07. Oktober 2015


Leserfrage: 66 Jahre alt und nichts gespart. Was tun?

Leser H. schreibt

Ich bin sicher ein Anlegertyp, vor dem du warnst: Schaut sein gesamtes Berufsleben aufs Geld-Verdienen und vergisst darüber das Geld-Anlegen.
Jetzt, im zarten Alter von 66, kommt das große Erwachen: Was mache ich mit der (eh schon geschrumpften) Kohle von der Lebensversicherung? Wie kann es gelingen, dass vor dem Ende meines Lebens mein Geld nicht zu Ende ist?

Frage also: Gibt es auch eine Finanzwesir-Strategie für ältere Finanz-Deppen?

Der Finanzwesir antwortet

  1. Ich würde von Selbstbeschimpfungen Abstand nehmen und nach vorne blicken. "Et es wie et es", sagt man im Rheinland.
  2. Ich verweise auf Herrn Jürgens, der erkannt hat, dass das Leben mit 66 sowieso erst anfängt. Auf jeden Fall ist mit 66 Jahren "noch lang noch nicht Schluss". Wer 66 ist, kann auch noch 80 werden.

Grundsätzlich hat Leser H. zwei Hebel:

  1. Einnahmen rauf
  2. Ausgaben runter

Erste Aufgabe: Der Kassensturz

Welcher der beiden Hebel mehr bringt, zeigt der Kassensturz. In H.s Alter dürften die Renten- und Pensionsansprüche klar sein. Damit ist bekannt, wie stark die Basisgeldquellen sprudeln.
Was gibt es sonst noch? Tagesgeld, Festgeld, weitere Rentenversicherungen, Bausparverträge, Gold, Silber …?
Dann bewerten wir die Assets. Mit welchen Beträgen können wir in welchen Zeiträumen rechnen?
Womöglich dauert es, bis Festgeld frei wird, und manche Dinge lassen sich nur langsam zu Geld machen. Wir wollen einen Notverkauf verhindern und brauchen deshalb eine langfristige Strategie.
Soweit die Einnahmen und Besitztümer.

Jetzt zu den Ausgaben. Theoretisch ein mächtiger Hebel. Ausgaben lassen sich schneller senken, als man Einnahmen steigern kann. Deshalb streicht ein Krisenmanager immer zuerst die Kosten zusammen. Was bei Firmen geht, ist bei Privatleuten praktisch unmöglich, denn 40 Jahre Lebensstil-Inflation hinterlassen ihre Spuren:

"Nee, das kann ich nicht, nee, das will ich nicht. Ich bin doch kein Student mehr. Da habe ich mich in 40 Jahren dran gewöhnt. Ein alter Mann kann nicht mehr auf der Isomatte schlafen. Das ist unter meiner Würde!"

Alles richtig. Jede Kostensenkung ist ein Angriff auf das Ego. Trotzdem würde ich die Ausgaben überprüfen und mich ehrlich fragen:

  • Was muss ich (gescheite Matratze für den Rücken)?
  • Was will ich (teure, saisonal wechselnde Markenbekleidung)?

Trennen Sie die Lebensstil-Qualität von der Lebensstil-Inflation.

Wenn die Bilanz der Einnahmen und Ausgaben steht, ist bekannt: Überschuss oder Lücke. Wenn Lücke, dann heißt es handeln.

Kosten runter

Ist es möglich die Kosten so zu drosseln, dass die Lücke geschlossen wird? Das Problem hier: Wann hört man auf, überflüssiges Fett wegzuschneiden und schneidet ins Muskelfleisch?
Kosten senken geht, aber nicht unbegrenzt.

Einnahmen rauf

Ein 66-Jähriger ist ja noch nicht klapprig und senil, er kann durchaus 80 oder älter werden.
Das ist ein Zeithorizont von 15 bis 20 Jahren. Einen Teil des Vermögens würde ich deshalb in kostengünstige Index-Fonds anlegen. Wie groß dieser Anteil sein darf, zeigt die oben angesprochene Cashflow-Analyse (Einnahmen versus Ausgaben). Kostengünstig ist wichtig, denn in dem Alter schwächelt der Zinseszins. Jeden Cent, der in die Kosten geht, sieht man nie wieder.

Ich würde mit einem temporären Einbruch der Börsen von 50 % rechnen und ansonsten als Rheinländer nicht nur "Et es wie et es" sagen, sondern auch "Et hät noch immer jot jejange!"
Natürlich kann man mit 70 unglücklich stürzen, sich den Oberschenkelhals brechen und dann muss dringend der Treppenlift her und die Börse ist um 50 % eingebrochen.
Ich finde: Eine kleine Prise Optimismus darf sein.

Den Rest würde ich auf einem Tagesgeld- oder Festgeld-Konto sicher verwahren. Mein einziges Kriterium: Inflationsausgleich.

Damit wäre das frei werdende Geld aus der Lebensversicherung gut verstaut. Aber schließt das die Lücke?
Deshalb stellt sich die Frage: Was macht H. gerne? Und: Lässt sich damit Geld verdienen? Es muss ja kein Vollzeit-Job sein.
Ein paar Hundert Euro pro Monat reichen womöglich aus. Wieder gibt die Cashflow-Analyse Auskunft.

Die Lösung

Ein Mix aus

  • Kosten runter: Lebensqualität ja, Lebensstil-Inflation nein
  • Passiver Geldanlage: Inflationsausgleich, minimaler Zinseszins-Effekt und hoffentlich steigende Börsen ‒ mehr ist nicht drin.
  • Aktiver Arbeit: Nimmt mit dem Alter ab. Ein 66-Jähriger ist leistungsfähiger als ein 80-Jähriger.

sollte H. einen Lebensabend ohne Armut bescheren. Vielleicht nicht unbedingt schön ‒ wer will schon mit 66 eine zweite Karriere starten.
Aber die Augen zu verschließen ist ‒ meiner Meinung nach ‒ sinnlos. Jetzt hat H. noch Optionen, jetzt hat er noch Spielraum und kann entscheiden, was er tun will und was nicht.

Keine Lösung

Spekulieren! Man muss als 66-Jähriger akzeptieren, dass viele Spielräume, die man als junger Mensch noch hatte, jetzt verwirtschaftet und verbraucht sind. Der Zinseszins eines 30-Jährigen ist Mr. Muckibär, der Zinseszins eines 66-Jährigen kommt mit dem Rollator.
Wenn H. versucht, Rendite zu erzwingen, wird er fragil. Es kann gut gehen, muss aber nicht. Wenn es gut geht, gewinnt er ein paar Tausend Euro, wenn es schiefgeht, ist er pleite. Der Ruin ist keine erneuerbare Ressource, schon gar nicht für Senioren.
Vorrangiges Ziel muss sein: "Wie stelle ich sicher, dass am Ende des Geldes nicht noch Leben übrig ist?"

Das Hauptproblem

Auch wenn ich H. alles Gute wünsche und ihm die Daumen drücke, dass er mit dem Kurswechsel klarkommt: Ich bin nur bedingt optimistisch.
Warum?
Eine bestimmte Ausgabenstruktur führt zu einem bestimmten Lebensstil. Der Lebensstil wiederum definiert das "Milljöh".
Das gibt es die hedonistischen Partyschweine, die saturierten Selbstzufriedenen, die transzendenten Asketen und was weiß ich nicht noch alles.
Jedes Milieu pflegt ein ganz spezifisches Verhältnis zum Geld. Wenn man jetzt aus Geldmangel die Schublade wechseln muss, ist das nicht einfach. Die eine Schublade ist zu teuer und für die andere hat man nicht den richtigen Stallgeruch. Es ist ja nicht so, dass die transzendenten Asketen jetzt auf Ex-Porschefahrer gewartet haben.
Wenn junge Menschen aufbrechen und sich verändern, hat das so etwas Christoph-Kolumbus-mäßiges. Ein 66-Jähriger dagegen verkehrt seit Jahrzehnten in gewissen Kreisen und pflegt dort seine Freundschaften. Die gibt man nicht so einfach auf.
Lieber versucht man, das mit dem Geld so lange wie möglich hinzufaken. Das einzig Positive: Man kann sich nicht Überschulden, denn einem Alten gibt die Bank keinen Kredit mehr.

Mein altväterlicher Rat an die jungen Leser

Passen Sie auf, für welchen Lebensstil Sie sich mit 30 entscheiden. Es kann sein, dass Ihnen diese Entscheidung mit 60 vor die Füße fällt.
Was bringt es, wenn Sie bereit sind für Selters statt Sekt, aber Ihre Freunde und Bekannten nicht mitziehen.
Natürlich können Sie Ihr soziales Umfeld entsorgen, sich selbst neu erfinden, ein Buch schreiben und sich dann als hart aber fair in den Talkshows feiern lassen.
Nur: Ist das wirklich eine alltagstaugliche Lösung des Problems?

Fazit

Das Schlimme am "nicht gespart haben" ist weniger der Geldmangel, sondern der (Teil)-Verlust des sozialen Umfeldes.

Zum Weiterlesen

  1. Fragilität: Warum viele Depots so schlecht sind
  2. Warum niedrige Gebühren so wichtig sind: Was 1,8 % ausmachen

(awa)

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Kommentare

Chris sagt am 07. Oktober 2015

Der Wesir hat das eigentlich schon gut ausgeführt, ich will dazu auch nochmal auf die Bedeutung einer ordentlichen Inventur hinweisen, da in der doch recht kurzen und gleichzeitig sehr allgemein formulierten Frage recht wenig über die individuelle Situation (ie. Vermögen, evtl Verbindlichkeiten) und die spezifischen Anlageziele gesagt wurde.
Niemand kann Ihnen ernsthaft sagen, wie sie es schaffen dass das "Geld bis zum Lebensende reicht" wenn man nicht weiß wieviel Geld Sie überhaupt haben, und wieviel Sie davon auch monatlich ausgeben wollen (und tja, wie alt Sie auch tatsächlich werden, dass weiß zum Glück niemand).

Das meint der Wesir auch mit den Absätzen über "Lebensstandart/qualität". Der Eine ist so bescheiden und kommt mit 1000€ im Monat schon gut zurecht, für den anderen ist alles unter 3000€ menschenunwürdig, und so weiter.
Man sollte wissen, was man selber für ein Typ ist, und das auch mit ZAHLEN beschreiben können, je konkreter umso besser (d.h. nicht unfinanziell mit allgemeinen Phrasen definieren, wie z.b. "haja ich will halt abgesichert und schön leben", was heißt das genau für Sie in Eurobeträgen ?)

Dem können Sie dann gegenüberstellen Ihre Renten/Pensionsanprüche, und schauen wie viel/wenig diese von der Zielvorstellung abweichen.
Je nachdem wie groß die eventuelle Lücke ist, muss sie dann mit sonstigen Vermögenswerten gefüllt werden, dazu ist es wichtig einen Überblick zu haben was man überhaupt noch so besitzt.
Im kurzen Fragetext kam nur raus das wohl eine LV vorliegt(lag?), aber auch da nix über die konkrete Höhe, also pöff kann auch niemand andres sonst was dazu sagen. Wie sieht es mit sonstigen Konten oder Sparverträgen aus, gibt es Betriebsversorgungen, sind Immobilien da, was ist mit Wertpapieren, und so weiter...

Am Ende steht dann eine bestimmte Summe da, und dem können Sie ja ihre gewünschte monatl Ausgabenhöhe gegenüberstellen und so mittels eines einfachen Dreisatzes ausrechnen, wie lange "das Geld dafür reichen würde".
Und sollte das Ergebnis nicht zufriedenstellend, sondern eher ernüchternd sein, tja dann gibt es wie gesagt nur zwei Stellhebel, entweder Vermögen steigern oder Ausgaben senken.
Und da es für ältere Leute wohl schwieriger ist, dann noch große Vermögenszugewinne zu erreichen (gerade, wenn man sich eh schon aus der aktiven Arbeit zurückgezogen hat, da also wenig Steigerungspotential bei den Einnahmen mehr vorhanden ist), läuft es meist auf eine Steuerung der Ausgaben zu, um diese soweit es möglich ist zu strecken.
Kalkulieren Sie mal andersherum, und schauen wie Ihr monatlicher Entnahmebetrag vom Vermögen maximal sein darf, wenn das Kapital bis zum Alter von 100+ Jahren (lieber zu konservativ als zu optimistisch gerechnet) noch reichen soll.

In was Sie dazu nun konkret investieren sollen, bleibt Ihnen überlassen. Nur soviel, mir selbst wäre gerade im Alter Liquidität (d.h. Verfügbarkeit, ich komme sofort und ohne Abschläge jederzeit an mein Geld in beliebiger Höhe ran) und Sicherheit (in Anführungszeichen, gemeint ist damit vor allem die Verlässlichkeit dass wenn ich eine Summe X brauche, diese auch zur Verfügung steht, also keine großen Wertschwankungen der Anlage) wichtig.

Rendite kann darunter nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, denn die gibts ja immer nur auf Kosten von einer/beiden der anderen Eckpfeiler. Aktien bieten z.b. (langfristig!) eine gute Rendite und sind auch sonst sehr liquide, allerdings ist eben langfristig das Zauberwort.
Ob Sie bereit sind, jetzt nochmal für 30 Jahre den MSCI World anzusparen, und in welcher Höhe, müssen Sie selbst wissen, aber zumindest bitte nicht mit Geld was sie schon in 3 Jahren wieder benötigen.
Aber gehen Sie damit bitte auch bloß nicht in irgendwelche Bank- oder Versicherungsfilialen. Die "Berater" dort "freuen" sich nämlich immer gern auf ältere Leute nach dem Motto "je mehr Kohle und je weniger Ahnung, umso besser", und das ist dann das Zielpublikum denen irgendwelches Vertragsgelumpe angedreht wird, wo eben keine Liquidität, Rendite schon garnicht, und Sicherheit auch zweifelhaft ist.
Wenn Ihnen erstmal überhaupt nichts einfällt, ist es auch nicht schlimm wenn Sie ihr Geld für den Moment "nur" auf dem Tagesgeldkonto lassen, und sich selbst erstmal bilden (welche Anlagemöglichkeiten gibt es, welche Risiken haben die, was davon brauche ich für meine Ziele) und erst dann investieren wenn Sie eine gefestigte, durchgerechnete(!) Entscheidung treffen können.
Informieren Sie sich selbst, und zwar möglichst bei unabhängigen Quellen die kein Eigeninteresse für bestimmte Meinungen bzw Produkte haben.


Finanzwesir sagt am 07. Oktober 2015

Hallo Chris,
danke für den langen Kommentar.

"Wenn Ihnen erstmal überhaupt nichts einfällt, ist es auch nicht schlimm wenn Sie ihr Geld für den Moment "nur" auf dem Tagesgeldkonto lassen..."

Für mich der wichtigste Satz Deines Kommentars. Das Tagesgeldkonto wird meiner Meinung nach sträflich unterschätzt. Wenn ich Geld habe, aber noch keine Ahnung, wie ich es investieren soll, dann ist das Tagesgeld als inflationssicherer Parkplatz unschlagbar.

Sehen wir es doch einmal so: Ich lasse mich überhastet in eine Anlage hereinquatschen, die mir wegen hoher Gebühren und anderer ungünstiger Konstellationen 15% Verlust bringt. Hätte ich das Geld einfach auf dem TG liegen lassen, hätte ich 0,x% bekommen. Das Renditedelta: 15,x%. Das kann sich doch sehen lassen. Normalerweise muß man für diese Renditen einen Hedgefonds bemühen.

Gruß
Finanzwesir


Stefan sagt am 07. Oktober 2015

Ich würde das Geld der Lebensversicherung nehmen und in Anleihen mit unterschiedlicher Laufzeit packen. Angefangen mit kurzer Laufzeit bis hoch auf 10 Jahre oder noch länger. Keine deutschen Staatsanleien - zu wenig Rendite, aber auch keine Schrottpapiere - zu unsicher.
Wenn die ersten Papiere auslaufen, wird ein Teil des Geldes z.B. 2/3 wieder angelegt, der Rest wird verbraucht, bis die nächsten Anleihen fällig sind. Die Zinsen werden vollkommen verbraucht. So kann man sich solange durchschaukeln, bis man schon aus körperlichen Gründen kaum noch Geld benötigt. Ein 90 Jähriger fährt normalerweise kein Auto mehr und geht auch nicht oft Essen oder ins Theater.
Sollte man, was nicht zu hoffen ist, zu einem Pflegefall werden, helfen die paar Kröten so oder so nicht weit. Hierrauf braucht man demnach auch keine Rücksicht nehmen.
In ETFs oder Einzelaktien würde ich eher nicht oder nur wenig anlegen, schließlich möchte man von seinem Geld einen schönen Lebensabend haben und es nicht für meine Erben vermehren.


Anne sagt am 08. Oktober 2015

Gerade bin ich auf folgendes Modell eines Auszahlplans gestoßen, was ich so oder so ähnlich für mich in Erwägung ziehen würde (allerdings ist es bis zu meinem Ruhestand noch einige Zeit hin):

http://www.kritische-anleger.de/artikel/rente-selbst-gebaut-auszahlplaene-und-tagesgeld-verzehr/

Offen bleibt in dem Artikel, wie die prozentuale Zusammensetzung des Depots, also das Verhältnis von Tagesgeld/Festgeld zu beispielsweise Indexfonds sein sollte. Wie immer hängt das vermutlich von der persönlichen Risikotoleranz ab.


Uwe P. sagt am 08. Oktober 2015

Guten Tag,

ich möchte eine ganz andere Art von Ratschlag abgeben, entfernt von den konkreten Möglichkeiten der Geldanlage (die ja ordentlich erläutert wurden). Ich rate zu folgendem:

  1. Das tägliche Leben so organisieren, dass man mit den Einnahmen aus der Rente auskommt. Muss ja nichts übrigleiben. Solange man das schafft, ohne aus der Wohnung auszuziehen, ist alles gut. Vieles, wohin sonst noch Geld fleißt, kann man streichen ohne groß Verlust an Lebensqualität.
  2. Das "Sondervermögen" aus der Lebensversicherung oder sonstige einmalige Einkünfte setzt man für einmalige Dinge ein, die keine riesigen Folgekosten nach sich ziehen, also die Konstruktion von 1) nicht durcheinanderbringen.

Das kann sein

  • Noch mal ein neues Auto. Wenn man mit 66 ein ordentliches Auto mit langlebigem Motor und verzinkter Karosse kauft, braucht man danach nur noch eines mit welchem man quer in die Parklücke fahren kann und was eine 25 hinten am Fenster hat. Einmal noch - das kann man machen. Die normalen Betriebskosten müssen durch 1) abgedeckt sein.
  • Eine (oder mehrere) Reisen. Wenn man älter wird, fällt es ohnehin schwerer zu reisen. Und wenn das Geld alle ist, wird's eben Bad Tölz statt den Bahamas. Eine Reise kann Erfüllung ins Leben bringen, zieht aber keine Verpflichtungen nach sich.
  • Ein Haus kaufen. Wenn man auf's Land zieht oder - mit etwas mehr Entschlossenheit - sogar in den Osten, muss das gar nicht so teuer sein. Hier muss man beachten, dass man das soziale Umfeld aufgibt, wenn dieses ortsgebunden (und nicht online organisiert) ist. Wenn man damit glücklich ist, eine Heimat zu haben, einen Garten zu bewirtschaften: Gleich machen. Geht später immer schwerer, weil man dort auch Arbeit reinstecken muss (was Freude bereiten sollte, sonst hat's keinen Sinn).
  • den Kindern helfen.

Uwe
Gut geht es mir nicht, wenn ich viel habe, sondern wenn ich wenig brauche. Dann bin ich viel weniger abhängig.


Lalucky sagt am 09. Oktober 2015

@Uwe P.

Also ich hätte ja genau was anderes geraten. Kleinere Wohnung (=weniger Mieter, weniger unnötiger? Platz) in der Stadt (näher an Versorgungsmöglichkeiten, Ärtzten usw.) Dann bräuchte man gar kein Auto, da die Städte meist gut mit den Öffentlichen ausgestattet sind. Und gerade für die Kinder würde ich nicht mehr planen- die sollten ja jetzt erwachsen und gestandene Leute sein. Ich beispielsweise lasse meine Mutter in meiner zweiten Wohnung umsonst wohnen. Sie braucht beim Amt nicht wegen Mietzuschuss betteln und es für mich ist immer jemand zu Hause. Klassisch win-win Situation.


Da Schau Her sagt am 09. Oktober 2015

@Lalucky "Ich beispielsweise lasse meine Mutter in meiner zweiten Wohnung umsonst wohnen."

Das ist ja wohl selbstverständlich. Traurig, dass man sowas noch als etwas Besonderes erwähnen muss. Sollte die Mutter eine Multi-Millionärin sein, dann wird sie sich so oder so beteiligen.

Der Wert der Familie, der eigenen Eltern wird in diesem Land dermassen unterschätzt. Lieber kümmert man sich um Prozentpunkte nach dem Komma bei der ETF-Gewichtung.


Baldur74 sagt am 10. Oktober 2015

Wenn der Leserbrief echt ist, kann man ohne weitere Informationen doch keine sinnvollen Tipps geben. Zuerst muss ein Kassensturz und ein her und keiner weiß ob die lv 20.000 oder 200.000 ausgeschüttet hat und wie es mit Rente aussieht.

Warum ich eigentlich schreibe, ich arbeite in einem Steuerbüro und es ist erschreckend, wie viele Selbständige keine ausreichende Altersvorsorge haben. Selbst gutverdiener legen viel zu wenig zurück. Da kommt auf die Gesellschaft eine ordentliche Belastung zu, wenn die alle Wohngeld oder Grundsicherung beantragen müssen.


Odensee sagt am 10. Oktober 2015

Ich hab so meine Probleme mit deinem Blog, lieber Finanzwesir. Auch mit diesem Beitrag.

Auf die einfache Frage (die aber nicht unbedingt einfach zu beantworten ist) "Ich bin 66 hab nicht genug zurückgelegt, was soll ich tun" kommen erstmal ein paar Selbstverständlichkeiten, auf die jeder klar denkende Mensch auch ohne einen Finanzwesir kommen wird...

Zitat: "Grundsätzlich hat Leser H. zwei Hebel: Einnahmen rauf Ausgaben runter", naja, welchen Bildungsgrad braucht man um darauf zu kommen? Und dann noch ein paar Gedanken zu rückenschonenden Matratzen etc.

Oder als "Lösung": Zitat: "Ein Mix aus

Kosten runter: Lebensqualität ja, Lebensstil-Inflation nein
Passiver Geldanlage: Inflationsausgleich, minimaler Zinseszins-Effekt und hoffentlich steigende Börsen ‒ mehr ist nicht drin.
Aktiver Arbeit: Nimmt mit dem Alter ab. Ein 66-Jähriger ist leistungsfähiger als ein 80-Jähriger."

naja, wer ein bisschen nachdenkt, kommt da selbst drauf.

Aber vielleicht ist die Zielgruppe des Artikels ja eine andere? Mag ja Leute geben, die auf Selbstverständlichkeiten wie Einnahmen sollten höher sein als Ausgaben nicht selbst kommen. Sieht man ja gelegentlich im Bildungsfernsehen (Peter Zwegat oder so).

Aber dann geht es in deinem Text weiter mit Passagen wie: "Wenn H. versucht, Rendite zu erzwingen, wird er fragil." oder "Das gibt es die hedonistischen Partyschweine, die saturierten Selbstzufriedenen, die transzendenten Asketen und was weiß ich nicht noch alles."

Glaubst du ernsthaft, die Zielgruppe "Ach ich geb tatsächlich mehr aus als ich einnehme? na sowas.." weiß, was fragil bedeutet, was hedonistisch, saturiert, transzendent, Asket usw. bedeutet.

Und hat das irgendeinen Nutzwert bei der gegebenen Fragestellung? Oder sollen die Fremdwörter irgendwie imponieren?


Dummerchen sagt am 10. Oktober 2015

Hallo Odensee,
das ist das schöne am Lesen - es ist fakultativ. Mich hat dieser Artikel auch nicht umgehauen, aber muss ich deswegen meine unerfüllten Erwartungen an eine tiefschürfende hochinnovative Finanzanalyse mit ausgefeilten Ratschlägen auf eine Zwei-Satz-Anfrage mit einem verbalen Rundumschlag kommentieren? Irgendwie verstehe ich Deinen Punkt nicht. Wenn Du hier nichts neues oder interessantes erfährst, dann lies doch einfach nicht. Augenscheinlich gibt es Leute, die die Artikel vom Finanzwesir mögen.

"naja, wer ein bisschen nachdenkt, kommt da selbst drauf."

So ist es. Und es stimmt für fast alle Dinge, die man im Internet über Finanzen so lesen kann:

  • Nicht alle Eier in einen Korb
  • Kosten möglichst gering halten

Mehr braucht man nicht verstanden zu haben. Wer dann noch die Grundrechenarten beherrscht, kommt auch ohne Blogs, Foren oder andere Selbsthilfegruppen prima über die Runden. Und doch gibt es Finanzdinge, über die Leute sich austauschen wollen. Der eine liest halt gerne, wenn der 250. Student einen Vorschlag für eine 2- oder 3-ETF-Lösung sucht und der andere, wenn Ratschläge zu Mischfonds, Markettiming und Steuerlecks gegeben werden. Leben und leben lassen...


Walter W. sagt am 11. Oktober 2015

Ich finde den Beitrag vom Wesir wieder gut geschrieben, nur würde ich mit 66 nicht mehr in Index Fonds investieren wollen. Und auch die Kommentare gehen ja in zwei Richtungen: Die einen sagen, alles verständlich und logisch wenn man rechnen kann, die anderen kommen noch mit guten Ergänzungen und Tipps. Das ist alles sehr verständlich und natürlich menschlich. Trotz allem bleibt es am Ende dabei, das ein ratloser 66 Jahre alter/junger Mensch mit vielen Fragezeichen auf dem Kopf hier steht.

Viele gute Tipps sind hier schon nieder geschrieben: Kosten runter, natürlich. Brauche ich unbedingt noch ein Auto? Kleinere Wohnung oder gar eine WG? Es gibt mittlerweile viele Senioren WGs oder gar Mehrgenerationen WGs. Da gibt es Seitenweise Suchende, Dr. Google weiß da mehr. Natürlich sind das nur Beispiele, die möglich sind. Nicht jeder kann sich ein Leben in einer WG vorstellen, ich mir auch nicht. Obwohl ich mit guten Freunden schon darüber philosophiert hatten wie es wäre, wenn wir uns einen schönen Bauernhof/Anwesen mit genug Platz für alle zu kaufen. 8 Personen, 8 Renten, da kann man schon was machen, dachten wir. Gut das sind alles erst mal Spinnereien, aber wer weiß, was das Leben noch mit einem vor hat, hehehe?!? ;)

Viele Menschen verlassen auch Deutschland um ein würdiges Leben zu Leben, ich lese sehr viel darüber und aktuell habe ich zwei Beispiele im Bekanntenkreis. Der eine, der schon lange mit einer Thailänderin verheiratet ist, 4 Kinder, und baut gerade ein Haus in Thailand. In ca. 15 Jahren zieht er dort hin wenn er in Rente ist; er sagt immer von seiner Rente kann er dort sehr sehr gut leben. Die andere Bekannte hat gemerkt, das es knapp wird mit der Rente und hat spontan entschlossen nach Indien auszuwandern. Sie macht jetzt erst mal 2 Monate dort Urlaub um sich um alles zu kümmern.

Man sieht, es gibt viele Möglichkeiten, und klar ist auch das nicht jeder auswandern möchte. Ich bin auch ein sehr Heimat verbundener Mensch und möchte am liebsten hier in meinen 4 Wänden bleiben. Wenn ich dann Urlaub in Tschechien mache denke ich mir aber auch manchmal: Mensch, ein kleines Haus grenznah zu Deutschland, das wäre auch was. Spinnerei die irgendwann zur Realität wird? Ich glaube nicht, wer weiß. Das sollen jetzt alles keine gut gemeinten Ratschläge sein, ich habe mehr mal ein wenig andere Wege aufgezeigt, auch wenn sie für viele Meschen undenkbar sind.

Leser H. muss sich im klaren sein wo er steht, Einnahmen/Ausgaben koordinieren wie hier schon viel geschrieben wurde und sich klar werden was er zur Seite legen kann und mit wie viel er im Monat auskommen könnte.[ (Ja, das wissen wir alle ;) ] Dann schauen ob es reicht oder nicht. Wenn nicht wäre zwischen einem 400 € Job an der Tankstelle bis Thailand alles möglich, um ein schöneres Leben zu haben.


Edmund sagt am 11. Oktober 2015

@Odensee

Zitate:

  • „…Selbstverständlichkeiten, auf die jeder klar denkende Mensch auch ohne einen Finanzwesir kommen wird...“
  • „…welchen Bildungsgrad braucht man um darauf zu kommen?“
  • „…wer ein bisschen nachdenkt, kommt da selbst drauf.“

Lieber Odensee,
hast du einen Tipp erwartet, durch den du auf wundersame Weise wieder aufholst, was du bis zu deinem 67. Lebensjahr versäumt hast?
Denk‘ mal nach.


Dr. Dausend sagt am 11. Oktober 2015

@Baldur74

Etwa 45% der aktuell Erwerbstätigen verdient auf einem Niveau, das Ihnen im Alter eine Rente auf Grundsicherungsniveau bescheren wird. Dazu kommen dann noch die Erwerbslosen und diejenigen, die sich (dauerhaft) in Umschulungsmassnahmen befinden. Da würde ich mir über die Selbständigen am wenigsten Sorgen machen.

Viele deutsche Sparer sind ja auch nicht zufällig in Riester, Rürüp und Lebensversicherungen. Da wurde doch über Jahrzehnte durch die starke Lobby der Versicherer über die Regierung hingearbeitet.

Da kann man jetzt von halten, was man will. Der Rente der Verkäufer/-innen aus der Finanzindustrie wird es sicherlich nicht schaden. Und die Pensionen der Beamten und Politiker/-innen sind ebenfalls unantastbar sicher.


Ex-Studentin sagt am 11. Oktober 2015

Manche Dinge kann man nicht oft genug predigen. Einnahmen - Ausgaben ist die einfachste Rechnung, die trotzdem noch genug unterschätzen, weil sie nicht langfristig genug denken.
Wenn ich mich in meinem Bekannten- und Freundeskreis umschaue, muss ich traurig feststellen, dass man Leute, die ein verschwenderisches Leben führen, kaum belehren kann.
Da wird über Schulden und das schlechte Gehalt gejammert und wie man da eine Familie ernähren könne und trotzdem wird geraucht, es stehen 2 Autos in der Garage und alle 2 Jahre gibts ein neues Smartphone. Da muss ich oft an einen alten Mathelehrer von mir denken: Jeder ist zu was gut und sei es nur als schlechtes Beispiel.


Finanzwesir sagt am 12. Oktober 2015

@Baldur74: Diesen Artikel habe ich mir nicht ausgedacht. Ich habe diese Leser-Mail wirklich bekommen.

@Odensee: Du hast recht. Nicht nur ich, auch alle anderen Finanzblogger (egal ob Finanzrocker, Geldbildung oder Zendepot, um nur ein paar zu nennen) verbreiten nur Binsenwahrheiten und das in immer neuen Facetten. Meine Frau amüsiert sich auch darüber.
Sie hat mir prophezeit: "Spätestens nach 6 Monaten hast Du alles gesagt, was zu sagen ist." Aktuell geht dieser Blog auf sein zweijähriges Bestehen zu und die Besucherzahlen steigen mit monatlich zweistelligen Prozentraten.
Es scheint im deutschsprachigen Raum also einen Bedarf an finanziellen Binsenwahrheiten zu geben. Meine Leser sind keine gekauften Facebook-Freunde, sondern alle frewillig hier.

Was jetzt konkret H. angeht: Ich glaube, ihm ist einfach das Leben dazwischen gekommen. Finanzthemen sind wichtig, aber nicht dringend und werden deshalb im Tagesgeschäft gerne mal auf die Seite geschoben. So wie Baldur74 schreibt: Es ist nicht nur die Klientel am unteren Ende der Gesellschaft, die am Ende des Berufslebens mit wenig bis nichts dasteht, sondern oft auch Gutverdiener. Gerade Selbständige müssen sich echt zusammenreißen, um hier nicht zu versagen.

  • Läuft's schlecht, ist man auf Akquisetour.
  • Läuft's gut, kommt man kaum dazu die Rechnungen zu schreiben.

Und zwischendrin will man auch einfach mal nur seine Ruhe haben. Menschlich total verständlich. Aber dann wachen diese Leute mit 55, 60 oder eben mit 66 auf und stellen fest: Die Jahre sind weg und ich kann die Uhr nicht zurückdrehen.
Aber blöd sind solche Menschen nicht.
Deshalb halte ich (ebenfalls einer Deiner Kritikpunkte) meine Fremdwort-Rudel nicht für übertrieben. Man versteht mich schon.

Und was das Beeindrucken angeht: Ich mach's für mich. :-)

Das Schöne am Bloggen: Ich bin Redakteur, Textchef und Producer in Personalunion (um entlaufene Kommas und falsch positionierte Buchstaben kümmert sich dankenswerter Weise Helke Heino).

Aber inhaltlich ist das 100% meins. Dem einen gefällt's, dem anderen nicht.

@alle anderen: Danke für Eure Kommentare und Links. Es ist immer gut, wenn noch weitere Möglichkeiten aufgezeigt werden oder auch ein "würde ich anders als der Finanzwesir machen". Das hilft den anderen Lesern.

Gruß Finanzwesir


PIBE350 sagt am 14. Oktober 2015

Sorry Odensee, aber Du konntest vom Finanzwesir keine detaillierte Antwort erwarten, da Deine Frage nur sehr einfache Informationen enthielt. Deine geäußerte Kritik solltest Du daher bei Dir selbst suchen. Zuzüglich den Umständen, die zu Deiner Eingangsfrage führten. :-)


Finanzwesir sagt am 15. Oktober 2015

Hallo PIBE350,
Mißverständnis: Odensee ist nicht Leser H., der die Frage gestellt hat.

Gruß
Finanzwesir


Odensee sagt am 16. Oktober 2015

@Finanzwesir: danke für das Veröffentlichen und für die Antwort!

@PIBE350: ich denke, wir "kennen" uns ;-)

@alle anderen: nein, ich bin nicht Herr H., bin auch noch lange keine 66 Jahre alt und gehe zur Zeit davon aus, dass ich mit 66 finanziell ganz gut da stehe. Und daher lieber @Edmund, habe ich auch keine Tipps erwartet, wie ich das "versäumte" nachholen kann. Aber wer weiß schon, was das Leben noch alles mit sich bringt. Soll ja Leute geben, die mit 65 geschieden werden. Da jetzt auch schon eine "5" vorne habe, hat mich der Artikel trotzdem interessiert. Ist doch ok, oder?

Ich hatte tatsächlich mehr erwartet. Nun weiß ich so gut wie nichts von Herrn H. So wie ich den Wesir verstanden habe, ist/war Herr H. selbständig. Ist er vielleicht erst dieses Jahr 66 geworden und hat für 2015 noch höhere Einkünfte, die noch versteuert werden müssen? Wäre dann eine Einmal-Zahlung in einen Rürup-Vertrag ein sinnvoller Baustein (! und nur das, nicht alles auf eine Karte setzen!) einer Altervorsorge? Ziel: "Langlebigkeitsrisiko" (blödes Wort, aber darum geht es nun mal) absichern und dazu einen guten Batzen vom Staat dazu bekommen als gut verdienender Selbständiger.

So etwas, oder auch andere, mir nicht bekannte, Möglichkeiten hätte ich erwartet von einem solchen Artikel, vielleicht ja auch eine ablehnende Haltung dazu, aber eine solche Variante gar nicht erst erwähnen finde ich etwas mager. Ich bin übrigens in finanziellen Dingen weder beruflich irgendwie involviert, noch habe ich den Status eines Wesirs auf diesem Gebiet :-), bin popeliger Laie.


Finanzwesir sagt am 16. Oktober 2015

Hallo Odensee,
das, was ich als Leserfrage veröffentlicht habe, war das, was mich erreichte. Ich weiß nicht, ob H. selbständig war/ist. Ich habe das nur als Beispiel in meinem Artikel gebracht, um zu erklären, warum manche Leute keine Altersvorsorge betreiben.

Vielleicht hätte ich den Artikel etwas anders schreiben sollen: Im Sinne von: Irgendwann ist der Zug abgefahren. H. hat mir eine wirklich nette Mail geschrieben. Er ist einfach irgendwann "aufgewacht" und hat festgestellt: "Da fehlt doch was, was ist mit meiner Altersvorsorge."

Wie ich schon schrieb: Das kann schon mal untergehen in der heutigen hektischen Zeit. Alle haben mehr als genug zu tun und die Altersvorsorge steht da nicht so rum, wie die Zeugen Jehovas und mahnt.
Sie meldet sich ab und an mal, wenn man aber keine Zeit/Lust/Kraft hat, nervt sie auch nicht und geht wieder.
Aber irgendwann schreibt sie einen ab und wendet sie sich der jüngeren Generation zu.
Und dann steht man da und hat nicht mehr wirklich viele Optionen.

Gruß
Finanzwesir


Odensee sagt am 16. Oktober 2015

Danke für die Rückmeldung. Und ich finde es wichtig und richtig, wie hier mehrfach geschehen, auf frühzeitige Vorsorge hinzuweisen.


T. sagt am 19. Oktober 2015

Lieber Finanzwesir,
bis zu welchem Alter macht es denn überhaupt Sinn, noch frisches Geld in ETFS einzuzahlen? Die Formel: 100 - Lebensalter sagt ja nur etwas über das Aktienvolumen und nicht darüber aus, wann man aufhören sollte, etwas einzuzahlen. Sagen wir mal, ich will das Geld für die Altersvorsorge ab 70 Jahren nutzen, wäre dann das Höchstalter für frisch eingezahltes Geld das 55. Lebensjahr?

Gruss,
T.


Dummerchen sagt am 20. Oktober 2015

Hallo T., die Frage lässt sich so einfach nicht beantworten. Was wird denn in dem magischen Alter von 70 Jahren passieren? Wirst Du alle Aktien (-ETFs) auf einen Schlag verkaufen wollen oder über viele viele Jahre nach und nach? Im letzteren Fall kann auch eine Anlage mit 69 noch sinnvoll sein, wenn Du damit rechnest ggf. noch über weitere 20 Jahre vom Aktienvermögen leben zu wollen.

Zudem ist die Frage, was unterscheidet einen im Alter von 69 Jahren erworbenen ETF-Anteil von einem Anteil, den Du mit 55 Jahren gekauft hast und im Alter von 69 Jahren immer noch hältst? Wenn Du nicht vorhast alles auf einen Schlag zu verkaufen, wenig.

Gruß Dummerchen


PIBE350 sagt am 21. Oktober 2015

@Odensee: Sorry, der Inhalt (Empörung) und Schreibstil (Klammer) deiner ersten Antwort ließen mich stark auf dich als Fragesteller schließen. :-)

Zum Alter: Ich finde, dass es nie zu spät zum Sparen und Investieren/Anlegen ist, aber mit 66 kann man natürlich nicht mehr so stark vom Zinseszinseffekt profitieren und sollte mit frischem Geld mangels vorhandener Restlebenszeit wohl keine allzu hohe Aktienquote mehr eingehen. :-)

Da wir die Lebensverhältnisse (Miete oder Eigentum, Lebensstandard, Rentenhöhe(n)) und die Höhe der Lebensversicherung/Ersparnisse des Fragestellers nicht kennen, kann man wohl keine konkreten Antworten geben. Vielleicht sieht es ja besser aus, als die Überschrift zunächst vermuten lässt. :-)


T. sagt am 21. Oktober 2015

@ dummerchen: Vielen Dank für Deine Antwort. Sie hat mich noch einmal auf die "First in, first Out"-Regelung denken lassen. Insofern kann es also sinnvoll sein, noch mit 60 oder 65 Jahren etwas einzuzahlen. Das verstehe ich schon. Meine Frage bezog sich auf die Idee, dass ich mit einem Anlagehorizont mit deutlich unter 15 Jahren tatsächlich auch ein hoher Risioko eingehe, ja fast schon spekuliere und natürlich auch kaum vom Zinseszinseffekt profitiere. Insofern wäre es doch besser, so viel wie möglich Geld bis 55 Jahren in Aktien-ETFs anzulegen und eben nicht eine Allokation von 60:40 zu fahren, zwischen, z.Bsp. 40-55 Jahren. Tagesgeld oder Anleihen kann man ja auch noch ab 55 Jahren dazukaufen. Sehe ich das falsch?

Gruss,

T.


Dummerchen sagt am 21. Oktober 2015

Hallo T,
es ist und bleibt eine sehr individuelle Frage. Du schreibst es zwar immer noch nicht konkret, was Du mit 70 vorhast, aber anscheinend willst Du Dich mit 70 definitiv von den Aktienanlagen verabschieden und daher solltest Du die Aktienquote tatsächlich langsam aber sicher auf 0 herunterfahren, je näher Du Dich der 70 näherst.
Der Umkehrschluss, dass man deswegen vorher eine deutlich höhere Aktienquote als noch zuvor gedacht anstreben sollte, erscheint mir aber fragwürdig. Nicht jede Aktienquote kann von jedem erfolgreich durchgezogen werden. Sei es wegen finanzieller Notwendigkeiten, die zum (evtl verlustreichen) Verkauf führen oder weil das Nervenkostüm eben doch nicht so belastbar ist. Ich würde es auf jeden Fall nicht übertreiben.

Gruß, Dummerchen


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