08. Dezember 2021


Ehrt Leser F. seine Eltern auf die richtige Weise?

Leser F. schreibt

Ich stehe als 57 jähriger Bundesbeamter kurz vor meiner Pensionierung, da ich mit 62 Jahren vorzeitig unter Abschlägen in den Ruhestand treten will.
Letzten Monat haben meine Schwester und ich in Erbengemeinschaft unser Elternhaus verkauft. Mein Plan mit dem Geld sieht nun folgendermaßen aus. Ich werde einen Teufel tun und von dem Geld auch nur einen einzigen Cent an die Börse geben. Denn wer sagt mir denn, dass nach 12 Jahren aufwärts nicht auch 12 Jahre abwärts möglich sind ( Beispiel Nikkei 15 Jahre abwärts zwischen 1988 und 2003).
Meine Eltern haben dieses Haus mit eigenen Händen aufgebaut und ich lasse nicht zu, dass die windige Finanzwelt es in Sekundenschnelle wieder abreißt. Stattdessen würde ich die gesamte Summe lieber in Tagesgeld bei mehreren deutschen Banken unter deutscher Einlagensicherung stecken. Wobei mir nicht klar ist, ob die staatliche Einlagensicherung pro Bank oder pro Anleger gilt.
Die "böse Börse" soll mir nun aber doch helfen und den Inflationsausgleich durch einen ETF Sparplan (333 € monatlich) auf den MSCI World bis zum 80. Lebensjahr sicherstellen. Damit hätte ich zwei niedrige Risikoklassen, nämlich Pension und Tagesgeld und eine hohe Risikoklasse mit dem Aktien-ETF. Mir scheint ein Sparplan in dieser Börsenphase sinnvoller als eine Einmalanlage zu sein. Es geht mir wie gesagt nicht um Rendite, sondern um Werterhalt und Inflationsausgleich.
Mich würde nun Deine Meinung zu meinem selbstgebastelten Konstrukt interessieren. Was hältst Du davon? Wo liege ich falsch?

Der Finanzwesir antwortet

Das ist eine wunderbare Steilvorlage, um über den Unterschied zwischen Risikotoleranz und Riskotragfähigkeit zu zu referieren.

Die Börse soll also nix bekommen. Aber wie siehe es denn mit den Abschlägen aus, die F. ja so ganz ungerührt hinnimmt?

  1. Die durchschnittenen Bruttopensionsbezüge lagen 2016 bei monatlich 3.010 Euro. F. ist Bundesbeamter und die verdienen - wie mir zugetragen wurde - von allen Beamten am besten. Da das hier nur eine ganz grobe Abschätzung der Größenordnung ist, rechnen wir einfach mit 3.010 Euro. Beamte: In den Kommentaren ist Platz für Korrekturen.
  2. F. ist Jahrgang 1964 und möchte mit 62 in Rente gehen.
  3. Sein Vorruhestandsabschlag beträgt 14,4 %.
  4. Seine Regelaltersgrenze liegt bei 67 Jahren. Deshalb fehlen ihm fünf Jahre an Einzahlungen. Wie viel ich deshalb von den 3.010 Euro zusätzlich abziehen muss, weiß ich nicht.

Rechnen wir das mal überschlägig aus:

  • 14,4 % von 3.010 € sind 433,44 €.
  • Die runden wir auf 450 € auf, um die fehlenden Einzahlungen der fünf Jahre zwischen 62 und 67 zu berücksichtigen.
  • 450 € pro Monat, das macht 5.400 € pro Jahr.
  • Die Sterbetabelle sagt: Die 80 kann F. schaffen. Geben wir ihm zwei Jahre mehr, dann haben wir glatte 20 Jahre.
  • Zwanzig Jahre bedeutet: F. verzichtet auf gut 100.000 €. Ich würde das als kaufkraftbereinigte Summe sehen, denn es wird ja hoffentlich noch die eine oder andere Pensionserhöhung kommen. Nominal mögen das dann 2046 vielleicht 150.000 Euro gewesen sein.

Wie viel Depot brauche ich, um einen Cashflow von 5.400 € brutto zu erzeugen?

Ausschüttungssrendite Depotgröße min Depotgröße max
1 % 540.000 € 1.080.000 €
1,5 % 360.000 € 720.000 €
2 % 270.000 € 540.000
2,5 % 216.000 € 432.000 €
3 % 180.000 € 360.000 €
4 % 135.000 € 270.000 €
5 % 108.000 € 216.000 €

Im Gegensatz zum Pensions-Cashflow, der ja kommt, wie das Amen in der Kirche, müssen wir Börsianer mit Schwankungen leben. Unser Depot kann sich halbieren, aber dann wollen wir immer noch unsere 5.400 € bekommen.
Nur von der Ausschüttung leben; ist das nicht ein bisschen zu fatalistisch gerechnet? Nun ja, aber bedenken Sie: Hier geht es um einen Bundesbeamten, wird der Verkauf von "Substanz" da wirklich goutiert? ;-)
Aber auch wenn wir mit der 3 %- oder 4 %-Formel rechnen: Es bleibt dabei - nur ein substantielles, sechsstelliges Depot vermag diesen Geldstrom verlässlich zu erzeugen.

Zwischenfazit

F. ist ein Mann, der es nicht nötig hat. Er ist arriviert - 100.000 Euro mehr oder weniger spielen für ihn keine Rolle.

Risikotoleranz versus Risikotragfähigkeit

  • Risikotoleranz: Beantwortet die Frage: Was traue ich mir zu? Haben die Village People schon 1979 in ihrem Lied "Macho Man" besungen.
  • Risikotragfähigkeit: Beantwortet die Frage: Was sollte ich mir nach gründlicher Abwägung der Fakten zutrauen?

Meine Erfahrung zeigt: Risikotoleranz und Risikotragfähigkeit sind meist invers verknüpft.

Beamte, Angestellte des öffentlichen Dienstes und Konzernmitarbeiter haben eine enorme Risikotragfähigkeit (Gehalt kommt), fühlen sich aber schon als international agierende Kapitalisten, weil sie 10.000 € beim Zins-Rumänen geparkt haben. Freiberufler, die man auf Knien bittet doch mal 20.000 Euro aufs Tagesgeldkonto zu legen, gehen eiskalt "Bitcoin all in". Macht denen nix.

Das Problem mit der Zeitachse

"Damit hätte ich zwei niedrige Risikoklassen, nämlich Pension und Tagesgeld und eine hohe Risikoklasse mit dem Aktien-ETF.

Korrekt. Für die nächsten 12 Monate. Bezogen auf den Rest von F.s Leben wird dieser Satz zu

"Damit hätte ich zwei hohe Risikoklassen, nämlich Pension und Tagesgeld und eine niedrige Risikoklasse mit dem Aktien-ETF."

Aktiendepot

Ein breit diversifiziertes Aktiendepot wird umso sicherer, je länger ich es halte. Zumindest war das in der Vergangenheit so. Breit diversifiziert = ich bilde die gesamte Weltwirtschaft ab. Und hier ist die Erwartung: Alles wird besser. Trotz Corona.

Tagesgeld

Hier von sicher zu sprechen ist fahrlässig. Und auch die Aufteilung auf mehrere Konten ist albern. Aktuell gilt: Die Einlagensicherung gilt für 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Was fällt auf? Der Finanzwesir ist doch immer so stolz darauf, das richtige Wort parat zu haben. Warum verwendet er hier das schwache "gilt"? Waren die attraktiven Verben "schützen" oder "absichern" gerade im Urlaub?
Nein, sie haben sich fingerschnipsend aufgedrängt; aber ich habe mich ganz bewusst für das farblose "gilt" entschieden.
Warum?
Nun, gilt drückt folgendes aus

  1. Mit dem Schutz ist das nur so semi.
  2. Die Einlagensicherung ist Menschenwerk. Sie gilt solange bis sie nicht mehr gilt.

Pension

Pension klingt so amtlich. Sagen wir lieber: Pensionszusage. Es gibt einen Deal: Loyalität gegen lebenslange Versorgung. Aber

  1. jeder Deal ist nur so gut, wie die Bajonette, die ihn durchsetzen.
  2. das Buch "Thinking in Bets" der Poker-Queen Annie Duke hat mich gelehrt: Schreibe an jede Sache, die in der Zukunft stattfindet eine Prozentzahl. Irgendwas ist immer. Und ja, ich würde der Pensionszusage eine Erfolgswahrscheinlichkeit von jenseits der 95 % zubilligen. Ein knappes Viertel des Bundestages besteht aus Beamten. Die Festung Beamtenpension wird als letztes fallen. Eher werden noch viermal die Renten gekürzt. Ich kann mich hier aber trotzdem nur zu einem "bombensicher" durchringen. ;-)

Und: F. sollte mal hoffen, dass meine Hypothese "Aktie: je länger, um so sicherer" stimmt. Beamtenpensionen zahlt der Steuerzahler, also ist F. auf eine florierende Wirtschaft angewiesen.

Wie windig ist die Finanzwelt?

"dass die windige Finanzwelt es in Sekundenschnelle wieder abreißt…"

Wir reden hier von einem MSCI World oder einem anderen breit diversifizierten Brot & Butter-Index. 1.600 Firmen, 23 Industrieländer, Millionen von Angestellten, Milliarden von Umsätzen. So, und das verdampft dann? Von mir aus nicht in Sekunden, aber doch innerhalb weniger Monate und dauerhaft.

Das ist ein Independence-Day-Szenario. Aus "windig" wurde Orkan. In diesem Fall empfehle ich den Glatzen-Hedge: Bruce Willis, The Rock, Vin Diesel und Jason Statham. Die müssen es dann richten und dafür sorgen, dass F.s Pension nicht langsam stirbt.

Die zehn Gebote, hier Nummer vier anwenden

"Ich werde einen Teufel tun und von dem Geld auch nur einen einzigen Cent an die Börse geben.
"Meine Eltern haben dieses Haus mit eigenen Händen aufgebaut und ich lasse nicht zu…"

Das Geld kommt also in einen Tagesgeldschrein, wird dort in Ehren gehalten und regelmäßig abgestaubt.
Schön.
Aber ist das Respekt vor dem Lebenswerk der Eltern?
F. ist Jahrgang 1964. Es ist sein Elternhaus, also vermute ich, dass er darin aufgewachsen ist. Baujahr des Elternhauses in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts? Wer sagt denn, dass der Käufer nicht

  1. die alte Hütte abreißt und was Gescheites hinstellt oder
  2. das Haus auf die Mauern zurückführt und grundsaniert oder
  3. doch zumindest mehr oder minder alles entfernt, was das Elternhaus zur Heimat gemacht hat?

F. und seine Schwester haben das Elternhaus gegen einen Haufen Geld eingetauscht. Darf dieser Haufen Geld wirklich mit Darth-Vader-Stimme von sich behaupten: "F., ich bin das Lebenswerk Deiner Eltern."? Gehört nicht eher das eine oder andere Fotoalbum in den Schrein? Liest hier jemand mit, der ebenfalls sein Elternhaus verkauft hat? Wenn ja, wie sind Sie mit dem Schreinthema umgegangen?

Watt sull de Quatsch?

Nicht arm sterben muss die Devise sein. Immer genug Geld, um sein Leben selbstbestimmt führen zu können.
Was haben wir? Einen Mann, der mit 62 über diese beiden passiven Einkommen verfügt

  1. Pensionszusage des deutschen Staats.
  2. Mindestens 100.001 Euro auf dem Tagesgeld unter deutscher Einlagensicherung. Eher mehr.

Ein wahrer Nationalist: Klumpenrisiko Deutschland = 100 % - Ich könnte damit keine einzige Nacht ruhig schlafen.
F. hat keine Assets. Er ist einfach nur ein Gläubiger. Der Statt verspricht die Pension und die Bank die Sicherheit des Geldes. Das sind Zusagen, die er im Falle eines Falls nicht durchsetzen kann. Ich bin ja nun weiß Gott kein Immo-Freund. Aber das Haus hätte man ja wenigstens noch vermieten können. F. selbst ist das einzige Asset und das will er vorzeitig aus dem Verkehr ziehen.
Fahrlässig, aber verständlich. So denkt meine in der BRD sozialisierte Generation. Wir sind mit Schwarz-weiß-Fernseher, Sendeschluss, Bonn als Bundeshauptstadt und zwei Geschlechtern aufgewachsen.
Diese Zeiten sind vorbei.
Wir leben in Zeiten des schwarzen Schwans, des Tail Risks, des Six-Sigma-Events (das Ereignis, das mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,99966% nicht eintreffen wird). Wenn es heißt "selten aber heftig" ist F. total blank. Da gibt’s nichts, was das Risiko abfängt, neutralisiert, ablenkt …
Kann nicht passieren?
Dann fragen Sie doch mal im Ahrtal nach. Weltweite Pandemie und Hochwasser zusammen: Versicherungsmathematischer Limes gegen Null. Wer weiß, vielleicht muss Netflix die Zombie-Apokalypsen demnächst in die Kategorie "Dokumentation" umsortieren.
Das ist meine persönliche Meinung als Asset-Horter.

Aber Börse ist ja nicht substantiell gewünscht. Warum dann nicht konsequent: Deutschland all in? Von der Pension leben und den Fehlbetrag aus dem Haus-Cash nehmen?
Was ist mit der folgenden Rechnung? Durch die Frühpensionierung fehlen 450 € monatlich. Die werden durch das Hausgeld ausgeglichen. 100.000 € sind weg, wenn F. 222 Monate (18 Jahre und 6 Monate) jeden Monat 450 Euro entnimmt. 62 + 18 = 80 und damit schon ziemlich weit auf der Zielgerade.
F.s Anteil liegt bei 200.000 Euro? Dann schafft F. fast die 100 Jahre.
Natürlich nur, wenn die Inflation halbwegs manierlich bleibt.

Inflationsausgleich mit 333 € monatlich

"Die "böse Börse" soll mir nun aber doch helfen und den Inflationsausgleich durch einen ETF-Sparplan (333 € monatlich) auf den MSCI World bis zum 80. Lebensjahr sicherstellen.

100.000 Euro auf dem Tagesgeld, 1 % Inflation macht 1.000 Euro Kaufkraftverlust.
Nach einem Jahr 4.000 Euro im Depot, 1 % Inflation: Das Depot muss auf 5.040 Euro wachsen, um den eigenen Kaufkraftverlust zu erwirtschaften und die 1.000 €, die beim Tagesgeldkonto fehlen. Das ist ein jährliches Wachstum von 26 %. Das ist machbar. 2019 wuchs der MSCI World netto in Euro um 30,02 %. 2013 waren es 21,2 % und 2009 25,94 %. Aber es gab auch Jahre mit - 37,64 % oder zehn Komma irgendwas. Die geometrische Durchschnittsrendite betrug für die Periode von 2007 bis 2020 8,19 %.
Ein Depot, das bei einer Wachstumsrate von rund 8,2 % 1.000 € Kaufkraftverlust gut macht, ist rund 12.200 Euro schwer. F. hätte das bei seiner Sparrate nach drei Jahren erreicht.
Wenn die Inflation 2 % beträgt und F. den Kaufkraftverlust von 200.000 € auffangen muss, vervierfacht sich der Hebel. F. braucht dann zwölf Jahre. Er ist dann 69 Jahre alt (57 +12). Lohnt sich das dann noch?
Was, wenn F.s Befürchtungen zutreffen?

"Denn wer sagt mir denn, dass nach 12 Jahren aufwärts nicht auch 12 Jahre abwärts möglich sind"

Dann hat er nicht nur keinen Inflationsausgleich, sondern auch noch einen Extraverlust.
Das scheint mir noch nicht richtig durchdacht zu sein. Börse ist

  1. böse. Man kann ihr kein Geld anvertrauen. Zu unsicher.
  2. Aber gleichzeitig erwarte ich einen Inflationsausgleich.

Was sollte F. mit seinem Geld tun?

Cash

Sechsstellige Summen für Dekaden auf Tagesgeldkonten parken ist der aberwitzigste Zock, den ich mir vorstellen kann. Dann lieber Bitcoin all in.
Aber F. sei verziehen. Bei ihm ist das eine Berufskrankheit. Er ist Beamter, da glaubt man an den Staat.
Das Hausgeld gehört in einen ETF

  • mit kurzlaufenden deutschen Staatsanleihen. Kurzlaufend = ein bis drei Jahre Restlaufzeit,
  • oder in einen Geldmarktfonds. Hier sind die Laufzeiten der Anleihen unter einen Jahr.

Diese Fonds haben in guten Zeiten eine Negativrendite (-0,5 % bis -0,8 %), in schlechten Zeiten sind sie aber immer noch ein sicherer Hafen und die Kurse steigen entsprechend. Zumindest war das im Corona-März der Fall.
Nachdem sich ABN Amro und die RaboBank verabschiedet haben, kann F. jetzt noch irgendwie versuchen, bei einer Autobank 0,1 % zu bekommen. Aber ist das den Aufwand und das Gegenparteirisiko wert? Die Feld-Wald-und-Wiesen-Bank zahlt zum einen keine Zinsen und fühlt sich zum anderen massiv gemobbt, wenn man sie mit Cash jenseits der 50.000 Euro bedroht. Da wird F. sein Geld auch nicht los. Cash ist so was wie das Lepra des 21. Jahrhunderts geworden.
Ein Kurzläufer-ETF scheint mir die beste aller schlechten Möglichkeiten zu sein.

Aktien

Wenn es keine nachfolgende Generation gibt und das Geld reicht: Wozu überhaupt an die Börse? Warum sich den emotionalen Stress antun (immerhin sind die Adjektive böse und windig am Start)? Nur wegen des Werterhalts?

Wenn doch Börse

Wenn es Kinder gibt und das Geld reicht: Alles in Aktien für die nachfolgende Generation. Das ist echter Werterhalt. Dann können die Kinder sagen: Oma und Opa haben den Grundstock gelegt, unser Vater hat gut angelegt und nun ist das der Grundstock für unser Haus und unsere Familien. Jedes Mal, wenn sich die Kinder über die eigene Immobilie freuen ist klar: "Oma und Opa sind mit von der Partie".

"Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt."
Bertolt Brecht

Wenn es keine Kinder gibt: Wie groß muss der Börsenanteil sein, um den Auftrag "Inflationsverluste wieder reinholen" zu erfüllen? Kollidiert das mit der Risikotoleranz?

Die letzte Überlegung

Alles was ich bis jetzt geschrieben habe geht davon aus, dass das aktuelle Regime im Großen und Ganzen intakt bleibt. Die Inflation hält sich in Grenzen, die Börse crasht immer mal wieder, berappelt sich dann aber relativ schnell. Die Wirtschaft wächst. Alles ist soweit stabil. Dann kommt F. mit seinem Ansatz durch.
Wenn ich das von Mittfünfziger zu Mittfünfziger mal so sagen darf: Jetzt ist die Zeit, den kommenden Lebensabschnitt zu regeln. Und zwar aus einer Position der Stärke heraus und holistisch. Mit 80 baut der Mensch ab. Dann mag man nicht mehr 24 Stunden in einer Sardinenbüchse sitzen, um ans andere Ende der Welt zu fliegen. Und statt Gipfelsturm heißt es Kaffeetrinken in der Talstation.
Einem 57jährigen bleiben noch gut 20 Sommerurlaube, 20 Weihnachtsfeste, 20 Jochen-Schweizer-Momente.
Zwischen 50 und 60 hat man die Kraft und die Perspektive sein Leben noch einmal umzugraben. Das muss dann bis ans Lebensende reichen.

Wie wird sich das Leben in den nächsten 20 bis 40 Jahren entwickeln für jemanden, dessen Diversifikationsstrategie lautet: "Ich bin der Gläubiger von Deutschland"?
Meine Frage an F.: Sind Sie wirklich so aufgestellt, dass Sie Optionen haben? Auch wenn Ihnen das Leben "selten aber heftig" um die Ohren haut.

Die Freiheit eines Mannes bemisst sich an der Zahl der Optionen, die er hat.
Und sich nach der Pensionierung noch mal anhören zu müssen "Dance, monkey dance" - echt jetzt?

(awa)

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Kommentare

Bergfex sagt am 09. Dezember 2021

Soll ein 70jähriger mit 3000€ Monatsrente und sagen wir eine halbe Million Cash noch einen „Welt-ETF“ kaufen oder nicht? Gold für das „selten aber heftig“?


Hans sagt am 09. Dezember 2021

Warum verkauft man in der heutigen Zeit eine Immobilie wenn man nicht bereit ist den Erlös längerfristig sinnvoll anzulegen? Besser den Erbteil der Schwester übernommen und die Familien-Immobilie selbstgenutzt oder vermietet.

Wird die Immobilie in 10, 20 oder 30 Jahren - auch unsaniert - weniger Geldeinheiten erlösen als heute?

Bedenke zudem das zeittypisch große Grundstück als inflationsneutrale Wertanlage!


Christopher sagt am 09. Dezember 2021

Guten Morgen,

interessant ist für mich immer noch, dass Beamte von der "windigen Finanzwelt" reden, obwohl genau diese, als auch die Unternehmen in den ETFs, mit ihren Steuern, die Pensionen "bezahlen". Ja mir ist bewusst, dass nicht alle Unternehmen Steuern zahlen (in Deutschland), aber eine BASF oder Daimler tut es. Wie der Finanzwesir schon geschrieben hat...Berufskrankheit. Geld fällt vom Himmel. ;)

VG


Dixie sagt am 09. Dezember 2021

Hallo Finanzwesir,

ich habe mir Deine Berechnung zu den vermeintlichen Verlusten von F: durch die Pensionsabschläge inzwischen genauer angesehen und festgestellt, dass sie nicht allein unvollständig sondern auch fehlerhaft ist. Aus meiner Sicht liegt das an der etwas verschwurbelten Herangehensweise: So unterstellst Du einen "Verlust" von 450 € monatlich für die kompletten Jahre vom 62. bis zum 82. Lebensjahr und übersiehst, dass bei vorzeitigem Ruhstand ab 62 für die ersten 5 Jahre bis 67 dieser "Verlust" schlicht nicht da ist, da bei "ordnungsgemäßer" Pension mit 67 für die Jahre von 62 bis 67 überhaupt keine Pension gezahlt wird und mithin auch kein "Verlust" auftreten kann.

Im Grunde ist die Berechnung eher simpel:

Bei Pensionierung mit 67 bezieht F. bis 82 für 15 Jahre monatlich 3.010 €, d.h. 15x12x 3.010, also 541.800 €. Bei Pensionierung mit 62 bezieht F. bis 82 für 20 Jahre monatlich 2.560 €, d.h. 20x12x 2.560, also 614.400 €.

Dabei muss man sich vor Augen halten, dass F. bei Alernative 2 schon 5x12x 2.560 €, also 153.600 € kassiert hat, bevor bei Alternative 1 auch nur die erste Pensionszahlung auf dem Konto eintrudelt! Das mag verblüffen, wird aber oft völlig falsch eingeschätzt. Sofern also die Höhe der monatlichen Pension nicht zwingend zu Finanzierung des Lebensunterhaltes benötigt wird (dies darf man nach den Schilderungen bei F. sicher unterstellen) empfiehlt es sich nach meiner Auffassung selbstverständlich den Ruhestand mit 62 zu wählen. Bis zum (statistischen) Lebensende zahlt im der Staat fast 73.000 € mehr als wenn er bis zum Alter 67 zuwartet.

Grüße Dixie


Dixie sagt am 08. Dezember 2021

Hallo Finanzwesir,

Warum denkst Du Deine Berechnung zu den Pensionszahlungen nicht zu Ende? Wenn ich mal alle von Dir verwendeten Zahlen ungeprüft übernehme, erlöst F. durch den Abschlag ca. 100.000 € weniger aus seiner Pensionszusage. Das ist aber allenfalls die halbe Wahrheit, denn im Gegenzug bekommt er bei Zugrundelegung Deines Zahlenwerkes 5 Jahre lang eher und damit länger Pensionszahlungen wenn er vorzeitig in den Ruhestand geht. Denn das Ende der Zahlungen steht so oder so fest, da lässt sich nichts nachholen

Das wären dann 5x12= 60 Pensionszahlungen mehr. Bei sich rechnerisch ergebenden 2.560 € (3.010 - 450) macht das dann 153.600 €. Wie gesagt, alles unter Verwendung Deines Zahlenwerkes. Unter Renditegesichtspunkten - und nur um die scheint es hier zu gehen - wird insoweit aus einem vermeintlich schlechten Geschäft plötzlich ein gutes, denn in Summe brächte das Vorhaben von F. 53.600 € mehr aus der Pensionszusage ein als wenn er es lässt, sofern die Berechnungsdaten denn stimmen sollten.

Beste Grüße
Dixie


Good morning sagt am 09. Dezember 2021

Mir scheint ein Sparplan in dieser Börsenphase sinnvoller als eine Einmalanlage zu sein. Es geht mir wie gesagt nicht um Rendite, sondern um Werterhalt und Inflationsausgleich.

Mir scheint hierfür eine Einmalanlage sinnvoller zu sein, als ein 333 € Sparplan.
Wäre dieser Fall nicht eine Untersuchung wert gewesen?


Joerg sagt am 08. Dezember 2021

Moin Albert,

wie schaffst du es eigentlich solche Leserbriefe nicht erstmal zu verschieben/abzuwehren mit:
"Lese erstmal mein Buch oder den ganzen Blog (sammt Kommentaren ;-)) und stelle dann Deine Fragen noch einmal?"
Wie kann jemand, der weder "Lesen und Schreiben" lernen will, ernsthaft bei einer "Gedichtsinterpretation" mitreden wollen?
Also probieren kann man es ja, wie Leser F., aber warum laesst du sie damit durchkommen?

LG Joerg

PS: Leser F., hoffentlich tue ich dir nicht unrecht, aber schreibe doch mal: Hast du Alberts Buch oder Blog komplett gelesen?


Jürgen sagt am 14. Dezember 2021

Bei Bundesbeamten beträgt der Abschlag für den Vorruhestand 3,6% pro Jahr, also 18% bei 5 Jahren. Die Pensionsbezüge müssen in vollem Umfang versteuert werden.
Der Pensionszusage würde ich eine Erfolgswahrscheinlichkeit von unter 95 % zubilligen (Anheben der Altersgrenze, Anheben der Anzahl an Beitragsjahren, Nullrunden bei anstehenden jährlichen Anhebungen ... die Politik wird es regeln).

Ich bin selber Bundesbeamter, 55 Jahre, und habe rund 60% meines Kapitals in weltweit anlegende Aktien-ETF, den Rest in eine selbstgenutzte Eigentumswohnung und Tagesgeld angelegt. Man sollte nicht allen Bundesbeamten eine geringe Risikoaversität unterstellen.

Der wichtigste Hinweis ist aus meiner Sicht das Kapitel "Die letzte Überlegung": Herr F. sollte sich Gedanken über die Gestaltung seines weiteren Lebens machen, u.a. wo er Zeit und Geld reinstecken will, was er noch erleben und machen will.


Sebastian sagt am 12. Dezember 2021

Kurz vorab, ich mag deine Leserbriefe. Mit den Überspitzungen versteht man besser deine Argumentationskette.
Ich muss bei deinen Leserbriefen immer etwas schmunzeln, so süffisant sind sie.
Die klingen fast wie Satire und das fällt keinem meiner Mitkommentatoren auf.
Gerade, wenn man "Die "böse Börse" soll mir nun aber doch helfen" liest,... naja lassen wir das.

Ich bin selbst Beamter, wenn auch Landesbeamter und kennen einige Kollegen die zumindest im Ansatz so ticken wie dein F. Allerdings sind das auch Leute, die hauptsächlich außer Schule und Uni nichts Anderes gesehen haben.
Ich denke gerade die jüngere Generation, zu der ich mich auch zähle trotz meiner 40 Lenze, tickt da anders.
Um es abzukürzen: Ich bin der Meinung, dass es sich weniger um ein Beamten / Nichtbeamten-Problem handelt, sondern um ein Generationenproblem in Sachen fehlender Finanzbildung.


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