18. September 2015


Vorstellung: Leser-Portfolio

Leser C. schreibt

Vielen Dank, dass du meinen Musterfall von "Anlage Kraut & Rüben" durchleuchten möchtest. Eine Bestandsaufnahme unserer Finanzen hat Folgendes ergeben:

Zur Info: Persönliche Ausgangssituation: Ehepaar, beide berufstätig (und 48), zwei noch minderjährige Kinder

Wertgegenstände/Anlagen

Selbst genutzte Immobilie

Wert rund 300.000 Euro, Restschuld rund 100.000 Euro (zu 2,5 %)

-> Die werde ich nicht verkaufen, ist der (sichere?) Immobilienanteil meiner Anlagen.

Kapital-LV HDI

Abgeschlossen, weil jahrelang vom Ex-Arbeitgeber alleine bedient, seit zwei Jahren allerdings durch mich aus unversteuertem Gehalt zu bedienen mit 1742 €/Jahr, 4 % Garantiezins, läuft bis 2032, laut Hotline dann steuerfrei auszahlbar, Stand circa 30.000 Euro, enthält eine Lebensversicherung und eine ansonsten untransparente Anlage durch den Anbieter, die ihm hoffentlich hilft, die 4 % zu erreichen

-> Könnte ich sicher beitragsfrei stellen und gespartes Geld selbst anlegen, müsste dann eventuell selbst die sonst enthaltene Risiko-LV abschließen und aus dem Brutto kann ich natürlich auch nicht anlegen

Rentenversicherung Standard Life

Abgeschlossen, weil ich neben meinem Arbeitgeber selbst etwas machen wollte, Rückkaufwert ca. 23.000 €, englischer Anbieter, legt in Fonds an (keine Einflussmöglichkeit auf deren Strategie), Nettorendite laut Hotline > 7 %, zahle im Moment 182 €/Monat, kann laut Hotline 2032 steuerfrei in Rente gewandelt oder ausgezahlt werden

-> 7 % und steuerfrei hört sich für mich nicht schlecht an, würde ich evtl. weiterzahlen, aber nicht mehr erhöhen (kann jedes Jahr um 5 % erhöht werden/muss spätestens alle drei Jahre um 5 % erhöht werden, um das "Erhöhungsprivileg" nicht zu verlieren)

Riester Vertrag vom Volkswohl Bund (für mich)

Seit 2005, Stand 20.500 €, legt (soweit möglich) in Fonds an, die ich selbst gewählt habe, im Moment in

  • 30 % Templeton Growth
  • 30 % European …
  • 20 % Top Asia
  • 20 % Best World

Im Moment zahle ich 162 €/Monat, damit komme ich auf den Maximalbetrag von 2.100 €/Jahr inklusive meiner Förderung von 154 €

-> Fast 8 % Förderung auf die selbst eingezahlte Summe hört sich ja nicht schlecht an, aber völlig untransparent, was Renditen, Gebühren und die Umwandlung in eine Rente angeht; allerdings ist laut eigener Recherche der Volkswohl Bund wohl einer der besseren Anbieter

Riester Rente Heidelberger Leben (für meine Frau)

Stand 11.714 €, meine Frau bezahlt 80 €/Monat und bekommt als Zulage ihre 154 € + 2 x 185 € für die Kinder

-> Sehr intransparenter Verein, wohl als MLP-Ableger gestartet, alle Provisionen sind bezahlt, Übernahme zu anderem Anbieter möglich, laut Hotline letztes Jahr 112 € Gewinn aus den Anlagen erzielt, also 1 % … könnte ich natürlich in einen "Fairr" Vertrag ändern (hast du ja schon selbst drüber geschrieben) und selbst ETFs auswählen. Aufgrund der Förderung von 524 €/Jahr würde ich es eher behalten.

Das sind die diversen Versicherungen, hinzu kommt ein Depot mit folgenden Werten.

Stück/Nom. Bezeichnung WKN Typ Akt. Kurs Wert in EUR Anteil Abg.-steuerfrei
1.250 GFT TECHNOLOGIES AG 580060 Aktie 22,24 € 27.800,00 32 % Ja
70 DWS VERMOEGENSBIL.FD.I LD 847652 Fonds 138,01 € 9.660,70 11 % Ja
200 DEUTSCHE EUROSHOP AG O.N. 748020 Aktie 41,42 € 8.284,00 9 % Nein
400 ISHS-S+P 500 DIST 622391 ETF 18,99 € 7.595,20 9 % Ja
50 DWS TOP ASIEN 976976 Fonds 142,35 € 7.117,50 8 % Ja
100 IS.DJ U.S.SELEC.DIV.U.ETF A0D8Q4 ETF 49,64 € 4.964,00 6 % Ja
30 C.-MSCI USA M.C.T.U.ETF I ETF122 ETF 145,88 € 4.376,40 5 % Nein
40 BEIERSDORF AG AKTIEN O.N. 520000 Aktie 82,29 € 3.291,60 4 % Ja
100 ISHS.II-BRIC 50 UC.ETF DZ A0MSAE ETF 22,04 € 2.204,00 3 % Ja
100 L.ETF E.EUR.C.NTR EO C-EO A0F6BV ETF 18,07 € 1.807,00 2 % Ja
Summe Aktien & Aktienfonds 88 %
50 ISHS-EO CO.BD LA.C.UTS DZ 251124 ETF 132,81 € 6.640,50 8 % Nein
22 DB X-TR.II-IB.S.E.1-3 1C DBX0AD ETF 169,45 € 3.727,90 4 % Ja
Summe Rentenfonds 12 %
Gesamt 87.468,80 100 %

Einige Sachen davon habe ich schon länger (Spalte Abgeltungssteuerfrei), habe in den letzten 1 bis 2 Jahren versucht, etwas ausgewogener zu werden (der Hälfte der GFT-Aktien habe ich schon verkauft und umgeschichtet) und Anleihen und USA dafür zugekauft.
Wahrscheinlich fragst du dich, GFT? Häh, was ist das für ein Laden? Da habe ich mal gearbeitet und deshalb war mir klar, dass die eigentlich eine gute (Inhaber)-Führung und Kundenbasis haben und zu meinem Kaufkurs von 2,81 € unterbewertet waren, wäre bereit mich ab 30 € von dem Rest zu trennen …

Das Depot kann, auch weil ich die anderen Anlageformen zusätzlich habe, sehr risikobereit aufgestellt sein, von dividendenorientierten Aktien bis zur „Nur-2 ETF“-Strategie könnte ich mir alles vorstellen. Das Geld brauche ich erst zur Rente, wäre aber nicht schade, wenn ich die aufgrund überlaufender Konten früher antreten könnte … ;-)

Resümee

  • Immobilie: 200.000 €
  • diverse Versicherungen: 85.000 €
  • Depot: 87.000 €
  • etwas Tagesgeld als Notgroschen

Ich habe im Moment eine recht hohe Tilgung auf dem Immobilienkredit und könnte vielleicht monatlich maximal 1.000 Euro zusätzlich investieren.

Der Finanzwesir antwortet

Grundsätzlich und vorab: Gratulation und Glückwunsch zur erfolgreichen Geldanlage. Noch keine 50 und ein Vermögen von knapp 400.000 Euro ‒ das kann sich sehen lassen.

Selbst genutzte Immobilie

Die wird natürlich nicht verkauft. Sie ist zu zwei Dritteln abbezahlt, die Kinder werden noch einige Jahre dort wohnen und dann wird man weitersehen. Aktuell hat die Restschuld von 100.000 Euro eine wunderbar disziplinierende Zwangsspar-Wirkung.
Hier würde ich auch ansetzen: Mit der Tilgung der Restschuld kann ich risikolos eine Rendite von 2,5 % erwirtschaften. Aus zwei Gründen würde ich die Schulden bevorzugt tilgen:

  1. Rendite
  2. Fragilität

Rendite

Ob ich von -2,5 % (Schuldzinsen) auf 0 % (Schulden weg) oder von 0 % auf 2,5 % (Guthabenzinsen) komme, ist egal. In beiden Fällen erfreue ich mich an einem Zinsdelta von 2,5 %.
Der Schritt von -2,5 % auf 0% ist aber risikolos, denn die Bank muss mein Geld nehmen, wenn ich die entsprechenden Sondertilgungen vereinbart habe.
Wenn ich dagegen 2,5 % Zinsen haben will, muss ich mein Geld bulgarischen, russischen oder tschechischen Banken für mindestens 60 Monate überlassen.

Fragilität

Schulden tilgen macht mich weniger fragil. Nassim Taleb definiert Fragilität in seinem Buch "Antifragilität" wie folgt:

"Fragilität impliziert mehr Verlust als Gewinn, das heißt, mehr Nachteile als Vorteile."

Es gibt also eine Asymmetrie in Bezug auf Volatilität. Unvorhersehbare Schwankungen wirken sich tendenziell negativ aus.

  • Wenn ich recht habe, ist mein Gewinn klein.
  • Wenn ich falsch lag, ist mein Verlust groß.

Was bedeutet diese Erkenntnis in Bezug auf die Schulden?

Mein kleiner Gewinn: Ich sondertilge nicht, sondern kaufe ETFs. Die ETFs werfen Dividende ab und der Kurs steigt. Ich brauche fünf bis zehn Jahre, um die 100.000 Euro zu tilgen und gehe mutig davon aus, dass ich im Schnitt die Marktrendite schaffe, weil ich davon ausgehe, dass die Börse auch weiterhin gut läuft. Nach Steuern und Inflation werfen meine Aktien zwischen 4 % und 8 % ab (je nach Schätzung). Mein Delta: zwischen 1,5 % und 5,5 % nach Abzug der Schuldzinsen.

Mein großer Verlust: Die Börsenkurse gehen südwärts und bleiben dort eine Weile.

Mein entsetzlicher Verlust (aka "Der schwarze Schwan"): Ich werde arbeitslos, arbeitsunfähig, meiner Familie stößt etwas zu und ich muss mich intensiv um Frau oder Kind kümmern.
Wenn ich schuldenfrei bin, stehe ich dem seltenen und verheerenden Ereignis nicht unbedingt gelassener gegenüber. Ich habe aber wenigstens eine Chance, halbwegs aus der Sache herauszukommen.

Ein kühner Gedanke

Schulden plus Wertpapier-Depot, das ist wie ein brennendes Haus, das man nicht löschen will, weil man das Schwimmbecken nebenan gerade so schön hergerichtet hat.
Aktuell hat das Depot einen Wert von 87.000 Euro und C. sagt: "Ich kann jeden Monat 1.000 Euro investieren."

Mit anderen Worten: Das Depot plus ein Jahr und die Hütte ist schuldenfrei.

Die Schulden sind C. sicher, die verschwinden nicht von alleine. Das Depot ist fluider: Das kann in drei Monaten nur noch 45.000 Euro wert sein. Wir haben jetzt sechs Jahre Hausse hinter uns. Langsam beginnt die Regression zum Mittelwert ihr Recht einzufordern.

Warum ist mir das so wichtig? Seit ich Nassim Talebs Bücher "Schwarzer Schwan" und "Antifragilität" gelesen habe, ist mir klar, dass wir Menschen das seltene, aber verheerende Ereignis systematisch unterschätzen.

Wenn ich rein nach Statistik gehe, wette ich lieber darauf, dass C. seinen 80sten Geburtstag erreicht und nicht darauf, dass er in drei Monaten im Rollstuhl sitzt.
Aber kann ich die Rollstuhloption ausschließen? Nein. Das Einzige, was ich tun kann, ist diesen Dialog vorzubereiten:
Sie: "Schatz, ich habe einen Job gefunden, und mit dem, was die Versicherungen zahlen, werden wir so über die Runden kommen."
Er: "Wie gut, dass wir vor zwei Jahren das Haus abgezahlt haben. Jetzt noch 80.000 Euro Schulden abtragen, das hätten wir nie geschafft."

Deshalb: Depot verkaufen und alles in die Schuldentilgung stecken. Wenn das nicht geht, weil sich die Bank mit Händen und Füßen dagegen wehrt, dann über einen (Teil)verkauf nachdenken und das Geld oberhalb des Inflationsniveaus auf einem Tages- oder Festgeldkonto parken.

  • Worst-Case-Szenario "Verkauf": Die Börse rockt weiter und man ist nicht dabei.
  • Worst-Case-Szenario "Behalten": Kurse im Keller und Haupternährer fällt aus => Privatinsolvenz. Es sei denn, es gibt eine Berufsunfähigkeitsversicherung, von der ich nichts weiß.

Mir geht es hier nicht um mehr Rendite, sondern um weniger Risiko. Ich will mir die Genickbrecher vom Hals schaffen.

Die ganzen Versicherungen

Meine Meinung dazu ist eindeutig: Ich halte nicht viel von dem Zeug. Aber: Nun sind sie halt im Haus, und ein unqualifiziertes Kettensägenmassaker ("Schatz, wir kündigen den ganzen Scheiß") tut selten gut.
Da ich die einzelnen Produkte nicht kenne, kann ich keine konkreten produktbezogenen Ratschläge geben.
Meine Empfehlung auf der Meta-Ebene:
Wer Jahrgang 1967 ist, hat den Anpfiff zur zweiten Halbzeit schon gehört. Das bedeutet:

  • Beruflich ist absehbar, wo es noch hingeht. => Damit ist auch der finanzielle Rahmen recht gut abgesteckt.
  • Das Thema Vermehrung ist durch. Die Kinder, die man haben wollte, hat man. => Damit ist der große Brocken "Ausbildungskosten Kinder" abschätzbar.
  • Man hat eine gewisse Haltung zum Leben entwickelt. => Damit ist auch klar, was noch auf der Bucket-Liste steht („Schatz, wir wollten noch auf den Mount Everest …“).

Mit anderen Worten: Auch wenn uns die Werbung etwas anderes weismachen will: Das Leben eines fast 50jährigen ist planbarer als das Leben eines Twens.

Ich würde mir zwischen den Jahren die Frau schnappen und mal darüber reden, wie es denn nun die nächsten 30 Jahre so im Groben weitergehen soll.
Dann würde ich sämtliche Versicherungen auf den Prüfstand stellen und mir überlegen:

  • Welche Versicherung passt noch zu uns?
  • Welche Versicherung hilft uns, unsere Ziele zu erreichen?
  • Was wäre, wenn wir diese Versicherung nicht hätten? Würden wir sie jetzt neu abschließen? Wenn nein, was wären die Alternativen?

Immer mit dabei die üblichen Psycho-Probleme.

  • Der Ownership-Bias: Das, was ich habe, ist immer mehr wert als das, was ich nicht habe.
  • Der Sunk-Costs-Effekt: Schatz, lass uns dem schlechten Geld noch gutes hinterherwerfen.

Deshalb sagt ich ja auch: "Zwischen Weihnachten und Silvester", denn das macht man nicht zwischen Tür und Angel.
Für jede Versicherung muss ich mich zwischen 4 Optionen entscheiden

  1. Alles unverändert weiterlaufen lassen
  2. Weiter einzahlen, aber mit einer größeren / kleineren Summe
  3. Beitragsfrei ruhen lassen
  4. Kündigen

Dieses Großreinemachen zu Beginn der zweiten Lebenshälfte hat weniger mit Geld sondern mehr mit Psychologie zu tun.

Die Aktienpositionen

Während ich beim Haus sage "Weitermachen" und bei den Versicherungen zum vorsichtigen Beschneiden rate, ist das Depot einfach nur eine Messie-Bude.

Bevor jetzt das Geheul losgeht: "Klar, Finanzwesir, da sind ja auch zu wenige Deiner geliebten ETFs drin." eine Klarstellung: ETFs sind nur ein Werkzeug. Mir ist es egal, ob ein Leser Aktien, klassische Fonds oder ETF als Vehikel nutzt.
Ich bemängele den nicht vorhandenen roten Faden.
Das ist aber nichts besonders. Viele Depots ‒ auch mein altes Depot ‒ sehen so aus. Warum? Weil das Zeug eben dank der Direktbanken und der geringen Kaufkosten schnell gekauft ist.
Man schnappt irgendwo etwas auf, findet das vernünftig und schon ist das Zeug im Depot.
Die Folge: Ein typisches Bottom-up-Depot. Entstanden aus der Summe vieler Einzelentscheidungen. Jede Einzelentscheidung ist für sich genommen sinnvoll. Die Summe aller Einzelentscheidungen ergibt einen ungenießbaren Brei.

Beim Kochen entscheiden Sie sich ja auch für einen Stil: Tomatensauce klassisch-italienisch (mit Kräutern) oder exotisch-asiatisch (mit Curry und Chili). Mit beiden Varianten werden Sie bei Tisch punkten, aber Ihre "Ich-nehm-von-allem-etwas"-Sauce mit Thymian-Curry-Geschmack wird eher weniger enthusiastisch gefeiert werden.

Was mir an diesem Depot nicht passt, ist die wirre Mischung aus Einzeltiteln (ausgenommen die GFT-Mitarbeiter-Aktien) und Fonds. Bei den Fonds kann ich kein System erkennen.

Aktien & Aktienfonds

  1. Der DWS will den MSCI World schlagen. Ist mit einer Management-Gebühr von 1,45 % aber mehr als siebenmal so teuer wie ein klassischer MSCI World ETF mit einer Kostenquote von 0,2 %. Dazu kommen noch 5 % Ausgabeaufschlag.
  2. Die Region USA ist dreimal vertreten: einmal die großen Firmen durch den ETF auf den S&P 500, dann Dividenden-Werte und dann noch einmal US Mid Caps.
  3. Asien ist ebenfalls vertreten
  4. Dann sind noch 50 ausgewählte Firmen aus den BRIC-Staaten im Depot. BRIC = Brasilien, Russland, Indien und China.
  5. Auch die Osteuropäer werden noch einmal übergewichtet. Wobei man sagen muss: Osteuropa ist ein bisschen zu großartig. Der A0F6BV ist mehr oder minder ein Polen-ETF. Polnische Unternehmen stellen 78 % des Indexes. Polnisches Unternehmen bedeutet in diesem Fall: Polnische Bank ‒ denn der Sektor Finanzdienstleistungen steht für 54 % des Index. Mit anderen Worten: Dieser ETF ist eine Wette darauf, dass die polnischen Banken ganz steil aus dem Gebüsch kommen!
  6. Die Einzelwerte: ETFs und Fonds stehen für passives Investieren. Wer Aktien kauft, handelt aktiv. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber der Paradigmenwechsel muss einem klar sein. Ein Direktinvestment holt man sich nur ins Depot,
    • wenn man sich davon eine bessere Rendite als der Marktdurchschnitt verspricht und
    • wenn man davon überzeugt ist, dass man diese Outperformer auch finden kann.

Es bleibt die Frage: Weshalb Euroshop und Beiersdorf und nicht GSW Immobilien und Colgate-Palmolive? Auf GFT als Mitarbeiter-Aktien gehe ich später noch einmal gesondert ein.

Anleihen-ETFs

  1. Der iShares (251124) bündelt 40 Unternehmensanleihen in Investment-Qualität und investiert weltweit. Gut 40 % der Emittenten sind Banken. Zwar sind das keine Staatsanleihen, aber ob eine Anleihe, die von Shell oder der Deutschen Bank aufgelegt wurde, prinzipiell unsicherer ist als die Anleihe eines südeuropäischen oder südamerikanischen Staates ‒ darüber kann man trefflich streiten.
  2. Der zweite ETF investiert in kurz laufende Euro-Staatsanleihen. Klingt auf den ersten Blick nach einer mündelsicheren Sache. Wer genau hinschaut, sieht: Knapp 60 % des Fondsvolumens sprechen französisch, italienisch oder spanisch. Dann doch lieber eine Shell-Anleihe?

GFT

Am 28.06.2002 konnte man die für 2,27 Euro kaufen, sagt der Chart. Also hast du praktisch zum Tiefstkurs gekauft. Aktuell (17.09.2015) stehen sie bei 21,53 Euro. Die Aktie steht also für dich mit 766 % im Plus. Verkaufen willst du erst ab 30 Euro, also bei einem Plus von 1.067 %.

Warum? Weil 30 Euro so eine schöne runde Zahl ist oder weil du nach gründlicher Recherche zu dem Ergebnis gekommen bist, dass die GFT mit 30 Euro pro Aktie fair bewertet ist (klassische Value-Analyse nach Warren Buffet)?

  • Entweder GFT ist eine tolle Firma mit einem dauerhaft guten Management und am Markt begehrten Produkten. Dann gibt es keinen Grund zu verkaufen. Warum sollst du dich von so einer Perle trennen?
  • Oder GFT ist auch nur so eine IT-Bude wie alle anderen. Dann lass dir von jemandem, der die TomorrowFocus-Aktie nicht für 95 Euro verkaufen wollte, weil sie mal auf 107 Euro stand, und der dann die Aktie bei 2,60 Euro entsorgt hat, gesagt sein: Nimm die 766 % mit und pfeif‘ auf die 1.000 %.

Was haben wir?

Das Depot ist ein amorpher Haufen, der praktisch nur aus risikobehafteten Komponenten besteht. Die Anleihen-ETFs sind für mich keine Renten-Fonds im Sinne von "Die Rente ist sicher", sondern durchaus risikobehaftete Investment-Vehikel. Hätte Leser C. die gut 10.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto bei einer Bank mit westeuropäischer Einlagensicherung geparkt, hätte das für mich eine andere Qualität.

Wie ist das zu bewerten?

Fangen wir mit dem Thema Risiko an. Das Risiko ist immer an den Zeithorizont gekoppelt. Wer als 48-Jähriger einen zwanzigjährigen Zeithorizont hat, ist 68 und damit seit einem Jahr in Rente.
C. kann sich aber vorstellen, auch schon früher aus dem Berufsleben auszuscheiden oder kürzerzutreten. Ein Zeithorizont von 10 bis 15 Jahren scheint auf einmal realistischer zu sein.
Damit sind wir an der unteren zeitlichen Grenze für ein sinnvolles Börsenengagement angelangt.

Frage an C.: Wie wirkt sich dieser Zeithorizont in Kombination mit der Tatsache, dass noch zwei Kinder durch die Ausbildung zu bringen sind, auf die Risikotragfähigkeit aus?
Sind fast 100 % in Aktien noch ok? Was passiert, wenn aus den knapp 90.000 Euro in einigen Jahren 45.000 Euro geworden sind?
Als 48-Jähriger hat man nicht mehr alle Zeit der Welt, um solche Tiefs einfach auszusitzen.

Es sei denn…
… man strukturiert die Auszahlungen der Versicherungen so, dass man erst mit 80 auf das Aktiengeld angewiesen ist. Dann hat man auf einmal einen Zeithorizont von 30 Jahren und damit ganz andere Freiräume.

Ob das geht? Keine Ahnung. Deshalb die Anregung, mit der Frau die nächsten Jahrzehnte grob zu besprechen.

Das Depot konkret

Leider sind 78 % des Depots steuerlich versiegelt. Hört sich schön an, verhindert aber eine konsequente Neuausrichtung.
Abschätzung nach oben: Zuerst würde ich ausrechnen, wie viele Steuern ich bei einem Komplettverkauf des Depots zahlen müsste. Sind wirklich alle Positionen im Plus oder gibt es noch Verluste, die man verrechnen kann?

Der Entscheidungsbaum

Wie teile ich mein Depot auf?
Will ich wirklich keinen risikoarmen Teil im Depot haben? Das Notgroschen-Tagesgeld gehört für mich nicht dazu. Notgroschen bedeutet Liquidität, nicht Geldanlage. Anleihen sind nicht per se dem risikoarmen Teil des Depots zuzuschlagen.

Will ich aktiv oder passiv anlegen?

  1. Wenn aktiv, dann welche Aktien und in welcher Gewichtung? Buy-and-hold oder traden? Wenn traden, dann nach welchem System?
  2. Wenn passiv, dann nach Marktkapitalisierung oder nach Bruttoinlandsprodukt (BIP)? Wer Marktkapitalisierung will, kauft entweder den MSCI ACWI oder die Kombi MSCI World plus MSCI Emerging Markets. Wer BIP will, rührt sich seine Kombi aus vier ETFs (USA, Europa, Pazifik, Schwellenländer) zusammen. Damit wäre C. dann auch die ganzen Wetten los. Es ist ja nichts gegen Aktien chinesischer oder brasilianischer Unternehmen einzuwenden, aber dann als Teil eines strukturierten Schwellenländer-Engagements und nicht in Form einer 50er-Wette.

Im Hinblick auf den nicht unendlichen Zeithorizont würde ich besonderen Wert auf niedrige Kosten legen. Das ist der einzige Parameter, mit dem ich meine Rendite sicher positiv beeinflussen kann.

Ein Beispiel: Damit der DWS Vermögensbildungsfonds auch wirklich mehr Vermögen bildet als ein simpler ETF auf den MSCI World, muss er den ETF jedes Jahr um knapp 1,3 % übertreffen (Kostenquote 1,45 % vs. 0,2 %).
Die DWS muss also verlässlich mehr Rendite heranschaffen, als der Markt im Durchschnitt hergibt. Das eherne Gesetz der Kapitalmärkte erzwingt "Mehr Rendite => mehr Risiko".
Mehr Risiko bedeutet in der Praxis "größere Schwankungen".
Und "größere Schwankungen" bedeutet: Es ist Essig mit der Verlässlichkeit.

Fazit

Also alles nicht so doll? Das finde ich nicht. So ist das eben, wenn ein Vermögen über die Jahre anwächst. Man macht Fehler, korrigiert diese und manche Entscheidung, die man einst für gut hielt, entpuppt sich als Niete.
Manches entwickelt sich dafür besser als man dachte.
Das Entscheidende ist doch das Verb "wachsen". Leser C. und seine Frau haben etwas vorzuweisen, und das nicht zu knapp. Auch wenn das Depot eine Messie-Bude ist, besser eine Messie-Bude als obdachlos.
Ich ‒ Jahrgang 1966 ‒ würde das so formulieren: Es ist Zeit für ein behutsames und intelligentes Nachjustieren in der Lebensmitte.
Insbesondere die Klärung der Frage: Wollen und sollen wir unser Wertpapier-Depot zur Schuldentilgung einsetzen, hätte für mich oberste Priorität.

Zum Weiterlesen

(awa)

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Soll ich Ihnen eine E-Mail schicken, wenn ich einen neuen Artikel veröffentliche?

Ja, ich bin dabei!

kostenlos, kein Spam, keine Weitergabe der E-Mail-Adresse, jederzeit kündbar, Datenschutz

Abgelegt unter Strategie, Geldanlage, Zinsen, Rendite, Portfolio, Altersvorsorge, ETF, Leserfrage



Das könnte Sie auch interessieren

  1. Sohnfrage: Soll meine Mutter ihren Misch-Fonds verkaufen?
  2. Nie mehr einsam! – Finanzwesir-Lesertreffen
  3. Inventur machen - Im Kampf gegen die Flut der Dinge
  4. Fondsbesteuerung 2018 – eine historische Betrachtung

Kommentare

Leser C. sagt am 18. September 2015

Ja, ja, ich gestehe: Kraut & Rüben und ein Messi-Depot. Aber sicher geht es auch anderen Bloglesern so, das ihre "gewachsenen Anlagen" nicht nur aus Null-Schulden und dafür 2 ETFs im Depot ohne unrentable Versicherungsprodukte bestehen. Aber dafür lese ich hier, um es zukünftig besser zu machen.

Deinen Vorschlag "Schuldentilgung vor Anlage" kann ich verstehen, in diese Richtung werde ich auf jeden Fall aktiv werden und erst wieder im Depot anlegen, wenn die Schulden getilgt sind. Ob dazu das ganze Depot verkauft wird, muss ich mir überlegen, ich denke nicht alles. Auf jeden Fall soll es aber von Einzelwerten in ETFs überführt werden, um Risiken zu minimieren.

Was mit den Versicherungen zu machen ist, weiß ich noch nicht, auf jeden Fall werde ich mindestens einen Anbieter wechseln. Erhöhen werde ich Einzahlungen für die Verträge nicht, entweder gleichbleibend weiter bedienen oder sogar beitragsfrei stellen lassen, kündigen ist wohl zu teuer und verlustreich.

Mein Ziel soll sein, einen guten Überblick über unsere Altersvorsorge zu bekommen, die Finanzprodukte zu verstehen und freie Mittel nur noch selbst anzulegen. Nach langem "einfach vor-sich-hersparen" fühle ich mich jetzt auf dem richtigen Weg, aber bis der Tanker "Altersvorsorge" seine Richtung wechselt, dauert das sicher noch etwas...


Dummerchen sagt am 18. September 2015

Hallo C.,
gerade in dieser Woche bin ich über Holger (Zendepot) auf den BdV-Rechner zur Attraktivität von KLVs aufmerksam geworden:
https://www.bundderversicherten.de/Lebens-und-Rentenversicherungsrechner
Er liefert Dir auf Basis der aktuellen Werte eine Aussage über die tatsächliche Rendite, die Dir eine Alternativanlage nach Steuern bieten müsste. Ggf. wirst Du Werte bei Deinem Versicherer abrufen müssen (ein Musterbrief ist enthalten), aber eine verbindliche Auskunft wird man Dir sicherlich geben. Dann kannst Du sehen, wieviel vom 4%-Garantiezins tatsächlich bei Dir ankommt. (Ein Teil Deiner Beträge fließt ja in die Verwaltung, ein weiterer in die Lebensversicherung und der Rest wird mit 4% verzinst.) Ob dann beitragsfrei stellen, kündigen oder fortführen besser ist, kannst Du Dir ja dann überlegen.
Zum Rechner selbst kann ich wenig sagen, ich bin vor einigen Jahren aber nach dem gleichen Prinzip ohne Rechner vorgegangen und war froh, mit "echten" Renditezahlen arbeiten zu können.

Gruß
Dummerchen


Luigi sagt am 18. September 2015

@finanzwesir

Wieso sollte in Aktien anlegen "aktiv" sein und zum Beispiel in einen Euro Small Cap ETF nicht?

Ich kann mit Aktien genau das gleiche machen, wie mit ETFs. Kaufen, halten, liegen lassen, rebalancen, regelbasiert nachkaufen usw. Ob ich mit 20 Aktien besser/schlechter diversifziert bin, ist ein anderes Thema.


Hartmut sagt am 19. September 2015

An vielen Stellen finde ich meine Situation wieder. Deswegen vielen Dank für die Bereitschaft, @C., Deine Zahlen herzugeben, und @finanzwesir, für die Analyse.

Ich weiß ja nicht, wie risikoaffin C (und seine Partnerin) sind, aber ich sehe im Moment viel lieber meine (Haus-)Schulden sinken als mein (Fonds-)Vermögen wachsen. Sondertilgungen haben so etwas ... beruhigendes.

Zu den "steuer-alten" Aktien/Fonds habe ich neulich eine Rechnung angestellt, und bei einem Kostenvorteil von 1% (d. h. eine Neuanlage (ETF) hat nach Kosten eine Rendite, die eine Prozentpunkt über der eines gemanagten, vor 2009 erworbenen, Fonds liegt) für die nächsten 20 Jahre (mein "Rentenhorizont") lohnt sich das steuerschädliche Umschichten, außer der Kurs steigt um mehr als 7% p.a. (unter der Annahme unveränderter Steuerregeln ;-)
Ich glaube also, dass es sich bei einem Anlagehorizont von 20 Jahren lohnt, auch "steuer-alte" Posten beim Aufräumen zur Disposition zu stellen. Was nicht passt, wird verkauft, egal ob steuerfrei oder nicht.

Gruß Hartmut


Leser C. sagt am 19. September 2015

Danke Dummerchen, dieser Rechner vom Bund der Versicherten sieht schon mal vielversprechend an, kannte ich noch nicht. Ich werde die benötigten Informationen einholen und dann nachrechnen. Dabei dann noch steuerliche Regelungen zu berücksichtigen, die man nicht genau kennt und von denen man nicht einschätzen kann, wie viel von denen in den kommenden Jahren kassiert werden könnten, macht es nicht einfacher...

Zum Thema Aktiendepot war ich schon froh, mich durchgerungen zu haben, den Gewinnbringer etwas zu reduzieren und das Depot dafür zu diversifzieren, mit den Tipps des Finanzwesirs ist da sicher noch Luft nach oben.

Aber irgendwie werde ich den Durchblick noch bekommen und ich denke, im kommenden Jahr habe ich dann spätestens eine neue Strategie entwickelt, wie es mit der Altersvorsorge in den nächsten Jahren weitergehen soll. Und da bin euch allen Bloggern, Kommentierern usw. dankbar, die so viel Informationen dazu verbreiten, sonst hätte ich bei dem Thema sicher noch Jahre vor mir hergewurschtelt.

Danke, es lebe das I-Net!
Leser C.


Markus Rieksmeier sagt am 19. September 2015

| Hallo Gemeinde, ehrwürdiger Großwesir!

Tolle Sortierung der Portfolien in Sachen Wertpapiere! Zu den Kategorien selbstgenutzte Immobilie und Versicherungen einige Anmerkungen. Damit ihr gleich wisst, wer hier kommentiert: Ich bin Markus Rieksmeier, Versicherungsfachwirt, seit 33 Jahren im Beruf, kann bei angewandter Versicherungs- und Finanzmathematik mithalten.

Im Hauptberuf bin ich Versicherungs-Fachjournalist und schreibe auf http://www.versicherungsbote.de über fast nichts anderes als Lebensversicherungen und ihre Ausprägungen (Riester, Rürup-Basisrente oder Betriebsrente/bAV) + Finanzplanung mit Taschenrechner.

Mangels Zeit komme ich kaum zum bloggen auf http://www.klartextfinanzen.com ... dort habe ich zum Beispiel die Rente auf dem Bierdeckel erklärt. Kürzer: ich bin eine Art Versicherungs-Gegenstück zum großen Wesir :-) ... , der mir diesen langen Kommentar erlaubt hat.

Ich habe meine Anmerkungen zu Versicherungen sortiert (damit ihr nicht hoch und runter scrollen müsst):

Je Versicherung

  1. Wiederholung der Angaben oben im Blog von Leser C. bzw. durch den Wesir
  2. MEINE Anmerkungen

    Kapital-LV HDI

  3. INFO Leser C.
    Abgeschlossen weil jahrelang vom Ex-Arbeitgeber alleine bedient, seit zwei Jahren allerdings durch mich aus unversteuertem Gehalt zu bedienen mit 1742€/Jahr, 4% Garantiezins, läuft bis 2032, laut Hotline dann steuerfrei auszahlbar, Stand circa 30.000 Euro, enthält eine Lebensversicherung und eine ansonsten untransparente Anlage durch den Anbieter, die ihm hoffentlich hilft, die 4% zu erreichen -> könnte ich sicher beitragsfrei stellen und gespartes Geld selbst anlegen, müsste dann eventuell selbst die sonst enthaltene Risiko-LV abschließen und aus dem Brutto kann ich natürlich auch nicht anlegen

  4. ANMERKUNG
    Anhand des Beitrags (Indiz) erkenne ich eine alte Direktversicherung (§ 40b EStG; Abschluss war bis Ende 2004 möglich) im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung (bAV). Das bedeutet beim Arbeitnehmer pauschale Versteuerung eigener Beiträge mit 20% + Soli. Bei Leser C. zahlte bis vor zwei Jahren der AG allein (Betriebsausgaben der Firma, für den AN steuerfrei in Beitrag und Leistung) = geschenkter Gaul.

    Auszahlung: Egal ob Rente oder Kapital = steuerfrei. Für den bAV-Teil (Beiträge bis vor zwei Jahren und zurück in die Vergangenheit) wird bei gesetzlich Versicherten die volle Kranken- und Pflegeversicherung (kurz GKV) fällig <= gilt seit 1.1.2005 (bevor ihr fragt: das ist zwar für alte Sparer überraschend und unfair, Stichwort Vertrauensschutz, aber zulässig, weil gerichtlich ausgeurteilt).

    Auszahlung als Rente = GKV-pflichtige Einnahme Auszahlung als Kapital = Betrag wird durch 120 geteilt und der Versicherte muss 120 Monate lang diese fiktive Monatsrente als GKV-pflichtige Einnahme „verbeitragen“, also Kranken- und Pflegevers. an die Krankenkasse zahlen (privat Krankenversicherte sind nicht berührt und nicht betroffen).

    Was tun? HDI zahlt zurzeit nur noch 2,50% laufende Verzinsung (Marktschnitt 2015 ca. 3,15%). Das bedeutet, die legen für den vorliegenden Vertrag mit 4% Garantie jedes Jahr 1,5% drauf! Weswegen (auch!) dieser Versicherer so genannte Zinszusatzreserven bilden muss. Auf deutsch: Neukunden (<= zzt. bekommen die noch 1,25% Garantiezins) finanzieren Alt-Kunden mit.
    ACHTUNG: Die Prozentangaben gelten nicht(!) für den gesamten Zahlbeitrag, sondern nur für dessen (undurchsichtigen!) Sparanteil. Faustregel: 90% des Beitrags werden hier mit 4% verzinst.

    Weiterführen (+ immer jährlich zahlen!)
    Diesen Vertrag würde ich fortführen (und immer jährlich zahlen. Monatszahlung kostet 5% Ratenzuschlag). Auch die seit zwei Jahren privat (also aus Nettoeinkommen) gezahlten Beiträge werden (zu ca. 90%) mit 4% garantierter Überschussbeteiligung weiter verzinst.
    ODER: Leser C. ist ausreichend versorgt und könnte seine (jährl. 1.742 Euro ?) zu mehr als 4% anlegen. Dann „siegt“ das ETF. Achtung: Todesfallschutz für die Familie prüfen – rechnen – und gfs. Nachkaufen. Erst anschschließend den Vertrag beitragsfrei stellen. Frist: Ein Monat auf Ende des Ratenzahlungsabschnitts. Deutsch: Monatliche Zahlung? Im September zum 31.10. beitragsfrei stellen. Jährliche Zahlung: Annahme Beginn wäre 1. Januar. Dann muss die Beitragsfreistellung bis 30.11. gegenüber dem Versicherer ausgesprochen werden (also 1 Monat plus 1 Tag vor Hauptfälligkeit).

    Übrigens ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der HDI sein Lebensversicherungs-Geschäft mit diesen „klassischen“ erstens ganz beendet und evtl. zweitens verkauft. Zum Beispiel an die Heidelberger Leben (siehe unten, dort mit wichtigen Erläuterungen). ABER egal: Leser C. bekommt seine Garantie bis zum Ablauf der Versicherung :-) ..., egal, wo der Vertrag am Ende landet.

    Rentenversicherung Standard Life

  5. INFO Leser C. Abgeschlossen weil ich neben meinem Arbeitgeber selbst etwas machen wollte, Rückkaufwert ca. 23.000€, englischer Anbieter, legt in Fonds an (keine Einflussmöglichkeit auf deren Strategie), Nettorendite laut Hotline > 7%, zahle im Moment 182€/Monat, kann laut Hotline 2032 steuerfrei in Rente gewandelt oder ausgezahlt werden -> 7% und steuerfrei hört sich für mich nicht schlecht an, würde ich evtl. weiterzahlen, aber nicht mehr erhöhen (kann jedes Jahr um 5% erhöht werden/muss spätestens alle drei Jahre um 5% erhöht werden, um das "Erhöhungsprivileg" nicht zu verlieren)
  6. ANMERKUNG Fondspolice. Ja, auf die Strategie hat der Versicherungsnehmer keinen Einfluss. Er kann aber zwischen verschiedenen Fonds = Anlageklassen ...

    a. switchen: NEUE Beiträge wandern in anderen Fonds
    b. shiften: auch das „alte“ Kapital/Fondsvermögen wandert in anderen Fonds.

    Was tun?
    Behalten, weiter zahlen. Ohne den Tarif und das innewohnende Fondsportfolio zu kennen. Die genannten, wohl weil aktienlastig, 7% Wertentwicklung werden vielfach bestätigt; von Versicherungsmaklern und andern Finanzern.

    Wenn der Abschluss vor 2005 war, ist die Auszahlung steuerfrei. Lediglich bei Rente wird der „neue“ Zins nach Rentenbeginn (sog. Ertragsanteil) besteuert.

    Beispiel: 1.000 Euro Rente, Rentenbeginn mit 65: 18% oder 180 Euro = mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Bei 25% also 45 Euro von 1.000 Euro. Günstig!

    Neuabschlüsse ab 2005 sind voll steuerpflichtig (Auszahlung minus Summe der gezahlten Beiträge ohne Zusatzversicherungen = Kapitalertrag => im Jahr des Zuflusses mit dem pers. Steuersatz zu versteuern (nix Abgeltungssteuer!).

    Auszahlung + 200.000 Euro
    Einzahlung: - 100.000
    Kap.-Ertrag + 100.000 (mal. pers. Steuersatz)

    Lief der Neuvertrag (ab 2005) mindestens 12 Jahre und wird erst ab 62 ausgezahlt, HALBIERT sich der steuerliche Ertrag (siehe letzten Absatz).

    Riester Vertrag vom Volkswohl Bund (für mich)

  7. INFO Leser C.

    Seit 2005, Stand 20.500 €, legt (soweit möglich) in Fonds an, die ich selbst gewählt habe, im Moment in

    • 30% Templeton Growth • 30% European … • 20% Top Asia • 20% Best World

    Im Moment zahle ich 162€ / Monat, damit komme ich auf den Maximalbetrag von 2.100 € / Jahr inklusive meiner Förderung von 154 € -> fast 8% Förderung auf die selbst eingezahlte Summe hört sich ja nicht schlecht an, aber völlig untransparent was Renditen, Gebühren und die Umwandlung in eine Rente angeht; allerdings ist laut eigener Recherche der Volkswohl Bund wohl einer der besseren Anbieter.

  8. ANMERKUNG: Hierfür hat „Riesterpapst“ Joachim Haid 6 weichenstellende Fragen entwickelt ( http://softfin.de/6-riester-fragen/ ). Haid hat Hunderte (ca. 500) Riesterverträge und Bedingungen analysiert und beantwortet die Riesterfrage umfassend.

    Ja, die Förderrendite von hier rund 8% der Beiträge ist hoch. Aber die Kosten sind bei Riester-Policen auch entsprechend höher. Es „gewinnt“ also der kostengünstigere Anbieter mit zugleich hohen Renditen.

    Was tun?
    Siehe oben: einen neutralen Riester-Check machen. Gfs. sas Kapital übertragen (das ist immer und bei jedem Riesterbetreiber möglich, auch Fonds, Bank oder Bauspar-Riester. Reinen Wohnriester behandle ich hier nicht).

    Riester Rente Heidelberger Leben (für meine Frau)

  9. INFO Leser C. Stand 11.714€, meine Frau bezahlt 80€/Monat und bekommt als Zulage ihre 154€ + 2x 185€ für die Kinder -> sehr intransparenter Verein, wohl als MLP Ableger gestartet, alle Provisionen sind bezahlt, Übernahme zu anderem Anbieter möglich, laut Hotline letztes Jahr 112€ Gewinn aus den Anlagen erzählt, also 1%… könnte ich natürlich in einen "Fairr" Vertrag ändern (hast du ja schon selbst drüber geschrieben) und selbst ETFs auswählen. Aufgrund der Förderung von 524€/Jahr würde ich es eher behalten.

  10. ANMERKUNG: Siehe Volkswohl Bund.

    Zur Heidelberger Leben selbst. Sie ist kein MLP-Ableger, sondern die umfirmierte MLP-Lebensversicherung. Bis ca. 2005 mit horrenden Kosten bei Neuabschluss (etwa doppelt so hoch wie normal). Auch die laufenden Kosten sind (s.o. 1% Gewinn letztes Jahr) sehr hoch. Das Neugeschäft hat die Heidelberger letztes Jahr ganz eingestellt.

    Inzwischen ist die Heidelberger nur noch Abwicklungsplattform für „tote“ Lebensversicherungs-Bestände. Erstens ihrer eigenen und zweitens kauft das Unternehmen gezielt alte Bestände anderer Versicherer auf und verwest sie (der sog. Run-Off). Tote Bestände bekommen keine guten Zinsen mehr, sage ich mal platt. Weil der Versicherer keine Werbewirkung mehr braucht (dazu müsste ich einmal ausführlich bloggen – komme aber seit Monaten zu nix mehr :-) ).

    Was tun?
    Sofort neuen Riester-Anbieter prüfen! Auswählen. Kapital übertragen. Neutrale Prüfung: http://softfin.de/6-riester-fragen/


    Bonus Track: Ist Fairrriester (Sutor Bank) bzw. www.Fairr.de als Vermittler eine Alternative? (She. auch http://www.finanzwesir.com/blog/fairr-riester )

    NEIN. Zwar recht günstige Kosten in der Sparphase (ETF), aber völlig unklare Verrentung.

    Kurzvotum: Das Angebt ist für Kunden intransparent und im Vergleich zu guten „reinen“ Riester-Versicherern ein Nullsummenspiel.

    Langversion: Bisher hatte Fairr gar keinen (gesetzlich geforderten) Versicherer für Renten-ZAHLUNGEN. Ich widerspreche dem Finanzwesir, der sinngemäß schrieb, man könne ja bei Fairr erstmal sparen und spääääter dann umschichten auf einen anderen Anbieter, der die Rente auszahlt. Ja. Grundsätzlich.

    Und NEIN: Im Speziellen gibt es immer weniger Versicherer (und hier geht es nur mit Versicherung!!!), die ältere Kunden annehmen (die versicherungs- und finanztechnischen Gründe erspare ich euch).

    Wenn ich jetzt behaupte, in 15 oder 20 Jahren stehen Fairr-Riester-Sparer bei anderen Versicherern möglicherweise vor verschlossenen Türen, dann ist das eine fachlich fundierte Prognose (die auszuführen wäre ... aber dann platzte dieser Beitrag).

    NEU: Fairr hat jetzt einen Versicherer ... und siehe da. Ich habe das analysiert:
    http://www.versicherungsbote.de/id/4828612/fairrde-fairriester-MyLife-Rentenfaktor-Riester-Rente/

    Der Versicherer heißt myLife Lebensversicherung; eine mikrokleiner Anbieter mit Skandalgeschichte (für Kenner: ex-Gutingia Leben plus Pleite der Göttinger Gruppe), dessen Marktanteile im Promillebereich liegen. So ein Versicherungspartner ist kaum als Referenz geeignet, für einen Anbieter wie Fairr, der sich kundenfreundlich und transparent gibt.

    Die Renten-Garantien der myLife liegen unter dem Marktschnitt.
    Die Renten-Prognosen der myLife liegen über dem Marktschnitt.

    Insgesamt sind in meinen Augen weder Fairr, noch Versicherungspartner myLife transparent. So bekommen Kunden von Fairr gesetzwidrig (§ 7 VVG; Kundeninformation) die Bedingungen der myLife erst NACH Vertragsabschluss.

    Gegenüber der Presse, mir, hat sich myLife letzte Woche geweigert, seine Vertragsbedingungen („nicht öffentlich“ ?!?!) herauszurücken.

    Auf kritische Fragen regiert Fairr inzwischen verschnupft bis unsachlich. Siehe auf Twitter-Suche nach dem hastag „ #fairr “ oder klickt hier einen typischen Tweet: https://twitter.com/rieksmeier/status/644933348142501888


    Selbstgenutzte Immobilie

    Zur selbst genutzten Immobilie (300.000 Euro Wert; zzt. noch 100.000 Hypothekenschulden):

    Zunächst: Traumhafte Analyse, die der Groß-Wesir da abgeliefert hat! Am besten gefällt mir neben den Zahlen auch die recht konkrete philosophische und psychologische Betrachtung des „eigenen Häusles“.

    Sehr gut: Die „Zinswaage“ oder die Berechnungen des Wesirs zu der Frage: Hauskredit tilgen und schneller schuldenfrei werden oder freie Mittel in höher rentierliche ETF stecken?

    ANMERKUNG:
    Dem ist hinzuzufügen: Gebt – also errechnet – der selbst genutzten Immobilie einen Endwert! Damit ihr wisst, ob und zu welchem Wert ihr das Häuschen im Alter 60 / 65 / 70 gegen eine andere Wohnung tauschen könnt – falls es sein muss.

    Vom großen Finanz-Kalifen :-) Volker Looman (16 Jahre F.A.Z., „Die Vermögensfrage“) habe ich gelernt: Behandelt euer eigenes Kleinhäuschen wie jede andere Immobilien-Investition. Dann wisst ihr, für wie viel Geld ihr das Haus wann versilbern könntet, wenn der Fall der Fälle eintritt: Geldmangel. Sei es der Pflegefall, sei es der Wunsch, vom Land wieder in die Stadt zu ziehen, sei es der Wunsch, in betreutes Wohnen zu wechseln ... wir kennen „die Wechselfälle des Lebens“ (Bismarck) nicht.

    Faustformel:
    Teilt euren Immobesitz in die Positionen Gebäudewert und Grundstückswert auf:

    Annahme:
    Ihr seit z.B. 40 Jahre alt
    Grundstück ist heute 200.000 Euro wert (Wertzuwachs 2% pro Jahr)
    Gebäude ist heute 200.000 Euro wert (Wertminderung -2% pro Jahr = Abschreibung)

    Gesamt: 400.000 Euro

    Ihr wollt z.B. wissen, wie viel das Ganze in 30 Jahren wert ist

    ACHTUNG: Gerade die Wertentwicklung der Grundstückpreise hängen von der Lage und Region ab! Münchener Grundpreise steigen mehr als 2%, in MeckPomm z.B. sinken die Preise. Meine Werte +/- 2% sind Durchschnittswerte.

    Senkt den GEBÄUDEwert jedes Jahr: -2% (trotz Instandhaltung!)
    Steigert den Grundstückswert p.a. um + 2%

    Ihr seid heute 40, in 30 Jahren seid ihr 70: Eure Immobilie ist immer noch 400.000 Euro wert (Nullsummenspiel)

    ABER wehe der Grundstücksanteil ist kleiner als der Gebäudeanteil!

    Variante:
    Grundstück ist heute 100.000 Euro wert (Wertzuwachs 2% pro Jahr)
    Gebäude ist heute 300.000 Euro wert (Wertminderung -2% pro Jahr)

    Dann sieht es in 30 Jahren (ihr seid wieder 70 :-) ) so aus:

    Grundstück: 180.000 Euro (Rundungen)
    Gebäude: 165.000 Euro

    Gesamt: 345.000 Euro (minus 55.000 Euro zu heute)

    Schlimmer:
    Eigentumswohnung mit (anteiligem Grundstückwert 25.000)

    Grundstück: 25.000 (Zuwachs +2%)
    Immo-Anteil: 175.000 (Minderung -2%)

    Summe heute: 200.000

    in 30 Jahren:
    Grundstück: 45.000 (Zuwachs +2%)
    Immo-Anteil: 95.000 (Minderung -2%)

    Gesamt: 140.000 (minus 60.000 Euro zu heute)


    Nun haben wir für 3 Immo-Szenarien 3 unterschiedliche Werte (Übersicht). Aber das sind die Zahlbeiträge (die in-etwa-Marktwerte) in 30 Jahren. Diese Werte sind um die Inflation zu bereinigen. Ich habe wieder mit 2% gerechnet.

    Wert in 30 Jahren // Kaufkraft in 30 Jahren (Rundungen)
    a. 400.000 minus 2% Inflation = Kaufkraft: 220.000 Euro
    b. 345.000 // 190.000
    c. 140.000 // 75.000

    Nehmen wir das Kaufkraft-Ergebnis 220.000 Euro in 30 Jahren.
    WAS könntet ihr heute kaufen, wenn ihr 220.000 Euro auf den Tisch legtet?

    Je nachdem was ihr suchtet: 220.000 Euro sind der Endwert der Beispiel-Immobilie im Musterfall, der +2% Wertzuwachs bei den Bodenpreisen, -2% Wertminderung bei dem Gebäudepreisen (trotz Instandhaltung!) und über 30 Jahre -2% Inflation unterstellt. Die Stellschrauben bestimmt der Einzelfall. Und drei andere Dinge: die Lage, die Lage und die Lage der Immobilie.

    PS. Eine Immobilie (fremd oder selbstgenutzt) muss 4% Rendite nach Steuern bringen. Sonst: Miete zahlen und in ETFs anlegen (oder sehr alte Ferraris oder sehr „Alte Meister „sammeln :-) ).

    Oder das Eigenheim als teures Hobby betrachten. Why not?

Auf dem Blog von Markus Rieksmeier gibt es hierzu diesen Artikel: Was sind eigentlich Rürup-Schichten


Markus Rieksmeier sagt am 19. September 2015

An Dummerchen (<= Schlaule :-) und Leser C.: Sie haben kein "Kraut & Rüben und ein Messi-Depot", sondern das ganz normal unsortierte Vertragskonglomerat ...

Der BdV-Rechner stimmt finanzmathematisch, gecheckt. Ich bin bei so etwas (und anderem) im engen Kontakt mit BdV-Chef Axel Kleinlein, der zudem selbst Versicherungsmathematiker ist. Also ist der Rechner nützlich, wenn man zwei Werte vom Versicherer hat:

  • Rückkaufwert heute
  • Ablaufleistung in x Jahren (Prognose)
  • (und seinen Beitrag kennt, klar :-)

Aber:

  1. ... kann der Rechner keine Dynamiken einrechnen.
  2. kann der Rechner nur bei "klassische Policen" brauchbare Ergebnisse liefern:
  3. bei Fondspolicen (Standar Life => Leser C.) muss der Kunde mit Annahmen rechnen (steigen die Aktienfonds in Zukunft um 4 oder 6% z.B. ?). Hier genügt also der aktuelle Rückkaufswert + eigene Prognose -der Versicherer gibt keine.
  4. Bei der HDI von Leser C. fällt Kündigung aus. Allenfalls anteilig für die seit 2 Jahren privat gezahlten Beiträge (für den vom AG bezahlten Anteil vorher: allenfalls Beitragsfreistellung. Ab 60 kann Leser C. die Leistung holen (Rente oder Kapital)
  5. Riester: 5a. Volkswohlbund: BdV-Rechner unbrauchbar = fondsgebunden 5b. Heidelberger Leben (= unklar, ob fondsgebunden oder klassisch). Aber es bleibt bei meiner Ansage in meinem ersten Kommentar: Weg damit. Hohe Kosten, niedrige Zinsen/Performance. Wechseln zu anderem Riester-Anbieter.

Also sollte sich ein Finanzplaner mit Taschenrechner mit Leser C. und dessen Vers.-Verträgen befassen und die Besonderheiten (hier: Riester/ Betriebsrente) berücksichtigen.

Auf dem Blog von Markus Rieksmeier gibt es hierzu diesen Artikel: BdV-Rechner ist ein Hilfsmittel bei Klassik-LV (nicht: Fondspolicen, bAV und Riester)


Dummerchen sagt am 19. September 2015

@Markus: Danke für den Praxischeck. Die KLV, die meine Überprüfung vor etlichen Jahren nicht bestanden hat, war entsprechend einfach, also ohne Dynamik und "klassisch" (nicht fondsgebunden) konstruiert. Daher hatte ich auch erstmal nichts beim Kurzcheck vermisst.
Bin aber zugegebenermaßen bei kapitalbildenden Versicherungen nicht wirklich ein Schlaule - wer den Dingern so kritisch wie ich gegenüber steht, hat einfach zu wenig Ahnung von den vielen kleinen Details, Haken und Ösen, die bei den Verträgen eingebaut werden können.

Lieben Gruß,
Dummerchen


Uwe P. sagt am 20. September 2015

Der schöner, gut lesbarer Aufsatz.
Der mE wichtigste Rat: Die Schulden loswerden! Selbst unter finanziellen Extrembedingungen (beide arbeitslos und schließlich Hartzi) kann man euch wohl nicht aus dem eigenen Haus drängen. Wenn noch Belastungen drauf sind, sieht das anders aus.


Finanzwesir sagt am 21. September 2015

Hallo Markus,
danke für Deine langen und kompetenten Kommentare.

Gruß
Finanzwesir


Leser C. sagt am 16. Oktober 2015

Ich wollte nur noch kurz darauf hinweisen, dass das von Markus Rieksmeier empfohlene Portal http://softfin.de nur für Versicherungsvermittler gedacht ist, von daher kann der Endkunde dort nicht seine Verträge checken und sich Alternativen nennen lassen. Da bleibt wohl nur der Gang zu einem Vermittler oder die Suche auf eigene Faust, die ich in Ruhe angehen möchte, wie vom Finanzwesir empfohlen, mehr als einmal möchte ich die Verträge nicht umstellen müssen...

Gruß
Leser C.


Neuplanung sagt am 15. Juli 2016

Hallo zusammen,

ja man zahlt Lehrgeld und strukturiert um. Ich habe das Grundstück damals "leider" vor der neuen Krise in Griechenland gekauft zum Zeitpunkt der steigenden Zinsen. Hatte damals grade noch einen Kredit in 2011 unter 5% ergattert mit 4,9%
Aber die Alternative wäre nur gewesen nicht zu kaufen und in der heutigen Zeit der niedrigen Zinsen noch teurer zu bauen ;)

Dies kommt in der heutigen Zeit fast unwirklich vor. Aber auch der Zinsmarkt schwankt wie der Aktienmarkt. Alles geprüft aber ich komme nicht raus aus den Verträgen und muss noch 5 Jahre warten und hoffen das die Zinsen in 5 Jahren immer noch niedriger sind. Ich hoffe es zwar, aber die Kristallkugel hat niemand.

Um das Eigenkapital zu erhöhen habe ich dann auch direkt die private RV bei einem britischen LV gekündigt welche sich vom deutschen Markt zurückgezogen haben.
Das tat zwar auch weh, aber die Erhöhung der Eigenkapitalquote war wichtiger und so viel war letztendlich auch nicht im Topf.
Bedingt durch den "hohen" Zins liegt demzufolge meine Prio natürlich ganz klar auf Sondertilgung was geht. Habe in der Bauphase auch genug von Bereitstellungszinsen bezahlt die man auch gerne verdrängt. Da kam auch einiges zusammen aber kann nicht mehr geändert werden.
Also runterschulden inkl Sondertilgung welche eh notwendig ist sonst ist der Bunker vor der Rente nicht schuldenfrei, was keine Option darstellt.

Weshalb ich aber schreibe ist, da ich durch Selbständigkeit nun plane meine Riester Zahlungen einzustellen. Wenn ich das aber so lese scheint mein Riester nicht das schlechteste zu sein :

[quote] Riester Vertrag vom Volkswohl Bund (für mich) Seit 2005, Stand 20.500 €, legt (soweit möglich) in Fonds an, die ich selbst gewählt habe, im Moment in

  • 30 % Templeton Growth
  • 30 % European …
  • 20 % Top Asia
  • 20 % Best World

Im Moment zahle ich 162 €/Monat, damit komme ich auf den Maximalbetrag von 2.100 €/Jahr inklusive meiner Förderung von 154 € [quote]

Zum einen bezahle ich 175,- im Monat ein. 2100,- pro Jahr. Die Zulage von 154,- kommt hier noch drauf. So stehts ausgewiesen im Report. Beginn 12/2007 ... eingezahlte Beträge zum 31.12.2015 = 18375,- Guthaben zum 31.12.2015 = 23570,71

Aufteilung :

  • 18,9 % DWS Vorsorge Rentenfonds 15Y
  • 62,6% DWS Top Dynamic
  • 18,5% DWS Vors.Rentenf.XL Duration

Natürlich ist an der Performance maßgeblich der TopDynmic beteiligt welcher allein bereits 14737,- ausmacht.

Von den Kosten her ist mir aufgelistet

  • Abschluss-Vertriebskosten 41,4
  • Depotkosten 15,39

Ich bekomme allerdings einen jährlichen Kickback Rabatt von 37,91 Euro ... daraus schlussfolgere ich das die Vertriebskosten nur 3,50 betragen.

Ich frage mich ob ich einen Denkfehler hier drin habe, oder ob das ganze doch nicht so schlecht ist.
Andererseits überlege ich weiterhin das Riesterdepot ruhen zu lassen und die 175,- für Sondertilgung oder ETF's herzunehmen. Denn die Riesterzulage werde ich künftig nicht mehr bekommen.


Das Finanzwesir-Seminar - für alle ETF-Selbstentscheider.

Die Seminarreihe: Passiv investieren mit ETFs. Werden Sie zum souveränen Selbstentscheider.


Der Finanzwesir kommt zu Ihnen via Twitter, E-Mail oder als RSS-Feed: Artikel | Kommentare.
Auf Feedly folgen.


Autonome Zellen

Die Finanzwesir-Community: Regelmäßige Lesertreffen (30 Städte, 4 Länder)


Artikel durchsuchen


Neuste Kommentare

Lesenswert

Diese Blogs und Foren kann ich empfehlen.

Meine Finanz-Bibliothek

Das liest der Finanzwesir

Die 5 wichtigsten Artikel

Alle Artikel