03. Dezember 2014


Kostenkontrolle: Im Einkauf liegt der Gewinn

Wir leben im Zeitalter der Niedrigzinsen, der Strafzinsen, des Anlagenotstands. Was also tun?
Machen Sie‘s wie der Einkäufer von Aldi: Drücken Sie die Preise. Wenn auf der Gewinnseite nichts mehr zu holen ist, muss man auf der Kostenseite drücken, wo es nur geht.
Jede Firma, die in eine Schieflage gerät, versucht zuerst, die Kosten zu drücken, denn das ist der schnellste Weg, um wieder handlungsfähig zu werden.

Statt sich von der säuseligen Werbung der Banken einlullen zu lassen,

  • "Die Bank an Ihrer Seite"
  • "Leistung aus Leidenschaft" oder
  • "Gemeinsam mehr erreichen"

ist es schlauer, auf die Slogans der Media- und Baumärkte zu hören. Da weht ein rauer und vor allem realistischer Wind. "Ich bin doch nicht blöd" und "hier spricht der Preis" – so geht‘s in den Zeiten des Anlagenotstands zur Sache.
Der größte Anlegerfehler, den Sie zurzeit begehen können, ist, auf höhere Zinsen zu warten.

Kostenkontrolle – das Thema der Zukunft

Knallharte, rücksichtslose, erbarmungslose, fast schon sadistische Kostenkontrolle ist das Gebot der Stunde. Pfennigfuchsen Sie härter als der alte Dagobert Duck.
Es gilt die folgende Faustregel:

  • Basisdinge wie ein Girokonto inklusive EC-Karte, eine Kreditkarte und ein Wertpapierdepot müssen kostenlos sein. Auf einem Girokonto liegt immer Geld herum und zu jedem Wertpapierdepot gehört ein Verrechnungskonto, auf dem immer kleine Beträge liegen. Die Bank kann mit diesem Geld arbeiten und so mehr als die Centbeträge erwirtschaften, die ein Konto die Bank kostet.
  • Eine Kostenquote von 0,x % ist akzeptabel.
  • Wenn die Kostenquote mit einer 1 anfängt, zahlen Sie eine Bequemlichkeitsprämie. Wer 1,x % Ihres Geldes will, sollte Ihnen Arbeit abnehmen. Sei es bei der Auswahl der Produkte oder bei der Steuererklärung.
  • Kostenquoten jenseits der 2 % sind Wucher und Abzocke.

Holzauge sei wachsam!

Die Banken müssen zusehen, wie ihr Geschäftsmodell zerbröselt. Geld billig einkaufen und dann teuer weiterverleihen funktioniert nicht mehr. Trotzdem träumen die Banken weiterhin von einer Rendite jenseits der 20 %. Deshalb müssen sie neue Einnahmequellen erschließen.

Das Anzapfen Ihrer Geldbörse ist eine attraktive Einnahmequelle.

Dazu ein Zitat von Dr. Andreas Dombret, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank aus seinem Vortrag beim Anglo-German Club vom 12.11.2014:

"Bei den deutschen Banken könnte dies durch die Steigerung der Provisionserträge sowie die Suche nach kostensenkenden Maßnahmen erfolgen."
Von der Währungsunion zur Bankenunion – Finanzintegration in Europa, Fettung von mir

Der Exekutivdirektor der Bankenaufsicht, Raimund Röseler auf die Frage: "Sind Sie besorgt um deutsche Banken?"

"Etlichen Banken fehlt auch angesichts dauernder Niedrigzinsen ein überzeugendes Geschäftsmodell. Sie brauchen aber eine gesunde Ertragsbasis, um stabil zu sein."
Fettung von mir

Fred Schwed (ein Wallstreet-Veteran, der den Crash von 1929 miterlebte) schrieb in seinem Buch "Where Are the Customers’ Yachts?" (ein echter Evergreen) schon 1940:

"Am Ende eines jeden Arbeitstages nahmen die Fondsmanager das ganze Geld und warfen es hoch in die Luft. Alle Scheine, die an der Decke kleben blieben, gehörten den Kunden."

Bis heute hat sich an dieser Haltung nicht viel geändert. Der Spruch "Die Banken wollen nur Ihr Bestes, nämlich Ihr Geld" hat zwar schon soooo einen Bart, ist aber aktuell wie eh und je.

Strafzinsen müssen nicht unbedingt negativ sein

Meine Vermutung: In den meisten Fällen werden die Banken keine Strafzinsen verlangen, sondern still und heimlich die Gebühren erhöhen.
Warum?
Weil die IT womöglich keine Zinsen mit negativem Vorzeichen zulässt. Zu der Zeit, als die Banken-IT konstruiert wurde, konnte sich niemand negative Zinsen vorstellen. Wenn irgendwo -0,25 % stand, war das ein Fehler. Die Plausibilitätspolizei findet diesen Fehler und das System verweigert die Annahme.
Als Ingenieur kann ich Ihnen sagen: Wenn auf einmal negative Zahlen in einem Bereich auftauchen, in dem bisher nur und ausschließlich positive Zahlen erwartet wurden, dann kann das zu sehr putzigen Nebenwirkungen führen. Einfach mal den Wertebereich des Zinsfeldes von Q>0 auf Q vergrößern? Da legt jeder IT-Gewaltige sein Veto ein!
Wenn die Infrastruktur keine negativen Zinsen hergibt: Für Kontoführungsgebühren, eine Jahresabschlussgebühr und andere Zusatzkosten findet sich immer ein Feld in der Eingabemaske.
Bonus: Eine geschickte Gebührenerhöhungs-Salamitaktik vermeidet das PR-Desaster "Bank X zockt Sparer mit Negativzinsen ab!!!".

Keine Bank ist verpflichtet, Spareinlagen anzunehmen. Wenn alle Stricke reißen, werden die Banken bestimmte Produkte einfach nicht mehr anbieten.
"Tagesgeld?"
"Hamm wa nich!"
"Und was ist mit Festgeld für zwei Jahre?"
"Is aus, hamm wa auch nich."

Hinter dem "Is aus" steckt: Wir können profitable Kredite im Wert von 30 Millionen Euro vergeben. Diese 30 Millionen haben wir über Festgeld eingesammelt. Mehr brauchen wir nicht.

Wozu soll die Bank Geld einsammeln, das sie nicht verwerten kann?

Die Wette

Herr Kirchner von Menschen.Zahlen.Sensationen bietet diese Wette an "Bis Ende 2015 werden keine drei Institute Strafzinsen von Privatanlegern nehmen".
Herr Elsner vom Blicklog hält dagegen: "Bald werden auch Kleinsparer mit Strafzinsen gerupft".

Meine Meinung: Beide Herren sind respektable Blogger, deren Meinung ich schätze. Ich selbst kann mich noch nicht dazu durchringen, eine der beiden Seiten voll und ganz zu unterstützen, denn beide haben gute Argumente.

Was ist zu tun?

Der Tiger sitzt im Busch. Es ist nur die Frage: Springt er (Elsner hat recht) oder springt er nicht (Kirchner hat recht)?
Für die Gesamtstrategie ist das aber unerheblich, denn keiner bestreitet, dass uns die Zinsnull noch eine Weile erhalten bleibt.
Klar können Sie jetzt jammern und sich enteignet fühlen. Aber ein gut verzinstes Sparbuch ist kein Menschenrecht.
Mein Vorschlag: Benehmen Sie sich wie ein Erwachsener, denken Sie pragmatisch und machen Sie das beste aus der Situation. Ich hätte auch gerne meine 6-Prozenter (Bundesschatzbriefe Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts) zurück.

Jeder Geschäftsführer, der ein schlingerndes Unternehmen zu retten hat, wird erst einmal die Kosten drücken.
Für Sie als Anleger heißt das konkret: Weg von Produkten mit intransparenten oder hohen Kosten. Versicherungen, Bausparverträge, Fonds, Vermögensverwalter – alles gehört auf den Prüfstand.
Auch wenn es hart ist – schon Clausewitz wusste:

"Nichts ist schwerer als der Rückzug aus einer unhaltbaren Situation."
Carl von Clausewitz

kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Eine Frontbegradigung ist nicht die schlechteste aller Optionen. Finanzprodukte, die Sie gewogen und für zu leicht befunden haben, müssen über Bord. Da hilft alles nichts, auch wenn‘s nicht gut ist fürs eigene Ego.

Die paradiesischen Zeiten, in denen selbst der faulste Vermögensverwalter seine jährlichen zwei Prozent Bestandsprovision rechtfertigen konnte, sind vorbei.

Die Nullzinspolitik zwingt Fonds- und Versicherungsgesellschaften sowie die Vermögensverwalter dazu, ihr Geschäft "neu" zu erfinden. Wer sucht und erfindet, macht Fehler, das liegt in der Natur der Sache. Aber warum sollen Sie diesen Aufbruch ins Ungewisse finanzieren?

Deshalb: Hin zum eigenen Depot, zur eigenen Verwaltung und zur vollen Kostenkontrolle. Nur Mut, das wird schon!
Sie gewinnen finanziell und moralisch. Wollen Sie solchen Leuten wirklich bis zu 5 % Ihres Vermögens überlassen?

"Meine Chefs fantasieren offen über Pornos und denken sich anzügliche Spitznamen für weibliche Körperteile aus"
Lesen Sie mehr in "So geht‘s zu im feinen Fondsbusiness".

Der erste, jemals auf diesem Blog erschienene Artikel "Was 1,8 % ausmachen", beschäftigt sich genau mit der verheerenden Wirkung zu hoher Gebühren.

(awa)

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Kommentare

Couponschneider sagt am 04. Dezember 2014

Wirtschaftlicher Erfolg ist häufig das Ergebnis vieler kleiner, einzelner Schritte und der ständigen Wiederholung und Kontrolle. Controlling ist populär geworden in den letzten Jahren, in den Medien aber sehr negativ dargestellt und als Ingenieur beispielsweise fasst man sich an den Kopf, wenn man von machen Sparmaßnahmen hört. Ein gutes Beispiel, von dem ich gehörte habe: Um wenige Cent zu sparen, kam man auf die glorreiche Idee, andere Schrauben einzukaufen. Es waren Kreuzschlitzschrauben und keine Inbusschrauben, wie vorher. Einen Kreuzschlitzschraubzieher gibt's ja in jedem Werkzeugkoffer, dachte macht. Und was hat man gespart? Nichts! Der Vorteil von Inbusschrauben und -schlüssel ist ja gerade der, dass man auch in schwer zugänglichen Bereichen schrauben kann. Es war in dem Projekt unmöglich, auf Inbusschrauben zu verzichten, also wurden Schrauben nachbestellt (teuer) und das Projekt verzögerte sich.

Wenn man Einsparpotential entdeckt, sollte man es konsequent nutzen. Eine Kostensenkung von 0,005 % pro Woche führt zu einer Einsparung von 0,26 % im Jahr, zu 0,52 % in zwei Jahren und zu 1,04 % nach vier Jahren. Bei großen etablierten Unternehmen sind es diese kleinen kontinuierlichen Verbesserungen, die die Konkurrenz vom Leib halten, da diese Kostensenkungen neuen Spielraum dem Verkauf geben.

Es gibt gute und schlechte Controller, aber Controller ist an sich eine richtige Sache.


Finanzwesir sagt am 05. Dezember 2014

Hallo Couponschneider,
da hast Du recht. Kostensparen um des Kostensparens willen ist Unsinn. Im Finanzbereich nennt man das Steuern sparen. Oft genug macht man etwas Unvernünftiges, nur um Steuern zu sparen.
80.000 € auf dem Tagesgeldkonto und trotzdem wird die Immobilie voll finanziert, weil man dann mehr von der Steuer absetzen kann...
Kostensenkungen dürfen kein Selbstzweck sein, sondern müssen ins wirtschaftliche Gesamtkonzept passen.

Gruß
Finanzwesir


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