31. Januar 2014


Investieren wie ein Barrakuda

Barrakuda? Heißen die nicht Finanzhaie? Nein, ich meine den echten Barrakuda, den Raubfisch. Wenn ein Barrakuda Hunger hat, geht er nicht blindlings auf den nächsten Makrelenschwarm los, sondern umkreist den Schwarm, sondiert die Lage und sucht sich ein Opfer aus. Diese, und nur diese Makrele verfolgt er dann. Mögen ihm auch noch so viele andere Fische vors Maul schwimmen, der Barrakuda wird sich nicht von der vermeintlich leichten Beute ablenken lassen, sondern konsequent seine Wunschmakrele verfolgen. Und das aus gutem Grund: Die Barrakudas, die dachten, sie könnten ein schnelles Schnäppchen machen, sind längst ausgestorben. Verhungert, weil sie am Ende ohne ihr Schnäppchen und ohne Wunschmakrele dastanden.

Was hat das mit Geldanlagen zu tun?

Sehr viel! Ich habe mich entschlossen, nicht in Einzeltitel zu investieren, sondern in Fonds, die breit gestreut in Wertpapiere der gleichen Klasse investieren. Ein Fonds beispielsweise investiert in große Firmen, ein anderer investiert in kleine Firmen und ein Dritter in Firmenanleihen. Das ist meine Barrakudastrategie, an der ich lange geknobelt habe und die ich für sehr brauchbar halte.[1]
Letzthin lag ein Brief des Wellness-Tempels Meridian Spa im Kasten. Man würde da gerade diese tolle Anleihe auflegen, Laufzeit 5 Jahre, Zinsen von mehr als 6 %, ob wir nicht einsteigen wollen …

Was hätte ein Barrakuda gemacht? Ab ins Altpapier damit!

Was habe ich gemacht? Mit der Frau drüber gesprochen, im Internet recherchiert und immer wieder das fette Zinsdelta vor Augen. Top-Tagesgeld bei 1,4 % und das Meridian Spa bietet über 6 %! Das sind 5 % Differenz! Irgendwann ist mir dann aufgegangen, was für ein Idiot ich war.
Wozu mache ich mir die Mühe, wochenlang an einer Strategie herumzufeilen? In Foren zu recherchieren, Bücher zu lesen, mit der Frau darüber zu sprechen, Excel anzuwerfen, zu kalkulieren, zu verwerfen und wieder zu kalkulieren. Dann hält mir einer eine 6-%-Möhre vor die Nase und schwupps fliegt die ganze Strategie über Bord. Kann das sinnvoll sein?
Habe ich bei der strategischen Planung eine Hochzinsanleihe einer mittelständischen Firma vermisst? Nach dem Motto: „Alles super soweit, aber wenn ich jetzt noch eine Meridian-Spa-Anleihe zeichnen könnte, wäre unser Portfolio optimal abgerundet.“ Nein, habe ich nicht.
Außerdem stellt sich die Frage: Haben wir nicht schon einen Fonds, der in Hochzinsfirmenanleihen investiert? Ja, haben wir. Wozu dann noch das Risiko eines Einzelinvestments eingehen, wenn ich doch schon einen schicken, breit streuenden Fonds habe?
Na ja, ich habe mich dann ordentlich geschämt, so auf diese Vertriebsaktion hereingefallen zu sein, und den ganzen Kram ins Altpapier entsorgt.

Fazit

Barrakudamäßige Konsequenz ist angesagt!

[1] Brauchbar bedeutet in diesem Fall: brauchbar für mich. Für Sie kann eine ganz andere Strategie sinnvoll sein. Als Barrakuda müssen Sie sich schon Ihre eigene Makrele aussuchen.

(awa)

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Kommentare

T. sagt am 21. Februar 2016

Das ist so ungerecht, dass hier noch immer kein Kommentar zu finden ist.
Dabei enthält dieser Artikel das Fazit meiner Erfahrungen mit Geldanlage und Börse. Es kann so einfach sein, aber wir jagen der Überrendite hinterher und das geschieht immer wieder, obwohl man es besser wissen könnte.
So ging es mir jetzt wieder mit Smart Beta-Strategien. Das klingt so verlockend. Gerade habe ich das Buch von Jessica Schwarzer: "Einfach erfolgreich anlegen" gelesen.
Sie propagiert dort Alphastrategien und Faktor-Investing und behauptet, dass sei der Stand der Wissenschaft. Man bräuchte nur noch die Risikoprämien einsammeln. Dabei sagt der Nobelpreisträger William Sharpe in 2014: "Wenn ich Smart Beta höre, macht es mich krank." Dazu mehr bei Karl-Heinz Thielmann: Smart Beta = Very Stupid No Alpha.
Auch ich bin beinahe auf die Argumente von Jessica Schwarzer hereingefallen, wollte alle Indizes (ich habe ein BIP-Gewichtetes Weltportfolio: North America/Europe/Emerging Markets/Pacific) zu je 50% mit small caps aufmischen.
Ich habe mich dann noch im letzten Moment daran erinnert, mal im Wertpapierforum etwas über die Stichproben der wissenschaftlichen Untersuchungen bei Fama und French gelesen zu haben: Nur 1% der kleinsten Firmen wurden in ihrer Wertentwicklung untersucht.
Und die small cap Indizes, die es auf dem Markt gibt, haben nur wenig small caps drin. Das hatten mir schon VOR EINEM JAHR die Leute vom Arero geschrieben, aber ich wollte es vergessen und nun endlich auch an den Traumrenditen partizipieren.
Und hatte ich es nicht vorher bei morningstar in mehreren Artikeln gelesen, auf was für schwachen Füßen die sogenannten Faktorprämien stehen? Ja! Warum erinnere ich es dann erst im letzten Moment? Weil wir alle täglich bombardiert werden mit Infos und den Argumenten durchaus kluger Leute.
Und dann liest man so ein Buch von Jessica Schwarzer und wird von ihrer Euphorie für Smart Beta-Strategien fast um den Verstand gebracht. Dabei kann alles so einfach sein und der Finanzwesir zeigt es hier auf seiner Seite!
Aber wer hatte mir nur dieses Buch empfohlen? ;-)


obi sagt am 25. Juli 2017

Small Caps ja - Smart Beta nein danke

Genau das beschäftigt mich auch gerade. Man liest hier, im Wertpapier-Forum usw. oft, dass Small Caps ein Alpha erzeugen konnten in der Vergangenheit. Für die Zukunft weiß das allerdings niemand, vor allem nicht wenn jetzt alle wie verrückt darauf setzen.

Ich überlege auch gerade mir jeweils ein Europa und ein USA Small Cap mit jeweils 5% ins Depot zu nehmen, da ich diese bis 2019 umsonst per Sparplan besparen kann. Die Frage ist aber, was kommt danach und hat es überhaupt einen Nutzen.
Auch in der Finanztest-Ausgabe wurde eine SmallCap-Gewichtung von 10-15% als sinnvolle Ergänzung zur Diversifikation empfohlen. Macht ja auch Sinn wenn man sonst nur Emerging Markets/MSCI World (und Stoxx Europe), also die Großen und vielleicht noch Mittleren drin hat. Denke mit MSCI __ Small Caps bekommt man noch eine weitere Diversifizierung, da diese ja auch nicht so stark korrelieren mit den großen Indizes.

Jedoch finde ich es einen Rückschritt, den MSCI World auf wenige Value-Aktien zu reduzieren und die tolle Diversifikation aufzuweichen. Diese Strategie mag bewiesen sein für die Vergangenheit, aber keiner weiß sie für die Zukunft bringt und daher ist das für mich Stock-Picking. Egal ob Fondsmanager oder Computer und Algorithmus.

Daher finde ich 10% Small Caps im Depot gut und werde es bei mir auch machen, aber die anderen Smart-Beta-Strategien finde ich sehr gefährlich für Anfänger (wie mich) und würde davon abraten.
Auch diese Frau Schwarzer Buchempfehlung scheint hier mehr Leute zu verwirren, als zu helfen...Nach dem letzten Podcast war ich mehr verwirrt als jemals zuvor... Wieso macht man aus dem einfachen 70/30 jetzt so eine komplizierte aktive Strategie... Sehr fraglich ob die Kosten für die Umsetzung das mögliche Alpha rechtfertigen, selbst schon bei einem Small-Cap-ETF zusätzlich..


ChrisS sagt am 25. Juli 2017

@ obi

(kanns sein dass das aus Versehen nicht unter einen anderen Artikel - zB einen der aktuellen über Smart Beta - gepostet werden sollte ? Würde ja besser passen).

"Man liest hier, im Wertpapier-Forum usw. oft, dass Small Caps ein Alpha erzeugen konnten in der Vergangenheit. Für die Zukunft weiß das allerdings niemand, vor allem nicht wenn jetzt alle wie verrückt darauf setzen."

Nunja, man liest so oft vom Smallcap (bzw Size) Premium, weil es das historisch eben auch gab. Das ist also nichts was man einfach nur blind glauben müsste, sondern kann jeder auch selbst nachprüfen. Inwiefern man aus der Vergangenheit auf die Zukunft schließen will, ist natürlich wieder eine andere Frage.
Damit du für dich selbst beantworten kannst, ob das Size-Premium auch noch in Zukunft relevant bestehen können wird (denn im Endeffekt gehts ja nur darum, ob es für uns sinnvoll/lohnenswert ist, speziell darin noch zu investieren), musst du eine Überzeugung (entweder für ja oder nein) entwickeln, welche sich am besten aus einer informierten Auseinandersetzung mit diesem Faktor bildet.
Also Wissen über die eigentliche "Quelle" dieses Faktors, risiko- oder verhaltensbasierte Erklärungen für sein Wirken, Kennen der historischen Out/Unterperformance-Perioden, usw. Aus dem ganzen Studium kann man dann eine relativ vernünftig begründete Meinung pro oder contra Investition bilden.

Das "jetzt alle wie verrückt darauf setzen" ist relativ wenig begründet - kannst du Fakten beziffern, woran du das festmachst?
Also, worauf begründet sich diese Aussage? Ich würde nicht empfehlen, sich da nur von seinem eigenen subjektiven, filterblase-verzerrten Empfinden leiten zu lassen (also das allein nur daran festmachen "wie oft man von einem Thema liest" - wir haben hier ja zB auch ab und zu mal Kommentatoren, die schon den "großen ETF-Hype" diagnostizieren, mit keiner besseren "Begründung" als "es gibt mMn schon zuviele Finanzblogs".... Leute, ihr sucht euch doch selbst aus was ihr lest :-D).
Wenn dich wirklich interessiert ob jetzt alle auf Small-Cap oder so setzen, wirst du wirklich belastbare Informationen eher in so Sachen wie den globalen Fund Flows und Volumenzahlen für dieses Segment, im Verhältnis zum Gesamtmarkt, finden.

"Ich überlege auch gerade mir jeweils ein Europa und ein USA Small Cap mit jeweils 5% ins Depot zu nehmen, da ich diese bis 2019 umsonst per Sparplan besparen kann. Die Frage ist aber, was kommt danach und hat es überhaupt einen Nutzen."

Die Portfolio-Allokation sollte eigentlich erstmal grundlegend nur darauf beruhen, ob sie für dich langfristig Sinn macht. So Sachen wie "bis 2019 kostenlos besparen können" ist dabei wirklich sehr nachrangig.
Die "tja, und dann?"-Frage ist ja offensichtlich. Überleg dir's mal so: würdest du diese ETFs auch kaufen und halten, wenn es sie grad nicht in einer kostenlosen Aktion, sondern nur "normal" gäbe? Wenn ja, dann mach das. Und wenn nicht, dann eben nicht, das ist auch genauso gut :-)

Beim "Nutzen" sind wir halt eben wieder bei dem was ich oben angesprochen habe. Man muss den Nutzen überzeugend begründen können, denn nur dann kann man sich selbst gegenüber die Hinzufügung der Position rechtfertigen.
Bei dem Wissen scheint vielleicht noch Nachholbedarf zu bestehen - kein Problem, ist ja alles leicht zu finden - so dass man nicht mehr auf unsicherem "das hab ich halt mal irgendwo so gehört/gelesen"-Niveau agiert.

Ein Beispiel dafür:

"Denke mit MSCI __ Small Caps bekommt man noch eine weitere Diversifizierung, da diese ja auch nicht so stark korrelieren mit den großen Indizes."

Hast du mal selbst nachgeprüft ob das auch wirklich stimmt, also wie die langfristige Korrelation zwischen MSCI USA / Europe Standardindizes und ihren Smallcap-Indizes tatsächlich ist? Die liegen so je nach Auslegung im Bereich von 0,85~0,95 und mehr, also wirkliche "Diversifikation" im Sinne von unabhängigen Entwicklungen sieht eigentlich anders aus.
Überhaupt Diversifikation, man darf es sich da eigentlich zu einfach-naiv machen und glauben es geht dabei nur um "mehr=besser". Untersuche am besten mal wirklich selbst für dich (im Internet gibts dafür ja einige Tools zum Backtesten statischer Assetallokation), in welchem Ausmaß eine Hinzufügung von zB 5% US/Euro-Smallcaps die Gesamtportfolioperformance langfristig beeinflusst hätte - oder besser gesagt, nicht beeinflusst, denn bei solchen Mickerpositionen wirkt das erst an der dritten Nachkommastelle.

"Jedoch finde ich es einen Rückschritt, den MSCI World auf wenige Value-Aktien zu reduzieren und die tolle Diversifikation aufzuweichen. Diese Strategie mag bewiesen sein für die Vergangenheit, aber keiner weiß sie für die Zukunft bringt und daher ist das für mich Stock-Picking. Egal ob Fondsmanager oder Computer und Algorithmus."

Stockpicking ist das bestimmt, ja. Zum "für die Vergangenheit bewiesen, aber keiner weiß ob das in Zukunft auch noch so ist..." hatte ich ja schon oben was geschrieben, für das gilt das gleiche.
Man muss selbst eine vernünftig begründete Überzeugung entwickelt haben, warum das auch noch für die Zukunft weiter so funktionieren kann, um darin investieren zu können.
Wenn man die nicht hat, bzw die Gegenargumente überwiegen, dann macht man das nicht. So kann jeder das betreiben was er für richtig hält, das ist auch gut so, weil wir alle ja nur mit unseren eigenen Investmententscheidungen (und nicht denen von anderen) leben müssen.

"Daher finde ich 10% Small Caps im Depot gut und werde es bei mir auch machen, aber die anderen Smart-Beta-Strategien finde ich sehr gefährlich für Anfänger (wie mich) und würde davon abraten."

Nicht in was zu investieren, von dem man nicht überzeugt ist - da wird dir hier keiner widersprechen, das machen wir ja alle so.
Die "Gefährlichkeit" einer Sache hängt halt von der Ahnung/Erfahrung ab (welche sich ja auch jeder Interessierte aneignen kann), die man davon hat - also wer weiß was er tut, der wird auch zB mit komplexeren Sachen noch richtig umgehen können, wer nicht weiß was er tut, der wird auch schon mit einfachen ETFs Fehler produzieren. Deshalb ist Bildung eigentlich für alles immer das A und O, und die wird ja hier auch gut geleistet dafür :-)

"Wieso macht man aus dem einfachen 70/30 jetzt so eine komplizierte aktive Strategie... Sehr fraglich ob die Kosten für die Umsetzung das mögliche Alpha rechtfertigen, selbst schon bei einem Small-Cap-ETF zusätzlich.."

Tja, wieso macht man das, am Ende hat das ganze Treiben wohl auch nur den einen Zweck, noch ein bissel mehr Prozente Rendite herauszukitzeln. Jedem ist ja selbst frei, sich daran zu beteiligen oder eben nicht - wer von alldem nicht überzeugt ist, den zwingt ja niemand sein einfaches 70/30 Depot noch weiter zu verkomplizieren.
Zumindest für Smallcaps scheinst du dich ja schon mehr zu interessieren - da ist es genauso, man erwartet sich eine Überrendite die die "Kosten" wieder (mehr als) aufwiegt.
Manch andre Leute sehen das halt auch bei den anderen Faktoren wie Value, Momentum, Quality etc genauso und investieren halt darin, andere Leute sehen das eben nicht so und investieren nicht darin, soll jeder so machen wie er will :-)


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