09. September 2014


Smart-Beta-ETFs: Das Trojaner-Problem

Leider sind ETFs auch nicht mehr das, was sie mal waren. Wie jede Industrie versucht auch die Finanzindustrie, jeden Trend maximal auszubeuten. Zum einen, um möglichst viel Umsatz zu generieren und zum anderen, um der Konkurrenz Paroli zu bieten.
Kennt man ja vom Kaufmann: Henkel will möglichst viele Regalmeter belegen. Deshalb bieten sie nicht nur Vollwaschmittel, sondern Waschmittel für Schwarzes, Buntes, Wolle und Feines sowie Waschmittel für 30 °C, 40 °C und 60 °C an. Und das ganze als Pulver und in flüssig. Damit ist das Regal voll und die Konkurrenz verdrängt.
Die ETF-Industrie macht es nicht anders. Irgendwo wird eine neue Investmentstrategie ausgerufen, zack gibt‘s den passenden Smart-Beta-ETF dazu. Keine Nische ist zu klein, um nicht mit einem ETF bedacht zu werden.
Der First Trust NASDAQ CEA Smartphone Index spezialisiert sich auf die Smartphone-Branche und der Nashville-ETF investiert nur in Firmen aus Nashville, Tennessee. So geht das endlos weiter. Als besonders verkaufsfördernd haben sich die Label "Smart Beta" und "Alternative Beta" erwiesen.

Das Trojaner-Problem

Dieser Konkurrenzdruck und die Tatsache, dass das aktive Fonds-Management in den letzten Jahren viel Prügel bezogen hat, "Zu teuer, unterirdische Performance", bringt die Finanzindustrie nun dazu, jedem Fonds, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, das Label "ETF" anzuhängen. ETFs werden in der Presse gelobt und genießen deshalb beim Publikum einen Vertrauensvorschuss.
Das erleichtert den Verkauf. Wenn man genau hinschaut, erkennt man: Smart-Beta-ETFs sind keine ETFs, sondern Trojaner.

Rekapitulation: Was war noch mal der Sinn von ETFs?

Um nicht in diesen Strudel aus neuen Produkten hineingerissen zu werden, hilft es, einmal zurückzutreten und sich darüber klar zu werden:

ETFs haben keinen Wert an sich, sondern sind Bausteine einer Strategie

Ich muss mir das auch immer wieder vor Augen halten, denn die tollen neuen ETFs schillern sehr verführerisch.

Da gibt es den Direxion iBillionaire Index ETF, der die Engagements von Finanzgrößen wie Warren Buffett, Carl Icahn, George Soros oder David Einhorn nachäfft.
Frauenpower gibt‘s im Pax Ellevate Global Women’s Index Fund. Dieser ETF investiert nur in Firmen, bei denen besonders viele Frauen in Führungspositionen sitzen.
Bei knapp 1.300 ETFs muss man sich eben etwas einfallen lassen, um das werte Publikum zu beeindrucken.

Persönliche Meinung: Der ETF-Markt ist produktmäßig ausgereizt. Alle für Privatanleger sinnvollen Produkte sind zu vernünftigen Kosten erhältlich. Jetzt kommt die Zeit der Sumpfblüten-ETFs.

So ist‘s richtig

Erst kommt die Anlagepolitik und dann die konkrete Produktauswahl. Das Problem: Die Anlagepolitik ist ein graues Mäuslein. Die Anlagepolitik sitzt still und schüchtern im Hintergrund auf ihrem Stuhl und wartet darauf, angesprochen zu werden.
Die Produkte dagegen sind heiße Feger (oder charmante Gigolos für die Leserinnen dieses Blogs). Die Produkte sehen sehr gut aus und umgarnen uns aktiv: "Hallo Süßer, wie wär‘s mit uns?".
Wer kann da schon widerstehen? Und schon ist wieder ein Produkt ins Depot gehüpft, das man da eigentlich gar nicht drin haben wollte.
Die Anlagepolitik sieht‘s und seufzt.

Wie lautet die Strategie?

Die strategische Entscheidung heißt: Indexing, also das passive Abbilden eines marktbreiten Index. Verschiedene Indizes in unterschiedlicher Gewichtung bilden dann das eigene Portfolio.
Um diese Strategie umzusetzen, braucht man Indexfonds. Indexfonds gibt es in zwei Varianten

  1. ETF = börsengehandelte Indexfonds
  2. klassischer Fonds, der von der Fondsgesellschaft ausgegeben und zurückgenommen wird.

ETFs haben sich auf dem deutschen Markt durchgesetzt, da sie kostengünstig sind und man sie jederzeit handeln kann.
Das bedeutet aber nicht, dass die ETFs jetzt frech werden dürfen. Sie sind nach wie vor nur Mittel zum Zweck. Zuerst kommt der Index (strategische Entscheidung), dann kommt die Auswahl des ETFs (taktische Entscheidung).

Auf welchen Index soll ich bauen?

Sinnvoll sind nur marktbreite Indizes, die mehrere Hundert Firmen umfassen.

Persönliche Meinung: Jeden Index, der weniger als 100 Positionen umfasst, sortiere ich aus.

Warum? Weil es beim Indexing darum geht "den Markt zu kaufen". Ich als Anleger will die Marktperformance abzüglich Kosten erwirtschaften.
"Der Markt", das sind alle Transaktionen. Alle Käufe und Verkäufe zählen. Dabei ist es unerheblich, ob ein großes Paket Coca-Cola-Aktien den Besitzer wechselt oder einige Aktien der Mini AG gehandelt werden.
Ein Index, der nicht mindestens 85 % der Transaktionen dieses Marktes abbildet, repräsentiert diesen Markt nicht und ist deshalb nicht geeignet, die Strategie des passiven Indexing umzusetzen.

Typische Vertreter sind die Indizes:

  • MSCI World
  • MSCI Emerging Markets (Schwellenländer)
  • MSCI ACWI (World plus EM)
  • S&P 500 (US Standardaktien)
  • Stoxx Europe 600 (europäische Aktien)
  • Nikkei 225 (japanische Aktien)
  • Für Nebenwerte: MSCI Small Cap USA, S&P SmallCap 600, Russel 2000

Das bedeutet: Gut 80 % der angebotenen Aktien-ETFs sind für ein passives Investment nicht zu gebrauchen.

Die Trojaner-ETFs: Auf welche ETFs sollte ich besser verzichten?

Strategie-ETFs, auch Smart-Beta-ETFs genannt

Egal, ob Hedge-Fonds, Minimum-Varianz-Strategie oder Volatilitätsindex: Diese ETF setzen eine aktive Strategie um. Mit einem klassisch-passiven Ansatz hat das nichts mehr zu tun.
Ist das schlecht?
Nein. Nicht, wenn man sich

  • zum einen bewusst für eine bestimmte Strategie entschieden hat und sich
  • zum anderen bewusst für ETFs als Vehikel entschieden hat, um diese Strategie umzusetzen.

Smart-Beta-Strategien bieten Ihnen die Möglichkeit, bestimmte Risikofaktoren wie beispielsweise Volatilität oder Währungsschwankungen gezielt zu steuern. Das bedeutet: Sie müssen wissen, was Sie steuern wollen und wohin Sie es steuern wollen.
Außerdem sollten Sie beurteilen können, ob Smart-Beta-Selektionskriterien wie die Höhe der Dividendenausschüttungen oder die Korrelation der Titel untereinander für Sie persönlich sinnvoll sind.
Mit anderen Worten: Sie sind aufgerufen, sich die Gedanken eines aktiven Anlegers zu machen.

Der Geburtsfehler der Smart-Beta-ETFs

Ein Smart-Beta-ETF ist ein aktives Produkt, das in einer Zwangsjacke namens Index steckt. Auch ein "alternativer" Index ist ein Index, und diesem Index hat der ETF zu folgen. Das Management kann nicht eigenständig die verschiedenen Risikofaktoren neu gewichten, sondern hat sich sklavisch an den Index zu halten.
Was soll das? Entweder ich glaube an die Überlegenheit meines Fonds-Managers, dann lasse ich ihm freie Hand und erwarte von ihm, dass er die ausgetretenen Pfade verlässt, die Trüffel im Unterholz findet und mein Geld möglichst indexfern anlegt. Oder ich glaube nicht an seine Überlegenheit, dann eliminiere ich ihn ganz und lege im indexbreiten Standard an. Aber ich kette mein Trüffelschwein doch nicht an und beschwere mich dann, dass es nichts findet.
Im übrigen frage ich Sie: Wie intelligent ist es zu glauben, dass ein allgemein bekannter Index den Markt langfristig schlägt?

Dazu kommt: Smart Beta ist teuer. Nehmen wir den S&P500-Index als Beispiel:

Der smarte db x-trackers S&P 500 Equal Weight ETF (WKN DBX0KM) hat eine Kostenquote von 0,3 %.
Der 08/15-ETF von der UBS, der S&P 500 SF ETF (WKN A1CTPT) hat eine TER von 0,05 %.
Das bedeutet: Smart Beta ist 600 Prozent teurer als das Standardprodukt. Dieser Kostenunterschied ist Ihnen sicher, ob die Performance genauso abhebt wie die Kosten, muss die Zukunft erst noch zeigen. Der smarte ETF wurde am 16. November 2011 aufgelegt, er ist damit gerade mal gut drei Jahre alt. Zu früh für eine abschließende Beurteilung der Intelligenz. Wir sehen uns dann nach der Pubertät in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts wieder.

Kastrierte ETFs

Damit sind schwankungsberuhigte und währungsabgesicherte ETFs gemeint.
Diese sedierten ETFs sind nicht empfehlenswert. Sie konterkarieren die passive Idee und produzieren nur unnötige Kosten. Die Banken lassen sich den Mehraufwand natürlich bezahlen.

Aktienmärkte schwanken nun einmal. Das ist ganz normal und liegt in der Natur der Sache. Schwellenmärkte schwanken stärker als die Märkte der entwickelten Nationen. Die Aktien kleiner Firmen schwanken stärker als die Aktien der Dickschiffe.
Niemand würde auf die Idee kommen, ein Boot auf hoher See fest zu verankern, wenn ein Sturm kommt. Die Besatzung ist viel sicherer, wenn das Schiff frei über die Wellen reiten kann.

Ein entfesselter ETF bringt langfristig die besten Ergebnisse. Nicht nur, weil die Kosten gering sind, sondern weil ein entfesselter ETF auch richtig Gas geben kann, wenn die Märkte steigen. Im Guten wie im Bösen: Er bildet den Markt ab.
Dieses "Verluste vermeiden" geht oft einher mit "bei Gewinnen nicht dabei sein". Verluste vermeiden ist das Verkaufsargument. Dass man bei den Gewinnen nicht dabei ist, fällt oft nicht auf, da man dazu die Performance des eigenen ETFs mit dem Standard-Index vergleichen müsste.

Nadelspitze Nischen-ETFs

Ein ETF, der so spitz ist, dass er die Nische in der Nische bedient, ist sinnlos. In diesem Fall sucht man sich die gewünschten Firmen heraus und legt sein Geld direkt an. Damit spart man sich die Verwaltungskosten des ETF und verliert nicht viel im Bereich Diversifikation.

Fazit

Auch für Finanzprodukte gilt:

  1. Immer das Unverfälschte kaufen.
  2. Die Dosis macht das Gift. Wenn 30 % Schwellenmärkte Ihnen zu riskant sind: Reduzieren Sie auf 20 % oder 10 %.

Ein echter Passiv-Anleger sucht sich den passenden Index heraus und nimmt dann den kostengünstigsten ETF, den er finden kann. Dieser ETF wird dann auf etwaige Steuerprobleme geprüft und ob die Konstruktion gefällt (replizierend oder swappend). Wenn es da Probleme gibt, nimmt man den nächst teureren ETF.

Lassen Sie sich nichts aufschwatzen, was Sie nicht brauchen. Die meisten Spezial-ETFs spielen mit der Angst oder der Gier der Anleger. Die Konstrukteure dieser ETFs versprechen entweder Sicherheit oder besonders gute Renditen. Das geht meist schief oder bringt zumindest nicht die gewünschte Überrendite.

(awa)

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Kommentare

Sebastian sagt am 05. Mai 2015

Hallo Finanzwesir,

ist aus deiner Sicht 0,3%-TER vergleichsweise teuer? Welche TER zahlst du für deine ishares Konfiguration?

Es gibt wohl leider für den S&P 500 viel günstigere ETF als für den MSCI World.

Grüße, Sebastian


Thomas sagt am 29. Dezember 2016

Die Frage von Sebastian würde mich auch interessieren. Wenn 0,3% schon teuer ist, dürfte man ja kaum einen marktbreiten ETF kaufen :-) Hier gibt es natürlich auch günstigere, aber z.B. der Ausschüttende auf den MSCI World von Ishares steht meines Wissens auch bei einer TER von 0,5%. Ich denke hier ging es nur um den Vergleich mit den Smart-Betas, aber vielleicht kann dies der Finanzwesir noch mal kurz klar stellen.


Sonny sagt am 24. März 2017

Liebe Community,

Ich schreibe aktuell meine Bachelorarbeit zum thema Smart Beta Strategien. Hauptsächlich werde ich mich auf die Equal weight, low volatility/minimum varianz und Dividendenstrategien beziehen.

Habt ihr diesbezüglich Vor- und Nachteile die Ihr mir nennen könnt ? Oder interessante Artikel die ihr empfehlen könnt?

Ich würde mich über jede Antwort freuen.

Vielen Dank


ChrisS sagt am 24. März 2017

@ Sonny

Wenn du für deine Bachelor-Arbeit ein paar seriöse Quellen willst (also jetzt weniger einfach so Blogposts von Laien), kannst du zum Beispiel bei den Anbietern von Smart Beta Indizes direkt einen guten Anfang finden. Die haben alle irgendwo eine Abteilung für publizierte research papers und entsprechende Studien, wo sie professionell darlegen was genau sie so tun und warum eigentlich (ist ja auch zu erwarten, wollen sie ja mit ihren Produkten hpts professionelle/institutionelle Investoren ansprechen).

Beispiel MSCI

https://www.msci.com/research-archive
dann einfach nach den entsprechenden Stichworten ("smart beta", "factor investing", etc und deine gewünschten Einzelfaktoren) suchen. Einen guten Einstieg ins Thema bietet beispielsweise die Reihe "Foundations of Factor Investing"

Weitere lesenswerte Sachen über Faktoren /Smart Beta werden zB auch von Research Affiliates (RAFI) und AQR Capital Management publiziert, etc. und viele andere, und natürlich kann man auch einfach die allgemeinen akademische Bibliotheken wie SSRN nach den gewünschten Stichworten durchsuchen und findet dort endlos Papers.

Ansonsten haja, deine Frage ist so allgemein formuliert dass ich auch nicht wüsste was ich noch selbst dazu groß schreiben soll (wenn ich mich hier jetzt ernsthaft mit den "Vor- und Nachteilen" verschiedener Faktorkonzepte in der nötigen Tiefe auseinandersetzen würde, käme dabei selbst schon ne Bachelorarbeit raus :-D )


Sonny sagt am 24. März 2017

@ChrisS

Vielen Dank schonmal für deinen Tipp. Werde mir die Sachen mal ansehen.
Mit Vor- und Nachteilen wollte ich nur einen Denkanstoß von euch um diesen weiter auszuarbeiten..


chaostrader sagt am 24. März 2017

Hallo Sonny,
Gary Antonacci hat in seinem Buch "Dual Momentum Investing" ein ganzes Kapitel über Smart Beta drin und nimmt das ziemlich auseinander, mit Schaubildern, Fußnoten, Literaturverweisen usw. Unbedingt mal reinschauen!
Im Prinzip wäre das schon fast eine Bachelorarbeit, wenn man die 10 Seiten noch etwas aufblähen würde.


ChrisS sagt am 24. März 2017

@ chaostrader / Sonny

wenn man schon ein richtiges eigenes Buch zu diesem ganzen speziellen Thema will, würde ich vor allem erst "Your Complete Guide to Factor-Based Investing" von Larry Swedroe empfehlen. Sehr gut verständliche Erklärungen über das was, wie, warum (und was man auch kritisch beachten muss) der verschiedenen tragfähigen Faktoransätze, entsprechende Quellen für weiter Interessierte, gut wenn man einen vollständigen Überblick in Buchform und eine seriöse Zusammenfassung von Vor- und Nachteilen der relevanten Konzepte haben will.

Ansonsten haja, Sonny, wenn dir das alles noch irgendwie zu allgemein ist, weiß ich ja auch nicht was du nun speziell besprochen haben willst. Wie willst du denn deine Bachelorarbeit überhaupt gestalten - einfach nur eine copypaste Wiederholung der Literatur bereits bekannter Erkenntnisse, oder hast du auch darüber hinaus noch eigene Ideen über die du forschen willst, zB eine bestimmte These, die es zu beweisen oder zu widerlegen gilt ?


Sonny sagt am 25. März 2017

@chaostrader

Vielen Dank für den Tipp. Habe die deutsche Version jetzt mal direkt bestellt. kostet leider aber 79 Euro. Hoffe es lohnt sich.

@ChrisS

gibt es die research papers auch auf deutsch?


ChrisS sagt am 27. März 2017

@ Sonny

"gibt es die research papers auch auf deutsch?"

Natürlich gibt es auch einige deutschsprachige Papers - aber da die meiste research nunmal aus Amerika kommt, findet sich in englisch ein viel größeres Angebot (erkennt man ja auch nicht zuletzt daran, dass die deutschen Autoren auch nur alle die relevanten englischen Originalquellen zitieren). Für jemanden, der den Anspruch hat eine akademische Arbeit im Bereich Finanzwirtschaft zu schreiben, sollten Englischkenntnisse ja keine Hindernisse, sondern Grundvoraussetzung sein :-)

"Habe die deutsche Version jetzt mal direkt bestellt. kostet leider aber 79 Euro. Hoffe es lohnt sich."

Mir ist nicht bekannt dass es überhaupt eine deutsche Ausgabe von "Dual Momentum Investing" gibt. Das Geld hättest du dir im Prinzip auch sparen können, da es alle Erkenntnisse (also über die DM-Investmentstrategie) auch frei verfügbar im Internet in den kostenlosen research papers von Antonacci (und anderen, die ähnliche Trendsysteme untersuchen) gibt, und es eigentlich ja garnicht dein Hauptthema (smart beta) betraf. Die wenigen 10 Seiten, wo er sich kritischer mit Faktoren auseinandersetzt, gibt es auch kostenlos schon auf seiner Seite:

http://www.dualmomentum.net/2016/09/factor-investing-buyer-beware.html

Ist im Endeffekt auch nichts allzu weltbewegendes, sondern weist nur darauf hin, dass es diverse vernünftige Einschränkungen gibt (stichworte: publication effect, limits to arbitrage, trade friction) warum man nicht erwarten sollte die Vergangenheitsergebnisse von akademischen Faktor-Untersuchungen auch im "praktischen" Live-Einsatz für die Zukunft so bekommen zu können, sondern lieber etwas herunterkorrigiert.


sonny sagt am 27. März 2017

@ChrisS

also meine Bachelorarbeit wird eine reine Literaturarbeit ohne jegliche These die widerlegt werden muss oder soll :D es soll allerdings eine kritische Analyse sein..

mein Prof möchte gerne das ich mir 3 Strategien rauspicke und diese dann erläutere .. Ich habe mich für die LowVola , Dividendenstrategie und Equal Weighted entschieden

Kannst du mir ggf. privat schreiben an meine Email Adresse ? suekruekaydak@live.de

Ich hätte noch einige Fragen dich aber ich denke das sprengt hier im Forum den Rahmen .. Ich wäre dir sehr dankbar ..

VG


ChrisS sagt am 27. März 2017

@sonny

"also meine Bachelorarbeit wird eine reine Literaturarbeit ohne jegliche These die widerlegt werden muss oder soll :D es soll allerdings eine kritische Analyse sein.."

ah ok, verstehe.
Hier ist ein noch längerer Artikel, da findest du sicher viele mögliche Ansatzpunkte für eine kritische Auseinandersetzung mit den Faktoren http://www.dualmomentum.net/2017/02/factor-zoo-or-unicorn-ranch.html

Achja, ich würde mich natürlich ehrlicherweise auch selbst nicht als Experten oder so bezeichnen wollen, bin auch nur ein Laie der die selben Expertenstudien liest, also danke fürs Vertrauen aber ich wüßte auch nicht wie ich dir groß weiterhelfen kann wenns besonders in die Tiefe geht. :-D Also belassen wirs dabei erstmal und ich wünsch dir viel Erfolg bei deiner Arbeit :-)


Joerg sagt am 27. März 2017

Meb Faber schreibt und trackt viel zu Faktoren (tilts) Schau dich Mal auf seinen Seiten um (Englisch)
http://mebfaber.com/2016/12/16/best-investment-writing-2016/
Gibt auch Podcasts dazu von Meb
Mich interessiert es intellektuel, setze es persoenlich aber nur indirekt um: Momentum steckt indirekt in jedem Index-ETF. SmallCaps-ETF hab' ich auch 25%.


Sonny sagt am 30. März 2017

Liebe community,

Gibt es bei gleichgewichteten etfs den nachteil das die kurse bzw preise der niedrig kapitalisierten Unternehmen künstlich steigt? Es würden ja bei bspw. Bei einem gleichgewichteten Dax lufthansa genauso viel nachgefragt wie Sap.

Wie könnte ich das besser formulieren für die Abschlussarbeit?

Vielen Dank für eure Tipps


Sonny sagt am 03. Mai 2017

Hallo Liebe COmmunity,

ich bin soweit durch mit der Arbeit :D
Ich habe allerdings das Gefühl bei der Volatilitätsstrategie zu wenig Vorteile genannt zu haben..
Könnt ihr mir ggf. mal einige nennen die euch spontan einfallen ?
Ich habe die Volatilitätsanomalie genannt und das in Krisenjahren weniger Verlust gemacht wird als beim Ursprungsindex...


zeta sagt am 04. Mai 2017

Hallo Sonny,

eine Bachelorarbeit ist doch eine wissenschaftliche Arbeit, in der Du zeigen sollst, dass Du Dich selb(st)ständig mit einem Thema eingehender beschäftigen kannst. Du hast hier bereits einige Anregungen und ausführliche Antworten erhalten.

Meinst Du nicht, dass es bei einer einfachen Literaturrecherche Dein eigener Anspruch sein sollte, das gefühlte Manko der zu geringen Anzahl an Vorteilen einer Volatilitätsstrategie durch weitere Recherche zu beseitigen? Vielleicht ist das aber auch eines Deiner Ergebnisse: es gibt mehr Nach- als Vorteile? Wie sieht Deine qualitative Bewertung hierbei aus?

Da ich mehrere Studien-/Diplom-/Bachelor- und Masterarbeiten betreut habe, hat es mir bei Deiner Frage einfach in den Fingern gejuckt. Nichtsdestotrotz wünsche Dir natürlich viel Erfolg mit der Arbeit!


ChrisS sagt am 04. Mai 2017

@ Sonny

Mhm ich weiß ja nicht aber vielleicht würdest du bessere Reaktionen bekommen wenn deine Fragen nicht sooo offensichtlich nach "hey, könnt ihr mal bitte für mich meine Hausaufgaben machen?" klingen :-D

Ne mal im Ernst - wir sind ja alle hier keine Finanzakademiker, und würden dir doch auch nur unser irgendwoanders im Internet mal gelesenes Wissen widerkäuen, also es ginge schneller wenn du gleich selbst googelst (andere Quellen haben wir ja auch nicht) so musst du nicht erst auf Kommentare warten, die dir auch keine neuen Antworten geben können.

"Gibt es bei gleichgewichteten etfs den nachteil das die kurse bzw preise der niedrig kapitalisierten Unternehmen künstlich steigt? Es würden ja bei bspw. Bei einem gleichgewichteten Dax lufthansa genauso viel nachgefragt wie Sap."

Ich würde schon intellektuell etwas Abstand von der Formulierung "künstlich" nehmen - jeder Index ist "künstlich" (oder hast du schon mal einen draussen in der Natur rumlaufen sehen?), dh. von Menschen gemacht, zu einem bestimmten Zweck konstruiert und mit Eigenschaften ausgestattet um eben diesen Zweck zu erfüllen.

Dass zB bei einem gleichgewichteten Index eine kleine Firma genauso "nachgefragt" wird wie eine große, ist also kein "Nachteil" im eigentlichen Sinne, sondern gerade der Zweck, weswegen der Indexanbieter das so geregelt hatte und die Investoren bewußt darin investieren (also gerade weil sie in jede Firma gleichermaßen investieren wollen).

Man kann natürlich hinterher lang und breit akademisch ausdiskutieren, was das bringen könnte (wer in Gleichgewichtung statt zB Marktkapitalisierungsgewichtung investiert, macht das ja weil er sich irgendwelche Vorteile davon erhofft), ob die erwarteten Vorteile auch tatsächlich eintreten, was die eigentliche Quelle der Vorteile sein könnten (bei Gleichgewichtung zb der Size-Tilt und durch antizyklisches Rebalancing ein gewisser Value-Tilt), ob sie dauerhaft sind, oder welche nachteiligen Effekte sie auf der anderen Seite auch mit sich bringen können, und so weiter...

"Ich habe allerdings das Gefühl bei der Volatilitätsstrategie zu wenig Vorteile genannt zu haben. Könnt ihr mir ggf. mal einige nennen die euch spontan einfallen ? Ich habe die Volatilitätsanomalie genannt und das in Krisenjahren weniger Verlust gemacht wird als beim Ursprungsindex..."

Geringere Volatilität hat eben für viele Anleger schon für sich selbst einen Nutzen an sich - nicht jeder will/kann nur die wilde Achterbahnfahrt bei heißen Wachstumsaktien mitmachen, sondern fühlt sich lieber mit den ruhigen, beständigen "Langweiler"-Firmen wohler. Am Ende hat davon viel also eigentlich mehr mit Anlegerpsychologie als nur mit reiner Finanztheorie zu tun, wenn manche eben bewußt den Trade-Off "weniger Verluste in Krisenjahren" vs "weniger Gewinne in Aufwärtsjahren" eingehen wollen.
Wenn mal wieder Krise ist, und der Markt um 50% fällt, wird auch der Fondsmanager, der stattdessen "nur" 15% Verlust hatte, schon als Genie gefeiert - dass man damit aber auch nicht gleichzeitig die dickste Rendite in Aufwärtsphasen einfahren kann, ist auch klar.


Sonny sagt am 05. Mai 2017

@ChrisS

Vielen Dank!!


Sonny sagt am 05. Mai 2017

@ChrisS

"dass man damit aber auch nicht gleichzeitig die dickste Rendite in Aufwärtsphasen einfahren kann, ist auch klar."

also ganz so klar ist das jetzt auch nicht. Siehe:https://www.msci.com/documents/10199/4d26c754-8cb9-4fa8-84e6-a51930901367

in einigen Aufschwungjahren hat der MSCI World Minimum Vol Index eine höhere Rendite als der MSCI World erzielt.


Schwachzocker sagt am 05. Mai 2017

@Sonny:

Was sagt solch ein Chart nun aus, und was möchtest Du beweisen? Die Feststellung, dass irgendein alternativer Index gelegentlich eine höhere Rendite p.a. erzielen kann, ist trivial. Das musst Du nicht beweisen!
Du kannst irgendeinen Index nehmen und wirst feststellen, dass dieser in irgendwelchen Jahren besser war als der MSCI World. Interessant wäre es zu wissen, ob das Zufall war oder nicht!!!

Ohne es nachgerechnet zu haben, würde ich mal behaupten, dass der Minimum Vol seine entscheidende Überrendite im Jahr 2008 (dem Krisenjahr) gemacht hat. Hätte es diese Krise nicht gegeben, dann hätte der Minimum Vol über den gesamten abgebildeten Zeitraum schlechter abgeschnitten als der MSCI World.
Vielleicht kannst Du es ja mal nachrechnen.

Der Minimum Vol hat also genau das getan, was er soll: In der Abwärtsbewegung Stabilität bringen.
Unangenehm nur, wenn es eine solche Abwärtsbewegung lange Zeit nicht gibt oder diese Abwärtsbewegung deutlich kleiner ausfällt. Dann sieht die Sache plötzlich anders aus.


ChrisS sagt am 05. Mai 2017

@ Sonny

doch, die allgemeine Tendenz ist langfristig und im Durchschnitt relativ eindeutig.
Statt nur einige Ausnahmejahre zu betrachten, mal die Übung und berechne das allgemeine Upside-Downside Capture Verhältnis. Hol dir dazu eine Liste aller historischen Jahres- (oder Monats-, für mehr Granularität) Renditen des MSCI World und des World-LowVol seit beginn und untersuche folgendes: In Jahren/Monaten, in denen der MSCI World stieg, wie stark stieg der LowVol mit ihm ? Und in Jahren/Monaten in denen der MSCI World fiel, wie stark fiel der LowVol dazu im Verhältnis?
Im langfristigen Durchschnitt kommen da auf Jahresbasis zB Werte von 80%/50% raus (dh. der LowVol nimmt in guten World-Jahren nur etwa zu 80% am Anstieg des World teil, in schlechten World Jahren aber durchschnittlich nur an etwa 50% des Abschwungs - und ja, nicht vergessen das sind nur grobe Durchschnittswerte, die sich aus vielen einzelnen Vergangenheitswerten zusammensetzen (da können auch zB mal positive Ausnahmen drin sein, in dem der LowVol stärker stieg als der World, aber es sind eben allgemein Ausnahmen), die sind nicht dazu da exakte Versprechungen für die Zukunft abzugeben sondern nur die Tendenz des Verhaltens der Vergangenheit zu beschreiben).


Sonny sagt am 05. Mai 2017

@ChrisS

wo finde ich denn alle historischen Jahresrenditen des MSCI World? Auf der MSCI seite leider nur bis 2002..


ChrisS sagt am 05. Mai 2017

"wo finde ich denn alle historischen Jahresrenditen des MSCI World?"

bei Google :-D

https://www.msci.com/end-of-day-data-search

auf gewünschten Index klicken, es öffnet sich ein neues Fenster in dem du weitere Konfigurationen auswählen kannst (zB Zeitraum, Währung, Preis- oder Totalreturn Variante, etc.) und die täglichen/monatlichen/jährlichen Punktestände lassen sich als Excel herunterladen (musst du danach nur noch in Prozentrenditen umrechnen).


Dummerchen sagt am 06. Mai 2017

Hallo Sonny,

hmm, was war nochmal 2002? Richtig, der Euro wurde eingeführt. Vermutlich sollte man daher auf der MSCI Seite als Währung USD und nicht Euro einstellen. Nur mal so ins Blaue geraten... ;-)

Liebe Grüße
Dummerchen


Sonny_D sagt am 09. Mai 2017

Hey,
ich habe die Jahresrenditen jetzt mal ausgewertet und komme auf ein Verhältnis von ca. 95/70. D.h der Minimum vola nimmt in guten World Jahren zu 95% zu und in schlechten nur zu 70 %. Wie seid ihr auf die 80/50 gekommen ?

Hier sind die Bruttojahresrenditen ab 1989

Jahr Min.Vola MSCI World
1889 27,84% 17,19
1990 -14,76% -16,52
1991 18,51 18,97
1992 -2,64 -4,66
1993 23,5 23,13
1994 2,92 5,58
1995 22,83 21,32
1996 13,32 14
1997 15,16 16,23
1998 17,26 24,8
1999 8,62 25,34
2000 1,24 -12,92
2001 -14,14 -16,52
2002 -9,57 -19,54
2003 26,03 33,76
2004 20,76 15,25
2005 8,34 10,02
2006 21,2 20,65
2007 6,13 9,57
2008 -29,23 -40,33
2009 17,18 30,79
2010 12,76 12,34
2011 8,04 -5,02
2012 8,87 16,54
2013 19,41 27,37
2014 12,06 5,5
2015 5,82 -0,32
2016 8,18 8,15

ChrisS sagt am 09. Mai 2017

| @ Sonny

"ich habe die Jahresrenditen jetzt mal ausgewertet und komme auf ein Verhältnis von ca. 95/70. D.h der Minimum vola nimmt in guten World Jahren zu 95% zu und in schlechten nur zu 70 %. Wie seid ihr auf die 80/50 gekommen ?"

Also erstmal nur zur Klarstellung, die 80/50 habe ich nur als grobes Beispiel zur Erklärung der generellen Tendenz (also dass die Vol-Variante im Durchschnitt (aller Jahre, trotz einiger Ausnahmen-Jahre, deshalb reden wir ja überhaupt erst darüber) in positiven World-Jahren etwas weniger Gewinn als der normale World macht, und in negativen World-Jahren auch weniger Verlust) in den Raum geworfen, es ging mir nicht darum dass nun exakt 80/50 schon die tatsächlichen finalen Zahlen wären ;-)

Aber gut, wenn wir halt etwas exakter werden wollen, nehmen wir einfach mal deine Tabelle.
Wenn man diese aufteilt in zwei Untertabellen (a) "Jahre, in denen der MSCI World positiv war" und (b) "Jahre in denen der MSCI World negativ war" (wichtig, nicht den Vola-Index selbst auch schon einteilen), schaut man sich danach an, was der Vola-Index in denselben Jahren für eine Rendite gebracht hatte und zieht aus beidem Durchschnitte, die man dann miteinander vergleicht.

Mal fix drübergelinzt, ergibt sich da folgende: Die durchschnittliche Rendite des MSCI World in positiven Jahren betrug 19,09% (Summe aller positiven Jahresrenditen geteilt durch deren Anzahl). Die durchschnittliche Vola-Index Rendite in diesen selben Jahren betrug 15,97%.
Ergo 83,67% Partizipation an der Upside.

Die Durchschnittsrendite des World in Jahren, wo er negativ war, betrug -12,87%. Der Vola-Index hatte in den selben Jahren eine durchschnittliche Rendite von -6,14%. Downside-Verhältnis also 47,69%.

Die "grobe Richtung", abseits aller Feilscherei um Nachkommastellen, passt also schon irgendwie. Mehr soll die ganze Übung auch nicht aussagen, kann sie auch nicht (also niemand soll erwarten, dass zukünftige Gewinne/Verluste auch immer exakt diesem Durchschnittsverhältnis entsprechen werden, so funktioniert das nicht), sondern nur das Prinzip von "der Vola-Index hinkt im allgemeinen Durchschnitt dem normalen Index in guten Jahren ein bischen hinterher, und macht dafür in schlechten Jahren etwas weniger Verluste" demonstrieren.

Wie du auf 95/70 gekommen bist, weiß ich nicht. Vielleicht hast du die positiven/negativen Jahre des Vola-Index selbst genommen, so wie's eigentlich nicht gerechnet wird.


Sonny sagt am 09. Mai 2017

@ChrisS

Danke! Hatte kurz einen Denkfehler aber nach deiner Rechnung komme ich beim MSCI World auf eine Durchschnittsrendite (bei den positiven Jahren) auf 17,83 % beim Min Vola auf 15,54 %

Bei den negativen Jahren beim MSCI World auf -14,48 und beim Min vola auf -6,91


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