mir noch das "Feinkonzept", welche Nachkaufzeitpunkte in der Vergangenheit (natürlich keine Garantie für zukünftige Entwicklungen) die beste Performance erzielt haben.
Bis jetzt sieht mein Plan folgendrmaßen aus:
Bei 20% Korrektur vom letzten Höchstkurs des MSCI werden 30% des zusätzlich angesparten Kapitals investiert, bei einer weiteren Korrektur auf 40% vom letzen Höchstkurs werden 40% investiert und bei 50% Abschlag vom letzten Höchstkurs der Rest.
Diese Zahlen sind willkür und da würde ich mich freuen, wenn es hierzu ein echtes "mögliches Konzept" für Nachkäufe geben würde.


SohnB sagt am 26. Januar 2019

Tach gesagt.... es ist wieder herrlich geschrieben und messerscharf analysiert.
STARK!!!!
Es bringt mich als Börsen-Neuling (16 Monate) auch immer wieder auf den Brot-und Butter-EFT-Boden zurück. Am Ende 2018 war es ja etwas wellig auf dem Börsenmeer, trotzdem habe ich meine monatliche Sparraten eingehalten, nix verkauft, nur bei Welt und EM geblieben.....und die Blog-Artikel des Finanzwesirs zur Nervenberuhigung gelesen ;-) ... mittlerweile bewache ich mein Depot auch nicht mehr helikopterartig.... also weiter so in 2019.


W. R. sagt am 27. Januar 2019

Mehrwert? Fehlanzeige!
Vielen Dank für den gutem Artikel und Vergleich. Deutlich erkennt man die höheren Kosten der Dimensional Fonds. Für mich ein Kriterium diese nicht zu kaufen, da es keinen Mehrwert gibt.


CarstenP sagt am 28. Januar 2019

@ langfristanleger

Bis jetzt sieht mein Plan folgendermaßen aus: Bei 20% Korrektur vom letzten Höchstkurs des MSCI werden 30% des zusätzlich angesparten Kapitals investiert, bei einer weiteren Korrektur auf 40% vom letzen Höchstkurs werden 40% investiert und bei 50% Abschlag vom letzten Höchstkurs der Rest. Diese Zahlen sind willkür und da würde ich mich freuen, wenn es hierzu ein echtes "mögliches Konzept" für Nachkäufe geben würde.

Ja, dieser Plan ist Willkür und hier ein paar Schwachstellen:

  1. Woher kommt das angesparte Kapital, warum war das vor der Korrektur nicht investiert? Während das angesparte Kapital auf die 20%+ Korrektur wartet, können Opportunitätskosten (der Markt steigt weiter) entstehen, die größer sind als der Verlust durch die Korrektur selbst.
  2. Was ist der Plan, wenn die Korrektur bei 19% aufhört?
  3. Was ist der Plan, wenn nach der 30% Korrektur noch eine 30% Korrektur kommt?
  4. Nach einer Korrektur soll die Aktienquote bis auf 100% erhöht werden, damit erhöht sich das Risikolevel vom Portfolio. Wenn man so eine hohe Risikotoleranz hat, warum hält man nicht die ganze Zeit so eine hohe Aktienquote?
  5. Wenn man nicht so eine hohe Risikotoleranz hat, wie lautet der Plan um die Aktienquote wieder zu senken?

Hier ein "mögliches Konzept":

Es läuft, wie so oft, auf die Asset-Allokation nach persönlicher Risikotoleranz hinaus, man wählt eine Aktienquote, die man langfristig durch dick und dünn halten will.
Da der Markt immer mal wieder daran rüttelt und die Gewichte verschiebt, führt man hin und wieder ein sogenanntes Rebalancing durch, d.h. wenn die Aktien stark gefallen sind, dann muss man welche nachkaufen und wenn sie stark gestiegen sind, muss man welche verkaufen um die Asset-Allokation wieder auf die gewünschte Gewichtung zu bringen.


langfristanleger sagt am 28. Januar 2019

Danke CarstenP, sehr gut die Schwachstellen beschrieben und eine realistische Alternative benannt. Vielleicht kennt jemand noch eine weitere Möglichkeit?


Schwachzocker sagt am 29. Januar 2019

| @ langfristanleger

"Danke CarstenP, sehr gut die Schwachstellen beschrieben und eine realistische Alternative benannt. Vielleicht kennt jemand noch eine weitere Möglichkeit?"

Eine Möglichkeit, um was zu erreichen? Es gibt bestimmt tausende von Möglichkeiten, um Market-Timing zu betreiben, aber keine funktioniert mit hinreichender Zuverlässigkeit. Man kann dabei gewinnen oder verlieren.
Da liegt daran, dass niemand zukünftige Kursverläufe kennt.


DerTimmo sagt am 29. Januar 2019

@Thema Market-Timing:

Im gro verliert man dabei, daher würde ich davon auch nur abraten, wenn es ein gewisses Maß übersteigt.
Wenn man Market_Timing betreibt muss man m.E. im Hinterkopf haben dass man gerade zockt, bzw. dass das eingesetzte Kapital als "Spielgeld" zu verstehen ist - wie im Casino.
Mit dieser Einstellung ist man wenigstens nicht enttäuscht wenn es nicht klappt, bzw. tendiert man damit auch weniger ZU VIEL durch diese Methode zu riskieren.
Denn dass ist es ja was beim aktiven Traden, gerade bei hochriskanten Themen wie CFDs, die meisten kaputt macht - der kurze Reiz durch einen erfolgreichen Trade, der das Belohnungszentrum so stark "thrillt", dass man es wieder versuchen möchte. Vorsicht vor der Psychologie bei sich selbst.

Ich würde vorschlagen - und das wäre sehr interessant eure Meinungen dazu zu hören - das Konzept Market-Timing nur so zu verwenden, wie die weltweiten Konjunktur-Zyklen verlaufen.
Wenn die Konjunktur schwächelt, dann erhöhe ich meine Sparrate und wenn die Kurse wieder bullische Dynamik aufnehmen, dann fahre ich meine Sparrate zurück auf den Ursprungswert/ meinen Standard. (Bloß nicht weniger als die Baseline!)

"So baue ich mir eine etwas dickere Fellschicht im Winter auf, und freue mich im Sommer über die geschaffene Basis."

@Langfristanleger: bevor du fragst: die Erhöhung der Sparrate kommt in diesem Fall vom laufenden Einkommen, d.h. fü r die konjunkturell schwache Zeit gönne ich mir >sozusagen> etwas weniger Luxus im Alltag.

M.E. ist das ein gesunder Mittelweg und nimmt das beste vom Market-Timing-Ansatz, ohne dass es zum Zocken wird.

Eure Gedanken?


langfristanleger sagt am 30. Januar 2019

Also Zocken ist bei mir nicht!
Ich habe auch nicht vor, meine bisherigen Investitionen zu verkaufen, eher für immer zu halten.
Jährlich kommen ungefähr 20.000 Euro neues Kapital zum Investieren hinzu, die sich aus Mieteinnahmen generieren. Davon fließen 10.000 Euro am Jahresende in einen Welt-ETF, starr und ohne Markttiming.
10.000 Euro wandern jährlich auf das Börsenkonto und bleiben dort für "Sondersituationen" und sollten für sehr gute Kaufgelegenheiten (Nachkauf ETF-Welt) genutzt werden.
Rebalancing gibt es bei mir nicht, da ich 100% in Aktien investiere, also nur diese Asset-Klasse bevorzuge und eine sehr hohe Risikotoleranz besitze. Für die Immobilien werden separat Rückstellungen für Reparatueren etc. erstellt.
Also entweder "starr" jährlich 20.000 Euro investieren oder aber 10.000 Euro und den Rest für Markteinbrüche von z.B. 30% und mehr "ansammeln".


Flo sagt am 31. Januar 2019

@DerTimmo:

"Wenn die Konjunktur schwächelt"

Woran genau willst du das festmachen?

Ich halte deinen Ansatz grundsätzlich für Interessant, wenn man sich bewusst dafür entschieden hat, eine Form des Market Timing zu praktizieren. Allerdings würde ich dies dann eher als Hobby deklarieren. Beste Grüße!


BigMac sagt am 31. Januar 2019

Es gibt Untersuchungen zu der Frage, die ergeben haben, dass durchgängiges "all in" - in deinem Fall also fix 20.000 Ocken p.a. - auf lange Sicht over all das beste Ergebnis ist.
URL zu diesen Untersuchungen irgendwo hier im Blog, vermutlich von ChrisS oder Dummerchen gepostet.
Um dein Ansinnen mit einer Empfehlung zu beantworten: "Also Zocken ist bei mir nicht!" und " ... [ich] eine sehr hohe Risikotoleranz besitze." bedeutet nichts anderes, als dass DU dir klar machen musst wieviel Verlust / Minderrendite und Schwankung DU im Gegenzug für ein gewisses Maß an potenzieller Mehrrendite aushalten kannst.
Bei mir geht immer alles ohne zu gucken ins ETF-Depot - für <> ist alles Zocken, was außerhalb davon ist.


Nostradamus sagt am 31. Januar 2019

@langfristanleger: "Also entweder "starr" jährlich 20.000 Euro investieren oder aber 10.000 Euro und den Rest für Markteinbrüche von z.B. 30% und mehr "ansammeln"."

Also, wenn du schon etwas hier gelesen hast und dich auch mit der gängigen ETF-Literatur beschäftigt hast (z.B. Kommer), wirst du eigentlich schnell darauf stoßen, dass Market Timing generell nicht empfohlen wird.
Der beste Zeitpunkt zum Investieren ist immer dann, wenn Geld zum Investieren da ist. Natürlich gibt es dazu auch unterschiedliche Meinungen und manch einer meint, eben doch den "richtigen" Investitionszeitpunkt erkennen zu können. Musst du halt wissen, ob du das kannst. Wenn ja, dann mach Market Timing. ;-)


langfristanleger sagt am 31. Januar 2019

@Nostradamus: "Der beste Zeitpunkt zum Investieren ist immer dann, wenn Geld zum Investieren da ist"

Diese Aussage kenne ich und natürlich habe ich auch das hervorragende Buch von Gerd Kommer gelesen, ehrlich gesagt seine aktuelleste Ausgabe 4 mal innerhalb weniger Monate. Auch das nette Buch von unserem Finanzwesir, da hat aber einmal gereicht, ist halt einfacher, lach.

@BigMac: "Es gibt Untersuchungen zu der Frage, die ergeben haben, dass durchgängiges "all in" - in deinem Fall also fix 20.000 Ocken p.a. - auf lange Sicht over all das beste Ergebnis ist."

So habe ich das auch in Erinnerung, lediglich ein größerer Betrag, z.B. durch Erbschaft, sollte eventuell auf mehrere vorher definierte Investitionszeitpunkte aufgeteilt werden. Allerdings weniger aus Sicht der Rendite, sondern mehr aus psychologischer Sicht.
Ich danke euch, manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht!!!


Smartinvestor sagt am 08. Februar 2019

@ langfristanleger

"Vielleicht kennt jemand noch eine weitere Möglichkeit?"

Ständig "All in" mit "Buy and hold" und regelbasiertem "Rebalancing", rein mechanisch durchgezogen, ist nach wie vor in jedem Fall die beste Lösung mit dem langfristig höchsten Rendite/Risiko-Verhältnis. Die Herausforderung, an der die meisten scheitern, ist dabei das konsequente, unintuitive aber rationale "Sell the winners and buy the losers". Das machen selbst die größten und besten Pensions- und Stiftungsfonds so, wie z.B. der des David Swensen an der Yale Uni.

Mit der Asset Allokation ist es jedoch möglich, langfristig noch mehr rauszuholen und gleichzeitig das Risiko abzusenken, insbes. das von maximalen Einbrüchen während Crashs. Dazu musst du möglichst viele möglichst nicht bis gering korrelierte Assets mit Renditen und Volas in ähnlicher Höhe nach aktivem Fonds-Picking kombinieren.

Reine Alpha-Investments sind dazu nach neuestem Stand der Finanzwissenschaft und nach meiner Erfahrung am besten geeignet. Die beuten mittelfristig grob vorhersagbare Marktineffizienzen aus dem irrationalen Verhalten der meisten Marktteilnehmer aus. Damit erschließen sie eine weitere sichere Renditequelle, die unkorreliiert ist.

Gute Erfahrungen habe ich z.B. mit liquiden Managed Futures Fonds (MFFs) gemacht. Die nutzen die bekannte Trendfolge-Strategie long und short gehebelt, um langfristig über mindestens einen Börsenzyklus unkorrelierte reine Alpha-Erträge aktienähnlicher Rendite und Vola kostengünstig, systematisch bzw. prognosefrei zu erzeugen, wie z.B. der Man AHL Trend Alternative. MFFs mit marktneutralen Strategien sind weitere brauchbare Alternativen.

Entscheidend ist, dass tatsächlich unkorrelierte reine Alpha-Investments ausgewählt werden. Die müssen ausreichend wettbewerbsfähig sein, um eine positive reine Alpha-Performanz dauerhaft gegen den ständig effizienter werdenden Markt aufrecht zu erhalten.

Bei entsprechendem Fonds-Research-Aufwand ist das mit ausreichender Zuverlässigkeit möglich aber eine Wissenschaft für sich, die der richtigen ETF-Auswahl, wie hier betrieben, nicht nachsteht. Gerade im jetzigen Börsenumfeld lohnt sich das jedoch sehr, um mit dem richtigen Know How ein paar Prozentpunkte pro Jahr mehr herauszuholen und vor allem herbe Einbrüche ohne die Opportunitätskosten von renditezehrenden Zins(los)anlagen deutlich abzusenken. Die hier oft diskutierten DIY-Ansätze der Market Timings sind dazu völlig untauglich da unsystematisch zufällig.


Ralf Miksch sagt am 04. April 2019

Geldanlage ist sicherlich Geschmackssache, aber auch vor allem Erfahrungssache. Eine Kleine Verbesserung hätte ich aber anzumerken. Dimensional Funds sind keine ETF´s, weil Sie nicht an der Börse so einfach handelbar sind.
Für Anleger, die investieren und nicht traden, oder gar wetten wollen, an sich eine langfristig sehr sinnvolle Alternative.
Es kommt vor allem auf den Finanzberater an und auf die richtige Einschätzung der Risikobereitschaft des Kunden.

Ich finde die Idee von Dimensional sehr gut und kann nichts negatives feststellen. Daher habe ich dies Produkte nach 26 Jahren Wertpapierberatung gerne in mein Portfolio aufgenommen.

Viele Grüße aus Nürnberg und Danke für diesen ausführlichen Vergleich, Finanzwesir!


Michael R sagt am 12. April 2019

Danke lieber Wesir,

für die interessanten Zeilen. Ich weiß nicht, ob ich blauäugig bin oder zu wenig Ahnung habe, aber ich habe 3 Dimensonal Fonds im Depot. Von einem Honorarberater empfohlen (Blog/Seminar/Online/Podcast) und per Sparplan bei der comdirect ins Depot geholt...


ChrisS sagt am 12. April 2019

@ Michael R

solang du selbst nach eigener Auseinandersetzung (d.h. nicht nur einfach unreflektiertes Übernehmen von dem was der Berater so vorsagt) mit den Dimensional Funds ggü möglichen Produktalternativen zu der begründbaren Überzeugung gekommen bist, dass sie für dich die bestmögliche Lösung wären, dann ist das ja kein Problem.

Wenn du dich aber selbst schon als "blauäugig" und "keine Ahnung" bezeichnest, würde ich diese Auseinandersetzung damit vielleicht mal erst noch nachholen. Ausser wie gesagt du bist mit diesem Zustand schon zufrieden?

Was kostet denn eigentlich der Berater noch dazu? Denn als einfacher Außenstehender kann ich die Dimensional Fonds nicht einfach allein bei den Broker selbst kaufen, sondern immer nur in Verbindung mit einem lizenzierten Berater, den man zusätzlich dazu noch bezahlen muss.

Sowas (für mich unnütze Mitesser-Schichten) stört mich schonmal prinzipiell, wie ich in oberen Postings dazu schon geschrieben hatte, weil ich eben persönlich auch keinen Bedarf an Beratung habe, aber haja soll jeder machen wie er denkt.


Michael R sagt am 12. April 2019

@ChrisS Danke für deine Antwort.

Über die Art der Anlage habe ich mich lange informiert und mit Alternativen abgewägt. Für mich ist ein bestimmter Dimensional-Mix für einen Anlagehorizont von 35-40 Jahren erstmal passend.

Nun bin ich kein erfahrener Trader (was ja nichts mit der Anlage-Strategie als solches zu tun hat) habe mir einfach die bestimmten Dimensional Fonds (Bspsw: A1JH9Z) rausgesucht und über den Sparplan ins Depot geholt.

Die Frage ist, ob mir das irgendwann mal um die Ohren fliegt?

LG
M


ChrisS sagt am 15. April 2019

@ Michael R

"Die Frage ist, ob mir das irgendwann mal um die Ohren fliegt?"

Ich weiß noch nicht genau, was du mit "um die Ohren fliegen" eigentlich überhaupt meinst? Erklär erstmal welche konkreten Befürchtungen du dabei hast, dann kann dir die Community vielleicht zielgerichteter sagen ob da was dran ist und was du dagegen tun kannst.

"Über die Art der Anlage habe ich mich lange informiert und mit Alternativen abgewägt. Für mich ist ein bestimmter Dimensional-Mix für einen Anlagehorizont von 35-40 Jahren erstmal passend."

Was genau macht sie denn passend(er) als z.B. ein einfaches Standard-Depot aus den normalen World/EM-ETFs ?
Also wo siehst du da die einzigartigen Vorteile, bzw was liefern die (und nur die) was dir die Basis-ETFs nicht auch schon für weniger Gebühren (günstigere Produkte + man spart sich den "Berater") liefern können?


Das Buch zum Blog: 440 Seiten voller Informationen. Jetzt im Handel erhältlich.


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