22. Mai 2014


Das magische Dreieck der Geldanlage

Kennen Sie das magische Dreieck der Vermögensanlage? Dieses Dreieck stellt die fundamentalen Zusammenhänge zwischen Rendite, Risiko und Liquidität dar.

Wie sieht dieser Zusammenhang aus?

Sie können immer zwei von drei Dingen haben, nie jedoch alle drei.
Wer Ihnen eine sichere Anlage verspricht, die kontinuierlich und kräftig wächst und dazu noch verlustfrei von einem Tag auf den anderen verkauft werden kann, der lügt.

Das magische Dreieck der Vermögensbildung

Rendite

Rendite bedeutet: Was wirft das Investment ab? Wie hoch sind die Zinsen, wie viel Dividende bekomme ich, gibt es Kurssteigerungen?
Mehr dazu in den beiden Rendite-Artikeln: Rendite-Basics und Renditetypen.

Risiko

Risiko meint hier: Erhalt des Vermögens. Wie stark kann der Wert des Vermögens schwanken, besteht sogar die Gefahr eines dauerhaften Verlustes? Wenn ja, bis hin zum Totalverlust?

Liquidität

Wie schnell lässt sich ein investierter Betrag „verflüssigen“, also wieder zu Bargeld machen oder in ein Bankguthaben umwandeln? Fallen dafür Strafkosten an oder müssen Abschläge beim Verkaufspreis hingenommen werden? Je schneller eine Anlage zu Geld gemacht werden kann, umso liquider ist sie.

Wie positionieren sich die wichtigsten Anlageformen im Dreieck?

Tagesgeld

Tagesgeld ist liquide und sicher (zumindest alle Beträge, die vom deutschen Einlagensicherungsfonds gedeckt sind), aber es bringt kaum Rendite.

Aktien

Aktien bringen eine ordentliche Rendite und sind schnell verkauft, also liquide. Aber es gibt keine Garantie auf steigende Kurse. Aktien sind riskant.

Anleihen

Das Anleihenuniversum ist groß. Eine deutsche Staatsanleihe ist sicher und liquide, bringt aber keine Rendite. Eine Unternehmensanleihe ist liquide und bringt eine deutlich höhere Rendite als eine deutsche Staatsanleihe. Dafür trägt man als Anleger auch das Risiko, dass die Anleihe nicht mehr bedient werden kann, wenn das Unternehmen in Schwierigkeiten gerät.

Immobilien

Definitiv nicht liquide und auch die Rendite ist in den meisten Fällen äußerst gering. Zum Ausgleich dafür trägt man das Risiko, dass eine Biogasanlage in der direkten Nachbarschaft errichtet wird, eine Umgehungsstraße gebaut wird oder in 20 Jahren die Wärmedämmung als Sondermüll entsorgt werden muss.
Meine Meinung zu Immobilien: Eine Immobilie ist eine Life-Style-Entscheidung und keine Kapitalanlage.

Was bringt das magische Dreieck in der Praxis?

Jeder Anleger sollte sich darüber klar sein, dass es die eierlegende Wollmilchsau nicht gibt. Prüfen Sie jedes Finanzprodukt, dass man Ihnen zum Kauf anbietet, mit der „2-von-3-Regel“ und sortieren Sie es entsprechend in das magische Dreieck ein.

Jedes Finanzprodukt lässt sich im magischen Dreieck der Geldanlage einzeichnen

Diese Finanzprodukte (Tagesgeld, Festgeld, Anleihen, Aktien etc.) sind die Bausteine für Ihr Gesamtkonzept. Als nächstes positionieren Sie sich im Dreieck. Auf welcher Seite stehen Sie?
Geht Ihnen Sicherheit über alles oder sind Sie der geduldige Lauerjäger, der sämtliche Schwankungen des Aktienmarktes einfach aussitzt und so seine Rendite einfährt? Es wird kein Finanzprodukt geben, das genau Ihrer Position im Dreieck entspricht.
Was tun?
Ihr Job ist es jetzt, wie ein guter Barkeeper die einzelnen Finanzprodukte zu einem Cocktail zusammenzumixen, der Ihrem Profil entspricht.

Die Kombination der Finanzprodukte im magischen Dreieck der Geldanlage muss zu Ihrem Profil passen

Lesetipp

Zum Thema Produktauswahl: "Alle wichtigen Dinge sind banal" oder „Warum ich ein schnörkelloses Finanzprodukt jederzeit einer sogenannten Innovation vorziehe“.
Zum Thema Aufbau eines Portfolios: "So würde ich mein Geld investieren".

(awa)

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Kommentare

Dummerchen sagt am 22. Mai 2014

Hallo Finanzwesir,

ja, die Mischung macht's. Und am magischen Dreieck lässt sich auch gut eine einseitige Gewichtung der Anlagen (z.B. nur Tagesgeld/Festgeld) festmachen. Den persönlichen Schwerpunkt zu finden, finde ich hingegen gar nicht so leicht. Woher weiß man, wie viel Risiko man eingehen kann (ohne den Panik-Button zu drücken), wie viel Liquidität man wirklich braucht (sei es für plötzliche Notfälle oder aber auch zum Rebalancen)? Dass man dies über die Gewichtungen seiner Anlagen (z.B. Tagesgeld, Festgeld, Anleihen, Aktien) steuern kann, ist schon klar. Aber ist z.B. ein 50:50-Portfolio (risikoarm:risikoreich) wirklich genau das, was man braucht, oder wäre ein 40:60 oder 60:40 nicht doch besser? Wie findet man da persönlich die Unterschiede? Letztlich scheint mir das mitunter doch eine Bauchentscheidung mit ein bisschen gebildetem Raten (sagt man das auf Deutsch für "educated guess"?) zu sein. Klar, man kennt historische Börseneinbrüche und könnte jetzt einfach mal dem risikoreiche Portfolioanteil einen Einbruch von z.B. 50% zuschreiben, um einen maximalen Einbruch des Gesamtvermögens abzuschätzen. So, oder so ähnlich bin ich vorgegangen. Und zum Rentenalter hin soll der Risikoanteil bei mir linear auf einen geringeren Wert hin fallen - erschien mir die einfachste Lösung. Aber ist das das Standardvorgehen? Wie hast Du für Dich herausgefunden, dass die von Dir gewählte Aufteilung der Anlagen (Asset allocation) zu Dir passt (und zukünftig passen wird)?

LG, Dummerchen

PS: Deine abschließenden Links zeigen aktuell ins "Ende Gelände" - die Links sind 4 Buchstaben zu lang ;-).


Finanzwesir sagt am 23. Mai 2014

Hallo Dummerchen, erstmal danke für´s aufmerksame Lesen, die Links sind gefixt. Was Deine Fragen angeht: Ja, so in etwa wie Du habe ich das auch gemacht. Aber für eine genaue Beantwortung bitte ich um etwas Geduld. Das ist ein Thema für die nächste Woche. Das meiste steckt aber schon im Artikel "So würde ich mein Geld investieren" (http://www.finanzwesir.com/blog/passive-anlagestrategie) drin.

Gruß Finanzwesir


Dummerchen sagt am 23. Mai 2014

Prima, da gedulde ich mich gerne!

Gruß Dummerchen


Jens sagt am 08. Oktober 2015

In dieses Dreieck gehört aber m.E. auch, was passiert mit einem Geld, was wird damit finanziert.