28. März 2017


Alpha – der Heilige Gral der Überrendite. Leider vom Aussterben bedroht.

Wenn ich mit meinem MSCI World 7 % in einem Jahr verdiene und Sie mit sorgfältig ausgewählten Aktien internationaler Großunternehmen 8 % Rendite erzielen, dann beträgt Ihr Alpha 1 %.
Wenn ich dagegen überall rumerzähle, dass mein MSCI World Ihr Tagesgeldkonto vernichtend geschlagen hat, dann ist das kein Alpha, sondern der falsche Benchmark. Deshalb die Frage: Was ist dieses Alpha denn?

Definition Alphafaktor

Der Alphafaktor gibt an, wie sich ein Depot im Vergleich zum passenden, risikobereinigten Benchmark geschlagen hat. Ist das Alpha positiv, nennt man das Überrendite, ist es negativ, heißt es Minderrendite.

Der Heilige Gral eines jeden Anlegers: das beständige, berechenbare, industriell produzierte Alpha. Alle aktiven Fonds versprechen es, nur um es dann im hellgrauen Sternchentext wieder einzukassieren. Sie wissen schon: Ergebnisse der Vergangenheit, etc. pp …

Das Alpha-Problem

Das Problem mit diesem Alpha: Alle wollen es, aber es ist immer schwieriger zu erbeuten. Die Alpha-Jäger sehen sich mit folgenden Problemen konfrontiert:

  1. Das Goldminen-Problem: Die Menge des ausbeutbaren Alphas sinkt.
  2. Ein Teil des Alphas zerfällt zu Beta.

Die Folge: Es gibt noch Alpha, aber es wird immer unwirtschaftlicher, die Alpha-Mine auszubeuten.

  1. Eine steile These Finanzwesir.
  2. Was ist Beta?

Definition Betafaktor

Beta ist eine Kennzahl für das Marktrisiko, das Sie mit einem Investment eingehen. Das Marktrisiko ist das systematische Risiko, das Sie nicht wegdiversifizieren können. Mit einem breit diversifizierten Fonds ernten Sie Beta.
Mehr Marktrisiko bedeutet mehr Beta. Deshalb gibt’s für die Achterbahn in den Schwellenländern mehr Rendite als für die Reise mit den Dickschiffen des MSCI World.
Mit anderen Worten: Rendite, die ich einfach durch Herumsitzen bekomme, ist Beta.

Wie kam das Beta in die Welt?

  • Am Anfang war der Markt mathematikfrei. Die Cowboys an der Wall Street handelten hemdsärmlig und mit viel Geschrei.
  • Anfang der Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts erschien Harry M. Markowitz auf dem Parkett und er hatte seine effizienten Portfolios dabei. Die Jungs der Wall Street waren nur so mittel beeindruckt. Wie sollte man mit diesem Theoriekram Dollars machen?
  • Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts legten John Lintner, William Sharpe und Jack Treynor die Grundlagen für die Finanz-Alchemie der heutigen Tage. Sie nahmen ein effizientes Portfolio und schufen CAPM. Und siehe, mit CAPM kam auch Beta.

CAPM und seine Entwicklungen

Mit Hilfe des Capital Asset Pricing Modells – zu deutsch Preismodell für Kapitalgüter – war es erstmals möglich, theoretische Gleichgewichtskurse für einzelne Wertpapiere zu berechnen. Diese Kurse kommen zustande, wenn risikoaverse Marktteilnehmer entsprechend der Portfoliotheorie effiziente Portfolios zusammenstellen.
Mit den Gleichgewichtspreisen lässt sich die Performance von Aktienfonds beurteilen. Das CAPM zeigt, ob ein Risiko – bezogen auf die durchschnittliche zusätzliche Rendite – angemessen ist.
Dieses Modell bot das erste Mal eine mathematisch präzise Definition von Risiko und wie die erwarteten Renditen davon abhängen. Wie alle Erstlingswerke war das CAPM ein sehr grobes Modell.
CAPM kennt nur einen einzigen Risikofaktor: das Beta.
Dieses Beta errechnet sich aus dem für eine Aktie, für einen Fonds oder für ein Depot typischen Risiko im Vergleich zum allgemeinen Marktrisiko. Das „allgemeine Marktrisiko“ wird durch einen möglichst breit kapitalisierten Index, wie beispielsweise durch den den S&P 500, repräsentiert.
Im Laufe der Zeit hat sich herausgestellt: In einem Drittel aller Fälle verhält sich die Realität nicht so, wie es CAPM vorhersagt. Deshalb haben die Ökonomen eine Rückrufaktion gestartet und das CAPM gründlich überarbeitet.
Die neue Version schaut nicht nur aufs Beta, sondern hat zwei zusätzliche Faktoren spendiert bekommen und heißt jetzt „Fama-French-3-Faktorenmodell“.

  • Das bekannte Beta. Im Fama-French-Modell definiert als die durchschnittliche Rendite des gesamten US-Aktienmarktes abzüglich der Rendite einmonatiger US-Schatzwechseln (das ist die risikolose Rendite). Analog übertragbar auf andere Regionen.
  • Der Größenfaktor. Sämtliche Firmen eines Aktienmarktes werden nach Marktkapitalisierung sortiert. Diese Liste wird dann halbiert. Der Größenfaktor ist definiert als: Durchschnittliche Rendite der Hälfte mit den kleinen Firmen minus die durchschnittliche Rendite der Hälfte mit den großen Firmen.
  • Value-Faktor. Sämtliche Firmen eines Aktienmarktes werden nach dem Book-to-Market-Verhältnis sortiert. Book-to-Market = Buchwert dividiert durch die Marktkapitalisierung. Der Value-Faktor ist definiert als: Durchschnittliche Rendite der 30 % der Firmen, die das höchste B/M-Verhältnis haben minus durchschnittliche Rendite der 30 % der Firmen, die das niedrigste B/M-Verhältnis haben.

Soweit so gut. Aber die Realität wollte sich immer noch nicht beugen. Deshalb Ende der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts ein erneuter Rückruf in die Ökonomen-Werkstatt und Einbau des Momentum-Faktors.

So errechnen wir den Momentum-Faktor: Wir betrachten die Renditen der letzten 12 Monate, lassen aber den jüngsten Monat außen vor. Der Momentum-Faktor ist dann die durchschnittliche Rendite der besten 30 % aller Aktien minus die durchschnittliche Rendite der schlechtesten 30 % aller Aktien.

Dieses Fama-French-4-Faktoren-Modell ist zurzeit das Arbeitspferd der Ökonomen, wenn es darum geht, Renditen und Risiken zu bewerten. Aber wer weiß, was noch kommt.
2012 haben Kwei Hou, CHen Xue und Lu Zhang ein neues 4-Faktoren-Modell vorgeschlagen (Markt Beta, Größe, Investment-Faktor und Profitabilität), das noch besser an die Realität angepasst sein soll.
Mit jedem Optimierungsschritt treiben die Ökonomen mehr Keile in den einst massiven Alpha-Block und brechen mehr Beta heraus.

Warum Beta?

Alles, was man durch Faktoren erklären kann, kann man industrialisieren. Und alles, was man in eine Formel gießen kann, ist Beta.
Das ist so ähnlich wie früher mit den Schamanen und Kräuterweiblein. Die wussten: Wenn du im August, wenn die Sonne im Zenit steht, die Dolden der Schafgarbe erntest und dann trocknest und dabei noch diesen und jenen Spruch aufsagst, dann hilft ein Tee aus diesen Dolden bei Magenschmerzen.
Dann kamen im Gefolge der Aufklärung die Pharmazeuten und aus war’s mit der schamanischen Reise in das Seelenreich der Pflanzen. Kein geheimnisvolles Alpha-Ritual mehr sondern ein simples Beta: „Bitte dreimal täglich vor dem Essen zehn Tropfen.“

Wichtig: Das schmälert weder die Leistung der Kräuterkundigen noch der Fonds-Manager, die durch Experimentieren und Nachdenken wichtige Erkenntnisse aus dem Nebel herausgestochert haben. Aber Forschung und Fortschritt haben sie – wie das Fräulein vom Amt – zu einem guten Teil einfach überflüssig gemacht.
Der Welten Lauf: Die Wissenschaftler erforschen etwas, die Ingenieure machen ein Produkt draus und wieder muss sich eine Berufsgruppe neu orientieren.

Früher konnte ein Fonds-Manager sich ordentlich Small Caps ins Depot legen, damit den S&P 500 schlagen, das als Alpha präsentieren und dafür eine saftige Rechnung stellen.
Heute ist klar: Das liegt einfach daran, dass der Fonds-Manager sich dem Größen-Faktor ausgesetzt hat. Dafür braucht man keinen Manager, das erledigt ein spezialisierter ETF billiger.

Zwischenfazit

Zu blöd: Eigentlich wollten wir Alpha industriell produzieren. Jetzt stellen wird fest: Wir kriegen industriell gefertigtes Beta und das auf Kosten des Alphas.

Schön, damit wäre „Alpha wird zu Beta“ erklärt. Aber die steile These bestand aus zwei Teilen: Die Alpha-Menge wird geringer. Warum?

Die Deppendichte wird geringer

Welche Deppen? Na, zum Beispiel ich. Vom aktiven Alpha-Jäger zum passiven Beta-Sammler gereift. Schon William Sharpe hat es in einem Papier "The Aritmetic of Active Management" 1991 formuliert:

"Aktives Management ist vor Kosten ein Nullsummenspiel und nach Kosten ein Negativ-Summen-Spiel."

Mit anderen Worten: Mein Alpha ist Ihr Verlust. Ein aktiver Manager braucht Opfer. Der beste Opfer-Pool sind mit Sicherheit die Privatanleger. Wer "privatanleger schneiden schlechter ab als der markt" googelt, bekommt knapp 10.000 Ergebnisse geliefert. In dieser Studie der Universität Frankfurt finden Sie den folgenden Satz:

"Im Durchschnitt hatten unsere Anleger in den letzten Jahren vor unserem Angebot risikoadjustiert etwa 6 Prozent pro Jahr schlechter abgeschnitten als der Markt."

6, in Worten sechs Prozent pro Jahr – das nenn’ ich mal eine fette Alpha-Mine. Bonus, du bist mir sicher!

Aber auch bei den Institutionellen tut sich was. Der Robo-Advisor Scalable arbeitet mit Siemens Private Finance zusammen. Damit ist Scalable Teil der Siemens-Altersvorsorge. Und wieder schrumpft der Opfer-Pool. Diese Sache läuft auf die Geschichte von den Wanderern und dem Bären hinaus.
Zwei Wanderer werden von einem Bären verfolgt und laufen davon. Bleibt der eine stehen und zieht sich Turnschuhe an. Sagt der andere: „Das wird dich auch nicht retten, der Bär ist schneller.“ Sagt der Turnschuhträger: „Es reicht, wenn ich schneller bin als du.“
Das Problem der Alpha-Manager: Immer mehr Leute verweigern die Tour durchs Bärenterritorium und bleiben statt dessen passiv zu Hause. Die, die mitkommen, sind trainierte Läufer.
So geht das Wettrüsten weiter, bis nur noch Special Forces unterwegs sind. Der Bär reißt trotzdem sein Opfer, denn auch wenn die Fähigkeiten eines Special-Forces-Soldaten weit über die Fähigkeiten eines Normalos hinausgehen: Es bleibt ein Nullsummenspiel – der Schlechteste der Besten muss trotzdem sein Alpha hergeben.

Dazu aus einem Interview mit Tim Buckley, Vanguards Chief Investment Officer:

Das aktive Management „könnte eine rosige Zukunft haben, wenn die Fondsmanager nur niedrigere Margen akzeptieren würden“, sagt Buckley. „Sie haben nicht begriffen, dass sie sich in einem Umfeld mit stärkerem Wettbewerb befinden – dass sie nicht länger mit Amateuren konkurrieren, sondern sich in einem Nullsummenspiel mit anderen Profis befinden.“

Faktoren – So nicht!

Ein Wort noch zu den Faktoren: In meinen Coachings muss ich manchmal mit folgendem Missverständnis aufräumen:
Einen Faktor ist kein Feature, das man einfach so dazu buchen kann. Gerade Anfänger unterliegen oft dem Irrtum:

  • Beta: Rendite 8,2 % pro Jahr
  • Größen-Faktor: 3,1 % pro Jahr
  • Value-Faktor: 4,9 % pro Jahr

Alle Werte: Durchschnittliche jährliche Rendite des US-Marktes zwischen 1927 und 2013.

Ich entscheide mich für eine Mischung aus 50 % Large Caps, 25 % Small Caps und 25 % Value. Meine Rendite berechnet sich wie folgt:

  • Anteil Large Cap: 50 % * 8,2 % = 4,1 %
  • Anteil Small Cap 25 % * (8,2%+3,1 %) = 2,83 %
  • Anteil Value 25 % * (8,2 %+4,9 %) = 3,28 %
  • Meine Gesamtrendite: 10,2 %

So läuft das nicht. Es kann sein, dass Sie mit dieser Mischung fünf, sechs oder sieben Jahre schlechter abschneiden als mit einem reinen Beta-Portfolio.
Warum?
Weil diese Faktoren keine abhängig Beschäftigten sind, sondern Freigeister. Die schleppen sich nicht jeden Tag zur Börse und machen da Rendite. Die kommen und gehen, wie es ihnen passt.
Es kann sein, dass der gute Sir Value es sich jahrelang auf den Cayman Inseln gut gehen lässt. Eines Tages spürt ihn da die Börse auf und hält ihm genervt den Kontrakt unter die Nase: „He, Kollege, hier steht, dass du im langfristigen statistischen Mittel 4,9 % über der Marktrendite abzuliefern hast. Das Jahrzehnt ist fast rum. Entweder du gibst jetzt Gas oder ich hetz’ dir die Regression zum Mittelwert auf den Hals.“
Diese Drohung wirkt Wunder. Sir Value begibt sich nach New York und kloppt an der Wall Street binnen drei Jahren die Rendite für ein Jahrzehnt zusammen.
Das Beste: Alle die Anleger, die kurz vor Sir Values Ankunft in New York Value-Aktien gekauft haben, denken tatsächlich, sie wären geniale Börsen-Checker. Dabei hat Sir Value nur Angst vor der Regression.
Und was Small Capine angeht: Die ist keinen Deut besser.
Sehr schön visualisiert in diesem Periodensystem der Renditen.

Alpha-Fazit

Wollen Sie als Anleger wirklich der Kapitän Ahab des Alphas sein? Es jagen über alle sieben Weltmeere und es aufspüren, wo immer es sich verstecken mag? Koste es, was es wolle!
Was spricht dagegen, prognosefrei zu leben und sich einfach eine Portion solide Marktrendite garniert mit ein paar Smart-Beta-ETFs zu gönnen?

Einschub: Begriffserklärung Smart Beta

Weil es besser klingt, hat die Finanzindustrie die Faktoren in Smart Beta umgetauft. Der MSCI World ist ein Index, der daraus abgeleitete Faktor-Index MSCI World Value ist Smart Beta. Noch regelbasiert, aber nicht mehr marktkapitalisiert, so die allgemeine Definition von Smart Beta.
Wobei die Grenzen zwischen regelbasiert und Finanz-Alchemie fließend sind. Im Graubereich der Multifaktoren-ETFs fragt man sich manchmal: „Ist das noch Index oder schon aktives Management?“

Wie investiere ich in der Praxis in die vier Faktoren

  1. Value: Unterbewertete Aktien
  2. Momentum: Aktien mit positivem Trend
  3. Geringe Volatilität: Aktien mit geringen Kursschwankungen
  4. Small Cap: Kleine, unterbewertete Aktien

Sie suchen sich einen passenden Index. Ich habe mir den MSCI World herausgepickt. Folgende Fragen sind zu klären

  1. In welchen Varianten gibt es diesen Index?
  2. Wie definiert der Indexanbieter seine Variante? Ein Value-Sticker ist schnell draufgeklebt, aber wie viel Value steckt im Index? Ist das ein Value nach French-Fama oder berechnet der Anbieter sein Value ganz anders? Halten Sie diese Definition für brauchbar?
  3. Welche dieser Varianten sind überhaupt sinnvoll? Die Industrie bietet an, was gekauft wird, nicht das, was sinnvoll ist.
  4. Gibt es überhaupt ETFs, die diesen Index abbilden?
  5. Will ich diese ETFs überhaupt kaufen? Womöglich gibt’s den Index nur als synthetischen Thesaurierer, ich will aber einen replizierenden Ausschütter. Welche Kompromisse mache ich?

Für den MSCI World lautet die Antwort

  1. Es gibt den Index in der Value- und der Momentum-Variante
  2. MSCI definiert den Momentum-Index wie folgt:

"It is designed to reflect the performance of an equity momentum strategy by emphasizing stocks with high price momentum, while maintaining reasonably high trading liquidity, investment capacity and moderate index turnover."
Quelle

Was fällt auf: Da schleicht sich die Realität durch die Hintertür herein. French-Fama theoretisieren sich die Werte mit Excel herbei. Die armen Fonds-Manager müssen kaufen und brauchen dazu Liquidität. Außerdem wollen sie die Rendite schonen und vermeiden deshalb Reibungsverluste beim Umschichten so gut es geht.
Natürlich würden sie am liebsten synthetisch werden, aber da legt der Vertrieb sein Veto ein: Swapper sind böse, die kriegen wir nicht so gut platziert.
Ihr Job: Finden Sie heraus, was „stocks with high price momentum“ in Zahlen bedeutet. Welcher Anstieg in welchem Zeitraum? Ist das der Industriestandard zur Berechnung des Momentums oder kocht der ETF-Anbieter da sein eigenes Süppchen?

Value geht mit dieser Definition an den Start:

"The value investment style characteristics for index construction are defined using three variables: book value to price, 12-month forward earnings to price and dividend yield."
Quelle

Passt das so für Sie?

  1. Der MSCI World setzt auf die Dickschiffe der Industrieländer. Value kann man sich da noch vorstellen, aber gibt es da überhaupt so etwas wie Momentum? Das herauszufinden ist Ihr Job.

  2. Es gibt zwei Momentum-ETFs und zwei Value-ETFs. Beide jeweils von db-x trackers und iShares. Das ist keine Auswahl, sondern friss oder stirb. Nur als Vergleich – es gibt 13 ETFs auf den klassischen MSCI World.

Fallstrick Faktor-Definition

Besonders smart müssen Sie beim Check der Faktor-Definition sein.
Würden Sie einen Mann mit 1,85 m als klein bezeichnen? Nun stellen Sie ihn zwischen die Harlem Globetrotters und er wird zum Zwerg. Genau das kann Ihnen auch mit einem Small-Caps-Index passieren. Sie wollen kleine Firmen und nicht die Kleinsten der Größten. Deshalb heißt es, genau hinschauen, wenn Ihnen ein Teilsegment eines größeren Index zum Kauf angeboten wird.
Der STOXX ist so ein Kandidat. Es gibt den STOXX Europa 600, der – wer hätte es vermutet – aus 600 Firmen besteht. Dann gibt es die Single-Auskopplung, den STOXX 200. Hier versammeln sich die kleinsten 200 Firmen.
Sind das kleine Firmen oder Firmen, die klein wirken?
Jetzt geht die Zankerei los. Was ist ein Small Cap überhaupt? Ich habe folgende Definitionen gefunden

  • Eine Marktkapitalisierung unter einer halben Milliarde Euro
  • Eine Marktkapitalisierung zwischen 300 Millionen und zwei Milliarden Euro
  • Alles bis bis eine Milliarde Euro
  • Zwischen 100 Millionen Euro und einer Milliarde Euro
  • Alles ist relativ: Des einen Small Cap ist des anderen Micro Cap oder Mid Cap. Deshalb gilt: Die 15 % der Aktien mit der niedrigsten Marktkapitalisierung des jeweiligen Marktes sind die Small Caps dieses Marktes. Das macht den burmesischen Large Cap zum deutschen Small Cap.

Die Industrie ist dabei, die French-Fama-Faktoren weiter zu differenzieren. Aus "Aktien mit geringen Kursschwankungen" wird jetzt "Minimum Variance" und "Low Volatility". Kennen Sie den Unterschied? Mehr dazu in diesem Interview.

Wie gewichten?

Zwei Randbedingungen sind zu beachten

  1. Bei einem Depotvolumen unter 50.000 € reichen zwei ETFs. Ein Vermögen von rund 50.000 EUR und weniger sollte aus Effizienz- und Kostengründen in nicht mehr als zwei ETFs angelegt werden.
  2. Keine Depotposition unter 10 %. Sonst rebalancen Sie mit Peanuts und die Kaufkosten ruinieren Sie.

Lohnt sich das alles überhaupt?

Das müssen Sie entscheiden. Ich habe Ihnen hier – exemplarisch für den MSCI World – einen Vergleich mitgebracht.

Index Firmenzahl Top 3 Firmen Top 3 Länder Top 3 Sektoren
MSCI World 1.652 Apple 2,09 %
Microsoft 1,34 %
Amazon 0,96 %
USA 60,5 %
Japan 8,7 %
Großbritannien 6,5 %
Finanzen 17,9 %
IT 15,2 %
Gesundheit12,3 %
MSCI World Momentum 348 Microsoft 4,91 % statt 1,34 %
Amazon 3,82 % statt 0,96 %
Facebook 3,37 % statt 0,89 %
USA 60,9 %
Großbritannien 12,3 %
Kanada 5,6 %
IT 23,5 %
Verbrauchsgüter 13,6 %
Gesundheit 10,6 %
MSCI World Value 884 Microsoft 2,64 % statt 1,34 %
Exxon Mobil 1,88 % statt 0,95 %
Johnson & Johnson 1,86 % statt 0,95 %
USA 60 %
Japan 9 %
Großbritannien 7 %
Finanzen 30,2 %
Industrie 9,4 %
Gesundheit 9,2 %
MSCI World Enhanced Value 399 Cisco 2,65 % statt 0,49 %
Pfizer 2,44 % statt 0,59 %
Intel 2,39 % statt 0,48 %
USA 39 %
Japan 26,8 %
Großbritannien 7,8 %
Finanzen 18 %
IT 15,1 %
langlebige Konsumgüter 12,3 %
MSCI World Value Weigthed 1.652 Apple 1,67 % statt 2,09 %
JPMorgan Chase 1,42 % statt 0,93 %
Exxon Mobil 1,21 % statt 0,95 %
USA 49,38 %
Japan 14 %
Großbritannien 8,2 %
Finanzen 27,8 %
langlebige Konsumgüter 11,6 %
Industrie 10,6 %

Faszinierend: Banking und Versicherungen sind Value! Und ich bekomme hier laufend Leser-Mails, die fragen, ob es nicht sinnvoll wäre, den überdimensionierten Finanzanteil des MSCI World zu reduzieren. Wobei, so ganz stimmt das nicht. Im World-Index mit dem verbesserten Value gewichtet MSCI den Finanzsektor genauso wie im klassischen World-Index.
Finde sich da noch einer zurecht!

"Ich will Value!" Ja, Value wollen alle, denn „wir sind ja nicht blöd“. Welches Value soll’s denn sein? Das klassische Value, das verbesserte Value oder das gewichtete Value?

Das war jetzt bloß Value. Sie müssen das für jeden der anderen drei Faktoren auch durchexerzieren. Oder Sie geben richtig Gas und legen sich einen ETF auf den MSCI World diversified multiple-Factor Index ins Depot. Dieser Index kombiniert als eierlegende Wollmilchsau die Faktoren Value, Momentum, Quality und Low Size.

Direkt von der MSCI-Seite einige Grafiken

MSCI World Value Momentum 2 Jahre
Haltedauer: 2 Jahre
Value rafft sich auf und überholt den Basis-Index, Momentum vertrödelt den ganzen Vorsprung. Zwei Jahre sind einfach keine Haltedauer für einen Faktor-ETF.

MSCI World Value Momentum 5 Jahre
Haltedauer: 5 Jahre Bis Mitte 2014 alles im Gleichtakt, danach schlunzt Value so vor sich in, Momentum kann sich etwas absetzen.

MSCI World Value Momentum maximal
Haltedauer: 1994–2017 (maximal) Wer Kinder hat, die 1994 geboren wurden, kann mittlerweile Opa sein. Und zwar ohne eine Teenie-Schwangerschaft beklagen zu müssen. Soviel zum Thema „Faktor-ETFs brauchen Zeit“.
Aus Sicht des Momentum sind Value und Basis die letzten 23 Jahre identisch gelaufen.
Aber auch ein arroganter Momentum hat nicht immer Schwung. 2008 hat der Momentum genau so viel Prügel bezogen wie seine Verwandten. Daraufhin verließ ihn 2009 der Mut.

Jahr MSCI World Value MSCI World Momentum MSCI World
2008 -39,85 % -39,92 % -40,33 %
2009 27,70 % 14,76 % 30,79 %

Haltedauer: 2003–2017

Für diesen Zeitraum habe ich die Kursverläufe und die Performance

MSCI World Value Momentum 2003 bis 2017
Kursverlauf
Sind Sie sicher, dass Sie den Absturz des Momentum in der Subprime-Krise gelassen mitgemacht hätten? Zu diesem Zeitpunkt hätten Sie nichts von dem Gipfelsturm bis 2017 gewusst. Relativ gesehen hat der Index nicht stärker verloren als seine Kollegen, aber da er höher gestiegen ist, war der Absturz absolut gesehen heftiger.

MSCI World Value Momentum 2003 bis 2017
Performance
2004 und 2005 konnte sich Momentum absetzen, 2009 lagen Value und Basis vorne, ab 2012 ziemlicher Gleichtakt.

Wer mehr zum Thema Faktor-Investing wissen will: MSCI hat hier alles aufgefahren, was Sie wissen müssen.

Gewichtung

Gehen wir von der einfachsten Kombination 70 % MSCI World plus 30 % MSCI Schwellenländer aus.
Wie bringen wir da unsere Faktoren unter?

  • Nur im MSCI World oder teilen wir beide Basis-Indizes auf?
  • Verzichten wir komplett auf die Basis-Indizes und legen nur in Faktor-ETFs an? Wenn nein:
  • Welchen Anteil reservieren wir für die Faktor-ETFs?

Ich habe mich mit Suchbegriffen wie „Faktor-ETF Musterdepot“ oder „Beimischung Value ETF“ durchs Neuland gegoogelt und bin auf die wunderlichsten Konstruktionen gestoßen. 50 % in Dividendenaktien, innovative 8-ETF-Depots mit Dividendenaktion auf Small Caps und einem Schwellenlandaktien-ETF, der auf minimale Schwankung getrimmt ist. Das Ganze aber leider ohne konkrete Gewichtungen. Nirgendwo eine fundierte Herleitung. Das hat mich nicht überzeugt.
Was bleibt, ist der Griff zum Kommer.
Dort heißt es kurz und bündig

  1. 55 % Aktien entwickelte Märkte je hälftig in Large Cap Value und Small Caps blend (blend = value und growth), das bedeutet zwei mal knapp 28 % in Faktor-ETFs.
  2. 25 % Aktien Schwellenländer: Large Caps, Mid Caps, Small Caps, macht bei einem Small-Cap-Anteil von geschätzten 15 % knapp 4 % (25 % * 15 %) Small-Cap-Exposure für das Gesamtdepot.

Fazit

Wohin hat uns die Reise geführt?
Zum einen: Wenn schon Faktor-Investing, dann über preiswertes Beta und nicht über aktives Alpha.
Zum anderen: Ist Faktor-Beta wirklich den Aufwand wert? Zumindest bevor man 100.000 € zusammen hat.

Woher kommt dieser Jagdeifer? Warren B., der Zeitungsausträger aus Omaha, schreibt in seinem aktuellen Brief an die Aktionäre ab Seite 24:

"Over the years, I’ve often been asked for investment advice, and in the process of answering I’ve learned a good deal about human behavior. My regular recommendation has been a low-cost S&P 500 index fund. To their credit, my friends who possess only modest means have usually followed my suggestion.
I believe, however, that none of the mega-rich individuals, institutions or pension funds has followed that same advice when I’ve given it to them. Instead, these investors politely thank me for my thoughts and depart to listen to the siren song of a high-fee manager or, in the case of many institutions, to seek out another breed of hyper-helper called a consultant. That professional, however, faces a problem. Can you imagine an investment consultant telling clients, year after year, to keep adding to an index fund replicating the S&P 500? That would be career suicide. Large fees flow to these hyper-helpers, however, if they recommend small managerial shifts every year or so. That advice is often delivered in esoteric gibberish that explains why fashionable investment "styles" or current economic trends make the shift appropriate.
The wealthy are accustomed to feeling that it is their lot in life to get the best food, schooling, entertainment, housing, plastic surgery, sports ticket, you name it. Their money, they feel, should buy them something superior compared to what the masses receive."

Auch wenn wir keine „mega-rich individuals“ sind, eine Vorzugsbehandlung wollen wir trotzdem. Vor allem für unser Geld. Das war sogar mal eine Titelgeschichte in der Capital: „Das Beste für Ihr Geld“.

Vielleicht ist es an der Zeit, das Paradoxon der Kapitalmärkte anzuerkennen:

Der sicherste Weg, überdurchschnittlich abzuschneiden, ist es, konsequent den Durchschnitt anzustreben.

Zum Weiterlesen

Why quants don’t pick stocks.

"After all, if a manager claims to have a disciplined process for identifying the alpha opportunities, then it can be systematized and factorized."

(awa)

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Kommentare

Michael sagt am 28. März 2017

Wieder einmal bringt es der Finanzwesir eloquent fertig mich auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.

Auch mit dem grundsätzlichen Wissen um die Finanzpornografen wird man, gerade zu Beginn der eigenen Investorkarriere, immer wieder nur allzu leicht in Versuchung geführt auch ja alle Faktorprämien im sehr übersichtlichen Depot abzudecken.


FinanzFux sagt am 28. März 2017

Wieder mal ein sehr guter Beitrag. Wer das Thema wissenschaftlich etwas vertiefen möchte dem würde ich den Artikel "The Surprising Alpha From Malkiel’s Monkey and Upside-Down Strategies" von Arnott, Hsu, Kalesnik und Tindall aus dem Journal of Portfolio Management empfehlen (kann das pdf nicht verlinken, aber man findet den Artikel problemlos über Google)


Finanzwesir sagt am 29. März 2017

Hallo FinanzFux,
danke fürs teilen.
Das ist ja ein wahrhaft "gruseliges" Dokument :-), Download hier
Da bleibt man doch besser gleich beim faktor-freien Investieren.

Kleine Kostprobe:

"How can overweighting high-risk stocks and over-weighting low risk stocks both lead to higher returns versus the cap-weighted benchmark?
An examination of the FF4 factor decomposition in Table 1 reveals the key differences between the risk-seeking and risk-averse strategies: the latter have roughly two to three times as large a loading on the value factor and lower loading on the market factor.
Net of the value effect and other factor tilts, we are left with annualized FF4 alphas that are statistically similar to zero."

Jede Medallie hat 2 Seiten. Wer Faktor A vermeidet bekommt unweigerlich Faktor B ins Depot ;-)

Gruß
Finanzwesir


Daniel sagt am 29. März 2017

Prima Artikel. man könnte die Botschaft noch deutlicher machen, wenn man für den Vergleich der MSCI-Varianten mal die Wertentwicklung mit beginn 2008 darstellt. Denn mit dem schlechten Jahr 2009 dürfte der Momentum-Index bis heute (minimal?) schlechter performt haben als der normale World Index.

Ein Thema was auch mal einen separaten Artikel wert wäre ist das Thema Risiko. Die meisten menschen schauen sich den Graph an, wie der Momentum den World-Index über 15 Jahre deutlich outperformt an und denken: Klar, der Momentum ist offensichtlich der bessere Index. Aber im Grunde ist dieser Graph völlig wertlos ohne die unterschiedlichen Risiko-Profile der beiden Indizes zu vergleichen.

Wieso? Weil Risiko ja das Produkt aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenspotential ist. Und ich kann problemlos die Wahrscheinlichkeit eines positiven Ereignisses deutlich erhöhen, wenn ich im Gegenzug das Schadenspotential im (nun selteneren) Schadensfalle deutlich erhöhe.
Simples Beispiel: Im Casino spiele ich French Roulette. Man setzt auf rot und hat ne 50% Gewinnchance auf Verdoppelung des Einsatzes, also ein Nullsummenspiel mit minimalen Bankvorteil.
Ich kann meinen Rouletteeinsatz aber auch so gestalten, dass die Gewinnwahrscheinlichkeit z.B. auf 90% steigt. Dazu setze ich z.B. einfach je 1 € auf 33 der 37 zahlen. Dummerweise ist das trotzdem nicht das Geheimnis die Bank zu schlagen, sondern nur ein mathematischer Taschenspielertrick. Denn in en 90% der Fälle gewinne ich nur 10%, in den 10% der Verlustfälle verliere ich aber gleich 100%. Unterm Strich hat sich am mathematischen Erwartungswert aber nichts geändert.

Was hat das nun mit der Börse zu tun? Nun, ich behaupte mal ganz steil, dass nach deisem Prinzip subprime-Derivate, Tech-Bubble oder Neuer-Markt-IPOs zur Blütezeit funktioniert haben.Eine Zeit lang sieht es so aus, als ob der Weg zum sicheren Geldverdienen gelungen ist, bis eines schwarzen Tages dann die gesamte Kohle weg ist. Ob man diesen schwarzen Tag miterlebt ist schlicht Glückssache.

Im Grunde passt dieser Casino-Vergleich zu fast allen Arten des aktiven Investierens bzw. Alpha-Suchens.
Auch "Dividenden-Aristokraten" haben ihre Hochs und ihre Tiefs. Bei manchen Fonds erzielt man damit tatsächlich 20 Jahre lang "alpha", andere Varianten wie z.B. der DivDax sind aber gleichzeitig komplette Rohrkrepierer. Und natürlich findet man immer Gründe, wieso weshalb warum jener Fond schlecht war und jener gut.
Dennoch sollte man bis zum Beweis des Gegenteils* immer davon ausgehen, das es eben doch reines Glück war. In jedem Casino der Welt gibt es schließlich auch jeden Abend Glückspilze, die mit fettem Gewinn nach Hause gehen. Und auch von denen hat jeder eine Geschichte wieso er so erfolgreich war. Die hübsche Blondine, die auf die Würfel gepustet hat, die Glückszahl 17, das in den Permanenzen erkannte Muster...

* Dummerweise ist es mit dem "Beweisen" an den Finanzmärkten so eine Sache. Risiko ist eben nicht direkt messbar oder gar sichtbar. Die beste Annäherung die ich kenne wäre es, jede Strategien rückwirkend bis 1950 nachzurechnen und ggf. sogar für verschiedene Märkte. Aber selbst das hilft.


Julian sagt am 30. März 2017

Lieber Finanzwesir,

toller Artikel. Kurze Frage beziehen sich die 10% Mindestposition auf den "risikobehafteten" Teil eines Depots oder auf das Gesamtdepot (riskobehaftet+risokoarm)?


ChrisS sagt am 31. März 2017

| @ Julian

Meinst du die Aussage: "2. Keine Depotposition unter 10%. Sonst rebalancen Sie mit Peanuts und die Kaufkosten ruinieren Sie." ?

Da in diesen Faustregeln viel persönliche Auslegungssache ist (zB, wo genau eben auch deine individuelle Kosten/Nutzen-Grenze beim Hinzufügen und Rebalancieren kleiner Positionen liegt), ist es dir eigentlich selbst frei ob du das nun nur auf den risikobehafteten Teil oder gleich aufs Gesamtdepot beziehst (bzw, meist sagt dir einfach schon deine vorhandene Kapitalbasis, welche der beiden Betrachtungen wirtschaftlicher ist - eine 10%-Position in einem 5tausend€ Depot ist halt etwas anderes als eine 10%-Position in einem 500tausend€ Depot zu haben ;-) )

Mehr zu solchen Gedanken beim Rebalancing und Portfolioaufbau geben dir Artikel wie https://www.finanzwesir.com/blog/rebalancing
und hier zur praktischen Umsetzung
https://www.finanzwesir.com/blog/finanzen-im-griff-mit-excel-teil4


Smartinvestor sagt am 31. März 2017

Kein Artikel hat den Marketing Gag Smart Beta bislang verständlicher entlarvt.
Dem Finanzwesir sei Dank für diese Meisterleistung! Er liegt damit auf einer Linie mit den Finanzgrößen Sharpe ("Smart beta makes me sick", “smart beta is a way to exploit stupidity.”) und Bogle (s. Kap. 14: „Index Funds That Promise to Beat the Market - The New Paradigm?“ in dem "Little Book Of Common Sense Investing", das auch als PDF per Google Suche gefunden werden kann).
Er zitiert darin treffend Clausewitz “The greatest enemy of a good plan is the dream of a perfect plan." und rät: "Put your dreaming away, pull out your common sense, and stick to the good plan represented by the classic index fund."


Volatilität sagt am 07. April 2017

Sicherlich meint Buffett nicht einzelnes kostengünstiges Stock Picking mit dem Buy and Hold Ansatz.

Die Kritik bezog sich auf die ganzen aktiven Kapitalverwalter der Hedge Fonds Branche, zu denen kleine Privatkunden eh keinen Zugang haben. Also warum Stiftung X nicht für 0,07 % TER den S&P 500 kauft, sondern Pershing Squaire beauftragt zum klassichen 2/20 - Also 2 % Gebühren p.a. und 20 % Gewinnbeteiligung, daher auch seine damalige Wette gegen den Dachhedgefonds, welche nächstes Jahr garantiert von Buffett gewonnen wird.


skyks sagt am 02. März 2018

Ich bekomme in meinem Kopf die beiden Grafiken des Kursverlaufes und der Performance nicht zusammen. Kann mir jemand helfen zu verstehen wie ich diese zu lesen habe?

Vielleicht hab ich einen groben Denkschnitzer und mir fehlen ein paar Ansätze. Unabhängig woran es liegt, bisher habe ich nicht verstehen können Wieso Performance im Gleichtakt laufen soll (alle Varianten mehr oder weniger), wenn doch die Performancediagramme die ich bei MSCI anzeigen kann ein ähnliches Bild zeichnen wie die Kursverläufe. Über ausreichend lange Zeit gewinnt der Momentum immer.
Bitte stubst mich in die Richtung der Erkenntnis. g Danke im Voraus.


ChrisS sagt am 02. März 2018

@ skyks

"Ich bekomme in meinem Kopf die beiden Grafiken des Kursverlaufes und der Performance nicht zusammen. Kann mir jemand helfen zu verstehen wie ich diese zu lesen habe?"

Ich vermute mal wo die Verwirrung liegen könnte:

Die letzte Grafik ("Performance MSCI World Varianten") hätte eigentlich besser "Jahresrenditen" heißen sollen - das wäre eindeutiger und beschreibt genauer worums hier eigentlich geht.
Und statt Liniendiagrammen lieber üblicherweise mit Balken dargestellt (auch und besonders, um es von den vorigen Kursverlaufs-Grafiken besser zu unterscheiden).

"Wieso Performance im Gleichtakt laufen soll (alle Varianten mehr oder weniger), wenn doch die Performancediagramme die ich bei MSCI anzeigen kann ein ähnliches Bild zeichnen wie die Kursverläufe."

Die Performance (Jahresrenditen) sieht zwar oberflächlich "ziemlich gleich" aus, aber bei genauerem Hinsehen ist es so dass sich schon kleine Prozentvorsprünge über genügend lange Zeit zu größeren Kursvorsprüngen aufkumulieren können.

Auch das wieder wäre didaktisch besser rübergekommen wenn man eine andere Darstellungsform gewählt hätte, zB tabellarisch die Excess Returns der Faktorindizes zu ihrem Benchmark normiert.

"Bitte stubst mich in die Richtung der Erkenntnis"

Smart Beta und Faktoren etc wurden hier auf dem Blog auch schon mehrfach thematisiert, wenn du dir also die Artikel und Kommentare dazu durchliest, wird dir vielleicht einiges klarer


Joerg sagt am 11. April 2018

Kurzanleitung fuer Faktor-Freunde bei Extra-Magazin:
https://www.extra-funds.de/etf-portfolio/70-30-kommer-weltportfolio-2018-variante-3/
Schoene Auflistung der Faktoren SIZE EM QUALITY VALUE MOMENTUM incl. Produkte von iShares und Xtrackers vorgekaut mit Performance, Sparplan-Faehigkeit, etc


CarstenP sagt am 11. April 2018

Hier ein paar Artikel um dem blinden Faktor-Glauben etwas entgegen zu setzen, jaja erhobener Zeigefinger...

Und hier noch eine Merkwürdigkeit, der akademisch definierte Momentum Faktor hat in letzter Zeit in der USA eher schlecht performt, komischerweise hat der iShares Edge MSCI USA Momentum Factor ETF in letzter Zeit sehr gut performt.
Tja, das liegt wohl daran, dass völlig unterschiedliche Stock Picking Kriterien vom ETF verwendet wurden als für den Momentum Faktor vorgesehen und das hat (zufälligerweise) gut funktioniert. Also Vorsicht bei der Produktauswahl, es ist nicht immer drin was drauf steht:

Trick Question: How is the Momentum Factor Performing YTD?


ChrisS sagt am 11. April 2018

Auch noch ein guter Artikel, der mal wieder für einige grundlegende Dinge sensibilisiert, die wir ja auch schon teilweise immer mal angesprochen haben

https://www.factorresearch.com/research-smart-beta-or-smart-marketing

Zwischen dem, was in der finanzakademischen Forschung als "Faktoren" und deren Risikoprämien bezeichnet wird, und dem, was dem Retailinvestor später als "Smart Beta -ETFs" verkauft wird, bestehen schon wesentliche Unterschiede. Damit sollte man sich zumindest grundlegend etwas auskennen, um damit vernünftig umgehen zu können, und keine vermeidbaren Einordnungs-Fehler zu machen.

" Smart-beta ETFs are essentially index trackers with factor tilts that are expressed in slight overweight and underweight positions. Long-short factor portfolios are created by taking the top and bottom of stocks ranked by factors, which results in more extreme portfolios."

Faktoren werden in den Studien zumeist als isoliertes Long/Short Premium betrachtet. Beispielsweise HML-Value, ausgedrückt als Differenz der Rendite der X% Aktien mit dem höchsten book-to-market Verhältnis abzüglich der X% Aktien mit dem niedrigsten BtM. Der Einfluss allgemeiner Marktbewegungen wird also wegneutralisiert und man bekommt die reine "Faktor"-Rendite.
Der Smart Beta ETF ist hingegen noch nur ein "ganz normales" long only Aktien-Portfolio (naja, ein paar richtige long/short ETFs gibts schon, aber das ist noch die Nische in der Nische) - das heißt, selbst wenn mir beispielsweise ein "Value"-ETF einen bestimmten, nach "Value-Kriterien" ausgesuchten Aktienkorb vorselektiert, ist dessen konkrete Rendite trotzdem am Ende immer noch zum weitüberwiegendsten Teil vom "stinknormalen" allgemeinen Marktbeta bestimmt, und die Value-Selektion beeinflusst die Rendite nur noch zu einem kleinen Rest.

"Und hier noch eine Merkwürdigkeit, der akademisch definierte Momentum Faktor hat in letzter Zeit in der USA eher schlecht performt, komischerweise hat der iShares Edge MSCI USA Momentum Factor ETF in letzter Zeit sehr gut performt.Tja, das liegt wohl daran, dass völlig unterschiedliche Stock Picking Kriterien vom ETF verwendet wurden als für den Momentum Faktor vorgesehen und das hat (zufälligerweise) gut funktioniert. Also Vorsicht bei der Produktauswahl, es ist nicht immer drin was drauf steht:"

Der ETF macht was anderes als das "akademische" 12-2 l/s Momentum, aber das ist ja kein Geheimnis sondern wird im Factsheet relativ klar kommuniziert (also bzgl "nicht immer drin was draufsteht", tja ist halt die Frage wem die letztliche Deutungshoheit über die Definition eines Begriffs wie "Momentum" gehört?) für jeden der sich die Mühe macht auch nochmal das kleingedruckte zu lesen.

"A momentum value is determined for each stock in the MSCI parent index by combining the stock’s recent 12-month and 6-month local price performance. This momentum value is then risk-adjusted to determine the stock’s momentum score. A fixed number of securities with the highest momentum scores are included in each MSCI Momentum Index, generally covering about 30% of the parent index market cap. Constituents are weighted by the product of their momentum score and their market cap. Constituent weights for broad MSCI Momentum Indexes are capped at 5%. The indexes are rebalanced semiannually; in addition, ad hoc rebalancing may occur, triggered by spikes in market volatility."

Hier werden im Ggs zur akademischen Theorie eben verschiedene Lookback-Perioden benutzt, auch kommt durch das "risiko-adjustieren" mit der Standardabweichung noch ein gewisser Low Volatility Einfluss mit rein.
Die akademische Theorie kann ihre Untersuchungen auch "im luftleeren Raum" machen, das heißt ohne die ganzen realpraktischen Einschränkungen, mit denen sich ein konkret investierbares Produkt herumschlagen muss:
Unternehmensgröße, Handelbarkeit, Liquidität, Gewichtungsbegrenzungen, Turnover, längere Rebalancing-Intervalle, usw.
Mit all den Unterschieden ist es nicht verwunderlich, sondern zu erwarten, dass sich ETF-Rendite und Faktor-Rendite unterscheiden, aber wie gesagt, am Ende landen wir bei der Bewertung davon immer nur wieder beim Thema aufgeklärter Anleger selbst, also ob er diesen Unterschied überhaupt kennt und zur Einordnung damit richtig umgehen kann.


CarstenP sagt am 11. April 2018

@ChrisS

Der ETF macht was anderes als das "akademische" 12-2 l/s Momentum, aber das ist ja kein Geheimnis sondern wird im Factsheet relativ klar kommuniziert (also bzgl "nicht immer drin was draufsteht", tja ist halt die Frage wem die letztliche Deutungshoheit über die Definition eines Begriffs wie "Momentum" gehört?) für jeden der sich die Mühe macht auch nochmal das kleingedruckte zu lesen.

Das ist natürlich richtig, dass die MSCI Momentum Index Definition klar beschrieben ist und der ETF nichts falsches macht, wenn er diesem Index folgt. Allerdings zeigt der alphaarchitect Artikel ja schön, dass die MSCI Momentum Variante nur noch wenig mit der akademischen Definition gemein hat, es werden andere Aktien ausgewählt, die deutlich weniger Momentum haben. Also jemand, der diesen MSCI Momentum Faktor ETF kauft, bekommt eigentlich einen Mega-Cap Fonds.
Die Ironie dabei ist, dass dieser ETF auch noch super performt hat, während der akademische Momentum Faktor nicht so dolle war. Jetzt stelle man sich mal vor, was passiert wäre, wenn das genau andersherum gewesen wäre...

Letztendlich steckt eine große Beliebigkeit in dem, wie die einzelnen Faktoren definiert und verwendet werden, was man hier am Momentum Faktor mal beispielhaft sehen konnte. Und natürlich wird es Faktor-Fonds geben, die in der Zukunft den breiten Markt geschlagen haben werden, so wie es welche geben wird, die dem breiten Markt hinterherhinken. Die große Frage ist, wie immer, welcher wird der Gewinner sein.


Joerg sagt am 06. Juli 2018

@Geduld&Spucke zu "Auf welche Faktoren/Tilts kann mittelfristig gesetzt werden"? Frage bei https://www.finanzwesir.com/blog/etf-laufende-kosten

1) Ueberperformance von Faktoren, die einfach nachgebaut / von der Masse erkannt / fuer Gross-Anleger verfolgbar sind, werden ziemlich sicher verschwinden.
Value, Momentum, Quality, LowVol halte ich fuer wenig nachhaltig (nur im Rueckblick hat's geklappt). Sie werden erkannt, aufgegriffen, mit Geld zugeschuettet (das dauert etwas) und verpuffen (aehnlich wie erfolgreiche, "gute", aktive Fonds solange Kapitalzufluss haben, bis sie unterdurchschnittlich werden - immer das gleiche Spiel)

Bin ich gegen Faktoren? Nee, ist doch supi! Aehnlich wie die Einzelaktien-Anleger sorgen die Faktor-Hunters fuer eine saubere Index-Hygiene!: Wertvolle Aktien werden im Index prominenter, Aktien angesagter Faktoren bekommen mehr Gewicht -> Index passt sich entsprechend an und spiegelt das wieder!

Der breite Markt ist der Durchschnitt. Ueberperformance kann nur geschehen, wenn es genauso viel Underperformance dazu gibt. Alle aktiven "Investoren-Ameisen" da draussen helfen in einem immerwaehrenden Kampf mit, dass ein Breit-Index-Investment halbwegs "gesund" bleibt.
Was will man mehr ...? Das ist wie im Goldrausch: alle versuchen den Claim, die Ader, den JackPot zu finden (wenigen gelingt es) aber wir Index-Investoren bekommen von allen Findern automatisch den Mittelwert, ohne Risiko, Muehe, Stress.

2) (Ueber?) Performance von anderen Risiko-Praemien werden dagegen eher nicht verschwinden:
a) Political Risk (investierst Du gerne in Unternehmen, die leicht von Autokraten, Kleptokraten, Diktatoren beeinflusst werden koennen?) bleibt, weil nicht jeder den Mut/Wahnsinn/Gleichgueltigkeit dazu hat, dagegen zu halten.
Allerdings eben unter grossen Schwankungen/mit langen Durststrecken. Deshalb: eine Portion EM ist langfrisig vielleicht nicht schlecht? b) Small Caps (Size Risk) koennen nicht so leicht in grossem Stil von Grossanlegern gekauft werden (illiquide; rein geht, aber raus wird schwierig). Das bleibt also deshalb ein Spielfeld fuer "kleine" Spezialisten.
Ausserdem sind kleine Firmen ggfls anfaelliger fuer "lokale Unwetter", Geldversorgung, Wirtschaftszyklen, etc

Deshalb setze ich mittel-langfrisig auf ca. 25% EM und 25% SC in meinem Depot. Alle anderen Faktoren lasse ich bisher weg.

Wer weiss noch einen Faktor/Tilt, der mittelfristig die Chance hat "zu bleiben" (Performance Premium) und warum?


Smartinvestor sagt am 08. Juli 2018

@Joerg:

"Wer weiss noch einen Faktor/Tilt, der mittelfristig die Chance hat "zu bleiben" (Performance Premium) und warum?"

Das ist eine sehr gute Frage. Die habe ich mir vor ziemlich genau 20 Jahren auch schon genau so gestellt und eine bislang zuverlässige Antwort gefunden.
Faktoren/Tilts kannst du dafür jedoch komplett vergessen. Denn wie schon diskutiert, kann kein breit bekannt gewordener, passiver Faktor risikoadjustierte Überrendite bzw. „Performance Premium“ auch nur mittelfristig zuverlässig erzeugen.
Dafür sorgt Overcrowding nach Bekanntwerden bislang sehr zuverlässig. Es macht den Finanzmarkt immer effizienter und fairer für passive Kleinanleger und reduziert jede passiv erwartete Prämie früher oder später auf Null.

Allerdings kann es davor noch ein paar vom Marketing der gierigen Finanzbranche und deren publizistischer Büttel wie u.a. Swedroe, Kommer und Konsorten gehypte, zyklische Überschwinger in beide Richtungen geben.
Die erfreuen dann die Alpha-Jäger. Aber irgendwann merkt auch das letzte Dumb Money die Abzocke nach etlichen verlustreich realisierten Tracking Error Regrets, und die gierige Karavane zieht zu den nächsten Marketing-Gags weiter.
Vor zehn Jahren waren es noch Rohstoff-Index-ETFs und Single-Faktor-Index-ETFs. Jetzt werden die allmählich out, und im Backtest über-optimierte Multifaktor-Index-ETFs sind der letzte Schrei. Wie blöd muss ma sein...

Wie sieht es aber mit Mehrrendite gegen mehr Risiko aus?
Das versuchen natürlich auch sehr viele.
Das hat daher die bekannte Folge, dass die Effizienz-Kurve nach oben rechts abflacht. D.h. die Übernahme von mehr Risiko über riskantere High-Beta-Assets wird nicht adäquat mit mehr Rendite kompensiert, sondern deutlich unter-proportional.
Durch diese Ineffizienz kann daher mit der umgekehrten Strategie, nämlich “Bet Against Beta“ (BAB), eine Prämie erzeugt werden. Dabei wird aktiv High Beta geshortet und Low Beta long gegangen.

Bleibt noch die Diversifikations-Rendite.
Aber auch die hat keine allzu lange Halbwertszeit mehr.
Denn die dafür interessanten, mittelfristigen Korrelationen unter allen Beta-Assets einschließlich langfristigen Anleihen steigen schon seit ca. 20 Jahren aufgrund der Massenjagd auf Diversifikation unaufhaltsam an.
Also ist da auch wieder Overcrowding zuverlässig am Werk, wie nicht anders zu erwarten. D.h. auch diese Prämie ist schon stark geschrumpft und mit wenigen 1/10 Prozentpunkten p.a. kaum mehr der Rede Wert.

Für eine zukunftssichere, langfristige Investment-Strategie mit risikoadjustierter Überrendite taugen also Ansätze nur mit passiven Instrumenten immer weniger, wenn es mehr sein soll.
Anders sieht es hingegen mit der Kombination von passiven und handverlesenen, aktiven Assets aus. Ich setze dafür seit knapp 20 Jahren z.B. auf echtes, reines Alpha mit voll aktiven, alternativen Fonds. Ich habe mich dabei auf long-short Trendfolger und Relative Value Arbitrage mit kostengünstigsten Futures&Options spezialisiert. Das hat sich für mich bislang mit +2% p.a. Gesamtdepot-Überrendite ggü. ACWI IMI und knapp halbierten Drawdowns sehr gelohnt.

Das gelingt aber nur, wenn man die sehr seltenen, wettbewerbsfähigen Quant-Fonds gut verstehen, finden und allokieren kann.
Die dürfen nach meiner Erfahrung nur echtes, reines Alpha erzeugen. D.h. sie müssen unkorreliert zu Beta sein.
Und ihr Alpha muss statistisch signifikant sein. Welchen Fonds es gelungen ist, diese harten Anforderungen in der Vergangenheit zu erfüllen, die haben entsprechende Kernkompetenzen nachhaltig aufgebaut.
Wenn die die dann noch weiterhin aufrechterhalten können, dann verflüchtigt sich deren Alpha nicht so schnell. Das ist ganz ähnlich wie bei gut geführten Firmen aus anderen High-Tech-Branchen, wie z.B. Amazon, Apple, BASF, BMW, Bosch oder Toyota.
Die bleiben auch nur vorne, wenn sie sehr "aktiv" ständig innovieren, um ihre Wettbewerbsfähigkeit aufrecht zu erhalten. "Passiv" auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen führt bald in den sicheren Ruin, wie z.B. bei Kodak.
Als Mitarbeiter eines solchen Technologieführers kenne ich das gut und weiß, woran man solche Fähigkeiten in beliebigen Branchen festmachen kann.

Overcrowding ist bislang seit immerhin 70 Jahren, seit es diese Quant-Fonds gibt, auch kein Problem.
Denn die sind selbst von professionellen Investoren kaum zu verstehen. Und die verwandten Hedgefonds haben allgemein einen sehr schlechten Ruf, was viele davon abschreckt.
Das ist also so ähnlich wie aktives „Deep Value Investing“. Das kenne ich zwar nicht näher, aber ein paar Spezis, die das machen.
Deren Alpha dürfte auch noch lange erhalten bleiben. Denn an beides trauen sich nur die Hartgesottenen ran. Nur wenn die es wirklich "drauf haben", werden die dann reichlich entlohnt.
Aber es gilt wie immer auch hier: „There is no free lunch“. Wegen dieser hohen Hürden hat es m.E. also eine sehr gute Chance, langfristig "zu bleiben".

Im „Onanisten-Blog“ beschreibe ich das gerade detailliert. Wer echtes Interesse daran hat, bitte (offline) melden.
Ich teile gern meine Erfahrungen damit. Im Gegensatz zu Value Investoren wie „Motley Fool“ gibt es bislang leider nur sehr wenige, die das „drauf haben“ und mit denen man sich gut darüber austauschen kann. Ist aber vermutlich auch ein Nachhaltigkeitsfaktor.

Die empfehlenswerte "Alpha-Bibel" mit einem guten Gesamtüberblick ist "Capital Ideas Evolving" von Peter Bernstein. Auch Bogle sen., dessen Sohn erfolgreich Hedgefonds-Strategien fährt, empfiehlt dieses Standard-Werk als das Beste:

"A lot has happened in the financial markets since 1992, when Peter Bernstein wrote his seminal Capital Ideas. Happily, Peter has taken up his facile pen again to describe these changes, a virtual revolution in the practice of investing that relies heavily on complex mathematics, derivatives, hedging, and hyperactive trading. This fine and eminently readable book is unlikely to be surpassed as the definitive chronicle of a truly historic era."


Geduld+Spucke sagt am 09. Juli 2018

In der Tat scheint dieser Thread besser zum Thema Faktorinvestments zu passen.

@CarstenP

"Bei Punkt 3 bin ich skeptisch"

Das bin ich auch. Halte es aber per se nicht für unmöglich. Und wenn Herr Kommer diese Möglichkeit in Betracht zieht, will ich sie nicht vorschnell verwerfen.

@Jörg
Warum hälst Du gerade Value für vergänglich? Der Value Ansatz ist mindestens seit Graham (1940er Jahre?) publiziert. Trotzdem scheint der Faktor bis in die jüngste Zeit wohl funktioniert zu haben? Warum sollte er gerade ab heute verschwinden? Insbesondere wenn Value an ein höheres Riskio gekoppelt ist?

Umgekehrt, wenn political Risk in der Vergangenheit Überrenditen gebracht hat, warum sollten die Anleger nicht diesen genauso zum Verschwinden bringen? Letztlich ist der EM-Fonds ja auch nur eine WKN, die man in die Ordermaske eintippt. Man tippt ja nicht Putin, Erduan, Orban, etc. ein ;-) Wenn political Risk und Value an höhere Risiken gekoppelt sind, sollten auch beide überleben, oder keiner?


Smartinvestor sagt am 25. Juli 2018

@Geduld+Spucke

"Und wenn Herr Kommer diese Möglichkeit in Betracht zieht, will ich sie nicht vorschnell verwerfen."

Das ist für mich ein ganz klares Gegenargument. Denn Kommer hat den ähnlich unzureichenden, empirisch ermittelten, angeblichen Diversifikationsnutzen von passiven Rohstofffutures-ETFs auch völlig falsch eingeschätzt und noch bis vor kurzem als vorteilhaft empfohlen.
Jetzt (erst) Jahre nach den meisten anderen Meinungsführern inklusive seinem Zitatgeber Swedroe ist er umgekippt.

Bei den extrem schwierigen Einschätzungen im reflexiven Finanzmarkt halte ich mich dagegen schon immer an den weltweit hoch anerkannten Bogle und bin damit bislang sehr gut gefahren.
Das kann ich jedem sehr empfehlen. Denn er hatte schon vor über 60 Jahren in den 50er Jahren (!) die jetzt zur Realität gewordene Vision des aus rein logischen Gründen überlegenen, passiven Investierens mit marktbreiten Indexfonds.
Daher bin ich in die für mich sehr vorteilhaft (niedrigste Kosten, Seelenfrieden) ohne Zögern ab Verfügbarkeit in D um 2000 komplett umgestiegen. Vor den passiven Rohstoff-Invests hat er mich ebenfalls sehr vorteilhaft bewahrt (keine vermögensschädliche Realisierung von Tracking Error Regret wie Kommer jetzt in seiner neuesten Auflage von "Souverän investieren" beschrieben).
Mit seinem strikten Abraten von unlogischem, passivem Factor Investing wird Bogle sicher wieder genauso recht behalten und vor völlig unnötigen Vermögensschäden und Zeitverschwendung durch Hin- und Herüberlegen schützen.

"Der Value Ansatz ist mindestens seit Graham (1940er Jahre?) publiziert. Trotzdem scheint der Faktor bis in die jüngste Zeit wohl funktioniert zu haben? Warum sollte er gerade ab heute verschwinden?"

Der Value-Faktor funktioniert natürlich bis heute und wird es sicher noch weiter tun, indem er den Markt durch unterscheidbare Eigenschaften segmentiert, so wie der Weltmarkt durch Regionen oder Branchen mit unterscheidbaren Eigenschaften segmentiert wird. Aber was hilft das einem Normalanleger?
Die Asset Allocation in Aktien, Anleihen und Alternative bestimmt ca. 90% des langfristigen, durchschnittlichen Anlageergebnisses, d.h. in den letzten 20 Jahren ca. 4,5% von 5% p.a. D.h. ganze ca. 0,5% bleiben also für alle anderen Enflussfaktoren!
Und der Value-Faktor ist davon nur ein sehr Zweifhafter unter vielen anderen. Warum also überhaupt einen müden Gedanken daran verschwenden, wenn dessen geringe Relevanz so klar auf der Hand liegt? Dann schon lieber sichere Gebühren-/TD- und Steuerunterschiede in derselben Größenordnung, wenn überhaupt, jagen???

Der (aktive Deep) Value Ansatz nach Graham ist dabei nur vom Prinzip her ähnlich.
Er funktioniert aber nur sehr aktiv mit kleinsten, möglichst exotischen Titeln und Direktbeteiligungen mit ausreichend tiefem Verständnis langfristig zur systematischen Erzielung von risikoadjustierter Mehrrendite. Buffett sieht m.W. mit seinem Riesentanker selber kaum noch Chancen auf Outperformance trotz sehr kompetentem aktivem Management auf Basis Value Investing.
D.h. passives Value Factor Investing ist erst recht absolut sinnfrei und ganz sicher nachteilig für den damit von der raffgierigen Finanzbranche mit höheren Gebühren und Transaktionskosten abgezockten Normalanleger!

Relativ gut funktionieren nach meiner Erfahrung noch ebenfalls verwandte aktive Relative Value Arbitrage Hedgefondsstrategien, am besten Macro mit kostengünstigsten Futures, die hoch gehebelt long und short kleinste, kurzfristige Bewertungsunterschiede gezielt als reines Alpha ausbeuten.
Das habe ich im "Onanisten-Thread" zum Nachlesen genauer beschrieben.

"Insbesondere wenn Value an ein höheres Riskio gekoppelt ist?"

Für höheres systematisches Risiko gibt es im langfristigen Durchschnitt meistens eine höhere Rendite.
So wahrscheinlich auch für das riskantere Value-Segment. Aber eine höhere Rendite kann man mit einer Erhöhung z.B. des Anteils an Standard-Aktienindexfonds im Portfolio wesentlich effizienter erzielen.
Denn die Effizienzkurve flacht zu höheren Risiken hin ab. D.h. die Übernahme von mehr Risiko durch Investition in ein riskanteres Marktsegment wird nicht proportional mit entsprechend mehr Rendite kompensiert, sondern nur unterproportional.
Denn das versuchen die meisten Marktteilnehmer und reduzieren die Mehrrendite unter den eigentlich zu erwartenden Wert. Das ist ähnlich wie wenn man freiwillig Überstunden für den halben Stundensatz leistet.
Man begnügt sich für mehr Leistung (= Übernahme von mehr Risiken durch einen Minderlohn). Was macht es also für einen Sinn, es der Masse gleichzutun?? Das war im reflexiven Finanzmarkt langfristig immer nachteilig!

Ergo, eure Skepsis ggü. angeblich leicht verdienter Mehrrendite aus passiver Investition in den Value Faktor ist wohl fundiert. Immer wenn etwas zu gut klingt , um wahr zu sein, ist es so.

Lasst euch also nicht von irgendwelchen selbsternannten Experten irritieren. Der hochdotierte Physiker, Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Fisher Black (Bewertungsmodelle für Optionen) wird dazu passend von William Sharpe (CAPM, Sharpe-Quotient) in "Capital Ideas Evolving" von Peter Bernstein, das den aktuellen Erkenntnisstand nach meiner Meinung und der von Bogle und vielen anderen anerkannten Finanzexperten am besten beschreibt, zitiert:

"you should put your trust only in logic and theory and forget about statistical empirical results.”!!!

Das habe ich mir auch seit 20 Jahren erfolgreich zum Grundprizip gemacht und kann es jedem wärmstens empfehlen.
D h. man sollte sehr sehr gut verstehen, was man macht, um risikoadjustierte Mehrrendite gegen einen schon sehr effizienten Markt zu erzielen. Was uns Kommer erst mit passivem Single- jetzt mit Multi-Factor Investing aka Smart Beta aka Very Dumb Alpha weißmachen will, ist für rationale Investoren einfach nur irrelevante, tumbe Finanzpornographie, genau wie seine Empfehlung von passiven Rohstoff-ETFs zuvor und jetzt plötzlich nicht mehr.
Kommer verbreitet hier ganz offensichtlich verwirrende, kurzlebige Anlagemoden, aus welchen Gründen auch immer.
Haltet euch lieber an die konstanten Größen wie z.B. Bogle, Swensen oder Finanzwesir, die unisono von dem Schrott abraten oder zumindest nicht Normalanleger verwirrend zuraten.


Sunnyberny sagt am 25. Juli 2018

@Smartinvestor
Ich finde du gehst mit deiner „Kommer-Hetze“ zu weit. Wer sein Buch (Souverän...) gelesen hat sollte eigentlich wissen dass 95% davon ein im deutschen Buchmarkt vor ihm nicht existierende Plädoyer für passives breit gefächertes investieren ist.
Das ist und bleibt sein Verdienst.
Nur in den letzten 5% geht es dann um konkrete UmsetzungsMÖGLICHKEITEN. Das Tolle an dem Buch ist, dass diese 5% streng genommen gar nicht nötig wären und Kommer dies auch so vermittelt.
Der mitdenkende Leser hat alles Rüstzeug sich „sein Weltportfolio“ selbst zusammen zu stellen, und kann auch bewusst entscheiden ob bestimmte Tilts (zb small caps, Überbewertung EM etc) für ihn in Frage kommen oder nicht.
Ich stimme mit Kommer bei Smart Beta auch nicht überein bzw könnte es nur mit Bauchschmerzen umsetzen, aber dh nicht dass man ihn darauf (dh auf die 5% seiner Aussagen) reduzieren sollte.
Sein Hauptverdienst liegt darin aktives Investieren zu zerpflücken, und Investieren auf eine wissenschaftliche Basis statt auf „Marktgeschrei“ zu fundieren. Wenn du das als Investment Pornographie verstehst, geht das für eine rational begründete Kritik zu weit.


Smartinvestor sagt am 26. Juli 2018

@Sunnyberny

"Nur in den letzten 5% geht es dann um konkrete UmsetzungsMÖGLICHKEITEN."

Dann liegt dir eine andere Ausgabe des "Kommer" vor als mir. Ich beziehe mich genau auf diese aktuelle von 2018. Darin weist Kommer in der Einleitung extra darauf hin:

"Der Abschnitt 5.11 (Factor-Investing/ Smart Beta Investing) wurde stark erweitert und modernisiert."

Der gehört zum Kap.:

"5 Grundprinzipien einer überlegenen Anlagestrategie: Indexing".

Darunter kommt dieser ominöse Abschnitt mit 1/3 der gesamten Kapitel-Länge eindeutig als inhaltlicher Schwerpunkt von Kommers merkwürdiger und schlichtweg falsch bezeichneten "passiven" Anlagestrategie:

"5.11 Factor-Investing (Smart Beta Investing) – Passiv anlegen mit Turbo"

Sorry. Aber das würde ich ganz eindeutig als typisch marktschreierisch bezeichnen, das jeglicher seriösen wissenschaftlichen Basis entbehrt, selbst für die grauenhaft nachlässige Factor Community!
Denn mit einem "Turbo" (im KFZ) verbindet man gemeinhin einen wesentlichen Leistungszuwachs im mittleren 2-stelligen Prozentbereich! Hier geht es aber im günstigsten Fall um 1/10 Prozentpunkte.
Außerdem fällt auf, dass der "Turbo" der einzige nichtfachliche Begriff im gesamten Inhaltsverzeichnis ist! Das soll also ganz zweifelsfrei genau diese finanzpornographische Gier auslösen, von der Kommer mit seinen Faktorfonds von dem sektenähnlichen US-Dreibuchstabenverein "DFA" primär lebt.

Unter Kap. 5.11 kommen dann zig Seiten Hard Core Finanzporno mit Prämien über Prämien, genau wie in den Büchern seines primären Zitatgeber und US-Faktoreinpeitschers Swedroe:

"5.11.1 Was ist Factor-Investing? Was sind Faktorprämien?
5.11.2 Allgemeine Eigenschaften von Faktorprämien
5.11.3 Die wichtigsten Faktorprämien bei Aktien (a) Die Small-Size-Prämie (b) Die Value-Prämie
(c) Die Faktorprämien Momentum und Quality (Profitability) (d) Weitere Faktorprämien bei Aktien, die weniger attraktiv erscheinen
5.11.4 Die Political-Risk-Prämie bei Aktien und Anleihen
5.11.5 Faktorprämien bei Anleihen
5.11.6 Kann man auf Factor-Investing verzichten? "

Und dann erst kommen die "konkreten UmsetzungsMÖGLICHKEITEN", die du vermutlich aus älteren Versionen kennst. Davon bestehen jetzt genau 50% (! nicht nur 5%!) aus Faktorvarianten!
Und die 2 Faktor-Varianten von 4 enthalten nicht nur wie bisher Beimischungen, sondern bestehen zu unfassbaren 75-80% aus dem in den höchsten Tönen marktschreierisch angepriesenen Turbo-Faktor-Schrott:

"Weltportfolio-Variante 1 ohne Faktor-Investing
Weltportfolio-Variante 2 ohne Factor-Investing, mit Beimischungen
Weltportfolio-Variante 3 – einfaches Multi-Factor-Investing
Weltportfolio-Variante 4 – integriertes Multi-Factor-Investing"

Auch hier wieder zum dramaturgisch krönenden Abschluss der ultimative Doppelturbo-Multifaktor-Schrott.

Damit ist eine jungfräuliche Finanzseele sehr sicher nachhaltiger gehirngewaschen und für immer verdorben als Kommers nach seiner eigenen DFA-Gehirnwäsche in gefestigterem Alter. Das ist so als wenn der erste Aufklärungsunterricht in der Schule zu 1/3 aus bestem 3D 4k Hard Core Porno besteht.

Im Finanz-Onanisten-Thread findest du das zu erwartende Ergebnis dieser Finanzaufklärung der totalen Anfängerin (!) Tanja (auf der Seite einfach nach "Tanja" suchen) mit Hard Core Finanzporno, die sich durch ihren Beitrag als 1%-Spitze vom Eisberg aller Anfänger tapfer outet:

"Ich bin totale Anfängerin, hab vor ca. drei Monaten mit dem Thema Geldanlage angefangen." "Ich möchte zuschlagen! Aber "normale" ETFs? Jetzt hat Kommer es geschafft, dass ich auf Multifaktor setzen möchte. Ich finde, wenn man sich einfach daran hält, was er als mehr oder weniger geeignet befindet, macht man bestimmt nichts falsches."

Und das nach all der ständigen Predigt des Finanzwesirs und vieler anderer wackerer Finanzblog-Betreiber und Printmedien, dass sich Anfänger und Einsteiger vor allem erstmal an die "Brot&Butter-Indizes" halten sollen. Aber selbst gegen dieses Störfeuer der verhassten autonomen Blogger hat dieser Kommer mit seinem darauf abzielenden Hinweis gut vorgesorgt:

"Zwar veröffentlichen viele Finanzblogger Artikel zu Smart-Beta-Themen, doch die meisten bewegen sich eher an der Oberfläche oder enthalten substanzielle Fehler ...sind nach meinem Eindruck beinahe durch die Bank sensationalistisch, holzschnittartig und/oder voreingenommen."

Daraus spricht ein echter Marketing- und Sales-Profi, der an alle störenden Einflüsse denkt.
Das mit Tanja ist leider beileibe kein Einzelfall. Ich habe so ähnliche Beiträge von Anfängern, die zumindest noch letzte Zweifel an dieser Kommer-ziellen Faktor-Wunderwelt hatten, in diversen Finanz-Blogs und -Foren schon sehr oft gelesen. Das ist aber nur 1% einer vermutlich kleinen Minderheit von Anfängern, die nach solch prägender Gehirnwäsche überhaupt noch zu Zweifeln fähig waren.

Ich weiß selber nicht, ob ich bei der gekonnten, pseudo-wissenschaftlichen Eloquenz, die für viele der gut verdienenden und akademisch gebildeten Schicht aus den dort überwiegenden MINT-Fächern in D wohl sehr attraktiv ist, noch zu Zweifeln fähig gewesen wäre.
Aber Ende der 90er Jahre gab es zu meinem großen Glück nichts anderes Vernünftiges als das Beste, was es überhaupt je gab, die original "Bogle Bible".
Damit war ich fortan gegen all solche Anfechtungen sicher gewappnet. Und ich konnte damit die ganz wenigen wirklich wertvollen Finanzinnovationen (seitdem nur Index-Fonds, ETFs und reine Alpha-Fonds/LAs) schnell erkennen und habe mich, sobald das sinnvoll war, ohne viel Abwägen dafür entschieden und musste das nie bereuen, ganz im Gegensatz zu Kommer mit seinen unsinnigen passiven Rohstoff-ETFs.

Und diese Entscheidungssicherheit möchte ich hier gern so wirksam wie möglich weitergeben. Wenn das rechtzeitig vor der Kommer-ziellen Gehirnwäsche erfolgt, ist sicher noch was zu retten.
Und wenn über diese Interessenkonflikte gut fundiert aufgeklärt wird, wie z.B. in dieser Top-Kundenrezension des neuesten Kommer-Werks bei Amazon, findet das großen Anklang.
Denn mündige Leser und Anleger begrüßen es sehr, wenn sie erfahren, wie sie von anmaßenden Schein-Autoritäten erst für dumm verkauft und dann scheinheilig abgezockt werden sollen.

Ja, das zerstört leider viel wenn nicht restlos alles von Kommers guter Aufbauarbeit für anlegerorientiertes, echt passives Investieren.
Oder was würdest du von einem Pfarrer halten, der am Sonntag von der Kanzel gegen Sex vor der Ehe wettert und zur Aufbesserung seines Einkommens noch ein einschlägiges Etablissement im Nebenerwerb betreibt?

"Sein Hauptverdienst liegt darin aktives Investieren zu zerpflücken, und Investieren auf eine wissenschaftliche Basis statt auf „Marktgeschrei“ zu fundieren."

Aus meiner Sicht drischt er mit dem "Zerpflücken" leider nur noch vertrauensheischend auf eine leicht andere Variante aktiven Investierens ein.
Damit versucht er überaus raffiniert, von der Abzocke durch seine eigene, auch noch sehr tumbe Variante aktiven Investierens mit Very Dumb Alpha als angeblich besseres, passives Investieren im Vergleich zum echt passiven Original nach Bogle im bewährten Finanzporno-Stil abzulenken.

Sex sells bzw. Gier frisst Hirn, wie bekannt.
Damit missbraucht er m.E. SEIN selbstloses Werk schändlichst. Und wenn du vielleicht weißt, auf welche Mrd.-Profite Bogle zugunsten von 100en Mrd.-Profiten für Kleinanleger im kämpferischen Dauereinsatz gegen diese ganze Finanz-Mafia bis ins Greisenalter verzichtet hat, kannst du vielleicht meine Motivation gegen diese dahergelaufenen Profiteure ein kleines bisschen verstehen.
Die machen mich nämlich genauso krank wie diesen von CarstenP dankenswerterweise verlinkten Zeitgenossen: "Smart Beta Is Making This Strategist SICK"](https://www.institutionalinvestor.com/article/b16x0v5q14ky2k/smart-beta-is-making-this-strategist-sick).

Den Schrott selber siehst du ja zum Glück ähnlich kritisch wie ich.
Aber den gibt es überhaupt nur zur Bereicherung all der Finanz-Zwischenhändler inkl. Kommer, Swedroe und Konsorten.
Da braucht es doch nicht zu wundern, wenn er nach seinem eigenen Vorbild genauso zerpflückt wird. Das fordert er doch geradezu heraus. Im Abspann hier noch zwei zentrale in ihrem Widersinn nicht zu übertreffende, aufeinanderfolgende Aussagen zum Kommer-ziellen Investment-Ansatz:

"Passives Investieren – keine risiko- und kostenerhöhenden Versuche, “den Markt zu schlagen”, also kein Stock Picking und kein Market Timing."

"Erzeugung einer erhöhten Renditeerwartung durch Nutzung so genannter Faktor-Prämien (Smart Beta Investing)."

Denn was ist denn die "Erzeugung einer erhöhten Renditeerwartung" anderes als "Versuche, “den Markt zu schlagen”???
Da weiß man, was dort gespielt wird. Das ist hochkompetentes Marketing für Abzockerprodukte. Denn wenn ein Kunde das ohne nachzufragen schluckt, oder wie er dazu ggf. nachfragt, daran erkennt der Profi-Verkäufer genau, was er mit dem alles machen kann.


Gainde113 sagt am 27. Juli 2018

@ Smartinvestor
Du könntest ja deine Buchrezension direkt auf Amazon posten ;-)


Joerg sagt am 27. Juli 2018

@gainde113 Nicht gelesen?
Hat er doch Smarties=Norbert auf Amazon


Sunnyberny sagt am 27. Juli 2018

@Smartinvestor

Ich glaube wir beziehen uns schon auf die gleiche Ausgabe.
Meiner Meinung nach sind Kapitel 5.11 und 7 nur technische Umsetzung, Smart-Beta oder nicht ist ein Detail, das an den Grundaussagen des Buchs nichts aendert: Aktien langfristig anderen Asset-Klassen ueberlegen, investieren sollte passiv, global, breit gefaechert, steuerminimierend und kostenguenstig erfolgen.

Das Kommer Buch ist so konzipiert, dass derjenige der diese Grundideen verstanden hat, auch ueber alles Ruestzeug verfuegt, die Umsetzung selbst zu gestalten.
Meiner Meinung nach ist dies sogar unabdingbar.
Wenn jemand blind einer Empfehlung folgt (sei es Kommer, Finanzindustrie etc), bleibt er anfaellig es zu einem spaeteren Zeitpunkt wieder zu tun (und dann zB im Crash alles verkaufen weil irgendjeman es ihm empfiehlt).
Jeder braucht seine Strategie, von der er 100% ueberzeugt ist, damit er sie auch konsequent durchzieht (das ist schwer genug). Das Kommer Buch kann die Hausaufgaben des einzelnen nicht ersetzen, und will es auch nicht (Kommer sagt selbst dass diese Hausaufgaben sehr viel Zeit brauchen).

Inhaltlich gebe ich dir sicherlich in einigen Punkten recht, und man koennte das auch vernuenftig diskutieren aber in der Art und Weise (“Abzockerei”, “Kommer-ziell”, “Schrott”, “Very Dumb”, “schaendlicher Missbrauch”, “Finanz-Mafia”, “dahergelaufene Profiteure") schiesst du meiner Meinung nach deutlich ueber das Ziel hinaus (daher auch mein etwas provokativer Vorwurf der “Hetze”).
Das ist keine inhaltliche Kritik sondern rein emotional bis hin zu menschlich abwertend.

P.S.: Ich arbeite selbst fuer die "Finanz-Mafia”, allerdings im nicht-privaten Sektor (dh deine Pauschalbeleidigungen gelten letztlich auch Menschen wie mir).
Ich kann dir jedoch versichern, auch hier ist nicht alles schwarz und weiss - letztlich sind wir alle nur Menschen.
Jede Industrie hat positive und negative Seiten: genauso gut koenntest du die “Pharma-Mafia”, die “Auto-Mafia”, “die Lebensmittel-Mafia”, “die Berater-Mafia" etc. betiteln - ueberall fallen mir Beispiele ein in denen das Wohl einiger weniger ueber das Wohl der Kunden gestellt wurde.


Geduld+Spucke sagt am 27. Juli 2018

@Smartinvestor

Leider viele lang und deftig ausgeführte, jedoch durch nichts belegte, Vorwürfe an Kommer, den unwissenden Anlegerneuling zu übervorteilen.

Faktorinvesting ist sicher kein Markettiming, aber auch nicht wirklich Stockpicking. Zur Erläuterung:

Ich denke wir sind uns einig, daß sich Anleihen und Aktien von ihrem Rendite/Risikoprofil deutlich unterscheiden, daß ein Protfolio aus Anleihen also anders performt als eines aus Aktien.
Trotzdem sind beides irgendwie Wertpapiere in Wertpapierdepots und Teil "des Marktes". Warum sollte jetzt aber die Klasse der Aktien nicht noch weiter in Untergruppen zerfallen, wie z.B. small cap und large cap mit leicht unterschiedlichen Eigenschatften?
Das heißt nicht, daß jede small cap Aktie besser performt als jede large cap. Aber es scheint doch durchaus plausibel, daß sich Aktien mit einer bestimmten Charakteristik im statistischen Mittel anders verhalten können, als Aktien mit einer anderen Charakteristik.
Die offene Frage wäre noch, und hier wird Herr Kommer schwammig in seinem Werk, ob die unterschiedliche Performance mit einem höheren Risiko erkauft werden muß. An sich würde man das erwarten.

Aber Aktien in Unterklassen zu zerlegen nach statistischen Kriterien und selektiv zu kaufen ist etwas anderes, als klassisches Stockpicking zu betreiben a la: "Ich kaufe mir nur die guten Aktien und die schlechten lasse ich weg."


Sunnyberny sagt am 28. Juli 2018

@Smartinvestor

Als kleiner Nachsatz: einige deiner Behauptungen scheinen (vorsichtig formuliert) zumindest zweifelhaft. Ein kleines Beispiel: mit der Aussage "hochkompetentes Marketing für Abzockerprodukte" unterstellst du (1.) eine direkte Beziehung zwischen Kommer und dem von ihm im Buch erwaehnten ETFs (ich schreibe bewusst erwaehnt und nicht empfohlen) und (2.) exorbitante Gebuehren dieser Produkte, die die anderer ETFs um ein Vielfaches uebersteigen.

Zu (1.) Kommer nennt in seinem Buch Multi-Faktor ETFs von 3 Anbietern (iShares, Lyxor sowie Source), und weisst zugleich darauf hin, dass andere Anbieter in Zukunft aehnliche Produkte anbieten koennten, die dann ebenfalls in Frage kaemen. Kommer bleibt dementsprechend Anbieter-neutral und betreibt kein Marketing fuer einen bestimmten Anbieter. Oder spielst du wie von dir ebenfalls angedeutet auf eine Beziehung zu DFA an? Diese spielt jedenfalls im Buch (und nur darum geht es hier) an keiner Stelle eine Rolle, DFA wird lediglich als Datenprovider verwendet (aehnlich wie MSCI).

(2.) Die angegebenen Fonds weisen eine TER zwischen 40bp und 55bp auf. Klar, das ist heutzutage nicht ohne, aber deutlich weniger als die wohl meisten aktiven Fonds. Zudem erinnere ich mich an aehnliche TERs fuer EM ETFs vor einigen Jahren. Es gibt auch heute noch viele andere ETFs mit aehnlicher TER (zB den SPDR MSCI ACWI mit einer TER von 40bp und einem Volumen von 1.2 Mrd Euro, oder den iShares MSCI World mit einer TER von 50bp und einem Volumen von 4.8 Mrd Euro).

Leider ist es schwierig deiner Argumentation zu folgen, meiner Meinung nach verschwimmen durchaus valide Kritikpunkte (zB "Einsteiger sollten nicht mit Smart-Beta starten") mit allgemeinen Anschuldigungen die fast schon an Verschwoerungstheorien grenzen (zB "Kommer betreibt hochkompetentes Marketing für Abzockerprodukte"). Fuer Diskussion bin ich immer gerne, aber eben nur auf sachlichem Niveau.


Smartinvestor sagt am 28. Juli 2018

@Sunnyberny
Schaust du mal hier: "Arschgeficktes Gummientchen... Double-Penetration erst von innen und dann irgendwann auch von außen... eure Bank um die Ecke, ein Finanzpornoladen der übelsten Art... Fuck you all... "
Da geht also noch viiieeel mehr - und das ist seeehhhr vernünftig, wenn es um diese weitaus mafiöseste aller Branchen geht… :-p

Das zweitumfangreichste Kapitel 5 “Grundprinzipien einer… Anlagestrategie” von insgesamt 12 mit “nur technischer Umsetzung” gleichzusetzen, ist auch eine interessante Sicht.
Warum hebt dieser Kommer die starke Erweiterung und Modernisierung dessen umfangreichsten Abschnitts 5.11 (Factor-Investing/ Smart Beta Investing) dann wohl extra so hervor, wenn das so unbedeutend für einen um anwendbares Wissen bemühten Normalanleger sein soll?


Sunnyberny sagt am 29. Juli 2018

@Smartinvestor

Was willst du mit dem Link sagen? Ich verstehe es wirklich nicht.
Sachliche Diskussionen wie gesagt gerne aber für zusammenhangslose, langatmige, durch keinerlei Fakten belegte Posts, ohne Argumente aber voller Pauschalisierung bis hin zu deftigen Beleidigungen mit infantilen Kraftwörtern, ist mir meine Zeit wirklich zu schade. Sorry :-(


Smartinvestor sagt am 30. Juli 2018

@Sunnyberny

„Oder spielst du wie von dir ebenfalls angedeutet auf eine Beziehung zu DFA an?“

Kommer ist bekanntlich ein Fan von DFA-Fonds, die er sicher auch vertreibt. Seine Gehirnwäsche dort, die jeder Vertriebspartner über sich ergehen lassen muss, kann ursächlich für seine bedauerlichen Fehltritte sein.

@Alle:

Ich dachte meine ausführlichen Beiträge zu Smart Beta im „Finanz-Onanisten-Thread“ sind bekannt.
Mit deren Wiederholung wollte ich nicht nerven.
Im Trader-Thread habe ich meine Smart-Beta-Kritik noch tiefer mit komplexer Systemtheorie fundiert, wer es ganz genau wissen möchte. ;-)


Smartinvestor sagt am 03. August 2018

@Sunnyberny

„Was willst du mit dem Link sagen? Ich verstehe es wirklich nicht.“

Sorry. Ich wollte nur auf übersehene Missstände deutlich aufmerksam machen und zum Nachdenken anregen. Denn ich stoße oft auf Depotvorschläge von Kommer-geschädigten Anfängern, die durch (Multi-)Faktor-ETFs verkorkst sind. Dazu liest man meistens ähnliche Begründungen, wie z.B. von Tanja am 01. Juni 2018 im Finanz-Onanisten-Thread:

"wenn man sich einfach daran hält, was er als... geeignet befindet, macht man bestimmt nichts falsches."

Bei vielen Themen hat er ja Recht. Aber das ist die Wurzel allen Übels. Denn bei bestimmten Themen nutzt er seinen erarbeiteten Kommer-Bonus in anlegerschädlicher Weise. Das ist das typische Vorgehen smarter Dealer.

Dieser Kommer entblödet sich nämlich nicht, in seinem neuesten Buch „Souverän investieren“ mit „Passiv investieren mit Turbo“ für Smart Beta auffallend unsachlich zu trommeln.
Er setzt dazu in seinem zur Bibel passiven Investierens in D hochstilisierten Werk somit eindeutig Finanzpornographie ein. Die schürt bei ungefestigten Gemütern die Gier nach diesen Schrottprodukten mit der angeblichen Turbo-Performance! Die hier verlinkten kraftvollen Worte sollen daher die eigentlich um Aufklärung bemühten Leser aufschrecken, und zwar stilechten Branchen-Jargon.

Das soll zum Nachdenken über den weit verbreiteten "Authority Bias" animieren. Denn Respektlosigkeit wirkt oft Wunder, wie im verlinkten Thread erstaunlich schnell gelungen.
Warum hat selbst unser sonst absolut sachlicher Finanzwesir wohl den treffenden Begriff "Very Dumb Alpha" geprägt (nein, der und alle anderen aus einschlägigen Finanzthemen-Quellen zusammengetragenen "infantilen Kraftwörter" stammen nicht von mir)? Die heilsame Wirkung habe ich mir hier aber wohl vergeblich erhofft. Nun gut, dann versuche ich es nochmal von Neuem, Erleuchtung zu verschaffen.

Der inhaltliche Bezug zu diesen zur Selbstbereicherung erdachten Marketing-Gags ist neben der schon wiederholt verlinkten Bogle Bible z.B. auch in dem hier ebenfalls wiederholt verlinkten Artikel "Smart Beta Is Making This Strategist SICK" kristallklar nachzulesen:

„Aufaddiert sind die Fakten Lügen“

„Das ist ein schwerer Vertrauensbruch“

„Die ursprünglichen Smart-Beta-Faktoren funktionieren nicht, und die dahinterstehende Wissenschaft ist bekanntlich fehlerhaft. Aber niemand sagt das dem durchschnittlichen Investor, weil da kein Profit drin ist.“

Der über alle Zweifel erhabene Vanguard-Artikel Joined at the hip: ETF and index development sollte restlos jeden aufrütteln, der dafür immer noch mehr Faktenbelege braucht. Darin wird schonungslos offengelegt, wie die Finanz-Betrugsmaschine einschließlich Indexgeber diese tumben Finanzprodukte so ausbildet, dass die ihre Mehrrendite im Durchschnitt nur genau bis zu deren Auflage werbewirksam faken.
Dann bricht diese jäh ab. Und Under-Performance setzt ein, die den überhöhten Kosten entspricht.

Das ist ganz ähnlich den bisherigen Haupt-Abzockerprodukten, den aktiven Publikumsaktienfonds. Die werden von Kommer vertrauensheischend zerpflückt, um dann andere Abzocker-Produkte in grün pseudo-wissenschaftlich verkompliziert hochzujubeln. Wie durchsichtig ist denn das? Da braucht sich doch niemand zu wundern, wenn das ebenfalls zum Zerpflücken des Zerpflückers reizt.

Das autoritäts- und wissenschaftsgläubige Dumb Money merkt diesen Betrug jedoch leider nicht, weil Kommer, Swedroe und Konsorten die Gier dafür mit Finanz-Pornographie - missbräuchlich eingebettet in Boglesche Finanzratio - geweckt hat.
Die vernebelt die Sinne, verhindert kritisches Nachdenken, verwirrt gleichzeitig durch völlig sinnfreie Verkomplizierung und treibt Anleger endlich wieder in deren Fänge. Die unkontrollierte Fehlsteuerung im Oberstübchen aus der Steinzeit hindert die Meisten leider daran, diese Manipulation zu durchschauen.

Daher wollte ich hier bewusst störend beleuchten, dass dieser Kommer nach seiner Aufbauarbeit passiven Investierens nun leider zum Fahnenträger dieser Massenverblödung mutiert ist, um seinen eigenen Laden florieren zu lassen.
Denn meist nur solch ein Schlag auf den Hinterkopf kann den daran Interessierten nach bereits eingetretener Verblödung den notwendigen Gegenimpuls versetzen, um davon wieder loszukommen, wie von einer Sucht. Siehe dazu Tanja's Geständnis einer Angefixten:

"Aber "normale" ETFs? Jetzt hat Kommer es geschafft, dass ich auf Multifaktor setzen möchte."

Mein erster, für manche offenbar verstörender Verweis auf die ähnlich kritische Amazon-Rezension hier vor einer Woche hat jedenfalls unglaublich vielen Lesern schon geholfen.
Denn die Anzahl der Votes für diese Rezension ist allein in der kurzen Zeit seit dem Verweis darauf um ganze 13 in die Höhe geschossen - herzlichen Dank für die zahlreiche stille Zustimmung!
Das sind sogar 2 Votes mehr als die am zweithöchsten gevotete Rezension eines HALL OF FAME TOP 50 REZENSENTEN seit über 4 Monaten insgesamt an Votes einsammeln konnte.

Wer den hier vom Finanzwesir geprägten Klartext nicht verkraftet, der bleibt besser bei seiner Bank-„Beratung“. Die sorgt für eine rundum gediegene Ausdrucksweise, damit der reibungslose Verkauf des dort verkloppten Schunds nicht durch unbequeme Wahrheiten gestört wird.


Geduld+Spucke sagt am 05. August 2018

@Smartinvestor

Danke für den interessanten Artikel Joined at the hip.

Kernaussage des Artikels ist, daß ETF-Anbieter durch Datamining Indizes schaffen (und den Fonds dazu gleich mit), die im Backtesting super aussehen und deshalb überproportional viele Kundengelder anziehen.
Nach Publikation des Index fällt die Rendite dann im Durchschnitt all dieser frisch publizierten Indizes auf Marktdurchschnitt zurück, so daß die Kunden im Durchschnitt enttäuscht werden.
Während Fondsanbieter per Gesetz nicht mit Backtestingdaten werben dürfen, kann aber der Indexanbieter entsprechende Daten auf der Homepage anbieten. Dies ist eine Lücke im Gesetz, die von Fondsanbietern ausgenutzt wird.

Wenn Du den Artikel aber mal genau anschaust wirst Du feststellen (S. 9 Abb.9), daß die Werbewirkung beim Anleger durch publizierte Backtesting Indizes bereits ein Jahr nach Publikation des Index (!) verpufft.
Alle im Buch von Kommer (veröffentlicht Mai 2018) erwähnten Multifaktorfonds wurden aber zwischen Januar 2014 und März 2016 aufgelegt. D.h. zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren die Fonds (also auch der Index) schon über zwei Jahre auf dem Markt.

Von daher ist dieser Artikel kein Beleg, ja nicht einmal ein Indiz, dafür, daß Herr Kommer mit seinem Buch als Handlanger der "Finanzindustrie" die Werbetrommel für fragwürdige Fonds rührt. Dafür ist das Medium Buch gemäß Artikel wohl auch schlicht zu träge.


Smartinvestor sagt am 17. August 2018

  • Bei der Geldanlage und beim Arbeitsplatz auf zu viel Sicherheit setzen
  • Sich selbst nicht weiterbilden und nicht weiterentwickeln
  • ...

aus" Sechs Finanz-Fehler, die ein Großteil unserer Gesellschaft begeht

Hallo,
habe dies zufällig heute gelesen und mich an die Diskussion mit CarstenP im Finanz-Onanisten-Thread um Sicherheit vs. Chancen erinnert.
Diese "Finanz-Fehleranalyse" unterstreicht nochmal meine Empfehlung, dass Sicherheit sehr teuer ist und hohe Opportunitätskosten mit sich bringt. Das gilt vor allem heute, wo diese Kosten bei der Nullzinspolitik besonders hoch sind und sich auf der anderen Seite viele Chancen auf hohe unkorrelierte Erträge bieten. Um die nutzen zu können, muss man sich natürlich ständig weiterbilden.

In diesem Blog des primär passiven Investierens sehe ich den Weiterbildungs-Bedarf, sich gemäß dem Thema dieses Threads "Alpha – der Heilige Gral der Überrendite. Leider vom Aussterben bedroht." mehr mit und über performante aktive Strategien auseinanderzusetzen.
Anregungen dazu gibt es ja genug hier und anderswo. Und vom Aussterben bedroht sehe ich Alpha nicht, ganz im Gegenteil. Nach fast 10 Jahren von den Zentralbanken verordneter Dürre kann bald wieder ein richtiger Alpha-Schub kommen.

Das macht insbesondere vor dem aktuellen Hintergrund Sinn, dass die klassische Beta-Welt durch QE so überreichlich mit Geld überschwemmt wurde. Das kann die Beta-Renditen auf viele Jahre wenn nicht gar Jahrzehnte als ergiebige Renditequelle austrocknen, siehe Japan seit fast 30 Jahren.

Mit aktiven Strategien meine ich natürlich nicht hyper-aktives Zocken oder pseudo-aktives Smart Beta, das nur Dumb Alpha ist, sondern gut fundierte, aktive Strategien, die z.B. die mittelfristige Vorhersagbarkeit im Finanzmarkt systematisch ausbeuten und den passiven Beta-Kern maßvoll renditesteigernd ergänzen können.
Denn diese Vorhersagbarkeit ist mittlerweile ausreichend nachgewiesen, und mithilfe des Zusammenspiels der beiden Haupt-Finanzmarkttheorien, d.h. der Effizienzmarkt-Hypothese mit der Verhaltensökonomie, auch gut verstanden und taugt für seriöse, aktive Ansätze.


CarstenP sagt am 20. August 2018

@Smartinvestor

dass Sicherheit sehr teuer ist und hohe Opportunitätskosten mit sich bringt.

Ja genau, und hier ist die andere Seite der Medaille:
Wer mehr Rendite will, muss mehr Risiko eingehen.
Allerdings ist es unvernünftig, wenn man mehr Risiko eingeht als man muss oder ertragen kann. Die einfachste Möglichkeit, das Risiko von einem Aktien-Portfolio zu senken, ist es risikoarme Anlagen (Tagesgeld, Festgeld, Anleihen) mit dazu zu mischen.
Es muss natürlich jeder für sich selbst die passende Balance zwischen Angst/Sicherheit und Gier/Risiko finden und eine entsprechende Asset-Allokation wählen.
Die "Opportunitätskosten" (verringerte Renditeerwartung), die risikoarme Anlagen mit sich bringen, sind halt der Preis für die Portfolio-Risikoreduktion.
Sicherlich sind die Zinsen zurzeit äußerst unattraktiv und verleiten zum Yield-Chasing bzw. zum Umschichten in immer riskantere Anlagen, dabei kann leicht das Risiko vom Gesamt-Portfolio und die persönliche Risikotoleranz aus den Augen verloren gehen.
Und die persönliche Risikotoleranz zu überschätzen oder das Portfolio-Risiko zu unterschätzen, kann sich als teurer Fehler herausstellen, der die "Opportunitätskosten" in den Schatten stellt.

Und hier noch 2 kürzlich erschienene Artikel bzgl. alternativer Investments und jeweils ein Zitat daraus:

Liquid Alternatives Have Yet to Prove They Belong in Portfolios

the traditional 60% stocks/40% bonds allocation has been tough to beat

The Half-Life of Investment Strategies

The smartest people on earth can crash and burn in spectacular fashion in the markets.


Smartinvestor sagt am 22. August 2018

@CarstenP
Vielen Dank für die treffenden Links, die Chancen, Risiken und Herausforderungen von Liquid Alternatives (LAs) sowie alternative Anlagestrategien durchleuchten.
Insbesondere der 2. Link von Ben Carlson, weist darauf hin, dass man sich gerade in der Finanzwelt ständig weiterbilden muss, um erfolgreich seine Chancen zu vergrößern und Risiken zu minimieren.
Das besagen auch die beiden wohl häufig begangenen Finanzfehler, die ich zuvor zitierte. Wenn man die vermeidet, gilt nämlich genau dies nicht mehr:

"Wer mehr Rendite will, muss mehr Risiko eingehen." "Die "Opportunitätskosten" (verringerte Renditeerwartung), die risikoarme Anlagen mit sich bringen, sind halt der Preis für die Portfolio-Risikoreduktion."

Dies gilt nur unter der Annahme, dass man innerhalb seines Anlage-Wissenshorizonts verbleibt, also hier i.d.R. Aktien, Anleihen und evtl. Immobilien/REITs sowie deren Fonds und ETFs weitgehend passiv gemanagt.
Nimmt man weitere möglichst gering oder un-korrelierte Anlageklassen dazu, gilt dies nach der Modernen Portfolio-Theorie (MPT) nicht mehr.
Die wird im ersten Link von Morningstar passend zitiert:

"Modern portfolio theory holds that an investor should seek to maximize return for a given level of risk, defined as volatility, or minimize risk for the same unit of return."

Das funktioniert umso besser, je geringer die Korrelation alternativer Anlageklassen zu den bestehenden ist, wie bei einigen LAs:

"Specifically, if a liquid alternative fund's expected Sharpe ratio exceeds the portfolio's expected Sharpe ratio multiplied by the forecast correlation between the two, then adding the alternative to the allocation would be expected to improve its future risk-adjusted returns."

Genau das ist die minimale Basis-Anforderung für die Aufnahme alternativer Anlageklassen in mein Portfolio. Ich verschärfe die u.a. weiter mit folgenden drei quantitativen Anforderungen:

Ein alternativer Fonds muss...

  • mindestens aktienähnliche risikoadjustierte Rendite und Volatilität aufweisen,
  • seit Auflage statistisch signifikante Outperformance im Vergleich zu seinem korrekten passiven Benchmark-Index in regulärer Weise erzielt haben und
  • seit mindestens 10 Jahren erfolgreich bestehen, in besonders überzeugenden Ausnahmefällen mindestens 5 Jahre.

All diese Anforderungen zeigen die dominierende Rolle von Statistik hierbei auf. Wer die noch nicht so gut beherrscht aber trotzdem alternativ diversifizieren will, sollte vor allem anderen erst mal bei der Statistik mit der Weiterbildung anfangen.

Mit all diesen Kriterien bin ich nach und nach auf einige LAs aus den auch im ersten Link ersten beiden favorisierten Anlageklassen Managed Futures (MFs) und Market Neutral gekommen, wie im Finanz-Onanisten-Artikel aufgeführt.
Beide generieren reines Alpha und sind daher mittelfristig unkorreliert zu Aktien und Anleihen.
Damit konnte ich bislang meine Volatilität insbesondere Drawdowns während Crashs etwa halbieren aber musste trotzdem keine Opportunitätskosten tragen, sondern konnte sogar nennenswert absolute Überrendite im Vergleich zu reinen Aktien durch das Rebalancing-Alpha erzielen.

"the traditional 60% stocks/40% bonds allocation has been tough to beat"

Dass das nicht leicht war, kann ich voll bestätigen und würde vor naivem Copy & Paste sehr warnen. Das Wahrnehmen neuer Chancen klappt nur nach tiefem Verständnis deren Up- and Downsides durch ständige Weiterbildung nicht nur bzgl. Finanzen. Die hilft daher im ganzen Leben und hält bei Laune.

"The smartest people on earth can crash and burn in spectacular fashion in the markets."

Da scheint es ein mittleres Intelligenz-Optimum zu geben, auch wenn die dümmsten Bauern immer die dicksten Kartoffeln haben sollen.
Auch Warren Buffett sagt, dass man für finanziellen Erfolg kein Genie braucht, sondern "nur" Fehler minimieren muss.
Und dabei hilft Weiterbildung und ständiges neue Erfahrungen sammeln mit Skin in the Game sowie mit neuen Chancen und Risiken. Sonst zahlt man sich dumm und dämlich für unnötige Sicherheit. ;-)

Auf dem Trip driften ja schon unsere dämlichen IYI/IDI-Politiker immer weiter ab mit der unsinnigen Nominalwertsicherung von Riester&Co, MIFID2... Also hüten wir uns davor mit Weiterbildung, Meinungs- und Erfahrungsaustausch hier über Alpha...

Danke für das Aufgreifen meiner Anregung. :-)


BigMac sagt am 23. August 2018

"Dies gilt nur unter der Annahme, dass man innerhalb seines Anlage-Wissenshorizonts verbleibt, also hier i.d.R. Aktien, Anleihen und evtl. Immobilien/REITs sowie deren Fonds und ETFs weitgehend passiv gemanagt."

Alles okay. Aber dann sollte auch deutlich gemacht werden, dass die Verkleinerung der Opportunitätskosten "Risiko" durch Wissenserwerb eine zwangsläufige Steigerung der Opportunitätskosten "Zeitaufwand" zur Folge hat. Für mich ist das einer der wesentlichen Gründe weiterhin passiv unterwegs zu sein.


CarstenP sagt am 23. August 2018

@Smartinvestor

All diese Anforderungen zeigen die dominierende Rolle von Statistik hierbei auf.

Es gibt übrigens auch Leute, die sich auch mit Statistik (Mean-Variance-Analyse, Monte-Carlo-Simulation, stochachstische Prozesse, Hauptkomponentenanalyse usw.) auskennen, aber trotzdem ein simples Portfolio bevorzugen, weil sie den statistischen Methoden nicht so viel praktischen Anlage-Nutzen beimessen und sich nicht so viel auf (unter Profis) weit verbreitetes Anlage-Wissen einbilden.
Selbst Markowitz hat die MPT angeblich nicht verwendet um seine persönliche Asset-Allokation zu wählen:
Harry Markowitz Personal Investment Portfolio and Strategy

Es kann ja jeder seine eigenen Schlüsse ziehen, aber die Lektionen im Ben Carlson Artikel liefert er doch selbst, dass es keine unveränderlichen Finanzgesetze gibt und dass man sich darauf einstellen sollte falsch zu liegen und Bescheidenheit die Grundeinstellung sein sollte.
Daraus kann man auch schließen, dass man einen Sicherheitspuffer einplanen sollte und man sich nicht zu sehr auf Vorhersagen verlassen sollte.

Das funktioniert umso besser, je geringer die Korrelation alternativer Anlageklassen zu den bestehenden ist, wie bei einigen LAs:

Und da muss ich die Worte von David Harding aus dem verlinkten Winton-Artikel sprechen lassen, die Zeitform macht den Unterschied:

People always say to me: ‘This is what works.’ I say: ‘Worked’.

Außerdem belegt der Morningstar-Artikel hauptsächlich, dass die LAs in den letzten Jahren kaum einen Mehrwert gebracht haben.
Ein Grund ist, dass die erwartete geringe Korrelation sich nicht realisiert hat, da viele LAs ihre Rendite u.a. aus den Aktien/Anleihen-Märkten beziehen und das zu steigender Korrelation mit diesen geführt hat. Das ist nur ein weiteres Beispiel, dass es schwierig ist die Zukunft (von z.B. Korrelationen) vorherzusagen und Alpha zu generieren...


Smartinvestor sagt am 23. August 2018

@BicMac

"...weiterhin passiv unterwegs zu sein."

Ehrlich? Wirklich ganz passiv mit MSCI ACWI, -IMI oder FTSE All World?


Smartinvestor sagt am 29. August 2018

@CarstenP

"Es gibt übrigens auch Leute, die sich auch mit Statistik (Mean-Variance-Analyse, Monte-Carlo-Simulation, stochachstische Prozesse, Hauptkomponentenanalyse usw.) auskennen, aber trotzdem ein simples Portfolio bevorzugen, weil sie den statistischen Methoden nicht so viel praktischen Anlage-Nutzen beimessen und sich nicht so viel auf (unter Profis) weit verbreitetes Anlage-Wissen einbilden."

...schreibt jemand, der keine Unterstellungen mag. Vielleicht war es ja nur gut gemeint, um niemand ahnungslos ins offene Messer laufen zu lassen.

Ein simples Portfolio bevorzuge ich ansonsten auch: Enthält einfach nur ca. 50% reines Beta, untergliedert in je 25% marktbreite Aktien- und REIT-Index-ETFs, plus reines Alpha, untergliedert in Trendfolger und andere überwiegend marktneutrale, buy-and-hold regelmäßig rebalanced.

"Selbst Markowitz hat die MPT angeblich nicht verwendet um seine persönliche Asset-Allokation zu wählen: Harry Markowitz Personal Investment Portfolio and Strategy"

Das war mir bekannt. Danke für Link. Ich mache das also prinzipiell genauso, nur statt renditezehrenden reinen Geldwertanlagen nehme ich eben unkorreliertes, reines Alpha, das die Rendite treibt.
Ich nutze damit, wie Markowitz auch, den einfach und robust nutzbaren Hauptteil der MPT, die Diversifikation ohne zweifelhaftes Beiwerk. Das ist immer vorteilhaft, und zwar umso mehr je geringer die Anlageklassen korrelieren.

Mit der MVO mache ich es genauso.
Ich nutze die für immer gültigen Erkenntnisse, dass dieses "free lunch" der Diversifikation primär von den statistischen Eigenschaften, d.h. von den durchschnittlichen Renditen, Volatilitäten und Korrelationen der Anlageklassen, abhängt.
Aber ich wende diese Erkenntnisse in einfachster und robustester Form (rückwärts) an, indem ich die Anlageklassen und deren Bestandteile so auswähle, dass sie möglichst ähnlich gering korrelieren, rentieren und schwanken.
Alle anderen, d.h. Geldwerte, Rohstoffe, Gold und die meisten Alternatives, die das nicht erfüllen, lasse ich einfach weg.
Damit brauche ich keine zweifelhafte extra MVO. Mit dieser Negativauswahl schrumpft zudem vor allem das unüberschaubare Universum der Alpha-Fonds auf einen sehr kleinen handhabbaren Rest zusammen, der mir dementsprechend bislang einen enormen Nutzen bringt.

Die Gleichverteilungsstrategie habe ich auch schon immer angewendet und viel interessante Kritik geerntet, weil ich mich bei dieser wichtigsten Anfangs-Entscheidung auf bewährtestes Wissen in aktueller Interpretation gestützt habe, nämlich auf die Talmud-Strategie.
Denn die enthält wertvollstes Erfahrungswissen, das sich über Jahrtausende mit apokalyptischen Umbrüchen bewährt hat, in hoch verdichteter, leicht nutzbarer Form.

Die im Artikel erwähnten "tweaks now and then" von Markowitz sind dann bei mir z.B. die weitere Ausdifferenzierung des Alpha-Teils mit Anpassung der Gleichverteilungs-Allokation an die Hinzunahme aussichtsreicher Spitzenfonds von den seltenen echten Könnern, wie z.B. dem zu Recht zitierten David Harding.
Dessen erster von ihm mitentwickelter Alpha-Fonds war auch mein erster langfristig bis heute vor über 20 Jahren investierter.
Seinen derzeitigen Top Alpha-Fonds habe ich als zweiten seiner Art in mein Portfolio aufgenommen. Denn ich habe David Harding bereits Ende der 90er Jahre als einen der wenigen wahren Könner identifiziert und als mein Standard für die Bewertung aller anderen Alpha-Manager gesetzt.
Die weiteren 6 bis jetzt kamen dann mit zunehmender Erfahrung immer schneller dazu.

"Es kann ja jeder seine eigenen Schlüsse ziehen, aber die Lektionen im Ben Carlson Artikel liefert er doch selbst, dass es keine unveränderlichen Finanzgesetze gibt und dass man sich darauf einstellen sollte falsch zu liegen und Bescheidenheit die Grundeinstellung sein sollte."

So sehr ich Ben Carlson schätze, kann auch er falsch liegen. Wahrscheinlich hat er jedoch nur plakativ überzeichnet, um seine richtige Kernbotschaft rüberzubringen.
Nämlich dass das weitaus meiste Wissen (99,99...%) in der Tat eine sehr begrenzte Halbwertszeit hat. Deswegen ist mir ja dieser Kommer so ein Dorn im Auge.
Weil er als selbsternannter Passiv-Pabst genau solch vergängliches Wissen immer noch als für die Ewigkeit gemachtes souveränen, passiven Anlegen marktschreierisch "mit Turbo" verkauft.
Und das nachdem er selber mit den ertragslosen Rohstoff-ETFs, die er lange ähnlich als langfristig wirksames Diversifikationsmittel angepriesen hat, nach der für das meiste ökonomische Wissen üblichen Halbwertszeit von knapp 10 Jahren Schiffbruch erlitten hat.
Wenigstens gibt er das in der neuesten Auflage von "Souverän investieren" zu. Aber dass er mit all dem aktives Investieren betreibt und dass das ganz anders funktioniert, das hat er (scheinbar) nicht verstanden und verbreitet seinen Unverstand auch noch auflagenstark in der ahnungslosen Anlegerwelt, die glaubt, dass man mit Kommer nicht falsch macht.

Aber es gibt selbst in der Finanzwissenschaft auch ab und zu praktisch unveränderliche Gesetze bzw. allgemeingültige Regeln.
Die sind sogar ganz leicht zu erkennen. Denn dafür gibt es i.d.R. den Nobelpreis. Und wenn man sich daran hält, liegt man tatsächlich (meistens?) nicht falsch.
Oder willst du die geteilten Wirtschaftsnobelpreise u.a. an Sharpe, Markowitz und Miller für ihre werthaltigen Beiträge zum CAPM auf der Basis der der MPT sowie an Fama für seine zeitlosen Beiträge zur EMH - und damit zu den Eigenschaften von reinem Beta - und an Shiller für seine zur Verhaltensökomomie - und damit zu den Eigenschaften von reinem Alpha - bestreiten und eine Halbwertszeit für dieses m.E. allgemeingültige Wissen benennen?

Mit der Bescheidenheit verhält es sich beim Investieren genau wie mit der Intelligenz.
Das Optimum liegt nach meiner Erfahrung meistens beim goldenen Mittelweg. Ich sehe diesen im gesunden Selbstbewusstsein und -vertrauen, das immer wieder ausgelotet und weiterentwickelt werden sollte.
Keine "Overconfidence" aber auch keine lähmende "Risk Aversion". Sonst wird das nichts mit dem Alpha. John Bogle ist gemeinhin auch als sehr bescheidener Mensch in der Lebensführung bekannt.
Aber an seiner Mission, optimales passives Anlegen mit reinem Beta zu demokratisieren, hat er zu Recht niemanden im Zweifel gelassen. Das ist m.E. beispielhaft für ein gerechtfertigtes, gesundes Selbstbewusstsein, das dem edlen Zweck dient.

Und mit den bahnbrechenden Erkenntnissen insbesondere von Shiller kommt jetzt aktives Alpha als dauerhafte Renditequelle dran.
Darum geht es hier. Dabei ist es besonders hilfreich, wenn man schon lange vor dem Nobelpreis selber draufgekommen ist und sein Ding gegen den seinerzeit von der EMH-Dogmatik dominierten Zeitgeist durchgezogen hat.
So war das bei Bogle m.W. auch beim passiven Beta. Beides ergänzt sich hervorragend, am besten in einfachst möglicher Reinstform.
So, jetzt sollte eine differenzierte Basis vorliegen, dass jeder seine eigenen Schlüsse ziehen kann.

"Daraus kann man auch schließen, dass man einen Sicherheitspuffer einplanen sollte und man sich nicht zu sehr auf Vorhersagen verlassen sollte."

Das hatten wir doch schon mal im Finanz-Onanisten-Thread. Ich sehe das bekanntlich ähnlich.
Aber du setzt dazu halt hauptsächlich auf reine Geldwertanlagen als Sicherheitspuffer.
Der wirkt primär kurz- bis mittelfristig, erhält zeitlich eng begrenzt den Nominalwert, bis der allmählich durch Inflation und/oder plötzlich durch Ausfall verschwinden und nicht mehr wiederkommen kann, und bezahlst diese Art von Sicherheit mit hohen Opportunitätskosten, die für immer weg sind.
Ich setze dagegen hauptsächlich auf die unbedingte Sicherheit von verbrieften Sachwertanlagen (Aktien) mit Diversifikation durch möglichst gering korrelierten Anlageklassen (REITs und LAs) mit ähnlicher Rendite und Volatilität als Sicherheitspuffer.
Der wirkt primär mittel- bis langfristig, erhöht die Gesamtrendite und ich bezahle das mit etwas höheren kurzfristigen Schwankungen, die jedoch reversibel sind, und mit mehr Weiterbildung, die mich interessiert, mir auch sonst im Leben viel hilft und geistig mobil erhält.

Bei den Vorhersagen verlasse ich mich ausschließlich auf das allgemeingültige Finanz-Wissen aus dem CAPM, der EMH und der Verhaltensökonomie.
Und das besagt, dass reines Alpha zu Beta schon per Definition des CAPM für immer und ewig unkorreliert ist.
Dass das Alpha dauerhaft positiv bleibt, dafür vertraue ich auf David Harding und seinesgleichen, die mit Vorhersagen auch sehr professionell umgehen können, wie du selber durch das Harding-Zitat bestätigst:

"Und da muss ich die Worte von David Harding aus dem verlinkten Winton-Artikel sprechen lassen, die Zeitform macht den Unterschied:" "People always say to me: ‘This is what works.’ I say: ‘Worked’."

Wir liegen also gar nicht so weit auseinander. Aber wenn man das zitiert, sollte man auch wissen, worauf der hoch geschätzte David Harding das bezieht, siehe hier.
Darin geht es um die Weiterentwicklung seines Weltklasse-Alpha-Fonds, um wettbewerbsfähig zu bleiben und unkorreliertes Alpha gegen die ständig effizienter werdenden Märkte - das ist ein unveränderliches Finanzgesetz mit Nobelpreis, s.o. - dauerhaft zu erzeugen.
Dazu betreibt er aufwändige proprietäre Forschung und Entwicklung (F&E) und bekommt von dort laufend neue Alpha-Ideen präsentiert. Die lässt er dann alle durch seinen persönlichen Alpha-Filter laufen.
Das was nur "worked" ins Kröpfchen und das was weiteres Potenzial für die Zukunft hat ins Alpha-Fonds-Töpfchen.

Das mache ich prinzipiell genauso und schaue mir diesen elementar wichtigen F&E-Prozess der mir zugänglichen und grob vorausgewählten Alpha-Fonds auf deren Zukunftspotenzial genau an.
Bis jetzt bin ich dabei von meinen ersten beiden Alpha-Fonds von Harding nicht enttäuscht worden, wie bei allen anderen, die ich seit 20 Jahren nach und nach durch meinen persönlichen Alpha-Filter zur Allokation durchgelassen habe.

"Außerdem belegt der Morningstar-Artikel hauptsächlich, dass die LAs in den letzten Jahren kaum einen Mehrwert gebracht haben. Ein Grund ist, dass die erwartete geringe Korrelation sich nicht realisiert hat, da viele LAs ihre Rendite u.a. aus den Aktien/Anleihen-Märkten beziehen und das zu steigender Korrelation mit diesen geführt hat. Das ist nur ein weiteres Beispiel, dass es schwierig ist die Zukunft (von z.B. Korrelationen) vorherzusagen und Alpha zu generieren..."

... schwierig aber nicht unmöglich, wenn man die Statistik beherrscht und nicht als Einbildung einordnet.
Die war bei mir jedenfalls entscheidend, um die beiden auch im Morningstar-Artikel favorisierten Anlageklassen "Managed Futures" und "Market Neutral" mit den prinzipiell und somit dauerhaft geringsten Korrelationen als einzig sinnvolle auszuwählen und zu allokieren, siehe mein Beitrag vom 22.8.

Die Statitik ist also nicht nur zur Portfoliokonstruktion und zum Schutz gegen offene Messer wichtig, sondern für den gesamten Investmentprozess mit Alpha vom Theorieverständnis bis zur Alpha-Manager- und -Fondsauswahl.

Viel neuestes Insider-Wissen, Anregungen und direkte Unterstützung bekomme ich dabei übrigens vom CTA-Blog http://www.toptradersunplugged.com und von seinem Betreiber, Niels Kaastrup-Larsen.
Ich kann seinen Blog für alle an reinem Alpha ernsthaft Interessierten sehr empfehlen. Denn Niels verfolgt die zum Finanzwesir komplementäre Mission der Demokratisierung von reinem Alpha durch systematisches Trading. Das Portfolio aus Alpha und Beta zusammenbasteln darf sich dann jeder selber, wie hier auch...


CarstenP sagt am 29. August 2018

@Smartinvestor

"Oder willst du die geteilten Wirtschaftsnobelpreise u.a. an Sharpe, Markowitz und Miller für ihre werthaltigen Beiträge zum CAPM auf der Basis der der MPT sowie an Fama für seine zeitlosen Beiträge zur EMH - und damit zu den Eigenschaften von reinem Beta - und an Shiller für seine zur Verhaltensökomomie - und damit zu den Eigenschaften von reinem Alpha - bestreiten und eine Halbwertszeit für dieses m.E. allgemeingültige Wissen benennen?"

Nein, natürlich kann ich dafür keine Halbwertszeit angeben.
Es sind trotzdem nur Theorien und Modelle, mit denen man versucht die Realität zu beschreiben und besser zu verstehen, und das gelingt nur mit begrenzter Genauigkeit.
Damit lässt sich die Zukunft leider nicht vorhersagen. Einerseits weil die Finanzwelt sich ändert, die Märkte entwickeln sich weiter.
Und andererseits kennt man die zukünftigen Modellparameter nicht, daher ist die MPT für den praktischen Anlage-Gebrauch ziemlich nutzlos.
Es ist allerdings ein schönes Spielzeug für Backtests und dergleichen, und um ein besseres Verständnis für Diversifikation und den Rendite-Risiko Zusammenhang zu bekommen.

Für diejenigen, die sich für die mathematischen Aspekte etwas mehr interessieren, hier eine Einführung:
Calculating the Efficient Frontier

Und das besagt, dass reines Alpha zu Beta schon per Definition des CAPM für immer und ewig unkorreliert ist.

Alpha ist die Differenz aus realisierter Rendite und per Beta prognostizierter Rendite, das hat mit Korrelation zu Beta erstmal gar nichts zu tun.
Alpha wird rückwärts-schauend bestimmt, es kann also auch verschwinden oder sich komplett zum Nachteil realisieren. Außerdem reicht es nicht aus, dass sich Investments unkorreliert verhalten, sie müssen auch eine gewisse Rendite realisieren, damit sich ein Diversifikationsvorteil im Gesamtportfolio ergeben kann.

Die war bei mir jedenfalls entscheidend, um die beiden auch im Morningstar-Artikel favorisierten Anlageklassen "Managed Futures" und "Market Neutral" mit den prinzipiell und somit dauerhaft geringsten Korrelationen als einzig sinnvolle auszuwählen und zu allokieren, siehe mein Beitrag vom 22.8.

Glückwunsch, dass du auf die richtigen Alternativen gesetzt hast und nicht auf die falschen Alternativen, wie z.B. Rohstoffe, reingefallen bist! Das ist für den Rest der Welt allerdings völlig belanglos, weil wir in die Zukunft schauen müssen und da spielen deine Erfolge aus der Vergangenheit keine Rolle, da man daraus nicht schließen kann was in der Zukunft die richtigen und falschen alternativen Invsestments sein werden:

  1. Man muss aufpassen, dass man nicht Korrelation mit Kausalität verwechselt. Dein Auswahlprozess für die Alternativen ist sicherlich sinnvoll, doch dein Erfolg war evtl. trotzdem nur Zufall.
  2. Man konnte auch mit weniger Aufwand (ohne Alternativen) gute Investmentergebnisse erzielen.

Eine Analogie: Klar kann man einen Regentanz aufführen und danach wird es auch mal regnen, d.h. aber nicht, dass die Korrelation zwischen aufgeführtem Regentanz und tatsächlichem Regenfall eine Kausalität impliziert (es regnet, weil man getanzt hat). Man hätte sich den Regentanz auch sparen können und es hätte vielleicht trotzdem geregnet...

"Der wirkt primär mittel- bis langfristig, erhöht die Gesamtrendite und ich bezahle das mit etwas höheren kurzfristigen Schwankungen"

Das ist doch genau der Punkt, du hast dich dafür entschieden, das so zu machen.
Du willst mehr Rendite und akzeptierst dafür ein etwas höheres (kurzfristiges) Risiko, das ist deine persönliche Entscheidung. Und diejenigen, die kein höheres (kurzfristiges) Risiko eingehen wollen, mischen einfach risikoarme Anlagen zu ihren Aktien und akzeptieren eine geringere Renditeerwartung, das ist deren persönliche Entscheidung.


Smartinvestor sagt am 30. August 2018

@CarstenP

"Es sind trotzdem nur Theorien und Modelle, mit denen man versucht die Realität zu beschreiben und besser zu verstehen, und das gelingt nur mit begrenzter Genauigkeit."

Na das ist bei dem nachgewiesen und höchst anerkannt Erreichten an Verständnis doch für ein reflexives soziales System schon mal enorm viel für die ebenfalls begrenzt genauen Ziele, die man sich damit setzen kann. Denn ich strebe ja keine genaue absolute Gesamtrendite an, sondern eine, die

  1. langfristig (ab einem Börsenzyklus von Crash zu Crash) deutlich über der des umfassendsten Weltaktienindex liegt,
  2. kurzfristige, reversible Schwankungen (Tage - Wochen) höchstens denen des Weltaktienindex sowie reversible, mittel- (Monate - Jahre) und langfristige Schwankungen deutlich unter denen des Weltaktienindex aufweist,
  3. eine Mindestanlagedauer, nach der ich Neuinvestitionen ohne Nominalwertverlust in EUR komplett liquidieren kann, von wenigen Jahren deutlich unter der des Weltaktienindex (> 10 J.) aufweist und
  4. tägliche Liquidität bietet.

Und diese Ziele konnte ich fast 20 Jahre lang bis heute durchgängig erreichen. Das sollte auch für die Nichtzufälligkeit des Ergebnisses sprechen, das damit die Anforderungen des t-Tests der Statistik erfüllt.

Auch William Sharpe und Fisher Black sehen das bekanntlich als vollkommen hinreichende Basis für diese Ziele an:

"you should put your trust only in logic and theory and forget about statistical empirical results.”

Quelle: "Capital Ideas Evolving".

"Damit lässt sich die Zukunft leider nicht vorhersagen."

Irrtum. Das ist nur eine Frage der Genauigkeit. Im Rahmen meiner Ziele ist das vorhersagbar und auf Basis der Verhaltensökonomie, die die mittelfristige Vorhersagbarkeit von Preisentwicklungen nachgewiesen und nobelpreiswürdig logisch erklärt hat, auch verstanden.

"...daher ist die MPT für den praktischen Anlage-Gebrauch ziemlich nutzlos."

Und warum diversifizierst du dann selber extrem hoch mit Aktienindex-Fonds und Geldwertanlagen, wenn diese Hauptaussage der MPT praktisch so nutzlos sein sollte?
Vergleich mal die heutige seriöse Anlagepraxis mit der bevor sich die Haupterkenntnisse der MPT verbreitet haben. Und David Swensen und andere Top Stiftungs-Fondsmanager von US-Eliteunis sowie viele seiner Schüler nutzen die MPT darüberhinaus noch umfassender als ich.
Sie erzielen mit der MVO angewendet u.a. auf reine Alpha-Fonds seit etlichen Jahrzehnten statistisch signifikant weit überdurchschnittliche risikoadjustierte Mehrrenditen von +2 - 4% p.a. mit hoher Ergebnispersistenz.
Das wurde von Brad Barber mit kritischer Grundeinstellung in einer schon im Finanz-Onanisten-Thread zitierten Studie nachgewiesen, s.u.*

"Alpha ist die Differenz aus realisierter Rendite und per Beta prognostizierter Rendite, das hat mit Korrelation zu Beta erstmal gar nichts zu tun."

Interessante Sicht. Nullkorrelation ist eine charakteristische Haupt-Eigenschaft bzw. praktisch Synonym von Alpha. Denn Anlageergebnisteile, die nicht mit Beta korrelieren d.h. nicht mit Beta erklärt werden können, sind per Definition Alpha.
Also folgt daraus zwingend logisch, dass Alpha und Beta unkorreliert sind, egal ob Alpha positiv, negativ oder 0 ist.
Wettbewerbsfähige Alpha-Fondsmanager sorgen dann voraussagbar und somit dauerhaft für langfristig positives Alpha.
Die unselige Faktor-Community versucht sogar Alpha-Teile mit weiteren Beta-Faktoren zu erklären und nutzt dazu - genau - K o r r e l a t i o n e n - als zwar unwissenschaftliche da Vergangenheitsdaten-angepasste Erweiterung des CAPM aber dem Grundprinzip doch folgend, s.o. Einleitung. Was dann noch übrig bleibt, d.h. was partout nicht korreliert, ist Alpha.

Umgekehrt werden reine Alpha-Fonds auf ihre Korrelationen zu Beta und auf deren damit eng zusammenhängende Beta-Werte überprüft, siehe der von dir selbst zitierte Morningstar-Artikel.
Mir ist noch kein Fonds begegnet, dessen Korrelation hoch und Beta klein oder umgekehrt wäre. Denn wenn die unabhängig voneinander wären, müsste es solche Fonds geben. Kennst du etwa welche?

"Glückwunsch, dass du auf die richtigen Alternativen gesetzt hast und nicht auf die falschen Alternativen, wie z.B. Rohstoffe, reingefallen bist!"

Danke. Das reiche ich gern an Bogle weiter.
Denn er hat mich mit seinem Common Sense und zwingender Logik hauptsächlich davor bewahrt. Ist also auch kein Zufallstreffer sondern war eine Trivialität wie jetzt bekanntlich die jetzt von dir und mir ebenfalls vorausgesagte Unsinnigkeit passiven Factor Investings, die sich auch erst in der Zukunft verifizieren wird (oder auch nicht).
Mein "Voraussage" der Null-Korrelation der beiden jetzt (wiederum wie immer) von Morningstar bestätigten Alpha-Klassen "Managed Futures" und "Market Neutral" ist auch absolut trivial, da nur diese beiden strategisch absolut symmetrisch long und short in den Markt gehen.
Natürlich prüfe ich trotzdem sorgfältig, ob das auch wirklich so erfolgt und weiterhin erfolgen wird. Genau wie ich die Wettbewerbsfähigkeit zur dauerhaften Erzeugung von positivem Alpha und Erfüllung aller meiner anderen Anforderungen prüfe. Das ist mein Ding und somit mein Edge.

"Das ist für den Rest der Welt allerdings völlig belanglos, weil wir in die Zukunft schauen müssen und da spielen deine Erfolge aus der Vergangenheit keine Rolle, da man daraus nicht schließen kann was in der Zukunft die richtigen und falschen alternativen Invsestments sein werden:"

Wenn das so belanglos sein sollte, dann dürfte weder bei Swensen und Kollegen noch bei mir Ergebnispersistenz der überdurchschnittlichen Mehrerträge nachzuweisen sein, was sie jedoch sehr wohl sein, bzgl. Swensen & Co. s.u. Barber-Studie*.

Diese Persistenz heißt so, weil sie sich von der Vergangenheit in die Zukunft fortsetzt und vorhersagbar ist. Sonst würde man es Glückssträne nennen.
Die hält aber nie länger als ein paar Jahre an. Bei mehreren Jahrzehnten besonderem Erfolg spricht man aus gutem Grund von bewährter Ergebnispersistenz.
Denn nur die kann mehrere disruptive Umbrüche vom Kaliber weltweiter Börsencrashs überdauern.

Der logische Grund dafür ist hohe Kompetenz bei wettbewerbsfähigen CTAs. Mit der können diese bislang primär die mittelfristig in der Zukunft teilweise vorhersagbaren Preisentwicklungen als unkorreliertes Alpha dauerhaft ausbeuten.
Diese Vorhersagbarkeit ist die Hauptaussage der nobelpreisgewürdigten Verhaltensökonomie und inzwischen für die systematische Ausbeutung hinreichend erforscht. Das ist ähnlich wie eine zuvor unbekannte Goldquelle exploriert aber bzgl. Ergiebigkeit nur grob abgeschätz werden kann.

Diese Kompetenz zur systematischen Alpha-Ausbeutung wie auch meine der dauerhaft zuverlässigen, erfolgreichen Alpha-Managerauswahl und -Allokation bildet sich über Jahrzehnte aus, ist durch statistisch signifikante (t-Test) Ergebnisse belastbar nachgewiesen und wurde teilweise erst mit späteren neuen Erkenntnissen, z.B. der Verhaltensökonomie im Zusammenwirken mit den anderen allgemeingültigen Finanzgesetzen und -regeln der MPT, CAPM und EMH zwingend logisch erklärt.
Denn diese Kompetenz ist zum großen Teil proprietär mit hohem Aufwand im harten Wettbewerb zuverlässig entwickelt worden und implizit, d.h. nicht im Detail erklärbar.
Sie ist aber trotzdem zuverlässig vorhanden, weil das Gehirn erfolgsrelevante Muster und Zusammenhänge unbewusst erkennen und nachgewiesenermaßen voraussagbar wesentlich erfolgreicher nutzen kann als mit reinem Glück.
Diese Kompetenz ist absolut erfolgsentscheidend bei praktisch allen über Jahrzehnte im reflexiven Markt langfristig erfolgspersistenten Menschen und Unternehmen aller anspruchsvollen Branchen, in die du auch alle über Aktienindex-ETFs investierst.

Diese Kompetenz entsteht weder noch verschwindet sie zufällig über Nacht und ist mehr oder weniger vom Talent abhängig erlernbar, vgl. das seinerzeit bahnbrechende Experiment mit den legendären "Turtle Tradern" von Richard Dennis.
Oder würdest du den Erfolg von David Harding, der praktisch aus dem Nichts (d.h. mit geliehenem Startkapital) zunächst mit seinen beiden Kumpels Adam und Lueck den Erfolg des aktuell weltweit drittgrößten CTA (MAN AHL) mit ca. 25 Mrd. USD AUM angeschoben - und damit Ergebnispersistenz "vererbt" - und jetzt den zweitgrößten CTA (WINTON) mit ca. 30 Mrd. USD AUM gemacht hat**, an nichts anderem festmachen als an...

"...Regentanz aufführen und danach wird es auch mal regnen..."

Aufschlussreiche Sicht. Wenn ja, warum zitierst du ihn selber mit auch aus meiner Sicht hochrelevanten Aussagen, mit denen er seinen Alpha-Laden strategisch steuert, wenn das alles nur Regentanz-Magie sein soll?!?

Ich würde schließen, mit deiner Analogie des Regentanzes demonstrierst du, sorry, wieder mal, wie das 3. Clarkeschen Gesetz wirkt. Das hat unser Wesir ja bekanntlich bei dem ebenfalls international hoch angesehenen "Regentänzer" Taleb bereits gut erklärt:

"Ist's Wahnsinn auch, so hat es doch Methode" "An Talebs Strategie gibt es NICHTS AUSZUSETZEN. Das ist KEIN GEZOCKE, sondern die Arbeit eines Profis, denn "Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden." Arthur C. Clarke"

Wundert es dich eigentlich nicht, dass diese Magie des Regentanzes, unser geschätzter David Harding spicht ja dementsprechend, wie ich auch, u.a. von den religiösen Wurzeln dauerhaft performanter Alpha-Strategien, gerade heute selbst unter seriösesten Finanzexperten eine so unglaubliche Renaissance erlebt?
Sogar der Passiv-Vorkämpfer Bogle lobt die Weisssagungen in dem Alpha-Kultbuch in den höchsten Tönen und lässt sich daselbst als Referenzgeber auf dem Buchumschlag bereitwillig zitieren: Capital Ideas Evolving:

"...a virtual revolution in the practice of investing that relies heavily on complex mathematics, derivatives, hedging, and hyperactive trading. This fine and eminently readable book is unlikely to be surpassed as the definitive chronicle of a truly historic era."

* Barber, B. M., Wang, G., 2013, „Do (Some) University Endowments Earn Alpha?”:

“The endowment model, sometimes referred to as the Yale model, is generally attributed to David Swensen and Dean Takahashi, who have been senior managers of Yale’s endowment for many years. The model generally calls for diversifying a portfolio across broad asset classes, including such alternative investments as hedge funds and private equity.“

"There is intriguing evidence of performance persistence. Elite institutions and top-performing endowments earn reliably positive alphas relative to these simple public stock and bond benchmarks of about 1.7% – 3.8% per year. Allocations to alternative investments explain the majority of this superior performance."

"These results indicate that the asset allocations of elite institutions and top-performing funds are the most important determinant of their superior returns over the last two decades."

"Thus, the question of whether some endowments earn alpha can be answered by determining whether the alternative investments deliver alpha."

** Auch der 3. von AHL, Martin Lueck, konnte nach Trennung der 3 Kumpels allein wieder ein jahrzehntelang erfolgreiches reines Alpha-Unternehmen, das mit ca. 7 Mrd. USD AUM Winton und MAN AHL bzgl. Anlage- und Geschäftserfolg nicht viel nachsteht, aufbauen.

Geht das noch mit rechten Dingen zu, bei solch persistenten magischen Kräften???


CarstenP sagt am 31. August 2018

@Smartinvestor

Und warum diversifizierst du dann selber extrem hoch mit Aktienindex-Fonds und Geldwertanlagen, wenn diese Hauptaussage der MPT praktisch so nutzlos sein sollte?

Ich habe gemeint, die MPT ist im praktischen Anlage-Gebrauch ziemlich nutzlos, da man die zukünftigen Modellparameter (Erwartungswerte, Varianzen, Kovarianzen/Korrelationen) nicht genau genug kennt um eine brauchbare Portfoliooptimierung damit durchführen zu können.
Das optimale Portfolio lässt sich leider nur im Nachhinein identifizieren, auch wenn du einer anderen Meinung zu sein scheinst.
Ich habe nicht gesagt, dass Diversifikation nutzlos ist (merkwürdige Schlussfolgerung). Der Diversifikationsvorteil ist eine Schlussfolgerung aus der MPT, der ich persönlich auch folge.

"Alpha ist die Differenz aus realisierter Rendite und per Beta prognostizierter Rendite, das hat mit Korrelation zu Beta erstmal gar nichts zu tun." Interessante Sicht. Nullkorrelation ist eine charakteristische Haupt-Eigenschaft bzw. praktisch Synonym von Alpha.

Natürlich ist Alpha per Definition nicht gleich Beta, das war aber gar nicht mein Punkt, sondern dass Alpha und Korrelationen vergangene Größen sind und nicht für die Zukunft weiter gelten müssen, auch hier bist du offensichtlich einer anderen Meinung.
Ich stelle nur fest, dass deine Strategie auf zwei Vorhersagen beruht, erstens dass deine alternativen Investments ein positives Alpha haben werden, und zweitens dass das auch noch vorteilhaft korreliert zu deinem Rest-Portfolio sein wird.
Ich sage nur, dass ich mich aus diesem Vorhersagen-Business normalerweise raus halte und es auch gar nicht nötig ist um gut genuge Investment-Ergebnisse zu erzielen.

Geht das noch mit rechten Dingen zu, bei solch persistenten magischen Kräften???

In diese Investment-Erfolgsgeschichten wird meistens viel zu viel rein interpretiert, oftmals sind sie nur Folge eines Survivorship Bias.
Es besteht immer die Möglichkeit, dass der Investment-Erfolg nur Glück war.
Und selbst wenn es Können war, bleibt der Erfolg nicht ewig bestehen, der Markt passt sich an. Z.B. hat die Yale Stiftung lange Zeit den Markt geschlagen, hinkt aber in den letzten Jahren hinterher, und andere Endowments sind mit dem Yale Modell nicht ansatzweise so erfolgreich gewesen: How the Bogle Model Beats the Yale Model


Smartinvestor sagt am 26. September 2018

@CarstenP

"Es besteht immer die Möglichkeit, dass der Investment-Erfolg nur Glück war."

Hier liegt vermutlich noch das größte verbliebene Missverständnis vor, das ich bislang nicht ausräumen konnte.
Also ich investiere ausschließlich in etliche entsprechend ausgewählte, wettbewerbsfähige Fonds, die bislang "echtes" reines Alpha = statistisch signifikante risikoadjustierte Mehrrendite ggü. ihren korrekten passenden Benchmarks und dazu noch mit mindestens aktienähnlicher Rendite und Volatilität generieren und sonst nichts im Alpha-Bereich.
Wenn "der Investment-Erfolg nur Glück" gewesen sein soll, dann wäre es kein "echtes" Alpha. Genau wie angebliche Alpha-Fonds, die eine nennenswerte Korrelation > 0,2-0,3 zu Beta aufweisen weder echt noch rein sind und sich nicht weiter lohnen, weil das Optimum aktuell einfach hochreines Alpha und Beta ist.
Da das extrem harte Anforderungen sind, bleiben nur ganz wenige Fonds übrig, die das erfüllen.
Das eliminiert aktuell die Qual der Wahl.
Es reicht eine reine Negativ-Auswahl. Echtes Alpha zu generieren, behaupten natürlich viele und erreichen nur sehr wenige. Aber du kannst sicher sein, dass ich das alles bei jedem einzelnen Alpha-Fonds von Anfang an seit 20 Jahren mit Top-Expertenunterstützung sorgfältigst überprüft habe, laufend weiter überprüfe und darauf sicher nicht reinfalle.
Sonst hätte ich ja keinerlei Gewähr für Persistenz, die unabdingbar ist.

Der Alpha-Kritiker Brad Barber hat bekanntlich in seiner Studie von Endowment-Alpha aufgezeigt, dass "echtes" Alpha bislang über Jahrzehnte persistent ist und fast nur durch reine Alpha-Anlagen generiert wird.
Das ist also ein über viele Jahre herangereiftes in sich schlüssiges Gesamtkonzept.
Somit ist reines Glück hier nun wirklich absolut auszuschließen.
Die Eigenschaft von reinen Alpha-Fonds, unkorreliert zu Aktien und Anleihen zu sein, sorgt schließlich dafür, dass durch relativ hohes Rebalancing-Alpha ein entsprechend attraktives Portfolio-Alpha dauerhaft erzeugt wird, solange alle Alpha-Fonds im Durchschnitt ihre o.a. Anforderungen erfüllen.

Ich hoffe, dass hiermit nun letzte Zweifel ausgeräumt sind und somit mein vorgeschlagener Weg zu dauerhaft überdurchschnittlichem Anlageerfolg mit persistenter Mehrrendite bei deutlich verringerten Schwankungen und Drawdowns im Privatbereich mit einem systematischen Ansatz umfassend bestätigt ist.
Vielen Dank für deine "Persistenz" trotz meiner mitunter gewöhnungsbedürftigen Art und Weise. ;-) Mir ist dabei auch einiges viel klarer und bewusster geworden, was ich vorher eher rein intuitiv vermutet und gemacht hatte.

Ich werde für alle weiter Interessierten im Folgenden noch ein paar durch mich ebenso sorgfältig qualitätsgeprüfte, finanzpornofreie und nach meiner Erfahrung hilfreiche Empfehlungen bereitstellen, wie man diesen Ansatz von Grund auf erlernen und anwenden kann.
Denn der lohnt sich wirklich sehr für Privatanleger mit gerechtfertigtem Aufwand schon ab 6-stelligen Vermögen.
Das gilt vor allem jetzt bei den über lange Zeit eingetrübten Aussichten bei Beta-Erträgen, beim erwarteten langen Wiederanstieg der Zinsen einerseits und bei der heutigen Verfügbarkeit von Finanzwesir-ähnlich hochwertiger Unterstützung bei der Alpha-Jagd, z.B. durch den Blogger Niels Kaastrup-Larsen von "toptradersunplugged.com", und von mittlerweile schon etlichen hervorragenden, kostengünstigen und trotzdem hochperformanten reinen Alpha-Fondsprodukten.

Und "risikoadjustierte Outperformance" heißt dabei nicht nur ganz allgemein höhere Gesamt-Rendite gegen höheres Risiko.
Für die, die es ganz genau nehmen, heißt das nach meiner 20-jährigen Erfahrung damit langfristig (> 1 Börsenzyklus) permanent deutlich höhere Gesamt-Rendite als beim reinen Beta-Portfolioanteil bei mittelfristig (Monate bis Jahre) deutlich abgesenktem Gesamt-Risiko/Vola/Drawdowns.
Nur kurzfristig (Tage - Wochen) kann es zu Schwankungen des Portfoliowertes kommen, die ähnlich groß aber völlig reversibel und damit unschädlich sind, wie beim reinen Aktienindexfonds-Portfolio ohne Alpha, wie z.B. Anfang Februar 2018; meistens sind diese Schwankungen jedoch kurzfristig ebenfalls deutlich geringer als beim reinen Beta-Portfolioanteil.
Bzgl. Liquidität gibt es bei den von mir präferierten Liquid Alternatives UCITS-Fonds mit wettbewerbsfähigen reinen Alpha-Strategien keine signifikanten Unterschiede zu reinen Beta-Anlagen mit ETFs nach Finanzwesir-Standard.

Empfehlenswert zum tieferen Verständnis und zum Erlernen dieses lohnenden Ansatzes sind nach meiner Erfahrung neben den bereits in diesem und im Finanz-Onanisten-Thread u.a. von David Swensen, "Pioneering Portfolio Management", Peter Bernstein, "Capital Ideas Evolving", Anti Ilmanen, “Expected Returns on Major Asset Classes." zitierten allgemeinen Werke noch folgende Spezial-Literatur und -Links für reine Alpha-Fonds:

  1. Die Neuauflage der in der Alpha-Welt des systematischen Tradings meist zitierten Grundlagenstudie des Harvard-Prof. John Lintner, des legendären "Lintner Paper" ("The potential role of managed commodity financial futures accounts and or funds in portfolios of stocks and bonds", John Lintner, 1983, Working paper, Harvard University):
    "Lintner Revisited: A Quantitative Analysis of Managed Futures", 31 Aug 2015 By Ryan Abrams, Ranjan Bhaduri and Liz Flores

Das originale "Lintner-Paper" und die damals schon umfassende Literatur zu Managed Futures hat mich vor fast 25 Jahren nach dem begeisternden Economist-Artikel am 9.10.1993, "Frontiers of finance – on the edge" endgültig auf die echt lohnende reine Alpha-Jagd gebracht, zumal Lintner einer der wissenschaftlichen Miterfinder des CAPM war.
Daher war ich schon damals überzeugt, dass er an vorderster Front der Finanzwissenschaft stand und seine Ideen großes Zukunftspotenzial haben würden, q.e.d.

  1. Wem das zu schwierig ist, der findet unter folgendem Link ein - natürlich auf hier auch schon sehr hohem Niveau - "einführendes" Podcast-Interview vom Blogger Niels Kaastrup Larsen von "TopTradersUnplugged.com" mit dem "ECONOMIC ROCKSTAR" Frank Conway über die aussichtsreichste Alpha-Welt der systematischen Trendfolge mit optimal dafür geeigneten Futures, ganz ähnlich unserem Podcast hier zwischen unserem Wesir und dem Rocker über die systematische Beta-Welt.
    Die eignen sich in reinster Form u.a. nach Ilmanen und nach meiner eigenen meiner Erfahrung beide bestens in Kombination für rationales Investieren mit dauerhaft überdurchschnittlicher Rendite.
    Daher werden Trendfolger Managed Futures gemeinhin auch als "Sharpe-Optimierer" von klassischen Beta-Portfolios mit Aktien und Anleihen gezielt konstruiert und eingesetzt:

"142: Niels Kaastrup-Larsen on Time, Diversification and Asset Allocation in Trend Following Strategies".

Die beiden folgenden dort aufgeführten Bücher von Niels u.a. sind einfach zu verstehende und außergewöhnlich motivierende, aufeinander aufbauende Einführungen für Einsteiger in "Trendfollowing Managed Futures". Sie sind mit hoher Sachkenntnis und meisterhafter Didaktik ähnlich dem Finanzwesir-Buch für Beta-Anlageklassen geschrieben:

  1. Auf den dauerhaften praktischen Nutzen dieser einzigartigen Trading-Strategie hat sogar schon das Wirtschafts-Nobelpreiskomitee vor 5 Jahren mit seiner Öffentlichkeitsinfo "Trendspotting in asset markets" unübertroffen klar und deutlich hingewiesen, um auf dessen großen Nutzen im Portfoliomanagement aufmerksam zu machen.

Die offizielle Haupt-Begründung des Wirtschafts-Nobelpreiskomitees 2013 unterstützt absolut meine zentralen strategischen Grundannahmen inklusive meiner Präferenz für mittelfristige Alpha-Fonds:

"There is no way to predict the price of stocks and bonds over the next few days or weeks. But it is quite possible to foresee the broad course of these prices over longer periods, such as the next three to five years.
These findings, which might seem both surprising and contradictory, were made and analyzed by this year’s Laureates, Eugene Fama, Lars Peter Hansen and Robert Shiller...
The Laureates have laid the foundation for the current understanding of asset prices. It relies in part on fluctuations in risk and risk attitudes, and in part on behavioral biases and market frictions."

Also wem das nicht genügt, um sich bei entsprechender Verständnis- und Finanzgrundlage aus dem damit endgültig überholten passiven Buy-and-Hold mit reinen Beta-Anlagen bei den tollen Unterstützungs- und Produktangeboten heraus- und weiterzuentwickeln, dem ist nicht mehr zu helfen. ;-)

Im Folgenden noch ein sehr motivierendes Zitat aus dem o.a. 2. Buch von Niels. Das zeigt das riesige Potenzial dieser unkorrelierten, performanten Alpha-Fonds insbesondere in den kommenden rauen Zeiten auf:

"Pay careful attention because the ability to use Trend Following as an investment strategy and guide to make money is one of the most effective money-making skills you could ever hope to acquire. If you master this strategy, the adverse impact of market crises should be greatly reduced. While Trend Following is an indispensable strategy, finding investors who have the ability to use it to its full advantage are as rare as hen’s teeth. But, if you can do it (we mean really do it), then you will be truly ahead of the game. By now, the following statement will come as no surprise to you. We believe that individual investors need to allocate to Trend Following strategies more than ever, to defend against unforeseen changes in world economies and market conditions."

  1. Q&A-Interview von Niels mit dem CEO von Dunncapital.com James Dailey. Mit 45 Jahres ist Dunncapital.com eines der weltweit ältesten, erfolgreichsten und ähnlich Vanguard anlegerorientiertesten Managed Futures-Unternehmen, das sich bislang rein auf die Trendfolge-Strategie spezialisiert hat: Special Edition Q&A InsideDUNN

  2. Wer seine Kenntnisse und zukünftige Alpha-Investitionen absichern will, findet in der folgenden kürzlich von Niels erstellten Bücherliste alles, was man dazu braucht und noch viel mehr:
    "The Ultimate Guide To SYSTEMATIC TRADING Books"

Ich hoffe, dass hier alle weiter Interessierten einen guten Ausgangspunkt für die Reise in diesen ungewohnten aber ungeahnt vorteilhaften Teil der Finanzwelt finden, der allmählich an Respekt und Akzeptanz von Investoren auf der ganzen Welt gewinnt. Denn gut Ding braucht Weile. Aber wer das früher erkennt, profitiert mehr und länger davon.

Wie sehr sich das lohnt, sagt Niels in seinen o.a. Büchern und in seiner Selbsthilfegruppe TopTradersUnplugged.com für Alpha überaus klar und deutlich, leicht verständlich und hoch motivierend, genau wie Albert das in unserer Selbsthilfegruppe für Beta macht. Beide machen das vor allem nicht um Geld sondern aus aktiv gelebter Nächstenliebe um des finanziellen Heils ihrer Leser wegen.

Wünsche allen daran Interessierten viel persistentes "Glück der Tüchtigen" dabei... ;-)


BigMac sagt am 27. September 2018

@smartinvestor:

Denn der lohnt sich wirklich sehr für Privatanleger mit gerechtfertigtem Aufwand ...

Wer meine Kommentare hier verfolgt weiß, dass mir der Punkt "Aufwand" sehr wichtig ist, auch bei der Vermögensanlage. Mehr denn je bin ich nach dem Lesen deines letzten Beitrags davon überzeugt, dass es sehr unterschiedliche Auffassungen davon gibt, was die Einstufung von Adjektiven - gerechtfertigt, gering, leistbar, lohnend, möglich, ... - betrifft.
Ich glaube, dass du mit dieser - IMHO - gigantischen Liste mit ausschliesslich(?) englischsprachigen Quellen die Leute eher abschreckst als animierst.
Das Erfolgsrezept des Finanzwesirs ist in meinen Augen die Einfachheit und der damit einhergehende geringe Aufwand.


CarstenP sagt am 27. September 2018

@ Smartinvestor

"Es besteht immer die Möglichkeit, dass der Investment-Erfolg nur Glück war." Hier liegt vermutlich noch das größte verbliebene Missverständnis vor, das ich bislang nicht ausräumen konnte.

Das wirst du auch nicht ausräumen können, egal wie viel Text du produzierst und Links zusammenkramst.
Die Finanzgeschichte enthält genügend Beispiele, auch wenn du diese Zufall-statt-Können-Möglichkeit für dich selbst und deine Alphafonds nicht wahr haben willst, so besteht sie trotzdem.
Und selbst wenn Alpha auf Können basierte, so passt sich der Markt früher oder später an und spätestens wenn auf einer Finanz-Anfängerseite über fortgeschrittene Tradingstrategien/Faktoren/Alternativen/Trendfollowing/Marktneutral/Long-Short/usw. diskutiert wird, ist der Alpha-Zug vermutlich schon abgefahren...

Also wem das nicht genügt, um sich bei entsprechender Verständnis- und Finanzgrundlage aus dem damit endgültig überholten passiven Buy-and-Hold mit reinen Beta-Anlagen bei den tollen Unterstützungs- und Produktangeboten heraus- und weiterzuentwickeln, dem ist nicht mehr zu helfen. ;-)

Wer marktbreit diversifiziert passiv anlegt, erhält die Marktrendite, da ist überhaupt nichts "endgültig überholt", das gilt nach wie vor.
Wer den Markt schlagen bzw. Alpha generieren will, der muss aktiv werden, teilt sich aber auch nur die Marktrendite mit den anderen aktiven Investoren, und da gibt es Gewinner und Verlierer. Das haben schon viele geglaubt immer auf der Gewinnerseite stehen zu können, gelingt aber nur wenigen.

Sei es drum, mir ist meine Freizeit zu Schade um nach Alpha zu suchen, ich rechne mir keine allzu guten Chancen dafür aus und bin mit der Marktrendite zufrieden.
Außerdem hat sich eine gesunde Portion Skepsis bisher bewährt, wenn mal wieder mehr Rendite für weniger Risiko versprochen wird, weil sich derartige Versprechen gerne mal als heiße Luft herausstellen.

Aber natürlich gilt auch bei der Alphajagd: "Jedem Tierchen sein Pläsierchen."


Smartinvestor sagt am 06. Oktober 2018

@BigMac

"Ich glaube, dass du mit dieser - IMHO - gigantischen Liste mit ausschliesslich(?) englischsprachigen Quellen die Leute eher abschreckst als animierst."

Stellt das heute wirklich noch eine Barriere dar? Denn wer hat z.B. noch anspruchsvolle Jobs, die ausreichend Geld zum Anlegen insbes. in Alpha-Fonds übrig lassen aber kein Englisch erfordern?? Auf Deutsch findet man im Gegensatz zu Englisch leider sehr wenig Brauchbares dazu. Nach längerer Suche scheint das etwas zu sein:

Die Leseprobe dort enthält einen großen Auszug aus dem Kapitel über Managed Futures.

Ist alles sehr wissenschaftlich. Besteht hier Interesse an einer deutschen Übersetzung von Niels einführenden Büchern, die ähnlich dem Finanzwesirbuch (auch für mittlere Englisch-Kenntnisse) sehr leicht verständlich, unterhaltsam und motivierend aber auf fundierter wissenschaftlicher Basis geschrieben sind? Das erste wäre dieses Grundlagenbüchlein (ca. 2h Lesezeit):

"How To Master Managed Futures - Even If You Have Never Traded Before" von Katy Kaminsky & Niels Kaastrup-Larsen.

Ich könnte ihn mal danach fragen, wenn hier ausreichend Interesse daran vorliegt. Bitte ggf. um Meldungen.

"Das Erfolgsrezept des Finanzwesirs ist in meinen Augen die Einfachheit und der damit einhergehende geringe Aufwand."

Das sehe ich genauso. Aber er bringt ja auch zunehmend hochinteressante Artikel zu Alpha, wie diesen hier oder wie über den Stammgast Nassim Taleb, den Trader-Artikel, den größten Hedgefonds-Manager Ray Dalio, die Managed Futures Expertin Kathryn Kaminski... Denn er will sicher, wie ich, auch nicht immer nur bei Beta stehenbleiben.

Und, wie schon gesagt, mit der Fokussierung auf das Königsprinzip der Kombination von reinem Beta mit reinem Alpha ist das bzgl. laufendem Umsetzungsaufwand eigentlich immer noch gaaanz einfaches Buy-Hold mit Rebalancing.
Der überschaubare Zusatzaufwand der (eher paranoiden ;-) laufenden Überprüfung von in Summe ca. 1-2 Tagen pro Jahr und einer ca. doppelt so hohen Zahl Fonds im Depot bringt jedoch den enormen Zusatznutzen mindestens 2 völlig unkorrelierter Anlageklassen.
Denn damit habe ich neben einer deutlichen Steigerung der risikoadjustierten Rendite im Bereich einstelliger %-Punkte die leidigen Themen FG-Leiter / TG-Hopping / Ärger über Negativzinsen / Angst vor Ausfall / Zaudern vor Investition größerer Summen jetzt auf möglichem Höhepunkt vor der nächsten großen Krise... radikal vereinfacht, nämlich einfach abgeschafft.
Das verschafft viel Anlegerseelenfrieden mit antifragiler Aufstellung.
Letzteres ist übrigens auch ein Erfolgsrezept des Finanzwesirs. Und erst kürzlich hat unser Wesir ja mit einem Link, wie ich hier auch wiederholt, auf große Gefahren bei vermeintlicher "Absicherung" mit langfristig unsicheren Anleihen von eigentlich viel harmloserer reversibler Aktienindex-Volatilität hingewiesen: "Wenn Sicherheit zur Gefahr wird."

"Mehr denn je bin ich nach dem Lesen deines letzten Beitrags davon überzeugt, dass es sehr unterschiedliche Auffassungen davon gibt, was die Einstufung von Adjektiven - gerechtfertigt, gering, leistbar, lohnend, möglich, ... - betrifft."

Daher habe ich als Bezugsgröße die entsprechende Verständnis- und Finanzgrundlage in 6-stelliger Höhe genannt, damit ich auch bei den reinen "Monetaristen" keine falschen Hoffnungen wecke.
Fair enough, oder?
Die anderen Vorteile, wenn man sich mit Geld, das die Welt regiert und somit fast jeden Aspekt des Lebens massiv beeinflusst, wesentlich besser auskennt, habe ich ja schon mehrfach erwähnt. Warum siehst du das ganz anders?

@CarstenP

"Das wirst du auch nicht ausräumen können, egal wie viel Text du produzierst und Links zusammenkramst."

Also von etwas mehr Aufgeschlossenheit war ich bei deinem anfänglich gezeigten Interesse schon ausgegangen. Vergleiche einfach mal den Umfang an "produziertem Text und zusammengekramten Links", die der Finanzwesir in seiner Anfangszeit vor 4 Jahren so gebraucht hat.
Aber dann hat er es doch geschafft, reines Beta hier gegen das Finanzporno-Establishment schließlich zu etablieren. Und zwar zur Dankbarkeit sehr sehr vieler und jetzt treuer Leser. Und jetzt kommt eben Alpha dran, um nicht stehen zu bleiben. Die weiteren Gehversuche vom Wesir Richtung Alpha werde ich jedenfalls weiterhin nach Kräften unterstützen. Denn steter Tropfen höhlt den Stein... ;-)

"Die Finanzgeschichte enthält genügend Beispiele, auch wenn du diese Zufall-statt-Können-Möglichkeit für dich selbst und deine Alphafonds nicht wahr haben willst, so besteht sie trotzdem."

Und was bedeutet denn statistische Signifikanz von seit Jahrzehnten persistent erzieltem positivem Alpha dann für dich? Und was der 2013 an Robert Shiller und Eugene Fama verliehene Wirtschaftsnobelpreis für die mittelfristige Vorhersagbarkeit von Preisentwicklungen in den Märkten? Warum sollte der für etwas Zufälliges verliehen werden? Das würde doch dessen hohen wissenschaftlichem Anspruch völlig widerspechen? Um es also mit deinen Worten zu sagen: Auch wenn du dieses Können-statt-Zufall-Fakt für mich und meine Alphafonds nicht wahr haben willst, so besteht er trotzdem.

"ist der Alpha-Zug vermutlich schon abgefahren..."

...nicht für die, die sich an das Erfolgsprinzip des Wesirs, ausschließlich in etwas zu investieren, was sie ausreichend verstehen, konsequent halten. Hierbei sollten sie verstehen, wie die reinen Alphafonds Ineffizienzen im Markt wettbewerbsfähig erkennen und ausbeuten.

"Wer marktbreit diversifiziert passiv anlegt, erhält die Marktrendite, da ist überhaupt nichts "endgültig überholt", das gilt nach wie vor."

Der Volksmund sagt, das Bessere ist der Feind des Guten. Da es von höchster wissenschaftlicher Instanz anerkannte, ausreichend verstandene Ineffizienzen bzw. Vorhersagbarkeit im Markt gibt, kann diese, wie hier aufgezeigt, sehr vorteilhaft zur systematischen Erzielung von Mehrrendite genutzt werden.
Und immer wenn es etwas Besseres gibt, was Mehrrendite doch wohl ist, ist das Bisherige in diesem Sinne schlicht "überholt".
Das "endgültig" bezieht sich auf die Bestätigung dieser naheliegenden Feststellung durch den diesbezüglich bahnbrechenden Nobelpreis für Robert Shiller.
Das mit Nobelpreisen ausgezeichnete neue Wissen macht i.d.R. bisheriges Wissen - hier das schon mal quasi Dogma der EMH - ziemlich "endgültig" überholt.
Oder wann würdest du diesen Zeitpunkt sehen? So eher wie die katholische Kirche, die ca. 400 Jahre brauchte, um Galileos gewagte Hypothesen bzgl. geozentrischem Weltbild zu akzeptieren? ;-)

"Wer den Markt schlagen bzw. Alpha generieren will, der muss aktiv werden, teilt sich aber auch nur die Marktrendite mit den anderen aktiven Investoren, und da gibt es Gewinner und Verlierer."

Das ist korrekt. Aber der große Vorteil, den du anscheinend nicht wahrhaben willst, ist, dass die zugehörigen Zeitreihen von Alpha-Fonds zu denen von Beta u n k o r r e l i e r t sind!!
Wie du dem von dir selber verlinkten Morningstar-Artikel entnehmen kannst, reichen bei unkorrelierten Anlagen schon minimale Renditen, um die risikoadjustierte Rendite des Portfolios zu steigern! Und dazu reichen die Marktrenditen von Alphafonds lange aus, sofern sie rein und wettbewerbsfähig sind.

"...immer auf der Gewinnerseite stehen zu können, gelingt aber nur wenigen."

Immer gelingt das aus trivialen Gründen sowieso niemand und nicht "nur wenigen". Aber oft genug, was im langfristigen Durchschnitt völlig ausreichend ist.
Ich zwinge jedoch niemanden, meine guten Erfahrungen zu nutzen, wie man langfristig systematisch auf der Gewinnerseite stehen kann. Denn darum geht es ja unserem Wesir in diesem ganzen Blog.

"Außerdem hat sich eine gesunde Portion Skepsis bisher bewährt, wenn mal wieder mehr Rendite für weniger Risiko versprochen wird, weil sich derartige Versprechen gerne mal als heiße Luft herausstellen."

Das ist in der Tat so und ich bin da aus bekannten guten Gründen, die ich in diesem Kommentar auf eine Amazon-Rezension alle mal aufgeführt habe, extrem paranoid.
Aber wenn man schon weiß und versteht, warum das so ist, ist das doch schon mal die halbe Miete, oder nicht?
Warum sich dann nicht die andere Hälfte auch noch erschießen? Denn dazu musst man nur noch seinen Weg finden, wie man die Schlechten systematisch finden und herausfiltern kannst, sodass die Guten übrig bleiben, bei denen jegliche Qual der Wahl, die hier noch viele zu plagen scheint, verschwindet. Die guten Gelegenheiten findet man laut Buffett leider nur in den dunklen Ecken.

Dafür braucht man jedoch ein "Working Knowledge" der Statistik, wie Makropolos das hier beim Madoff Fall für alle mit bereits guten Statistikenntnissen beschreibt, um den ganzen Schrott, angefangen von kriminell primitiven Schneeballsystemen bis hin zu hinterlistig abzockendem Smart Beta, auszusortieren.
Dann können (rein statistisch) nur noch die ganz seltenen Gewinner übrig bleiben. Oder wie Buffett sagt, braucht man für großen Erfolg kein Genie, sondern sollte nur weniger Fehler als andere machen.
Und das geht mit Statistik ganz systematisch, wie ich das in vielen meiner Beiträge anspreche, denn das ist eine Schlüsselkompetenz. Sodann einfach nur an den wenigen wahren Finanzgenies und großen Denkern, wie Bogle, Swensen, Taleb u.a. orientieren und nicht wider besseres Wissen handeln, egal ob das von dem Finanzestablishment, Kommer, den IYIs, Madoff oder sonst wem kommt.

Das ist der systematische Königsweg zu dauerhaftem Alpha.


BigMac sagt am 07. Oktober 2018

Stellt das heute wirklich noch eine Barriere dar? Denn wer hat z.B. noch anspruchsvolle Jobs, die ausreichend Geld zum Anlegen insbes. in Alpha-Fonds übrig lassen aber kein Englisch erfordern??

Nichts für ungut, aber Sprüche dieser Art habe ich mehr als genug gehört und ich weiß nicht, woher diese Glauben beruht. Ich kenne deutlich mehr Leute im Top-Fünftel der Einkommenspyramide, die nur schlecht Englisch sprechen und es im Job auch nicht benötigen, als anglophile Mitmenschen.

Bei uns in der Firma versucht die Geschäftsführung mit sehr fraglichen Argumenten seit mehreren Jahren Englisch als Geschäftssprache einzuführen.
Jährliche Umfragen des Betriebsrates ergeben, dass nur ca. 20% der Belegschaft ihr Englisch als ausreichend für's Geschäftsleben erachten und ungefähr die gleiche Anzahl glaubt dies mit Schulungen erreichen zu können.
Über die Hälfte hingegen hält ihre Englischkenntnisse für absolut unzureichend und hat auch nicht den Glauben, dass dies ausreichend änderbar ist.
Wohlgemerkt, es handelt sich um die Belegschaft eines Technologie-Unternehmes, bei dem fast ausschliesslich Akademiker arbeiten und 80% der Angestellten AT-Verträge haben.
Ich selber habe im Abi in Englisch eine glückliche 4 gehabt und seitdem weder im Studium noch im Beruf Englisch benötigt. Mein Gehalt ermöglicht mir trotzdem seit über 20 Jahren eine Sparquote von durchschnittlich über 40%.

Deine Antwort bezieht sich aber nur auf den qualitativen Teil meiner Aussage.
Zur Quantität schreibst du leider nichts. Das Leben findet nicht nur in der (finanziell freien) Zukunft statt, sondern insb. in der Gegenwart. Am liebsten wäre mir, ich könnte meine Zeit komplett mit Dingen verbringen, die ich mir richtig Spaß machen.
Das Kümmern um meine Finanzen steht auf dieser Liste weiter hinten. Selbst wenn es die ganze Literatur in Deutsch gäbe, mir wäre der Aufwand viel zu groß das alles zu lesen und zu verstehen, vor allem in Relation zur Überperformance, die du nennst.


Dummerchen sagt am 07. Oktober 2018

@Smartinvestor

"Das sehe ich genauso. Aber er [der Finanzwesir] bringt ja auch zunehmend hochinteressante Artikel zu Alpha, wie diesen hier oder wie über den Stammgast Nassim Taleb, den Trader-Artikel, den größten Hedgefonds-Manager Ray Dalio, die Managed Futures Expertin Kathryn Kaminski... Denn er will sicher, wie ich, auch nicht immer nur bei Beta stehenbleiben."

"Und jetzt kommt eben Alpha dran, um nicht stehen zu bleiben. Die weiteren Gehversuche vom Wesir Richtung Alpha werde ich jedenfalls weiterhin nach Kräften unterstützen."

Ja - ist klar: 'Albert, der Alpha-Jäger'. Jetzt im Kino.

Hab mir gerade nochmal in Ruhe den Artikel durchgelesen, unter dem hier kommentiert wird. Wenn ich Absätze lese wie diesen: "Die Deppendichte wird geringer. Welche Deppen? Na, zum Beispiel ich. Vom aktiven Alpha-Jäger zum passiven Beta-Sammler gereift." habe ich arge Zweifel, dass der Hausherr und du auf dem Alpha-Beta-Weg in die gleiche Richtung gehen.
Liest sich für mich anders.
Warum der Finanzwesir uns hier auch mit Freitagslinks oder Interviews zu Themen beglückt, die sich z. B. auch mit "Alpha" beschäftigen können, hat er ja bereits mehrfach erklärt: Breite Beschäftigung mit der Thematik "Vermögensaufbau" ohne Scheuklappen.
Er möchte zum Nachdenken anregen. Man kann aber auf jeden Fall nicht daraus schlussfolgern, dass er dies empfehlen würde oder selbst diesen Weg eingeschlagen hat.

Liebe Grüße
Dummerchen


CarstenP sagt am 08. Oktober 2018

@Smartinvestor

Das ist korrekt. Aber der große Vorteil, den du anscheinend nicht wahrhaben willst, ist, dass die zugehörigen Zeitreihen von Alpha-Fonds zu denen von Beta u n k o r r e l i e r t sind!!

Und du willst nicht wahrhaben oder verstehen, dass es nicht ausreicht, wenn sich Assets unkorreliert verhalten um ein effizienteres Portfolio zu erreichen. Wenn ich Geld im Klo runterspüle, dann verhält sich das auch unkorreliert zum Aktienmarkt, wird mir aber keinen Vorteil bringen...

Wie du dem von dir selber verlinkten Morningstar-Artikel entnehmen kannst, reichen bei unkorrelierten Anlagen schon minimale Renditen, um die risikoadjustierte Rendite des Portfolios zu steigern!

Du scheinst den Morningstar-Artikel nicht ganz verstanden zu haben bzw. du pickst dir nur den Aspekt raus, der deine Sichtweise unterstützt. Niemand stellt in Frage, dass sich die risikoadjustierte Rendite theoretisch steigern lässt. Der Morningstar-Artikel beleuchtet aber, ob die reale Umsetzung von Liquid Alternatives diese Erwartung erfüllen konnte, zusammengefasst sind die Resultate eher deprimierend.


CarstenP sagt am 08. Oktober 2018

Man diese Textwände sind echt schwer lesbar, aber hier ist wieder diese verquere Logik:

Auch wenn du dieses Können-statt-Zufall-Fakt für mich und meine Alphafonds nicht wahr haben willst, so besteht er trotzdem.

Ich habe an keiner Stelle dein Können angezweifelt, ich sage nur, dass dein Erfolg auch Zufall gewesen sein könnte, damit schließe ich nicht die Möglichkeit aus, dass es auch Können gewesen sein könnte...


Joerg sagt am 08. Oktober 2018

"Gemeinsames staerken - Unterschiede verniedlichen" Nun, das ist ein olles Psycho-Konzept was (leider) meistens gut wirkt: "if you can't beat them: join them" oder falls du keine schluessigen Argumente mehr hast, pick dir einen vermeintlich "kleinsten-gemeinsamen-Nenner" und reite den anderen darauf tot ...

Also den anderen/seine Meinung ein bisschen, ein bisschen mehr vereinnahmen, ein bisschen umdefinieren, mal unwidersprochen 'was Unterschieben und schwups hast du "Freunde"/Meinungen an dir kleben wie Teerflecken und kriegst sie nicht mehr los ;-)

Voellig normale politische Arbeit ... (vgl Luckes Ursprungs-AfD oder weitere Bsp)

Hoffentlich mache ich das nicht auch so ... Seid wachsam ;-) - bitte helft mir!


CarstenP sagt am 08. Oktober 2018

Oh man, da steht ja noch mehr merkwürdiges Zeug:

Selbst wenn der Finanzwesir zum Alpha-Jäger geworden ist, spielt das doch überhaupt keine Rolle für meine oder deine oder irgendjemanden Anlagestrategie, der Finanzwesir kann doch machen, was der Finanzwesir machen möchte.

"Und was bedeutet denn statistische Signifikanz von seit Jahrzehnten persistent erzieltem positivem Alpha dann für dich?"

Du kennst dich doch mit Statistik aus, dann solltest du auch die Bonferroni-Korrektur kennen. Außerdem wird bei Finanzergebnisse oftmals schon bei 5% (ohne Bonferroni-Korrektur) von statistischer Signifikanz gesprochen, d.h. es besteht eine 5% Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis nur Zufall war.

"Und was der 2013 an Robert Shiller und Eugene Fama verliehene Wirtschaftsnobelpreis für die mittelfristige Vorhersagbarkeit von Preisentwicklungen in den Märkten? Warum sollte der für etwas Zufälliges verliehen werden?"

Das ist ein Strohmannargument. Außerdem ist Fama der Ursprung für Smart-Beta, was du so verabscheust. Und Shillers CAPE hat in den letzten 25 Jahren nicht so dolle funktioniert als Vorhersage-Tool, also auch noch ein schlechtes Strohmannargument.

Deine Texte sind ermüdend und wiederholend, du redest viel, aber sagst kaum was neues. Bring es doch auf den Punkt:

Dir steht für deine Überdurchschnittlichkeit eine überdurchschnittliche Rendite zu!


Smartinvestor sagt am 09. Oktober 2018

Hallo zusammen,
besten Dank für das wachsende Interesse! :-)

@BigMac

"Zur Quantität schreibst du leider nichts."

Das war das Bestreben, mich kurz zu fassen und ohne viel Worte praktische Hinweise zur Lösung beider Probleme zu geben.
Die beiden kurzen deutschen Buchkapitel über MF geben einen guten Einstieg in wissenschaftlichem Stil à la Kommer. Und bei ausreichend Interesse könnte ich mir vorstellen, dass Niels bei Nachfrage bereit wäre, sein kurzes Büchlein, im Stil ähnlich leicht wie das Finanzwesirbuch, auch auf Deutsch herauszugeben.
Dazu habe ich bislang leider auch keine Rückmeldung erhalten. :-(
Mehr kann ich dazu leider nicht sagen. Vor gut 20 Jahren musste ich ähnlich viel englische Literatur bewältigen, um passives Indexing mit Beta wie Investieren in reines Alpha zu erlernen. Aber ich habe diese harte Schule bis heute nicht bereut. Denn was man sich auf diese Weise erarbeitet, ist besser verinnerlicht und mit wesentlich mehr Sicherheit anwendbar als seichtere Kost.

@Dummerchen

"Man kann aber auf jeden Fall nicht daraus schlussfolgern, dass er dies empfehlen würde..."

Wo habe ich denn geschlussfolgert, dass unser Wesir das "empfehlen würde"? Ich beobachte in letzter Zeit lediglich vermehrte und mit Bedacht ausgewählte Beiträge zu Alpha und von ausgewiesenen Alpha-Größen, die auf mich absolut keinen provozierenden Eindruck à la Freitags-Liste machen.
Daher spreche ich von "Gehversuchen", nicht mehr und nicht weniger. Ansonsten habe ich einige weitere Parallelen zu erfolgreichem Investieren in reines Alpha entdeckt.
Das betrifft insbesondere das Thema, mit eigenem Verstand zu investieren im Gegensatz zu dogmatischem Vorgehen nach Kochrezept, sowie seine Empfehlung von antifragilem Vorgehen.
Beim Investieren ist letzteres ohne unkorreliertes reines Alpha leider unmöglich. Oder kennst du einen Weg, wie man sonst von Crashs profitieren kann?


Dummerchen sagt am 11. Oktober 2018

@Smartinvestor:

Sehr süß, wie Du das Zitat entsprechend abgeschnitten hast:

"Man kann aber auf jeden Fall nicht daraus schlussfolgern, dass er dies empfehlen würde oder selbst diesen Weg eingeschlagen hat."

Du sprichst von "Gehversuchen vom Wesir in Richtung Alpha" und "er will sicher, wie ich, auch nicht immer nur bei Beta stehenbleiben". So wird ein Schuh draus, gell?

"Oder kennst du einen Weg, wie man sonst von Crashs profitieren kann?"

Günstig nachkaufen.

Gruß
Dummerchen


Dubbel sagt am 11. Oktober 2018

Orientiert sich der Smartinvestor nicht an David Swenson?
Yale scheint jetzt in einen Kryptowährungsfonds zu investieren, also ob das man das Gelbe vom Ei ist?
https://dividendenfluss.de/yale-investiert-400-millionen-dollar-in-kryptowaehrungs-fonds/

Hm.... ich kaufe lieber einen ETF oder BASF oder sowas :)


Smartinvestor sagt am 11. Oktober 2018

@CarstenP

"Außerdem wird bei Finanzergebnisse oftmals schon bei 5% (ohne Bonferroni-Korrektur) von statistischer Signifikanz gesprochen, d.h. es besteht eine 5% Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis nur Zufall war." "Das ist ein Strohmannargument. [Zum Wirtschaftsnobelpreis 2013 für Robert Shiller u.a.]" "..."

Hier unterscheiden wir uns in unseren Einstellungen grundlegend. Ich bin am überdurchschnittlichen Anlageerfolg ganz pragmatisch interessiert. Dazu wende ich ein im ganzen Leben hochbewährtes Erfolgsprinzip konsequent an, das ausnahmslos ALLE erfolgreichen Investoren kennzeichnet. Auch unser Wesir legt es uns immer und immer wieder fast beschwörend ans Herz:

"Lieber ungefähr richtig als präzise falsch!!!"

Dazu muss man vor allem Wesentliches erkennen und von Unwesentlichem trennen. Du verlierst dich hingegen meistens in "5%-Wahrscheinlichkeiten", die gegen meinen Ansatz sprechen würden und stufst nach strengsten Kriterien überprüftes hoch verdichtetes bewährtes und anerkanntes Wissen auf dem Stand der Technik, Kunst und Wissenschaft als "Strohmannargument" ein!?! Also weißt du, neee...

"Deine Texte sind ermüdend und wiederholend, du redest viel, aber sagst kaum was neues."

Der schlichte Grund ist, dass ich dir mit leicht variierten Ansätzen helfen will, mit dem Verständnis von wenigen elementaren Grundsätzen von Alpha, wie in der o.a. kurzen Wirtschaftsnobelpreisbegründung unübertroffen auf den Punkt gebracht, (endlich) voranzukommen. Denn mehr als "pure alpha and beta" braucht es nicht.

Was liest und hörst du denn von unserem unermüdlichen Finanzwesir jahrein und jahraus seit 4 Jahren Neues zum passiven Kern von optimalem reinem Beta mit EIN BIS ZWEI MAX. DREI Standard-ETFs?
Oder von DEM Bogle?
Da ist noch viel weniger! Aktiv optimales reines Alpha und wie man es findet und allokiert, um damit bislang unübertroffen zu diversifizieren, ist das ganz bahnbrechend Neue!!! Und das sogar antifragil nach Taleb.
Das erst mal zu verstehen, ist hier die größte Herausforderung. Leider sind meine Schreibkünste bekanntlich relativ begrenzt. Das gebe ich gern zu. Aber keine Sorge. So schnell gebe ich (noch) nicht auf... ;-)


Smartinvestor sagt am 11. Oktober 2018

Joerg

"Seid wachsam ;-) - bitte helft mir!"

Also damit und dem ganzen Rest kann ich leider gar nichts anfangen. Im Vergleich zu deinen anderen scharfsinnigen Beiträgen in letzter Zeit ist der hier... na sagen wir mal irgendwie anders ;-)

Vielleicht hilft dir ja auch schon mein letzter Kommentar zu CarstenP weiter.


CarstenP sagt am 16. Oktober 2018

@Smartinvestor

OK, eine letzte Antwort meinerseits, weil wir uns hier im Kreis drehen und sich die ersten Leute beschweren (Sorry Leute, don‘t feed the troll, ich weiß).
Seinen Standpunkt hat doch jeder mehrfach dargelegt.
Du musst auch nicht jeden Satz von mir kommentieren und verdrehen, ich kommentiere auch nicht jede deiner Aussagen, da werden wir ja nie fertig. Du argumentierst oftmals nur des Argumentieren willens oder um einfach zu widersprechen.
Wenn du keine überzeugenden Argumente hast, dann respektiere doch einfach eine andere Meinung statt aus der Luft gegriffene Argumente zu konstruieren. Du bist schnell dabei anderen Unaufgeschlossenheit und Idiotie zu unterstellen, dabei sind viele Leute hier offen und interessiert Neues zu lernen.
Kaum jemand wird ein Problem damit haben, wenn du von deinen Alpha-Erfolgen oder vom letzten Schrei der Hedgefonds-Welt sachlich berichtest. Doch der Stil, wie du das bisher tust, ist meiner Meinung nach ätzend und zeugt von Engstirnigkeit und Eindimensionalität. Z.B. schließt du für dich selbst kategorisch die Möglichkeit aus, ein weiterer Narr des Zufalls zu sein, der an schwerer Selbstüberschätzung leidet. Ich erfülle hier nur meine Pflicht und weise dich darauf hin, dass das vermutlich dein „blind spot“ ist.

Es geht schon damit los, dass du dir sehr viel auf deine höhere Finanzausbildung einbildest und das auch gerne betonst, das ist lächerlich.
Ich finde dein bisher präsentiertes Finanz-Wissen nicht besonders beeindruckend, das Meiste ist allseits bekannt.
Es gibt Millionen gut ausgebildete Finanzmarktakteure, von denen viele mehr auf dem Kasten haben als du, die den ganzen Tag nichts anderes machen als den Markt zu analysieren und nach jeder noch so kleinen Markt-Ineffizienz zu suchen, trotzdem schlagen nur wenige davon den Markt auf risikoadjustierter Basis.
Diese Sichtweise hörst du nicht gerne, weil sie nicht in dein Finanz-Weltbild passt, wo hohe Finanzausbildung mit hoher Rendite belohnt wird. Folgendes Finanz-Weltbild macht deine hohe Finanzausbildung nämlich ziemlich wertlos:
Mehr Rendite gibt es nur für mehr Risiko (there is no free-lunch, the market is hard to beat). Offensichtlich fehlen dir gute Argumente für dein Weltbild, darum musst du wohl auf fragwürdige Argumentationstechniken zurückgreifen:

  • Textwände mit irrelevanten und wirren Zeugs und Links um von Gegenargumenten abzulenken
  • Zitate verstümmeln oder aus dem Kontext reißen um ein falsches Bild zu erzeugen
  • Unbewiesene Behauptungen bzw. keine seriösen Quellenangaben
  • Strohmannargumente, du merkst das noch nicht mal
  • Dieser „der Finanzwesir macht jetzt auch Alpha, also sollten alle anderen auch"-Doppeltrugschluss
  • Verdrehen von Aussagen und gegen den scheinbaren Umkehrschluss einer Aussage argumentieren, obwohl der gar nicht impliziert wurde
  • Zusammenhänge konstruieren, wo keine Zusammenhänge sind, z.B. den Nobelpreis für Fama erwähnen um indirekt deine Alpha-Fonds zu rechtfertigen (Fama ist übrigens der EMH-Mann)
  • usw.

Jetzt schreibe ich auch mal eine Textwand, aber nicht um abzulenken sondern um auf den wesentlichen Punkt zu kommen, warum ich die Bonferroni-Korrektur ins Spiel gebracht habe:
Du behauptest statistisch signifikant und persistent den Markt risikoadjustiert geschlagen zu haben, das ist sehr schön für dich.
Allerdings gibt es keinen Grund dir zu glauben, aber es gibt auch keinen Grund dir nicht zu glauben, es ist auch völlig bedeutungslos für den Rest der Welt, letztendlich solltest du nur ehrlich zu dir selbst sein.
Du sagst außerdem nicht, was statistisch signifikant für dich bedeutet oder was die Nullhypothese ist. Also denke ich mir jetzt irgendwas aus, sagen wir mal du hast in 15 der letzten 20 Jahre den Markt geschlagen (nur zum Vergleich Berkshire Hathaway hat in 12 der letzten 22 Jahre den S&P 500 geschlagen).
Die Nullhypothese ist, dass es Jahr für Jahr reiner Zufall (50/50) ist den Markt zu schlagen. Damit ergibt sich ein p-Wert von ca. 2%, was unter 5% liegt und als statistisch signifikant bezeichnet werden kann. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit rein per Zufall den Markt in mindestens 15 von 20 Jahren zu schlagen bei ca. 2% liegt und somit eher unwahrscheinlich ist.
Der Smartinvestor kann sich also auf die Schulter klopfen und der ganzen Welt erzählen, wie schlau er ist und dass er den Markt wahrscheinlich persistent geschlagen hat.

Moment mal da war doch noch was, Bonifero-Textur oder so.
Genau das kommt jetzt, es gibt bestimmt eine Million aktive Investoren weltweit, die sich für überdurchschnittlich schlau halten und die alle ihre eigene Crackpot-Strategie haben, von der sie denken damit den Markt schlagen zu können.
Blöderweise heißt das aber auch, dass ca. 20000 dieser Investoren rein per Zufall in mindestens 15 der letzten 20 Jahre den Markt geschlagen haben sollten.
Jetzt haben wir ein Problem, wie soll man nun entscheiden ob der Smartinvestor tatsächlich per seinem überdurchschnittlichen Können den Markt geschlagen hat oder er einfach einer der ca. 20000 Narren ist, die Glück gehabt haben???
Eine Möglichkeit, für dieses prinzipiell unlösbare Problem, ist es eine Korrektur vorzunehmen und zum Beweis der Überlegenheit des Smartinvestors ein kleineres Signifikanzniveau als 5% zu verlangen. Nach der konservativen Methode von Bonferroni teilen wir einfach durch die Anzahl der getesteten Hypothesen (Crackpot-Strategien):

Wenn der Smartinvestor mit seiner Investment-Methode einen p-Wert kleiner als 0,000005% erreicht hat, dann basiert sein Erfolg sehr wahrscheinlich auf seinem Können und ist sehr wahrscheinlich kein reines Glück gewesen.
D.h. wenn der Smartinvestor z.B. 25 Jahre in Folge Jahr für Jahr den Markt risikoadjustiert geschlagen hat, dann wäre das statistisch signifikant und es wäre unwahrscheinlich, dass er nur ein zufälliger Narr im Internet ist, der auf einer Finanz-Anfängerseite rumtönt wie toll er ist.

Zum Abschluss noch der Praxischeck der Smartinvestor-Methode (TM): Der größte Managed-Futures-Fonds, den ich finden konnte, ist AQR Managed Futures Strategy AQMNX, Mindestanlagebetrag 1 Million Dollar, über 8 Milliarden Dollar AUM, also viel Smartmoney auf der Suche nach mehr Diversifikation abseits von Aktien/Anleihen.
Wie hat sich der Fonds geschlagen im Vergleich zu US-Staatsanleihen mittlerer Restlaufzeit und Aktien weltweit:

AQMNX vs. VFITX vs. VT

Weniger Rendite als Staatsanleihen und fast so viel Volatilität wie Aktien, toll, so was kommt mir nicht ins Depot! Dann schauen wir aufs Gesamtportfolio, wenn man die blöden Staatsanleihen durch AQMNX ersetzt hätte, wie groß der Diversifikationsvorteil war:

50/50 AQMNX/VT vs. 50/50 VFITX/VT

Auch das noch, Diworsification! Unkorreliertes Rumzappeln alleine reicht nun mal nicht aus, darum kann dieses „reines Alpha und Beta“-Gequassel ignoriert werden...


Finanzwesir sagt am 16. Oktober 2018

Lieber CarstenP, lieber Smartinvestor,

meine Herren: Ich denke, dieses Thema ist ausdiskutiert. Ich erwarte deshalb Ihre Schlußplädoyers in dieser Sache. Die schalte ich dann noch frei. Alles weitere nicht. ;-)

Gruß
Finanzwesir


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